Archiv der Kategorie: SY Marlin

Skipper Nike und Andre an Bord.

{Time:23:00:00}
{Date:20190824}
{Position:12°04.3418’N, 068°50.5765’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Curaçao}
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
{Wind:20kn/E}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190824}
{Title:Skipper Nike und Andre an Bord.}

Hurrikan Dorian ist auch pünktlich dabei

Es ist wie immer. Zm beginn eines Törns komme ich kaum dazu meinen Blog zu schreiben. „Liest ja eh keiner ausser Brigitte und Andreas“, ist der Running Gag mit MayaLena. Nun. Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich nicht die Ruhe finde, genüßlich meinen Blog zu schreiben: Der hervorragende Kitewind, mein Kite Buddy Manuela und die netten anderen Kiter am Kitestrand von SJB hier in Curacao. Manuela steht nach 8 Stunden auf dem Kiteboard und läuft Höhe. Ich bin stolz auf sie, als wenn es meine eigene Tochter wäre. Ist sie aber nicht. Wir verstehen uns einfach so. Gemeinsam holen wir Nike vom Flughafen ab, die aus Kanada einreist um die MARLIN die nächsten zwei Wochen zu skippern. Über Nike freue ich mich auch wie ein Teddybär. Es ist schon lange her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Uns verbindet Sympathie und gleiche Interessen, die Liebe zum Meer. Aber der Hauptgrund warum Nike gekommen ist, so vermute ich, bin nicht ich, sondern die MARLIN.

Gestern hat Andre dann die Crew vervollständigt, mit der es wohl am Montag morgen in Richtung Los Roques losgehen soll. Uns entgegen kommt Tropical Storm Dorian, der sich pünktlich Ende August im Atlantik gebildet hat. Die Vorhersage sieht nun nicht so aus, als wenn wir uns näher kennenlernen werden. Wir sind viel zu weit südlich, wie geplant, aber ganz wohl ist mir nicht bei der Sache. Dorian wird uns ein Windloch bescheren. Der starke Trade Wind aus Osten wird für ein paar Tage abflauen. Ich sehe es positiv, es wird es uns einfacher machen zu den Roques zu kommen. Der Wirbelsturm ist nicht stark genug um gefährlichen Schwell aufzubauen. Also. Alles in allem. Alles gut. Ich mache mir noch keine Gedanken zum Plan B.

Wie geplant nehme ich keinen mehr auf die MARLIN zu Mitsegeln mit, der bei mir ein „komisches Gefühl“ erzeugt. Drei Kandidaten habe ich abgesagt. Nun sind wir vier. Vier, die gut zusammenpassen. Der erste gemeinsame Tag hinterlässt ein warmes Gefühl. Ich freue mich auf den Törn. Sehr. Wir haben viel Spass und erledigen sämtliche Einkäufe. Nike sieht das Manuelas und mein Strahlen in den Augen. „Geht ihr am besten noch mal Kiten. Ich fahre euch hin und hole Andre am Flughafen ab.“ Wir grinsen. Gut gemacht Nike.

Es wird spät und der typische CREW gegenseitig Beschnuppern grade von den Dreien, verläuft entspannt und angenehm. Jeder findet seinen Platz. Mit nur vier Leuten an Bord ist die MARLIN ein Luxusschiff. Es ist schon deutlich nach 22 Uhr als Nike und ich im Motorraum feststellen, dass ich/wir dort noch ein paar Kleinigkeiten zu tun haben, bevor wir loskönnen. Nun. Dann können wir Dorian noch ein bisschen beobachten, bevor es dann planmäßig und eben nicht früher, erst einmal nach Klein Curacao geht.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 57 Nike Steiger segelt die MARLIN gegen den Wind ins Paradies
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Manuela an Bord genommen

{Time:22:00:00}
{Date:20190819}
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{Photo:20190819}
{Title:Manuela an Bord genommen}

Generations

Das Projekt Kühlschrank ist erfolgreich abgeschlossen. Die „faule Ecke“ bleibt jetzt trocken und Skipper ist wieder glücklich. Es geht halt langsam voran, aber stetig und gründlich. Frisch aus Costa Rica eingeflogen kommt am Sonntag Manuela an. CREW 57. Alles muss ja seine Ordnung haben. Ich fahre zum Flughafen und geniesse einen doppelten Espresso in der italienischen Gelateria. Das Eiscafe in der Eingangshalle ist der Hit. Man hat das Gefühl man sitzt in einen Kühlschrank. Rundherum Glas. Dazu die volle Anti-diat-bombe. Ein Stück Schokokuchen. Geil. Manuela kommt pünktlich und an der minimalisierten Größe ihres Wochenendrucksacks zu messen, muss sie ein Schweizer Reise Profi sein. Mit ihren 26 Jahren ist sie jünger als meine Söhne. Folglich wird mir mal wieder bewußt, wie jung ich mich fühle, aber gar nicht bin. Grins. Manuela und ich tasten uns gegenseitig verbal ab. Ob’s passt? Passt. Die junge, sympathische Dame aus Celerina sieht nicht nur gut aus, ist auch noch sympathisch und eigenständig. Wenn meine Töchter so werden, bin ich zufrieden.

