Monatsarchive: Oktober 2018

Interview: Unterschiede in der Qualität von Segel­tuchen

Ein Großteil der von Segelmachern verwendeten Segeltuche stammt von Dimension-Polyant. Wo liegt der Vorteil von DP gegenüber den Mitbewerbern?
Unser größter Vorteil gegenüber anderen Tuchanbietern ist unser Set-up, dass wir unsere Produkte von Anfang an selber in unseren eigenen Werken herstellen. Das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal von Dimension-Polyant, denn wir sind weltweit der einzige Segeltuchlieferant mit einer eigenen Produktion. Das hat uns immer die beste Voraussetzung gegeben, eine gleichbleibend hohe Qualität zu erreichen, und höchst innovativ sein zu können.

Robert Kühnen von Dimension Polyant

Entwickelt Ihr eure Tücher selber, oder holt Ihr Euch Spezialisten hinzu?
Auch das passiert unter unserem Dach, es gibt keine besseren Spezialisten als unser eigenes Team. Der Input kommt natürlich zum größten Teil von unseren Segelmacherkunden. Entweder sprechen Sie uns gezielt auf Problemstellungen oder Wünsche an, oder es ergeben sich Ansatzpunkte in unseren gemeinsamen Gesprächen. Wie so häufig, erstmal ist gutes Zuhören angesagt. Ja, und dann arbeiten wir an einer entsprechenden Umsetzung.

Was betrachtet Ihr als die größten Innovationen?
Im Gewebebereich die Square Tuche, Hydra Net und Hydra Net radial und bei den Laminaten die Insert- und die X-Ply Technologie. Diese Entwicklungen sind auch alle patentiert gewesen. Um Produkte wie Hydra Net radial herstellen zu können, haben wir beispielsweise in spezielle Webmaschinen investiert. Das geht eben nur, wenn einem der Betrieb gehört.

Aber gibt es nicht mittlerweile ähnliche Produkte von anderen Anbietern?
Oberflächlich betrachtet: ja. Aber wenn man genauer hinschaut, gibt es deutliche Unterschiede. Hydra Net radial hat mit Abstand den höchsten Anteil an Ultra-PE Garnen. Die speziellen Webmaschinen, von denen ich sprach, ermöglichen uns die Vorspannung der Ultra-PE Garne und der Polyester Garne separat zu steuern. Das hat zum Ergebnis, dass unsere Tuche später im Segel nicht schrumpfen. Natürlich hat das seinen Preis, aber wenn sich ein Segler für das hochwertigste gewebte Segeltuch entscheidet, dann sollte er auch die bestmögliche Qualität bekommen, denn er muss schon tief in die Tasche greifen.

Ärgert Ihr euch nicht über solche Nachahmer?
Nein, nicht grundsätzlich. Da muss man mit leben. Aber es ist sehr bedauerlich, dass Segler immer wieder in die Irre geführt werden. Aktuelles Beispiel: seit kurzem ist ein neues Tuch auf dem Markt, ein Mix aus Ultra-PE und Polyester. Aber im Gegensatz zu Hydra Net radial ist es schussorientiert, als für Cross Cut. So weit, so gut. Aber überhaupt nicht okay ist, dass dieser Anbieter in seiner Werbung sein Produkt als besonders hochwertig darzustellen versucht, indem er die Schußwerte seines Tuches mit den Kettwerten von Hydra Net radial vergleicht. Es wird zwar erklärt, dass die Primärrichtungen vergleichen werden, aber solch eine Gegenüberstellung ist einfach Unsinn.

Inwiefern?
Das hat mit dem Webprozess zu tun. Die Kettfäden haben immer eine gewisse Einarbeitung – man spricht hier fachlich von Crimp – wohingegen die Schußfäden grundsätzlich völlig gerade in einem Segeltuch liegen. Vergleicht man zwei Tuche gleicher Art und gleichen Gewichts, sagen wir mal ein 300 g/m² Dacrontuch, eines kettorientiert für Radial-Schnitt und das andere schußorientiert für Cross-Cut oder Horizontal-Schnitt, dann wird der Schuß im schußorientierten Tuch immer einen höheren Dehnungswiderstand haben als die Kette im kettorientierten Tuch. Das ist technisch gar nicht anders möglich.

