Monatsarchive: Oktober 2016

Erfahrungsbericht: Weltumsegler Moritz Herrmann muss sein Schiff aufgeben

moritz_herrmann

von Moritz Herrmann

Auf Weltumsegelung seit 2013

Dramatisches Ende einer Weltumsegelung. Moritz Herrmann (Vater von Hochseesegelprofi Boris Hermann) muss sich abbergen lassen und sein Schiff den Tiefen des Ozeans überlassen. In einem offenen und emotionalen Brief schildert er das Ende seiner Reise…

Liebe Freunde und Freundinnen des Segelns!

Dieser Brief fällt mir etwas schwer, es ist ein Abschied von Träumen und meinem geliebten Boot. In den letzten Monaten hatte ich viele Niederlagen erlebt: immer wieder versagte die Hydraulik der Ruderanlage. In Bali entschloss ich mich, das Ruder umbauen zu lassen, damit es leichter drehte. Die Hydraulik wurde (noch einmal) generalüberholt. So startete ich nach Christmas Island und den Cocos Islands mit gutem Gefühl und erlebte glückliche Segeltage vor einem beständigen Südost. Ein Nordseesegler kann sich dieses Glück kaum vorstellen,  bei warmen Temperaturen tagelang, fast ohne die Segel zu bedienen, dahinzugleiten in einer Meeresweite, die hier, 1000 Seemeilen von allem Land entfernt, keine Untiefen hat. Auf den Cocos Inseln fand ich den schönsten Ankerplatz meiner Reise, kristallklares Wasser über weißem Sand. Die meisten Segler waren nach Norden abgebogen, nur ein kleiner Trupp strebte weiter nach Westen Richtung Südafrika.

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Cocos Islands

Mein nächstes Ziel nach Cocos war Rodrigues, eine Insel, die zu Mauritius gehört. Ich erlebte die schönsten Segeltage überhaupt mit Etmalen von 140 Seemeilen und sah mich schon in etwa 10 Tagen am Zwischenziel. Da brach die neue Roll Reffanlage aus dem Deck, an der Mastspitze hängend schleuderte der schwere Rollkorb und die ganze Anlage mit dem Segel weit nach Lee, um dann immer wieder, wie eine Abrissbirne gegen das Boot zu donnern. Es begann ein lebensgefährlicher Kampf, um den Fuß zu fangen. Eine besonders heftige Böe, unterstützt von einer heftigen See wirbelte die Anlage hoch über den Mast auf die Luvseite. Da gelang es mir, die sie mit einer Leine zu fangen und  an der Reling zu verzurren. Verschnaufpause nur für einen kurzen Augenblick, denn das Segel riss so heftig, dass die Reffstange unberechenbar stieß und zerrte und die Fenster in der Bordwand einzuschlagen drohte. Die aber kamen bei jedem Rollen weit unter Wasser… Bei diesem Kampf wurde ich mehrfach hin- und her geschleudert, schorte mit dem Rücken übers Deck, konnte mich aber immer an der Reling halten, blutete an Händen und Füßen, nach einem Schlag mit der Stange auch aus der Nase. Nächstes Kampfziel, das Vor Segel zerfetzen. Es entwickelte einen ungeheuren Druck auf die Mastspitze, die nicht mehr nach vorne gesichert war. An einen scharfen Fischhaken band ich ein langes Aluminiumrohr und versuchte, mit diesem schweren Ding in das Segel zu hacken. Frei zu stehen, ging natürlich nicht, immer wieder wurde ich aus meiner Verklammerung an einem Want geschleudert. Einmal kletterte ich auf das Dach der Kuchenbude und ehe ich mich aufrichten konnte, katapultierte mich eine Welle nach unten. Unglaubliches Glück, ich fiel nicht nach außenbords, sondern auf das Seitendeck zwischen Aufbauten und Reling. Es dauerte Tage, ehe ich die nervenaufreibend knatternden Segelfetzen kleiner gehackt hatte.

Nächster Schritt, eine Schot war ins Wasser gefallen und hatte sich um den Propeller gewickelt. Ich versuchte zu tauchen, aber das auf – und niedersausende Heck drohte mich zu erschlagen. Da zog ich eine andere Leine so um das Heck, dass ich mich daran runterziehen und festhalten konnte, wenn das Boot eintauchte. Es gelang mir, die Leine zu lösen. Nun konnte ich wieder auf Kurs gehen. Damit beruhigte sich das Rollen und ich wagte es, ein Stück in den Mast zu steigen, um einen Block anzubringen, durch den ich eine Leine scheren konnte, um ein Sturmsegel zu hissen, schließlich setzte ich noch das gereffte Besan Segel und tatsächlich segelte das Boot mit drei Knoten Richtung Rodrigues.

Ich atmete auf und entspannte mich; okay, dann wäre ich also noch 20 Tage unterwegs, statt 10. Na und, das konnte mich nicht bekümmern. Den Motor brauchte ich regelmäßig, um Strom für den Autopiloten zu erzeugen und er lief ruhig , wie immer, nachdem ich einen Defekt am Aussteller entdeckt hatte.

