Monatsarchive: Juni 2016

Wenns mal wieder länger dauert

IMG_6159 RhoneMeine Laune am Tiefpunkt, der Bukh am Drehzahllimit, Eos nicht weit entfernt von ihrer maximal erreichbaren Rumpfgeschwindigkeit. Trotzdem schwankt die Anzeige auf dem GPS Navigator zwischen 0.0 und 0.1 kn über Grund! So präsentierte sich mir die Rhône stellenweise am ersten Tag.

Zunächst läuft alles noch ganz gut. Leinen entspannt im Kanal gelöst, die erste große Schleuse zur Kleinen Rhône ohne Wartezeit passiert und in eben diesem ruhigen Flussabschnitt, mit gerade einmal 1,5 kn Gegenstrom, sehr gut bergauf gefahren. Hier bin ich noch mit der gleichen Drehzahl wie im Kanal unterwegs gewesen und kam damit vorwärts.
Vorbei war der Spaß dann ab der Einmündung zur Rhône. Obwohl ich sofort auf die Kurveninnenseite bin, kam ich nur noch mit etwa 1,5kn vorwärts. Meine Idee, den Autopiloten endlich wieder für mich fahren lassen, verworfen. Von Hand so nah wie möglich am Ufer entlang steuern war jetzt angesagt, um nicht auf der Stelle zu stehen.
An einer der Brücken habe ich dann etwa eine Viertelstunde gebraucht, um durch zu kommen, an der nächsten stand Eos bereits 100m davor auf der Stelle. Auf der nicht erlaubten Seite ging es dann doch. Wartezeit an der folgenden Schleuse über 2 Stunden. Das Schleusen selbst ist um einiges leichter als in den kleinen Kanalschleusen, denn hier gibt es Schwimmpoller. Per Funk anmelden (nicht zwingend notwendig), rein fahren, anlegen und mit der Mittelleine festmachen, mehr nicht.
Spät Abends mache ich Eos an einem ungeschützten Ponton quer zur Strömung für 25 € die Nacht fest, ohne Quittung. Aber die Dusche war Klasse. Meine erste, seit… ? Ja, seit wann eigentlich? Irgendwo im Canal-du-Midi hatte ich zuletzt geduscht, danach gab es diesen Luxus nicht mehr. Jene Dusche hier wurde mir vom Hafenmeister auch stolz präsentiert und als Preisargument in den Vordergrund gestellt.

Dieser Start in die Rhône hat mir gründlich die Laune verdorben. Die Pegel fingen nach einer etwa zweiwöchigen, sehr ruhigen Phase genau an dem Tag an zu steigen, als ich in den Fluss abgebogen bin. Zum Glück wusste ich zu dieser Zeit noch nicht, das dieses ansteigen nicht auf ein paar Tage begrenzt war, sondern bis in den Juni weiter gehen würde und dort nach unzähligen Unwettern in halb Europa seinen traurigen Höhepunkt finden sollte…

Also bin ich am nächsten Tag weiter, bis zu einem geschützten Hafen, in einem alten Seitenarm. Dann kam der Mistral. Sturm bei blauem Himmel. Absolut faszinierend, aber auch nur ein zwei Tage lang, dann nervt der Mistral einfach nur noch und macht krank. Hervorgebracht wird dieser berühmte Wind durch ein Hochdruckgebiet auf dem Atlantik und ein Tiefdruckgebiet über Zentraleuropa. Die Gegenläufige Drehung der beiden riesigen Windsysteme führt zu einem starken bis stürmischen Wind, der von Nord nach Süd durchs Rhônetal fegt. Er ist unglaublich konstant, kaum böig und während es rund um die Uhr ununterbrochen stürmt, brennt dabei am Tag die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Er trocknet alles aus. Die Böden und auch die Atemwege der Menschen. Am dritten Tag ist die Luftfeuchtigkeit selbst in der Kajüte im Keller und ich bin erkältet. Bei blauem Himmel und 20°C.

Nach ein paar Tagen ist er endlich wieder weg, der Mistral und ich nutze diese kurze Verschnaufpause, um in den folgenden zwei Tagen den nächsten Hafen zu erreichen. Am ersten Tag komme ich in 13 Stunden 35 Seemeilen weit und mache ziemlich müde an einer Art Stahlgerüst mitten im Strom fest. Beim dritten Versuch gelingt das Anlegemanöver ohne Kratzer. Leinen fest für eine Mütze schlaf, während draußen die Gewitter toben.
Am nächsten Tag ein paar Meilen weiter nach Cruas. Ein richtiger Hafen. Und auch noch der bisher beste, seit ich Port Medoc verlassen habe. Der Hafenmeister ist zwar anfangs ein wenig streng und spricht kein Wort Englisch, dafür ist hier aber alles in einem absoluten Top Zustand zum fairen Preis. Hier trauen sich nicht mal die Enten, auf den Steg zu kacken.

Ich bezahle zunächst nur für zwei Tage und will den nächsten Mistral abwarten. Als der Mistral dann wieder nachlässt kommt das Wasser. Also, noch mehr Wasser.
Mit Eos hätte ich, auch wenn ich wollte, keine Chance bei so einer starken Strömung den Hafen sicher zu verlassen, denn die kurze Einfahrt liegt auf der Außenseite und bereits bei meiner Ankunft hatte das Wasser hier eine so hohe Geschwindigkeit, dass ich Eos nur mit sehr wenig Überschuss an den Untiefen vorbei dort rein fahren konnte.
Also buche ich eine Woche und warte darauf, dass Sabrina mich in ihrem nächsten Kurzurlaub hier besuchen kommt.
Bis dahin repariere ich ein paar Kleinigkeiten an Eos und verbringe die Tage oft an Bord bei meinen neuen Bootsnachbarn Peter & Dagmar.
Die beiden sind mit ihrer Motoryacht hier, kommen gerade aus dem Mittelmeer und warten ebenfalls auf besseres Wetter. Ich habe sie bereits im letzten Hafen kennengelernt. Sie sind auch auf dem Heimweg, müssen allerdings noch etwas weiter nach Norden als ich. Helgoland ist der Heimathafen von Pedas Dream, so heißt das Schiff.