Worauf sollte ein Eigner bei der Tuchwahl achten? Kann er Unterschiede in der Qualität von Tüchern erkennen?
Optisch erkennen, eher nicht. Aber er hat durchaus Möglichkeiten, sich ein Bild zu machen. Da ist in erster Linie der Segelmacher seines Vertrauens. Klingt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber es ist durchaus was dran. Ein guter Segelmacher kann eine Menge über die Tucheigenschaften erzählen. Er wägt auch gut ab, was er seinem Kunden empfiehlt, denn er möchte einen zufriedenen Kunden haben, der möglichst noch weitere Segel bei ihm kauft. Ich persönlich würde mir nie ein Segel über das Internet bestellen, und wenn es noch so preiswert ist.
Der Segler kann sich auch Informationen direkt beim Tuchhersteller holen. Aus diesem Grund gehen wir auf Messen, die Hamburg Boat Show oder die boot in Düsseldorf. Oder wir sind mit einem Zelt auf der Kieler Woche. Wir informieren gerne über unsere Produkte und deren Eigenschaften.

Dimension-Polyant hat sich vor einigen Jahren aus der Membranfertigung zurückgezogen. Wie seht Ihr diesen Markt heute?
Das ist so nicht ganz richtig. Wir haben zwar die D4 Technologie an einen großen französischen Segelmacher verkauft, aber wir fertigen immer noch große Mengen an Komponenten. Insofern sind die Membranen auch für uns ein interessanter Markt geblieben. Es ist eben nur nicht so offensichtlich, was hier von Dimension-Polyant kommt. Membransegel haben sicherlich ihren Platz im Segelmarkt, vor allem im Regattabereich. Fahrtenseglern rate ich nach wie vor genau abzuwägen, ob sie sich ein Membransegel anschaffen sollten. Technische Vorteile gegenüber traditionellen Laminatsegeln sind sehr begrenzt, ganz besonders bei Booten unter 45 Fuß. Und dafür soll der Segler eine längere Haltbarkeit eintauschen? Da kann ich nur sagen: Gut abwägen!

Was sind die Segel von morgen?
Die unvermeidliche Frage! Ich glaube nicht, dass es erdrutschartige Neuerungen geben wird, jedenfalls nicht mittelfristig. Es wird das eine oder andere neue Nischenprodukt geben und vorhandene Materialien werden noch weiter optimiert. Aber auch in Zukunft werden Fahrtensegler Wert auf eine akzeptable Lebensdauer legen, aber auch auf eine ansprechende Performance.
Bei Regattasegeln wird natürlich weiterhin die optimale Performance und der bestmögliche Speed an erster Stelle stehen. Hier wird dann bestimmt auch in allen möglichen Richtungen experimentiert.

Unter Geiern

Mi., 24.Okt.18, Ecuador/Vilcabamba Tag 1607, 13.337 sm von HH

Meine kaputten Wanderschuhe bescheren uns einen Tag Pause. Da ist keiner böse drum. Wir schlendern durch den netten Ort, geben unsere Wäsche zum Waschen und schlecken Eis im Schatten. Außerdem hat unser Hostal (das Schönste für uns in gesamt Ecuador) hat einen herrlichen tropischen Garten in dem man in der Hängematte chillen kann. Groß-ar-tig!

Der chillige Garten vom Hostal Rendez-Vous

Kirche von Vilcabamba

Am nächsten Tag hat der Schuster meine Stiefel fertig. Alle Sohlen und Schichten neu verklebt und zusätzlich genäht – eine Arbeit für die Ewigkeit für nur fünf Dollar.
Wir können wieder in die Berge.

Der beliebteste Wanderweg in Vilcabamba hat einen schlechten Ruf. Es soll dort schon zu Überfällen auf Wanderer gekommen sein. Unser Wirt bestätigt diese Gerüchte, wir sollten dort besser nicht laufen. Ich kann mir das angesichts der zurückhaltenden Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Ecuadorianer nur schwer vorstellen, dass dort hinter Felsen böse Buben lauern sollen. Bislang sind wir überall unbedarft durch die Landschaft marschiert und haben uns nie Sorgen gemacht, dass wir am Ende des Tages keine Wertsachen mehr haben könnten. Wir hören in diesem Fall auf den Rat und suchen uns eine andere Strecke aus.

Diese Tour gefällt mir deutlich besser als vor zwei Tagen. An Feldern vorbei, geht es natürlich bergan, aber wir haben eine schöne Sicht auf das gesamte Tal und sattfrische grüne Felder. Wir passieren schnieke Haciendas und kleine Bauernhöfe. Wer hier ein Grundstück kaufen möchte, muss zehn Dollar für den Quadratmeter zahlen. Unverbaubarer Blick ins Tal inklusive.

Hacienda auf unserem Weg
So grün kann es hier auch aussehen
Valle Vilcabamba

Wir schrauben uns den Berg hoch. Wieder wenig Schatten, es ist schon heiß hier, meine Güte. Mal ist der Wanderweg beschildert, mal lassen wir uns von der Macht leiten. Die Wirtschaftswege und Trampelpfade für die Bauern sind alle miteinander verbunden und solange wir Vilcabamba sehen, kann es nicht so verkehrt sein. Das Schlimmste, was passieren kann, dass wir abgebaute Höhe wieder hoch kraxeln müssen.

