Monatsarchive: Juli 2017

Russia 3

Wir machen einen Sprung nach Schlüsselburg. Hinter uns liegt die Newa bzw. 40 km Flussfahrt seit der letzten Petersburger Brücke und eine Nacht bei den „Sea Wolves“, einer kleinen privaten Club-Marina direkt am Fluss. Eigentlich wollten wir ja in einem Rutsch nach Schlüsselburg durchfahren, allerdings waren wir irgendwann echt fertig mit der Welt. Dauerregen, Müdigkeit, ein gescheitertes Ankermanöver sowie eine etwas nervenaufreibende Brückendurchfahrt auf halbem Weg nach Schlüsselburg ließen uns spontan den keinen Hafen anfahren, um eine Nacht Schlaf zu tanken. Das letzte Stück zu dem geschichtsträchtigen Ort direkt am Ladogasee war dann mit 10 km nur noch sehr kurz. Das haben wir tags drauf quasi auf einer Pobacke abgesessen. Nun liegen wir an einer einfachen Steinmauer, die aus Zeiten von Peter dem Großen stammen soll. Klampen oder ähnliches gibt es hier nicht. Nur in paar alte Hacken und eine in den Boden geschlagene Stange, an denen wir unsere Leinen vertäut haben. Toiletten, Dusche oder gar Strom gibt es selbstredend auch nicht. Dennoch liegen wir hier eigentlich ganz OK. Wenn da nur nicht die merkwürdigen Geschichten des Lotsen in Petersburg wären, der uns vor abendlichen Besuchen der lokalen Wodka-Leichen warnte. Na mal abwarten. Die kleine „Promenade“ mit dem Fähranleger zur Noteburg und einem „Peter dem Großen“ Denkmal scheint jedenfalls tatsächlich ein Hotspot des Städtchens zu sein. Zumindest finden sich hier tagsüber immer wieder Spaziergänger, aber hauptsächlich junge Pärchen in ihren Autos ein. Dann wird aufs Wasser geschaut oder ein paar Jugendliche springen sogar in die eisige Newa und filmen sich für Youtube.

Der Ort selbst ist schon was ganz anderes als St. Petersburg. Viel Verfall und eckige Häuserblöcke aus Sowjetzeiten. Es gibt ein paar Läden und einen kleinen Markt. Die Nebenstraßen sind bereits nicht mehr asphaltiert, sondern einfache Schotterpisten mit riesigen Schläglöchern und tiefen Pfützen. Unser erster Rundgang führt uns gleich mal in die Kantina. Eine Art Restaurant mit Self-Service, das früher wohl mal zu einem Werk gehört hat und nun der Öffentlichkeit offen steht. Hier nehmen wir ein gutes und günstiges Mittagessen. Leider sorgt das im weiteren Verlauf aber für eine kleine Durchfallattacke. Irgendwas war da wohl nicht so ganz in Ordnung. Die erste Nacht in Schlüsselburg ist dann doch spannend. Irgendwie warte ich dann doch auf den angekündigten Besuch von irgendwelchen Alk-Rabauken und lausche aus der Koje, ob sich jemand am Boot zu schaffen macht. Am Ende passiert aber rein gar nichts. Nur der Regen trommelt fortwährend auf Carpes Dach.

Ein weiterer Programmpunkt in Schlüsselburg ist natürlich der Besuch der Noteburg, dem eigentlichen Wahrzeichen der Stadt. Diese liegt auf einem kleinen Inselchen unmittelbar in der Mündung der Newa zum Ladogasee. Mit einer alten, klapprigen Fähre fahren wir in knapp 15 Minuten zu dem Eiland herüber. Bereits von weitem kann man die mächtigen Festungsanlage mit ihren Türmchen und Mauern erkennen. Der Ort selbst lässt uns dann staunen und schaudern zugleich. Denn im Grunde ging es hier immer nur um Gewalt, Krieg, Gefangenschaft, Tod und Folter. Angefangen von den Schweden die hier eine Fort betrieben und in einer Entscheidungschlacht gegen Peter den Großen schließlich Karelien an die Russen verloren, über die Zarenzeit in der hier viele Andersdenkende in einfachsten Verhältnissen gefangen gehalten wurden, bis hin zu internierten Revolutionsopfern und schließlich dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt 500 Tage verteidigten hier russische Truppen die Insel vor den deutschen Invasoren, die es so nicht schafften, den Belagerungsring um Leningrad zu schließen. Wir sehen alte Gefängniszellen und Geschütze, meterdicke Mauern und verfallene Backsteinbauten die mich nicht nur nachdenklich, sondern regelrecht traurig machen. Nach gut 2 Stunden geht es mit der Fähre wieder zurück zu unserem zu Hause. Bevor es weiter über den Ladogasee gehen soll, bunkern wir noch etwas Diesel. Dazu engagieren wir ein lokales „Taxi“ und fahren mit unseren Kanistern zur nächsten Autotankstelle.

Nach 3 Tagen in Schlüsselburg wird es Zeit weiter zu fahren. Es wartet der Ladogasee, immerhin Europas größter Binnensee. Die Etappe soll uns in West-Ost Richtung entlang des südlichen Ufers in die Swir führen. Der nächste russische Fluss den es zu überwinden gilt. Insgesamt ein Strecke von gut 80 Seemeilen die wir hoffentlich bei guten Wind bewältigen können. In der Swir haben wir für die kommende Nacht sogar einen Steg mit Wasser und Strom gebucht. Bin mal gespannt, ob das so hinhaut. Ansonsten müssen wir nämlich mitten im Fluss ankern.


Bojenfelder vor den italienischen Tremiti Inseln fertig gestellt

Gute Nachrichten für Adria-Skipper: 69 Sichere Bojen-Liegeplätze stehen ab sofort zwischen den Temiti Inseln zum Anlegen bereit.

Die Bojenfelder vor den Tremiti-Inseln zwischen San Domino und San Nicola sind nun fertig gestellt. In dieser Saison ist die Nutzung der Bojen nach dem Prinzip “first come, first serve” kostenfrei möglich. Erst im nächsten Jahr wird ein Betreiber Gebühren für die sicheren Bojenliegeplätze verlangen.

Vor den Tremiti-Inseln stehen Bojenliegeplätze für Yachten zur Verfügung.

In der Saison 2017 ist die Nutzung der Bojen nach dem Prinzip “first come, first serve” anmelde- und kostenfrei möglich.

Schon in der Saison 2016 wurde mit der Installation der Bojen begonen. Doch strenge Naturschutz-Auflagen verzögerten die rechtzeitig zur Saison 2016 angekündigte Inbetriebnahme. Die Bojen sind nun – anders als die sonst üblichen Betonklötze, die an der Mooringleine befestigt sind – im Boden verankert. So wird der Meeresboden als Teil des Naturparks Gargano weniger belastet.

Die Tremiti-Insel sind idealer Zwischenstopp von der italienischen Adriaküste nach Kroatien und umgekehrt oder um die abwechslungsreiche Küste des Gargano zu erkunden.
Als Ausgangspunkt an der italienischen Küste bietet sich die neue 446 Liegeplätze umfassende Marina di Sveva an, die zwischen Vasto und Termoli in den Molise liegt.

Obwohl die Tremiti-Inseln nur rund 24 Seemeilen vor der Adriaküste liegen und zum berühmten Nationalpark Gargano gehören, sind sie bisher ein Geheimtipp. Seit 1989 stehen sie und das Meer ringsherum unter Naturschutz. In einem der schönsten Tauchreviere der Welt beleuchtet das Sonnenlicht hier im kristallklaren Wasser bunte Fischschwärme, Korallen, Grotten und Gräben. Sogar eine drei Meter große Padre Pio Statue haben die Bewohner versenkt, um die Taucher zu segnen. An Land begeistern romantische Buchten die Badeurlauber und Wanderwege die Naturfreunde. Rund zwei Dutzenden Bars und Restaurants befinden sich verteilt auf den zwei besiedelten Inseln San Domino und San Nicolo.

Die Tremiti Inseln
Die Isole Tremiti (auch Diomedeinseln genannt) sind eine Inselgruppe in der italienischen Adria vor der Küste Molise (24 Seemeilen) und dem Gargano Apuliens (12 Seemeilen) gelegen. Der Archipel besteht aus fünf Inseln und gehört zum Nationalpark des Gargano, wovon nur zwei besiedelt sind.
Die vorherrschenden Winde sind aus dem 2. (Levante, Scirocco) und aus dem 4. Quadranten mit dem Poniente, der Tramontana und dem Maestrale zu erwarten. Im Sommer ist die See überwiegend ruhig, wohingegen es im Herbst und Winter zu Sturmflut und Unwetter kommen kann.

MPN Marinas
MPN Marinas ist ein von MPN Network initiierter Zusammenschluss italienischer Marinas mit dem Ziel, einen einheitlichen Yachthafen Standard in Italien und effektive Strukturen für Verwaltung, Betreiben und Kommerzialisierung der Marinas zu schaffen. Zum Gesamtkonzept gehört, den Gästen ein Zugang zu den touristischen Highlights des Hinterlandes zu öffnen. Ein Concierge im Yachthafen unterstützt die Gäste dabei, Touren ins Umland zu organisieren, wozu sowohl kulturelles aber auch kulinarisches Programm zählen.

Aktuell zählen fünf Marinas rund Stiefel zu dem Netzwerk, bis ins Jahr 2019 sollen es noch 20 werden. Mit dabei sind: die ADAC Stützpunktmarina dei Cesari (Marken), Marina Sveva (Molise), Capo d´Orlando (Sizilien, Eröffnung am 13.07.2017), Marina Santa Marinella (Latium), Marina di Cecina (Toskana).

Bojenfelder vor den italienischen Tremiti Inseln fertig gestellt

Gute Nachrichten für Adria-Skipper: 69 Sichere Bojen-Liegeplätze stehen ab sofort zwischen den Temiti Inseln zum Anlegen bereit.

Die Bojenfelder vor den Tremiti-Inseln zwischen San Domino und San Nicola sind nun fertig gestellt. In dieser Saison ist die Nutzung der Bojen nach dem Prinzip “first come, first serve” kostenfrei möglich. Erst im nächsten Jahr wird ein Betreiber Gebühren für die sicheren Bojenliegeplätze verlangen.

Vor den Tremiti-Inseln stehen Bojenliegeplätze für Yachten zur Verfügung.

In der Saison 2017 ist die Nutzung der Bojen nach dem Prinzip “first come, first serve” anmelde- und kostenfrei möglich.

Schon in der Saison 2016 wurde mit der Installation der Bojen begonen. Doch strenge Naturschutz-Auflagen verzögerten die rechtzeitig zur Saison 2016 angekündigte Inbetriebnahme. Die Bojen sind nun – anders als die sonst üblichen Betonklötze, die an der Mooringleine befestigt sind – im Boden verankert. So wird der Meeresboden als Teil des Naturparks Gargano weniger belastet.

Die Tremiti-Insel sind idealer Zwischenstopp von der italienischen Adriaküste nach Kroatien und umgekehrt oder um die abwechslungsreiche Küste des Gargano zu erkunden.
Als Ausgangspunkt an der italienischen Küste bietet sich die neue 446 Liegeplätze umfassende Marina di Sveva an, die zwischen Vasto und Termoli in den Molise liegt.

Obwohl die Tremiti-Inseln nur rund 24 Seemeilen vor der Adriaküste liegen und zum berühmten Nationalpark Gargano gehören, sind sie bisher ein Geheimtipp. Seit 1989 stehen sie und das Meer ringsherum unter Naturschutz. In einem der schönsten Tauchreviere der Welt beleuchtet das Sonnenlicht hier im kristallklaren Wasser bunte Fischschwärme, Korallen, Grotten und Gräben. Sogar eine drei Meter große Padre Pio Statue haben die Bewohner versenkt, um die Taucher zu segnen. An Land begeistern romantische Buchten die Badeurlauber und Wanderwege die Naturfreunde. Rund zwei Dutzenden Bars und Restaurants befinden sich verteilt auf den zwei besiedelten Inseln San Domino und San Nicolo.

