Monatsarchive: Juli 2017

SV Uhuru – Andi + Rudi Kiener AT

EINE RUNDE WAR NICHT GENUG

Sehr geehrter Hr.Förthmann !
Wir sind mit ihrer Windpilot einmal um die Welt und einmal eine Atlantik-Runde gesegelt. Kein Wunder, dass das Pickerl etwas verblichen ist.
Können sie uns bitte eines zuschicken, wir überweisen den Betrag.
Liebe Grüsse And + Rudi

Für Nicht Deutsche: Ein Pickerl ist ein Groschengrab, das mit einem Windpilot Gradaufkleber nix gemeinsam hat, weil es im Gegensatz zum windigen Pilot, von innen an der Autoscheibe klebt, damit die dressierte Ordnungsmacht es nicht eigenständig entfernen, um für das eigene Gehalt dann die Busse kassieren kann.
Peter Foerthmann WEITERLESEN

Dieselpest. Oder: Das Leben in meinem Tank.

Ein schöner Morgen in Kroatien. Ablegen aus der Bucht Vela Luka ganz im Westen der Insel Korcula. Aber kaum draußen aus der Bucht stottert der Motor. Und stirbt ab. Ein Vierzylinder sagt einfach Tschüss. Und bleibt stehen.

Neustart. Er machts. Und läuft einfach erstmal weiter. Die Hoffnung, die in einem Winkel meines Hirns gedeiht, dass das ein einmaliges Ereignis gewesen sein könnte. Aber während ich den Gedanken denke, sagt eine andere Ecke meines Hirns: „Du weißt genau, dass ein Diesel nicht einfach mal stehen bleibt. Einmal ist nur der Anfang“.

Zehn Minuten später geht der Motor stotternd erneut aus. Er setzt aus. Wir setzen Segel. Kurs Richtung Lastovo, noch weiter nach draußen. Ich gönne dem Motor eine Ruhepause. Und habe die Filter im Verdacht. Einen nach dem anderen inspiziere ich. Das Schauglas vom Wasserabscheider. Nichts trüb. Alles klar. Kein Wasser. Dann den Kraftstofffilter an der Maschine. Nichts. Ich bin ratlos.

Es muss mit der Kraftstoffleitung zu tun haben. Anruf in der SUBEAM-Werft. Ergebnis: Es könnte ein Pfropfen in der Ansaugleitung des Dieseltanks sein. Der Tipp:

1. Erstmal an der dem Motor nächstgelegenen Entlüftung nachsehen, ob Diesel kommt. Oder die Leitung leer ist.

2. Ist sie leer, die Leitung vor dem ersten Filter abschrauben. Und reinpusten.

Die Kraftstoffleitung bei der Entlüftung ist leer. Also schraube ich die hintere Leitung ab. Und puste. Wie doof. Richtung Tank. Aber außer einem hochroten Kopf kein Ergebnis. Die Leitung – ist zu. Tot. Da kommt nix durch.

Wenn ich nicht weiterkomme mit einem Problem, wandere ich. Ein in Bewegung bleiben. Ich setze mich ins Cockpit zu meiner Frau. Mittlerweile hat der Wind erheblich aufgefrischt, 5-6 bft. Zeit zu reffen. Und Zeit, eine Lösung fürs Pusten zu finden.

Ich schnappe mir, während Katrin gerefft zwischen Korciula und Lastovo steuert, am Nachmittag den Tretblasebalg des Dinghis. Ein stabiles Ding meines Vorbesitzers. Zerschneide den Luftschlauch. Und baue mir mit drei anderen Kraftstoff-Schlauchresten – nein, ich kann einfach nichts wegwerfen. Und ein Stück Kraftstoffschlauch schon gar nicht! – und Rohrschellen einen Anschluss für die Kraftstoffleitung.

Dann schließe ich meine selbstgebaute Pustepumpe an den Stutzen an, der aus dem Tank führt.

Nichts. Der Tretbalg bleibt hart wie ein Teak-Klotz, wenn ich drauftrample. Ich stelle mit beiden Beinen drauf, erhöhe den Druck auf dem Tretbalg auf Körpergewicht. „Prüfdruck 90 Kilo“ – das hält der Blasebalg ganz sicher nicht aus. Oder? Er hält. Plötzlich gehts für mich abwärts. Die Luft entweicht. Und aus den Tiefen des 210-Liter-Edelsathl-Dieseltanks neben mir erklingt ein befreites Geblubber.

Hurra.

Meinen Durchpuster wieder abbauen. Kraftstoffleitung wieder dran. Ganze Leitung entlüften. Dann Zündschlüssel drehen. Er springt ohne Murren an. Und läuft.

Hurra.

Aber nur 35 Minuten. So lange dauert die Fahrt Richtung Lastovo. Dann setzt der Motor wieder aus. Mit Stottern.

Aber ich weiß ja jetzt, was zu tun ist: Selbstgebauten Durchpuster wieder an den Tank anschließen. „Prüfdruck auf 90 Kilo“ erhöhen. Rrrrrrrumms machts im Tank, gefolgt von Geblubber.

Diesmal stirbt der Motor nach zehn Minuten ab. Ich erwäge den Gedanken, statt der vor dem Starkwind schützenden Bucht im Westen Lastovos fünf, sechs Stunden Richtung MARINA KORCIULA zu segeln. Antonia vom Empfang ist – anders als zuvor MARINA PALMIZANA auf Hvar – überaus freundlich. Sie sei bis neun da. Danach nur der Wachdienst. Aber die würden mich schon irgendwie reinkriegen.

Ich verwerfe den Gedanken. Also Lastovo. Nach noch einmal durchpusten hält der Motor durch die Einfahrt zwischen den Meerengen durch. Wir lassen das Großsegel stehen. Und suchen uns einen Platz in der vollen Bucht.

