Monatsarchive: Oktober 2016

Crew 19 an Bord

Mannschaft komplett

Nachdem Lara am Freitag, Bente, Micha und Lars am Samstag angekommen sind, habe ich mit meiner Ankunft am Sonntag die Crew komplettiert. Die Anreise hat bei allen problemlos geklappt….leider nein. Am Freitag Abend gab es die erste Schrecksekunde, die sich dann zu einer schlaflosen Nacht von Bente und Micha ausbaute. Ihr Gepäck war leider in Düsseldorf hängengeblieben. Nun waren sie zwar auf den Azoren, aber halt ohne Schwerwetterkleidung, warme Unterwäsche, Gummistiefel…..So hätten sie nicht segeln können. Zum Glück konnte alles geregelt werden und die Taschen wurde am Sonntag morgen nachgeliefert. Der wunderschöne Sonntag wurde zum Erkunden der Stadt, eines nahgelegenen Hügels und natürlich der Marlin genutzt. Eine so große Yacht benötigt schon ein bisschen Zeit zum kennenlernen. Skipper Jan hat mit der Einweisung in den Motorraum und Deck begonnen. Außerdem einen Überblick über das laufende und stehende Gut gegeben. Den Tagesabschluss bildetet das gemeinsame Essen mit einer kleinen Vorstellungsrunde in der ,,Stadt“. Erstes Resümee: Jan und ich haben super Glück gehabt oder besser gesagt Schiffseigner Micha hat uns eine tolle Mannschaft zusammen gestellt. Für Morgen steht die Einweisung in das restliche Schiff, Planen und Einkaufen und eine Geburtstagsfeier auf dem Plan. Einen Tisch in der legendäre Seglerkneipe Peter Cafe Sport ist schon reserviert.

Sue

Crew 19 an Bord

Geburtstag

Am Tag vor der Abreise haben wir viel zu tut. Es beginnt mit einem Check der Bordvorräte. Die Besatzungen vor uns haben recht viele haltbare Lebensmittel übrig gelassen. Wir haben Nudel, Reis, Mehl, Dosentomaten, Kokosmilch, Marmelade, Gurken….. im Überfluss. Trotzdem wird auch unsere Liste recht voll. Obst, Gemüse, Salat, Käse, Salami…. ganz, ganz viele Süßigkeiten und Cola für die Nachtschichten. Bente, Lars und Lara sind für ein paar Stunden beschäftigt. Parallel wird das Projekt ,,Bild auf der Haufenmohle“ angegangen. Hauptbeauftragter dafür ist Micha, der ebenfalls für Stunden beschäftigt ist. Die Idee für das Motiv ist unserem super kreativen Skipper Jan entsprungen. Vor dem Abendessen stand der 2. Teil der Sicherheitseinweisung auf dem Plan. Diesmal unter Deck. Schwimmwesten wurden zugeteilt und gecheckt, Lifelines angepasst, AIS-Transponder erklärt. Danach nahmen wir uns dem Thema Feuer und Feuerlöscher an. Vermeiden ist das wichtigste und Wasser zum Löschen im Überfluss vorhanden. Soweit so gut. Wenn es keine Kabelbrände und Fettbrände gäbe. Dafür haben wir CO2 und spezielle Schaumlöscher. Batteriehaupschalter und Gasabsperrventile suchen und finden war das nächste Thema. Und und und…..Wieder ein paar Stunden. Dann hatten wir auch noch einen Geburtstag zu feiern. Lara hat Geburtstag. Happy birthday! Da werden bei mir ein paar Erinnerungen wach. Vor knapp einem Jahr habe ich schon mal einen Geburtstag gefeiert, auf hoher See mitten auf dem Atlantik. Wir waren auf dem Weg von den Kapverden nach Grenada und feierten Skipper Micha´s Geburtstag. Schön war´s und was ganz besonderes. Ein bisschen vermisse ich ihn schon. Auf der Marlin zu sein, ohne ihn….. Gut, dass es wenigsten einen Namensvetter gibt. Praktischerweise ein sehr erfahrener Segler und supernett.

Sue

MARLIN under way the Acores

Ruhig Brauner. GANZ ruhig.

