Archiv der Kategorie: SY Marlin

Großes Meer. Kleines Schiff.

The big blue.

Der kommenden CREW 41 habe ich geschrieben, dass sie nicht so viel Sachen einpacken sollen. Da muss ich mich an dieser Stelle etwas revidieren. Nachts kann es schon mal frisch werden, so dass wir die Luken schliessen. Mein Freund Rafa ist nicht auf der Leuchtturminsel. Dafür William und der 20 Jahre alte Frank. Er hat sich schon ordentlich eingelebt und kaum sind wir nach unserem Besuch, mit einem Gastgeschenk, einer großen Flasche Rum, streiten sich die Leuchtturmwärter lautstark auf der Terrasse und verschwinden mit hochgeworfenene Arme jeder in seinen Flügel. Ich sitze schmunzelnd an Deck der MARLIN und schaue zu. Wir haben verlegt. Grade mal zwei Bootslängen vom Ufer entfernt sitzt der ROCNA auf 4 Meter und hält die MARLIN an ihrem Platz. Wie man gesehen hat, ist unser Ernährungsproblem, für die nächsten Tage gelöst. Frank hat uns hier unglaublich schnell und erfolgreich geholfen. Kaum senkt sich die Sonne über dem Zenit, tauchen insgesamt NEUN! riesige Charterkatamarane mit bis zu 70 Fuß, von Cienfuegos auf dem Weg nach Cayo Largo auf. Die reinste Invasion. Eine einzige Crew geht an Land. Ich weiß grade nicht so genau was ich von der schwimmenden Küchenausstellung, so wie Florian die individuellen Kreuzfahrtschiffe nennt, halten soll. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum wir mehr Recht haben sollten hier zu sein als sie. Fahrtensegler tauchen nicht auf. Es muss sich in den letzten zwei Jahren ein unfassbares Charter-Business in Cienfuegos entwickelt haben. Was machen sie nur mit den ganzen Pappschachteln in der nächsten Hurricansaison? Der Ausblick über die Insel ist wieder mal gewaltig, aus luftiger Höhe. Gelassen gehe ich die gefühlten 300 Stufen mit hoch. Solange das noch klappt kann ich mich auf jeden Fall noch halbwegs gesund fühlen. Später sitzen wir auf der schönsten Terrasse der Welt und schauen auf den schönsten Horizont der Welt. Leuchtturmwärter müsste man sein. Ob William und Frank das auch so sehen? Wenn Florian nicht am ersten März seinen Rückflug hätte und am dritten März meine neue Crew kommen würde, ich würde glatt hier bleiben. Jeden Tag schaue ich mir noch mal die Fragebogen an, um die Namen zu erinnerlichen. Also. Eine Frau ist dabei: Das ist immer gut. Dann benehmen sich die Männer. Maren. Dann mit gleicher Adresse Rolf. Die Vermutung liegt nahe, dass die beiden die Vorkabine bekommen. Haben dann wieder die gleiche Adresse. Rolf hat die ganze Gruppe als Mitsegler organisiert. Und. Muss auch mal gesagt werden. Einen ordentlichen Gruppenrabatt erfolgreich taktiert. Hat er sehr gut und souverän gemacht. Einen Michael haben wir dabei. Meine Größe, mein Alter. Hmm. Das passt. Der kann das Großsegel hochziehen. Mathias ist Arzt und bringt seine Musiksammlung mit. Oha. Da werden wir wohl öfters mal wieder 80er hören. Geht was kaputt wird Dirk es richten. Er ist Bootsbaumeister. Arne lacht auf seinem sympathischen Foto. Sein Fragebogen ist nicht komplett zu öffnen. Das Überraschungspaket. Alles in allen kann ich mich freuen. Das wird ein voller Erfolg. Am Nachmittag gibt es den Pez Pero (Hundfisch). Ob der gebellt hat, bevor er in Frank’s Hände geriet? Ich habe nicht gehört. Ich habe auch keine einzige Languste gesehen. Frank: Eine nach der anderen. Alle auf fünf Meter. Die Sache hat sich auch für ihn gelohnt. Einen neuen Langustenharken und eine Brille und einen Schnorchel gab es noch als Dankeschöngeschenk. Insgesamt war es eine WinWin Aktion, denn die Leuchtturmwärter haben keine Beiboot, um zu den Korallenbänken rauszufahren. Und wir habe nicht die Erfahrung um Erfolg beim Fischen zu haben. Florian kommt aus dem Stauen nicht mehr heraus. Er hatte sich bei diesem Törn alles vorgestellt, aber nicht solche grandiosen Erlebnisse. Ich freue mich schon darauf mit meiner neuen CREW 41 hier einen Stop Over einzulegen. Irgendwie Zauber ich noch einen kleinen Salat zum Fisch und nach der Eiweißbombe, es ist ja Sonntag, fällt der Rest der CREW 40 mal so eben um ins Bett und verschläft den Zenit der Sonne. Was ein Tag.  

