Monatsarchive: Februar 2016

Telefon und Internet im Ausland

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von Johannes Erdmann

Wenn ein Segler vor 20 Jahren ein neues Land erreichte, waren die ersten Anlaufpunkte in der Regel der nächste Supermarkt, das Postamt (um lagernde Briefe aufzusammeln) und dann der Hafenmeister (für einen aktuellen Wetterbericht) – Nahrung, Kommunikation und Information.

In einem Artikel in YACHT-Heft 19/2015 habe ich acht Crews auf Langfahrt porträtiert. Dass es sich dabei um jüngere Segler (unter 40) handelte, mag die Allgemeingültigkeit ihrer Aussagen für den durchschnittlichen Fahrtensegler ein wenig relativieren, aber unter dem Strich war ihnen doch in jedem neuen Land vor allem eines wichtig: Eine Verbindung ins Internet, die das Postamt und den Hafenmeister für Informationen und die Kommunikation (fast jede Yacht hat heute einen Blog …) ersetzt.

Internet ist eines der größten Bedürfnisse jedes Seglers, um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben, um Wetterdaten zu empfangen – und in Zeiten von Netflix und Co mittlerweile auch zur Unterhaltung. Das haben viele Marinabetreiber noch immer nicht verstanden. In vielen Häfen ist der Hotspot nur um das Büro des Hafenmeisters herum zu empfangen und für schnelle Up- und Downloads überhaupt nicht zu gebrauchen. Wer allerdings wie ich von Bord arbeitet, ist darauf angewiesen, dass es keine zwei Tage dauert, um einen Batzen Bilder ins Netz zu laden, so wie es mir auf Martinique passiert ist.

Über unseren Blog erreichen uns unzählige Mails mit der Frage, wie wir es anstellen, regelmäßig online zu sein und unsere Blogeinträge ins Netz stellen zu können. Kurzum: Wie kommt das Internet an Bord?

Deutsches Handy im Ausland?

Mit dem Handy zu roamen, ist immer teurer als es im Heimatland zu nutzen. Wer auf Langfahrt geht, ist deshalb gut beraten, den deutschen Vertrag rechtzeitig zu kündigen. Das muss nicht pünktlich zur Abfahrt sein, aber zumindest pünktlich mit der Abfahrt von den Kanaren. Bis dahin ist Roaming mit dem deutschen Handy innerhalb der EU noch relativ bezahlbar. Mit dem Einloggen des Telefons in das Netz eines neuen Landes empfängt es meist eine SMS, in der die Roamingkosten aufgeschlüsselt werden. Innerhalb der EU kosten abgehende Telefonate über einen deutschen T-Mobile-Vertrag zum Beispiel 0,22 Euro/Minute, ankommende Telefonate jedoch nur 0,05 Euro / Minute. Wer sich (wie wir) von der Familie aus Deutschland anrufen lässt, telefoniert also recht günstig. Die deutschen Anrufer zahlen lediglich ein normales Handygespräch (oder wenn sie eine Flatrate haben: gar nichts), denn sie können schließlich nicht ahnen, dass sich der Angerufene gerade im Ausland befindet.

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Viele Segler möchten das Handy im Ausland nicht missen

Wer das Handy für Datenverbindungen nutzt, zahlt 0,23 Euro / Megabyte. Bei Erreichen von 59,50 Euro wird die Verbindung als Kostenschutz automatisch getrennt und man muss dem Anbieter per SMS mitteilen, dass man mehr Geld verdaddeln möchte. Viele Anbieter bieten zudem Datenpakete zum Festpreis an.

Wer über den Atlantik segelt und sein deutsches Handy in der Karibik (Ländergruppe 3) nutzt, wird bei der ersten Rechnung sehr überrascht sein. Abgehende Telefonate kosten 2,99 Euro / Minute, ankommende Gespräche 1,79 Euro / Minute. Datennutzung 0,79 Euro pro (Achtung!) 50 Kilobyte. Das sind 15,80 Euro pro Megabyte! Plus zusätzlichen 0,49 Cent pro Tag, an dem das Internet genutzt wird. Wer also zwei Handyfotos verschickt, bekommt schnell eine SMS, dass die 59,50 Euro erreicht worden sind.

