Archiv der Kategorie: Brambusch macht blau

Baden, Bier und ein Bär

Am Ende waren es nicht einmal 24 Stunden. Jens, ein Freund und Ex-Kollege aus Berlin, setzte sich für 8 Stunden in den Bus, um von Antalya nach Kaş und wieder zurück zu fahren, um mich dann für 18 Stunden auf der Dilly-Dally zu besuchen. Wenig Zeit mit viel Abwechslung. Zusammen mit meinem Vater, dessen Aufenthalt hier in die letzten Tage ging, segelten wir von der Marina die Bucht gegenüber von Kaş, ankerten und badeten. Naja, zumindest Jens. Also nicht ich, sondern der andere Jens. Abends machten wir dann im Stadthafen neben unseren australischen Freunden Aannscha und Barry von der AB Sea fest. Im Restaurant vis-a-vis zur Dilly-Dally ließen wir uns einen Zackenbarsch schmecken und nach einem kleinen Rundgang durch den immer noch leeren Ort, die Saison startet erst in ein paar Wochen, klang der Abend mit ein paar Bieren in einer kleinen Bar aus. Na gut, es gab auch noch eine Einschlafhilfe in Form von etwas Scotch an Bord. Zu noch späterer Stunde müssen dann irgendwann nebenan unserer Aussie-Nachbarn an Bord gekrochen sein. 

Am nächsten Morgen streunte ein etwas verwirrter Barry über sein Schiff, auf der Suche nach seiner Jeans. Auch wenn er nicht mehr wusste, wie und wann er an Bord gekommen war, war er sich aber ziemlich sicher, dass er seine Hose noch angehabt haben musste. Aber was ist schon eine Jeans, wenn man ein schmuckes Bären-Outfit auf seinem Schiff hat. Nachdem die Restaurantbesitzer vom Vorabend uns noch Tee an Bord gebracht hatten, Jens zum Busbahnhof aufgebrochen war, segelten mein Vater und ich wieder zurück zur Marina. Mit an Bord: Barry, der Bär, den wir kurz vor der Marina an Bord von Jim für einen kleinen Daytrip übergaben. Warum er das Bärenkostüm immer noch anhatte? Ich habe keine Ahnung. Ein fast ganz normaler Tag….

Einmal Streichen, bitte!

„Urban gardening“ war gestern. Neu im Trend: „Maritime gardening“. Nach drei Jahren im Wasser kam die Dilly-Dally jetzt erstmals an Land. Für mich die erste Gelegenheit nach dem Kauf im September 2018, das Unterwasserschiff genauer unter die Lupe zu nehmen. Bislang hatte ich das nur schwimmend und schnorchelnd tun können. Da schien alles okay. Aber viel konnte ich ohnehin nicht sehen, außer einem wunderbar gepflegten Rasen, auf den jeder britische Greenkeeper neidisch gewesen wäre. Von daher war ich schon etwas nervös, was mich „da unten“ erwarten würde.  Da ich so schnell wie möglich die Dilly-Dally wieder ins Wasser bringen wollte, und zudem die wenigen Landliegeplätze in Kaş stark frequentiert sind, wollte ich mir nur eine Woche Zeit gönnen, um alle notwendigen Arbeiten am Unterwasserschiff zu erledigen. Samstag morgen auskranen, Samstag darauf wieder einkranen. Das war der Plan. Sportlich, aber machbar. Mit der Hilfe meines Vaters, der derzeit zu Besuch ist, müsste das hoffentlich klappen. Doch dann wurde die Zeit immer knapper. Aus organisatorischen Gründen sollte die Dilly-Dally bereits wieder am Freitag ins Wasser gebracht werden. Der erste Tag – verflogen. Auch das Auskranen verzögerte sich um einige Stunden, da direkt vor uns eine große Gulet mit etwas Verspätung aus dem Wasser gehoben wurde. Und dann dauerte das Abstrahlen des Rumpfes noch ein paar Stündchen. Dazwischen die Mittagspause. Der nächste halbe Tag: weg! Immerhin nutzte mein Vater die Gelegenheit, mit dem Scooter ein paar Runden im Hafen zu drehen. Das letzte Mal saß er vor einem halben Jahrhundert auf einem Roller. Wäre er mal nicht so schnell gefahren. Denn gleich am nächsten Tag überfiel ihn eine hartnäckige Erkältung und knockte ihn ziemlich aus. Zwar schnaufte er wie eine alte Dampflok jeden  Tag fleißig zum Hafen (wir haben uns für die Zeit der Arbeiten ein Apartment im Ort genommen), doch als fürsorglicher Chef bestand ich darauf, dass mein persönlicher

Werftarbeiter schnell wieder ausstempelt und sich statt der Arbeit lieber dem Auskurieren widmet. Und so halbierte sich die Anzahl der helfenden Hände.

