Monatsarchive: Mai 2016

Manöver für Einhandsegler – Folge 2 & 3 – Vorbereitung des Bootes & Ablegen von einer Heckboje

VIDEO Einhand durch die Schären #2 – Vorbereiten des Bootes
VIDEO Einhand durch die Schären #3 – Ablegen von einer Heckboje
In Folge 2 meiner Videoreihe zu Einhandmanövern geht es um die Vorbereitung des Bootes zum An- und Ablegen (gerade einhand ist das wirklich das A&O!!), plus ein paar weitere Tipps aus der Praxis in den Schären. 
Folge 3 zeigt das Ablegen von einer Heckboje, denn auch hier gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Es gibt viele Handbücher für Bootsmanöver aller Art. Doch sehr wenige für Einhandsegler. So saß ich am Start meiner langen Soloreise 2014 durch die Schären ein wenig auf dem Trockenen. Ich wusste nicht wirklich, was mich dort erwartet und wie ich ohne Crew mit allen Situationen umgehen sollte. Aber so ein Schärentörn einhand wurde ja schon oft vor mir unternommen und musste also machbar sein. Von daher  verließ ich mich auf die Methode „Learning-by-doing“. Die hat am Ende funktioniert, war aber anfangs oft unschön. Denn trotz guter Vorbereitung hat man einfach immer zu wenig Zeit und zu wenig Hände. Und dabei geht es buchstäblich um Sekunden. Im Prinzip habe ich daher probiert jedes Manöver auf seine elementarsten Bestandteile herunterzubrechen und so einfach wie möglich zu halten. Und siehe da, irgendwann hatte ich meine Rezepte für alle Situationen gefunden, auch wenn dazu viel herumprobieren gehörte. Und so konnte ich dann am Ende auch endlich Einhand an einer Schäre anlegen. Ein Szenario welches mir anfangs kaum alleine zu bewältigen schien. Schon während der Reise habe ich angefangen meine Manöverrezepte auch auf Video festzuhalten. Zunächst wollte ich diese in meinen Film „Zeitmillionär“ integrieren, das hätte den Film aber extrem lang gemacht und auch sehr speziell für Nichtsegler. 

Filmtrailer „Zeitmillionär“

Daher habe ich nun, zusammen mit ein paar zusätzlichen Erklärungen auf dem Trockenen, eine Reihe von Videos erstellt, die sich speziell an Einsteiger im Einhandsegeln und an potenzielle Schärensegler richten. Und diesen dabei helfen soll, ihren eigenen Stil zu finden. Denn mit Sicherheit hat jeder Segler sein eigenes Rezept und so sind diese Videos auch nicht als Lehrvideos zu verstehen, sondern nur als Anregungen. Jedes Boot und jeder Mensch ist anders. Ich bin mit diesen Methoden jedenfalls einhand heil durch über einhundert Häfen und fünfzig Schleusen gekommen. Aber auch für Segler, die mit Crew unterwegs sind, kann es nicht schaden sich auch einmal mit Einhandmanövern zu beschäftigen. Man kann ja nie wissen, in was für Situationen man gerät. Aus Zeitgründen, und da es alles andere als einfach ist sich bei den Einhandmanövern auch noch selbst zu filmen, sind die Elemente teils etwas wild zusammengeschnitten und wackelig. Geben aber damit auch gut die zeitkritischen Situationen an Bord wieder und sind auch noch vollkommen kostenlos.

Übrigens: Den Film Zeitmillionär gibt es als Download oder DVD hier

 

Ulli ist am Start

Abenteueranreise

Die Fahrt nach Maria Gorda war für Ulli ein besonders kubanisches Erlebnis. Vom Skipper hat er noch eine Einkaufliste bekommen und so verläuft die Fahrt in einem Chevrolet, der älter ist als Ulli, mit vielen Stopps. Hier gibt es vielleicht Tomaten, hier gibt es vielleicht Papaya und dort ein paar Flaschen Wein. Am späten Nachmittag erschein Ulli nebst zwei sehr gut gelaunten Taxifahrern. Ich bin diesmal besser auf die späte Ankunft vorbereitet. Ulli hatte mir wunschgemäß schon vor Wochen eine Kopie seines Ausweises und seines Touristenvisas per mail geschickt. Mit den ausgedruckten Dokumenten erscheine ich innerhalb der Bürozeiten in der Capitaneria und bitte Ulli auch in der Nacht an Bord nehmen zu können. „Das geht nicht. Er muss sich persönlich vorstellen.“ Ich antworte nicht und bleibe einfach sitzen. Der kubanische Beamte sieht sich die Ausdrucke an. Er schweigt. Ich schweige. Die Klimaanlage in dem Kabuff röhrt laut auf dem laufenden Fernseher läuft eine venezolanische Soap. Es vergehen ein paar Minuten. Dann der Sinneswandel. Er nimmt sich sein Kontrollbuch, meine Passagengenehmigung und fängt an Ulli zu „enrollaren“ (Als Crew einzutragen) . „Bumms!“ Der Stempel schlägt auf den Papierbogen. „O.K. Ich sage der Security Bescheid, dass Ulli rein darf.“ „Danke! Hermano.“ (Hier sagen alle Männer die sich gut gesonnen sind Hermano, Bruder zueinander)

Es gibt am Abend halbierte Lobsterschwänze aus dem Ofen in Butter und Knoblauch. Dazu Salat, gebratener Reis. Einen kalten Schluck chilenischen Weißwein. Das traditionelle Begrüßungsdinner. „Ich koche aber nicht jeden Tag!“, versuche ich die Situation ins rechte Licht zu rücken. Wir wechseln uns ab. Jeder darf mal. Wer nicht kocht, der darf seine Spülkünste zeigen. Beim Einräumen des Proviants stellt sich raus warum die Taxifahrer so gut gelaunt waren. Eine Flasche Mulata Rum ist leer. „Ich dachte immer die trinken Wasser in kleinen Schlucken aus einer Flasche in einer Plastiktüte.“ Alle lachen. Na gut, dass Du gut erhalten angekommen bist.

Den folgenden halben Tag verbringen wir mit der ebenfalls obligatorischen Sicherheitseinweisung, Landgang zur Capitaneria, Schnorcheln Paddelboard fahren und Reparaturen. Schon ist der Tag vorbei. Ankommen. Erst mal ankommen. Der Versuch abends im Restaurant zu essen endet recht cubanisch: „Wir haben Pago, einen cubanischen Fisch mit Reis. Nein wir haben keinen Salat, keine Tomaten, kein Gemüse.“ Na, da kochen wir morgen aber doch lieber selber auf der MARLIN. Doch auch da ist der Blick in die Verproviantierunsschapps langsam traurig. Noch dreimal Kokusnussmilchinstantpulver. Zeit mal wieder in die Zivilisation zu kommen. Das Wetter in den kommenden Tagen wird gütig. Leichte Winde aus SE, E und N. „Morgen segeln wir los!“, verkünde ich. Am Freitag sind wir in Havanna.

