Monatsarchive: Januar 2017

Jetzt aber mal los. Schnuppersegeln mit der MARLIN

Flensburg nach Sonderburg und zurück

Moin aus Flensburg. Lust mit der MARLIN zu segeln? Vielleicht im Sommer nach Schweden, Norwegen, Finnland oder sogar nach St. Petersburg? Aber wer segelt denn da und was ist das für ein Schiff? Wer ist der Skipper? Wie sehen die Kojen aus. Fragen über Fragen. Wer sich entscheidet zwei oder vielleicht sogar mehr Wochen in einem Schiff, mit anfänglich fremden Menschen zu sitzen, der tut gut daran sich vorab zu informieren. Was liegt da näher als einfach mal ein Wochenende in der Flensburger Förde mitzusegeln um zu sehen ob es passt?

Wir segeln raus. Im gemütlich warm geheizten Pilothaus der MARLIN lässt sich der Schnupper und Wochenendtörn prima auch im Winter erleben. Nach Anreise am Freitag, Kennenlernen und gemeinsamen Essen geht es am Samstag morgen raus in die Förde. Die bestellte leichte Brise erwischt uns hier von allen Seiten und beschleunigt die MARLIN schnell auf acht Knoten. Ach ist das geil. Am Steuer des 18 Meter Schiffes bist Du der Kapitän und bringst 30 Tonnen Alu auf den richtigen Kurs.

Je nach Wetterlage testen wir die verschiedensten Segel, von Sturmfock bis zum Gennaker. Mit gegen und am Wind. Wir lassen das Dinghy gemeinsam zu Wasser und vertreten uns die Beine an Land. Wir nutzen den Rocna Anker schon mal um ein Feeling davon zu bekommen, wie es im Sommer sein wird. Denn die MARLIN ist ein Expeditionsschiff, dass wenn nötig wochenlang ohne Hafen und Marina in den entlegensten Regionen dieser Erde unabhängig unterwegs sein kann. Allein schon das Schiff kennenzulernen macht diesen Schnuppertrip zu einem seglerischen Erlebnis.

Das Ende des Tages verbringen wir im dänischen Sonderburg oder vor Anker, je nach Crewentscheidung. Wir kochen, trinken und speisen zusammen. Natürlich wird es ein bisschen später und das Garn wird länger. Am Sonntag geht es dann wieder zurück nach Flensburg und endet, wenn die Zeit bleibt, bei einem gemütlichen Glas Grog mit einer Diashow des Weltumseglers Michael Wnuk.


Schnuppersegeln auf der Förde!
Vom 3.2.-5.2.17
vom 17.2.-19.2.17
und
vom 3.3.-5.3.17
vom 17.3.-19.3.17

Danach geht es am ersten April los durch die dänische Südsee bis nach Oslo, nach Schweden, nach Finnland und ST. Petersburg.
Mensch ich freu mich so. Und Du kommst mit.

Buche Deinen Platz hier: www.marlin-expeditions.com

Frohes neues Jahr

Urlaub

Ein paar Tage sind vorbeigegangen an mir, der MARLIN, Nathalie und den Kindern. Nach meinem Weihnachtsgruß gab es sicherlich ganz bewusst mal eine schöpferische Pause. Zeit für die Familie und Zeit um mich zu erholen. Ich habe sämtliche Medikamente abgesetzt. Das war gut. Meine große Schwester war da, ich habe meine Söhne in Düsseldorf gesehen, auch die Familie von Nathalie, Freundin Judith und Cemil. Das war auch gut. Freund Guido und Gudrun haben zu Lamm a la Jamie Oliver eingeladen und überhaupt, so wie alle anderen habe auch ich viel zu viel gegessen und getrunken und bestimmt zwei Kilo zugenommen. So habe ich alle gesehen die mir sehr wichtig sind. Die restlichen 12, die mir auch sehr wichtig sind, konnte ich nicht sehen, weil wir keine Zeit mehr hatten. Mit der Gewichtszunahme macht auch nix, die nehme ich ab morgen bestimmt wieder ab, wenn es Krankenhaus essen gibt. Zum letzten Mal.

“Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der älteste im ganzen Land?“ Klar schaue ich jeden Tag in den Spiegel. Manchmal habe ich mich ja gar nicht wiedererkannt, sondern einen fremden alten Mann gesehen, der mich traurig angeschaut hat. Jetzt kehrt sich der Prozess langsam wieder um. Ich werde wieder jünger, attraktiver, interessanter, fühle mich zumindestens so, versuche wieder zu lächeln. Es ist wohl das Bewusstsein, was sich ändert. Selbst-Bewusstsein, was wiederkommt. Langsam. Aber sicher.

Ich verbringe viel Zeit auf der MARLIN. Die Projekte kommen gut vorwärts. Die Heizung bekommt endlich puren Frostschutz und ist nun sicher bis -25 Grad, ein weiterer Heizkörper im Salon, der im Pilothaus, alle nehmen ihren Betrieb auf, mit der ganzen Familie geht es am Sylvester Tag auf’s Schiff. Räucherofen raus. Norwegisches Räuchermehl rein. Lachs drüber und nach nur 35 Minuten ist der Tisch first class gedeckt. Klassisch, wie jedes Jahr, feiern wir dem Nachbarskind Luna und ihren Eltern, Anja und Guy. Die Kinder geben Gas, die Eltern haben es lieber ruhig. Aber ganz Flensburg sieht das anders. Die fangen schon mal um 16 Uhr mit dem Einbruch der Dunkelheit an ihre pyromanische Ader raus zu lassen. Den Höhepunkt erreichen sie tatsächlich gegen 00:00 Uhr. Ich stehe etwas abseits, frage mich ob ich das nächste Sylvester auch erleben werde. „Geht gar nicht Wnuk! Solche Gedanken gibt es jetzt nicht mehr!“, ich ohrfeige mich selbst, schaue in den Himmel und ziehe an dem, was ich mir für die Sylvester Nacht gebaut habe.

