Monatsarchive: August 2017

Fastnet Race: 368 Yachten nehmen die 605 Meilen in Angriff – Vendée Globe-Racer vorne

Fastnet Race

368 Yachten mit 2.700 Seglern sind beim 47. Rolex Fastnet Race zum legendären Felsen aufgebrochen. Boris Herrmann testet erstmals seinen 60 Fußer „Malizia“. Ein anderer führt die Flotte an. Weiterlesen

Imposanter Start, aber Ergebnis-Chaos an Land

47. Rolex Fastnet Race: <p>
	47. Rolex Fastnet Race: Start!</p>

Auch am Sonntagabend lag die Homepage des Rolex Fastnet Race weiter brach und ließ Zehntausende Interessierte mit Blick auf die Ergebnisse im Dunkeln tappen

SV Grutte Grize – Robert Hol NED

WINDPILOTS BEST FRIENDS – THE DOLPHINS

Hanseat 35 – for sale – zu verkaufen – € 54.000,–

EIN WUNDERVOLLES SABBATJAHR UND DANN?

Lieber Markus,
Dein Video LA MER hat mich hingerissen, Stimmung, Unschärfe, und Musik … für mich ein Kunstwerk, das von vorne bis hinten stimmt.

Wie geht es mit dem Schiff weiter, wo liegt es, wie ist Euer Plan, habt Ihr die Nase voll vom Bootfahren, habt Ihr Euren Plan einer Atlantik Runde „aus welchen Gründen geändert“?
einen schnieken Tag wünscht
Peter

Guten Morgen Peter,
Vielen Dank für deine Worte, die mich sehr berührt haben. Das ist das schönste Lob, das mir bezüglich Fotos und Videos bisher über den Rücken gelaufen ist. Auch wenn ich das alles in erster Linie hobbymässig für mich selbst mache, so freut es mich natürlich riesig, wenn andere daran gefallen finden.

Das Schiff liegt jetzt an der franz. Atlantikküste an der Gironde und steht bis ca. Mitte Oktober an Land. Wir wollten ja eigentlich jetzt wieder zurück am IJsselmeer sein, es gab aber einfach zu viele schöne Orten, von denen wir uns nicht losreißen wollten. Daher gab es einmal mehr eine Planänderung, so dass wir jetzt die Ferienzeiten nutzen möchten, um in Etappen wieder in Richtung „Heimat“ zu segeln.

Perspektivisch scheint es sinnvoll, sich vom Schiff wieder zu trennen, da die Zeit / Kosten / Nutzen Rechnung nicht aufgeht und uns das Gesamtpaket zu teuer ist. Wir wohnen im Rhein-Main-Gebiet und können nicht mal eben das Wochenende gemütlich auf dem Schiff verbringen. Leider.

Wir sind beide Lehrer, ich an einer Schule für Geistigbehinderte – Katrin an einer Grundschule. Von daher dürfen wir uns zumindest über Mangel an Ferien, in denen wir segeln können, nicht beklagen.

Die Karibikpläne haben wir unter anderem über den Haufen geworfen, da wir unterwegs festgestellt haben, wie knapp die Zeit für eine Atlantikrunde ist. Wir mussten ja erstmal rausfinden, was für „Reisetypen“ wir sind. Wir hatten bisher keinerlei Langfahrterfahrung. Anfangs haben wir uns etwas „gehetzt“ gefühlt, um die erste große Hürde Biskaya bis Ende August hinter uns zu haben. Ab Nordspanien hat sich das Urlaubsgefühl eingestellt und damit auch das Bedürfnis sich auf Land und Leute einzulassen. Wir waren viel zu sehr an den Orten und Gegenden interessiert, als gleich wieder weiter fahren zu können.
Lange Rede, kurzer Sinn… wir wollten auf jeden Fall bis zu den Kanaren und dann entscheiden wie es weitergeht. Wir waren überrascht, dass die Kanaren sich nicht als das Rentnereldorado herausstellten, welches wir erwarteten. Wir waren sehr angetan von der Vielfalt, der Landschaft und der Lebensqualität dort.

Das Leben auf dem Schiff war aber ein absoluter Traum. Wir haben es beide geliebt und würden gerne ewgig so weitermachen… allerdings ist dies finanziell leider nicht möglich.

