Archiv der Kategorie: SY Marlin

Du schaffst das Micha!

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{Date:20191204}
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{Title:Du schaffst das Micha!}

Es geht langsam voran

Die Folgen des künstlichen Komas rücken Tag für Tag in die Vergangenheit. Ich könnte jetzt noch nen bisschen Leiden – Lassen wir mal. Wir schauen nach vorne. Gestern ein halbes Liter Blut und schon komme ich wieder in die Hufe. ich gehe alleine mit dem Hund spazieren, Einkaufen und ein DPD Päckchen abholen. „Papa. Du sollst doch nicht bestellen. Vor allen Dingen nicht bei Kite Worldwide!“ Maya schaut mich böse an. „Ich habe nichts bestellt!“ Zugegeben ich habe mir heute morgen zum ersten Mals seit Wochen ein paar Kiteboards im Web angeschaut. Ein deutliches Zeichen dafür, dass meine Lebensgeister wieder wach werden. Kitefreund und CEO Jürgen von KiteWorldWide schickt ein ganzes Überraschungspacket mit Merchandise Geschenken. Danke Jürgen. Aber vor allen Dingen schickt Jürgen eine Karte mit einer Aufnahme aus Mayreau next der Tobago Keys, dass er zufällig auf meinem Blog war und so von meiner Situation erfahren hat. Nicht ohne zu bemerken, dass unsere Bücher sein Leben verändert haben. Ich bin schon gerührt. Mit „Du schaffst das Micha. Nächstes Jahr Kiten wir zusammen“, bringt mich dann mal wieder Nähe zum Wasser. Mir laufen wieder zwei blaue Tränen aus Blueland über die Wange. Wat bin ich für eine Heulsuse geworden im Moment.

Für die Schlauen unter uns: Mal www.amlmutations.com besuchen, von denen ich das schöne und böse Bild genommen habe. Das mutierte Rezidiv gegen das Dr. Helge in meinem Fall anstürmt ist die FLT3, woraus sich klar ergibt, dass mir nur mit einer Transplantation zu helfen ist. Dünnes Eis würde ich mal sagen. Dr. Helge sieht das cool. Über tausend Transplantationen hat er schon gemacht in den letzten 2 Jahrzehnten. „Und wieviele Deiner Patienten leben noch?“ „Die Hälfte.“ Is ja mal ne Ansage Helge. „Deine Blutwerte sind o.k. Vorm Wochenende schaust Du am Freitag noch mal rein und am kommenden Dienstag machen wir einen Knochenmarkspunktion, mit Weichei Injektion Propofol.“ Ich grinse. Helge sorgt schon dafür, dass mir nicht langweilig wird. Ich habe das Gefühl, dass er nicht zu den Verlierern gehören will.

Viel Gerüchte gibt es mal wieder um die MARLIN. Man munkelt, dass sie zu verkaufen sei. Richtig. Aber schon seit drei Jahren. Nur der Käufer mit dem Sack Geld hat sich noch nicht finden lassen. Grins! Plan B tritt ein. Im April Mai wird die MARLIN nach Europa gesegelt. Ganz vorne auf meiner Wunschliste steht Skipper Jan, dem die Tour ja noch in den Referenzen fehlt. Die ersten Mitseglerbewerbungen kommen auch schon rein. Muss ich wohl die Törns am Wochenende mal auf die Website einstellen.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Up and down

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{Title:Up and down}

Straight Up Richtung Transplantation

„Lieber Micha, wenn jemand aus einer bescheidenen Situation wie Deiner aktuellen wieder heraus kommt, dann bist Du es. Du hast die nötige Kraft und die richtige Einstellung, um die Krankheit zu überwinden. Und offenbar bekommst Du die bestmögliche medizinische Versorgung, um wieder ins richtige Leben zurückzukehren. Gern würde ich Dir ein gutes Beispiel als Vorbild zur Unterstützung zitieren, aber mir fällt kein angemessenes ein. Du bist selbst ein grandioses Vorbild für Lebenswillen und Durchhaltevermögen. Du machst Mut, so wie Du lebst und kämpfst. Danke für Deine Lebenslust und Deine Ehrlichkeit! Mögen die nächsten Manöver gelingen. Ich wünsche Dir von Herzen alles, was Du brauchst und drücke die Daumen. Barbara“