Wieder das Hochgefühl, mit Blick über die lebende, immer bewegte Weite des Ozeans, wo du die Wetter kommen und wieder abziehen siehst, hinter dir der Sonnenaufgang, vor dir Ihr Untergang. Du hast all dieses, den Tagesablauf, den Blick zum Horizont, das Wetter, den Wind und die ewige See für dich, unverstellt durch Reklamewände, ungestört von Beschallungen und immer frische, würzige Luft, die zu atmen eine Lust ist.

fidel-moritz-herrmann

Segelyacht FIDEL von Moritz Herrmann

In der Nacht stellte der Autopilot seine Arbeit ein, Fidel taumelte quer zur See, rollte und schleuderte mich hin und her. Ich drehe energisch am Steuerrad, es geht verdächtig leicht, das Boot reagiert nicht mehr. Ich robbe zur Achter Piek und klettere rein: überall Öl ! Die Hydraulik ist hin, alle Dichtungen tropfen. Wie kann das sein, nach all den Reparaturen? Ich spüre, wie etwas in mir bricht: das ist das Ende. Nein, schreie ich, jetzt keine Entscheidung fällen, verkeil dich in der Koje. Versuch erst einmal zu schlafen. Ich krieche ins Vorschiff und krame die einzige Dose Bier heraus, die ich mitgenommen hatte. Ich binde mich an, um trinken zu können und schaue über das nächtliche Meer. So lebendig und schön siehst du au, denke ich, aber im Hintergrund meines Bewusstseins quillt, wie eine giftige Wolke der Gedanke auf: Moritz, du hast verloren.

Am nächsten Morgen rief ich meinen Sohn Boris an, erklärte, dass ich bereit sei, mich von einem Schiff aufnehmen zu lassen, gab ihm meine Position und bat ihn, die Seenotleitstelle in Bremen zu benachrichtigen, die die Meldung an Australien weitergab.

Die erste Nachricht, dass es wohl einige Tage dauern könne, weil die Gegend sei sehr abgelegen sei. Aber dann wurde mir plötzlich ein Schiff In den nächsten Stunden angekündigt. Bald tauchten seine Umrisse am Horizont auf, hastig rasieren, etwas waschen, ein paar nötige Dinge zusammenpacken. Es war ein Riesenpott, der da von Nordosten kam, wie ich später genauer erfuhr, 280 Meter lang, 40 Meter breit. Der Kapitän zog langsam einen Kreis um mich, aber er kam nicht an mich ran. Für enge Manöver sind diese Kolosse nicht gebaut. Es wurde dunkel, schließlich startete ich meinen Motor und fuhr quer auf die PACIFIC SPIRIT zu. Was würde passieren? Fidel rammte gegen die hohe Bordwand und legte sich dann, wie schutzsuchend, längsseits. Eine schwere Leine kam von oben, ich konnte sie greifen, es war unglaublich schwierig, sie zum Bug zu ziehen und durch die Klüse zu zerren und schließlich über die Klampen zu belegen. Von oben kam eine zweite Leine. Ich band meine kleinen Gepäckstücke an und brüllte aus dem Dunklen nach oben: hiev an. Von dort kamen Enttäuschungs-Schreie: wir wollen nicht dein Luggage retten, sondern dein Leben! Ich hatte mir Ölzeug angezogen und die Schwimmweste angelegt, um zumindest dieses Zeug zu retten. In der Brusttasche hatte ich das Hand-UKW-Gerät, der Kapitän schrie, ich solle sofort kommen, die Mannschaft brüllte von oben, aber ich musste noch eine schwere Pflicht erfüllen: ich stieg noch einmal nach unten, durchschnitt einen Schlauch und öffnete das Seeventil. So würde Fidel untergehen und nicht als Geister Schiff andere gefährden.

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PACIFIC SPIRIT – (C) MarineTraffic.com/G. Savaugeau

Eine weitere Leine kam von oben, daran hing ein Lifebelt, aber ich konnte ihn nicht anlegen, alles war verdreht und meine Hände flogen. Da bat ich um eine Strickleiter. Die kam auch. Fidel schoss an der Bordwand auf und ab und wurde immer wieder grausam gegen den Großen geschmettert. Ich erlebte , wie stark mein Boot gebaut worden war, jedes Holz- oder Plastikboot wäre zerschellt. Am unglaublichsten war, dass der Mast noch immer stand, die Salinge waren neben mir herabgestürzt, ohne mich zu treffen, jederzeit konnte der Mast brechen und bei jedem Brecher, der Fidel gegen die hohe Bordwand schmetterte, schrie die Crew oben auf.

Ich musste nun die Strickleiter mit beiden Händen erwischen. Dazu musste ich das Want von Fidel loslassen. Ich hatte Angst, mal war Fidel mehr als einen Meter von der Bordwand entfernt, mal knallte sie dagegen und immerzu ging es meterweise auf und ab. Das Schwierigste war, auch die Füße blitzschnell auf die Leiter zu bewegen. Irgendwie ist es mir gelungen. Ich kletterte ein Paar Stufen hoch und fühlte, dass die Kräfte mich verließen, war schweißüberströmt und rang um Luft. Der Blick nach oben drohte, mir den Rest zugeben, die Bordwand verschwand nach oben im Dunklen, ich hörte die Crew nur schreien, sie feuerten mich an!

Der erste Teil der Kletterei war der schwerste. Die Leiter hing am einfallenden Teil des Schiffskörpers unten frei und drehte sich auch noch. So hing die ganze Last an den Armen. Die Hände verkrampften sich um das Seil und ich konnte sie kaum lösen. Dann kam ich In den Bereich, wo die Leiter an der senkrechten Bordwand anlag, da wurde das Klettern leichter. Schließlich konnte mich die Crew von oben packen und dann lag ich zwischen ihnen an Deck, keuchend, gerettet. Ich rappelte mich hoch, von vielen Händen unterstützt und sah in freundliche Gesichter: Wir haben um dich Angst gehabt, sagten sie immer wieder. Die PACIFIC SPIRIT ist ein rein chinesisches Schiff einer chinesischen Gesellschaft.