Die letzten Wochen hat Manuela in Wellenreitercamps verbracht. Manuela kommt früher als der Rest der CREW um Nike Steiger, weil sie sich Curacao noch ein bisschen anschauen will und ich sie beeinflusst habe, doch noch einen Kite-Schnupperkurs zu machen. Ne. Nicht bei mir. Sondern bei Kimberly alias Aawasalu-Kiteboarding, die ich am Kiteplatz kennengelernt habe. Das passt auch. Heute nach vier Stunden intensivem Unterricht fährt Manuela ihre ersten 10 Meter und ist angefixt. Beste Vorraussetzungen für den Besuch der Los Roques. Ich habe das Gefühl alles richtig gemacht zu haben. Die letzten beiden Tage war aber auch ein genialer Wind in den Morgenstunden. Während Manuela sich durch das Grundprogramm des Kitens kämpft, komme ich voll auf meine Kosten. Kim leiht mir einen Sitz Harness und ich kite bis zum Umfallen. Ich hab so viel Spass in den Backen, Leuchten in den Augen, dass ich kurz vorm Platzen vor Kite Glück bin. Besser geht es nicht.


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Kühlschrank Intensivstation

{Time:22:00:00}
{Date:20190814}
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{Title:Kühlschrank Intensivstation}

Baustelleneröffnung

Unser Kühlschrank. Zentrum eines Problems. Im rauen Charterbetrieb wird hier gerne, so wie zu Hause, alles hineingepresst. Die Konstruktion ist dazu aber eher nicht geeignet. Es haben sich Risse gebildet, Luft dringt ein, kondensiert zu Wasser und das läuft gerade bei Schräglage überall hin, vor allen Dingen natürlich dorthin, wohin es eben nicht laufen soll, in die Isolierung. Umliegendes Holz verfault, es bildet sich Schimmel und der Pilz, der sich gerne mal unterm Kühlschrank zeigt, den nennen wir lieblich Hugo. Sechs Wochen konnte alles trocknen und jetzt komme ich. Bisher hat hauptsächlich Jan den Kühlschrank betreut. Ich stelle mir einen Ventilator in den Kühlschrank, eine LED Strahler in meinem Rücken, damit ich bei der OP gut sehen kann und entferne erst mal alles, was morsch ist und quasi in Staub zerfällt. Ich schaffe mit dem Fein Multi Master den exakten Platz für eine Aluschiene. Eigentlich müsste die ganze Front ausgewechselt werden. Ach. Eigentlich müsste der ganze Kühlschrank raus und neu. Aber mich konnte man ja auch noch mal retten. Pingelig klebe ich alles ab, bevor ich mit Sika das Aluprofil einsetze. Passt. Wackelt nicht und hat auch keine Luft. Das muss jetzt erst mal trocknen. Morgen noch drei Schienen und der Kühlschrank sollte die nächsten 50 Crews durchhalten. Ohne Schimmel, Pilze und andere ekelige Sachen.

Ich hatte heute den schlimmsten Kite Tag seit langem. Am SJB Kite Platz ist es ja immer böig und man gewöhnt sich daran. Heute aber fällt mir der Kite einfach runter, um mich im nächsten Moment aus dem Wasser zu katapultieren. Nach dreißig Minuten gehe ich wieder an den Beach, lande und packe meine sieben Sachen, bevor was Schlimmes passiert. Genervt. Nun. Nicht jeder Tag kann perfekt sein.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Insekten an Bord

{Time:22:00:00}
{Date:20190813}
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{Title:Insekten an Bord}

Welcome back to German Business

Wer mag es schon. „Ich bin davon wach geworden, dass mir eine Ameise über das Gesicht gelaufen ist“, mein Skipper Jan und grinst. Ich grinse zurück und frage mich warum er nichts dagegen tut. Google Dich frei. Wenn einem zahlenden Gast eine Ameise nachts über das Gesicht läuft oder Kakerlaken nacht schnell weghuschen, wenn dieser Gast das Licht in seiner Kabine anmacht, dann ist das schnell gar nicht mehr lustig, sondern des Eigners! Schuld. Ob die Insekten durch des Mitseglers Fehlverhalten im Bordleben aufs Schiff gekommen sind ist das Nebensache. Dann gibt es Beschwerden. „Ich werde Dir ein schlechte Bewertung schreiben auf HandGegenKoje.de”, ist der O-ton von Mitsegler Werner Böttcher, als ihm eine Laus über die Leber gelaufen ist. Es wird scharf geschossen im Mitsegelbusiness. Wen wundert es da, wenn Markus Reckers, Eigner der SY SEACHANGE mir am Telefon sagt: „Michael. Mir reicht es mit den Mitseglern. Ich hör auf. Mir reicht es die gesamten Einnahmen
in Reparaturen zu stecken, die Skipper und Mitsegler durch unsachgemäße Behandlung meines Schiffes verursachen.“ So werden es eben immer weniger, wirklich gute Anbieter für Mitsegeln. Aber welchen Interessenten interessiert das schon. Anbieter können Kunden nicht bewerten. So etwas ist nicht vorgesehen bei HandGegenKoje und ein ehrlicher Kommentar über die Unfähigkeit mancher Mitsegler wird nicht gerne gesehen.