 


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Besuch an Bord

IMG_5469 KatzeAls ich noch in Toulouse im Hafen lag, hatte ich unerwarteten Besuch. Sie hat mir kurz einen Schreck eingejagt, als sie mich mit ihren großen, blauen Augen durch das Fenster angestarrt hat. Eine schnuckelige, dreifarbige Katze.
Bleiben wollte sie nicht und ist kurze Zeit später wieder von Bord gegangen. Ich konnte ihr auf die Schnelle auch nichts anbieten. Auf so einen Besuch war ich einfach nicht vorbereitet.
Am nächsten Tag habe ich eine kleine Menge Katzenfutter besorgt, falls der Streuner oder die Streunerin nochmal wiederkommen sollte, um anzuheuern. Aber ich habe vergeblich gewartet. Das hübsche Tier hat sich leider nicht nochmal blicken lassen.

Also bin ich am 27.04. wieder los. Raus aus Toulouse und vorbei an einer Schlange von Dauerliegern. Kilometerlang lagen die Penichen am Kanalufer. Manche hatten ihre beste Zeit schon lange hinter sich, manche waren auch wunderschön restauriert und zu einem Haus auf dem Wasser umgebaut.
Bis auf die Penichen, einer defekten Schleuse und einer Grundberührung mittig im Fahrwasser, hatte der Tag nichts spektakuläres zu bieten. Die Grundberührung hatte ich kurz vor einer Schleuse. Zum Glück war der Propeller bereits ausgekuppelt und Eos nicht mehr allzu schnell. Das Boot stand mehr oder weniger sofort und ich wäre fast in die Kajüte gepurzelt. An der Stelle war das Wasser vielleicht noch einen dreiviertel Meter tief. Wir saßen mit beiden Kielen auf Grund. Nur das linke Drittel des Kanals war noch befahrbar. Erkennen konnte man das im Vorfeld nicht. Eos ließ sich mit etwas Gas wieder zurück fahren. Dann ging es vorsichtig weiter.
Am Abend war ich in Negra und habe an einem kleinen Stadtanleger übernachtet.

Der 28.04. war der Tag, an dem ich endlich die Scheitelhaltung erreicht habe. Der höchste Punkt des Kanals, auf etwa 190 Metern über dem Meer. Ich hatte mir ehrlich gesagt mehr davon versprochen. Es soll ein Denkmal für den Erbauer geben. Gesehen habe ich davon nichts. Die Anlegemöglichkeiten sind auch eher bescheiden. Der Kanal ist in der Scheitelhaltung so schmal, das man nur kurz vor der Schleuse Platz hätte, ohne jemanden zu behindern. Dieser Platz ist allerdings für Boote vorgesehen, die geschleust werden wollen. An einer anderen Stelle war das Ufer viel zu flach für Eos. Also bin ich weiter gefahren, habe mich aber trotzdem sehr gefreut, oben angekommen zu sein. Mit der Schleuse L’Ocean hatte ich sie hinter mir, die letzte Schleuse nach oben. Ab jetzt geht es bis zum Mittelmeer nur noch bergab. Das ist wesentlich leichter, als Einhand in den kleinen Schleusen aufwärts zu fahren.

Leider hat sich während meiner Fahrt durch die Scheitelhaltung langsam raus kristallisiert, dass ich an diesem Tag nicht mehr den nächsten Hafen erreichen kann und wahrscheinlich irgendwo im Niemandsland festmachen muss.
Aber es kam mal wieder anders. Ich habe vor der ersten Schleuse nach unten zunächst festgemacht und meine Leinen umgebaut, um Eos leichter abwärts bringen zu können. Anschließend bin ich in die Kammer gefahren. Wie gewohnt allein. Während ich Eos an der Mittelleine an einem Poller halte, sagt der Schleusenmeister vor sich hin: „Zwei Boote.“
Tatsächlich, hinter mir taucht eine Motoryacht auf und schiebt eine ordentlich Bugwelle vor sich her. Eine Premiere. Die erste Schleuse, in der ich nicht allein bin. An Bord der Yacht, zwei Freunde aus England. Der Anleger in der Schleuse war schnell und richtig gut. Die beiden haben ihr Boot im Griff und hinter uns schließt sich das Tor.
Während es nach unten geht, erzählen sie mir, dass sie heute unbedingt noch zum nächsten Hafen nach Castelnaudary wollen.
Wir besprechen uns kurz und als sich das Tor öffnet, ist die Motoryacht und Eos bereits in Bewegung. Ich fahre mit hoher Drehzahl und versuche möglichst dran zu bleiben. Die Motoryacht ist allerdings deutlich schneller. Trotzdem passt der Ablauf perfekt. Die beiden fahren vor, einer springt ab, öffnet die Schleuse. Dann fahren sie in die Kammer und ohne dass Zeit verloren geht komme ich mit Tempo hinterher gefahren. Einer steht dabei schon mit der Hand auf dem Knopf bereit und es geht bereits abwärts, wenn ich gerade eben die Leine um den Poller geworfen habe.
Die beiden sind meine Chance, doch noch den Hafen zu erreichen. Leider haben wir an einer Schleuse Gegenverkehr und müssen warten, ansonsten läuft das Rennen wie geschmiert. Und wo wir schon beim Thema sind, es wechselt eine Menge Bier von der Motoryacht den Besitzer und die Schleusenmeister helfen mit. Die Hoffnung, dass wir ein wenig in den Feierabend überziehen dürfen wächst und wir kommen immer näher an die letzte Schleuse des Tages.
Es klappt, wir werden noch einmal abwärts geschleust und nochmals wechselt Hochprozentiges den Besitzer. Alle sind glücklich und ich fahre nun entspannt hinter der Motoryacht Castelnaudary entgegen.
Als ich dort ankomme, drehe ich noch eine kleine Runde durch den See, bevor ich Eos am Stadtanleger festmache.

Kurze Zeit später steht jemand neben dem Boot und wir kommen ins Gespräch. Hocine ist neugierig, woher ich komme und wohin ich will. Wir reden übers Reisen, Segeln und sind irgendwann bei Peace und U2. Die Wellenlänge stimmt und ich komme spät in die Kajüte.
Am nächsten Morgen steht Hocine vor Eos und ich gucke verschlafen aus dem Boot. Dachte zuerst, er wollte nur Tschüss sagen, aber nein, er will mit!
Ich überlege kurz und sage schließlich: Ja!
Während ich Eos startklar mache, besorgt er noch Jacke, Mütze und etwas Proviant für den Tag und wir gehen, nach einer kurzen Einweisung, gemeinsam auf die nächste Etappe. Für Hocine die erste Fahrt an Bord einer Segelyacht.
Durch die Schleusen kommen wir heute super schnell. Ab jetzt muss ich sie auch nicht mehr selbst bedienen. Ab Castelnaudary sind bis zum Mittelmeer noch an allen Schleusen Schleusenmeister. Durch Hocine erfahre ich heute auch viel mehr. Denn er bekommt natürlich viel schneller die unterschiedlichsten Infos von den Leuten am Kanal, als ich das mit Fremdsprachen sonst schaffe.
So vergeht die Fahrt fast wie im Flug, bei tollem Wetter und interessanten Gesprächen.

Abends machen wir die Leinen in Bram fest, quatschen noch eine Weile und Hocine geht schließlich wieder von Bord und fährt mit dem Bus zurück nach Castelnaudary.

Die Farbe BLAU.