Angekommen am Leuchtturm

Tuftuf…

Flo, die MARLIN und ich haben Cayo Largo verlassen. Ausklariert. Ziel: Cienfuegos. Hundert Lichter übersetzt. Ein drehendes Licht liegt auf dem Weg. Der russische Leuchtturm auf Cayo Este. Nicht nur ein Leuchtturm. Hier habe ich auch Freunde. Der Leuchtturmwärter Rafael, mit dem ich auch während der letzten zwei Jahre in denen ich Cuba nicht besuchen konnte, immer wieder Kontakt hatte. Männer, die sich mögen auf Cuba, nehmen sich herzlichst in den Arm. Die größtmögliche Zuneigung wir gegenseitig mit der Begrüßung “Hermano” (Bruder) ausgedrückt. Aber bitte mit Abstand, denn die sexuelle Neigung zum gleichen Geschlecht ist in Cuba bei weitem nicht so akzeptiert wie in Europa. Rafa ist einer meiner Hermanos. Ob er da ist, kann ich nicht genau sagen. Die Leuchtturmwärter dürfen kein UKW Funkgerät haben. Sie könnten ja vorbeifahrende Schiffe ansprechen um Cuba zu verlassen. Telefon funktioniert hier draussen nicht. Und das Kurzwellenfunkgerät auf der Insel i st nur für den militärischen Funkbetrieb auf einigen Frequenzen zugelassen, die von Land mitgehört werden. Wir befinden uns in Cuba eben immer noch im letzten Jahrtausend. Fidel lebt. MARLIN hat uns sicher zum Leuchtturm gebracht. Über 20 Meilen lange die Flachwasserzone zwischen Cayo Largo und dem Leuchtturm muss Johann ran. Auch mal gut. Ein Diesel der nur rastet, der rostet. Bei der Kontrolle des Riggs sind mir dabei heute zwei Rollen am Baumende aufgefallen, die komplett festgebacken sind. Upps. Sieht nach Baustelle aus. Warum ist mir das nicht früher aufgefallen? Ersatz ist an Bord. Der Anker fällt fünf Bootslängen von Land entfernt auf einem Sandspot, den man bei Mondlicht im Dunkeln deutlich sehen kann. Das Wasser ist kristallklar. Hier rollt die See um die kleine, noch nicht einmal eine Meile lange Insel. Für die nächsten Tage sind leichte südöstliche Wind angesagt. Na dann wird es ja sportlich. Flo und ich packen eine Dosensuppe aus. Kühlschrank und Freezer sind leer. Nach Cuba dürfen Fleisch und frische Lebensmittel nicht importiert werden. Der Proviant der letzten Crew ist aufgebraucht. In Cayo Largo gab es ausser Bier und Wein, ein bisschen Brot, ein paar Kürbisse und mit guten Kontakten etwas Gemüse. Für die nächste Crew müssen wir dringend in Cienfuegos dringend neu verproviantieren. Wenn Rafa da ist gibt es bestimmt Fisch aus der Tiefkühltruhe des Leuchtturms. Notfalls ein paar Conche Schnecken. Verhungern werden wir nicht. Kaum ist die Suppe verdrückt rappelt es hinter und neben uns. Ankerketten. Die Charterkatamarane aus Cienfuegos kommen. Am Freitag war Crew-Wechsel. Die Charterschiffe sind nun auf dem Weg nach Cayo Largo. Sie fühlen sich sicher, wenn sie ganz nah neben der MARLIN ankern. Kenne ich schon. Ist ja sonst kein Platz hier. Grins. Überhaupt sind ausser den Cat´s keine anderen Schiffe unterwegs, keine Langfahrtsegler. Das hat seinen Grund. Vor ein paar Monaten sind in Cienfuegos einige Dinghys gestohlen worden. Wohl eher um Cuba zu verlassen. Wer weiß das schon. Die Regierung hat das Ankerfeld in Cienfuegos dann geräumt und gesperrt für mehrerer Monate. Das war das Aus für die Blauwasser-Szene. Erst seit wenigen Wochen ist die Anchorage wieder auf. Bis alles wieder normal ist wird sicherlich eine ganze Saison dauern. Schade, vor allen Dingen für die Einheimischen, denn die Segler bringen Devisen und Arbeit ins Land. Ich bin gespannt, wie die Situation in Cienfuegos ist. Morgen früh lassen wir das Dinghy zu Wasser und pullen mal rüber. Mal schauen was geht. Ausserdem ist Sonntag. Ruhetag. Auf dem Plan steht ein Video zu drehen, dass Eike in Flensburg braucht. Hoffentlich spielt das Wetter mit. Vorschau: Wie man sieht hat sich alles wieder zum Guten gewendet. Tja.  

BoardPC 4 YOU: LunaPCmini

Was mich bewegt

Wer bei LUNATRONIC Produkte & Beratung anfragt, bekommt inzwischen erst einmal mal folgendes email: „Time is money – Wer kenn dieses Sprichwort nicht? Wir wissen wie es geht und helfen Ihnen seit mehr als 18 Jahren mit unserem Know-How, Produkten und Dienstleistungen. Bei uns ist der Kunde König und das wird auch so bleiben. Leider erleben wir in letzter Zeit immer öfters, dass unser Beratung per e-mail und Telefon ausführlich genutzt wird und ein Angebot angefragt wird. Dann allerdings erfahren wir, daß unsere Angebote als Einkaufsliste genutzt werden, um sich die einzelnen Komponenten möglichst günstig im Internet zu suchen oder Konkurrenten in der Preisgestaltung zu beeinflussen. Dies mag ich nicht üblich und normal sein, wir aber können uns das als kleine Firma nur im begrenzten Rahmen erlauben. Deshalb sind unsere Angebote und Beratung ab sofort mit einer Gebühr von 150 Euro geschützt. Diese Schutzgebühr ist bei Angebotsanfrage fällig. Bei Vergabe des Auftrages an uns, wird dieser Betrag selbst verständlich zu 100% erstattet. Wir halten dieses Vorgehen für absolut loyal. Wenn sie damit einverstanden sind, erstellen wir dazu einen Kostennote  und ein ausführliches Angebot zu ihrer Anfrage. Bitte um ihren Kommentar und bei Einverständnis um die Adressdaten, Email und Mobilnummer.“ Wir haben bei LUNATRONIC natürlich vorab ordentlich diskutiert ob man sich mit so etwas nicht die Kunden vergrault. Wir, weil unser Team inzwischen auf drei Mitarbeiter angewachsen ist, damit unsere Kunden auch bedient werden können, wenn ich nicht in Flensburg bin. Auch für die Installation in Flensburg und Umgebung haben wir zwischenzeitlich Verstärkung bekommen. Alleine schaffe ich das nicht mehr. Was weiterhin Chefsache ist, ist die Kundenberatung. Eine Handvoll Neukunden haben dieses o.g. Mail bereits bekommen und verständnisvoll reagiert. Ich deute das mal so, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Seit kurzem neu bei uns: Der LunaPCmini. Den Standard Mini PC mit WINDOWS 10 PRO gibt es in zwei Ausführungen, 32GB SSD-Festplatte oder 120GB, die beide auf 12 V direkt angeschlossen werden können und lediglich 0,3A im Standbymodus verbrauchen. Lüfterlos versteht sich, denn wir wollen ja keine salzhaltige Seeluft über das Motherboard blasen. Das dies keine Eigenproduktion ist und wir von LUNATRONIC keine Discounter sind, wird dem Interessenten schnell klar werden. Was den Mehrwert ausmacht ist, dass wir den Rechner für den Betrieb an Bord komplett vorinstallieren, so dass er bei Stromausfall einfach neu startet mit Navigation und Anschluss an das bestehende Navigationsequipment (Raymarine, B&G, Simrad etc.), Wetter, e-mail über Kurzwelle und Satellit, WLAN Mastantenne und LTE Mobilfunkanschluß. Probleme lösen wir über Fernwartung. Optional dazu gibt es eine externe Sicherungsfestplatte. Plug&Play! Der LunaPCmini eignet sich hervorragend um als Zweitrechner auch oh ne eigenen Bildschirm im Hintergrund zu arbeiten (dauerhaft oder angeschaltet mit der Navigationselektronik) und zum Beispiel unter OpenCPN alle Schiffsbewegungen aufzuzeichnen und automatische Positionsmeldungen zu versenden. Der LunaPCmini ist die optimale LÖSUNG für alle MACianer, die Paralells mit ihren ständigen kostenpflichtigen Updates leid sind und eine Windowsoberfläche aber immer mal wieder benötigen. Der Desktop des LunaPCmini ist auf jedem Laptop, MacBook, iPhone, iPad, Tablett etc. mit wenigen Schritten über das schiffsinterne WLAN-Netzwerk fernbedienbar aufzurufen und zu bedienen. Der LunaPCmini segelt nun schon seit zwei Jahren auf der MARLIN im Kartentisch mit und macht einfach das was er soll. Strom sparen. Verfügbarkeit auf Anfrage. Mehr Infos gibt es bei lunatronic.net. Demnächst.  

