Monatsarchive: Oktober 2016

Erfahrungsbericht Panamakanal

pferdmenges

von Irene van Adrichem und Georg Pferdmenges

Auf Weltumsegelung seit 2015 mit ihren Kindern Mia und Noah

Die Durchquerung des Panamakanals wirft bei vielen Seglern vorab etliche Fragen auf. Wir haben ihn in diesem Frühjahr passiert und geben daher an dieser Stelle unsere Erfahrungen weiter – vielleicht hilft es euch.

Im Vorwege der Passage müssen einige formale Dinge organisiert werden, auf die wir im Folgenden eingehen werden. Nicht wenige Yachties buchen dafür einen Agenten, der die Kanaldurchfahrt organisiert und dafür ca. 350 US-Dollar kassiert. Daneben gibt es auch hin und wieder Boote, die alles alleine regeln. Das schien laut Schilderungen dieser Segler auch nicht so kompliziert zu sein. Also legten auch wir ohne Vermittler los. Wir fragten uns immer wieder, ob wir was vergessen würden, denn die Schritte waren klar. Den Mehrwert eines Agenten konnten wir nicht erkennen.

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Der Panamakanal

Und tatsächlich: Die Organisation ist wirklich recht simpel und kann durchaus eigenständig erledigt werden. Sie besteht aus sechs Schritten:

1. Vermessungstermin vereinbaren

Wir würden empfehlen von Linton Bay oder Portobelo aus (35 Semeilen von Colon entfernt) einen Vermessungstermin zu vereinbaren. Sollte es Wartezeiten geben, liegt man dort definitiv günstiger (Marina oder vor Anker in Linton Bay/in Portobello nur vor Anker möglich) und angenehmer als in Colon am Club Nautico, den Flats oder in der Shelter Bay Marina.

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Dicker Frachter in der Schleuse des Panamakanals.

Um den Termin zu vereinbaren, benötigt man eine panamaische SIM-Karte sowie etwas Guthaben (kann man sich auf den San Blas Inseln hier und da schon kaufen, ansonsten am panamaischen Festland, kostet 5 US-Dollar und 10 US-Dollar Guthaben, dann hat man 14 Tage Internet und eine Menge lokale Gesprächsminuten).

Dann ruft man das Vermessungsbüro (Admeasurer’s Office/ACP – Telefonnummer: 4432293) an und bittet um einen Termin. Diesen bekommt man direkt mitgeteilt und per E-Mail erhält man zudem ein Formular. Das füllt man am Computer aus (Schiffs- und Crewdaten) und schickt es per E-Mail wieder zurück. Wir haben innerhalb von drei Tagen einen Vermessungstermin bekommen.

Selbstverständlich hilft es dabei die Richtlinien des Kanals zu beachten ?

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Ankerplatz in den „Flats“.

2. Vermessungstermin wahrnehmen

Hierzu muss man in den sogenannten Flats ankern oder in der eher kostspieligen Shelter Bay Marina liegen. Wir ankerten in den Flats, die sonst als Ankerplatz nicht zu empfehlen sind, da man schlecht an Land kommt. Es gibt zwar eine Leiter, aber das Dinghy kann man nirgends lassen. Es gibt allerdings eine etwas schaukelige Ausweich-Ankermöglichkeit vor dem Club Nautico, die sehr zentral gelegen ist.

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Shelter Bay Marina

Uns wurde gesagt, dass der Vermesser am nächsten Morgen zwischen 8 und 12 Uhr an Bord kommt. Wir riefen also um 7.45 Uhr bei der Vermessungsleitstelle an und teilten mit, dass wir die Flats erreicht hätten. Man sagte uns, dass man uns schon sehen würde und der Vermesser in 20 Minuten da wäre. Er wurde mir einem „kleinen“ Pilotenboot zu uns gebracht. Neben einem Frachter wirkt es vielleicht klein, doch neben unserer ZIG ZAG, naja da sieht so ein „kleines“ Boot ganz schön massiv aus. Der Vermesser sprang galant mit seinen schweren Sicherheitsschuhen an Bord und erklärte freundlich, dass er erst messen würde und wir uns dann mit dem Papierkram auseinandersetzen würden.

Er gab uns das eine Ende vom Messband und zog das andere bis zur äußersten Spitze des Bugkorbs, der achterlichste Messpunkt war unser Windpilot.

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Vermessungs-Beamte in der Shelter Bay Marina.

3. Kanalgebühren bezahlen

Als erstes ging es zur Citibank, wo wir 984 US-Dollar für die Kanaldurchfahrt inklusive der Vermessungsgebühren und 891 US-Dollar Kaution auf den Tresen legten. Wichtig: man braucht Cash, ohne kommt man gar nicht erst in die Bank. Nachdem man bezahlt hat, wird einem nochmals mitgeteilt, dass man in einigen Stunden das MCP (Marine Traffic Control) unter 272-4202 anrufen kann um „seinen“ Schleusungstermin zu erfahren.

Unabhängig vom Vermessungstermin hatten wir die letztgenannte Nummer vorher schon einmal angerufen und gefragt wie lange denn die Wartezeit aktuell beträgt. Auf Englisch wurde uns freundlichst das Prozedere erklärt und mitgeteilt, dass die Wartezeit ca. eine Woche beträgt.

