Archiv der Kategorie: Brambusch macht blau

März – die beste Zeit zu segeln

Natürlich kann man auch in der Türkei Waren online bestellen. Aber viel schöner ist es natürlich, in die nächste größere Stadt zum Einkaufen zu segeln. Beim Segelausrüster in Fethiye wollten wir schon mal die Gastflaggen für unseren Israel- und Zyperntörn kaufen. Der März zeigte sich von seiner besten Seite. Sonne, Wind und menschenleere Buchten und Häfen. Selbst im Golf von Fethiye, im Sommer von tausenden Seglern frequentiert, haben wir nur drei Segeln gesichtet. Ein besonderes Highlight war der Besuch der kleinen Insel Gemiler, auf der der Heilige Sankt Nikolaus sein erstes Grab gefunden haben soll, ehe er zunächst zu seinem Bischofssitz nach Myra und dann nach Italien umgebettet wurde. Im Mittelalter war Gemiler als Nikolaus-Insel eine Pilgerstätte für die Kreuzfahrer. Noch heute beeindrucken die Ruinen der Stadt. Mehrere Male habe ich schon vor der Insel geankert, aber noch nie einen Fuß auf das Eiland gesetzt, weil es im Sommer von Tagesausflüglern überrannt wird. Dieses Mal waren wir die einzigen Menschen auf Gemiler – und das einzige Boot in den umliegenden Buchten. Mit an Bord waren Arzum und ihr Hund Cingene, eine kleine Promenadenmischung, die Arzum vor einigen Jahren von der Straße rettete. Und so bestand unser Tagesablauf aus Gassigehen, Segeln, Gassigehen, Segeln, Gassigehen, Einkaufen und Segeln. Ach ja, und Gassigehen.

Unter Segeln ins Heilige Land

So ähnlich muss sich Altkanzler Gerhard Schröder gefühlt haben, als er als junger Mann am Zaun des Kanzleramts in Bonn stand, die Gitterstäbe fest mit seinen Händen umschlossen, und rief: „Ich will hier rein!“ Vor 32 Jahren stand ich auch vor einem Zaun, die Tore waren verschlossen und der freundliche aber bestimmte Polizist mit den verschränkten Armen vor Brust sagte nur: „Du darfst hier nicht rein“.

 

Seit diesem Tag im Jahr 1988 stand ich noch mehrere Male vor dem geschützten Areal, den Blick sehnsüchtig auf die Yachten in der Marina gerichtet, in meinem Rücken die Skyline von Tel Aviv. Jedes Mal stellte ich mir vor, über das Mittelmeer zu segeln, immer der aufgehenden Sonne entgegen, bis das Meer an einer langen flachen Küste im Osten endet und sich aus dem diffusen Dunst über dem glitzernden Wasser Konturen bilden. Erst unscharf, wie eine Fata Morgana, dann immer deutlicher: Berge, Strände, Häuser. Das Heilige Land.

 

Hier geht es zum ganzen Artikel

Falls jemand ein schönes Boot sucht!

Mein guter Freund Paul verkauft seine „alte Lady“. Nein, nicht seine Frau (die übrigens hervorragende Pies zubereitet), sondern seine Dufour 35. Ein Oldie, but Goldie. Heute haben wir mal ein kleines Video gedreht.

Spontane Geburtstagsfeier

Eigentlich wollten wir segeln gehen. Aber irgendwie wollte der Wind nicht so richtig. Kurzerhand änderten wir (einige türkische Freunde und ich) den Kurs auf den Stadthafen von Kaş, wo Ulrike und Jan den Wintern auf ihrer SY Makamae verbringen, ehe sie uns Ende April nach Israel begleiten werden. Eigentlich wollten wir Ulrike nur ein Geburtagsständchen arbeiten, aber dann nehmen wir sie einfach mit.

Landpartie: Leuchtturm mit Schneeballschlacht

Als es hieß, wir fahren zum Gelidonya Feneri, einem bekannten Leuchtturm an der Südküste der Türkei, hatte mir niemand gesagt, dass der nur über einen langen, steinigen und steilen Fußweg, dem bekannten Lykischen Weg, zu erreichen ist. Bei strahlender Sonne floss der Schweiß. Zum Abkühlen ging es dann anschließend auf 2365 Meter Höhe zur Schneeballschlacht (auf dem Tahtali bei Kemer). Wirklich eine tolle Aussicht von da oben. Also wahrscheinlich. Wenn der Berg nicht in den Wolken versinkt.

