Archiv der Kategorie: SY Marlin

Entspannungswochenende

Navigationsfehler machen wir ja alle mal.

Dieser Segler hat wohl einen etwas gravierenden gemacht. Das Schiff liegt an der Ostseite von Klein Curacao. Ein Weg führt zum Wrack. Direkt daneben ein alter verrosteter KüMo. Jeden Tag bringen drei Ausflugsdampfer um 10 Uhr Scharen von Touristen von Spanish Waters nach Klein Curacao. Die werden versorgt, schnorcheln, essen und trinken. Um 16 Uhr sind alle wieder weg. Neu ist, dass es jetzt eine Handvoll sicherer Mouring Tonnen gibt an denen man festmachen kann. Stefanie war noch nie in den Tropen, hat noch nie einen tropischen Strand gesehen. Ein Boot hat sie schon und ihr Ziel ist die Ferne. Fernweh. Als Bootsjunge auf der MARLIN in karibischen Gewässern ist eine große Chance für sie. Große Augen bekommt sie als wir Klein Curracao erreichen. Aber auch ich bekomme große Augen. Schon einer der schöneren Plätze auf dem Weg nach Cuba. Ich hole meine langen Apnoe Flossen raus, schnalle mir 3kg Blei um die Hüfte und springe in das nasse Blau. Direkt unter der MARLIN fällt ab 10 Meter Tiefe eine Steilwand senkrecht auf 30 und mehr Meter ab. 10 Meter sind genug. Meine Freitauchkondition ist ziemlich hinüber. Wie auch? In Deutschland und der Ostsee macht man das ja nicht so oft. Aus der Tiefe sehe ich wie ein Fisch, wie es an der Wasseroberfläche regnet und stürmt. Ein Squall zieht durch. MARLIN zieht ordentlich an der Ankerkette. Ein Kofferfisch such im kristallklaren Wasser die Freundschaft zu mir. Schön ist es. Ich fühle mich wie zu Hause angekommen.
Wie viele will auch Stefanie das Kiten lernen. Ich drücke ihr einfach mal das 2qm Trainingskitekissen in die Hand. Als Vorbereitung für ein paar Stunden in der Kite Schule von Curracao. Das Kite Material der MARLIN trockne ich an Deck und entferne den ganzen Sand. Unwahrscheinlich, dass wir das vor Cuba auspacken werden. Mit dem ganzen Sand an Deck ist vielleicht nicht so eine gute Idee gewesen. Mit dem Besen mache ich die selbstgemachte Sauerei wieder weg. Es ist „nur“ ein Tagesaufenthalt auf der Insel den wir machen. Es ist trotzdem schön. Ein bisschen Energie tanken. In Curacao erwartet uns eine ganze Liste an Arbeit. Reparaturen, Verproviantierung, aber auch Freunde wie Serena besuchen und am Donnerstag mit den vornehmlich holländischen Seglern ein Bier trinken. Am Samstag kommen dann die anderen Mitsegler und schwupps wind wir auf dem Weg nach Cuba.  

Schiffsdurchsuchung mit Folgen

Harpune durch den holländischen Zoll konfisziert und vernichtet.