Ganz ehrlich? NEIN. Es ist mir gar nicht wohl bei dem Gedanken, dass die MARLIN jetzt grade in Horta abgelegt hat. Ich habe unser Schiff in Jan’s Hände gelegt und bin mir sicher, dass die MARLIN mit ihm und seiner Crew dort wohlbehalten ankommen wird, wo sie hinwollen. Nach Portsmouth. ABER! Es ist eben doch ein komisches Gefühl, dass mein „BABY“ jetzt ohne den alten Knurrhahn Wnuk durch die Wellen schneidet. Im Moment kann ich die MARLIN noch am Horizont sehen über AIS. Das wird nicht mehr lange so gehen und da bin ich auch froh drüber. Das würde mich ja fast wahnsinnig machen, ständig nachschauen zu können. Einmal am Tag hab ich mir vorgenommen, werde ich Position, Wetter und Navigation betrachten. Nicht öfters. Na. O.K. Dann zweimal eben.

Neue Fender braucht der Kutter

Schluss mit Kratzern

Certec Fender aus Frankreich. Wie man auf dem Bild sieht ist die MARLIN dann endlich mal sicher gegen Karambolage Spielchen mit Kaimauern. Die sind nicht nur groß und lang und schützen die MARLIN auch, wenn sie von schweren Windböen mit 30° Krängung an die Mauer gedrückt wird, die sind vor allen Dingen zum schnellen Aufblasen mit der Fuß-Pumpe gedacht. Sprich, sie können kleingepackt und leergesaugt praktisch irgendwo im Schiff verstaut werden, wenn man sie nicht braucht. Leider wie alles, was gut ist: Teuer. Die Summer der Schäden in den letzten drei Jahren, der Nerven der Eigner und dem Reparaturbudget, hoffen wir jetzt die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Drei von den Dingern haben wir erstanden. Danke an Leser Alex der uns die Bezugsfirma in Frankreich vermittelt hat.

Safty first. Sturmtief Nicole, im Moment immer noch Hurrikane genannt im Moment, hat seine Richtung gen Island geändert. Gut so. Dann steht der Abfahrt der MARLIN fast nichts im Weg, ausser das zwei Mitsegler, Micha und Bente, ohne ihre Gepäck angekommen sind. Und da sind warme Sachen drin. Hmm. Jetzt hoffen wir mal, dass dieses Problemchen auch den richtigen Verlauf nimmt.

Einklarieren/Ausklarieren – Umgang mit Behörden

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von Sönke Roever

Kaum ein Thema wird am Ankerplatz so heiß diskutiert, wie die Einreisebestimmungen für Galapagos. Das beginnt schon auf der europäischen Seite des Atlantiks – also mehr als 4.000 Seemeilen vom eigentlichen Ziel entfernt. Aber auch die Formalitäten am Panamakanal oder das Einklarieren auf den Kapverden beschäftigen die Gemeinde der Langfahrer und dies sind nur einige Beispiele. Mit anderen Worten: Über Behörden und Blauwassersegler gibt es viele Geschichten.

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Einklarieren in Französisch-Polynesien auf der Polizeiwache von Bora Bora.

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass man den Umgang mit Behörden stets gelassen sehen und immer an die alte Weisheit denken sollte „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“.

Ich persönlich empfinde den Umgang mit Offiziellen als recht unkompliziert. Dazu gehört allerdings, Geduld mitzubringen und nicht alles zu hinterfragen, was unlogisch erscheint. Wer dies beachtet, wird kaum Probleme mit den Formalitäten haben. Am Ende des Tages stecken in den Uniformen Menschen, die nur ihren Job machen und da gibt es eben gute und schlechte Tage. Hinzu kommt, dass wir Deutschen sehr gut organisiert sind. In anderen Ländern ist das nicht immer der Fall und wir sollten es daher auch nicht automatisch erwarten.

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Auf UKW-Kanal 16 wird mit den Behörden bei der Einreise Kontakt aufgenommen.

Grundsätzlich ist es ratsam, jeweils einen ganzen Tag für den Papierkram beim Ein- oder Ausklarieren einzuplanen. Oftmals geht es schneller und dann kann man sich darüber freuen. Der Ablauf selbst ist fast immer der gleiche. Beim Eintritt in die Zwölf-Seemeilen-Zone wird die gelbe Quarantäneflagge zusammen mit der Gastlandflagge unter der Steuerbordsaling gesetzt. Außerdem wird auf Kanal 16 die zuständige Küstenfunkstelle angefunkt und die Einreise bekanntgegeben.