Wer auf Langfahrt geht, sollte unbedingt eine Prepaid-Karte von Alditalk dabei haben. Zum einen ist es mit diesen Tarifen weltweit extrem günstig zu telefonieren und zu surfen. Eine Minute aus dem EU-Ausland ins Deutsche Netz kostet 0,11 Euro (das ist die Hälfte von den Gebühren bei T-Mobile), eine Minute aus der restlichen Welt (z.B. Karibik) ins Deutsche Netz nur 0,99 Euro. Bei einem Anruf aus der Karibik in die Karibik, um z.B. einen anderen Segler anzurufen, belastet das Konto ebenfalls nur mit 0,99 Euro die Minute. Ankommende Gespräche kosten in der EU sogar gar nichts, in der restlichen Welt werden 0,99 Euro pro Minute fällig.

Zudem gibt es allerlei Pakete, die zusätzlich gebucht werden können. Ein 150-Minuten-Sprachpaket (EU-weit) kostet 4,99 Euro. 150 MB kosten im Paket ebenfalls nur 4,99 Euro. Beide Pakete sind allerdings nur 7 Tage gültig.

Der Knaller: Die Angebote gelten auch auf zur EU gehörenden Inseln wie Martinique und St. Martin.

Der zweite Grund, immer eine deutsche Handynummer zu haben, besteht darin, auch aus dem Ausland Überweisungen per SIM-Tan tätigen zu können. Dafür will die Bank eine deutsche Telefonnummer haben – und bei Aldi sind ankommende SMS im Ausland kostenlos.

Das Starterset kostet 12,99 Euro (mit 10 Euro Startguthaben). Aldi wirbt damit, dass man in über 120 Ländern telefonieren kann und in über 130 Ländern erreichbar ist. Und tatsächlich hat die Karte bei uns bisher wirklich überall funktioniert, selbst auf den Bahamas.

Lokale Simkarten

Für den, der viel im Internet surfen will, ist es vor allem in Gegenden der Ländergruppe 3 ratsam, eine lokale Simkarte zu kaufen. Selbst die abgelegensten Inseln haben heute einen Handymast. Freunde haben uns neulich sogar erzählt, dass einige der Kuna-Indianer auf den San Blas-Inseln inzwischen Smartphones besitzen. Auf vielen Inseln gibt es aber keinen Strom, weshalb sie gern in ihrem Kanu zu den Yachties hinausrudern um sie zu bitten, das Handy zu laden.

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Wer eine Weile unterwegs ist, nennt schnell ein paar lokale Simkarten sein Eigen

Als Telefon eignen sich fast alle europäischen Modelle. Die Karten sind erstmal in der Anschaffung nicht teuer. Manchmal kosten sie einen Euro (England) oder bis zu 10 Dollar (Bahamas). In fast allen Ländern sind Datenpakete erhältlich, die meist für einen Monat gültig sind. Mit der örtlichen Simkarte lässt sich das Telefon dann wie zuhause benutzen. Facebook, Whatsapp, E-Mails – alles griffbereit in der Tasche.

Zum Nach-Hause-Telefonieren eignen sich die Karten jedoch selten, denn Gespräche kosten schnell über einen Euro die Minute. Doch auch hier gibt es einen Trick: Einfach ein ausreichend großes Datenpaket kaufen (oder in ein offenes Wifi einklinken) und per Skype telefonieren. Das Programm kann entweder als App auf das Handy oder Tablet geladen werden oder als Programm auf den Computer.

Das Gespräch von Skype zu Skype ist kostenlos, sogar Videotelefonie ist möglich. Dafür sind allerdings feste Verabredungen zu Telefongesprächen nötig.

