Monatsarchive: April 2019

Mit Sympathiebonus in die Kampagne

Endlich wieder ein Auftritt auf der
großen Segel-Bühne unter deutscher Flagge! Schon diese Ankündigung
löst bei den deutschen Segelfans große Begeisterung aus. Das
Offshore Team Germany (OTG) startet jedenfalls mit einem großen
Sympathie-Schub in seine Kampagne für eine Teilnahme am „The Ocean
Race“ 2021/22. Mit einem riesigen Vorsprung wurde das OTG im März
zu den Seglern des Monats gewählt.

Team-Manager Jens Kuphal und
Team-Kapitän Robert Stanjek haben das OTG-Projekt bereits vor über
zwei Jahren auf die Schiene gesetzt. Mit der Kampagne des Mini 6.50
„Lilienthal“ landete der neue deutsche Rennstall erste Erfolge.
Mit Skipper Jörg Riechers segelte OTG beim Mini-Transat 2017 auf
Platz zwei.

Jetzt hat das Offshore Team Germany die
nächste Stufe gezündet. Neben dem Mini-Projekt, das nun durch
Skipper Morten Bogacki besetzt ist, nimmt auch der Imoca60 Gestalt
an. Die Ex-„Acciona“ wurde bereits vor zwei Jahren vom OTG
gekauft, hat in den vergangenen Monaten einen kompletten Rumpf-Refit
in Portugal durchlaufen und wird nun in England frisch ausgerüstet –
vom Kiel bis zum Rigg.

Im März hat das Team den Weg in die
Öffentlichkeit gewagt und die Pläne für die kommenden Monate
veröffentlicht. Im Mai soll der Imoca60 ins Wasser, im Juni vor der
Kieler Woche getauft werden. Das Welcome Race zur Kieler Woche ist
dann die erste Regatta, das Fastnet Race im August der erste
Härtetest. Danach sollen dann auch die Foils entwickelt werden,
damit die Mannschaft unter Skipper Robert Stanjek die konkrete
Vorbereitung für „The Ocean Race“ starten kann.

Bei den Usern von Sail24 lösen die
Hoffnungen auf eine erneute Teilnahme am Welt-Etappenrennen offenbar
große Sympathien aus. Mit über 76 Prozent der Stimmen wurde das OTG
zu den Seglern des Monats gewählt und setzte sich damit gegen die
beiden weiteren Kandidaten durch.

Florian Gruber stand für seine Siege
beim Snowkite-Worldcup zur Auswahl. Er hatte zum Finale in der
Schweiz die Sieger-Trophäen für zwei Disziplinen-Worldcups und den
Gesamt-Worldcup überreicht bekommt. Frithjof Kleen – ehemals mit
Robert Stanjek Starboot-Weltmeister – ist bei den Starbooten einer
der begehrtesten Vorschoter. Beim Bacardi-Cup vor Miami, eine der
wichtigsten Regatten in dieser hochkarätig besetzten Klasse, segelte
er mit Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz (Polen) auf Platz zwei.

Die Ergebnisse:

  • Offshore Team Germany (Kampagne für „The Ocean Race“): 76,92 %
  • Florian Gruber (Snowkite Worldcup-Gold): 14,69 %
  • Frithjof Kleen (Bacardi-Cup, Platz 2): 8,39 %

Törnbericht: Segeln in Estland – Sehenswertes Revier im Baltikum

Törnstart mit Gegenwind

Das Wasser der aufgewühlten Ostsee strahlt im Gegenlicht der Sonne dunkelblau. Das Echolot misst 31 Meter, der frische Westwind zerrt am Rigg unserer Charteryacht und auf den kurzen, steilen Wellen tanzen weiße Schaumkronen. Von Backbord nähert sich ein großes Fährschiff, wir donnern mit Westkurs gegen die anrollenden Wellen an. Der Diesel unserer Hanse 400 bollert vor sich hin, stampft sich das Schiff fest, fällt die Logge auf unter drei Knoten.

Verhältnisse wie diese kennt jeder Ostseesegler, der bei Westwind schon mal von Fehmarn nach Kiel oder von Rügen nach Rostock musste. Doch wir sind weit nach Osten gereist, um Neuland zu entdecken: In Estland gibt es noch nicht lange Charteryachten. Ein Vertreter der Charterfirma hatte uns gestern in Tallinn empfangen, „2013 war unser erstes Jahr mit Bareboatcharter“, hatte ich erfahren. Jetzt stampfen wir durch das Seegebiet des Finnischen Meerbusens, es scheppert und kracht, die Entdeckungstour beginnt holprig.

Die ersten Seemeilen im neuen Revier bringen erstmal Spritzwasser an Deck

Estland ist das nördlichste Land der Baltischen Staaten, im Osten grenzt es an Russland. Kann man da wirklich segeln gehen und unbeschwert Urlaub machen? Oder erwarten einen hier die hässlichen Auswüchse jahrzehntelanger, kommunistischer Misswirtschaft? Marode Infrastruktur, kilometerlange Plattenbausiedlungen, grimmige Bewohner, ausufernde Bürokratie? Dazu vielleicht noch eine durch Industrie und Militär verunstaltete Natur?

Erste Antworten auf diese Fragen hatte die jetzt im Kielwasser liegende Metropole Tallinn geliefert. Verblüffend jung, weltoffen, modern und rausgeputzt zeigt sich Estlands Hauptstadt. Die Old City Marina am Fuße der Altstadt ist ein moderner Yachthafen mit Schwimmstegen, Yachtclub, freiem WLAN, Konferenzraum, Sauna, Restaurant und Supermarkt.

Die Old City Marina liegt nur wenige Gehminuten von Tallinns Altstadt entfernt

Tallinns Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe

Tallinn ist eine der ältesten Städte der Ostsee, das Zentrum der 400.000 Einwohner zählenden Stadt ist ein einziges Freilichtmuseum. Die engen Gassen der Unterstadt, die Adelshäuser und das Domschloss der Oberstadt, dazu die alte Stadtmauer, die alles umgibt – die Altstadt zählt seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der erste Eindruck von Tallinn ist umwerfend: jung, lebendig, rausgeputzt

Junge Studenten in Trachten buhlen rund um den Rathausplatz um Kunden für ihre mittelalterlichen Jahrmarktspiele, ein paar Schritte weiter trifft sich das Szenepublikum in den schicken Bars der Stadt, wir besuchen auch das neue Meeresmuseum. „Hier gibt es so viel zu entdecken“, hatte mein Bruder Martin, Architekt aus Köln, vor dem Ablegen gesagt, „man könnte Tage bleiben.“

Doch wie zeigt sich das Land abseits seiner fein gemachten Metropole? Wir erreichen Lohusalu nach quälend langen Stunden der Stampferei. Entlang der Nordwestküste, auf dem etwa 80 Seemeilen langen Weg bis zu den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa, gibt es nur eine Handvoll Häfen. Die Etappen sind 20 bis 30 Seemeilen lang, später, zwischen dem Festland und den Inseln, liegen die möglichen Ziele dichter beieinander. Segelt man an der Nordwestküste noch entlang der offenen und exponierten Ostseeküste, wird sich der Reviercharakter danach schlagartig ändern: enge Fahrwasser, geringe Wassertiefen, geschützte Gewässer.