Fortan ist es mir gut gegangen, chinesisches Essen ist gesund und schmeckt gut, ich lernte, chinesischen Tee zu lieben und die chinesische Gastfreundschaft zu genießen. Der Kapitän schenkte mir 2 Hemden und einen weißen Anzug, lies mir die Haare schneiden, denn ich sollte ja für die vielen Fototermine als ihr Geretteter ordentlich aussehen. Die Crew sammelte chinesischen Tee für mich. In mein Zimmer wurde Milch, Wasser, Obst gestellt und immer wieder nach meinen Wünschen gefragt. Die Kompanie, die das Schiff betreibt, änderte den Kurs in Richtung Mauritius, weil von da der kürzeste Heimflug für mich möglich war, sie organisierte eine Barkasse, die mich vom ankernden Schiff abholte und einen Agenten, der den Behördenkram erledigte und für den Weiterflug sorgte. Die Zeit bis zum Abflug verbrachte ich beim deutschen Honorarkonsul auf Mauritius, auch von ihm wohlverpflegt.

Tja, nun Suche ich nach einer Wohnung und versuche eines Neuanfangs. Eine schmerzhafte Lücke klafft noch neben mir: da ist kein Boot mehr, das so viele Jahre meine Heimat gewesen ist.

Mein Sohn Boris und seine Freundin und meine langjährige Freundin Ulla helfen mir über die ersten Tage hinweg in den neuen Lebensabschnitt.

Liebe Grüße an Euch alle

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SV Atlantis – Inge + Ernst Bartels GER

SAVUSAVU – WAS VIELLEICHT NICHT AUF NOONSITE STEHT…

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Dieser Bericht versucht das Fehlende aus den Lobgesängen der Hurra-und-alles-ist-sooo-toll-Blogs der Sailing Birds zu ergänzen. Die meisten anderen Details finden Sie bei Noonsite.

Savusavu ist auch nach Winston immer noch traumhaft schön. Der Cyclon hat so einiges zerstört was aber an sich ohnehin schon marode war. Leider hat es auch die Palmen erwischt und so mancher Stamm steht ohne Krone da und hätte schon längst gefällt werden müssen. Doch so ist Fiji. In allem ein wenig langsamer als die kühlere Welt. Wer mal, wie wir, so viele Saisons hier verbracht hat kann die Dinge besser beurteilen als ein Sailingbird oder Palangi. WEITERLESEN

ZEITMILLIONÄR – ACHTUNG PREISSENKUNG!!

Der Herbst ist da, die Boote gehen langsam aus dem Wasser, die Tage werden kürzer und Weihnachten rückt langsam näher. Nun geht die Segelsaison wieder vor dem Bildschirm weiter. Man schwelgt in Erinnerungen und träumt von den Wunschzielen der nächsten Saison. Soll es die Ostsee werden, die Schären? Mein Film „Zeitmillionär“ erzählt von einem perfekten Segelsommer in den Schären, von einer langen Auszeit und der Verwirklichung von Träumen. 
 
  FILMTRAILER I
 FILMTRAILER II
Der gesamte Soundtrack zur Reise inkl. der aktuellen Single „Ich geh‘ segeln“ entstanden ebenfalls diekt vor der Kamera an Bord und im Tonstudio.  Passend zur Nachsaison habe ich nun den Preis für meinen Film „Zeitmillionär“ gesenkt.
Die Doppel-DVD Box gibt es nun für €19,90.-, den Download für €17,90.- u.a. hier: 

segel-filme
millemari.
oder direkt bei
www.luvgier.de

ZEITMILLIONÄR – ACHTUNG PREISSENKUNG!!

Der Herbst ist da, die Boote gehen langsam aus dem Wasser, die Tage werden kürzer und Weihnachten rückt langsam näher. Nun geht die Segelsaison wieder vor dem Bildschirm weiter. Man schwelgt in Erinnerungen und träumt von den Wunschzielen der nächsten Saison. Soll es die Ostsee werden, die Schären? Mein Film „Zeitmillionär“ erzählt von einem perfekten Segelsommer in den Schären, von einer langen Auszeit und der Verwirklichung von Träumen. 
 
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Der gesamte Soundtrack zur Reise inkl. der aktuellen Single „Ich geh‘ segeln“ entstanden ebenfalls diekt vor der Kamera an Bord und im Tonstudio.  Passend zur Nachsaison habe ich nun den Preis für meinen Film „Zeitmillionär“ gesenkt.
Die Doppel-DVD Box gibt es nun für €19,90.-, den Download für €17,90.- u.a. hier: 

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ZEITMILLIONÄR – ACHTUNG PREISSENKUNG!!

Der Herbst ist da, die Boote gehen langsam aus dem Wasser, die Tage werden kürzer und Weihnachten rückt langsam näher. Nun geht die Segelsaison wieder vor dem Bildschirm weiter. Man schwelgt in Erinnerungen und träumt von den Wunschzielen der nächsten Saison. Soll es die Ostsee werden, die Schären? Mein Film „Zeitmillionär“ erzählt von einem perfekten Segelsommer in den Schären, von einer langen Auszeit und der Verwirklichung von Träumen. 
 
