Kategorie: Brambusch macht blau

Die Reife(n)prüfung

„Ostersonntag?!? Echt jetzt?“ Langsam habe ich den Eindruck, alle meine offiziellen Termine in der Türkei werden auf christliche Feiertage gelegt. An
Weihnachten, am 25. Dezember, musste ich zur Immigrationsbehörde, um meine Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Und jetzt, an Ostersonntag, findet also die lang ersehnte Fahrprüfung für meinen
Motorradführerschein statt. Nun gut, ist ja nicht so, dass ich etwas Besseres vorgehabt hätte. Außerdem sind nun mal Weihnachten und Ostern in muslimisch geprägten Ländern genauso wenig Feiertage
wie das Fastenbrechen nach Ramadan in Deutschland.

 

Dass ich einen Motorradführerschein in der Türkei mache, lag an einem netten Polizisten, der bei einer Verkehrskontrolle einen kleinen Strich hinter
dem Symbol für ein Motorrad auf meinem Führerschein entdeckte – und mir augenblicklich einen selbigen durch meine Karriere als Rollerfahrer machte. Darüber habe ich ja bereits berichtet (hier geht es zum Text).

 

Nach der äußerst interessanten, weil äußerst kreativen Theorie, stand nun der Praxisteil an. Zwölf Pflichtstunden beinhaltet die Ausbildung. Anders
als in Deutschland finden die für den Motorradführerschein allerdings nicht im fließenden Verkehr statt, sondern auf einem Übungsplatz. In Ermangelung eines solchen Übungsplatzes in Kaş, tut es
aber auch ein Seitenstreifen an einer befahrenen Straße – zum Glück direkt gegenüber der Marina. So musste ich nicht mit dem Roller dahin fahren. So, wie es die meisten meiner Fahrschulkameraden
machten. 

 

Und so verwundert es auch nicht, dass die zehn Fahrschüler insgesamt sicherlich rund 200 Jahre Erfahrung auf dem Roller oder Motorrad mitbrachten
und eher gelangweilt um den Parcours aus Pylonen, Achten und Hindernissen düsten. Nur eine junge Frau schien wirklich Novizin auf zwei Rädern zu sein. Sie hatte gut zu kämpfen mit den eng
gesteckten Hütchen. 

 

Viele Jahre schienen Roller und Motorräder in der Türkei eher in die Kategorie Fahrrad zu fallen. Fahren ohne Führerschein war ein Kavaliersdelikt.
Ich erinnere mich an diverse Chartertörns in der Vergangenheit. Meistens mieteten wir für einen Tag Roller, um die Umgebung zu erkunden. Dass jemals jemand nach einem entsprechenden Führerschein
gefragt hätte, daran kann ich mich nicht erinnern. Wer sich jedoch einmal motorisiert auf die türkischen Straßen begeben hat, der weiß, dass das Fahrverhalten – nennen wir es vorsichtig einmal –
„anders“ ist als wir es von Deutschland gewöhnt sind. So erklärt sich wahrscheinlich auch, warum es in der Türkei 5,49 mal mehr tödliche Verkehrsunfälle gibt als in Deutschland (im
Verhältnis zur Anzahl der Fahrzeuge). Seit etwa zwei Jahren kämpft die Polizei gegen den traurigen Trend an, in dem sie spezielle Verkehrskontrollen für Zweiräder durchführt. Und so kommt es,
dass die Fahrschüler nicht eine Schar pickeliger Teenager sind, sondern gestandene Männer und Frauen mit einer gewissen Routine, deren Ausflüge jäh von einer Polizeikontrolle und saftigen Strafen
beendet wurden.

 

Während ich nur den kleinen Motorradführerschein mache, wagt sich Arzum an den großen. Mir fehlt einerseits die Liebe zum richtigen Motorradfahren,
andererseits die Koordinationsfähigkeit für eine Fußschaltung. Der automatische Roller ist dagegen selbst für mich überschaubar. Doch es gibt es Problem. Und das hat viele Umlaute. Der erste Teil
der praktischen Fahrprüfung ist nämlich die Vorstellung und Erklärung des Rollers. Welcher Schalter ist wofür? Was muss man vor Fahrtbeginn überprüfen? Wo befinden sich Luftfilter, Batterie und
Ölmessstab? Das ganze natürlich auf Türkisch! Wahlweise könnte ich auch einen Dolmetscher zu der Fahrprüfung bestellen, aber das kostet. Also pauke ich lieber Vokabeln. 

 