Lohusalu: ruhig, einsam und abgeschieden

Lohusalu. Der Hafen liegt an der Spitze einer flach in die Ostsee auslaufenden Landzunge und am Ende einer weitläufigen, feinsandigen und von Nadelbäumen gesäumten Strandbucht. „Hier ist es ja richtig hübsch“, findet meine Mutter Heike aus Berlin. Der winzige Ort mit seinen drei Dutzend Häusern liegt einen Kilometer entfernt. Der Hafen ist ruhig, einsam und abgeschieden, doch die Infrastruktur ist beachtlich: eine rund um die Uhr besetzte Hafenmeisterei, moderne Sanitäreinrichtungen mit Saunabereich, Muringbojen, Strom und Wasser, eine Tankstelle, ein Restaurant und Leihfahrräder. Wir sind eine von drei Besucheryachten im Hafen und offenbar ein Highlight für den Hafenmeister: Er hisst für seine neu angereisten deutschen Gäste traditionsbewusst die deutsche Flagge.

Der kleine Hafen von Lohusalu ist gepflegt, ruhig und gut ausgestattet

Dirham – kleiner Hafen mit reichlich Genuss

Am nordwestlichsten Zipfel des estländischen Festlands liegt Dirhami. Eine große Mole für Handelsschiffe gibt der im inneren Hafen gelegenen kleinen Schwimmsteganlage Schutz. Hier ist alles etwas einfacher und weniger aufgeräumt als in Lohusalu, die Überraschung jedoch ist der Hafenkiosk am Ende der Kaje. Was nach Pommesbude aussieht, entpuppt sich als Gourmettempel: Im Dirham Summer Café gibt es nur frisch zubereitete Speisen, zur Vorspeise eine thailändische Kokosmilchsuppe, als Hauptgericht ein fangfrisches Seelachsfilet aus Norwegen mit gedünstetem Gemüse und Basmatireis. Und zum Nachtisch eine Quarkspeise mit frischen Erdbeeren, kandierten Haferflocken und frischem Basilikum. Heike ist sprachlos: „So gutes Essen an einem so abgeschiedenen Platz, das bekomme ich selbst in Berlin-Mitte nicht besser!“

Unerwartet und lecker: Der Hafenkiosk von Dirham

Plötzlich sitzt ein Segler aus Österreich mit am Tisch: Helmut aus Kärnten. Während des Essens ist er mit seiner 12,50 Meter langen Fels-Yacht eingelaufen, „die habe ich für 20.000 Euro bei Ebay ersteigert“, erzählt der ehemalige Unternehmer. „Doch bevor ich das Schiff ins Mittelmeer überstelle, möchte ich noch eine Ostseerundreise machen und nach St. Petersburg segeln.“ Er ist von Deutschland aus über Polen, Litauen und Lettland hierher gesegelt, „Estland gefällt mir am besten, es ist das am weitesten entwickelte Land hier“, sprudelt es aus ihm heraus. „Die Hafeninfrastruktur ist super, fast überall gibt es ein freies WLAN, es ist sauber, die Leute sprechen gutes Englisch und sind engagiert und freundlich.“

Der Strand gleich neben dem Hafen von Dirham lädt zu Spaziergängen ein

Nach dem Essen spazieren wir am Strand dem späten Sonnenuntergang entgegen. Dünengras raschelt im Wind, dahinter leuchtet dunkelgrün ein dichter Kiefernwald, am Ufer und im Wasser davor liegen unzählige kleine und große Findlinge. „Die sind mit der letzten Eiszeit aus Finnland hierhergekommen“, weiß Martin zu berichten. Tatsächlich war das ganze Land unter einer dicken Eisschicht begraben, die Küsten und das Hinterland sind flach, es gibt viele Wälder, Strände und mit dichtem Schilf bewachsene grüne Ufer.

Das Land ist flach, die Natur grün, für Segler gibt es viel zu entdecken

Die Gewässer um Hiiumaa und Saaremaa

Voosi kurk, Haapsalu laht, Väinameri und Hiiu väin heißen die kleinen Seegebiete, die die im Westen gelegenen großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa umgeben. Gewässer wie Minenfelder, überall versperren Flachstellen, kleine Inseln und Findlinge den Weg, auch an den tiefen Stellen ist es nicht mehr als sechs, sieben Meter tief. Zum Glück ist das Gebiet gut betonnt, enge Fahrwasser und viele Seezeichen weisen den Weg, „fast wie in den Boddengewässern rund um Rügen“, sage ich, während wir von Norden her auf einer Richtfeuerlinie in das geschützte Revier einfahren.

Die Betonnung des Reviers rund um die vielen Inseln ist vorbildlich

In Lee der kleinen Insel Hobulaid werfen wir den Anker für einen Mittagsstopp, danach schlängeln wir uns bis in die späten Abendstunden zur Ansteuerung von Orjaku auf der Insel Hiiumaa. Kurz vor dem drei Seemeilen langen Fahrwasser bis zum Hafen bergen wir die Genua, fahren einen Aufschießer, drehen den Zündschlüssel und hören – nichts. Wir versuchen es wieder und wieder, halten uns mit dem Großsegel auf Kurs, hören ein Klacken, prüfen die Batteriespannung und klopfen mit dem Hammer auf den Anlasser – doch der Motor bleibt still.

Der späte Sonnenuntergang in den hohen Breiten erleichtert die Törnplanung

„Klar bei Anker“ heißt das nächste Kommando. Kurz darauf liegen wir etwas abseits des Fahrwassers am Haken. Es ist bereits 22.30 Uhr, die Sonne ist gerade untergegangen, doch unser Ansprechpartner von der Charterfirma sagt: „No problem, ich rufe einen Freund an, der kann euch vielleicht helfen.“ Eine halbe Stunde später kommt jemand mit einem kleinen Motorboot angetuckert, übernimmt eine Leine und schleppt uns bis zum Liegeplatz. Die Seglergemeinschaft an Estlands Küste ist klein, da kennt jeder jeden und hilft.

„Bis 1991 durften wir hier gar nicht segeln, die Häfen waren kontrolliert und die Küste geschlossen“, wird unser Helfer später erzählen. Er schätzt, dass es heute nicht mehr als 300 Segelyachten im Land gibt, „der Sport ist hier bisher nicht so populär, die Leute glauben, das sei etwas Elitäres.“

Warten auf Hilfe – zum Glück wird es auch nach Sonnenuntergang nicht wirklich dunkel

Estland ist weniger Ostblock und mehr Skandinavien

Die Geschichte Estlands ist eine bewegte; während des zweiten Weltkriegs wurde das kleine Land kurzzeitig auch von den deutschen Nazis besetzt. Dann, im Herbst 1944, wurde es wieder unter sowjetische Herrschaft gestellt, damals wurden alle privaten Boote beschlagnahmt oder vernichtet. Die Russen waren hier nie beliebt, die Menschen waren durch ihre Nachbarländer Schweden und Norwegen schon immer eher westlich geprägt. „Auch unsere Sprache ähnelt dem Finnischen, wir sind nordische Menschen“, wird uns eine Dame vom Tourismusamt auf Saaremaa später erzählen. Erst 1991 erlangte das Land die Unabhängigkeit zurück, 2004 kam der EU-Beitritt und 2011 wurde der Euro eingeführt. Heute spürt man überall im Land eine Aufbruchstimmung.