Katrin hatte zwei Nähmaschinen an Bord und zaubert in Stoffen und Farben, die sie selbst designed. Ich konnte mich in Sachen Musik und Fotografie und natürlich Segelei voll ausleben. Wir waren ein echtes schwimmendes Kreativlabor mit T-Shirt Presse, Nähmaschinen, Musikinstrumenten, Aufnahmestudio, Fotoequipement, haufenweise Stoffe und einen Plotter, um T-Shirt-Folien auszudrucken 😉

Ein entscheidender Grund für die ganze Auszeit war die Krebserkrankung meines Vaters, der vor 5 Jahren verstorben ist. Er hat mich immer zum Segeln mitgenommen und mir diese Leidenschaft weitergegeben. Im Krankenhaus hat er dann Charter-Kataloge durchgewältzt, um noch einen letzten Törn mit der Familie zu unternehmen. Da mir die „höheren“ Scheine und das Know-How auf dem Meer fehlten, habe ich kurzerhand SBF-SEE und SKS plus ein paar Erfahrungstörns gemacht, um den Wunsch meines Vaters nochmal verwirklcihen zu können. Ich war vorher „nur“ Jollensegler.
Jetzt liegt die Asche meines Vaters in der Lübecker Bucht und daher steht auch LÜBECK als Heimathafen auf dem Schiff. Bei dem Nachnahmen ein MUSS 😉

Nachdem mein Vater mit 69 Jahren starb, wurde mir klar, dass ich selbst meine Wünsche und Träume verwirklichen möchte, so lange es geht. Keine Aufschieberei. Das Leben ist JETZT. Glücklicherweise ermöglichte uns der Job eine Auszeit in Form eines Sabbatical einzulegen.

So weit so gut… jetzt hast du einen kleinen Eindruck von uns und unserem Seglerleben.

ZUM ZUSTAND DES SCHIFFES
Der Zustand des Schiffes ist sehr gut. Natürlich hat ein Schiff mit Bj. 1984 die ein oder andere „Falte“ im Gesicht. Aber das ist zu vernachlässigen. Ich denke, ein Interessent weiß, dass 34 Jahre nicht spurlos vorüberziehen. Z.B. würd ich mal die Sprayhood erneuern in den nächsten Jahren. Das sind aber eher Details. Das Schiff war 28 Jahre in Erstbesitz von einem Paar an der Lübecker Bucht. Es wurde liebevoll und mit Sachverstand gewartet, schlief im Winterlager stets in der Halle. Der Vorbesitzer hat 2013 nochmal 10.000 € (in erster Linie wg. Bugstrahlruder) investiert. Wir haben weitere 10.000 € reingesteckt ( Wanten, Elektrik, Gaseinbau usw.).

Der Motor hat aktuell 1000 Betriebsstunden (Volvo Penta MD2030) – läuft wie eine Nähmaschine.

Spezifikation

SV Herr Nilsson – Katrin + Markus Lübeck DE

SEGELREISEN MIT BESONDEREM FOKUS

Porto – übersetzt schlichtweg HAFEN… Das ist mal ein Statement. Bei so viel namentlicher Bedeutung, lohnt es sich doch mal etwas länger im Hafen liegen zu bleiben, so dass wir gleich für 11 Tage in der Marina Douro, am gleichnamigen Fluss halt machten.

SV Herr Nilsson – Katrin + Markus Lübeck DE

Bekking testet Robin Zinkmann als Navigator für Brunel

Team Brunel

Ein deutscher Segler ist mit Brunel ins Rolex Fastnet Race gestartet: Für Robin Zinkmann ist es eine Prüfung im Kampf um einen Platz im Team von Bouwe Bekking

Vane arts + animal

IMPRESSIONEN UND VARIATIONEN

Menschen und Tiere sind höchst kreativ, wenn sie Langeweile oder Zeit zum Denken haben.

Vane arts + animal

SV Distant Shores – Paul Shard CA

HOW TO MAKE A MILLION DOLLAR SAILING VIDEO

Landpartie in den Highlands

Der letzte Teil des Kanals vergeht schnell und unspektakulär. Selbst die 8er Schleusentreppe „Neptuns Staircase“ rauscht nur so an mir vorbei. Eigentlich sollte der Tag hier schon enden, doch da es sich gerade so ergibt rutsche ich zusammen mit den Belgiern noch eben schnell durch. Wenige Minuten später bin ich dann auch schon am Ende des Kanals in Corpach angekommen. Die Luft wird wieder salziger.

