Archiv der Kategorie: SY Marlin

Tag 10: Ab in den Keller

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{Title:Tag 10: Ab in den Keller}

Ohne Immunsystem

Die letzten 48 Stunden waren nicht so prickelnd. Leukos auf 0.2. Ordentliche Fieberschübe in der Nacht. HB Wert auf 6.8. Da geht gar nix mehr. Weder Aufstehen, noch Duschen, noch Lächeln. Einfach nur Zimmerdecke beobachten, wie sie sich langsam auf mich zubewegt. Ich habe mit Zweifeln zu kämpfen, Zweifeln an der Sinnlosigkeit der Behandlung. In zwei Jahren bin ich wieder hier. Aber kann ich das diesen beiden süßen Kindern antun? Nep. Sie haben schon ein Recht auf ihren Vater. Also Augen zu und durch. Ich habe Ohrensausen von den ganzen Infusionen, die in meinen Körper laufen. Ein merkwürdiges Dauergeräusch.

Das war es auch schon was ich von den letzten 48 Stunden mitbekommen habe. Ansonsten dunstiger Nebel in meinem Kopf. Mir reicht es. Für mich könnte es jetzt wieder aufwärts gehen.


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Tag 8: Knochenmarksspender gefunden

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Umkehrisolation

Meine Leukozyten, weiße Blutzellen und Immunsystem sind nun durch die Chemo auf 0.5. Das ist nichts. An der Zellentür 33 klebt ein Schild „Umkehrisolation. Bitte Schutzkleidung anziehen.“ MayaLena tauchen am späten Nachmittag auf um mit mir, Mensch ärgere Dich nicht zu spielen, sowie meine Leben für eine Stunde anders zu gestalten. Die Zimmerdecke hebt sich. Sie haben Spaß an der Verkleidung. Tee trinken kann man nicht mit Mundschutz. Da machen wir mal eine kurze Ausnahme. Das die Beiden mich einfach so besuchen kommen können, rettet meine Seele, auch wenn ich nach einer Stunde platt bin und wieder ins Bett will.

Dr. Helge kommt heute zum letzten Mal. Eine Woche Urlaub hat er. Na. Ob ich das so gut finde, weiß ich noch nicht. Aber er fährt nicht weg nach Australien oder so. Es gibt ja auch noch seine Kollegen. „Noch kein Fieber“, lobt er. 37 Grad. „Weiter so.“ Die Schwestern geben mir einen Immunsystemanreger IV, eine Spritze 300 Euro. Darf man gar nicht drüber nachdenken. Meine Krankenkasse investiert mal wieder in mein Fortbestehen. Ordentlich. „Wir haben im übrigen drei passende Knochenmarkspender für Dich gefunden“, erklärt Dr. Helge so ganz nebenbei. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ein großer Stein. Grundlage für eine erfolgreiche Transplatation in ca. vier Wochen ist meine Remmission, meint das nach der Chemo fast keine bösen Blasten mehr in meinem Knochenmark vorhanden sind. Das wird in ca. einer Woche über einen Test meines Knochenmarks unter dem Mikroskop festgestellt. Das wird ein aufregender Tag. Wenn’s interessiert, der kann sich das mal durchlesen.

Am Abend klingelt Face Time. „Alter. So darfst Du das nicht schreiben im Blog. Wir vergessen Dich nicht. Abschieben tun wir Dich auch nicht. In 10 Tagen hab ich mir freigenommen und wir kommen Dich besuchen. Darfst Du schon Wein trinken?“ Er will die 600km aus Düsseldorf kommen. Guido prostet mir zu. Mit meinem 8er HB ist mir grade alles andere als nach einem Glas Wein. Ich proste ihm mit Kamillentee ins iPhone zu. Auch Claudia hat sich sich schon beschwert, dass ich das gestern wohl etwas zu hart geschrieben habe. O.K. Ich sehe es ein und entschuldige mich hiermit offiziell bei all meinen engen Freunden, die mich wirklich nicht hängen lassen. Ich kann mich ja auch melden, wenn es mir nicht gut geht und werde sicherlich offene Türen und Arme finden.

Nathalie kommt vorbei. Man sieht ihr sichtlich an, wie sie die ganze Situation belastet. „Wir haben so viele Situationen gemeistert in den letzten zwei Jahrzehnten. Da kommen wir jetzt auch noch durch.“ Ich muss zugeben, ich bin nicht immer so optimistisch. Ich habe ein schlechtes Gewissen mit einem Rückfall hier in Flensburg ihr Leben aus den Bahnen zu reißen.