4. Termin erfragen

Dienstagsmorgens wurden wir vermessen, Dienstagvormittag haben wir die Gebühren bezahlt und Dienstagnachmittag konnten wir unseren Termin erfragen. Genauer gesagt wurden wir gefragt, wann wir denn durch wollten. Es wäre schon Donnerstag möglich. Also quasi zwei Tage später. Wir wollten aber erst am Freitag – gebongt. Wir sollten 24 Stunden vorher nochmal anrufen, um die genaue Schleusungszeit bzw. mögliche Änderungen zu erfahren.

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Die Kanalgebühr ist abhängig von der Schiffsgröße.

Alle Schiffe unter 50 Fuß zahlen einen Einheitspreis und da lagen wir drunter. Dann folgte der Papierkram, die üblichen Schiffs- und Personendaten wurden eingetragen. Im Anschluss folgte eine Aufklärung über die möglichen Schleusungsvarianten (alleine, an einem Hilfsboot und – das wohl üblichste – im Päckchen mit zwei oder drei anderen Yachten). Dann gab der Vermesser uns den Zahlungszettel für die Citibank und bat uns, ihn mit dem Dingi zum nächsten Boot überzusetzen. Wir hatten Glück, wir waren die ersten an diesem Morgen gewesen, hatten nun also noch den ganzen Tag, um Dinge zu organisieren und das Schiff zum Club Nautico umzuankern. Von dort aus kommt man für wenige Dollar per Taxi zur Citibank und kann super verproviantieren.

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Fenderschiff. beim Schleusen unerlässlich.

5. Leinen, Fender und Leinenhelfer organisieren

Man braucht etliche Fender (meistens Autoreifen) sowie 4 lange Leinen von mindestens 30 Metern Länge und neben dem Skipper und dem Lotsen an Bord auch noch vier Personen zum Bedienen der Leinen – die Leinehelfer. Hierfür gibt es so viele Vermittler, dass ein Anruf genügt und es werden einem vier 38 Meter lange Leinen, sowie 8 in Folie eingepackte Autoreifen geliefert. Wir haben sie über Roger bezogen, der uns auch auf der Pazifik-Seite des Kanals hervorragend durch Panama City kutschiert hat, um noch all das zu besorgen, was unser Fahrtenseglerherz begehrte.

Der Taxipreis lag bei zwölf US-Dollar pro Stunde; deutlich höher als in Colon, aber Roger wusste genau, wo wir alles am besten bekommen (Wäscherei, Supermarkt, Gemüsemarkt, Baumarkt, Batterieladen, Holzgeschäft, Tankstelle). Da wir ihn einige Tage in Anspruch nahmen, gab es auch ein wenig Rabatt. Er spricht hervorragendes Englisch, dachte mit, was wann als erstes, damit alles möglichst effektiv erledigt werden konnte und begleitete, beriet uns auch über den kompletten Gemüse-/Obstmarkt. Außerdem war er wirklich sehr sympathisch, eher ein Shopping Guide als „nur“ ein Taxifahrer. Diesen Kontakt können wir wirklich sehr empfehlen: Roger 67176745

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Für das Schleusen werden auf jedem Schiff vier Leinenhelfer benötigt.

Zurück zu den Leinenhelfern: Jede Yacht benötigt, wie gesagt, zusätzlich zum Skipper vier Leinenhelfer. Wir verholten uns für drei Tage in die Shelter Bay Marina und trafen dort so viele andere Segler, dass wir ohne Probleme Leinenhelfer hätten finden können. Alternativ gibt es Aushänge an der Pinnwand von Backpackern, die helfen wollen oder auch von „professionellen“ Leinenhelfern. Sollte das alles nicht klappen, ruft man eben doch eine Agentur an und fragt dort jemanden an. Sehr viel Gutes haben wir übrigens von Roy Bravo van Emmanuel Agencies gehört. Also wenn eine Agentur benötigt wird, dann diese ?

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Leinenhelfer-Aushänge an der Pinwand in der Shelter Bay Marina.

Kostenpunkt für einen Leinenhelfer über die Agentur: 120 US-Dollar pro Kopf. Wir hatten vom Marina Manager gehört, dass die Universität ein „Studentenkanalprojekt“ starten möchte und deshalb zwei Professoren als Leinenhelfer Erfahrungen sammeln wollten. Klar, gerne, wie auch immer wir das schlaftechnisch organisiert bekommen ? Super war auch, dass sie Erfahrungen machen wollten und quasi gegen Kost und Logis mithalfen. Genauso wie Irene, eine Backpackerin aus Deutschland. Unser Team war komplett. Ein toller Nebeneffekt war, dass unsere Leinenhelfer unentgeltlich mitfuhren. 360 US-Dollar „gespart“‘.

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Zwei unserer Leinenhelfer aus Panama.

6. Kanaldurchfahrt

Freitagabend um 19 Uhr sollten wir uns vor Anker an den Flats befinden. Etwas ungewöhnlich, abends die ersten drei Schleusen zu befahren, aber wird schon. Um 15 Uhr versammelte sich unsere Crew in der Shelter Bay Marina an Bord der ZIG ZAG. Anstelle von den angekündigten zwei Professoren standen nun zwei panamaische Studenten vor uns. Elias; groß, dunkel, sehr gut gekleidet mit Schweißtuch in der Tasche und frischem Hemd auf dem Kleiderbügel. Er wäre auch als Professor durchgegangen mit seinen schwarz polierten Schuhen und seinem Auftreten; nur ein wenig jung?! Er studiert irgend etwas mit Marine.