Neben Pedas Dream wirkt Eos doch etwas winzig.

 

Jetzt aber mal hurtig ins Loch bevor es Haue gibt

Letzter Tag vor Erreichen der Bermuda

Sieht gar nicht so nach Bermuda Short Wetter aus. „Skipper. Du wach? Ist doch gar nicht Deine Wache.“ „Michi. Hast Du ausgerefft? Leg Dich doch mal vorne in meine Koje. Die Beschleunigung sollte so sein, wie wenn Du mit Deinem Segelflieger zum Looping ansetzt!“ Das lässt sich Michi nicht nehmen. Zurück, meint er: „Upps, da fliegst Du ja ganz schön hin und her in der Vorkoje. Die Achterkojen sind da wesentlich ruhiger.“ „Is schon gut. Ich leg mich gleich in den Salon und mach noch nen bisschen die Augen zu.“ Aber im Moment sitze ich noch begeistert vor der Satellitenaufnahme der Front, die da grade auf uns zu rollt. Ich weiß sogar noch mehr darüber. Die soll unsere Position am frühen Abend erreichen, wenn wir hoffentlich schon in der Abdeckung der Bermudas sind. Trotzdem sind da 40-60 Knoten Wind drin und Tonnen von Wasser. Und auf 36 Grad Breite kann man mit etwas Kreativität Colin erkennen, der so mitschwimmt. Alles in allem. Das Wetter spielt verrückt und wie ich den Informationen aus Deutschland entnehme, nicht nur hier auf dem Atlantik, sondern auch in Süddeutschland, während dessen in Flensburg Hochsommer ist.

Nochmal genau geschaut, schaffen wir das wohl nicht rechtzeitig ins Loch. Gegen Mittag wird uns die Dampfmaschine überrollen und unseren Mast auf die Seite legen. Uppsi. Da sind wir noch 15 Meilen von der schützenden Landabdeckung entfernt. Ändern können wir daran leider nichts. Gut. Wir melden uns dann danach.

Wie bekommt man eigentlich solche Wetterinformationen auf See, weltweit, ohne Internet? Schaust Du hier: www.lunatronic.net Das bin ich selber. Und jetzt muss ich mal nen paar Fragen meiner Kunden aus Deutschland beantworten. Ein paar Stunden bleiben ja noch.

 


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Wirbelsturm Colin und wir

So ein Schrecken am Abend

Da mache ich die 48 Std Wetterprognose der Amerikaner auf und fall fast vom Hocker. Colin – Post Tropischer Wirbelsturm hat sich genau da entwickelt wo wir vor vier Tagen losgesegelt sind, an der Nordspitze der Bahamas. Ich hab noch gesagt. „Hier brodelt sich grade was zusammen. 28,4 Grad Wassertemperatur. Zeit hier weg zu kommen.“ Im Moment für uns keine Gefahr. Mit Nathalie habe ich eh schon eine Chat Line via e-mail. Michi hat eitrige Mandeln auf seiner Steuerbordseite im Hals, ich habe statt dessen ein Stechen in der Angina. Ulli hat Wasser in den Füßen und nun auch noch heiße Sohlen. Ich kann mir Nathalies Blick auf der anderen Seite vorstellen. Sie hat eh Nachtdienst, da machen wir den Kohl auch nicht fett, entschließe ich.

Was für unser Wetter viel eindrucksvoller im Moment ist, steht über uns (der untere kleine rote Kreis auf der Karte), das Tief 984hps mit der Windfahne mit dem Dreieck dran. Das malen die Meterologen, wenn kein Platz mehr für Fähnchen ist. Windstärken über 8bft. Der Fliegendreck im rechten roten Kreis ist Bermuda – unser Ziel. Jetzt grade haben wir noch 190 Meilen Richtung NE zu segeln, den Wind im Rücken. Heute Nacht soll der Eiertanz losgehen. 30 Knoten SE und mehr. Wir haben schon das dritte Reff gesetzt und jetzt gibt es ein letztes Gulasch für die nächsten 24 Stunden. Ich bin gespannt was die Nacht bringt. Hoffentlich sind die Systeme schon viel weiter nördlich als gedacht und es gibt falschen Alarm. We hope so.

Grade noch mit Renee gefunkt. Der hängt mit seiner MIRA vorm Delaware River nördlich von Colin und macht den Motor an um Schutz zu suchen. Vernünftige Entscheidung. Leider halten sich die Wirbelstürme meist nicht an ihre vorausberechneten Wege. Wir haben kein Internet an Bord und können uns jede Stunde aufs neue Updaten. Vielleicht gut so.

 


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Endlich Wind


Kurs East

Der Tag beginnt, wie hätte es anders sein sollen mit einem Marlin. „Ijiiiiiii…“, singt die Angelspule bis die Leine innerhalb von Sekunden am Ende ist. Michi kann gar nicht so schnell gucken wie das geht. Der 3 Meter Marlin springt 100 Meter hinter der MARLIN in die Luft, dreht eine Pirouette und entledigt sich dem Plastikköder. Ein faszinierendes Schauspiel. „Was hätten wir auch mit 60 kg Fleisch machen sollen?“ Ich versuche meine Enttäuschung zu überspielen. Klar will ich endlich mal im meinem Seglerleben einen Marlin fangen. Soll aber wohl nicht sein.

