Monatsarchive: August 2016

Ankunft im Heimathafen

Liebe Leser, liebe Freunde! Diesen Samstag (6. August, ca. 15 Uhr) werden wir mit unserer „Maverick too“ nach gut 15.300 Seemeilen rund um den Atlantik wieder in unserem Heimathafen in Oberndorf an der Oste einlaufen. Es wäre toll euch dort zu…

SV Playmobil – Guido Marx GER

WER SUCHT, DER FINDET – HEUTE: DAS AZORENHOCH

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Nach zwei Monaten an Bord und 2.772 Seemeilen auf der Logge liegen wir in Horta auf Faial und haben das Azorenhoch tatsächlich gefunden.

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Lüften, spülen, heizen – Umgang mit Feuchtigkeit

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von Sönke Roever

Ein zentrales Problem auf Schiffen ist das Thema Feuchtigkeit unter Deck. Egal, wo wir uns mit unserer Yacht befinden, wir leben im Freien. Das ist wunderschön und ein Stück weit unternehmen wir das Blauwassersegeln ja auch deswegen. Es ist aber auch eine nasse Umgebung und es lässt sich nicht vermeiden, dass früher oder später auch Feuchtigkeit unter Deck landet. Beispielsweise wenn ein Mitsegler mit seinem nassen Ölzeug ins Schiffsinnere geht, um am Kartentisch einen Wegpunkt abzustecken. Und wer schließt in einer Nebelbank bei feuchter Luft oder während eines tropischen Niederschlags schon den Niedergang? Obendrauf gibt es gratis Salz! Es zieht Wasser an und bindet die Feuchtigkeit. Kurzum: Mit der Zeit wird es unter Deck feucht. Und genau diese Feuchtigkeit wollen wir loswerden, um Schimmel, Gammel und Mief die Stirn zu bieten. Auf See ist das kaum möglich, aber nach dem Landfall helfen drei Dinge. Erstens: Lüften. Zweitens: Spülen — also das Salz vom Schiff abwaschen, damit es nicht länger nach innen getragen werden kann. Und drittens: Heizen.

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Segeln findet in einer nassen Umgebung statt.

Dazu ein paar Gedanken. Fangen wir mit dem Lüften an. Die einfachste Möglichkeit, schnell große Mengen frische Luft in das Innere einer Yacht zu befördern, stellen Luken dar. Dabei gibt es zwei Wege, selbige zu montieren. Entweder mit der Öffnung zum Bug oder aber mit der Öffnung zum Heck ausgerichtet. Erfahrungsgemäß liegt das Schiff die meiste Zeit im Hafen oder am Ankerplatz mit dem Bug im Wind. Da wäre es sinnvoll, die Luken nach vorn zu öffnen. Frische Luft wird auf diesem Wege in das Schiff und durch den Niedergang wieder nach draußen geblasen. Auf ihrem Weg durch den Salon kann die angenehme Brise diverse Wassermoleküle Huckepack nehmen. Einziger Haken: Setzt Regen ein, wird das eine Milchmädchen-Rechnung, da dann anstatt der trocknen Luft der nasse Regen mit dem Wind durch die offene Luke ins Schiff gelangt. Folglich wäre es gut, die Luke umzudrehen. Dann regnet es zwar nicht mehr hinein, aber es weht auch kaum noch ein Lüftchen durchs Boot. Jede Variante hat Vor- und Nachteile. Ein Mix aus beidem — sofern platzmäßig möglich — ist die beste Lösung.

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Über Luken gelangt frische Luft in das Schiff.

Im Fachhandel gibt es auch sogenannte Windfänger. Sie werden über der Luke aufgespannt und leiten den Wind in das Schiff unabhängig von der Öffnungsrichtung der Luke. Das klingt vorteilhaft und es ist auch kein schlechtes System. Allerdings müssen die Windfänger bei zu viel Wind abgebaut werden. In windschwachen tropischen Gegenden sind sie in jedem Fall aber ein Segen.

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Diese Yacht nutzt in Panama am Ankerplatz einen Windfänger.

Manche Eigner schwören auf Dorade-Lüfter. Meine persönliche Begeisterung dafür hält sich in Grenzen. Auf nicht wenigen Schiffen, die wir segelten, leckten selbige bei schwerer See.