  FILMTRAILER I
 FILMTRAILER II
Der gesamte Soundtrack zur Reise inkl. der aktuellen Single „Ich geh‘ segeln“ entstanden ebenfalls diekt vor der Kamera an Bord und im Tonstudio.  Passend zur Nachsaison habe ich nun den Preis für meinen Film „Zeitmillionär“ gesenkt.
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Skipper an Bord MARLIN in Horta

Wiedersehen mit Jan

Ja, ich habe es geschafft. Mir geht es gut genug um zu reisen. Zwischen meinen Chemobehandlungen, mit guten Blutwerten, fliege ich Anfang der Woche schon nach Horta um mich dort mit Jan zu treffen und die MARLIN zu übergeben. Chefarzt Menzel lässt mich gehen. Mit dem letzten Knochenmarkstest sind keine Krebszellen mehr in meinem Körper festzustellen. Gut so. Schiffszimmermann Harry ist zu 85% mit seinen Arbeiten fertig. Der Boden und alle Schlingerleisten sind jetzt nicht mehr lackiert, sondern geölt und gewachst. Nicht ganz wie neu, aber fast. Seine Mitarbeiterin Natacha macht den ganzen Dreck vom Schleifen weg, was sie wirklich gut macht. Jan und ich haben viel zu besprechen, was sich alles verändert hat. Jan ist ein bisschen nervös, weil er die MARLIN nun nicht mehr als Bootsjunge begleitet, sondern selber Skipper des nächsten Schlages nach Flensburg ist. Co-Skipperin Susann reist nächste Woche an. Und dann hoffen wir mal wieder auf das entsprechende Wetter. Sportlich wird es schon werden. Ich würde ja so gerne mitsegeln. Aber so gut geht es mir dann doch nicht. Trotz der guten Diagnose stehen noch drei Chemos an, die ich auch durchziehen werden.

Als ich die MARLIN vor drei Monaten verlassen habe um ein paar Wochen wieder zurück zu kommen, keiner ahnte ja, was passieren wird, habe ich das Schiff natürlich auch nicht für diese lange Zeit vorbereitet. Die ToDo Liste ist mal wieder lang. Nebst AIS, das wieder geht, ist jetzt statt einem zum Bordrechner umgebauten MacMini, ein Windows Rechner an Bord. Das macht mit der wechselnden Crew der kommenden zwei Jahre mehr Sinn. Auch verliert Apple seit dem Verlust von Mr. Jobs wirklich viele Vorzüge. Trojaner, Würmer, Vieren, Pishing Software etc. machen zwischenzeitlich einen Virenscanner auf den MacRechner notwendig. Das Betriebssystem wird immer unstabiler und verspielter. Nicht schön, aber nix zu machen. Mit der Grund, warum seit ein paar Tagen Funkstille auf dem MARLIN Blog herrscht ist, das mein MacBook Air zum wiederholten Male Ausfallerscheinungen hat und mich seit Flensburg durchgehend bis gestern Mittag im Stich gelassen hat. Nun bin ich aber nicht auf Faial, der Insel wo Horta liegt, um mich mit meinem MAC herumzuärgern.

Am Abend lädt der Azorenbootsjunge Lorenz zum Essen ein. Er speert mit der Harpune. Das ist sogar erlaubt auf den Azoren. Wieder bin ich neidisch. Vor ein paar Wochen hat er tatsächlich einen Wahoo mit der Harpune erlegt. So etwas ist mir noch nie zu Ohren gekommen. Und gar nicht klein sondern über 20kg. Nun ja. Heute Abend gibt es diversen Fisch vom Grill, ausgereiften Wein und gute Gesellschaft. Das geht. Das geht sogar gut.

So. Neuer Tag, neues Glück. Ich muss mich sputen. Am Dienstag geht es schon wieder Richtung Heimat. Am Mittwoch habe ich wieder ein Zimmer im Krankenhaus.

SV Fidel – Moritz Herrmann GER

SCHIFFBRÜCHIGER SUCHT WOHNUNG

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Soeben erreicht mich folgender Hilferuf von Moritz Herrmann, dem Vater von BORIS HERRMANN:

Liebe Freunde und Freundinnen des Segelns!
Dieser Brief fällt mir etwas schwer, es ist ein Abschied von Träumen und meinem geliebten Boot. In den letzten Monaten hatte ich viele Niederlagen erlebt: immer wieder versagte die Hydraulik der Ruderanlage. In Bali entschloss ich mich, das Ruder umbauen zu lassen, damit es leichter drehte. Die Hydraulik wurde (noch einmal) generalüberholt. So startete ich nach Christmas Island und den Cocos Islands mit gutem Gefühl und erlebte glückliche Segeltage vor einem beständigen Südost. Ein Nordseesegler kann sich dieses Glück kaum vorstellen,  bei warmen Temperaturen tagelang, fast ohne die Segel zu bedienen, dahinzugleiten in einer Meeresweite, die hier, 1000 Seemeilen von allem Land entfernt, keine Untiefen hat. Auf den Cocos Inseln fand ich den schönsten Ankerplatz meiner Reise, kristallklares Wasser über weißem Sand. Die meisten Segler waren nach Norden abgebogen, nur ein kleiner Trupp strebte weiter nach Westen Richtung Südafrika.