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Tag 7: Im Keller

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{Title:Tag 7: Im Keller}

Prinzessin Lillifee in blau

Ich habe zwei Tage und Nächte Entleerung hinter mir. Gegen Verstopfung habe ich Flohsamen bekommen und der hat so dermassen angeschlagen, dass ich Tag un Nacht alle 30 Minuten auf’n Pott bin. Ich lass jetzt mal die genauere Beschreibung. Auf jeden Fall alles Scheiße. Dr. Helge kommt rein mit seiner Gefolgschaft, allesamt in blauen Schutzanzügen wie in nach dem Atomunfall in Fukushima. Ein sicheres Zeichen dafür, dass meine Leukozyten nun deutlich unter 1.000 sind. Keiner darf mich mehr ohne Schutzanzug besuchen. Umkehrisolation. Auch nicht MayaLena, Nathalie und Oma. 10 Tage ohne Immunsystem stehen vor mir, wahrscheinlich und mit 90%iger Wahrscheinlichkeit Fieber. Könnte also gut sein, dass ich nix mehr zu lachen habe und den Blog nicht mehr bedienen kann. No worries.

Ich bin natürlich der Auswuchs einer Partybremse. Mal ganz ehrlich, wer will schon mit so negativen Realitäten wie meiner Leukämie konfrontiert werden? Letzte Woche war Nathalie bei Freunden zum Geburtstag eingeladen und meinte zu merken, dass sie gemieden wurde von den anderen Gästen. Einbildung? Ich glaube nicht komplett. „Hast Du gehört. Micha ist wieder krank. Hat wieder Leukämie.“ Es wird getuschelt und was soll man auch dazu sagen? Ist doch wirklich doof. Oder? Krebs. Wer redet darüber schon gerne? Am besten man hat ihn nicht und keiner um einen herum. Der Kranke kommt ins Hospital und wird bestmöglich behandelt. Dafür zahlen wir alle jeden Monat. Das ist das System. Also rufen wir an, schreiben ein Whats App, eine Mail oder gehen den Kranken besuchen. „Kann ich irgendwas für Dich tun? Lass es mich wissen.“ „Halt durch!“, steht in vielen Nachrichten, die ich bekomme. Nun. Es werden von Tag zu Tag weniger Nachrichten werden. Das ist halt so. Jeder vierte Todesfall in Deutschland ist durch Krebs bedingt. Da kann man doch froh sein, wenn es einen nicht erwischt. Ich kann es vollkommen verstehen, dass sich meine Mitmenschen, Freunde und Bekannte nicht dauerhaft oder sogar gar nicht mit meiner Leukämie konfrontieren wollen. Ich würde mich selbst damit auch nicht belasten wollen. Immer in der Hinsicht darauf, wie nah mir der Kranke steht.

“Hallo Papa. Wie geht es? Hör mal ich habe da eine Idee wegen Deiner Airpods, die Du mir ja nicht schenken willst…“ Maya schneit im Prinzessin Lillifee in Blau Gewand ins Zimmer. Sie lächelt mich an. „Geht es Dir gut?“ Sie schaut mich kurz an. „Hast Du geschlafen?“ Und schon ist sie beim nächsten Thema, das bestimmt nichts mit Leukämie zu tun hat. Ihre Haare werden jeden Tag länger. Schon vor Monaten hat sie entschieden ihre Haare lang wachsen zu lassen und dann für eine Chemopatientin zu spenden, die damit ein Naturhaarperücke bekommt. Maya stört weder das Krankenhaus, weder die Verkleidung, noch meine Krankheit. „Du schaffst das schon.“ Punkt. Und wenn nicht, so wird das Leben einfach weitergehen, denke ich mir. Sie hat Jahrzehnte vollen Lebens vor sich, so wie ich es selbst gelebt habe. Die Geburt und der Tod ist das natürlichste der Welt. Wenn ich Maya sehe, wird mir das so brutal klar, dass jedes Fünkchen Selbstmitleid in Luft auflöst.

Hut auf. Auch ich denke vor und hab schon mal investiert. Bei meiner Lieblingsmarke habe ich für meine kommende haarlose Zeit zwei schicke Schirmmützen geordert. Da sieht man vor allen Dingen nicht so den Blick auf die fehlenden Augenbraunen und Wimpern. Das finde ich eigentlich am Schlimmsten am Leuko Style. Da sieht man dann nach der Chemo so nach Monster einer fernen Galaxie aus. Doch Permanent Augenbraunen? Warum eigentlich nicht. Die Kurden aus dem Sisha Shop machen das doch auch. Ohne Leuko Style.