Die Tremiti Inseln
Die Isole Tremiti (auch Diomedeinseln genannt) sind eine Inselgruppe in der italienischen Adria vor der Küste Molise (24 Seemeilen) und dem Gargano Apuliens (12 Seemeilen) gelegen. Der Archipel besteht aus fünf Inseln und gehört zum Nationalpark des Gargano, wovon nur zwei besiedelt sind.
Die vorherrschenden Winde sind aus dem 2. (Levante, Scirocco) und aus dem 4. Quadranten mit dem Poniente, der Tramontana und dem Maestrale zu erwarten. Im Sommer ist die See überwiegend ruhig, wohingegen es im Herbst und Winter zu Sturmflut und Unwetter kommen kann.

MPN Marinas
MPN Marinas ist ein von MPN Network initiierter Zusammenschluss italienischer Marinas mit dem Ziel, einen einheitlichen Yachthafen Standard in Italien und effektive Strukturen für Verwaltung, Betreiben und Kommerzialisierung der Marinas zu schaffen. Zum Gesamtkonzept gehört, den Gästen ein Zugang zu den touristischen Highlights des Hinterlandes zu öffnen. Ein Concierge im Yachthafen unterstützt die Gäste dabei, Touren ins Umland zu organisieren, wozu sowohl kulturelles aber auch kulinarisches Programm zählen.

Aktuell zählen fünf Marinas rund Stiefel zu dem Netzwerk, bis ins Jahr 2019 sollen es noch 20 werden. Mit dabei sind: die ADAC Stützpunktmarina dei Cesari (Marken), Marina Sveva (Molise), Capo d´Orlando (Sizilien, Eröffnung am 13.07.2017), Marina Santa Marinella (Latium), Marina di Cecina (Toskana).

SV Shalom – Christoph Vougessis GER

AUSGESCHLAFEN – AUFGEKLART – SATT GEGESSEN – LANDGANG

Moin Herr Foerthmann,
weder mein Laptop noch mein Netbook haben die Überfahrt überstanden. Der eine hat die Feuchtigkeit nicht vertragen, der andere hat in der Kajüte das fliegen gelernt, als ich und Shalom auf die Seite gedrückt wurden. Daher sitze ich nun gerade unter einem bunten Sonnenschirm, trinke eine kühle Cola und versuche, mit einem halb funktionsfähigen Bildschirm diesen Text zu schreiben, was schwieriger ist als gedacht. Nach allem was nun aber schon überstanden ist, sollte ich das hier auch noch schaffen. WEITERLESEN

SV Uhuru – Andi + Rudi Kiener AT

EINE RUNDE WAR NICHT GENUG

Sehr geehrter Hr.Förthmann !
Wir sind mit ihrer Windpilot einmal um die Welt und einmal eine Atlantik-Runde gesegelt. Kein Wunder, dass das Pickerl etwas verblichen ist.
Können sie uns bitte eines zuschicken, wir überweisen den Betrag.
Liebe Grüsse And + Rudi

Für Nicht Deutsche: Ein Pickerl ist ein Groschengrab, das mit einem Windpilot Gradaufkleber nix gemeinsam hat, weil es im Gegensatz zum windigen Pilot, von innen an der Autoscheibe klebt, damit die dressierte Ordnungsmacht es nicht eigenständig entfernen, um für das eigene Gehalt dann die Busse kassieren kann.
Peter Foerthmann WEITERLESEN

Nord-Ostsee-Kanal: Ausführliche Anleitung für Sportboote/Yachten

Der Nord-Ostsee-Kanal

Jedes Jahr passieren rund 14.000 Sportboote den Nord-Ostsee-Kanal (NOK). Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da sind beispielsweise die Segler von der Elbe oder Weser, die einen Sommerliegeplatz auf der Ostsee haben. Umgekehrt gibt es Ostseesegler, die mal einen Sommer lang holländische Gewässer erkunden wollen. Und wieder andere planen eine mehrmonatige Ostsee-Umrundung.

Der deutlich längere Weg über die raue Nordsee um die nördlichste Spitze Dänemarks – Skagen – herum ist für die meisten Segler keine Option. Wer etwa von Hamburg nach Stockholm möchte, spart auf dem Weg durch den Nord-Ostsee-Kanal über 300 Seemeilen Wegstrecke ein. Kurzum: Der Nord-Ostsee-Kanal ist für viele Segler der logische Weg.

Der Nord-Ostsee-Kanal (rote Linie). Karte Google.

Unter den Kanalfahrern gibt es einerseits die alten Hasen, die den Kanal schon unzählige Male passiert haben – mit über 80 Passagen gehöre ich auch dazu –, und andererseits gibt es die Kanal-Neulinge. Für letztere habe ich diesen Artikel geschrieben. Er soll aufzeigen, was bei der Passage durch den Kanal beachtet werden muss. Dabei sollte schnell klar werden, dass eine Fahrt durch den Nord-Ostsee-Kanal kein Hexenwerk darstellt und von jeder Crew unter Beachtung bestimmter Regeln problemlos gemeistert werden kann.

Mehr als 30.000 Schiffsbewegungen gibt es jährlich auf dem NOK.

Wie der Name schon sagt, verbindet der Nord-Ostsee-Kanal die Nordsee mit der Ostsee. Er hat eine Länge von rund 100 km und ist mit über 30.000 Schiffsbewegungen pro Jahr die meist befahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt. Zum Vergleich: Der Suez-Kanal hat etwa 18.000 Bewegungen, der Panamakanal um die 15.000. Die Zahlen sind Angaben der jeweiligen Kanalverwaltung und zählen Sportboote nicht mit.

Die Enden des Kanals: Brunsbüttel (Nordsee) und Kiel (Ostsee). Karte WSA Kiel.

An beiden Enden des Nord-Ostsee-Kanals befinden sich Schleusen. Einmal in Brunsbüttel an der Elbe bzw. Nordsee und einmal in Kiel an der Ostsee. Alle Schiffe müssen diese Schleusen passieren. Sie verhindern, dass der Wasserstand im Kanal starken Schwankungen ausgesetzt ist. Insbesondere am nordseeseitigen Ende des Kanals ist dies von elementarer Bedeutung, da die Elbe dort einen Tidenhub von fast vier Metern hat. Was beim Schleusen zu beachten ist und wie dies genau vonstattengeht, wird weiter unten in diesem Beitrag erläutert.

Eine Yacht auf der Elbe nimmt Kurs auf die Schleusenanlagen von Brunsbüttel.

Während der Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal werden zehn Brücken mit einer garantierten lichten Durchfahrtshöhe von 40 Metern passiert. Außerdem gibt es zwölf größere Ausweichstellen, die Weichen genannt werden. Hier sollen sich die großen Frachtschiffe begegnen und aneinander vorbeifahren. Und nicht zuletzt queren 14 Fähren das Kanalbett.

Eine beeindruckende Brücke wird bei Rendsburg passiert.

14 Fähren queren den Nord-Ostsee-Kanal.

Wer mit anderen Blauwasserseglern über den Nord-Ostsee-Kanal spricht, wird schnell feststellen, dass diese gerne die internationale Bezeichnung für den Kanal benutzen. Sie lautet „Kiel Canal“ – benannt nach der gleichnamigen Stadt am ostseeseitigen Ende des Kanals.

Befahrensregeln

Seit der Eröffnung im Jahr 1895 ist der Kanal beständig begradigt, verbreitert und vertieft worden, so dass er heutzutage überwiegend eine Breite von 162 m hat. Die Sohle des Kanals ist 90 Meter breit und hat eine garantierte Tiefe von 11 Metern. Die Mitte des Kanals ist der Berufsschifffahrt vorbehalten. Sportboote mit ihren deutlich geringeren Tiefgängen haben den Kanal am, in Fahrtrichtung, rechten Rand zu passieren.

Der Kanal hat fast überall eine Breite von 162 Metern.

Entlang des Kanals stehen einige Hinweis-Schilder, die überwiegend für die Berufsschifffahrt gedacht sind, mitunter aber auch für Sportboote relevant sind. Anders als wir es sonst gewohnt sind, erfolgen beim Kanal alle Angaben in Kilometern und nicht in Seemeilen.

Im Nord-Ostsee-Kanal werden Entfernungen in Kilometern angegeben.

Diese Kurve hat eine Länge von 6.000 Metern.

Bitte beachten: In einigen Streckenabschnitten geben Schilder am Ufer vor, welcher Mindestabstand zum Ufer eingehalten werden muss.

An der Eisenbahnbrücke in Hochdonn werden Sportboote auf eine Verengung hingewiesen.

Hier sollen über 6.800 Meter Strecke 25 Meter Uferabstand eingehalten werden.

Grundsätzlich gelten auf dem Nord-Ostsee-Kanal die Bestimmungen der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung. Demnach dürfen Sportboote den Nord-Ostsee-Kanal und dessen Zufahrten lediglich zur Durchfahrt benutzen. Anders als auf dem Panamakanal beispielsweise brauchen Sportboote bis 3,1 Meter Tiefgang auf dem Nord-Ostsee-Kanal keinen Lotsen. Für sie gilt lediglich die Einschränkung, dass sie den Kanal nur bei guter Sicht und nur am Tage befahren dürfen. Dabei ist genau definiert, welche Zeiträume als „am Tage“ gelten. Während der Sommerzeit muss zu den angegebenen Zeiten 1 Stunde addiert werden.

Als „am Tage” gelten:

01.01. bis 15.01. 07.30 –17.00 Uhr
16.01. bis 31.01. 07.30 – 17.30 Uhr
01.02. bis 15.02. 07.00 – 18.00 Uhr
16.02. bis 29.02. 06.30 – 18.30 Uhr
01.03. bis 15.03. 05.30 – 19.00 Uhr
16.03. bis 31.03. 05.00 – 19.30 Uhr
01.04. bis 15.04. 04.30 – 20.00 Uhr
16.04. bis 30.04. 04.00 – 20.30 Uhr
01.05. bis 15.05. 03.30 – 21.00 Uhr
16.05. bis 31.05. 03.00 – 21.30 Uhr
01.06. bis 30.06. 02.30 – 22.00 Uhr
01.07. bis 15.07. 02.30 – 22.00 Uhr
16.07. bis 31.07. 03.00 – 21.30 Uhr
01.08. bis 15.08. 03.30 – 21.00 Uhr
16.08. bis 31.08. 04.00 – 20.30 Uhr
01.09. bis 15.09. 04.30 – 20.00 Uhr
16.09. bis 30.09. 05.00 – 19.30 Uhr
01.10. bis 15.10. 05.30 – 19.00 Uhr
16.10. bis 31.10. 06.00 – 18.30 Uhr
01.11. bis 15.11. 06.30 – 17.30 Uhr
16.11. bis 30.11. 07.00 – 17.00 Uhr
01.12. bis 31.12. 07.30 – 17.00 Uhr

Bei Nacht dürfen Sportboote nicht den Nord-Ostsee-Kanal befahren.

Lediglich die Yachthäfen im Schleusenvorhafen Kiel-Holtenau und im Binnenhafen Brunsbüttel können rund um die Uhr angelaufen werden – inklusive der Schleuse am elbseitigen Ende des Kanals.

In Brunsbüttel werden Yachten auch nachts geschleust.

Tritt überraschend Nebel auf dem Kanal auf, dürfen Yachten an geeigneter Stelle auf der Kanalstrecke festmachen, wenn die Sicherheit des Verkehrs durch die Weiterfahrt bis zur nächsten Weiche gefährdet wird. Normalerweise sollte man es aber bis zur nächsten Weiche schaffen. Dort kann dann auf der Rückseite der sogenannten Dalben festgemacht werden. Wer Radar an Bord hat, ist hier natürlich klar im Vorteil.

In den Weichen dürfen Sportboote bei Nebel auf der Rückseite der Dalben festmachen.

