Monatsarchive: Juni 2016

SV Hideout – Lisa + Horst Mösbauer GER

FACE THE WORLD – ABENTEURER ZU LAND UND WASSER

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Servus Peter,
ich habe nun die Windfahnensteuerung angebaut und auf den ersten 180 sm von Kroatien nach Süditalien bei achterlichem Wind 18-23 Knoten ausprobiert. Das man mit dem Windpilot derart genau steuern kann hätte ich nicht gedacht. Ich bin froh mir den Windpilot angeschafft zu haben.
Anbei ein paar Bilder vom Windpilot an unserer Ovni.

Viele Grüße 
Lisa und Horst WEITERLESEN 

SV Dagmar Aen in den roaring forties

Elb-H-Jolle – GFK – zu verkaufen – € 12.500,–

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Baujahr 1999
GFK Knief Werft
Klappmast
1 Gross, 2 Vorsegel, Spinnaker
Trailer
Standort Hamburg

DSC01453DSC01454DSC01458Sommerwind_05_13xc Kopie

Kontakt:
Peter Foerthmann 040 652 52 44
peter@windpilot.com

Atlantik, die zweite! Catis Sicht …

Da haben wir also erneut den Atlantik übersegelt. Zumindest fast, denn es fehlt natürlich noch das nicht gerade kleine Stück von den Azoren zum europäischen Festland. Je nach dem wie es das Wetter zulässt, werden wir direkt nach England oder…

Wie kommt man da hoch?

IMG_6467 Baumstämme auf der RhoneKommt man da überhaupt noch hoch, bei solchen Bedingungen? Gemeint ist die Rhône, mit ihrem stetig stärker werdenden Gegenstrom. Eigentlich sollte es mit jedem Kilometer flussaufwärts besser werden, sprich die Fließgeschwindigkeit sollte nachlassen. Würde auch so sein, aber eben nur, bei gleichbleibendem Pegel. Der Pegel ist aber leider nicht konstant, sondern steigt durch die enormen Regenmengen immer weiter an. Und so kommt es, dass es nicht besser, sondern immer schwieriger wird, bergauf zu fahren.
Meine Gedanken kreisen deshalb ständig um die Frage: „Wie komme ich mit Eos da hoch?“
Vor allem, wie komme ich da hoch, ohne zu viel Risiko einzugehen.

Von den Crews, die ich in den Häfen und an Kais treffe, kommen die meisten von Norden und fahren bergab. Ich frage deshalb so oft es geht nach den Bedingungen für meinen nächsten Abschnitt. Was ich dann zu hören bekomme ist selten positiv. Von bis zu 6 Knoten Fließgeschwindigkeit an Engstellen wird da berichtet. Man erzählt mir von viel Treibholz und einem verbogenen Propeller.
Hört sich nicht gerade berauschend an.

Trotzdem werfe ich am 30. Mai den Bukh wieder an und löse nach wirklich langer Warmlaufphase die Leinen. Ich warte deshalb so lange, weil ich den Motor nur wenige Meter hinter dem Steg bereits mit voller Drehzahl belasten muss, um nicht von der Strömung auf die Flachstelle geschoben zu werden. Nach dieser etwas heiklen Ecke geht es endlich wieder vorwärts. Allerdings nur mit gerade mal 1,2kn über Grund. Die paar Meter bis zur nächsten Schleuse ziehen sich wie Kaugummi. Danach geht es, wie fast immer, zunächst ein wenig zügiger weiter. Das liegt daran, dass unmittelbar oberhalb der Schleusen das Wasser am höchsten aufgestaut ist und in der Regel die größte Wassertiefe herrscht. Teilweise zeigt das Echolot bis zu 30 Meter unter dem Kiel an. Bei so einem riesigen Querschnitt ist die Fließgeschwindigkeit entsprechend niedrig. Aber das ändert sich recht schnell und mit jedem Kilometer auf dem Weg zur nächsten Schleuse wird der Gegenstrom stärker.
Dass Eos bei 6kn, mit denen uns das Wasser manchmal entgegen kommt, nicht rückwärts fährt, liegt nur daran, dass ich sie sehr dicht am Ufer halte. Dort fließt das Wasser langsamer als in der Mitte. Ebenso ist es in Kurven auf der Innenseite deutlich langsamer. Und so hangel ich mich entlang. Wechsel häufig die Seiten, suche die optimale Linie und lasse meine Augen in einem Kreis über Wasseroberfläche, Echolot und Geschwindigkeitsanzeige wandern. So wie ich es im Rhein gelernt habe. Das hilft hier sehr. Oft bin ich mit Eos sogar schneller als deutlich größere Boote oder kann wenigstens mithalten.
Manchmal werfe ich auch zusätzlich den kleinen Außenborder an, den ich mittlerweile an einem Hilfsspiegel am Heck montiert habe. Das bringt etwa 0,3kn. So manches Mal das Zünglein an der Waage.
Und so geht es im Schneckentempo bergauf. Etappe für Etappe schleiche ich auf der 2m Tiefenlinie am Rand entlang. Ich stehe fast die gesamte Zeit an der Ruderpinne, um ja nicht irgendeine Untiefe zu übersehen und auf Grund zu laufen. Aber es geht, Eos und ich kommen da hoch!