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Tag 8: Im Keller

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Prinzessin Lillifee in blau

Ich habe zwei Tage und Nächte Entleerung hinter mir. Gegen Verstopfung habe ich Flohsamen bekommen und der hat so dermassen angeschlagen, dass ich Tag un Nacht alle 30 Minuten auf’n Pott bin. Ich lass jetzt mal die genauere Beschreibung. Auf jeden Fall alles Scheiße. Dr. Helge kommt rein mit seiner Gefolgschaft, allesamt in blauen Schutzanzügen wie in nach dem Atomunfall in Fukushima. Ein sicheres Zeichen dafür, dass meine Leukozyten nun deutlich unter 1.000 sind. Keiner darf mich mehr ohne Schutzanzug besuchen. Umkehrisolation. Auch nicht MayaLena, Nathalie und Oma. 10 Tage ohne Immunsystem stehen vor mir, wahrscheinlich und mit 90%iger Wahrscheinlichkeit Fieber. Könnte also gut sein, dass ich nix mehr zu lachen habe und den Blog nicht mehr bedienen kann. No worries.

Ich bin natürlich der Auswuchs einer Partybremse. Mal ganz ehrlich, wer will schon mit so negativen Realitäten wie meiner Leukämie konfrontiert werden? Letzte Woche war Nathalie bei Freunden zum Geburtstag eingeladen und meinte zu merken, dass sie gemieden wurde von den anderen Gästen. Einbildung? Ich glaube nicht komplett. „Hast Du gehört. Micha ist wieder krank. Hat wieder Leukämie.“ Es wird getuschelt und was soll man auch dazu sagen? Ist doch wirklich doof. Oder? Krebs. Wer redet darüber schon gerne? Am besten man hat ihn nicht und keiner um einen herum. Der Kranke kommt ins Hospital und wird bestmöglich behandelt. Dafür zahlen wir alle jeden Monat. Das ist das System. Also rufen wir an, schreiben ein Whats App, eine Mail oder gehen den Kranken besuchen. „Kann ich irgendwas für Dich tun? Lass es mich wissen.“ „Halt durch!“, steht in vielen Nachrichten, die ich bekomme. Nun. Es werden von Tag zu Tag weniger Nachrichten werden. Das ist halt so. Jeder vierte Todesfall in Deutschland ist durch Krebs bedingt. Da kann man doch froh sein, wenn es einen nicht erwischt. Ich kann es vollkommen verstehen, dass sich meine Mitmenschen, Freunde und Bekannte nicht dauerhaft oder sogar gar nicht mit meiner Leukämie konfrontieren wollen. Ich würde mich selbst damit auch nicht belasten wollen. Immer in der Hinsicht darauf, wie nah mir der Kranke steht.

“Hallo Papa. Wie geht es? Hör mal ich habe da eine Idee wegen Deiner Airpods, die Du mir ja nicht schenken willst…“ Maya schneit im Prinzessin Lillifee in Blau Gewand ins Zimmer. Sie lächelt mich an. „Geht es Dir gut?“ Sie schaut mich kurz an. „Hast Du geschlafen?“ Und schon ist sie beim nächsten Thema, das bestimmt nichts mit Leukämie zu tun hat. Ihre Haare werden jeden Tag länger. Schon vor Monaten hat sie entschieden ihre Haare lang wachsen zu lassen und dann für eine Chemopatientin zu spenden, die damit ein Naturhaarperücke bekommt. Maya stört weder das Krankenhaus, weder die Verkleidung, noch meine Krankheit. „Du schaffst das schon.“ Punkt. Und wenn nicht, so wird das Leben einfach weitergehen, denke ich mir. Sie hat Jahrzehnte vollen Lebens vor sich, so wie ich es selbst gelebt habe. Die Geburt und der Tod ist das natürlichste der Welt. Wenn ich Maya sehe, wird mir das so brutal klar, dass jedes Fünkchen Selbstmitleid in Luft auflöst.