Die Fischerei bleibt trotz Umbruch und Fortschritt ein uraltes Gewerbe

Ein Revier – zu groß für eine Woche

Die Insel Hiiumaa ist eine Perle. Es gibt eine Handvoll Häfen, schöne Strände, alte Windmühlen und den drittältesten noch in Funktion befindlichen Leuchtturm der Welt. Er ist das Wahrzeichen der Insel. Wir besuchen das 1531 in Betrieb genommene massive Bauwerk und kraxeln im Inneren 36 Meter hoch bis zur Aussichtsplattform.

Der Leuchtturm von Hiiumaa steht weit abseits der Küste

Zurück im Hafen von Orjaku, hier treffen wir eine deutsche Crew, die ebenfalls gechartert hat. „Wir sind von den Leuten und der Gegend super begeistert“, sagt der Kölner Skipper, „nur leider muss man hier auch im Sommer seine dicken Klamotten mitbringen.“

Unsere Hiobsbotschaft am Abend heißt: Der Anlasser ist defekt. Die Ersatzteilbeschaffung dauert ein bis zwei Tage, doch unser Vercharterer gibt sofort Entwarnung: „Im Hafen liegt ein Ersatzschiff bereit, eine Elan Impression 344, ihr könnt sofort umziehen.“ Das Schiff gehört ebenfalls zur Charterflotte, es ist das Boot eines Eigners aus Orjaku.

Wir packen ein und wieder aus, zum Glück müssen wir heute nur noch wenige Seemeilen bis zu unserem nächsten Ziel Orissaare auf Saaremaa segeln. Trotzdem wird spätestens hier deutlich, dass es unmöglich ist, das Revier in einer Woche zu erschließen. Saaremaa ist dreimal so groß wie Rügen, eine Umrundung der Insel misst 160 Seemeilen, mehr als eine Stippvisite ist für uns nicht mehr drin.

Wie hier auf der Insel Saaremaa erinnert auch der Baustil an Skandinavien.

Saaremaa: im Wandel und mitunter wunderschön

Orissaare. Erstmals versprüht ein Hafen den Charme einer alten Ostblockanlage. Die kleine Hafenpier ist mit Plattenbeton belegt und komplett mit LKW-Reifen behangen, weiter hinten steht ein verfallenes Lagerhaus. Die Umgebung aber ist wunderschön: Der Hafen liegt geschützt von der Insel Muhu an der schmalen Durchfahrt Välke väin. Grüne Schilfufer wuchern bis ans Wasser, es gibt ein einfaches, aber neues Toilettengebäude im Schwedenstil und der Hafenmeister, der eigentlich Lehrer ist, bewirtschaftet in seinen Sommerferien auch die Hafenkneipe.

In Orissaare auf Saaremaa ist die Infrastruktur bescheiden, die Menschen dafür gastfreundlich

Seine Mutter spricht Deutsch und zeigt uns am nächsten Tag die Insel. Erst fahren wir nach Kuivastu, in den Fährhafen, der Saaremaa mit dem Festland verbindet. Hier hat vor einigen Jahren ein neuer Yachthafen eröffnet. Die schönere Umgebung aber hat Simisti gleich nebenan zu bieten, ein winziger Hafen mit 12 Liegeplätzen. Sehr hübsch ist auch das Fischerdorf Koguva, der flache Hafen ist ganz neu, das hübsche Café nebenan auch, ein guter Platz zum Verweilen. Ständig werden entlang der Küste alte Anlagen erneuert und neue gebaut, kaum ein Hafenhandbuch ist hier auf dem neuesten Stand.

Viele neue Hafenanlagen wie die in Kuivastu entstehen im Land

Kuressaare ist eine alte Kurstadt mit Tradition

Das Zentrum des Yachttourismus auf Saaremaa liegt im Süden der Insel, im Yachthafen der Hauptstadt Kuressaare. „Mittlerweile kommen jeden Sommer mehr und mehr Boote aus Deutschland hier vorbei“, erzählt uns der Hafenmeister. Der Ort mit seiner spätgotischen Bischofsburg lässt seine alte Tradition als Kurstadt wieder aufleben, die Hotels bieten heilende Meeresschlammkuren an, und ganz in der Nähe gibt es schneeweiße Sandstrände und hübsche Küstenwanderwege.

Schöne Natur, spektakuläre Sonnenuntergänge und feinsandige Strände sind in Estland ständige Begleiter

Für unsere siebentägige Reise, deren Ende naht, sind das viel zu viele Ziele. Zum Glück haben wir einen Oneway-Törn gebucht und müssen nicht bis nach Tallinn zurücksegeln. Dafür stoppen wir auf der kleinen Insel Sviby, machen einen Fahrradausflug und testen beim Baden an einem Ankerplatz in der Nähe das wirklich kalte Wasser. „Geht doch“, findet Martin und schwimmt gleich mehrmals um unsere Yacht herum.

Kalt aber machbar: ein Badestopp vor der Insel Sviby

Törnende in Haapsalu

Haapsalu. Der lebendige Ort an der Westküste ist für einen Törnabschluss bestens geeignet. Im Yachthafen herrscht reges Treiben, es gibt ein Hafenrestaurant und eine Bar, und die kleine Stadt trumpft mit Galerien, Cafés und Museen auf, mit dem hölzernen Kursaal, einer seichten Strandbucht und einer parkähnlichen Anlage rund um die mittelalterliche Burgruine. Der Stützpunktleiter ist zur Abnahme des Schiffes in die Stadt gekommen, „und, wie hat es Euch bei uns gefallen?“, will er wissen.

Im alten Kursaal von Haapsalu ist ein stilvolles Café untergebracht

Fazit: Nicht nur die Infrastruktur ist top

Eine berechtigt Frage … Und plötzlich wird uns klar, dass wir schon seit Tagen einen gänzlich unbeschwerten Urlaubstörn genießen. Alle Vorbehalte und Sorgen während der Vorbereitung sind seit dem Start der Reise verflogen. Seglerisch wird sich hier jeder, der schon mal in der heimischen Ostsee gesegelt ist, sofort zuhause fühlen, und die vorhandene Infrastruktur für Yachttouristen hat alle Erwartungen übertroffen. Auch die flache Natur mit ihren vielen Stränden, Wäldern und Schilfufern hat alle an Bord unserer Charteryacht begeistert. Die größte Überraschung aber waren die Menschen. Ihr kraftvoller Wille, aus ihrer noch so jungen Freiheit etwas Neues zu gestalten, ist so ansteckend, dass man am liebsten bleiben und mit Anpacken möchte.

Die Lichtstimmungen sind nur eine der bleibenden Erinnerungen an Estland

Charter

Fast alle Charterangebote in Estland starten ab Tallinn

Der Yachttourismus in Estland ist jung, viel mehr als ein Dutzend Charteryachten gibt es nicht, dazu ein paar wenige Mitsegelangebote oder Yachten mit Skipper. Fast alle Angebote starten in Tallinn, gegen Aufpreis kann ein Oneway nach Haapsalu vereinbart werden (unbedingt lohnenswert bei nur einer Woche Törndauer). Weil die Chartersaison kurz und damit die Rentabilität vermutlich schwierig ist, sind in die Charterflotte auch ältere Schiffe integriert. Und Eignerschiffe, was zum Teil an besonderen Ausstellungsmerkmalen wie einem Teakdeck oder ein mit Utensilien des Eigners gefülltem Stauraum zu erkennen ist. Im Ganzen aber darf mit einem herkömmlichen Charterablauf gerechnet werden.