Nun. Ich war gespannt was diese kleine grüne Dose für 10 Euro aus dem Supermarket um die Ecke bewirkt. Nach sechs Wochen, die die Ameisen alleine auf der MARLIN waren, haben sie sich aufgelöst. Ein Kakerlaken Problem hatte die MARLIN als wir sie gekauft haben, seit dem nix mehr. Auch Bienen und Fledermäuse haben wir vergrault. Na. Geht doch. Aber irgendwas Neues zum Beschweren wird sich bestimmt finden. Im letzten Spiegel Artikel über Kreuzfahrtschiffe, unter die ich die MARLIN zwischenzeitlich, nach all unseren Erfahrungen der letzten Jahre, klassifiziere, werden die Reinigungskräfte mit 3 Euro die Stunde bezahlt. Maltaflagge und internationale Gewässer machen es möglich. Wie sonst auch kann man zwei Wochen Kreuzschifffahrt für 1500 Euro auch sonst anbieten? Im übrigen verdiene ich ich mit einem Chartertörn auch nicht mehr Stundenlohn, wenn man alle Zeit zusammenrechnet die darein fliest. Bin ich eine Reinigungskraft?

Ja. Meine Schreibweise kommt sicherlich an die von Uwe Röttgering immer näher ran. Menschen, die die Wahrheit sagen. Obwohl es, wie ich merken mußte, seine extrem ehrliche Internetseite leider nicht mehr gibt. Uwe ist verschwunden. Noch ein oben drauf? Seglerin Nicola von der CATIKIN meldet sich am 25. Juni zwecks Beratung. Es folgt eine durchaus intensive LUNATRONIC Beratung per WhatsApp die sich über Wochen hinzieht. Die CATIKIN hat viele Probleme, Nicola und Helmut haben Gutes über mein KnowHow gehört und möchten sich beraten lassen. Es folgt ein ausführliches Gespräch in unseren Räumlichkeiten. Zufriedene Kunden verlassen unser Geschäft. Zwei Stunden meiner Zeit. Tobias erstellt ein ausführliches Angebot. Zwei Stunden seiner Zeit. Dann folgt Stille. Dann bricht sich ihr Sohn den Daumen. Es folgt ein email, dass das CATIKIN Budget leider nicht ausreicht. Nico hat ordentlich Punkt für Punkt unser Angebot (Einkaufsliste) und die Komponenten gegoogelt und schl
ußendlich gemerkt, dass sie ja die einzelnen Komponenten auch günstiger einkaufen kann. Wie auch immer. Auf meine Nachfrage, was denn mit den Kosten der Beratung ist, wenn sie bei uns nichts bestellt, kommt heute folgende Antwort: „Hej Michael, Angebote werden dem potentiellen Kunden zu seiner persönlichen Entscheidung unterbreitet. Dieses kann der pot. Kunde an-/oder wie wir, nicht -nehmen. Nachvollziehbar nicht schön, aber ein normales Verbraucherrecht. Beratungsebuehr, haben wir darüber eine schriftliche Vereinbarung? Unseres Wissens nicht.“ Danke Nicola. Ich wünsche euch viel Erfolg mit eurer CATIKIN und eurer geplanten Reise um die Welt.

Nun. Es ist nicht das erste Mal das so etwas passiert. Mein guter Willen läßt mich immer wieder Kunden vertrauen, dass sie mein KnowHow wertschätzen. Meist erkenne ich die schwarzen Schafe recht schnell, spare mir die Zeit und stelle einer Beratung die Kosten voran, die ja bei einer Bestellung wieder gutgeschrieben werden. In diesem Falle habe ich es nicht gemacht und siehe da. Enttäuschung. Traurig finde ich das, wie sehr sich das alles entwickelt in den letzten Jahren. Macht immer weniger Spass nett zu sein.

Was sonst noch so in meinem Leben passiert? Ich stell mich aufs Kite Board und kann abschalten. Das Thema Höhe laufen ist durch und ich bin übe Wenden und Halsen. Ich bin am richtigen Ort. Warm, windig und schön.


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Yellow Submarine

{Time:23:20:00}
{Date:20190812}
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{Title:Yellow Submarine}

Erste Schritte in der Heimat

Eigentlich sollte MARLIN ja auch mal gelb werden – In Bezug auf den Beatles Song „Yellow Submarine“. Damals, als es da zu entscheiden gab, ist dann die Wahl doch auf feuerrot gefallen. Gut so. Heute jedoch besuche ich meinen Freund Cliff am nahen Jan Thiel Strand und auf dem Parkplatz steht das Yellow Submarine. Auch nicht schlecht. Kein Verkaufsschild. Nun. Wer will auch schon wirklich in einem U-Boot leben? Trotzdem. Irgendwie süß.

