Monatsarchive: Juli 2016

Über Nacht nach Sylt

Von Tönning ging es das letzte Stück die Tideneider bis zum gigantischen Eidersperrwerk hinab. Spätestens ab hier beginnt die Nordsee. Einem Gewässer dem ich seit jeher mit Respekt begegne. Bei den falschen Bedingungen hier draußen zu sein wird schnell mehr als unangenehm und so war selbst als ich in Kappeln losgefahren bin noch nicht mal klar ob und wie diese Tour ab hier weitergehen würde. Würde West 6 eine Passage von Außenelbe oder Außeneider ungemütlich bis unmöglich machen? Würden wir im Hafen festsitzen bis der Urlaub vorbei ist? Oder am Ende doch ganz entspannt bei leichtem Ostwind raus aufs Meer fahren? Die Nordsee kann eine absolute Wundertüte sein. In „Das Rätsel der Sandbank“ beschrieb die Figur Dollmann die Nordsee und das deutsche Wattenmeer ebenso:

Wer sich hier auskennt und mit den Verhältnissen arrangiert, der kann sich hier so sicher und behütet wie nirgendwo sonst fühlen. Wer sich aber töricht verhält, der wird auf der nächsten Sandbank enden.“

Bildschirmfoto 2016-06-11 um 19.35.05

Wieder mal ein Zitat, dass auch noch 100 Jahre später passt. Und so war der Plan ab dem Eidersperrwerk, welches seit den 70ern die Tideneider und Tönning vor Sturmfluten schützt, auch erst mal die Nase rauszustecken und zu schauen was da draußen so Sache ist. Und die Nordsee blieb heute friedlich! Wir glitten kurz vor Hochwasser durch die ersten Tonnen der Außeneider, und ein moderater Westsüdwest mit 15 Knoten blies uns ins Gesicht. Die Außeneider ist selbst für Nordseeverhältnisse eine berüchtigte Ecke. Ein enges, sich windendes Fahrwasser zwischen hohen Sandbänken, welches sich so rasend schnell verändert, dass selbst wenige Wochen alte Seekarten schon wieder überholt sein können. Mit diesem Wissen ausgestattet wunderte es uns dann auch nur mässig, dass das Fahrwasser mehrmals einen völlig anderen Verlauf als auf unseren Karten nahm. Trotzdem eine tricky Angelegenheit.

Mit der Ansteuerungstonne der Eider, die im Takt der Wellen ihr muhendes Pfeifgeräusch abgab, wurde die Sache dann aber schon entspannter. Wir gingen hoch an den Wind, groovten uns für die lange Fahrt ein und gewöhnten uns an den Takt der Nordseewellen. Während an Steuerbord langsam der Strand und die Häuser von St. Peter-Ording vorbeizogen, kam der erste Hunger auf. Morgens ins Tönning hatten wir extra noch frische Brötchen und 2 Pfeffermakrelen gekauft, die uns nun zum Festmahl herhalten sollten. War auch echt lecker. Das Problem von Fischbrötchen auf See ist nur leider, dass man bei jedem Aufstoßen über Stunden hinweg noch was davon hat. Das war dieses Mal dann so extrem, dass kurz vor Sonnenuntergang die Pfeffermakrele sogar in der Spalte „Gäste“ im Logbuch eingetragen wurde….

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Trotz des sommerlichen Wetters war nur wenig los. Ein klarer Vorteil des Reviers.. Mit der beginnenden Dämmerung mache ich mal eine kurze Bestandsaufnahme. Eigentliches Ziel dieses Trips soll Deutschlands nördlichster Hafen, List auf Sylt, sein. Das Intrikate an der Sache ist nur, dass der Weg dorthin nicht nur lang ist, sondern sich auf der gesamten Westküste von Sylt bei Wetterschwung überhaupt keine Möglichkeiten zum Unterkriechen ergeben. Keine Häfen, keine Buchten, noch nicht einmal Sandbänke hinter denen man Schutz suchen könnte. Und obwohl die Insel selbst nur ca. 35km lang ist, ist der Weg von Hörnum, dem südlichsten Hafen der Insel, nach List durch einige Umwege durch die Sände immer mindestens 40sm lang. Nun stehen wir in der Dämmerung etwa 10 Meilen westlich von Amrum. Nun wäre die letzte echte Möglichkeit abzudrehen und einen anderen Hafen anzulaufen. Doch das Wetter soll bis zum nächsten Mittag stabil bleiben, und so hangeln wir uns weiter an der 10m Linie gen Norden in die Nacht. Typisch Nordsee. Ein wenig Umsicht und Planung vorausgesetzt ist es hier kein Problem auch lange Strecken hinter sich zu bringen. Aber lieber einmal öfter auf den Wetterbericht geschaut als hier in unklares Wetter zu kommen.