Diese Charter-Agenturen helfen dir, eine Yacht zu finden

Für eine deutschsprachige Beratung und die zuverlässige Buchung von Charteryachten bewährter Anbieter können diese Firmen behilflich sein:

Weitere Infos für einen Törn in Estland

Revier

Estlands Ostseeküste ist von der Grenze zu Russland im Osten bis nach Lettland im Süden etwa 250 Seemeilen lang. Im Westen liegen nahe der Küste noch einige große und kleine Inseln, sie bilden ein zum Teil in sich geschlossenes, geschütztes und binnenähnliches Revier. Von Tallinn zu den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa und wieder zurück sind es ohne Inselumrundung etwa 200 Seemeilen, bei einem einwöchigen Törn sollte man die Option Oneway mit Abgabe/Start in Haapsalu prüfen.

Navigation & Seemannschaft

Entlang der offenen Ostseeküste sind die nautischen Bedingungen vergleichbar mit denen der deutschen Ostseeküste, in den geschützten Gewässern rund um die Inseln Hiiumaa und Saaremaa im Westen mit denen der Boddengewässer. In beiden Fällen liegen entlang der flachen Küsten aber wesentlich mehr Steine. In schmalen Durchfahrten muss mit Strömungen gerechnet werden, bei Starkwind treten diese auch entlang der Küstengewässer auf. Der Tidenhub ist vernachlässigbar, Wasserstandsänderungen durch Wind, Luftdruck und Wassereintrag mit einer Amplitude von bis zu 2,30 Meter können aber auftreten.

Anreise

Nach Tallinn gibt es zahlreiche günstige Flugverbindungen. Direkt ab Frankfurt mit Lufthansa oder über Helsinki, Kopenhagen, Riga, Amsterdam oder Oslo entweder mit Eurowings, Finnair, Air Baltic, Scandinavian Airlines, KLM oder Estonian Air. Der Transfer vom Flughafen zum Hafen dauert etwa 15 Minuten und kann für 25 Euro (bis 4 Personen) gebucht werden. Ein Taxi vom Onewaystop Haapsalu zum Flughafen Tallinn dauert etwa eine Stunde und kostet um die 100 Euro. Über Land ist Tallinn von Berlin aus 1.500 Kilometer entfernt.

Wind & Wetter

Am schönsten ist die Zeit der „weißen Nächte“ von Mitte Mai bis Ende Juli, wenn es nur für wenige Stunden dunkel wird und die Durchschnittstemperaturen 15 bis 18 Grad betragen. Es kann im Juli aber auch richtig heiß werden, hohe Tagestemperaturwechsel machen das Revier auch im Sommer anfällig für Nebel. Ein stabiles Hochdruckgebiet sorgt für die besten Segelbedingungen, es muss aber immer mit durchziehenden Tiefdruckgebieten und Starkwind gerechnet werden.

Häfen & Ankerplätze

Auch mit Hilfe der EU wird nach wie vor viel in die maritime Infrastruktur investiert, wobei Estland im Vergleich zu den anderen Baltischen Staaten bereits viele Anlegemöglichkeiten besitzt. Die Dichte an Häfen ist für einen entspannten Urlaubstörn ausreichend, viele der Anlagen haben einen bemerkenswert guten Standard. In den Handbüchern werden kaum Ankerplätze beschrieben, trotzdem findet man entlang der Küste ausreichend Möglichkeiten für Ankerstopps. Die Hafengebühren für ein 12-Meter-Schiff betragen um die 20 Euro.

Eine sehr hilfreiche Webseite bei der Hafenwahl ist diese hier. Sie listet alle Häfen des Betreibers SL Marinas auf.

Literatur & Seekarten

– Hillar Kukk und Jeano Martin Ots, Estonian Cruising Guide
– Fay and Graham Cattell, Harbours of the Baltic States, Cruising Association

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Hayling Island, UK: Am Gründonnerstag auf Levje II. Oder: Wie man in England sein Boot lagert.

Mit England verbinden die meisten Menschen schlechtes Essen, schlechtes Wetter, ein teures Pfund und den Brexit. Alles Bad News also. Weil ich mit 16 zum ersten Mal auf der Insel war und damals von allen genannten Punkten das gerade Gegenteil dort erlebte, mochte ich das Land. Ich war beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen auf der Insel, die ich so nicht kannte, und von der Gastfamilie, bei der ich damals untergekommen war und die sich mühte, mir nur die besten Seiten dieses Landes zu zeigen. Man kann einem Land nicht gleichgültig gegenüber sein, wenn man bei der ersten Begegnung derart  eingeführt wurde. Als ich im Spätsommer die Bretagne erreicht hatte, waren die Liegeplätze dort rar, ich beschloss, für Levje in Südengland einen Winterliegeplatz zu suchen, sie dortzulassen und nachzuholen, was ich all die Jahre im Kopf gehabt hatte. Dieses England, das ich so mochte, einfach richtig kennenzulernen.

Ich habe nie das Ende meiner Reise vom vergangenen Sommer erzählt. Nach Alderney (siehe den vorvorigen Post!) segelte ich über den Ärmelkanal zur Isle of Wight. Und dort begann ich meine Suche nach einem Liegeplatz, wo ich Levje den Winter über lassen könnte. Südengland bietet vor allem teure Liegeplätze an. Aber weil Schnickschnack nicht mein Ding ist, suchte ich nach einer einfachen Lösung. Und fand sie auf einer Insel, auf Hayling Island, wo der 73jährige Barry und der 80jährige Dave einen kleinen Boatyard betreiben: Wilsons Boatyard.

Ich hatte mir verschiedene Liegeplätze vorher angesehen. Aber am besten gefiel mir Wilsons. Ein kleiner Marinabetrieb an einem Gezeitenfluß, ein sauber aufgekiestes Areal, und statt der üblichen Gestelle mit Balken abgestützte Boote, so, wie man eben seit der Antike Boote mit Holzstützen aufstellt. 

Die Sache hatte nur einen Haken: Die Werft liegt an einem Gezeitenfluss. Bei Flut ähnelt er mehr einem See. Bei Ebbe ist er nur ein Rinnsal, das keine 30 Zentimeter breit ist. Sean, der Vorarbeiter, der mir die Werft zeigte, sagte, ich könne mit Levjes zwei Meter Tiefgang nur bei Springtide den Gezeitenfluss heraufbringen, eben einmal im Monat und nur dann, wenn Sonne Mond und Erde in einer Linie stünden und das Wasser am meisten anheben.

Die letzten 100 Meter vor der Werft: Die Gasse, durch die mein Weg führte, bei Springtide…

… und dieselbe Gasse sechs Stunden später: Die Boote liegen im Schlamm –
„mudberth“, Schlammliegeplatz, nennt man in England diese Art, sein Boot übers Jahr zu bringen.
Alles lief gut. Im September ließ ich Levje auf Hayling Island bei Dave und Berry und Sean zurück. Irgendwie war diesen Winter viel los, ich hatte es anders als in den Vorjahren nicht geschafft, einfach mal nach meinem Boot zu sehen. Sah nur die Stürme auf den Wetterseiten, die in beeindruckender Häufigkeit im Winter entlang der englischen Südküste ziehen.