Es ist unglaublich heiß auf der MARLIN. Seit fünf Wochen die Türen zu. Ich öffne das Schloß und der typische Schiffsgeruch schlägt mir entgegen. Schäden? Nein. Innen ist alles von einer leichten Staubschicht bedeckt. Der morsche Kühlschrank steht offen. Leer. War auch so geplant. Alles ist durchgetrocknet und die Reparatur der Tür steht für die kommenden Tage an. Cliff hat mich vom Flieger abgeholt, mein Autoverleiher. MARLIN liegt in der Seru Boac Marina und das ist am Ende der Welt im kleinen Curacao. Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen. Der alte Suzuki von Cliff, passend zum Budget, fällt fast auseinander. Aber was geht: Die Klimaanlage. Mit dem Wasserschlauch befreie ich MARLIN von der schützenden Staubschicht. Packe meine Siebensachen in die Waschmaschine. Der Generator braucht einen Moment um zu starten, aber dann ist wieder alles in Ordnung. Keine Schäden. Fenster auf und ordentlich lüften.

Das erste, was ich mache: Ich hole meine Kites aus dem Marinabüro. Die wollte ich nicht im Backofen der MARLIN lassen. Das hätten sie definitiv nicht überlebt. Das zweite, was ich mache: Ich fahre zur SJB, dem einzigen Kite Platz von Curaçao. Nicht türkisblau, aber ein Start- und Landeplatz mit Kunstrasen und alles was kitet auf Curaçao kommt hierher wenn Wind ist. Sechs Wochen Deutschland: Drei Tage Kite Wind. Hier auf Curaçao ist jeden Tag Kite Wind im Moment. Bis Oktober. Eine Stunde später stehe ich im Wasser. Kein Neopren. Der kleine 12er über mir und los geht es. Nach einer Stunde bin ich am Ende. Glücklich. Kitegrinsen im Gesicht. Früher hatte ich das nach dem Tauchen. Vor langer Zeit, nach gutem Sex.

After Kite sitze ich mit meinem Kite Freund Nix, auch mein hiesiger Ex-Kite Lehrer vorm Chinesen Supermarkt auf dem Bänkchen mit einem eiskalten Bier in der Hand. Der berichtet mir von seine letzten Kite Exkursion nach Cabo de Vela in Kolumbien, wohl dem windigsten Kite Platz der Karibik. „Nächste Mal fahre ich ohne Frau. Lieber mit ein paar Freunden.“ Ich grinse und denke mir meinen Teil. Schon Olly hat mir vor zwanzig Jahren auf Gomera gesagt: „Mit Frau nach Brasilien? Du gehst doch auch nicht mit einer Flasche Schnaps in die Kneipe.“ Nix ist 28 und schrecklich verliebt in seine holländische Freundin. Redet von Familie und Kinder. Ich grinse ihn an und sage? Nix.

Vielleicht schaffe ich es ja dieses Jahr noch nach Kolumbien. Ohne meine Frau, die MARLIN. Aber vorerst einmal stelle ich meinen MacBook um sechs auf den Salontisch und fange meine Büroarbeit an. Bis neun, meist zehn ist Office Time. Tobias ist umgezogen nach Kiel und arbeitet jetzt von Zuhause. Heutzutage ist es eigentlich egal, wo man arbeitet. Wie man arbeitet, ist viel wichtiger. Wie man sich beim Arbeiten fühlt ist fast am wichtigsten. Mir macht es Spass mit Tobias zu arbeiten und ich fühl mich gut, wenn ich meine ToDo Listen habe und langsam vorwärts komme. Auf der MARLIN geht es mir gut. Hier finde ich endlich wieder Zeit meinen Blog zuerst zu schreiben, mir Mut zusammenzuschreiben für das was ich da tue.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Rückkehr auf die MARLIN

{Time:16:20:00}
{Date:20190810}
{Position:54°46.8389’N, 009°26.2290’E}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Flensburg} 
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:18°C}
{TempWater:18°}
{Wind:20kn/SW}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190810}
{Title:Rückkehr auf die MARLIN}

Happy Family

Auch mein Familienurlaub in Deutschland hat ein Ende. Das Ende ist heute. Schön war es. Finden wir alle vier. Ich schaue aus dem Fenster des Flixbusses. Irgendwann morgen früh um 3 Uhr werde ich Amsterdam erreichen und dort meinen Flieger nach Curacao nehmen. Ich schaue nach vorne. Ich vermisse mein großes rotes Baby schon sehr. Ich freue mich auf die nächste CREW57. Freue mich auf meine Mitsegler Nike, Manuela und Andre. Freue mich auf den stetigen täglichen Wind zum Kiten und schlussendlich auf die Roques und meine Freunde dort. Meine Gedanken schweben in die Ferne über die Felder. Deutschland kann so schön grün sein im August, die Felder, die Wälder. Ich speichere die Zeit mit meinen Kindern, meiner Familie, im Kopf ab. Es wird gar nicht lange dauern und ich werde wieder nach Deutschland zurückkommen. Ich konnte nicht alles erledigen, was immer noch auf meiner Agenda steht. Ich bin dabei meinen sogenannten Lebensmittelpunkt auf mein rotes Riesenbaby zu verlege
n und trenne mich zumindest von meiner Wohnung und meinen Büroräumen in Flensburg. Rückkehr zum Meer als ein Traum.

Drei Sätze über eine Entscheidung mit der ich seit Wochen in der Jackentasche herumlaufe. Kopfkino, Grundsatzgedanken, Zweifel und Neuorientierung. Ja. Ich habe einen Plan, auch wenn ich mir selbst ziemlich planlos erscheine. Es muss etwas neues passieren in meinem Leben. Ich muss Platz schaffen dafür, in meinem Kopf. Ist der Kopf voll mit Alltag, ist kein Platz für neue Kreativität. Aufatmen, tief durchatmen und auf den Horizont schauen. Welcher Platz ist besser dafür geeignet als auf der MARLIN.