Es ist jedoch auch möglich, von Skype aufs Festnetz zu telefonieren. Dafür ist es nötig, vorher per Paypal oder Kreditkarte ein Guthaben aufzuladen. Die Minute ins deutsche Festnetz kostet 1,7 Cent, aufs deutsche Handy 7,4 Cent. Auch hier gibt es Pakete. Am preiswertesten ist es, ins Festnetz mit Paketen zwischen 0,49 Euro (120 Minuten/Monat inklusive) bis 3,09 Euro (unbegrenzte Minuten/Monat) zu telefonieren. Aufs Mobilnetz kostet das Paket zwischen 2,69 Euro pro Monat (inkl. 60 Minuten/Monat) und einer Monats-Flatrate für 14,99 Euro (zu Mobil und Festnetz).

In einigen Ländern (z.B. ganz Belize, Teile der Bahamas) ist Skype jedoch gesperrt, weil die vielen Touristen und vor allem Segler mit ihrer Bildtelefonie nach Hause das Internet zum Erliegen gebracht haben. Dann ist es ratsam, auf die Konkurrenz Viber zu wechseln. Die App funktioniert sehr ähnlich. Bildtelefonie ist nicht möglich, aber kostenlose Gespräche von Viber-Nutzer zu Viber-Nutzer. Die Minute ins deutsche Festnetz kostet 1,7 Cent, aufs deutsche Handy 7,1 Cent.

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Viele Yachtclubs haben einen Wifi-Hotspot

Obwohl die reinen Skype-Telefongespräche nur sehr wenig Datenvolumen verschlingen, möchte man das gekaufte Volumen auf der Handy-Simkarte natürlich möglichst schonen. Deshalb empfiehlt es sich, so oft wie möglich aus einem Wifi-Hotspot zu telefonieren. Die Apps sind dafür super, denn man kann darüber die Familie anrufen und sich das Telefon einfach ans Ohr halten, als würde man „normal“ telefonieren. Auf Martinique war es unter den Seglern üblich, mal einen Abend in einer Bar ein Bier zu trinken, um das Wifi-Passwort zu bekommen – und dann auch die folgenden Tage lässig an der Hauswand neben der Bar stehend mit der Familie zu telefonieren. Wer neben der Bar mit dem Laptop sitzt, hat sich ganz offensichtlich ins Netz eingeklinkt, ohne etwas in der Bar trinken zu wollen. Aber wer mit dem Handy nebenan steht, der fällt nicht auf ?

Das Handy als Modem

Fast alle modernen Smartphones verfügen über die Funktion, das Handy als Modem nutzen zu können. „Persönlicher Hotspot“ wird es bei Apple genannt. Im Prinzip tut das Handy dann nichts anderes, als die über die örtliche gekaufte Simkarte erlangte Datenverbindung als eigenes Wifi-Netz anderen Geräten anzubieten. Wer mit dem iPhone einen Hotspot erzeugt, kann sich dort mit Tablet und Laptop einklinken, um Emails abzurufen, im Internet zu surfen oder nach dem Wetter zu schauen. Es tippt sich damit ja immer bequemer als mit dem Telefon.

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Mit wenigen Clicks wird das Smartphone zum persönlichen Hotspot

Natürlich sollte man dabei darauf verzichten, Youtube-Videos zu schauen oder itunes-Videos zu laden. Ein itunes-Film hat etwa 2,5 Gigabyte. Außerdem sollte die automatische Update-Funktion an allen Geräten deaktiviert werden, um zu vermeiden, dass Aktualisierungen für Computerprogramme und Apps oder sogar ganze Betriebssysteme versehentlich heruntergeladen werden.