Mitte Januar? Beste Zeit für einen kleinen Segeltrip

Was macht man Mitte Januar? Einige feuern den Countdown an, der langsam, sehr langsam runterläuft, bis irgendwann der Krantermin ist. Andere werkeln schon fleißig im Winterlager. Wir sind dann mal mit fünf Booten für ein paar Tage losgesegelt. Bisschen entspannen von der Kleinstadt. Planschen, Essen, Gassi gehen. Und Zombies jagen unter einem glutroten Vollmond.

Segeln an Weihnachten

Das Wetter hätte etwas besser sein können. Ende Dezember in der Türkei ist aber immer noch vergleichbar mit Sommer an der Ostsee. Und so ging es am 25. Dezember zu einem kleinen Ausflug mit drei Booten. An Bord Briten, Australier, Südafrikaner und Deutsche. Weihnachten kann kaum schöner sein.

Weihnachtsstress

Weihnachtsstress? Was war das nochmal? Am Tag vor dem vierten Advent ist das Wetter in der Türkei  immer noch prächtig. Und außer ein paar Fischern und Tauchern ist niemand auf dem Meer. Einfach herrlich!  

Menschenschmuggel auf Yachten

Es ist mittlerweile ein paar Jahre her, zusammen mit Freunden hatte ich ein Boot in der Türkei gechartet. Wir lagen gerade an einem wackeligen Steg eines Restaurants in irgendeiner Bucht. Neben uns machte ein Segler fest, das Boot ein wenig abgerockt, an Bord ein paar Touristen mit ihrem Skipper. Kojencharter. Sie waren gerade aus Griechenland gekommen. Er schickte seine Crew auf Landgang, dann ging alles sehr schnell. Mehrere Männer erschienen, bepackt mit Kisten, die sie an Bord trugen, dafür nahmen sie ein paar Tüten mit. Kurz darauf saß der Skipper auf dem Vorschiff und kiffte. Die Anspannung schien von ihm abzufallen.

 

Was in den Kisten und Tüten war, wissen wir nicht. Vielleicht waren es ja nur Lebensmittel. Aber in unserer Fantasie lagen wir neben einem Schmuggler. Wahrscheinlich nicht nur in unserer Fantasie. 

 

Diese Anekdote lieferte die Idee, aus der mein erster Krimi gestrickt werden sollte. Die Schmuggelware sollte aber menschlicher Natur sein. Passte irgendwie in die Zeit. Damals ahnte ich noch nicht, dass längst auch andere die Idee hatten, mit Yachten Flüchtlinge zu schmuggeln. Allerdings nicht als Idee für ein Buch, sondern für den ultimativen Reibach. 

 

Als ich vor über einem Jahr das Boot in der Türkei kaufte, hörte ich gleich in der ersten Woche Anekdoten, wie ukrainische Menschenschmuggler Charteryachten für ihr Geschäft missbrauchen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich längst angefangen, an dem Krimi zu. arbeiten. Aber andere Projekte kamen dazwischen. Trotzdem sperrte ich seitdem Augen und Ohren auf, um Stoff zu sammeln, aus dem einmal ein Buch werden soll. Als dann am ersten Advent in Griechenland  eine Yacht gestohlen wurde, die tags darauf mit 56 Flüchtlingen an Bord vor Italien aufgebracht wurde, war klar, dass diese Entwicklung nicht nur Vorlage für ein Buch sein kann. Der Artikel über das relativ neue Phänomen ist bei Spiegel.de erschienen. Hier geht es zum Text

Mein erster Mord

Lange hatte ich ihn geplant. Meinen ersten Mord. Grausam sollte er sein. Und, wenn möglich, nahezu perfekt. Wer das Opfer sein sollte, das war mir zu Beginn noch nicht klar. Das war auch gar nicht so wichtig. Wichtig war vielmehr, erst einmal den Anfang zu machen. Also ließ ich eine Frau – im wahrsten Sinne des Wortes – über die Klinge springen. Doch wie genau würde sie sterben? Ich schaute mich auf dem Boot um, und fand einiges, was sich für einen Mord eignet.

 

 

Als Journalist hatte ich viel mit Kriminellen zu tun. Zum Glück nicht mit Mördern oder Gewaltverbrechern, vielmehr mit Wirtschaftskriminellen. Auf meiner Visitenkarte der „Financial Times Deutschland stand einige Zeit „Redakteur für Wirtschaftskriminalität“. Über viele schmutzige Details konnten wir aber nicht berichten, da entweder die ‚zweite Quelle‘ oder eindeutige Dokumente fehlten, oder aber die Tiefe der Recherche zu umfassend war für einen Zeitungsartikel. 

