Archiv der Kategorie: SY Marlin

Back to normal life.

Farbspritzer im Gesicht

Einigermassen erholt von meiner sechsmonatigen Skipperpassion lande ich in Hamburg und erreiche nach einer langen Fahrt mit einem dieser Flixbusse Flensburg. Das die sich noch trauen zu fragen, ob man mit der Fahrt zufrieden war. Schon etwas unverschämt. Die haben definitiv ein Toilettenproblem. Na ja. Kenne ich was von. Aber wir haben das auf der MARLIN definitiv besser im Griff. Schwamm drüber. Nicht meine Baustelle.

Zuhause angekommen holt mich MayaLena ab vom Bahnhof. Hehe! Da freut Papi sich aber mächtig „Seid ihr aber groß geworden.!“ Ne, dass war jetzt eher Spass. Erst mal haben wir ein kleines Problem zu lösen. Maya wollte mir bei der Office Renovierung helfen und ist nicht so ganz am Ziel angekommen. Nun. Wir einigen uns darauf dass wir das in eine Gemeinschaftsaktion bis Freitag Abend stemmen und den MARLIN / LUNATRONIC Aktionsraum fertig renovieren, damit die Maya Geburtstagsparty denn am Wochenende auch in frisch gestrichenen Räumen stattfinden kann. Lena macht auch mit und so sauen wir uns denn mal eben so richtig ein, wie sich das gehört. Eine große Fläche die mal feucht war muss verputzt werden. Das macht Papi. Auch die Decke streichen muss ich wohl selbst machen. Aber die ganzen Ecken, mit Pinsel und kleiner Rolle, dass machen meine Töchter. Spass haben. Das ist unsere Baustelle. Welcome Home.

Schmutzige Wäsche waschen

Am Anker, an der Wunschposition

Fast pünktlich kommt Taxi Boot Monika um sieben längsseits um meine Gäste abzuholen und nach Olaho an Land zu bringen. Bestimmt trockener und komfortabler als mit our Red-Dinghy MAYALENA. Nur Hana fliegt zwei Stunden später mit mir übers Wasser in die „Stadt“. Es wäre gelogen zu sagen, dass es schade ist, dass meine Gäste njach diesem insgeamt tollen Törn gegangen sind. Das liegt aber in der Natur der Sache: Weil Alleinsein, mein Ziel ist. Einfach nur alleine sein. Das Ziel habe ich erreicht und geniesse es in vollen Zügen. Ab morgen werde ich dann alle ganz schrecklich vermissen. So ist das.

Der erste Amtsakt nach vollzogenem Abschied ist Wäsche waschen. Früher als noch alles anders und besser war, hat man sich eine Emilia gesucht, die das für einen erledigt hat. Heute hat man eine Waschmaschine an Bord. Wir auch, aber einen defekten Wassermacher. Also dann eben doch: Wie früher. Ich frage den Tankwart nach Emilia und der sagt nur Inter Marche. Nach langem Suchen finde ich Emilia in Form von Emilio, der mich voll versägt. „Nur waschen machen wir nicht.“ Hier wird, gebügelt und gedampft und gereinigt. Ein Reinigungsinstitut. Ein abschätzender Blick in meine Wäschetasche. „Nächste Woche!“ „Teuer!“ „Geh zu Intermache. Die haben einen Waschsalon!“ Also doch was der Tankwart gesagt hat und ich mit den beiden Ikeataschen voll mit dreckiger Wäsche am Lenker des Bordfahrads zu Intermarche. Nix Waschsalon. Auf dem Parkplatz findet sich ein futuristischen Automat, an dem man direkt mit seinem Auto ranfahren kann. Eine Riesen Waschmaschine. So g roß, dass es ein Warnschild gibt, das davor warnt, dass man seine Kleinkinder nicht mitwaschen soll. Hallo? 18 kg bis 90 Grad für 8 Euro. Meine Emilia. Entspannt gehe ich dann einkaufen, Kaffee trinken, das freie WiFi geniessen. Umladen in den Trockner und ich stöbere schon mal im Baumarkt was es so gibt. Es gibt alles in Olaho. Alles was das Herz begehrt. Ich fühle mich nach langer, langer Zeit mal wieder als Fahrtensegler und nicht als Eigner eines Charterschiffes. Rechtzeitig komme ich zum Trockner zurück und der restliche Tag ist meiner. Eine Runde mit dem Bordrad. Durch die Stadt. Passt. Passt einfach. Alles da was man braucht. Der nächste Törn ist im September. Ich gebe erst einmal Halbgas.

Der Ankerplatz vor Culatra ist sicher wie Abrahams Schoß für die MARLIN. 40 Meter Kette auf 4 Meter Wassertiefe. Rundrum Sandbänke. Dutzende von anderen Schiffen mit netten Salty Dogs. Culatra. Da kann ich entspannt nächste Woche nach Flensburg fliegen. Ein Ticket habe ich nach Hamburg. 19 Euro mit Handgepäck. Das Taxi zum Flughafen kostet das Doppelte. Der Zug von Hamburg nach Flensburg auch. Der Plan scheint aufzugehen. So. Jetzt aber mal hurtig. Vier Betten habe ich schon frisch bezogen. Zwei fehlen noch.