Zwischenzeitlich „feiere“ ich abends, an einem kleinen Ponton im Strom meinen Geburtstag mit einem Kuchen aus der Dose und komme am 2. Juni sicher in Condrieu an. Ein Hafen, der Schutz vor dem weiter steigendem Wasser bietet. Weiterfahren ist ab hier unmöglich. Es kommen Massen an Wasser, Baumstämmen und Müll die Rhône runter.
In Condrieu ist deshalb seit einer guten Woche Stillstand. Es fahren keine Sportboote mehr und auch die Berufsschifffahrt ist deutlich reduziert.

IMG_6469 Kühlschrank

ADAC Yachtcharter-Suche bekommt Flottenzuwachs

Gute Nachrichten für Charter-Skipper: Der ADAC Yachtcharter-Partner CharterCheck erweitert das Online-Angebot und vermarktet ab sofort auch die Flotten von Sunsail und The Moorings. Damit wächst die über die ADAC Yachtcharter-Suche vergleichbare und buchbare Flotte auf circa 10.000 Hausboote, Segel- und Motoryachten an über 400 Standorten. Insbesondere in den Übersee-Destinationen wird die Auswahl damit deutlich vielseitiger.

The Moorings Bahamas

Moorings-Flotte auf den Bahamas. Foto: © The Moorings, c/o Mariner Travel GmbH

Die neue Vertriebspartnerschaft erfolgt zu dem Zeitpunkt, an dem die Flotten von Sunsail und The Moorings ihre Sonder- und Last-Minute-Angebote erstmals online stellt. Damit bündelt die ADAC Yachtcharter-Suche nun nahezu alle weltweit relevanten und hochwertigen Flotten des Chartermarkts und macht einen schnellen Vergleich und eine sichere Online-Buchung noch einfacher. Insbesondere in den Traumdestinationen in der Karibik, den Bahamas oder im Südpazifik wird das Charterangebot damit deutlich erweitert. Aber auch die beliebten Mittelmeer-Reviere werden durch die Flotten von Sunsail bereichert.

Die ADAC Sportschifffahrt möchte mit seinem Yachtcharter Vergleichs- und Buchungsportal gemeinsam mit dem Partner CharterCheck für mehr Markttransparenz sorgen und Wassersportlern die Törnplanung erleichtern. Die Plattform bietet einen schnellen Überblick bei den zu mietenden Segel-, Motor- und Hausbooten sowie umfassende Preistransparenz, zusätzlich sichern über 12.000 geprüfte Kundenbewertungen die Qualität. Gesucht werden kann nach dem Revier, Buchungszeitraum sowie der Dauer der Anmietung. Darüber hinaus erhalten ADAC Mitglieder bei der Buchung über die ADAC Yachtcharter-Suche fünf Prozent Rabatt auf den Online-Listenpreis.

CD Releaseparty "Zeitmillionär" am 29.6.2016, 19:30h in Hamburg


Nach knapp 2 Jahren Arbeit wird meine erste eigene CD nun endlich veröffentlicht. 19 Songs die ich während meiner 6 monatigen Auszeit auf einem Segelboot, beeinflusst vom Jahrhundertsommer auf der Ostsee und vielen Reisen in die USA, komponiert habe. Eingespielt wurden die Songs nach meiner Rückkehr von sage und schreibe 30 internationalen Musikern in Hamburg . Das Album wurde in Folge noch sehr liebevoll gemischt und gemastert um alle Nuancen dieser handgemachten und sehr aufwändigen Studioproduktion hörbar zu machen. Ab Anfang Juli wird die CD nun im Handel sein. Und um das gebührend zu feiern lädt mein Label woold records am 29.6.2016 zu einer großen Party ins Cafe Prüsse direkt an der Alster ein. Denn meine Musik gehört einfach ans Wasser. 