Auf einem Grat zwischen Wiesen und Feldern, sehen wir plötzlich einen Schatten über uns. Zwei Geier kommen kreisend näher: „Was laufen da wohl für zwei Leckerbissen durch die Mittagshitze?“ Sie beäugen uns neugierig. Ihre Kreise werden enger. Dabei kriechen wir noch gar nicht auf allen Vieren. Die Geier kreisen. Jetzt keine Schwäche zeigen, bloß nicht stolpern. Die beiden verschwinden wieder.

Wunderschöner Weg - über uns kreisen die Geier

Wunderschöner Weg – über uns kreisen die Geier

Wir stapfen weiter. Da sind sie wieder. Nun zu viert. Sie sitzen tatsächlich vor uns auf dem Weg auf den Zaunpfählen. Was für eine Unverschämtheit. Hinterhältig lassen sie uns näher kommen. Hungrig gucken sie rüber.  :mrgreen: Sehen wir wie Vogelfutter aus? Dann hauen sie doch plötzlich ab. Zu wenig Aas-Geruch? Senf vergessen?
Ungefressen schaffen wir es ins Hostal zurück.

Vor uns auf dem Weg lauern die Geier

Vor uns auf dem Weg lauern die Geier

Ugly Bird

Ugly Bird

Fünf entspannte Tage haben wir in Vilcabamba verbracht. Kein Tag zuviel. Hier kann man es aushalten und hundert Jahre alt werden. Morgen geht es zurück im den Norden. Wieder sechs Stunden Bus fahren bis Cuenca.

Rose of Charity: Promi-Regatta gegen die Plastik-Flut


“Three, two, one“, tönt es knisternd aus dem Funkgerät an Deck der Cheeky Lady. Dann: „One minute to start.“ Schauspieler Kai Lentrodt hält sich den Apparat dicht ans Ohr, um die vom Wind verzerrte Ansage verstehen zu können, und runzelt lachend die Stirn: „War das jetzt noch gar nicht der Startschuss, oder was? Schade, die Position wäre gar nicht schlecht gewesen.“ Auch wenn er den Vorjahres-Cup im Saronischen Golf sogar gewann, ist er so kurz vor dem Start dann doch nervös.

(Bild: DS Automobiles, Christof Arnold)

Den anderen Teilnehmern der fünften Rose of Charity scheint es nicht anders zu gehen. 18 45 bis 51 Fuß große Yachten drängen sich dicht an dicht vor der Marina Baotić unweit der kroatischen Stadt Trogir – darunter drei Stück aus der nagelneuen Oceanis 51.1-Serie. Aus allen Richtungen ist aufgeregtes Rufen zu hören. So richtig einig, wann es nun wirklich losgeht, ist man sich offensichtlich nicht. Der Grund: An Bord befinden sich nicht etwa gut eingespielte, regattaerfahrene Segelteams, sondern bunt zusammengewürfelte fünf- bis sechsköpfige Mannschaften aus Anfängern, Hobbyseglern und Profis – allesamt seit gerade mal ein paar Minuten das erste Mal gemeinsam auf See.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

The Rose of Charity 2018 – Tag 2: Wo ist der Wind? #roseofcharity #segeln #boating #sailing #kroatien

Ein Beitrag geteilt von SAIL24.com (@sail24com) am

 

Mit dabei bei dieser karitativen Regatta sind auch dieses Jahr wieder Hannes Jaenicke, Esther Schweins und Rufus Beck – alle begeisterte Segler und in Sachen Rose of Charity klare Wiederholungstäter. Sie erwartet vor der Küste Dalmatiens nicht nur eine segelintensive Regattawoche, mit ihrer Prominenz machen sie dabei auch medienwirksam auf die Organisation One Earth – One Ocean aufmerksam, die sich für eine Säuberung der Ozeane vom Plastikmüll einsetzt. Für viele eine echte Herzensangelegenheit.

Sportliches Kräftemessen und Engagement für einen guten Zweck: für Hannes Jaenicke, Daniel Roesner und Co. die perfekte Mischung. Die meisten Schauspieler sind deshalb nicht zum ersten Mal dabei

Eröffnet wurde die Rose of Charity 2018 bereits einen Tag zuvor. Von Deutschland aus ging es für die meisten Teilnehmer am Nachmittag per Flugzeug bis nach Split und von dort mit einem der Autos aus der Flotte des Mitinitiators DS Automobiles weiter zur modernen Marina Baotić. Das Programm für den Abend: Begrüßungsempfang, Pool-Test der Regattawesten von Bekleidungspartner Marinepool und natürlich allgemeines Kennenlernen der Crews. Schließlich teilt man die kommenden Tage zwar nicht eine Kabine, aber zumindest ein Schiff miteinander.