Auf dem Kanal gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h über Grund. Das entspricht 8,1 Knoten und dürfte für die meisten Sportboote kein Problem darstellen. Bei der Motorfahrt sollte dem Skipper der Radeffekt der Schiffsschraube des eigenen Schiffes bewusst sein. Ein Loslassen der Pinne bzw. des Steuerrades kann dazu führen, dass je nach Motorisierung und Bauart des Schiffes das Boot abrupt zu einer Seite abdreht. Hat das Schiff dabei grundsätzlich einen Rechtsdrall kommt das Ufer rasch näher!

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal sollte das Steuer stets in der Hand behalten werden.

Gleiches gilt für die Fahrt unter Autopilot. Diese ist im Kanal nur mit Vorsicht zu genießen, da die vielen Kurven ein sehr genaues Steuern erforderlich machen und man sich mit dem Autopilot schnell in einer trügerischen Sicherheit wiegen kann. Überholt ein Frachter, sollte der Autopilot generell nicht verwendet werden, da es zur spontanen Ablenkung des Kompass kommen kann. Dies kann fatale Folgen haben, wenn dicht am Ufer gefahren werden muss.

Yachten mit gesetztem Großsegel auf dem Nord-Ostsee-Kanal.

Auf dem Nord Ostsee Kanal ist Segeln verboten. Ausnahmen: Schleusenvorhafen der Alten Schleusen in Kiel-Holtenau, außerhalb des Fahrwassers auf dem Borgstedter See, dem Audorfer See, dem Obereidersee und dem Flemhuder See. Sportboote dürfen allerdings die Segel setzen, wenn die Maschine mitläuft. Der schwarze Kegel auf dem Vorschiff mit Spitze nach unten ist dann Pflicht.

Der schwarze Kegel ist bei gesetztem Großsegel Pflicht.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass Fahrwassertonnen auf dem Kanal äußerst selten vorkommen. Die Betonnung folgt dabei der Richtung von Brunsbüttel nach Kiel – also von Kilometer 0 zu Kilometer 98. Wer in Brunsbüttel startet, sieht die Tonnen auf der richtigen Seite (Rot an Backbord). Wer von Kiel startet folglich anders herum (Rot an Steuerbord).

Fahrwassertonnen im Nord-Ostsee-Kanal vor einer Weiche und am Obereidersee.

Lichtsignale

Entlang des Kanals regeln diverse Lichtsignale den Verkehr. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um drei verschiedene Arten.

1. Lichtsignale an den Schleusen

Die Lichtsignale an den Schleusen geben vor, welche Schiffe in eine Schleuse einfahren dürfen und welche Schiffe warten müssen. Sie werden an zwei verschiedenen Stellen gezeigt. Zum einen auf einem weithin sichtbaren Mast außerhalb des Kanals an den Schleusenvorhäfen. Zum anderen auf der Mittelmauer der jeweiligen Schleusenanlage.

Am Signalmast in der Mitte der Schleuse leuchtet für beide Kammern „rot“.

Für Sportboote ist nur ein ganz bestimmtes Signal relevant: das weiße unterbrochene Licht. Wird es am Mast des Schleusenvorhafens gezeigt, ist die Einfahrt in den Schleusenvorhafen freigegeben. Wird das weiße unterbrochene Licht am Signalmast auf der Mittelmauer der Schleusenanlage gezeigt, ist das Einlaufen in die Schleuse freigegeben. Alle anderen Signale bedeuten: Das Einfahren für Sportboote ist verboten!

Schwer zu sehen, aber hier leuchtet das Einfahrtsignal für Sportboote (roter Kreis).

Nachstehende Tafel zeigt alle Lichtsignale auf, die an den Signalmasten im Schleusenbereich gezeigt werden können. Wie gesagt: Für Yachten ist nur das weiße unterbrochene Licht maßgeblich.

Lichtsignale an den Schleusen. Grafik: WSA.

2. Lichtsignale an den Weichen

Alle Schiffe, die den Nord-Ostsee-Kanal durchfahren, werden auf Basis ihrer Länge, Breite und Tiefe in Verkehrsgruppen eingeteilt. Dies ist erforderlich, da die Schiffe sich nicht an allen Stellen des Kanals begegnen können. Damit die Schiffe einander dennoch passieren können, gibt es die bereits angesprochenen „Weichen“. Dabei handelt es sich um extra breite Stellen im Kanal, an denen die Schiffe einander passieren können. In den Weichen gibt es Dalben, an denen die Schiffe während der Wartezeit festmachen können.

Eine Yacht fährt durch eine Weiche auf dem Nord-Ostsee-Kanal.

Beim Durchfahren der Weichen des Nord-Ostsee-Kanals gelten ebenfalls bestimmte Lichtsignale, die aussagen, ob ein Schiff weiterfahren darf oder warten bzw. anderen ausweichen muss. Die Lichtsignale werden auf Masten am Ein- und Ausgang der Weichen gezeigt und gelten im Wesentlichen für die Berufsschifffahrt. Für Sportboote ist genau genommen nur ein Signal relevant. Werden am Signalmast drei rote unterbrochene Lichter übereinander gezeigt, ist die Ausfahrt aus der Weiche verboten.

Signalanlagen an beiden Enden der Weichen regeln den Verkehr.

Wird am Signalmast am Eingang zur Weiche zudem ein rotes Funkellicht gezeigt, ist das Einfahren in die Weiche verboten.

Lichtsignale der Signalmasten an den Weichen. Grafik: WSA.

3. Lichtsignale am Ölhafen Brunsbüttel

Der Form halber sei noch erwähnt, dass es in Brunsbüttel einen Ölhafen gibt. Hier steht ebenfalls ein Signalmast am Ufer, der Lichtsignale zeigt. Sportboote sollten hier beachten: Werden zwei rote Lichter nebeneinander gezeigt, ist die Weiterfahrt auf dem Nord-Ostsee-Kanal verboten. Dies kommt allerdings äußerst selten vor.

Lichtsignale für den Ölhafen Brunsbüttel. Grafik: WSA.

Ölhafen Brunsbüttel

Schleusen

Die wohl spannendste Herausforderung bei einer Passage des Nord-Ostsee-Kanals ist für viele Segler das Schleusen. Gleich vorweg: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich persönlich finde, dass das Schleusen keine große Herausforderung darstellt, wenn die nachstehenden Regeln beachtet werden.

Wird das bereits erwähnte weiße unterbrochene Licht am Signalmast auf der Mittelmauer der Schleuse gezeigt, dürfen Sportboote in die Schleuse einlaufen. Sofern vom Schleusenwärter über Lautsprecher oder Funk (dazu später mehr) nichts bekannt gegeben wurde, können Sportboote frei auswählen, an welcher Seite der Schleuse sie festmachen. Liegt bereits ein Frachter in der Schleuse, was gelegentlich vorkommen kann, würde ich persönlich immer auf der gegenüberliegenden Seite festmachen, da dies aus verschiedenen Gründen sicherer ist. Allerdings ist das nicht immer möglich.

Yachten in der Schleuse Brunsbüttel.

In den Schleusenkammern gibt es Schwimmstege aus Holz, an denen die Yachten festmachen können. Insbesondere am vorderen und hinteren Ende der Kammern sind sie mit Gummimatten oder Stahlgittern belegt, die Glätte durch überkommendes Wasser vermeiden sollen. Dadurch kann man einigermaßen sicher übersteigen. In diesen Bereichen sollen die Yachten festmachen. Vor allem in den großen Schleusen ist der Mittelbereich der Kammern zu meiden. Meistens sind dort ohnehin Hinweisschilder angebracht, die das Anlegen in diesem Bereich verbieten.

Wichtig: Die Fender müssen sehr tief hängen, da die Stege nicht sehr hoch sind und die Fender andernfalls auf den Steg rutschen.

Die Fender müssen tief hängen.

Grundsätzlich sollten Sportboote immer so weit wie möglich in der Kammer nach vorne fahren und dort festmachen. Dies erlaubt anderen Yachten, die später hinzukommen, den Platz dahinter einzunehmen. Päckchenbildung ist in der Schleuse erlaubt, das Wenden in der Schleuse hingegen nicht.

Sicher vertäut in der Schleuse mit Vorleine, Achterleine und Achterspring.

Ich persönlich benutze zum Festmachen des Schiffes drei Leinen: eine Vorleine, eine Achterleine und eine Achterspring. Damit ist das Schiff perfekt fixiert und spontan auftretende Verwirbelungen im Wasser können dem Boot nichts anhaben. Wer nur mit Vor- und Achterleine festmacht, läuft Gefahr, dass der Bug oder das Heck gegen den Steg gedrückt wird.

Das Schleusen selbst ist völlig unspektakulär. Meistens bemerkt man gar nicht, dass das Wasser steigt oder fällt – gleichwohl am nordseeseitigen Ende des Kanals aufgrund des Tidenhubs auf der Elbe mitunter ein bis zwei Meter ausgeglichen werden. Spannender ist da schon eine Anzeigetafel in den Brunsbüttler Schleusen, die anzeigt, in welche Richtung und mit welcher Stärke die Strömung auf der Elbe setzt.

Auf dieser Tafel (roter Kreis) wird die Strömung auf der Elbe angezeigt. Hier 1,9 Knoten elbauf.

Normalerweise werden Sportboote zusammen mit anderen Sportbooten geschleust. Für die Berufsschifffahrt gibt es eigene Schleusenvorgänge. Aufgrund der aktuellen baulichen Engpässe im Kanal, ist dies jedoch immer seltener der Fall und Sportboote müssen zusammen mit Frachtern schleusen. Insbesondere am Kieler Ende des Kanals ist dies ein Thema, da die alten Schleusen in Kiel seit 2015 stillgelegt sind, weil Einsturzgefahr besteht. Wann dies behoben sein wird, ist derzeit nicht absehbar. Siehe auch hier.

In Kiel schleusen Sportboote und Frachter oftmals gemeinsam.

Kommt es zu einer gemeinsamen Schleusung von Sportbooten und Frachtern, fahren die Frachter immer zuerst in die Kammer. Erst wenn sie sicher vertäut sind, gibt der Schleusenwärter das Signal für die Einfahrt der Yachten. Die Sportboote fahren dann am Frachter vorbei und machen davor auf der gegenüberliegenden Seite fest.

Dazu muss man wissen, dass viele Frachter aufgrund ihrer Bauart das Schraubenwasser in der Schleuse nicht abstellen können. Zudem legen die meisten Frachter etwas Ruder, so dass der Frachter zur Schleusenwand hin bewegt wird. Dies hat zur Folge, dass in der Schleuse eine nicht unerhebliche Querströmung auf Höhe des Propellers des Frachters entsteht. Dabei ist zwingend zu beachten, dass ebendiese Querströmung nicht zu langsam passiert wird, sondern mit ordentlicher Fahrt im Schiff. Nur so können Ausgleichsbewegungen am Ruder schnell Wirkung zeigen.

Achtung: Es kann zu abrupten Bewegungen des Schiffes kommen. Alle Crewmitglieder an Bord sollten sich entsprechend festhalten und vorher darauf hingewiesen werden, dass das Schraubenwasser passiert wird. Das Tragen einer Schwimmweste sollte in dieser Situation selbstverständlich sein.

Yachten in der Kieler Schleuse zusammen mit zwei Frachtern.

Gelegentlich kommen die Sportboote auch hinter einem Frachter zum Liegen. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn der Frachter sein Schraubenwasser vollständig ausschalten kann. In dem Fall ist es von elementarer Bedeutung, die Achterspring zu setzen, damit das Schiff vernünftig in Position gehalten wird, wenn der Frachter aus der Schleuse fährt und das Schraubenwasser am Schiff vorbeiströmt.

Das Schraubenwasser des Frachters beim Anfahren ist gut sichtbar.

In den Schleusenkammern ist es strengstens verboten, die Leitern zu erklimmen. Segler verbleiben grundsätzlich an Bord bzw. auf den Stegen. Auf etwaige Durchsagen der Schleusenwärter ist zu achten. Vor und in den Schleusen gibt es recht kräftige Lautsprecheranlagen, über die gelegentlich Hinweise gegeben werden, wo festzumachen ist.

