Monatsarchive: Mai 2016

Mein Leben in der Postkarte

Reißleine. Schluss mit lustig.

Was macht der Pilot eines Düsenjägers, wenn er nicht mehr Herr der Lage werden kann und die Explosion der Situation voraussehen kann? Reißleine ziehen. Austeigen. Ich habe es ähnlich gemacht. Meine Herren Mitsegler sind vorzeitig abgereist und bekommen ihr Geld zurück. Ich genieße ein paar Tage Ruhe, freue mich auf die nächsten Mitsegler am kommenden Wochenende. Es kann definitiv nur besser werden. Es muss besser werden, sonst hänge ich meinen Job als Skipper an den Nagel und werde Fischeschnitzer auf den Azoren.

Hier in Maria Gorda ist es malerisch schön. Es gibt ausschließlich verstrahlte Taucher, die nach ihren Tauchgängen Essen und Ruhe haben wollen. Keine laute Musik, Flottes Internet was ich mir mit der LunaWLANnet als Hotspot ins Schiff hole, einen weißen Strand und karibisch blaues Meer. Ich kenne kein Schwein, was definitiv gut ist, und da ich schon mal beim Reset bin verschenke ich alle meine restliche Kippen an die Marineros und verordne mir 48 Stunden Schiffarrest, um wieder ein stolzer Nichtraucher zu sein, stelle den Rasierer auf 10mm ein und ab ist die Haarmatte. Reset erfolgreich beendet. Rückwärts aus der Sackkasse rausgefahren. Jetzt kann das Leben wieder positiv weitergehen.


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Weiter durch Südfrankreich

IMG_5185Mir war nicht langweilig in letzter Zeit. Merkt ihr wahrscheinlich daran, dass der letzte Bericht schon eine ganze Weile her ist.
Die Fahrt mit Eos durch Südfrankreich lässt mir nicht viel Zeit für irgend etwas anderes. Ich fahre früh los und mache meistens erst spät nachmittags irgendwo die Leinen fest. Wo das ist, kann ich manchmal planen, manchmal macht mir auch irgendetwas einen Strich durch die Rechnung. Es kommt vor, dass mal eine Schleuse nicht funktioniert oder ich mit Menschen am Ufer ins Gespräch komme. Dann wieder regnet es häufig, so dass ich schon ein, zwei Stunden früher festmache oder ein Anleger ist schlicht weg so belegt, dass kein Platz mehr für Eos ist. Das kam allerdings nur einmal vor, ansonsten sind die Anleger und kleinen Häfen eher ziemlich unterbelegt.
So ist fast jeder Tag ausgefüllt mit Überraschungen und abends bleibt nur noch wenig Zeit zum Gegend erkunden, Essen kochen, nach Hause telefonieren und der Wartung am Boot.
Aber es geht mir gut im Garonne-Seitenkanal. Er ist wunderschön und wenig befahren. Bis zum Ende des Kanals in Toulouse taucht hinter Eos nicht ein einziges anderes Boot auf. Auch vor uns fährt niemand. Nur ganz selten kommt mal ein Hausboot entgegen. Sehr selten…
In allen 53 Schleusen bis Toulouse bin ich allein. Damit hätte ich im Vorfeld nicht gerechnet. Aber immer wieder komme ich mit Menschen an den Schleusen ins Gespräch und manchmal auch mit Mitarbeitern vom VNF, die gerade etwas an einer Schleuse reparieren. Anrufen muss ich wegen eines Ausfalls an Schleusen beim VNF in der Zeit nur drei mal. Es geht dann immer ziemlich schnell, bis jemand kommt und das Problem recht zügig beseitigt.
Fast alle Schleusen bediene ich selbst und es macht mir Spaß. Die Schleusen bringen Abwechslung und geben mir die Chance, mich ein wenig zu bewegen. Denn meinem Rücken tut das permante Stehen an der Ruderpinne überhaupt nicht gut. Aber anders geht es nicht. Die Fahrrinne ist schmal und man muss ständig aufpassen, nicht gegen einen im Wasser liegenden Baumstamm zu fahren.

Ich komme bis Toulouse an vielen kleinen Orten vorbei. Manchmal würde ich gerne ein, zwei Tage bleiben, um mehr von der Gegend zu sehen. Aber selbst die kurzen Ausflüge neben dem Kanal lohnen sich. Tourismus ist nur wenig vorhanden. Das gefällt mir.

In der Gegend um Moissac erlebe ich einen der schönsten Tage bis dahin. Ich fahre mit Eos eine ganze Zeit lang auf einem der Jakobswege und treffe viele Pilger. Unter anderem eine Gruppe aus Straßburg, drei Freunde aus dem Elsass und eine junge Pilgerin, die mich überreden wollte, doch mit nach Santiago zu kommen. Aber ich bin nicht schwach geworden. Habe, wenn auch schweren Herzens, meinen Kurs beibehalten.
Die Blicke mancher Pilger hättet ihr sehen sollen. So weit weg von Santiago spricht dich sonst eigentlich kaum jemand an, erkennt fast niemand, was du vor dir hast. Ich bin dann jedes mal, wenn ich Pilger gesehen habe, ganz langsam ran ans Ufer, hab gegrüßt und dann nur mit dem Finger in die Richtung gezeigt und gefragt: „Camino de Santiago?“
Wie sich der Gesichtsausdruck plötzlich verändert hat. Unbeschreiblich…
Und ich hatte ständig nen Kloß im Hals. War für eine Weile wieder ein bisschen Pilger. Viele schöne, leider viel zu kurze, Begegnungen waren das.

Wenige Tage später, am 24.04. komme ich schließlich abends in Toulouse an. Ich fahre gleich in den Canal du Midi, denn der erste Hafen ist eher eine Art Abstellplatz für ein paar wenige Boote, sonst ist dort nichts, außer der Autobahn nebenan. Also mache ich nach den ersten drei Schleusen in diesem Kanal im Hafen Saint-Sauveur fest und kann kurz vor Feierabend noch so gerade eben eine Dusche ergattern. Dann ist Pause angesagt. Garonne-Seitenkanal geschafft, Canal-du-Midi voraus.