Hut auf. Auch ich denke vor und hab schon mal investiert. Bei meiner Lieblingsmarke habe ich für meine kommende haarlose Zeit zwei schicke Schirmmützen geordert. Da sieht man vor allen Dingen nicht so den Blick auf die fehlenden Augenbraunen und Wimpern. Das finde ich eigentlich am Schlimmsten am Leuko Style. Da sieht man dann nach der Chemo so nach Monster einer fernen Galaxie aus. Doch Permanent Augenbraunen? Warum eigentlich nicht. Die Kurden aus dem Sisha Shop machen das doch auch. Ohne Leuko Style.


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Tag 6: Erster Tag nach der Initialchemotherpie

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{Title:Tag 6: Erster Tag nach der Initialchemotherpie}

Ich will ehrlich bleiben

Trotz allem Mut, den ich mir selbst unter meinem Arsch selber zusammenkratzte – Ich habe pure Angst zu sterben. Ich habe keine Herbstgrippe, sondern Leukämie. Dr. Helge kommt rein und verrät mir, dass er verwirrt ist, denn von meinen Nachweis einer Mutation im NPM1-Gen, meiner Leukämie von 2016 ist nichts mehr nachzuweisen. Ich bin tatsächlich geheilt, liegt auf der Hand. Aber dem ist nicht so. Es ist ein neuer Clone, den ich in mir trage. Der hat noch keinen Namen und war somit auch nicht in den vorherigen Untersuchungen festzustellen. Ein neues BIOS scheint unweigerlich der beste Weg für mich zu sein. Nein – Nicht der beste sondern der Einzige Weg zu sein um: Zu Überleben.

Logisch. Ich denke viel über meine Leben nach. Ich habe definitiv nichts verpasst. Ich war auf allen Parties ganz vorne dabei. Ich habe mir alle Träume erfüllt, ich habe das Maximim von der Welt gesehen. Trotzdem kann ich mich immer noch nicht verabschieden und geschlagen geben. Kurz davor die Halse mit dem Kite zu fahren und aus den Switch zu gehen. Da kann ich doch nicht einfach aufhören. Draussen ist es dunkel. Es ist Herbst in Deutschland. Es regnet. Plätschert. Traurig blicke ich in den Abendhimmel. Doch. Klar bin ich froh eine deutsche Krankenversicherung zu haben und hier in „Nathalies Krankenhaus“, bevorzugt behandelt zu werden. Eine reale Zahl schwebt immer wieder durch den Raum. 50% Überlebenschance auf die nächsten 5 Jahre.

Ich habe immer noch alle Haare und mein Gewicht. Nicht wie beim letzten Mal direkt eine Sepsis und Intensivstation. Tock – Tock – Tock. Schwierig im Krankenzimmer Holz zu finden um draufzuschlagen. Gestern war ein blöder Tag. Da konnte ich noch nicht einmal mehr meinen Blog schreiben. Den brauche ich grade jetzt ganz besonders um noch eine rote Linie in meinem Leben zu haben, der ich folgen kann. Ansonsten kommt die Zimmerdecke Zentimeter für Zentimeter tiefer.

Ragnar kommt vorbei. Mein erster Besuch neben NathalieMayaLena Family. Ich freue mich. Freunde in Flensburg habe ich ansonsten so gut wie keine. Wir gehen raus. Meine Blutwerte sind immer noch ausreichend, so dass ich noch nicht in Umkehrisolation bin. Ragnar trägt einen Mundschutz. Ich ziehe mich an und wir gehen raus. Ich mit Mundschutz und Gummihandschuhen. Ich gehe langsam. Sehr langsam. Mit einem Hämoglobinwert von Acht fehlt mir der Sauerstoff für Sprünge an den Muskeln. Egal. Der Sauerstoff in den Lungen tut gut. Ich atme tief ein. Alleine kann und darf ich nicht spazieren gehen. Zu gefährlich. Danke Ragnar.

Die Lunge ist das Hauptproblem in den nächsten Tagen. 90% aller Chemopatienten bekommen Fieber und eine mehr oder weniger Lungenentzündung. Die Schwestern bringen wir ein Lungentrainer zum tief einatmen üben. Um die dritte Kugel beim Einatmen bis an den oberen Rand zu bekommen, bedarf es schon einer gewissen Akrobatik. Das ganze dient dazu, dass die Lunge sich voll entfalten soll und sich keine Bakterien ansammeln.