Am Montag Abend kontaktierte mich die Marina. Ob es möglich sei, dass die Dilly-Dally bereits am Freitag früh als erstes ins Wasser gehoben werden könnte? Mein Stellplatz würde für die nächste Yacht benötigt. Wieder ein Tag weniger. Langsam sah es düster aus. Vor allem beim Blick auf die Wettervorhersage. Die Prognose für den heutigen Mittwoch: Dauerregen, Gewitter und Sturmböen. Kein Wetter für neue Farbanstriche. Und ausnahmsweise sollte die Prognose einmal Recht behalten. 

Ob die Dilly-Dally rechtzeitig zum Kranen fertig sein wird? Der Stand der Arbeiten ist im Video zu sehen.

 

Kekova im März (Video)

Bevor die Dilly-Dally nach drei Jahren im Wasser für ein paar Tage an Land kommt, um einen neuen Unterwasseranstrich zu bekommen, segeln mein Vater und ich  nach Kekova, der versunkenen Stadt.  Eine absolut bezaubernde Gegend, besonders in der Vorsaison. Oben, in den Bergen, liegt noch Schnee. Am Meer ist schon Sommer.

Erste Ausfahrt mit neuen Segeln (Video)

Nach vier Wochen in Deutschland ist es toll, wieder auf der Dilly-Dally zu sein. Mein Vater begleitet mich für ein paar Tage. Ich hoffe, er will sich nicht dafür rächen, dass ich sein Boot als Jugendlicher ein paar Mal gecrasht habe. Heute haben wir die neuen Segel von Frog-Sails getestet. Es war ein Vergnügen. Auf dem kleinen Ausflug hat uns Jim Furness begleitet. Ein toller Tag mit viel Sonne und deutlich mehr Wind als angesagt. Laut Windvorhersage sollte es eigentlich Flaute sein und dafür regnen. Deutlich besser so.

Mein Praktikum als Segelmacher, Teil 2

Nach zwei Wochen ist es geschafft. Bin ich geschafft. Genua und Groß für die Dilly-Dally sind fertig, das Praktikum ist beendet. Jetzt sind es nur noch wenige Tage, dann bin wieder zurück in der Türkei. Ich freue mich schon auf den ersten Trip unter den neuen Segeln. Hoffentlich passen sie…

Hier geht es zum Text

Mein Praktikum, der Film, Teil 2

Und hier nun auch der zweite Teil der kleinen Video-Doku über meine Praktikum in der Segelmacherei. Ich habe viel gelernt, nicht alles konnte ich umsetzen. Aber fortan werde ich Segel ganz anders betrachten, als vor meinem Aufenthalt in Schleswig.

Mein Praktikum, der Film, Teil 1

Mein Praktikum als Segelmacher

Nicht gerade einfach, was ein Segelmacher alles können muss. Über meine Erfahrungen als Praktikant und darüber, wie es zu dem Praktikum kam, habe ich beim Float-Magazin geschrieben. Hier geht es zum ersten Teil. 

 

Nieten beim Nadeln streicheln

Der Praktikant, Teil 1

Der Grund, warum ich in Schleswig mit einem Staubsauger in der Hand über einen gigantischen Tisch auf Socken krieche, liegt ein paar Monate zurück.

 

Oktober 2018, irgendwo zwischen Kalkan und Kekova: Mit bis zu 40 Knoten zerrt der Westwind in der gerefften Genua, die Dilly-Dally tanzt auf den hohen Wellen, die sich über viele Meilen aufgebaut haben. Die Sonne lacht mit Kai-Uwe um die Wette. „Ist das geil“, sagt der Freund aus Norderney immer wieder. Der Strand von Kaputas fliegt vorbei, wir steuern auf Kastellorizo zu, die östlichste griechische Insel, in der Ferne klettern weiße Häuser die Straßen von Kas empor. Ein fantastischer Segeltag. Nur Sven kann ihn nicht wirklich genießen. Seine Augen kleben an der alten Genua, den spröden Nähten, dem flatternden UV-Schutz. Vor seinem inneren Auge sieht er das alte Tuch in Fetzen reißen, sich bei neun Windstärken die Reste bergen. „Du weisst schon, dass das alte Segel auch ein Sicherheitsrisiko ist“, mahnt er und vermiest ein bisschen die Euphorie. 