Wundert Dich, dass es keinen neuen Eintrag gibt? Es wird nicht langweilig! Ich war mitten in einer Demonstration für Cornelia und Gunther am Bordrechner. Wir sitzen alle im Salon, als es unangenehm am Schiffsrumpf rumst. Nicht grade freundlich, entern vier bewaffnete Zöllner das Schiff. Mit einer allgemeinen Verkehrskontrolle hat das nichts zu tun. Der niederländische Officer ist alles andere als freundlich, als er ohne Hausdurchsuchungsbefehl die MARLIN entert. Hafenkino im ansonsten ruhigen Kralendijk. Muss wohl Gefahr im Verzug sein… Zwischenzeitlich haben wir Bonaire verlassen. Always on the run. Cornelia und Gunther sind nicht mehr dabei. Auch Jan hat die MARLIN verlassen und ist zwischenzeitlich in Deutschland angekommen. Dafür habe ich Stefanie als Bootsjungen dabei. Fehlen tut Evert und Kim. Evert Knie ist immer noch nicht gut und die Beiden werden definitiv nicht zurückkommen um mit mir nach Cuba zu segeln. Immer bereit für neues habe ich mein soziales Netzwerk aktiviert und die Plätze als „Hand gegen Koje“ ausgeschrieben. Zu solchen Bedingungen wollen natürlich viele gerne Mitsegeln, aber die schon die Flugpreise trennen Spreu von Weizen. Dietmar kommt nun nächste Woche. Vielleicht werden es noch mehr. Schade finde ich das eigentlich. So ein schöner Törn. So ein schönes Ziel. Aber was ich finde, finden schon mal gar nicht all meine Mitsegler. Stefanies ist nicht zum ersten Mal dabei. Stefanie kommt aus Schleswig, hat ein eigenes Schiff und ist schon den Törn Kiel – Portsmouth mitgesegelt. „Puh ist das heiß.“ „Wolltest Du doch!“ Auf dem Weg nach Curacao wurden heute erst mal die Weichen gestellt. Ich habe ein bisschen zu viel Gas gegeben, wie sich im Debriefing herausstellte. Nun. Nicht das ich die MARLIN schnell gesegelt bin. Nein. Das war nicht das Problem. Wie immer bin ich wohl eher etwas ungeduldig, verstehe nicht wenn, nicht gleich alles verstanden wird, was für mich seit Jahren vollkommen selbstverständlich ist. „Wnuk. Du alter Salzbuckel. Komm mal runter“, spreche ich selbst mit mir. Vielleicht waren es aber auch die Vorkommnisse der letzten Tage, die mich einfach ausgepowert haben. Das Segeln mit Gästen nach Fahrplan hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit dem Segeln mit Familie. Bevor es also nach Spanish Waters, in die Lagune von Curacao geht, fällt der ROCNA Anker am Nachmittag auf 5 Meter Sandpatch, hinter Klein Curacao, das mitten auf dem Weg von Bonaire nach Curacao liegt. Vor einigen Jahren war ich mit Familie und Johann hier. Noch mit den alten Segeln, schon mit der roten MARLIN. Hier wo der damalige Delta Anker versagt hat, stehen wir fest auf der Stelle, auch wenn es unter uns eine Steilwand auf 70 Meter Tiefe geht. Tauchrevier. Zwei volle Flaschen, frisch in Bonaire inspiziert und gefüllt, warten auf ihren ersten Einsatz. Leider taucht Stefanie nicht. Ich glaube sie hat Respekt vor großen Fischen. Soll es ja geben. Prädestiniert wäre dieser Platz um den Kite rauszuholen. Aber dafür reichen meine Kite Fähigkeiten dann wohl noch nicht. Der Platz ist komplett ablandig. Bei 20 Knoten Wind wäre der kleine 11er Kite angesagt, der aber leider die Luft nicht hält. Nun. Nächste Woche in Curacao, da werden Stefanie und Micha sich die Zei t zum Kiten nehmen. Zwei Stunden suchen die Zöllner. Was auch immer sie suchen verraten sie nicht so genau. Warum sie überhaupt da sind stellt sich raus, verrate ich aber nicht. Da mußt Du wohl mal mitsegeln, dann erzähle ich es Dir vielleicht. Was sie finden ist die Harpune und ein Pfefferspray. Beides ist verboten in Bonaire und ich habe es nicht angegeben. Beides nehmen die eigentlich netten Offiziellen dann aber trotz gutem Zureden mit. Der Vorgang geht zum Richter und ich darf nicht ausklarieren. „Hallo? Wie bitte?“ Ich sehe meine Felle schwimmen, wie es so schön heißt. Das kann meinen kompletten Dominosteinfahrplan zum Umkippen bringen. Ich kann ja ruhig bleiben. Jetzt bleibe ich allerdings nicht mehr ruhig. Jeden Tag gehe ich ins Büro der Zöllner und erkundige mich nach dem Status des Urteils, dass der Richter über mein Schicksal fällt. Das stresst mich so sehr, dass ich mir sogar die Lust zum Bloggen vergeht. Gestern kommt dann endlich das Urteil. Nein. Ich muss nicht in s Gefängnis, die MARLIN nicht an die Kette. 150 $US Strafe und die Harpune wird vernichtet. Blaues Auge würde ich mal sagen. Konsequent klariere ich direkt aus, zahle meine Strafe. Heute dann: Leinen los und nix wie weg hier. Passiert mir bestimmt nicht noch mal. Noch ein Mitsegler unter den Lesern, der Hand gegen Koje den Trip von Curacao nach Cuba mitsegeln will? Dann mal schnell per e-mail melden und wenn noch Platz ist: Flug für den 9.2. nach Curacao buchen. Einmalige Chance.  

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Wenn jeder Tag etwas ganz besonderes sein soll

Türkises Leben

Wer einmal die Diagnose „schwer krank“ mit einem entsprechend langen Aufenthalt in einer Klinik hatte, der lebt anders. Da soll jetzt jeder Tag ein bewußter Tag sein, jeder Tag etwas besonders. Die Akzeptanz sich mit Dingen und Problemen zu beschäftigen, die einen nicht interessieren oder weiterbringen, sinkt zum Teil im freien Fall. Das Leben ändert sich schon abrupt. Wir haben die beste Crew von allen bisher mit Cornelia und Gunther. Jung, motiviert, fast immer bester Laune und sympathisch. Hilfsbereit mit einem offenen Blick, wo es anzupacken gilt. Na. Was wollen wir mehr? Das passt. Das Wochenende chillen wir gemeinsam. Jan und ich ziehen der Kite in den Himmel und holen uns beide einen tierischen Sonnenbrand. Nachweislich Fortschritte mache ich nicht, weil ich zum Schluß von Jan’s Zeit auch den Vortritt gebe um seine Kite Kontrolle zu verfestigen. Cornelia und Gunther erkunden mit SUP und Sonnenmilch die nähere Umgebung von Cayo Francisqui, unserem ZuHause für dieses Wochenende. Wir essen und trinken fürstlich, dazu gibt es alle zwei Stunden ein Gewitterschauer. Dann heißt es: „Fenster Zu!“ Fünf Minuten später: „Fenster Auf!“ Jedes Leben hat eben seine anderen Regeln. Ausserdem ist es heiß. Mir kann es garnicht heiß genug sein. Die Wochenendvenezolaner lösen das Problem indem sie ihre Plastikstühle ins seichte Wasser stellen, ihre Drinks mitnehmen und bis zur Hüfte gekühlt im Wasser sitzen. Ein kleines aber schickes Restaurant, „Casa Marina“, liegt auf der Landspitze. Hier gibt es frischen Lobster, Spagetti mit Pulpo, Ceviche und verschiedene andere Leckereien. Etwa 30 Gäste tummeln sich hier und da. Also nicht ganz so voll wie auf Mallorca. Von der venezolanischen Wirtschaftskrise und das Menschen auf dem Festland verhungern, weil es keine Lebensmittel zu kaufen gibt, ist derzeit nichts zu merken, auf jeden Fall nicht hier. Für uns naht schon wieder die Abreise von diesem paradiesischen Ort. Morgen vormittag haben wir einen Termin mit unserem Freddy, der uns nebst zwei Lagen Bier auch 300 Liter Diesel zum Schiff bringen will. Etw 10 Cent kostet der Diesel in Venezuela. Der Liter. Wir haben uns incl. Lieferung zum Boot auf 100€ geeinigt. WinWin nennt man so was in Deutschland. Dann geht es für weiter die 100 Meilen nach Bonaire.  