Die letzten Tage vor Ostern hielt ichs nicht mehr aus. Bekloppt vor Sorge über mein Schiff, das womöglich unbeachtet am Land liegt. Beim Aufwachen stellte ich mir vor, wie mit jedem Regen Wasser ins Schiff oder gar auf meine Koje auf Levje trillt. Oder die Stürme die Persenning zerfetzt hatten wie in Sizilien.

Als ich ankam, lag die Persenning tatsächlich lose. Ein Sturm hatte alle Zeisinge zerrissen, die Plane lag sauber aufgetucht auf dem Baum. Unter Deck mochte die Batterie nicht so recht, aber das gab sich.

Vor allem anderen gefiel mir Hayling Island, eine kleine Insel östlich der Isle of Wight, die sich 16.000 Menschen mit einer Menge Wattvögel und Schlickwürmer teilen. Die Insel ist nur über eine Brücke erreichbar. Und eine von drei nebeneinanderliegenden Marscheninseln, die sich nordöstlich an die Isle of Wight anschließen: Portney Island. Hayling. Thorney. Alle drei sind als Inseln heute fast vergessen – jedenfalls macht keine von ihnen viel Aufhebens darum, dass sie einmal Inseln waren. Portney Island ist über drei Brücken erreichbar und von einer 200.000-Einwohner-Stadt bedeckt, die besser bekannt ist unter dem Namen Portsmouth. Hayling und Thorney sind wie Portney ein Fußball-Feld vom Festland entfernt und mit einer Brücke verbunden. Im Grunde genommen ist Hayling nichts anderes als ein Vor-Vorort von Portsmouth, mit dem es früher auch durch eine direkte Fähre verbunden war. Und damit auf den ersten Blick halt eben eine dieser Kleinstädte an der südenglischen Küste, von denen manche eine mondäne Vergangenheit haben, die längst verflossen ist, seit die Menschen eben nicht mehr im eigenen Land Urlaub machen.

Hayling ist, wenn man Mittelmeer-Inseln kennt, auf den ersten Blick nichts Besonderes. Auf den zweiten Blick schon. Man muss die Insel mögen, wenn man England mag. Die Parklandschaft auf der Insel mit den Eichen am Ufer. Der Fasan, der aus dem Gebüsch am anderen Ufer ruft. Die Freundlichkeit der Menschen, die eigentlich keine Inselbewohner mehr sind, und die mich genauso erstaunt wie vor 42 Jahren. 

Vom Flughafen Gatwick ist man per Bahn und Bus in eineinhalb Stunden auf Hayling Island. Die Sonne schien, als ich ankam. Es war wärmer als daheim, der Löwenzahn blühte eine Woche, bevor er daheim ausschlug. Auf Daves und Barrys Boatyard brummte und


summte es vor Bootseignern, die ihr Boot für den Ostertörn vorbereiteten. Nur Dave, der 80jährige, der vor einigen Jahren das Skifahren ausprobiert und in Chamonix seine Leidenschaft dafür entdeckte hatte, wo er im Pflug (!) mit 80 (!!) letztes Jahr die Hänge


hinunterwirbelte, war traurig, weil ihn seine Schulter nicht recht ließ. Der 73jährige Barry werkelte an seinem Boot. Ich lernte Sandy kennen, der mir voller Stolz seine Dehler 34 zeigte, nicht ohne hervorzuheben, sie wäre ein direkter Nachfahre der DB I (unter Kennern: Jenes Bootes, dem Willi Dehler seinen Ruf als Werftbauer schneller Boote verdankte). Es ist ein nettes Völkchen, das da auf Hayling Island schleift und schmirgelt und spachtelt. Und sich in nichts an diesem Gründonnerstag vom Treiben in einer x-beliebigen Werft in Italien oder Griechenland unterscheidet.

Und das mit dem schlechten Essen, dem schlechten Wetter, dem teuren Pfund und dem Brexit? Das vergessen wir mal alles grob. Es wird höchste Zeit, Segeln zu gehen. Und die Vorurteile dahin zu verbannen, wo sie hingehören. Am besten ganz zuunterst in die Backskiste.

Das Eingangsbild dieses Posts, nur bei Ebbe. Brav sitzen die Schiffe im Schlamm wie Dromedare, die auf ihre Herren warten.



Fünfmal GER in den Top-Ten beim Lake Garda Meeting

Osterzeit ist Opti-Zeit. Die größten
Regatten der Welt in der Jüngstenklasse sind traditionell über die
Ostertage terminiert. In Slowenien, den Niederlanden und am Gardasee
gehen riesige Felder an den Start. Die größte Flotte gab es erneut
am Gardasee: 937 Optis segelten in der Leistungsgruppe, und drei
deutsche Segler kamen in die Top-Ten.

Der Italiener Marco Gradoni erwies sich
in dem Riesenfeld, das in sechs Gruppen segelte, als eine Klasse für
sich. Sechsmal in den acht Wettfahrten kreuzte der Weltmeister die
Linie als Sieger und ließ damit keinen Zweifel an seinem Gesamtsieg.
Doch auf den Plätzen fünf, sechs und zehn platzierten sich auch die
Deutschen stark. Allen voran der junge Leon Jost. Das Talent vom
Württembergischen YC ist der Aufsteiger des Winters, war bei allen
großen Regatten im Mittelmeer zuletzt in einer Topposition zu finden
und platzierte sich nun auf Rang fünf als bester Deutscher. Dicht
gefolgt von Caspar Ilgenstein und auf Rang zehn Carl Krause.

Bei den Cadettis mit den 90 Startern lief es noch besser für die deutsche Mannschaft. Amelie Röpke musste sich nur von einem Segler geschlagen geben. Und der Name an der Spitze war ein besonders prominenter. Erik Scheidt, Sohn von Segel-Superstar Robert Scheidt, setzte sich gegen die Flotte der jungen Segler durch – mit fünf Siegen in den acht Wettfahrten.

Ergebnisse

Südsee-Alltag

Fr., 19.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1783, 17.385 sm von HH