Das beste vom Tag aber kommt jetzt: Meine bester Segelfreund Rene hat spontan Hilfe zugesagt. Da Stefan erst ab Weihnachen die MARLIN skippern kann, weil er selbst einen Unfall hatte, springt Rene mit Marion nun ein und bringen die MARLIN im November mit meinen Mitseglern nach Cuba. Das ist sooooooooooo liebe von Rene und Marion, dass ich fast heulen könnte. Da brauche ich mir jetzt gar keine Sorgen mehr zu machen. Ein 30 Tonnen Aluproblem fällt mir vom Herzen und gibt mir Mut, dass aus diesem Scheiß Jahr vielleicht doch noch gut wird und ich den Kampf gegen die bösen Geister in meinem Leben gewinne.


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Tag 4: Tag am Meer

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{Title:Tag 4: Tag am Meer}

Nicht jeder Tag im Krankenhaus ist ein schöner Tag

Kommt allerdings Maya mit so einem schönen Minigemälde, dann ist es eben doch ein schöner Tag. Mein vorletzter Chemotag. Heute noch einmal mit roter Grütze. Das Bild vom Meer ist schöner anzusehen und steht dominant auf meinem Tisch am Krankenbett. Dort verbringe ich die wenigste Zeit. Es geht mir weiterhin weitgehend gut. Der Verlauf der Behandlung entspricht den Vorstellungen von Dr. Helge und ich vertraue ihm.

Was mir gar nicht ins Konzept passt, ist meine Vertretung auf der MARLIN. Skipper Jan, logischerweise die erste Wahl und am besten mit der MARLIN und unseren Gästen vertraut ist mitten in seiner Studium-Abschlußprüfung. Deshalb war eh schon Stefan, auch erste Wahl, als Skipper eingeplant, sowieso schon vor meines akuten Rückfalls. Stefan sagt auch zu. „Alles klar Michael. Machen wir so.“ Am nächste Tag dann eine Message: „Willste jetzt bestimmt nicht hören Micha. Ich bin vom Steg gefallen und habe mir drei Rippen gebrochen und die Milz ist am bluten.“ Recht hat der liebe Stefan. Das wollte ich nicht hören. Also telefoniere ich grade mehr als gewohnt um die richtige Vertretung für mich zu finden und wenn es klappt hab ich auch schon den richtigen Mann am Start. Noch eine erste Wahl. Rücke ich natürlich im Moment noch nicht ganz heraus.

Auch sonst geht mir natürlich alles mögliche durch den Kopf. Ich organisiere meinen Tag bestmöglichst. Ein neues Produkt für LUNATRONIC stemmt sich Bausteinchen für Bausteinchen in meinem Kopf zusammen. Eine Drohne für die MARLIN ist auf dem Weg und viele, viele Dinge am Rechner sind da, die es abzuarbeiten gibt. Besser so als anders. Besser busy im Kopf und an der Tastatur als Leukämiekino, im Bett liegen und an die Decke starren.


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Tag 3: Immer schön positiv denken

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{Title:Tag 3: Immer schön positiv denken}

“Scotty. Mach die Protonenlaser klar.“

Solange ich noch schreiben kann, ist alles klar auf meinem kleinen Raumschiff Enterprise. Endlich gehen meine Blutwerte langsam in den Keller, so wie sie es sollen. Das ist ja nun das Ziel der täglichen Infusionen, der Chemotherapie. „Geh noch mal raus an die frische Luft. Wer weiß, wann Du es wieder kannst“, mein Chemoschwester Sabrina. Echt ne Nette. Hat mich sofort wiedererkannt. „Für morgen stehst Du schon auf der Blutkonservenliste.“ Ich nicke. Weiß was das heißt und lächel in die Kamera des I-phone. Den ZVK dreh ich selber ab von der NaCl 0,9% Flasche über mir. Darf ich auch. Im Flur steht LOA Helge vor mir. „Ne. Alles gut. Schwester Sabrina hat’s erlaubt. Ich bin um drei Uhr wieder da, für die nächste Tüte Gift.“ „Ich dachte schon Du ziehst aus. Aber ohne Seesack wirst Du wohl nicht flüchten.“

Kaum draussen, geniesse ich die Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Das Gefühl von 2.5 Std. Freiheit fließt wie Protonenenergie in meinen Körper. „So nen Scheiß“, geht mir durch den Kopf. Schon stehen NathalieMayaLena vor mir mit der Schleuder und packen mich ein. „Eigentlich will ich laufen.“ Es gibt Waffeln, Kaffee, Familienleben auf der Toosbüystr. Schön. Ich geniesse es. „Gegen 15 Uhr muss ich wieder auf meinem Zimmer sein. Also mal los.“ Den Berg rauf werde ich Schritt für Schritt langsamer. Flens steht für Bier – Burg steht für die Toosbüystr. Wieder auf dem Zimmer bekomme ich direkt wieder die Schläuche an den Hals. Ich leg mich hin. Fertig. Schlafe sofort ein.