Ich wünsche allen Lesern, Mitseglern, Freunden und Verwandten, Begleitern, Freunden, Bekannten und Unbekannten ein frohes neues Jahr, alles Gute, viel Geld, viel Glück in der Liebe und vor allen Dingen Gesundheit!

 


Schnuppersegeln auf der Förde! Vom 3.2.-5.2.17, vom 17.2.-19.2.17, vom 3.3-5.3.17 und vom 17.3.-19.3.17 Danach geht es am ersten April los durch die dänische Südsee bis nach Oslo. Mensch ich freu mich so. Und Du kommst mit. www.marlin-expeditions.com

 

Segeln im Winter (3): Von Jesolo nach Venedig. Von Frauen und Kälte.

Im Folgenden eine Beschreibung, wie es ist, 
mal zwischen Dezember und Januar auf der Nordadria
unterwegs zu sein, zwischen Triest und Venedig.

Schon im Sommer kann der Verkehr in Venedig auf dem Wasser für einen Segler stressig sein. Doch jetzt, am 2. Januar, ist alles, wie es auch im Sommer ist. Wassertaxis, die rasant schneiden. Vaporetti, die manndeckend wie Fußballspieler auf Körperkontakt nahe kommen. Lastkähne, die queren. Autofähren vom Lido, die auf der Giudecca heranziehen. Venedig auf einem Segelboot: Das Wasser brodelt, ist so aufgewühlt, dass selbst die siebeneinhalb Tonnen von LEVJE II davon beeindruckt sind und ins Schwanken kommen.

Doch berichten wir der Reihe nach. Im gestrigen Post schrieb ich über unseren ersten Seetag: Dass Nacht und Kälte so schnell über uns hereinbrachen, dass ich beschloss, vor dem Strand von Jesolo an der offenen Küste im Dunkel zu ankern. Was insofern ein Wagestück war, weil keine 60 Kilometer südlich für die Nacht Südwest 4-5 angesagt war. Ich schlief mit offenen Ohren und alle zwei Stunden wach, erwartend, vom Stampfen des Schiffes in einem auffrischenden Libeccio geweckt zu werden. Aber nichts geschah. Nur Morgens wurde es trotz Heizung kühl an Bord. Die Temperatur schien gegen Morgen unter Null gefallen zu sein.

Jesolo beim Aufwachen vom Meer aus gesehen: Ein Anblick wie ein abstraktes Gemälde. Menschenleere Appartmenthäuser, die den Betrachter anblicken wie gelangweilte Gesichter, die das Getriebe der Menschen leid und ledig sind und sich jede Nacht den Überdruss erzählen. Aber vielleicht ist den Gesichtern der Menschen Tun und Treiben auch egal. Oder nicht mal das. Kein Licht Nachts. Kein Mensch am Tag. Jesolo. Was könnte man schon für eine schönere Geschichte erzählen. Über den Menschen und seine Sachen, die er so in die Welt stellt.

Kommen wir nun zu einem anderen Thema, das Segeln im Januar im nördlichen Mittelmeer so mit sich bringt. Die Kälte. Und wie Frau damit umgeht. Nicht dass ich dächte, dass Mann und Frau – was Kälte angeht – grundsätzlich von Gott unterschiedlich geschaffen wären. Nein. Aber meine Frau ist, was Kälte angeht, wenig kompromissbereit. Aber sie liebt nun mal das Meer, weniger das Segeln, aber kalt geht gar nicht. Überhaupt gar nicht. Kalt? Macht man einfach nicht.

Wir machten halt doch. Und haben für unser Wintersegel-Experiment eingepackt, was einzupacken uns möglich war. Und gerne gebe ich die Liste weiter für alle, die ähnliche Vergnügen wie das Wintersegeln anstreben:

Drei Garnituren Ski-Unterwäsche. (Trägt Katrin. Sieht man aber – fast – nicht.)
Thermohose.
Die guten Seestiefel (Ich habe vor Jahren wirklich lange gerungen, ob ich die 200-250 Euro ausgeben soll. Ich muss nun nach fünf Wintern zugeben: Sie sind jeden Cent wert. Ohne im Winter auf dem Meer gar nicht. Sie sind ein Vergnügen,)
Ski-Handschuhe (2 Paar)
3 Pullover. Fleece. Wolle.
Die vor einem Jahrzehnt bei AMERICAN AIRLINES geklaute federleichte bulligwarme Fleece-Decke.

Ach ja. Und eine Skibrille. Denn wie man weiß, ist vor allem die Sache mit dem „Wind Chill Factor“ ausschlaggebend. Und die geht so: Das Thermometer unter der Sprayhood zeigt 14 Grad. Eigentlich frühlingshaft. Kaum dass wir beim Lido nach Venedig eingedreht sind, kommt der Wind voll von vorn. Und fühlt sich schneidend kalt an. Die Augen tränen. Sicht nur mehr eingeschränkt möglich.