Ich habe ihn genießen können, den Kanal neben der Garonne. Trotz viel Regen und wenig Sonne. Er hat es mir angetan, mit seinen alten Bäumen am Ufer, der Ruhe und den kleinen Orten und Anlegern.

„Einhand um den Atlantik“ – Das Hörbuch

Von der Landratte zum Segeljunkie: Das ist die Kurzfassung der vergangenen 8 Jahre im Leben des 45-jährigen Guido Dwersteg. Es beginnt ganz harmlos mit dem Mitsegeln bei Freunden und endet mit einer Einhand-Atlantikrunde. 11.000 Seemeilen, 146 Seetage und 12 besuchte Länder. So die Eckdaten dieses großen Abenteuers. Neben der tausendfach verkauften Film-Dokumentation “EINHAND UM DEN ATLANTIK” entstand in der Folge auch das gleichnamige Buch, welches nun endlich auch als Hörbuch erschienen ist. Guido selbst liest diese ungekürzte Fassung seines Segelbestsellers und untermalt seine Erzählung mit Original-Tonaufnahmen seiner Reise und atmosphärischen Geräuschkulissen. Das Resultat ist ein gleichermaßen fesselndes wie spannendes Hörerlebnis, bei dem auch der Humor nicht zur kurz kommt. Sehr empfehlenswert!

Das „EINHAND UM DEN ATLANTIK“ – Hörbuch ist bei ab sofort bei uns im Shop erhältlich und einen kleinen Eindruck verschafft die obige Hörprobe.

Die Jagd nach dem geheimen Code

Ich bin absolut kein Frühaufsteher. Alles  vor 0930h ist für mich noch tiefste Nacht. Umso erstaunlicher ist es dann jedes Mal für mich, wenn ich mir einen Wecker stellen muss um aus Wetter- oder Distanzgründen früh loszusegeln. Sagen wir 0630h, also absolut mitten in der Nacht, quasi kurz nach dem Einschlafen. Vollkommen benebelt quäle ich mich dann aus dem Vorschiff und gehe zur Morgentoilette. In der Hoffnung dabei irgendwann lebensfähig zu werden. Es ist draussen dann ja meist auch noch dunkel und saukalt. Die Kapuze tief über den Kopf gezogen betrete ich das scheinbar verwaiste Sanitärgebäude und weiche sofort entsetzt zurück. Hektische Betriebssamkeit, Dampfschwaden und am Allersschlimmsten: Gelächter und Gelaber im Licht der Neonröhren. So als hätte ich die Tür zu einer Parallelwelt der guten Laune am frühen Morgen geöffnet. So als landet man nachts kurz vorm Einschlafen beim Durchzappen des Fernsehers auf einer Werbung der AMIGOS oder einer BEST OF SCHLAGER CD. Samt aufgedrehtem Moderator. Kurz gesagt: unerträglich. 
Mittlerweile kenne ich das aber nun schon und betrete die Sanitärgebäude mit Sonnenbrille und Oropax und erledige eilig nur das, wozu mich die Natur zwingt. Duschen und Rasieren verschiebe ich dann auf nachts um 0100h. Nach der Ankunft. Da hat man dann nämlich wunderbar seine Ruhe. Gut Menschen sind verschieden…aber so verschieden? Wer kann denn bitte um 0630h lachen? Höchstens kurz knorrig husten…
Na gut, komme ich mal langsam zum Thema. Ich fühle mich als Morgensspätaufsteher und Abendslangesegler diskriminiert. Nicht in Dänemark. Dort wartet rund um die Uhr ein freundlich leuchtender Automat auf mich, um mich mit Sanitärcodes, WLAN-Codes und Liegeplatzticket zu versorgen. Wenn ich um 0100h nachts irgendwo einlaufe, liebe ich diese kleinen blinkenden Kerlchen. Sie sprechen alle Sprachen, sagen nur das Nötigste und nehmen auch EC- und Kreditkarten. Und warm geduscht und sauber krieche ich dann in meine Koje. Ganz anders jedoch im eigenen Land. Komme ich irgendwo nach 1800h oder maximal 2000h an, stehe ich vor verschlossener Tür. Ungeduscht und dreckig vom langen Segeltag muss ich mir einen Tee zum Aufwärmen machen und dann frierend unter die Decken kriechen. Und irgendwann um 0730h klopft dann auch noch ein zum Schwätzchen aufgelegter Hafenmeister an mein Boot. Fragt nach dem Woher und Wohin während ich nur benommen nach dem Portemonnaie suche. Und natürlich muss ich immer den vollen Preis zahlen, obwohl ich den Service ja nur teilweise nutzen kann. Wegen dieses beknackten Sanitärcodes um den alle so ein Geheimnis machen. Meist kann man ja noch andere Crews um den im wahrsten Sinne des Wortes „Scheiss“-Code bitten. Häufig bekommt man dann auch eine Antwort, aber immer mit gesenkter Flüsterstimme. So als wäre es die PIN der eigenen EC Karte. Verrückt. Man müsste ihn mit Edding auf ein Schild schreiben und am Gebäude befestigen. Für die armen Nachzügler. 
Also führe ich Buch und notiere mir alle Codes derer ich habhaft werden kann. Aber natürlich werden diese auch noch regelmässig geändert. WARUM? Damit man gezwungen wird vor 1800h einzulaufen? Wie gesagt ich fühle mich schwerstens diskriminiert ;-) Wenn es wenigstens einen SMS Service oder Anrufbeantworter gäbe um diese Codes zu erhalten. Ich gönne jedem Hafenmeister von Herzen seinen Job, aber zur Zeit mag ich persönlich jeden Automaten lieber. Denn der lässt mich ausschlafen, nennt mir jederzeit die Codes und quatscht mich nicht frühmorgens voll. Meinetwegen auch gerne in Ergänzung eines Hafenmeisters ausserhalb dessen Dienstzeiten. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, mag ich den Plausch mit dem einen oder anderen dieser Kollegen ab und zu doch sehr gerne.