Ausgelassene Stimmung im schönen Hafen von Maslinica: Kurz vor dem Start der zweiten Etappe wird das obligatorische Gruppenfoto geschossen

Auch die Segler der Cheeky Lady lernten sich jetzt erst kennen. Kasem Hoxha, Heio von Stetten und Kai Lentrodt fanden sich zusammen auf einer Mannschaftsliste. An Bord ihrer zwei Jahre alten Beneteau Oceanis 48 angekommen, machten sie sich fröhlich daran, zusammen Salat zu schnippeln und Pasta für das Abendessen zu kochen, nicht ohne die anderen Teams und ihr Können schon mal abzuschätzen. Mittendrin ein großer Schreck: Die Bugwelle eines vorbeifahrenden Frachters ließ die Boote so kräftig hin und her schaukeln, dass vier von ihnen beschädigt wurden. Die Cheeky Lady erwischte es an der Saling. Gerade noch rechtzeitig konnte der Schaden am nächsten Vormittag repariert werden. Für Kasem Hoxha, Heio von Stetten und Kai Lentrodt ging es deshalb direkt vom Liegeplatz an die Startlinie.

(Bild: DS Automobiles, Christof Arnold)

„Five, four, three, two, one – real start!“ Jetzt aber. Die Cheeky Lady ist ganz vorne im Feld dabei. Die Adria spritzt und schäumt. Skipper Lars Reisberg, der für den Sponsor Enjoy Yachting an Bord ist, hat erst einmal das Ruder übernommen und ruft gegen den Wind an: „Das war super, Leute.“ Vier Stunden haben die Teams der Rose of Charity von nun an Zeit, den Hafen von Maslinica auf der Insel Šolta zu erreichen. Hoch in der Luft kreisen mehrere DJI-Drohnen, um die Flotte aus der Vogelperspektive festzuhalten.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Bei wenig Wind hilft es, das Schiff nach Lee zu trimmen #roseofcharity #segeln #regatta #sailing #boating

Ein Beitrag geteilt von SAIL24.com (@sail24com) am

„Klar zur Wende“, ruft Reisberg, und schon beginnt seine Crew mit der Arbeit: Heio von Stetten nimmt die Genuaschot von der Winsch, Kasem Hoxha zieht das Segel auf die neue Lee-Seite. Es funktioniert, auch wenn alles noch ein bisschen zögerlich und unkoordiniert vonstattengeht. Der Skipper hat allerdings noch etwas anderes zu bemängeln: „Wo war das ‚Ist klar‘?“, ruft er und verdreht scherzhaft die Augen.

Nicht immer spielt der Wind mit: Heio von Stetten muss sich an Tag 2 richtig ins Zeug legen, damit die Cheeky Lady vorankommt

Schon auf den ersten Schlägen zeigt sich, dass Beneteau mit der neuen Oceanis-Generation einen großen Sprung gemacht hat. Die drei neuen 51.1 führen souverän das Feld an und kommen mit dem leichten Wind in der kroatischen Adria bestens zurecht. Scheinbar mühelos ziehen die Yachten durch das Wasser. Die etwas ältere Generation der Yachten folgt in einigen Kabellängen Abstand. Der Stimmung an Bord tut es keinen Abbruch. Es wird an den Schoten gezerrt, die Beine baumeln über der Leekante, um die Yachten mit etwas Leetrimm in Schwung zu halten. Gelächter schallt immer wieder über das Wasser. Es wird nicht verbissen um jeden Meter gekämpft, sondern mit viel Freude gesegelt – ein gewisser Ehrgeiz treibt die Crews dennoch an.

(Bild: DS Automobiles, Christof Arnold)

Vor der nächsten Wende werden die Positionen durchgetauscht, wichtige Begriffe noch einmal durchgegangen und gemeinsam überlegt, an welcher Stelle die Abläufe noch verbessert werden können. Spätestens jetzt hat alle der Ehrgeiz gepackt. Die kleine Felseninsel mit weißem Leuchtturm, die Backbord an ihnen vorbeizieht, bleibt deshalb unbeachtet. Das nächste Vorhaben des Teams: Die Manöver sollen schneller und reibungsloser funktionieren.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Zeit vertreiben, bis der Wind kommt #roseofcharity #nowind #sailing #saillife #kroatien

Ein Beitrag geteilt von SAIL24.com (@sail24com) am

Nur eine Frage der Zeit, ist sich Skipper Reisberg sicher. Die Crew müsse sich schließlich erst mal aufeinander einspielen und auch das Boot kennenlernen. Und siehe da: Schon eine Stunde später steht niemand mehr im Weg herum, die Winschkurbel wird genau im richtigen Moment angereicht und jeder weiß, was wann zu tun ist – zumindest ungefähr. Und wieder heißt es: „Klar zur Wende“. Aber diesmal setzt das ganze Team rechtzeitig ein und antwortet voller Enthusiasmus: „Ist klar“.