Vergangene Woche sandte mir Angelika Gebhard für die Neuausgabe ihres Segelklassikers MIT ROLLO UM DIE WELT ein Vorwort, um das wir gebeten hatten. In diesem Vorwort, das mich sehr bewegte, weil sie darin ausführlich beschreibt, was von einer großen Segelreise bleibt, erwähnt sie unter anderem über ihre Begegnung mit der Kultur der alten Polynesier:

„Allein die Farbe Blau kennt in der alten polynesischen Sprache über 300 Schattierungen und Begriffe.“

300 Worte. Nur für BLAU! Das saß! Seitdem grundle, google ich, wie das denn mit BLAU im Deutschen ist. Und? Was denken Sie: Wie viele Worte gibt es im Deutschen für Blau?

Beflügelt wurde die Recherche auf der Suche nach dem Blau noch durch einen kleinen Schlag auf LEVJE etwa 20 Seemeilen die sizilische Südküste hinunter, wobei die Fotos entstanden. Es war der erste Tag nach längerem Nordwest-Starkwind. Das Meer in der flachen Küstenzone immer noch aufgewühlt, doch die Schlammfarbe des sturmbewegten Meeres längst dem großen Türkis gewichen. Ich gebe gerne zu: Dies ist meine Lieblingsfarbe Blau. Diese Mischung aus Blau. Und Grün. Und hellem Grau. Und eigentlich dachte ich bislang: Wenn ich diese Farbe sähe, die gäbe es nur an einem Ort, dann wüsste ich, wo ich befände: Nämlich in der nördlichen Adria. Aber das stimmt definitiv nicht.

Ob es stimmt, was man über Fischer und manche Naturvölker auf dem Meer sagt? Dass sie an der Farbe des Meeres erkennen könnten, wo genau sie sich gerade befänden?

Die Farbe des Meeres. Sie wird bestimmt, „gemixt“ aus verschiedenen Faktoren: Dem Einfallswinkel des Sonnenlichtes, der sich zwar täglich, aber vor allem im Lauf der Jahreszeiten ändert. Wir erinnern uns an die Gesetze der Lichtbrechung? Nein? Egal! Jedenfalls bricht die Wasseroberfläche das Licht. Wasser, das eigentlich durchsichtig ist, „filtert“ ab zunehmender Tiefe die verschiedenen Farben des Lichts. Und zurück bleibt: BLAU. Je flacher Licht einfällt, desto mehr davon wird reflektiert. Je weniger Licht ins Wasser eindringt, desto mehr Braun, Schwarz scheint das Wasser.

Nachts? Sind alle Wasser schwarz. Das ist auf dem Meer genauso wie im Gänseteich in der Weilachmühle, auf der Alpaka-Farm meines Freundes Christian in Oberbayern. Faustregel: Je „höher Sonne“, umso „Meer Blau“!

Und dann fangen die Schwierigkeiten auch schon an. Denn für alles Weitere ist nicht mehr jahreszeitlicher Stand der Sonne, ihre Höhe, sondern anderes verantwortlich. Im Wasser schwebende Sedimente, beispielsweise. Ich erinnere mehr: Während etwa zwei, drei Wochen im Jahr ist die Farbe in meiner Heimat auf den oberbayerischen Seen so wie die oben. Nur etwa zwei, drei Wochen – und genau um die Zeit der Sommersonnenwende herum, die uns ja schon in knapp fünf Wochen ereilt und wo der Sommer, kaum dass er begonnen, auch gleich wieder vorbei ist. Und noch schneller ist das dann auch mit dem Türkis vorbei.

Sedimente also. Das Zweite. Die kleinen feinen Teilchen, die im Wasser schweben, wenn es aufgewühlt war. Oder wenn ein Fluss wie die großen Nordadria-Ströme Tagliamento, Piave, Isonzo und auch der Po helles Gesteinsmehl aus den Bergen ins Mehr spülen. Sie „schweben“ im Wasser. Und geben ihm dann je nachdem eine ganz eigene Note. Und das Ganze findet statt, ob ich da bin. Oder auch nicht.

Denn dies ist dann der dritte Faktor: Wahrnehmung. Was sehe ich eigentlich für ein Blau, und was ist das Blau, das im gleichen Moment meine Frau wahrnimmt? Oder ihre griechische Landschildkröte? Genau das gleiche Türkis, das mich so entzückt?

Ein weiteres kommt hinzu, und es hat mit Licht und Sedimenten gleichermaßen zu tun. Deren Gehalt im Wasser verändert sich. Machen Sie doch einen Test: Ich habe die Fotos dieses Posts strikt in der Reihenfolge ihrer Aufnahme eingebaut. Das erste entstand beim Ablegen. Das letzte am frühen Nachmittag. Es wird „blauer“ – je höher die Sonne steht, je weniger Sedimente im Wasser sind. Es wird immer blauer. Und deshalb ist es an der kroatischen Adriaküste eigentlich immer Tiefblau, wie in Griechenland auch, weil dort wenige Flüsse ins Meer münden und deren Sedimente dorthin tragen. Und deshalb ist die Ostsee auch… aber da kommen Sie jetzt selber drauf!

Ja – und wie ist das denn nun mit Polynesisch der Ureinwohner und der Farbe BLAU im Deutschen? Da gibt es dann – soweit es das Deutsche betrifft – überraschende Aspekte. Zum einen, dass das Deutsche sooooo schlecht nicht ist, was BLAU angeht. Immerhin 50 verschiedene Synonyme listen einschlägige Synonymseiten im Web auf. Scheinbar gut.

Aber sieht man sich die Synonymlisten genauer an, stellt man fest, dass es für die FARBE BLAU nur wenige Worte gibt: Türkis. Ultramarin. Azur. Veilchenblau. Hellblau. Himmelblau. Stahlblau. Indigo. Jeansblau. Zschitscherin-Vogelschwanz-Blau? (Mein Vorschlag für eine neue Autositz-Auswahlfarbe??). Graublau. Und so weiter.

Die meisten Synonyme beziehen sich auf etwas anderes: Blau wie ein Veilchen, nämlich. Alkoholisiert. Beduselt. Berauscht. Beschickert. Beschwipst. Besoffen. Betütert. Bezecht. Sternhagelvoll. Stockbetrunken. Sturzbesoffen. Voll. Voll wie eine Strand-Haubitze (… immerhin mal was mit „Meer“). Angeheitert. Fertig. Zu.

Und so sieht das stocknüchterne Ergebnis meiner Recherche nach der Bedeutung von BLAU im Deutschen aus:

1. So ganz schlecht sind wir Deutsche nicht. Ein paar BLAU-Begriffe haben wir schon auch!

2. Naturvolk sind die Deutschen nach dieser Sprachanalyse lange keines mehr – schaut man sich die Begriffe an. Vielleicht noch in einem Winkel ihres Herzens, der immer wieder BLAU sucht.

3. BLAU in dieser Sprache hat oft mit Produkten zu tun. Etwas, das man kaufen kann, ist oft mit BLAU ausgeschmückt.

4. Was die SYNONYME angeht: Zu allermeist haben diese mit dem Ergebnis übermäßigen Alkoholkonsums zu tun.

Nun ja. Derlei ernüchternde Ergebnisse können an zwei Dingen wenig ändern:

Das Blau des Meeres ist, was es ist. Mir geht immer noch das Herz auf bei diesem Anblick.

Und die alte Kultur der Polynesier? Was ist aus dem Blau in der polynesischen Sprache geworden? Ich fürchte, die Bedeutungen von BLAU haben dort vermutlich unter dem Einfluss dessen, was wir „Zivilisation“ nennen, eine ähnliche Richtung eingeschlagen – siehe Punkt 1 bis 4.