Blick über Inspektionsluke samt Tankgeber in die hellblaue Diesel-Tiefe, wo nur mein Schlauch hinunterrreicht.

Am nächsten Morgen zeitig raus. Ich rücke den 200 Litern Diesel auf den Leib. Schraube die Inspektionsluke ab. Blicke hinunter auf 200 Liter blauschimmerndes Diesel. Auch da ist nichts zu sehen. Einen weiteren meiner Freunde aus meinem Schatz, dem Schlauchschapp an die kleine Handpumpe anschließen. Und dann in die Tiefen des Tanks versenken. Und Diesel zur Sichtkontrolle in die Wasserflaschen abfüllen. Dialyse für Diesel.

Wo sonst mein Bett ist: Heute alle meine Spielsachen: Kleine Handpumpe. Leere Wasserflaschen. Schläuche. Und jede Menge Papaiertücher.

Zuerst nichts. Bei der sechsten Flasche Diesel stockt die Handpumpe. Sie will nicht mehr. Irgendwas blockiert. Steckt im Schlauch. Wehrt sich. Ich hole den Schlauch aus dem Tank. Zerlege ihn. Und die Pumpe. Finde das da:

Ein dreißig Zentimeter langes Teil, das aus meiner Pumpe kommt. Und aussieht wie ein Bandwurm. Ein faseriger Organismus, schleimig, dicht, fest, den ich nach und nach aus der kleinen Handpumpe ziehe.

Ich betreibe meine „Diesel-Dialyse“ den Vormittag und den halben Nachmittag.
Mit dem Schlauch jedes Mal an die tiefste Stelle des Tanks.
Danach mit schnellen, möglichst saugstarken Zügen der Handpumpe Diesel in die drei 1,5-Liter-Wasserflaschen füllen.
Sichtkontrolle. Filtern.
Was sauber ist: zurück in den vollen Tank.

Ich finde noch verschiedene Reste dieses Gewebes. Keiner der Bandwurm-ähnlichen Organismen kürzer als 10 Zentimeter. Etwas Schleim, kein Becherglas voll.

Etwas Anstrengung kostet der Stutzen Tankboden. Der Ablauf, der noch im Herbst funktionierte – jetzt ist er verstopft. Auch da hängt was drin. Aber mit Durchpusten schaffe ich es, ihn frei zu bekommen.

Am Abend läuft der Motor über eine Stunde anstandslos. Und dann noch eine Stunde, während des Verlegens auf einen anderen Ankerplatz in der Bucht.

Hardfacts:

1. Boot im Herbst neu gekauft nach langer Standzeit.
2. Deshalb GROTAMAR im Herbst in den Tank gekippt. Vielleicht nicht ausreichend. Aber immerhin.
3. Denn: Das Ablassen von etwa 2-3 Litern Diesel aus dem Tank via Entleerungsstutzen brachte – außer der üblichen Verschmutzung – keine nennenswerten Hinweise auf Dieselpest.
4. Seit Kauf ist die Maschine ca. 150 Motorstunden anstandslos gelaufen. Ca. 900 Seemeilen oder 1.700 Kilometer.
5. Seit Kauf wurde etwa fünf, sechs Mal frisches Diesel „nachgetankt“, um das Altdiesel schnellstens zu verdünnen.

Meine Hypothese: Die Dieselpest kann aufgrund der langen Laufzeit eigentlich nicht im Tank entstanden sein. sondern das faserige Material kam in den Tank bei einem dieser letzten Nachtank-Sessions . Das letzte „Nachtanken“ lag ca. fünf Motorstunden zurück.

Dieselpest. Oder: Das Leben in meinem Tank.

Ein schöner Morgen in Kroatien. Ablegen aus der Bucht Vela Luka ganz im Westen der Insel Korcula. Aber kaum draußen aus der Bucht stottert der Motor. Und stirbt ab. Ein Vierzylinder sagt einfach Tschüss. Und bleibt stehen.

Neustart. Er machts. Und läuft einfach erstmal weiter. Die Hoffnung, die in einem Winkel meines Hirns gedeiht, dass das ein einmaliges Ereignis gewesen sein könnte. Aber während ich den Gedanken denke, sagt eine andere Ecke meines Hirns: „Du weißt genau, dass ein Diesel nicht einfach mal stehen bleibt. Einmal ist nur der Anfang“.

Zehn Minuten später geht der Motor stotternd erneut aus. Er setzt aus. Wir setzen Segel. Kurs Richtung Lastovo, noch weiter nach draußen. Ich gönne dem Motor eine Ruhepause. Und habe die Filter im Verdacht. Einen nach dem anderen inspiziere ich. Das Schauglas vom Wasserabscheider. Nichts trüb. Alles klar. Kein Wasser. Dann den Kraftstofffilter an der Maschine. Nichts. Ich bin ratlos.

Es muss mit der Kraftstoffleitung zu tun haben. Anruf in der SUBEAM-Werft. Ergebnis: Es könnte ein Pfropfen in der Ansaugleitung des Dieseltanks sein. Der Tipp:

1. Erstmal an der dem Motor nächstgelegenen Entlüftung nachsehen, ob Diesel kommt. Oder die Leitung leer ist.

2. Ist sie leer, die Leitung vor dem ersten Filter abschrauben. Und reinpusten.

Die Kraftstoffleitung bei der Entlüftung ist leer. Also schraube ich die hintere Leitung ab. Und puste. Wie doof. Richtung Tank. Aber außer einem hochroten Kopf kein Ergebnis. Die Leitung – ist zu. Tot. Da kommt nix durch.

Wenn ich nicht weiterkomme mit einem Problem, wandere ich. Ein in Bewegung bleiben. Ich setze mich ins Cockpit zu meiner Frau. Mittlerweile hat der Wind erheblich aufgefrischt, 5-6 bft. Zeit zu reffen. Und Zeit, eine Lösung fürs Pusten zu finden.