Tipp: Gastlandflaggen können, soweit die Route im Vorwege bekannt ist, beispielsweise  preiswert auf ebay erworben werden – alternativ unterwegs bei Schiffsausrüstern.

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Die Quarantäneflagge Q unter der Steuerbordsaling signalisiert, dass man einklarieren möchte.

Übrigens braucht ein deutscher Staatsbürger in nur wenigen Ländern im Voraus ein Visum oder Cruising-Permit (beispielsweise für Russland oder Australien). Hier hilft es, sich vorher beim Auswärtigen Amt oder auf Noonsite zu erkundigen, welche Anforderungen gestellt werden, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Ist ein Visum erforderlich, kann dieses häufig online beantragt werden.

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Passkontrolle in Litauen – hier verläuft alles sehr entspannt.

Je nach Einreiseland geht es vor Ort dann zu verschiedenen offiziellen Stellen. Das sind meistens: Zoll, Quarantänebehörde, Einwanderungsbehörde, Militär und/oder Polizei. Die Behördengänge kann man in der Regel selbst erledigen. Wir haben nur einmal während unserer zahlreichen Reisen einen Agenten beauftragt – das war in Kolumbien.

Mitunter kommen die Beamten auch an Bord. Vom einfachen Abstempeln der Pässe bis hin zur Durchsuchung ist dann alles möglich. Letzteres findet eher selten statt – wir haben es nur ein einziges Mal erlebt. In manchen Ländern ist es jedoch verboten, bestimmte Lebensmittel einzuführen – beispielsweise Fleisch in Neuseeland oder Gemüse in Vanuatu. In solchen Fällen kommt in der Regel jemand an Bord, um die „verbotene Ware“ zu konfiszieren.

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Immigrationsbehörde in Luganville (Vanuatu).

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Passkontrolle an Bord. Es werden Lebensmittel konfisziert (Neuseeland).

In einigen Ländern kommt es vor, dass bereits auf hoher See ein Schnellboot der Küstenwache, ein Hubschrauber oder ein Flugzeug der Yacht näher kommt. Ist dies der Fall, sollte spätestens dann der UKW-Kanal 16 eingeschaltet werden. In der Regel melden sich die Offiziellen per Funk und erfragen die Reiseroute (woher/wohin) und erkundigen sich nach Daten zu den Mitreisenden.

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In der Arafurasee überfliegen australische Behörden mehrfach unser Schiff.

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Kontrolle vor den ABC-Inseln mit einem Hubschrauber (Curacao).

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Bay of Islands (Neuseeland) – ein Schnellboot inspiziert unser Schiff.

Einge Behörden hin und wieder gar nicht auf den Besuch von Yachten eingestellt und so kann es schon mal vorkommen, dass Formulare für die Berufsschifffahrt verwendet werden. Bei der Anzahl der Brutto-Register-Tonnen muss dann eben eine sehr kleine Zahl in das eher breite Feld eintragen werden oder die Frage nach der Anzahl der an Bord befindlichen Rattenbleche einfach mit „Null“ beantwortet werden ?

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Alles klar?

Überhaupt haben wir uns nicht selten über den Papierberg gewundert, der ausgefüllt werden muss, um ein Land bereisen zu dürfen. Immer wieder kommt es dabei vor, dass Formulare mehrfach ausgefüllt werden müssen, weil es keinen Kopierer oder kein Durchschlagpapier gibt. Wie gesagt, es nützt nichts, sich darüber aufzuregen. Die Dinge sind wie sie sind und Gelassenheit hilft am ehesten weiter.

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Von der Wiege bis zur Bahre — Formulare, Formulare.

Damit der Umgang mit den Behörden möglichst reibungslos verläuft, sollten an Bord stets folgende Dokumente mitgeführt werden:

1. Eigentumsnachweis

Hierzu ist der Kaufvertrag des Schiffes in Kombination mit dem Bootsschein oder dem Flaggenzertifikat ausreichend. Der Bootsschein wird vom Deutschen Segler-Verband (DSV) oder dem ADAC ausgestellt. Das Flaggenzertifikat stellt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) aus. Der Bootsschein ist zwei Jahre gültig, das Flaggenzertifikat acht Jahre. Da der Bootsschein nicht von allen Ländern akzeptiert wird, sollte in Abhängigkeit vom Fahrtgebiet und der Reisedauer überlegt werden, ob das Flaggenzertifikat nicht die bessere Alternative ist. Schiffe über 15 Metern Länge müssen zudem im Schiffsregister eingetragen werden.