Mit 30 Jahren Rollerfahrung (allerdings 50ccm) sollte der Parcours keine große Hürde für mich darstellen, wohl aber meine leichte
Rechts-Links-Schwäche. Der Fahrlehrer erklärt, dass schon ein kleiner Fehler zum Durchfallen reicht. In der kleinen Acht den Fuß absetzen – raus! Einmal vergessen zu blinken – durchgefallen! Die
Pylonen falsch anfahren – Ende der Prüfung! Alles kein Problem, denke ich noch, als ich bei der ersten Testfahrt losdüse, beschwingt wende, um den Slalomkurs in Angriff zu nehmen. Als ich auf den
ersten Pylonen zu fahre, überlege ich noch, was der Fahrlehrer noch gesagt hat: „Links“, da bin ich mir sicher. Aber meinte er, den Pylonen links liegen zu lassen oder links um den Pylonen zu
fahren? Elegant umkreise ich die orangenen Hindernisse, blinke an den richtigen Stellen, fahre eine Acht, so schön, wie ich sie nie mit einem Stift malen könnte. Zufrieden stoppe ich an der
Ziellinie. Durchgefallen. Natürlich habe ich die Pylonen falsch angefahren. Links, höre ich den Fahrlehrer wieder sagen! Ich vergewissere mich nochmal: Links fahren oder links liegen lassen? Ach
so, links liegen lassen. Jetzt habe ich es verstanden. Ich soll den Parcours aber wiederholen. Kein Problem. Wieder düse ich zum Anfang, wende und steuere auf die Hindernissen zu. Interessant,
denke ich noch, als ich mich dem ersten Hütchen wieder nähere. Es ist keine zwei Minuten her, da hat der Fahrlehrer es mir noch erklärt. Doch alles, was ich noch weiß, ist „links“. Wahrscheinlich
soll ich links um das Hindernis fahren. In der Ferne erkenne ich Arzum, die sich an die Stirn fasst. Der Fahrlehrer kratzt sich am Hinterkopf. Als ich den Roller kurz darauf vor ihm stoppe,
lächele ich. „Wieder falsch, oder?“ Er nickt und schickt mich erneut auf die Strecke. Nun denn, trotz 48 Lenzen bin ich ja lernfähig. Und tatsächlich, die beiden nächsten Versuche fahre ich
tatsächlich richtig an. Ob des großartigen Erfolges schwänze ich die nächsten drei Termine und segele lieber nach Marmaris. Die Fahrschule findet das „geht so“ und bittet darum, definitiv bei der
Generalprobe aufzutauchen. Denn die findet nicht in Kaş statt, sondern 50 Kilometer entfernt, auf einem offiziellen Übungsplatz irgendwo im Nirgendwo auf einem kleinen Hochplateau. Hier wird auch
die Prüfung abgenommen. 

 

Der Übungsplatz ist eine Schotterpiste mit wenigen Metern Asphalt und vielen wild lebenden Hunden, die neben der offiziellen Ausweichübung weitere
Hindernisse bilden, weil sie mitten auf dem Parcours ihren Mittagsschlaf halten. Der Parcours ist eng gesteckt, gar nicht mal so einfach zu bewältigen, tückischerweise stehen hier und da ein paar
Stoppschilder in der Walachai. Während der Prüfung werden wir einen Knopf im Ohr haben, über den der Prüfer zu uns spricht. Wenn wir halten sollen, müssen wir den Blinker setzen, ein Accessoire
am Lenker, der im täglichen Straßenverkehr kaum Anwendung findet. Ganz anders als die Hupe, die ein wesentlicher  Bestandteil einer jeden Fahrt ist, allerdings laut Theorie wirklich nur zu
Warnzwecken eingesetzt werden soll und nicht zum Grüßen von Cousins und Cousinen dritten, vierten und fünften Grades, deren Familien, Freunden der Familien und allen anderen, die den Weg zufällig
kreuzen. 

 

Den Abschluss des Parcours bildet eine Vollbremsung auf Schotter auf wenigen Metern. Wer über das Ziel hinausschießt, katapultiert sich ins Abseits
und damit in weite Ferne von der Lizenz zum Cruisen. Wichtig bei der Bremsung ist, dass Schotter fliegt. Das mag der Prüfer. Zu meiner Überraschung bleibt es aber bei der Prüfung nicht bei dem
Parcours. Anschließend folgt eine kleine Überlandfahrt – 13 Kilometer lang. Mit einem Auto fahren wir die Strecke ab, der Fahrlehrer gibt Hinweise. Nicht rasen, ganz viel blinken, Schulterblicke
in Minutentakt, blinken, stoppen, fertig. Ach ja, vor dem Stoppen noch mal blinken. Machbar, denke ich. Die Strecke ist einfach, aber es lauern unberechenbare Gefahren.
Verkehrsteilnehmer! 

 

 

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Die Generalprobe ähnelt einem Bikertreffen. Nur wenige Fahranfänger unter vielen Routiniers. Ein ergrauter Mann mit dem obligatorischen Schnäuzer stolzer Anatolen
zirkelt gelangweilt um die Hindernisse, Rauchwaden steigen auf wie bei einer Dampflokomotive, allerdings nicht aus dem Auspuff, sondern aus seinem Mund. Der Mann puffelt genüsslich eine
Zigarette bei der Fahrt. Den Fahrlehrer stört das wenig, trotzdem, sagt er dem überraschten Mann, wäre er durchgefallen. Er tippt sich an den Kopf. Der Grauschopf lacht. „Ach, der Helm!“

 

Ein jüngerer Mann, reich an Pfunden, sitzt stolz auf dem Motorrad wie Bauer auf einem altersschwachen Esel, den er aber zum Rennpferd treiben will. Auf der kleinen
geraden Strecke reißt er am Lenker, dreht am Gas und düst ein paar Meter auf dem Hinterrad. Komischerweise gibt es vom Fahrlehrer keine Anerkennung, sondern einen saftigen Anschiss.

 

Ostersonntag, 9.30 Uhr. Wir sitzen im Leihwagen, auf dem Weg zur Fahrprüfung. Arzum, am Steuer, versucht sich mental auf die Prüfung vorzubereiten, ich wiederhole
die Vorstellung des Rollers auf Türkisch. Mit der Akribie eines Deutschen stelle ich noch tausend Fragen, zum Beispiel zu Genitivverbindungen und kleinen und großen Vokalharmonien, de Tücken der
türkischen Sprache, wie in „hız göstergesi“ (Geschwindigkeitsanzeige). Auch frage ich, ob es nicht „sinyal lambası“ (Blinker) heißen müsse, wie das Lexikon es ausspuckte, der Fahrlehrer aber nur
„sinyal“ sagte. Kurz lasse ich mich belehren, dass „boynuz“ zwar Horn heißt, aber im Sinne von Geweih, die Hupe wiederum „korna“ sei. „Karna?“ „KORNA!!!“ Den Rest der Fahrt schweige ich lieber.
Ich übe lieber im Stillen. 