Ich schnappe mir, während Katrin gerefft zwischen Korciula und Lastovo steuert, am Nachmittag den Tretblasebalg des Dinghis. Ein stabiles Ding meines Vorbesitzers. Zerschneide den Luftschlauch. Und baue mir mit drei anderen Kraftstoff-Schlauchresten – nein, ich kann einfach nichts wegwerfen. Und ein Stück Kraftstoffschlauch schon gar nicht! – und Rohrschellen einen Anschluss für die Kraftstoffleitung.

Dann schließe ich meine selbstgebaute Pustepumpe an den Stutzen an, der aus dem Tank führt.

Nichts. Der Tretbalg bleibt hart wie ein Teak-Klotz, wenn ich drauftrample. Ich stelle mit beiden Beinen drauf, erhöhe den Druck auf dem Tretbalg auf Körpergewicht. „Prüfdruck 90 Kilo“ – das hält der Blasebalg ganz sicher nicht aus. Oder? Er hält. Plötzlich gehts für mich abwärts. Die Luft entweicht. Und aus den Tiefen des 210-Liter-Edelsathl-Dieseltanks neben mir erklingt ein befreites Geblubber.

Hurra.

Meinen Durchpuster wieder abbauen. Kraftstoffleitung wieder dran. Ganze Leitung entlüften. Dann Zündschlüssel drehen. Er springt ohne Murren an. Und läuft.

Hurra.

Aber nur 35 Minuten. So lange dauert die Fahrt Richtung Lastovo. Dann setzt der Motor wieder aus. Mit Stottern.

Aber ich weiß ja jetzt, was zu tun ist: Selbstgebauten Durchpuster wieder an den Tank anschließen. „Prüfdruck auf 90 Kilo“ erhöhen. Rrrrrrrumms machts im Tank, gefolgt von Geblubber.

Diesmal stirbt der Motor nach zehn Minuten ab. Ich erwäge den Gedanken, statt der vor dem Starkwind schützenden Bucht im Westen Lastovos fünf, sechs Stunden Richtung MARINA KORCIULA zu segeln. Antonia vom Empfang ist – anders als zuvor MARINA PALMIZANA auf Hvar – überaus freundlich. Sie sei bis neun da. Danach nur der Wachdienst. Aber die würden mich schon irgendwie reinkriegen.

Ich verwerfe den Gedanken. Also Lastovo. Nach noch einmal durchpusten hält der Motor durch die Einfahrt zwischen den Meerengen durch. Wir lassen das Großsegel stehen. Und suchen uns einen Platz in der vollen Bucht.

Blick über Inspektionsluke samt Tankgeber in die hellblaue Diesel-Tiefe, wo nur mein Schlauch hinunterrreicht.

Am nächsten Morgen zeitig raus. Ich rücke den 200 Litern Diesel auf den Leib. Schraube die Inspektionsluke ab. Blicke hinunter auf 200 Liter blauschimmerndes Diesel. Auch da ist nichts zu sehen. Einen weiteren meiner Freunde aus meinem Schatz, dem Schlauchschapp an die kleine Handpumpe anschließen. Und dann in die Tiefen des Tanks versenken. Und Diesel zur Sichtkontrolle in die Wasserflaschen abfüllen. Dialyse für Diesel.

Wo sonst mein Bett ist: Heute alle meine Spielsachen: Kleine Handpumpe. Leere Wasserflaschen. Schläuche. Und jede Menge Papaiertücher.

Zuerst nichts. Bei der sechsten Flasche Diesel stockt die Handpumpe. Sie will nicht mehr. Irgendwas blockiert. Steckt im Schlauch. Wehrt sich. Ich hole den Schlauch aus dem Tank. Zerlege ihn. Und die Pumpe. Finde das da:

Ein dreißig Zentimeter langes Teil, das aus meiner Pumpe kommt. Und aussieht wie ein Bandwurm. Ein faseriger Organismus, schleimig, dicht, fest, den ich nach und nach aus der kleinen Handpumpe ziehe.

Ich betreibe meine „Diesel-Dialyse“ den Vormittag und den halben Nachmittag.
Mit dem Schlauch jedes Mal an die tiefste Stelle des Tanks.
Danach mit schnellen, möglichst saugstarken Zügen der Handpumpe Diesel in die drei 1,5-Liter-Wasserflaschen füllen.
Sichtkontrolle. Filtern.
Was sauber ist: zurück in den vollen Tank.

Ich finde noch verschiedene Reste dieses Gewebes. Keiner der Bandwurm-ähnlichen Organismen kürzer als 10 Zentimeter. Etwas Schleim, kein Becherglas voll.

Etwas Anstrengung kostet der Stutzen Tankboden. Der Ablauf, der noch im Herbst funktionierte – jetzt ist er verstopft. Auch da hängt was drin. Aber mit Durchpusten schaffe ich es, ihn frei zu bekommen.

Am Abend läuft der Motor über eine Stunde anstandslos. Und dann noch eine Stunde, während des Verlegens auf einen anderen Ankerplatz in der Bucht.

Hardfacts:

1. Boot im Herbst neu gekauft nach langer Standzeit.
2. Deshalb GROTAMAR im Herbst in den Tank gekippt. Vielleicht nicht ausreichend. Aber immerhin.
3. Denn: Das Ablassen von etwa 2-3 Litern Diesel aus dem Tank via Entleerungsstutzen brachte – außer der üblichen Verschmutzung – keine nennenswerten Hinweise auf Dieselpest.
4. Seit Kauf ist die Maschine ca. 150 Motorstunden anstandslos gelaufen. Ca. 900 Seemeilen oder 1.700 Kilometer.
5. Seit Kauf wurde etwa fünf, sechs Mal frisches Diesel „nachgetankt“, um das Altdiesel schnellstens zu verdünnen.