Unsere MARLIN rennt durch die Nacht, teilt das Meer in Nord und Süd, ich vorne drin, werde sanft angehoben. Kirmesschlaf. Da träumt man schön, von allem. Plötzlich reißt mich der AIS Warnton krass aus meinen Träumen. Ich stemme meinen Körper aus der schrägen Koje. Was, hier mitten auf dem Atlantik kommt uns doch wahrhaft so ein Frachter näher, als in die zwei Meilen AIS Schutzschildzone? Wir sind fast mitten genau zwischen Bahamas und Bermudas. „Ich sehe da so zwei komische Lichter voraus, kommt Ulli torkelnd von oben runter.“ „Sach bloß Ulli. Echt? Komisch oder kosmisch?“, aber Ulli versteht meinen Spaß grade nicht. „Warum bist Du wach Skipper?“ „Ach. Nur so.“ Er hat sich wirklich erschrocken. Da wir ja auch AIS senden sehe ich das als ganze nicht als großes Malheur muss aber wieder den Skipper raushängen lassen. „Ulli. Auch mitten auf dem Atlantik gilt. Alle 15 Minuten ein Rundumblick.“ „Machst Du das denn immer?“ „Na klar!“, lüge ich ohne zu zucken, muss ich ja, bin ja Skipper. Lach.

Noch 490 Meilen. Die Wetterprognose sieht rot aus. Aber erst auf den letzten 150 Meilen soll es hoch her gehen. Meine Erfahrung sagt mir, dass sich die Grib Files dann letztendlich doch der allgemeinen Wetterentwicklung anpassen. „Kurs East!“, gebe ich als Moto aus, damit wir eventuellen Starkwind mit Böen aus SW mit 33 Knoten von hinten ablaufen können. Meine Crew schaut mich etwas skeptisch an beim Abendessen. Es gibt Lambi (Conch) aus Cuba. Hab ich ja gleich gesagt. Salat ist alle. Zwei Paprika, drei Kürbisse, zwei Kilo Krautsalat und sechs Steaks. Lambi satt. Wir werden nicht verhungern bis Bermuda.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Urs und bei Michael bedanken, die großzügig auf den Spendenbutton gedrückt haben. Danke für eure Anerkennung. Tut gut. Wir werden das Geld zweckgerecht einsetzen.

 


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Manöver für Einhandsegler – Folge 7 & 8 & 11 – Wenden, Beiliegen & Ankern

VIDEO Einhand durch die Schären #7 – Wenden

VIDEO Einhand durch die Schären #8 – Beiliegen

 
VIDEO Einhand durch die Schären #11 – Ankern

In Folge 7 meiner Videoreihe zu Einhandmanövern geht es um das Wenden. Beim Wenden gibt es eigentlich nur sehr wenig zu beachten, aber man kann sich einhand auch hier die Arbeit etwas erleichtern. Jeder erfahrene Segler oder gar Regattasegler wird mich hier sicher auslachen, vor allem wegen des dummen Gesichts  gegen Ende des Clips, als überraschend eine Bö einfällt und mich kameralässig auf der falschen Seite sitzend, die Pinne merkwürdig in der Hand erwischt und schön aufschreckt. Aber das ist eben die Realität :-)

In Folge 8 geht es um das Beiliegen. Dieses Manöver ist mittlerweile zu einem Standardmanöver bei mir geworden, bringt es bei viel Wind und Welle doch ganz wunderbar Ruhe (zum Beispiel für das Reffen) ins Boot und das ist einhand stets willkommen.

Folge 11 ziehe ich einfach mal etwas vor. Hier geht es um das Ankern, welches sich einhand vom Ablauf nicht wesentlich von einem Crewmanöver unterscheidet. Aber es gibt eben auch hier ein paar Dinge zu beachten um alleine zurechtzukommen.

Es gibt viele Handbücher für Bootsmanöver aller Art. Doch sehr wenige für Einhandsegler. So saß ich am Start meiner langen Soloreise 2014 durch die Schären ein wenig auf dem Trockenen. Ich wusste nicht wirklich, was mich dort erwartet und wie ich ohne Crew mit allen Situationen umgehen sollte. Aber so ein Schärentörn einhand wurde ja schon oft vor mir unternommen und musste also machbar sein. Von daher  verließ ich mich auf die Methode „Learning-by-doing“. Die hat am Ende funktioniert, war aber anfangs oft unschön. Denn trotz guter Vorbereitung hat man einfach immer zu wenig Zeit und zu wenig Hände. Und dabei geht es buchstäblich um Sekunden. Im Prinzip habe ich daher probiert jedes Manöver auf seine elementarsten Bestandteile herunterzubrechen und so einfach wie möglich zu halten. Und siehe da, irgendwann hatte ich meine Rezepte für alle Situationen gefunden, auch wenn dazu viel herumprobieren gehörte. Und so konnte ich dann am Ende auch endlich Einhand an einer Schäre anlegen. Ein Szenario welches mir anfangs kaum alleine zu bewältigen schien. Schon während der Reise habe ich angefangen meine Manöverrezepte auch auf Video festzuhalten. Zunächst wollte ich diese in meinen Film „Zeitmillionär“ integrieren, das hätte den Film aber extrem lang gemacht und auch sehr speziell für Nichtsegler. 