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Eine wahrhaft traumhafte Nachtfahrt ist der Lohn für die Mühen. Mit einem schönen Halbwindkurs geht es nach Norden, während an Steuerbord, mittlerweile weit im Osten von uns die Leuchtfeuer erst von Amrum auftauchen, dann schon Hörnum auf Sylt, und bald schon Kampen und List West, während immer wieder die Lichter der verschiedenen Orte von Sylt durch die Dünenberge der Insel durchglimmern. Viel zu schnell kommen wir voran (In die Richtung möchte ich mich mal öfter verrechnen ;) und es dämmert noch nicht mal, als wir uns der Ansteuerung des Seegatts,  Lister Tiefs nähern. Schnell noch eine Ehrenrunde vor der Insel  gedreht, denn in ein ganz unbekanntes Seegatt muss ich ohne Tageslicht nun nicht auslaufen. Außerdem ist es gerade erst kurz nach Niedrigwasser, und ob das nur wenige Dutzend Meter an Sylts Nordspitze, dem Ellenbogen, entlangführende Nebenfahrwasser schon genug Wasser führt ist unklar. Mal wieder hilft aber eine typische Nordseesituation: Ich sehe wie ein Windkraftversorgerkatamaran  dort gerade durchprescht. Also fix mal per Funk nachgefragt. Die Antwort kommt freundlich, exakt und mit der Gegenfrage wie unsere Nacht war. Ein Berufsschiff in der Ostsee ohne echte Not um Rat zu fragen wäre eher die krasse Ausnahme. Doch hier in der Nordsee, wo das Revier rauer, wilder und urtümlicher ist, hilft man sich. Ganz gleich Ob Krabbenkutter, Segler, oder KüMo Frachter. Hier helfen sich alle. Echte Kameradschaft statt Zweiklassengesellschaft.

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Die Annäherung an Sylt ist dann mal wieder etwas ganz besonderes. Wie schon erwähnt führt das Lister Landtief ganz scharf am berühmten Ellenbogen, Deutschlands nördlichstem Punkt entlang, während hinter der Insel im Osten das erste Morgengrauen zu sehen ist. Außer dem schon am Horizont entschwundenen Katamaran ist kein Mensch außer uns unterwegs oder zu sehen. Diesen im Sommer oft von Touristen überlaufenen Ort haben wir ganz für uns allein. Damit ich aber nicht zu sehr ins Schwelgen gerate kommt mal wieder eine Nordseelehrstunde. Der Grund in diesem Seeganz steigt steil von ca. 15 bis auf 2,5m an. Der Wind, eine gemächliche 4 aus West kommt von schräg hinten und der Flutstrom schiebt uns mit ins Lister Tief. Doch trotz dieser moderaten Bedingungen kocht die See auf der Barre, der flachsten Stelle ganz gewaltig. Man kann das kaum beschreiben, und doch ist mit einem Mal dann auch alles wieder vorbei. Der kochende Wasserkessel läuft nicht etwa langsam aus, sondern ist hinter uns ganz scharf vom nun wieder ruhigen Wasser getrennt. Hier will ich definitiv NICHT bei Scheißwetter sein.

Der Rest des Weges wird entspannt und schön. Der Strom schiebt mit bis zu 5 knoten, an Backbord ist bereits die Insel Rømø in Dänemark zu sehen. Dänemark ist in der Ostsee ja oft fast Alltag, doch hier ist es etwas Besonderes. Die Sonne geht auf, und um kurz nach 0700 machen wir im winzig kleinen Lister Hafen fest. Deutschlands nördlichster; und der perfekte Ausgangspunkt um von nun an langsam durch Nordfriesland Richtung Elbemündung zurückzutingeln.

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Ich kenne den Hafen von Land ziemlich gut. Normalerweise ist hier Leben und Remmidemmi. Die Kutter fahren mit Touristen zu den Seehundsbänken, selbige (also die Touristen, nicht die Seehunde) fallen zu Hunderten in die umliegenden Buden und das bekannte Fischrestaurant Gosch, welches hier seinen Stammsitz hat, ein. Hier ist immer was los. Doch jetzt, morgens um 0700 ist hier kein einziger Mensch zu sehen. Kein Einziger. Alles ist verlassen. Echt mal ein ungewohnter Empfang auf Sylt…

Endlich im Rhein-Rhone-Kanal

IMG_6978Ich merke gerade, dass ich schon wieder im Rückstand mit den Beiträgen bin. Auch wenn momentan Stillstand herrscht, wie ihr vielleicht schon auf der Positionsseite gesehen habt, so hab ich doch jeden Tag genug zu tun. Eos braucht ihre Streicheleinheiten und der VNF und alles drum herum braucht momentan die meiste „Zuwendung“. Aber dazu mehr in den nächsten Tagen. Heute will ich euch kurz von den drei Törns bis zum Rhein-Rhone-Kanal berichten.