Meine Hypothese: Die Dieselpest kann aufgrund der langen Laufzeit eigentlich nicht im Tank entstanden sein. sondern das faserige Material kam in den Tank bei einem dieser letzten Nachtank-Sessions . Das letzte „Nachtanken“ lag ca. fünf Motorstunden zurück.

Achillesfersen – Ruder

SCHEIN UND WIRKLICHKEIT

Ein Rundgang durch europäische Messen und Marinas zeigt den Erfolg von Marketing und Promotion, zeigt Trends und Neuigkeiten, die stets als Verbesserungen apostrophiert, beworben und in der Folge dann gekauft werden. Die meisten Yachten suchen dabei den Spagat von Performance bei zeitgleich hohem Nutzwert und Wohnlichkeit, was für den gemeinen Segler akzeptabel sein mag, weil er sein Schiff überwiegend in erreichbarer Nähe von schwimmender oder fliegender Hilfe verwendet. Die Nutzung und Empfehlung dieser Schiffe für die hohe See hingegen, sollte nach m.E. anderen Anforderungen zu folgen haben, die bei uns, wie ich es empfinde, bei Marketing und Promotion zu selten im Vordergrund stehen: Die Solidität und Bauweise der Anhänge! WEITERLESEN

Doppelausgabe

Petrosawodsk

Watt ne Action ! Wir sind in Petrosawodsk angekommen, nachdem wir gestern morgen um 3 Uhr in aller Herrgotssfrühe von Voznesene aufgebrochen sind. Schon beim ersten Blick aus dem Niedergang hatte ich mich spontan über die Stellung des Windgenerators gewundert. „Der zeigt doch nicht nach Nordost wie vorhergesagt !?“, dachte ich mir. Losgefahren sind wir trotzdem. Denn es wird zum einen Zeit weiter nach Norden zu kommen und zum anderen kann die Windrichtung im Binnenrevier ja bekanntlich durch tausend Faktoren beeinflusst werden. Auf dem freien Wasser des Onegasees hofften wir also auf den gemeldeten Nordost. Leider vergebens. Denn draußen blies es zunächst aus Nord, was und zum mühseligen aufkreuzen gegen die kabbelige kurze Welle zwang. Fast 5 Stunden haben wir gebraucht bis wir um die erste Landspitze herum waren. Dann ging es extrem hoch am Wind weiter. Aber egal .. Hauptsache wir konnten jetzt einen direkten Kurs fahren. Für den Tagesverlauf war eine Rückdrehung des Windes auf Ostnordost gemeldet, was für unseren Kurs nach Nordwest gut gepasst hätte. Hätte .. denn der Wind ging sogar noch weiter rück auf Nornordwest. Mittags ließ er zudem von jetzt auf gleich nach. Um 13 Uhr war es vorbei und wir waren gezwungen den Diesel einzuschalten. In der Restwelle rollend und gierend ging es so für fast 8 Stunden unter Maschine nach Petrosawodsk. Insgeamt 18 Stunden hats gebraucht und wirklich angekommen waren wir dann auch noch nicht. Denn der Kontaktmann vor Ort lotste uns erst mal in einen falschen Hafen. Ein weiteres Telefonat später fanden wir ihn dann etwas weiter auf seinem „Museumshof“, wo er alte Boote nachbaut und restauriert. Um ehrlich zu sein, wir waren doch ein bisschen geschockt als wir dort hineinsteuerten. Wir sind ja mittlerweile schon einiges gewohnt, aber das gestern war echt der Hammer. Der Liegenplatz lag inmitten von Schutthaufen. maroden Schuppen und Schiffswracks. In der Anfahrt viel Schrott und unkartierte Untiefen im Wasser und am Ufer gleich 7 kläffende und knurrende Hunde, die sich auf dem wackeligen und löchrigen Steg fast selbst die Knochen brachen. Es stinkt nach Öl und eine Unmenege Mücken belagert uns zusätzlich. Nach den 18 Stunden bin ich gestern abend doch etwas ernüchtert und froh als ich endlich in der Koje liege. Vorher gabs noch Strom, als wir unser Kabel waghalsig über eine Wasserfläche werfen mussten wo es durch ein zerbrochenenes Fenster verschwand und später tatsächlich etwas Elektrizität lieferte. Heute morgen siehts schon wieder besser aus. Die Sonne scheint, wir haben Diesel an der Tanke gebunkert (hat allein an der Tanke fast anderthalb Studnen gedauert) und dank Vadim – den wir dort zufällig trafen – haben wir einen neuen Platz mit Strom, Wasser und sogar Dusche. Vadim hat uns außerdem samt Diesel zum Boot gefahren und war mit uns im Supermarkt. Alles mal einfach so und als wir ihm etwas Geld geben wollten, lehnte er entschieden und stolz ab. Man ist mal wieder sprachlos angesichts dieser Gastfreundschaft, aber auch dem, was hier manchmal irgendwie normal ist. Gleich machen wir noch ein Nickerchen, gehen duschen und dann wollen wir mal in die Stadt nen Burger essen und Fussball gucken. Mal schauen was uns da wieder alles an Challenges und Überraschungen erwarten. Soweit in Kürze von den aktuellen Geschehnissen. Im Anschluss folgt ein weiterer ausführlicher Blog über das was war .. Viel Spaß damit und Ahoi !