 

Segel hoch und ab durch die Mitte

Leichtwindsbschlußschlag

Eine Nacht in der Portimao Marina hat uns nicht besonders weitergebracht. Moses Ersatzteile mit Fedex waren noch nicht geliefert. Die UPS Lieferung von Fischer Panda als unzustellbar markiert in Lissabon. Die richtige Adresse war vermerkt. Tja. Die Duschen waren nicht heiß und renovierungsbedürftig, die Chicas am Empfang unnett. Auch ansonsten muss man wohl länger bleiben in Portimao um den Reiz der Stadt zu entdecken. Die weitestgehende britische Partymeile hinter dem alten Fort, die Hochhäuser, alles nicht so prickelnd. Da machen uns wir doch besser von den Socken und ziehen das Großsegel hoch. Zwei Tage Culatra sind noch geplant in der Hoffnung, dass dort noch alles bei Alten ist. Aber vielleicht, kommt mir da der Gedanke, bin ich es ja auch selber, der das Problem mit den Erwartungen ist. Ja genau: Ich selbst. Helen, die mich ja nun nach 6 Wochen 24/7 auch schon gut kennt meint: „Du suchst immer einen Schuldigen. Das muss doch gar nicht sein!“ Eine definitiv n achdenkungswürdige Kritik finde ich. Ist auch schon ein paar Tage her, dass sie das gesagt hat. Schwirrt mir immer noch im Kopf rum.

Das mit dem Ablegen, Anlegen, Segel hochziehen macht CREW 46 nun weitestgehend alleine und das erfolgreich. Ganz vorne ist dabei Buddy, alias Torsten S. Wenn der Törn in zwei Tagen nicht sein Ende finden würde, er würde es noch bis zum 1st Mate bringen. Die Bestimmung hat er auf jeden Fall im Blut und die Zielrichtung auch. Noch diese Jahr wird er die Ostsee mit seiner geliebten Diana und unter Segeln erobern. Ich glaube er wird einiges mitnehmen von der Zeit auf der MARLIN. Wahrscheinlich nur Gutes. Zum Beispiel einen guten Segeltrim wie man auf dem Bild ja sieht. Für mich ist Torsten S. es auf jeden Fall ein richtiger Sail-Buddy, mit dem ich mir ohne Probleme auch die Achterkoje geteilt habe. Klappt ja auch nicht immer. Immer wieder gerne gesehen an Bord der MARLIN. „Und die anderen?“ Auch immer wieder gesehen. Ohne Ausnahme, ohne Einschränkung.

Bis zur Einfahrt Faro Lagune ist es jetzt nicht mehr weit. Wenn Slagtinme ist werden wir dort sein und uns bis nach Culatra durchschlagen. Wenn man nix anderes von uns hört, wird es uns dann gut gehen und wir werden nix schreiben, denn wir sind dann angekommen und werden schön und gut Fisch essen gehen. So wie sich das gehört. Und Culatra geniessen. So wie sich das gehört.

 

Blogkiert

WIR SIND ANGEKOMMEN

Als der Anker direkt in der ersten Bucht hinterm Cabo San Vicente gefallen ist, habe ich die Blogkade zum ersten Mal gemerkt. Geht nicht. „Eh Alter – Isch kann nicht mehr.“ Irgendwas um die 4.400 Seemeilen liegen im Kielwasser der MARLIN seid Havanna. Die Verantwortung fällt von mir ab. Durchzählen. „Eins…Fünf!“ Alle dabei. Prima. Keiner ist verloren gegangen. Ich lehne mich zurück und Hana drückt mir lachend ein Glas Vinho Verde in die Hand. „Wir haben Apero vorbereitet. Kommst Du?“ Es regnet. Es ist kalt. Es ist ungemütlich. Hallo Europa. Das ist aber keine schöne Begrüßung. Ich bin müde. Nach dem Apero. Power Nep. Zum Schreiben fehlt mir jegliche Lust. Also lassen wir das einfach mal. Wie sagte Kristina von der YACHT mal in kalten englischen Kanal zu mir. „Das mit dem Stress zum Bloggen, dass ist hausgemacht.“ Sie hätte ja auch sagen können: Kannste Dir auch sparen. Liest doch eh keiner. Grins.

“…und dein Blog hat mich wirklich neben dem Surfen aufrecht gehalten in den letzten drei Jahren, die echt Scheisse waren mit dem…“, schreibt Nick. Der lebt in Sagres also ganz um die Ecke und der freut sich nen Ast ab, dass die MARLIN und ich um die Ecke kommen. „Nimmst Du mich mal mit? Bis Faro?“ Schon vor zwei Jahren mal war er mit seinem Sohn in Sagres an Bord und mir in guter Erinnerung. Also schon mal Bruder auf cubanisch. Oder Freund sagt man hier. Freunde zu haben ist wichtig. Am Abend gehen wir essen. Die Crew lädt den Skipper ein. Nach wochenlangen Kochservice an Bord gehört das sicher zu den guten Seiten beim Kojenchartern. CREW 46 spuckt da auch nicht ins Glas und Nick kommt auch mit: Im „Retiro do Pescador Restaurante“ erwartet uns Frühbucher, weil Helen muss immer um 19 Uhr Essen, eine nette portugiesische Bedienung und ich habe mir heimlich schon einen Spickzettel gemacht mit welchen Wortkombinationen ich Danke und Bitte sage und irgendwie auf portugiesisch kommuniziere. Ach ja! Der Kellner ist sehr nett! Und Schweizer. Was sonst! Was ein Zufall. Nicks neue Lebensabschnittsgefährtin Naomi, ist übrigends auch Schweizerin. Der hat er natürlich auch noch ein nettes Babino gemacht. Na. Kein Wunder, dass Nick gestresst ist. Der Fisch ist sehr lecker, der Wein auch und der Abend vergeht, wie gewohnt am Praia de Mareta, damit dass alle eine nasse Hose haben und einer ganz Baden geht. Das Anlanden mit der Beiboot in Sagres hat immer schon einen gewissen Reiz gehabt. Nicht Jan? Die Handys und wichtigen Sachen habe ich vorweißlich alle vorher eingesackt und in den gelben wasserdichten Sack getan.