  
Was erwartet euch?

– Zunächst natürlich die erste öffentliche Performance vieler Titel der CD auf einer Bühne direkt über der Alster. Von den 6 Sängerinnen und Sängern, die auf dem Album mitgewirkt haben, werden 4 an dem Abend zu hören und zu sehen sein. Plus viele der an der Produktion beteiligten Musiker. Jeder Songwriter träumt wohl davon seine Songs endlich einmal vor großem Publikum präsentieren zu dürfen, und mir geht es natürlich nicht anders. Dazu dann noch die Atmosphäre eines hoffentlich wunderschönen Sommerabends an der Alster. Gänsehautmomente garantiert!
  – In der zweiten Performance des Abends wird dann live gerockt. Zu meinen engsten „Friends“ zählt auch die energetische und gut gebuchte Rockabilly Band „BiggsBSonic“, bei der ich den Kontrabass bearbeite. Ebenfalls mit einer eigenen CD am Start bildet diese Formation dann bei Bedarf das musikalische Rückgrat meiner Live Auftritte. Jeweils ergänzt durch weitere „Friends“. Und da von denen an diesem Abend ja jede Menge anwesend sind, kann man einzigartige musikalische Erlebnisse und Kombinationen erwarten. 
– Dann möche ich noch einige Ausschnitte aus dem Film „Zeitmillionär“ zeigen, die dazu motivieren sollen auch endlich einmal seine Träume zu leben und sein altes Leben für einige Monate zu verlassen. Gewissermaßen eine Kurzanleitung zum Aussteigen. 
– Wer dazu noch Fragen an mich hat, allgemeiner oder auch speziell seglerischer Natur, kann diese am Eingang auf einen Zettel schreiben und sie werden im Laufe das Abends dann beantwortet.

– Dazu gibt es natürlich die leckeren Gerichte und Getränke auf der Karte des Cafe Prüsse plus die einmalige Aussicht auf die Alster.


Die ganze Feier ist bewusst öffentlich gehalten und kostet keinen Eintritt, denn sie soll eine echte Einladung für alle Interessenten sein. Dafür können jedoch keine Plätze reserviert werden und frühes Erscheinen sichert die besten Aussicht.

CD Releaseparty "Zeitmillionär" am 29.6.2016, 19:30h in Hamburg


Nach knapp 2 Jahren Arbeit wird meine erste eigene CD nun endlich veröffentlicht. 19 Songs die ich während meiner 6 monatigen Auszeit auf einem Segelboot, beeinflusst vom Jahrhundertsommer auf der Ostsee und vielen Reisen in die USA, komponiert habe. Eingespielt wurden die Songs nach meiner Rückkehr von sage und schreibe 30 internationalen Musikern in Hamburg . Das Album wurde in Folge noch sehr liebevoll gemischt und gemastert um alle Nuancen dieser handgemachten und sehr aufwändigen Studioproduktion hörbar zu machen. Ab Anfang Juli wird die CD nun im Handel sein. Und um das gebührend zu feiern lädt mein Label woold records am 29.6.2016 zu einer großen Party ins Cafe Prüsse direkt an der Alster ein. Denn meine Musik gehört einfach ans Wasser. 

  
Was erwartet euch?

– Zunächst natürlich die erste öffentliche Performance vieler Titel der CD auf einer Bühne direkt über der Alster. Von den 6 Sängerinnen und Sängern, die auf dem Album mitgewirkt haben, werden 4 an dem Abend zu hören und zu sehen sein. Plus viele der an der Produktion beteiligten Musiker. Jeder Songwriter träumt wohl davon seine Songs endlich einmal vor großem Publikum präsentieren zu dürfen, und mir geht es natürlich nicht anders. Dazu dann noch die Atmosphäre eines hoffentlich wunderschönen Sommerabends an der Alster. Gänsehautmomente garantiert!
  – In der zweiten Performance des Abends wird dann live gerockt. Zu meinen engsten „Friends“ zählt auch die energetische und gut gebuchte Rockabilly Band „BiggsBSonic“, bei der ich den Kontrabass bearbeite. Ebenfalls mit einer eigenen CD am Start bildet diese Formation dann bei Bedarf das musikalische Rückgrat meiner Live Auftritte. Jeweils ergänzt durch weitere „Friends“. Und da von denen an diesem Abend ja jede Menge anwesend sind, kann man einzigartige musikalische Erlebnisse und Kombinationen erwarten. 
– Dann möche ich noch einige Ausschnitte aus dem Film „Zeitmillionär“ zeigen, die dazu motivieren sollen auch endlich einmal seine Träume zu leben und sein altes Leben für einige Monate zu verlassen. Gewissermaßen eine Kurzanleitung zum Aussteigen. 
– Wer dazu noch Fragen an mich hat, allgemeiner oder auch speziell seglerischer Natur, kann diese am Eingang auf einen Zettel schreiben und sie werden im Laufe das Abends dann beantwortet.