2. Reisepass

Für jedes Crewmitglied an Bord muss der Reisepass mitgeführt werden. Er sollte beim Verlassen des Reiselandes noch mindestens ein halbes Jahr gültig sein. Der  Personalausweis reicht vielerorts nicht aus, da er nicht abgestempelt werden kann.

3. Crewlisten

An Bord sind ausreichend Crewlisten mitzuführen. Die Crewliste enthält Angaben zum Schiff (Eigner, Abmessungen, Rufzeichen etc.) und den an Bord reisenden Personen (Name, Vorname, Geburtsdatum und -ort, Reisepassnummer, Staatsangehörigkeit). Ein Muster gibt es hier

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Crewlisten werden beim Ein- und Ausklarieren in ausreichender Anzahl benötigt, wie hier in Panama.

4. Versicherungsnachweis

Einige ausländische Marinas verlangen einen Nachweis über die Haftpflichtversicherung. Eine Kopie der Police reicht meist aus . Alternativ wird ein Nachweis von der Versicherung ausgestellt. Kann dieser nicht erbracht werden, muss vor Ort eine kostenpflichtige Zusatzversicherung für die Liegezeit erworben werden.

5. Führerscheine und Funklizenzen

Generell sollten an Bord alle Führerscheine und Funklizenzen mitgeführt werden, um sie im Zweifel vorlegen zu können — obwohl in vielen Ländern überhaupt kein Führerschein benötigt wird, um ein Schiff zu führen.

6. Frequenzzuteilungsurkunde

Die Urkunde ist als Nachweis der Eintragung der Seefunkstelle samt Rufzeichen und der EPIRB mitzuführen.

7. Krankenversicherungsnachweis

Der Nachweis wird äußerst selten verlangt. Wer beispielsweise St. Helena im Atlantik ansteuert, sollte ihn mitführen.

Es empfiehlt sich immer zahlreiche Kopien der Crewliste, des Bootsscheins oder Flaggenzertifikats und der Reisepässe mitzuführen. Das spart oftmals viel Zeit beim Ein- und Ausklarieren. Ferner ist ein Schiffsstempel in vielen Ländern gern gesehen.

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Papier gehört vielerorts zum Ein- und Ausklarienen wie der Wind zum Segeln.

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Auf Martinique und anderen karibischen Inseln kann am Rechner ein- und ausklariert werden.

In vielen Ländern ist eine Uniform ein Statussymbol und die Beamten sind stolz, diese tragen zu dürfen. Daher sollte ihnen bei Formalitäten nicht ungepflegt und in Badeshorts gegenübergetreten werden, auch wenn gerade eine Ozeanüberquerung hinter einem liegt und man sich in seinem verwegenen Outfit vielleicht äußerst kernig fühlt. Auch ist es hilfreich, während der Behördengänge nicht allzu viel Deutsch zu reden. Das ist unhöflich und kann insbesondere in Kombination mit Gelächter missverstanden werden. Im schlimmsten Fall könnte ein Beamter denken, dass sich die Besucher über ihn lustig machen.

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In vielen Ländern ist die Uniform ein Statussymbol. Hier Insel Rodriguez (Mauritius).

Und natürlich macht der Ton die Musik. Während wir es in Marokko ertragen haben, dass die Grenzer mit ihren dicken Stiefeln über unser Schiff liefen, haben unsere Nachbarn darauf bestanden, dass sie die Schuhe ausziehen. Ergebnis: Unsere Einreise hat nur eine Viertelstunde gedauert — die unserer Nachbarn hingegen den ganzen Vormittag. Ihr Schiff wurde komplett durchsucht. Natürlich muss nicht alles akzeptiert werden, aber hier und da ist es ratsam die Verhältnismäßigkeit zwischen den eigenen Forderungen und den Folgen abzuwägen.

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Freundliche Stimmung auf Bali (Indonesien) beim Ausklarieren.

Es kann auch vorkommen, dass die Offiziellen nach „Geschenken“ fragen. Konkret sind dies Alkohol, Zigaretten oder Devisen. Hier hat es sich bewährt, im Gegenzug anzubieten, der Gemeinde oder Schule im Dorf eine Spende zu machen, die allen zugutekommt. Meist ist die Sache damit erledigt. Korruption und Bestechlichkeit sind uns auf unseren Reisen glücklicherweise bisher nur selten untergekommen. Irgendwie konnten Judith und ich es bisher immer umgehen, „Geschenke“ zu verteilen.