In Macon bin ich morgens am 20.06. bei etwa höchstem Pegelstand gestartet. Es kamen nur noch vereinzelt Bäume die Saone runter, es war klar, dass der Pegel nun fallen würde und ich wollte keinen Tag verlieren. Zumindest ein kleines Stück weiter wollte ich heute. Einen See oder ein kurzes Kanalstück hatte ich zum übernachten angepeilt und mich bei starkem Gegenstrom dicht am Ufer entlang nach Norden geschlichen. Der See war leider nur für Angelboote mit Elektromotor freigegeben und da gerade ebensolche dort unterwegs waren, habe ich den Plan lieber geändert. Also weiter zu diesem Kanal. Leider war dort das Wasser noch so hoch, dass die Schleuse überflutet und der Anleger nicht mehr zu gebrauchen war.
Also nochmal den Plan geändert und etwas gemacht, was ich sonst selten mache. Ich habe einer Geschichte geglaubt, die mir ein Skipper aus Bayern erzählt hat. Er meinte, er sei schon mal mit seinem Motorboot, ein Gleiter, bei Hochwasser auf der Saone, einfach übers Wehr gefahren: „Dos passt scho!“
Also weiter und am Anleger in Tournus vorbei. Dort, wo sie alle schon seit Tagen im Päckchen lagen, weil die nächste Schleuse ja gesperrt ist. Die Blicke waren echt gut und kurz darauf klingelt das Handy: „Nico, wo willst du hin? Die Schleuse ist gesperrt!“
„Ich fahre jetzt mit Eos übers Wehr! Das geht, hat mir jemand aus Bayern erzählt!“

IMG_6902 Tournus

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Was soll ich jetzt lange um den heißen Brei reden, es ging! Und es ging leichter als ich gedacht hatte. Die Tore waren ganz unten, so das genug Platz unterm Kiel war und auch die Strömung war beherrschbar.
Ich hab richtig laut gelacht, als ich dort durch war. Eos hatte sie alle überholt! Das kleinste Schiff von allen, war als erstes eine Etappe weiter. Man, was hab ich mich gefreut!
Ich bin danach noch bis spät Abends weiter gefahren. Sogar noch durch Chalon bin ich durch und habe meine Leinen, nach über 34 Seemeilen gegen das Hochwasser, für ein paar Stunden Schlaf bei einem Yachtclub festgemacht. Es lief endlich wieder!

Am nächsten Tag bin ich bis Seurre gefahren und am Tag danach bis kurz vor Dole. Jetzt war ich endlich im Rhein-Rhone-Kanal. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie ich nach der wochenlangen Quälerei gegen dieses dauerhafte Hochwasser gejubelt habe. Ich war fest davon überzeugt, dass nun das Schlimmste hinter mir liegt. Jetzt nur noch die gut 70 Schleusen hoch zur Scheitelhaltung und dann nochmal 40 abwärts bis zum Rhein…

Leider zu früh gefreut, wie sich ein paar Tage später zeigen sollte. Viel zu früh…

Teaser „Stimmen im Nebel“ – Im Zweifel für den Segelsommer

So,ich hab noch was für euch zum gemütlichen Sonntagabend. Einen kleinen Teaser zu „Im Zweifel für den Segelsommer“.  Also seid gespannt! Viel Spaß und einen entspannten Wochenanfang ;)

Mare Più. 2016-07-03 18:51:00

Sonntag Abend auf Gozo. Wie andere Weltgegenden auch, nähert sich an diesem wie jedem anderen Sonntag Abend auch die 7 x 9 Kilometer große Insel einem Verkehrsinfarkt. Auf der zwei mal zwei-spurigen Schnellstraße zum Hafen von Mgarr wälzt sich der insulare Linksverkehr hinunter zur Fähre. Denn was für den Berliner am Sonntag seine Seen und dem Münchener sein Garmisch, ist für den Malteser seine Insel Gozo. Da ist es cool. Da kann man am Sonntag gut sein.















Des einen Freud, des anderen Leid. Die drei Dorfpolizisten unten am Fährhafen von Mgarr haben neben ihrer Polizeistation alle Hände voll zu tun, den Verkehr in Bahnen zu halten und in Richtung der geöffneten Fähren zu bugsieren. Ihre Mienen drücken etwas aus, was



sich auf einer Skala zwischen Unverständnis und Verständnislosigkeit und zen-mäßigem Gleichmut ob des Unvermeidlichen bewegt. Die wichtigen Dinge des Lebens dürfen allerdings nicht vernachlässigt werden: Als die Sonne hinter der Kuppelkirche von Mgarr untergeht – wie alle Kirchen auf Malta sieht auch sie aus wie eine Miniland-Reproduktionen des Petersdomes – steigt einer der Polizisten aufs Dach der kleinen Polizeistation, um die maltesische Flagge einzuholen. 



Vielleicht ist es auch ein Zeichen: An die Sonntags-ausflügelnden Malteser, doch nun endlich Schluß zu machen. Und hopp-hopp nun wirklich endlich wieder mit dem Wagen auf die Fähre hüpfen.