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Tag 2: Nasebohren

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{Title:Tag 2: Nasebohren}

Papa. Du sollst nicht wieder Segeln gehen. Krokodilstränen

Meine Vodofone GigaCube ist gekommen. Na Gott sei Dank. Vernünftiges Internet. Da nehmen wir uns Zeit mal ne Runde in der Nase zu bohren. Das meine Kinder inzwischen alt genug sind um mich besuchen zu kommen, dass hilft. Der zweite Tag Chemo von fünfen verläuft entspannt. Langeweile kommt nicht auf. Über Whats App habe ich eine Standleitung nach Curacao, Spanien, in die Schweiz und nach Deutschland. Schöne neue Technik. Meine Blutwerte sind immer noch so gut, dass ich fit wie ein Turnschuh bin. Das wird auch noch bis Tag sieben so bleiben. Dank „Seekrankheitsmedikamenten“ wird mir auch nicht schlecht, ich muss nicht kotzen und Haare habe ich auch noch, ich muss noch keinen Mundschutz tragen, sehe nicht aus wie ein Monster und darf auch noch in den Garten. Ich bin auch noch nicht infektionsgefährdet. Kommt alles noch. Also geniesse ich die Tage bis dahin.


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Tag 1: Aderlass

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{Title:Tag 1: Aderlass}

Sagt man gerne: Das Leben geht weiter

Währenddessen ich die letzte Nacht im Bett mit Maya schlafe sind Räuber in unserem Haus unterwegs und brechen unseren Keller auf. Klauen was? Meinen geliebten 14er Slingshot Kite, Lenas 6er Flysurfer, mein Cabrinha Kiteboard, noch ein Spleen Kite Board, zwei Harnesse, eine Tauchweste, meinen Krankenhaus Wasserkocher, den mir Christian 2016 geschenkt hat, eine Mikrowelle und vielleicht noch mehr. Ich kann es nicht kontrollieren. Vor einer Woche wurde unser Keller schon mal aufgebrochen und ein Beamer mitgenommen. Heißes Plaster, die Toosbüystr. Vor allen Dingen, keine Einbruchsspuren. Es sieht aus als wenn die Täter einen Sicherheitsschlüssel zur Haustür und zum Keller gehabt haben. Nathalie ist total sauer und unterwegs zur Polizei. Na, da bin ich ja mal gespannt ob die so gut sind wie im Frühjahr in Martinique, wo ich den Aussenborder am nächsten Tag wieder hatte.

Mein Tag beginnt mit Aderlass und ZVK (Zentraler Venen Katheder) durch den die giftige Chemo direkt in meine Herzaterie gelangt. Ich habe saumäßig Schiss vor dem Beginn der Chemotherapie. 2016 habe ich auf ein Medikament mit einem Schock reagiert und landete dann für 4 Wochen auf der Intensivstation. Ich hoffe so sehr dass die ganze Geschichte ohne Komplikationen abläuft, so wie Oberarzt Helge sich das vorstellt. Am besten ohne Lungenentzündung oder sonstiges. Alle sind supernett hier zu mir im Malteser Krankenhaus. Ich lege mir direkt eine Liste an mit den ganzen Namen. Das sind echt zu viele. „Können wir uns dutzen?“ ist immer meine Vorstellung. Hmm. Fast immer.

Nathalie ist mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt und hält Händchen an meinem Bett als die Infusionspumpe mit dem ersten der drei Medikamente loslegt. Sie hat aufgrund meiner Krankheit ihren Herbsturlaub nach Italien ebenfalls storniert. Lieb von meiner Ex. Weißes Gift, dann Rotorange… Alles gut. Keine Reaktion, ausser dass ich einschlafe und auch auf der Erde wieder aufwachen. Dann in vier Stunden wieder weiß. Erst mal alles ohne Komplikationen. Na. Dann hoffen wir einfach mal, dass das so bleibt wie geplant.

Das Internet im Malteser ist grottenschlecht. Ich hab mir eine Vodafone GigaCube geordert, damit ich die Wartezeit im Krankenhaus nutzen kann und mir nicht die Decke auf den Kopf fällt. Bringt mir Maya wohl gleich mit.