 

Trotz der wochenendlichen Ausgangssperre sind die Straßen gut bevölkert. Einkaufen ist schließlich erlaubt. Zudem tummeln sich einige Traktoren und Lkw im Verkehr.
Es wird viel gehupt und wenig geblinkt, gerast und getrödelt. Auch das Prüfungsgelände ist überfüllt. Etliche Herren in orangenen Westen, die Prüfer, wuseln emsig über das Plateau,
dazwischen einige gelbe Westen für die Prüflinge. Hunde dösen in der Sonne, Fahrschüler kauen aufgeregt an Fingernägeln. Die Organisation, man kann es nicht anders sagen, ist tipptopp. Meine
Prüfung ist für 11 Uhr angesetzt, sie dauert 35 Minuten, fünf Minuten später ist Arzum an der Reihe. Es gibt nicht eine Minute Verspätung. Neben den Motorradfahrern ist auch Testtag für den
Autoführerschein. 

 

Wir sind eine halbe Stunde zu früh da. Und so bekommen wir mit, wie Träume zerplatzen. Eine junge Frau, die wir von den Fahrstunden kennen, kämpft sich gerade auf
dem Motorrad durch die Acht, verschaltet sich, der Motor stockt. Sie muss den Fuß absetzen. Augenblicklich ist die Prüfung beendet. Ein Rollerfahrer bringt sein Gefährt bei der Vollbremsung nicht
vor der vorgegebenen Linie zum Stehen. Der Vorderreifen ragt über die Markierung. Durchgefallen. Eine zweite Chance? Fehlanzeige. Eine junge Frau ringt mit den Tränen, sie ist bei der Prüfung mit
dem Auto durchgefallen. Bislang hatte ich gedacht, die Prüfung sei Peanuts. Doch nicht einer der Prüflinge hat in dieser halben Stunde bestanden. 

 

Die Leiterin unserer Fahrschule bittet mich zum Gespräch. Sie hatte sich mehrmals bei Arzum vergewissert, ob ich auch wirklich in der Lage sei, den Roller auf
Türkisch zu erklären. Das soll ich ihr nun beweisen. Nach meiner kurzen Erklärung reckt sie mir den Daumen entgegen. Nur einen Begriff korrigiert sie. Den Kickstarter hatte ich „marş pedalı“
genannt. Besser sei: „ayak pedalı“ – das Fußpedal. Kein Problem, kann ich mir merken. Ich werde eingekleidet mit Warnweste sowie Knie- und Ellbogenschützer und verkabelt. Dann kommt auch schon
der Prüfer. Und verwirrt mich sogleich. Er spricht etwas Englisch. Dafür habe ich also die Vokabeln gepaukt? Nicht mit mir! Und so fragt der Prüfer auf Englisch, ich antworte auf Türkisch. Er
lächelt.

 

Der Parcours ist kein Problem. Hin und wieder kommen Instruktionen über den Knopf im Ohr. Ich blinke und halte und blinke und fahre. Bei der Vollbremsung spritzt
Schotter. Alles gut. Ich darf in den Verkehr, die Prüfer folgen mir im Auto. Kaum auf der Straße folgt die erste Ermahnung: „yavaş, yavaş“. Langsam, langsam. Ich bin irritiert. 50 km/h darf ich
fahren, ich hatte maximal 45 km/h auf dem Tacho. Nach der ersten Kreuzung das gleiche Spiel: „yavaş, yavaş!“ Wieder gehe ich vom Gas. Meine Geschwindigkeitsanzeige muss falsch sein. Na toll! Also
trödele ich mit angezeigten 40 km/h über die Landstraße, weiche einem Traktor aus, der nicht so recht weiß, wo er hin will, ansonsten sind die ersten sieben Kilometer sehr, sehr langweilig. Ich
summe ein Lied. Ehrlich gesagt wird es auch nicht viel interessanter. Das Highlight auf den nächsten Kilometern durch den Ort sind einige geparkte Autos, die ich geschickt im Schleichtempo
umkurve, nicht ohne jedesmal den Blinker zu setzen und übertrieben den Blick über die Schulter werfe. Kurz überlegt ein schwarzer Hund vor mir die Straße zu queren, aber er bleibt gähnend auf dem
Fußweg stehen. Noch zweimal abbiegen, dann bin ich wieder kurz vor dem Übungsplatz. Fast geschafft. Aber dann ist da wieder diese Stimme im Kopf: „yavaş, yavaş!“ Ich fahre nicht einmal 40 km/h,
50 sind erlaubt. Wenn ich jetzt durchgefallen sein sollte, weil der Fahrschulroller die Geschwindigkeit falsch anzeigt, bin ich echt sauer. Kaum angehalten, weise ich den Fahrlehrer auf die
kaputte Anzeige hin. Doch der lacht nur. „Nein, nein, alles gut! Die Prüfung, so ist es vorgeschrieben, muss 35 Minuten dauern“, sagt er. Ich war einfach im Parcours zu schnell, also musste ich
auf der Straße trödeln. Bestanden!

 

Kurz vor Arzum startet ein weiterer gestandener Rollerfahrer zur Prüfung. Nach nicht einmal einer Minute ist er zurück. Durchgefallen! Arzum hingegen zirkelt das
große Motorrad durch die Hindernisse, düst dann davon auf die Straße. Nach einer halben Stunde ist zurück. „Das wird knapp“, sagt sie. Die Prüfer beraten noch, der Fahrlehrer kommt mit ernster
Miene auf sie zu. Ein Tomaten-Lkw hatte sich vor sie gesetzt und das gemacht, was man nicht erwarten kann: Er hat geblinkt. Allerdings nicht in die Richtung, in die er abbiegen wollte. Arzum
hielt kurz an. Die Prüfer hatten die Konfusion zunächst nicht mitbekommen, sich dann aber besonnen. 