Hoch über dem Hafen von Mgarr, direkt an der etwa dreieinhalb Kilometer langen Schnellstraße zwischen Inselhafen und Inselhauptstadt, steht unmittelbar neben den vier Fahrspuren der FULI-Kiosk. Eigentlich ist der FULI-Kiosk gar kein Kiosk. An einem Kiosk könnte man nämlich Zeitungen kaufen. Und Kaugummi. Aber zumindest das gibts am FULI-Kiosk nun gar nicht. Der FULI-KIOSK ist ein Schnell-Restaurant auf vier Rädern, das zwei junge Männer aus Gozo, Francis und Jonny, betreiben. Es ist ein umgebauter Kleinlaster, in dem Jonny die Bestellungen aufnimmt. Und Francis hinter ihm an Herd und Fritteuse wirbelt. Man kann hier fast alles bekommen, was man sonst in maltesischen Schnellrestaurants bekommt. Dick belegte Burger. Und Pommes. Und Ketchup. Und Majo. Und Cola. Nur Fish & Chips, das Grundnahrungsmittel der englischen Post-War-Society, das gibts hier nicht. Da hat sich die ehemalige Kolonie vom Mutterland ganz entschieden abgenabelt..

Am FULI-Kiosk ist immer was los. Immer sitzen ein paar Fischer vor dem kleinen ISUZU-Laster an der Straße. Oder ein Veteran der britischen Marinewerften beugt sein müdes Haupt über eine prall gefüllte Pappschachtel mit goldgelben selbstgemachten Pommes. Am Sonntag Abend aber ist nicht nur auf der Schnellstraße hinunter zum Hafen Hochbetrieb. Sonntag Abend stehen dichte Trauben von Menschen am FULI-Kiosk: Familienväter, die noch schnell das Dinner einkaufen, während Frau und Kinder im SUV am Straßenrand warten. Junge Männer, die sich und die Liebste eindecken für den Abend auf der Mauer gegenüber neben der Schnellstraße. Familienmütter. Großmütter, die für gozoische Großfamilien einkaufen. Junge und Alte. Und einsame Herzen.

Eigentlich herrscht am Sonntag Abend ein regelrechtes Gedränge am FULI-Kiosk. Er ist so etwas wie der Melting Pot hier in Mgarr auf Gozo, etwas, bei dem alle gleich werden, in der Schlange, während sie darauf warten, dass Francis und Jonny endlich ihre Bestellung abarbeiten. Arm und Reich. Jung und Alt. Warten. 



Gar mancher, dem es nicht schnell genug gehen kann und der noch klein ist, wäre ja gerne schon größer und weiter, als er ist. 

Warten ist also angesagt. Zehn Minuten sind nichts, bis Johnny endlich zur letzten Frage kommt, die er im sorgfältig ausgearbeiteten Ablauf der Erledigung stellt: „K & M?“ 

Manch hochfliegendem Gemüt wie mir blieb da erst mal die Spucke weg. Was meint er bloß? Na Ketchup & Majo. Nein, also wirklich, Ketchup und Majo nun wirklich nicht, wegen der Kalorien… Aber derlei Argumente hört man echt selten. Sonntag Abend, am FULI-Kiosk. Hoch über dem Hafen von Gozo.



Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“


RATGEBER.REISE. im Juni 2015




Mare Più. 2016-07-03 17:51:00

Sonntag Abend auf Gozo. Wie andere Weltgegenden auch, nähert sich an diesem wie jedem anderen Sonntag Abend auch die 7 x 9 Kilometer große Insel einem Verkehrsinfarkt. Auf der zwei mal zwei-spurigen Schnellstraße zum Hafen von Mgarr wälzt sich der insulare Linksverkehr hinunter zur Fähre. Denn was für den Berliner am Sonntag seine Seen und dem Münchener sein Garmisch, ist für den Malteser seine Insel Gozo. Da ist es cool. Da kann man am Sonntag gut sein.















Des einen Freud, des anderen Leid. Die drei Dorfpolizisten unten am Fährhafen von Mgarr haben neben ihrer Polizeistation alle Hände voll zu tun, den Verkehr in Bahnen zu halten und in Richtung der geöffneten Fähren zu bugsieren. Ihre Mienen drücken etwas aus, was



sich auf einer Skala zwischen Unverständnis und Verständnislosigkeit und zen-mäßigem Gleichmut ob des Unvermeidlichen bewegt. Die wichtigen Dinge des Lebens dürfen allerdings nicht vernachlässigt werden: Als die Sonne hinter der Kuppelkirche von Mgarr untergeht – wie alle Kirchen auf Malta sieht auch sie aus wie eine Miniland-Reproduktionen des Petersdomes – steigt einer der Polizisten aufs Dach der kleinen Polizeistation, um die maltesische Flagge einzuholen. 