– Dazu gibt es natürlich die leckeren Gerichte und Getränke auf der Karte des Cafe Prüsse plus die einmalige Aussicht auf die Alster.


Die ganze Feier ist bewusst öffentlich gehalten und kostet keinen Eintritt, denn sie soll eine echte Einladung für alle Interessenten sein. Dafür können jedoch keine Plätze reserviert werden und frühes Erscheinen sichert die besten Aussicht.

Segel-Prinzessin ist da

Letzte Vorbereitungen

Leider gar nicht so schön. Das AIS GPS ist ausgefallen und bringt mich am heiligen Sonntag Nachmittag zum Wahnsinn. Klar habe Ersatz an Bord, aber auch das failed!, wie man so schön im Englischen sagt. Ich glaube ich habe einen Kurzen gemacht iund das GPS Modul den AIS Transponders geschossen. Zumindest läuft der Empfang noch. Meine Crew macht Sight-Seeing mit dem Bus um die Insel. Richtig machen sie das. Ich werde bestimmt nicht meine Probleme zu den ihrigen machen, wenn es denn nicht sein soll. Außerdem kommen wir auch ohne AIS nach Horta. Scheiß drauf!

Das war gestern. Weiter bin ich nicht gekommen. Aus lauter Frust habe ich ein Glas zu viel getrunken und bin im Pilothaus versackt. Muss auch mal sein. Schwamm drüber. Heute morgen war dann echt Pille angesagt und Abkühlung beim „Ums Boot schwimmen!“

Unsere Segelprinzessin Gabi ist schon am Samstag angekommen. Einleben. Bermuda besuchen. Heute war dann das übliche Verproviantieren angesagt. Auf mit dem Bus zum Supermarkt nach Hamilton. Auf dem Weg schlafe ich ein. Dann der direkte Weg zum angesagten Angelladen – kann man gar nicht verpassen. Ich investiere weiter in den Marlin, der definitiv zu fangen ist. 100 Meter 2,5mm Leine, neue Quetschösen, neue Plastiksquids als Köder. Das wird ein teurer Marlin, das ist jetzt schon klar. Wenn es stattdessen 20kg Wahoo und Dorade wird, mir wäre es auch recht. Dann bitte meer davon.

Mit der Verproviantierung bin ich nicht glücklich. Alles Obst und Gemüse ist gekühlt, muss also wieder in den Kühler. Das die nicht die Kartoffeln kühlen ist alles. Die Preise sind teuer. Auf Bermuda wird alles importiert. Ein Eisbergsalat 3,6 USD. Das ist doppelt so teuer wie teuer. Alles andere ist identisch. Unsere zwei Einkaufswagen ohne Fisch und Fleisch, was wir schon im Großhandel besorgt haben, ohne Alkohol, weil wir trinken ja beim Segeln nicht, kosten über 700 USD. Man fragt sich wie die Locals das machen, die hier nicht, so wie wir, im Urlaub sind.

Im Moment zieht eine Regenfront, mit viel Wind um die 20 Knoten, über uns hinweg. Dahinter setzten wir, wenn alles nach Plan läuft, morgen Mittag die Segel Richtung Azoren. qtVLM meint, dass wir die Chance haben am 28ten in Horta zu sein. Ich vermute den ersten July. Auf jeden Fall werden wir fast durchgehend am Wind segeln dürfen. Die MARLIN freut sich schon. Ich auch. Meine Crew weiß noch nicht. Wie auch. Sie glauben mir erst einmal alles. Würde ich auch machen an deren Stelle.

Fünf Tage, vier Nächte in der Türkei.