Filmtrailer „Zeitmillionär“

Daher habe ich nun, zusammen mit ein paar zusätzlichen Erklärungen auf dem Trockenen, eine Reihe von Videos erstellt, die sich speziell an Einsteiger im Einhandsegeln und an potenzielle Schärensegler richten. Und diesen dabei helfen soll, ihren eigenen Stil zu finden. Denn mit Sicherheit hat jeder Segler sein eigenes Rezept und so sind diese Videos auch nicht als Lehrvideos zu verstehen, sondern nur als Anregungen. Jedes Boot und jeder Mensch ist anders. Ich bin mit diesen Methoden jedenfalls einhand heil durch über einhundert Häfen und fünfzig Schleusen gekommen. Aber auch für Segler, die mit Crew unterwegs sind, kann es nicht schaden sich auch einmal mit Einhandmanövern zu beschäftigen. Man kann ja nie wissen, in was für Situationen man gerät. Aus Zeitgründen, und da es alles andere als einfach ist sich bei den Einhandmanövern auch noch selbst zu filmen, sind die Elemente teils etwas wild zusammengeschnitten und wackelig. Geben aber damit auch gut die zeitkritischen Situationen an Bord wieder und sind auch noch vollkommen kostenlos.

Übrigens: Den Film Zeitmillionär gibt es als Download oder DVD hier

Bermuda Dreieck

Sail Away!

Nun liegt schon die dritte Nacht auf See hinter mir und endlich greife ich mal zu den Tasten. Michi und Ulli funktionieren jetzt alleine. Ich schlafe nicht mehr aufspringbereit im Cockpit, wie in den ersten beiden Nächten. Wir machen drei kurze Einzel-Wachen 00:00-02:00, 02:00-04:00, 04:00-06:00… und so weiter 24h, jeweils der darauffolgende Wachmann hat Bereitschaft für Segelmanöver. Der Wind ist eher zurückhaltend aus Südöstlichen Richtungen und wir machen Etmale um die 120sm. Am Dienstag wird sich das ändern und ein Tief ein paar hundert Meilen nördlich über uns nach Osten ziehen. Das gibt ordentlich Wind aus SW. Windstärke 5-6 ist angesagt. Segeln wir ab, ändern können wir eh nichts.

Gestern haben meine Jungs einen kleinen Yellowfinthuna an der Angel gehabt und erfolgreich rausgezogen, dafür ist beim Gefecht mein Lieblingseimer allerdings über Bord gegangen. Ich hab noch geschlafen. Gut so. So erreichen mich Infos über Geschehen erst dann, wenn ich sie eh nicht mehr ändern kann. Hauptsache, keine Crewmitglieder gehen über Bord oder haben Angelhaken in Gliedmaßen. Alles gut. Die Stimmung an Bord ist hervorragend, könnte nicht besser sein. Der Einzigste der schwächelt bin ich und das weil meine Tochter Maya vorgestern Geburtstag hatte und 11 Jahre alt geworden ist. Und wo ist ihr Papa? Auf See. Das hat mich echt getroffen. Ich hatte einen echt, heftigen Realtime, Homesickness Anfall mit melancholischen Auswirkungen. „Mache ich das alles so richtig? Steht die Freude und die Freiheit auf der MARLIN mit doch recht fremden Mitseglern im richtigen Verhältnis zur Ferne und Entbehrung zu meiner Familie?“ Fragen, die mich quälen und nachdenklich werden lassen. Da kommen die e-mails von den Dagoberts grade richtig, die jetzt richtig deutsch, schmierig mit Rechtsanwalt und Schmerzensgeldforderungen drohen, weil ich ihnen den roten Teppich unter ihren Hintern weggezogen habe. Das ist natürlich nicht grade förderlich für meine Gefühlssituation. „Micha. Da war die totale Ausnahme. Von 16 Crews ein Griff ins Klo. Das ist vollkommen o.k. beruhige ich mich selbst.“

Nachmittags, große Aufregung. Eine Delfinschule findet die MARLIN mitten in der Einsamkeit des Atlantiks und taucht und spielt unter uns durch. Auf dem Selfie von Micha und Ulli aber leider grade kein Delfin drin. Ich verzichte mal darauf einen mit Photoshop reinzukopieren.

Noch 594 Meilen bis Bermuda. Das Bermuda Dreieck liegt im Übrigen südlich von uns. Es ist das Dreieck zwischen Bermuda, Bahamas und Trinidad. Also nur geringe Chancen, dass wir in einer Methanblase verloren gehen. Vorher fressen uns eher die Mücken auf, die seit den Bahamas immer noch auf der MARLIN sind.

 


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SV Heroine – Paul Willaert BE

FIRST SEA TRIAL

Hello Peter, Some images and a video of the Pacific on my Contessa 32.
I’m very happy.
kind regards
Paul

Vom Meer und mehr

FILE8457 im SalzwasserAm 5. Mai, früh morgens, musste ich mich wieder von Sabrina verabschieden. Sie hat sich mit dem Auto auf den langen Heimweg gemacht und ich habe die Erdnägel wieder gezogen und die Leinen gelöst. Weggekommen bin ich trotzdem erst mal nicht. Eos hatte sich in den zwei Tagen mit jeder Miniwelle näher ans Ufer und damit immer weiter mit dem Steuerbordkiel in den schlammigen Grund gearbeitet. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich sie dort raus gezogen hatte. Anschließend bin ich los, in das letzte Teilstück des Canal-du-Midi. Wie es mir dabei ging? Ich war traurig, der Nachrichten der letzten Tage wegen und weil ich Sabrina so gerne dabei gehabt hätte. Wäre diesen Weg viel lieber zu zweit, statt Einhand gefahren.