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Winterleukämie

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{Date:20191003}
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{Title:Winterleukämie}

Plan abgearbeitet

Es läuft alles wie am Schnürchen. Büro und Wohnung aufgelöst. Speermüll. Sachen in den Keller gebracht. Ebay Verkauf. Besenrein übergebe ich meine Existenz an meine Freunde, Mitsegler und Vermieter Heike und Bernd. Na denn. „Was steht denn sonst noch auf dem Plan?“ Seit zwei Tagen quäle ich mich mit einer aufdringlichen Grippe herum. Ich bekomme schlecht Luft. Aus Erfahrung weiß ich, dass das kein gutes Zeichen ist. Also ab zu meinem Hämatologen Helge in Nathalies Krankenhaus. Der zapft direkt meinen Venen an und schickt die durch den Schnell-Diagnoseapparat. Hämoglobin bei 9. Upssi. Mir wird schlagartig kotzübel und nicke nur in dem Nebel, der mich umhüllt, als Helge mich direkt mitnimmt zur Knochenmarkspunktion. Zwei Stunden später steht fest: Ich habe eine Rezidiv meiner AML Leukämie.

In 10 Stunden geht mein Flieger und er wird ohne mich fliegen. Eine Behandlung meines Rezidivs in Curacao ist genauso töricht wie in Cuba. Ich habe keine Wohnung mehr in Flensburg, kein Büro mehr, mein Zuhause ist mein Schiff, die MARLIN, auf Curacao. „Und nu? Nicht mein Glückstag, der 1. Oktober 2019“ Aber ich bin nicht alleine. MayaLena nehmen mich natürlich sofort auf und Nathalie überbringt die Nachricht, dass ich am Mittwoch schon in die Klinik soll. Chemotherapie und wieder der ganze Mist von vorne, den ich 2016 hinter mich gebracht habe. Abwechselnd bekommen wir Heulkrämpfe und schön ist anders. Eher eine Drama. Die Erinnerungen an 2016 sind nicht schön. Ich fühle mich an die Wand gestellt. Aussichtslos. Ich denke daran von der nächsten Brücke zu springen. MayaLena halten mich am ehesten davon ab.

Es ist aber nicht aussichtslos. Weil ich die erste Chemotherapie 2016 ohne Knochenmarkstransplantation gemacht habe, kann ich diese jetzt machen. Da hat man nur einen Versuch. Ich glaube trotzdem an Verrat und aus lauter Ratlosigkeit besuche ich meinen Hausarzt Pelle und lasse ein Zweitblutbild machen um die Diagnose bestätigen zu lassen. Danach gehe ich zum kurdischen Friseur. „Bitte 6mm und das komplette Programm. Bart, Nase, Ohren, Augenbraunen!“ Leukostyle. Ich versuche mich zu fangen, irgendwie muss ich das hinbekommen. Mit Pillen bekomme ich die Grippe wieder in den Griff, aber beim Gespräch mit Helge am nächsten Tag mit den nun vorliegenden Labordaten wird mir schnell klar, dass das keine Sommergrippe ist. 60% Blasten im Knochenmark, 20% im Blut. Ok. Freitag beziehe ich meine neue Flensburger Wohnung. Zimmer 33 mit Blick auf Flensburg. Hoffentlich geht alles gut.


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Was für ein Schiff

{Time:22:00:00}
{Date:20190920}
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{Wind:VAR Kn/E}
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{Photo:20190920}
{Title:Was für ein Schiff}

Kuß zum Abschied

Wer küßt schon sein Schiff zum Abschied. Nun. Ich küße mein Schiff nicht nur zum Abschied. Auch zur Begrüßung und zwischendurch. Hat was. Ich laufe schnell weg über den Steg und schon sitze ich im Flieger nach Deutschland. MARLIN wartet brav im heißen Curacao. „Hast Du den Kite Wind mitgenommen?“, fragt Christiane per Whats’s App. Ein Blick auf’s Wetter läßt mich die Frage verstehen. Eine tropical wave zwischen Haiti und Curacao läßt die Trade Winds einschlafen und beschert Curacao ein Hitzewelle mit Gewittern und viel Regen. Nun. Der Regen tut der trockenen Insel bestimmt gut. Das Wasser wird direkt wieder verdampfen.