Vielleicht ist es auch ein Zeichen: An die Sonntags-ausflügelnden Malteser, doch nun endlich Schluß zu machen. Und hopp-hopp nun wirklich endlich wieder mit dem Wagen auf die Fähre hüpfen.



Hoch über dem Hafen von Mgarr, direkt an der etwa dreieinhalb Kilometer langen Schnellstraße zwischen Inselhafen und Inselhauptstadt, steht unmittelbar neben den vier Fahrspuren der FULI-Kiosk. Eigentlich ist der FULI-Kiosk gar kein Kiosk. An einem Kiosk könnte man nämlich Zeitungen kaufen. Und Kaugummi. Aber zumindest das gibts am FULI-Kiosk nun gar nicht. Der FULI-KIOSK ist ein Schnell-Restaurant auf vier Rädern, das zwei junge Männer aus Gozo, Francis und Jonny, betreiben. Es ist ein umgebauter Kleinlaster, in dem Jonny die Bestellungen aufnimmt. Und Francis hinter ihm an Herd und Fritteuse wirbelt. Man kann hier fast alles bekommen, was man sonst in maltesischen Schnellrestaurants bekommt. Dick belegte Burger. Und Pommes. Und Ketchup. Und Majo. Und Cola. Nur Fish & Chips, das Grundnahrungsmittel der englischen Post-War-Society, das gibts hier nicht. Da hat sich die ehemalige Kolonie vom Mutterland ganz entschieden abgenabelt..

Am FULI-Kiosk ist immer was los. Immer sitzen ein paar Fischer vor dem kleinen ISUZU-Laster an der Straße. Oder ein Veteran der britischen Marinewerften beugt sein müdes Haupt über eine prall gefüllte Pappschachtel mit goldgelben selbstgemachten Pommes. Am Sonntag Abend aber ist nicht nur auf der Schnellstraße hinunter zum Hafen Hochbetrieb. Sonntag Abend stehen dichte Trauben von Menschen am FULI-Kiosk: Familienväter, die noch schnell das Dinner einkaufen, während Frau und Kinder im SUV am Straßenrand warten. Junge Männer, die sich und die Liebste eindecken für den Abend auf der Mauer gegenüber neben der Schnellstraße. Familienmütter. Großmütter, die für gozoische Großfamilien einkaufen. Junge und Alte. Und einsame Herzen.

Eigentlich herrscht am Sonntag Abend ein regelrechtes Gedränge am FULI-Kiosk. Er ist so etwas wie der Melting Pot hier in Mgarr auf Gozo, etwas, bei dem alle gleich werden, in der Schlange, während sie darauf warten, dass Francis und Jonny endlich ihre Bestellung abarbeiten. Arm und Reich. Jung und Alt. Warten. 



Gar mancher, dem es nicht schnell genug gehen kann und der noch klein ist, wäre ja gerne schon größer und weiter, als er ist. 

Warten ist also angesagt. Zehn Minuten sind nichts, bis Johnny endlich zur letzten Frage kommt, die er im sorgfältig ausgearbeiteten Ablauf der Erledigung stellt: „K & M?“ 

Manch hochfliegendem Gemüt wie mir blieb da erst mal die Spucke weg. Was meint er bloß? Na Ketchup & Majo. Nein, also wirklich, Ketchup und Majo nun wirklich nicht, wegen der Kalorien… Aber derlei Argumente hört man echt selten. Sonntag Abend, am FULI-Kiosk. Hoch über dem Hafen von Gozo.



Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“


RATGEBER.REISE. im Juni 2015




Inselhopping in Portugal

Liebe Leser, wie so oft, wenn man etwas nicht auf dem Plan hat, entpuppt es sich als wahrer Gewinn. So auch mit unserem Besuch auf in Ponta Delgada auf der Azoreninsel São Miguel. In Horta hatten sich einige andere Segler,…

Abflug nach Horta

Einmal ist alles vorbei

Zum Abschied aus Flores müssen wir vor allen Dingen eines: Den Kahn wieder aus dem Hafen bringen. Ohne Querstrahlsteueranlage. Also in die Vorspring eindampfen und rückwärts an dem Cat vorbei, der sich hinter uns in die schmale Hafeneinfahrt gelegt hat. Hafenkino live! Natürlich geht das Manöver schief und die MARLIN steht schräg in der Einfahrt. Prima Sache. Meine Crew steht gespannt auf dem Deck und wartet auf Ansage. Alle anderen Segler sitzen ebenfalls entspannt mit Kaffee in der Hand im Cockpit und denken sich. „Na, wenn das mal klappt. Warum ist der denn mit seinem riesigen Kahn denn überhaupt hier rein gefahren.“ Noch hat keiner einen Fender in der Hand. Vorne zwei Meter, hinten zwei Meter fange ich an die MARLIN mit Radeffekt auf dem Punkt zu drehen. Ruder hart steuerbord. Eine kräftiger Schub voraus. Rückwärts einkuppeln und mit halber Kraft aufstoppen, das Heck zieht mit der rechtdrehenden Schraube nach backbord. Das jetzt gefühlte zwanzig Mal. Dann ist die 180 Grad Wende geschafft. Kein anderes Schiff oder Hafenmauern touchiert. Mit einem langen Hupsignal geht es gelassen aus der Hafen ausfahrt raus um die Ecke. „Take care. Thanks.“, rufe ich dem Cat-Skipper zu. Ob er meine Ironie bemerkt hat?