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Auf Gran Roques / Venezuela angekommen

Pelikanische Einklarierung

“Mit oder ohne?“ Ich entscheide mich für „Mit“. Mit Einklarierung. Meine Gäste, vielleicht selbst irgendwann mal auf eigenem Kiel unterwegs, wollen wissen wie es ist. O.K. Können sie haben. Der Anker fällt bei strömenden Regen in finsterer Nacht direkt vor der Baracke der venezolanischen Küstenwache. Sechs Meter Wassertiefe. Hier ist unsere MARLIN mal in so einem Squall abgehauen. Das war noch zu Delta Anker Zeiten. Heute hält der Anker ohne auch nur einen Millimeter zu rutschen. ROCNA eben. Kann man um vier Uhr am Morgen ein Ankerbier trinken? Oder auch zwei? Jou. Wir sind sicher und schnell angekommen. Cornelia hat Seebeine bekommen und den Kampf gegen die Seekrankheit gewonnen. Das muss gefeiert werden. Nach ein paar Stunden Schlaf sieht die Welt bekanntlich auch besser aus. Wir sind immer noch an der Stelle wo der Delta mal eben gerutscht ist. Ich lasse mich in das klare Wasser fallen und schnorchel Kette und Anker ab. Alles gut. Auch mir geht es schlagartig besser, als ein junger Venezolaner im Kajak angepaddelt kommt. „Bienvenido en Venezuela. Soy Guarda Costa…“, stellt sich der sympathische Junge vor und fragt ob er zwecks Kontrolle an Bord kommen darf. „Na klar. Immer gerne!“ Er sitzt im Cockpit und kontrolliert ob wir alle Pässe haben. „O.K. Dann kommt bitte nachher ins Office für die Papiere.“ Eilig hat es keiner und wenn vier Personen gleichzeitig an Land wollen, dauert dass ja immer. Unser Dinghy machen wir am Schwimmsteg der Tauchschule fest. „Soll ich abschliessen?“ „Nö. Hier wird nicht geklaut.“ Die Einklarierung beginnt. Wir sitzen in einem verdunkeltem Raum. Jemand füll Papiere aus und wir bekommen quasi einen Agenten, Jerry, der uns helfen soll bei den anderen Institutionen, denn es ist alles anders im Moment. Noch 2016 konnte man am Anleger der Fähren günstig Euro zu Bolivar machen. Schwarzmarkt. Dann konnte man mit Bündeln von Geld einkaufen gehen. Aber Bolivar gibt es nicht mehr. Gezahlt wird nur noch mit venezolanischen EC Karten. Macht aber auch nichts. Der einzige Supermarkt auf der Insel ist geschlossen und zu verkaufen für 190.000 Dollar. Es gibt nicht zu kaufen. Ausser Diesel und Bier. Alles läuft wie am Schnürchen, nur eben typisch südamerikanisch langsam. Nach der Küstenwache geht es zur Immigration. Ich kenne die Beamten noch von früher, die mich natürlich nicht mehr. Meine Crew läuft hinter mir her. Es gibt weder geteerte Strassen, noch Autos auf Gran Roques. Es ist heiß. Ich verhandle auf Spanisch und wir bekommen den Ein- und Ausklarierungsstempel direkt in einem, brauchen also am Montag deswegen nicht mehr wiederkommen. Jerry zahlt mit seiner Karte die Gebühren für die Einklarierung und Parkgebühr für zwei Wochen. Zusammen 40 $US. Ok. Alles gut. Am Montag bekommen wir vielleicht 300L Diesel geliefert. Ich bin gespannt. Jerry richtet meine venezolanische SIM Karte ein und schwupps haben wir Internet. Zurück zum Dinghy ist diese nicht geklaut, aber besetzt. 10 Pelikane haben das Dinghy als ihr neues Heim entdeckt. Sieht cool aus. Allerdings ist es beschissen. Vollgeschissen. Wieder was gelernt. Fahre nicht ohne Lappen und Wurzelbürste mit dem Dinghy. Wir verlegen ins zwei Meilen nahe Cayo Francisqui. Jetzt wird es irgendwie traurig für mich. Das Haus der Kite Schule, auf Pfählen gebaut, steht mitten im Wasser. Die flache Sandinsel, der Strand rundherum, ist weggespült. Hmm. Das ist ja dumm gelaufen. Der Kite Startplatz ist weggefegt. Meinen Mitseglern ist das nicht so wichtig. Sie kennen es ja nun auch nicht anders. Für sie ist es trotzdem: „Oh wie schön ist das denn hier.“ Der Tag ist schon gelaufen. Die Sonne geht unter. Ein Squall kommt selten allein. Ich habe 2kg Yellofin Thuna aufgetaut. Wir essen alle viel zu viel und dann kommt das Sandmännchen, streut ordentlich Sand in unsere Augen. Dieses Wochenende bleiben wir hier.