_________________________

Am 1. Januar 2016 erschienen: Was man übers Segeln in Sizilien wissen muss:

Im Sommer 2016 umsegelte ich auf LEVJE Sizilien.
Dies ist der Reisebericht. Und die Beschreibung eines Segelsommers 
und einer Reise um eine Insel, die ihresgleichen sucht.
Mit Anhang für Segler mit „Do’s & Don’ts“, Häfen, Marinas, Internet.

JETZT als erschienen als PRINT oder als EBook ab € 9,99

sowie in jeder Buchhandlung oder bei AMAZON.
________________________________

Aber weil die Einfahrt nach Venedig ja nun mal wirklich zum schönsten gehört, was man einem Menschen, der das Meer liebt, schenken kann, ist die Kälte eigentlich an diesem Tag – ein wohliger Bestandteil des Ganzen. Sie ist unzweifelhaft da. Die Augen brennen, Die Hände sind kalt. Sie ist Bestandteil unserer Reise. Es ist irgendwie stimmig. Der Winter, der späte Herbst, sie sind nun mal die beste Reisezeit. Wenn die Gesichter von Jesolo zu den Gesichtern zu Jesolo werden. Wenn die Welt wieder sich selbst überlassen ist. Wenn nur ein paar Fischer in wattierten Jacken draussen sind.

Wenn das Licht über Venedig milchig wird. Und die Brücken in der Stadt noch federleichter aussehen. Und wenn: Venedig still und leise seinen eigenen Gang geht. Jedenfalls in den östlichsten beiden Stadtvierteln in Sant‘ Elena und in Castello. Immer wieder zieht es mich hierher – was einerseits taktische Überlegungen hat: Hier gibt es gleich zwei Marinas. Und man ist zu Fuß in zwanzig Minuten bei San Marco.

Aber das Taktische erklärt den Zauber von Castello und Sant’Elena nur teilweise.

In Sant’Elena leben die einfachen Leute. Es ist das Viertel der Handwerker, der Mechaniker, der nautischen Werkstätten, der ACTV-Werften und der Lastkahn-Steuerer. Sant’Elena ist irgendwie normal, bescheiden, ja mehr als das. Jedes Mal, wenn ich hierher komme, ist der Gang durchs Viertel für mich Balsam auf die Seele. Es ist heilsam. Beruhigend. Nichts Schreiendes stürzt sich ins Auge. Nie war Sant’Elena so wertvoll wie heute. Weite Gassen, durch die ein paar Schulkinder laufen, rechtwinklig angelegt, dass ich denke: Was für ein Vergnügen das für die Kinder sein muss, um die Häuser herum Verstecken zu spielen.

Zur Normalität von Sant’Elena kommt noch hinzu, dass heute, am 2. Januar offensichtlich die Frauen von Sant’Elena sich zu einem Waschtag verabredet haben. Der Kälte trotzend, hängt im ganzen Viertel die Wäsche über den Straßen. Kaum Menschen. Aber dafür Wäsche zum Trocknen, die schlapp im Wind wedelt. Ein Anblick, der mich an meine Kindheit erinnert,

Was beileibe nicht bedeutet, dass Sant’Elena und Castello nur bei frischgewaschener Wäsche punkten. Es strotzt vor stillen pittoresken Winkeln wie dem einstigen Kreuzgang von San Pietro di Castello, die Jahrhunderte der eigentliche Dom von Venedig war, als der Markusdom ausschließlich „Regierungskirche“ war. Dass hier einmal das große Leben war, erzählt der alte Kreuzgang. Geschichte ist, wenn Dinge sich selbst überlassen werden, einen Augenblick, und nicht im Dienst von irgendwas und irgendwem stehen, sondern einfach nur sich selber gehören.

Und so endet unser Spaziergang durch den Osten Venedigs, als das Licht schwächer wird und schwächer. Und die Kälte des frühen Abends durch die vielen Kleidungsstücke dringt. Und in den Gassen von Castello das Leuchten des Tages erlischt und nur noch in der Ferne über der Giudecca die Kuppeln Santa Maria delle Salute einen Hauch davon bewahrten.

________________________

Am 1. Januar 2016 erschienen: Mein neues Buch über Sizilien.
Ich freue mich, wenn Sie mehr von MARE PIU lesen wollen:

Im Sommer 2016 umsegelte ich auf LEVJE Sizilien.
Dies ist der Reisebericht. Und die Beschreibung eines Segelsommers 
um eine widerspenstige Schöne. Und eine Insel, die ihresgleichen sucht.
Mit Anhang für Segler mit „Do’s & Don’ts“, Häfen, Marinas, Internet.

JETZT als erschienen als PRINT oder als EBook ab € 9,99
sowie in jeder Buchhandlung oder bei AMAZON.


Segeln im Winter (3): Von Jesolo nach Venedig. Von Frauen und Kälte.

Im Folgenden eine Beschreibung, wie es ist, 
mal zwischen Dezember und Januar auf der Nordadria
unterwegs zu sein, zwischen Triest und Venedig.

Schon im Sommer kann der Verkehr in Venedig auf dem Wasser für einen Segler stressig sein. Doch jetzt, am 2. Januar, ist alles, wie es auch im Sommer ist. Wassertaxis, die rasant schneiden. Vaporetti, die manndeckend wie Fußballspieler auf Körperkontakt nahe kommen. Lastkähne, die queren. Autofähren vom Lido, die auf der Giudecca heranziehen. Venedig auf einem Segelboot: Das Wasser brodelt, ist so aufgewühlt, dass selbst die siebeneinhalb Tonnen von LEVJE II davon beeindruckt sind und ins Schwanken kommen.