Zeigen die Signalmasten an den Schleusen kein weißes unterbrochenes Licht, muss gewartet werden. Hierfür gibt es spezielle Wartebereiche: In Brunsbüttel auf der Elbe befindet sich der Wartebereich östlich der alten Schleusen am nördlichen Rand des Elbfahrwassers und im Nord-Ostsee-Kanal entsprechend am östlichen Ufer des Kanals vor den alten Schleusen.

Wartezone für Sportboote (rot) in Brünsbüttel. Karte: Navionics Webapp.

In Kiel befindet sich der Wartebereich außerhalb des Kanals vor den derzeit stillgelegten alten Schleusen und am Tiessenkai. Im Kanal befindet sich der Wartebereich an einem eigens hierfür ausgelegten Steg am nördlichen Ufer des Kanals.

Wartezone für Sportboote (gelb) in Kiel. Karte: WSA Kiel.

Sportboote sollten sich generell an diese Wartezonen halten, da alles andere zu unschönen Missverständnissen mit der Berufsschifffahrt führen kann.

Funken

Der Nord-Ostsee-Kanal ist funktechnisch in vier Abschnitte eingeteilt. Sie heißen in Anlehnung an den internationalen Namen des Kanals „Kiel-Kanal 1 bis 4“. Die folgenden UKW-Seefunk-Kanäle finden Anwendung:

UKW-Kanal 13 – (Ruf Kiel-Kanal I) – Schleusenbereich Brunsbüttel
UKW-Kanal 02 – (Ruf Kiel-Kanal II) – Strecke Brunsbüttel bis Breiholz (km 49,5)
UKW-Kanal 03 – (Ruf Kiel-Kanal III) – Strecke Breiholz (km 49,5) bis Kiel-Holtenau
UKW-Kanal 12 – (Ruf Kiel-Kanal IV) – Schleusenbereich Kiel-Holtenau

Weiche Breiholz. Hier findet der Wechsel von Kanal 02 und 03 statt.

Allerdings sollten Sportboote sich im Kanal mit dem Funken zurückhalten. Wer sich beispielsweise der Schleuse Brunsbüttel auf der Elbe annähert und wissen möchte, wann die nächste Schleusung stattfindet, sollte zunächst ein paar Minuten diesen Kanal abhören. Aus der Kommunikation mit anderen Schiffen ergibt sich dann meist schon durch Zuhören die Information, wann mit der nächsten Schleusung zu rechnen ist. Wartezeiten von bis zu eineinhalb Stunden können durchaus vorkommen und es sollte entsprechend Zeit eingeplant werden.

Die Schleusen in Brunsbüttel werden auf Kanal 13 erreicht.

Grundsätzlich kann man aber auch jederzeit nachfragen bzw. mit dem Schleusenwärter Kontakt aufnehmen und bekannt geben, dass man durch die Schleuse möchte. Die Schleusenwärter teilen einem dann für gewöhnlich mit, mit welcher Wartezeit zu rechnen ist.

In einem offiziellen Text des Wasser- und Schifffahrtsamtes heißt es hierzu: „Sportboote brauchen den Schleusenleitstand eigentlich garnicht anzurufen. Denn Sie werden vom Schleusenmeister gesehen. Und es wird auf Sie reagiert. Die Schleusenmeister müssen oft doppelt so viele Funkanrufe mit Sportbooten abwickeln als mit den Kollegen aus der Berufsschiffahrt; obwohl mehr als doppelt so viele Berufsschiffe durch die Schleusen fahren als Sportboote.“

Vor dem Funkgespräch mit einem Schleusenwärter sollte man sich generell darüber im Klaren sein, was der Unterschied zwischen den alten (kleinen) und den neuen (großen) Schleusen ist bzw. wo sich diese befinden. Ebenso, wo sich jeweils die Nord- bzw. Südseite der Schleusen befindet. Dann versteht man auch Sätze der Schleusenwärter wie „Die alte Süd ist in einer halben Stunde für Sie bereit.“

Segler im Funkkontakt mit der Schleuse in Brunsbüttel.

Im Funkgespräch sind nicht viele Angaben erforderlich. Es ist ein kurzes und knappes Gespräch. Es reicht vollkommen aus, den Bootsnamen zu nennen, zu sagen ob man sich innerhalb oder außerhalb des Kanals befindet und was man möchte. Positionsangaben, die MMSI, die Anzahl der Besatzungsmitglieder, der Heimathafen oder andere derartige Angaben sind nicht erforderlich und halten nur unnütz auf.

Wartestelle für Sportboote innerhalb des Kanals in Kiel-Holtenau.

Liegen bereits etliche Sportboote in Warteposition vor einer Schleuse, hat in der Regel längst jemand Kontakt zum Schleusenwärter gehabt und es reicht völlig aus, eines der anderen Boote zu fragen, wann mit der nächsten Schleusung zu rechnen ist. Außerdem gibt es an der Wartestelle in Kiel-Holtenau eine Anzeigetafel.

Infoanzeige an der Wartestelle in Kiel-Holtenau.

Wer mag, kann während der Fahrt durch den Kanal die UKW-Seefunk-Kanäle 02 (Kiel-Kanal II) bzw. 03 (Kiel-Kanal III) abhören. Dort werden regelmäßig Meldungen zur Lage des Verkehrs im Kanal ausgesendet. Die Aussendungen erfolgen jeweils 10 Minuten vor und 20 Minuten nach der vollen Stunde.

Begegnung mit einem Frachter auf dem Nord-Ostsee-Kanal.

Muss aus verschiedenen Gründen mit einem Frachter bzw. dessen Lotsen Kontakt aufgenommen werden, eignet sich hierfür der UKW-Seefunk-Kanal 73. Die Kanäle 02 und 03 sind freizuhalten.

Begegnungen mit Frachtern

Auch wenn der Kanal mittlerweile durch die ständigen Erweiterungen eine ganz ordentliche Breite hat, ist die Begegnung mit einem Frachter immer noch eine spannende Angelegenheit, insbesondere wenn man zum ersten Mal durch den Kanal fährt. Anders als im freien Wasser kommen einem die Frachter ungewöhnlich nahe.

Auf dem Nord-Ostsee-Kanal kommen sich Frachter und Yacht ungewöhnlich nahe.

Wird man von einem Frachter überholt, gilt es, nicht zu dicht ans Ufer zu fahren und nicht zu dicht an den Frachter zu fahren. Fährt man zu dicht an den Frachter, besteht die Gefahr an selbigen herangesogen zu werden. Fährt man zu dicht am Ufer entlang, besteht die Gefahr mit der Böschung zu kollidieren, da beim Passieren des Frachters nicht unwesentlich Wasser vom Ufer weggesogen wird. Ich habe schon erlebt, dass das Wasser bis zu einem Meter neben einem Frachter sinkt. Die Wahrheit liegt sozusagen in der Mitte zwischen Frachter und Ufer.

Gut zu sehen, wie der Frachter mit seinem Sog den Wasserspiegel absenkt.

Muss in einer Weiche ein wartender Frachter überholt werden, kann es ratsam sein, diesen an seiner Backbordseite zu passieren. Dies ist jedoch nur ratsam, wenn der Frachter während des Überholvorganges nicht wieder Fahrt aufnimmt. Wer AIS an Bord hat, kann leicht abschätzen, inwieweit das der Fall sein wird. In der Regel nehmen die Frachter wieder Fahrt auf, wenn sie der Gegenverkehr passiert hat. Über AIS lässt sich logischerweise schnell einsehen, wie weit der Gegenverkehr noch entfernt ist.

Aufgestoppter Frachter in einer Weiche.

Mehrere Frachter in einer Weiche sind immer mit Vorsicht zu genießen, da es aufgrund hydrodynamischer Effekte dazu kommen kann, dass ein Bug oder ein Heck unerwartet seitlich ausschlägt und eine Yacht in Bedrängnis bringt. Vorausschauendes Fahren ist dann wichtig.

Begegnungen mit Fähren

Die Fähren queren den Kanal und richten sich dabei nach der Schifffahrt auf dem Kanal – auch nach den Sportbooten. Daher sollten Skipper von Yachten grundsätzlich ihre Fahrt beibehalten und nicht für Verwirrung sorgen, in dem sie vor Fähren abbremsen oder gar abrupt ihren Kurs ändern. Die Fähren fahren meist in direkter Linie zum nächsten Ufer und meistens hinter den Sportbooten durch.

Insgesamt 14 Fähren queren den Nord-Ostsee-Kanal.

Wichtig: Wer an Fähren vorbeifährt, die augenscheinlich am Anleger liegen, muss auf Höhe der Fähre mit starker Querströmung rechnen, da die Motoren der Fähre grundsätzlich weiterlaufen und ein Schraubenwasser erzeugen. Hierauf sollte die Besatzung entsprechend hingewiesen werden, da insbesondere bei Kurzkielern die abrupte Kursänderung nach Backbord zu Mensch-über-Bord-Situationen führen kann.

Gut zu sehen, wie diese Fähre am Ufer liegend Querstrom erzeugt.

Fähren werden durch ein blaues Schild mit einer weißen Fähre darauf angekündigt.

Dieses Schild kündigt eine Fähre an.

Tanken

Die Passage eines Sportbootes durch den Nord-Ostsee-Kanal ist eine Motorfahrt mit einer Dauer von etwa 10 Stunden, und eine entsprechende Menge Diesel sollte an Bord sein. Wer dennoch im Kanal Diesel nachbunkern muss, wird schnell feststellen, dass es hierfür im Prinzip nur zwei Möglichkeiten gibt.

1. Brunsbüttel

An der Westseite des Kanals bei Kilometer 2.
NWB Nord- und Westdeutsche Bunker GmbH, Am Binnenhafen 3, 25541 Brunsbüttel, Telefon: 04852-2001.
Täglich 8.00 bis 12.00 und 13.00 bis 18.00 Uhr

2. Borgstedter See:

In der Marina Schreiber bei Kilometer 67,5 im Nebenarm an der Nordseite des Kanals. Telefon Hafenmeister: 0173 – 913 7315.
Täglich 8.00 bis 16.00 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten nach Absprache.

Übernachtungsmöglichkeiten

Nicht wenige Crews verteilen die Passage des Nord-Ostsee-Kanals auf zwei Tage. In dem Fall braucht man für die Nacht eine Möglichkeit, sicher zu liegen. Mitten im Kanal zu ankern, kommt logischerweise nicht infrage 😉

Im Kanal gibt es verschiedene Anlegestellen/Häfen für Sportfahrzeuge:

1.Kilometer 1,8 – Yachthafen Brunsbüttel

Hafen im Kanal. Gute Versorgungsmöglichkeiten im nahe gelegenen Ort. Brauchbare Sanitäreinrichtungen, Duschen sowie Wasser und Strom an den Stegen.

2. Kilometer 2,7 – Ausweichstelle Brunsbüttel-Nordseite

3. Kilometer 20,7 – Weiche Dückerswisch an der Nordseite

Liegen vor Bug und Heckleine an Dalben ohne Landverbindung.

4. Kilometer 40,5 – Vor der Gieselau-Schleuse im Giselau-Kanal

Idyllischer Liegeplatz inmitten der Natur ohne Versorgungsmöglichkeiten. Wichtig: lange Leinen stecken, da vorbeifahrende Frachter auf dem Nord-Ostsee-Kanal den Wasserspiegel kurzfristig absenken können.