 

Kurz nachdem ich die Dilly-Dally in Marmaris gekauft hatte, waren Kai-Uwe Eilts und Sven Kraja mir nachgereist, um mit mir die Moody 425 von Marmaris nach Kas zu segeln. Ein Segen für mich. Die beiden sind nicht nur seit vielen Jahren sehr gute Freunde vom Strandsegeln, mit denen ich in einem umgebauten ehemaligen Linienbus (dem legendären Frogsail-Bus) zu mehreren Europa- und Weltmeisterschaften in England, Frankreich und Belgien gefahren bin. Sie sind auch vom Fach.

 

Erfahrene Segler, die auf der Norderneyer Werft Dübbel & Jesse gearbeitet haben. Zudem ist Sven Segelmacher in Schleswig. Mit seinen Frogsails stattet er nicht nur viele Yachten aus und hat an Projekten wie der „Bente“ mitgewirkt, auch vertrauen die besten Strandsegler der Welt auf seine innovativen Segel. Das beste Aushängeschild für die Klasse seiner Segel ist er selbst: Sven ist zigmaliger Deutscher Meister, seine Karriere krönte er mit dem Weltmeistertitel 2012. Das hat vor ihm (und auch nach ihm) noch kein deutscher Strandsegler geschafft.

 

Als wir in Marmaris lossegelten, graute mir ein bisschen vor dem Moment, in dem wir die Segel setzten – oder besser ausrollten. Das Rollgroß so bleich und faltig wie die Haut eines Hundertjährigen, das Profil so zusammengefallen wie die Wangen, wenn das Gebiss ein Kukidentbad im Glas auf dem Nachttisch nimmt. Nähte wie Narben. Und die Genua sah nicht viel anders aus. Svens Einschätzung kam nicht überraschend: „Du brauchst neue Segel.“ Mein Vorschlag, er könne mir ja welche bauen, stieß auf taube Ohren. „Hier gibt es doch überall Segelmacher. Die machen das doch sicherlich nicht schlecht. Und sind bestimmt billiger.“ Da die Segel der Dilly-Dally auch nicht gerade klein sind, würde seine ganze Segelmacherei unter dem markanten Wikingturm in Schleswig gelähmt sein.

 

Aber dann kam irgendwann der Abend, an dem wir noch mal eine alte Idee aufgriffen. Schon vor Monaten hatte ich Sven gefragt, ob ich nicht vielleicht mal eine Art Praktikum in seiner Segelmacherei machen könnte. Als Islamwissenschaftler und Journalist ist mein handwerkliches Geschick, vorsichtig ausgedrückt, ausbaufähig. Doch gerade wenn man auf einem Schiff lebt, kann es nicht schaden, Reparaturen jedweder Art selbst in Angriff zu nehmen – und überhaupt erst einmal ein grundsätzliches Verständnis für den Bootsbau zu bekommen. 

 

Als begeisterter Handwerker fand Sven die Idee gar nicht mal so schlecht, auch um zu zeigen,  wie kompliziert und aufwändig es ist, Segel zu fertigen. Keine Massenware, sondern individuell angefertigte Einzelstücke, abgestimmt auf Zweck, Revier und Portemonnaie. An diesem Abend kam nach ein paar Bieren die Idee auf, wenn ich denn ein Praktikum machen wolle, dann könnten wir ja auch gleich Segel für die Dilly-Dally bauen. 

 

 

Seitdem spukte der Gedanke in meinem Kopf umher, Sven hoffte wohl, ich würde ihn vergessen. Doch da hatte er sich getäuscht. Und so bestieg ich Ende Januar den Flieger, um mit 46 Jahren noch einmal ein Praktikum zu machen….. (to be continued)

 

Für die Handvoll Lira (Link)

Erst gestern erreichte mich wieder eine Mail:  “Kannst Du mir mal grob was über die Lebenshaltungskosten in der Türkei sagen?“, fragte ein Segler. Gestern Abend angefragt, heute morgen im float-magazin geliefert (Okay, das war Zufall). Hier der Versuch einer Antwort auf die Frage aller Fragen. Was kostet es auf einem Schiff zu leben?

 

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Eiszeit an Bord (Link & Bilder)

Es ist Mitte Januar. Der Winter ist da. Auch am Mittelmeer. Stürme und Regen wechseln sich mit sonnigen Tagen ab. Zeit für Reparaturen, Instandhaltungen und Bananenbrot backen. Wie es sich im Winter an Bord lebt, habe ich im Float-Magazin erzählt. Nicht alles ist eitel Sonnenschein.

 

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