Doch berichten wir der Reihe nach. Im gestrigen Post schrieb ich über unseren ersten Seetag: Dass Nacht und Kälte so schnell über uns hereinbrachen, dass ich beschloss, vor dem Strand von Jesolo an der offenen Küste im Dunkel zu ankern. Was insofern ein Wagestück war, weil keine 60 Kilometer südlich für die Nacht Südwest 4-5 angesagt war. Ich schlief mit offenen Ohren und alle zwei Stunden wach, erwartend, vom Stampfen des Schiffes in einem auffrischenden Libeccio geweckt zu werden. Aber nichts geschah. Nur Morgens wurde es trotz Heizung kühl an Bord. Die Temperatur schien gegen Morgen unter Null gefallen zu sein.

Jesolo beim Aufwachen vom Meer aus gesehen: Ein Anblick wie ein abstraktes Gemälde. Menschenleere Appartmenthäuser, die den Betrachter anblicken wie gelangweilte Gesichter, die das Getriebe der Menschen leid und ledig sind und sich jede Nacht den Überdruss erzählen. Aber vielleicht ist den Gesichtern der Menschen Tun und Treiben auch egal. Oder nicht mal das. Kein Licht Nachts. Kein Mensch am Tag. Jesolo. Was könnte man schon für eine schönere Geschichte erzählen. Über den Menschen und seine Sachen, die er so in die Welt stellt.

Kommen wir nun zu einem anderen Thema, das Segeln im Januar im nördlichen Mittelmeer so mit sich bringt. Die Kälte. Und wie Frau damit umgeht. Nicht dass ich dächte, dass Mann und Frau – was Kälte angeht – grundsätzlich von Gott unterschiedlich geschaffen wären. Nein. Aber meine Frau ist, was Kälte angeht, wenig kompromissbereit. Aber sie liebt nun mal das Meer, weniger das Segeln, aber kalt geht gar nicht. Überhaupt gar nicht. Kalt? Macht man einfach nicht.

Wir machten halt doch. Und haben für unser Wintersegel-Experiment eingepackt, was einzupacken uns möglich war. Und gerne gebe ich die Liste weiter für alle, die ähnliche Vergnügen wie das Wintersegeln anstreben:

Drei Garnituren Ski-Unterwäsche. (Trägt Katrin. Sieht man aber – fast – nicht.)
Thermohose.
Die guten Seestiefel (Ich habe vor Jahren wirklich lange gerungen, ob ich die 200-250 Euro ausgeben soll. Ich muss nun nach fünf Wintern zugeben: Sie sind jeden Cent wert. Ohne im Winter auf dem Meer gar nicht. Sie sind ein Vergnügen,)
Ski-Handschuhe (2 Paar)
3 Pullover. Fleece. Wolle.
Die vor einem Jahrzehnt bei AMERICAN AIRLINES geklaute federleichte bulligwarme Fleece-Decke.

Ach ja. Und eine Skibrille. Denn wie man weiß, ist vor allem die Sache mit dem „Wind Chill Factor“ ausschlaggebend. Und die geht so: Das Thermometer unter der Sprayhood zeigt 14 Grad. Eigentlich frühlingshaft. Kaum dass wir beim Lido nach Venedig eingedreht sind, kommt der Wind voll von vorn. Und fühlt sich schneidend kalt an. Die Augen tränen. Sicht nur mehr eingeschränkt möglich.

Aber weil die Einfahrt nach Venedig ja nun mal wirklich zum schönsten gehört, was man einem Menschen, der das Meer liebt, schenken kann, ist die Kälte eigentlich an diesem Tag – ein wohliger Bestandteil des Ganzen. Sie ist unzweifelhaft da. Die Augen brennen, Die Hände sind kalt. Sie ist Bestandteil unserer Reise. Es ist irgendwie stimmig. Der Winter, der späte Herbst, sie sind nun mal die beste Reisezeit. Wenn die Gesichter von Jesolo zu den Gesichtern zu Jesolo werden. Wenn die Welt wieder sich selbst überlassen ist. Wenn nur ein paar Fischer in wattierten Jacken draussen sind.

Wenn das Licht über Venedig milchig wird. Und die Brücken in der Stadt noch federleichter aussehen. Und wenn: Venedig still und leise seinen eigenen Gang geht. Jedenfalls in den östlichsten beiden Stadtvierteln in Sant‘ Elena und in Castello. Immer wieder zieht es mich hierher – was einerseits taktische Überlegungen hat: Hier gibt es gleich zwei Marinas. Und man ist zu Fuß in zwanzig Minuten bei San Marco.

Aber das Taktische erklärt den Zauber von Castello und Sant’Elena nur teilweise.

In Sant’Elena leben die einfachen Leute. Es ist das Viertel der Handwerker, der Mechaniker, der nautischen Werkstätten, der ACTV-Werften und der Lastkahn-Steuerer. Sant’Elena ist irgendwie normal, bescheiden, ja mehr als das. Jedes Mal, wenn ich hierher komme, ist der Gang durchs Viertel für mich Balsam auf die Seele. Es ist heilsam. Beruhigend. Nichts Schreiendes stürzt sich ins Auge. Nie war Sant’Elena so wertvoll wie heute. Weite Gassen, durch die ein paar Schulkinder laufen, rechtwinklig angelegt, dass ich denke: Was für ein Vergnügen das für die Kinder sein muss, um die Häuser herum Verstecken zu spielen.