Die Tage verrinnen. Der Insel-Alltag ist geruhsam, aber ausgefüllt. Manchmal regnet es – nein, es schüttet. Innerhalb von zwei Stunden sind unsere Wassertanks voll bis zum Überlaufen. Fünfhundert Liter gefangen mit ‚German Engeneering‘. Alle zehn Tage kommt eine Schlechtwetterfront von drei Tagen Dauer durch.
An solchen Tagen verschwatzen wir den Vormittag bei unseren netten Schweizer Nachbarn oder erledigen ein paar Reparaturen. Das Dinghy Cover brauchte ein paar Flicken und Achim hat endlich den Fehler beim Außenborder (the Bitch, wie er das Teil liebevoll nennt) gefunden. Der Vergaser macht seit der Osterinsel-Reparatur keine Probleme mehr, trotzdem lief die Kiste noch immer nicht richtig. Hier in Gambier ist dann der Not-Aus-Schalter kaputt gegangen. Im Grunde ein Glücksfall, weil Achim jetzt den Fehler für den stotterigen Lauf des Motors entdecken konnte: Der Schlüssel vom Notaus hat nicht sauber die Leitung getrennt. Dadurch wurde die Zündung immer mal wieder kurz geschlossen und ‚The Bitch‘ lief unrund.
Ein neuer Schalter muss her, damit man beim Ausschalten des Außenborders keine geflankt bekommt. Unmöglich hier zu bekommen. Also hat Achim einen Kippschalter aus seinem Fundus eingebaut. Der hat genau drei Tage gehalten bis Salzwasser an den Schalter kam und der Schalter unter Strom stand. Eine neue Idee musste her. In meinem Nähkästchen fand sich ein alter Jackenknopf, der jetzt erfolgreich unser neuer Notaus-Schalter geworden
ist. Aus dem Boden einer Plastik-Dose in der mal Nüsse waren, wird ein neues Schauglas für die Tankanzeige am Tankdeckel, der schon seit Monaten zu Staub zerbröselt war.
Alles Schrott, was produziert wird, unser Außenborder ist nicht mal drei Jahre alt. :cry:

Neues Schauglas aus einer alten Plastikdose
Das Dinghy Cover kommt in die Jahre
Alter Jackenknopf als Notaus

Bei gutem Wetter gehen wir sammeln und jagen. Auf unseren Touren über die schöne Insel werden wir fündig: Chili-Schoten, Papaya, wilden Basilikum und sogar einen Kürbis können wir erlegen. Leider bereits im ersten Drittel der Strecke. „Ist nicht mein Lieblings-Gemüse. Wenn Du ihn willst, musst du ihn selber tragen“, lehnt Achim meinen Tragewunsch dankend ab. Dafür puckelt er mir zentnerweise Pampelmusen und Kokos-Nüsse an Bord.

Die anderen Inseln im Atoll müssen noch warten

Immer wieder schöne Aussichten

 

Und wir sind unter die Perlen-Sammler gegangen. Auf dem Festival konnte man für relativ wenig Geld Perlenschmuck kaufen. Leider alles im Oma-Style, Perlenketten halt, so gar nicht mein Geschmack. Dann gibt es hier noch eine Langzeit-Seglerin, die Perlenschmuck selber herstellt. Der ist moderner mit Lederbändern gefertigt, asymmetrisch aufgefädelt und ganz chic. Der Schmuck erscheint mir aber zu teuer zu sein.. 80 bis 190 USD soll dort ein Kettchen kosten. Wenn ich mir anschaue, wie inflationär bei der Dekoration für das Festival mit Perlen ‚um sich geschmissen‘ wird, können Perlen vor Ort nicht teuer sein. Hunderte von Perlen wurden mit der Heißklebepistole auf Muscheln und Stoff geklebt. Nun fällt diese Dekoration auseinander. Man braucht sich nur noch bücken und die Perlen einsammeln. :-) Diese sind natürlich nicht fehlerfrei, aber das sind die Perlen im Schmuck vom Fest und der Seglerin ebenfalls nicht. Jetzt muss Achim mir nur noch Löcher in die Perlen bohren.

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit - unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit – unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

Mit Heißkleber verklebte Perlen - im Hunderter Maßstab verarbeitet

Mit Heißkleber verklebte Perlen – im Hunderter Maßstab verarbeitet

Und es geschehen immer unerwartete Dinge: mal funktioniert das Internet für einige Tage nicht oder es kommt überraschend das angekündigte Versorgungs-Schiff einen Tag zu früh. Diesmal sind wir erfolgreicher beim Auffinden der angelieferten Waren und halten nachmittags echte Tomaten in den Händen. :mrgreen:
Dann wieder sieht Achim einen Menschenpulk an der Pier. Ein Muschelhorn erklingt. Was ist da los? Wir springen schnell ins Dinghy. Eine Karfreitags-Prozession läuft singend vom Hafen bis zur Kirche. Gefolgt vom Muschelbläser, der statt Kirchenglocke zum Appell ruft.

Muschelhorn statt Kirchenglocke
Karfreitags-Prozession

Wenn wir nicht nach Essen jagen, fahren wir bei gutem Wetter mit den Kajaks. An Deck nerven sie ja schon etwas, denn genau genommen sind zwei Stück doch etwas viel für unser kleines Schiff. Aber es war ein großartiger Kauf, erweitern sie doch unseren Radius unglaublich.
Wir wollten schon längst die unbewohnten Nachbarinseln im Atoll besucht haben, aber auf Mangareva gibt es einfach zu viel zu tun. Und schlechtes Wetter wird in einer einsamen Bucht auch nicht besser. Das ist mit ein wenig Unterhaltung besser zu ertragen.

Kajak-Ausflug

Kajak-Ausflug

Medaillenzug ohne deutsche Passagiere

Der Hempel Worldcup vor Genua wird ohne
deutsche Top-Platzierung zu Ende gehen. Nachdem die 49er Tim
Fischer/Fabian Graf in ihrem Medal Race nur auf Platz zehn gelandet
und damit auch im Gesamtranking Zehnte geworden waren, findet der
zweite Finaltag ohne deutsche Beteiligung statt.

Nach dem großen Auftritt der deutschen
Crews zum Jahresbeginn der Hempel Worldcup-Serie vor Miami mit
zweimal Gold und einmal Silber ist die deutsche Nationalmannschaft
vor Genua nicht über lediglich eine Medal Race-Teilnahme
hinausgekommen.

Tim Fischer/Fabian Graf hatten
hervorragend in die Serie hineingefunden und mit zwei Tagessiegen zum
Auftakt groß aufgetrumpft. Doch dann mussten die hoffnungsvollen
deutschen Talente eine Ergebnisdelle verkraften und rutschten
zwischendurch sogar aus den Top-Ten bei diesem von schwachen und
drehenden Winden geprägten Worldcup heraus. Rechtzeitg vor dem
Finale kam die Crew aus Hamburg und Berlin zwar wieder in Fahrt, doch
im Abschlussrennen gelang es nicht, die minimale Chance auf eine
Worldcup-Medaille zu nutzen.

Mit Platz zehn sorgten die 49er aber
einmal mehr für das beste deutsche Resultat. Die ebenfalls am
Samstag ausgetragenen Finals bei den 49ernFX und Nacra17 fanden
ebenso ohne deutsche Beteiligung statt wie die noch ausstehenden
Rennen bei den weiteren fünf vor Genua vertretenen Olympia-Klassen.

Dennoch durfte sich das German Sailing
Team über einige gute Ergebnisse freuen. Gut in die Elite haben die
470er-Juniorinnen Theres Dahnke/Birte Winkel gefunden. Die
Juniorinnen-Vize-Weltmeisterinnen des vergangenen Jahres wollen sich
in diesem Jahr im Feld der Seniorinnen zeigen und haben mit Platz 13
schon gleich mal ein Ausrufezeichen gesetzt. Bei ihrem ersten
Worldcup waren sie damit beste deutsche 470er-Crew und konnten die
zum Ende besser in Fahrt kommenden Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß
(15.) knapp auf Distanz halten. Auch die Wanser-Schwestern segelten
nach ihrem starken Auftritt vor Mallorca vor wenigen Wochen wieder in
die Top-20.