In Corpach selbst ist zwar nicht viel los, aber das ist mir nur gerade recht. Ich werde hier mindestens für einen Tag wegen des Wetters bleiben müssen. Die Kulisse ist dafür aber genau richtig. Ein kleines verschlafenes Nest, ein sicherer Anlegeplatz noch hinter der Seeschleuse und immer noch die hohen Berge der Highlands inklusive Ben Nevis. Bei der Aussicht schmeckt das Anlegebier doch besonders gut. Als Dinner gibt’s dazu übrigens einen echt britischen Klassiker: Eine bunte Auswahl an Sandwiches. Die stellen die Briten nämlich mit vielen witzigen Füllungen her und sich ein paar Sandwiches aus dem Supermarkt zu holen spricht hier nicht etwa für soziale Schieflage sondern völlig normal. Und so lasse ich mir die „Chicken and Stuffing“ Also Hühnchen und die Füllung aus der Weihnachtsgans schmecken und genieße die Szenerie.

Ein lautes Pfeifen macht aber Schluss mit der Ruhe. Ich frage mich noch wer hier im Hafen wieder seine Alarme nicht ausgeschaltet hat, da schießt auch schon direkt am Hafen ein alter Dampfzug vorbei. Und der sieht mir irgendwie auch so bekannt aus… Tatsächlich! In Fort William, einen Ort weiter, fährt doch tatsächlich der originale Hogwartsexpress ab! Nach kurzem Grübeln steht das Programm für den nächsten Hafentag nämlich fest. So schön dieser Abend zwar ist, steht durch den Wetterumschwung der sich für die kommende Tage anakündigt nämlich leider fest, dass ich keine Zeit mehr für die äußeren Hebriden und die Insel Skye, noch weiter im Norden Schottlands, haben werde. Mit dem kleinen Boot wäre das Risiko dort einfach zu groß dort lange festzuhängen. Und die Zeit ist auch auf so einem Törn leider begrenzt… Noch ahnte ich nicht wie Recht ich mit dieser Einschätzung, die mir zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich schwerfiel, haben würde.

Wenigstens sollte ich die Inseln noch sehen. „The Jacobite“, der Dampfzug der besser bekannt ist als Kulisse des Hogwarts-Expresses aus den Harry Potter Filmen fährt nämlich fast bis dorthin, nach Mallaig.
Also auf zur Landpartie. Eigentlich wäre schon die Fahrt in dem alten Dampfzug Attraktion genug gewesen. Eine schnaufende Lok und alte holzvertäfelte Wagen. In den erste Klasse Wagen nimmt man sogar quasi in Omas Ohrensesseln Platz. Echt urig. Schon witzig, denn irgendwie ist selbst eine Fahrt in der Ersten Klasse heutzutage niemals so bequem wie in diesem alten Schmuckstück. Fortschritt muss also nicht zwingend immer einen Vorteil bringen… ;-)
Doch etwas anderes ist noch viel spektakulärer: Die Fahrt durch die schottischen Highlands. Auf dem Caledonian Canal habe ich ja bereits einen Eindruck davon bekommen, doch das hier schlägt wirklich alles. Die Bahnstrecke windet sich an den Bergen entlang, durch menschenleere Moore und Hänge, an Burgruinen, Lochs und kleinen Ortschaften vorbei. Zwei Stunden dauert die Fahrt und selbst danach kann mich sich immer noch nicht sattsehen. Bis in das frühe 18. Jhd. hinein sollen Nachrichten aus diesem Teil des Empires nach London länger gebraucht haben als aus Afghanistan. Irgendwie zwar schwer vorstellbar, doch beim Anblick dieser Landschaft auf einmal plausibel. Ich erkenne auch, dass dieser Teil Schottlands tatsächlich etwas mystisches in sich trägt. Die Landschaft ist nicht einfach nur schön anzuschauen sondern scheint von Zeit zu Zeit tatsächlich nicht wie von dieser Welt. Karge Steppen, Felswände und sattgrüne Hänge wechseln sich fast im Sekundentakt ab. Und fast immer in den unwegsamsten Gegenden stehen auf einmal die Reste eines kleinen Hauses. Kein Wunder das die alten Schotten keinen Bock auf Könige hatten sondern einfach nur ihre Ruhe haben wollten.