Draken Harald Hårfagre – The construction of a Viking Drago

KONSTRUKTION UND BAU

AUF DEM WEG NACH AMERIKA

Die Jagd nach dem geheimen Code

Ich bin absolut kein Frühaufsteher. Alles  vor 0930h ist für mich noch tiefste Nacht. Umso erstaunlicher ist es dann jedes Mal für mich, wenn ich mir einen Wecker stellen muss um aus Wetter- oder Distanzgründen früh loszusegeln. Sagen wir 0630h, also absolut mitten in der Nacht, quasi kurz nach dem Einschlafen. Vollkommen benebelt quäle ich mich dann aus dem Vorschiff und gehe zur Morgentoilette. In der Hoffnung dabei irgendwann lebensfähig zu werden. Es ist draussen dann ja meist auch noch dunkel und saukalt. Die Kapuze tief über den Kopf gezogen betrete ich das scheinbar verwaiste Sanitärgebäude und weiche sofort entsetzt zurück. Hektische Betriebssamkeit, Dampfschwaden und am Allersschlimmsten: Gelächter und Gelaber im Licht der Neonröhren. So als hätte ich die Tür zu einer Parallelwelt der guten Laune am frühen Morgen geöffnet. So als landet man nachts kurz vorm Einschlafen beim Durchzappen des Fernsehers auf einer Werbung der AMIGOS oder einer BEST OF SCHLAGER CD. Samt aufgedrehtem Moderator. Kurz gesagt: unerträglich. 
Mittlerweile kenne ich das aber nun schon und betrete die Sanitärgebäude mit Sonnenbrille und Oropax und erledige eilig nur das, wozu mich die Natur zwingt. Duschen und Rasieren verschiebe ich dann auf nachts um 0100h. Nach der Ankunft. Da hat man dann nämlich wunderbar seine Ruhe. Gut Menschen sind verschieden…aber so verschieden? Wer kann denn bitte um 0630h lachen? Höchstens kurz knorrig husten…
Na gut, komme ich mal langsam zum Thema. Ich fühle mich als Morgensspätaufsteher und Abendslangesegler diskriminiert. Nicht in Dänemark. Dort wartet rund um die Uhr ein freundlich leuchtender Automat auf mich, um mich mit Sanitärcodes, WLAN-Codes und Liegeplatzticket zu versorgen. Wenn ich um 0100h nachts irgendwo einlaufe, liebe ich diese kleinen blinkenden Kerlchen. Sie sprechen alle Sprachen, sagen nur das Nötigste und nehmen auch EC- und Kreditkarten. Und warm geduscht und sauber krieche ich dann in meine Koje. Ganz anders jedoch im eigenen Land. Komme ich irgendwo nach 1800h oder maximal 2000h an, stehe ich vor verschlossener Tür. Ungeduscht und dreckig vom langen Segeltag muss ich mir einen Tee zum Aufwärmen machen und dann frierend unter die Decken kriechen. Und irgendwann um 0730h klopft dann auch noch ein zum Schwätzchen aufgelegter Hafenmeister an mein Boot. Fragt nach dem Woher und Wohin während ich nur benommen nach dem Portemonnaie suche. Und natürlich muss ich immer den vollen Preis zahlen, obwohl ich den Service ja nur teilweise nutzen kann. Wegen dieses beknackten Sanitärcodes um den alle so ein Geheimnis machen. Meist kann man ja noch andere Crews um den im wahrsten Sinne des Wortes „Scheiss“-Code bitten. Häufig bekommt man dann auch eine Antwort, aber immer mit gesenkter Flüsterstimme. So als wäre es die PIN der eigenen EC Karte. Verrückt. Man müsste ihn mit Edding auf ein Schild schreiben und am Gebäude befestigen. Für die armen Nachzügler. 
Also führe ich Buch und notiere mir alle Codes derer ich habhaft werden kann. Aber natürlich werden diese auch noch regelmässig geändert. WARUM? Damit man gezwungen wird vor 1800h einzulaufen? Wie gesagt ich fühle mich schwerstens diskriminiert ;-) Wenn es wenigstens einen SMS Service oder Anrufbeantworter gäbe um diese Codes zu erhalten. Ich gönne jedem Hafenmeister von Herzen seinen Job, aber zur Zeit mag ich persönlich jeden Automaten lieber. Denn der lässt mich ausschlafen, nennt mir jederzeit die Codes und quatscht mich nicht frühmorgens voll. Meinetwegen auch gerne in Ergänzung eines Hafenmeisters ausserhalb dessen Dienstzeiten. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, mag ich den Plausch mit dem einen oder anderen dieser Kollegen ab und zu doch sehr gerne.



So macht Ankern Spass

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von Sönke Roever

Ankern gehört zum Blauwasseralltag wie der Wind zum Segeln. Gründe dafür gibt es viele. So sparen im Mittelmeer beispielsweise nicht wenige Ankerlieger die teilweise horrenden Marinagebühren. Mitunter lässt die Infrastruktur aber auch gar keine Alternative zu. Wer nach Namibia oder Galapagos segelt, wird schnell feststellen, dass es dort keine einzige Marina gibt. Und nicht zuletzt ankern die meisten Segler schlicht gerne. So auch ich. Inzwischen habe ich mehr als 500 Nächte vor Anker verbracht und ich genieße es jedes Mal wieder aufs Neue. Die Stille, die Einsamkeit, das Leben im Einklang mit der Natur im Takt der Wellen. Herrlich.

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Ankern in seiner schönsten Form: Bei Windstille unter dem Sternenhimmel. Mehr geht nicht.

Die Vorstellung, nur an ein paar Kettengliedern irgendwo im Nirgendwo zu liegen, lässt so manchen Segler unruhig schlafen. Häufig fehlen Vertrauen und Erfahrung. Das ist schade und daher möchte ich an dieser Stelle einmal aus der Ankerpraxis plaudern. Wie geht das Manöver und was muss beachtet werden? Dabei werde ich ganz bewusst nicht auf die verschiedenen Ankertypen, Kettenmaterialien, Winschen und Bugbeschläge eingehen. Das ist ein anderes Thema. Hier soll es um die reine Praxis am Ankerplatz gehen und das Vorhandensein eines vernünftigen Ankergeschirrs wird vorausgesetzt.