Am nächsten Morgen geht die Crew einkaufen. Wieder hilft Nick, der ja dann auch mitkommt. Als Surfer kann er besser mit den Wellen umgehen und kommt direkt in Badehose an Bord. Nachdem der Kühlschrank wieder voll ist für die kommende Woche, geht es auch direkt los. Es ist kein Wind. Also 8 Knoten von hinten. Da fällt es nicht weiter auf, dass Erika immer noch im Koma liegt und Moses Funken sprüht. Das ich weder über den einen Umstand, noch über den anderen Umstand glücklich bin, weiß jeder der mich näher kennt. Ersatz ist unterwegs aus Deutschland und aus Trinidad. Nachdem ich Echotec, alias Michael B., ein Video des Funkenmonsters im Motorraum geschickt habe, meint der nur: „Ich schick Dir nen neuen Motor.“ Ich bin ja immer gerne einer, der die Ursache kennt. „Weiß ich auch nicht!“ Gut. War jetzt nicht die Antwort die mir da hilft. Mitten in der Nacht streune ich ich nicht, wolfsmäßig, durch die Gassen von Lagos, es ist Samstag, sondern durchs Internet und verliebe mich in einen Northern Light Generator, M673L3. Tja Erika. Jetzt wird es ernst. Mir reicht es echt mit den andauernden Reparaturen. Eine Chance bekommt sie noch. Dann mache ich Schluß.

So. Ich glaube ich habe meine Blockade überwunden. Es ist Sonntag und eigentlich will ich mit der MARLIN in die Odiaxerre Lagune, aber meine Crew ist in Lagos und das ist ja auch gut, so kann ich wenigstens mal alleine zu Hause sein. Is ja auch echt flach ohne Ende in der Lagune. Eher was für nen Cat oder Twinkieler. Aber da gibt es auch einen Kite Spot mit anderen Kitern. Wir schauen mal.

 

Motorfahrt

No Fish!

Torsten hätte so gerne einen Fisch gefangen. Ich sehe es ihm an der Nasenspitze an. Torsten ist Bäcker. Er verfeinert das MARLIN Brot mit gerösteten Kernen und ein paar Tricks. Eben diese Tricks. Gutes Brot macht Torsten. Ich habe hier in der Gegend noch nie einen Fisch gefangen. Wie auch. Immer wieder tauchen Delfinschulen auf, da ist jeder Fisch auf und davon um mit seinem Leben wegzukommen. Der Himmel hängt tief, das Wasser ist glatt. Augsburger Puppenkiste. Hauptmaschine Johann schiebt die MARLIN durchs Wasser und nervt. Rumdümpeln nervt mehr, vermittel ich meiner CREW. Fisch und Fleisch ist leider schlecht geworden im Kühlschrank und geht heute riechend über Bord. Helen zaubert trotzdem in der Küche und wir essen im Salon am großen Tisch. Alles hat eben seine Vor- und Nachteile. Bei schräger Segelfahrt essen wir meist aus Schälchen im Pilothaus.

Torsten und Jana sind ein Paar. Sie wissen es noch nicht, aber sie sind eigentlich ein Segelpaar. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Törn auf der MARLIN nicht der letzte im kommenden Seglerleben für die Beiden ist. Schnell waren die Seebeine da. Jana geniest mein Vertrauen, macht das Wetter und die Navigation auf der MARLIN! Torsten hat die Seemannschaft im Blut. Jana kann mit der Software umgehen! Beide haben die Ruhe weg und man merkt schnelle Auffassungsgabe. Segeln, Segeln, Segeln… sag ich da nur. Ich weiß nicht was in ihren Köpfen so vorgeht.

Mr. Skipper Michael ist etwas zurückgezogen bei Motorfahrt. Nicht so mein Ding. Aber nun. Das Hoch hat uns erwischt. Kann man so gesehen nichts dran ändern. Aber auf jeden Hochdruckkern folgt auch eine Isobare und die macht den Wind. Ostwind ist hier eher selten, alles andere können wir segeln. Also. Ruhig Wnuk. Morgen geht es geschwind wieder weiter. Im Motorraum gibt es ein neues Problemchen. Die Kohlen des Wassermacher Motors müssen wohl gewechselt werden. Na so was. Was da genau los ist, kann ich erst sehen, wenn die Hauptmaschine nicht mehr rattert.

Ich mach mal nen Kaffee. Buddy und Helen hat das Back Gammon Fieber gepackt. Buddy hat gar keine Wache mehr. Man hört das Fallen der Würfel und die menschlichen Beigeräusche über gute und schlechte Zahlen auf den sechs Seiten des Backgammon Glücks.

 

Heimweh

In den Fängen des Azorenhochs!

“Blas in Sicht!“ „Wo? Du willst uns verarschen! Sagst Du nur, damit wir rauskommen.“ „O.K. Dann sag ich eben nicht mehr Bescheid.“ Die Wale sind da. Aber sie kommen natürlich nicht nah ran und nur kurz an die Oberfläche um zweimal ordentlich durchzuatmen und dann wieder abzutauchen. Wer jeden Tag ein paar hundert Kilo Krill braucht um zu überleben, der hat eben besseres zu tun, als uns besuchen zu kommen. Kann ich ja nichts für. Wer draussen sitzt und auf den Horizont schaut, der sieht die Wal Blas Fontänen, die immer wieder in einer Meile Abstand zu sehen sind.