Wasserbombe

Kleine Fortschritte

Auch Mitsegler Dietmar ist mit dem Flieger von Cayo Largo nach Havanna abgedüst. Nicht ohne noch seine Hand anzulegen und ein paar Punkte auf der ToDo Liste der MARLIN abzuarbeiten. Eine neue neue Schuko-Steckdoselleiste ziert den Motorraum, die Heizungen sind wieder befestigt, die Madenschrauben der Bodenbretter wieder gängig. Florian hat nicht nur den Bordrechner mit Bordmitteln ohne Internet wieder zum Leben gebracht, sondern auch zwei Kontrollampen am Schaltpanel wieder ins öffentliche Leben integriert. Ein Wackelkontakt an der LAN Verkabelung der LunaWLANnet ist gefunden und gefixt und die UUPlus Software läuft stabil in der ONSATMail Version auf dem Bordrechner. Jep. Die beiden HGK Mitsegler waren von ihrer Motivation und Fähigkeiten eine echt positive Erfahrung für mich. Es hat sich wirklich gelohnt sie mitzunehmen. Danke noch mal an dieser Stelle. So blieb nicht viel Zeit am Mittwoch noch den 11er Kite in den blauen Himmel zu ziehen. Morgens bläst es im Moment mit 25 Knoten Wind. Mittags schläft der Wind dann ein. Am Nachmittag ist eigentlich nichts mehr da und Nachts um 22 Uhr geht es dann wieder los mit 20 Knoten. Dies regelmäßig seit ein paar Tagen. Tendenz zum Wochenende abnehmend, was mir für die anstehende Überfahrt nach Cienfuegos ganz Recht kommt. Es ist mehr ein psychologischer Moment, um den es hier am Sirena Beach geht. 2016 habe ich mir hier die Schulter gebrochen und zwei Jahre gebraucht um diese nun wieder gebrauchen zu können. Mein letzter Kite Lehrer Nik hat mir gesagt, dass ich so perfekt sei, dass ich nun alleine auf’s Wasser muss um den Kick aufs Brett zu bekommen. Recht hat er. Die Durchführung der Sicherheitsregeln habe ich mir zwischenzeitlich verinnertlicht. Der Start des 11er Kites ist unproblematisch, der Wind viel zu wenig, aber da ich diesen noch nie am Himmel hatte, ist es ganz gut eine Trainingsstunde einzulegen. Die Erinnerung an meinen Unfall schwindet gegen das Vertrauen in mich selbst. Flo hat sie das 2qm Kite Kissen zum Üben mitgenommen, dass auch bei wenig Wind, immer schnell geflogen, Spass und Routine bringt. Wir haben beide Spass in den Backen ohne Ende.
“Jetzt spinnt der Skipper total. Ich glaub es ja nicht.“ Dietmar steht im Cockpit und zeigt Flo ein Vögelchen. Ich habe einen Latex Handschuh mit Wasser gefüllt und Dietmar diesen an Takelgarn im Salon aufhängen lassen. Das prall gefüllte Kunstobjekt hat Sinn und Tradition. Zum internationalen Einklarieren muss man in Cayo Largo in die Marina. Wir an den großen Steg. Keine 10 Meter vom Schiff wird der internationale Müll gesammelt. Innerhalb zwei Stunden haben wir vierzig neue Mitbewohner an Bord. Kleine, freche Fliegen. Ich versuche es zuerst mit der Fliegenklatsche. Es folgt der Staubsauger. Ich drohe mit Ausräuchern. Nichts hilft. „Vor dem mit Wasser gefüllten Latex Handschuh haben die Fliegen Angst!“, erkläre ich Dietmar und Flo. „Die ziehen jetzt aus. Alte Technik von den Kapverden.“ Die beiden schauen ungläubig. Sechs Stunden später sind fast alle Fliegen weg. Heute sind wir früher unterwegs. Etwas abenteuerlich starten Flo und ich den Kit an einem kleinen Strand etwas abseits vom Geschehen. Es dauert ordentlich bis dann doch eine Wolke mit etwas mehr Wind für eine halbe Stunde kommt und wieder mal stehe ich mehrmals für einige Meter auf dem Brett. Wieder einen kleinen Schritt nach vorn. Dann habe ich genug Wasser durch die Nase bekommen. Schnauze voll, buchstäblich. Morgen gerne wieder. Flo nimmt den für ihn doch recht großen 14er an das Trapez und übt Kite Kontrolle. Zur Sicherheit binde ich sein Trapez einfach ans geankerte Dinghy an. Gute Idee. So bleibt er an der richtigen Stelle und fliegt mir nicht in den Himmel. Heute ist früh Bett angesagt. Morgen gibt es bestimmt ordentlich Muskelkater.  