Ich nehme mir vor, Angelika Gebhard zu fragen.
Oder zumindest das Vorwort noch mal zu lesen.

Jonas ist an Bord

Alles dreht sich und die Kugel fällt auf die Drei

Leser Norbert ermahnt mich ja aufzupassen mit dem Apnoetauchen. Recht hat er ja. Ist halt auch ein Extremsport mit Gefahr. Norbert, ich hyperventiliere nicht, versuche auch keinen Rekord zu brechen und auch nicht an Grenzen zu gehen, sondern höre auf meinen Körper. Und seit heute bin ich auch nicht mehr alleine beim Tauchen. Der zehnmonatige Jonas ist an Bord gekommen um mein Leben interessanter zu machen. „Hilfe. Nen schreiendes Baby an Bord. Das ist ja total nervend!“, war der Kommentar meiner letzten Crew. Ich bin eher positiv gegenüber Jonas eingestellt. Mal schauen wie sich das entwickelt. Erst einmal durfte Jonas mit Mama Nadja und Papa Michael nicht an Bord. Nach einer vierstündigen Fahrt im Taxi von Havanna nach Maria la Gorda war die Capitaneria nicht besetzt und trotz Telefonat, durfte die jung Familie nicht an Bord, ohne die Passnummern auf einem Zettel am nächsten Tag vom Beamten notieren zu lassen. Das ist Cuba live. So musste Jonas erst einmal mit seinen Eltern für eine Nacht im Hotel einchecken.

Segeln mit Kindern habe ich ja seit 2005 schon aktiv gemacht. Mit den eigenen und mit fremden. Jona’s Papa Michael und ich haben sich gesucht und gefunden – Dank Internet. Hand gegen Koje. Wie es dazu kam: „Mit Deinem Arm kannst Du auf keinen Fall über den Atlantik segeln.“ „Nathalie, dass ist mir auch klar. Aber was ist mit den Buchungen? Um das Projekt MARLIN zu erhalten, brauchen wir die zahlenden Mitsegler. Sonst sind wir schneller pleite als wir denken können. Außerdem beginnt im Juni die Wirbelsturmperiode in der Karibik. Gegen Schäden durch Stürme mit Namen ist die MARLIN nicht versichert. Wo soll die MARLIN bleiben wenn ich für Wochen ausfalle und mich in Deutschland behandeln lasse?“ Es ist mal wieder eine normale Nathalie – Michael Diskussion, die mit Einvernehmen endet. „Du brauchst einen Deiner Bootsjungen.“ Davon habe ich ja einige im Addressbook meines MacBook Air’s. In den kommenden Wochen bekomme ich eine Absage nach der anderen. Wer kann schon sechs bis sieben Wochen mitsegeln um die MARLIN auf die Azoren zu bringen und für eine Segelpause vor Anker oder in eine Marina zu bringen? Jan hat grade ein Praktikum bei Audi angefangen, Arved kneift wegen seiner Freundin, Julian arbeitet als Koch auf Texel und die anderen Alternativen? Alex, Lisa, Guido, Chris, Susan… Alle fallen aus wegen keine Zeit, keine Lust. Da steht Wnuk an Deck und raucht sich eine Zigarette. Das war vor einigen Wochen. Jetzt bin ich seit vier Tagen wieder stolzer Nichtraucher. Wer sich meldet ist Jonas Papa Michael. In seinem Fragebogen steht: 33 Jahre, Mechatroniker und Elektrotechniker. Alles klar. Das ist der Mann den ich brauche. MARLIN’s ToDo Liste wird jeden Tag länger durch die Behinderung mit meinem Arm. Ich kann den betroffenen Arm nicht mehr als 30 Grad anheben und ohne OP wird das auch nix werden. Ich kann zwar Segeln, aber ohne Crew ist ein Atlantiküberquerung echt ein Abenteuer. Aber wieso kann Michael sechs Wochen weg von Zuhause? Elternzeit. Und so kommt Mama Nadja zumindest für zwei Wochen auch direkt mit.

Den ersten Tag verbringen wir quatschend auf der MARLIN. Ruhepause. Am Samstag kommt Mitsegler Ulrich. Erst am Abend rutschen Micha und Micha mal in den Motorraum und finden natürlich direkt eine kaputte Wasserpumpe im Generator. „Ne! Heute nicht. Es ist Freitag der Dreizehnte! Los raus aus dem Maschinenraum. Das hat Zeit bis morgen. Morgen zeige ich Dir die To Do Liste. Morgen fangen wir an. Heute trinken wir Rum und quatschen.“ Jonas nickt. Süss der Kleine. Tiefenentspannt, wie seine Eltern. Da habe ich ja noch mal Glück gehabt, nach dem letzten Rein(er)fall. Azoren, wir kommen.


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Manöver für Einhandsegler – Folge 1 – Anlegen an einer Heckboje

VIDEO Einhand durch die Schären – Folge 1

Es gibt viele Handbücher für Bootsmanöver aller Art. Doch sehr wenige für Einhandsegler. So saß ich am Start meiner langen Soloreise 2014 durch die Schären ein wenig auf dem Trockenen. Ich wusste nicht wirklich, was mich dort erwartet und wie ich ohne Crew mit allen Situationen umgehen sollte. Aber so ein Schärentörn einhand wurde ja schon oft vor mir unternommen und musste also machbar sein. Von daher  verließ ich mich auf die Methode „Learning-by-doing“. Die hat am Ende funktioniert, war aber anfangs oft unschön. Denn trotz guter Vorbereitung hat man einfach immer zu wenig Zeit und zu wenig Hände. Und dabei geht es buchstäblich um Sekunden. Im Prinzip habe ich daher probiert jedes Manöver auf seine elementarsten Bestandteile herunterzubrechen und so einfach wie möglich zu halten. Und siehe da, irgendwann hatte ich meine Rezepte für alle Situationen gefunden, auch wenn dazu viel herumprobieren gehörte. Und so konnte ich dann am Ende auch endlich Einhand an einer Schäre anlegen. Ein Szenario welches mir anfangs kaum alleine zu bewältigen schien. Schon während der Reise habe ich angefangen meine Manöverrezepte auch auf Video festzuhalten. Zunächst wollte ich diese in meinen Film „Zeitmillionär“ integrieren, das hätte den Film aber extrem lang gemacht und auch sehr speziell für Nichtsegler. 

Filmtrailer „Zeitmillionär“

Daher habe ich nun, zusammen mit ein paar zusätzlichen Erklärungen auf dem Trockenen, eine Reihe von Videos erstellt, die sich speziell an Einsteiger im Einhandsegeln und an potenzielle Schärensegler richten. Und diesen dabei helfen soll, ihren eigenen Stil zu finden. Denn mit Sicherheit hat jeder Segler sein eigenes Rezept und so sind diese Videos auch nicht als Lehrvideos zu verstehen, sondern nur als Anregungen. Jedes Boot und jeder Mensch ist anders. Ich bin mit diesen Methoden jedenfalls einhand heil durch über einhundert Häfen und fünfzig Schleusen gekommen. Aber auch für Segler, die mit Crew unterwegs sind, kann es nicht schaden sich auch einmal mit Einhandmanövern zu beschäftigen. Man kann ja nie wissen, in was für Situationen man gerät. Aus Zeitgründen, und da es alles andere als einfach ist sich bei den Einhandmanövern auch noch selbst zu filmen, sind die Elemente teils etwas wild zusammengeschnitten und wackelig. Geben aber damit auch gut die zeitkritischen Situationen an Bord wieder und sind auch noch vollkommen kostenlos.