Mails wie von Barbara machen mich zuversichtlich glücklich und traurig zugleich. Ich kann Barbara nicht in meiner Lebenserinnerung finden. „Danke. Wer bist Du?”, antworte ich ihr. Mein Mut zu kommenden Stammzellentherapie schwankt von total euphorisch zu total deprimiert. Ich meide die Öffentlichkeit um mir keine Infektion zu holen, mein Immunsystem ist total im Keller durch die Anti-Leukämietabletten. Dafür steigen die Vitalitätswerte. Ich kann wieder mit Gummistiefeln durch den Wald stampfen und gestern hab ich mich nach Wochen zum ersten Mal nach Wochen wieder hinters Steuer des Volvos gesetzt. Während meines Komas im Krankenhaus wurde ich wohl mal etwas ungünstig im Bett umgelagert und habe mir den rechten Nervus ulnaris (Musiknerv) einklemmt. Unangenehm, sehr unangenehm. Mein rechter unterer Handballen und der rechte kleine Finger sind taub, kribbeln und tun komisch weh. Das behindert mich sehr bei der Arbeit am Computer. Nathalie hat mir einen unkomplizierten Kollegentermin bei der Neurologin besorgt. „Warten. Physiotherapie. Vermutlich kommt der Nerv von alleine wieder. Mit sechs Monaten müssen sie rechnen.“ ist die die Diagnose. Ich hatte schon mit so etwas gerechnet. Das Leben ist eben kein Ponyhof. Ich versuche das Schreiben des Blogs und weiterer längerer Texte derweilen mal mit einer Wärmflasche unter dem rechten Arm und Handgelenk. Improvisation ist alles.

Ansonsten geht hier natürlich alles voll sein Program ab. Weihnachten nähert sich täglich und Nathalie und die Kinder fallen in den Vorbereitungsrausch. Heute werden Plätzchen gebacken. Geschenklisten wurden zum Nikolaus ausgetauscht und ich Weihnachtsmuffel, der normalerweise schnell auf die MARLIN flüchten würde, steckt mittendrin.

Ich wünsche meinen Lesern ein schönes zweites Adventsfest.


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Du schaffst das Micha!

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{Title:Du schaffst das Micha!}

Es geht langsam voran

Die Folgen des künstlichen Komas rücken Tag für Tag in die Vergangenheit. Ich könnte jetzt noch nen bisschen Leiden – Lassen wir mal. Wir schauen nach vorne. Gestern ein halbes Liter Blut und schon komme ich wieder in die Hufe. ich gehe alleine mit dem Hund spazieren, Einkaufen und ein DPD Päckchen abholen. „Papa. Du sollst doch nicht bestellen. Vor allen Dingen nicht bei Kite Worldwide!“ Maya schaut mich böse an. „Ich habe nichts bestellt!“ Zugegeben ich habe mir heute morgen zum ersten Mals seit Wochen ein paar Kiteboards im Web angeschaut. Ein deutliches Zeichen dafür, dass meine Lebensgeister wieder wach werden. Kitefreund und CEO Jürgen von KiteWorldWide schickt ein ganzes Überraschungspacket mit Merchandise Geschenken. Danke Jürgen. Aber vor allen Dingen schickt Jürgen eine Karte mit einer Aufnahme aus Mayreau next der Tobago Keys, dass er zufällig auf meinem Blog war und so von meiner Situation erfahren hat. Nicht ohne zu bemerken, dass unsere Bücher sein Leben verändert haben. Ich bin schon gerührt. Mit „Du schaffst das Micha. Nächstes Jahr Kiten wir zusammen“, bringt mich dann mal wieder Nähe zum Wasser. Mir laufen wieder zwei blaue Tränen aus Blueland über die Wange. Wat bin ich für eine Heulsuse geworden im Moment.