Mein nächstes Ziel nach Cocos war Rodrigues, eine Insel, die zu Mauritius gehört. Ich erlebte die schönsten Segeltage überhaupt mit Etmalen von 140 sm und sah mich schon in etwa 10 Tagen am Zwischenziel. Da brach die neue Roll Reffanlage aus dem Deck, an der Mastspitze hängend schleuderte der schwere Rollkorb und die ganze Anlage mit dem Segel weit nach Lee, um dann immer wieder, wie eine Abrissbirne gegen das Boot zu donnern. Es begann ein lebensgefährlicher Kampf, um den Fuß zu fangen. Eine besonders heftige Böe, unterstützt von einer heftigen See wirbelte die Anlage hoch über den Mast auf die Luvseite. Da gelang es mir, die sie mit einer Leine zu fangen und  an der Reling zu verzurren. Verschnaufpause nur für einen kurzen Augenblick, denn das Segel riss so heftig, dass die Reffstange unberechenbar stieß und zerrte und die Fenster in der Bordwand einzuschlagen drohte. Die aber kamen bei jedem Rollen weit unter Wasser… Bei diesem Kampf wurde ich mehrfach hin- und her geschleudert, schorte mit dem Rücken übers Deck, konnte mich aber immer an der Reling halten, blutete an Händen und Füßen, nach einem Schlag mit der Stange auch aus der Nase. Nächstes Kampfziel, das Vor Segel zerfetzen. Es entwickelte einen ungeheuren Druck auf die Mastspitze, die nicht mehr nach vorne gesichert war. An einen scharfen Fischhaken band ich ein langes Aluminiumrohr und versuchte, mit diesem schweren Ding in das Segel zu hacken. Frei zu stehen, ging natürlich nicht, immer wieder wurde ich aus meiner Verklammerung an einem Want geschleudert. Einmal kletterte ich auf das Dach der Kuchenbude und ehe ich mich aufrichten konnte, katapultierte mich eine Welle nach unten. Unglaubliches Glück, ich fiel nicht nach außenbords, sondern auf das Seitendeck zwischen Aufbauten und Reling. Es dauerte Tage, ehe ich die nervenaufreibend knatternden Segelfetzen kleiner gehackt hatte.

Nächster Schritt, eine Schot war ins Wasser gefallen und hatte sich um den Propeller gewickelt. Ich versuchte zu tauchen, aber das auf – und niedersausende Heck drohte mich zu erschlagen. Da zog ich eine andere Leine so um das Heck, dass ich mich daran runterziehen und festhalten konnte, wenn das Boot eintauchte. Es gelang mir, die Leine zu lösen. Nun konnte ich wieder auf Kurs gehen. Damit beruhigte sich das Rollen und ich wagte es, ein Stück in den Mast zu steigen, um einen Block anzubringen, durch den ich eine Leine scheren konnte, um ein Sturmsegel zu hissen, schließlich setzte ich noch das gereffte Besan Segel und tatsächlich segelte das Boot mit drei Knoten Richtung Rodrigues.

Ich atmete auf und entspannte mich; okay, dann wäre ich also noch 20 Tage unterwegs, statt 10. Na und, das konnte mich nicht bekümmern. Den Motor brauchte ich regelmäßig, um Strom für den Autopiloten zu erzeugen und er lief ruhig , wie immer, nachdem ich einen Defekt am Aussteller entdeckt hatte.
Wieder das Hochgefühl, mit Blick über die lebende, immer bewegte Weite des Ozeans, wo du die Wetter kommen und wieder abziehen siehst, hinter dir der Sonnenaufgang, vor dir Ihr Untergang. Du hast all dieses, den Tagesablauf, den Blick zum Horizont, das Wetter, den Wind und die ewige See für dich, unverstellt durch Reklamewände, ungestört von Beschallungen und immer frische, würzige Luft, die zu atmen eine Lust ist .

In der Nacht stellte der Autopilot seine Arbeit ein, Fidel taumelte quer zur See, rollte und schleuderte mich hin und her. Ich drehe energisch am Steuerrad, es geht verdächtig leicht, das Boot reagiert nicht mehr. Ich robbe zur Achter Piek und klettere rein: überall Öl ! Die Hydraulik ist hin, alle Dichtungen tropfen. Wie kann das sein, nach all den Reparaturen? Ich spüre, wie etwas in mir bricht: das ist das Ende. Nein, schreie ich, jetzt keine Entscheidung fällen, verkeil dich in der Koje. Versuch erst einmal zu schlafen. Ich krieche ins Vorschiff und krame die einzige Dose Bier heraus, die ich mitgenommen hatte. Ich binde mich an, um trinken zu können und schaue über das nächtliche Meer. So lebendig und schön siehst du au, denke ich, aber im Hintergrund meines Bewußtsein´s quillt, wie eine giftige Wolke der Gedanke auf: Moritz, du hast verloren.

Am nächsten Morgen rief ich meinen Sohn Boris an, erklärte, dass ich bereit sei, mich von einem Schiff aufnehmen zu lassen, gab ihm meine Position und bat ihn, die Seenotleitstelle in Bremen zu benachrichtigen, die die Meldung an Australien weitergab.