Der letzte Trip zu den Aves sitzt mir noch tief im Nacken. Ich nutze die Zeit in Deutschland um einen einwöchigen Kite & Sail Zwischentörn auf der MARLIN Website einzustellen. Viele Nachfragen aus Curacao und Bonaire haben mich dazu animiert, obwohl ich kaum das Wetter und den guten Wind erwarte, der dazu notwendig ist. Ich will es trotzdem versuchen. Mit den Behörden habe ich am letzten Tag in Curacao noch gesprochen, denn eigentlich ist die Grenze zu Venezuela ja gesperrt. Ich bekomme grünes Licht für meine Pläne. Jetzt brauche ich nur noch mindestens vier Mitsegler und Kiter. Na ob das klappt? Während MARLIN brav auf mich und neue Abenteuer wartet. Langweilig ist es im MARLIN und LUNATRONIC Büro derweilen nicht. Eine Projekt jagt das nächste. Interessant ist vor allen Dingen die Ausstattung der SY ESIDOXIA, einer Sirius 40DS mit Kommunikationselektronik. Mit dem Eigner Ludger macht es Spaß sein Projekt mit Kurzwelle, Pactor, Iridium und Bordrechner in die Wege
zu leiten. Statt Kisten zu packen sitze ich an der Projektplanung und nächste Woche freue ich mich auf den Besuch bei der Sirius Werft in Plön.

Ich muss zugeben, dass mich es schon traurig stimmt, das Flensburger Büro schliessen zu müssen. Von der Arbeit her spielt es sicherlich keine Rolle, wo ich vor dem Bildschirm sitze. Die MARLIN als Büro ist sicherlich mindestens genauso attraktiv.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 58-63 MARLIN’s Cubatörns 2019-2020. Sichere Dir Deinen Platz.

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www.marlin-expeditions.com

Wasser? Marsch!

{Time:22:00:00}
{Date:20190914}
{Position:12°04.3425’N, 068°50.5760’W}
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{Title:Wasser? Marsch!}

Unser Feind, die Elektrolyse

Vier Stunden habe ich mit Nike im Motorraum verbracht um zwei dieser Teile, Anschlüsse zu den Wassermachermembranen, auszutauschen. Feuchte Angelegenheit. „Du schwitzt ja wie ein Schwein.“ „Mach doch selber.“ Dann schwitzt Nike selber wie ein Schwein. Gibt Schlimmeres. Quasi ein Tag des letzten Törns ist also mit Reparaturen vergangen. Ersatz gibt es bei Echotec in Trinidad. Ärgerlich aber doch, weil es eben jedes Jahr wieder passiert. An den Schlauchanschlüssen: Keine Elektrolyse. Also Materialproblem. Unseren Wassermacher spülen wir nach jedem Wassermachen und automatisch per Schaltuhr alle 24h für 10 Minuten. Daran kann es also auch nicht liegen, dieser Lochfraß. Gut das Ersatz an Bord war, denn der Wassermacher und der Generator sind auf der MARLIN die empfindlichsten Aggregate. Zwar können wir auch mit der Hauptmaschine den Strom zum Wassermachen erzeugen, aber welche CREW will schon den Diesel, 8L Stunde, dafür bezahlen. Nun gut. Photo ist raus an Echotec. Mal schauen was der Kommentar ist. In Zukunft würde ich mir die Zeit im Motorraum gerne sparen. Vor allen Dingen weil Nike nicht da sein wird.

Ich war heute zum letzten Mal Kiten in Curacao vor meinem Deutschlandbesuch. Mit dem Door Brett ging es ganz weit gegen den Wind raus in die Lagune, denn am Startplatz sind so viele Anfänger, dass es einfach nervt. Muss ich grade sagen ;-) Haha. „Fahr mal ne schicke Wende Micha!“ Ich rede immer selber mit mir beim Kiten. Ist ja sonst keiner da. Vielleicht schaffe in mir auch mal einen wasserdichten MP 3 Player an. Kann mir ja schlecht Boxen auf’s Board montieren. Ich habe zwei Stunden Spass und dann wieder auf’s Schiff. Kofferpacken entfällt. Ich reise diesmal nur mit Handgepäck. In Deutschland muss ich das Büro und meine Wohnung auflösen. Ich lebe jetzt wieder Vollzeit auf der MARLIN. Bin ich in Flensburg, bekomme ich das Zimmer von Maya. Für die acht Wochen im Jahr lohnt sich keine eigene Wohnung. Gemischte Gefühle reisen mit, wenn es am Montag in den Flieger geht. Am meisten freue ich mich darauf mal zwei Wochen nicht zu schwitzen. So. Ich mach mich jetzt
mal ausgehfein. Ist Samstag Abend.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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