Übrigens gibt es für Polster spezielle Lüftungsgitter als Unterlage, die einen Abtransport im Schlaf abgegebenen Schwitzwassers ermöglichen. Sie sind in meinen Augen eine absolut sinnvolle Investition. Alternativ können auch Lattenroste eingesetzt werden. In jedem Fall kann so die Luft unter dem Polster zirkulieren.

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Gitter an der Unterseite der Kojenpolster ermöglichen den Abtransport von Schwitzwasser.

Neben dem Lüften sollte dafür gesorgt werden, dass nicht ständig neues Salz ins Schiffsinnere gelangt. Auf einer Ozeanüberquerung ist das nur schwer möglich — nach dem Landfall hingegen schon. Wir können uns noch gut erinnern, wie wir nach jedem längeren Schlag im Hafen erst einmal das Schiff entsalzt haben. Konkret bedeutet das, den Gartenschlauch zu nehmen und mit Süßwasser das ganze Schiff abzuwaschen. Meist haben wir zudem noch das Ölzeug und andere salzige Dinge in eine Kiste mit Süßwasser getaucht und gesäubert. Das ist zwar eine lästige Arbeit, aber es lohnt sich.

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Nach dem Landfall werden Schiff und Ölzeug entsalzen.

Eine interessante Ergänzung an Bord kann eine Diesel-Heizung sein. Sie verbreitet für gewöhnlich warme Luft. Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Auf einem Törn in die hohen Breiten verbinden wir so an einem windig-kalten Ankerplatz das Angenehme mit dem Nützlichen: Wir heizen das Schiff, uns wird nach einem langen, womöglich kaltem Tag auf See in der Kajüte mollig warm und ganz nebenbei wird die Feuchtigkeit aus dem Boot getragen. Kleiner Hinweis: mobile Gasheizungen nützen diesbezüglich wenig, da Gas beim Verbrennen Feuchtigkeit erzeugt.

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Salzkristalle nach der Atlantiküberquerung am Gestänge vom Bimini.

In den ohnehin schon feucht-warmen Tropen hingegen ist eine Heizung nur bedingt von Nutzen. Um ein Schiff zu entfeuchten, muss trockene warme Luft in das Schiffsinnere gebracht werden. Das kann eine Heizung in den Tropen nicht leisten, weil die Luft, die sie ansaugt, bereits warm und feucht ist. Hier würde lediglich eine Luftumverteilung stattfinden, was aber ja auch von Nutzen sein kann, wenn die Temperatur niedrig gehalten werden soll. Dann funktioniert die Heizung wie ein Lüfter.

Noch besser wäre der Einsatz einer Klimaanlage. Sie liefert trockene, kühle Luft, die beim Erwärmen dann zusätzliche Feuchtigkeit aufnehmen kann. Einige Male sind wir als Skipper auf Charteryachten in der Karibik gefahren, und einmal war auch eine Klimaanlage im Schiff eingebaut. Seither halten wir das air-conditioning für wenig zweckmäßig. Gleichwohl es grundsätzlich funktioniert hat und auch zügig die Feuchtigkeit aus dem Schiff getragen wurde — wer kennt nicht die typische trockene Klimaanlagen-Luft? Außerdem waren die Geräte ziemlich laut und arbeiteten nur, wenn wir in der Marina lagen und am Landstrom hingen. Und wehe ein Mitsegler vergaß, eine Luke zu schließen, dann war der ganze Vorgang für die Katz.

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Klimaanlagen sind auf Langfahrtyachten nur selten zu finden.

Lassen Sie sich an dieser Stelle nicht ins Bockshorn jagen, weil Sie vielleicht von Urlaubsreisen in tropische Regionen das Gefühl kennen, bei Verlassen des Flughafens gegen eine warmfeuchte Wand zu laufen. Es ist ja so, dass die meisten Eigner mit ihrem Schiff in Eigenregie anreisen. Somit werden Sie schleichend an das neue Klima herangeführt. Wir haben unterwegs keine Crew getroffen, die mit der tropischen Hitze Probleme hatte. Vielmehr lieben die meisten das Wetter, weil Gelenke nicht mehr schmerzen, Erkältungen nicht mehr nerven und Rückenschmerzen ein Fremdwort sind. Wozu also in diesem Universum der Unbeschwertheit eine energiefressende Klimaanlage anwerfen? Bedeutet es doch auch, sich dann unter Deck zu verschanzen.