Rudolpho hingegen wirkte jünger und studentischer. Es stellte sich heraus, dass er der Sohn eines Marine Professors ist. Er selbst aber etwas anderes studiere. Irene reiste schon ein paar Monate durch Südamerika und zum Abschluss wollte sie uns gerne durch den Kanal begleiten. Super, alle keine Ahnung aber sehr willig ? Wir lernten uns alle ein wenig kennen und übten den Palstek und das Belegen auf einer Klampe. Schnell war deutlich, wer die schnellsten Knoten machen konnte. Elias war zwar noch nie auf einem Segelboot gewesen, knotete aber schneller als wir alle zusammen! Doch wir hatten Zeit genug bis der Lotse kam und übten fleißig.

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Die Aufregung steigt. Auf zu den Schleusen.

Um 20.00 Uhr kam der Lotse per Pilotboot an Bord. Er war sehr freundlich und behilflich.
Noch vor der Schleuse gingen wir längsseits an eine andere Yacht und per Vorder-, Heck und Springleine befestigten wir uns aneinander.

Der Panamakanal hat sechs Schleusen (drei hoch, drei runter). Das Schleusen in Richtung Pazifik läuft in der Regel so ab, dass Yachten am Abend die drei ersten Schleusen passieren und die Nacht auf dem Gatunsee an einer Boje oder vor Anker verbringen. Am nächsten Tag geht es dann durch den restlichen Kanal bis am Nachmittag nach drei weiteren Schleusen der Pazifik erreicht wird. Unsere erste Schleusung war gegen 21.15 und gegen 23.15 Uhr ließen wir auf dem Gatunsee den Anker runter und der Lotse wurde per Pilotboot abgeholt.

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In der Schleuse.

Am nächsten Morgen – schon vor 7 Uhr – kam Robin an Bord, ein neuer Lotse. Er war super: Kompetent, sehr freundlich und hatte Spaß daran, mit unseren  kleinen Kindern an Bord zu spielen, von denen eines zudem Geburtstag hatte, so dass wir mit Mini-Maus-Wimpeln und bunten Luftballons durch den Kanal tuckerten.

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Es geht entspannt zu am zweiten Tag beim Kindergeburtstag im Panamakanal.

Kurz vor den letzten drei Schleusen gingen wir wieder mit der französischen Yacht zusammen ins Päckchen. In dem Zusammenhang vielleicht noch ein paar Worte zum Schleusen. Man fährt als Päckchen zusammen in die Schleusenkammer und dann fliegen sogenannte Affenfäuste an Deck. Eine Affenfaust ist eine Stahlkugel, um die kunstvoll Tauwerk geschlungen ist, so dass ein affenfaustgroßer Ball entsteht. Ziemlich hart. Die Schleusenhelfer auf den Schleusenmauern werfen zwei Affenfäuste jeweils mit einem dünnen Seil, welches mit Hilfe eines Palstek einmal mit der Vorder- und natürlich auch mit der Heckleine verbunden wird. Dann ziehen die Schleusenhelfer die Leinen ein und legen die eigentlichen Bootsleinen über ein paar Poller.

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Eine Affenfaust fliegt zum Schiff herüber.

Nach dem Schleusen laufen die Schleusenhelfer mit unseren Leinen bzw. mit den daran befestigten Verlängerungsleinen zur nächsten Schleuse. Es ist quasi dann „nur“ noch eine Frage von Fieren und Einholen zum richtigen Zeitpunkt. Und natürlich des Steuerns und Gasgebens. Und da wir im Päckchen mit dem anderen Boot schleusten, musste das alles natürlich irgendwie im Einklang passieren, da jedes Boot eine Bug-, eine Heckleine und einen Steuermann hatte. Im Großen und Ganzen hat es bei uns gepasst. Es gab keine Schäden und kein Gebrüll.

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Angekommen im Pazifik. Ankerplatz beim Balboa Yacht Club (Panama City).

Fazit

Die Fahrt durch den Kanal ist kein Hexenwerk und man kann sie durchaus alleine organisieren. Auch waren wir sehr glücklich und zufrieden mit unseren Helfern. Wir waren ein super Team und die Schleusungen verliefen besser und besser je weiter wir kamen. Vor allem aber hatten wir Spaß miteinander. Unsere Crew hätte auf jeden Fall einen Sympathie-Preis bekommen und hätte es einen Schönheitspreis gegeben, hätten wir den für Ballons, Luftschlangen und Mini-Maus sicherlich auch gewonnen.

Gefühlsmäßig war es irre, als sich dann die letzten Schleusentore öffneten und der Pazifik vor uns lag. Wir standen auf dem Vordeck, hatten Gänsehaut von Kopf bis Fuß… Bis hierher waren wir schon gekommen. Einmal vom Rhein über den Atlantik und nun lag er vor uns: Der Stille Ozean.

Link zur Webseite der Autoren mit vielen Reiseberichten

Der Beitrag Erfahrungsbericht Panamakanal erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Videoupdate #26