Zur Normalität von Sant’Elena kommt noch hinzu, dass heute, am 2. Januar offensichtlich die Frauen von Sant’Elena sich zu einem Waschtag verabredet haben. Der Kälte trotzend, hängt im ganzen Viertel die Wäsche über den Straßen. Kaum Menschen. Aber dafür Wäsche zum Trocknen, die schlapp im Wind wedelt. Ein Anblick, der mich an meine Kindheit erinnert,

Was beileibe nicht bedeutet, dass Sant’Elena und Castello nur bei frischgewaschener Wäsche punkten. Es strotzt vor stillen pittoresken Winkeln wie dem einstigen Kreuzgang von San Pietro di Castello, die Jahrhunderte der eigentliche Dom von Venedig war, als der Markusdom ausschließlich „Regierungskirche“ war. Dass hier einmal das große Leben war, erzählt der alte Kreuzgang. Geschichte ist, wenn Dinge sich selbst überlassen werden, einen Augenblick, und nicht im Dienst von irgendwas und irgendwem stehen, sondern einfach nur sich selber gehören.

Und so endet unser Spaziergang durch den Osten Venedigs, als das Licht schwächer wird und schwächer. Und die Kälte des frühen Abends durch die vielen Kleidungsstücke dringt. Und in den Gassen von Castello das Leuchten des Tages erlischt und nur noch in der Ferne über der Giudecca die Kuppeln Santa Maria delle Salute einen Hauch davon bewahrten.

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Am 1. Januar 2016 erschienen: Mein neues Buch über Sizilien.
Ich freue mich, wenn Sie mehr von MARE PIU lesen wollen:

Im Sommer 2016 umsegelte ich auf LEVJE Sizilien.
Dies ist der Reisebericht. Und die Beschreibung eines Segelsommers 
um eine widerspenstige Schöne. Und eine Insel, die ihresgleichen sucht.
Mit Anhang für Segler.
JETZT als erschienen als PRINT oder als EBook ab € 9,99
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Der "Sailing Bassman" mit Vortrag und Live-Konzerten auf der BOOT 2017

Am 28.1. 1130h bis 1200h auf der Segel Center Bühne in Halle 15

Da mein neuer Vortrag auf der HANSEBOOT schon  so gut angenommen wurde, bin ich froh ihn auf der BOOT dank meinem Verlag millemari. wieder halten zu können. Ich war mit meinem 40 Jahre alten Boot 160 Tage in den schwedischen Schären unterwegs und berichte von diesem weltweit einzigartigen Segelrevier in einem Multimedia-Vortrag mit Live-Musik. Neben tollen Bildern aus meinem Buch „SchärenSegeln“ und dem Film „Zeitmillionär“ gibt es dazu natürlich auch wertvolle Tipps zum Einhandsegeln, zu Auszeit und Ausrüstung. Nach dem Vortrag stehe ich gerne für weitere Fragen zur Verfügung. Begleiten wird mich mein irischer Freund und Sänger/Gitarrist Dara McNamara. Und natürlich spielen wir dabei auch den Sommerhit: „Ich geh‘ segeln“.


Aber das ist mir noch nicht genug Musik, denn in meinem Vortrag haben leider nur 2 Songs Platz. Daher werden wir am gleichen Tag von 1700h bis 1800h am Stand des italienischen Marinaverbundes FVG in Halle 13, Stand 13D74 ein weiteres Konzert geben. Dort gibt es dann neben Titeln aus meinem Album „Zeitmillionär“ noch weitere relaxte Songs zu hören um den Messetag perfekt ausklingen zu lassen. Nebenbei gibt es dort übrigens auch noch eine Verlosung mit interessanten Preisen (italienische Weine, Übernahme von Liegegebühren…) des Marinaverbundes. Also unbedingt vorbeikommen und mitfeiern :-)
Übrigens: Am gleichen Stand wird es an den anderen Tagen auch weitere interessante Vorträge der millemari. Autoren Thomas Käsbohrer, Holger Peterson und Sebastian Janotta geben. 

Markus Silbergasser vom tollen Segelblog www.untersegeln.eu ist ebenfalls auf der gleichen Bühne zu sehen am:

Samstag, 21.01. um 12:30 bis 12:45 Uhr
Montag, 23.01. um 11:45 bis 12:00 Uhr
Dienstag, 24.01. um 14:00 Uhr bis 14:15 Uhr

http://www.untersegeln.eu/segelreviere/segeln-griechenland/segeln-ionisches-meer/

Der "Sailing Bassman" mit Vortrag und Live-Konzerten auf der BOOT 2017

Am 28.1. 1130h bis 1200h auf der Segel Center Bühne in Halle 15

Da mein neuer Vortrag auf der HANSEBOOT schon  so gut angenommen wurde, bin ich froh ihn auf der BOOT dank meinem Verlag millemari. wieder halten zu können. Ich war mit meinem 40 Jahre alten Boot 160 Tage in den schwedischen Schären unterwegs und berichte von diesem weltweit einzigartigen Segelrevier in einem Multimedia-Vortrag mit Live-Musik. Neben tollen Bildern aus meinem Buch „SchärenSegeln“ und dem Film „Zeitmillionär“ gibt es dazu natürlich auch wertvolle Tipps zum Einhandsegeln, zu Auszeit und Ausrüstung. Nach dem Vortrag stehe ich gerne für weitere Fragen zur Verfügung. Begleiten wird mich mein irischer Freund und Sänger/Gitarrist Dara McNamara. Und natürlich spielen wir dabei auch den Sommerhit: „Ich geh‘ segeln“.