Angekommen in Mallaig mache ich erst mal eine Runde durch den Fischereihafen. Der ist nämlich so voll von Schiffen und Betrieb wie man es heutzutage kaum mehr kennt. Ein herrliches Treiben. Ein Wort muss ich an dieser Stelle ohnehin mal zu den Fischern loswerden: In deutschen und skandinavischen Gewässern ist das Verhältnis zwischen Seglern und Fischern auf dem Wasser ja oft von herzlicher Abneigung geprägt. Man ist einfach häufig voneinander genervt. Die ausgelegten Netze der Fischer sind zwar auch etwas tricky, das Verhältnis zueinander ist hier aber komplett anders. Alle sind Männer der See und helfen und respektieren sich gegenseitig. Ich schätze mal das hat was mit den härteren Bedingungen hier draußen zutun. Schweißt einfach zusammen.
Das beste Erlebnis hatte ich noch in der schottischen Nordsee: Ein Fischer der mir entgegenkam brüllte und winkte mir heftig zu. Ich hab mich schon gefragt was ich falsch gemacht habe, da drehte der Kollege bei und zollte mir Respekt dafür mit dem kleinen deutschen Boot hier oben zu sein. Das würde es bei so nie geben…
So fühle ich mich also auch hier im Fischereihafen gleich ein bisschen zuhause und verdrücke in einer Fischerkneipe ein paar erst vor 10 Minuten angelandete Muscheln bevor es mit dem Jacobite zurück nach Fort William und weiter nach Corpach geht. Und wieder reicht die Zugfahrt kaum aus um sich an der Landschaft satt zu sehen. Wer hier mal vorbeikommt, dem kann ich diese kleine Landpartie wärmstes ans Herz legen.

Approached at Helsinki

Städtereisend

“Macht ihre eigentlich eine Städtereise?“ „Das hast Du irgendwie Recht.“ Nathalie hat ja irgendwie immer Recht. Stockholm – Tallinn – Helsinki – St. Petersburg. War eigentlich so extrem gar nicht geplant. Ein paar mehr Schären sollten es eigentlich schon sein. Aber wie dem so ist. Die Crew hat das Sagen: Wohin, woher, wohin. Die Hintergründe stecken im Detail. Die Details sind nicht unbedingt etwas für den Blog. Auf jeden Fall haben wir alle den Weg des maximalen Er- und Sielebens gefunden. Gestern Nacht noch vor Anker rufe ich heute Morgen die erste Marina an. „No Mikel. Für ein Schiff Deiner Größe haben wir leider keinen Platz. Zweiter Versuch, gleiches Ergebnis. Dritter Versuch: „Ja. Wir haben einen Platz für euch.“ Puhh. Glück gehabt. Mitten im Zentrum von Helsinki gehen wir längsseits des Anlegepiers. Strahlende Gesichter. Jeder kann unaufwendig seines Weges gehen. Das tut gut. Die Sonne scheint wieder. Auch sechzig Fuß können klein werden. Helsinki zeigt sich von seiner besten Seite. Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne. Dann scheint sie wieder die Sonne.

Ich habe die Rolling Stones in den Ohren. Jan hat heute gekocht. Hat Jan gut gemacht. Schweinefilet im Bacon Mantel. Sahnesößchen. Für mich ein bisschen Ruccola. Gemüsepfanne. Rioja. Essen tut gut. Die Sonne scheint immer noch. Am Pier bleiben Leute stehen. Der Blick geht vom Bug zum Heck. Langsam. Der Blick schwenkt wieder zurück zur Schiffsmitte und langsam den Mast hoch in den Himmel zum Ende des langen Spargels. Sind das neidvolle Blicke oder eher bewundernd? Eigentlich egal. Ich bin allein an Bord und hau mich im Pilothaus auf die Backe. Ping, Ping, Ping. What’s App und FB Messenger und Co sind mir grade mal egal. Ich freu mich auf die nächste Etappe. 150 Meilen bis nach St. Petersburg. Rückenwind. 25 Knoten. Na. Sailing is living. Später mache ich dann doch Klappe vom Lappi auf. Martin aus der Schweiz schickt seinen Fragebogen. La Coruna – St. Lucia. Auf Anhieb der richtige Mann. Ich freu mich immer so sehr über jeden neuen netten Mitsegler. Nun mag man meinen, wir hätten auch unnette. Ist aber fast nie. Skipper Jan und Micha werden aber eben auch anspruchsvoll. Die Zusammenarbeit mit Sailing Islands war bei weitem nicht so erfolgreich wie von Markus angekündigt. So habe ich die Vermarktung, das Marketing und die Vergabe der Plätze eben wieder selber übernommen. Hier mal ein Link auf unseren Mitsegeln Fragebogen. Sailing Island fand den Fragebogen ja zu persönlich. Würde mich ja mal interessieren wie ihr das so seht, auch wenn ihr gar nicht mitsegeln wollt.