Die erste Nachricht, dass es wohl einige Tage dauern könne, weil die Gegend sei sehr abgelegen sei. Aber dann wurde mir plötzlich ein Schiff In den nächsten Stunden angekündigt. Bald tauchten seine Umrisse am Horizont auf, hastig rasieren, etwas waschen, ein paar nötige Dinge zusammenpacken. Es war ein Riesenpott, der da von Nordosten kam, wie ich später genauer erfuhr, 280m lang, 40m breit. Der Kapitän zog langsam einen Kreis um mich, aber er kam nicht an mich ran. Für enge Manöver sind diese Kolosse nicht gebaut. Es wurde dunkel, schließlich startete ich meinen Motor und fuhr quer auf die PACIFIC SPIRIT zu. Was würde passieren? Fidel rammte gegen die hohe Bordwand und legte sich dann, wie schutzsuchend, längsseits. Eine schwere Leine kam von oben, ich konnte sie greifen, es war unglaublich schwierig, sie zum Bug zu ziehen und durch die Klüse zu zerren und schließlich über die
Klampen zu belegen. Von oben kam eine zweite Leine. Ich band meine kleinen Gepäckstücke an und brüllte aus dem Dunklen nach oben: hiev an. Von dort kamen Enttäuschungs Schreie: wir wollen nicht dein Luggage retten, sondern dein Leben! Ich hatte mir Ölzeug angezogen und die Schwimmweste angelegt, um zumindest dieses Zeug zu retten. In der Brusttasche hatte ich das Hand-Ukw-Gerät, der Kapitän schrie, ich solle sofort kommen, die Mannschaft brüllte von oben, aber ich musste noch eine schwere Pflicht erfüllen: ich stieg noch einmal nach unten, durchschnitt einen Schlauch und öffnete das Seeventil. So würde Fidel untergehen und nicht als Geister Schiff andere gefährden.

Eine weitere Leine kam von oben, daran hing ein Lifebelt, aber ich konnte ihn nicht anlegen, alles war verdreht und meine Hände flogen. Da bat ich um eine Strickleiter. Die kam auch. Fidel schoss an der Bordwand auf und ab und wurde immer wieder grausam gegen den Großen geschmettert. Ich erlebte , wie stark mein Boot gebaut worden war, jedes Holz- oder Plastikboot wäre zerschellt. Am unglaublichsten war, dass der Mast noch immer stand, die Salinge waren neben mir herabgestürzt, ohne mich zu treffen, jederzeit konnte der Mast brechen und bei jedem Brecher, der Fidel gegen die hohe Bordwand schmetterte, schrie die Crew oben auf.

Ich musste nun die Strickleiter mit beiden Händen erwischen. Dazu musste ich das Want von Fidel loslassen. Ich hatte Angst, mal war Fidel mehr als einen Meter von der Bordwand entfernt, mal knallte sie dagegen und immerzu ging es meterweise auf und ab. Das Schwierigste war, auch die Füße blitzschnell auf die Leiter zu bewegen. Irgendwie ist es mir gelungen. Ich kletterte eon Paar Stufen hoch und fühlte, dass die Kräfte mich verließen, war schweißüberströmt und rang um Luft. Der Blick nach oben drohte, mir den Rest zugeben, die Bordwand verschwand nach oben im Dunklen, ich hörte die Crew nur schreien, sie feuerten mich an!

Der erste Teil der Kletterei war der schwerste. Die Leiter hing am einfallenden Teil des Schiffskörpers unten frei und drehte sich auch noch. So hing die ganze Last an den Armen. Die Hände verkrampften sich um das Seil und ich konnte sie kaum lösen. Dann kam ich In den Bereich, wo die Leiter an der senkrechten Bordwand anlag, da wurde das Klettern leichter. Schließlich konnte mich die Crew von oben packen und dann lag ich zwischen ihnen an Deck, keuchend, gerettet. Ich rappelte mich hoch, von vielen Händen unterstützt und sah in freundliche Gesichter: Wir haben um dich Angst gehabt, sagten sie immer wieder. Die PACIFIC SPIRIT ist ein rein chinesisches Schiff einer chinesischen Gesellschaft.

Fortan ist es mir gut gegangen, chinesisches Essen ist gesund und schmeckt gut, ich lernte, chinesischen Tee zu lieben und die chinesische Gastfreundschaft zu genießen. Der Kapitän schenkte mir 2 Hemden und einen weißen Anzug, lies mir die Haare schneiden, denn ich sollte ja für die vielen Fototermine als ihr Geretteter ordentlich aussehen. Die Crew sammelte chinesischen Tee für mich. In mein Zimmer wurde Milch, Wasser, Obst gestellt und immer wieder nach meinen Wünschen gefragt. Die Kompanie, die das Schiff betreibt, änderte den Kurs in Richtung Mauritius, weil von da der kürzeste Heimflug für mich möglich war, sie organisierte eine Barkasse, die mich vom ankernden Schiff abholte und einen Agenten, der den Behördenkram erledigte und für den Weiterflug sorgte. Die Zeit bis zum Abflug verbrachte ich beim deutschen Honorarkonsul auf Mauritius, auch von ihm wohlverpflegt.

Tja, nun Suche ich nach einer Wohnung und versuche eines Neuanfangs. Eine schmerzhafte Lücke klafft noch neben mir: da ist kein Boot mehr, das so viele Jahre meine Heimat gewesen ist.

Mein Sohn Boris und seine Freundin und meine langjährige Freundin Ulla helfen mir über die ersten Tage hinweg in den neuen Lebensabschnitt.

Liebe Grüße an Euch alle,

Moritz Herrmann

Kontakt Moritz Herrmann moritzfidel@yahoo.de

SV Atlantis – Inge + Ernst Friedrich Bartels GER

ABSCHIED VON FIJI

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Für uns geht die Fiji Saison 2016 so langsam zu ende. Es war eine ruhige und fast faule Zeit verbunden mit viel Wartezeit wegen unseres neuen Plotters. Das zog sich über insgesamt 10 Wochen hin. Der Alte hat auf der letzten
Reise Bildschirmprobleme bekommen und taugt nur noch für den Notfall.

s-3

Bevor wir nun wieder ins Big-Blue starten noch ein kurzes Lebenszeichen
und ein paar Fotos dieser Reise.