VIDEO Einhand durch die Schären – Folge 1

Ich bitte von prinzipieller Kritik an den Manövern abzusehen. Es geht immer anders und sicher auch besser. Auch haben manche Boote Aussenborder, Langkiele, siond sehr breit oder haben ein hohes Freibord, so das diese Basismanöver eigentlich für alle zutreffen sollten. Die vielen spezielleren Tipps mit Hilfsleinen zum Eindampfen etc. funktionieren aber eben nicht mit allen Booten! Alternative Vorschläge sind als Kommentar aber natürlich sehr willkommen. Aber diese sollten dann auch, in der Praxis selbst erprobt, einhandtauglich sein. Denn Theorie und Praxis unterscheiden sich einhand bei etwas Wind gerne extrem. Und so mancher gute Plan erwies sich als nicht praktikabel. Sollte mir ein Vorschlag aber gut gefallen und funktionieren, werde ich ihn ebenfalls auf Video bringen und hier ergänzend hinzufügen. Viel Spaß mit den Videos!

Übrigens: Den Film Zeitmillionär gibt es als Download oder DVD hier



Manöver für Einhandsegler – Folge 1 – Anlegen an einer Heckboje

VIDEO Einhand durch die Schären – Folge 1

Es gibt viele Handbücher für Bootsmanöver aller Art. Doch sehr wenige für Einhandsegler. So saß ich am Start meiner langen Soloreise 2014 durch die Schären ein wenig auf dem Trockenen. Ich wusste nicht wirklich, was mich dort erwartet und wie ich ohne Crew mit allen Situationen umgehen sollte. Aber so ein Schärentörn einhand wurde ja schon oft vor mir unternommen und musste also machbar sein. Von daher  verließ ich mich auf die Methode „Learning-by-doing“. Die hat am Ende funktioniert, war aber anfangs oft unschön. Denn trotz guter Vorbereitung hat man einfach immer zu wenig Zeit und zu wenig Hände. Und dabei geht es buchstäblich um Sekunden. Im Prinzip habe ich daher probiert jedes Manöver auf seine elementarsten Bestandteile herunterzubrechen und so einfach wie möglich zu halten. Und siehe da, irgendwann hatte ich meine Rezepte für alle Situationen gefunden, auch wenn dazu viel herumprobieren gehörte. Und so konnte ich dann am Ende auch endlich Einhand an einer Schäre anlegen. Ein Szenario welches mir anfangs kaum alleine zu bewältigen schien. Schon während der Reise habe ich angefangen meine Manöverrezepte auch auf Video festzuhalten. Zunächst wollte ich diese in meinen Film „Zeitmillionär“ integrieren, das hätte den Film aber extrem lang gemacht und auch sehr speziell für Nichtsegler. 

Filmtrailer „Zeitmillionär“

Daher habe ich nun, zusammen mit ein paar zusätzlichen Erklärungen auf dem Trockenen, eine Reihe von Videos erstellt, die sich speziell an Einsteiger im Einhandsegeln und an potenzielle Schärensegler richten. Und diesen dabei helfen soll, ihren eigenen Stil zu finden. Denn mit Sicherheit hat jeder Segler sein eigenes Rezept und so sind diese Videos auch nicht als Lehrvideos zu verstehen, sondern nur als Anregungen. Jedes Boot und jeder Mensch ist anders. Ich bin mit diesen Methoden jedenfalls einhand heil durch über einhundert Häfen und fünfzig Schleusen gekommen. Aber auch für Segler, die mit Crew unterwegs sind, kann es nicht schaden sich auch einmal mit Einhandmanövern zu beschäftigen. Man kann ja nie wissen, in was für Situationen man gerät. Aus Zeitgründen, und da es alles andere als einfach ist sich bei den Einhandmanövern auch noch selbst zu filmen, sind die Elemente teils etwas wild zusammengeschnitten und wackelig. Geben aber damit auch gut die zeitkritischen Situationen an Bord wieder und sind auch noch vollkommen kostenlos.

VIDEO Einhand durch die Schären – Folge 1

Ich bitte von prinzipieller Kritik an den Manövern abzusehen. Es geht immer anders und sicher auch besser. Auch haben manche Boote Aussenborder, Langkiele, siond sehr breit oder haben ein hohes Freibord, so das diese Basismanöver eigentlich für alle zutreffen sollten. Die vielen spezielleren Tipps mit Hilfsleinen zum Eindampfen etc. funktionieren aber eben nicht mit allen Booten! Alternative Vorschläge sind als Kommentar aber natürlich sehr willkommen. Aber diese sollten dann auch, in der Praxis selbst erprobt, einhandtauglich sein. Denn Theorie und Praxis unterscheiden sich einhand bei etwas Wind gerne extrem. Und so mancher gute Plan erwies sich als nicht praktikabel. Sollte mir ein Vorschlag aber gut gefallen und funktionieren, werde ich ihn ebenfalls auf Video bringen und hier ergänzend hinzufügen. Viel Spaß mit den Videos!

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Im Apnoefieber

Gedankenlosigkeit

Beim Tieftauchen ist es wie beim Kiten: „Du denkst an gar nichts mehr!“ Michael und Nadja sind in Havanna angekommen und unterwegs zur MARLIN. Zwei Langustenschwänze liegen zum Auftauen im Spülbecken. Fried Rice mit Languste. Mehr gibt der Bordbestand nicht her. Aber in dem Taxi, in dem die Beiden mit ihren 10 Monate alten Sohn Jonas, kommen, ist auch eine Kiste mit Gemüse, Eiern und Kaffee. Hab ich irgendwie organisieren können. Hier in Maria la Gorda gibt es nämlich außer einer Bar gar nichts.

Auf 15 Meter Tiefe werden die 2kg Blei dann doch ganz schön schwer und ziehen mich weiter runter, die Luft in der Lunge ist zusammengedrückt und gibt nicht mehr so viel Auftrieb. Dann der Blick nach oben. „Upps. Doch ganz schön weit!“ Beim Auftauchen dehnt sich die Luft dann wieder aus. Das Gefühl keine Luft mehr zu haben verschwindet wieder. Mit jedem Mal geht es besser. Wäre toll jemanden mit dabei zu haben, um sich gegenseitig anzuspornen. Ich denke an Taipiri, den versoffenen Mann von Rose, mit dem ich ich in Französisch Polynesien mehrmals zum Speeren am Riff getaucht bin. Ob er noch lebt? Er hat mir damals viele Tipps gegeben. Man munkelte, dass Taipiri vier Minuten unter Wasser bleiben konnte. Ich habe nicht auf die Uhr geschaut. Er verschwand an der Riffkante und tauchte irgendwann mit einem Zackenbarsch auf der Speerspitze wieder auf. Vollkommen sinnlos ihm folgen zu wollen. Wenn der Pazifik nur einfach nicht so weit wäre – Ich würde hinsegeln und nachschauen ob er noch da ist.


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Hey. Hey. Unterm Kiel geht die Party ab!

Es zieht mich in die Tiefe.

