Kategorie: Brambusch macht blau

Herbsttörn mit Hindernissen

Eigentlich wollten wir zu Arzums und Cingenes Geburtstag in Bozburun sein. Ja, die beiden haben wirklich am gleichen Tag Geburtstag. Aber erst kamen Termine
dazwischen, dann kräftiger Wind genau auf die Nase. Um die verlorene Zeit aufzuholen, starteten wir mit zwei langen Etappen um die 50 Seemeilen – entweder bei Flaute oder den Wind gegenan. Durch
einen Zufall konnten wir dann doch noch spontan Geburtstag in Bozburun feiern – wenn auch nicht Arzums. Über den Golf von Fethiye waren wir erst nach Bozukkale gesegelt, dann nach Bozburun,
Selimiye, Orhaniye und einige Buchten. Zum Zeitvertreib kreierten wir „Billionaire Bingo“ mit Megayachten. Eine Art Quartett in Real Time, denn diese Luxusdinger düsen an der türkischen Küste
reihenweise herum. Meist mit Flagge von den Cayman Islands. Merkwürdig. Selbst auf dem Rückweg machte uns der Wind einen Strich durch die Rechnung. Statt eines schönen Westwindes herrschte Flaute
oder aber Sturm. Doch das war nicht das Schlimmste. Mitten auf dem Meer zwischen der Türkei und Griechenland entdeckten wir ein gekentertes Flüchtlingsboot. Menschenleer. Nur noch ein
Schwimmflügel und ein T-Shirt klebten am Wrack. Nachdem wir die Küstenwache verständigt hatten, setzten wir die Reise fort. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. 


Ankersalat mit Wein und Käsekuchen

Wir haben es geahnt: Als am Abend in Bozburun eine Gulet ihren Anker quer durch das Feld der Ankerlieger legt, befürchten wir bereits, dass die Kette mindestens
einen anderen Anker unter sich begräbt. Zum Glück ist es nicht unser. Dass sich Helfen statt Gaffen auszahlt, beweist der „gefangene“ österreichische Kat-Kapitän, der sich mit einem Weingelage
und einem Abendessen bei uns revanchiert. Denn wie sich herausstellt, hat er an diesem Tag Geburtstag. Held des Tages ist aber unser Freund Burkhard, der sich sofort seine Tauchflasche
umschnallte, um dem Ankersalat auf den Grund zu gehen. Auch, wenn ihm am Ende die Luft ausging und wir professionelle Taucher rufen mussten.


Flüchtlingsboot gesichtet – was tun?

Irgendetwas schwimmt im Meer. Erst als wir den Kurs ändern und direkt darauf zu steuern, erkennen wir, dass es ein gekentertes Flüchtlingsboot ist. Ein roter
Schwimmflügel glänzt in der Sonne, ein schwarzes, nasses T-Shirt klebt noch an den Resten des Schlauchboots. Der Anblick ist schwer zu ertragen. Was sollen wir tun? 

 

Wie sich Skipper in einer solchen Situation verhalten sollen, habe ich. für das Floatmagazin aufgeschrieben. Hier geht es zum Text.

Neulich im Hafenkino

Das „Hafenkino“ hat seine Unschuld verloren. Schon immer wurde in Marinas geschaut,
getuschelt und natürlich auch ein bisschen gelästert. Aber trotzdem geholfen. Seit missglückte Manöver im Internet zur Klickhure avancieren, ist das Hafenkino zum hämischen Gaffertum verkommen.
Was heute zählt, sind Klicks statt Tipps. Besonders besserwissende Sofa-Kapitäne offenbaren ihre hässliche Fratze. Eine Abrechnung. 

 

Erschienen ist der Artikel bei Float. Hier geht es zum Text.

Bezauberndes Kekova

Für eine Woche sind wir nach Kekova gesegelt. Die versunkene Stadt mit ihren wundervollen Buchten und geschützten Ankerplätzen ist ein Paradies für Segler. Zumindest solange, bis eine Megayacht
samt Helikopter neben dir auftaucht. Ehrlich, wir sind kein Stück neidisch. Wir machen uns auch bestimmt nicht lustig über den Pott. Und dann ist da noch der US-Sänger Gregory Porter, der
neidisch auf Bordhund Cingene ist.