Im Land der tausend Möglichkeiten

Inside Cuba. Inside me.

Stefanie reist morgen früh ab. Ihr Flug nach Havanna ist bestätigt. Mit im Gepäck hat sie dutzende kleine Gefühlserfahrungen, die eben auch mit Segeln zu tun haben. Aus leben und leben lassen, wird segeln und segeln lassen. Die MARLIN ist groß und komplex, Mitsegler sind Menschen und Menschen sind unberechenbar. Segel-Philosophische Ansätze sind ja immer sehr subjektiv. Stefanie wollte es wissen, ob sie sich mit der Aufgabe Skipper anfreunden kann. Die Antwort wird sie sich wohl selbst nach ein paar Tagen der Besinnung geben. Jan und ich wissen wie komplex dieser Job ist in all seinen Nuancen. Also sind wir weiterhin auf der Suche nach dem dritten Skipper im MARLIN Team. Auf der MARLIN heißt es Energiemanagment. Ist dies negativ, reicht Wind und Sonne nicht aus um unseren Energiebedarf zu decken, zum Beispiel um Wasser zum Trinken und zum Leben zu erzeugen, dann muss Erika ran und den notwendigen Strom erzeugen. Das Erika launisch ist und doch schon ein recht hohes Alter, verglichen mit der Fahrleistung eines Autos um die 200.000km, erreicht hat, ist weitestgehend bekannt in meinem Lebensblog. Im Moment ist sie lieb und zuverlässig, der nächste Stop aber rückt mit jeder Stunde Lifetime näher ran. Deshalb werde ich wohl morgen mal eine Inspektion machen. Gleiches folgt an mir selbst. Zielerreichung prüfen und Kurskorrektur. Auf direktem Wege kann auch ich mein Ziel auch nicht erreichen. Ein zwei Schläge sind in den nächsten Monaten notwendig und die Position der Schläge hängt wie meist auf dem Kutter: Vom Wind ab.  

Landed on Planet Cuba

Herzlichst, liebenswert und einmalig

Die restliche Überfahrt war gerefft. Ordentlich Wind. Die Gewohnheit am fünften Segeltag, hat die sportlichen Ambitionen meiner Mitsegler deutlich gesenkt. Lebensqualität beim Segeln steht eindeutig im Vordergrund. Jep. So ist das auf der MARLIN. Da geht es oft darum eher komfortabel ans Ziel zu kommen. Schnell sind wir eh, brauchen also eben nicht so auf die Tube drücken. Am Morgen rutschen wir von 4.000 Meter Tiefe unter uns über die Kante auf das kubanische Festland. Die Tonne Mal Tiempo lassen wir falsch und bewußt steuerbord liegen, das Groß ist schnell geborgen und vor der Marina Cayo Largo müssen wir gut 20 Minuten warten bis Platz für uns ist zum Einklarierten am Steg. Da sind sie wieder alle zusammen. Piri, der Marinamanager begrüßt mich mit Tränen in den Augen. Es wird familiär. Es wird geküßt, umarmt, geschluchzt und gelacht. Was für ein Wiedersehen! „Wo ist Deine Frau? Wo sind die Kinder? Ach gut, die kommen im April. Gut. Dann ist ja alles gut.“ Meine Crew staunt nicht schlecht über die Begrüßung. Ich hatte nichts anderes erwartet. Die Formalitäten werden zur Nebensache. Die Formulare für die Capitania habe ich schon vorbereitet und ausgedruckt, die Ärztin misst bei allen 36,5 Grad und der Drogenhund legt sich in Jan’s Koje und wie gewohnt kommt Mizael von der Sitte wie ich immer sage. Er ist zuständig f ür die Kontrolle der importierten Lebensmittel. Die sind aber zwischenzeitig ausgezogen und Mizael kann sich somit mit mir um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern. Er verhilft mir selbstlos zu einer cubanischen SIM Karte, für Touristen ansonsten unmöglich, er hat Quellen für Gemüse und Obst und auch Getränke der besonderen Art sind kein Problem für ihn. Alles was Spass macht und wichtig ist für die nächste CREW 41 – Tauschware für den Besuch der Inseln. Alles im Lot. Nur eine fehlt: Damilka, meine pralle Hafenpolizistin ist befördert worden und kommt nicht mehr nach Cayo Largo. Na dann muss ich eben mit Nathalie und den Kids zur Isla Juventud segeln um Damilka zu besuchen. Piri, wohl einer wichtigsten Männer auf der Insel, hilft uns mit allem was wir brauchen. Es hat sich nicht viel verändert, aber wichtiges. So wie in Cienfuegos kostet es jetzt jeden Tag 18 € nur um unseren Anker in den Sand vor Cayo Largo zu werfen. Das war früher nicht so. Leistung keine. Abkassieren: Ja. Nicht grade sozialistisch. Ich kontiere das als Entwicklungshilfe. Alles gut. Gute Fee an Piri’s Seite ist Olga. Olga steht für mich für die typische Cubanerin. Ein bisschen aufgetakelt kümmert sie sich um die Durchführungen der Regel die Master Piri festlegt und das die Kasse stimmt. Ich mag Olga. So wie ich eigentlich fast alle Cubaner in mein Herz geschlossen habe. Das ich sie dazu fotografieren darf, ist schon eine Große Ehre. Ob ich sie in meinem Blog veröffentlich darf? Nun: Ich habe gefragt, sie hat mich nicht ganz verstanden. Wir haben uns gegenseitig angelächelt und nun: Ist doch ne Nette. Kann man der Weltgeschichte doch nicht verheimlichen. Oder? Danke Olga. Und so nimmt das cubanische Leben seinen Lauf. Der Wind ist stetig aus Osten und für die nächsten Tage ist nicht daran zu denken nach Cienfuegos zu segeln. Stefanie und Dietmar werden mit meiner und Piris Hilfe einen Flug nach Havanna bekommen und sind gedanklich schon auf dem Heimweg. Florian wird noch mit bei mir sein und den Kutter nach Cienfuegos bringen. Gut für ihn. So kommt er in den Genuss des Leuchttturms und noch viel mehr. Meine neue CREW 41 wird mich ganz alleine für sich haben. Zwischenzeitlich habe ich eine Woche Urlaub. Auch nicht schlecht. Mensch . Hab ich ein geiles Leben.  