Zugegeben. Ich habe noch nichts von Helsinki mitbekommen. Dem werde ich jetzt entgegenwirken. Samstag Abend. „Jan. Willst Du lieber alleine ausgehen. Oder schon wieder mit dem Alten? Was geht in Helsinki? Zumindest hast Du immer eine Erklärung wenn wir wieder so wie in Stockholm irgendwo nicht reinkommen. Dann liegt es eben an mir.“ Birgit bekommt die Unterhaltung mit. „Jan Du musst Michael einfach als Deinen Bewährungshelfer deklarieren. Das ist einleuchtend.“ Jan lacht. Ich lache. „Lasst mich mal eben einen Moment in Ruhe. Ich nehme mir meine AirPods. Musik drauf, damit ich in meiner elektronisch musikalischen Welt meine Gedanken zu Papier bringen kann ohne meine Umwelt mitzubekommen. Bloggen ist schön. Bloggen macht frei.

Euch da draußen einen schönen Samstag Abend. Jetzt schein die Sonne nicht mehr. Der Mond geht auf. Zeit für Umkleidung. Wie sieht ein Co-Skipper-Bewährungshelfer aus? Weißes Hemd? Blue Jeans? Kap Hoorn Ring. Love & Kisses.

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

Download Flyer

Kolocep. Kroatiens drittletzte Insel.


Das Ankommen entscheidet, ob wir uns wohlfühlen an einem Ort oder nicht. Es sind oft nur Sekunden. Die Insel Kolocep erreichte ich am Freitag Abend. Gar kein guter Zeitpunkt jetzt im August. Die Bucht war voll. Wer am folgenden Samstag abreist, will noch einmal alles, alles erleben. Mutwille. Lärm. Übermut. Die Bucht vor dem Sandstrand voller kleiner Motorboote. Der Ankerplatz vor den Klippen voller Charterer und Eignerschiffe. Der Platz vor dem Anleger voller Ausflugsschiffe. „Dubrovnik Excursion“ steht auf den meisten: Wer seinen Urlaub in Dubrovnik verbringt, der will auch auf die davor liegenden Inseln Lokrum und eben nach Kolocep. Lärm, Gewummer, Techno-Bass.

Eigentlich bin ich genervt. Aber dann bleibt mein Blick haften auf ein paar Dingen. Der Felskante vor dem Hafen mit dem türkisen Wasser. Der kleinen verfallenden Villa am Ufer in der Abenddämmerung. Der Villa am gegenüberliegenden Ufer. Ich beschließe zu ankern und einfach zu bleiben. Trotz Lärm. Ich sehe nicht, wie es jetzt gerade ist. Sondern wie es sein könnte.

Beim Segeln wie im Leben ist es kein leichtes, an einem Ort sesshaft zu werden. An einem Ort auf Levje zu bleiben bedeutet:
Levjes Anker vor der nach Norden schützenden Felskante fallen lassen;
unter Motor Richtung Ufer ziehen;
drei Festmacher auf etwa 70 Meter Länge zusammenknoten;
ins Wasser steigen;
Richtung Ufer schwimmen, das Ende der zusammengeknoteten 70-Meter-Leine in der Hand hinter mir herziehend;
samt Leine auf einen Felsen klettern;
die Leine um den Felsen schlingen und verknoten;
mich an der Leine durchs Wasser zurück zu Levje zu hangeln;
und dann mit Kraft den Festmacher Hand über Hand dichtholen, bis Levje fest vertäut zwischen ihrem Anker und dem Felsen als Poller liegt.