SV Ximbico – Jayme Santo Souza BR

DRITTE WELT SEGLER IM SCHLARAFFENLAND

img_2110Reflexionen eines Segler über den Schiffskauf in Europa

Als ich beschloss, ein neues Boot zu kaufen, um in Europa zu segeln, lag die Entscheidung nicht mehr fern, mein nächstes Schiff in Deutschland zu kaufen. Die Faktoren für meinen Entschluss sind schnell erzählt: Qualität, Robustheit und Preis haben das Rennen gemacht, zumal, wenn man andere Grosswerften zum Vergleich herangezogen hat. Aus eigenen Erfahrungen sowie Berichten anderer Segler, die sich für brasilianische Schiffe entschieden und Anzahlungen geleistet hatten, gleichwohl eine Odyssey haben durchstehen müssen, und am Ende ihr Schiff nie bekommen hatten, weil die Werft sich durch Konkurs der Verantwortung entzogen hatte, wollte ich auf Nummer sicher gehen und mein Geld nicht verlieren. Der System Wechsel im politischen Betrieb hatte Korruption zunehmend institutionalisiert, begleitet von zugesicherter Straffreiheit für Betrüger jeder Art. In einem derartigen Klima einen Kaufvertrag mit einer Werft zu schliessen, gliche einer Lotterie, deren Ausgang in jeder Tageszeitung nachzulesen gewesen ist. Segelyachten und deren Besitzer wurden und werden durch eine sozialistische Staatsmacht stigmatisiert, für deren Aktionen und Entscheidungen in der breiten Bevölkerung massenhaft Claqueure zu finden sind. Für einen Segler können die Resultate fatal sein, da er sich dem System willig zum Frasse vorwirft. WEITERLESEN

Der goldene Oktober beginnt

Ersatzmeer – Die Flensburger Förde

Gut. Der Ausflug an die Westküste war der reinste Reinfall. Kaum angekommen auf Rømø fängt es an zu regnen, wie es im Dänisch Geschichtsbuch des Skippers Micha steht. Dänemark ist einfach bekannt für seine plötzlichen Regengüsse. Daran ändert auch nichts das Regenradar von Wetter Online oder sonst was. Drei Stunden verweilen Corinna, Julian und ich mehr oder weniger im Auto. Eine halbe Stunde trauen wir uns in einer kleinen Regenpause mit Lars auf den Strand und werden nun auch noch klatschnass. Echt. Das war so nicht geplant. Sorry Corinna. Nächste Mal gebe ich mir mehr Mühe mit dem Wetter.

Heute dann fällt der Ausflug kürzer und näher aus und mit viel mehr Glück. Die Sonne scheint ein bisschen und läutet den Herbst an der Förde ein. Ich kann ein schöne Zeitrafferaufnahme machen. Easy. Da stehe ich vor der Förde und sehe im Geiste schon die MARLIN hier rauf und runter segeln. Ja so was auch. Gar nicht mehr so lange hin, bis zur neuen Realität. Für morgen ist die Passageplanung 2017 angesagt und die Entscheidung wo die MARLIN den Winter verbringt, also an welchen Liegeplatz im Flensburger Hafen.

SV Gleda – sailing + living on a Wharram Cat

BBB Gleda Episode 1 from Barefoot Boat Bums on Vimeo.

Der Sailing Bassman, T-Bone Burnett und das leidige Marketing

Natürlich hat man so seine Träume. Von Zufällen, von Nummer-1 Hits und großen Bühnen. Aber ich habe mein Album „Zeitmillionär“ nicht aufgenommen um damit reich zu werden. Rechne nicht einmal damit die Produktionskosten jemals wieder herauszubekommen. Wenn ich ernsthaft Geld verdienen wollte, wäre wohl selbst ein 450.- Euro Job vielversprechender. Warum also tut man sich dann die Arbeit und die investierte Zeit an? Und dann noch in Zeiten in denen mit Musik kaum noch Geld zu verdienen ist? Diese Frage könnte man jedem kreativen Künstler stellen und würde unendlich viele verschiedene Antworten erhalten. Aber allen wird irgendwo gemein sein, das man etwas Neues erschaffen und hinterlassen möchte. Und andere Menschen berühren, bewegen oder einfach nur erreichen will. Und gehört werden will. Denn was nützt einem die schönste Musikproduktion, wenn sie niemand hört?

Und genau hier stehe ich nun wie der berühmte Ochs‘ vor dem Berg. Eigentlich jeder der in mein Album reingehört hat, schwärmt von der Vielfalt der Songs, hat seine Lieblingstitel und sogar die eine oder andere Träne der Rührung beim Hören vergossen. Toll. So habe ich mir das gewünscht. Aber „jeder“ ist eben immer noch eine deutlich überschaubare Menge, die sich aus Freunden, deren Freunden und meinen diversen facebook Kontakten zusammensetzt. Aber ich möchte natürlich mehr. Wie bringt man einen Fremden dazu sich ein Album anzuhören, was ihm am Ende sogar sehr gut gefallen könnte? Sein Leben bereichern oder gar verändern? Alles eine Frage des Marketingbudgets könnte man sagen. Sicher richtig, aber da klemmt es natürlich beim Selbermachen. Zeit und Arbeit kann man einbringen natürlich auch Geld. Aber privat meist nicht in der Dimension von Plakat- und Fernsehwerbung.

Bis hierher hatte ich diesen Blogbeitrag schon fertig geschrieben, dann wusste ich nicht recht weiter. Worauf will ich eigentlich hinaus? Oder will ich mir nur etwas Luft machen?