Wurde ein Ankerplatz ausgewählt, muss zunächst wird der richtige Spot innerhalb der Bucht gesucht werden. Dabei sollten folgende Fragen gewissenhaft abgearbeitet werden und auf Basis der Ergebnisse der Platz zum Fallenlassen des Ankers gewählt werden: Bleibt der Wind laut Wettervorhersage in Richtung und Stärke stabil oder muss mit Winddrehern gerechnet werden? Erlaubt die Wassertiefe, gegebenenfalls einmal um den ganzen Anker zu schwojen (also 360 Grad)? Wie ist die Bodenbeschaffenheit und ist mein Anker dafür der richtige? Handelt es sich um ein Gewässer mit Tidenhub? Beispielsweise gibt es im Norden von Australien vor den Toren der Stadt Darwin die wunderschöne Fannie Bay. Dort gibt es sechs Meter Tidenhub und man sieht immer wieder trocken gefallene Fahrtenyachten, die schlicht zu dicht unter Land geankert haben.

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Wer zu dicht unter Land ankert, läuft Gefahr bei einer Winddrehung zu stranden.

Und nicht zuletzt ist es an vollen oder engen Ankerfeldern durchaus von Bedeutung, wo die Anker der anderen Yachten liegen und wieviel Kette sie ausgebracht haben, da sich hieraus unterschiedliche Schwojkreise ergeben. Ich habe mir angewöhnt an sehr engen Plätzen die umliegenden Ankerlieger zu fragen, wieviel Kette sie ausgebracht haben sofern sie anwesend sind. Alternativ gehe ich nach der Ankunft in tropischen Revieren oder dem Mittelmeer auch mal mit Brille und Schnorchel baden und mache mir ein Bild von der Lage unter Wasser. Das muss nicht sein, aber ich schnorchel und bade sowieso sehr gerne.

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Voller Ankerplatz im Mittelmeer. Bei Winddrehungen gibt es hier unweigerlich Probleme.

Mittels Echolot wird die Tiefe an der Ankerstelle kontrolliert und danach die Länge der Kette bemessen. Dazu sei angemerkt, dass ich generell versuchen würde, nicht bei mehr als 25 Metern Wassertiefe zu ankern. Warum 25 Meter? Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sollte immer eine Tiefe gewählt werden, in der zur Not noch mit einem Tauchgang der Anker klariert werden kann, wenn er sich doch einmal am Boden verfangen hat.  Zum anderen kommt irgendwann der Punkt, an dem das gemeinsame, frei im Wasser hängende Gewicht von Kette und Anker so groß wird, dass die elektrische Winde an die Belastungsgrenze kommt. Eine zehn Millimeter starke Kette wiegt ca. 2,2 Kilogramm pro laufendem Meter. Das macht bei 25 Metern Tiefe 55 Kilogramm. Kommen dann noch 20 Kilogramm Anker dazu, sind das 75 Kilogramm, die die Winde nach oben hieven muss!

Kritiker könnten anmerken, dass ja nur ein Kettenvorläufer und ansonsten eine Leine verwendet werden könnte. Davon halte ich persönlich nicht viel. Auf eine Blauwasseryacht gehört ein solides, verlässliches Ankergeschirr und dazu gehört eben auch eine Kette, die mindestens 50 Meter lang sein sollte. Wie gesagt, wir reden hier von einer Blauwasseryacht und nicht vom Ankern auf der Ostsee. Gleichwohl ich da auch immer eine Kette nutzen wollen würde. Denn das A und O beim Ankern ist, neben dem Anker, der Kettenvorlauf. Je mehr Kette auf dem Meeresboden liegt, umso besser hält der Anker. Es wird nämlich zu einem nicht unerheblichen Teil mit eben diesem Kettenvorlauf geankert, weil die einzelnen Kettenglieder am Boden durch Reibung für zusätzlichen Halt sorgen. Mit einer Leine müsste deutlich mehr Länge ausgebracht werden, um die fehlende Reibung am Boden und das fehlende Gewicht auszugleichen. Da wird es an vollen Ankerplätzen dann schon wieder schwierig mit umliegenden Yachten und dem großen Schwojradius.

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Die Länge der Kette sollte zum Nachbarlieger passen, da es sonst Probleme geben kann wenn der Wind dreht.

Interessanterweise lese ich in Fachbüchern oder höre am Ankerplatz nicht selten Regeln wie »Immer mit der fünffachen Wassertiefe als Kettenlänge ankern«. Im flachen Wasser mag das vielleicht zutreffen, aber sobald es etwas tiefer wird, nicht. Wer bringt bei 25 Metern Wassertiefe bitte 125 Meter Kette aus? Mal davon abgesehen, dass der Schwojradius dann bis zu 100 Meter betragen würde. Wie soll ich das mit meinen Nebenliegern abstimmen?

Bei uns an Bord verfahren wir daher nach einer anderen Faustregel: Sofern es der Ankerplatz erlaubt, ankern wir so, dass am Boden mindestens 20 Meter Kette liegen. Ist das Wasser 3 Meter tief, bedeutet das Folgendes: 20 Meter Kette liegen am Boden. Dann kommen rund 5 Meter, in denen die Kette nach oben abbiegt und nicht dauerhaft am Boden liegt. Und schließlich folgt die Wassertiefe. Kurzum: 20 plus 5 plus 3 Meter — also 28 Meter Kette. Ankern wir auf 25 Metern Tiefe, wären es 20 Meter am Boden plus 5 Meter Kurve nach oben plus 25 Meter Wassertiefe — also 50 Meter.