Aber das ist mir noch nicht genug Musik, denn in meinem Vortrag haben leider nur 2 Songs Platz. Daher werden wir am gleichen Tag von 1700h bis 1800h am Stand des italienischen Marinaverbundes FVG in Halle 13, Stand 13D74 ein weiteres Konzert geben. Dort gibt es dann neben Titeln aus meinem Album „Zeitmillionär“ noch weitere relaxte Songs zu hören um den Messetag perfekt ausklingen zu lassen. Nebenbei gibt es dort übrigens auch noch eine Verlosung mit interessanten Preisen (italienische Weine, Übernahme von Liegegebühren…) des Marinaverbundes. Also unbedingt vorbeikommen und mitfeiern :-)
Übrigens: Am gleichen Stand wird es an den anderen Tagen auch weitere interessante Vorträge der millemari. Autoren Thomas Käsbohrer, Holger Peterson und Sebastian Janotta geben. 

Markus Silbergasser vom tollen Segelblog www.untersegeln.eu ist ebenfalls auf der gleichen Bühne zu sehen am:

Samstag, 21.01. um 12:30 bis 12:45 Uhr
Montag, 23.01. um 11:45 bis 12:00 Uhr
Dienstag, 24.01. um 14:00 Uhr bis 14:15 Uhr

http://www.untersegeln.eu/segelreviere/segeln-griechenland/segeln-ionisches-meer/

Segeln im Winter (2): An Neujahr über die Adria nach Venedig. Und: Ein NEUES BUCH bei millemari.

Im Folgenden eine Beschreibung, wie es ist, 
mal zwischen Dezember und Januar auf der Nordadria
unterwegs zu sein, zwischen Triest und Venedig.

Foto: Katrin von Canal

Die Farben.
Es sind wieder einmal die Farben, die den Winter auf dem Meer in Italien ausmachen.

Wir befinden uns in dem kleinen Städtchen Marano an den Lagunen von Grado. Ein kleines Städtchen, erbaut über einer Festung im Wasser auf einer Schlickinsel, von der nichts geblieben ist. Mit Fabrikgebäuden, die längst keine mehr sind. Am Wasser steht die kleine Bar AL MOLO von Martina Zuttion. Es hat acht Grad. Es ist Nachmittag. Die Sonne scheint durch das Glas mit Tocai, den Martina dort ausschenkt. Die Welt: Sie dreht sich richtig rum an diesem 31. Dezember 2016.

Foto: Katrin von Canal

Dass sie sich richtig rum dreht, hat aber mit den Farben im vergessenen Örtchen Marano zu tun. Die einfache Hauswand, deren Rot gierig sämtliche Rottöne des Sonnenlichts herausfiltert, herausquetscht, um gleich noch intensiver im Rot zu leuchten. Das Blau der Gezeiten, die langsam unter der rostigen Brücke hindurchschieben, Richtung Meer. Wieder einmal ist alles so viel intensiver für mich am Meer. Als wäre im Meerwasser irgendeine Substanz enthalten, die in meinem Gehirn jedes Mal wieder für einen Ausstoß von Glückshormonen sorgt. Irgendeine Stofflichkeit, die mich alles intensiver sehen, intensiver hören lässt. Selbst Händels Arien, die wir in der Silvesternacht vom Boot über den fast verlassenen Hafen senden: Sie klingen noch einmal so intensiv im Frosthauch über LEVJE.

Foto: Katrin von Canal

Die Sonne geht spät auf, erst Viertel vor acht. Nachts hat es im Hafen um die Null Grad. Ich oute mich, wenn ich zugebe, dass ich die Heizung nachts laufen lasse, bei Null Grad ginge es auch mit drei, vier Decken, aber die neue LEVJE, die ich nun seit einigen Monaten mein Eigen nenne, bietet einige Annehmlichkeiten für das Reisen im Winter. Es ginge auch ohne. Aber schöner ist „mit“.

Viertel vor acht also. Ich schaue aus dem Fenster. Und: schon wieder Farben. Die Pinien am Ufer des kleinen Hafens MARINA DI SANGIORGIO. Sattes Kiefernnadelgrün, das sich vor den schneebedeckten Gipfeln im Norden erhebt. Die Alpen aus Süden, aus dem Friaul: Sie sehen anders aus als unsere Alpen in Bayern. Es hat einfach damit zu tun, dass die Sonne sie von Süden beleuchtet.  Im zarten Rot des Morgens sehen sie einfach aus wie Berge des Himalaya. Wie Berge, auf denen die Götter wohnen.

Wir trödeln mit Frühstück herum. Es wird elf, bis LEVJEs Motor in der Kälte anspringt und wir aus dem Hafen langsam hinausziehen durch einen dichtgedrängten Fischschwarm. So reglos und dicht stehen die Fische, als würden sie sich wegen der Kälte reglos aneinanderschmiegen, dass das Echolot plötzlich nur noch 1,70 Meter anzeigt, als wir über die Tausende Fischleiber des kalten Brackwassers hinausgleiten.

Foto: Katrin von Canal

Nach dem Ablegen: Wieder Farben. Über den Fluss hinaus Richtung Lagunen. Das Braun des Schilfs. Die Götterberge hinter uns. Ein kleines Fischerhüttchen ganz rechts auf einer Schlickbank. Und dann: Meine Lieblings-Meeresfarbe: Das Blaugrüngrau der nördlichen Adria. Ich versage es mir, nun wieder einmal darüber zu schreiben, über diese Farbe, die es nur an bestimmten Orten gibt: In der Nordadria. Vor dem Gargano. Und: Im Süden Siziliens. Überall dort, wo Flüsse bestimmte Gesteins- und sonstige Sedimente ins Meer spülen. Es ist, als … nein! Ich sage jetzt nichts weiter darüber. Diese Farbe, weil sie eine der schönsten Farben des Meeres ist, haben wir auf millemari.’s neuestes Buch vorne draufgenommen – siehe am Ende dieses Posts.