Nachtgedanken

Nachtgedanken

Das mit dem Geld

Die Bedingungen sind moderat geworden. „Reisen statt Rasen“ setzt sich ohne Diskussion als Tagesmotto durch. Der Weg führt uns mitten zwischen Cayman Brac und Little Cayman hindurch mit der Hoffnung auf Fisch. Dietmar weise ich in den Gebrauch der Angel ein. Es ist frustrierend. Wir angeln nur Gemüse. Seit Tagen Teppiche mit dunkelgelben Algen. Das Meer ist verseucht davon. Das Nachziehen der Angelleine entwickelt sich zum Desaster. Mit Fischen hat das nichts mehr zu tun. Irgendwann gibt selbst Dietmar entnervt auf.

Wie schon vor drei Jahren, ruft „Cayman Traffic Control“. Diesmal uns nicht, denn unser AIS sendet im Moment nicht. Eine Kabel oder Stecker ist wohl nicht in Ordnung. Aufgabe für die Tage mal. Ist mir auch ganz Recht. Cayman Brac Traffic Control ist ein vereinsamter CB Funker, der sich selbst zum Traffic Controller auf CH 16 ernannt hat. Auf der Insel ist so wenig los und irgendwann hat ihm jemand ein AIS geschenkt, dass er mindestens zweimal am Tag alle Schiffe im Umkreis anfunkt. Verdammt, ich habe seinen Namen vergessen. Nathalie und ich haben ihn 2015 an Land kennengelernt. Auf jeden Fall antwortet ihm keiner. Wir auch nicht. Selbst SIP Stefanie kann ich nicht motivieren doch mal ein kurzes Pläuschen abzuhalten.

Nun liegt Cayo Largo an der Südseite von Cuba an. Der Wind wird langsam weniger und dreht nördlicher. Wir werden ebenfalls langsamer. Trotzdem wird es unsere letzte Nacht auf See sein. Morgen werden wir ankommen. Cayo Largo ist entspannter zum Einklarieren und entspannter um mit Cuba zu beginnen. Ich habe nicht ganz so viel fotografiert in den letzten Tagen. Vielleicht, weil ich hauptsächlich ohne Schäden ankommen will. Wir haben auch keinen zusätzlichen Stop gemacht. Vielleicht weil ich mir die Zeit sparen will und eher ankommen will und noch ein paar Tage Ruhe haben will, bevor neue zahlende Crew an Bord kommt. Vielleicht habe ich auch nicht ganz so viel erklärt und erzählt wie sonst, weil es sich eben um einen „Hand gegen Koje“ Törn handelt. Quasi ein unbezahlter Überführungstörn. Ich glaube es ist im Endeffekt besser für die Crew, wenn sie ihr Kojencharterplatz im üblichen Rahmen bezahlen. Der Skipper wird auf jeden Fall sehr viel motivierter sein, sei nen Gästen die Zeit an Bord so schön und perfekt wie möglich zu gestalten. So ist das mit der Win Situation. Sollte immer WinWin sein.

Soll jetzt nicht heißen, dass wir keine gute Zeit miteinander gehabt haben. Ist und war toll. Im Gegenzug haben Stefanie, Dietmar und Florian auch überdurchschnittlich Arbeiten am Schiff erledigt, die der zahlende Mitsegler nicht tun wird und soll. Es ist einfach nur ein kleiner bitterer Geschmack, der das Gesamtbild geringfügig trübt.

Zwischenzeitlich haben Flo und ich den Kutter für die Nacht auf Am Wind Kurs getrimmt. Es soll Leichtwind geben und wir benötigen unseren eigenen Fahrtwind um trotzdem auf Speed zu kommen. Die Richtung passt. Das kann die MARLIN hervorragend. Ist auch mein Lieblingskurs. Das sind die Nächte, wo ich die Wache mit den Worten übergebe: „Am besten ihr rührt nichts an. In drei Stunden weckt ihr mich bitte! Schaut bitte nach anderen Schiffen. Kaffee wäre toll.“

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Na denn mal guten Appetit

Flo lacht gerne. Flo ist auch gern auf der MARLIN. Flo kann was. Flo macht. Flo teilt auch gerne mal aus. Flo kann aber auch gut einstecken. Gebe ich ihm eine Aufgabe erledigt er die schnell und präzise. Viele Kleinigkeiten auf der MARLIN sind liegengeblieben, viele Kleinigkeiten wurden erledigt. So ist das. Großes Schiff, viele Baustellen. Gott sei Dank keine großen. Flo und Dietmar bringen diese blöden Bodenheber in Ordnung. Zwei Klemmen, voll mit Dreck eine soll Jan abgebrochen haben. Grins. War der nie. Sagt er aber gerne, weil er seine Schäfchen gerne beschützt. „Da bekommen wir die Schrauben nicht raus. Abgebrochen. Geht nicht.“ Ich zeige Dietmar eine, wie die rausgeht, da kommt Ehrgeiz auf. Ich staune nicht schlecht wie Flo die Dinger mit Essig und Scheuerläppchen aufpoliert hat. Nach zwei Stunden sehen die aus wie neu. Gut gemacht. Flo isst gerne Fisch. Rohen Fisch wie man sieht. Spass. Vielleicht ist er deshalb so überpowert? Er kann echt nicht stillsi tzen ohne eine neue Aufgabe. Ich hab ihm direkt angeboten beim Sommer-Refit der MARLIN an der Algarve mitzumachen. Solche MACHER kann ich gebrauchen. Lorenz und Jan sind auch schon dabei. Dann geht es zu den Kapverdischen Inseln. Da freut sich die MARLIN. Da freu ich mich.