Das nächste Update kommt dann wieder aus Neuseeland.
Liebe Grüße
Inge und Ernst SV Atlantis

SV Suhaili – Sir Robin Knox-Johnston UK

EINE LEGENDE IST AUFERSTANDEN

Es hat Jahre gedauert, dieses Schiff in seinen Ursprungszustand zu versetzen. Mit der SUHAILI hatte Robin Knox-Johnston die erste Nonstop Weltumsegelung erfolgreich beendet, es war die Reise, bei der BERNARD MOITESSIER mit seiner SV JOSHUA unsterblich geworden ist, weil er auf siegreicher Position den Kurs wechselte und in die Südsee weiter segelte. Mit Sir Robin´s Tochter SARA am Ruder, hat die SUAHELI im September 2016 an der HAMBLE CLASSIC Regatta des ROYAL SOUTHERN YACHT CLUB teilgenommen.

SV Perla – Bartłomiej Czarciński PL

NONSTOP WELTUMSEGELUNG ABBRUCH – MAYDAY BEI CAPE TOWN – ZWEIMAL DURCHGEKENTERT UND MASTBRUCH

bartek

Nach dem Mastbruch am Anfang seiner Reise, hat der junge Bartek nun erneut Pech gehabt. Nach 10.600 sm hat es den jungen Polen vor einigen Stunden südlich Cape Town erwischt. Er hat MAYDAY rufen müssen. Die Informationen sind derzeit spärlich, es scheint, dass er mehrfach durchgekentert ist und den Mast verloren hat, zudem viel Wasser ins Schiff gekommen ist. POSITION

Nach monatelanger Ruhe auf seine FB Seite überschlagen sich nun in seiner Heimat die negativen Kommentare. Wir werden das beobachten und darüber berichten. Facebook

DREI neue Bücher im September bei millemari.

Gleich drei neue Bücher erschienen jetzt bei millemari.,
die ich vorstellen möchte. Heute: WIE WIR IM NORDEN SEGELN.

Manchmal trifft man auf einen Segler, der mit genau der gleichen Leidenschaft übers Meer unterwegs ist wie man selber. Aber es kann vorkommen, dass man sich so rein gar nichts gegenseitig zu sagen, zu erzählen hat. Der Grund dafür ist nicht zwangsläufig, dass man sich unsympathisch wäre, nein. Es ist nur so, dass unter dem Sammelbegriff „Segeln“ sich schon unglaublich viel tummelt: Ein rechter Regatta-Segler wird mich schon schräg ansehen, wie ich da zufrieden mit 4,8 Knoten = 9 Km/h tagein, tagaus durchs Mittelmeer ziehe. Vollends den Vogel zeigen mir wahrscheinlich Leute, die Surfboards oder Skiffs benutzen, für die ist meine liebe LEVJE eine lahme Ente. Aber auch Leute, die genauso „lahm“ wie ich als Fahrtensegler unterwegs sind, haben sich gelegentlich wenig zu sagen, weil die Welten, in denen sie sich bewegen, so gänzlich verschieden sind.

In einer ganz anderen Welt als meiner ist Holger Peterson unterwegs. Wir kennen uns, seit er uns vor eineinhalb Jahren in einer Januar-Schneeregen-Nacht auf seine FUCHUR nach Bremen einlud, um dort zu übernachten. War urgemütlich, bei einem 4 Grad-Celsius-Wetter aus dem muckelig warmen Boot heraus dem Regen beim Prasseln zuzusehen. Holger’s Revier sind Nordsee und Ostsee. Und wenn er darüber schreibt, wie er im Norden segelt, und was dies Segeln im Norden bedeutet, dann ist dies – ausgenommen Wale, Delphine, Petermännchen und Boote – so ganz anders als alles, was ich kenne.

Da wäre in Holger’s soeben erschienenen Buch WIE WIR IM NORDEN SEGELN die Tatsache, dass in der Nordsee die Gezeiten einfach den Rhythmus fürs Segeln vorgeben. Man fährt nicht einfach los, wann man will. Sondern man fährt los, wenn man sich ausgerechnet hat, wann die Gezeiten ein Ankommen am Zielort überhaupt zulassen. Schafft man es nicht, seinen Zeitplan einzuhalten, dann lässt man sich „Trockenfallen“: Wartet, bis das Boot einfach auf dem Sand aufsetzt. Und wartet, bis die nächste Flut das Boot wieder steigen lässt.

Überaus spannend fand ich Holger’s Kapitel über „Trockenfallen und Gewitter“ südlich Wangerooge. Kaum haben seine drei Kiele auf dem Sand aufgesetzt, erfährt er via Wetterbericht, dass Gewitter mit Böen bis zu 10 Beaufort im Anmarsch sind. Wie geht man damit um, dass „Trockengefallen“ zwar ein sicherer Zustand ist, aber „aufschwimmen“ genau hinein in die Sturmböen schon ganz besondere Anforderungen an den Skipper stellen? Der trägt dann mal eben seinen Anker 30 Meter zu Fuß über den Schlick, um sich in der richtigen Richtung abzusichern.

Seerobendame Roberta, zu Gast im Sommer für fünf Monate in Cuxhafen.