Nachdem sich die Crew ein wenig aufeinander eingespielt hat, segelt sie ihre Cheeky Lady schon ganz souverän

Der Regattaerfolg will sich trotzdem nicht einstellen. Kurz vor Maslinica liegt die Cheeky Lady ein ganzes Stück abgeschlagen hinter den übrigen Booten zurück. Die 51-Fuß-Yachten haben längst ganz bequem im Hafen festgemacht. Der Stimmung auf der Oceanis 48 tut das nach diesem ersten unvergesslichen Tag auf See jedoch keinen Abbruch. An oberster Stelle steht hier schließlich ohnehin der gute Zweck. Außerdem bleibt in den nächsten Tagen ja noch genug Zeit, um das Feld von hinten aufzurollen – vielleicht wenigstens ein Stückchen. Bei der Zieleinfahrt werden die Fäuste jubelnd in die Luft gestreckt. Gemeinsam fühlt sich dieser Moment dann doch fast wie ein Sieg an.

Vor der Cheeky Lady eröffnet sich der malerische Hafen des kleinen Fischerortes – samt altem Schloss und schmalem Badestrand mit glasklarem türkisen Wasser. Damit dieser Hafen seine Schönheit behält und seine Atmosphäre nicht durch angeschwemmten Plastikmüll zerstört wird, setzen die segelnden Schauspieler hier und in den folgenden Etappenhäfen mit ihrer Flotte ein Zeichen.


Der Rose of Charity DS Sailing Cup

Der Rose of Charity DS Sailing Cup ist gleichzeitig Segelregatta, Flottillentörn und TV-Lifestyle-Event, bei dem Schauspieler, Partner, Sponsoren und Gäste auf gut ausgestatteten Yachten der Marke Beneteau eine Woche für einen guten Zweck um die Wette segeln. Die diesjährige Auflage der Regatta fand vom 2. bis 9. Juni vor der Küste Dalmatiens statt und widmete sich der Organisation One Earth – One Ocean. Mit dem Konzept der ‚Maritimen Müllabfuhr‘ will diese Gewässer weltweit von Plastikmüll, Öl und Chemikalien befreien. Seglerfamilie Oltmann aus Bremen konnte die Rose of Charity 2018 schließlich für sich entscheiden.

Ins Leben gerufen wurde die Rose of Charity DS Experience im Jahr 2013 von Schauspielern und dem Team von ARD Brisant. Der französische Premium-Automobilhersteller DS Automobiles ist seit dem ersten Tag des Projekts Mitinitiator und Hauptsponsor, Marinepool seit 2013 offizieller Ausrüster. Die Yachten werden von den Beneteau-Vertragshändlern, u.a. Enjoy Yachting, zur Verfügung gestellt.

www.roseofcharity.de

Neuer Ölwegweiser von Liqui Moly

Motoröl ist heutzutage kein allgemeiner Schmierstoff mehr, sondern ein hochspezialisiertes, flüssiges Konstruktionsbauteil, das genau zum jeweiligen Motor passen muss. Das falsche Öl einzufüllen, kann gravierende Folgen haben – von Garantieverlust über erhöhten Verschleiß und Motorprobleme bis hin zu kapitalen Motorschäden. Der neue Ölwegweiser des Öl- und Additivspezialisten Liqui Moly unter www.liqui-moly.de soll hier Abhilfe schaffen.

Wenige Klicks reichen, um Marke, Modell und Motorisierung auszuwählen, und schon erhält man eine Liste der richtigen Motoröle. Außerdem zeigt der Ölwegweiser die richtigen Getriebeöle, Bremsflüssigkeiten, Kühlerfrostschutz, Servolenkungsöle sowie andere Betriebsflüssigkeiten an. Und das nicht nur für Autos, Motorräder und Co., sondern natürlich auch für Bootsmotoren.