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Einklarieren in Polen.

Vielleicht hat dazu auch beigetragen, dass wir uns in jedem Land vorab die Mühe gemacht haben, in der Sprache des Landes einige Worte zu lernen. Das ist ein absoluter Türöffner und vielleicht einer der wichtigsten Tipps in diesem Artikel. Ein paar Brocken in der Landessprache lösen meist freundliche Gegenreaktionen aus. Da reichen oft schon die vier Worte: Hallo, Danke, Ja und Nein.

In der Praxis läuft das so ab: Wir betreten die Behörde und sagen in der Landessprache „Hallo“. Logischerweise antwortet man uns daraufhin in der Landessprache und wir verstehen kein Wort. Kaum, dass wir das erklären, beginnt in der Regel eine allgemeine Erheiterung. Das Eis ist gebrochen. Neben Englisch, was jeder Langfahrtsegler beherrschen sollte, helfen je nach Ziel durchaus auch Spanisch- und Französischkenntnisse weiter.

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Englisch ist weit verbreitet und sollte beherrscht werden. Hier: Schild in Vanuatu.

Weitere Türöffner sind oftmals Kinder und weibliche Crewmitglieder. Bei vielen Crews hat es sich bewährt, den Skipperinnen den Landgang und die Formalitäten zu übertragen. Frauen gehen hier vermutlich mehr besonnen vor und Kinder sind bei den Offiziellen meistens auch gerne gesehen und beschleunigen dadurch indirekt den Vorgang – wie auch das Titelbild zu diesem Beitrag zeigt.

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Einklarieren in Kuba.

Fazit

Das Ein- und Ausklarieren ist kein Hexenwerk und wer die vorstehenden Hinweise verinnerlicht, wird vermutlich kaum Probleme damit haben. Wir haben inzwischen in über 50 Ländern mit Offiziellen zu tun gehabt und es ist immer alles gut gegangen. Vom einfachen Durchwinken bis hin zur kompletten Umkrempel-Aktion unseres Schiffes war alles dabei. Letzteres war anstrengend, hatte aber den netten Begleiteffekt, dass wir hinterher wieder wussten, wo wir was verstaut hatten ?

Der Beitrag Einklarieren/Ausklarieren – Umgang mit Behörden erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Back in Hospital

Ich bin der mit dem kurzen Haarschnitt

Mein Traum hat sich realisiert. Aus drei Wochen, dritte Chemo sind tatsächlich drei Tage geworden. Wenn die Sonne auch am Samstag wieder im Osten aufgeht und ich keine 38,3° Fieber habe, werde mit einer Tüte Tabletten nach Hause gehen können. Ein kurzer Besuch diesmal mit fast keinen Nebenwirkungen. Konsolidierungsphase nennen die das (von lateinisch consolidare ‚fest machen‘, ‚stark machen‘). Diesmal habe ich kein Einzelzimmer, dafür habe ich Lasse kennengelernt. Lasse ist grade mal 25 Jahre alt, ein Jahr älter als meine Söhne Julian & Lukas, hat Lymphdüsenkrebs, seit März 2016 in Behandlung. Operation und erfolgreiche Behandlung. Lasse lacht. Dazu hat er allen Grund. Gestern war er in der Röhre, musste den ganzen Vormittag Sambuca-ähnliches Kontrastmittel trinken und sein gesamter Korpus und Kopf wurde auf Metastasen per CT untersucht. Mächtig nervös war Lasse. Gestern und heute, bis Jungärztin Julia mit den Ergebnissen gekommen ist. Alles gut Lasse. Du hast es geschafft. Die Metastasen haben sich auf winzig verkleinert, die Chemo hat angeschlagen, die Schulmedizin war erfolgreich. Zytostatika heißt eines der Mittel, die Lasse heute über einen Venen Portkatheter bekommen. Rot. Ex. Ich würde sterben. Schon bei dem Anblick. Aber was tut man nicht alles um weiter leben zu dürfen. Da kennen wir beide was von. Beide sind wir auf dem richtigen Weg. Dank guter Ärzte und gutem Personal.