5. Kilometer 66 – diverse Möglichkeiten im Obereidersee

Foto: Rendsburger Regattaverein

Im Obereidersee gibt es viele Möglichkeiten. Ich persönlich liege gerne beim Rendsburger Regattaverein. Dort gibt es Sanitäreinrichtungen mit Duschen sowie Wasser und Strom an den Stegen. Sehr kurzer Weg zu guten Supermärkten, der Innenstadt und dem Bahnhof, was bei einem Crewwechsel von Interesse sein kann.
www.regatta-verein-rendsburg.de/

6. Kilometer 67,5 – Marina Schreiber in der Borgstedter Enge

Foto: Marina Schreiber

Die Anlage befindet sich auf der Rader Insel. Liegeplätze für Schiffe bis 25 Metern Länge. Wasser, Strom, Sanitäranlagen, Dieseltankstelle, Tausch von Gasflaschen, Fäkalienentsorgung, Waschmaschine und Trockner, WLAN, Spielplatz, Fahrradverleih. Badestelle mit Sandstrand in der Nähe.
www.ys-schreiber.de/hauptmenu/marina/

7. Kilometer 70 – Borgstedter See

 Die Liegeplätze befinden sich direkt unter der Autobahnbrücke der A7. Mir war es hier immer zu laut.

8. Kilometer 85,4 – Reede im Flemhuder See

Hier liegt man in landschaftlich reizvoller Umgebung wahlweise vor Anker oder an Dalben ohne Landverbindung.

9. Kilometer 98,5 – Yachthafen Kiel-Holtenau

Yachthafen außerhalb des Kanals am Eingang zum Kanal. Sanitäreinrichtungen mit Duschen. Wasser am Duschgebäude. Kein Strom. Gute Busverbindung nach Kiel. Wichtig: lange Leinen verwenden, falls Schwell auftritt. Zudem wird ein Fenderbrett benötigt, um das Schiff an den runden Dalben sicher abzufendern.

Kosten

Bis in die zweite Jahreshälfte 2017 hinein ist das Befahren des Nord-Ostsee-Kanals für Sportboote kostenfrei. Im Laufe des Jahres 2017 werden in Kiel an folgenden Stellen Bezahlautomaten aufgestellt, die dann in Betrieb genommen werden.

1. Außerhalb des Kanals im Yachthafen Kiel-Holtenau (km 98,5)
2. Innerhalb des Kanals an der Wartestelle für Sportboote an der Nordseite (km 97,5)

Bezahlautomat an der Wartestelle im Kanal bei km 97,5 in Kiel-Holtenau.

Ebenfalls in der Planung befindet sich laut Wasser- und Schifffahrtsamt eine mobile Anwendung zum Entrichten der Gebühren über das Smartphone oder Tablet.

Die Höhe der Gebühren können hier nachgeschlagen werden.

Fazit

Wie gesagt, die Passage durch den Nord-Ostsee-Kanal stellt keine große Herausforderung dar. Sollte es noch letzte Zweifel gegeben haben, so hoffe ich, sie mit diesem Beitrag beseitigt zu haben. Voraussetzung für eine entspannte Passage ist allerdings, dass die vorstehenden Punkte beachtet werden.

Der Nord-Ostsee-Kanal bei Hochdonn (km 19)

Wer das erste Mal durch den Kanal fährt, wird die Passage zunächst noch als aufregend empfinden. Mit jedem gefahrenen Kilometer schwindet jedoch die Aufregung und die leider mitunter recht monotone Routine der immer gleichen grünen Ufer gewinnt die Oberhand.

Der Beitrag Nord-Ostsee-Kanal: Ausführliche Anleitung für Sportboote/Yachten erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Dieselpest. Oder: Das Leben in meinem Tank.

Ein schöner Morgen in Kroatien. Ablegen aus der Bucht Vela Luka ganz im Westen der Insel Korcula. Aber kaum draußen aus der Bucht stottert der Motor. Und stirbt ab. Ein Vierzylinder sagt einfach Tschüss. Und bleibt stehen.

Neustart. Er machts. Und läuft einfach erstmal weiter. Die Hoffnung, die in einem Winkel meines Hirns gedeiht, dass das ein einmaliges Ereignis gewesen sein könnte. Aber während ich den Gedanken denke, sagt eine andere Ecke meines Hirns: „Du weißt genau, dass ein Diesel nicht einfach mal stehen bleibt. Einmal ist nur der Anfang“.

Zehn Minuten später geht der Motor stotternd erneut aus. Er setzt aus. Wir setzen Segel. Kurs Richtung Lastovo, noch weiter nach draußen. Ich gönne dem Motor eine Ruhepause. Und habe die Filter im Verdacht. Einen nach dem anderen inspiziere ich. Das Schauglas vom Wasserabscheider. Nichts trüb. Alles klar. Kein Wasser. Dann den Kraftstofffilter an der Maschine. Nichts. Ich bin ratlos.

Es muss mit der Kraftstoffleitung zu tun haben. Anruf in der SUBEAM-Werft. Ergebnis: Es könnte ein Pfropfen in der Ansaugleitung des Dieseltanks sein. Der Tipp:

1. Erstmal an der dem Motor nächstgelegenen Entlüftung nachsehen, ob Diesel kommt. Oder die Leitung leer ist.

2. Ist sie leer, die Leitung vor dem ersten Filter abschrauben. Und reinpusten.

Die Kraftstoffleitung bei der Entlüftung ist leer. Also schraube ich die hintere Leitung ab. Und puste. Wie doof. Richtung Tank. Aber außer einem hochroten Kopf kein Ergebnis. Die Leitung – ist zu. Tot. Da kommt nix durch.

Wenn ich nicht weiterkomme mit einem Problem, wandere ich. Ein in Bewegung bleiben. Ich setze mich ins Cockpit zu meiner Frau. Mittlerweile hat der Wind erheblich aufgefrischt, 5-6 bft. Zeit zu reffen. Und Zeit, eine Lösung fürs Pusten zu finden.

Ich schnappe mir, während Katrin gerefft zwischen Korciula und Lastovo steuert, am Nachmittag den Tretblasebalg des Dinghis. Ein stabiles Ding meines Vorbesitzers. Zerschneide den Luftschlauch. Und baue mir mit drei anderen Kraftstoff-Schlauchresten – nein, ich kann einfach nichts wegwerfen. Und ein Stück Kraftstoffschlauch schon gar nicht! – und Rohrschellen einen Anschluss für die Kraftstoffleitung.

Dann schließe ich meine selbstgebaute Pustepumpe an den Stutzen an, der aus dem Tank führt.

Nichts. Der Tretbalg bleibt hart wie ein Teak-Klotz, wenn ich drauftrample. Ich stelle mit beiden Beinen drauf, erhöhe den Druck auf dem Tretbalg auf Körpergewicht. „Prüfdruck 90 Kilo“ – das hält der Blasebalg ganz sicher nicht aus. Oder? Er hält. Plötzlich gehts für mich abwärts. Die Luft entweicht. Und aus den Tiefen des 210-Liter-Edelsathl-Dieseltanks neben mir erklingt ein befreites Geblubber.

Hurra.

Meinen Durchpuster wieder abbauen. Kraftstoffleitung wieder dran. Ganze Leitung entlüften. Dann Zündschlüssel drehen. Er springt ohne Murren an. Und läuft.

Hurra.

Aber nur 35 Minuten. So lange dauert die Fahrt Richtung Lastovo. Dann setzt der Motor wieder aus. Mit Stottern.

Aber ich weiß ja jetzt, was zu tun ist: Selbstgebauten Durchpuster wieder an den Tank anschließen. „Prüfdruck auf 90 Kilo“ erhöhen. Rrrrrrrumms machts im Tank, gefolgt von Geblubber.

Diesmal stirbt der Motor nach zehn Minuten ab. Ich erwäge den Gedanken, statt der vor dem Starkwind schützenden Bucht im Westen Lastovos fünf, sechs Stunden Richtung MARINA KORCIULA zu segeln. Antonia vom Empfang ist – anders als zuvor MARINA PALMIZANA auf Hvar – überaus freundlich. Sie sei bis neun da. Danach nur der Wachdienst. Aber die würden mich schon irgendwie reinkriegen.

Ich verwerfe den Gedanken. Also Lastovo. Nach noch einmal durchpusten hält der Motor durch die Einfahrt zwischen den Meerengen durch. Wir lassen das Großsegel stehen. Und suchen uns einen Platz in der vollen Bucht.

Blick über Inspektionsluke samt Tankgeber in die hellblaue Diesel-Tiefe, wo nur mein Schlauch hinunterrreicht.

Am nächsten Morgen zeitig raus. Ich rücke den 200 Litern Diesel auf den Leib. Schraube die Inspektionsluke ab. Blicke hinunter auf 200 Liter blauschimmerndes Diesel. Auch da ist nichts zu sehen. Einen weiteren meiner Freunde aus meinem Schatz, dem Schlauchschapp an die kleine Handpumpe anschließen. Und dann in die Tiefen des Tanks versenken. Und Diesel zur Sichtkontrolle in die Wasserflaschen abfüllen. Dialyse für Diesel.

Wo sonst mein Bett ist: Heute alle meine Spielsachen: Kleine Handpumpe. Leere Wasserflaschen. Schläuche. Und jede Menge Papaiertücher.

Zuerst nichts. Bei der sechsten Flasche Diesel stockt die Handpumpe. Sie will nicht mehr. Irgendwas blockiert. Steckt im Schlauch. Wehrt sich. Ich hole den Schlauch aus dem Tank. Zerlege ihn. Und die Pumpe. Finde das da:

Ein dreißig Zentimeter langes Teil, das aus meiner Pumpe kommt. Und aussieht wie ein Bandwurm. Ein faseriger Organismus, schleimig, dicht, fest, den ich nach und nach aus der kleinen Handpumpe ziehe.

Ich betreibe meine „Diesel-Dialyse“ den Vormittag und den halben Nachmittag.
Mit dem Schlauch jedes Mal an die tiefste Stelle des Tanks.
Danach mit schnellen, möglichst saugstarken Zügen der Handpumpe Diesel in die drei 1,5-Liter-Wasserflaschen füllen.
Sichtkontrolle. Filtern.
Was sauber ist: zurück in den vollen Tank.

Ich finde noch verschiedene Reste dieses Gewebes. Keiner der Bandwurm-ähnlichen Organismen kürzer als 10 Zentimeter. Etwas Schleim, kein Becherglas voll.

Etwas Anstrengung kostet der Stutzen Tankboden. Der Ablauf, der noch im Herbst funktionierte – jetzt ist er verstopft. Auch da hängt was drin. Aber mit Durchpusten schaffe ich es, ihn frei zu bekommen.

Am Abend läuft der Motor über eine Stunde anstandslos. Und dann noch eine Stunde, während des Verlegens auf einen anderen Ankerplatz in der Bucht.

Hardfacts:

1. Boot im Herbst neu gekauft nach langer Standzeit.
2. Deshalb GROTAMAR im Herbst in den Tank gekippt. Vielleicht nicht ausreichend. Aber immerhin.
3. Denn: Das Ablassen von etwa 2-3 Litern Diesel aus dem Tank via Entleerungsstutzen brachte – außer der üblichen Verschmutzung – keine nennenswerten Hinweise auf Dieselpest.
4. Seit Kauf ist die Maschine ca. 150 Motorstunden anstandslos gelaufen. Ca. 900 Seemeilen oder 1.700 Kilometer.
5. Seit Kauf wurde etwa fünf, sechs Mal frisches Diesel „nachgetankt“, um das Altdiesel schnellstens zu verdünnen.

Meine Hypothese: Die Dieselpest kann aufgrund der langen Laufzeit eigentlich nicht im Tank entstanden sein. sondern das faserige Material kam in den Tank bei einem dieser letzten Nachtank-Sessions . Das letzte „Nachtanken“ lag ca. fünf Motorstunden zurück.

Dieselpest. Oder: Das Leben in meinem Tank.

Ein schöner Morgen in Kroatien. Ablegen aus der Bucht Vela Luka ganz im Westen der Insel Korcula. Aber kaum draußen aus der Bucht stottert der Motor. Und stirbt ab. Ein Vierzylinder sagt einfach Tschüss. Und bleibt stehen.

Neustart. Er machts. Und läuft einfach erstmal weiter. Die Hoffnung, die in einem Winkel meines Hirns gedeiht, dass das ein einmaliges Ereignis gewesen sein könnte. Aber während ich den Gedanken denke, sagt eine andere Ecke meines Hirns: „Du weißt genau, dass ein Diesel nicht einfach mal stehen bleibt. Einmal ist nur der Anfang“.