Schlussendlich ist es keine große Herausforderung der Feuchtigkeit im Schiff die Stirn zu bieten und Schimmel und Gammel zu vermeiden. Auf unserem Schiff haben wir die Luken mit Öffnung zum Bug angebaut, gelegentlich einen Windfänger genutzt und regelmäßig das Schiff gespült. Die Polster haben allesamt Lüftungsgitter. Eine Diesel-Heizung haben wir nicht. Wir haben allerdings hin und wieder einen elektrischen Lüfter eingesetzt. Damit sind wir gut gefahren.

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Skinhead Wnuk

Welcome to the Cancer Club.

Ist man erst einmal aufgenommen im Chemo Paradies, dann fangen die Medikamente an zu wirken, wenn man sie aufhört zu nehmen. Bei mir ist es eine ANTRA pro Tag bis nächsten Montag. Danach darf mein Körper wieder eigenes, gesundes Blut produzieren. Ich trau der Sache nicht. Prof. Dr. med. Nazezda Basara sieht das positiv und lächelt mir ins Gesicht. Während ich auf dem Fahrradtrainer eine Stunde abtrete, kommt sie persönlich und gibt mir die Erlaubnis zu bloggen. Ich dachte mir, es macht Sinn zu fragen. „Natürlich nur „Gutes“ Herr Wnuk.“ Ich könnte sie so in den Arm nehmen. Die attraktive Professorin ist ja grade ein paar Tage älter als ich. Aber das lass ich besser. Ich verhalte mich eh schon auffällig, weil ich alle dutze und viele vom Personal kommen damit überhaupt nicht klar. Hinter Heavens Door wird sich bestimmt auch nicht gesiezt, denke ich mir. Sterben tun wir alle irgendwann. Eine meiner Lieblingsschwestern; ich hatte noch nie so viele nette und adrette Schwestern, ist Clara. Clara kommt aus dem Rheinland, weiß das aber nicht. Auf jeden Fall, habe ich Büschel von Haaren bei der morgendlichen Wäsche in den Händen. Die Chemo tötet alle sich schnell teilenden Zellen. Also auch Kopfhaare, Körperhaare, Fußzehenhaare, Haare auf den Zähnen, in den Ohren, Augenbraunen, Wimpern und Augenbraunen. Die Chance mich mal so richtig stylen zu lassen. Männer sollten auch mal schöne Augenbraunen haben. Warten bis alles wieder von alleine wiederkommt kann doch jeder. Die Türkenjungs haben auch alle getrimmte Augenbraunen. In den cubanischen Hinterhöfen von Havanna stehen die Heteros und zupfen sich gegenseitig peinlich jedes Augenbraun und Barthaar. Das dass nur Frauen machen, ist absolut Raumschiff Enterprise Generation. Nicht, dass ich auf meine alten Tage noch ein Coming Out habe. Ob das jemals wieder was wird? Seit der Chemo ist da tote Hose. In meinem nächsten Leben möchte ich dann bitte als Greta Garbo geboren werden.

Von Vorteil ist auch, dass ich an alles an Drogen dran komme, was ich nur haben will. „Aha. Deshalb die abgedrehten Texte denkst Du Dir jetzt.“ Morphium gegen Schmerzen, Dipis und Co. Alles BTM. Aber weit gefehlt. Ist alles synthetisch, ohne auch die kleinste rauschende Wirkung, außer, dass die Schmerzen weggehen. Auch keine Pillen von einer meiner Schwestern. Nur von den Weiß- und Grünkitteln. Das sind die Ärzte. Viel mehr habe ich noch heute noch nicht mitbekommen. Ich bin heute den ersten Tag fieberfrei. Und jetzt mache ich das Licht aus.

Am Fenster hängt schon eine LunaWLANnet und ich arbeite an der V3 Version. Stabiles, schnelles LTE Internet für die Beatmungsstation ist ein Nebenprodukt. Kostenlos. Früher hat man Blumen geschenkt. Heute Passwörter.