Für die Schlauen unter uns: Mal www.amlmutations.com besuchen, von denen ich das schöne und böse Bild genommen habe. Das mutierte Rezidiv gegen das Dr. Helge in meinem Fall anstürmt ist die FLT3, woraus sich klar ergibt, dass mir nur mit einer Transplantation zu helfen ist. Dünnes Eis würde ich mal sagen. Dr. Helge sieht das cool. Über tausend Transplantationen hat er schon gemacht in den letzten 2 Jahrzehnten. „Und wieviele Deiner Patienten leben noch?“ „Die Hälfte.“ Is ja mal ne Ansage Helge. „Deine Blutwerte sind o.k. Vorm Wochenende schaust Du am Freitag noch mal rein und am kommenden Dienstag machen wir einen Knochenmarkspunktion, mit Weichei Injektion Propofol.“ Ich grinse. Helge sorgt schon dafür, dass mir nicht langweilig wird. Ich habe das Gefühl, dass er nicht zu den Verlierern gehören will.

Viel Gerüchte gibt es mal wieder um die MARLIN. Man munkelt, dass sie zu verkaufen sei. Richtig. Aber schon seit drei Jahren. Nur der Käufer mit dem Sack Geld hat sich noch nicht finden lassen. Grins! Plan B tritt ein. Im April Mai wird die MARLIN nach Europa gesegelt. Ganz vorne auf meiner Wunschliste steht Skipper Jan, dem die Tour ja noch in den Referenzen fehlt. Die ersten Mitseglerbewerbungen kommen auch schon rein. Muss ich wohl die Törns am Wochenende mal auf die Website einstellen.


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Mal ganz langsam Skipper!

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{Date:20191201}
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{Title:Mal ganz langsam Skipper!}

Energie auftanken für den nächsten Schlag

Es könnte besser gehen. Zumindest hab ich den Rollator aus dem Krankenhaus nicht direkt nach Hause mitgenommen. Ohne Nathalies Zuspruch hätte mich die Professora nicht aus dem Krankenhaus entlassen. So übe ich jetzt von der Hose selber zu machen, über deutlich sprechen, schreiben. Mein Tablettenprogramm am Morgen und am Abend schmeißt mich aus der Bahn. Vor allen Dingen das Medikament Rydapt, dass meine Leukämie bis zur Knochenmarkstransplantation Anfang Januar ich Schach Matt halten soll, nimmt mir einen Großteil meiner Erholungsenergie. Erholung ist genau das was ich brauche für den nächsten Schlag.

Die ganze Energie all das mitzumachen gibt mir meine Familie. Beim Sonntagsnachmittagsspaziergang zockel ich ganz schön hinter der ganzen Bande hinterher. Fehlende rote Blutzellen lassen mich schnell aus dem Atem kommen. Aber es wird jeden Tag besser. Wenn auch nicht in der Geschwindigkeit die Skipper Micha sich wünscht. Klar würde ich am liebsten sofort auf die MARLIN und Segelsetzen. Das aber hat Freund Rene für mich gemacht und Mitte des Monats geht Skipper Stefan auf’s Schiff in Cayo Largo. „Geht doch auch prima ohne Dich!“, meint Nathalie, was ich jetzt wirklich nicht grade als eine angebrachte Bemerkung empfinde. Ein dickes DANKE erst einmal an Rene von der SY MIRA! Irgendwann kann ich mich bestimmt revanchieren, irgendwie.