Für ein paar Tage habe ich nun Malta verlassen. Ein Magazin hat mich beauftragt, etwas über die Küste der südlichen Türkei zu schreiben. Also habe ich LEVJE, die Gute, einfach 1.400 Kilometer weiter westlich im Hafen von Mgarr zurückgelassen und bin in die Türkei geflogen. In vier Tagen nun – vom äußersten türkischen Südwest-Zipfelchen, von Bodrum aus, 600 Straßenkilometer nach Osten an der Südküste der Türkei entlang. Genau die Strecke, die ich vor zwei Jahren mit LEVJE segelte – nur diesmal zu Land.

Und weil ich heute Vormittag Ince Seawitch, einer Seglerin, von Finike und dem dortigen Restaurant NESELI BALIK vorschwärmte, bin ich heute Abend, als ich in Finike eintraf, einfach dorthin gegangen.

Finike. Eine Marina, ein kleiner Küstenort 100 Kilometer vor Antalya. Im Norden und Osten der Stadt liegen große Orangenhaine, die im zeitigen April nach Orangenblüten duften. Weshalb ich beschlossen habe: Hier leben nur Orangenbauern. Aber das stimmt nicht. Im Städtchen sind es vor allem kleine Ladenbesitzer und Handwerker. Wenn ich in die Stadt gehe, komme ich mindestens an drei, vier kleinen verglasten Buden vorbei, garagengroß, mit zwei Rasierstühlen darin und einem Schild davor: „Berber“. Barbier.

Weil Finike auch ein netter Mädchen-Name sein könnte und weil ich das Leben unter den erfrischend einfachen Orangenbauern viel angenehmer finde als das in manch teurer Touri-Burg, drum war ich mit LEVJE für einen Winter hier. Zwar ist es so, dass Orangenbauern gerne essen – an Restaurants gibt es in Finike keinen Mangel. Aber ein gutes Restaurant, meinte Ince Seawitch, das gäbe es in Finike nicht. Sie hat recht. Bis aufs NESELI BALIK. NESELI BALIK, gesprochen Nä:scheljih Ba:lik, heißt auf Deutsch eigentlich „Zum lustigen Fisch“, und allein das ist schon bemerkenswert. Können. Fische. Wirklich. Lustig. Sein? So abwegig ist das nicht. Vielleicht werden sie einfach weggefangen, bevor sie richtig loslachen? Und sehen deshalb so todernst aus, wenn sie in der Fischvitrine des NESELI BALIK nach Art und Gattung, gereiht zu einer appetitlichen Mandala, liegen.

Von meinem unnachgiebig klugen Strategieberater-Freund Andreas habe ich gelernt: „Ein gutes Produkt muss die Erwartungen des Kunden übertreffen. Nur dann ist es erfolgreich.“
Das NESELI BALIK ist immer voll. Man kann zwar drin sitzen. Aber meist sitzt man draussen, in der Gasse, unter freiem Himmel. Es gibt keinen Wein im NESELI BALIK, auch kein Bier. Damit ist man ernst in Finike, in dem die Lautsprecher der Muezzine (es gibt hier deren fünf, sechs) lauter aufgedreht sind als anderswo, das muss schon sein. Trotzdem finde ich an Finike sehr angenehm, dass die, von denen ich denke, sie seien Orangenbauern, trotz Lautstärke in beruhigender Selbstverständlichkeit weiter ihren Geschäfte nachgehen, als sei nichts. Über die Türkei muss ich öfter staunen.

Auch die Speisekarte ist überaus schlicht gehalten im NESELI BALIK. Ein Flippchart, Überbleibsel aus irgendeinem Strategie-Workshop („Fehlt eins, Andreas?“), das ohne Beine auf dem Boden steht und einen gelben Zettel trägt, auf dem steht, was es heute Abend denn so gibt. Als da wären:

Wolfsbarsch mit Salat. 17 türkische Lira. Also Fünf Euro.
Mehräsche mit Salat. Auch fünf Euro.
Kennichnicht. Ist aber auch mit Salat. Und kostet auch nur fünf Euro.
Gemischte Fischlein. Mit Salat. Fünf Euro.

Und dann noch das Kleingedruckte. Ein paar Leckereien wie

***?
***?
Frittierter Kalmar.
Frittierte Muscheln.
Fischsuppe (nicht frittiert!)
Kartoffeln auf irgendwie.

Und dann ein Fischbrötchen, das es für zwei Euro gibt, das aber als die „Mutter aller Fischbrötchen“ durchgehen könnte.

Wem das nicht reicht: der tritt an die vor dem Haus stehende Vitrine. Und sucht sich was aus. Der Orfoz, der Zackenbarsch, er schaut mich etwas beleidigt, wie Zackenbarsche nun mal sind, doch erwartungsvoll an. Aber ich allein bin zu klein für ihn.