Die deutschen Top-20 beim Hempel Worldcup vor Genua:

  • 49er: 10. Tim Fischer/Fabian Graf, 14. Justus Schmidt/Max Boehme
  • 49erFX: 12. Platz: Victoria Jurczok/Anika Lorenz
  • 470er Frauen: 13. Theres Dahnke/Birte Winkel, 15. Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß, 19. Luise und Helena Wanser
  • Laser Radial: 20. Pauline Liebig

Das U-Boot RED PEARL alias MARLIN taucht wieder auf

{Time:16:42:00}
{Date:20190420}
{Position:12°00.0538’N, 061°45.7024’W}
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{Place:Prickley Bay / Grenada}
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{Temp Air/Pressure:30,6°C}
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{Title:Das U-Boot RED PEARL alias MARLIN taucht wieder auf}

Was in der Zwischenzeit passierte

Wir hatten eine tolle Zeit. Aber das hatte ich schon oft gedacht und dann gab es eine Bewertung bei handgegenkoje.de handgegenkoje.de, die mir die Fußnägel aufgerollt hat. Andreas Klein und Lena Sönnichsen haben mein Skipper-Leben verändert. Nun. Das war bestimmt ein Grund, der mich mental so unter Strom gehalten hat, dass ich etwas konstatiert gegenüber der Tastatur meines MacBooks war. Also fange ich den Absatz wohl besser noch mal von Neuem an – OHNE den alten Anfang zu überschreiben…

Ich hatte eine tolle Zeit mit meinen Mitseglern Olivia, Urs und Calle auf der MARLIN. Urs, der zumindest an der Oberfläche so tiefen-entspannt daherkommt, dass er alles im Sack hat, als eingefleischter patriotischer Schweizer; hat es sicherlich geschafft, ob gewollt oder ungewollt mag nun mal an zweiter Stelle stehen, ein Seemann zu werden. Ein Seemann muss nicht alles können an Bord eines Schiffes, sonder infiziert worden sein, mit den Planken die die Welt bedeuten. Nun haben wir keine Planken mehr an Deck, sondern solides Aluminium, die Auswirkungen allerdings sind die gleichen. Das er sein erstes Segelabenteuer direkt mit dem bekannten und berüchtigtem Skipper Wnuk hat, hat ihn dann wohl auch mit den richtigen Wassern gewaschen. Die Auswirkungen sind lebenslängliches Seefieber, was Urs noch nicht weiß, aber in den kommenden Jahren immer mehr zu spüren bekommt. Die Anwesenheit von Blume Olivia hat unser dreimännriges Leben an Bord verändert. Plötzlich sitzen die Herren der Schöpfung in T-Shirt am Frühstückstisch, die derben Sprüche über das andere Geschlecht fallen komplett anders aus. Nach einer kurzen Karenz Zeit entfaltet sich die Blume Olivia zur vollen Pracht und bestimmt den restlichen Verlauf der Reise nach dem Motto: Ich bin Profireisende! Ich will möglichst viel in den sieben Tagen an Bord erleben und mitnehmen. Urs nenn seine Bekannte liebevoll eine „Sympathische Schweizer Bergziege, die nicht stillsitzen kann.“ Und so gestaltet sich unser Weg. Zuerst einmal müssen grundlegende Bedürfnisse befriedigt werden. Nein, nicht was man so landläufig denkt. Es geht wirklich um aller vier Bedürfnisse. Tauchen und Kiten auf Union Island. Der Weg dorthin verschlingt eine kleine Ewigkeit. Ein wunderschöner Segeltag an allem vorbei was ich normalerweise besuche. Mayreau und Tobago Keys lassen wir links liegen. Bei Fregatte Island fällt der Anker. Calle muss schnell noch vor dem Abendessen einen Russenstart mit seinem Kite machen. Ich sichere ihn und lasse nicht los. Dafür habe ich ein paar Kratzer am Popo und Calle ist glücklich. Am nächsten Morgen gehen Blume Olivia und Urs auf Tauchstation. Micha und Calle hängen in den vier Leinen, die ebenfalls die Welt bedeuten, unter ihren Kites. Meine persönliche Erfahrung: Geil. Am nächsten Morgen der Muskelkater meines Lebens. Ich bin auf dem besten Weg mein Ziel zu erreichen, wieder an den Strand zu kommen, an dem ich bei ablandigem Wind gestartet bin. Alle vier treffen sich zum Sonnenuntergang auf der RED PEARL alias MARLIN. Das Abendessen ist der Hit. Alle tot vom Sport fallen um wie die Fliegen…

Man könnte Tage an diesem wunderschönen Platz verweilen, mein Calle, denkt Micha und vielleicht auch Urs. Aber es kommt anders. Wir verlegen an eine Mouring direkt hinter Happy Island in der Clifton Bay. Calle geht wieder aufs Brett, ich ins Dorf. Als die Sonne dem Horizont entgegenstrebt, vermute ich einen Sundowner auf Happy Island. Ich schrecke aus der Koje auf. Keiner zu Hause. Die farbigen Profi-Kiter machen ihre Kunststückchen am Happy Island. Die Menge grölt und jubelt. Urs war es doch so wichtig dabei zu sein. Hautnah. Blümchen und Ursli aber kommen erst später zurück vom Schnorcheln, haben dem Kite-Treiben aus der Schildkrötenperspektive zugeschaut. Versteh einer die Schweizer. Waren ihnen die Drinks zu teuer? Calle kommt auch irgendwann zurück. Ein Leinenunfall hat ihm einen Riesenknoten beschert. Er hat jetzt neue Freunde, die ihm beim Entknoten geholfen haben. Ich schmeisse die Spanish Makrel in den Ofen, ein paar Gewürze und Gemüse. Schon ist die Stimmung wieder da wo sie hin soll. Küchenchef Michael fällt tot um. Zuviel Kochwein?

Schnell sind wir da wo wir hinwollen. Schnell klarieren wir am nächsten Tag aus. Schnell segeln wir in die Tobago Keys. Schnell springt meine Crew ins Wasser und schnell gibt es eine Kleinigkeit zu essen aus Michas Küche. Wassersport macht eben hungrig. Das Lobsteressen gehört dazu und das der Skipper von der Bordkasse frei ist; mir ist es lästig das erklären zu müssen. Mir ist das unangenehm. Das ist einfach so. Faktum: Calle kommt nicht mit, Blume Olivia und Urs haben mit mir einen tollen Abend. Herzlichen Dank noch mal an dieser Stelle für die Einladung und Anerkennung meiner Dienste und Fähigkeiten als Skipper. War ein bisschen schwierig für alle. Heute. Zuviel schnell.

MARLIN reitet Olivia und CREW 54 sicher in die Prickley Bay. Als wir ankommen haben die Behörden schon zu. Nun gut. Dann bleibt meine CREW eben noch eine Nacht länger. No worries. Wir haben noch Hühnchen. Ich schmeisse den Druckkochtopf an und es gibt ein Sterne Abendessen dass mich selbst erstaunt. Normalerweise kocht Nathalie das Hühnchen in Kokosnussmilch.