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Zurück aus Blueland

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{Date:20191129}
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{Title:Zurück aus Blueland}

Mein eindrucksvollster Segelschlag

Da bin ich wieder. Mal kurz nachgeschaut. Zweieinhalb Wochen ohne Logbucheintrag. Keine Absicht. Ich konnte definitiv keinen Eintrag schreiben. Am 11.11. komme ich fiebernd mit dem Flieger aus Curacao. Mit blutigem Auswurf. Schnell mit dem Taxi vom Bahnhof in die Klinik gefahren, denn mein Gepäck ist in Frankfurt liegengeblieben. Dr. Helge hat mich mit meinen Blutwerten direkt stationär aufgenommen. Das sollte doch noch grade rechtzeitig für medizinische Hilfe in Deutschland ausreichen. Doch 24h später liege ich künstlich beatmet auf der Intensivstation des Malteser Franziskus Krankenhauses Flensburg. Blueland ist erreicht. Ein AML-Leukämierezidiv, Blastenschub, kombiniert mit einer fetten Lungenentzündung, das hält keiner durch. „Du hattest einem Überlebenschance von 1%“, meint Dr. Stefan heute zu mir. „Schön Dich hier auf zwei Beinen zu sehen.“ Um Blueland unter Segeln zu erreichen braucht man etwas Erfahrung und die richtigen Papiere in der Tasche. Vor der Einweisung ins Hospital, Start von Leuko 2.0, habe ich eine Patientenverfügung mit Nathalie genau für diesen Fall unterzeichnet. Keine lebensverlängernde Maßnahmen, wenn keine Hoffnung auf Heilung mehr besteht! Nathalie nimmt sich ein Buch, wird vom Dienst freigestellt und setzt sich eine Woche lang neben den weggetretenen Skipper im künstlichen Koma. Sie lässt die Beatmungsmaschine entgegen meines Wunsches nicht Abschalten und wartet, denn sie hat die Hoffnung nicht verloren. MayaLena brauchen doch einen Vater! Meine Erinnerung ist rar. Blaues waberndes Licht, Wärme, Schwerelosigkeit, tausende Meter unter der Wasseroberfläche des Atlantiks. Sphärische Klänge, Ruhe, Blueland. Mein Lebensende ist erreicht.

Es dauert 6 Tage und Nächte. Nathalie sitzt jeden Tag bei mir, hält meine Hand, streicht mir über den Kopf und wartet, dass sich meine Augen öffnen. Schritt für Schritt können die betäubenden Medikamente und die Beatmungsdrücke zurückgefahren werden, irgendwann zuckt eine Augenbraue. Mit einem nicht für diesen Zweck zugelassenem Medikament, das laut einer Studie sehr gute Behandlungserfolge hat, hat Dr. Helge die Blasten zurückgedrängt. Das richtige Antibiotikum lässt meine Lunge auf dem CT wieder als lebensfähig erscheinen. Langsam schlägt das Segel auf die andere Seite um. “Plop!” MARLIN’s Mast legt sich auf Backbord. Tag für Tag bewegt sich Skipper Micha wieder Richtung Oberfläche. Blueland wabernd achtern. Die Ärzte ziehen vorsichtig den Tubus aus der Luftröhre. Nathalie drückt feste meine Hände. Das Wunder passiert. Nach einer Woche künstlicher Beatmung fange ich wieder aus eigener Kraft an zu atmen.

Man mag meinen, die Geschichte endet hier, aber es ist mehr der Beginn meines Second Lifes. Nach einer Woche ist mein Körper gesättigt mit Narkosegas. Ich bin immer noch mit einem Bein in Blueland. Ich bin unfähig aufzustehen, zu reden, klar zu denken, es wabert weiter blau um mich herum. Meine rechte Hand funktioniert nur in Teilen, ich erzähle viel von Dingen, die meine Mitmenschen nicht verstehen. Ohne Dr. Helges Tabletten hatte ich lediglich eine Lebenserwartung von einigen Tagen. Ohne baldige Stammzellen Transplantation wird mein Second Life nicht möglich sein. Es ist mir kaum möglich zu schreiben. Nichts ist wie vorher. Ich werde nach einer Woche Intensivstation verlegt auf die keimfreie Stefan Morsch Station für eine weitere Woche Krankenhausaufenthalt. Ich bin alleine. Ich schaue aus dem Fenster. Es regnet. Nein. Ich weiß nicht wo ich bin. Eine blaue Träne rollt über meine Backe. Es werden viele Tränen sein in der nächsten Woche. Durchgangssyndrom. Vollkommen normal nach dem, was ich durchgemacht habe.