Wir sind flott unterwegs. Heute berichtet Hana stolz wie Oskar: „Was glaubst Du, wieviel Etmal wir in den letzten 24h gemacht haben? ZWEIHUNDERTEINS! Das erste Mal über zweihundert ETMAL.“ Ich grinse sie an. „Ja schön. Nicht?“ In ein paar Stunden werden wir stehen bleiben, dann den Johann starten und töfftöff geht es durchs Hoch übers Meer. Schon den ganzen Tag ist es grau von oben. Das Meer ist grau. Es sieht nach Regen aus. Hochdruckkern. Typisch. Ich liege in der Salonecke mit Kindle App in der Hand. Busuu hat sich verabschiedet. Toller Offline Modus. Ich hab die Portugiesisch Lern App neu gestartet und die fragt mich nach Username und Passwort, folgend mit der Fehlermeldung: Kein Internet gefunden. Tut jetzt auch nicht grade was zu meiner guten Laune dazu. Am Abend geht es weiter runter innen Keller mit der Laune. Via SMS über Iridium fangen mit Nathalie und Maya mit ihrer positiven Lebenseinstellung auf. Mich erinnert das Wetter an regnerische Tage im Limfjord in Dänemark mit der IRON LADY vor 22 Jahren oder so, als wir mit dem Segeln grade begonnen haben. Da war noch alles romantisch so bald man nur auf’m Schiff war und nicht zu Hause in Düsseldorf oder in der Agentur. Alles relativ. Immerschon und Immernoch. Die drei Ralf I’s: Irgendwas Ist Immer!

Meine neue Crew hat jetzt Seebeine. Zwei dank Chemie. Ich kenne sie ja noch nicht so lange. Torsten sagt so was wie: Reden ist Silber und Schweigen ist Gold. Buddy grinst, kaut Kaugummi und schaut auf den Horizont. Jana ist immer gut drauf. Ich lerne Wizard zu spielen. Das Kartenspiel kaufe ich auch. Ist schon auf der Liste. Jana ist eine von denen, die ab und zu eine rauchen können. Genussraucher. Dann tagelang keine. Beim Segeln raucht sie gar nicht. Find ich gut. Macht es für mich einfacher, dem andauernden Nichtraucherabsolvent, dessen elektronische Zigarette (ohne Nikotin) schon Seit dem Miamichannel abgesoffen ist. Jaja. Jeder Jeck ist anders.

Mir tun die Gelenke weh, von der Feuchtigkeit. Gut das ich weiß, dass es an der Algarve kein Azorenhoch gibt. Da gibt es klares blaues Wasser zum Schwimmen gehen und Muscheln in Weißweinsoße. Da wird geankert und der Tag, Tag sein gelassen. Keine Folgecrew. Kein Stress mehr. Ich klopfe dreimal auf den Holztisch, dass alles gut bleibt oder besser wird.

 

AGAIN UNDERWAY

Töfftöff und dann wieder geschwind durch das Azorenhoch

DAS WICHTIGSTE ZUERST: Heute vor 13 Jahren ist Maya geboren worden. Herzlichen Glückwunsch an das Segelkind auch an dieser Stelle. Ich bin der stolze Papa der Maya, die inzwischen fast so groß ist wie die Mama. Na denn mal tau.

Scheint, als wenn es still geworden ist in meinem Skipperleben. Doch der Schein trügt und dem ist aber ganz und garnicht so. An Bord gekommen ist die CREW 46. Torsten S. habe ich nach dem ersten Probesegeltag direkt umbenannt in Buddy. Dann gibt es noch Jana und den zweiten Torsten, wodurch es immer wieder zu Verwechselungen gekommen ist bei den Manövern. Ging ja garnicht. Aus CREW 45 sind noch Hana und Helen an Bord mit denen ich ja quasi schon verwachsen bin.

Einfach haben es die „Neuen“ erst mal nicht. Nach 3.200 Meilen braucht der Skipper auch mal ein Päuschen und das Wetter ist widrig. Wir verbringen die erste Nacht nach dem Auslaufen aus Horta in Picos Hafen Madalena weil Velas gegen Wind und Welle nicht ohne Klimmzug zu erreichen ist. Schlechte Idee Skipper Wnuk. Im Hafen steht Schwell und Surf an der Pier, dass es fast die Leinen bricht und einen Fender aufschürft. Mit dem Morgen kommt noch mehr Schwell (So stelle ich mir die Osterinseln vor!) und ungemütlich pfeife ich zur Abfahrt. Nix wie weg aus dem Loch.

Gegen Mittag erreichen wir Velas an der Südküste von Saoo Jorge. Meine Kunden und Freunde, Danny und Benny von der SY HAPPY DAY (Schweizer – Was sonst?) haben uns einen Platz am E Ponton der Minimarina besorgt. Wir fahren vorwärts rein – Aber wie kommen wir da wieder heraus? Das gibt wieder graue Haare. Das Erste was folgt ist ein „Apero“ – Die Lieblingsbeschäftigung der Schweizer. Man sitzt zusammen, hält ein Schwätzchen, trinkt lokalen Wein und Bier und dazu Häppchen. So ein „Apero“ kann man mehrmals am Tag machen. Oder auch durchgehend. Wenn ich nicht immer irgendwann abschalten würde, weil natürlich alle in diesen Schweizer Dialekt einfallen, wo der fröhliche Nieder-Rheiner Wnuk nix mehr versteht.

Die CREW geht verproviantieren und ich widme mich mit Buddy 12 Stunden Generator Erika. Die funktioniert nur noch, wenn man sie brutal mit einer Plastikspritze und 25ml Diesel direkt nach dem Anwärmen durch den Ansaugkanal anregt. Dann läuft sie ganz normal. Na? Einspritzpumpe? Oder Einspritzdüse? Am nächsten Tag nimmt Buddy die Düse mit auf Sao Jorge Sight Seeing und ich nutze den Tag um endlich mal in Ruhe mit meinen Lieben, Liebsten, Mitarbeitern, Freunden und Kunden zu telefonieren, ohne dass alle irgendwie mithören. Altes Problem auf einem Schiff. Nachdem ich einen trockenen Mund vom Quatschen habe, reißt es mich in den Motorraum. Es soll morgen losgehen über den Atlantik nach Faro und ein Öl- und Filterwechsel bei Hauptmaschine Johann ist dringend notwendig, bevor im schlechtesten Fall unendliche Motorstunden auf ihn zukommen. Diverse Reparaturen sind zu machen und zwischendurch die Ruhe geniessen und das ein- und andere Sagres Bier eiskalt zur Tiefenenspann ung. So ein Tag, genau so, hatte ich gebraucht.