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Nächtliche Begegnungen

Venezolanische Träume

Cornelia und Gunther wollen es wissen. Als erfahrene Ostseesegler mit eigenem Schiff, sind sie einfach auch hier um mit mir den Blauwasseralltag kennenzulernen. Das klappt ganz gut. Wir laufen ein Squall nach dem anderen ab. 30 Knoten Wind mit entsprechenden Böen lassen die MARLIN in den Galopp wechseln. Drittes Reff. „Ich habe vorhin 13 Knoten auf dem GPS gesehen.“ MARLIN dampft durch die Nacht wie ein ICE, legt sich schräg, wackelt mit dem Hintern und findet wieder ihren Kurs. „Wir können ja nen neuen ETMAL Rekord machen“, grinst Jan. „Wenn Du die Schäden zahlst? Warum nicht!“, antworte ich. Cornelia arbeitet noch an ihren Seebeinen. Vollkommen normal. Trotzdem schaut sie etwas ängstlich. Für die Nacht entscheide ich ins dritte Reff zu gehen. Immernoch 9 Knoten. Jan und ich teilen uns die Nachtwachen, Cornelia und Gunther machen mit. “Micha! Ein unbeleuchtetes Schiff, direkt neben uns! Wach schnell auf.“ Ich falle aus dem achterlichen Stockbett quasi direkt in den Niedergang und stürme schlaftrunken an Deck, übernehme das Steuer. Direkt vor uns ein Fischerboot. „Aber die haben doch Licht?“ Jan ist ganz verwirrt und grunzt irgendwas von einer Lancha. Auf dem Fischerboot schlafen alle bei vorschriftsmäßiger Beleuchtung. Wer kein Licht anhat sind wir. Wir wollen gar nicht gesehen werden. Auch unser AIS sendet nicht, wir empfangen ausschliesslich. Das Fischerboot hat zumindest 6 Fischer-Bojen draussen, die alle mit einem Class B AIS Sender ausgestattet sind und ebenfalls beleuchtet sind und in einem Sektor von 5 Meilen um uns herum mit 1.5kn Richtung West rumtreiben. Was an den Bojen ist wissen wir nicht. Vielleicht sind es ja gar keine Fischerbojen, sonder es hängen Tonnen von Kokain dran und ich könnte blitzschnell reich werden. Jan hat brav den besten Weg durch die Matrix gewählt. Das die Fischer zwar AIS für ihre Bojen haben aber kein AIS für ihr Mutterschiff ist schon ein starkes Stück. Mit einem Blick auf die Karte zeigt sich warum. Wir segeln grade über einen flacheren Bereich wo es statt ein paar Tausend Meter nur ein paar hundert oder sogar darunter ist. Langleinenfischen. In zwei Bootslängen segeln wir an dem treibenden Mutterschiff mit 8 Knoten vorbei. Keine Menschenseele an Bord zu sehen. Komisch. Ich bin froh als wir durch sind. Dann lieber Squalls und Böen.
Die neue Angel hat sich bewährt. Kaum bin ich auf den Beinen geht es auch schon los. Der neue Ceder Köder rot/weiß geht schwimmen an der langen Leine. Auf etwa 60 Meter hinter der MARLIN surft er im Kielwasser. „Fisch!“ Die Bremse ist schon ziemlich fest angezogen. „Upps. Das scheint aber kein Barrakuda zu sein.“ „Willst Du?“ Gunther schüttelt den Kopf. „Mach Du mal.“ Wie Du willst. Ich nehme die Rute garnicht aus der Rohr-Halterung am Heck sondern bediene die Spule langsam aber stetig mit jeder Welle. Die Enttäuschung ist groß als der Fisch näher kommt. „Schon wieder ein Barrakuda.“ Aber dann zeigt sich zu meiner Freude längliche Streifen auf dem Körper des Fisches. „Ein wunderschöner Wahoo! Was für ein Anglerglück. Ich habe auf der MARLIN noch nie einen Wahoo gefangen. Die neue Angel hat sich wirklich bewährt.“ Endlich fangen wir wieder Fische!

Last Minute Segler gesucht

Durch den Ausfall von Evert und Kim stehe ich derzeit so ein bisschen in der raumlosen Leere. Ab dem 1.3. ist die MARLIN quasi ausgebucht bis Faro und August 2018. Aber jetzt sind Plätze frei. Ohne Internet kann ich unsere Seite derzeit schlecht updaten, daher folgendes Angebot erst mal nur an unsere Blog Leser und alle die schon mal auf der MARLIN gesegelt sind. Wer also Zeit und Lust hat kann jetzt im Februar mitzusegeln von Bonaire über Curaçao nach Cuba. Verschenken kann und will ich die freien vier Plätze nicht, aber ich würde mich auf ein attraktives Angebot WinWin einlassen. Wer will meldet sich bei mir im Moment per e-mail an info@marlin-expeditions.com.  

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Endlich los Richtung Los Roques

Proteingewitter

Am gestrigen Tag habe ich mal etwas tiefer in die Tasche gegriffen. Die alte Angel, Geschenk von der Schwiegermutter Brigitte vor 16 Jahren zeigt wirklich Alterserscheinungen und das UV Licht hat nun doch seinen Teil dazugetan um das gute Stück zu zerlegen. Es bleibt quasi beim gleichen Modell, nur die Spule wird eine Nummer größer. Aber nicht nur eine neue Angel zieht auf der MARLIN ein. Auch 2kg Yellowfin Thun vom Markt und 2kg Marlin. 5 Euro pro Kilo ist wirklich nicht zu viel. Mit Cornelia und Gunther kaufen wir im Supermarkt alles ein um eine Woche autark zu sein. Das es außer günstiges Bier auf den Roques etwas zu kaufen gibt wage ich in Zweifel zu stellen. In der Prickley Bay hat sich nicht viel verändert. Am Dienstag Abend treffen sich eine Handvoll Segler um die Bar zu Happy Hour. So auch wir. Um 20 Uhr wird wieder Power Trivia gespielt. Horden amerikanischer Privatuni-Medizinstudenten, feinst geschminkt wohlhabend und durchtrainiert, sitzen an den Tischen. Wir können nicht mitspielen, weil es alles Fragen sind die in der amerikanischen Geschichte ihre richtigen Antworten finden. So werden es dann doch ein paar Bier mehr und zum Schluss fahre ich Schlangenlinien zurück zur MARLIN. Angst? Wovor? In Grenda gibt es kein Alkohol- oder Drogenverbot für Fahrzeugführer. Solange der Fahrer es bis zum eigenen Auto schafft und meint er kann noch fahren, darf er das auch. Baut er einen Unfall unter Alkoholeinfluss, wir das allerdings speziell untersucht. Cooles Land. Hier könnte ich einziehen. Heute geht es dann nach dem Frühstück auch los. Am Ende des Monats fliegt Skipper Jan nach Deutschland. 3 Monate auf der MARLIN reichen ja nun auch. Kurz danach ist dieser Törn auch schon zu Ende. Danach kommt die neue Skipperin Stefanie nach Bonaire geflogen, die von mir auf der MARLIN eingearbeitet werden wird. Na. Da sind wir alle ja sehr gespannt. Vorgestern sind gute Nachrichten aus Cuba gekommen. Der Hafen und die Anchorage von Cienfuegos, für Wochen geschlossen gewesen, sind wieder offen. Kaum aus der Prickley Bay raus beißt auch schon der erste Fisch. 15 Minuten später der zweite Barrakuda und und nach einer Stunde und einem weiteren Barrakuda erteilt die Crew selbst Fischverbot. Gute Angel und gute neue Köder, die ich speziell für Fischen bei hoher Geschwindigkeit ausgesucht habe. Leider ist Die Gegend für Barrakuda bekannt. Na vielleicht später noch mal. Ich drücke Jan meine Haarschneidemaschine in die Hand. “Kannst Du mir bitte die Haare abschneiden? 8mm soll es sein.” Jan grinst und 20 Minuten später sehe ich so aus, wie ich Cuba vor 2 Jahren zum letzten Mal verlassen habe. Schnittig! Das Kielwasser gurgelt. Es ist angenehm heiss und der Bordalltag spielt sich ein. Wir segeln wie üblich auf dieser Strecke mit 50 Meilen Sicherheitsabstand zur venezolanischen Küste, die als unsicher gilt. Erst auf Höhe Blancilla werden wir dann die Roques direkt anlaufen und vorschriftsmäßig einklarieren. Die Roques gelten als Urlaubsgebiet der besser gestellten Venezolaner und sicher. Vorfälle unbekannt. Wird schon werden.  

