Monatsarchive: Oktober 2018

Trocken Fallen Lassen

Zwischen den Inseln der Sehnsucht

Es war der vereinbarte Plan. „Wir segeln mit der IRON LADY zurück nach Europa und werden auf den Kanarischen Inseln wieder Fuß in der normalen Welt fassen.“ In Las Palmas auf Gran Canarias sollte unser Leben nach sieben Jahren Weltumsegelung einen neuen, normalen Anfang, mit Maya und Lena an den Händen, nehmen. Aber alles ist anders gekommen. Größer, Roter, Schiffiger, was die Seefahrt betrifft. Deutscher, als ich es mir jemals vorgestellt habe für meine Töchter. Ausgebremst und Trocken gefallen sind die Träume und Ideale meiner Jugend. Umgesetzt wird, was die Normalität einer deutschen Staatsbürgerschaft erwartet. Die Kanarischen Inseln verheißen mir da immer noch da Gefühl der Wahlheimat. Endlich komme ich dazu, wenn auch nur einen sehr kurz einen Blick auf die Insel La Palma zu erhaschen. Noch nie war es so schwierig meine Inseln im Atlantik zu erreichen. Diesmal habe ich wirklich Federn gelassen und auch mein Gemüt ist bei der tagelangen Dumm-Motorerei trocken gefallen. Nun, wir stehen grade mal eine Handvoll Meilen von La Palma, da geht der versprochene Trade Wind aus Nord wieder in die Knie, lässt uns allein und mit dreieinhalb Knoten dahintreiben. Mit den dynamischen Fotos aus der Yachtzeitung oder der Instagramwelt hat das alles nichts zu tun. „Wollen wir noch eine Nacht herumdümpeln?“ Skipper Wnuk verliert die Geduld, so wie immer wenn 50 Meilen vorm Ziel der Wind ausgeht. Irgendwann einmal wird der Motor ausfallen. Genau 50 Meilen vorm Ziel, vorm Hafen, vorm Trocken Fallen Lassen der Seele, des Gemüts. Dann bekomme ich eins auf den Deckel, wenn ich zwei Tage brauchen werde um irgendwann nur unter Segeln in den Hafen einzulaufen. Geduld. Geduld war noch nie meine Tugend.

Der endgültige Abschied von Erika ist nun besiegelt. Die Nachfolgerin ist bestellt und bezahlt. Eins ist sicher: Erika wird sie nimmer heißen. Ich habe ernsthaft über ein Seebegräbnis nachgedacht, so wie auch ich an meinem Ende Ruhe finden werde. Meine Peinigerin kann ich keines guten Gewissens verkaufen, weder verschenken, noch verschrotten. Da werde ich wohl erstens noch drüber nachdenken müssen und zweitens…

Mitseglerin Birgit und ich kennen uns schon mehr als dreissig Jahre. Ex von meinem besten Freund Guido, alte Bekannte aus Düsseldorfer Zeiten. Den guten Zeiten, als der Ratinger Hof noch Ratinger Hof war. „Mit Dir zu segeln, ist auf jeden Fall ein Erlebnis!“, meint Birgit und zieht dabei ihren linken Augenbraun hoch und schaut gefährlich nah über die Brille. Meint sie das jetzt ironisch? „Mit Freunden oder guten Bekannten zu segeln meist in die Hose!“, sage ich dazu. Birgit und ich hatten eine sehr gute Zeit zusammen. Wir haben unseren Weg gefunden. Birgit hat Offshore Segeln kennengelernt und wer wissen will ob sie die große Freundschaft zur See gefunden hat, der fragt sie dazu und sie wird das sagen, was sie darüber denkt. Und so ist das auch richtig so.

Mitsegeln auf der MARLIN!

CREW 48 La Palma (Kanarische Inseln) – Kapverdische Inseln Rundtour 27.10.2018 – 15.11.18CREW 50 Atlantiküberquerung Kapverden – Karibik 15.12.18 – 11.01.19 Danach geht es in der Karibik weiter. Im März im Antillenbogen nach Guadeloupe und im Mai zu den Bermudas und über den Atlantik zu den Azoren. 2019 geht es dann Rund England. Na? Lust mit zu segeln und den Platz schon mal zu reservieren?Mensch wir freuen uns auf auf dich, der die du mitsegeln willst. Buche Deinen Platz hier: www.marlin-expeditions.com

Zum Wasserfall ‚Del Plato‘ (wo wir nicht ankommen sollen)

Mo., 22.Okt.18, Ecuador/Vilcabamba Tag 1605, 13.337 sm von HH

Der Trip dauert fünf Stunden und sei ‚medium difficult‘, preist eine Wanderkarte, die wir im Hostal bekommen haben. Ich finde ihn ‚medium Mist‘. Nach einer dreiviertel Stunde Marsch auf netten Wegen, vorbei an kleinen Höfen, geht es sofort steil bergauf.