Gestern sind wir dann endlich los. Das Vorwärts Eindampfen und dann Rückwärts um die Ecke im Uhrzeigersinn Manöver klappt wie geplant auf einen halben Meter genau nach einem sauberen Briefing was jeder zu tun hat. Auch das Anlegen an der Tanke ist mit 60 Fuß ohne Bugstrahl eben nicht ohne bei Seitenwind. Aber alles gut. Marco, der Tankwart stellt das Zählwerk von der Zapfsäule nach dem Tanken auf Null ohne sich den Wert zu merken und portugiesisch einigen wir uns auf 681L Diesel. Wir sind dann mal weg und nach fünf Schlägen zwischen Pico und Sao Jorege liegt Cabo Vicente an der Südküste Portugals an. Knapp 1000 Meilen. Ich vertiefe mich in meine Busuu Sprachenlern App.: 7 Tage um mein Portugiesisch soweit aufzufrischen, dass ich ich wenigstens die Basic Gespräche hinbekomme, gebe ich mir. MARLIN rauscht daher. Eine frische Brise treibt uns mit 9+ in die Nacht und ich verteile die ersten Pflaster hinters Ohr. „Alles gut. Morgen ist alles ganz normal für euch. “ Auch für mich ist die erste Nacht auf See immer die schwierigste und ich bekomme wenig Schlaf, weil ich aufpassen muss wie ein Luchs, dass mir keiner über Bord geht oder sich verletzt, wenn die Seebeine noch nicht da sind.

Zwischenzeitlich hat Hana schon das erste Etmal ausgerechnet und stolz sagt sie die magische Zahl: 190 Meilen Etmal. Na. Wenn das so bleibt sind wir schnell da, doch schon am Morgen ist der Wind plötzlich weg. Ob es der Windschatten von Sao Miguel ist? Wir passieren die Insel 40 Meilen nördlich. Bei den Kanaren ist es ja auch so, dass die Inseln sich bis weit draussen deutlich bemerkbar machen. Alles gut. Wir haben ihn wieder gefunden. Vollzeug steht. Faro liegt an. 9+ auf’m Tacho. Alles gut.

 

Ankerfall Horta

ANGEKOMMEN

Nach insgesamt 3.100 Meilen seit Cuba ist der Anker heute Morgen um 4:00 ins Hafenbecken von Horta gefallen. Plumps. Genau da wo wir schon 2014 geankert haben. Die Steinpier ist voll mit Booten, die im Päckchen liegen. Hat Wnuki natürlich keinen Bock drauf. Dann heißt es Tassen hoch. Cafe Peter Sport hat natürlich schon zu und mit die Fantastischen Fünf sitzen unter Sternen mit fast Vollmond und klarer Sicht auf den Pico gegenüber. Selten ist das, dass der keinen Hut trägt. Ja. Mann. Wir sind angekommen. Unglaublich. Wieder mal ne lange Reise. Eigentlich will ich gar nicht, dass sie nun zu Ende geht. Ein Trost habe ich ja noch: Hana und Helen bleiben mir erhalten und nachher kommt auch schon Ersatz. Torsten, Jana und Torsten kommen an Bord.

Ganz ehrlich. Alles nen bisschen viel Traffic für mich. Morgen muss ich mal alleine spazieren gehen.

 

Eben die letzten Meilen

Vierzehnter Tag auf See

Die Stimmung an Bord ist verhalten gut. Stephan und Ralf haben via Sailmail und weiblicher Lebenspartner schon mal die Rückflüge gebucht und dementsprechend sind sie gedanklich eigentlich schon auf dem Heimweg. So ist das heutzutage. Wir haben noch 65 Meilen bis zum Hafen von Horta und heute Abend um 18 Uhr werden wir spätestens in die Mobilfunkreichweite der Insel kommen, dann wird es „Ping“ machen auf den Handy’s und ein „Oh“ und „AHA!“ Wird durch die Runde gehen. Die Gespräche werden sein: „Ich habe GPRS. Ich habe 3G. Hey ich habe schon What’s App“ Und kurz darauf sitzen alle im Pilothaus oder an Deck wie zu Hause in der U-Bahn und für Stunden wird keiner mehr miteinander reden sondern im EU Netz sein. Nun gut, Hana und Helen sind da eindeutig benachteiligt, die sind im Roaming, weil sie Schweizer Karten haben. Aber bestimmt wird ihnen jemand Internet sharen!

Moses, der Wassermacher läuft, ich werde gleich duschen und danach werde ich, wenn das Wetter wie erwartet weiter so bleibt, den Kärcher aus dem Keller holen und dann werden wir die MARLIN von der mindestens 5mm Salzkruste befreien. Denn wir haben ja alle Zeit der Welt und dann brauchen wir es eben nicht im Hafen tun. Die Waschmaschine werden wir gleich nach diesem Bericht füllen und wenn es weiter wie erwartet kein Wind hat, werden wir auch schon mit der Abschlussreinigung des Innenbereichs anfangen. „Macht ja Sinn!“, meint Helen nur, als ich die Wachhabenden über meine Pläne informiere.