 

Und so hat uns beiden der Osterhase ein schönes Geschenk gemacht: den Führerschein. Nach zweieinhalb Jahren darf ich jetzt endlich offiziell Roller fahren. Die alte
Honda hat noch ein Jahr TÜV, Steuer und Versicherung sind bezahlt, ich habe den Führerschein. Ich denke, in den nächsten Wochen wird sie dann den Geist aufgeben. Irgendwas ist ja immer.

 

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Solotrip nach Marmaris

Zwei Tage Ostwind sagte der
Wetterbericht voraus. Also setzten wir mit vier Booten die Segel, um von Kas nach Marmaris zu segeln. Einige Arbeiten warteten. Ich wollte endlich das Rigg überprüfen lassen, das ich vergangenes
Jahr hatte erneuern lassen. Ein Service, der im Preis inbegriffen war. Zudem standen noch einige Besorgungen an. Eigentlich wollten wieder Hund, Katze, Maus mit an Bord sein, doch dringende
Termine kamen dazwischen. Also setzte ich alleine an Bord der Dilly-Dally die Segel. Wie sich herausstellen sollte, was die Entscheidung gar nicht mal so schlecht. Das Wetter spielte ein bisschen
verrückt. Sonne, Regen, Saharastaub, Wellen, Sturm und ein Kälteeinbruch prägten den Trip.

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Segeln mit Delfinen

Das Wetter erinnerte an Ostsee, als wir für ein paar Stunden aufbrachen, um mit Freunden ein bisschen die Küste entlang zu schippern.  Zum Glück gab es aber
Unterhaltung. Eine Schule Delfine begleitete uns für einige Zeit. 

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Testsegeln mit Parasailor


Als wir hörten, dass unser Freund Herbert einen Parasailor auf seiner Lagoon 42 hat, wollten wir das Vorsegel sofort testen. Allerdings nicht auf dem Kat. Deshalb haben wir das Segel zu Jans
„Makamae“ gebracht, einer Sun Odyssey 44i. Leider ist das Segel für meine Moody 425 zu groß. Auch wenn wir wissen, dass die Form des Segels für einen Katamaran konzipiert wurde, hat es auch auf
dem Einrümpfer fantastische Arbeit geleistet. Bei leichtem Wind mit meist unter zehn Knoten, segelte die Sun Odyssey mehr als sechs Knoten. Die Flügelkonstruktion des Parasailor hat wirklich gute
Arbeit geleistet, kein einziges Mal ist das Segel, das übrigens das ältere Modell ist, eingefallen. Der Vorteil vom Parasailor gegenüber einem Spinnaker oder Gennaker liegt in der Stabilität. Der
Flügel dient als eine Art Segellatte, durch die das Segel seine Form behält. Besonders in der Welle und bei leichten Winden. Auch ist das Handling des Parasailors easy, da das Segel keinen
Spi-Baum benötigt. Gerade, wenn man alleine an Bord ist oder mit kleiner Crew segelt, ein angenehmer Vorteil.

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Tierischer Besuch an Bord

In Kekova wollen wir uns mit Joanna, Marcel und Bordhund Nico treffen. Die Drei segeln seit sieben Jahren über die Weltmeere (www.chulugi.de). Ein Jahr haben sie zuletzt –
coronabedingt – in Indien verbracht. Vor wenigen Wochen brachen sie dann auf, um nonstop über den Indischen Ozean und quer durch das Piratengebiet zum Roten Meer zu segeln. Durch den Suezkanal
kamen sie ins Mittelmeer und schließlich in die Türkei, wo wir ihnen so gut es ging mit Rat und Tat zur Seite standen. Per Messenger und Telefon. Jetzt treffen wir sie zum ersten
Mal.

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Die Fahrprüfung, Teil 1

Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual. „Köln – Köln sein“, die „Gegenfahrbahn vergewaltigen“  oder doch „die Verletzte
einschläfern“? Antworten, die in Teilen verunsichern. Ich muss jedenfalls in der Türkei meinen Motorradführerschein machen, will ich weiterhin mit meinem Roller durch die Gegend düsen. Und
den Test gibt es sogar auf Deutsch. Das ist toll!  Dachte ich. Bis ich das bisweilen etwas krude Schulungsmaterial in den Händen halte. 

 

Es begab sich an einem wunderschönen Tag im November. Zwei der drei Gasflaschen an Bord der Dilly-Dally waren leer. Zeit, den Vorrat wieder
aufzustocken. Also schleppte ich die blauen Ungetüme über den Steg zu meinem Roller, den ich mir vor zwei Jahren gebraucht gekauft hatte, belud ihn und bretterte von der Marina Richtung Stadt.
Doch ich kam nicht weit. Schon nach zweihundert Metern winkte mich ein freundlicher Polizist aus dem Verkehr. Allgemeine Verkehrskontrolle, wie bereits am Vortag an gleicher Stelle, als ich den
Hund zwischen den Beinen hatte. Cingene, die kleine Promenadenmischung, ist begeisterte Rollerfahrerin. Sie liebt es, wenn der Fahrtwind ihre putzige Nase kitzelt, amüsiert blinzelt sie um die
Sichtschutz und kläfft frech andere Hunde am Wegesrand an. Ich bin jedesmal überrascht, wie fortschrittlich selbst die Polizei in der Türkei ist. Am Vortag hatte ich keine Papiere. Kein Problem.
Der Polizist tippte lediglich das Nummernschild in ein Tablet, fragte nach meinem Namen, nickte, streichelte den Hund, wünschte mir noch einen schönen Tag und ließ mich passieren.