Sand-Transport zum Hausbau

Sand-Transport zum Hausbau

Hier ist es noch gemütlich zu laufen

Hier ist es noch gemütlich zu laufen

 

Es ist früher Vormittag, die Sonne brennt. Es ist zum Laufen auf Ebene schon fast zu warm, erst recht zum Überwinden von 350 Höhenmetern. Und dann auch noch ohne Schatten.

Wir kämpfen uns den staubigen Weg hoch. Wie immer kämpfe ich mehr als Achim. Fit tänzelt er vor mir her. So wie es im Augenblich aussieht, wird das in Zukunft sogar noch schlimmer werden. Ich darf es verraten, Achim raucht seit über vier Wochen nicht mehr (hipp-hipp-hurrah, Jubel, Freude, ich drück dich, Begeisterung, gefällt mir riesig, Herzen-in-den-Augen-Emotij :-) )

Nichtrauchender Pfadfinder

Nichtrauchender Pfadfinder :-)

Als wir nach einer Stunde das Schlimmste hinter uns haben und es ‚leichter‘ werden soll, höre ich plötzlich ein ‚Flapp-Flapp-Fladder‘ an meinem Wanderschuh. Eine Sohle hat sich halb gelöst und schlackert lose herum. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass ich sie komplett verlieren werde. Nur auf dem Inlett den Berg runter, möchte ich auf keinen Fall. Außerdem muss der Schuh gerettet werden, es sind meine einzigen Wanderschuhe, die ich dabei habe.

Sofort sind wir MacGyver-artig unterwegs. Wir durchsuchen unsere Rucksäcke nach etwas zum Zusammenbinden. Ohne großartige Ausbeute. Da fällt mir das Gummi an meiner Hose unten am Knöchel ein. Das schneiden wir ab (die Hose ist übrigens nagelneu – ihr zweiter Einsatz). Durch einen dieser Nöppel, die Gummis auf Spannung halten, können wir das Gummi stramm ziehen und an den Schnürsenkelhaken befestigen. Das sieht vielversprechend aus. Achim hat dann noch die Idee, die Kanten mit Pflaster gegen Durchscheuern zu schützen. Das beste Tape, was wir dabei haben. Das funktioniert wunderbar. Das ‚Flapp-Fladder‘ ist weg. Ich kann normal weiter laufen. Wir drehen nicht um.

MacGyver im Einsatz
Notreparatur, die viele Kilometer halten soll

Der Weg ist jetzt schattiger und recht eben, so dass das Wandern wieder Spaß macht. Die Landschaft hat durchaus etwas, leider ist alles braun und verbrannt. Wir sind eindeutig zur falschen Jahreszeit hier. Nach der Regenzeit, wenn alles grün ist, muss es wunderschön hier sein.

Unten rechts liegt Vilcabamba

Unten rechts liegt Vilcabamba

Eine Stunde laufen wir noch weiter, dann hören wir ihn schon, den Wasserfall. Jedoch hat davor der Teufel einen steilen Abstieg in pralle Sonne gestellt. Wir können ihn deutlich sehen. Der bedeutet Kraxelei. Es ist jetzt Mittag und brüllend heiß. Was man runter geht, muss man auch wieder hoch. Wir schauen uns in die Augen und uns fällt gleichzeitig mein kaputter Schuh ein: „Unmöglich! Damit kannst Du den Abstieg nicht riskieren. Ist doch auch nur ein Wasserfall in der Trockenzeit!“ Wir drehen um.

Es ist einfach nur scheisse heiss

Es ist einfach nur scheiße heiß

Zurück ist es natürlich nicht so anstrengend. Aber die Hitze. Solche Temperaturen sind wir gar nicht mehr gewöhnt aus dem kühlen Bahía. Wir kämpfen uns zurück, die Strecke zieht sich. Nach guten fünf Stunden haben wir es geschafft und mein Schuh ebenfalls. Der liegt nun beim Schuster und ich kann ihn Morgen abholen.