Im Nachttisch steht keine Flasche Bier, sondern ein Labornetzteil, damit ich die jeweilige Schiffsituation simulieren kann. Leere Batterien, volle Batterien, Landstrom, Sonne Wind und Energiemangel an Bord. Über den LunaPCmini bin ich mit der MARLIN auf den Azoren verbunden und kann dort neue Software unter realen Bedingungen testen. Lorenz, mein Bootsjunge vor Ort startet einmal die Woche den Generator. Also. Alles im Griff. Ich brüte grade an zwei neuen Produkten, die meinen segelnde Kunden mir aus den Händen reißen werden. Wenn ich jetzt nur nicht sterbe. „Meine echt alte Freundin Sabine, die ähnlich wie ich, bei 36 Jahren stehengeblieben ist , meint dazu nur: Micha, Du stirbst nicht. Wir leben in einem Jahrtausend, wo Herzen transplantiert werden.“ „Stimmt Bine!“, vergisst man manchmal, wenn man vor lauter Selbstmitleid bei 39,9° Fieber, gegen die Chemo ankämpft und mit Old Shatterhand Schüttelfrost im Bett liegt.

Der Klingelbeutel

Guido meint ich bekomme irgendwann Langeweile, das ständige hohe Fieber geht zurück und ich würde auf kurz oder lang wieder schreiben. Damit liegt Guido gar nicht so falsch. Allerdings gibt es für mich an der ganzen Krankheit noch ein ganz anderes Problem. Ich verdiene nämlich kein Geld mehr, ich bekomme keine Krankengeld, kein Krankenhaustagegeld etc. Die MARLIN produziert ordentlich Kosten, fährt aber kein Umsatz rein. Ich steuer grade ordentlich ins Minus und da kann ich auch erst einmal nichts dran ändern. Auch ist mir vollkommen unklar, wen mein Gesundheitszustand und mein MARLIN Blog interessiert. Mit Segeln hat das ja nun nichts zu tun. Meine Lösung ist der Klingelbeutel. Wenn du / ihr wollt, dass ich über mein Tagesallerlei in gewohnter Art und Weise blogge, drückt ihr bitte den Spendenbutton. Auf der rechten Seite der Website. Hat sich 100-150 Euro angesammelt, gibt es einen neuen Blogeintrag. Der kostet mich ungefähr vier Stunden Zeit. Ist dem nicht so, kann ich meine Zeit zwischen den Fieberschüben einsetzten, um neue Produkte bei Lunatronic auszuprobieren und für den Verkauf vorzubereiten.

Stand Klingelbeutel: >1.000

Der Leserentscheid hat entschieden: Der Blog soll weiter gehen.