 

Für den ZDF-Thriller „Ein gefährliches Angebot“, mit Armin Rohde in der Hauptrolle und ausgestrahlt im April 2016, lieferte ich die Rahmenhandlung, die angelehnt ist an den Fall der HSH-Nordbank, den ich damals zusammen mit Kollegen der FTD recherchiert hatte. Zufällig hatte ich die spätere Produzentin des Films klischeemäßig bei einer Pool-Party auf Shelter Island in der Nähe von New York kennengelernt und ihr von dem Fall erzählt, der damals, im Jahr 2010, brandaktuell war. Sie wollte den Stoff für ein Drehbuch. Mangels Zeit und in Unkenntnis der Filmbranche musste ich jedoch eine Mitarbeit am Drehbuch absagen, beschränkte mich auf eine anfängliche Beraterrolle. Aber die Lust, Krimis zu schreiben, war geweckt. 

 

Verbrecher und Kriminelle, das stellte ich schnell fest, waren für mich interessantere Charaktere als erfolgreiche Geschäftsleute. Wobei, zumindest in Bezug auf Wirtschaftskriminalität, die Schnittmenge wahrscheinlich recht groß ist. Während viele meiner Kollegen sich in ihrer Freizeit fortbildeten und die neuesten volkswirtschaftlichen Theorien von sehr klugen Köpfen lasen, oder die Biografien über diese sehr klugen Köpfe verschlangen, erfreute ich mich an seichten Krimis, garniert mit Grusel und viel Blut. Von daher war es auch kein Wunder, dass das einzige Magazin, das ich jemals abonniert hatte, ‚Stern Crime‘ war. 

 

Nachdem ich im Jahr 2018 den Job als Reporter beim Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘ an den Nagel hängte, die Wohnung in Berlin verkaufte und auf ein Segelschiff in der Türkei zog, hatte ich ja nun genug Zeit, um endlich selbst Bücher zu schreiben. Das Erstlingswerk, „Träum weiter!“ über die Lebensgeschichten von ein paar verrückten Segelaussteigern, war journalistischen Texten sehr nah. Portraits eben. Menschen erleben und beschreiben, das hatte ich gelernt. Der feine Unterschied zu meiner früheren Arbeit: Es ging nicht um Konzepte zu einer Geschäftsidee, sondern um Lebenskonzepte. 

 

Im Idealfall soll das Schreiben von Büchern nicht nur ein Hobby für mich sein, sondern der Broterwerb. Wer mit 46 Jahren alles aufgibt und aussteigt, hat im Regelfall noch nicht bis zur Rente ausgesorgt – schon gar nicht, wenn er zuvor als Arbeitnehmer angestellt war, und nicht die weltbeste App für ein sorgenfreies Leben erfunden hat. Oft höre ich leicht vorwurfsvoll: Aussteigen muss man sich erstmal leisten können! Das stimmt, einerseits. Ich wäre auch froh, wenn ich es mir leisten könnte. Andererseits, wenn man es sich nicht leisten kann, dann muss man es sich leisten wollen! Machen, nicht hadern! Losrennen, ohne das Ziel zu kennen.

 

So ähnlich war es auch mit meinem ersten Mord. Wollte ich irgendwann mal einen Krimi zu Papier bringen, dann musste ich erst einmal anfangen. Und die meisten Krimis fangen mit einer Leiche an. Und so begann die Arbeit an „Die Stalkerin“. Ich hatte eine grobe Ahnung, wohin die Reise führen sollte. Und damit meine ich nicht die Region oder das Milieu, in dem der Krimi spielt. Das war relativ schnell klar. Die Handlung ist in der Türkei angesiedelt und der Protagonist ist ein Segler, der auf einem Segelschiff lebt. Ziemlich viele Parallelen zu einer real existierenden Person?

 

Ja natürlich. Und definitiv Nein. Genauso gut hätte der Protagonist ein Pauschalurlauber sein können, ein Pilot oder ein Finanzhai aus Frankfurt. Aber dann hätte ich eine enorme Portion Fantasie in die Figur stecken müssen, um sie mit all ihren Facetten zu ergründen. Ich hätte mir Szenarien ausdenken müssen, um plakativ Situationen zu beschreiben, wollte ich nicht platte Klischees bedienen. Ich habe es mir da einfach gemacht: Will ich etwas beschreiben, brauche ich mich nur umzuschauen. Natürlich sind einige Erlebnisse aus 14 Monaten Bordleben in das Buch eingeflossen, haben mich Menschen, die ich getroffen habe, interessiert und inspiriert. Aber alle Charaktere sind natürlich frei erfunden. 