Dann stolperte ich über die aktuelle Rede von T-Bone Burnett beim Americana Music Festival. Ich bin ein großer Fan von T-Bone Burnett, der u.a. auch die erste Staffel der Serie „Nashville“ musikalisch geleitet hat. Hier gibt es die ganze Rede als Transkription, ich möchte hier nur ein paar selbst übersetzte Passagen daraus zitieren, da diese einfach so perfekt zu meinen eigenen Gedanken passen.

http://americansongwriter.com/2016/09/t-bone-burnetts-americanafest-keynote-address/

Fange ich doch direkt mit diesem Satz an:

„Wir leben in einer Zeit, in der Künstler von einem schlechten Deal zu einem noch mieseren Deal gehetzt werden. Uns wird gesagt, wir sollen gefälligst gut im Marketing sein. Ich muss jedoch sagen – und ich denke ich spreche damit für fast jeden Musker hier – das ich nicht angefangen Musik zu machen, da ich eine Karriere (oder zumindest den Weg dorthin) im Marketing anstrebte.“ 

Das bringt doch meine Gedanken wunderbar auf den Punkt. Ich will verdammt noch mal Musik machen, und nicht Werbung. Das können andere besser und haben auch mehr Spaß daran. Ich bin glücklich, wenn ich Note zu Note bringe. Mir Geschichten ausdenke und in Songtexte fasse. Ich bin nicht glücklich, wenn ich den ganzen Tag bei facebook und co unterwegs bin, um Marketing zu machen. Und an einem Image arbeite, denn:

„Bei facebook ist jeder ein Star. Die idealistische, drogengeschwängerte Prophezeihung der 1960er wurde mechanisiert, und hat uns das Fälschen noch leichter gemacht. Unsere Maske ist unser Gesicht geworden.“

Das ist so wahr. Denn ich bin natürlich keineswegs der immer gut gelaunte, vor Energie sprühende Sailing Bassman. Sonst könnte ich solche Songs gar nicht schreiben. Ich bin, wie wohl die meisten Menschen, ein fauler und bequemer Hund voller Ängste, Sorgen und immer auf der Suche nach Glück und Liebe. Vielleicht ein bißchen weniger bequem als andere, denn es treibt mich schon etwas um, aber doch weit von meinem Marketingbild entfernt. Aber der drahtige, braungebrannte Segler wirkt einfach interessanter, als der faule Mann in Jogginghosen, der sich mühsam ein paar Textzeilen aus dem Gehirn leiert. Und auch dazu T-Bone Burnett:

„Technologie tendiert zur Effizienz. Sie hat keine Ästethik. Sie hat keine Ethik. Sie ist binär. [An oder Aus]. Aber alles Interessante im Leben – alles was das Leben lebenswert macht – ist nicht binär. Mitleid ist nicht binär. Liebe ist nicht binär. Musik und Kunst sind nicht binär. Du und ich sind nicht binär.“

Niemand ist immer seine Maske, wie es die Werbung gerne suggeriert. Oder ein fauler Klumpen auf dem Sofa, wie man es oft gerne sein möchte. Die Wahrheit bewegt sich immer in den Zuständen dazwischen. Und die besten Ideen kommen einem nicht mit Blick auf den Erfolg oder auf das Marketing. Sie kommen in diesen emotionalen Zwischenzuständen, die die Kreativität anregen. In denen der Kopf leer und die Gefühle frei sind. Bis heute kann niemand einen Welthit auf Kommando schreiben. Es passiert einfach. Oder eben nicht. Und es gibt dort draußen sicherlich tausende Welthits, die keiner jemals hören wird. Denn der Künstler ist eben keine Werbeagentur. Und noch viel wichtiger. Er richtet sich nicht an die Massen, er denkt nicht in Verkaufszahlen, Zielgruppen und Marketingstrategien. Und das kann und wird die Industrie niemals verstehen. T-Bone zählt nun eine Menge Künstler von Rembrandt bis Michael Jackson auf und sagt:
„Jeder dieser Künstler machte Kunst, für die sich die Welt erst ändern musste um sie zu verstehen zu können. Sie haben sich nicht der Welt angepasst, sondern die Welt musste sich ihrer Kunst anpassen. Ein Künstler muss immer selbst herausfinden, was ihm gefällt. [….] Der wahre Grund für den Fall des eisernen Vorhangs war das die Kids Beatles Platten hören wollten. Unsere Geschichte, Sprache und Seele ist in unser Musik festgehalten. Es gibt keinen tieferen Blick in die Seele eines Landes, als über sein Musikarchiv des letzten Jahrhunderts.   
Und das ist die Geschichte der USA: ein Kid verlässt sein Heim mit nichts als einem Song und erobert damit die Welt. Wir haben das immer wie reproduziert. Fangen wir mit Elvis an, aber wir können stundenlang weitere Namen hinzufügen – Jimmie Rodgers, Rosetta Tharpe, Johnny Cash, Howlin Wolf, Mahalia Jackson, Bob Dylan, John Coltrane, Billie Holiday, Loretta Lynn, Chuck Berry, Hank Williams, Aretha Franklin, Jack White, Dr. Dre. Das sind wir. Ein Jedermann. In der Laudatio auf Bob Dylan beim letztjährigen MusicCare sagte Jimmy Carter: „Es gibt kein Zweifel daran, das seine Worte des Friedens und für Menschenrechte prägnanter, kräftiger und dauerhafter sind, als die jedes Präsidenten der USA“. Ich glaube, das ist nicht zu leugnen. Das ist es was uns Künstler ausmacht. Das dürfen wir niemals vergessen.“

Wir sind Künstler und keine Verkäufer. Das möchte ich gerne anderen überlassen, denn es kostet Zeit und Kreativität. Wie viele Song wohl nie geschrieben wurden, weil der Künstler die vorhandenen noch verkaufen musste? Und so sehe ich mich in meiner Idealvorstellung auch lieber im Studio als auf Tour (Ausnahme Stadien!!). Ich möchte manchmal lieber nur Komponieren und Produzieren, als mein Gesicht in eine Kamera halten. Zwischenfrage: Ist man als Songwriter für andere Künstler glücklicher? Man hört seine Musik, muss aber nicht den ganzen Rummel mitmachen? Vielleicht ja, aber dann irgendwie auch wieder nicht. Ein Leben hinter dem Vorhang, niemals  im Rampenlicht? Hier beginnt die Quadratur des Kreises. Gut, wenn einem meine Musik nicht gefällt, kein Problem. Aber wenn ich weiß, sie könnte gefallen, erreicht aber einfach nicht die entsprechenden Ohren, dann macht mich das schon wahnsinnig. Also gehe ich einfach immer weiter, Schritt für Schritt, und hoffe so an mein Ziel zu kommen. Und ich habe so tolle Partner, die den Weg mit mir gemeinsam gehen, das auch der mühsamste Weg schon wieder Spaß macht. Denn nur wenn ich aufgebe, werde ich meine Träume mit Sicherheit nie erreichen können. Eine Binsenweisheit, aber trotzdem zu 100% wahr.