Zehn Minuten später geht der Motor stotternd erneut aus. Er setzt aus. Wir setzen Segel. Kurs Richtung Lastovo, noch weiter nach draußen. Ich gönne dem Motor eine Ruhepause. Und habe die Filter im Verdacht. Einen nach dem anderen inspiziere ich. Das Schauglas vom Wasserabscheider. Nichts trüb. Alles klar. Kein Wasser. Dann den Kraftstofffilter an der Maschine. Nichts. Ich bin ratlos.

Es muss mit der Kraftstoffleitung zu tun haben. Anruf in der SUBEAM-Werft. Ergebnis: Es könnte ein Pfropfen in der Ansaugleitung des Dieseltanks sein. Der Tipp:

1. Erstmal an der dem Motor nächstgelegenen Entlüftung nachsehen, ob Diesel kommt. Oder die Leitung leer ist.

2. Ist sie leer, die Leitung vor dem ersten Filter abschrauben. Und reinpusten.

Die Kraftstoffleitung bei der Entlüftung ist leer. Also schraube ich die hintere Leitung ab. Und puste. Wie doof. Richtung Tank. Aber außer einem hochroten Kopf kein Ergebnis. Die Leitung – ist zu. Tot. Da kommt nix durch.

Wenn ich nicht weiterkomme mit einem Problem, wandere ich. Ein in Bewegung bleiben. Ich setze mich ins Cockpit zu meiner Frau. Mittlerweile hat der Wind erheblich aufgefrischt, 5-6 bft. Zeit zu reffen. Und Zeit, eine Lösung fürs Pusten zu finden.

Ich schnappe mir, während Katrin gerefft zwischen Korciula und Lastovo steuert, am Nachmittag den Tretblasebalg des Dinghis. Ein stabiles Ding meines Vorbesitzers. Zerschneide den Luftschlauch. Und baue mir mit drei anderen Kraftstoff-Schlauchresten – nein, ich kann einfach nichts wegwerfen. Und ein Stück Kraftstoffschlauch schon gar nicht! – und Rohrschellen einen Anschluss für die Kraftstoffleitung.

Dann schließe ich meine selbstgebaute Pustepumpe an den Stutzen an, der aus dem Tank führt.

Nichts. Der Tretbalg bleibt hart wie ein Teak-Klotz, wenn ich drauftrample. Ich stelle mit beiden Beinen drauf, erhöhe den Druck auf dem Tretbalg auf Körpergewicht. „Prüfdruck 90 Kilo“ – das hält der Blasebalg ganz sicher nicht aus. Oder? Er hält. Plötzlich gehts für mich abwärts. Die Luft entweicht. Und aus den Tiefen des 210-Liter-Edelsathl-Dieseltanks neben mir erklingt ein befreites Geblubber.

Hurra.

Meinen Durchpuster wieder abbauen. Kraftstoffleitung wieder dran. Ganze Leitung entlüften. Dann Zündschlüssel drehen. Er springt ohne Murren an. Und läuft.

Hurra.

Aber nur 35 Minuten. So lange dauert die Fahrt Richtung Lastovo. Dann setzt der Motor wieder aus. Mit Stottern.

Aber ich weiß ja jetzt, was zu tun ist: Selbstgebauten Durchpuster wieder an den Tank anschließen. „Prüfdruck auf 90 Kilo“ erhöhen. Rrrrrrrumms machts im Tank, gefolgt von Geblubber.

Diesmal stirbt der Motor nach zehn Minuten ab. Ich erwäge den Gedanken, statt der vor dem Starkwind schützenden Bucht im Westen Lastovos fünf, sechs Stunden Richtung MARINA KORCIULA zu segeln. Antonia vom Empfang ist – anders als zuvor MARINA PALMIZANA auf Hvar – überaus freundlich. Sie sei bis neun da. Danach nur der Wachdienst. Aber die würden mich schon irgendwie reinkriegen.

Ich verwerfe den Gedanken. Also Lastovo. Nach noch einmal durchpusten hält der Motor durch die Einfahrt zwischen den Meerengen durch. Wir lassen das Großsegel stehen. Und suchen uns einen Platz in der vollen Bucht.

Blick über Inspektionsluke samt Tankgeber in die hellblaue Diesel-Tiefe, wo nur mein Schlauch hinunterrreicht.

Am nächsten Morgen zeitig raus. Ich rücke den 200 Litern Diesel auf den Leib. Schraube die Inspektionsluke ab. Blicke hinunter auf 200 Liter blauschimmerndes Diesel. Auch da ist nichts zu sehen. Einen weiteren meiner Freunde aus meinem Schatz, dem Schlauchschapp an die kleine Handpumpe anschließen. Und dann in die Tiefen des Tanks versenken. Und Diesel zur Sichtkontrolle in die Wasserflaschen abfüllen. Dialyse für Diesel.

Wo sonst mein Bett ist: Heute alle meine Spielsachen: Kleine Handpumpe. Leere Wasserflaschen. Schläuche. Und jede Menge Papaiertücher.

Zuerst nichts. Bei der sechsten Flasche Diesel stockt die Handpumpe. Sie will nicht mehr. Irgendwas blockiert. Steckt im Schlauch. Wehrt sich. Ich hole den Schlauch aus dem Tank. Zerlege ihn. Und die Pumpe. Finde das da:

Ein dreißig Zentimeter langes Teil, das aus meiner Pumpe kommt. Und aussieht wie ein Bandwurm. Ein faseriger Organismus, schleimig, dicht, fest, den ich nach und nach aus der kleinen Handpumpe ziehe.

Ich betreibe meine „Diesel-Dialyse“ den Vormittag und den halben Nachmittag.
Mit dem Schlauch jedes Mal an die tiefste Stelle des Tanks.
Danach mit schnellen, möglichst saugstarken Zügen der Handpumpe Diesel in die drei 1,5-Liter-Wasserflaschen füllen.
Sichtkontrolle. Filtern.
Was sauber ist: zurück in den vollen Tank.

Ich finde noch verschiedene Reste dieses Gewebes. Keiner der Bandwurm-ähnlichen Organismen kürzer als 10 Zentimeter. Etwas Schleim, kein Becherglas voll.

Etwas Anstrengung kostet der Stutzen Tankboden. Der Ablauf, der noch im Herbst funktionierte – jetzt ist er verstopft. Auch da hängt was drin. Aber mit Durchpusten schaffe ich es, ihn frei zu bekommen.

Am Abend läuft der Motor über eine Stunde anstandslos. Und dann noch eine Stunde, während des Verlegens auf einen anderen Ankerplatz in der Bucht.

Hardfacts:

1. Boot im Herbst neu gekauft nach langer Standzeit.
2. Deshalb GROTAMAR im Herbst in den Tank gekippt. Vielleicht nicht ausreichend. Aber immerhin.
3. Denn: Das Ablassen von etwa 2-3 Litern Diesel aus dem Tank via Entleerungsstutzen brachte – außer der üblichen Verschmutzung – keine nennenswerten Hinweise auf Dieselpest.
4. Seit Kauf ist die Maschine ca. 150 Motorstunden anstandslos gelaufen. Ca. 900 Seemeilen oder 1.700 Kilometer.
5. Seit Kauf wurde etwa fünf, sechs Mal frisches Diesel „nachgetankt“, um das Altdiesel schnellstens zu verdünnen.

Meine Hypothese: Die Dieselpest kann aufgrund der langen Laufzeit eigentlich nicht im Tank entstanden sein. sondern das faserige Material kam in den Tank bei einem dieser letzten Nachtank-Sessions . Das letzte „Nachtanken“ lag ca. fünf Motorstunden zurück.

Achillesfersen – Ruder

SCHEIN UND WIRKLICHKEIT

Ein Rundgang durch europäische Messen und Marinas zeigt den Erfolg von Marketing und Promotion, zeigt Trends und Neuigkeiten, die stets als Verbesserungen apostrophiert, beworben und in der Folge dann gekauft werden. Die meisten Yachten suchen dabei den Spagat von Performance bei zeitgleich hohem Nutzwert und Wohnlichkeit, was für den gemeinen Segler akzeptabel sein mag, weil er sein Schiff überwiegend in erreichbarer Nähe von schwimmender oder fliegender Hilfe verwendet. Die Nutzung und Empfehlung dieser Schiffe für die hohe See hingegen, sollte nach m.E. anderen Anforderungen zu folgen haben, die bei uns, wie ich es empfinde, bei Marketing und Promotion zu selten im Vordergrund stehen: Die Solidität und Bauweise der Anhänge! WEITERLESEN

Doppelausgabe

Petrosawodsk

Watt ne Action ! Wir sind in Petrosawodsk angekommen, nachdem wir gestern morgen um 3 Uhr in aller Herrgotssfrühe von Voznesene aufgebrochen sind. Schon beim ersten Blick aus dem Niedergang hatte ich mich spontan über die Stellung des Windgenerators gewundert. „Der zeigt doch nicht nach Nordost wie vorhergesagt !?“, dachte ich mir. Losgefahren sind wir trotzdem. Denn es wird zum einen Zeit weiter nach Norden zu kommen und zum anderen kann die Windrichtung im Binnenrevier ja bekanntlich durch tausend Faktoren beeinflusst werden. Auf dem freien Wasser des Onegasees hofften wir also auf den gemeldeten Nordost. Leider vergebens. Denn draußen blies es zunächst aus Nord, was und zum mühseligen aufkreuzen gegen die kabbelige kurze Welle zwang. Fast 5 Stunden haben wir gebraucht bis wir um die erste Landspitze herum waren. Dann ging es extrem hoch am Wind weiter. Aber egal .. Hauptsache wir konnten jetzt einen direkten Kurs fahren. Für den Tagesverlauf war eine Rückdrehung des Windes auf Ostnordost gemeldet, was für unseren Kurs nach Nordwest gut gepasst hätte. Hätte .. denn der Wind ging sogar noch weiter rück auf Nornordwest. Mittags ließ er zudem von jetzt auf gleich nach. Um 13 Uhr war es vorbei und wir waren gezwungen den Diesel einzuschalten. In der Restwelle rollend und gierend ging es so für fast 8 Stunden unter Maschine nach Petrosawodsk. Insgeamt 18 Stunden hats gebraucht und wirklich angekommen waren wir dann auch noch nicht. Denn der Kontaktmann vor Ort lotste uns erst mal in einen falschen Hafen. Ein weiteres Telefonat später fanden wir ihn dann etwas weiter auf seinem „Museumshof“, wo er alte Boote nachbaut und restauriert. Um ehrlich zu sein, wir waren doch ein bisschen geschockt als wir dort hineinsteuerten. Wir sind ja mittlerweile schon einiges gewohnt, aber das gestern war echt der Hammer. Der Liegenplatz lag inmitten von Schutthaufen. maroden Schuppen und Schiffswracks. In der Anfahrt viel Schrott und unkartierte Untiefen im Wasser und am Ufer gleich 7 kläffende und knurrende Hunde, die sich auf dem wackeligen und löchrigen Steg fast selbst die Knochen brachen. Es stinkt nach Öl und eine Unmenege Mücken belagert uns zusätzlich. Nach den 18 Stunden bin ich gestern abend doch etwas ernüchtert und froh als ich endlich in der Koje liege. Vorher gabs noch Strom, als wir unser Kabel waghalsig über eine Wasserfläche werfen mussten wo es durch ein zerbrochenenes Fenster verschwand und später tatsächlich etwas Elektrizität lieferte. Heute morgen siehts schon wieder besser aus. Die Sonne scheint, wir haben Diesel an der Tanke gebunkert (hat allein an der Tanke fast anderthalb Studnen gedauert) und dank Vadim – den wir dort zufällig trafen – haben wir einen neuen Platz mit Strom, Wasser und sogar Dusche. Vadim hat uns außerdem samt Diesel zum Boot gefahren und war mit uns im Supermarkt. Alles mal einfach so und als wir ihm etwas Geld geben wollten, lehnte er entschieden und stolz ab. Man ist mal wieder sprachlos angesichts dieser Gastfreundschaft, aber auch dem, was hier manchmal irgendwie normal ist. Gleich machen wir noch ein Nickerchen, gehen duschen und dann wollen wir mal in die Stadt nen Burger essen und Fussball gucken. Mal schauen was uns da wieder alles an Challenges und Überraschungen erwarten. Soweit in Kürze von den aktuellen Geschehnissen. Im Anschluss folgt ein weiterer ausführlicher Blog über das was war .. Viel Spaß damit und Ahoi !