In den meisten Inseln der Karibik ist das Handynetz um Welten schneller als die angebotenen Hotspots in Marinas und Ankerplätzen. Vielerorts ist sogar 4G erhältlich. Zum Vergleich: Einmal hat es in den Windward-Islands eine ganze Woche täglicher Internetcafe-Besuche gedauert, ein 1,5 Gigabyte-Video herunterzuladen. Ein anderes Video (500 MB) habe ich in diesen Inseln per SIM-Karte übers Handynetz heruntergeladen: Das hat sechs Minuten gedauert.

Internet per Hotspot

Um an Bord einen Hotspot zu erzeugen, sind eigenständige Internet-Router oder „MIFI-Systeme“ auch sehr beliebt. Genau wie beim Handy ist eine Sim-Karte nötig, die für Datenverbindungen freigeschaltet ist. Der Router erzeugt ein eigenes Netzwerk, in das alle anderen Geräte eingewählt werden können.

Wlan-Netze sind längst nicht mehr nur in Marinas, Internet-Cafes und Kneipen zu empfangen, sondern häufig auch direkt vor Anker. Ich erinnere mich, wie fasziniert ich war, als ich damals (2006) auf St. Thomas in den US-Virgin-Islands die gewaltige Richtantenne auf dem Dach eines Internetcafes gesehen habe, die direkt auf meinen Ankerplatz ausgerichtet war. Schnelles Internet direkt an Bord. Das war damals eine unfassbare Neuheit.

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Immer mehr Yachties nutzen einen schiffsinternen Hotspot

Heute hat fast jeder der gängigen Ankerplätze in der „üblichen“ Karibik ein Wifi-Netz mit mehreren Richtantennen. Häufig ist das Netz so stark, dass es sogar unter Deck empfangen werden kann. Man verbindet den Rechner mit dem Netz und sofort geht ein Fenster auf, in dem der Nutzer nach Kreditkarteninformationen gefragt wird.

Die ersten Male haben sich mir bei diesem Anblick die Nackenhaare gesträubt: Eine extrem schlecht programmierte Seite, die Hälfte der Bilder werden nicht angezeigt – und dann wollen die meine Daten haben. Erstaunlicherweise sind Betrugsfälle sehr selten. Trotzdem muss jeder selbst für sich entscheiden, ob er seine Kreditkarteninformationen preisgeben will, um Daten- oder Zeitvolumen für den Hotspot zu kaufen.

Weil Wifi aber nicht für lange Verbindungsstrecken gedacht wurde, gibt es gute Internetverbindungen an Bord nur durch technische Hilfsmittel.

Landseitig sind das große Richtantennen, die direkt aufs Ankerfeld ausgerichtet sind. Obwohl das empfangene Signal am Ankerplatz häufig sehr stark ist, folgt in den meisten Fällen eine große Enttäuschung, denn „das Licht ist an, aber es ist keiner Zuhause“. Die Stärke des Empfangssignals sagt nichts über die Schnelligkeit der Internetverbindung aus, die am Ende der Richtantenne hängt – und die auch noch zeitgleich von 20 oder 30 Yachties genutzt wird. Häufig war es schwierig, Bilder an den Blog zu schicken.

Auch wenn die Landleitung schnell ist, kann es sein, dass das Internet an Bord sehr langsam ist. Das liegt daran, dass die Richtantenne an Land zwar mit sehr großer Power (oft 1 Watt) antwortet, aber die Antwort des Laptops mit seiner im Monitor verbauten Antenne und 10 mWatt Sendeleistung zu schwach ist. Wegen der schlechten Verbindung über lange Distanzen sieht man häufig Segler an Deck sitzen (weil der Rumpf zusätzlich abschirmt) und das Laptop so hoch wie möglich halten.

Hinzu kommt, dass die Wifi-Wellen dieselbe Frequenz besitzen wie die Wellen in der Mikrowelle. Daher verschlechtert Regen den Empfang zusätzlich. Denn die Wellen setzen (genau wie in der Mikrowelle) auf dem Weg von Antenne zu Antenne Wassermoleküle in der Luft in Schwingung (was wiederum in der Mikrowelle für warme Speisen sorgt). Das kostet Kraft bzw. Sendeleistung.