Neun Meter für Fischer und Familien

Stormy day on Dilly-Dally

„Maserati“ und „Rambler 88“ setzten die Marken

Der Langstrecken-Klassiker über rund 600 Seemeilen wurde in diesem Herbst bereits in seinem 50. Jahr ausgetragen und führte die 131 gemeldeten Yachten und Multihulls von Malta aus rund um Sizilien und wieder zurück nach Malta. Der Tri von Soldini absolvierte die Strecke in 2 Tagen, 11 Stunden, 54 Minuten und 58 Sekunden und überquerte die Ziellinie damit 3 Stunden und 13 Minuten vor dem schnellsten Einrümpfer. Die „Rambler 88“, der 88-Fuß-Maxi von George David (USA) mit Taktiker Brad Butterworth an Bord, setzte die Richtzeit für die Monohulls. Allerdings waren sowohl die „Maserati“ als auch die „Rambler 88“ weit von einem Streckenrekord entfernt. Und auch in der Wertung nach berechneter Zeit ist die „Rambler 88“ chancenlos für einen Sieg.

Ebenfalls bereits im Ziel sind die deutschen Yachten „Momo“, der Maxi 72 von Dietmar Schön, nach 2:16:19:29 Tagen sowie die „Caro“, eine Botin 65 von Maximilian Klink, nach 2:23:47:52 Tagen. Damit liegt in der Klassenwertung der IRC 1 die „Momo“ berechnet vor der „Caro“. Die „Rambler 88“ ist in dieser Klasse auf Platz vier. Nach knapp über vier Tagen seit dem Start haben 46 Boote das Ziel erreicht.

Erfolgreiche Jungfernfahrt für Hamburg Boat Show

Wieder in den Hafen eingelaufen ist die erste Hamburg Boat Show – 26 800 Besucher entschieden sich für die Premiere der Wassersportmesse auf dem Hamburger Messegelände und informierten sich bei 289 Ausstellern über die neuesten Produkte und aktuellen Trends. „Wir blicken auf fünf tolle Tage zurück, in denen uns nicht nur die Branche gezeigt hat, wie wichtig ihnen eine Messe hier in der Hansestadt ist, auch knapp 27 000 Besucher bestätigten, dass das neue Konzept der Wassersportmesse aufging“, bilanziert Torsten Conradi, Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes (DBSV) und Veranstalter der Messe. Anziehungspunkte waren neben den zahlreichen Booten auch die stehende Welle und die drei Vortragsforen, die Fachinformationen rund ums Boot und maritime Reisen lieferten.

30 000 Quadratmeter, 289 Aussteller, mehr als 170 Boote, 3 Vortragsforen und jede Menge Wassersportinformation hielt die Premiere der Hamburg Boat Show bereit. „An den ersten Tagen war es etwas ruhiger als erwartet. Das Wochenende war gut besucht und zahlreiche Bootsfahrer, Familien und Wassersportbegeisterte ließen sich vom Angebot inspirieren“, erklärt Torsten Conradi. „Wir sind mit der ersten Auflage zufrieden. Es kamen viele Wassersportler, die eingekauft haben – sowohl Boote als auch Ausrüstung und Zubehör. Gut besucht waren auch die Vortragsforen. Die Stimmung in den Hallen war durchweg positiv und die Organisation und Zusammenarbeit mit dem DBSV und der Hamburg Messe und Congress hat gut geklappt und Spaß gemacht“, berichtet Projektleiter Dirk Kreidenweiß von der Messe Friedrichshafen. Der Geschäftsführer der Hamburg Messe und Congress Bernd Aufderheide ergänzt: „Mit der Premiere der Hamburg Boat Show ist es gelungen, Wassersportbegeisterten weiterhin ein attraktives Angebot in der Hansestadt zu bieten. Das freut mich nicht nur für die Besucher, sondern ganz besonders auch für die Aussteller, die sich diese Messe gewünscht haben. Der DBSV, die Messe Friedrichshafen und die Hamburg Messe und Congress haben ihre Kräfte gebündelt und eine erfolgreiche Erstveranstaltung auf die Beine gestellt, die Lust auf mehr macht.“