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20 Meter Kette am Boden sind das Minimum. 30 Meter sind deutlich besser, wenn es der Platz im Ankerfeld erlaubt. Wir ankern, wann immer es geht mit 30 Metern Vorlauf — das reichte bisher immer! Es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass die Kette schräg vom Anker am Boden nach oben zum Bug verläuft. Dafür ist sie mit zunehmender Tiefe viel zu schwer. Stichwort: Eigengewicht. Je tiefer es am Ankerplatz ist, desto senkrechter hängt die Kette herunter, weil ihr Eigengewicht so groß ist, dass ihr nichts anderes übrig bleibt. Und das ist gut so!

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Die Ankerkette hängt aufgrund Ihres Eigengewichtes nahezu senkrecht herunter.

Wird allerdings ein Sturm vor Anker abgewettert, kann es sein, dass das so nicht reicht, weil die Yacht die Kette stärker nach oben zieht, als ihr Eigengewicht sie nach unten zieht. Daher sollte in so einer Extrem-Situation immer so viel Kette wie möglich gesteckt werden, um über den Kettenvorlauf am Meeresboden eine größtmögliche Reibung und damit verbunden Halt zu erzielen. Die vorstehende Rechnung gilt dann nicht mehr. Bei Sturm gilt: »Viel hilft viel« – sofern es der Platz erlaubt.

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Sturm am Ankerplatz ist eine Erfahrung, auf die wohl jeder gerne verzichtet.

Taucht oder schnorchelt die Crew gerne, empfehle ich, einmal den eigenen Anker unter Wasser zu beobachten. Das schafft eine Menge Vertrauen ins Ankern. Wenn alles stimmt, sieht man schnell, dass die Kette mit ihrem Vorlauf alle Bewegungen abfängt. Wichtig ist natürlich zu wissen, wie tief es ist und wieviel Kette ausgebracht wurde. Während die Tiefe auf dem Echolot abgelesen werden kann, helfen auf der Kette entsprechende Markierungen. Eine Variante, die Kette zu markieren, ist, sie mit Farbe anzumalen.

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Markierungen helfen beim Bemessen der ausgebrachten Menge Kette.

Wichtig: Die Markierung sollte mindestens zehn Zentimeter lang sein und eine auffällige Farbe haben, da sie sonst übersehen werden kann. 10 Meter werden mit einem Strich markiert, 20 Meter mit zweien, 30 Meter mit dreien … Alternativ gibt es im Fachhandel sogenannte Kettenmarkierungen, neonfarbige Plastikclips, die man in die Kette clipst. Dazu drei Anmerkungen: Am besten gleich zwei Pakete bestellen, da man einige Clips benötigt, um selbige nicht zu übersehen. Außerdem darf man sich auf keinen Fall Gedanken über die Herstellungskosten der Clips im Verhältnis zu ihrem Preis machen. Und schließlich hilft es, den farblichen Längencode der Kette in der Klappe des Ankerkastens zu vermerken. Damit hat jeder Mitsegler die Möglichkeit, beim Fallenlassen des Ankers anzuzeigen, wie viel Kette bereits ausgebracht wurde.

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Ankerfeld in der Südsee.

Wie schon angedeutet kann es vorkommen, dass ein Sturm vor Anker abgewettert werden muss. Dann sollte gegebenenfalls ein zweiter Anker ausgebracht und vor allem — sofern die Wassertiefe groß ist — noch eine Leine angeschäkelt werden. Je nach Meeresgrund sollte dabei eine wichtige Regel nicht übersehen werden: Nie mehr Leine anschäkeln, als es tief ist. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Leine am Meeresboden durchscheuert. Vor  diesem Hintergrund sollte die Leine ebenfalls mittels Sprühfarbe, Permanentmarker oder Taklingringen alle fünf Meter markiert werden, damit später die Länge exakt gewählt werden kann.

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Ankerfeld auf Galapagos

Die wichtigste Voraussetzung für entspanntes Ankern ist, dass das eigentliche Ankermanöver richtig gefahren wird. Das geht so: Zunächst wird die Länge der Kette nach dem vorstehenden Prinzip ermittelt und an ein Crewmitglied auf dem Bug weitergegeben. Anschließend wird das Schiff über der Abwurfstelle zum Stehen gebracht und das Kommando »Anker fällt« gegeben. Während der Anker in die Tiefe rauscht, gibt der Mitsegler am Bug Handzeichen in Analogie zur Länge der ausgelaufenen Kette (1 Finger = 10 Meter, 2 Finger = 20 Meter usw.). Wird der Punkt erreicht, an dem der Anker den Grund berühren müsste, beginnt der Skipper langsam (die Betonung liegt auf »langsam«) rückwärts zu fahren, damit am Boden kein Kettenberg entsteht und sich Anker und Kette nicht verhaken.

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Ankerfeld vor Sardinien

Ist die passende Kettenlänge ausgebracht, wird Anker und Kette ein wenig Zeit gegeben, sich zu sortieren. Dabei fasst die Person auf dem Bug die Kette mit der Hand an — alternativ kann auch der Fuß auf die Kette gestellt werden. Solange sich Anker und Kette am Boden sortieren, sind auf der Kette Vibrationen zu spüren. Erst wenn der Anker richtig gefasst hat und die Kette ihre finale Parkposition eingenommen hat, kehrt Ruhe ein. Das ist der Moment, wo der Rückwärtsgang eingelegt und mit mindestens 1500 Umdrehungen rückwärtsgelaufen wird. Dabei wandert das Schiff durch die Bucht, bis die Kette vollends gestreckt und der Anker in den Grund gezogen wurde. Im folgenden Video kann man sehr schön sehen, wie dieses abläuft. Es zeigt, wie wir vor Mallorca einen Bügelanker am Meeresboden eingefahren haben, indem die Maschine bei 1500 Umdrehungen rückwärts lief (Kettenlänge 30 Meter – Wassertiefe 6 Meter).