Am Mittag ist eine meiner zwei täglichen dreistündigen Chemos vorbei und mit Hundeblick werde ich von meiner netten Schwester von der Salzwasserlösung befreit. Spontan laufen meine Füße los. Toosbüstr. Heimatausflug. Direkte Entfernung 350m. Ich habe meine LunaWLANnet im Büro vergessen mitzunehmen. Das Internet des Krankenhauses geht gar nicht. Lasse flucht den ganzen Abend. In unserem kleinen Heim geht ohne Internet gar nichts. Eigentlich lohnt es sich ja nicht bis Samstag, aber dann eben doch, ein bisschen angeben will ich ja auch. Maya und Lena fallen mir um den Hals. „Hey Papa! Was machst Du denn hier. Bist Du getürmt?“ Ich ergattere grade noch einen Brownie, der backfrisch aus dem Ofen kommt und telefoniere eine dreiviertel Stunde mit meiner Co-Skipperin Susann. Alles sind etwas nervös wegen dem Wetter. Der Ex Hurrikan Nicole rollt von Wersten an Richtung Azoren. Vermutlich abgeschwächt wir der die Azoren nördlich passieren. Auf der Unterseite könnte die MARLIN mit W-SW Wind Richtung England segeln. Wir werden sehen. Am Wetter lässt sich eh nicht ändern und auf dem Trip wird die Crew dann mal ganz brav den meiner und Nathalies Erfahrung folgen. Safty first.

Um Vier finde ich mich wieder im Krankenhaus ein und klebe die LunaWLANnet ans Fenster. Um vier Uhr fünfzehn haben wir schnelles Netz im Zimmer. Endlich hört die Flucherei auf. Vernünftige, ausgereifte Technik ist eben doch befriedigend. Wieder schaue ich mir die aktuelle Wetterkarte für die Rückfahrt der MARLIN an. Wahrscheinlich ebenso wie unsere gesamte Crew, Jan, Susann, viele Leser. Aufregung bahnt sich an. Es hört einfach nicht auf. Na, da wird die Crew real erleben was Passageplanung ausmacht. Den Tag aussuchen, an dem es richtig ist loszusegeln. Hier handelt es sich garantiert nicht um eine langweilige Ost-West Atlantiküberquerung. „Viel Spass Kinders“, geht mir durch den Kopf. Hoffentlich ändert Ex Hurrikan Nicole seine Richtung noch etwas.

Expertengespräch im Deutschen Bundestag zum Wassertourismuskonzept / Blauen Band

Am 28. September 2016 fand im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags eine Anhörung statt, deren Gegenstand das Wassertourismuskonzept des Bundesverkehrsministeriums sowie das Bundesprogramm „Blaues Band“ war. Zum Gespräch waren fünf Experten aus Wassersport-, Tourismus- und Naturschutzverbänden eingeladen. Für den ADAC nahm Dr. Steffen Häbich, Leiter der ADAC Sportschifffahrt in München, teil.

Der Deutsche Bundestag hat in ‚heute im Bundestag‘  Nr. 559 am 28.9.2016 folgenden Bericht zu dem Expertengespräch veröffentlicht: 

Berlin: (hib/wid)  Mit ihren Plänen zur Entwicklung des Wassertourismus und zur Renaturierung von Fließgewässern findet die Bundesregierung bei betroffenen Interessenvertretern bisher wenig Gegenliebe. Dies wurde am Mittwoch in einer Anhörung im Tourismusausschuss deutlich, dessen Gegenstand das im Juli vom Verkehrsministerium vorgelegte Wassertourismuskonzept war. Die anwesenden Vertreter der Fremdenverkehrswirtschaft ließen an dem Entwurf kaum ein gutes Haar. Sorge bereitet ihnen auch die Absicht des Umweltministeriums, mit dem „Bundesprogramm Blaues Band“ 2.800 Kilometer Nebenwasserstraßen zu renaturieren. Wassertourismuskonzept und Blaues Band seien eine „eher unheilvolle Klammer“, klagte etwa Tobias Woitendorf vom Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern.

Mit dem Konzept will das Verkehrsministerium das Wasserstraßennetz neu einteilen in Hauptwasserwege, die weiterhin für den Gütertransport verfügbar sind, Freizeitwasserwege zur sportlichen und touristischen Nutzung sowie naturnahe Gewässer, die im Prinzip gar nicht oder ausschließlich für „muskelgetriebenen Wassersport“ genutzt werden. Das Konzept stellt die Möglichkeit in Aussicht, gering befahrene Gewässer aus der Zuständigkeit des Bundes in die von Ländern oder Kommunen zu übertragen sowie Wassersportler und -touristen mit Gebühren zu einer Kostenbeteiligung heranzuziehen.