Derweilen sind wir in der Abschattung von Jamaika, müssen dreißig Meilen motoren. Dann kommen wir ums West End. „Bumm“ macht es dann. Dann rollt die Fock aus und es wird wieder schräg. 288 Meilen und wir sind an der Tonne „Mal Tiempo“, der Einfahrt nach Cayo Largo. Challenge. Ich schau mal nach was der Freezer so hergibt. Das dürfen wir alles nicht importieren. Hmm. So viel können wir gar nicht essen. Gut das ich die Jungs von der Gesundheit gut kenne ;-) Da finden wir bestimmt eine Lösung

Segeln bei 8 Windstärken

Die Nase vorn

Mit 20 Knoten Wind wäre ich eigentlich auch glücklich gewesen. Gegen Neun Uhr am Morgen lichten wir den Anker. Blauer Himmel, kristallklares 28 Grad warmes karibisches Wasser, türkises Farbenspiel unter den steilen Felsen verabschieden uns. “T´schüss Curacao! Bis zum nächsten Mal!”, verabschiede ich mich von der sympathischen Insel. Eins habe ich hier nicht in der etwas kurzen Woche: Gefroren. Der Blick auf die Flensburger Windfinder Seite verursacht Gänsehaut. Gruselig. Abfahrt steht auf dem Programm. Begrüßt werden wir von einem dicken Squall, kaum sind wir auf dem offenen Meer. Das mit der ausgebaumten Genua hätten wir getrost sein lassen können. Viel zu viel Segel. Innerhalb Minuten schlägt die romantische Wetterlage in einen ausgewachsenen tropischen Sturm mit Tonnen von Wasser um. Es regnet nicht. Es schüttet in Eimern. Dazu 40 Knoten Wind in Böen, die unsere MARLIN in den Wind gieren läßt. Das Groß verliert seinen Winddruck. Ich übernehme, aber das Schiff macht eh alles von ganz alleine. Kurze Zeit später wieder blauer Himmel. Dann der nächste Squall. Das ganze entwickelt sich über den Tag zu einem ausgewachsenen Sturm ohne blaue Löcher. Drittes Reff ist schon längst gesetzt und die Fock wird beängstigend klein. Gut, das der raumschote Wind den ganzen Mist von achtern kommen lässt. Florian und Dietmar sind zwischenzeitlich angekommen. Obligatorisch stürmen wir den Supermarkt. Ausklarieren und Sicherheitseinweisung. Für mich inzwischen Routine, für den SIP Stefanie schon eine Aufgabe. Am Sonntag dann letzte Reparaturen. Unsere Gäste hauen ordentlich mit rein. Dietmar glänzt mit handwerklichem Geschick beim Lederbezug des Steuerrades, der Kompassbeleuchtung und dem Servicen der Winschen. Florian, auch kurz Flo genannt, bringt mit meiner Hilfe den Ersatzantrieb des Autopiloten wieder zum Leben, serviced die Lager der Ruderanlage und vieles anderes. Bei der aktuellen Wettervorhersage ist mir das besonders wichtig. Beide sind uns eine große Hilfe, erledigen ihre Aufgaben eigenständig. Alles gut. Ich zaubere dafür aus meiner Küchentrickkiste. Es schmeckt. Es ist heiß und zum Abschluss des Tages springen wir alle in Wasser. Am 13ten segel ich nicht los. “Is doch kein Freitag”, meint Nathalie. Mir ist es egal. Ein Tag mehr macht auch nix. Ich verliere in Phase 10. UNO! Klappt besser. Eric ruft an. Er ist der Meister der Insel, wenn es um Kite Reparaturen geht. Den 11er 2015er North Rebell habe ich günstig bei E-Bay Kleinanzeigen geschossen. “Ich habe den Kite vorm Versand aufgepumpt. Hält Luft!”. Nix hält. Aus der Reparatur eines Ventils werden sechs Ventile. Eric meint, es würde sich trotzdem noch lohnen. Zu warm gelagert. Das ist das Problem hier in der Karibik. Aus 30 Euro Reparatur werden 130 Euro. Trotzdem. Ein Kite mit Bar für insgesamt 400 Tacken ist ja immer noch ein Deal. Zwischenzeitlich ist es Nacht geworden. Gut 10 Stunden ein Squall nach dem anderen mit bis zu 40 Knoten Wind. 4-5 Meter Welle. Auch gerne mal die Breitseite und komplett übers Schiff. No so was. Endlich hat sich der sternklare Himmel eingestellt. Wir rasen wie wild durch die Nacht. Beschleunigung, statt Entschleunigung. Die Schwerkraft drückt uns in die Polster des komfortablen Pilothauses. Mitsegler Stefan sitzt derweilen bestimmt in Hannover in der Küche über der Karte und zeichnet unseren Kurs mit. 2016 hat er dieselbe Strecke mit mir und Crew Hand gegangen. Diesmal sind wir nur vier Leute und steuern tut der Autopilot. Die Bedingungen sind ähnlich. Ruhig Blut Stefan. Ich werde berichten wie unser Etmal aussieht. Noch 717 Meilen to Go! Wer richtig zeigt bei dem Wind, was er kann, ist der Superwind 350. Kaum hörbar, lädt er unsere Batterien so ganz nebenbei zum Betrieb des Kühlschrank, Freezers und Autopilot. Saubere Sache. Bin froh, dass ich ihn habe.  