Als nächstes muss ein Peilpunkt im Nahbereich gesucht werden — das kann eine andere ankernde Yacht (nicht ganz ideal, da diese schwojen kann, aber möglich), eine Tonne oder eine Pier sein. Solange das eigene Schiff wandert, wandert auch der Fernbereich hinter dem Peilpunkt. Fasst der Anker und unser Schiff bleibt stehen, bleibt auch der Fernbereich hinter dem Punkt stehen. Dieser Zustand sollte nach nicht allzu langer Zeit erreicht sein. Zudem sollten nun keine Vibrationen mehr auf der Kette zu spüren sein. Ist beides der Fall, kann man sehr sicher sein, dass der Anker eingegraben ist und halten wird. Findet das Grundeisen hingegen keinen Halt, muss das Manöver noch einmal gefahren werden. Das ist zwar nervig, hat aber den Vorteil, dass wir jetzt schon herausgefunden haben, was wir sonst vermutlich morgens um vier Uhr bei aufbrisendem Wind und Regen herausgefunden hätten . ;-)

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Mittels Peilung wird festgestellt, ob der Anker hält. In bebauten Gegenden ist das einfacher als vor einer reinen Palmenkulisse.

Wurde der Anker am Boden eingefahren, wird eine Kralle in die Kette gehakt und über ein Tau auf einer Klampe belegt. Anschließend wird die Kette soweit gefiert, dass der Zug mittels der Kralle auf die Leine weitergeleitet wird (siehe Foto). Das entlastet die Lager der elektrischen Ankerwinde. Zudem wird die durch Einrucken in die Kette erzeugte, nicht unerhebliche Lärmbelästigung vermieden. Hilfreich ist, wenn das Tau viel Reck hat oder um einen Ruckdämpfer gelegt wird. Dann werden alle Bewegungen optimal gedämpft — Seegang inklusive!

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Eine Ankerkralle mit Leine und Ruckdämpfer, die auf einer Klampe belegt wird, entlastet die Winde.

Zu guter Letzt sollte immer eine Ankerwache programmiert werden. Das geht an fast allen GPS-Geräten oder auch über entsprechende Apps im Smartphone. Sollte der Anker nicht halten und sich die Position ändern, löst das Gerät einen Alarm aus. Diese Funktion sorgt für ruhigen Schlaf an unsicheren Ankerplätzen. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf das System eingehen, ergänze aber noch eine E-Mail, die mir eine Seminar-Teilnehmerin gesendet hat: »Das mit der Ankerwache fand ich spannend. Ich habe es mit unserem Hand-GPS-Gerät getestet. Um auszuprobieren, ob die Wache auch geht, musste ich vor unserem Haus mit dem Ding herumlaufen bis es piept! Das war echt lustig! Naja, ist halt noch kein Ankermeister vom Himmel gefallen!«

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GPS-Ankerwache. Die Yacht ist momentan am roten Punkt und zuvor im Halbkreis geschwojt.

Tipp: Für Anker-Neulinge kann es übrigens ein guter Start sein, beim ersten Ankermanöver nicht erst kurz vor Anbruch der Dunkelheit den Anker fallen zu lassen, sondern bereits am Nachmittag das Ziel zu erreichen. So vergehen einige Stunden bis zur Dämmerung, und Skipper und Crew haben schon ein Gefühl dafür bekommen, wie sich das Schiff vor Anker verhält und ob selbiger sicher eingegraben ist.

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Ankerfeld im Mittelmeer bei den Liparischen Inseln.

Das Aufnehmen des Ankers läuft vergleichsweise einfach ab. Nach dem Herausnehmen der Ankerkralle zeigt das Crewmitglied auf dem Bug mit ausgestrecktem Arm an, wo die Kette liegt, sodass die Person am Ruder den Bug mit leichter Vorausfahrt in dieser Richtung halten kann. Das schont den Bugbeschlag und nimmt der Ankerwinde einen Teil der Arbeit ab.

In den meisten Fällen bricht der senkrechte Zug nach oben den Anker aus dem Grund aus. Sollte dies nicht passieren, wird über den Anker hinweg gefahren, um ihn auszubrechen — spätestens jetzt ist eine stabile Halterung am Bug von großer Bedeutung.

Natürlich kann es auch passieren, dass ein Anker nicht wieder hochgenommen werden kann. Uns ist das auf unseren diversen Reisen bisher zwei Mal passiert. Einmal hing der Anker unter einem Korallenblock fest, und wir mussten ihn freitauchen. Beim anderen Mal hing er an einem alten Schrottanker von mehreren hundert Kilogramm Gewicht in einem griechischen Hafen am Boden fest. Da mussten wir einen offiziellen Taucher kommen lassen, weil privates Tauchen im Hafen strengstens verboten war. Für mittlerweile mehr als 500 Nächte vor Anker ist das eine ganz gute Bilanz.

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In Griechenland verfängt sich unser Anker an einem alten Schrottanker. Ein Taucher muss kommen.

Grundsätzlich kann eine Trippboje, die mittels einer dünnen Leine mit dem Anker verbunden ist, solche Probleme schmälern. Dazu wird die Leine – bezogen auf die Kette – am gegenüberliegenden Ende des Schaftes befestigt. Beim CQR- oder Bügelanker wäre das am Querholm. Liegt der Anker am Meeresgrund, reicht die Leine vom Anker zur Wasseroberfläche. Dabei sollte die Länge der Leine mindestens drei Meter länger als die Tiefe sein (in Tidengewässern ggf. auch mehr). Die Boje am Ende der Leine zeigt dann an, wo der Anker liegt.

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Trippboje im Einsatz (roter Ball Steuerbord voraus).

Der große Vorteil ist, dass ein festhängender Anker mittels der Trippleine verkehrt herum aus dem Grund gezogen werden kann. Allerdings hat es wenig Sinn, an sämtlichen Ankerplätzen mit Trippboje zu ankern. Ist es an einem Ankerplatz beispielsweise sehr voll, kann sich die Boje in einem anderen Schiff verfangen und dann reißt das fremde Schiff unter Umständen unseren Anker aus dem Boden. Wir verwenden eine Trippboje immer dann, wenn die Beschaffenheit des Meeresgrundes unklar ist und genug Abstand zu anderen Ankerliegern gegeben ist. Dann kann sie eine sinnvolle Hilfe sein.