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MARLIN in Union Island

Volle Pulle auf die Nase

In den letzten Tagen ist zu viel passiert als das auch nur entlegen an meinen Blog gedacht habe. Kaum sind wir in Union Island angekommen, haben eine Mouring aufgenommen, sind unsere Mitsegler ins Dorf quasi eingefallen. Ich dagegen habe erst einmal eineinhalb Tage mit unseren Fischer Panda „Erika“ und Co-Skipper Jan im heißen Motorraum verbracht. Erika war es immer wieder zu heiß. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir die Folge an Problemen lokalisiert hatten. Ein gebrochenes Kabel hat dazu geführt, dass die Johnson Wärmekreislaufpumpe mal lief und eben mal nicht lief. Das sind die schlimmsten, eben nicht reproduzierbaren Probleme. Also haben Jan und ich die Pumpe eben ausgebaut und dabei festgestellt, dass diese aber eben auch noch total hinüber ist. Rumpelt mehr als dass sie pumpt. Ersatz? Nicht vorhanden. „Jan, wir haben noch so eine Pumpe an unserer Webasto-Ersatzheizung. „Aha!“ Aus nicht ganz passend entsteht passend und am nächsten Tag kommt Erika wie der unters Schallschutzhäubchen. Wassermacher, Batterienladen und Waschmaschine gleichzeitig. Erika überlebt den Belastungstest. Mir ist einfach nur heiß in meinem neuen Maschinenraum – T-shirt mit ARC Logo. Für alles gibt es eben eine angesagte Verwendung. Unsere Mitsegler sind derweilen in den Thai-Style-Strandhütten der lokalen Kite Schule eingezogen. Da ich definitiv keine Zeit have dem Aktivisten Evert, dass Kiten beizubringen, nimmt er in der Kite Schule einen Intensiv Kurs. 3,5 Stunden für 200 $US. Na. Mir passt es. Muss ich keine Verantwortung übernehmen. Ist ja nun eben ein Extremsport und entsprechend gefährlich. Am Abend unterhalte ich mich mit dem sehr jungen Texanischen Kite Lehrer. Das flache Hausriff mit Sandboden, ein optimaler Kite Spot ist zwar nicht privat, wird aber von der Kite Schule betreut. „Hier kannst Du nur kiten, wenn Du bereits Level 4, besser Level 5 erreicht hast. „Hmm.“ Ich bin Level 3. „Dann musst Du erst einen Advanced-Kurs absolvieren.“ Davon habe ich schon diverse. Was ich brauche ist einfach Ruhe und Zeit und üben. Aber schon wieder 200 $US? Ne. Muss ich jetzt nicht haben. Evert strahlt über beide Ohren nach seinem ersten Tag zum Teil auf dem Brett. „Geht ja alles sehr schnell hier“, traue ich mich zu kommentieren. Am nächsten Tag, wieder mit Jan und Erika im Motorraum, komme ich wieder nach Feierabend an den Kite Strand. Evert schaut heute leider nicht so glücklich. „Ich habe mich verletzt. Ich bin richtig unterwegs gewesen, habe auf dem Bord gestanden und bin geglitten, als plötzlich ein Fuß aus den Schlaufen rausgegangen ist. Das Bord ist weggeflogen und hat mir das Knie verdreht.“ Ich schaue Evert sorgenvoll an. Auch Kim hat heute einen Kite Schnell Kurs gemacht. Sie ist in einen Korallenblock gefallen, hat dicke Korallenschürfwunden am Knie. Ich schaue noch sorgenvoller. Ist heute Freitag der 13te? Der Tag danach. Erika brummt gemütlich vor sich hin, verlassen wir endlich Union Island. Auf für mich und Jan heißt es endlich mal ein paar Stunden Freizeit. Nur knappe fünf Meilen sind es bis zum Sandhaufen Morpion, einer Miniinsel kurz von Petit Martinique. Wir packen die beiden MARLIN-Kites ins Dinghy. Allerdings nicht mit dem Ziel aufs Brett zu kommen, sondern einfach mal das Material aufzupumpen und ab in den Himmel damit. Ein gebrauchter 11er North Kite noch ohne personalisierten Namen ist neu an Bord gekommen. Leider stellt sich heraus, dass ein Ventil nicht dicht ist. O.K. Dann kommt der 14er Slingshot ans Licht. Letztes Mal habe ich den 2016 mit meinem Mitsegler Nico in Cuba in Gebrauch gehabt. Hier hält die Luft, auch alles andere ist in einem 1a Zustand. Ich habe zu diesem Kite ein etwas gespaltenes Verhältnis, weil ich mir mit dem die Schulter gebrochen habe. War aber nicht der Kite schuld, sondern ich selbst. Zu wenig Ausbildung, Selbstüberschätzung. Einfach zu eilig. Aber das ist lange her und seit dem sehe ich den ganzen Umgang mit diesem Drachen eher übervorsichtig an. Dementsprechend erkläre ich Jan sehr langsam die Verwendung und es dauert lange, bis wir endlich im hüfttiefen Wasser stehen und den Kite starten. Gut zwei Stunden verbringen wir im Wasser und üben grundsätzlichen Sicherheits-Umgang bis zum Bodydrag. Ich schliesse wieder Frieden mit dem 14er Slingshot. Dann kommt eine Regenfront und es sieht auch zu viel Wind aus und wir packen die Kite-Ausrüstung ein. Der Abend ist aber noch nicht zu Ende. Evert sitzt nur noch im Pilothaus, dass Bein hochgelegt mit einem Kühlpack versehen. Er hat keine Schmerzen, solange er nicht auftritt, aber als mobil kann man ihn nicht bezeichnen. Ich weiß soviel, dass es Wochen dauern wird, damit er sein Knie wieder normal benutzen kann. Evert möchte nun doch in Krankenhaus. Dann muss ich ja den Abend nicht weiter planen. Ich habe genug Krankenhaus-Erfahrung in Drittländern, wie es so schön heißt, um zu wissen was jetzt passiert. „Ich komme mit. Ich bin bei Dir. Das ist ja wohl klar.“ Das machen ich 24/7 für jeden meiner Mitsegler.  