Genau 10.28 Uhr lag sie hinter mir, die letzte Schleuse in diesem langen Kanal vom Atlantik zum Mittelmeer. Der Canal-des-deux-Mers, der Kanal der zwei Meere, wie ihn die Franzosen auch nennen. Durch 151 Schleusenkammern bin ich dabei mit Eos gefahren. 190 Meter nach oben und 190 Meter wieder runter zum Meer. Jetzt war ich da, bin in den Etang de Thau gefahren, einer 75 Quadratkilometer großen Lagune des Mittelmeers, mitten in einer Regatta. Fünf Windstärken gegenan und Sonnenschein. Eines der Begleitboote der Regatta kam zu mir und ich wurde informiert welche Route gesegelt wird und welcher Kurs für mich optimal ist.
Danach war Entspannung angesagt. Zwei Stunden unter Autopilot im Cockpit liegen. Salzige Gischt ins Gesicht, Wind um die Nase und Wellengang fast wie auf dem Ententeich. So gut wie nichts, absolut nichts. Hätte man hoch am Wind auch sehr schön segeln können.
Segeln…
Das war es was mir durch den Kopf ging. Mast stellen im nächsten Hafen und mal für ein Jahr in dieses Meer abbiegen…
Sabrina und ich haben in der Vergangenheit oft darüber nachgedacht. Es gibt viel zu entdecken, hier könnte man leicht einige Jahre verbringen. Würde dann auf Jahresurlaub an Bord hinaus laufen, teuren Jahresurlaub an Bord. Ne, das ist es nicht, was uns vor Augen schwebt, so verlockend es auch ist.
Ich erfreue mich an dem Gedanken, dass Eos jetzt immerhin hier war. Für zwei Stunden ihre Kiele durchs Mittelmeer gezogen hat. Ich bin zufrieden damit und als ich an Sète vorbei fahre und in den nächsten Kanal einbiege, hänge ich mit meinen Gedanken bereits in der Rhône.
Die Leinen mache ich an diesem Tag in Frontignan fest. Ein kostenloser, hübscher Stadtanleger. Für Strom und Wasser muss man einen kleinen Obolus an einem Automaten entrichten.

Am nächsten Tag fahre ich früh los, muss um kurz nach 8 Uhr durch eine Hubbrücke, die nur zwei mal täglich geöffnet wird und quäle mich den Rest des Tages mal wieder durch Dauerregen den Kanal entlang.
Der Canal du Rhône à Sète ist meine Verbindung vom Mittelmeer zur Kleinen Rhône. In weiten Teilen ist er langweilig, was das Fahren angeht, sehr gerade und uninteressant. Die Landschaft neben der Strecke hat allerdings ihren Reiz.
Die Flamingos in den Salzseen, die man an manchen Stellen zu Gesicht bekommt, faszinieren mich und ich habe das Glück, zwei frei lebenden Camargue-Pferden zu begegnen. Sie stehen direkt am Ufer und schauen Eos hinterher.
Am Abend mache ich wieder an meinen Erdnägeln fest. Der nächste ordentliche Hafen ist mir zu teuer, zumal der Wetterbericht drei Tage mit schlechten Bedingungen für den Start in die Rhône voraussagt. Also bleibe ich mitten in der menschenleeren Carmague im Grünen liegen, mache bewusst weit vor der nächsten Stadt fest. Hier bin ich allein, habe meine Ruhe, kann ein paar Dinge am Boot erledigen und Fotos machen. Mir gelingt zum ersten mal ein guter Schnappschuss von einem Eisvogel.
Leider regnet es in diesen Tagen sehr viel, so das ich die meiste Zeit im Boot bleibe.

Am 12. Mai starte ich wieder den Bukh und lege ab. Es geht in die Rhône nach Norden. Wie es mir dort ergangen ist erzähle ich euch im nächsten Beitrag.

SV Waskaran – Patrick Lataillade FR

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Hi Peter,

Thank you for your nice offer! I can see that you have not changed and still offer the same incredible service ( Though I am a bit ashamed to ask you for a piece of rope! )

I purchased your wind pilot in december 2004 after having had a lot of trouble steering Waskaran ( 11 m, 9.5 tons with a centerboard type “ Fruit de Mer“ ) with an Autohelm 4000 while crossing Biscay and reaching Las Palmas pretty tired. The delivery was planned 3 days later and, having ordered from Madeira and been assured that it would work for the transom I had, the equipment was at the back of my boat, on the dock in Las Palmas at 9 am exactly 3 days later. I still tell the story to other sailors when we talk about wind vanes !

Waskaran in Cape town after 53 days at sea

It was duly installed the next day as recommended in the instructions. The simplicity and light weight of the machine made me doubt that it would steer this heavy and pretty lively steel boat but after a few days I realised the strength of the system. It just pushes you out of the way if you do not pay attention !

I sailed directly from Las Palmas to Capetown. 5700 miles and 53 days, a good part of it against the wind. 900 miles from Cape Town I hit a container at night at about 6.5 knots. The rudder stock, 30 mm solid stainless steel was bent badly, the rudder slid up and pulled the steering lines of the windpilot very hard. Nothing broke in the windpilot, no damage in the system at all, the rudder just pivoted as planned.

Las Palmas Capetown

Even whith a pretty hard rudder ( a lot of friction due to the bent stock) the wind pilot managed to steer the boat to Cape Town, with an irregular course obviously and a bit more sail adjustment but I did not have to steer which was the main thing.
It works very well both in heavy seas and in light winds. If it would get damaged for one reason or another, which I doubt can happen, I would get another one immediately.
It is very simple, and if properly installed, will work for any boat. It is a tribute to engineering, pragmatism and no nonsense approach to one of the main pieces of equipment that a single handed sailor needs .

Next time I set out on a long trip, I will have total confidence that I will not need to steer for days and days !