 

„Der Protagonist muss eine Marotte haben!“, sagte mein guter Freund Merten, der netterweise wieder das Cover gestaltet hat, als er im Sommer einige Wochen an Bord war. Er spielte auf meine Nutella-Sucht an (die ich mittlerweile im Griff zu haben glaube), als ich eines Morgens wieder Mal schokoverschmiert aus der Koje kroch. Zu dieser Zeit schaute ich im Bett vor dem Schlafen noch etwas Netflix und naschte dabei von der süßen Versuchung, in dem ich dünne Brotstangen in das Glas tauchte, die dummerweise meist abbrachen. Beim Versuch, sie irgendwie aus dem Behälter zu fischen, beschmierte ich erst meine Hände, dann das ganze Bett. Es war ja dunkel!

 

Zurück zum Krimi: Ich entschied mich gegen die Nutella-Sucht, suchte eine andere Marotte. Um sie zu finden, reichte ein Blick in den Spiegel. Warum sollte der Grund, warum ich das Leben auf einem Schiff dem in einer Großstadt vorziehe, nicht auch der Grund für den Protagonisten in meinem Krimi sein? Ich hatte an Burnout, Panikattacken und Angstzuständen gelitten. Wenn ich etwas glaubhaft beschreiben konnte, dann dieses beschissene Gefühl. Vielleicht war es der offene Umgang mit der Misere, aber mittlerweile bin ich überzeugt, dass psychische Erkrankungen, oft stressbedingt, eine der größten Herausforderungen für die heutige Gesellschaft sind. Etwa die Hälfte meiner Freunde, die mich auf dem Boot besucht haben, haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Mal weniger heftig, mal deutlich schlimmer. Der arme Protagonist kriegt nun die geballte Ladung ab – von allem etwas. Sorry dafür!

 

Apropos Protagonist. Peter Parker heißt der Gute. Und ich schwöre, ich habe nie Spiderman gesehen oder gelesen. Sonst wäre mir der Fauxpas sicherlich aufgefallen. Hohn und Spott wurde bereits kübelweise über meinem Haupt ausgeschüttet. Auch meinen Testlesern war die Namensgleichheit mit dem Spinnenmann nicht aufgefallen. Hätte ich mal meinen damaligen Telefonjoker bei Günther Jauch gefragt, der mir schon vor zehn Jahren den Arsch rettete. Nächstes Mal, Dirk, bin ich wieder klüger.

 

Zuerst hieß der Protagonist nur Peter. Ein einfacher Name, der auch im Englischen bekannt ist. Dann brauchte ich einen Nachnamen. Und der sollte auch, falls ich das Buch einmal übersetzen lasse, einprägsam und aussprechbar sein. Andere Namen, die im Buch vorkommen, fand ich, indem ich einfach Artikel im Internet las – und den ersten Namen, der auftauchte, herauspickte. Bei Peter war das anders. Ich machte mir gerade ein paar Notizen und spielte mit dem Kugelschreiber zwischen meinen Fingern, als ich die kleine Inschrift las: Parker. Peter Parker. Das klang irgendwie nett. 

 

Aber wer ist dieser Peter Parker eigentlich? Oder anders gefragt: Ist er ein Guter? Oder ein Böser? So viel steht fest: Er kann ein ganz schönes Arschloch sein. Aber ist er fähig, einen Mord zu begehen? 

 

 

Nach dem ersten Mord wusste ich das auch noch nicht. Und so ließ ich mich beim Schreiben selbst überraschen. Neue Personen und Handlungsstränge tauchten plötzlich auf. Andere Personen kürzte ich wieder aus dem Kontext. Sie führten zu nichts. Oder waren einfach zu langweilig. Weil der Krimi in der Gegenwart angesiedelt ist, spielt auch die aktuelle politische Entwicklung in der Türkei eine Rolle. Aber mehr will ich eigentlich nicht verraten.

 

Hier geht es zum Inhalt 

Parker….

Einfach mal den Anker fallen lassen (Video)

Die Türkei ist eines der schönsten Segelreviere im Mittelmeer – keine Frage! Unzählige Buchten, kristallklares Wasser, die Berge im Hintergrund. Und das Beste: Selbst in der Hochsaison gibt es immer noch Gegenden, die nicht überfüllt sind. Oder Buchten, die nur schwer zu finden sind, weil man sie von See aus, nicht einmal zu erahnen kann. Wie im Revier zwischen Kaş und Kekova, quasi meinem Hausrevier. Alle mit der Drohne gefilmten Ankerbuchten liegen in einem Umkreis von weniger als  15 Seemeilen. Und es gibt es noch Dutzende andere. 

Es muss ja nicht immer Dosenfutter sein

Jetzt gibt es was auf den Teller! Und zwar kein Dosenfutter aus dem Discounter. Ausreden, auf einem Boot nicht vernünftig kochen zu können, gelten nicht. Denn selbst in der kleinsten Bordküche, lassen sich viele Leckereien zaubern. Was, das habe ich für as Floatmagazin aufgeschrieben.

 

Und hier geht es zum Text.