 

 

 

An diesem Tag empfing mich ein anderer Kollege. Wie am Vortag sprach auch er sehr gutes Englisch, freute sich aber über ein paar Brocken Türkisch,
die ich zu der Konversation beitragen konnte. Wir plauderten ein wenig, während sein Kollege einen Rollerfahrer vor mir verwarnte, der ohne Helm unterwegs war. „Ich wurde hier schon gestern
kontrolliert“, sagte ich dem netten Beamten. Der nickte. „Ja, wir stehen jetzt hier die nächsten Wochen jeden Tag.“ Trotzdem wollte sein Kollege noch einmal die Papiere sehen, die ich dieses Mal
sogar dabei hatte. Ich gab ihm meine Aufenthaltsgenehmigung und meinen Führerschein. Es musste insgesamt das vierte oder fünfte Mal gewesen sein, dass ich mit dem Roller kontrolliert wurde. Nie
gab es Probleme. Doch dieses Mal sollte es anders kommen. Der zweite Polizist zeigte auf meinen Führerschein – und insbesondere auf das kleine Symbol, das verblüffende Ähnlichkeit mit einem
Motorrad hat. Dann wanderte seine Finger die Zeile entlang etwas nach rechts. Da war ein Strich! Dann tippte er auf den Roller und wedelte seinen Zeigefinger wie einen Scheibenwischer vor meinem
Gesicht hin und her. Um sicherzugehen übersetzte sein Kollege die recht gelungene Pantomime noch einmal. „You are not allowed to drive this scooter! You have no license.“

 

Ich gab den Überraschten. Und in der Tat war ich es. Zumindest ein bisschen. Ich wusste, dass ich in Deutschland einen 125er Roller nicht mit einem
Auto-Führerschein fahren durfte. In der Türkei war ich mir da nicht sicher. Freunde, die ich gefragt hatte, sagten nur: Kein Problem. Und auch die Versicherung hatte nicht nach einer Lizenz
gefragt. Und war ich nicht bereits mehrmals angehalten worden, jedes Mal ohne Ermahnung? Dieses Mal gab es aber kein Entrinnen, das schwante mir bereits, als der freundliche Polizist den harschen
Kollegen weiterhin übersetzte und weitere Dokumente forderte. „Die habe ich auf dem Boot“, erklärte ich. Der Polizist bat mich, sie zu holen. „Kein Problem!“, sagte ich und ging intuitiv zum
Roller, um kurz zurück zu düsen. Wieder wedelte der Scheibenwischerfinger. (Achtung Spoiler! Kurze Frage aus der englischen Führerscheinprüfung zum Thema Scheibenwischer, die auf mein kommendes
Dilemma hinweisen: How long should the windshield wiper blades be changed? a) 1 month b) 3 month c) 6 month d) Metallica). „Sie dürfen den Roller nicht benutzen!“ Ach ja, ich vergaß. 

 

Langer Fußweg, kurzer Sinn: Die Strafe betrug rund 1200 Türkische Lira – etwa 130 Euro. Und natürlich durfte ich den Roller nicht mehr benutzen.
Oder mich nicht mehr erwischen lassen. Das Gute ist aber: Wer seine Strafe direkt beim Amt binnen von 15 Tagen zahlt, bekommt 25 % Rabatt. Das ist doch mal ein Angebot. Wie ich zu dem Amt auf dem
Hügel kam, darüber möchte ich öffentlich lieber schweigen. 

 

Um den Roller weiterhin nutzen zu können, führte kein Weg daran vorbei: Ich muss einen Motor-Führerschein machen. Das sollte kein Problem sein, denn
schließlich bietet die Türkei die Führerscheinprüfung auf diversen Sprachen an. Darunter auch auf Deutsch. Nachdem ich mich bei der Fahrschule angemeldet – und die Prüfung auf Deutsch beantragt –
hatte, begannen die Probleme. Denn das deutsche Schulungsmaterial war schwer aufzutreiben. Und natürlich gibt es keine Kurse auf Deutsch. Also bat ich meinen Namensvetter und ehemaligen Kollegen
Jens, der mittlerweile in Istanbul lebt und den Motorradschein bereits absolviert hatte, mir das englische Lehrbuch zu schicken. Schon bei seinem letzten Besuch hatte er von den kreativen
Wortschöpfungen geschwärmt, die allerdings das Lernen etwas erschweren. 

 

Das Buch hielt, was Jens versprochen hatte. Obwohl ich mich des Englischen halbwegs mächtig fühle, hatte ich einige Schwierigkeiten zu verstehen,
was denn da steht. Weder die Prüfungsfragen, noch die Antworten machten oftmals Sinn. Es führte kein Weg daran vorbei: Ich musste die deutsche Ausgabe auftreiben. Unbedingt. Weil auch Arzum den
Motorradführerschein machen wollte, stand sie im regen Austausch mit der Fahrschule in Kaş. Und siehe da, nach mehreren Wochen hatten wir dann schon den Link zum Bestellen der offiziellen
deutschen Ausgabe, herausgegeben vom Ministerium für nationale Bildung.