Vor uns liegen 130 Meilen bis nach Horta. Nachtfahrt. Letzter Schlag für Uli und Gabi. Für die beiden heißt es Abschied nehmen von der MARLIN.

Ausflug über Flores

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The Hobbit Land. Ach wie wunderschön.

2014 sind wir an Flores vorbeigesegelt. „Nathalie, das war ein Fehler. Da musst Du noch mal hin.“ Das Daypic bringt den Eindruck am besten rüber. Fast ganzjährig blühende Begonien am Straßenrand für Stunden über Stunden. Man kommt in ein gewissen Rauschlevel, ohne Drogen zu sich genommen zu haben. Ob das die Ausdünstungen der Begonien sind? Kein Dreck am Straßenrand, alles sieht aus wie aus dem Bilderbuch. Uns treibt es nach Santa Cruz. Ein paar Tomaten, endlich wieder Salat und ein paar andere Sachen, die die Herzen erfreuen. Dann geht es in die Berge, ins Herz Flores. Schnell merken wir, dass man am besten an jedem ausgeschilderten Aussichtspunkt anhält. Die Aussicht ist klar. Wir haben einen perfekten Tag mit blauem Himmel erwischt. Wochenlang lagen die Azoren dieses Jahr unter dichtem Nebel, erfahren wir von TO-Stützpunktleiter Christian, der uns netterweise sein Auto für diesen Ausflug zur Verfügung gestellt hat. Es entstehen aber auch weit mehr Fotos als wir die hier zeigen können. Eine Best off Auswahl kannst du dir hier ansehen.

Nach Besuch der westlichsten Stadt (Dorf) Europas, Faaja Grande, will Ulli unbedingt noch zu den heißen Quellen direkt bei Lajedo. Bis zu einem Einbahnstrassenschild geht es mit dem Auto, dann heißt es Abstieg. Einige hundert Meter geht es durch ein Feld, dann über Steine und wird dann zur Klettertour in schwindeliger Höhe. Natürlich sind wir nicht mit richtigem Schuhwerk ausgerüstet und in Deutschland wäre der Weg als „Verboten“, statt als „Wanderweg“ ausgezeichnet. Statt heißer Badewannen, wie in Chile, finden wir nur ein kleines Rinnsal, kochend heißem, schwefeligen Wassers vor und ein paar ungemütliche Felsen. Wir Männer springen in das 18 Grad kalte Wasser, jauchzen und lachen. Gabi hält sich zurück. Keiner hat an Badesachen gedacht. Das Problem an den steilen Abgängen, ist, dass man sie auch wieder heraufwandern muss. Gut anderthalb Stunden sind wir unterwegs. Fazit: Genial. Das hat sich gelohnt und war die beste Abwechslung nach der langen Zeit auf See.

Am Abend ziehen wir das Abschied Essen vor. Christian zeigt uns das beste Restaurant in der Nähe von Lajes das Flores, das Casa Do Rei. Auch eine gelungene Abwechslung nach Skippers guter Küche, die sich nach drei Wochen und den bekannten Bordbeständen aber auch mal wiederholt. Nichts für ungut. Das Essen war ein Schmaus.

Ich bin vom Feiern der letzten Nacht noch etwas angeschlagen und brauche dringend mal eine menschliche Pause, lege mich eine Stunde in meine Kabine, bevor ich plötzlich noch mal wach werde und Energie bekomme, einen Petit Punch für mich und Michi mixe. Auf der Mole sitzen wir, lassen die Beine und die Seele an der Kaimauer baumeln. Die Straßenlaternen sind wundersam orange und die Vögel, die in Scharen um die Zeit noch nach Hause kommen, deren Namen ich nicht weiß, quaken als wenn sie was zu sagen hätten. „Morgen früh geht es weiter nach Horta.“, runze ich Michi an. „Viel zu kurz. Flores ist so wunderschön. Man sollte einen ganzen Sommer hier verbringen und damit sein Leben um ein Jahr verlängern.“

SV Paloma Legato – Marc-Anton Hochreutener+Familie CH

ATLANTIK DIE ZWEITE – ANKUNFT DER BESONDEREN ART

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Unsere Paloma ist eine Baustelle – mal wieder. Die Crew muss tagsüber raus. Der Motor ist kaputt, ein Ventil gebrochen, ein Kolben zermalmt, der Drehzahlregler geknackst, die Tanks harren der Reinigung, der Generator wird durchgecheckt. Jetzt gibt es bald einen neuen Motor.