Loik Lepage gerettet, Laaland gesunken

Scanstrut Rokk Wireless: Kabellos laden

Der Rokk Wireless lädt Smartphones wieder auf, ohne eine Kabelverbidnung zum Telefon zu benötigen. Ermöglicht wird das durch die QI-Technologie, die mittels elektromagnetischer Induktion Energie übertragen kann. Allerdings muss das Smartphone diesen Standard unterstützen. Die Ladestation kann in Oberflächen integriert werden und verfügt über einen Antirutschbelag, sodass die Geräte auch bei Krängung an Ort und Stelle bleiben.
www.scanstrut.com

The Dilly-Dally-Diaries, Part 2. Leaving Marmaris

Unter Deck der DAY.M8

Unter Deck hat sich Designer Klaas Bood an ein klassisches Layout gehalten, im Bug die obligatorische Dreieckskoje aufgestellt, dahinter zwei lange Salonbänke, die in Hundekojen münden. Dank weißer Wände, Polster in warmem Ockerton und schmalen Holzkanten wirkt die Kajüte hell und wohnlich.

Als Daysailer deklariert, bietet der achteinhalb Meter lange Kajütkreuzer mehr Innenraumkomfort als vermutet. Der flache Aufbau ist hoch genug, um aufrecht zu sitzen, die Kojen sind lang und breit genug, um vier vollwertige Kojen aufzuschlagen. In einem entsprechend angepassten Schapp kann ein Porta Potti sicher verstaut werden, eine maßgeschneiderte Kochkiste, die als Extra gilt, verschwindet unter dem Sofa, wo auch noch Platz zum Stauen von Kleidung und Wochenend-Proviant bleibt. Sperrige Ausrüstung landet achtern in den großen Backskisten.

Trotz ihres Namens kann die DAY.M8 auch als Weekender gelten, Komfort und Platzangebot lassen das zumindest zu. Bei schlechtem Wetter und verschlossenen Schotten sorgen zwei Permanentlüfter für eine gute Luftzirkulation. Eine Seltenheit auf Yachten dieser Größe und ein weiteres Plus.

Leo besucht Bootsprojekte in England

WELTPREMIERE: Bente 39

Dieses Boot wurde heiß erwartet: Nachdem die Bente 24 im Jahr 2015 bereits den Kleinkreuzer-Markt aufgemischt hat, soll nun die Bente 39 neuen Schwung in den umkämpften Bereich um 12 Meter bringen. SAIL24 war an Bord und hat mit dem Konstrukteur und Geschäftsführer von Bente Yachts, Alexander Vrolijk, gesprochen und sich “den Audi der Meere” zeigen lassen.

Lagoon 46: Blick in die Zukunft

2019 kommt auch von Lagoon ein neues Modell. Gezeichnet wurde der 46 Fuß lange Katamaran von den Multihull-Spezialisten der VPLP-Gruppe, die den Schwerpunkt hier auf bequemes, sprich leichtes Segeln und komfortable Unterbringung gesetzt haben. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Komponenten herzustellen, war die Herausforderung, der die französischen Yachtkonstrukteure mit einem erhöht liegenden Steuerstand und drei großzügigen Polsterlandschaften (vor dem Aufbau, oben auf der Flybridge und im riesigen, überdachten Cockpit) begegnet sind.

Der Steuerstand auf der Flybridge ist mittig angeordnet, mit dem Vorteil, dass zu beiden Seiten Platz bleibt für Crewmitglieder, die beim Trimmen helfen möchten. Sämtliche Fallen und Schoten sind nach achtern aufs Kajütdach umgelenkt, wo sie vom Skipper und seinem Team bedient werden können. Da standardmäßig eine Selbstwendefock gesetzt wird, gibt es ohnehin nicht übermäßig viel zu tun. Wer lieber entspannt und trotzdem gern nah am Geschehen ist, macht es sich auf dem Rücken des Rudergängers bequem, auf der dortigen, komfortablen Polsterlandschaft.