Um aus der Kajüte heraus surfen zu können, haben viele Segler externe Wifi-Antennen an Bord, die zwei Sachen tun: Sie erhöhen den Sendepunkt (an Deck oder sogar im Mast montiert) und/oder verstärken die Sendeleistung des Laptops, häufig ebenfalls auf bis zu 1 Watt.

Natürlich kann die Mastmontage auch Nachteile mit sich ziehen. In vielen Marinas sind die Wlan-Richtantennen des Betreibers an Hauswänden oder auf drei Meter hohen Pfählen montiert – und auf die Schiffe ausgerichtet. In diesem Fall haben wir oft schlechten Empfang, weil unsere Antenne zu hoch ist. Wir haben dann mehr Chancen, uns direkt in das Marinanetz einzuwählen. Um für jeden Fall ausgerüstet zu sein, bräuchten wir also eigentlich auch noch eine kleine, mobile Antenne.

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Wasserdicht verpackte Wlan-Antenne an Bord einer Blauwasseryacht unter dem Großbaum

Und noch etwas: In vielen Marinas bekommt man als Gastlieger nur einen einzigen Code, um ein einziges Gerät mit dem Internet zu verbinden. Also hat man die Wahl: Laptop, Telefon, Tablet, … Hierfür gibt es Antennen, die wie ein Endgerät mit dem Netz verbunden werden. Sie geben dann das offene Netz an einen Bordrouter weiter, der ein eigenes Netz erzeugt, in das alle Endgeräte eingewählt werden können.

Link zur Internetseite des Autors

Der Beitrag Telefon und Internet im Ausland erschien zuerst auf Blauwasser.de.

Da ist er wieder

Auf die Route haben wir uns zwar schon Ende letzten Jahres eingestellt und auch, dass es größtenteils Einhand laufen wird, aber diesmal haben wir uns etwas länger mit der Plauderei zurück gehalten. Wollten erst mal abwarten wie es sich mit Sabrinas neuer Arbeitsstelle entwickelt und nochmal in Ruhe über alle Optionen nachdenken.
Heute wurde Sabrinas Urlaub genehmigt, die Machbarkeit ist geklärt, und damit der Start in trockenen Tüchern. Der Countdown läuft wieder und demnächst werden wir auch etwas ausführlicher über die geplante Tour mit Eos berichten. Rees als Ziel für dieses Jahr ist jedenfalls nach wie vor aktuell und wir werden so langsam wieder hibbelig.

Wir fliegen endlich wieder

Die Testigos liegen querab.

Eigentlich sollte man auf die Testigos segeln. Einen ganzen Sack Erinnerungen schleppe ich mit mir herum, aber die ganzen Piratengeschichten, lassen einen Skipper dann doch vorsichtig werden. Um 22:00 sind wir gestern endlich aus Chaguramas losgekommen. Ohne Licht, ohne AIS mit Ganzschiffkondom, haben wir uns in die karibische See rausgeschlichen, wo vor ein paar Wochen zwei Segelschiffe von venezolanischen Freibeutern aufgebracht wurden. Natürlich wieder Stoff für die Gerüchteküchen, aber auch genug Stoff, so dass es uns dann doch das Fürchten lehrt.

Nichts passiert. Wie auch. In der Nacht findet uns keiner und am Morgen, also jetzt surfen wir mit 10 Knoten auf 3 Meter hohen Wellen. Nicht von Lanchas zu erreichen, 60 Meilen vom Festland entfernt. Ohne Hoffnung werfe ich zu den ersten Sonnenstrahlen einen neuen Köder ins Wasser. „No Alibi“, verspricht MaiMai – Fang. Was nach zwei Sekunden dran hängt ist ein kleiner und ein großer Edelthuna. Na endlich. Ich lasse Johannes das Vieh rausziehen. Bei neun Knoten Fahrt durchs Wasser nicht unbedingt ein Kinderspiel! Unser Ziel ist Blanquilla, was wir heute Abend erreichen werden. Dort gibt es eine Militärstation und die Insel gilt als sicher. Endlich kann der Kite ausgepackt werden und ich fange an viel Wasser zu schlucken. Vermute ich mal so. Lisa ist der felsenfesten Meinung, dass sie auch mir das Kiten beibringen will. Na dann.