Thanks again for your creation and I wish you a long and happy life so that you can continue to produce this machine and make it better if it is possible.

Regards

Patrick Lataillade from Buenos Aires weiterlesen

Auf zu neuen Ufern – Trockenfallen für Einsteiger

Früh geht es heute weiter. Obwohl unser Tagesziel Tönning nur etwa 3-4 Stunden entfernt liegt. Der Grund dafür ist ganz einfach und typisch Nordsee: Der Hafen von Tönning fällt trocken, und um sicherzugehen würde ich gern vor dem Hochwasser um 1200 dort ankommen. Vielleicht etwas übervorsichtig bei 3m Wasser im Hafen bei Hochwasser, doch gerade am Anfang weiss man ja nie was unterwegs so schief geht. Also geht es pünktlich zum Betriebsbeginn um 0730 zur Schleuse in Nordfeld. Und wie schon in Gieselau sollte diese Schleuse ein Tor zu einer ganz neuen Welt werden.

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Sofort nach der Schleuse geht es nicht mehr durch die flußähnliche Binneneider, sondern durch ein waschechtes Nordsee-Tidenrevier: Die Tideneider. Nicht mehr Weiden und hohe Bäume säumen das Ufer, sondern hohe Schlickbänke, breite Schilfgürtel, Pricken, Seehunde, und Wattvogelkolonien. Umso spannender waren die ersten Meter. Obwohl die Navigation natürlich etwas komplizierter wird als in der Binneneider gibt es einfach so viel zu schauen und entdecken. Und dazu das vielleicht schönste an der Nordsee im Vergleich zur Ostsee: Die salzige Luft die schon gestern am Liegeplatz in Nordfeld die Vorfreude auf die kommenden Tage gesteigert hat. Da heute ein Feiertag (Himmelfahrt) ist mussten wir den Wärter der nächsten Brücke leider schon um 08:00 von süßen Träumen in die Rufbereitschaft „erlösen“. Während er einige Zeit später auf der Brücke zu seinem Häuschen schlurfte richtete er doch tatsächlich noch Gürtel und stopfte das Hemd in die Hose. Ups…

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Für den weiteren Teil der Fahrt lasse ich einfach mal die Bilder sprechen. Die Tideneider ist einfach Nordseeromantik pur.  Bereits weit vor Hochwasser erreichten wir den Hafen von Tönning. Ein verschlafenes Nordseestädtchen, welches seine Hochzeit schon vor einigen Hundert Jahren hatte. Und nun sollte der vielleicht spanndendste Teil des heutigen Tages folgen: Das erste Mal Trockenfallen auf dieser Reise. Denn davor haben die meisten Nordseeunerfahrenen wohl den meisten Respekt. Obwohl die Nonsuch ein Schwenkkieler ist, hat auch sie einen kleinen Stummelkiel der ein aufrechtes Liegen auf dem Rumpf fast unmöglich macht. Trotz des moderaten Tiefgangs geht es mir also nicht viel anders als den meisten Kielschiffen. Oft werden Befürchtungen geäußert, dass Welle, Kiel oder Saildrive durch das Trockenfallen im Hafen Schaden nehmen könnten. Dem ist aber überhaupt nicht so. Der Grund dafür ist, dass in praktisch allen Nordseehäfen die Oberfläche durch sehr weichen Schlick gebildet wird. Würde man versuchen darauf zu laufen würde man locker bis zur Hüfte einsinken. Dementsprechend sinken die Schiffe bei ablaufendem Wasser einfach in diesen Schlickboden ein und stehen dann meistens zwar steif aber völlig gerade. Man sollte nur darauf achten genug Lose in die Leinen zu geben, damit sich das Schiff bei sinkendem Wasserstand nicht regelrecht darin aufhängt. Und genau so problemlos erheben sich die Schiffe bei auflaufendem Wasser wieder aus dem Schlick. Der einzig begrenzende Faktor ist die Dicke der Schlickschicht, da darunter oft harter Sand liegt. In den meisten Häfen ist aber selbst ein einsinken mit einem Tiefgang bis zu 2m kein Problem. Ich kenne sogar eine moderne Hanse in einem Tidenhafen mit Saildrive und 2m Tiefgang, die jeden Tag zwei mal komplett einsinkt. Risiko ist also nicht wirklich vorhanden. Soweit zur Theorie.

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Allerdings habe ich das zumindest mit der Nonsuch vorher noch nicht gemacht. Ein wenig Anspannung bleibt also. Doch gleich nach dem Anlegen wird mir ein Vorteil des Segelns nach der Tidenuhr bewusst: Oft wird dagegen angeführt, dass man sich nicht im Urlaub nach dem Zeitplan von Ebbe und Flut richten und früh aufstehen will. Auch heute ging es ja bereits vor 8 los. Doch nun sind wir bereits um halb 12 mittags fest, haben das Boot aufgeklart und der Uhrzeit entsprechend eine Anlegecola getrunken. Und nun steht uns noch der halbe Tag für die Erkundung von Tönning zur Verfügung. Vor allem für Getriebene wie mich, die oft erst um 1800 in den Hafen einlaufen und oft genug die Erkundung des Umfelds für mehr Zeit auf See eintauschen eine willkommene Abwechslung. Quasi Entschleunigung zwangsweise. Vielleicht wirklich mal ein anderes Konzept für einen Segelurlaub…