Foto: Katrin von Canal

Etwa eineinviertel Stunden dauert die Fahrt aus dem Flusshafen hinaus dorthin, wo die großen, ewig langen Sandbänke liegen, die die Lagunen trennen vom Meer. Die Lagunen, die Lignano bis Grado reichen: Man kann sie nur durch drei Zufahrten zwischen den Sandbänken erreichen. Die Wasserwüste hinter den Sandbänken ist nur zwischen den Dalben befahrbar. Wer rechts oder links hinausführe, würde schnell unweigerlich mit dem Kiel im Schlick steckenbleiben. So unendlich wie die Wasserwüste aussieht: Die hat außerhalb der Dalbenstraßen meist keinen Meter Wassertiefe.
So sanft sind die Farben, so duftig sind sie, dass ich meine, ich könnte schweben in dem großen Blau, das mich umgibt. Als würde dieses Blau alles Gewicht von mir nehmen, es fällt von mir ab und für Sekundenbruchteile denke ich wirklich: Ich bin nur noch ein schwebendes Teilchen, irgendwo in den Myriaden von Blau.

Nach Venedig sind es neun Stunden. Aber weil Katrin und ich zu lang herumgetrödelt haben am Vormittag, holt uns der Sonnenuntergang schnell ein. 17.39 Uhr. Bis halb drei konnte man im Pullover herumlaufen. Dann kam etwas Wind auf. Wir holen uns schnell die dicken Segeljacken, drei Lagen Hosen tragen wir eh übereinander, alles, aber auch wirklich alles hat seinen Preis. Aber um diese Farben zu sehen, dieses ölig-teerige tiefe Schwarzblau, das das Meer nun zeigt: Dafür würde ich schon weit laufen. Und: den orangen Saum, den die Sonne noch eine Viertelstunde über die Kim wirft und über die Lichter, die an den verlassenen Uferstraßen angehen.

Weil die Nacht ruhig scheint, weil es kalt wird, beschließen wir, draußen einfach offen auf dem Meer zu ankern. Ich habe LEVJE II einfach mit dem schwindenden Licht des orangen Saums nahe ans Ufer gesteuert. Habe ihren Anker einfach auf dem offenen Meer vor dem Strand von Jesolo auf 4,50 Meter Wassertiefe fallen lassen. Ich hoffe, dass die Wetterberichte recht haben. Und die Südwest 4-5 erst morgen Vormittag beginnen, auflandig auf die Strände von Jesolo zu wehen. Wenn nicht: Muss ich heute Nacht raus, in die Kälte. Es hat um die Null Grad unter dem klaren Sternenhimmel.

Hoffen wir also auf eine ruhige Nacht. Auf LEVJE, die sich sanft in der Kälte vor dem Strand von Jesolo wiegt.

Morgen geht es weiter mit:
Ankunft am Vormittag in Venedig.
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Am heutigen 1. Januar 2016 erschienen: Mein neues Buch über Sizilien.
Ich freue mich, wenn Sie mehr von MARE PIU lesen wollen:

Die Beschreibung eines Segelsommers um eine widerspenstige Schöne.
Mit Anhang für Segler.
JETZT als erschienen als PRINT oder als EBook ab € 9,99
sowie in jeder Buchhandlung oder bei AMAZON.

Segeln im Winter (2): An Neujahr über die Adria nach Venedig. Und NEUES BUCH bei millemari.

Im Folgenden eine Beschreibung, wie es ist, 
mal zwischen Dezember und Januar auf der Nordadria
unterwegs zu sein, zwischen Triest und Venedig.

Foto: Katrin von Canal

Die Farben.
Es sind wieder einmal die Farben, die den Winter auf dem Meer in Italien ausmachen.

Wir befinden uns in dem kleinen Städtchen Marano an den Lagunen von Grado. Ein kleines Städtchen, erbaut über einer Festung im Wasser auf einer Schlickinsel, von der nichts geblieben ist. Mit Fabrikgebäuden, die längst keine mehr sind. Am Wasser steht die kleine Bar AL MOLO von Marina Zuttion. Es hat acht Grad. Es ist Nachmittag. Die Sonne scheint durch das Glas mit Tocai, den Martina dort ausschenkt. Die Welt: Sie dreht sich richtig rum an diesem 31. Dezember 2016.

Foto: Katrin von Canal

Dass sie sich richtig rum dreht, hat aber mit den Farben im vergessenen Örtchen Marano zu tun. Die einfache Hauswand, deren Rot gierig sämtliche Rottöne des Sonnenlichts herausfiltert, herausquetscht, um gleich noch intensiver im Rot zu leuchten. Das Blau der Gezeiten, die langsam unter der rostigen Brücke hindurchschieben, Richtung Meer. Wieder einmal ist alles so viel intensiver für mich am Meer. Als wäre im Meerwasser irgendeine Substanz enthalten, die in meinem Gehirn jedes Mal wieder für einen Ausstoß von Glückshormonen sorgt. Irgendeine Stofflichkeit, die mich alles intensiver sehen, intensiver hören lässt. Selbst Händels Arien, die wir in der Silvesternacht vom Boot über den fast verlassenen Hafen senden: Sie klingen noch einmal so intensiv im Frosthauch über LEVJE.