Und dann gehts auch schon los mit uns. Vorspeise Oliven. Bröseliger Käse vom Markt hier in Finike, über den ich schrieb. Scharf gewürzte Tomatenpaste. Salat. Und: frittierte Muscheln auf Spießchen. Mit einem kleinen Schälchen frisch angemachten Joghurts, zum Eintunken der klirrend heißen Muscheln. Eine Art „Abklingbecken“. 

Erwähnte ich jetzt eigentlich schon, dass ich jetzt gerne einen Schluck eiskalten Weißweins hätte? Man kann es nicht oft genug wiederholen, allein: es hilft nichts. Meine Muscheln schwimmen im Wasser. Was aber nichts macht. Sie sind ein Gedicht.

Und während ich mich andächtig den frittierten Muscheln widme, betritt einer wie ich die Bühne, ein Fremder unter den Orangenbauern, genau wie ich. Ein Junge noch, Koreaner, begeistert empfangen von den jungen Wirtsleuten des NESELI BALIK, von deren dreien wortreich an der Vitrine auf Englisch beraten. Wo doch in Finike bis eben nicht einer Englisch konnte?

Und während ich noch über das Sprachenwunder von Finike grüble, kreuzt mein zweiter Gang vor mir auf: Ein Berg frittierter Fischlein. Alle knusprig gebacken. Ich kenne nicht einen von ihnen. Werde sie aber gleich kennenlernen.

Das mit dem eiskalten Weißwein ist aber auch gar zu blöd.

Und so sitze ich, Fremder unter Fremden und mit fremden Sachen vor mir, als der Lautsprecher über der Gasse zweimal knackt. Und der Muezzin anhebt, um sein eineinhalb Jahrtausende altes Gebet in den Himmel über Finike zu schicken.

Ich? Bin glücklich. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass das mit dem „Erwartungen übertreffen“ zwar goldrichtig, aber so einfach nicht ist. Denn zunächst ist da ja mal gar nichts mit „übertreffen“:

Die Speisekarte im NESELI BALIK ist lausig kurz.
Das mit der „großen Auswahl wie nie“ vergessen wir im NESELI BALIK auch ganz schnell.
„Hätten Sie hier auch…?“ ist auch nicht drin.
Der Wein… Ach, lassen wir’s.

Was ist es nun also, was hier übertroffen wird?

Ganz einfach. Das NESELI BALIK ist ein netter Ort. Es bietet mir an diesem Abend ein Zuhause. Klar bin ich hier, weil ich Hunger hatte. Aber in einem einfach guten Restaurant kriege ich mehr als eine Antwort auf „Hunger“. Der Mensch lebt nun mal nicht vom Brot allein. Ja doch: Ich fühle mich an diesem fremden Ort irgendwie geborgen. Geniesse das Essen. Und freue mich über die einfach guten Dinge, die ich da sehe. Geschichten von Männerfreundschaft und Zusammenhalt, die an der Wand hängen. Ernste, stolze Gesichter, ein Gruppen-Selfie aus einer anderen Zeit, mit Mädchen darin, als hätte es jemand eben auf der Straße fotografiert und hinein kopiert ins Foto:

Es ist halb elf. Eine alte Frau aus der Küche bringt türkischen Kaffee. In dem engen, kleinen Raum, der Küche, arbeiten fünf Frauen, sie plappern fröhlich unter ihren Kopftüchern. Die jungen Wirtsleute, Brüder, verschwistert, verschwägert, eine Bande, die wie Kletten zusammenhält, räumen die Tische ab. Es lehrt sich, das NESELI BALIK. Solange, bis nur noch die leeren Tische und Bänke in der Gasse stehen.

Doch halt. Einer ist noch, der hier auch etwas gefunden hat, das seine – Fremder unter Fremden – Erwartungen übertraf. Einsam sitzt er, der Junge aus Korea. Und genießt ein Shrimp nach dem anderen, andächtig, versonnen, einem frühen koreanischen Glück nachsinnend. Wie er so dasitzt, auf dem Foto unten, verstehe ich: Warum sie für ihn schlagartig Englisch können.

Ist schon ein schöner Ort. Das NESELI BALIK, das Wirtshaus „Zum lustigen Fisch“, in Finike.