Heute ist mein Geburtstag. Wie alt bin ich? 56.36.0.1? Nette Micha IP. Ich bin zu Hause bei meinen Kindern und bei Nathalie. Am 2.1.20 soll ich wieder auf die Stefan Morsch Station und zum dritten Mal versuchen, mein Second Life erhalten. Die Stammzellen meines polnischenen Spenders. Bis dahin keine neuen Besuche in Blueland. Versprochen.


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LEUKO 2.1 Wider im Malteser Krankenhaus.

{Time:22:00:00}
{Date:20191111}
{Position:54°47.5541’N, 009°25.2186’E}
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{Photo:20191111}
{Title:LEUKO 2.1 Wider im Malteser Krankenhaus.}

Klappe zu. Affe tot.

Ich bin zurück aus Curacao. Grade mal eine Woche konnte ich auf der MARLIN sein und meine Freunde sehen. Skipper Rene, die MARLIN übergeben, angetraute Marion in den Arm nehmen. Mit Kite Buddy Kim und Supermarktbekanntschaft Christiane geht es los für zwei Nächte nach Klein Curacao. Da konnte Rene schon mal einen Eindruck bekommen, wie es ist mit Gästen zu segeln. Kim und Christiane wird beim Aufkreuzen gegen 20kn Wind schon mal ordentlich seekrank. Christianer meiner Knochenmarktransplantation wollte ich einfach noch ein paar wunderschöne Tage mit meinen Freunden haben und natürlich sind die malen kurz übergeben. Das hat auch soweit gut geklappt einzigstes Problem ist das ich mir eine dicke Lungenentzündung mit nach Curacao gebracht habe. Die Ärzte beginnen mir das Leben zu retten. Man legt mich in ein dreitägises künsztlliche Koma. Mitten drin Nathalie, die ihren Skippe rettet. Ich bin sö verblödet von der
Narkose, dass ich einfach nur ein Lebenszeichen abgeben will. Nathalie ha es es wieder ma, geschafft.


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Gewonnen. Wieder ZuHause auf der MARLIN

{Time:22:00:00}
{Date:20191103}
{Position:12°04.3428’N, 088°50.5770’E}
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{Photo:20191103}
{Title:Gewonnen. Wieder ZuHause auf der MARLIN}

Entspannung. Ganz tiefe Entspannung.

Na? Erstaunt? Wat mach der Wnuk denn da auf der MARLIN und nicht im Krankenhaus. Nun. So schlecht wie 2016 geht es mir nicht. Ganz und gar nicht. 22 Stunden war ich von Flensburg unterwegs mit Mundschutz gegen Infektionen, die ich nicht gebrauchen kann. Ziel MARLIN. Ziel Rene und Marion, die schon auf dem Schiff sind und auf mich warten. Zugegebenermaßen wäre es auch ohne meinen Besucht gegangen, dass Rene die MARLIN skippert, zugegebenermaßen war es sicherlich auch mein innerster Wunsch für ein paar Tage aus dem kalten Flensburg zu flüchten, zugegebenermaßen geht es mir verdammt noch mal gut hier. Dieses Schiff ist eben mein ZuHause. Jetzt bin ich für eine Woche hier um Rene die Feinheiten der MARLIN unter Segeln zu zeigen. Übermorgen legen wir ab und segeln nach Klein Curacao und wieder zurück, damit Rene das alles ohne Probleme lernt und wir auch nach seinem Trip nach Cuba dicke Freunde sind. Auch die kommende CREW 58 werde ich noch kennenlernen und beneiden, weil eigentlich wäre es mein herzallerliebster Wunsch mitzusegeln, anstatt eine Knochenmarkstransplantation in Flensburg zu bekommen.