Foto: Katrin von Canal

Die Sonne geht spät auf, erst Viertel vor acht. Nachts hat es im Hafen um die Null Grad. Ich oute mich, wenn ich zugebe, dass ich die Heizung nachts laufen lasse, bei Null Grad ginge es auch mit drei, vier Decken, aber die neue LEVJE, die ich nun seit einigen Monaten mein Eigen nenne, bietet einige Annehmlichkeiten für das Reisen im Winter. Es ginge auch ohne. Aber schöner ist „mit“.

Viertel vor acht also. Ich schaue aus dem Fenster. Und: schon wieder Farben. Die Pinien am Ufer des kleinen Hafens MARINA DI SANGIORGIO. Sattes Kiefernnadelgrün, das sich vor den schneebedeckten Gipfeln im Norden erhebt. Die Alpen aus Süden, aus dem Friaul: Sie sehen anders aus als unsere Alpen in Bayern. Es hat einfach damit zu tun, dass die Sonne sie von Süden beleuchtet.  Im zarten Rot des Morgens sehen sie einfach aus wie Berge des Himalaya. Wie Berge, auf denen die Götter wohnen.

Wir trödeln mit Frühstück herum. Es wird elf, bis LEVJEs Motor in der Kälte anspringt und wir aus dem Hafen langsam hinausziehen durch einen dichtgedrängten Fischschwarm. So reglos und dicht stehen die Fische, als würden sie sich wegen der Kälte reglos aneinanderschmiegen, dass das Echolot plötzlich nur noch 1,70 Meter anzeigt, als wir über die Tausende Fischleiber des kalten Brackwassers hinausgleiten.

Foto: Katrin von Canal

Nach dem Ablegen: Wieder Farben. Über den Fluss hinaus Richtung Lagunen. Das Braun des Schilfs. Die Götterberge hinter uns. Ein kleines Fischerhüttchen ganz rechts auf einer Schlickbank. Und dann: Meine Lieblings-Meeresfarbe: Das Blaugrüngrau der nördlichen Adria. Ich versage es mir, nun wieder einmal darüber zu schreiben, über diese Farbe, die es nur an bestimmten Orten gibt: In der Nordadria. Vor dem Gargano. Und: Im Süden Siziliens. Überall dort, wo Flüsse bestimmte Gesteins- und sonstige Sedimente ins Meer spülen. Es ist, als … nein! Ich sage jetzt nichts weiter darüber. Diese Farbe, weil sie eine der schönsten Farben des Meeres ist, haben wir auf millemari.’s neuestes Buch vorne draufgenommen – siehe am Ende dieses Posts.

Foto: Katrin von Canal

Etwa eineinviertel Stunden dauert die Fahrt aus dem Flusshafen hinaus dorthin, wo die großen, ewig langen Sandbänke liegen, die die Lagunen trennen vom Meer. Die Lagunen, die Lignano bis Grado reichen: Man kann sie nur durch drei Zufahrten zwischen den Sandbänken erreichen. Die Wasserwüste hinter den Sandbänken ist nur zwischen den Dalben befahrbar. Wer rechts oder links hinausführe, würde schnell unweigerlich mit dem Kiel im Schlick steckenbleiben. So unendlich wie die Wasserwüste aussieht: Die hat außerhalb der Dalbenstraßen meist keinen Meter Wassertiefe.
So sanft sind die Farben, so duftig sind sie, dass ich meine, ich könnte schweben in dem großen Blau, das mich umgibt. Als würde dieses Blau alles Gewicht von mir nehmen, es fällt von mir ab und für Sekundenbruchteile denke ich wirklich: Ich bin nur noch ein schwebendes Teilchen, irgendwo in den Myriaden von Blau.

Nach Venedig sind es neun Stunden. Aber weil Katrin und ich zu lang herumgetrödelt haben am Vormittag, holt uns der Sonnenuntergang schnell ein. 17.39 Uhr. Bis halb drei konnte man im Pullover herumlaufen. Dann kam etwas Wind auf. Wir holen uns schnell die dicken Segeljacken, drei Lagen Hosen tragen wir eh übereinander, alles, aber auch wirklich alles hat seinen Preis. Aber um diese Farben zu sehen, dieses ölig-teerige tiefe Schwarzblau, das das Meer nun zeigt: Dafür würde ich schon weit laufen. Und: den orangen Saum, den die Sonne noch eine Viertelstunde über die Kim wirft und über die Lichter, die an den verlassenen Uferstraßen angehen.

Weil die Nacht ruhig scheint, weil es kalt wird, beschließen wir, draußen einfach offen auf dem Meer zu ankern. Ich habe LEVJE II einfach mit dem schwindenden Licht des orangen Saums nahe ans Ufer gesteuert. Habe ihren Anker einfach auf dem offenen Meer vor dem Strand von Jesolo auf 4,50 Meter Wassertiefe fallen lassen. Ich hoffe, dass die Wetterberichte recht haben. Und die Südwest 4-5 erst morgen Vormittag beginnen, auflandig auf die Strände von Jesolo zu wehen. Wenn nicht: Muss ich heute Nacht raus, in die Kälte. Es hat um die Null Grad unter dem klaren Sternenhimmel.

Hoffen wir also auf eine ruhige Nacht. Auf LEVJE, die sich sanft in der Kälte vor dem Strand von Jesolo wiegt.

Morgen geht es weiter mit:
Ankunft am Vormittag in Venedig.
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2017

Wir wünschen euch ein wunderbares neues Jahr!

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