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Mayreau erreicht

Whistle Bay

“Hallo. Ich bin der Micha von der MARLIN. Du wolltest mich kennenlernen?“ “Ja. Mensch. Du hast mich 2014 auf dem Atlantik überholt. Ich kann mich noch genau an Dein Schiff erinnern. Rot! Mit dem großen weißen Logo. Ich bin übrigens Torsten.“ Wir stehen in einer Strandbar der Whistle Bay. Hier gibt es übrigens keine Schildkröten. Ich würde mich hier als Schildkröte auch nicht hintrauen. Ansonsten ist es hier malerisch schön und unsäglich romantisch. Dafür gibt es die Kiter auf der anderen Seite der Bay. Upps. Wieder ein Kite Spot der nichts für solche Anfänger wie mich ist. Komplett auflandiger Wind und ordentlich Welle. Mit dem SUP paddel ich an Land, setze mich in den Sand zu den Kitern, die es können, was so einfach aussieht und nicht ist. Hmm. Das sind keine Anfänger. So gar nicht. Aber zuschauen ist ja auch sehr schön und sehr lehrreich. Während ich durchs Unterholz laufe und mir meinen ersten kleinen Sonnenbrand hole in diesem, Jahr holt Evert seine Maverick DJI Drohne aus der Spielkiste, die er mitgebracht hat. Erste Aufnahmen von oben entstehen und Dank modernster Technik muss keiner mehr über die Insel laufen. Die schauen wir uns jetzt ferngesteuert an. Cool. Wir Menschen lassen uns ja immer wieder was neues einfallen. Könnte ich auch Gefallen dran haben. Auf der anderen Seite sitze ich schon genug vor der Kiste und erleide Sehnenverkürzung in den Beinen. Also? Torsten is schlank, braungebrannt, mit Kopftuch und nach eigenen Angaben um die 50. Ein Salzbuckel. Einer der den Weg in die Heimat nicht mehr finden will, einer der seit Jahrzehnten auf seinem Segelboot lebt. So kann es gehen. „Kennst Du die IRON LADY?“ „Na klar. Chaguramas 2001!“ Jetzt kommen wir ganz schnell vorwärts mit der Erinnerung. Torsten und Silke. Sind 1999, ein Jahr vor Nathalie und mir über den Atlantik gesegelt. Und Alfred von der Freedom. Ach was. Ne. Wie war das noch. „Torsten. Wir haben uns doch in Trinidad kennengelernt. Du hast doch auch in der Scotland Bay gelegen. Silke war noch so sauer auf mich weil ich irgendwas über sie in meinem Blog geschrieben habe. Ja genau. So war das. Mensch Torsten. Das es Dich noch gibt.“ Was normalerweise in einem langen Abend geendet wäre, endet etwas abrupt in der Bar, denn meine CREW 37 hat Hunger. Der Spagetti Snack vom Nachmittag ist schon durchgesackt und der Wahoo ruft, um mit der Kokosnussmilch im i ndischen Masalla Currypulver zu garen. „Sorry Torsten. Ich habe meiner Crew versprochen heute Abend zu kochen. Wir sehen uns. Irgendwie. Irgendwann. Irgendwo. Grüß Silke wenn Du ihr mal schreibst. Oder auf dem Atlantik. Wer weiß.“ Also? T-Sirt ausziehen und der Sprung is Wasser folgt: Jetzt. Platsch  