Randnotiz an mich: Nicht nur über eigene Emotionen schreiben, sondern auch einmal für den Weltfrieden!

Der Sailing Bassman, T-Bone Burnett und das leidige Marketing

Natürlich hat man so seine Träume. Von Zufällen, von Nummer-1 Hits und großen Bühnen. Aber ich habe mein Album „Zeitmillionär“ nicht aufgenommen um damit reich zu werden. Rechne nicht einmal damit die Produktionskosten jemals wieder herauszubekommen. Wenn ich ernsthaft Geld verdienen wollte, wäre wohl selbst ein 450.- Euro Job vielversprechender. Warum also tut man sich dann die Arbeit und die investierte Zeit an? Und dann noch in Zeiten in denen mit Musik kaum noch Geld zu verdienen ist? Diese Frage könnte man jedem kreativen Künstler stellen und würde unendlich viele verschiedene Antworten erhalten. Aber allen wird irgendwo gemein sein, das man etwas Neues erschaffen und hinterlassen möchte. Und andere Menschen berühren, bewegen oder einfach nur erreichen will. Und gehört werden will. Denn was nützt einem die schönste Musikproduktion, wenn sie niemand hört?

Und genau hier stehe ich nun wie der berühmte Ochs‘ vor dem Berg. Eigentlich jeder der in mein Album reingehört hat, schwärmt von der Vielfalt der Songs, hat seine Lieblingstitel und sogar die eine oder andere Träne der Rührung beim Hören vergossen. Toll. So habe ich mir das gewünscht. Aber „jeder“ ist eben immer noch eine deutlich überschaubare Menge, die sich aus Freunden, deren Freunden und meinen diversen facebook Kontakten zusammensetzt. Aber ich möchte natürlich mehr. Wie bringt man einen Fremden dazu sich ein Album anzuhören, was ihm am Ende sogar sehr gut gefallen könnte? Sein Leben bereichern oder gar verändern? Alles eine Frage des Marketingbudgets könnte man sagen. Sicher richtig, aber da klemmt es natürlich beim Selbermachen. Zeit und Arbeit kann man einbringen natürlich auch Geld. Aber privat meist nicht in der Dimension von Plakat- und Fernsehwerbung.

Bis hierher hatte ich diesen Blogbeitrag schon fertig geschrieben, dann wusste ich nicht recht weiter. Worauf will ich eigentlich hinaus? Oder will ich mir nur etwas Luft machen?

Dann stolperte ich über die aktuelle Rede von T-Bone Burnett beim Americana Music Festival. Ich bin ein großer Fan von T-Bone Burnett, der u.a. auch die erste Staffel der Serie „Nashville“ musikalisch geleitet hat. Hier gibt es die ganze Rede als Transkription, ich möchte hier nur ein paar selbst übersetzte Passagen daraus zitieren, da diese einfach so perfekt zu meinen eigenen Gedanken passen.

http://americansongwriter.com/2016/09/t-bone-burnetts-americanafest-keynote-address/

Fange ich doch direkt mit diesem Satz an:

„Wir leben in einer Zeit, in der Künstler von einem schlechten Deal zu einem noch mieseren Deal gehetzt werden. Uns wird gesagt, wir sollen gefälligst gut im Marketing sein. Ich muss jedoch sagen – und ich denke ich spreche damit für fast jeden Musker hier – das ich nicht angefangen Musik zu machen, da ich eine Karriere (oder zumindest den Weg dorthin) im Marketing anstrebte.“ 

Das bringt doch meine Gedanken wunderbar auf den Punkt. Ich will verdammt noch mal Musik machen, und nicht Werbung. Das können andere besser und haben auch mehr Spaß daran. Ich bin glücklich, wenn ich Note zu Note bringe. Mir Geschichten ausdenke und in Songtexte fasse. Ich bin nicht glücklich, wenn ich den ganzen Tag bei facebook und co unterwegs bin, um Marketing zu machen. Und an einem Image arbeite, denn:

„Bei facebook ist jeder ein Star. Die idealistische, drogengeschwängerte Prophezeihung der 1960er wurde mechanisiert, und hat uns das Fälschen noch leichter gemacht. Unsere Maske ist unser Gesicht geworden.“

Das ist so wahr. Denn ich bin natürlich keineswegs der immer gut gelaunte, vor Energie sprühende Sailing Bassman. Sonst könnte ich solche Songs gar nicht schreiben. Ich bin, wie wohl die meisten Menschen, ein fauler und bequemer Hund voller Ängste, Sorgen und immer auf der Suche nach Glück und Liebe. Vielleicht ein bißchen weniger bequem als andere, denn es treibt mich schon etwas um, aber doch weit von meinem Marketingbild entfernt. Aber der drahtige, braungebrannte Segler wirkt einfach interessanter, als der faule Mann in Jogginghosen, der sich mühsam ein paar Textzeilen aus dem Gehirn leiert. Und auch dazu T-Bone Burnett:

„Technologie tendiert zur Effizienz. Sie hat keine Ästethik. Sie hat keine Ethik. Sie ist binär. [An oder Aus]. Aber alles Interessante im Leben – alles was das Leben lebenswert macht – ist nicht binär. Mitleid ist nicht binär. Liebe ist nicht binär. Musik und Kunst sind nicht binär. Du und ich sind nicht binär.“

Niemand ist immer seine Maske, wie es die Werbung gerne suggeriert. Oder ein fauler Klumpen auf dem Sofa, wie man es oft gerne sein möchte. Die Wahrheit bewegt sich immer in den Zuständen dazwischen. Und die besten Ideen kommen einem nicht mit Blick auf den Erfolg oder auf das Marketing. Sie kommen in diesen emotionalen Zwischenzuständen, die die Kreativität anregen. In denen der Kopf leer und die Gefühle frei sind. Bis heute kann niemand einen Welthit auf Kommando schreiben. Es passiert einfach. Oder eben nicht. Und es gibt dort draußen sicherlich tausende Welthits, die keiner jemals hören wird. Denn der Künstler ist eben keine Werbeagentur. Und noch viel wichtiger. Er richtet sich nicht an die Massen, er denkt nicht in Verkaufszahlen, Zielgruppen und Marketingstrategien. Und das kann und wird die Industrie niemals verstehen. T-Bone zählt nun eine Menge Künstler von Rembrandt bis Michael Jackson auf und sagt:
„Jeder dieser Künstler machte Kunst, für die sich die Welt erst ändern musste um sie zu verstehen zu können. Sie haben sich nicht der Welt angepasst, sondern die Welt musste sich ihrer Kunst anpassen. Ein Künstler muss immer selbst herausfinden, was ihm gefällt. [….] Der wahre Grund für den Fall des eisernen Vorhangs war das die Kids Beatles Platten hören wollten. Unsere Geschichte, Sprache und Seele ist in unser Musik festgehalten. Es gibt keinen tieferen Blick in die Seele eines Landes, als über sein Musikarchiv des letzten Jahrhunderts.   
Und das ist die Geschichte der USA: ein Kid verlässt sein Heim mit nichts als einem Song und erobert damit die Welt. Wir haben das immer wie reproduziert. Fangen wir mit Elvis an, aber wir können stundenlang weitere Namen hinzufügen – Jimmie Rodgers, Rosetta Tharpe, Johnny Cash, Howlin Wolf, Mahalia Jackson, Bob Dylan, John Coltrane, Billie Holiday, Loretta Lynn, Chuck Berry, Hank Williams, Aretha Franklin, Jack White, Dr. Dre. Das sind wir. Ein Jedermann. In der Laudatio auf Bob Dylan beim letztjährigen MusicCare sagte Jimmy Carter: „Es gibt kein Zweifel daran, das seine Worte des Friedens und für Menschenrechte prägnanter, kräftiger und dauerhafter sind, als die jedes Präsidenten der USA“. Ich glaube, das ist nicht zu leugnen. Das ist es was uns Künstler ausmacht. Das dürfen wir niemals vergessen.“

Wir sind Künstler und keine Verkäufer. Das möchte ich gerne anderen überlassen, denn es kostet Zeit und Kreativität. Wie viele Song wohl nie geschrieben wurden, weil der Künstler die vorhandenen noch verkaufen musste? Und so sehe ich mich in meiner Idealvorstellung auch lieber im Studio als auf Tour (Ausnahme Stadien!!). Ich möchte manchmal lieber nur Komponieren und Produzieren, als mein Gesicht in eine Kamera halten. Zwischenfrage: Ist man als Songwriter für andere Künstler glücklicher? Man hört seine Musik, muss aber nicht den ganzen Rummel mitmachen? Vielleicht ja, aber dann irgendwie auch wieder nicht. Ein Leben hinter dem Vorhang, niemals  im Rampenlicht? Hier beginnt die Quadratur des Kreises. Gut, wenn einem meine Musik nicht gefällt, kein Problem. Aber wenn ich weiß, sie könnte gefallen, erreicht aber einfach nicht die entsprechenden Ohren, dann macht mich das schon wahnsinnig. Also gehe ich einfach immer weiter, Schritt für Schritt, und hoffe so an mein Ziel zu kommen. Und ich habe so tolle Partner, die den Weg mit mir gemeinsam gehen, das auch der mühsamste Weg schon wieder Spaß macht. Denn nur wenn ich aufgebe, werde ich meine Träume mit Sicherheit nie erreichen können. Eine Binsenweisheit, aber trotzdem zu 100% wahr.

Randnotiz an mich: Nicht nur über eigene Emotionen schreiben, sondern auch einmal für den Weltfrieden!

Durch die Adria. Mit der Segelyacht durch die Schluchten der Krka.

Reisen kann man auf vielerlei Arten und mit unterschiedlichen Intentionen. Von Neugier getrieben immer wieder in neue, fremde Welten eintauchen, den kurzen Kick suchen, dem vielleicht irgendwann Verstehen folgt. Oder immer wieder an dieselben Orte zurückkehren, weil sie eine „sichere Bank“ sind und sich die eigene Seele dort wohlfühlt, geheimnisvoll, wie auf einen Tastendruck, als wäre man in einem früheren Leben schon mal dort gewesen und kehrte nur wieder zurück, zu seinen Ursprüngen.