Die betroffenen Spitzenverbände fühlen sich nicht hinreichend in die Entscheidungsfindung der Bundesregierung eingebunden. Das war in der Anhörung der durchgehende Tenor und der Hauptkritikpunkt. So beklagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) Dirk Dunkelberg, er habe von einer Veranstaltung des Umweltministeriums zum Blauen Band am 8. Dezember vorigen Jahres nur durch Zufall erfahren. Dabei bestehe gerade hier Anlass zu Befürchtungen. Die Sorge sei, dass als Folge der geplanten Renaturierungsmaßnahmen „traditionelle Reviere“ nicht mehr genutzt werden könnten. Als „Schreckensbegriffe“ in den einschlägigen Konzepten nannte Dunkelberg die „ökologische Durchgängigkeit“ und den „Rückbau von Bauwerken“. Er forderte ein „Miteinander von Wassersport und Naturschutz“.

„Nutzer und Verbände werden nicht in der Vollständigkeit eingebunden, wie wir uns das gewünscht hätten“, kritisierte auch Steffen Häbich, beim Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC) zuständig für Wassertouristik und Sportschifffahrt, das Verfahren der Entscheidungsfindung. Wie vor ihm bereits Dunkelberg, wandte er sich gegen das Vorhaben, unbedeutende Wasserwege in die Zuständigkeit von Ländern oder Kommunen zu geben. Die Gefahr bestehe, dass dann notwendige Investitionen in die Infrastruktur unterbliebe. Das Wasserstraßennetz müsse in Gänze erhalten bleiben. Es sei der Bund, der die durchgängige Befahrbarkeit zu garantieren habe.

Einer Gebührenpflicht für die touristische Nutzung von Wasserwegen mochten sich die Verbandsvertreter nicht grundsätzlich verschließen, wenn auch Renate Schult vom Verein „Blaues Band“ in Sachsen-Anhalt die Frage aufwarf, wo die Grenze sei. Schließlich nutzten auch Radfahrer und Wanderer öffentliche Infrastruktur. In jedem Fall müsse gewährleistet sein, dass die Einnahmen ausschließlich in den Unterhalt des Wasserstraßennetzes flössen.

Zweifel an den Kriterien der Kategorisierung von Wasserwegen äußerte der stellvertretende Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern Woitendorf. So sei in seinem Land die Peene als naturnahes Gewässer ausgewiesen. Die Peene sei aber ein intensiv wassersportlich genutzter Fluss.

Fazit:
Der ADAC wird sich in Abstimmung mit den weiteren, betroffenen Bundesverbänden über die gemeinsame Erklärung hinaus für die ausreichende Berücksichtigung der Nutzerinteressen einsetzen. Ziel bleibt es, die touristisch attraktiven Bundeswasserstraßen für die Sportschifffahrt zu erhalten.

 

Eingewintert

Liebe Leser, solange das Boot noch im Wasser lag, fühlte es sich so an, als hätten wir die Chance jeden Augenblick wieder abzulegen. Denn das Schiff hat die Reise wunderbar überstanden, seit dem Motorentausch vor genau einem Jahr ist nichts…

SV Suditude – Jean Claude Fleuret CH

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Thank you for all, and hope the Windpilot go again; for the moment, a lot of miles, the track to Antarctica and 6 times Patagonia and Terra del Fuego !

Best to you
Jean-Claude Fleuret WEITERLESEN

Vassilingalou – Das Rad

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Jeden Tag den gleichen Weg. Ein dünner Pfad aus Gewohnheiten, kleinen Lastern und großen Ängsten. Die gleiche Uhrzeit, das gleiche Fenster, der gleiche Regen, der gleiche Schmerz. Jeden Tag das gleiche Leben.