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MARLIN Dreams

Landed at the turquoise planet

“Los. Lass uns schnorcheln gehen. Allemann in die Boote.“ Die Tobago Keys sind quasi schildkrötenverseucht. Direkt am weißen Sandstrand gibt es einen abgetrennten Bereich, den man nur mit dem Beiboot befahren darf. Dort kann man prima mit den gemütlich wirkenden Tieren schnorcheln und sie beobachten. Sie sind keineswegs scheu. Aber auch nicht angefüttert. Direkt von hier aus geht es weiter zum Aussenriff und da gibt es gute Neuigkeiten. Noch vor einem Jahr war hier alles durch das Korallenbleeching quasi abgestorben, jetzt kann man sehen wie die Korallen ihren Lebensraum wieder neue erobern. Etwa 10-15% gesunde Korallen sind zu bewundern. Nach einer ausgedehnten Siesta kommt einer der bootmobilen Markthändler vorbeigefahren, als ich grade an der Reeling stehe. „Frischer Fisch? I have Atun. I have Wahoo.“ Bei dem Wort Wahoo werde ich direkt nervös, winke ihn ran. Er zeigt den Wahoo. Gut sieht der aus. „That is not 12 Kilo.“ Und jetzt geht es los mit der Diskussion. Ich gewinne, weil ich die elektronische Kofferwaage habe, die auch noch Lbs messen kann. So ein Pech aber auch. Somit kommen wir recht günstig an einen attraktive Wahoo. Ich verzichte auf das Angebot der Fischer die Innereien rauszunehmen und zeige statt dessen meinen Mitseglern, wie man den Fisch auf See filetieren würde. Wahoofilets müssen erst einen Tag in den Kühlschrank, bevor der exzellente Speisefisch seinen ganzen Geschmack freigibt. So gibt es heute Abend erst einmal eine Fischsuppe mit dem was die Netze im Salon so an Gemüse hergeben. Vom Berg der Insel hinter uns kann man einen Eindruck bekommen wie es hier aussieht. Was man nicht sieht sind die Gewitter die im Durchschnitt alle drei Stunden von See kommend Land unter mit uns spielen. Dicke schwarze, gehaltvolle Wolken mit Regen und 40 Knoten Wind in Böen. Das alte Tropenspiel: Fenster auf – Fenster zu.  

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Das Lied der alten Liebe zum Meer

Sail with MARLIN

Martin hat die MARLIN im kalten norddeutschen Frühjahr, im Regen, im dänischen Sonderburg, an sich vorbeifahren sehen. „Die ist es!“ Liebe definiert sich eben im Augenblick. Da gibt es kein wenn, aber und oder? Mit Monica muss es vor 38 Jahren genauso gewesen sein. Martin ist seinen Gefühlen hörig. Monica hat er geheiratet und die alte Liebe ist es weiterhin. Mit der MARLIN hat er es ebenso gemacht. Seit Ende September segelt er mit. Mal mit Jan, mal mit mir. Fast drei Monate lebt und segelt er bereits auf der MARLIN. Er hat ab La Coruna den Atlantik überquert, hat Seebeine bekommen und sie wieder verloren, sie wieder bekommen. MARTIN hat es easy geschafft den #Entschleunigungsgrad 0 zu erreichen. Martin ist eins mit der MARLIN geworden. Da fragt man sich, ob das nicht sehr teuer ist solange bei uns mitzusegeln. Nun. Ist es eigentlich nicht. #Langzeitbucher sind recht günstig dabei und für mich und Jan eigentlich einfacher zu betreuen. Es ist auch ein Geben und Nehmen. Martin nimmt an der Instandhaltung und der psychologischen Törnführung aktiv und leitend teil ohne dabei unangenehm aufzufallen. Ja. Ich hätte nichts dagegen wenn Martin und Monica noch ein paar weitere Wochen an Bord bleiben würden. #Tolle Mitsegler. #Schöne Zeit. Die MARLIN segelt gemütlich von Bequia zu den Tobago Keys. Es ist recht wenig Wind heute. Skipper Micha und Jan und die Crew sind entschleunigt. Die kleine Fock. Groß im zweiten Reff. 5 Knoten. Die Angelleine zieht einen kleinen Köder durchs Kielwasser. Optimale Bedingungen um einen Fisch zu fangen. Ich falle in die Koje, die Mannschaft liegt auf dem Vordeck herum, die Tobago Keys liegen an. Alles gut soweit. Bis dann die Schweizer Flying Merlin mit Martin und Claudia im Kielwasser auftauchen. Martin hat es eilig, sein brandneuer Dragonfly Trimaran sollte deutlich schneller sein als wir. „Micha. Wir sollten mal die Genua setzten. Ganz so einfach sollten wir es denen nicht machen.“ Ich grunze ein: „Is klar“ aus der Koje. „Muss das jetzt sein?“ geht mir durch den Kopf. Aber wie das so ist. Ein Segelboot: Segeln. Zwei Segelboote: Regatta. Jan macht alles richtig und wir ziehen vor dem Trimaran Richtung Süd. Die lange Nase aber vergeht uns als in der Abschattun g der Insel Canouan der Wind ausgeht. Da kann Flying MARLIN den 26 Tonnen Gewichtsunterschied in der glatten See ausspielen. Martin und Claudia ziehen langsam an uns vorbei. Mit unserer Angelleine, die ich dann am Ende einfach abschneide. Sie werden es noch nicht einmal merken. Oder soll man es ihnen sagen. Ja. Vielleicht besser. Am Ende kommt die Dragonfly zwei Schiffslängen vor der Einfahrt zu den Tobago Keys an. Wir hatten sie für schneller gehalten. Aber dazu braucht es wohl mehr Wind und mit mehr Wind gibt es mehr Welle. Das aber mag Martin mit seiner Flying Merlin gar nicht und seine Claudia noch viel weniger. Auf fünf Meter fallen die Anker der beiden befreundeten Schiffe, auf türkisfarbenen Sandgrund, in den paradiesischen Tobago Keys. Wir liegen hinter dem Riff auf glasklarem Wasser. Ich bin schon wieder müde. Sonne, Wind und Segel fordern ihren Tribut. Für das Nachtessen verabreden wir uns zu acht zum Lobsteressen bei BigMama. Nicht grade ein Schnäppchen. Aber lecker und es gehört einfach dazu. Morgen #Meer #Segelurlaub #MARLIN.  

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Bequia Verproviantierung

Was geht denn hier ab?