Im eigenen Interesse sollten auf der Trippboje der Name des Schiffes und ein Ankersymbol aufgemalt werden. Andernfalls kann es vorkommen, dass ein anderer Segler glaubt, dass es sich um eine Muring handelt und die Boje aufnimmt. Was nebenbei auch ein Grund ist, mindestens drei Meter mehr Leine als die Wassertiefe zu stecken. Sonst wird der Anker unter Umständen dabei aus dem Grund gezogen.

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Ankerfeld im Naturhafen Mahon (Menorca)

Ankern ist kein Hexenwerk und wer die wichtigsten Punkte beachtet, wird vermutlich schnell Freude daran finden. Und als Blauwassersegler kommt man eh nicht umhin, früher oder später die Nächte am Grundeisen zu verbringen. Ich finde das gut und genieße es immer wieder.

Der Beitrag So macht Ankern Spass erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Bekalmt

Meine Crew darf aber auch alles erleben

20 Meilen bis zum nächsten Ankerplatz. Wind weg. Richtig weg. Noch nicht einmal die MARLIN mit ihren tollen Leichtwindsegeleigenschaften kann da was machen. Da werden wir die Nacht treibend mit 1,5 Knoten nach Westen verbringen. Um 2 Uhr soll es wieder was um die fünf Knoten Wind geben. Ich habe meinen Mitseglern Freiwache gegeben, ein Bier zum Sonnenuntergang erlaubt und da ich zwei stringente Dagoberts an Bord habe, die Diskussion über Motoren gar nicht erst angefangen. Mir soll es Recht sein. Die Kartoffeln müssen eh weg, die Eier auch. Also gibt es Tortilla am Mittag, ich setze Krautsalat an und zum Abendessen Nathalies Spahetti in Tomatensoße. Satte Crew ist immer gutmütig und nicht aufmüpfig. „Ihr könnt schlafen gehen. Es gibt nix zu wachen, ich schlafe im Pilothaus und stelle mir den Einhandwecker zur Kontrolle auf Zweistundeninterwall. Der Generator knattert, der Wassermacher dröhnt für die nächsten drei Stunden. Schon toll, fast vollkommen unabhängig von Marinas zu sein.

Es gibt nichts zu sagen in meinem heutigen Leben, deshalb schließe ich das Logbuch für heute, hoffe morgen den Fehler in der Generator Steuerelektronik, die ich überbrückt habe, zu finden.

 


Mitsegeln auf der MARLIN. Buche jetzt Deinen Trip mit der MARLIN. Bahamas und Bermuda. Nord-Atlantiküberquerung 2016 von den Bahamas über Bermudas zu den Azoren! Du bist dabei. Ein Platz ist noch frei. www.marlin-expeditions.com

 

Treffen sich zwei Langzeitsegler…

Vor einigen Tagen traf  ich Thomas Käsbohrer bei meinem Verlag millemari. in München. Thomas und mich verbindet die gleiche Leidenschaft. Das Segeln. Und das gerne möglichst lange und einhand. Und so haben wir dann auch beide 2014 unsere Träume wahrgemacht und haben ein halbes Jahr auf dem Wasser in unseren Booten „Levje“ und „La Mer“ verbracht. 
Thomas im Mittelmeer und ich auf der Ostsee. Wir kannten uns zunächst nur über unsere jeweiligen Blogs und die ebenfalls leidenschaftliche Seglerin Susanne Guidera. Susanne hat dann auch beide Blogs betreut und segelte quasi an Land mit. Und wusste immer ganz genau, wo jeder von uns gerade unterwegs und wie das Wetter dort war. 
 Wie sich die Bilder doch gleichen: LA MER auf den Alands, LEVJE im Mittelmeer

Nach der Reise gründete sie dann mit Thomas den millemari. Verlag und ich veröffentlichte dort das Buch SchärenSegeln.und jetzt meinen Film Zeitmillionär; Thomas das Buch und den Film Einmal Muenchen-Antalya bitte. Jetzt, gute 18 Monate nach unserer Rückkehr, hatten wir nun die Gelegenheit für ein längeres und intensives Gespräch. Über unserer Erlebnisse während und nach der Reise. Ob und wie wir uns verändert haben. Über die an Land zurückgelassenen Partner. Träume und Pläne. Und noch so vieles mehr.

Neugierig? Hier ist unser Gespräch in voller Länge zu sehen:

Treffen sich zwei Langzeitsegler…

 

 

Vor einigen Tagen traf  ich Thomas Käsbohrer bei meinem Verlag millemari. in München. Thomas und mich verbindet die gleiche Leidenschaft. Das Segeln. Und das gerne möglichst lange und einhand. Und so haben wir dann auch beide 2014 unsere Träume wahrgemacht und haben ein halbes Jahr auf dem Wasser in unseren Booten „Levje“ und „La Mer“ verbracht.
Thomas im Mittelmeer und ich auf der Ostsee. Wir kannten uns zunächst nur über unsere jeweiligen Blogs und die ebenfalls leidenschaftliche Seglerin Susanne Guidera. Susanne hat dann auch beide Blogs betreut und segelte quasi an Land mit. Und wusste immer ganz genau, wo jeder von uns gerade unterwegs und wie das Wetter dort war.
 Wie sich die Bilder doch gleichen: LA MER auf den Alands, LEVJE im Mittelmeer

Nach der Reise gründete sie dann mit Thomas den millemari. Verlag und ich veröffentlichte dort das Buch SchärenSegeln.und jetzt meinen Film Zeitmillionär; Thomas das Buch und den Film Einmal Muenchen-Antalya bitte. Jetzt, gute 18 Monate nach unserer Rückkehr, hatten wir nun die Gelegenheit für ein längeres und intensives Gespräch. Über unserer Erlebnisse während und nach der Reise. Ob und wie wir uns verändert haben. Über die an Land zurückgelassenen Partner. Träume und Pläne. Und noch so vieles mehr.

Neugierig? Hier ist unser Gespräch in voller Länge zu sehen:

Mare Più. 2016-05-08 20:00:00


Was bringt, was kostet es, ein halbes Jahr Segeln zu gehen? Was findet, was verliert man dabei eigentlich? Ist „ein halbes Jahr Segeln“ nur ein Projekt wie jedes andere? Oder doch nicht? Hinterlässt es Spuren? Hat es tiefere Auswirkungen? Findet man wieder zurück in sein bisheriges Leben? Was wird aus der Beziehung?