Neue Wanten für die Dilly-Dally

Dieses mulmige Gefühl segelte immer mit. Zumindest unterschwellig. An
windarmen Tagen schien es fast verschwunden, aber wenn der Wind das Mittelmeer aufwühlte, war es wieder da. Stärker als zuvor. Ich weiß, wie alt das Boot ist. Ich habe aber keine Ahnung, wann die Wanten und Stage, die dem Mast Halt geben,
das letzte Mal erneuert wurden. Ich befürchte, sie sind der gleiche Jahrgang wie das Boot. „Kann der Mast eigentlich umkippen“, fragte mal eine Freundin, die zu Besuch an Bord war, mitten auf dem
Meer. Das Land am Horizont war klein und die Sorge in ihren Augen groß. Also sagte ich voller Inbrunst: „Nein!!!“ Dabei waren die Ausrufezeichen Fragezeichen. Ich selbst hatte mich das schon oft
gefragt.

 

Zugegeben, ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Fahrtenyacht gesehen zu haben, die ihren Mast verloren hat. Aber ich kenne die Horrorgeschichten und die
Bilder. Eine Yacht, enthauptet mitten auf dem Meer, ist so ziemlich das Schlimmste, was ein Segler sich vorstellen kann. Beim Strandsegeln hatte ich mehrmals das Vergnügen. Natürlich sind da die
Begebenheiten anders, die Stöße härter und zum aggressiven UV-Licht und Salz kommt noch Sand dazu. Nicht die beste Mischung für verschleißanfällige Materialien.

Hier geht es zum ganzen Artikel, den ich für das float geschrieben habe.

Seglerparade zum „Tag des Sieges“ – muss das sein?

Das moderne Säbelrasseln klingt nach Hubschrauberlärm und riecht nach Dieselgenerator. Schon als ich Anfang der 90er Jahre das erste Mal nach Kaş  kam, lag vor
dem Ort ein türkisches Kriegsschiff. Das graue Ungetüm aus schwerem Stahl röchelte den ganzen lieben langen Tag an einer Boje vor sich hin. Vis-a-vis, nur wenige Kilometer entfernt, das gleiche
Bild. Nur mit einem kleinen feinen Unterschied in weiß-blau. Statt der roten Fahne mit dem weißen Halbmond wehte am Heck die Flagge Griechenlands. Heute, knapp 30 Jahre später, hat sich an der
Situation zwischen den ungleichen Nato-Partnern wenig geändert. Oder besser gesagt: Sie ist noch schlimmer geworden. Manchmal patrouillieren gleich mehrere Kriegsschiffe an der imaginären
Seegrenze wie Wachhunde hinter einem Zaun und werfen jeweils der Gegenseite lautstark über Kanal 16 Grenzverletzungen vor. Ein gängiges Ritual mit zunehmend aggressiverem Tonfall.

 

Seit vor wenigen Wochen das türkische Forschungsschiff „Oruc Reis“, begleitet von einer Armada türkischer Kriegsschiffe und dem Aufschrei Griechenlands und einiger
EU-Staaten zu weiteren Erdgas-Probebohrungen im östlichen Mittelmeer aufbrach, rasseln die Säbel so laut wie seit 30 Jahren nicht mehr. Damals standen die beiden zerstrittenen Nachbarn kurz vor
einem Krieg, entfacht im Streit um zwei unbewohnte Inseln in der Ägäis. Was die Politik nicht in der Lage war zu stemmen, schafften zwei Naturkatastrophen. Als im August 1999 ein Erdbeben der
Stärke 7,6 die Nordtürkei und die Region Istanbul erschütterte, starben 18.373 Menschen, mehr als 50.000 wurden verletzt. Aus der ganze Welt eilten Helfer in die Türkei, auch aus Griechenland.
Als wenige Wochen später die Erde bei Athen bebte, waren es wiederum die Türken, die sofort Hilfe leisteten. Aber die Jahre der Annäherung scheinen nun endgültig vorbei. 

 

Die Absurdität des türkisch-griechischen Verhältnisses ist in Kaş auf einen Mikrokosmos zusammengeschrumpft. Die östlichste griechische Insel, Kastelorizo (von den
Türken Meis genannt), liegt so nah, dass man hinüberschwimmen kann. Und in der Tat tun das einige. Einmal im Jahr, also in normalen Jahren, findet ein Schwimmwettbewerb mit hunderten Teilnehmern
statt. Von der griechischen Insel ans türkische Festland. Griechen wie Türken und andere Nationalitäten nehmen daran teil. Im Wasser sind alle gleich, alle vereint.