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Rückschritte

{Time:22:00:00}
{Date:20190801}
{Position:56°00.4221’N, 008°07.6355’E}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Hvide Sande Dänemark}
{Target:Curacao}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
{Wind:5kn/W}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190801}
{Title:Rückschritte}

Noch Meer Urlaub

Meine Tage auf Heimaturlaub sind gezählt. Wie immer in Deutschland vergeht mir doch schnell die Lust zum Bloggen. Bloggen ohne Schiff im Büro? Worüber? Über die Arbeit im Büro? Aber ein paar Tage mit der gesamten Familie in Dänemark, sind wahrlich einen Eintrag wert. Bei dem Foto wird einem doch warm ums Herz. Wie in alten Zeiten, sind wir mal gemeinsam unterwegs. Diesmal gar nicht so weit weg. In Dänemark. In Hvide Sande, ein wirklich schöner Streifen Sand am Meer und mit einem seichten Fjord auf der anderen Seite. Da hat Nathalie einfach ein solides Zimmer in der Wanderherberge gebucht und ohne viel zu fragen, ohne Diskussion, packen wir die Taschen und die Volvo Schleuder voll. Klar kommt das Kite Gerödel auch mit. Könnte ja doch mal Wind geben. Weiß man ja nie so genau, auch wenn die Prognose mehr auf No-Wind steht für die geplante Woche, die wir im schönen Dänemark verbringen werden.

Von dem gigantischen Regen der ganz Flensburg unter Wasser setzt zu Beginn der Reise lassen wir uns nicht abschrecken. Die Herberge beinhaltet ein Hallenbad mit Sauna, dass ich schnell mal ein bisschen Karibik einspielen kann als mir die Finger abfrieren. Wir erwischen ein paar luftige, strahlend blaue Himmelslöcher im Regen. Meine Eltern sind zwei Jahrzehnte mit mir und meiner Schwester nach Dänemark in den Urlaub gefahren und da kommen alte Erinnerungen auf. Schade, dass das Leben irgendwann ein Ende hat. Hier in den Dünen vermisse ich meine verstorbenen Eltern doch sehr. Meine Gedanken wandern zurück in meine Jugend und ich geniesse jede Minute mit meinen eigenen Kindern.

Währenddessen wartet MARLIN in Curacao brav in der Marina auf meine Rückreise und den Törn mit Nike gegen den Wind wieder zu den Los Roques. Jeden Tag telefoniere ich mit interessierten Mitseglern. Es gibt mehr Anwärter als wir Plätze auf der MARLIN haben. Aber passen muss es auch. Ich bin vorsichtig geworden. Nach den enttäuschenden Erlebnissen mit Mitseglern Lena und Andreas auf der letzten Atlantiküberquerung Anfang des Jahres. Die Reisen mit der MARLIN sollen immer ein Erfolg für alle Mitsegler sein. Endlich sind wir nun zu viert. Nike, ich, Manuela und Andre. Zwei mögliche Plätze sind noch frei. Ich bin gespannt ob sich da noch was tut. Der Schlag gegen den Wind führt zu den schönsten Zielen der Karibik, hat es aber auch in sich.


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Ein neuer Kitestar steht am Strand von Ringkøbing

{Time:22:00:00}
{Date:20190721}
{Position:54°47.4407’N, 009°25.7635’E}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Flensburg} 
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:20°C}
{TempWater:18°}
{Wind:8kn/VAR}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190721}
{Title:Ein neuer Kitestar steht am Strand von Ringkøbing}

Urlaub mit Lena

Ringkøbing. Dänemark. Wollte ich schon immer mal hin. Vor allen Dingen an den Fjord zum Kiten. Lena ist mit Papa alleine auf Kite-Expedition. Bei Hivde Sande gibt es ein paar Kite Spots. Der Fjord ist dicht umwachsen von dichtem Schilf. Commerz. Die Firma Westwind hat alles fest im Griff. Parkplatzgebühr. Surfbeach. Kite- und Surfschule. Trubel. Die Kitespots sind winzig. Klar. Ich bin verwöhnt. Aber wir sind jetzt eben nicht in der Karibik mit der MARLIN unterwegs. Kiten in Deutschland ist etwas ganz anderes. Das ist durchorganisierter Volkssport. Grimmig dreinschauend finden wir einen öffentlichen Spot ganz im Norden. Den Kloster Surf Spot. Hier ist es schon recht voll an einem Tag mit mäßigem Wind. Lena und ich machen das beste draus. Lena hat ihren 6er Flysurfer Kite mit. Ich hab bisher nur assistiert als Calle auf der MARLIN seinen 16er Flysurfer in den Himmel gezogen hat. Hunderte von Leinen lassen mein Stirn krauseln. Lene schaut mich komplett vertrauensvoll
an. Hilfesuchend schaue ich um mich und da liegt doch einer. „Wem gehört der Flysurfer dort?“ „Das ist meiner!“ „Kannst Du uns vielleicht kurz mal helfen. Lena hat den noch nie geflogen.“ Annika hilft uns bei Leinentüddeln und erklärt Lena und mir wie der Kite gestartet wird. Dauert ja erst einmal. Beim nächsten Mal können wir das selber. Der Spot ist für Lena prima. Kilometerweit flaches Wasser und leichter Sideshore Wind. Was will man mehr. Der junge Star mit unter 45 kg ist sichtlich begabt und nach einigen Erklärungen und Übungen bewegt Lena den Kite durch alle Wind Zonen, legt den Flysurfer auf Wasser und startet auch wieder. Alles mit mir als Sicherung hinter ihr. Sie versucht sich beim Bodydrag. Für heute sollte das reichen. Lenas Augen glänzen. Sie ist angefixt. „Morgen stelle ich mich aufs Board.“ „Hmm. Wenn alles andere klappt. Ja“, grinse ich.