Morgens in Petrosawodsk
Flaute auf dem Onega
Unser neuer Platz

Russia 2

Den Wartetag vor dem zweiten Brückenanlauf durch St. Petersburg vertrödeln wir an Bord und unternehmen nachmittags noch einen Ausflug in die nähere Umgebung. Dabei entdecken wir zufällig die Amüsiermeile nahe dem Zenit-Fußballstadion. Ein riesiger Vergnügungspark mit Achterbahnen, Kinderkarussell und so allerlei anderen Fahrgeschäften, die mir allein beim zuschauen die Angst in die Knochen treibt. Mit der Metro fahren wir anschließend nochmal ins Städtchen, schauen uns noch ein paar Sachen an, bevor wir per App-Taxi wieder in die Marina eiern. Um sieben Uhr starten wir von dort zum nächsten Brücken-Versuch. Dieses mal müssen wir einen weiten Bogen in die große Newa fahren. Das bedeutet zunächst heraus aus St. Petersburg in die Bucht und dann etwas weiter nördlich wieder hinein in den Fluß. So umgehen wir die lästige neue Brücke und sollen den Lotsen nun an einem großen Ponton unmittelbar vor der ersten Brücke aufnehmen. Als Ansteuerungshilfe wird uns ein U-Boot genannt, das dort vertäut sein soll.

Der Wind steht steif in die Bucht. Das bedeutet für uns zunächst gegen die steile und kabbelige Welle des flachen Wassers zu motoren. Carpe schlägt dabei immer wieder hart ins Wasser und zeitweise kriechen wir mit nur 2 Knoten über Grund voran. Sobald es der Wind zulässt, nehmen wir immer wieder die Genua hinzu, um etwas mehr Fahrt zu machen. Vorbei am futuristischen Zenit Stadion in dem übrigens gerade einige Spiele des Confederation-Cups ausgetragen werden und wo vorgestern sogar Vladimir Putin persönlich mit zig Hubschraubern und FSB (ehemals KGB ) Wachbooten auf dem Fluß zu Gast war, geht’s hinaus. Nach etwa 5 Meilen können wir abfallen und wieder hinein in die Newa steuern. Jetzt wird’s deutlich ruhiger und das Vorsegel treibt uns mit dem jetzt achterlichen Wind schnell zurück Richtung Stadt. Der Zugang zur Newa ist gesäumt von Schwerindustrie und Werften. Wir passieren riesige Berge aus Metallschrott, gigantische Trockendocks und Kräne die bis in den Himmel reichen. Dann taucht unvermittelt auf der linken Seite ein großes blaues Schiff auf. „Russatomflott“, ruft Viktor mir zu. Ich frage nach und erfahre, dass es sich bei der ARCTICA um einen Atomeisbrecher handelt. Der wird hier wohl gerade umfangreich restauriert. Jedenfalls wird an zig Stellen fleißig gehämmert und geschweißt. Im Hintergrund erkennen wir zudem ein Atomsymbol auf einem großen hallenartigen Gebäude. Scheinbar ist das hier ein zentraler Punkt für die Wartung der atomgetriebenen russischen Flotte. Carpe fährt also gerade an einem echten Atomschiff vorbei. Das ist doch wohl mal cool. Natürlich nehme ich die Kamera zur Hand und filme emsig. Keine Ahnung ob das wirklich so erlaubt ist. Aber die Nähe zum Zentrum und die ebenfalls nahen Museumsschiffe die jeden Tag von hunderten Touristen bevölkert werden, lassen das Ganze nicht so top secret erscheinen.

Lotse Igor ist da
Die erste Brücke öffnet
Der scharlachrote Segler
Petersburg bei Nacht
Die Brücken sind geschafft !
Die Gegend verändert sich
Atomeisbrecher ARCTICA
Warten vor der ersten Brücke

Wenig später erreichen wir dann besagten Ponton mit dem großen U-Boot aus den 60er Jahren. Auch dieses ist ein Museumsschiff geworden und steht für interessierte Besucher bereit. Vor dem Anleger verlieren wir noch nen Fender, und müssen einen extra Kringel drehen um diesen wieder einzusammeln. Dann liegen wir an dem monströsen Steg der durch riesige LKW Reifen als Fender geschützt ist. Während ich etwas köchele, geht Viktor mal zum U-Boot herüber und hält nen kurzen Schnack mit dem Kapitän. Der lädt uns spontan zu einer Besichtigung ein. Da ich aber gerade das Essen auf dem Herd habe und der U-Boot Kommandant auch bald schließen will, vertagen wir den Besuch. Wäre zwar schon interessant gewesen, aber ähnliche U-Boote habe ich bereits auf Fehmarn und auch einmal in Laboe besichtigt. Also lieber etwas essen und noch ein wenig ausruhen. Während wir unser Essen löffeln schweift mein Blick immer wieder umher. So ganz langsam schnalle ich, dass wir tatsächlich in St. Petersburg stehen und es jetzt hinein ins russische Binnenland geht. Ähnlich wie bei der Atlantik-Tour ist er plötzlich da: Der Moment auf den man lange hingeplant hat und der bislang eher diffus und irreal war. Wir sind tatsächlich hier und es geht weiter .. geil !

Die restliche Wartezeit bis zum Eintreffen des Lotsen nutzen wir für ein kurzes Schläfchen. Die kommende Nacht und wohl auch der folgende Tag werden lang werden. Und außerdem haben wir bereits ein ganzen Tag in den Knochen. Eigentlich wollten wir hinter der letzten Brücke Petersburgs in einem kleinen Hafen etwas pausieren. Leider müssen wir aber sofort weiter, da wir für eine weitere Brücke angemeldet sind die extra für uns geöffnet wird. Durch den Gegenstrom auf der Newa braucht das etwas Zeit und so können wir uns die Pause leider in die Haare schmieren.