 

Täglich pendeln Fähren, bringen türkische Touristen nach Griechenland, die einen Tag an den herrlichen Stränden der Insel verbringen, in den Tavernen Gyros essen
und Ouzo trinken. Über die Jahre haben sich herzliche Freundschaften entwickelt, Ehen wurden grenzübergreifend geschlossen, der türkische Ort versorgt die wenigen hundert Einwohner der
griechischen Insel mit Lebensmitteln, liefert beispielsweise frisches Obst und Gemüse. In normalen Zeiten. 

 

Aber die scheinen derzeit weit weg. Corona hat dem Tourismus in beiden Ländern stark zugesetzt, die türkische Währung, die Lira, befindet sich seit Monaten auf
einer Talfahrt, die steiler ist als die legendäre Streif bei Kitzbühel. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, Corona ist nur einer. Um die Wirtschaft und das Wahlvolk zu beruhigen, bräuchte es
großartige Erfolge. Wie beispielsweise die Erschließung von gigantischen Erdgasfeldern unter dem Mittelmeer, die die Türkei unabhängig von Importen machte. Derzeit muss das Land seinen Bedarf zu
98 Prozent aus dem Ausland decken. Dumm nur, dass die Mittelmeeranrainer unterschiedlicher Auffassung sind, wem das Territorium am Meeresgrund, reich an Ressourcen, gehört. Und so wird
aufgerüstet. Abschreckung statt Absprache, Waffen statt Worte. Ein Trauerspiel. Hüben wie drüben. 

 

Und nicht nur Ausländer sehen das so. Viele Türken und Griechen können dem Muskelgeprotze auf dem Meer nichts abgewinnen. Alles, was sie wollen, ist Stabilität und
Frieden in der Region, die beste Ressource für den Tourismus, von dem so viele Menschen an der Küste leben. 

 

Vor wenigen Tagen kreisten stundenlang schwer munitionierte Kampfhubschrauber im Tiefflug über der Marina, gut sichtbar vom gegenüberlegenden Meis. Die meisten
Türken in der Marina standen kopfschüttelnd auf den Stegen ob der Provokation gegenüber dem Nachbarn. 


Um so überraschter war ich gestern, als ich hörte, dass an diesem 30. August eine Parade von Seglern und Motorbootfahrern stattfinden soll. Der 30. August ist in
der Türkei ein besonderer Tag, ein Feiertag – der „Tag des Sieges“, auf Türkisch „Zafer Bayramı“. An diesem Tag gedenken die Türken dem Sieg über die griechischen Streitkräfte in der Schlacht von
Dumlupinar im Jahr 1922. Mein erster Impuls: Wie kann man denn in Zeiten, in denen unverhohlen von Krieg gesprochen wird, an einer Parade teilnehmen, die den militärischen Sieg über denselben
Gegner zelebriert, mit dem man auch heute Stirn an Stirn wegen territorialer Ansprüche steht?

 

Die Empörung, die auch Segler aus anderen Ländern teilten, liegt nahe, doch wie so oft ist kurz gedacht eben falsch gedacht. In das Schwarz-Weiß-Schubladendenken
dieser Tage passt die sofortige Entrüstung aber gut. Wie meine türkischen Freunde mich aber belehrten, ist der 30. August, der„Tag des Sieges“, vielmehr der Tag der Befreiung. Denn in Folge des
Sieges bei Dumlupinar gelang es nunmehr vor fast 100 Jahren dem Oberbefehlshaber Kemal Atatürk, Izmir von den Griechen zu befreien. Viele der Griechen in Kleinasien flohen, wurden vertrieben oder
verließen später im Rahmen des Bevölkerungsaustausches das Land. 

 

Ein gutes Jahr später, am 29. Oktober 1923, rief Atatürk die Türkische Republik aus. In einem symbolischen Akt der Abkehr vom Osmanischen Reich mit seinem Sultanat
und Kalifat verlegte Atatürk den Regierungssitz von Istanbul nach Ankara und führte tiefgreifende Reformen im politischen und gesellschaftlichen System durch, die die Türkei in einen modernen,
säkularen und an Europa orientierten Staat verwandeln sollten.