Holger Petersons Buch las ich mit Spass, aber auch mit gelegentlichem „Aha“. Da schreibt einer, den die Liebe zu einem ungewöhnlichen Revier umtreibt und der dieses Revier segelnd beherrscht. Manche Geschichte, manches Detail, manchen seiner vielen Tipps hätte ich mir noch ausführlicher von Holger gewünscht, ob es nun um jährliche Ostsee-Feuerqualenplage oder Delphin-Intellligenz oder den Einfluss des Windes auf Wasserstände geht. Aber auch so ist das Buch ein wunderbarer und wertvoller Einstieg in ein anderes Revier. Und ein Schmöker für die Fans dieses umwerfenden Reviers, wenn Holger seine Leser gekonnt mit auf die Reise nimmt zu bekannten und unbekannten Spots dieses Gebiets. Ich werde Holger auf alle Fälle fragen, ob er mich nächsten Sommer mal mitnimmt, auf seiner FUCHUR, in Watt, Gezeit und Siel.

Soeben erschienen.
252 Seiten. eBOOK ab € 14,95
Oder bei AMAZON oder in jeder Buchhandlung.



DREI neue Bücher im September bei millemari.

Gleich drei neue Bücher erschienen jetzt bei millemari.,
die ich vorstellen möchte. Heute: WIE WIR IM NORDEN SEGELN.

Manchmal trifft man auf einen Segler, der mit genau der gleichen Leidenschaft übers Meer unterwegs ist wie man selber. Aber es kann vorkommen, dass man sich so rein gar nichts gegenseitig zu sagen, zu erzählen hat. Der Grund dafür ist nicht zwangsläufig, dass man sich unsympathisch wäre, nein. Es ist nur so, dass unter dem Sammelbegriff „Segeln“ sich schon unglaublich viel tummelt: Ein rechter Regatta-Segler wird mich schon schräg ansehen, wie ich da zufrieden mit 4,8 Knoten = 9 Km/h tagein, tagaus durchs Mittelmeer ziehe. Vollends den Vogel zeigen mir wahrscheinlich Leute, die Surfboards oder Skiffs benutzen, für die ist meine liebe LEVJE eine lahme Ente. Aber auch Leute, die genauso „lahm“ wie ich als Fahrtensegler unterwegs sind, haben sich gelegentlich wenig zu sagen, weil die Welten, in denen sie sich bewegen, so gänzlich verschieden sind.

In einer ganz anderen Welt als meiner ist Holger Peterson unterwegs. Wir kennen uns, seit er uns vor eineinhalb Jahren in einer Januar-Schneeregen-Nacht auf seine FUCHUR nach Bremen einlud, um dort zu übernachten. War urgemütlich, bei einem 4 Grad-Celsius-Wetter aus dem muckelig warmen Boot heraus dem Regen beim Prasseln zuzusehen. Holger’s Revier sind Nordsee und Ostsee. Und wenn er darüber schreibt, wie er im Norden segelt, und was dies Segeln im Norden bedeutet, dann ist dies – ausgenommen Wale, Delphine, Petermännchen und Boote – so ganz anders als alles, was ich kenne.

Da wäre in Holger’s soeben erschienenen Buch WIE WIR IM NORDEN SEGELN die Tatsache, dass in der Nordsee die Gezeiten einfach den Rhythmus fürs Segeln vorgeben. Man fährt nicht einfach los, wann man will. Sondern man fährt los, wenn man sich ausgerechnet hat, wann die Gezeiten ein Ankommen am Zielort überhaupt zulassen. Schafft man es nicht, seinen Zeitplan einzuhalten, dann lässt man sich „Trockenfallen“: Wartet, bis das Boot einfach auf dem Sand aufsetzt. Und wartet, bis die nächste Flut das Boot wieder steigen lässt.

Überaus spannend fand ich Holger’s Kapitel über „Trockenfallen und Gewitter“ südlich Wangerooge. Kaum haben seine drei Kiele auf dem Sand aufgesetzt, erfährt er via Wetterbericht, dass Gewitter mit Böen bis zu 10 Beaufort im Anmarsch sind. Wie geht man damit um, dass „Trockengefallen“ zwar ein sicherer Zustand ist, aber „aufschwimmen“ genau hinein in die Sturmböen schon ganz besondere Anforderungen an den Skipper stellen? Der trägt dann mal eben seinen Anker 30 Meter zu Fuß über den Schlick, um sich in der richtigen Richtung abzusichern.

Seerobendame Roberta, zu Gast im Sommer für fünf Monate in Cuxhafen.

Holger Petersons Buch las ich mit Spass, aber auch mit gelegentlichem „Aha“. Da schreibt einer, den die Liebe zu einem ungewöhnlichen Revier umtreibt und der dieses Revier segelnd beherrscht. Manche Geschichte, manches Detail, manchen seiner vielen Tipps hätte ich mir noch ausführlicher von Holger gewünscht, ob es nun um jährliche Ostsee-Feuerqualenplage oder Delphin-Intellligenz oder den Einfluss des Windes auf Wasserstände geht. Aber auch so ist das Buch ein wunderbarer und wertvoller Einstieg in ein anderes Revier. Und ein Schmöker für die Fans dieses umwerfenden Reviers, wenn Holger seine Leser gekonnt mit auf die Reise nimmt zu bekannten und unbekannten Spots dieses Gebiets. Ich werde Holger auf alle Fälle fragen, ob er mich nächsten Sommer mal mitnimmt, auf seiner FUCHUR, in Watt, Gezeit und Siel.

Soeben erschienen.
252 Seiten. eBOOK ab € 14,95
Oder bei AMAZON oder in jeder Buchhandlung.