Wohnen werden wir einige Tage in einem zwei Sterne Guest House mitten in einem wunderschönen botanischen Garten mit riesigen alten Bäumen. Die Kinder sind aufgeregt und glücklich, sie haben noch nie in einem Hotel gewohnt. So bringt das Motoren-Unglück auch ungeahnte Abwechslung in unseren Segleralltag. „>WEITERLESEN

Das Buch zum Törn- Im Zweifel für den Segelsommer

So, es gibt etwas Wichtiges zu verkünden! Die letzten Monate war ich fleißig am Schreiben. Nur halt nicht hier Blog, sondern an meinem Buch zum Törn! Zwar gibt es bereits einige Bücher zum Segeln auf der Ostsee, und trotzdem haben mich eure lieben Kommentare und Mails mich darin bestärkt trotzdem ein Buch über diese Reise zu schreiben, das einzigartig ist. Und ich glaube , dass mir das auch ein wenig gelungen ist.

Euch erwarten eben nicht nur eine Geschichte über einen kompletten Rund Ostseetörn mit über 4.000sm, sondern auch einige Anekdoten über das Segeln und seine Zeitlosigkeit, sowie meine Gedanken während dieser Reise. Und gerade weil das Fahrtensegeln als Jugendsport mittlerweile ein Schattendasein fristet erzähle ich auch darüber wieso ein Mittzwanziger überhaupt auf die Idee kommt eine solche Reise zu unternehmen, wie diese dann aussieht, und warum ein solcher ungewöhnlicher Ausstieg auf Zeit in jungen Jahren ein lebensprägendes Erlebnis ist.

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Die Buchbeschreibung:

Er ist jung, ambitioniert und erfolgreich. Direkt nach dem Spitzenabi ins Jurastudium, dort ohne Unterlass engagiert, Praktika, Lernen, Wiederholen. und dann plötzlich die Erkenntnis: Wo bleibt da das Leben, der Genuss?

Kurz vor dem Staatsexamen trifft der 24-jährige Maximilian Leßner den folgenschweren Entschluss: Aussteigen ist wichtiger als Aufsteigen – und statt sich im Zweifel für den Angeklagten auszusprechen, wählt er das Recht, sich im Zweifel für einen ganzen, wundervollen, unabsehbaren Segelsommer zu entscheiden!

Von der Idee zur Umsetzung vergehen nur wenige Wochen, dann hat Maximilian Leßner seine betagte Sirius 26 ausgerüstet und startet seinen Ostseetörn: Er erkundet den südlichsten, östlichsten, nördlichsten und westlichsten Punkt der Ostsee. Er dümpelt tagelang im Nebel. Er trifft auf unendliche Einsamkeit, aber auch grandiose Freundschaften. Er wagt Kochexperimente und stellt die perfekte Playlist zum Segeln zusammen. Und er schwankt zwischen Selbstzweifel und Selbstzufriedenheit – erkennt aber am Ende: Ich kann das. Allein sein mit mir, offen sein für andere, und vor allem: das Leben genießen.

 

Bestellen könnt ihr das Buch ab dem 18.07 in jedem örtlichen Buchladen, z.B. Bei Amazon, beim Verlag Delius Klasing, und natürlich bei mir selbst per Email unter „Kontakt“. Vorbestellungen nehme ich ab jetzt entgegen ;)

Und wenn ihr Lust habt die frohe Botschaft zu teilen und zu verbreiten, freue ich mich natürlich ganz besonders!

Eine Leseprobe findet ihr Hier !

Und den Trailer zum Buch Hier:

 

 

Atlantiküberquerung beendet

Flores erreicht

Nach 14 Tagen und neun Stunden haben wir nach 1.963 Meilen durchs Wasser, 1.804 Meilen direkter Weg und 16 Wenden „Lajes das Flores“ erreicht. Schnellstes ETMAL war dabei 180 Meilen in 24 Stunden. Nicht schlecht der Specht. Ich bin voll zufrieden. Der Hafen ist winzig, aber wir ergattern mit etwas Glück direkt an der Hafeneinfahrt ein Platz am Schwimmsteg. ENDLICH! Die letzten Meilen ziehen sich dann ja doch immer und wenn man nach so einer langen Zeit auf See den süßriechenden Hafen erreicht, der Wind einschläft, dann dreht der Skipper dann doch den Schlüssel. Der westliche Atlantik liegt hinter uns. Wie zu erwarten mit etwas weniger Wind als es im Mai gewesen wäre, auch mit weniger Starkwind, weniger Systemen. Wir hatten alle Winde zwischen 0 und 40 Knoten, von hinten von raumschots bis zum Bergfest und ab dann ein stabiles Azorenhoch, dass den Azoren endlich den Sommer bringt, uns frischen Gegenwind aus Ost, also auf die Nase. Bis auf Fahrt über Grund unter drei Knoten haben wir fast die gesamte zweite Hälfte über 900 Meilen mit Amwindkursen zwischen 30 und 40 Grad zum AWA 200 Meilen Höhe dabei gemacht und aufgekreuzt. Gut gemacht MARLIN. Danke und großes Lob aber nicht nur ans Schiff, sondern auch an die motivierte Crew, Gabi, Michi und Ulli. Bei Amwindkursen ist das Leben an Bord in vielerlei Hinsicht etwas, bis sehr schräg und nicht unbedingt einfach. 40 Stunden ist am Ende der Motor dann doch gelaufen, bei TWS unter 3 Knoten. Die Schäden am Boot haben sich in Grenzen gehalten. Der Riss am Baum ist ein Konstruktionsfehler und bei der genauen Betrachtung erkenn man auch Materialermüdung an der entsprechenden Stelle, die dann unweigerlich zu dem Riss geführt hat. Gut, dass wir das Problem rechtzeitig erkannt und repariert haben. Eine richtige Reparatur kann natürlich erst in einer Werkstatt erfolgen.