Und um wieder den Faden vom Anfang aufzunehmen. Ich bewerte jetzt mal meine CREW 54, anstatt andersherum plötzlich an die Wand gestellt zu werden, zum Abschuß, so wie es Lena und Andreas von CREW 50 gemacht haben. Blume Olivia war mir zu schnell. Auch ein Profi-Reisender sollte sich Zeit nehmen. Die gleiche Reise hätte man auch in drei Wochen viel entspannter für alle erleben können. Es gab Höhen und Tiefen und alle haben das beste daraus gemacht. Es gab immer eine offene Kommunikation. Die CREW 54 gehört zu meiner Premium Crewerinnerung. Vier Menschen, die allesamt in einer Orientierungsphase sind, auf 40 Quadratmeter einzupferchen, ist ein Experiment. Das Experiment ist zu 95% gelungen. Saefty, Segeln, Essen und trinken war immer erste Sahne. Hey. Es war eine schöne Zeit mit euch. Gerne wieder. Fünf Sterne für meine Gäste. Punkt.


Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 55 Grenada – Antigua. Noch zwei Plätz frei!
CREW 56 Kite & Sail Expedition Grenadines.
CREW 57 Kite & Sail Expedition Los Roques.
CREW 58 Nike Steiger segelt die MARLIN gegen den Wind ins Paradies.

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Tracker Atlantiküberquerung 2019



Bobby Schenk und die unstillbare Sehnsucht nach der See

Bobby Schenks Blauwasserseminar 2019: <p>
	Altmeister. Bobby Schenk bei seinem j&uuml;ngsten&nbsp; Blauwasserseminar</p>

Er hat schon viele „letzte“ Vorstellungen gegeben. Vor Ostern tat er es wieder, erneut vor vollem Haus. Warum Schenk es „eines seiner Blauwasserseminare“ nennt

Top-Ten verpasst, Ticket gewonnen

Die Geduldsspiele von Genua haben am Karfreitag zwar etwas an Schwung gewonnen, doch es bleibt bei einer schwachen Brise bei diesem Hempel Worldcup. Heute stehen bereits die ersten Medal Races (für die Skiffs und Kats) an. Allerdings sind nur Tim Fischer/Fabian Graf als Achte der 49er dabei vertreten. Die 49er-Frauen Victoria Jurczok/Anika Lorenz lösten derweil das Ticket zu den Pre-Olympics.

Der erste Worldcup-Auftritt jemals vor
Genua war vor allem durch viel Wartezeit geprägt. Die Teams in acht
olympischen Disziplinen (die Surfer fehlten, sie hatten direkt vor
dem Worldcup ihre EM terminiert) mussten viel Phantasie an Land
aufbringen, um die Zeit zu überbrücken.

Am Karfreitag blieb der Wind zwar
weiter flau, aber von den geplanten 42 Rennen gelangen immerhin 41.
Damit steuert der Hempel Worldcup auf das Final-Wochenende zu.
Während die 49er, 49erFX und Nacra17 bereits heute ihr Medal Race
segeln, sind die anderen Klassen am Sonntag dran.

Bei der Skiff-Frauen sind die deutschen
Teams nicht im Medal Race vertreten. Tina Lutz/Susann Beucke, die
noch bei der Palma-Regatta als Siebte für ein Top-Ergebnis gesorgt
hatte, kamen vor Genua gar nicht in Schwung und verpassten sogar die
Goldflotte. Damit hatten sie auch ihre Chancen auf die Teilnahme an
den Pre-Olympics im August verspielt. Denn der Worldcup galt in
dieser Klasse als zweites deutsches Quali-Kriterium nach Mallorca.
Victoria Jurczok/Anika Lorenz, die durch zwei schlechte
Abschlussrennen zwar auch noch aus den Top-Ten rutschten, konnten
damit trotz des zwölften Platz’ ein wenig feiern. Sie vertreten
Deutschland nun vor Enoshima zu der Testregatta für Olympia 2020.

In den anderen Klassen werden die
Tickets für die Pre-Olympics erst bei den Europameisterschaften
verteilt, die allesamt im Mai gesegelt werden. Damit dürften auch
Justus Schmidt/Max Boehme ihr Abrutschen auf Platz 14 vor Genua
verkraften. So dürfen sie im finalen Rennen nicht mehr an den Start,
und Tim Fischer/Fabian Graf vertreten als Achte die deutschen Farben
im Medal Race. Auf eine Medaille haben sie allerdings nur noch
minimale – und allenfalls theoretische – Chancen. An der Spitze
halten die australischen Gilmour-Brüder die neuseeländischen
Superstars Peter Burling/Blair Tuke knapp auf Distanz. Burling/Tuke
scheinen indes ihr Comeback in die Olympiaklasse vollzogen zu haben.
Auf Mallorca noch Siebte sind die Olympiasieger und AC-Gewinner nun
wieder mittendrin im Medaillenspiel.

Ohne Schwarz-Rot-Gold wird das
Nacra-Finale gesegelt. Johannes Polgar/Carolina Werner rutschten nach
gutem Start noch auf Platz 22 ab, Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer
beendeten die Serie sogar vorzeitig und wurden 35. von 45
Mannschaften.

Für die anderen Klassen geht es heute
noch in den Flottenrennen an den Start. Aktuell einzige Mannschaft
des German Sailing Team in den Top-Ten sind die 470er-Juniorinnen
Theres Dahnke/Birte Winkel.

Preisbrecher Oceanis 30.1 – Beneteaus Einstiegsmodell

Test Oceanis 30.1: <p>
	Test der Oceanis 30.1</p>

Sie ist die aktuell kleinste Oceanis… und hat das Zeug, mit einem Preis von unter 90.000 Euro der Konkurrenz in der 9-Meter-Klasse das Fürchten zu lehren

Verschleiß der Segel: Präventiv-Maßnahmen

  • Segel sollten saisonal auf Beschädigungen hin gesichtet werden – und von Salzwasser mehrfach pro Saison freigespült werden
  • Belastungsbereiche wie Lieken, Nähte und Reffaugen verdienen besondere Beachtung
  • Wo Segel Kontakt zum Boot bekommen, also an der Reling wie raumschots oder an den gepfeilten Salingen, sollte man präventiv sogenannte „Patches“ setzen – verklebte Verstärkungen, die vorzeitigen Verschleiß verhindern
  • Nach jedem Starkwind-Törn verdienen Segel besondere Beachtung: Kleine Gewebe-/Strukturschäden werden schnell zum Riss, wenn man nicht rechtzeitig reagiert
  • Eine Tasche mit verschiedenen selbstklebenden Segeltüchern, Segelgarn, Schere, Däumling, Tuch und Patches (bei Segelmachern erhältlich) sollte jeder Fahrtensegler an Bord haben, um auf dem Törn reagieren zu können
  • Verstärkende Reparatur-Patches sollten beidseitig aufgeklebt und gerundet geschnitten werden, damit sie langfristig halten
  • Wo Schäden aufgetreten und bearbeitet worden sind, sollte man den dann sensiblen Bereich drum herum besonders beachten
  • Rechtzeitig reffen – wer mit extremer Krängung weit über 25 Grad segelt, verschleißt unnötig Material, ohne die Performance/Geschwindigkeit zu verbessern
  • Sind sie nicht im Einsatz, sollten Segel unter einer Persenning geschützt werden. Sofern das Rollsegel keinen UV-Schutz am Achterliek besitzt, braucht es einen Schutzschlauch

Mehr zum Thema Segel gibt es in der aktuellen segeln-Ausgabe.