Parallel gehen die Planungen schon in Richtung Zukunft. Die Response auf den Törn mit Nike. 25.8.19 – 8.9.19 ab Curacao bis zu den Roques und zurück ist leider nicht besonders frequentiert. Wir haben noch drei Plätze frei und ab heute gilt der Last Minute Preis für Kurzentschlossene. 1950,- Das ist der echte Hammer. Flüge gehen jeden Tag ab Amsterdam. Wer noch das ultimative Segelabenteuer sucht, hat es jetzt gefunden. Einfach mich per mail anschreiben.


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Deutschland ohne Heimatgefühle

{Time:22:00:00}
{Date:20190717}
{Position:54°47.4407’N, 009°25.7635’E}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Flensburg}
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:20°C}
{TempWater:18°}
{Wind:8kn/VAR}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190717}
{Title:Deutschland ohne Heimatgefühle}

Summertime. Detlef und ich.

Angekommen in Deutschland klar es auf und die Sonne scheint. Wenn in Flensburg die Sonne scheint ist es schön. Selten genug. Ja, ich geniesse sogar die frischen Temperaturen nach der Dauersauna auf Curacao. In meinem Koffer sind zwei Jeans, ein paar T-Shirts und die notwendigsten Utensilien. Ansonsten. Meine alten Kites von der MARLIN. Das erste was ich mir besorge ist ein gebrauchtes Kiteboard. Ein Blick auf Windguru allerdings lässt mich enttäuscht dreinschauen. Kein Kitewind in Sicht. Ich drehe am Zündschlüssel der BMW. Negativ. Batterie nicht abgeklemmt und die ist leer. Hmm! Ladegerät dran und schon ziehe ich meine Runden durch Flensburg. Tief durchatmen. Na wenigstens das passt. Dann freue ich mich auf den Sommer und entspanne mich.

Im Hafen versuche ich die HOLLANDIA zu finden. Freund Detlef hat das Plattbodenschiff mit Gastronomie an Bord in den Flensburger Hafen gebracht. Hmm. Da wo sie sein soll ist sie nicht. Kurzerhand keye ich Detlef an und schon sitzen wir am Kritz in der Sonne. Wir spielen das Wer, Wann, Wo und Was Spiel. Segelaffinitäre Charaktere wie Detlef und ich haben da schon ein paar Sachen gemeinsam und auszutauschen. Morgen soll die HOLLANDIA wieder an ihrem Platz sein und wir werden uns wiedersehen. Detlef verspricht besseren Wein als im Kritz aufzutischen. Ich bin gespannt. Ein Restaurant auf einem Schiff, dass passte auch schon immer in meine Traumwelt der pensionslosen Zeitgestaltung Ü50. Wird mich bestimmt ambitionieren.


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Back into normal life

{Time:22:00:00}
{Date:20190710}
{Position:12°04.3415’N, 068°50.5781’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Curaçao}
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
{Wind:7kn/E}
{Wave:0,0m}
{Vimeo:}
{Photo:20190710}
{Title:Back into normal life}

Verlegt. Verholt. Verbunden.

Meine letzten Stunden in Curacao verbringen wir am Pool des Santa Barbara Resorts. Seit 2016 darf man sein Schiff nicht mehr einfach in der Lagune von Spanish Waters parken und nach Hause fliegen. Macht man das und kommt wieder, kann es sein, dass das Schiff beim Zoll an der Kette liegt und man man erst einmal die Importsteuer bezahlen muss, um es wieder zu bekommen. Die Marina Curacao und die Marina im St. Barbara Ressort sind sogenannte zollfreie Verwahrungs Zonen. Dort muss man natürlich die Marinagebühren zahlen. Ich kommentiere das nun mal nicht weiter und ich hinterfrage auch nichts, ich beiße die Zähne zusammen und rede mir ein, dass es ja auch viel besser ist, wenn die MARLIN in der schicken Marina liegt.