Um 0.30 Uhr wache ich auf und räckele mich gähnend auf der Salonbank. Auch Viktor ist von den Toten auferstanden und stolpert Richtung Cockpit. Als er die Treppe hochsteigt, höre ich nur ein „Dobryy wecher“. Er begrüßt damit den Lotsen, der bereits gemütlich im Cockpit sitzt und scheinbar auch ein kurzes Lünzjen gehalten hat. Nicht schlecht. Ich habe von seinem an Bord kommen nix mitbekommen und er hat sich aus Rücksicht auf uns mucksmäuschenstill verhalten. Auch ich steige nun an Deck und begrüße Igor. Ein Mann Mitte 50 der nett und offen ist. Anhand unserer Karten folgt eine ausführliche Einweisung in das anstehende Vorhaben und die eine oder andere interessante Randinfo. Fast eine ganze Stunde dauert die Besprechung unter Deck. Dann geht alles ganz schnell. Wir werfen die Leinen los und steuern direkt auf die erste Brücke zu. Diese ist noch geschlossen. Da wir aber als Erste durchfahren, sollen wir unmittelbar davor warten. Das geht im Strom der Newa besser als gedacht. Mit der Maschine halte ich Carpe direkt vor den mächtigen Fahrbahnen auf der Stelle. Manövriert wird mit dem Ruder das durch Schraube aber insbesondere den Strom angeströmt wird und so gut reagiert. Stundenlang könnte man so auf der Stelle stehen. Mit einem lauten metallischen Geräusch beginnen sich schließlich die beiden Flügel der Brücke langsam zu öffnen, während Igor immer wieder in unsere Fluss-Funke palavert. Obwohl es mittlerweile halb zwei in der Nacht ist, ist der Himmel noch immer dämmrig hell erleuchtet. Viel dunkler wird’s wohl nicht werden, denn in gut 2 Stunden geht bereits die Sonne auf. Zusammen mit dem hellen Licht der umliegenden Gebäude und Brücken wirkt es so fast wie am Tag. Die Stimmung ist jedenfalls grandios und wird sich sicher für immer in mein Hirn einbrennen.

Als die Brücke offen ist warten wir auf die grüne Ampel und geben Gas. Die Newa fließt hier doch mit fast 3 Knoten. Entsprechend langsam kriechen wir über Grund durch die Pfeiler hindurch. Der Lotse gibt mir dabei immer wieder mal eine Anweisung oder fordert mich auf etwas mehr Gas zu geben. Das mache ich jedoch nur ungern. Denn meinen guten alten Diesel will ich nicht zu sehr vor den Hals treten. Mehr als 2.500 Umdrehungen gehen da für längere Zeit nicht. Auch im Hinblick auf die noch anstehenden vielen Motorstunden auf den Flüssen und Kanälen, will ich den Motor möglichst schonen. Also lieber etwas langsamer, was auch der Lotse irgendwann murmelnd akzeptiert.

Der Rest ist schnell erzählt. Wir nehmen eine Brücke nach der anderen und bestaunen dazwischen die vielen Bauten, Kirchen und andere Schiffe, die zusammen mit uns gerade durch die russische Metropole fahren. Unter anderem überholt uns auch ein Großsegler. Wie mich Viktor wissen lässt, handelt es sich dabei um ein Schiff aus Schweden, welches einmal im Jahr nach Petersburg gebracht wird. Hier wird es im Rahmen der Feierlichkeiten der „Weißen Nächte“ mit scharlachroten Segeln bestückt, um so als weltbekanntes Symbol der Feiern über die Newa zu fahren. Die weißen Nächte sind erst in ein paar Tagen. Das Schiff haben wir so aber trotzdem zu Gesicht bekommen. Sehr gut.

Gegen 5 Uhr morgens haben wir es schließlich geschafft. Hinter der letzten „klappbaren“ Brücke setzen wir Igor an Land ab und fahren fortan alleine weiter. Die wirklich letzte Brücke des Stadtgebiets ist hoch genug für uns und so können wir das auch selbst angehen. Wir verabschieden uns also vom netten Igor und verlassen St. Petersburg. Die Gegend hat sich bereits verändert. Nun sind es mehr Wohngebiete aber auch verfallene und plötzlich wieder neue Industriegebäude, die uns von rechts und links anstarren. Bis nach Schlüsselburg sind es derweil noch ungefähr 40 km. Dort wollen wir unmittelbar an den Toren zum riesigen Ladogasee das erste mal Halt machen. Mal schauen ob wir das so schaffen. Bald mehr …

P.S.:
Achso. Es tauchte jetzt schon mehrfach die Frage auf, wie wir das gerade mit der Diesel- und Wasserversorgung machen. Das ist in der Tat nicht immer einfach. Hier ist etwas Organisation, viel gutes zureden aber auch ein wenig Glück gefragt. In Schlüsselburg haben wir beispielsweise Diesel per Taxi an einer Tanke geholt. Dann zweimal mit den Crews von Barkassen Wasser und Brennstoff „getradet“, aber auch schon Wasser aus einer Quelle geschöpft und per Kanister zum Boot geschleppt.

Und Tschüss Tallin…

Stürmische Abfahrt.

“Sag mal Jan. Was ist denn eigentlich dieses rote Ampellicht am Hafenausgang.“ „Weiß nicht.“ „Na. Vielleicht wegen den Kreuzfahrern. Damit man dann nicht rausfährt, wenn die Manöver machen.“ Wir haben es plötzlich eilig Tallin zu verlassen. Es bläst seit unserer Ankunft im Hafen mit bis zu 30 Knoten. Ein sicheres Zeichen, dass es ungemütlich ist draußen. Die Prognose sagt 25 Knoten an. Und! In 24 Stunden soll der Wind drehen auf West. Das hieße 150sm Aufkreuzen gegenan. „Wir haben damit kein Problem. Easy.“, meint Mitsegler Martin. Unser Job ist es, es besser zu wissen. „Nö. Das brauchen wir nicht. Das braucht ihr nicht. Morgen Mittag um 12 Uhr legen wir ab.“