Ein besonderer Zufall ist, dass die Logge der MARLIN genau beim Einlaufen nach Flores 33.333 Meilen anzeigt. Die Drei ist meine Glückszahl. 27.333 Meilen hat die MARLIN unter ihrem neuen Namen nun zurückgelegt. Da ist es vollkommen o.k. Wenn die Segel mal Wellness beim Segelmacher brauchen und die Genuaschoten ausgetauscht werden sollten. Die zweite Reffleine hat ihren Dienst getan. Ansonsten. Keine besondere Schäden.

So. Ich gehe jetzt mal mit meiner Crew an Land und wir trinken ein paar Gläser auf diesen tollen, vollen Erfolg! Prost.

Malta. Insel Gozo. Und die Pferde.

Wir sind noch in Malta. Und jeden Morgen, wenn ich das weite Rund der Hafenbucht von Mgarr auf Gozo durchwandere und hinüberschaue zu den Channel-Fähren, die Malta und die Insel Gozo verbinden, sehe ich am Hafen – Pferde.

Manchmal stehen sie nur angeleint im Hafenwasser. „Das ist gut für die Sehnen. Die sind sehr empfindlich“, sagt Peter. Er betreibt auf der Insel Gozo einen Pferdestall. Und er ist es auch, der mit seinen Mitarbeitern jeden Morgen die Pferde zum Hafen nach Mgarr bringt. „Das ist die einzige Stelle auf Gozo, wo die Behörden uns das gestatten“, erzählt Peter.

Heute aber sind die Pferde zum Schwimmen im Hafen von Gozo. Es sind ausgesucht schöne Tiere. Und selbst ich, der ich in einem anderen Leben mal auf Pferden saß, aber kein Pferdenarr bin, bleibe fasziniert stehen. Die Pferde scheinen sich jedenfalls aufs Wasser tierisch zu freuen, sie zeigen keine Spur von Angst oder Fluchtreflex. Aufmerksamkeit verrät die Stellung ihrer Ohren, ungeteilte Aufmerksamkeit. Und Neugier. Pferde scheinen Wasser nicht zu scheuen – im Gegenteil.

Es sieht ein wenig ungelenk aus, wie sie da so an der langen Leine schwimmen. „Das schwimmt COKIHALA“, erzählt Peter voller Stolz. „Sie ist derzeit das erfolgreichste Pferd auf Malta. Sie hat in Luqa auf der Rennbahn bereits vier Rennen gewonnen und zwei in Gozo. Und in einigen Wochen haben wir hier auf Gozo oben im Ort ein Straßenrennen – da rechne ich mir für Cockihala große Chancen aus.“ Peter ist kein Züchter. Sondern ein passionierter Trainer und Rennstall-Besitzer auf Malta, der seine Pferde zum Sieg führen will. Pferde auf Malta: Vielleicht ist das etwas, was übrig geblieben ist von der englischen Kolonialzeit, die bis Mitte der Sechziger Jahre dauerte. Die große Pferde-Rennbahn von Luqa genau in der Mitte Maltas. Straßenrennen. Gelegentlich ein Traber, der wie im Rennen seinen Besitzer hinter sich im Sulki durch den Straßenverkehr Valettas zieht. Menschen und Pferde.

Genau sechs Minuten lässt Peter seine Pferde schwimmen. „Schwimmen ist für Pferde ein sehr gutes Training für den Aufbau von Muskeln. Es kühlt die Sehnen. Aber länger als sechs Minuten sollte es nicht sein. Dann führen wir sie wieder raus aus dem Wasser und trocknen sie ab.“

Auch MAIDEN FLASH, der „jungfräuliche Blitz“, ist in ihrem Element. Und wer weiß: Wenn die Leine nicht wäre, würden die Pferde vielleicht sonst wohin schwimmen. Auf Nimmerwiedersehen auf eine andere Insel verschwinden. Und zu echten Seepferden mutieren.