Mit meinen beiden Teenies, also speziell mit Maya, muss ich zur Mittagszeit rückwärts an den Steg anlegen. Wer die MARLIN kennt, weiß, dass das nicht geht. Drei oder vier Versuche braucht sogar Skipper Micha, um das Heck so nah an den Steg zu bekommen, dass Maya überspringen kann und eine Heckleine festmachen kann. Die Mitarbeiter der Marina haben grade Mittagspause. Ein ganzer Tag geht bei dem ganzen Gerödel flöten. Ohne Mietwagen ist man am Arsch der Welt und statt dem stetigen Wind am Ankerplatz gibt es die Mücken der Mangroven. Passt. „Micha, wir haben neuerdings Ameisen an Bord“, war eine Neuigkeit, als Skipper Jan mir die MARLIN in Antigua übergeben hat. „Große, gelbe Ameisen die beißen und nur nachts rauskommen.“ zu den ganzen anderen Botschaften, man erinnert sich an die Probleme mit Jans verschwundener Crew, hatte ich das Problem Ameisen ignoriert. Meine Teenies weisen häßliche Stiche auf. Hmm. Da googelt man. Fündig wurde ich dann im lokalen Supermarkt. Zwei grüne Plastikdosen. Ameisenhotels sozusagen, so wie man diese von den helfenden! Kakerlakenhotels kennt, erstehe ich für fast 15 Euro. „Wucher“, denke ich mir. Eine der Gift-Dosen steht in der Küche, da wo die Ameisen nachts immer lang laufen. Die Teenies schieben die Dose direkt vor die nächste Ameise, die krabbelt da rein und wieder raus, nimmt das Gift mit zum Nest. Seit dem habe ich keines der netten Tiere mehr gesehen. Alles klar? Das war jetzt mal positiv!

Die Poolbenutzung in St. Barbara Ressort ist nicht im Preis der Marina enthalten, aber wenn man ein Getränk an der Bar bestellt wird man geduldet. „Papa. Pro Person zahlt man hier ab 150 Euro die Nacht für ein Zimmer.“ „Haste schon wieder gegoogelt?“ „Klar.“ Ich trinke die schlechteste und teuerste Pina Colada meines Lebens. Die Teenies springen in den Pool. Abends darf ich, laut Einschätzung der Sicherheitsbeauftragten Maya alleine in die Stadt. Oha. In Curacao gibt es kein Alkoholverbot am Steuer. Wer betrunken einen Unfall baut ist schuld. Ich werde mich zurückhalten. Ein neues iPhone brauche ich auch nicht.

Am nächsten Tag machen wir die MARLIN dann sauber und fit um sie einen Monat alleine zu lassen. Das dauert immer.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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Underwater Life

{Time:22:00:00}
{Date:20190708}
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Alles hat eine Ende. Nur auf der MARLIN gibt es keins.

Auch wenn sich alles immer nur schön anhört, so ist es auch durchwachsen. Das ist normal. Heute ist der letzte Tag auf der Insel. Die Zivilisation ruft. Na ja. Uns gehen die Vorräte aus. Ich dachte wir hätten noch mehr Mehl an Bord um Brot zu backen. Merke auch, dass die noch so erwachsenen Teenies, ein bisschen Heimweh und Kommunikationsbedarf mit Zuhause haben. Emailschreiben in den Zeiten von WhatsApp und Instagram ist uncool. Das sehe ich ein. Ich bin ja auch oldschool. Ich packe die beiden ins Dinghy und wir fahren ans nördliche Ende der Insel. Hier kommen ab und an mal ein paar Taucher vorbei. Am Strand steht ein verlassenes Holzkreuz auf einem Hügel aus Korallenschutt. Ich unterlasse mal Maya darauf hinzuweisen. Sie würde sofort zur MARLIN zurück fahren wollen. Unsere Sicherheitsbeauftragte. Maya hat jetzt immer eine wasserdichte Umhängetasche dabei mit VHF und Telefon und eine Flasche Wasser ist auch im Dinghy. Man weiß ja nie. Ich möchte mal wissen, was
in Mayas Kopf vorgeht.

Mithin entstehen wieder hunderte von Unterwasserfotos mit der alten GOPro 3. Nicht grade dass neueste Modell. Nun. Mir reicht die Kamera, den Teenies auch. Eine Serena ChiChi haben wir auch dabei für UW Aufnahmen. Das gestaltet sich schwerer als gedacht. „Wofür hast Du das ganze Blei um die Hüfte?“ Damit gehst Du doch unter und kommst nicht mehr hoch.“ Maya schaut mich entsetzt an. „Damit ich besser fotografieren kann. Mach Dir mal keine Sorgen.“

Nach einem Fenja Wunschmenü, einer ordentlichen Siesta, geht es wieder an den Strand. Ein letztes Mal. Ich auf dem Kite-Board streite mich mit dem böigen Wind. Fenja mag es wenn ich kiten gehe, dann hat sie Maya ganz für sich alleine. Manchmal kommt sie sich etwas deplatziert vor, wenn Vater Tochter zusammen an einem Strang ziehen. Nicht immer einfach und man merkt dass sie ihre Eltern vermisst, wenn sie Maya mit mir sieht, auch wenn sie es so nicht sagt. Leider reicht der Wind nicht wirklich um richtig Spass zu haben mit dem 15er Kite. Es ist mehr Kampf und Krampf. Mir fehlt ein auch ein Kite Buddy. Zu zweit oder mit anderen kiten macht einfach mehr Spass als alleine. Mit einem anderen Kiter als Mitsegler oder in der Umgebung ist es schon besser. Und so packe ich ein, im Bewusstsein, dass es Zeit ist zurückzusegeln.