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Kernbohrung

{Time:22:00:00}
{Date:20191029}
{Position:54°47.5541’N, 009°25.2186’E}
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{Photo:20191029}
{Title:Kernbohrung}

Ganz tief in mir

Ein ganz wichtiger Tag war gestern für mich. Kernbohrung in meinem Gesäßknochen. Knochenmarkspunktion nennt sich das. Aus dem menschlichen Zentrum der Blutproduktion, dem Knochenmark, wird mit einer Hohlnadel eine Probe entnommen um hier, in der Blutfabrik, nach den bösen genveränderten Blasten zu suchen, die die Auslöser meiner Leukämie sind. Nach drei Wochen Chemo sollten hier bestenfalls keine Blasten zu finden sein. Der Toleranzbereich ist 3-5%. Schlecht wären 20%. Die Chance einer erfolgreichen Knochenmarktransplantation ist um so besser, um so weniger Blasten verblieben sind, die sich in den Knochen „verstecken“. Alles der komplette ScFi Film. Mir macht die Vorstellung eine Spender-Immunsystem zu bekommen Angst. Kann mir gar nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. „Ich geb Dir jetzt erstmal eine Dosis Dormikum. Damit Du nicht wieder so rumzappelst wie beim letzten Mal.“ Inken grinst mich an und kneift mich in den Arm. Helge drückt schon auf meiner Hüfte herum um den besten Punkt für die Kernbohrung zu finden. Ich verschwinde in der Mikel Jackson Propofol Welt. Weichei. Gibt ja Patienten, die machen das bei lokaler Betäubung. Ich nix da.

Irgendwie komme ich ziemlich benebelt nach Hause. Dort penne ich auf dem Sofa wieder ein. Weiß gar nicht mehr wer mich abgeholt hat und um 16 Uhr ruft mich Regina aus dem Mikroskopie-Labor an. „Du wolltest doch die Proben mal unter dem Mikroskop sehen.“ „Ja genau. Klar ich komme sofort.“ Maya kommt mit, weil Papa immer noch etwas wackelig auf den Beinen ist. Das Labor ist etwas versteckt neben dem Büro der Professora Basara. Regina hat schon ein Buch bereit gelegt und erklärt mir und Maya anhand der Illustrationen wie die Zellen aussehen, die wir unter dem Mikroskop sehen werden. Da sind sie dann die gesunden Blasten und die Leukos, die daraus in der Regel entstehen und das Immunsystem bilden. „Wie sehen die bösen Blasten aus?“, frage ich. „Kann ich Dir nicht zeigen, weil in Deiner Probe keine nachweisbar sind. Wir reden dann von unter 3%. Im Genlabor in München, die schauen noch mal ganz genau nach. Aber die Ergebnisse werden eine paar Tage dauern.“ Ich grinse. Unter drei Prozent. Beste Voraussetzungen für die kommende Knochenmarks Transplantation.

Fast gleichzeitig zu diesem erfreulichen Ergebnis, fallen mir die kurzgeschnittenen Haare in Büscheln aus. Nach dem Duschen ist alles voller Haare. Also setzte ich den Rasierapparat an und weg damit. Glatzkopf. Leuko 2.0 Style. War ja zu erwarten, dass das nicht ohne abgeht. Soll ja Frauen geben, die drauf stehen. „Ich“, meint Imken. Ich grinse, wie so oft. Was soll ich auch sonst tun?


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Frühstück bei Kritz

{Time:14:00:00}
{Date:20191026}
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{Photo:20191026}
{Title:Frühstück bei Kritz}

Wochenende vor der Stichprobe

Mit meinen großen Töchtern Frühstücken zu gehen ist etwas ganz besonderes für mich und fällt eindeutig unter: „Geniesse jeden Tag“ Am Montag ist Kernbohrung in meinem Beckenknochen. Danach wird man feststellen wieviele böse Blasten die letzte Chemo überlebt haben. Hoffentlich gar keine oder wenigstens unter 5%, dann brauche ich „nur“ noch eine Chemo für die Transplantation. Klar, dass ist Kopfkino pur. Ich gehe jetzt auch wieder mit Leuko 2.0 Hut unter die Leute, meine Haare werden langsam doch lichter und die Ausgenbraunhaare weniger. Jou! Genau wie die Blätter von den Bäumen fallen. Nur das sieht dann eben herbstlich schön aus. Ich sehe direkt 10 Jahre älter und todkrank aus.