 

Stetig kommen wir unserem Ziel Horta näher

Zwischen dem zwölftem und dem vierzehnten Tag auf See

“Ne. Ich schreibe da nicht ‚Dreizehnter Tag auf See’ Da kann ja werweisswas passieren. Mast fällt runter oder so!“ Uns trennen noch 24h um den Längengrad der Insel Flores / Azoren zu übersegeln. Wir segeln. Immer noch und immer noch relativ schnell für grade mal 11 Knoten Wind.

Harald, von der CREW 42 hat geschrieben. Er hat geschrieben, wie seine Zeit auf der MARLIN für ihn war. Für mich sind das wichtige Zeilen, die ich unzensiert für den Bereich Kundenreferenzen auf der marlin-expeditions.com Seite einbinde, wie immer wenn sie für unser zukünftigen Mitsegler informativ geschrieben sind. Bevor Interessenten ihre Zeit auf der MARLIN buchen, weiß ich, wird diese Seite intensiv studiert. Im Original schreibt Harald wie folgt:

 

Cuba Familienurlaub CREW 42

Barfuß in der Karibik. Die „Kinder“ fahren nochmal mit in Urlaub. Kinder stimmt ja nicht mehr: Leon ist schon 22 und Henry auch schon 19. In dem Alter ist Urlaub mit den Eltern ja extrem uncool. Es sei denn, das Reiseziel stimmt. Cuba. Und dann noch segeln in der Karibik zu den vorgelagerten Inseln, den Cayos. Wie toll ist das denn. Einmal fragen hat gereicht und beide sind sofort hellauf begeistert. Und was das für ein toller Urlaub war. Mit Skipper segeln kann ja schon mal kritisch sein und andere an Bord muss auch nicht unbedingt klappen. Die jungen Männer machen mit den Älteren Urlaub und sind dann auch noch auf engem Raum unterwegs. Mal schnell aussteigen geht dann ja nicht. Diese Bedenken sind aber auf der Marlin völlig unbegründet. Skipper Micha macht kurze und knappe Briefings und bindet die Junges gleich mit ein. Jeder hat dann so seine Aufgaben. Daraus wird im Verlauf auch eine enge Bindung, die unseren Jungs und auch Micha gut tun. Nicht nur an Bord, sondern auch auf den Partys an Land, wo zu cubanischen Klängen lässig mit den Hintern gewackelt wird. Bei den Cubanern sieht das ja auch gleich extrem elegant aus. An Bord gibt es immer viel zu tun, aber am Strand liegen und im flachen warmen Wasser Seesterne gucken oder mit Kokosnüssen werfen ist auch drin. Den Törn Rhythmus geben wir, die Crew 42, vor. Micha macht da keinen Stress. Er ist da, wenn was zu tun ist oder zieht sich zurück und macht irgendwas. Was das war und was er so alles gemacht hat haben wir erst hinterher im Blog gelesen. Das war schon eine Menge von der wir so gar nichts mitbekommen haben. Er hat uns da in Ruhe unseren entspannten Urlaub leben lassen. Auch cool. Geholfen haben wir dennoch immer gerne, wenn er unsere Hilfe brauchte.

Nach ein wenig Einweisung klappte das Segeln immer besser und wenn es erst gegen Mittag losgeht ist das auch nicht schlimm, ist ja Urlaub und irgendwie sehen wir das alle so. Aber das war ja bei weitem nicht das Tollste. Entschuldigung liebe Marlin, ist nicht bös gemeint. Du bist ein super tolles Schiff mit viel Platz und flott am Wind, absolut sicher und schneidig, mit bequemen Kojen …. Ein Boot zum verlieben, was man nie mehr verlassen möchte. Wir können Micha da schon gut verstehen.

Das Tollste waren die Ziele, die er uns gezeigt hat: türkisfarbenes warmes Wasser, in dem das Schwimmen im Sonnenauf- oder untergang ein Traum war, schnorcheln und entdecken der Unterwasserwelt, feinster weißer Sandstrand, den man ohne Sonnenbrille kaum ansehen kann. Cuba Lifestyle am Leuchtturm, auf Expedition mit den Insel-Rangern auf der Suche nach Krokodilen und Affen oder beim Sundowner, der sanft geschaukelt und nicht gerührt an der Süllkante am besten schmeckt. Die Trinkkokosnüsse, die man mit wenig Rum verfeinert und die dann nach viel mehr schmecken, waren immer en Highlight. In den bescheidenen Supermärkten mit den leeren Regalen und der ungewohnt mageren Auswahl sieht man die andere Seite von Cuba. Konsum wie in den westlichen Ländern gibt es hier nicht. Alles wird gebraucht und auch die alte ausgemusterte Bordbatterie findet schnell einen neuen Abnehmer und wird noch ein langes Leben fristen. Gefehlt hat trotz der „Armut“ nie etwas.

Armut ist ja auch relativ: wenig Konsumgüter aber viel Zeit für sich und andere. Entspannte Lebensart ohne Hektik – Cuba ist reich daran – weniger ist mehr lernt man hier. Und der fangfrischer Fisch vom Kutter frei Boot gegen Rum getauscht ist Gaumenkitzel vom Feinsten. Und wer noch keine Langusten a`la Micha gekostet hat, hat eben noch keine Langusten gegessen. Küchenarbeit wurde geteilt, jeder durfte mal kochen, aber besonders gut waren die Künste des Skippers. Unvergessen bleiben die hübschen Conches, die mühsam gesucht und ertaucht werden müssen, um dann nach harter Arbeit beim Öffnen 24h später in Zitronen-Sud mariniert, im Salat unglaublich zart schmecken. Tage, die wie im Flug, viel zu schnell vergehen. Kaum ist man da, geht´s schon wieder zurück. 2 Wochen sind definitiv zu kurz , um den Lebensrhythmus an Bord einzuatmen und runterzukommen. Ein guter Anfang, aber definitiv zu kurz. Ich persönlich freue mich auf die Atlantikpassage im Winter Ost/West nach Brasilien. Sofern mich der Skipper mitnimmt. Es kommen ja auch nur handverlesene Gäste an Bord. Ist auch gut so. Passt halt nicht immer jeder zu jedem und vorher wissen kann man das auch nicht. Hier hatte alles gepasst. Die Junges schwärmen immer noch und wir sind im allgemeinen Arbeitsalltag im Rückblick noch immer beseelt von einem tollen Urlaub mit maximalem Entspannungs- und Erlebnisfaktor, der noch lange nachhallt. Und wenn wir Sehnsucht haben, helfen die Blogeinträge und Bilder weiter. Danke Micha für einen tollen Urlaub