Die Dushi-Teenies helfen mir tatkräftig mit das Beiboot vom schweren Aussenborder zu befreien, diesen an Bord zu befestigen. Maya macht das so gut, trotz meterhoher Welle und Schaukeln der MARLIN, dass ich sie ernsthaft loben muss. Auch das Beiboot ist schwupps auf dem Vordeck verstaut und verspannt. „Den Rest machen wir morgen früh. Zur Belohnung gibt es bald wieder Internet.“ Da leuchten die Augen meiner jüngsten Crew ever. Fenja Papa wird morgen fünfzig Jahre alt und sie macht sich schon Sorgen. „Du kannst ihn direkt nach dem Aufstehen über Satellit anrufen.“ Fenjas Augen strahlen.


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Weekend at Little Curacao

{Time:22:00:00}
{Date:20190707}
{Position:11°59.2130’N, 068°38.7905’W}
{Direction/Speed:-°/ -kn}
{Place:Curaçao} 
{Target:Los Roques}
{Temp Air/Pressure:30°C}
{TempWater:28°}
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{Vimeo:}
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{Title:Weekend at Little Curacao}

Entschleunigung

Ich könnte mir fast schon ein Buch nehmen. Wenn es soweit kommt, ist das ein deutliches Zeichen für Wnuk’sche Entschleunigung. Die Teenies haben damit überhaupt kein Problem. So langsam vermissen sie das Internet ab und an. Ich weniger, meine Iridium GO! Verbindung für emails und Wetter reicht mir vollkommen aus. Am Tag gehen wir an diesen wunderschönen Strand, treffen dort unsere Freunde von der LASAVO. Ich drücke Thomas einen Übungskite in die Hand. „Das ist eine gute Vorbereitung auf den Kite Kurs den Du nächste Woche machen willst“, grinse ich ihn an und zeige ihm die Grundzüge des Fliegens. Ich sehe mich nicht als Kite Lehrer, will lieber selbst kiten gehen. Mit dem 2qm Kissen kann er nicht viel falsch machen, direkt am ablandigen Strand. Ich selbst habe heute einen schlechten Tag auf dem Bord. Ich erwischen ein Windflautenphase und der Kite zieht mich nicht mehr aufs Brett. Dumm bei ablandigem Wind. Der Kite fliegt aber noch und ich kann mich mit einem
Borddrag ein paar hundert Meter weiter weg selbst retten. Mir reicht es für heute, auch wenn der Wind am Nachmittag wieder auffrischt.

Meine Dushi-Teenies fliegen auch – zwischen Kind sein und Erwachsen werden. In einem Moment spielen sie beherzt im Wasser wie Kinder und im anderen Moment verschwinden sie kichernd für Stunden im Bad. Was sie da machen? Keine Ahnung. Es gestaltet sich etwas schwer für Fenja zu kochen. Ich erkläre ihr, dass ich ihre Vorstellungen von Essen nicht erraten kann, sondern, dass sie schon sagen muss was sie sich vorstellt und mag. Das sie keine Lust auf kulinarische Abenteuer hat ist mir zwischenzeitlich schon klar geworden. Maya zeigt sich wieder mal erwachsen und vermittelt, so dass es nicht zu Frust kommt, nicht bei ihrer Freundin und nicht beim Koch. Gut macht Maya das. Wenn alle Gäste auf der MARLIN im Schiffsalltag so einfach zu händeln wären, wäre mein Leben einfacher.

Nachts ist Klein Curacao sehr einsam. Ausser der MARLIN und der LASAVO verlassen alle Schiffe die Insel. Es verbleiben je ein Wächter der MARMID und des anderen Resorts, die auf die Behausungen aufpassen, die tagsüber mit Touristen gefüllt sind. Wir besuchen Hannes, der inmitten von hunderten Einsiedlerkrebsen wohnt, die sich wie immer auf solchen Inseln um die Küche konzentrieren. Hannes ist ein junger Kerl, der die sich mit seinem Kollegen die Woche teilt. Er hat ein LAN Kabel an dem Internet rauskommt. Eine Parabolantenne am Aussichtsturm ist mit dem Haus des MARMID Besitzers verbunden. Die Videoüberwachung des Geländes läuft darüber. Hannes deutet Kooperationswillen an. Ich aber widerstehe der Versuchung zu fragen ob wir die nicht mal anzapfen dürfen. „Nein. Micha. Lass das mal. Noch ist diese Island so schön, weil es keinen Hotspot gibt. Das mußt Du jetzt nicht ändern“, geht mir durch den Kopf.

Thomas kommt am Strand vorbei und hat ein paar Kratzer auf dem Schienenbein. „Was hast Du den gemacht?“ „Och. Ich habe mit dem Übungskite meine ersten Sprünge versucht.“ „Der Festhaltereflex. Statt die Bar loszulassen, hält der Anfänger sich daran fest und wird über über den Strand gezogen. Ist mir am Anfang auch öfters passiert.“ Na ja. Viel ist nicht passiert. Alles gut. Gehört eben dazu, auf dem Weg ein Kiter zu werden. Vor allen Dingen, wenn man meint, dass das alles ganz einfach sei.


Mitsegeln auf der MARLIN!

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