 

400 Seiten schwer, darin über tausend Fragen zu Vorfahrtsregeln, Anstand im Verkehr, Motorkunde und erster Hilfe. Eine Menge Stoff, aber einmal
durchlesen müsste reichen. Dachte ich. Doch die Übersetzung, sagen wir es mal vorsichtig, holperte an mancher Stelle. Oder anders ausgedrückt: Sie war eine nicht endende Piste voller
Schlaglöcher. Die Übersetzung muss mit einer der ersten Betaversionen von Google Translate entstanden sein, als das Programm noch in den Kinderschuhen steckte. Selbst auf Deutsch hatte ich
Probleme, manche Fragen und vor allem die Antworten zu verstehen. Etwas kryptisch muteten Fragen an wie „Ist das Entweichen von Traktoren mit Gummirädern für eine regelmäßige Inspektion
erforderlich?“ Mit viel Phantasie könnte man vielleicht noch versuchen, einen Sinn in der Frage zu finden. Wie beispielsweise: Müssen diese Traktoren auch zum TÜV? Die Antwortmöglichkeiten lauten
jedoch: a) 1; b) 2; c) 3 oder 4). Richtig ist übrigens Antwort c – also 3!

 

Und so beschloss ich, die rund 1000 Fragen einfach auswendig zu lernen. Ich wusste, dass die Antwort, als plötzlich ein „Schiff“ an der Kreuzung
auftaucht richtig ist, ebenso wie die „Asyltasche“ am Hang oder die „Banküberweisung“ beim Überholen. Die Regel, dass die lustigsten Antworten immer die richtigen sind, schien sich lange Zeit zu
bewahrheiten, allerdings versagte sie bei den medizinischen Fragen. „Köln – Köln sein“, eine Antwortmöglichkeit auf die Frage, „welche der folgenden Maßnahmen in der Sara-Krise zu ergreifen
sind“, war nämlich falsch. Die Sara-Krise ist übrigens ein Epilepsie-Anfall. Um mein Dilemma zu verdeutlichen: Die anderen Antworten lauten: Wenn die Zähne geklemmt werden, wird es nicht
zwangsläufig. Bedeckt. Und: Wird mit Antiphyretika behandelt. 

 

Auch die Antwort auf die Frage, „Was sollte bei niedrigem Blutzucker als Erstversorgung getan werden“, ist wider erwarten nicht: „Der Verletzte
sollte eingeschläfert werden.“ Dafür ist wiederum „Vergewaltigen Sie die der Gegenfahrbahn“ die richtige Lösung bei der Frage nach der Hauptursache für Verkehrsunfälle. 

 

Ich sah nur eine Möglichkeit, den Test zu bestehen: Stumpfes Auswendiglernen. Und so paukte ich die Antworten, ohne sie zu verstehen. Und
erstaunlicherweise war ich ganz gut darin. Dumm nur, dass meine Freundin die türkische Version lernte. Und da waren die richtigen Antworten bisweilen ganz andere. Kurz vor der Prüfung stritten
wir uns darum, wer Vorfahrt hat. In beiden Büchern ist die gleiche Skizze: Ein Auto fährt in einen Kreuzungsbereich und will rechts abbiegen. Neben ihm ist ein Radfahrer, der geradeaus fahren
will. Da ich manchmal auch mit dem Fahrrad unterwegs bin, weiß ich aus der Praxis, dass der Radfahrer rechtelos im Straßenverkehr ist. Von daher schien mir die Antwort c), die als richtig
gekennzeichnet ist, auch als plausibel. Antwort A) lautet nämlich: Stehlen Sie die Hörner und warnen Sie den Radfahrer! Hörner stehlen? Vermutlich nicht, auch wenn es durchaus Usus ist, sich den
Weg frei zu hupen. Antwort B: Wenn keine Fußgänger auf der Straße sind! Wäre natürlich möglich, dann gebe es vielleicht keine Zeugen, wenn das Auto den Radfahrer von der Straße kickt. C) Der
Radfahrer muss das Durchgangsrecht gewähren. Was, vorausgesetzt die Übersetzung ist richtig, bedeuten würde, das Auto hat Vorfahrt.  Und D) Muss
beschleunigt werden, um seinen Zug abzuschließen. Nein, D schließe ich aus. 

 

„Der Radfahrer hat Vorfahrt!“, beharrt Arzum auf die richtige Antwort. „Nicht der Autofahrer!“ Ich zucke mit den Schultern: „Bei mir ist es eben
andersrum.“ „Du kannst doch nicht eine falsche Antwort ankreuzen, wenn Du es besser weißt.“ In sich vollkommen logisch, aber diese Herangehensweise widerspricht meiner Strategie. Ich versuche zu
erklären: „Ich gehe davon aus, dass die Fragen in dem offiziellen Buch gleich sind mit den offiziellen Testfragen. Also lerne ich die Antworten auswendig. Mit Logik habe ich keine Chance.“ Arzum
kann das nicht nachvollziehen. „Aber das ist falsch! Was ist denn, wenn die Fragen im Test anders gestellt sind?“ Mist, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. 

 

Es ist Montag, der 22. Februar. Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel, als wir im Leihwagen durch die Berge düsen. Die Prüfung wird in der
Türkei nicht von der Fahrschule abgenommen, sondern muss in einem offiziellen e-Test-Zentrum abgelegt werden. Und das ist in Kumluca, etwa eineinhalb Autostunden entfernt. Auf dem Weg gehen wir
anfangs noch mal strittige Fragen durch. Ich fühle mich plötzlich an eine Aussage unseres ehemaligen Innenministers erinnert: Teile der Antworten versunsichern uns. Also beschließen wir, nicht
mehr über die Interpretation der Antworten zu spekulieren. Nichts anderes ist es: Ein Spekulieren und Interpretieren. 

 

Das e-Test-Zentrum von Kumluca liegt am Ortsausgang und ist angeschlossen an das Fachgymnasium für soziale Wissenschaften. Um die 20 Fahrschüler
warten mit uns auf Einlass. Gemäß den Corona-Regeln trägt natürlich jeder eine Maske, am Eingang wird die Temperatur gemessen. Bereits zuvor mussten wir unsere HES-Nummer angeben, die jedesmal
verlangt wird, wenn man ein öffentliches Gebäude, Läden oder Busse betritt. So kann im Fall einer Corona-Infektion erkannt werden, mit wem die Person in Kontakt war und gewarnt
werden. 