 

Atatürk setzte eine neue Verfassung in Kraft, durch die unter anderem die religiösen Gerichte abgeschafft wurden. Im Laufe seiner Regentschaft wurde der Schleier
verboten, die islamische Zeitrechnung durch den gregorianischen Kalender ersetzt, das Rechtssystem aus europäischen Ländern übernommen und den türkischen Verhältnissen angepasst. Die Türkei
orientierte sich dabei vor allem an dem Schweizer Privatrecht, das die Einehe, das Scheidungsrecht und die Gleichstellung von Mann und Frau festschrieb. Aus Deutschland wurde das Handelsrecht
übernommen, aus Italien das Strafrecht. Später wurden in der Verfassung die Säkularisierung und der Laizismus, also die Trennung von Religion und Staat, verankert. Darauf sind die säkularen
Türken zurecht stolz, auch wenn es in dieser Zeit natürlich Schattenseiten gab.

 

Und so bekommt auch die Parade der Wassersportler plötzlich einen ganz anderen Sinn. Sie ist keine Provokation gegenüber den griechischen Freunden, schon gar nicht
eine Unterstützung des politischen Kurses, den die Regierungen derzeit steuern. An Land hat Ankara die Feierlichkeiten an diesem Tag untersagt. Wegen Corona, so die offizielle Begründung. Das
scheint nachvollziehbar und umsichtig, wären nicht in der Vergangenheit bereits andere Feiertage zu Ehren des Staatsgründers aus ganz anderen Gründen abgesagt worden.

 

Da auf Booten die Abstandsregeln aber automatisch eingehalten werden, entschlossen sich also die Segler, Atatürk an diesem Feiertag ein Denkmal zu setzen. Durch die
gemeinsame Ausfahrt. So wie es auch trotz des Verbots aus Ankara andere Küstenorte taten. Und so wehten an den meisten Booten nicht die gängigen türkischen Flaggen, sondern sie wurden ersetzt
durch welche mit dem Konterfei des Staatsgründers, als Bekenntnis zu dessen Politik, die auch heute noch Bestandteil des Parteiprogramms der CHP ist – der Oppositionspartei. 

 

Nicht alles ist eben so, wie es auf den ersten Blick aussieht!

 

Kummer gewohnt

Die letzten Wochen waren anstrengend. Meistens bin ich morgens um 6 Uhr aufgestanden, habe mir den ersten Kaffee des Tages gebrüht und mich schlaftrunken an den Salontisch
gesetzt.. Schlagartig war da wieder dieser Kummer, der mich beschäftigte. Gegen 9 Uhr, wenn es unter Deck langsam zu warm wurde, wechselte ich den Standort, ging in die Oxygen-Bar in der
Marina, das Laptop unter dem Arm, kurbelte die Markise heraus, so dass ich Schatten fand, befreite die italienische Gastro-Kaffeemaschine von ihrem Tuch, das sie zur Nacht bettet, und griff
hinter den Tresen nach einem Aschenbecher. Tutku, der Besitzer, war mal wieder spät dran.

 

„Bedien Dich einfach“, hatte er gesagt. Dann brauchte er nicht pünktlich zu sein. Das machte ich auch. Und weil ich meinen Kaffee mit Milch trinke, die aber im Kühlschrank im Inneren des Ladens
aufbewahrt wird, hatte er mir auch gleich noch gezeigt, wo ich den Schlüssel zur Bar finde. Und so öffnete ich morgens meist den Laden, fand ein wenig Zerstreuung, ehe mich wieder der Kummer
befiel..

 

Am frühen Nachmittag, nach ein paar Kaffees und frisch zubereiteten Limonaden, wenn die Hitze des Tages sich an Land breit machte, ging ich wieder zurück auf die Dilly-Dally, setzte mich ins
Cockpit und freute mich über die sanfte Brise, die pünktlich gegen 14 Uhr vom Meer herüber weht. Aber auch sie konnte den Kummer nicht vertreiben. Ich wollte es auch gar nicht. Und so ging es
weiter bis spät in die Nacht. Ich wusste, dass der Kummer mich begleiten wird, solange ich ihn nicht verarbeitet habe. Endlich ist es soweit. Das Buch „Mit Kummer ohne Sorgen“ ist erschienen.


Die Arbeit an dem Buch „Mit Kummer ohne Sorgen“ war anstrengend, aber höchst spannend. Es handelt von der wahren Geschichte des Wirtschaftsprofessors Sebastian
Kummer, der im Februar an der französischen Atlantikküste aufbrach, um zusammen mit Freunden einen Katamaran in die Türkei zu überführen. Doch dann kam Corona und die Crew ging auf Mallorca von
Bord. Kummer wurde unfreiwillig zum Einhandsegler auf einer Lagoon 46. 