“Da muss ich doch mal schauen warum die Taucher alle hier sind“, ich erhebe mich vom Klo, lege die YACHT mit Johannes Artikel über die Bahamas zur Seite. Da war ich 2014 schon. Die nördlicheren Inseln interessieren mich. Hmm. Bisschen spät um nen Revierführer zu besorgen. „Muss ich mal nachher im Regal gucken. Da stand doch mal was rum. Schon alles recht flach da“, ich rede die ganze Zeit mit mir selbst. Sonst ist ja auch keiner da. Gut so, wenn ich auf Zigarettenentzug bin, bin ich am besten zwei Tage alleine. Also genau getimed, so dass ich keine schlechte Laune hab, wenn die „Neuen“ kommen.

“Platsch“, die Zeiten mit schwerem Equipment, Tauchkompressor, Weste, Tonnen von Blei sind vorbei. Ich habe meine 70cm langen Apnoetauchflossen an, mein 30 Jahre alte Brille mit Schnorchel und 2kg Blei um die Hüften. So gehe ich am liebsten spazieren, die GO PRO in der Hand, schaue mir mein MARLIN Hausriff auf dem Unterwasserschiff an, mähe ein bisschen Rasen mit dem großen Spachtel. Hinter dem Schiff viel Sandfläche und eine Taucherboje, gar nicht so weit weg. Da steht Fisch. Angefüttert für die Taucher. Is doch klar. Endlich habe ich einem dem ich die Zähne zeigen kann. Ein kolossaler Barrakuda hat hier das Sagen und fletscht zurück. Schöne Zähne haben diese Viecher ja nun gar nicht.

Mich zieht es in die Tiefe. In 10-15 Meter unter mir zieht sich das wunderschöne Tauchriff lang. Ich habe keine Uhr dabei, aber zufrieden bin ich nicht mit meinen sportlichen Leistungen. Ich erreiche zwar die untere Sandfläche, aber der Atemreflex bringt mich schnell wieder an die Oberfläche. 2 Monate sind jetzt her seit meinem Kite-Unfall, 2 Monate habe ich aus Frust gequalmt und gesoffen. Jow. Macht sich ordentlich bemerkbar. Aber ich hab ja gestern den Reset gemacht. Alles gut! Vielleicht zwanzig Male geht es in die Tiefe, dann beschlägt das Gehäuse der GoPro. Upps, das ist kein gutes Zeichen. Da kommt Wasser rein wenn ich zu tief runter gehe. Also Rückzug und heute Nachmittag noch mal mit der anderen GoPro. Das Riff lohnt sich auf jeden Fall. Ich erinnere mich an einen Pauschal-Tauch-Urlaub mit meiner Ex Claudia in Cozumel. Da habe ich zum ersten Mal an einer Bucht eine Fahrtenseglerschiff mit einer Familie drauf gesehen und beobachtet. Die Kinder haben Tarzan mit den Fallen gespielt, sich ins kristallklare Wasser fallen lassen und ich dacht: „Hey, das kann ich auch.“ Das war die Geburtsstunde der Weltumsegelung. Gar nicht so weit weg. Grade mal 150 Meilen. Ein Tag mit der MARLIN. Ob die „NEUEN“ flexibel sind?


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Pantalica

Es gibt Orte, an die ich auf meinen Reisen immer wieder zurückkehre. Orte, die mich magisch anziehen. Wahrscheinlich ist das alles leicht erklärbar: Ein „guter Moment“. Vor langer Zeit.
Aber was leicht erklärbar scheint, ist in Wahrheit der Anfang der Schwierigkeit zu erklären: Was einen „guten Moment“ denn nun eigentlich ausmacht? Was die Ingredienzen sind, die man einfach aus dem Regal nehmen muss – und dann kommt er heraus, als chemische Reaktion, als Endergebnis, als Fertigprodukt, „der gute Moment“?

Pantalica besuchte ich Mitte der Neunziger zum ersten Mal. Die Ingredienzen, die den Moment damals schufen: Die erste Reise mit meiner neuen Freundin. Katja, die vorschlug, dahin zu fahren, ich wusste nichts von Pantalica. Zwei große Schluchten, die sich auf einander zubewegten. Zwei Flüsse, Anapo und Calcinara, die sich tief, tief eingegraben hatten durch die Kalkschichten, die irgendeinem fernen Erdzeitalter-Ur-Ur-Meer entstiegen waren. 5.000 (!!) in den Fels gehauene Grabkammern, die meisten oben an der Felskante, nie unten. Die meisten nach Osten und Süden, selten nach Norden. Die Wanderung durch das dichte, tiefe Grün im damaligen Mai, das so gar nicht meinem Bild vom verbrannten Sizilien entsprach. Leuchtend roter Mohn. Lupinen. Kniehohes Gras. Meine Sorge, als ich durch die dichten Halme streifte, ich könnte hier, genau hier von einer Schlange gebissen werden, eine Sorge, die mich, der ich im Ausland viel wandere, selten streift. Warum hier?
Pantalica. Zwei Canyons, eine Stunde vom Meer, von Siracusa entfernt.


Die Welt, durch die wir uns bewegen, ist voller Gewissheiten. Das Wetter wird morgen soundso. Dies ist meine Handynummer. Das gibts heute Abend zu essen. Und wenn jemand stirbt, dann kommt der Bestatter. Tatsächlich ist die Art, wie wir mit dem Tod umgehen, jenem, der uns in unserem unmittelbaren Umfeld betrifft, Ausdruck unserer Kultur. Friedhöfe. Orte ehrenden Gedenkens. Teure Grabsteine. Ein Name, zwei Jahreszahlen. Ein paar Blumen.

Vor allem dank Ethnologen und Archäologie weiß man, dass die Arten, wie Kulturen mit dem Tod ihrer Angehörigen umgehen, in die Myriaden gehen. Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Variationsreichtum es gibt. Steinzeitliche Kinder, in hockender Position auf den Inseln der Ägäis in Tonkrüge gebettet. 
Die bronzezeitliche Fürstin, deren Grab man keine 30cm unter der Grasnarbe beim Bau des Gymnasiums Grünwald bei München fand, liegend, den Kopf mit einem Bronzekranz bekrönt, den Blick der leeren Augen für immer nach Südosten. 
Die Kelten im gerade 100 Kilometer entfernten Manching, die mit den Schädeln von Verstorbenen und Feinden unter ein und demselben Dach lebten. 
Die heutigen Toten, die wir außerhalb der Wohnorte auf eigenen Arealen in die Erde betten. Und den Gärtner mit der Grabpflege betrauen. 
Die Grabkammern von Pantalica. Einfach in die Felsen gehauen, in die aus dem dichten Grün zwischen Oliven, Macchie, Pistazien herausragenden Vorsprünge, Felsnasen, Hangkanten.