Frei-Tag Nacht auf Samstag erobern Jan und ich die Stadt. Nachts natürlich. Unsere Crew lädt uns zum Essen ein, damit wir entsprechend gestärkt sind. Danke nochmal. Wir treiben durch die Talliner Altstadt und finden DIE Cocktailbar. Der Barkeeper ist nett. Es gibt viele Leute, lange weibliche Beine und einen Barkeeper der uns unsere Wünsche von den Augen abliest. Erste Wahl das Butterfly. Irgendwann stehen alle auf und gehen in den nächsten angesagten Tanzschuppen. Venus heißt der Schuppen. Popowackeln ist angesagt. Neben der Bar tanzen Professionelle Tänzerinnen aus Emporen. Ne, nicht unbekleidet. Brav im Body. Später gibt es Gesang und Show. Gar nicht mal schlecht der Specht. Alles für acht Euronen Eintritt. Jan grinst. Ich drücke ihm ein Bier in die Hand. Der Morgen endet im Pilothaus. Draußen bläst es munter weiter aus Ost. „Segelwind Jan. Lass uns mal ne Mütze Schlaf holen.“

Punkt 12 Uhr legen wir ab. „Leinen los!“ Nur die Bugleine bleibt dran bis MARLIN sich in die Ausgangsposition in Windrichtung des kleinen Hafenbeckens positioniert hat. Denn mal los. „Die Ampel ist immer noch rot.“ „Aber was auf dem Schild steht kann doch kein Mensch lesen! Viel zu klein geschrieben.“ Ich drücke den Gashebel runter und lese noch im Vorbeifahren was von Pleasure Boat Rules. „Na mal gut dass wir ja ein Commercial Boat sind.“ Auf dem folgenden Kümo, vertäut an der Tankstelle, winkt einer aufgeregt mit zwei Armen. Ich schau besser mal weg. „Das fühlt sich sehr chilenisch an. Kaum hat’s Segelwind, schließen die den Hafen.“ Wir sind alleine auf weiter Flur. Im dritten Reff geht es flott auf Kurs nach Marieham – Aaland. Der Wind ist mit uns. Viel Wind. Sehr viel Wind. Die Nadel steht fast auf vierzig Knoten. Der Großbaum zieht immer mal wieder durchs Wasser. Wir haben so viel Schräglage, dass der Schwanenhals der Bordtoilette unter die Wasserlinie kommt und die Toilette fast überlaufen will. Na so was. Ich schließe das Eingangs-Ventil. „Toilette teilweise geschlossen. Ihr müsst eine Flasche Wasser zum Spülen mitnehmen.“ Allen geht es gut. Keiner ist seekrank und MARLIN rennt mit über 10 Knoten nach Westen. Alles gut.

Inzwischen ist es Nacht. Also was so Nacht ist. Dunkel war es gar nicht. Jan und ich teilen uns die Wache. Unsere Newbies dürfen sich aussuchen wann sie assentieren wollen. Der Wind lässt immer mehr nach. Aus 10 Knoten Fahrt werden knapp fünf bis sechs. Draußen bekommen wir Besuch von den Schären. Kleine Mücken fahren auf der Badeplattform mit. Mir ist es egal. Die Tür zum Cockpit ist eh zu und drinnen läuft die Heizung. Von Sommer keine Spur. Grade mal 13 Grad ist es draußen. Immerhin regnet es nicht. Noch 50 Meilen bis Mariehamn.

Wer mal mitsegeln will, der sollte sich unseren Schlag vom 08.07.2017 – 27.07.2017 Stockholm – Ålandinseln – Bottensee – Stockholm mal anschauen. Unser Expeditionstörn – Abenteuer pur. Mit der MARLIN bis ans Ende der Ostsee. Ein Platz wird verlost, wenn der Törn zustande kommt. Bisher haben wir immer noch nicht genügend Interessierte. Zwei fehlen noch. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Am besten einfach anrufen +49 157 51147894

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

Download Flyer

Argostoli, Amsterdam, Wesel

Am 23. Juni habe ich Nomade in Argostoli abgeschlossen, nochmal alle neun!!! Festmacher kontrolliert und mich auf den Weg zum Flughafen gemacht. Einchecken, einsteigen, abheben und einen letzten Blick aus der Luft aufs Schiff werfen, welches nun knapp 3 Monaten mein Zuhause war.
Einige Stunden später war ich dann in Amsterdam und nach ein paar Zugfahrten bin ich schließlich am Abend in Wesel angekommen. Sabrina, Filou, meine Nichte, meine Eltern und Benno waren da und ich habe mich riesig gefreut, alle wieder zu sehen.

So richtig begeistert war ich von dieser Unterbrechung der Reise trotzdem nicht. Aber es gibt einiges in Deutschland zu erledigen und in den letzten Wochen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass bei dem Reisetempo der letzten Zeit, in Italien der finanzielle Ruin drohen würde. Hafengebühren jenseits der 100€, ja sogar jenseits der 200€ sind dort in der Hochsaison keine Seltenheit. Nicht pro Monat oder Woche, pro Tag!
Für die Hochpreisgebiete des Mittelmeeres gibt es noch, oder besser gesagt wieder, zu viele Baustellen. Der Zustand des Schiffs verbessert sich zwar stetig, aber es kostet eben Zeit. Auch, weil es unterwegs schwierig ist an entsprechende Teile zu kommen. Und wenn, dann dauert es lange. Das zieht wieder einen Rattenschwanz an Verzögerungen nach sich.
Ich komme einfach viel langsamer vorwärts, als ich mir das erhofft hatte und da muss ich ganz klar sagen, dass mein Plan viel zu optimistisch war. Das Wetter war zwar auch nicht gerade optimal, aber wann ist es das schon? Nomade ist einfach noch zu sehr Baustelle und das ist nicht gut.
Und jetzt sieht es eben so aus, dass ein Aufbruch gen Westen schlicht unsinnig wäre. Ohnehin ist mir im Moment ein wenig die Lust auf Sizilien vergangen, nachdem ich von fast allen Crews, die mir aus dieser Richtung  in den letzten Wochen entgegen gekommen sind, viel negatives gehört habe und in Argostoli unfreiwillig Bekanntschaft mit einer Art traditionellem sizilianischen „Way of Life“ gemacht habe, der in Filmen oft romantisch verklärt wird. Die Realität sieht anders aus und ist für Betroffene teuer, oder riskant. Teuer, wenn man zahlt, riskant, wenn man nicht zahlt. Und noch riskanter wenn man nicht zahlt und seinen Mund aufmacht.
Ich zahle also „nur“ nicht und halte zähneknirschend meine Klappe.
Allerdings bin ich enttäuscht, dass sich die Gerüchte, die man immer mal wieder hört, bestätigt haben. Und das 250 Seemeilen weit entfernt von Sizilien!
Aber egal! Kefalonia lasse ich mir nicht von ein paar Einzelnen vermiesen. Hier habe ich viele liebe Menschen kennengelernt.