Die längste Ananas die Kim wohl jemals auf dem Kopf hatte. Kopfschmuck a la Bequia. Und jetzt heißt es erst einmal Entschleunigen. „Aber was ist Entschleunigen?“ Evert, so nennen alle meinen neuen holländischen Freund, fragt mich. Der in IRON LADY Zeiten von Nathalie und mir definierte Begriff bezieht sich auf das Leben an Bord eines Segelschiffes. Entschleunigung ist die Fähigkeit sich zuerst einmal sich nur noch mit einer Sache zu beschäftigen. Die Zurückeroberung des Singletasks, die uns das Leben viel sinnvoller gestalten und erleben lässt. „Schwierig? Was?“ Jeder der an Bord der MARLIN kommt wird damit konfrontiert. Einmal in der Karibik angekommen lebt sich halt anders. Man muss sich schon erst mal daran gewöhnen dass der Himmel jeden Tag blau ist, das Wasser meist warm und die Menschen um einen herumlimen. Der Tagesablauf gestaltet sich eben entspannter. Dinge die gestern noch wichtig waren, sind es plötzlich nicht mehr. Auf der MARLIN lernt man Sac hen wie: Löcher in den Himmel gucken. Oder sich selbst mehr wert zu schätzen. Wenn man sich darauf einläßt. Schöne Ananas die Kim da gekauft hat. Ich bestelle beim Einkauf prophylaktisch mal 100 Eier. Kim und Evert kommen mit 150 Stück zurück aus Town. Das ist ja schon mal gut. Nicht so gut sieht es aus mit der Frischfisch Versorgung. Die Fischhalle ist leer. Ich frage einen Rastafari: „Nein. Es gibt keine festen Zeiten wann die Fischer ihren Fisch verkaufen. Sie kommen wenn sie Fischhaben und blasen die Muschel zum Zeichen. Dann kommen alle um Fisch zu kaufen.“ Hmm. Entschleunigung heißt eben auch mit dem klar zu kommen was es gibt. Vieles gibt es eben einfach nicht wie in Deutschland. Nix da mit heute bestellt und gestern geliefert. Kim hat unsere Bücher gelesen. „Nein. Ich habe sie in zwei Tagen verschlungen“, antwortet sie mir. Und jetzt ist sie der Meinung, dass ich mit der Harpune nur ins Wasser springen muss. Evert gleich mit und da schwimmt mir mal so eben ein Yellowfin Thuna mit 30kg vor die Harpune und das Fischproblem ist für die nächsten zwei Wochen gelöst. Das ist das Problem mit den Büc hern, wo man ein Highlight nach dem anderen aus sieben Jahren Segeln bringt. Das man das nun eben nicht in zwei Wochen oder Monaten konzentriert wiedererleben und buchen. Erst einmal muss sich jeder selbst auf das Leben an Bord einlassen. Ich bin da guter Dinge, dass ich das ich das auch diesmal vermitteln kann.  

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Landeanflug Bequia

Karibisches Leben

Ankommen dauert ja immer etwas. Für die Gäste genauso wie für mich. Die Karibik macht es einem da aber schon recht einfach. Sonne, Wärme, Wind immer aus der richtigen Richtung. Es gibt keinen besseren Platz um das Leben zu geniessen und die Segel hochzuziehen, den Bug in die richtige Richtung zu lenken. Zumindest gibt es keinen Platz der so nahe dran ist am Begriff Segelparadies und dazu entspannt zu erreichen. Doch ganz so einfach fing es gar nicht an. Gestern hat es erst einmal ordentlich geregnet. Die Überfahrt von Saint Lucia nach St. Vincent war quasi ein dickes Gewitter, die Welle zwischen den Insel raff. Also gar nicht so karibisch, wie man sich das so vorstellt. Heute dafür von St. Vincent nach Bequia mit 1a Blue Sky, bis zu 30 Knoten Wind. Das hab ich mir nicht nehmen lassen. Da steuert der Alte doch ganz gerne mal selbst mit etwas zu viel Segel. „Komm Everhardus. Übernimm mal.“ Everhardus ist Kim’s Lover. Everhardus ist auch Holländer. Everhardus ist nett und spricht kein Deutsch. Prima Sache. So sprechen wir auf der MARLIN eben Englisch. Find ich prima. Und es halten sich alle daran. Everhardus stellt sich auch beim Steuern nicht dumm an. Prima. Kann ich gut gebrauchen. Kim und Everhardus bleiben für 2 Monate auf der MARLIN. Upps. Das ist eine lange Zeit. Da bin ich ganz froh, wenn das mit dem Miteinander so prima klappt, wie es sich im Moment anfühlt. Was sich lohnt im Moment ist die Ausgabe 2 der YACHT zu kaufen. Hier gibt es einen schönen Artikel von Kristina Müller über ihre Zeit als YACHT Reporterin auf dem MARLIN Schwerwettertörn und wie sie es so gefunden hat. Wenn ich das richtig verstehe bin ich gar nicht so schlimm als Skipper, wie ich mich selbst manchmal einstufe. Mehr wissen? Selber eine Meinung haben? Also dann mal los zum Kiosk. Oder auch mal mitsegeln. In Bequia werden wir eine Meile vor der Ankerbucht begrüßt von Kenmore Henville, Alias bequiaphotoaction.com. Er ist alter Bekannter. 2014 haben wir Kenmore extra einen halben Tag gebucht um viele der bekannten MARLIN Photos zu machen. Ganz so viel Geld will ich dieses Mal zwar nicht ausgeben, aber eins der vielen Photos die er uns dann zum Ankerplatz gebracht hat, kauf die Crew. Gut für ihn. Gut für uns. So. Jetzt geht es aber mal zum Nachtessen, wie unsere Schweizer, Martin und Monica sagen. Dort treffen wir zwei weitere gute Freunde von mir. Die FLYING MERLIN mit Martin und Claudia auch Schweizer sind ebenfalls grade in Bequia. Auf der FLYING MERLIN habe ich die Kommunikationselektronik installiert. Wenn alles klappt, dann darf ich den Dragonfly Trimaran in den kommenden Tagen mal selbst steuern. Da würde ich gerne mal eine Meinung zu haben und zu berichten.  

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