 

Der Testraum ähnelt einem Callcenter. In kleiner Boxen steht jeweils ein Computer mit Webcam. Ankara is watching you, wird uns erklärt. Jederzeit
könne aus der zentralen Prüfungsstelle überwacht werden, dass auch wirklich der Prüfling die Fragen beantwortet. Zuvor wird bereits das Gesicht gescannt (ohne Maske natürlich) und mit dem
biometrischen Foto abgeglichen, das man bei der Anmeldung zum Test einreichen musste. 

 

Meine Aufregung hält sich in Grenzen. Ich bin lediglich gespannt, ob die Testversion anders ist als die im Buch. Dann könnte ich Probleme bekommen.
Ich weiß schließlich, dass die „Asyltasche“ und auch „das Schiff“ die richtigen Antworten sind, allerdings weiß ich nicht, was sich dahinter verbirgt. Sollte es eine neue Übersetzung geben, wäre
ich wohl aufgeschmissen. Doch es kommt anders. Ganz anders. 

 

Als der Test beginnt, bin ich erstaunt. Alle Fragen sind auf Türkisch! Der einzige Button, den ich sehe, ist mit „English“ beschriftet. Also wende
ich mich an etwas schroffen Prüfungsleiter. „Ich habe mich für die deutsche Prüfung angemeldet! Wo finde ich die Version?“ Achselzucken. Arzum hakt noch einmal nach, aber der Prüfer zuckt erneut
mit den Schultern. Der personalisierte Test werde aus Ankara eingespielt, er könne da nichts machen. Ich frage mich derweil, was „Asyltasche“ wohl auf Englisch heißt. Asylum bag? 

 

Wie sich herausstellt, sind die Prüfungsfragen in einem deutlich besseren Englisch verfasst, als in dem Buch. Sie scheinen sogar grammatikalisch
einigermaßen okay. Das Problem ist nur: Besonders bei den medizinischen und mechanischen Fragen kenne ich die Fachbegriffe nicht. Die Uhr tickt. Wir haben 45 Minuten Zeit für die 50 Fragen mit
unterschiedlicher Wertigkeit, mit denen insgesamt 100 Punkte zu erreichen sind. Um zu bestehen, brauche ich mindestens 70 Punkte. Kurz vor der Prüfung erzählt uns ein anderer Prüfling, dass er
bereits zum zweiten Mal hier sei. Die Zeit habe einfach nicht ausgereicht, sagte er.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass der Test auf Englisch etwas umständlich ist. Erst erscheint die Frage auf Türkisch, dann muss ich auf „Englisch“
drücken, um eine Übersetzung zu bekommen, dann das Fenster wieder wegklicken und auf der türkischen Seite die Antwort auswählen. 

 

Nach knapp 20 Minuten habe ich alle Fragen beantwortet. Arzum war sogar noch etwas schneller. Die allermeisten anderen Prüflinge sitzen noch
angestrengt vor den Computern. Auf dem Rückweg rätseln wir noch, wie wir wohl abgeschnitten haben. Auch wenn mein Gefühl gar nicht mal so schlecht ist, stelle ich mich schon mal darauf ein,
englische Fachbegriffe für die Wiederholung zu pauken. Doch dazu soll es nicht kommen: Am Abend können wir unsere Ergebnisse online abrufen. Arzum hat 94 Punkte, ich immerhin 88. Bestanden! Was
will man mehr…

 

Der nächste Schritt ist dann in ein paar Wochen die praktische Prüfung, die praktischerweise nicht im echten Straßenverkehr stattfindet, sondern auf
einem Schotterparkplatz irgendwo einige Kilometer entfernt von Kaş. Bis dahin müssen wir ein paar Pflichtstunden absolvieren – auch nicht im Straßenverkehr, sondern direkt gegenüber der Marina,
wo lustlos jeden Donnerstag zehn Hütchen stehen, um die die Rollerfahrer kreisen. Das ist alles. Und das beste ist: Ich darf mit meinem eigenen Roller fahren. Sicherheitshalber schiebe ich ihn
aber zu den Fahrstunden. Sind zum Glück nur ein paar Meter. 

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Hören statt lesen

Jetzt gibt es was auf die Ohren: Float-Chefredakteurin Kerstin Zillmer hat mich für den Podcast „Float Originals“ über mein Leben an Bord befragt. Warum ich
ausgestiegen bin? Wie ich das Leben auf dem Boot geplant habe? Was es kostet? Wie ich Geld verdiene? Und über meine Pläne für die Zukunft. 

 

Hier geht es zum Podcast

Segeln, wenn andere Schneeschippen

(Text aus Video) Während es in Europa bitterkalt ist, mit Schnee und Eis, üben wir schon einmal den Sommer. Mit drei Boote und einem Apartment auf zwei Kufen sind
wir für ein paar Tage nach Kekova gesegelt, um ein bisschen Spaß zu haben. Vorausgegangen waren drei Wochen harte Arbeit an Land. 

Die to-do-Liste war lang. Neben einem neuen Coppercoat-Anstrich bekam die Dilly-Dally auch einen neuen Zierstreifen, wurde drei Mal poliert, ich kaufte eine neue
Ankerkette mit 80 Metern, wir tauschten ein altes Seeventil gegen ein neues,  reparierten eine Fußpumpe, schraubten an den Batterien und verlegten neue Leitungen. 