Mare Più: heißt „mehr Meer“. 
Und wenn Sie mehr Geschichten 
über die Menschen am Meer lesen wollen:


Wie es ist, auf einem kleinen Segelboot
• Italien
• Griechenland
• Türkei
zu bereisen. Und in fünf Monaten: Von München nach Antalya zu reisen.


Auch als Film:  


Demnächst auch in den CINEPLEX-Kinos 
in Aichach und Germering bei München.

Das sagt die Presse über Buch und Film:


„… ein Sehnsuchtsbuch par excellence.
Und ein echtes sinnliches Erlebnis.“
MÄRKISCHE ZEITUNG im Oktober 2015

„… eröffnet dem Weltenbummler ganz wunderbare Traumziele, auf die man 
bei üblicher Herangehensweise schwerlich gekommen wäre.“
YACHT im Mai 2015 

„Die Besonderheit des einstündigen Streifens ist seine Ruhe. 
Eine Ruhe, die der Film mit poetisch angehauchter Sprache und sinnlichen Bildern von Szene zu Szene eingehender vermittelt.“
SEGELREPORTER im Dezember 2015

„… ein schönes, ein gelungenes Werk, animierend und inspirierend.“
LITERATURBOOT im Juli 2015

„Absolut empfehlenswert!
Für Reisebegeisterte ist ‚Einmal München-Antalya, bitte!‘ definitiv zu empfehlen.“

RATGEBER.REISE. im Juni 2015


Kurzurlaub in Cruas

IMG_0687 Straße nach SüdenVor ein paar Wochen auf dem Heimweg sind mir schon einige Tramper aufgefallen, aber da ich allein unterwegs war, bin ich an ihnen vorbei gefahren.
Dieses mal habe ich jedoch nach einer Gedenksekunde angehalten, als ich die beiden jungen Frauen direkt hinter der ersten Mautstelle habe stehen sehen.
Auf ihrem Schild stand „Lyon“, da komme ich auf jeden Fall hin, die beiden waren mir direkt sympathisch und Englisch konnten sie auch sehr gut. Beste Voraussetzungen, denn es war ein weiter Weg nach Lyon.

Die bisher eintönige Fahrt hatte mich mittlerweile etwas müde gemacht, aber Julianne und Angelique haben mit mir über Gott und die Welt gequatscht und schon war ich wieder munter. Die beiden waren im Kurzurlaub und nun auf dem Heimweg.
Als ich erzähle, dass ich mir für diese Fahrt etwas Sorgen gemacht habe, was das Tanken angeht, da durch Streiks bereits jede dritte Tankstelle in Frankreich geschlossen war, erfahre ich, dass die Situation auf dieser Strecke noch nicht so angespannt sein soll. Tatsächlich war keine Tankstelle an der Autobahn geschlossen, lediglich an einer sollte ich die (begrenzte) Menge im Voraus wählen und bezahlen.
Die Zeit verging viel schneller für mich, als auf den Strecken, die ich allein gefahren bin. In Valence habe ich die beiden Tramperinnen wieder abgesetzt.

In Cruas angekommen, musste ich mich erst mal akklimatisieren. Bei winterlichen 6°C und dickem Nebel bin ich frühmorgens am Niederrhein losgefahren und bei gefühlten 36°C und strahlendem Sonnenschein in Südfrankreich angekommen.
Bis auf einen Tag, sollte das Wetter dann auch so sommerlich bleiben. Die Gegend hat mir sofort gefallen, kleine Dörfer mit engen Gassen, der Liegeplatz mit Blick auf die Rhône, links und rechts umgeben vom Mittelgebirge und wie sollte es auch anders sein, einem Jakobsweg in direkter Nähe.

Da Nico sowieso nur mehr schlecht als recht gegen die starke Strömung ankam, haben wir entschieden diese Tage einfach mal zu genießen. Ein Filmabend, Eisessen im Cockpit, Wanderungen, eine Einladung aufs Nachbarschiff und die Erkundung eines mittelalterlichen Dorfes, haben für reichlich Abwechslung gesorgt.

IMG_0730 CruasDie Ruinen des Mittelalterdorfes sind schon teilweise so weit restauriert, dass sie wieder bewohnbar sind. Die Gemeinde Cruas hat sich das große Ziel gesetzt, in einem 25-30 Jahre dauernden Projekt, das alte Dorf wieder zu beleben, aber es so ursprünglich wie möglich zu belassen. Es war spannend, durch diese dicken, alten Mauern zu wandern und sich vorzustellen, wie es mal ausgesehen hat. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Stadt in Carcassonne gibt es hier noch keinen Tourismus. Man kann die alten Gebäuden betreten und alles in Ruhe anschauen.