Tributyltin

Eine ganze Sintflut von motivierenden e-mails läuft über das Internet auf mein Mailprogramm. Ich kann mich nicht mehr einzeln bedanken, is mir zu viel Arbeit. Der Leserwunsch ist definitiv ein anderer. Ich soll das alles schnell überleben und wieder auf’s Wasser, auf die MARLIN. Ich soll möglichst täglich bloggen, was in meinem Kopf vorgeht. Ich habe ja versprochen, dass ich einen neuen Blog schreibe, sobald ich 150 Euro im Klingelbeutel verbuchen kann. Zum Ende des Tages ist im Klingelbeutel genug Geld für die nächsten 21 Blogeinträge. Danke für eure Anerkennung und das ich jetzt einen Job habe, den ich aus meinem Krankenbett machen kann. Ich bin echt stolz. Anscheinend liest man meine Post wirklich gerne. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Dann fangen wir mal an: Vergangenheitsbewältigung: 1970. In jungen Jahren hat mein Vater unser Elternhaus in Kapellen von Innen komplett mit günstigen Kieferprofilen ausgekleidet. Grundgerüst aus Dachlatten, dazwischen Glasfaserwolle und drüber Kiefer-Profilholz. Geschmacksache. Klein Micha in kurzer Lederhose, durfte immer helfen, in den langen regnerischen Abendstundungen. Papa hat immer ne coole Camel zwischen den Lippen, eine Flasche Diebels Alt Bier neben der METABO Kreissäge. „Reichst Du mir mal die Box mit den Klammern mein Sohn?“ Für mich gab es niemand größeren als meinen Papa und der genoss das Wochenende nach 60 Stunden auf’m Pütt, tausend Meter unter der Erde, morgens drei bis mittags drei, bei 1,2 Meter Stehhöhe direkt neben dem Kohlehobel, der mit einem Affenzahn die Kohle aus dem Flötz schabt und dabei soviel Staub macht, dass es eigentlich nicht mehr messbar war. Ich wollte auch bald groß sein und Camel rauchen, Bier trinken. Ich durfte vor allen Dingen die Profile beidseitig auf Klappböcken mit Xyladecor einpinseln. Gegen Borkenkäfer, Ungeziefer etc. Um dem Holz noch etwas mehr Struktur zu geben, kurz mit der offenen Gasflamme abflämmen. Alles ohne Mundschutz. Ich war wohl ca. acht Jahre alt zu diesem Zeitpunkt. In Xyladecor ist vor allen Dingen Linadan. Ohne weitere Worte! Die nächsten 10 Jahre bin ich in dem Haus groß geworden. Auf keinen, keinen Fall will ich hier meinem Vater einen Vorwurf machen. Das war 1970. Da hat man die Rücksitzbank des Käfers umgeklappt, Kinder rein. Vater und Mutter haben sich gegenseitig abgelöst auf dem Weg nach Dänemark in den Urlaub. Wenn Anneliese sich die nächste Kippe angesteckt hat, fragt Ortwin verliebt: „Ist die für mich mein Schatz?“ Draußen ist es kalt, also bleiben die Fenster zu. Der Aschenbecher über dem Schalthebel qualmt. Glühende Filter. Aus dem Transistor-Radio trällert Hans Albers: „La Paloma. Ein Wind weht von Süd und zieht mich hinaus auf See, Mein Kind, sei nicht traurig tut auch der Abschied weh. Mein Herz geht an Bord und fort muss die Reise gehen. Dein Schmerz wird vergehen und schön wird das Wiedersehn. Mich trägt die Sehnsucht fort In die blaue Ferne. Unter mir Meer und über mir Nacht und Sterne. Vor mir die Welt, so treibt mich der Wind des Lebens. Wein nicht, mein Kind, die Tränen, die sind vergebens. Auf Matrosen, ohé! Einmal muss es vorbei sein. Nur Erinnerung an Stunden der Liebe bleibt noch an Land zurück. Seemanns Braut ist die See und nur ihr kann er treu sein wenn der Sturmwind sein Lied singt. Schon winkt mir der großen Freiheit Glück. Wie blau ist das Meer? Wie groß kann der Himmel sein. Ich schau hoch vom Mastkorb Weit in die Welt hinein. Nach vorn geht mein Blick. Zurück darf kein Seemann schauen. Kap Horn liegt auf Lee. Jetzt heißt es auf Gott vertrauen. Seemann gib acht. Denn strahlt auch als Gruß des Friedens Hell durch die Nacht das leuchtende Kreuz des Südens, Schroff ist ein Riff und schnell geht ein Schiff zugrunde. Früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde. Auf Matrosen ohé! Einmal muss es vorbei sein. Einmal holt uns die See. Und das Meer gibt keinen von uns zurück. Seemanns Braut ist die See und nur ihr kann er treu sein, Wenn der Sturmwind sein Lied singt, dann winkt mir der großen Freiheit Glück. La Paloma adé. Auf Matrosen. Ohé! Ohé! Adé.

24 Jahre später: Teneriffa. Kanarischen Inseln. Nathalie und Michael haben ein wunderschönes Stahlboot. Die IRON LADY. Kein Ahnung von Farben. Davon werden wir noch sehr viel Ahnung bekommen. Nathalie trägt immer eine Maske, Micha ist immer sehr lässig cool und trägt ein blaues Stirnband. Beim Unterwasseranstrich geht es um TBT Gift, das einzige Gift, was Seepocken in tropischen Gewässern den Garaus macht. Seit 1990 ungefähr ist Tributyltin verboten, für die Sportschifffahrt, nicht für die Containerschiffe. Ich und viele andere Segler finden es besonders schlau Tributyltin in den Seitenstraßen von Puket in Thailand zu besorgen. Bei 40 Grad im Schatten haben wir meist das hochgiftige Antifouling ohne Maske auf den Bootsrumpf gerollt. Der morgendliche Sprung ins Wasser, die Runde ums Boot schwimmen. Der Unterwasseranstrich ist selbstabreibend. Meint, durch die Fahrt durchs Wasser oder auch nur die Bewegung vor Anker löst sich die Farbe und das darin enthaltenene Gift permanent. Das romantische ums Boot schwimmen, eine Woche im Urlaub stellt kein Problem dar. Jahrelang jeden Tag, führt unweigerlich zur regelmäßigen oralen Aufnahme des Giftes.