Die Archäologen sagen, dass Pantalica besiedelt wurde etwa zu der Zeit, als Troja unterging. 
Als die Fürstin von Grünwald bestattet wurde, etwa im 13. Jahrhundert vor Christus. 
Längst wurde das Meer befahren, 5.000 Jahre zuvor war wohl von hier, von Sizilien aus, ein Volk aufgebrochen und hatte 50 Seemeilen weiter südlich, auf den Inseln von Malta, eine einzigartige Zivilisation mit den gewaltigen Steintempeln von Hagar Quim begründet. 
1.300 vor Christus? Die Minoer befuhren zu diesem Zeitpunkt bereits 800 Jahre auf festen Handelsrouten das östliche Mittelmeer. Um die gleiche Zeit waren Mykenier, deren Erben, nach Eroberung Troyas im Niedergang begriffen. 
Ägypter schlugen sich um 1.300 unter Ramses II. mit den Hatti an der Grenze im heutigen Palästina herum. Eine unruhige Ecke, heute wie damals, warum eigentlich? 
Keine allzuferne Zeit also, die Zeit von Pantalica. Keine Epoche, über die wir nichts wüssten. 1.300 vor Christus: Eine Zeit, in der große Wanderbewegungen einsetzen. Eine Welt, die nach längerer Phase „stabiler“ Verhältnisse dabei ist, in Umordnung, Neuordnung, Chaos, Veränderung überzugehen. Schatten am Horizont. Dunkle Wolken. Neuankömmlinge, die fremde Sprachen sprechen und auf Booten kommen. Beginnende Bewegung überall im östlichen und mittleren Mittelmeer – auch auf Sizilien.

Es waren wohl Menschen von den Küstenregionen im Osten und Süden Siziliens, die sich unter dem Druck neuer, übers Meer gekommener Siedler offensichtlich von den Küsten weg Richtung Landesinneres bewegten. Die Namen der Neuankömmlinge, zusammengefasst in fremd anmutenden Namen von Völkern: Ausonier. Morgetaner. Und auch: Sikeler. Sikeler, die der Insel mit den drei Kaps für alle Zeit den Namen geben sollten: Sizilien. Shekelet, von denen die alten Schriftsteller erzählen. Jene, die vorher an den Küsten gesiedelt hatten, suchten Zuflucht vor ihnen auf den schwer zugänglichen Höhen zwischen den beiden Canyons von Pantalica. Um irgendwo dort ihre neue Stadt zu gründeten. Von ihr ist nichts erhalten, man weiß nicht, wo sie lag, man weiß nur, dass der Höhenrücken besiedelt war für 600 Jahre. Solange, bis die Griechen kamen.


Was blieb, waren Grabkammern. Über 5.000 von Ihnen liegen in der Landschaft verstreut, manche einzeln, manche in Gruppen eng beieinander liegend, so eng: man könnte meinen, dies wäre über Jahrhunderte Bestattungsanlage einer Familie und aller ihrer Angehörigen gewesen. Und 150 Meter weiter der einer anderen Sippe. Was verblüfft, ist der Aufwand, den die Lebenden für die Toten mit Schaffung der Grabkammern betrieben. Der in den Fels gemeisselte Eingang misst ungefähr ein Meter mal ein Meter fünfzig. Dahinter ein kleiner Raum, breiter und höher als der Eingang, im Volumen etwa ein, zwei Kubikmeter groß. 
Vermutlich wurden Holzgerüste errichtet, um überhaupt Kammern in drei, vier Metern über dem Boden errichten zu können. Wir befinden uns in der Bronzezeit. Presslufthämmer, Dynamit, Gesteinsbohrer waren noch 3.300 Jahre weit weg – Erfindungen unserer Jahrhunderte. Stattdessen: Einfache Meissel aus in Hartholz gespanntem Gestein. Und aus weicher Bronze. Weichmetall, das auf harten Kalkstein-Fels auftrifft. Kleine Gesteinssplitter, die ein Hammer man mit jedem Schlag auf den Bronzemeissel wegsprengt. Ein paar kleine Steinsplitter mit jedem Schlag. Der Meissel, der an dem harten Gestein schnell stumpf wird. Sich vielleicht rasch verbiegt.

Sie sind nicht groß, die Grabkammern. Vielleicht etwas mehr als ein- bis eineinhalb Kubikmeter. Die Eingangsöffnung ist so klein mit ein Meter mal ein Meter zwanzig, dass an jeder Grabkammer eigentlich immer nur ein einziger Mann arbeiten kann. Mehrere würden sich behindern, in der beengten Eingangsöffnung sich gegenseitig im Weg stehen, nein, das geht gar nicht. 
Also ein Mann, der an einer Grabkammer arbeitet. Wie lange braucht ein Mann mit einfachstem, splitterndem Stein- und sich verbiegenden weichen Bronze-Meisseln und Werkzeugen, um etwa einen Kubikmeter harten Kalksteins abzusprengen, abzulösen, Steinchen für Steinchen, bis eine Grabkammer fertig ist? Eine von Fünftausend? 
Die Rechnung ist einfach: Nehmen wir an, jeder Hammerschlag sprengt Splitter und Stäubchen und Steinsprengsel im Volumen eines kleinen Spielwürfels aus dem Gestein. Etwa einen Kubikzentimeter. Dann bräuchte es zwischen ein und zwei Millionen Hammerschlägen, um eine Kammer herauszumeisseln. 1.000.000 bis 2.000.000 Schläge.  Gehen wir weiter davon aus, dass ein guter Arbeiter, ein ausgebildeter Mann etwa 40 Schläge pro Minute ausführen kann. Pausen eingerechnet. Dann schafft er 2.400 Schläge in der Stunde – was dann immerhin der Gesteinsmenge eines Würfels mit  13,4 Zentimeter Kantenlänge entspräche. Könnte der Mann jeden Tag etwa sechs Stunden in derartigem Tempo arbeiten – Pausen und Zeiten für Abräumen der Trümmer eingerechnet, Werkzeug wird „gestellt“, dann: Wäre eine solche Grabkammer nach knapp 140 Tagen fertiggestellt. 140 Tage. Vier Monate und ein halber. Ein halbes Jahr, grob geschätzt, also.

Gehen wir davon aus, dass mehrere Männer an einer Grabkammer arbeiteten. Nicht gleichzeitig, sondern nacheinander, um sich abzulösen. Dann liesse sich die Zeit für die Fertigstellung auf siebzig Tage verkürzen – vielleicht auch deutlich weniger, wenn Tag und Nacht und „rund um die Uhr“ gearbeitet worden wäre.

Wahrscheinlich ist, dass die Grabkammern nicht sämtlich „aus einem Guss“ entstanden. Die Sikeler, die sie errichteten hinterliessen keine schriftlichen Zeugnisse. Forscher unterscheiden verschiedene Komplexe an vier unterschiedlichen Stellen von Pantalica.  Gemeinsam ist ihnen, dass sie in den fünf, sechs Jahrhunderten ihrer Nutzung mehrfach und immer wieder genutzt wurden. Verschlossene Kammern, in denen bereits mehrere Tote bestattet waren, wurden für weitere Beisetzungen geöffnet. Als Archaeologen um 1910 mit der Erforschung des Höhenrückens begannen, fanden sie die Kammern, die heute leer sind, mit ein und sieben Toten beiderlei Geschlechts – zusammen mit den typischen Bronzezeit-Beigaben wie Tonkrügen, Bronze-Dolchen, Fibeln


Was es aber mit den Riten der Sikeler auf sich hatte, ihren Toten in den Hängen regelrecht Häuser hoch oben in den Felsen zu errichten so wie im Leben auf Erden, was sie bewog, ihnen Alltagsgegenstände mit in ihre letzten Wohnungen zu geben, dies wird ihr Geheimnis bleiben.






Was aus alldem wurde?
Die erste Kultur von Pantalica?
Etwa mit dem 7. Jahrhundert vor Christus endet die Nutzung der Grabkammern. Pantalica – oder wie immer der Name des Ortes gewesen sein mag, und seine Bewohner gerieten unter Druck und in die Konflikte der an der Ostküste städtegründenden Griechen. Vermutlich von Griechen aus Syrakus wurde die Stadt im 7. Jahrhundert zerstört.