 

Doch je weiter Kummer segelte, um so mehr Länder machten ihre Grenzen dicht. Als letztes die Türkei, das Ziel seiner langen Reise. Oder besser gesagt:
das Etappenziel. Denn von dem türkischen Badeort Göcek wollte Kummer einen anderen Katamaran nach Kroatien überführen – natürlich auch mit Crew. Aus Griechenland wurde er von der Küstenwache
mit vorgehaltener Maschinenpistole vertrieben, in der Türkei durfte er nicht ankommen. Auf der See konnte er auch nicht bleiben. Im Frühjahr ist das Mittelmeer unberechenbar, Stürme mit Böen
in Orkanstärke sind keine Seltenheit.

 

Also versteckte sich Kummer in kleinen Buchten vor der Küstenwache und nannte es sein „Niemandsland“. Der Professor war zum Piraten geworden, vogelfrei und verfolgt.
Immer wieder gab es Hoffnung auf eine Lösung, jedes Mal starb sie. Kummer nahm sein Schicksal an, machte das Beste aus seiner Situation. Mit Galgenhumor und einem ungebrochenem Optimismus
meisterte er „die beste Quarantäne der Welt“ (O-Ton Kummer). Trotz einiger kritischer Momente. In dieser Zeit gab Kummer Dutzende Interviews für Zeitungen und Magazine, Radiostationen
und Fernsehsender. Menschen in halb Europa wurden auf das Schicksal des Professors aufmerksam. Und so meldete sich plötzlich ein mysteriöser Vermittler. Ein Scharlatan oder der Retter in der
Not?

 

Für das Magazin „float“ berichtete ich zweimal über Sebastian Kummer. Wir telefonierten viel und mailten noch mehr. Nur wenige Meilen trennten uns in dieser
verrückten Zeit. Zwei Deutsche auf einem Segelboot in der Türkei. Und doch konnten die Umstände nicht unterschiedlicher sein. Kummer musste sich verstecken, war quasi ein illegal Eingereister,
der keinen Fuß an Land setzen durfte. Die komplette Mittelmeerküste war für ihn zu einer Sperrzone geworden. Und ich saß in Kas auf der Dilly-Dally, durfte segeln (wenn auch
eingeschränkt) und genoss die Corona-Zeit so gut es ging. Buchten, in denen ich erst wenige Tage zuvor geankert hatte, waren nun Kummers Niemandsland. Ein Land ohne Infrastruktur, ohne
Supermärkte oder Ärzte. Kummer war auf sich alleine gestellt. 

 

Es war der erste Artikel, den ich für „float“ über Kummer geschrieben hatte, der den mysteriösen Vermittler auf den Plan rief. Da die „float“-Artikel auch auf
Focus.de erscheinen, war es wahrscheinlich weniger der Artikel an sich, als die boulevardeske Aufbereitung der reißerischen Überschrift, die den türkischstämmigen Vermittler auf den Plan rief.
Oder vielmehr seine Auftraggeber. Denn der Focus hatte es geschafft, zwei Ereignisse aus dem Text in einen Zusammenhang zu setzen, die in keinerlei Zusammenhang standen. Die Szene, in der Kummer
mit vorgehaltener Maschinenpistole von der Küstenwache bedroht wurde, verlegten sie kurzerhand in die Türkei. Und das in Zeiten, in denen die Türkei versuchte, den wichtigen Tourismussektor
wieder zum Laufen zu bringen.

 

Als Wochen später Sebastian Kummer mich kontaktierte und fragte, ob ich mit ihm zusammen ein Buch über seine 90-tägige Odyssee schreiben wolle, musste ich nicht
lange überlegen. Seitdem ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht Kummer gewohnt bin. Aber eine bewährte Therapie soll ja sein, den Kummer aufzuschreiben. Genau das habe ich
gemacht.. 

 

Zu bestellen ist das Buch unter anderem bei Amazon oder direkt auf unserer Webseite www.mit-kummer-ohne sorgen.org. Da kann man übrigens auch meine anderen Bücher bestellen.
Eine Liste mit Buchhandlungen, wo das Buch ebenfalls geführt wird, kommt die Tage.