Meine behandelnde Ärztin: Prof. Dr. med. Nazezda Basara meint, man bekommt Leukämie einfach so. Jeder. Du, ich sowieso, meine Tochter, der Nachbarjunge. Ich glaube das nicht. Ursache der Leukämie sind für mich bösartige, genetische Veränderungen im Knochenmark, die ich im Laufe des Lebens erworben habe. Und das hat nach meiner Überzeugung unmittelbar mit meinem Seglerleben und den langen Jahren auf See zu tun! Risikofaktoren sind unprofessioneller Umgang mit 2K Polyurethane Lacken, Tributyltin (TBT) Antifouling und 2K Epoxidharzen. Wäre ich in der Nähe eines Atomkraftwerks aufgewachsen, wäre das ein weiterer Risikofaktor. Auch die Malaria in Malaysia hätte ich mir gerne gespart. Ich frage mich, ob ich heutzutage noch mal auf Weltumsegelung gehen würde? Die Antwort ist klar und deutlich. Nein! So etwas macht man nur einmal.

Mein Vater ist 2014 im Alter von 83 Jahren unter anderen Krankheiten, an einer besonderen Form von Leukämie gestorben.

 

Der Klingelbeutel

Guido meint ich bekomme irgendwann Langeweile, das ständige hohe Fieber geht zurück und ich würde auf kurz oder lang wieder schreiben. Damit liegt Guido gar nicht so falsch. Allerdings gibt es für mich an der ganzen Krankheit noch ein ganz anderes Problem. Ich verdiene nämlich kein Geld mehr, ich bekomme keine Krankengeld, kein Krankenhaustagegeld etc. Die MARLIN produziert ordentlich Kosten, fährt aber kein Umsatz rein. Ich steuer grade ordentlich ins Minus und da kann ich auch erst einmal nichts dran ändern. Auch ist mir vollkommen unklar, wen mein Gesundheitszustand und mein MARLIN Blog interessiert. Mit Segeln hat das ja nun nichts zu tun. Meine Lösung ist der Klingelbeutel. Wenn du / ihr wollt, dass ich über mein Tagesallerlei in gewohnter Art und Weise blogge, drückt ihr bitte den Spendenbutton. Auf der rechten Seite der Website. Hat sich 100-150 Euro angesammelt, gibt es einen neuen Blogeintrag. Der kostet mich ungefähr vier Stunden Zeit. Ist dem nicht so, kann ich meine Zeit zwischen den Fieberschüben einsetzten, um neue Produkte bei Lunatronic auszuprobieren und für den Verkauf vorzubereiten.

Stand Klingelbeutel: 3.115,69 Euro (jeweils zum Ende des Tages.)

Skipper Micha hat Leukämie

Jetzt ist es raus

Genauer gesagt eine akute myeloische Leukämie. Viel Spaß beim Googeln. Die Ergebnisse brauche ich nicht! Ich habe die beste Chefärztin des Malteser Franziskus Krankenhauses, die ich mir nur vorstellen kann. Ich bin mitten in der ersten Chemo und es sind bisher bestimmt 50 Liter Gift durch meinen Körper gelaufen. Dementsprechend schwach bin ich auf den Beinen, also gar nicht. Die Chance zu sterben ist 1:5, nicht an einer Leukämie, sondern an einer Infektion während der Chemo. Ich habe grade so gut wie keine weiße Blutkörperchen in meinem Blut, die werden komplett abgetötet und dann wachsen hoffentlich wieder gesunde in meinem Knochenmark, wie im Fernsehen ;-) Ich liege umkehrisoliert in einer Art Intensivstation für Leukämiekranke, Stefan Morsch Stiftung. Ich würde euch bitten, die Daumen zu drücken, dass ich schnell wieder gesund werde und von sonstigen e-mails, Kommentaren, Anrufen etc. Abstand zu nehmen. Dies betrifft vor allen Dingen meine Kinder Maya und Lena und Nathalie. Is alles schon schlimm genug.