Mittlerweile bin ich seit einigen Tagen in Wesel, habe letzte Dinge an Camino erledigt und arbeite unter anderem die Einkaufsliste für Nomade ab. Für die nächste Zeit stehen noch diverse Sonderanfertigungen fürs Schiff auf dem Zettel und Törnplanung muss auch noch gemacht werden. Es gibt ja nicht nur Sizilien…

Eine kleine Bilanz können wir nach 3 Monaten auch mal ziehen und eine Einschätzung für die Zukunft abgeben. Habt ihrs gemerkt? Ich hab „wir“ gesagt! Denn das ist ganz wichtig, auch wenn ich in letzter Zeit meistens im Singular geschrieben habe, Sabrina ist natürlich, auch wenn wir weit voneinander entfernt sind, immer mit involviert und arbeitet im Hintergrund an der Reise und für die Reise!

Also, Bilanz zuerst:

Knapp 3 Monate an Bord, davon drei Wochen zu zweit und knapp zwei Wochen zu dritt
4 Törns zu zweit, 6 Törns Einhand
280 Seemeilen im Kielwasser

Im Verhältnis von Strecke zu Zeit an Bord sieht man ganz gut, dass ich kaum vorwärts gekommen bin. Ich habe eben mehr am Boot geschraubt als ich segeln konnte.
Daran wird sich auch in nächster Zeit nicht viel ändern. Wenn ich bald wieder nach Argostoli fliege, werde ich eine Weile mit Reparaturen beschäftigt sein.

Und nun die Einschätzung zu Nomade und zur Zukunft:

Nomade war für uns ein Überraschungsei, aber das war von vornherein klar bei diesem Tausch. Jetzt haben wir mit ihr aber immerhin die ersten Seemeilen zurückgelegt und es hat auch Einhand funktioniert. Davor hatte ich wirklich Bammel und auch jetzt muss ich sagen, so eine große Ketsch Einhand zu bewegen fällt mir noch nicht leicht. Sie ist allerdings auch noch nicht wirklich optimal ausgerüstet, das darf man nicht vergessen.
Im Hafen kann ich Nomade trotz der Größe gut bewegen. Allein durch die hohe Masse bleibt für viele Manöver mehr Zeit. Nur Seitenwind bereitet manchmal Probleme. Da ist der gemäßigte Langkiel mit Bugspriet von allen Typen so ziemlich der mit dem größten Handicap. Während das Heck durch die große Lateralfläche in diesem Bereich wie festgenagelt im Wasser liegt, fehlt diese am Bug und lässt ihn entsprechend driften. Fast 15 Meter Länge über Alles können dann ganz schön viel sein, wenn das Hafenbecken eng ist und gewendet oder rückwärts angelegt werden muss, zumal Nomade über keinen ausgeprägten Radeffekt verfügt, den man nutzen könnte.

Die Seegängigkeit hat uns sehr beeindruckt. Besonders der Einhandtörn bei Windstärke 8 im Golf von Korinth ist mir immer noch lebhaft und vor allem positiv im Gedächtnis. Keine Bauchklatscher, kein Knarzen. Geschmeidig durch die Wellen gedampft ist sie, die Suncoast 42.
Vom bisherigen Handling unter Segeln waren wir ebenfalls sehr angetan, auch wenn längst noch nicht alles optimal ist.

Und das leben an Bord? Sabrina mag es, ich mag es! Trotz einer Raumaufteilung im Salon, die nicht nach unserem Geschmack ist, trotz provisorischem Campingkocher. Wir haben Platz ohne Ende. Hafenkoller? Fehlanzeige!
Das ebene Flushdeck ist ebenfalls etwas, das wir an Nomade schätzen. Es kostet zwar Höhe unter Deck, aber bei 42 Fuß Rumpflänge spielt das praktisch keine Rolle. Das Arbeiten an Deck auf See fällt dadurch allerdings wesentlich leichter, vor allem im Bereich des Großmasts.
Mit dem Center Cockpit haben wir genau das gefunden wonach wir gesucht haben. Wir fühlen uns in der Mitte des Schiffs pudelwohl. Gefällt uns viel besser als am Heck zu sitzen. Seekrankheit? Keine Spur!

Vor einigen Monaten waren wir uns noch unsicher, ob die Suncoast 42 die richtige Größe hat, oder nicht eine Nummer zu groß für uns ist. Man muss auch klar sagen, das man auf kleineren Booten ebenfalls gut leben und damit segeln kann. Jetzt wo ich mich so langsam an die Abmessungen gewöhnt habe, möchte ich den Raum und die Reserven in alle Richtungen jedoch nicht mehr missen.
Nomade hat das Potenzial dauerhaft auf ihr leben und mit ihr segeln zu können. Bis es soweit ist werden natürlich noch Jahre vergehen, das ist klar.