Skippers Anmerkung: Wer jetzt denkt, dass es immer toll war an Bord die ganzen Zeit. Der irrt. Auch mit den Menkers hat es mal geknallt. Klar. Wenn sieben Menschen für 2 Wochen auf ca. 55qm Lebensraum, an denen immer einer wackelt, zusammen leben, dann knallt es eben auch mal. Das gute daran, grade mit den Haralds Familie war die grundlegende menschliche Sympathie und Kompromissbereitschaft, die diesen Törn auch für mich zu einem Vorzeigetörn gemacht hat, wo ich mir dann sage: „Ist ja doch nen toller Job den du da hast und machst Micha.“ Danke an Harald und Familie für diese tolle Zeit.

Harald wird im Winter über Weihnachten und Neujahr mit über den Atlantik segeln. Da freue ich mich richtig drauf! Kurze 12 Tage Törns werden wir in der kommenden Zeit allerdings nicht mehr anbieten. Das hat sich als generell als zu kurz gezeigt. Drei Wochen ist schon mindestens notwendig um sich an Schiff und Besatzung gewöhnen zu können. Besser sind vier oder mehr Wochen an Bord insbesondere, wenn in diesem Zeitraum ein Ocean überquert wird, lange oder schwierige Strecke zu segeln sind. Wir erarbeiten derzeit Teilstrecken als Angebot auf unserer Website, die generell aber jederzeit Zu- und Aussteigen ermöglichen sollen. Insbesondere werden wir in Zukunft mehr Wert auf Landausflüge und geführtes Begleitprogramm legen. Wer Interesse daran hat, schaut regelmäßig auf MARLIN-Expeditions.com der Entwicklung unserer Angebote zu. Die Grafik zeigt die derzeitige Planung der MARLIN ab Oktober 2018 beginnend in Faro.Wer die Angebote nicht abwarten will kann sich jederzeit über unser Formular als Mitsegler bewerben.

 

Micha hat den Ocean Blues

Zwölfter Tag auf See

Hätte Ralf mal nicht so große Töne gespuckt. Kurzum ist Generator Erika in den Streik getreten und zwar richtig. Letzte Nacht dann olle Welle aus Ost, Wind aus SE und wir fangen an mitten aufm Atlantik aufzukreuzen. Ne. Das muss wirklich nicht sein. MARLIN macht das auch nicht gerne. Ich mach das nicht gerne. CREW 45 macht das nicht gerne. Es ist fast wie im Miami Channel. „Ralf. Weck mich wenn Du nicht mehr weiter weist.“ Ralf weckt mich nicht und reffen tut er auch nicht. So werde ich wach, als das Wasser bereits an den Portlights des Kajütdachs der MARLIN vorbeirauscht und das Schiff sich mit 3 Knoten in den Wellen einstampft. „Eh. Was macht ihr da.“ Zugegeben, ich war wohl nicht grade freundlich zurückhaltend, als ich MARLIN aus ihrer 45° Zwangsjacke, seitwärts driftend, bei 26 Knoten Wind befreie. Hana und Ralf stehen da wie nassgewordene Pudel. Als MARLIN nach Zupfen hier, fieren dort, reffen sowieso, wieder elegant mit acht Knoten durch die Wellen sch neidet, versteht Ralf, dass Wache eben nicht nur Wachen ist. „Weck mich einfach das nächste Mal.“ „Joh.Is gut.“

Die Nacht war dann natürlich gelaufen. 25 Knoten Wind ist ja nicht viel, aber aus der Richtung da wo man hin muss, dass kann echt nerven. Is halte eben nix wo man aufs Knöpfchen drückt und der Autopilot macht das schon, sondern da geht es darum das Schiff zu beschleunigen um sich so selbst den Wind zu machen um durch und über die Wellen zu reiten, die gemein von schräg vorne kommen. Lautes Segeln ist das, wenn die Aluminiumdose auf die Brechern knallt und das ganze Schiff rappelt als wenn es ein paar Meter runter auf die Erde knallt. Wasser ist nicht weich. Wasser ist hart. Wir segeln nach Süden, wir segeln nach Norden, nach Ost und damit zum Ziel segeln wir auch: Ein bisschen. Eigentlich kaum der Rede wert. Aus der Verzweiflung heraus könnte ich beidrehen, was aber auch nichts bringt. Sehnsüchtig warte ich auf die Winddrehung die so langsam kommt wie sie vorhergesagt ist und gefühlt noch ein bisschen langsamer. Zwischendurch sitze ich im Pilothaus, mein Kopf sack t nach vorne und in kurzen Schüben schlafe ich häppchenweise. Meine Crew ist wie eingeteilt bei mir und hilft oder macht die Manöver selbstständig, die gemacht werden müssen, macht alles womit man sie beauftragt, zur vollen Zufriedenheit. Hana hat mir einen echten Kurzhaarschnitt verpasst. Hat ja den Vorteil, dass ich keine grauen Haare bekommen habe in der letzten Nacht.