Warum jetzt doch der Blog? Der Anfang war doch sehr aufregend. Vor allen Dingen für mich, Nathalie und die Kinder. Wir wollten es unseren Leuten selber sagen. Der letzte Blogeintrag war eigentlich klar genug ohne eben das böse Wort „Blutkrebs“ zu sagen. Inzwischen habe ich fast das Ende der ersten Chemo erreicht. Langsam fallen mir die Haare aus, ich habe eine Lungenentzündung, ich habe ein paar Kilo abgenommen und jeder der mich besuchen will, kann das nach Voranmeldung machen. Ich habe schon Besuch aus der Schweiz, von Guido, von Schwesterherz und vor allen Dingen als es noch ging, von meinen vier Kindern bekommen.

Guido meint ich bekomme irgendwann Langeweile, das ständige hohe Fieber geht zurück und ich würde auf kurz oder lang wieder schreiben. Damit liegt Guido gar nicht so falsch. Allerdings gibt es für mich an der ganzen Krankheit noch ein ganz anderes Problem. Ich verdiene nämlich kein Geld mehr, ich bekomme keine Krankengeld, kein Krankenhaustagegeld etc. Die MARLIN produziert ordentlich Kosten, fährt aber kein Umsatz rein. Ich steuer grade ordentlich ins Minus und da kann ich auch erst einmal nichts dran ändern. Auch ist mir vollkommen unklar, wen mein Gesundheitszustand und mein MARLIN Blog interessiert. Mit Segeln hat das ja nun nichts zu tun. Meine Lösung ist der Klingelbeutel. Wenn du / ihr wollt, dass ich über mein Tagesallerlei in gewohnter Art und Weise blogge, drückt ihr bitte den Spendenbutton. Auf der rechten Seite der Website. Hat sich 100-150 Euro angesammelt, gibt es einen neuen Blogeintrag. Der kostet mich ungefähr vier Stunden Zeit. Ist dem nicht so, kann ich meine Zeit zwischen den Fieberschüben einsetzten, um neue Produkte bei Lunatronic auszuprobieren und für den Verkauf vorzubereiten.

Die jetzige Chemo geht über 5 Wochen, danach darf der Körper ein-zwei Wochen ausruhen und neues, hoffentlich gesundes Blut in seinem Knochenmark produzieren. Danach wird die erste Chemo wiederholt um sicher zu gehen dass alle bösen Zellen tot sind. Dann kommen noch drei etwas weniger giftige Chemotherapien. Womit wir Weihnachten haben. Während der Zeit darf ich das Krankenhaus weitestgehend nicht verlassen. Meine Krankheit ist nicht ansteckend und jeder Besucher muss sich komplett die sterile Schutzkleidung anziehen.

Am meisten enttäuscht mich Rainer Boesch, einer der Dagoberts. Ihn musste ich aufgrund von falschen Angaben zu seiner Gesundheit in Cuba von Bord bitten, weil der anstehende Törn nach Havanna, zu sportlich für seine künstliche Hüfte gewesen wäre und ich die Verantwortung nicht übernehmen wollte. Ich habe ihm angeboten seinen nichtgenutzten Tage 100% auszuzahlen. Nun sogar noch das Taxi nach Havanna um nen Deckel auf den Pott zu bekommen. Rainer kennt meine gesundheitliche Situation und ich bekomme jede Woche mehrmals Post seines Rechtsanwaltes, mit Forderungen, zu Leistungen, die ich gar nicht anbiete. Das nächste Schreiben werde ich dann mal hier veröffentlichen. Ich habe sämtliche sonstige Passage-Planungen mit der MARLIN abgesagt, Anzahlungen zurückgezahlt. Aufgrund der einzigartigen Erfahrungen werde ich nie wieder, klassischen Kojencharter anbieten. So was braucht kein Mensch. Komplettes neues Business schwebt im meinem Kopf, aber erst einmal ist das Motto: Überleben und gesund werden.

Stand Klingelbeutel: 0,00 Euro 2.8.16