Morgens in Petrosawodsk
Flaute auf dem Onega
Unser neuer Platz

Russia 2

Den Wartetag vor dem zweiten Brückenanlauf durch St. Petersburg vertrödeln wir an Bord und unternehmen nachmittags noch einen Ausflug in die nähere Umgebung. Dabei entdecken wir zufällig die Amüsiermeile nahe dem Zenit-Fußballstadion. Ein riesiger Vergnügungspark mit Achterbahnen, Kinderkarussell und so allerlei anderen Fahrgeschäften, die mir allein beim zuschauen die Angst in die Knochen treibt. Mit der Metro fahren wir anschließend nochmal ins Städtchen, schauen uns noch ein paar Sachen an, bevor wir per App-Taxi wieder in die Marina eiern. Um sieben Uhr starten wir von dort zum nächsten Brücken-Versuch. Dieses mal müssen wir einen weiten Bogen in die große Newa fahren. Das bedeutet zunächst heraus aus St. Petersburg in die Bucht und dann etwas weiter nördlich wieder hinein in den Fluß. So umgehen wir die lästige neue Brücke und sollen den Lotsen nun an einem großen Ponton unmittelbar vor der ersten Brücke aufnehmen. Als Ansteuerungshilfe wird uns ein U-Boot genannt, das dort vertäut sein soll.

Der Wind steht steif in die Bucht. Das bedeutet für uns zunächst gegen die steile und kabbelige Welle des flachen Wassers zu motoren. Carpe schlägt dabei immer wieder hart ins Wasser und zeitweise kriechen wir mit nur 2 Knoten über Grund voran. Sobald es der Wind zulässt, nehmen wir immer wieder die Genua hinzu, um etwas mehr Fahrt zu machen. Vorbei am futuristischen Zenit Stadion in dem übrigens gerade einige Spiele des Confederation-Cups ausgetragen werden und wo vorgestern sogar Vladimir Putin persönlich mit zig Hubschraubern und FSB (ehemals KGB ) Wachbooten auf dem Fluß zu Gast war, geht’s hinaus. Nach etwa 5 Meilen können wir abfallen und wieder hinein in die Newa steuern. Jetzt wird’s deutlich ruhiger und das Vorsegel treibt uns mit dem jetzt achterlichen Wind schnell zurück Richtung Stadt. Der Zugang zur Newa ist gesäumt von Schwerindustrie und Werften. Wir passieren riesige Berge aus Metallschrott, gigantische Trockendocks und Kräne die bis in den Himmel reichen. Dann taucht unvermittelt auf der linken Seite ein großes blaues Schiff auf. „Russatomflott“, ruft Viktor mir zu. Ich frage nach und erfahre, dass es sich bei der ARCTICA um einen Atomeisbrecher handelt. Der wird hier wohl gerade umfangreich restauriert. Jedenfalls wird an zig Stellen fleißig gehämmert und geschweißt. Im Hintergrund erkennen wir zudem ein Atomsymbol auf einem großen hallenartigen Gebäude. Scheinbar ist das hier ein zentraler Punkt für die Wartung der atomgetriebenen russischen Flotte. Carpe fährt also gerade an einem echten Atomschiff vorbei. Das ist doch wohl mal cool. Natürlich nehme ich die Kamera zur Hand und filme emsig. Keine Ahnung ob das wirklich so erlaubt ist. Aber die Nähe zum Zentrum und die ebenfalls nahen Museumsschiffe die jeden Tag von hunderten Touristen bevölkert werden, lassen das Ganze nicht so top secret erscheinen.

Lotse Igor ist da
Die erste Brücke öffnet
Der scharlachrote Segler
Petersburg bei Nacht
Die Brücken sind geschafft !
Die Gegend verändert sich
Atomeisbrecher ARCTICA
Warten vor der ersten Brücke

Wenig später erreichen wir dann besagten Ponton mit dem großen U-Boot aus den 60er Jahren. Auch dieses ist ein Museumsschiff geworden und steht für interessierte Besucher bereit. Vor dem Anleger verlieren wir noch nen Fender, und müssen einen extra Kringel drehen um diesen wieder einzusammeln. Dann liegen wir an dem monströsen Steg der durch riesige LKW Reifen als Fender geschützt ist. Während ich etwas köchele, geht Viktor mal zum U-Boot herüber und hält nen kurzen Schnack mit dem Kapitän. Der lädt uns spontan zu einer Besichtigung ein. Da ich aber gerade das Essen auf dem Herd habe und der U-Boot Kommandant auch bald schließen will, vertagen wir den Besuch. Wäre zwar schon interessant gewesen, aber ähnliche U-Boote habe ich bereits auf Fehmarn und auch einmal in Laboe besichtigt. Also lieber etwas essen und noch ein wenig ausruhen. Während wir unser Essen löffeln schweift mein Blick immer wieder umher. So ganz langsam schnalle ich, dass wir tatsächlich in St. Petersburg stehen und es jetzt hinein ins russische Binnenland geht. Ähnlich wie bei der Atlantik-Tour ist er plötzlich da: Der Moment auf den man lange hingeplant hat und der bislang eher diffus und irreal war. Wir sind tatsächlich hier und es geht weiter .. geil !

Die restliche Wartezeit bis zum Eintreffen des Lotsen nutzen wir für ein kurzes Schläfchen. Die kommende Nacht und wohl auch der folgende Tag werden lang werden. Und außerdem haben wir bereits ein ganzen Tag in den Knochen. Eigentlich wollten wir hinter der letzten Brücke Petersburgs in einem kleinen Hafen etwas pausieren. Leider müssen wir aber sofort weiter, da wir für eine weitere Brücke angemeldet sind die extra für uns geöffnet wird. Durch den Gegenstrom auf der Newa braucht das etwas Zeit und so können wir uns die Pause leider in die Haare schmieren.

Um 0.30 Uhr wache ich auf und räckele mich gähnend auf der Salonbank. Auch Viktor ist von den Toten auferstanden und stolpert Richtung Cockpit. Als er die Treppe hochsteigt, höre ich nur ein „Dobryy wecher“. Er begrüßt damit den Lotsen, der bereits gemütlich im Cockpit sitzt und scheinbar auch ein kurzes Lünzjen gehalten hat. Nicht schlecht. Ich habe von seinem an Bord kommen nix mitbekommen und er hat sich aus Rücksicht auf uns mucksmäuschenstill verhalten. Auch ich steige nun an Deck und begrüße Igor. Ein Mann Mitte 50 der nett und offen ist. Anhand unserer Karten folgt eine ausführliche Einweisung in das anstehende Vorhaben und die eine oder andere interessante Randinfo. Fast eine ganze Stunde dauert die Besprechung unter Deck. Dann geht alles ganz schnell. Wir werfen die Leinen los und steuern direkt auf die erste Brücke zu. Diese ist noch geschlossen. Da wir aber als Erste durchfahren, sollen wir unmittelbar davor warten. Das geht im Strom der Newa besser als gedacht. Mit der Maschine halte ich Carpe direkt vor den mächtigen Fahrbahnen auf der Stelle. Manövriert wird mit dem Ruder das durch Schraube aber insbesondere den Strom angeströmt wird und so gut reagiert. Stundenlang könnte man so auf der Stelle stehen. Mit einem lauten metallischen Geräusch beginnen sich schließlich die beiden Flügel der Brücke langsam zu öffnen, während Igor immer wieder in unsere Fluss-Funke palavert. Obwohl es mittlerweile halb zwei in der Nacht ist, ist der Himmel noch immer dämmrig hell erleuchtet. Viel dunkler wird’s wohl nicht werden, denn in gut 2 Stunden geht bereits die Sonne auf. Zusammen mit dem hellen Licht der umliegenden Gebäude und Brücken wirkt es so fast wie am Tag. Die Stimmung ist jedenfalls grandios und wird sich sicher für immer in mein Hirn einbrennen.

Als die Brücke offen ist warten wir auf die grüne Ampel und geben Gas. Die Newa fließt hier doch mit fast 3 Knoten. Entsprechend langsam kriechen wir über Grund durch die Pfeiler hindurch. Der Lotse gibt mir dabei immer wieder mal eine Anweisung oder fordert mich auf etwas mehr Gas zu geben. Das mache ich jedoch nur ungern. Denn meinen guten alten Diesel will ich nicht zu sehr vor den Hals treten. Mehr als 2.500 Umdrehungen gehen da für längere Zeit nicht. Auch im Hinblick auf die noch anstehenden vielen Motorstunden auf den Flüssen und Kanälen, will ich den Motor möglichst schonen. Also lieber etwas langsamer, was auch der Lotse irgendwann murmelnd akzeptiert.

Der Rest ist schnell erzählt. Wir nehmen eine Brücke nach der anderen und bestaunen dazwischen die vielen Bauten, Kirchen und andere Schiffe, die zusammen mit uns gerade durch die russische Metropole fahren. Unter anderem überholt uns auch ein Großsegler. Wie mich Viktor wissen lässt, handelt es sich dabei um ein Schiff aus Schweden, welches einmal im Jahr nach Petersburg gebracht wird. Hier wird es im Rahmen der Feierlichkeiten der „Weißen Nächte“ mit scharlachroten Segeln bestückt, um so als weltbekanntes Symbol der Feiern über die Newa zu fahren. Die weißen Nächte sind erst in ein paar Tagen. Das Schiff haben wir so aber trotzdem zu Gesicht bekommen. Sehr gut.

Gegen 5 Uhr morgens haben wir es schließlich geschafft. Hinter der letzten „klappbaren“ Brücke setzen wir Igor an Land ab und fahren fortan alleine weiter. Die wirklich letzte Brücke des Stadtgebiets ist hoch genug für uns und so können wir das auch selbst angehen. Wir verabschieden uns also vom netten Igor und verlassen St. Petersburg. Die Gegend hat sich bereits verändert. Nun sind es mehr Wohngebiete aber auch verfallene und plötzlich wieder neue Industriegebäude, die uns von rechts und links anstarren. Bis nach Schlüsselburg sind es derweil noch ungefähr 40 km. Dort wollen wir unmittelbar an den Toren zum riesigen Ladogasee das erste mal Halt machen. Mal schauen ob wir das so schaffen. Bald mehr …

P.S.:
Achso. Es tauchte jetzt schon mehrfach die Frage auf, wie wir das gerade mit der Diesel- und Wasserversorgung machen. Das ist in der Tat nicht immer einfach. Hier ist etwas Organisation, viel gutes zureden aber auch ein wenig Glück gefragt. In Schlüsselburg haben wir beispielsweise Diesel per Taxi an einer Tanke geholt. Dann zweimal mit den Crews von Barkassen Wasser und Brennstoff „getradet“, aber auch schon Wasser aus einer Quelle geschöpft und per Kanister zum Boot geschleppt.

Und Tschüss Tallin…

Stürmische Abfahrt.