Die zweite Kultur von Pantalica?Noch verschiedene Male wurde der Höhenrücken zwischen den beiden Flüßen Ort der Zuflucht. Die nächste große Besiedlung fand statt, als sich im 7. Jahrhundert Raubzüge der Araber mehrten. Und die frühchristlich Reströmisch-byzantinische Bevölkerung ebenfalls die Flucht ergriff. Sich landeinwärts auf den geschützten Höhenzügen niederließ. Und die Höhlen ein weiteres Mal besiedelte.

Pantalica heute?
Ein großer Naturpark, in dem der Seewind über die Canyons hinwegstreicht. Ein einsamer Fleck – für mich immer wieder ein Highlight Siziliens, nur etwa 50 Minuten von Siracusa und der Küste entfernt. 





Und für alle, die Fernweh & Meeres-Sehnsucht jetzt gleich befeuern wollen:


Was passiert, wenn wir unser Leben ändern?







Mein Leben in der Postkarte

Reißleine. Schluss mit lustig.

Was macht der Pilot eines Düsenjägers, wenn er nicht mehr Herr der Lage werden kann und die Explosion der Situation voraussehen kann? Reißleine ziehen. Austeigen. Ich habe es ähnlich gemacht. Meine Herren Mitsegler sind vorzeitig abgereist und bekommen ihr Geld zurück. Ich genieße ein paar Tage Ruhe, freue mich auf die nächsten Mitsegler am kommenden Wochenende. Es kann definitiv nur besser werden. Es muss besser werden, sonst hänge ich meinen Job als Skipper an den Nagel und werde Fischeschnitzer auf den Azoren.

Hier in Maria Gorda ist es malerisch schön. Es gibt ausschließlich verstrahlte Taucher, die nach ihren Tauchgängen Essen und Ruhe haben wollen. Keine laute Musik, Flottes Internet was ich mir mit der LunaWLANnet als Hotspot ins Schiff hole, einen weißen Strand und karibisch blaues Meer. Ich kenne kein Schwein, was definitiv gut ist, und da ich schon mal beim Reset bin verschenke ich alle meine restliche Kippen an die Marineros und verordne mir 48 Stunden Schiffarrest, um wieder ein stolzer Nichtraucher zu sein, stelle den Rasierer auf 10mm ein und ab ist die Haarmatte. Reset erfolgreich beendet. Rückwärts aus der Sackkasse rausgefahren. Jetzt kann das Leben wieder positiv weitergehen.


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Weiter durch Südfrankreich

IMG_5185Mir war nicht langweilig in letzter Zeit. Merkt ihr wahrscheinlich daran, dass der letzte Bericht schon eine ganze Weile her ist.
Die Fahrt mit Eos durch Südfrankreich lässt mir nicht viel Zeit für irgend etwas anderes. Ich fahre früh los und mache meistens erst spät nachmittags irgendwo die Leinen fest. Wo das ist, kann ich manchmal planen, manchmal macht mir auch irgendetwas einen Strich durch die Rechnung. Es kommt vor, dass mal eine Schleuse nicht funktioniert oder ich mit Menschen am Ufer ins Gespräch komme. Dann wieder regnet es häufig, so dass ich schon ein, zwei Stunden früher festmache oder ein Anleger ist schlicht weg so belegt, dass kein Platz mehr für Eos ist. Das kam allerdings nur einmal vor, ansonsten sind die Anleger und kleinen Häfen eher ziemlich unterbelegt.
So ist fast jeder Tag ausgefüllt mit Überraschungen und abends bleibt nur noch wenig Zeit zum Gegend erkunden, Essen kochen, nach Hause telefonieren und der Wartung am Boot.
Aber es geht mir gut im Garonne-Seitenkanal. Er ist wunderschön und wenig befahren. Bis zum Ende des Kanals in Toulouse taucht hinter Eos nicht ein einziges anderes Boot auf. Auch vor uns fährt niemand. Nur ganz selten kommt mal ein Hausboot entgegen. Sehr selten…
In allen 53 Schleusen bis Toulouse bin ich allein. Damit hätte ich im Vorfeld nicht gerechnet. Aber immer wieder komme ich mit Menschen an den Schleusen ins Gespräch und manchmal auch mit Mitarbeitern vom VNF, die gerade etwas an einer Schleuse reparieren. Anrufen muss ich wegen eines Ausfalls an Schleusen beim VNF in der Zeit nur drei mal. Es geht dann immer ziemlich schnell, bis jemand kommt und das Problem recht zügig beseitigt.
Fast alle Schleusen bediene ich selbst und es macht mir Spaß. Die Schleusen bringen Abwechslung und geben mir die Chance, mich ein wenig zu bewegen. Denn meinem Rücken tut das permante Stehen an der Ruderpinne überhaupt nicht gut. Aber anders geht es nicht. Die Fahrrinne ist schmal und man muss ständig aufpassen, nicht gegen einen im Wasser liegenden Baumstamm zu fahren.

Ich komme bis Toulouse an vielen kleinen Orten vorbei. Manchmal würde ich gerne ein, zwei Tage bleiben, um mehr von der Gegend zu sehen. Aber selbst die kurzen Ausflüge neben dem Kanal lohnen sich. Tourismus ist nur wenig vorhanden. Das gefällt mir.

In der Gegend um Moissac erlebe ich einen der schönsten Tage bis dahin. Ich fahre mit Eos eine ganze Zeit lang auf einem der Jakobswege und treffe viele Pilger. Unter anderem eine Gruppe aus Straßburg, drei Freunde aus dem Elsass und eine junge Pilgerin, die mich überreden wollte, doch mit nach Santiago zu kommen. Aber ich bin nicht schwach geworden. Habe, wenn auch schweren Herzens, meinen Kurs beibehalten.
Die Blicke mancher Pilger hättet ihr sehen sollen. So weit weg von Santiago spricht dich sonst eigentlich kaum jemand an, erkennt fast niemand, was du vor dir hast. Ich bin dann jedes mal, wenn ich Pilger gesehen habe, ganz langsam ran ans Ufer, hab gegrüßt und dann nur mit dem Finger in die Richtung gezeigt und gefragt: „Camino de Santiago?“
Wie sich der Gesichtsausdruck plötzlich verändert hat. Unbeschreiblich…
Und ich hatte ständig nen Kloß im Hals. War für eine Weile wieder ein bisschen Pilger. Viele schöne, leider viel zu kurze, Begegnungen waren das.

Wenige Tage später, am 24.04. komme ich schließlich abends in Toulouse an. Ich fahre gleich in den Canal du Midi, denn der erste Hafen ist eher eine Art Abstellplatz für ein paar wenige Boote, sonst ist dort nichts, außer der Autobahn nebenan. Also mache ich nach den ersten drei Schleusen in diesem Kanal im Hafen Saint-Sauveur fest und kann kurz vor Feierabend noch so gerade eben eine Dusche ergattern. Dann ist Pause angesagt. Garonne-Seitenkanal geschafft, Canal-du-Midi voraus.

Ich habe ihn genießen können, den Kanal neben der Garonne. Trotz viel Regen und wenig Sonne. Er hat es mir angetan, mit seinen alten Bäumen am Ufer, der Ruhe und den kleinen Orten und Anlegern.