Herr Otten von der Versicherung schreibt noch einmal wegen ein paar fehlenden Unterlagen. Sieht irgendwie so aus, als wenn er doch meint meine Forderungen durchsetzen zu wollen. Na. Dann sind wir mal gespannt was die Versicherung dazu sagt. Ich schnappe mir gleich meine Kinder und wir gehen zusammen spazieren. Wochenende.


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Freiheit

{Time:22:00:00}
{Date:20191024}
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{Title:Freiheit}

In den Fängen der Versicherungen

Heute war Herr Otten da. Sachverständiger der Hausratversicherung. Durch den Einbruchdiebstahl in unserem Kellerraum sind meine kompletten Kite Ausrüstungen und die von Lena und alles an Elektrowerkzeug abhanden gekommen. Die Liste über den Wiederbeschaffungswert beläuft sich auf 4.800 Euro. Für so etwas hat man ja eine Hausratversicherung denkt man sich. Doch weit gefehlt. Die Versicherung will das nicht einfach so bezahlen, sondern schickt Herrn Otten. Der ist quasi Detektiv und Meister der Wortverdreherei. Profi halt. Erst mal wird also anhand eines Formulars ermittelt ob wir denn überhaupt ausreichend versichert sind. Denn haben wir mehr Hausrat, mal angenommen 150.000 Euro und nur eine Versicherung von 75.000, sind wir unterversichert und der Schaden wird nur zur Hälfte bezahlt. Das habe ich vorher aber schon gegoogelt und Nathalie hat die Liste über den Hausrat gemacht, ich die Elektronik hinzugefügt und natürlich die Sportgeräte im Keller. Herr Otten nickt die Liste ab. Unterversicherung besteht nicht. Dann erzählt mir Herr Otten ausführlich von anderen Fällen um zu sehen, ob ggf. ein Versicherungsbetrug vorliegt. Wir gehen in den Keller. Ja. Es sind keine Einbruchspuren zu sehen. Wieder am Küchentisch klärt mich Herr Otten auf, dass die Versicherung mir einen Vergleich von unter 1.000 Euro anbietet. Ich wackle mit dem Kopf und erzähle ihm von unserem guten Anwalt Herrn Heinrich und schlage vor die Angelegenheit mit 4.000 Euro oder einem Gerichtsverfahren zu regeln. Er schreib das auf und sagt freundlich, dass er es so der Versicherung mitteilen wird. „Ohne Einbruchsspuren ist das nämlich lediglich ein Diebstahl und der ist gar nicht mitversichert.“ Immer das gleiche mit den Versicherungen. Da macht man einen kleinen Fehler bei der Beschreibung und schon war es das. Jetzt sind wir doch mal gespannt was die Versicherung in den nächsten Tagen so schreibt. Einen Tag Verwaltungsaufwand hatte ich ja nun schon mit dem ganzen Fall.

Wie man merkt bin ich im vollen Leben. Ich fresse tonnenweise Tabletten um keine Infektion zu bekommen und kämpfe mich durch die Voruntersuchungen für meine Knochenmarktransplantation. Heute dann beim Zahnarzt. Nächste Woche HNO, MRT von den Nebenhöhlen und diverses anderes. Ich bin zwar fit, aber nicht wie ein Turnschuh. Am liebsten würde ich weglaufen und irgendwo den Kopf in den Sand stecken. „Papa. Mach doch mal die Heizungen aus. Du hast die alle auf volle Pulle gedreht.“ Nun. Mir ist kalt.

Ich schicke Herrn Otten noch ein Foto aus guten Zeiten, als der 14er Slingshot noch meiner war. Ob’s hilft? Warum können die nicht einfach den Schaden ersetzen, den ich hab. Warum muss man immer Stress mit Versicherungen haben? Dafür hat man sie doch eigentlich. Oder?