Nachdem wir unsere Kräfte gut aufgetankt hatten und Eos wieder mit Diesel und Proviant ausgestattet war, haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Nico mit Eos auf der Rhône und ich mit dem Auto auf der Strasse.

Fahrtensegler

Nachtlicht

Ich stehe auf der Hafenmauer. Vor mir die NOMAD. Ein Schweizer Schiff. Am Morgen habe ich ein wild blond gelocktes Kind im Rigg gesehen. Die müssen doch eigentlich nett sein. „Anybody on board?“ Virginie streckt ihren Kopf aus dem Niedergang und lacht. „Yes I am at home. Who are you?“ Wir einigen uns auf Deutsch. Der Relingstalk beginnt und wir fangen an über Kinder an Bord und Schule und das Segeln und die Probleme zu reden, die man hat wenn man wieder nach Europa zurück soll. Anes, Noa und Adi sind mit Papa Matan unterwegs. „Willst Du nicht an Bord kommen auf einen Cafe? Eigentlich wollte ich meinen Blog schreiben, aber ich kann auch später schreiben.“ Virginie und ich verfallen in eine typischen Woher, Wohin, Warum Konversation. Die NOMAD ist eine Garcia, Alu, 38 Fuß. „Schönes Schiff!“ „Danke.“ Die drei Kinder belegen die Achterkabinen, die Eltern schlafen im offenen Vorschiff. Ach, da werde ich natürlich rührselig und vermisse meine Mayalena und Nathalie, vermisse das gemeinsame Leben unter Segeln. Ob Virginie das merkt? Ich weiß es nicht. Sie ist voll drin, grade mal ein Jahr unterwegs überwiegen Lebensfreude und Elternglück vor Problemen. Irgendwann ziehe ich von Dannen, meine MARLIN wartet. Es ist Freitag. Putztag.

Mit etwas Gespür und siebten Sinn finden wir mitten zwischen alten Fabrikhallen ein Laden der gefrorenes Fleisch und Fisch zu einigermaßen normalen Preisen verkauft. Das musste auch sein, weil im Mini Ort St. Georges, gibt es nur einen einzigen Minisupermarkt. Alles ist importiert und die entsprechenden Preise stehen unter den Produkten. Das Gemüseangebot ist dezimiert und gekühlt. Hmm. Ich sehe echte Probleme in Bezug auf die Lagerung der Verproviantierung auf uns zukommen. In Hamilton soll es noch einen größeren Supermarkt geben. Am Montag werden wir versuchen ungekühltes Gemüse zu bekommen.

Im Gegensatz zur Einklarierung auf den Bahamas mit 300 USD für das Cruising Permit, ist Bermuda mit 35 USD pro Person noch recht günstig. Der größte Unterschied ist aber vor allen Dingen die Tagestemperatur. Bermuda liegt schon in gemäßigten Klimabereich. Nach Monaten endlich mal wieder nicht Schwitzen. Das morgendliche Bad und die Reha Schwimm Runde um die MARLIN sind deutlich kühler. Einfach angenehm. Die Straßen von St. Georges sind ruhig, malerisch. Ich will eine 4G SIM Karte kaufen. Für alle. Nochmal telefonieren, skypen, chatten, in die Heimat, bevor es wahrscheinlich am Dienstag los geht auf die Azoren. 55 USD drücke ich ab für 1,5GB Prepaid. Ordentlich. Zurück auf der MARLIN stecke ich die Karte ins Modem. Bekomme aber nur 2G. Ich spiele ein bisschen hi und her. Ne. Also wieder in den Shop. „Ja, wir haben hier manchmal Probleme mit 3G. 4G gibt es noch gar nicht. Nur in der Werbung schon. Soll ich die Karte zurück nehmen und Dir das Geld gutschreiben?“ „Ja. Bitte.“ Na wenigstens bekomme ich meine Kohle zurück. Schade. Ich hätte gerne noch mal richtiges Internet gehabt.

Im Wahoo, dem angesagten Restaurant führt die Crew den Skipper zum Dinner aus. Der Wahoo ist lecker, aber eben doch tot frittiert. Schade um den schönen Fisch. Morgen kommt Gabi, morgen koche ich lieber selber. Wir verbringen den Abend mit einem kalten Glas Wein im Pilothaus. Draußen ist es zu kalt um dort gemütlich zu sitzen. Auch mal schön.