Auch die Aussteller zeigten sich zufrieden: „Die Messe lief ganz hervorragend. Es funktioniert hier definitiv, Boote zu verkaufen, wie wir festgestellt haben. Wir sind zufrieden und bekamen auch von unseren Kunden ein klasse Feedback zur Messe. Die Besucher waren sehr gut informiert und kamen mit konkreten Anfragen auf uns zu. Man merkte, dass das Gros der Besucher Wassersportler waren. Die erste Hamburg Boat Show war ein voller Erfolg, wir sind im nächsten Jahr wieder dabei“, resümiert Henning Mittelmann, Geschäftsführer Mittelmann Werft. Ähnlich sieht das Frank Kuhlmann von Schwern Yachten: „Die erste Hamburg Boat Show war ein voller Erfolg. Das Publikum ist sehr gut informiert, es sind viele Segler dabei und zahlreiche vom Fach. Wir haben hier eine super Messe erlebt, die die Zielgruppe im Norden sehr gut erreicht. Hier ist ein guter Treffpunkt für die Branche. Die Messe war sehr gut organisiert und wir sind im nächsten Jahr wieder dabei.“ Auch Finn Möller, Geschäftsführer Herman Gotthard GmbH, zieht eine positive Bilanz: „Nach einem verhaltenen Start am Mittwoch hat sich die Messe positiv entwickelt. Die Hamburg Boat Show ist ein Pflichttermin für uns: Wir hatten exzellentes und fachkundiges Publikum am Stand. Es ist toll, was hier auf die Beine gestellt wurde. Alles in allem wurden unsere Erwartungen erfüllt. Die HBS ist der Beleg dafür, dass es richtig war, eine solche Messe zu veranstalten.“

Vom Schlauchboot bis zur Segelyacht, vom Kiteboard bis zum SUP – neben Wassersportgeräten aller Art bot die Hamburg Boat Show auch ein buntes Rahmenprogramm: Am Sonntag wurde bei der SUP Team Challenge um die Wette gepaddelt. Acht Zweierteams traten auf dem Geschicklichkeitsparcours im Wasserbecken in Halle B7 gegeneinander an. Das Siegerteam fährt in die Karibik zur British Virgin Island SUP Challenge powered by the Moorings. Ausverkauft war die Ocean Film Tour am Freitagabend. Ebenfalls hoch im Kurs bei den Besuchern standen das Indoor-Surfbecken und das SUP Testbecken. Zahlreiche Abendevents luden zum Feiern und Netzwerken ein und wurden von Ausstellern und Besuchern hervorragend angenommen.

Die nächste Hamburg Boat Show entführt vom 23. bis 27. Oktober 2019 wieder in die große Welt des Wassersports. Weitere Informationen gibt es unter www.hamburg-boat-show.de

Hans Genthe ist der Segler des Monats

Der erste Herbststurm des Jahres fegt über Dänemark hinweg und verschob den Start zu der größten Einhandregatta der Welt zunächst um einen Tag. Aber auch als die verbliebenen 100 von den ehemals 450 gemeldeten Yachten schließlich auf die Bahn geschickt wurden, hatte sich das Wetter noch nicht wesentlich beruhigt. Heftige Böen und die Enge des Svendborgsund, durch den die Teilnehmer zunächst segeln mussten, sorgten dafür, dass ein Großteil der Starter gleich wieder die Segel strichen und den sicheren Hafen anliefen. Viele mussten allerdings auch Schäden und Havarien überstehen. Nur 53 Yachten schafften es schließlich bis ins Ziel. In vier Klassen setzten sich deutsche Starter an die Spitze. Alle vier standen gemeinsam mit den Weltmeistern der Club Swan 50-Klasse zur Abstimmung bei der Wahl zum Segler des Monats September. Und einer von ihnen setzte sich durch. Der Hamburger Hans Genthe hatte die die Klasse der kleinen Kielboot auf seiner Farr280 „4sale“ gewonnen und verfügt offenbar über eine große Anzahl an Fans, die ihn schließlich mit fast der Hälfte aller abgegeben Stimmen auf sail24.com zum Segler des Monats September wählten.

Von dem besonderen Segelabenteuer des Silverrudder 2018 berichtet Genthe auf seiner Website. Hier einige Auszüge aus seinem Bericht:

„Vor der Brücke hatte ich am meisten Angst. Angesichts der Vorhersage für den Svendbordsund bin ich ganz vorsichtig gestartet, ca. 30 Sekunden hinter den besonders ehrgeizigen Seglern, um mit Platz sicher durch die Brücke zu kommen. Es war trotzdem knapp. […] Sicherheit geht vor. Mir war klar, dass für mich für die ersten Meilen bis Bagø vor allem das Durchkommen entscheidend ist. Daher habe ich ab Lyø die Fock weggenommen, dort kamen die ersten Böen mit 30 Knoten und mehr. Nur unter Groß verhielt sich die Farr280 sehr gutmütig und war vor allem einfach und sicher zu bedienen. […] Ab Bagø kam das hohe Raumschots-Speedpotenzial der Farr280 zum Tragen. […] Doch mit zunehmendem Wind war es zu riskant und nach ca. 40 Minuten ging der Gennaker wieder weg. […] Auch ohne Gennaker wurde die Mini-Ausgabe einer TP52 bis zu 15 Knoten schnell. […] Die Surfs im Mondlicht werde ich nie vergessen, ohne Gennaker war das ein Genuss nach der harten Kreuz und der Aufholjagd bis Middelfahrt. […] Um 7:28, nach 22 Stunden und 43 Minuten lief die ,4sale‘ bei leichtem Wind als neuntes Einrumpfboot über die Ziellinie: Ich war ziemlich durch.“