Nicht so schwer. Aber bei fast 40 Grad und salznass nicht einfach. Das dauert eine halbe Stunde. Aber dann schalte ich Levjes Motor ab. Und habe Zeit für Kolocep. Auf der Landkarte ist Kolocep Kroatiens drittletzte Insel nach Süden, von insgesamt 1.200 Inseln, die sich entlang seiner 500 Kilometer langen Küste hinziehen. Danach? Kommen nur noch Lokrum, die Insel vor Dubrovnik. Und die Inseln vor Cavtat, der letzten kroatischen Stadt vor Montenegro und der Bucht von Kotor.

Kolocep ist nicht groß. Angeblich leben 150 Menschen auf der kleinen Insel. Sie tun das überwiegend im Sommer. Und wenn es in früheren Zeiten hieß, sie ernährten sich vom Fischfang und etwas Landwirtschaft, dann leben sie heute vom Tourismus. Allein in dem kleinen Ort mit seinen 20 Häusern zähle ich: das größere Resort am Sandstrand. Verschiedene kleinere Hotels für Individualreisende. Ein Restaurant mit dem Namen CULINARIUM und der Zeile ON RESERVATION ONLY. Eine einfache Kneipe am Strand gleich daneben, nett anzusehen mit den Sonnenschirmen an der einzigen Pier und den entspannt sitzenden Menschen. Doch was ihre Preise angeht, nicht ihr Angebot, kann es die kleine Kneipe am Strand von Kolocep mit der legendären Sansibar auf Sylt aufnehmen. Was solls. Dubrovnik eben.

Ein paar Schritte weiter stehe ich im Dorfladen. Und der tuts mir sofort an. Ein paar Strohhüte im Regal. Ein paar Fläschchen 30er Sonnenmilch. Zwei Stauden aufgeplatzte Bananen. Chipstüten. Abgepackter Schinken und bunt leuchtende Energy-Drinks. Was der Reisende für den Strand halt so braucht. Eine Omi steht hinter dem Thresen, keck zeigt sie die entblößte Schulter, man trägt das heut‘ so. Nein, „Kruh“, Brot, habe sie keins. Erst wieder morgen Früh halb zehn, wenn die erste Fähre kommt. Aber leer möchte ich nicht gehen. Also nehme ich drei Dosen Bier mit. Jeder Sommer hat

seinen Drink. Und in diesem Sommer hat meine Frau an Bord neben Wein und Proseco etwas neues eingeführt. Bier, mit Mineralwasser verdünnt. Ein genialer Durstlöscher, sagt meine Frau. Heute Abend also zum Sternenhimmel ein „Armenbier“.

Kolocep an einem Freitag Abend im August. Der Gesang aus dem Resort gegenüber hallt über die Bucht. Dinghis, die in der Dunkelheit zu ihren Schiffen eilen. Leben in der Bucht.

Als ich am um halb acht am nächsten Morgen an Deck gehe, ist alles leer. Die Pier. Die Bucht. Kolocep, leergefegt, ist, wie ich ahnte, dass es sein könnte.

Dann werde ich mal hinüber rudern. Und Brot holen gehen.

Kolocep. Kroatiens drittletzte Insel.


Das Ankommen entscheidet, ob wir uns wohlfühlen an einem Ort oder nicht. Es sind oft nur Sekunden. Die Insel Kolocep erreichte ich am Freitag Abend. Gar kein guter Zeitpunkt jetzt im August. Die Bucht war voll. Wer am folgenden Samstag abreist, will noch einmal alles, alles erleben. Mutwille. Lärm. Übermut. Die Bucht vor dem Sandstrand voller kleiner Motorboote. Der Ankerplatz vor den Klippen voller Charterer und Eignerschiffe. Der Platz vor dem Anleger voller Ausflugsschiffe. „Dubrovnik Excursion“ steht auf den meisten: Wer seinen Urlaub in Dubrovnik verbringt, der will auch auf die davor liegenden Inseln Lokrum und eben nach Kolocep. Lärm, Gewummer, Techno-Bass.