“Sag mal Jan. Was ist denn eigentlich dieses rote Ampellicht am Hafenausgang.“ „Weiß nicht.“ „Na. Vielleicht wegen den Kreuzfahrern. Damit man dann nicht rausfährt, wenn die Manöver machen.“ Wir haben es plötzlich eilig Tallin zu verlassen. Es bläst seit unserer Ankunft im Hafen mit bis zu 30 Knoten. Ein sicheres Zeichen, dass es ungemütlich ist draußen. Die Prognose sagt 25 Knoten an. Und! In 24 Stunden soll der Wind drehen auf West. Das hieße 150sm Aufkreuzen gegenan. „Wir haben damit kein Problem. Easy.“, meint Mitsegler Martin. Unser Job ist es, es besser zu wissen. „Nö. Das brauchen wir nicht. Das braucht ihr nicht. Morgen Mittag um 12 Uhr legen wir ab.“

Frei-Tag Nacht auf Samstag erobern Jan und ich die Stadt. Nachts natürlich. Unsere Crew lädt uns zum Essen ein, damit wir entsprechend gestärkt sind. Danke nochmal. Wir treiben durch die Talliner Altstadt und finden DIE Cocktailbar. Der Barkeeper ist nett. Es gibt viele Leute, lange weibliche Beine und einen Barkeeper der uns unsere Wünsche von den Augen abliest. Erste Wahl das Butterfly. Irgendwann stehen alle auf und gehen in den nächsten angesagten Tanzschuppen. Venus heißt der Schuppen. Popowackeln ist angesagt. Neben der Bar tanzen Professionelle Tänzerinnen aus Emporen. Ne, nicht unbekleidet. Brav im Body. Später gibt es Gesang und Show. Gar nicht mal schlecht der Specht. Alles für acht Euronen Eintritt. Jan grinst. Ich drücke ihm ein Bier in die Hand. Der Morgen endet im Pilothaus. Draußen bläst es munter weiter aus Ost. „Segelwind Jan. Lass uns mal ne Mütze Schlaf holen.“

Punkt 12 Uhr legen wir ab. „Leinen los!“ Nur die Bugleine bleibt dran bis MARLIN sich in die Ausgangsposition in Windrichtung des kleinen Hafenbeckens positioniert hat. Denn mal los. „Die Ampel ist immer noch rot.“ „Aber was auf dem Schild steht kann doch kein Mensch lesen! Viel zu klein geschrieben.“ Ich drücke den Gashebel runter und lese noch im Vorbeifahren was von Pleasure Boat Rules. „Na mal gut dass wir ja ein Commercial Boat sind.“ Auf dem folgenden Kümo, vertäut an der Tankstelle, winkt einer aufgeregt mit zwei Armen. Ich schau besser mal weg. „Das fühlt sich sehr chilenisch an. Kaum hat’s Segelwind, schließen die den Hafen.“ Wir sind alleine auf weiter Flur. Im dritten Reff geht es flott auf Kurs nach Marieham – Aaland. Der Wind ist mit uns. Viel Wind. Sehr viel Wind. Die Nadel steht fast auf vierzig Knoten. Der Großbaum zieht immer mal wieder durchs Wasser. Wir haben so viel Schräglage, dass der Schwanenhals der Bordtoilette unter die Wasserlinie kommt und die Toilette fast überlaufen will. Na so was. Ich schließe das Eingangs-Ventil. „Toilette teilweise geschlossen. Ihr müsst eine Flasche Wasser zum Spülen mitnehmen.“ Allen geht es gut. Keiner ist seekrank und MARLIN rennt mit über 10 Knoten nach Westen. Alles gut.

Inzwischen ist es Nacht. Also was so Nacht ist. Dunkel war es gar nicht. Jan und ich teilen uns die Wache. Unsere Newbies dürfen sich aussuchen wann sie assentieren wollen. Der Wind lässt immer mehr nach. Aus 10 Knoten Fahrt werden knapp fünf bis sechs. Draußen bekommen wir Besuch von den Schären. Kleine Mücken fahren auf der Badeplattform mit. Mir ist es egal. Die Tür zum Cockpit ist eh zu und drinnen läuft die Heizung. Von Sommer keine Spur. Grade mal 13 Grad ist es draußen. Immerhin regnet es nicht. Noch 50 Meilen bis Mariehamn.

Wer mal mitsegeln will, der sollte sich unseren Schlag vom 08.07.2017 – 27.07.2017 Stockholm – Ålandinseln – Bottensee – Stockholm mal anschauen. Unser Expeditionstörn – Abenteuer pur. Mit der MARLIN bis ans Ende der Ostsee. Ein Platz wird verlost, wenn der Törn zustande kommt. Bisher haben wir immer noch nicht genügend Interessierte. Zwei fehlen noch. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Am besten einfach anrufen +49 157 51147894

 


 

Du willst auch mal mit? www.marlin-expeditions.com

 

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Argostoli, Amsterdam, Wesel

Am 23. Juni habe ich Nomade in Argostoli abgeschlossen, nochmal alle neun!!! Festmacher kontrolliert und mich auf den Weg zum Flughafen gemacht. Einchecken, einsteigen, abheben und einen letzten Blick aus der Luft aufs Schiff werfen, welches nun knapp 3 Monaten mein Zuhause war.
Einige Stunden später war ich dann in Amsterdam und nach ein paar Zugfahrten bin ich schließlich am Abend in Wesel angekommen. Sabrina, Filou, meine Nichte, meine Eltern und Benno waren da und ich habe mich riesig gefreut, alle wieder zu sehen.

So richtig begeistert war ich von dieser Unterbrechung der Reise trotzdem nicht. Aber es gibt einiges in Deutschland zu erledigen und in den letzten Wochen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass bei dem Reisetempo der letzten Zeit, in Italien der finanzielle Ruin drohen würde. Hafengebühren jenseits der 100€, ja sogar jenseits der 200€ sind dort in der Hochsaison keine Seltenheit. Nicht pro Monat oder Woche, pro Tag!
Für die Hochpreisgebiete des Mittelmeeres gibt es noch, oder besser gesagt wieder, zu viele Baustellen. Der Zustand des Schiffs verbessert sich zwar stetig, aber es kostet eben Zeit. Auch, weil es unterwegs schwierig ist an entsprechende Teile zu kommen. Und wenn, dann dauert es lange. Das zieht wieder einen Rattenschwanz an Verzögerungen nach sich.
Ich komme einfach viel langsamer vorwärts, als ich mir das erhofft hatte und da muss ich ganz klar sagen, dass mein Plan viel zu optimistisch war. Das Wetter war zwar auch nicht gerade optimal, aber wann ist es das schon? Nomade ist einfach noch zu sehr Baustelle und das ist nicht gut.
Und jetzt sieht es eben so aus, dass ein Aufbruch gen Westen schlicht unsinnig wäre. Ohnehin ist mir im Moment ein wenig die Lust auf Sizilien vergangen, nachdem ich von fast allen Crews, die mir aus dieser Richtung  in den letzten Wochen entgegen gekommen sind, viel negatives gehört habe und in Argostoli unfreiwillig Bekanntschaft mit einer Art traditionellem sizilianischen „Way of Life“ gemacht habe, der in Filmen oft romantisch verklärt wird. Die Realität sieht anders aus und ist für Betroffene teuer, oder riskant. Teuer, wenn man zahlt, riskant, wenn man nicht zahlt. Und noch riskanter wenn man nicht zahlt und seinen Mund aufmacht.
Ich zahle also „nur“ nicht und halte zähneknirschend meine Klappe.
Allerdings bin ich enttäuscht, dass sich die Gerüchte, die man immer mal wieder hört, bestätigt haben. Und das 250 Seemeilen weit entfernt von Sizilien!
Aber egal! Kefalonia lasse ich mir nicht von ein paar Einzelnen vermiesen. Hier habe ich viele liebe Menschen kennengelernt.

Mittlerweile bin ich seit einigen Tagen in Wesel, habe letzte Dinge an Camino erledigt und arbeite unter anderem die Einkaufsliste für Nomade ab. Für die nächste Zeit stehen noch diverse Sonderanfertigungen fürs Schiff auf dem Zettel und Törnplanung muss auch noch gemacht werden. Es gibt ja nicht nur Sizilien…

Eine kleine Bilanz können wir nach 3 Monaten auch mal ziehen und eine Einschätzung für die Zukunft abgeben. Habt ihrs gemerkt? Ich hab „wir“ gesagt! Denn das ist ganz wichtig, auch wenn ich in letzter Zeit meistens im Singular geschrieben habe, Sabrina ist natürlich, auch wenn wir weit voneinander entfernt sind, immer mit involviert und arbeitet im Hintergrund an der Reise und für die Reise!

Also, Bilanz zuerst:

Knapp 3 Monate an Bord, davon drei Wochen zu zweit und knapp zwei Wochen zu dritt
4 Törns zu zweit, 6 Törns Einhand
280 Seemeilen im Kielwasser

Im Verhältnis von Strecke zu Zeit an Bord sieht man ganz gut, dass ich kaum vorwärts gekommen bin. Ich habe eben mehr am Boot geschraubt als ich segeln konnte.
Daran wird sich auch in nächster Zeit nicht viel ändern. Wenn ich bald wieder nach Argostoli fliege, werde ich eine Weile mit Reparaturen beschäftigt sein.

Und nun die Einschätzung zu Nomade und zur Zukunft:

Nomade war für uns ein Überraschungsei, aber das war von vornherein klar bei diesem Tausch. Jetzt haben wir mit ihr aber immerhin die ersten Seemeilen zurückgelegt und es hat auch Einhand funktioniert. Davor hatte ich wirklich Bammel und auch jetzt muss ich sagen, so eine große Ketsch Einhand zu bewegen fällt mir noch nicht leicht. Sie ist allerdings auch noch nicht wirklich optimal ausgerüstet, das darf man nicht vergessen.
Im Hafen kann ich Nomade trotz der Größe gut bewegen. Allein durch die hohe Masse bleibt für viele Manöver mehr Zeit. Nur Seitenwind bereitet manchmal Probleme. Da ist der gemäßigte Langkiel mit Bugspriet von allen Typen so ziemlich der mit dem größten Handicap. Während das Heck durch die große Lateralfläche in diesem Bereich wie festgenagelt im Wasser liegt, fehlt diese am Bug und lässt ihn entsprechend driften. Fast 15 Meter Länge über Alles können dann ganz schön viel sein, wenn das Hafenbecken eng ist und gewendet oder rückwärts angelegt werden muss, zumal Nomade über keinen ausgeprägten Radeffekt verfügt, den man nutzen könnte.

Die Seegängigkeit hat uns sehr beeindruckt. Besonders der Einhandtörn bei Windstärke 8 im Golf von Korinth ist mir immer noch lebhaft und vor allem positiv im Gedächtnis. Keine Bauchklatscher, kein Knarzen. Geschmeidig durch die Wellen gedampft ist sie, die Suncoast 42.
Vom bisherigen Handling unter Segeln waren wir ebenfalls sehr angetan, auch wenn längst noch nicht alles optimal ist.

Und das leben an Bord? Sabrina mag es, ich mag es! Trotz einer Raumaufteilung im Salon, die nicht nach unserem Geschmack ist, trotz provisorischem Campingkocher. Wir haben Platz ohne Ende. Hafenkoller? Fehlanzeige!
Das ebene Flushdeck ist ebenfalls etwas, das wir an Nomade schätzen. Es kostet zwar Höhe unter Deck, aber bei 42 Fuß Rumpflänge spielt das praktisch keine Rolle. Das Arbeiten an Deck auf See fällt dadurch allerdings wesentlich leichter, vor allem im Bereich des Großmasts.
Mit dem Center Cockpit haben wir genau das gefunden wonach wir gesucht haben. Wir fühlen uns in der Mitte des Schiffs pudelwohl. Gefällt uns viel besser als am Heck zu sitzen. Seekrankheit? Keine Spur!

Vor einigen Monaten waren wir uns noch unsicher, ob die Suncoast 42 die richtige Größe hat, oder nicht eine Nummer zu groß für uns ist. Man muss auch klar sagen, das man auf kleineren Booten ebenfalls gut leben und damit segeln kann. Jetzt wo ich mich so langsam an die Abmessungen gewöhnt habe, möchte ich den Raum und die Reserven in alle Richtungen jedoch nicht mehr missen.
Nomade hat das Potenzial dauerhaft auf ihr leben und mit ihr segeln zu können. Bis es soweit ist werden natürlich noch Jahre vergehen, das ist klar.