Zwei Menschen geben sich im Mai 2014 eine halbjährige Auszeit auf See. Der eine segelte ein halbes Jahr in der Ostsee. Der andere im Mittelmeer. Der eine von Kiel aus in die Schären. Der andere vom slowenischen Izola ins südtürkische Antalya. Der eine ist Musiker. Der andere Verleger. Beide sind nicht auf der Jagd nach Rekorden, sondern nach „Zeit. Einsamkeit. Raum.“

Beide schreiben ein Buch über ihre Reise. Beide machen einen Film über ihre Reise. Warum segeln Menschen überhaupt los? Warum verändert eine halbjährige Auszeit für immer? Warum hinterlässt so etwas überhaupt einen tiefen Eindruck?

                                                                                                      Hier der Link zum Video-Interview.

Zwei Jahre später, im April 2016, treffe ich den Musiker Claus Aktoprak, um mit ihm über seinen halbjährigen Ostsee-Törn zu sprechen. Von Claus erfuhr ich erst, als ich bereits unterwegs war. Ich, der ich mit Rockmusik wenig anfangen konnte, vermutete hinter dem „Eigen-Slogan“ THE SAILING BASSMAN auf Claus‘ Blog www.luvgier.de einen Grenzgänger, einen hartgesottenen ganzkörpertätowierten Bassisten in schwarzem Leder. Als ich Claus zum ersten Mal kurz danach traf, stand mir etwas ganz anderes gegenüber als das. Ein sensibler Mann, den die gleichen Motive, die gleichen Fragen umtrieben wie mich. Claus ist alles andere als ein Grenzgänger. Wenn ich ihn beschreiben müsste, dann ist er ein Musiker, der wieder zurück wollte dorthin, wo wirklich Musik ist. Und nicht das Drumherum, in einer Organisation rund ums Medium „Musik“ sein Geld zu verdienen.

Was von Claus‘ und meiner Reise geblieben ist? Wie geht es uns heute damit, dass wir ausgeschert sind auf der Autobahn, kurz rechts rausgefahren sind und angehalten haben? Hat sich etwas verändert? Oder geht alles nahtlos weiter im Text, wie vorher auch?

                                                                                                     Hier der Link zum Video-Interview

Das Video-Interview beantwortet viele Fragen. So simple Fragen wie „Was kostet so eine Reise eigentlich?“ bis hin zu „Wie ist das Zurückkommen?“. Das „Wie klappt das in einer festen Beziehung, wenn der andere nicht mit will? Oder mit kann?“ Und nicht zuletzt: Wie verändert man sich, was gewinnt, was verliert man, wenn man sein angestammtes Zuhause verlässt?

Wer Lust hat auf mehr Antworten:
für den er selbst die Musik schrieb. Prädikat: Sehr empfehlenswert!
Zum Trailer von Thomas‘ Film. Hier!

           

Lambi Man

…wieder am Leuchtturm

Es ist allerdings ein neuer Leuchtturm am Süden der Insel Juventud. Totenstill und dunkel ist es hier. Der Leuchtturm eher ein Leuchttürmchen. Ein phantastischer Segeltag liegt hinter uns. Nach dem Studieren der Bordliteratur in Bezug auf die navigatorische Seite der kommenden Woche musste ich heute meine beiden Herren etwas anspornen. „Wir müssen mal ein paar Meilen machen. Jeden Tag 20 Meilen sind leider nicht genug. Am kommenden Freitag den 13ten müssen wir ankommen, da steht die neue Crew in Havanna auf der Matte.“ Rainer und Peter haben da eher die Ruhe weg. „Das ist doch Deine Sache wie Du da zeitgerecht ankommst. Da verlassen wir uns voll und ganz auf Dich.“ Etwas gegenseitiger Unmut liegt in der Luft. „OK. Dann entscheide ich jetzt: Wir segeln heute Nacht durch. Um 23 Uhr soll es 6BFT aus NE geben. Da ist der Ankerplatz in Cayo Campo eh ungeschützt.“ Meine Mitsegler nicken. Der Wind nimmt zu und die MARLIN gibt mir Recht: „Ja Skipper, wir müssen mal ein bisschen Gas geben.“ Kaum geht die Sonne unter, stehen wir am neuen Leuchtturm, der Caleta de Carapatchibey. Kein Wind mehr. Kein Ankerzeichen. „Komm wir machen den Motor an und nehmen die Bucht als Ankerplatz.“ Peter fängt an auf den Karten des iPad’s zu wischen. Er erntet direkt mein Wohlwollen. „Super Idee. Und morgen direkt durch nach Maria Gorda. Etwa hundert Meilen. Fast an der Westspitze Kubas.“ Meine Herren nicken. Gut. Die Stimmung bessert sich. Die grauen Wolken über der MARLIN lichten sich.

Peter beim Lambi öffnen. Beim Schnorcheln lag doch glatt ein ganzes Netz von 15 Lambis unter der MARLIN, von Fischern wahrscheinlich vergessen. „Na, die armen Tierchen müssen ihrer Bestimmung übergeben werden.“ Peter ich zeige Dir wie das geht. Peter schlägt das Loch an der dritten Windung und durchtrennt den Muskel der Schnecken, ich filetiere das Muskelfleisch und fülle die Tupperschale im Freezer.

Draußen ist es stockfinster. Ich habe für meine Gäste schnell noch einen Fried Rice gemacht. Ne, nicht mit Huhn. Huhn ist aus. Mit Languste. Heute im Angebot. Für Micha ohne Reis, wegen der Figur. Jetzt schnell noch ein letztes Bier und dann hoffen wir auf den Wind, der da kommen soll und in der Dämmerung geht es weiter nach Westen. Kurs Abenteuer. Kurs Golfstrom zwischen Keys und Cuba um den es natürlich viele, viele Seglergerüchte gibt.

 


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