Eigentlich bin ich genervt. Aber dann bleibt mein Blick haften auf ein paar Dingen. Der Felskante vor dem Hafen mit dem türkisen Wasser. Der kleinen verfallenden Villa am Ufer in der Abenddämmerung. Der Villa am gegenüberliegenden Ufer. Ich beschließe zu ankern und einfach zu bleiben. Trotz Lärm. Ich sehe nicht, wie es jetzt gerade ist. Sondern wie es sein könnte.

Beim Segeln wie im Leben ist es kein leichtes, an einem Ort sesshaft zu werden. An einem Ort auf Levje zu bleiben bedeutet:
Levjes Anker vor der nach Norden schützenden Felskante fallen lassen;
unter Motor Richtung Ufer ziehen;
drei Festmacher auf etwa 70 Meter Länge zusammenknoten;
ins Wasser steigen;
Richtung Ufer schwimmen, das Ende der zusammengeknoteten 70-Meter-Leine in der Hand hinter mir herziehend;
samt Leine auf einen Felsen klettern;
die Leine um den Felsen schlingen und verknoten;
mich an der Leine durchs Wasser zurück zu Levje zu hangeln;
und dann mit Kraft den Festmacher Hand über Hand dichtholen, bis Levje fest vertäut zwischen ihrem Anker und dem Felsen als Poller liegt.

Nicht so schwer. Aber bei fast 40 Grad und salznass nicht einfach. Das dauert eine halbe Stunde. Aber dann schalte ich Levjes Motor ab. Und habe Zeit für Kolocep. Auf der Landkarte ist Kolocep Kroatiens drittletzte Insel nach Süden, von insgesamt 1.200 Inseln, die sich entlang seiner 500 Kilometer langen Küste hinziehen. Danach? Kommen nur noch Lokrum, die Insel vor Dubrovnik. Und die Inseln vor Cavtat, der letzten kroatischen Stadt vor Montenegro und der Bucht von Kotor.

Kolocep ist nicht groß. Angeblich leben 150 Menschen auf der kleinen Insel. Sie tun das überwiegend im Sommer. Und wenn es in früheren Zeiten hieß, sie ernährten sich vom Fischfang und etwas Landwirtschaft, dann leben sie heute vom Tourismus. Allein in dem kleinen Ort mit seinen 20 Häusern zähle ich: das größere Resort am Sandstrand. Verschiedene kleinere Hotels für Individualreisende. Ein Restaurant mit dem Namen CULINARIUM und der Zeile ON RESERVATION ONLY. Eine einfache Kneipe am Strand gleich daneben, nett anzusehen mit den Sonnenschirmen an der einzigen Pier und den entspannt sitzenden Menschen. Doch was ihre Preise angeht, nicht ihr Angebot, kann es die kleine Kneipe am Strand von Kolocep mit der legendären Sansibar auf Sylt aufnehmen. Was solls. Dubrovnik eben.

Ein paar Schritte weiter stehe ich im Dorfladen. Und der tuts mir sofort an. Ein paar Strohhüte im Regal. Ein paar Fläschchen 30er Sonnenmilch. Zwei Stauden aufgeplatzte Bananen. Chipstüten. Abgepackter Schinken und bunt leuchtende Energy-Drinks. Was der Reisende für den Strand halt so braucht. Eine Omi steht hinter dem Thresen, keck zeigt sie die entblößte Schulter, man trägt das heut‘ so. Nein, „Kruh“, Brot, habe sie keins. Erst wieder morgen Früh halb zehn, wenn die erste Fähre kommt. Aber leer möchte ich nicht gehen. Also nehme ich drei Dosen Bier mit. Jeder Sommer hat seinen Drink. Und in diesem Sommer hat meine Frau an Bord neben Wein und Proseco etwas neues eingeführt. Bier, mit Mineralwasser verdünnt. Ein genialer Durstlöscher, sagt meine Frau. Heute Abend also zum Sternenhimmel ein „Armenbier“.

Kolocep an einem Freitag Abend im August. Der Gesang aus dem Resort gegenüber hallt über die Bucht. Dinghis, die in der Dunkelheit zu ihren Schiffen eilen. Leben in der Bucht.

Als ich am um halb acht am nächsten Morgen an Deck gehe, ist alles leer. Die Pier. Die Bucht. Kolocep, leergefegt, ist, wie ich ahnte, dass es sein könnte.

Dann werde ich mal hinüber rudern. Und Brot holen gehen.