Am Bürgersteig liegt ein Fahrrad. Ein rost-grünes. Es stand zuvor schon Monate lang voller Erwartung auf seinen Christopher-Robin*. Vergeblich. Verbitterte Haltung, trüber Blick, Trauer. Der letzte Nervenausbruch des Windes hat es um geschmissen. Oder war es der Frust der verliebten Rotznase von nebenan? Wie dem auch sei, es versperrt den halben Gehsteig und nur wenige trauen sich an ihm vorbei.
Es liegt schon seit einiger Zeit dort und alle Versuche sich wieder die Wand hoch zu stemmen bleiben erfolglos. Es ist ja ein altes. Das raue Klima hat ihm alles abverlangt. Jede Schönheit und Stolz sind gewichen und sein armseliges Skelett zittert unmerklich in der schneidenden Kälte.
Andere – neue und laute und glänzende – haben jetzt das Sagen.
Andere lassen jetzt die feuchte Luft um ihre Bremsen pfeifen.
Andere sind jung und es ist deren Zeit!
Und trotzdem ist es noch da. Ein Bisschen Luft, vielleicht ein nettes Wort und eine Klingel und der ganze Rost, ja sogar alle missachtenden Blicke, alle Tritte, wären vergessen.

Als sich eines Abends mein Gemüt auf seiner Augenhöhe befindet und hinter mir die nassen Trottoir-platten her schlurft, bleibe ich neben ihm stehen. Also gut, ich mach’s! Ich helfe ihm aufstehen, richte den Sattel, den Lenker und es lehnt sich lässig an die Wand. Gute Nacht!
Am nächsten Morgen schon grüßen wir uns freundlich und irgendwie hat alles seine Richtigkeit, denn es guckt frech vor sich hin und ich kann wieder meine gewohnte Straßenseite nehmen. Am Abend ist es nicht mehr da! Abgefahren? So wenig braucht es also.
Dann, gute Fahrt!
Inga, wir sollten mal ausgehen, ein paar Fritten essen, oder so. Was sagst du?

St. Martin, 03.04.15

SV Paloma – Nicoletta + Marc-Anton Hochreutener CH

BILANZ EINER ATLANTIK RUNDE MIT FAMILIE

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Die letzte Fahrt, es bleibt viel Zeit zum Nachdenken. Der Kopf zieht Bilanz – hat es sich gelohnt? Die ganze Reise-Anstrengung zieht noch mal an uns vorbei: Hausverkauf – Kauf der Paloma – Rückenschaden und Hüftoperationen von Marc-Anton – ein halbes Jahr Spital – ein Jahr improvisiertes Wohnen in Dürnten – zweiter Anlauf zur Reise – Kiel mit Kälte und Handwerkern – Abfahrt mit Hermann und Sandrine bis Brest – völlige Erschöpfung nach Biscaya-Überquerung – Beginn der „Atlantic Odyssey“ auf Lanzarote – Atlantiküberquerung – Reparaturen und neuer Propeller auf Martinique – Inselhüpfen in der Karibik – noch mal über den Atlantik mit grossen Wellen und Narben und Motorschaden – neuer Motor auf den Azoren und viele Freunde…. Wir liegen in den Nächten abwechslungsweise im Cockpit. WEITERLESEN

Gespenster auf der MARLIN

Und schon wieder in Bewegung

Jan ist jetzt Skipper. Susann Co-Skipper und ich? Eigner? Reedereichef? Irgendsowas. Auf jeden Fall ist Jan gestern nochmal ordentlich durch den Hafen von Horta gekurvt und hat Manöver gefahren, den letzten Schliff im Umgang mit der MARLIN von mir bekommen und sich gar nicht doof angestellt. Ganz im Gegenteil. Immerhin, alles bei 20 Knoten Wind.

Uns MARLIN ist also aufnahmebereit. Das Schiffszimmermännchen Harry Schenk, hat seine ToDo Liste weitestgehend fertig gestellt und kommt persönlich an Bord um die letzten Arbeiten abzuschließen. Statt lackiert sind jetzt die Schlingerleisten und der komplette Boden geölt und gewachst. „Hält für die Ewigkeit.“ Nun, mich zu überleben ist ja nicht so schwer, geht mir so durch den Kopf. Harry lädt am späten Nachmittag zu einer sehr persönlichen Billardpräsentation in seinem privaten Club ein. Einen Tisch hat der begnadete Billardkönig aus Deutschlang importiert, einen Raum extra in der Nähe von Horta gemietet. Harry kann viele Tricks und permanent einsam spielen, also so, dass kein anderer dran kommt. Man merkt deutlich das seine Fehler, also Kugeln, die nicht in den Taschen landen, gewollt falsch sind, damit er nicht nach kurzer Zeit ganz alleine am Tisch steht. Bin ja nicht blöd Harry.

Ich bin schon wieder in Bewegung. Sitze auf dem Lissaboner Flughafen und warte auf meinen Anschlussflug nach Hamburg. Genau. Mal los zu Gate.