Nun geht es also in den Ort. Der Hafen selbst wurde bereits vor Jahrhunderten von den Dänen als Handelshafen angelegt und wird von einem riesigen backsteinernen Packhaus dominiert.  Der Ort hingegen gruppiert sich um den Hafen – man liegt also quasi mitten in der Altstadt –  und besteht aus vielen alten liebevoll gepflegten Stadthäusern. Ich mag solche traditionellen, gewachsenen Häfen immer ganz besonders. Heute ist von der Vergangenheit als Handelshafen aber nicht mehr zu spüren, Wie so oft dominiert der Tourismus und viele Restaurants warten auf Kundschaft.  Normalerweise wäre der Stadtrundgang mangels Zeit jetzt zu Ende (siehe oben), aber heute haben wir ja genug davon. Nachdem wir uns also ein edles norddeutsches 2 Gänge Menü (siehe Bildergalerie) gegönnt haben,  besuchen wir zur Einstimmung auf die Nordsee noch das örtliche Watt- und Nationalparkzentrum. Normalerweise sind diese für Küstenkinder eher langweilig, doch dieses ist wirklich liebevoll gemacht und besticht vor allem durch seine vielen Aquarien in denen sämtliche Fisch- und Getierarten der Nordsee, gruppiert nach Lebensraum, vorgeführt sind. Dazu gibts viel Wissenswertes über Natur und Technik. Selbst für zwei Mittzwanziger noch wirklich interessant. Und für Familien bestimmt erst Recht…

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Zurück am Hafen zeigt sich dann, dass meine Vorsicht bezüglich der frühen Ankunftszeit nicht ganz unbegründet war. Die Einfahrt liegt fast trocken. Und auf halbem Wege zwischen Einfahrt und Liegeplätzen liegt ein kleines Segelboot hoch und trocken. Für ihn gehts wohl erst in ca. 3 Stunden zum bereits in Sichtweite liegenden Liegeplatz. Zum Glück hat er offenbar noch eine frische YACHT an Bord und liest gemütlich im Cockpit. Während wir dann so zum Boot schlendern spricht uns einer der Wirte der Hafenrestaurants an. Ob wir mit dem Segler da wären – Ja?! – und vor einer halben Stunde bei ihm einen Tisch reserviert gehabt hätten? – Nein?! .
Er würde nämlich schon warten. Leicht schmunzelnd zeigten wir auf den im Hafenbecken Festsitzenden. Der Wirt nahm es locker, ging hin, und klärte über Zurufen von der Kaikante ab, dass er den Tisch dann mal auf 2100 umbuchen würde. Unkompliziertheit ála Nordsee.

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Anlässlich des heutigen Vatertags beschlossen wir den Tag dann mit einem zünftigen Grillfest am Steg. So stieg im Laufe des Abends dann nicht nur der Pegel des Hafenbeckens. Dennoch ging es anderntags früh weiter. Durch den Rest der Tideneider bis zum gigantischen in den 70ern errichteten Eidersperrwerk. Und ab da sollte die veränderliche Außeneider und die offene Nordsee beginnen. Es sollte in einem langen Schlag möglichst weit nach Norden gehen um anschließend Zeit für eine entspannte Rückreise über all die kleinen Nordseehäfen hätten. Als Wegzehrung nahmen wir uns  im Tönninger Fischgeschäft noch 2 frische Brötchen und 2 große Pfeffermakrelen mit. Die sollten dann später noch mal eine Nebenrolle spielen…

Kleiner Lobster – Großer Held

Kleiner Lobster – Großer Held

Ende unserer Zeit auf den Bahamas

Es war ein kleiner Zwischenstopp. Viel zu kurz um die Bahamas weiter kennenzulernen. Doch wer hat schon die Zeit und das Geld um wochenlang mit Wnuk Fahrtensegler zu spielen? Für die meisten meiner Mitsegler sind schon zwei oder drei Wochen an Bord eine lange Zeit, das Kojengeld ein dicker Batzen. Gar nicht so einfach. Michi hat Glück gehabt. Er war im richtigen Moment da, weil ich eine linke Hand brauche um sicher über den Atlantik zu segeln. Er hat grade Elternzeit und kann meiner Erwartung entgegenkommen sieben Wochen Zeit am Stück zu haben. Er darf als Bootsjunge mitsegeln.

“Da an den Steinen der Hafeneinfahrt, da gibt es Langusten auf nur vier Meter Wassertiefe. Mit einem Drahtharken ziehst Du sie aus ihrer Höhle und dann schmeißt Du sie in Dinghy!“ Michi schaut mich ungläubig an. „Können die mich beißen?“ „Nein, dass sind keine Hunde, dass sin Langusten. Ziehe einen Handschuh an, damit Du von den Stacheln nicht gestochen wirst.“ Neben Putzen hat Michi auch Zeit stundenlang schnorcheln zu gehen. Warum auch nicht. Einen halben Tag soll er sich um die MARLIN kümmern, den Rest des Tages steht zu seiner freien Verfügung. Er kann gut mit mir umgehen, wenn ich mal launisch bin, ein schlechtes email bekommen habe. Dann lächelt er mich einfach an und wartet ab bis mein kleiner Anfall vorbei ist.

Wir sind losgefahren. Schnell noch am Donnerstag Abend um 22:00, weil ich doch am Freitag nicht auslaufe. Jaja, der Aberglaube. Dann wäre es Samstag geworden und so langsam müssen wir los. Die Wetterprognosen sehen nach einem Tag motoren aus, dann sollten wir Winde aus den richtigen Richtungen bekommen. Die Wassertemperatur hier steigt stetig und hat 28 Grad angenommen. Zeit die Karibik im Sauseschritt zu verlassen und Nord zu machen. Jetzt fängt der Wettergott an hier sein Süppchen zu kochen und was daraus wird weiß man nie so genau.