SIP im Untergrund

Skippers Workout

Nett andere Leute durch die Weltgeschichte zu schippern bedarf ja nun einer gewissen Ausbildung. Die seemännischen Scheine sind die Basisvorraussetzung um SIP zu werden. Doch so ein Schein heißt noch lange nicht, dass damit auch sichergestellt ist, dass die MARLIN erfolgreich auf der anderen Seite des Oceans ankommt und schon mal garnicht, dass Kunden und Eigner glücklich sind und der eingesegelte Umsatz dazu führt, dass die Kosten des Kutters gedeckt sind. Vielmehr muss ein SIP auf der MARLIN das definitive Multitalent sein. Ob nun das Stehen auf dem Kite Bord dazugehört stellt sich nach dem letzten Logbuchbericht von Stefanie zu Diskussion. Der SIP muss nebst selbstbewußt (Womit Stefanie definitiv kein Problem mit hat :-) muss der SIP vor allen Dingen eins können. Kochen. Nur ein satter Mitsegler ist ein glücklicher Mitsegler. Dann muss der SIP sich zu handwerklich zu helfen wissen. Zwei linke Daumen geht garnicht. Um einen Monteur von Land zu rufen, dazu fehlt definitiv die Zeit. Also sind handwerkliche Fähigkeiten unabdinglich. Ich meine hier überdurchschnittliche Fähigkeiten! Stefanie kann sich heute selbst beweisen. Level 4 ist angesagt. Der Pegelschalter im Grauwassertank ist defekt. Also muss der Deckel des Tanks im Kiel der MARLIN geöffnet werden und ein neuer eingebaut werden. Vor allen Dingen eine recht geruchsvolle Angelegenheit. Eng ist es hier. Man muss Gummiarme haben. Ich superweise Stefanie. Alles in allem schafft Stefanie das alleine. Das ganze ist mit ordentlich Fluchen und Grummeln begleitet. Im Ernstfall, also als alleiniger Skipper an Bord, wäre zwar Kommunikation mit mit der Boden station, also mir zum Beispiel in Deutschland, über e-mail notwendig gewesen, aber sie hätte ihr Ziel auch ohne mich erreicht. Unser SIP zeigt vor allen Dingen ein wichtiges Charaktermerkmal: Durchhaltevermögen. Schlimm wäre nur, wenn zum gleichen Zeitpunkt die Zigaretten ausgehen würden, weil die Ruhepausen dann nicht gewährleistet wären. Noten gibt es auch. Stefanie bekommt eine Zwei minus. Na. Das ist doch super. Ich lobe fett. Stefanie ist zu Recht stolz und der Grauwassertank wird wieder rechtzeitig automatisch abgepumpt ohne das es im ganzen Schiff stinkt wie Hölle. Ziel erreicht. Aber auch ich darf werkeln, nebst Grauwassertank repariere ich einen Splint am Vorstag, die Dusche an der Badeplattform bekommt ein neues Gehäuse, dass natürlich nicht einfach passt. Das Schloss der Hecktüre zum Keller funktioniert auch wieder. Das Steuerrad hat drei gebrochene Speichen, die der nette Vedha von “Curacao Professional Welding” schweißt das schnell, unkompliziert und günstig. Mensch. Klappt ja mal alles wie am Schnürchen. Jetzt muss nur noch der Lederbezug des Stuerrades wieder an seinen Platz. Gut aussehen soll das auch noch. Na dann. Nebenbei wird der Kühlschrank repariert und tausend andere Kleinigkeiten. Zugeschaut und mitgebaut. Aber fertig ist Stefanie noch nicht. Sie erreicht das nächste Level. Erika, der Generator läuft zwar und hat sich auch mit dem SIP angefreundet, aber trotzdem steht der Austausch der Wasserpumpe, Zahnriemen und Impeller, sowie eine typische Inspektion auf dem Aufgabenzettel der strebsamen SIP. Da. Wird Stefanie demnächst wieder viel fluchen. Wohlauf. Morgen kommen unsere neuen Gäste.

Noch alle Knochen beisammen?

Aller Anfang ist schwer

“3-mal habe ich bisher auf einem Kiteboard gestanden. Völlig ungeübt und untrainiert. War ne geile Erfahrung. Mit „self education“ sollte es dann weitergehen, unwissend über all die Gefahren, die einem dabei drohen können. Micha hatte es ja bereits vor 2 Jahren schwer erwischt. Schulterbruch. Das will ich natürlich nicht erleben und entschließe mich statt self education die Vorzüge eines Kitetrainers zu genießen. Auf Bonaire gibt es zwar eine Kiteschool, jedoch ist die Location absolut untauglich für Greenhorns like me. Auf Klein Curacao ebenfalls viel zu gefährlich. Aber auf Curacao wurden wir fündig. Kleine, geschützte Lagune, abseits gelegen, im typisch karibischen Stil, einfach und simpel mit Möbelfundstücken von der Straße, aus denen Polsterstoff und Federn herausschauen, hergerichtet. Hyggelig :-) Dafür glänzt Nik, unser Kitelehrer von der Nix Kiteschool mit umfangreichen Wissen. Ein wirklich gemütlicher Zeitgenosse. Wir buchen jeder 2 Stunden. Sicherheit steht bei ihm an erster Stelle. Fehler, die er an Mich’s 14m2 Kite findet, müssen erst repariert werden, bevor es ins Wasser geht. Ich bin zunächst nur Zuschauer und beobachte das Ganze mit respektvollem Abstand. Als absoluter Laie erkenne ich allerdings sofort alle Fehler, die der Micha macht ;-) Das soll mir später nicht passieren. Ich strotze nur so vor Selbstbewusstsein. Nach zwei Stunden kommt Micha völlig ausgepowert aus dem Wasser. Ich schwöre, Micha stand mindestens einmal für mehr als 10 Meter auf dem Board ;-) Er selbst ist einen großen Schritt weiter gekommen. Das macht den Unterschied zwischen einem guten Kitelehrer und einem guten Kitelehrer. 10 Minuten später bin ich dran. Kite selbst aufpumpen. Wofür habe ich eigentlich bezahlt? Nach dem Aufpumpen hätte ich gerne eine kurze Verschnaufpause, aber mit Nik treibt mich direkt ins Wasser. Kurze Einweisung in das Sicherheitssystem, dann Kitekontrolle. Das A&O beim Kiten. Klappt super dank ein paar Stunden am Trainerkite mit Micha auf Klein Curacao. Schnell kommen wir zum Bodydragging, downwind, upwind, mit und ohne Brett. Auch extrem wichtig, falls man mal das Board verliert, um wieder zum Brett zurückzugelangen. Ich schlucke meine ersten Liter reinstes karibisches Meerwasser. Klappt aber ansonsten sehr gut. Den Kite verliere ich nicht ein einziges Mal. Bin mega Stolz und total infiziert. Leider darf ich noch nicht aufs Brett steigen. Bin erst bei 60-70%, sagt der Nik. Grmpf!#%&$§! Morgen oder Freitag haben wir uns gleich für weitere zwei Stunden gebucht. Bin zuversichtlich dann aufs Board zu kommen. Achja; Nix ist passiert. Alle Knochen noch beisammen :-) Am Vormittag hat es einen Kiter direkt in die Mangroven verschlagen… Thema SIP (Skipper in Practice – Anmerkung: Wikipedia verdächtige Definition von Micha): Skipper auf seinem eigenen Schiff zu sein, ist nicht sonderlich schwer. Skipper auf einer fremden Eigneryacht dagegen umso mehr. Micha’s und meine Erwartungen waren besonders hoch. Meine erstrecht. Die ersten Tage haben mich extrem gefordert. Gibt da eben doch den „kleinen Unterschied“ zwischen Mann und Frau. Bin zwar eine sehr stattliche und eher maskuline Erscheinung, aber nur mit Hamsterkräften. Da haben sich schon andere verguckt (nee, nicht was Ihr denkt ;-) und mich überschätzt. Hier auf der MARLIN ist alles eine Dimension größer. Dazu kommt die ungewohnte Hitze und zuweilen sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Das alles, plus die Komplexität der Systeme erfordern bei mir mehr Zeit, als dem Micha und mir zu Anfang lieb war. Ich war recht schnell demotiviert, konnte die Zeit nicht wirklich genießen. Mittlerweile hat sich das Blatt komplett gedreht. Micha hat das Tempo angepas st. Soziale Kompetenz eben. Das, was einen wirklich guten Skipper ausmacht. Ich habe mich halbwegs akklimatisiert und mein Tempo entsprechend angepasst. Die Stimmung ist super. Ich bin Micha unendlich dankbar für seine Geduld. Am Ende profitieren wir beide hoffentlich voneinander. Meine Lieblingsbeschäftigung derzeit: Squall nähert sich. Von vorne bis achtern alle Luken und Fenster schließen. Das sind nicht gerade wenige. Wenn der Squall durch ist, das Ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück. Sonst ist hier schnell dicke Luft. Das alles in einem regelmäßig wiederkehrenden Takt :D Neue Crew kommt am Wochenende für den Überführungstörn nach Kuba. Für mich die erste Bewährungsprobe.