 

Dann war es endlich so weit. Die Dilly-Dally war wieder im Wasser und wir konnten das erste Mal in See stechen. Mal schauen, wie sich der neue
Coppercoat-Anstrich auf die alte Lady auswirkt? Und wir waren begeistert. Wir segelten relativ konstant mit sieben Knoten bei 12 Knoten Wind. Nicht
schlecht!

 

Mit dabei war Jan auf seiner Makamae, Karsten mit seiner Barrakuda of Denmark, die wir am Vortag Probe gesegelt haben, und Rainer mit seiner Lagoon. 

 

Mit optimalen achterlichen Winden erreichen wir das 21 Seemeilen entfernte Kekeova schon nach dreieinhalb Stunden. Gegen Ende briste der Wind sogar noch einmal auf
30 Knoten auf und die Dilly-Dally erreichte Geschwindigkeiten von his zu neun Knoten. Jan ist der erste am Ziel, dann kommen wir, dann Karsten mit seiner Barrakuda. 

 

Wie immer, wenn der Anker gefallen ist, bringen wir erst mal das Beiboot zu Wasser. Schließlich will der Hund auch mal an Land. An den grünen Plastikrasen hat er
sich leider noch nicht gewöhnt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Cingene Beibootfahren einfach Spaß macht. Als letzter kommt Rainer mit seinem schwimmenden „Reihenhaus“ in unserer Bucht
an. Aber er hat eine gute Ausrede. Knapp hatte er die griechische Seegrenze touchiert, sofort stellte ihn die Küstenwache. 

 

Am nächsten Morgen wartet, wie immer, die erste Gassi-Runde. Und weil die See immer noch fast 20 Grad hat, steht eine Runde
Wakeboarding nichts im Wege. Natürlich lässt sich Arzum die Gelegenheit nicht entgehen, zum ersten Mal in ihrem Leben Wakeboarding auszuprobieren. Aber
aller Anfang ist schwer. 

Dann ist auch schon wieder Freitag. Wir müssen zurück. In der Türkei gibt es am Wochenende eine Ausgangssperre (wegen Corona). Und zu allem Überfluss regnet es.
Zumindest anfangs. Nach ein paar Stunden sind wir schon wieder bei der griechischen Kastellorizo – und damit fast zu Hause, in der Marina von
Kas. 

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Ein Nachmittag auf der „Barracuda of Denmark“

Einen Tag, bevor wir mit vier Booten für einen kurzen Törn nach Kekova aufgebrochen sind, hat uns unser dänischer Freund Karsten auf seine
„Barrakuda of Denmark“ eingeladen, eine Beneteau 51 Idyll. Wer mit Beneteau, dem weltweit größten Hersteller von Sportbooten, nur die modernen „Joghurtbecher“ verbindet, der wird sich über die
alte Lady, gebaut 1986, nur wundern. Eine wirkliche tolle Yacht, solide und hochwertig. Und zudem mit hervorragenden Segeleigenschaften. 

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Project Coppercoat (Video)

Coppercoat polarisiert. Die
einen schwören auf den Kupfer-Unterwasseranstrich, die anderen sind skeptisch. Hält das teure Antifouling wirklich zehn Jahre, wie der Hersteller es verspricht? Und wie wird es verarbeitet?
Anders als bei herkömmlichen Antifoulings wird die kleinste Schlamperei bestraft – und stellt den versprochenen Langzeitschutz auf eine harte Probe. Zunächst muss das Unterwasserschiff von allen
alten Anstrichen befreit werden – restlos bis auf den Gelcoat. Der neue Anstrich, eine Kupfer-Epoxy-Mischung, muss zudem nass in nass gestrichen werden, dabei
darf sie nicht austrocknen. Teamwork ist gefragt!

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Coppercoat – Fluch oder Segen?

Nach knapp drei Wochen an Land, düst die Dilly-Dally schneller als je zuvor durch das Meer. Der neue Unterwasseranstrich zeigt Wirkung:
Coppercoat.  Lange hatte ich überlegt, ob sich der teure Kupferanstrich wirklich lohnt. Die Verarbeitung ist sehr viel aufwändiger als herkömmliches Antifouling und längst nicht jeder Eigner
ist zufrieden mit dem Ergebnis. Meine. ersten Erkenntnisse habe ich im Float-Magazin veröffentlicht.

 

Und so beginnt der Artikel:

Vor zwei Jahren hing sie das letzte Mal in den Seilen. Oder genauer gesagt: In den Schlaufen des Krans. Die „Dilly-Dally“, eine Moody 425, auf der ich seit knapp
zweieinhalb Jahren in der Türkei lebe. Und so ist es mal wieder an der Zeit, die alte Lady an Land zu hieven, um ihr ein neues Unterwasserkleid zu spendieren.

 

Das alte erinnert mittlerweile an eine Aquakultur für Muschelzucht. Ich hatte Shogun von Seajet verwendet. Doch die einst scharfe Klinge des Samurai-Schwerts war
stumpf geworden im Kampf gegen die Invasion der Weichtiere mit der harten Schale. Da half es auch nicht, dass ich mehrmals mit einem Spachtel bewaffnet zur Hilfe plantschte und in etlichen
Tauchgängen die Muscheln vom Rumpf kratzte. Das  selbstpolierende Antifouling hatte aufgegeben. Es musste ein neues her. Nur welches?

 

Hier geht es zum Artikel

Heiligabend auf dem Wasser

Es ist bereits das dritte Weihnachten auf der Dilly-Dally. Wie schon in den Jahren, zuvor sind wir in das Fest gesegelt.  Ein herrlicher Tag mit Freunden aus aller Welt auf und im Wasser,
mit Glühwein in Shorts – und einer großen Portion Königsberger Klopse. 

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