“Zwei Stück habe ich geholt. Gefühlte 50 Mal bin ich runter getaucht.“ Michi strahlt über beide Backen. Ich sehe quasi den Jagdtrieb in seinen Augen. Mehr. Mehr. Die Angst, dass ihn die kleinen Langusten etwas tun können, hat Michi wohl abgebaut. Zum Frühstück gibt es Rührei mit Languste auf der MARLIN.


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Mare Più. 2016-06-02 11:47:00

Es beschäftigt mich, seit ich nun seit über zwei Jahren das Mittelmeer bereise. Das tiefe Blau, das an manchen Orten noch faszinierender, noch unglaublicher ist als anderswo. Eigentlich bin ich ständig, wenn ich am Meer bin, auf der Jagd nach dem perfekten Blau. Sieht mein Hirn Blau, fängt es schon an zu rattern: Hatten wir dieses Blau schon? War es schon mal da?War es schon mal besser?

Blau ist wichtig. Vielleicht ist es sogar einer der Gründe, warum ich hier auf dem Meer unterwegs bin. Denn:
Wenn ich gelegentlich morgens aus Levje mit sorgenschwerem Kopf heraus an Deck krabble, hilft das große Blau. 
Wenn meine Stimmung mal nicht eindeutig ist: sehe ich diese Farbe, gehts mir gut.

Sehe ich mein Lieblingsblau wie vor Sizilien oder hier: Bin ich entzückt. Ein Bringer. Für Stunden. „Nein, was ist das hier gerade herrlich Blau.“

Blau beschäftigt mich. Ich habe auf Mare Più einige Posts darüber geschrieben, über das tiefe Blau. Und wo immer ich das schönste Blau meinte angetroffen zu haben, habe ich es festgehalten, nicht umsonst ziert die Startseite unseres millemari.-Verlags www.millemari.de ein Video in Blau. Heute also ein weiterer Post über das tiefe Blau, wie ich es direkt an LEVJEs Liegeplatz in der Marina von Mgarr auf der Insel Gozo (Malta) jeden Tag antreffe. Und am Ende, als Belohnung fürs dranbleiben ein Test. Mit Farben. Denn beim Blick ins tiefe Blau erkennen Sie sich buchstäblich ein Stück selber.

Das Blau hier auf Gozo: Das Archipel der maltesischen Inseln besteht überwiegend aus Felsen. Flüsse gibt es (anders als in der Ostsee!) ganz wenig, Europa’s dichtbesiedelstes Land Malta gehört zu den wasserärmsten Regionen der Welt überhaupt. Dem großen Blau tut das nur gut, Sedimente, die Flüße ins Meerwasser tragen wie 90 Kilometer weiter nördlich in Sizilien, sind rar, das Wasser ist klar. So klar, dass ich die Grundleinen des Hafens deutlich am Boden liegen siehe –  an meinem Liegeplatz in sechs Metern Tiefe.



Blau. Natürlich ist es die Lieblingsfarbe der Deutschen. Farben beeinflussen unser Leben. Blau löst nach wirklich schlanker Lesart in uns erstmal Harmonie und Zufriedenheit aus. Rot steht für Stärke und Selbstbewußtsein. Das hat Folgen, beeinflußt uns: Ringer im roten Trikot obsiegen laut Statistik in 60% der Fälle über Blau Gewandete. (www.karrierebibel.de). Womit die Sache mit BAYERN MÜNCHEN auch ein für allemal geklärt wäre. Und 1860 MÜNCHEN gleich mit.

Damit reicht’s aber noch nicht: Blau ist überhaupt global die Lieblingsfarbe – mehr als ein Drittel der Befragten stimmt für Blau. Erst dann kommt mit 25% rot. Aber mit 25% kann’s nix werden, Herr Gabriel.

Allerdings unterscheidet sich, was die Mehrheit als das ideales Blau wählt, doch erheblich von dem, was jetzt gerade an meine Bordwand schwappt. #0044CC ist die Antwort, sucht man nach dem, was den Leuten am besten gefällt. Die, die nun wirklich über uns Alles Alles wissen, die GOOGLEs, nein diesmal die MICROSOFTs haben die Nase vorn (Endlich mal wieder. Respekt.) und fanden heraus, dass Links in Blau mit dem Hexadezimal-Code #0044CC weltweit am meisten geklickt werden. #0044CC ist das „80-Millionen-Dollar-Blau“.



Max Lüscher entwickelte zu einer Zeit, als die halbe zivilisierte Welt dabei war, sich auszurotten, nach zahllosen Probanden-Untersuchungen einen Persönlichkeitstest. Vielleicht ging so etwas in Vierziger Jahren nur in der Schweiz. Alle Kriege konnten nicht verhindern, dass der Lüscher-Test heute in etwa so angesehen ist wie der Rohrschach-Test. Sie erinnern sich? Die Sache mit dem Tintenklecks. Lüscher trieb seine Erkenntnisse trotz Gegenwind auf die Spitze. Seine Diagnostik wird heute in Medizin, Psychologie, aber auch im Recruiting eingesetzt. Vorsicht also, ganz vorsichtig, wenn Sie Ihr Vorgesetzter demnächst flach anquatscht: „Was ist eigentlich Ihre Lieblingsfarbe?“

Statt also heute das Horoskop in BILD zu lesen (deren Rot im Logo übrigens Max Lüscher entwickelt hat) lassen Sie sich einfach mal auf den Test ein. Sie finden ihn hier!
Werfen Sie einen Blick auf sich selber. 
Keine Angst: Wie immer sie antworten – es geht gut für Sie aus. Sie erfahren, indem Sie sich gleich mit Blau beschäftigen, Dinge, die Sie nie über sich gedacht hätten.

Und für alle, die wie ich gierig auf Blau sind: Hier meine Lieblingssammlung von 42 mal Blau. Mindestens.