 

 

Das Anker ABC – Teil 2

Unser guter Freund Jim, ein britischer Liveaboard, staunte nicht schlecht, als er eines Morgens in einer Ankerbucht erwachte und ziemlich dicht vor ihm eine türkische Segelyacht lag, die noch
spät abends in die Bucht zum Ankern eingelaufen sein musste. Da war Jim längst im Bett. Nach einem Gin and Tonic am Abend pflegt er stets zu sagen: „9 o’clock is sailor’s midnight“ (21 Uhr ist
des Seglers Mitternacht), um sich dann entspannt in die Koje zu begeben.

 

An diesem Morgen war Jim nervös wegen der Nähe der Yacht. Doch der türkische Skipper versicherte ihm, er könne nicht weiter auf ihn zutreiben. Er habe an der Mooringboje festgemacht. Komisch,
dachte Jim, als er am Vortag in die Bucht kam, waren da keine Mooringbojen. Erst dann dämmerte ihm, woran die türkische Yacht festgemacht hatte: an seiner kleinen Ankerboje. Deren Sinn ist
es, seinen Anker zu markieren, aber sicher nicht, anderen Yachten Halt zu geben. Zum Glück war es eine windstille Nacht.

Den Anker richtig zu setzen, ist eine Sache. Ihn auch wieder an Bord zu bekommen, eine andere. Was zu tun ist, wenn der Anker hakt, steht im zweiten Teil des Anker ABC.

 

Hier geht es zum ganzen Text.

Kindergeburtstag auf Türkisch

Tayga, der Sohnemann von unseren Freunden Hilal und Murat, hat seinen fünften Geburtstag gefeiert. Ein tolles Fest, draußen auf der Halbinsel. Wer immer schon mal wissen wollte, wie eigentlich
ein türkischer Kindergeburtstag jenseits von Berlin-Neukölln oder Hamburg-Steindamm abläuft, der dürfte allerdings enttäuscht sein. Selbst einige Kinder sind blond…


Da haben wir den Ankersalat

Die meiste Zeit, wenn wir unterwegs sind, halten wir uns von Häfen fern. Zu schön sind die Ankerbuchten an der türkischen Küste. Auch wenn ein Ankermanöver immer
sehr einfach aussieht (wenn alles klappt), gibt es doch einiges zu beachten. Für „float“ habe ich mal ein kleines Anker ABC erstellt und mit reichlich Anekdoten angereichert.

 

Die Sturmböen kommen aus dem Nichts. Noch während der Fahrt nach Marmaris mussten wir die meiste Zeit
motoren, jetzt gönnen wir uns einen Ankerstopp in einer kleinen Bucht, ehe wir am frühen Abend die beengte Netsel-Marina anlaufen wollen. Wir lassen den Anker auf zehn Metern Tiefe fallen, SUP
raus, Hund drauf, an Land paddeln und Gassi gehen. Ein eingespieltes Szenario. Das ganze dauert nur wenige Minuten. Kein Geschrei, kein Gezeter. Es sieht spielerisch einfach aus und doch kann man
erstaunlich viel falsch machen.

Als der Wind plötzlich auffrischt und mit knapp 30 Knoten über die Berge pfeift, treibt wie zum Beleg aus der Bucht neben uns eine wunderschöne Yacht in Blau in den Golf von Marmaris – und
niemand scheint an Bord zu sein. Ein Felsvorsprung versperrt uns anfangs die Sicht. Aber das aufgeregte Signalhorn eines Ausflugsbootes verheißt nichts Gutes. Erst als sich die Yacht bereits über
hundert Meter von ihrem ursprünglichen Platz entfernt hat, der Anker über den Grund zuckt und ruckt und immer noch niemand an Deck erschienen ist, erkennen wir das ganze Dilemma. Denn jetzt
treibt auch noch ein SUP aufs Meer – ebenfalls führerlos.

Ehe wir unser Dinghi zu Wasser lassen können, ist bereits Hilfe von einer anderen Yacht da. Erst wird ein Mann aus dem Wasser gefischt, dann das SUP gesichert, ehe es zu der treibenden Yacht vor
Anker geht. Was genau passiert ist, können wir nicht sagen. Vielleicht wollte der Segler mit dem SUP eine Landleine ausbringen, wahrscheinlich wähnte er aber seine Yacht sicher, bevor
die Sturmböen ihn eines Besseren belehrten, und gab sich ganz
den Badefreuden hin, denn das Dinghy brachte kurze Zeit später noch eine zweite Person zur Yacht. Zum Glück ist nichts passiert, aber dieser Vorfall zeigt einmal mehr, wie wichtig das
Ankermanöver ist.

Und hier geht es zum ganzen Text.