Die Krka, der große Fluss mitten in Kroatien, ist für mich, was meine Segelreisen angeht, so eine „sichere Bank“. Bin ich dort im Land, muss ich hin, wieder und wieder, die Krka hinauf bis nach Skradin. Ich kenne den Ort, als ich kurz nach dem Balkankrieg dort hinkam, gab es dort wenig mehr zu sehen als die Einschusslöcher in den Hauswänden, als orthodoxe Serben und katholische Kroaten, die bis dahin friedlich am Ort zusammengelebt hatten, plötzlich aufeinander losgingen und die Messerverkäufer auf dem alljährlichen Jahrmarkt Hochkonjunktur hatten. Das ist nun fast 20 Jahre her, und auch wenn Skradin heute ein normales Touristenörtchen ist: Die Spuren des Krieges sind immer noch sichtbar. Doch davon zu anderer Zeit.

An die Krka reise ich, weil mich nach wochen-, ja monatelangem Salzwasser-Segeln, das Süßwasser immer wieder magisch anzieht. Auf einer Strecke von 18 Kilometern zieht sich der Fluss durch den Fjord, den er sich durch eine Felslandschaft grub, und es ist jedesmal spannend, dieses Stück den Fluss hinauf zurückzulegen bis zum Örtchen Skradin, wo man nicht weiterkommt, weil hier Wasserfälle die Weiterfahrt blockieren.

Die Fahrt selbst beginnt in Sibenik. Der Fluss selbst hat sich tief eingegraben, nur wenige Meter neben der grünen Fahrwasserbetonnung im Foto oben beträgt die Wassertiefe schon 17 Meter, zur Flußmitte hin dreißig Meter. Leicht mulmig ist einem dann doch immer irgendwie, dass nur ja der Motor durchhält und nicht gerade jetzt irgendwelche Zicken macht, obwohl man unter Genua auch segeln könnte, denn irgend ein Windchen weht durch den Canyon da oben ja eigentlich immer. Durch zahlreiche Windungen und Kehren geht der Fluss hinauf, vorbei an größeren und kleineren Muschelfarmen, an

denen man anhalten und Venusmuscheln oder Austern kaufen kann. Es sind kleine Anlagen, die dort im Süsswasser der Krka Meeresmuscheln züchten. Obwohl das mit dem Süsswasser so eine Sache ist. Denn zu den Wundern der tiefschürfenden Krka gehört, dass oberflächlich zwar eiskaltes Süsswasser aus den Bergen strömt. Dass die Krka aber in zwei, drei Meter Wassertiefe eine Gegenströmung besitzt, die unergründlicherweise salzhaltiges Meerwasser 18, 20 Kilometer bis hinein ins Landesinnere bis hinauf nach Skradin zieht. Wer in der Krka badet, dessen Oberkörper schwimmt im kalten Süsswasser, doch die Füße unten: Die stecken im warmen salzigen Meerwasser. Ein Kuriosum, das seinesgleichen sucht. Den Muscheln scheint es gut zu gefallen.

Keine zwei Stunden nach dem Ablegen in Sibenik erreicht man Skradin. Man kann in die Marina gehen, die wie es scheint jedes Jahr mehr und mehr um sich greift. Oder man kann etwas abseits am

 anderen Flussufer in eine der Schilfbuchten gehen und dort seinen Anker fallen lassen. Es ist früher Abend geworden, als ich Skradin erreiche. Und ich ziehe die Schilfeinsamkeit dem Hafen vor, obwohl für die Nacht Gewitter angekündigt sind. Die Bora kann mächtig wehen in dem engen Flußtal. Aber die Aussicht, zu einem langen Schwimm einfach noch mal ins erfrischend Süßwasser zu steigen, zwei Meter hinunterzutauchen zum Salzwasser und beim Einschlafen dem Rufen der Wasservögel und dem Rascheln im Schilf lauschen zu können, lässt mich den vermeintlichen Luxus der Marina schnell vergessen. Und morgen: Da gehe ich das eigentliche Geheimnis der Krka besuchen: Ihre Wasserfälle, die sich über 18 verschiedenen Kaskaden nach unten wälzen.

Gute Nacht also. Von LEVJE aus Schilfröhricht und dem Gezirpe des kleinen blauen Eisvogels.
In einigen Tagen berichte ich mehr von der Krka.

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Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  

Sonntag, 16. Oktober 2016 20.15 Live im Kino
im Rahmen der Allgäuer Filmkunstwochen
im Filmhaus Huber, Bad Wörishofen.


Das sagt die Presse über Buch und Film:

„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“

RATGEBER.REISE. im Juni 2015


Jung trifft Alt

Die Schätze der Natur sind die eigenen Kinder

Julian, einer meiner lieben Söhne ist mit Freundin Corinna den weiten Weg von Düsseldorf nach Flensburg gekommen. Der verflixte Bus fährt echt lange und ich weiß wie viel Nerven es kostet. Dann haben wir noch nicht einmal Platz zu Hause. Die beiden müssen auf dem Schiff schlafen, dass Freund Detlef unkompliziert zur Verfügung stellt. Geht alles. Das schöne an den eigenen Kindern ist, dass man sich nicht so viel erklären muss, da geht so viel einfach ohne Orte. Ich mag das und ich freue mich, dass Julian da ist. Hilft mir. Irgendwie. Kann ich gar nicht erklären wie genau. Ein schönes Wochenende besteht uns bevor. Gemeinschaftlich frühstücken, kochen, spazieren gehen. Hey, die Sonne lacht. Da geht es an die Westküste.