Am Vormittag liegen wir Kurs NE an. Ist ja schon mal was. Die elektronische Windfahne dreht mit. Unser größtes Problem sind derzeit die Portugiesischen Galeeren, kleine segelnde Quallen, die im Wasser mehrere Meter lange, giftige Tentakel haben. Diese verfangen sich im Schaufelrad unserer Logge, die die Fahrt durchs Wasser misst und mit den Daten scheinbaren und echten Wind berechnet, verkleben diese. Der Autopilot unter Windfahnensteuerung findet das nicht grade lustig. Warum auch immer ist mir unklar. Ich muss dann das Bodenbrett in der Vorkabine hochklappen und die gallertartige Masse mit einer alten Zahnbürste und eine Zahnarztnadel aus dem Messgerät rauskratzen, um die Logge wieder funktionstüchtig zu machen. Zweimal pro Tag passiert das in der Regel seit den Bermudas. Klar auch Nachts. Ist meine Aufgabe, denn die Tentakel haben brennende Nesselzellen an ihrer Oberfläche. Am Anfang trage ich noch Handschuhe, so fies sind die Berührungen damit, später berühre ich die Tentakel einfach nicht mehr.

Irgendwann holt sich der Körper den Schlaf, den er braucht und weil meine Koje auf Lee liegt, schlafe ich bevorzugt im Salon ein. Als ich wach werde hat der Wind wieder ein paar Grad gedreht und kommt jetzt Halb. Guten Mutes, mit einer Mütze Schlaf ausgerüstet, motiviere ich meine Mitsegler die Genua mit dem Spibaum auszubaumen. Briefing im Pilothaus, Umsetzung an Deck. Alles klappt prima. Genua raus und wir segeln mit fast senkrecht stehendem Mast und neuneinhalb Knoten. Leider Richtung Biskaya. „Hmm. Etwas verschätzt. Sehen wir es als Übung für den Schlag von Horta nach Faro. Was meint ihr?“ Mein breites Grinsen kommt nicht so richtig überzeugend an. Wir bauen alles wieder ab. Dann setzt sich bei mir ein Blues ab. Ocean Blues. Für 20 Minuten schaue ich auf’s Wasser und will einfach nicht mehr. Keine blaues Wasser, kein Horizont, keine Mitsegler, kein Schiff, keine blauen Himmel, keine Segel… Für 20 Minuten verliere ich die Orientierung in meinem Leben. I ch kenne diese Zustände. Passiert einfach mal zwischendurch, meist mit Schlafmangel und Überreizung vermischt, meist wenn der nächste Hafen naht aber doch noch schier unerreichbar weit weg ist. Noch 335sm bis zum Rotwein Anlegeglas auf Horta.

 

Moin, Moin von der MARLIN

Zehnter Tag auf See

Ich bin Ralf, Crewmitglied beim MARLIN Segeltörn „Havanna – Horta“. Was braucht ein echter Hamburger Jung für eine angenehme Atlantiküberquerung? Richtig: ein St. Pauli Kopfkissen und ein Astra. Mit der Flasche Astra ist es schwierig auf dem Atlantik. Darum habe ich einen „ORIGINAL ASTRA TOTSCHLÄGER“ dabei. Der sorgt dafür, dass es keine Fliegen an Bord gibt. Zum Tagesablauf: Schlafen, Wache, Essen, Schlafen, Essen, Dösen und dann wieder von vorne. Voll entspannend. Während der Wache schaue ich stundenlang auf das Meer und zu den Wolken. Diese Unendlichkeit ist magisch. Die Gedanken kommen und gehen ohne dass man sagen kann, worüber man nachgedacht hat. Manchmal fallen mir alte Seemannslieder ein, z.B. „Wir lagen vor Madagaskar.“ Nun, wir haben hier nicht die Pest, keiner geht über Bord und damit wir kein faules Wasser bekommen haben wir Erika und Moses. Erika ist unser Generator, sehr sensibel. Man muss sie streicheln und ihr gut zureden, dann s chnurrt sie wie eine Katze. Sie liefert Strom für Moses, unseren Wassermacher. Er ist sehr zuverlässig. Dann ist noch Johann da, unser Yanmar Motor. Gibt man ihm genug Kühlwasser und Diesel ist er zufrieden und tut seinen Dienst. Sehr wichtig ist das Essen. Das können sie alle richtig gut. Was die in der Kombüse zaubern ist der Hammer. Eigentlich wollte ich etwas abnehmen, aber das kann ich bei dem Essen knicken. Da hier keiner mein Dosen-Ravioli mag, hab ich die Backschaft und das Kaffeekochen übernommen. Noch ein paar Worte zur MARLIN und dem Skipper. Die MARLIN ist ein tolles Schiff, sehr sicher, zuverlässig und auch bei wenig Wind sehr schnell. Haben ja gerade den französischen Katamaran AMUSE versägt. Michael ist ein Skipper der klaren Worte, ein Vollprofi, der uns die Sicherheit für diesen Törn gibt. Er weiß immer genau, was getan werden muss. Vor jedem Manöver gibt es ein Briefing, wobei er jedem sagt, was zu tun ist. Steht er am Ruder, kommen seine Komm andos ruhig und präzise. Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber die Pflicht ruft. Ich muss Geschirr spülen und der Skipper ruft nach Kaffee. Vielleicht hat ja jemand Lust auf einen schönen, außergewöhnlichen Segeltörn mit der MARLIN bekommen, dann meldet Euch bei Michael, er wird sich freuen, Euch an Bord begrüßen zu dürfen. Seemannsgrüße Ralf.