 

Die Ergebnisse zur Wahl des Monats September:

  1. Hans Genthe (Silverrudder-Sieger Kielboote Small): 48,57 %
  2. Crew der „OneGroup“ (Weltmeister der ClubSwan50): 23,81 %
  3. Bernd Petrick (Silverrudder-Sieger Kielboote Large): 21,90 %
  4. Patrik Heinrichs (Silverrudder-Sieger Kielboote Mini): 3,81 %
  5. Jonas Hallberg (Silverrudder-Sieger Kielboote Medium): 1,9 %

„Topas“ sorgte für deutschen Sieg vor St. Tropez

Bei der prestigeträchtigen Regatta „Les Voiles de Saint-Tropez“ setzte sich der Kieler mit der Farr30 in seiner Gruppe (IRC E) gegen 40 Konkurrenten durch und sorgte damit in den fünf Klassen der modernen Yachten und zwölf der klassischen Kategorie für den einzigen deutschen Sieg an der südfranzösischen Küste.

„Eigentlich wollten wir in diesem Jahr bei der Anniversary-Regatta zum 150-jährigen Geburtstag des NRV mit dabei sein, aber das hatte sich zerschlagen. Deshalb hatte ich den Jungs versprochen, zum Saisonausklang noch einmal ein Highlight zu setzen“, berichtete Brüning. Und St. Tropez war eine Reise wert. „Ich war das erste Mal dabei, und es war eine unglaublich tolle Veranstaltung. Unter den über 200 teilnehmende Yachten waren beeindruckende Schiffe dabei und wunderschöne Klassiker dabei.“ Das Revier und die Segelbedingungen erwiesen sich als äußerst anspruchsvoll. „Am ersten Tag mussten die Wettfahrten wegen des Mistralsturms abgesagt werden, danach hatten wir leichte bis mittlere Wind, aber immer noch eine enorme Welle, auf der sich durch die Yachten und Motorboote eine schwierige Kreuzsee aufbaute.“
Doch in Absprache mit Taktiker Julian Ramm führte Brüning die „Topas“ souverän durch das kabbelige Gewässer. Die erste Wettfahrt gewann das Kieler Team, in der zweiten wurde es Zweiter. In Rennen drei kreuzte die deutsche „Yacht“ das Ziel zwar auch als Erste, kassierte aber wegen eines Frühstarts eine Punktstrafe und machte die Regatta vor der Abschlusswettfahrt damit noch einmal ungewollt spannend. „Unter diesem Druck haben wir eine tolle Arbeit abgeliefert, sind mit hervorragender Crewleistung als Zweite ins Ziel gekommen“, so Brüning. Das reichte, um die die heimische „Expresso“ auf Distanz zu halten.

Inzwischen ist die „Topas“ ins Winterlager gegangen. Wie es in der nächsten Saison weitergeht, weiß der Kieler Arzt noch nicht. Als Einheitsklasse ist die Farr30 nicht mehr wirklich existent, und Segeln nach Vermessungsformel ist trotz des Sieges von St. Tropez nicht nach dem Geschmack von Harald Brüning.

Unter Deck des Tricat 20

Gegenüber früheren Modellen betont die Werft mit dem neuen Tricat 20 den Wanderaspekt und die Wohnlichkeit, wenn dieses Wort für einen Kleinkreuzer von weniger als sechs Meter Länge erlaubt ist. Ohne Rohre kann der Raum im Vorschiff voll genutzt werden. Mit einem kleinen Brett zwischen den Sitzbänken wird das Vorschiffsdreieck zu einer Liegewiese verlängert. Unter den Kojen sind kleine Staufächer vorgesehen. Unter den beiden Fenstern im Aufbau befinden sich kleine Ablagen und das Elektropanel.

Die Ablagen sind aus Holz und verleihen dem Ausbau einen – wenn auch begrenzten – Hauch von Wärme. Zudem haben die Fenster unter Deck einen kleinen Holzrahmen. Um das Schott herum läuft eine kleine Holzkante und an der Decke ist ein Himmel angebracht. Kleine Details mit großer Wirkung. Das Steckschott soll in Zukunft jedoch aus Polycarbonat sein, weil die Sperrholzvariante anfängt zu quellen. Wohnlichkeit hat ihre Grenzen.

Zuhause im Yachthafen