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Tag 18: Entlassung

{Time:22:00:00}
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Keimfreier Sauerstoff

“Hey Guido. Das ist ja nett, dass Du mal so eben die 600 km aus Düsseldorf kommst, um mich abzuholen!“ Ich grinse. Aber eigentlich ist mir zum Heulen zu Mute. Hinter mir liegen 18 Tage Hammerchemo und Einzelhaft. Ich habe die Zähne zusammengebissen. An manchen Tage war ich bestimmt der Schwesternschreck aus Zimmer 33, so schlechte Laune hatte ich. Und jetzt? Jetzt soll alles wieder vorbei sein? Nun. Ich bin noch sehr benommen. Meine Blutwerte sind noch so, dass ich Munschutz und Latexhandschuhe trage. Aber erst mal raus. Es geht nach Haus, der Seesack voll mit Sachen, die sich auf meinem Zimmer angesammelt haben. „Trägst Du den?“ Mir ist ein bisschen schwindelig. Kurz bevor ich rausgekommen bin, schnell noch eine rote Blutkonserve mitbekommen. Dracula lässt Grüßen.

Zu Hause ist alles rein und geputzt, Hund Lars ist in der Hundepension. Alles auf das Leuko 2.0 Monster Skipper Micha eingestellt. Nathalie mach Huhn in Weißwein Sauce. Guido und Gudrun sind da und versuchen nicht über meine Krankheit zu reden. Gelingt aber nicht so. Ist ja auch schwierig. Guido ist Weinhändler. Er hat natürlich einen guten Tropfen mitgebracht. Da kann ich nicht nein sagen. Guidos Wein schmeckt köstlich, Nathalies Essen ebenso und ohne eigenes Zimmer, ziehe ich erst mal bei Lena ein, die ist grade auf Klassenfahrt.

Wie es weitergeht? Mitte November werde ich transplantiert. Mindestens vier Wochen wieder Krankenhaus. Stefan Morsch Station. Bis dahin habe ich viel zu erledigen.


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Tag 17: Einzelzimmer

{Time:22:00:00}
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{Title:Tag 17: Einzelzimmer}

Krankenhausalltag

Es gibt Erinnerungen die bleiben. Für Immer. Mein Provinzfreund Ralf Kapalla, lag monatelang im BG Krankenhaus in Buchholz. Motorradverletzung. Wir haben ihn so oft wie möglich besucht. Die eigentlich einfache OP hatte sich entzündet. Gar nicht gut. Mit Fixtateur, Metallstangen im Knochen. Ich kann mich erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre. Ist dreißig Jahre her. Hat ewig gedauert bis er da raus war. Was hat er geflucht. Jetzt bin ich wieder selber in der Krankenhausmühle. Mein Tag fängt an mit einem Ei, einer Tasse Tee, einem Brötchen und einer Scheibe Wurst. Reicht ja auch aus. Morgen werde ich wahrscheinlich entlassen. Remission. Gesund auf Zeit. Drei Wochen darf ich raus um dann wieder rein zu kommen, für meine geplanten Transplantation. Irgendwie werde ich es vermissen, das Krankenhaus. Ich werde ja gut versorgt hier. Einzelzimmer mit Fördeblick, nette Schwestern, jeden Tag ein frisch bezogenes Bett und sterile Handtücher, jeden Tag wird geputzt, schnelles Internet und einen Tisch an dem ich arbeiten kann. Pünktlich Mittagessen. Ab dem Abendessen wird es ruhiger auf der Station. Ein bisschen goldener Käfig.

Meine Haare sind immer noch dran. Eigentlich sehe ich noch gar nicht wie ein Leukogespenst aus. Hmm. Ob die Chemo nicht richtig angeschlagen hat? Mir geht so viel durch den Kopf. Es ist Sonntag Abend. Schaue ich jetzt einen Tatort oder Netflixmüll?


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