Etwas dunklere Hölzer im Inneren

Fürs Interieur stehen zwei Einrichtungs-Varianten zur Auswahl. Je nach Layout gibt es Schlafplätze für sechs oder acht Personen. In der Eigner-Version wird der gesamte Steuerbord-Schwimmer des Lagoon 46 zur Suite ausgebaut. Das bedeutet: Es gibt ein komfortables Schlafzimmer mit Ankleidebereich und Sitzkombination, die als Lese- oder Büroecke genutzt werden kann. Der vordere Bereich ist einer großzügigen Nasszelle vorbehalten, mit separatem WC-Raum und abgetrennter Duschkammer. Im Backbordschwimmer sind zwei Doppelkabinen eingerichtet, jede mit eigenem Bad. Das alternative Vier-Kabinen-Interieur besitzt in beiden Schwimmern jeweils zwei Kabinen. Wie üblich stammen die Interieurpläne von Nauta Design.

Technische Daten

Konstruktion: VPLP Design
Lüa: 13,99 m
Breite: 7,96 m
Tiefgang: 1,30 m
Verdrängung: 16,6 t
Wassertank: 2 x 300 l
Treibstofftank: 2 x 520 l
Motor: 2 x 45 PS / opt. 2 x 57 PS
Groß: 87 m²
Selbstwendefock: 53 m²
Web: www.cata-lagoon.com

Startnummer 1.352 bei der Barcolana

Vilcabamba – wildromantisches Bergdorf

So., 21.Okt.18, Ecuador/Vilcabamba Tag 1604, 13.337 sm von HH

Die Strecke von Zaruma nach Vilcabamba zieht sich. Für knapp 200 Kilometer benötigen wir sechs Stunden plus Umsteige-Wartezeit. Eine zähe Anreise durch wild zerklüftete Berglandschaft, dünn besiedelt und wenig erschlossen. Die Anden erheben sich hier nur auf 2.500 Meter. Schließlich landen wir dann doch in Vilcabamba.

Vilcabamba, ein Dorf mit fünftausend Leutchen, liegt hübsch eingeschmiegt in einem Tal auf 1.600 Meter. Der Ort kommt spontan sympathisch rüber. Ein paar Hippies hängen ab, spielen Gitarre oder wollen ihren Schmuck verkaufen. Dazwischen sieht man ein paar Wanderer und hängen gebliebene Ausländer, die sich hier nieder gelassen haben.
Ein Paradies für Trekking und zum Reiten.

Vilcabamba

Vilcabamba

Vilcabamba gilt als das Tal der ‚Hundertjährigen‘. Eine überdurchschnittlich hohe Lebenserwartung wird den Einwohnern nachgesagt. Das zieht auch Esoteriker an, die behaupten, hier sei das ‚Herz der Erde‘ zu finden.
Alles Schwindel, der auf der übertriebenen Altersangabe der älteren Vilcabamber beruht. Ein Abgleich von Dokumenten hat ergeben, dass Anwohner mit 60 behaupten 71 zu sein, fünf Jahre später sind sie bereits 80 und mit 87 Jahren auf wundersame Weise 121 Jahre alt.

Dramatische Berge umrunden Vilcabamba

Dramatische Berge umrunden Vilcabamba

Direkt von unserem Hostal aus können wir unsere erste Wanderung starten. Für Ecuador unüblich, gibt es ausgeschilderte Wanderwege. Keine Gefahr sich zu verlaufen.
Unseren ersten Trek wollen wir ruhig angehen lassen. Langsam soll die Cockpit-Fäule aus den Beinen vertrieben werden. Der zwickende Waden-Muskelkater vom kleinen Hausberg in Zaruma ist zum Glück bereits am Abklingen. Zunächst geht der Plan auf. Zu ebener Erde geht es an einem Plätscherbach entlang. Schon bald führt unser Weg einen ausgetrockneten Wasserfall den Berg hoch. Die Sonne sticht. Steht senkrecht über uns. Vilcabamba liegt im Trockenregenwald, da verlieren die meisten Bäume während der Trockenzeit ihr Laub. Die blattlosen Bäume spenden kaum Schatten. Es ist deutlich heißer als erwartet.
Wir schnaufen uns den Hang hoch, Trittsicherheit ist gefragt, der olle Weg hat es in sich.

In einem ausgetrockneten Wasserfall geht es steil hoch

In einem ausgetrockneten Wasserfall geht es steil hoch

quer durch Trockenregenwald
Samenkapseln

Weggefährte

Weggefährte

Auf dem Rückweg treibt es uns dann auch noch in einer langen Kurve um das Dorf herum, so dass wir erst noch dreieinhalb Stunden zurück sind. Schön, dass wir es ruhig angehen lassen wollen. :lol:

Die Dorfmark von Vilcabamba

Die Dorfmark von Vilcabamba

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