Irgendwie heimatlich und doch so anders

Wieder Zoll, Immigration und so weiter…

“What’s App SIP?“ Das wir intern auf der MARLIN nicht auch schon über What’s App kommunizieren ist alles. Ich habe mich ja nun laaaaange gegen dieses Tool gewehrt, aber seit dem es eine Desktop Version davon gibt, gab es auch für mich kein „NoGoWA!“ mehr. Auf meinem iPhone Nachrichten einzutippen ist so ziemlich das allerletzte wonach ich Begierde empfinde. Für die Verwaltung mit meinen Kunden, Mitseglern und Staff allerdings ist WA ein inzwischen unabdingliches Tool. Zusätzlich muss ich hier für Weltreisende schreiben, dass WA die beste Telefonqualität mit dem geringsten Datenverbrauch hat. Im Übrigen hat mich meine Segelfreundin Nike drauf gebracht. Da kann Skype sich hinter verstecken. Vor allen Dingen seit das Unternehmen von Microsoft übernommen worden ist. Hier drängt sich nun die Frage auf: Was ist ein SIP? Stefanie ist ein SIP. Skipper im Praktikum. Sie durchläuft grade ein Praktikum auf der MARLIN, mit dem Ziel die Position von Jan zu erreichen und selbstständig mit Gästen zu segeln. Wie der Fortschritt ist werden wir sehen. Das das kein Zuckerschlecken ist, dürfte jedem klar sein. Für den SIP braucht es auch Mitsegler. Mit zwei Häuptlingen, also Stefanie und ich, ohne Indianer, also Mitsegler, die MARLIN nach Cuba zu bringen, ist mehr oder weniger die Pflicht und nichts besonderes. Die Kür allerdings ist Mitsegler zu motivieren, zu führen und den ganzen Kahn sicher und mit Erfolg auf der ganzen Linie zum Ziel zu bringen. Im Moment ist Stefanie noch ohne Mitsegler auf der MARLIN. Nur mit mir. Was ja auch eine Challenge ist. Hihi. Angekommen in Curacao heißt es erst mal Platz im Ankerfeld zu finden. So übt Stefanie Reanchoring. Drei mal müssen wir den ROCNA Anker neu schmeissen, damit die MARLIN danach am richtigen Platz liegt. Einfahren mit Vollgas und beruhigt können wir in die Stadt fahren um das etwas aufwendige Einklarierungsverfahren in Angriff zu nehmen. Erst mal heißt es ein Auto zu mieten, denn Curacao ohne Auto geht nur im Fahrtenseglermodus, nicht aber mit Gästen. Der Bus fährt wieder mal nicht, so halte ich einfach ein lokales Auto an und frage ob der 81 jäige Gärtner uns nicht eben zur Autovermietung bringen kann. Kann er. Total nett. Ich drücke ihm 3 $US in die Hand. Er ist glücklich, wir sind glücklich. Alles gut! Das wichtigste Tool des Profiskippers in der Karibik. Ein Bündel Eindollarscheine in der Tasche. Den Rest des Tages verbringen wir beim Zoll und der Immigration. Stefanie darf auch schon Papiere ausfüllen. Falsch. Muss. Denn ich bin gleichzeitig damit beschäftigt die restlichen Kojenplätze bis Portugal zu füllen. Und das klappt heute richtig gut. Wir sind ausgebucht bis Faro. Alles geht glatt vonstatten. Mit platten Füßen und nassgeschwitzt ist alles erledigt. Danach git es zur Belohnung eine Pina Colada an der Waterfront. Stefanie staunt über die Preise im Albert Hein Supermarkt und ist total fertig als wir endlich bei Dunkelheit wieder auf der MARLIN sind. Entschleunigungsfaktor 3 ist erreicht. Es geht früh in die Koje und ein guter Schluck schafft die die notwendige Bettschwere.