 


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Am Scheideweg

Liebe Leser, die Zwangspause auf den Bahamas wegen diverser Wehwehchen und Krankheiten, aber auch schlechter Wetterverhältnisse hat uns viel Zeit geschenkt. Vor allem Zeit zum Denken. Dabei wurde die eine Frage immer dringlicher, die wir bislang einfach verdrängt haben: Wie…

Tag 5 von Sieben auf einen Schlag

Und Progress an der ganzen Linie

Mel bringt heute die richtige Farbe. Einigermaßen pünktlich, wie versprochen und mit fünf Leuten ist das Deck schnell mit der neuen Antirutschfarbe gestrichen. Jetzt finde ich sie etwas kühl, aber es passt so besser zum Stil der MARLIN. Das wichtigste aber überhaupt: Mann und Frau haben jetzt endlich wieder Grib und Halt beim Laufen unter den Füßen an Deck und dass hilft allen. War ja schon lange nötig, dieser Anstrich. Meine Crew ist wieder ganz weit vorn, vor allen Dingen Lisa und Ronja sind fast nicht zu stoppen in ihrer unermüdlichen Energie. „Könnte ich davon Bitte 20 Liter abhaben?“

Martin ist Schweizer und der letzte von den Musketieren die ich hier vorstelle. Eher mein Jahrgang stoßen Martin und ich etwas aus der Truppe mit Beharrlichkeit heraus. Martin hat super seglerisches Gefühl und Temperament beim Erfassen und Lösen von Problemen. Nicht so wie ich, der die Schraube, dann eben herauswürgt, denkt er liebe darüber nach, warum die überhaupt festsitzt und schüttet vielleicht eher Essigsäure drüber um die Korrosion aufzulösen. So tut jeder sein seines zur Situation an Bord bei. Ich genieße jeden Tag, mit jedem von Ihnen. Ich habe selten eine so geile Crew gehabt. Keiner zickt: „Außer der Skipper!“, meint Lisa, wenn sie das liest. Meint es aber eher, weil sie mich ärgern will. Ich bin gespannt wie der Segeltörn verlaufen wird. Montag Nachmittag sind wir im Wasser und wenn alles klappt sind wir noch in der gleichen Nacht auf dem Weg nach West. Hoffentlich klappt alles. Das waren eine Woche lang genug Baustellen.

 


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Tag 4 von Sieben auf einen Schlag

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Restless

Ich bin heute etwas verwirrt. Die Wahl der Farbe der rutschfesten Farbe fürs Deck, also besser des Farbtons, gleitet mir wie Sand durch die Finger. Mittags stehe ich bei Melli im Farbenladen und alles wird schwierig. Ich selbst bin schwierig und heraus kommet ein Topf Farbe zum Testen. Den wiederum fängt Lisa an auf dem Dach des Deckshauses zu rollen. „Igitt Micha, die Farbe geht ja gar nicht.“ Der Farbklecks auf der Farbtafel hat nichts mit dem ekeligen Gelbschmierpastellton den die Farbe auf dem Deck erzeugt. Hmm. Das war wohl ein Griff ins Klo. Außerdem fängt es just in dem Moment an zu regnen, in dem Lisa anfängt zu rollen. Aber richtig. Es hat die ganzen Tage noch nicht ein einziges Mal geregnet. Immer gutes Wetter. Alle hören schlagartig auf zu arbeiten. Alle wollen an den Beach und sind der Meinung, ich sollte auch mal ne Pause machen. Ich also vom Beach noch mal in den Farbenladen. Lange Diskussion. Jetzt soll es dann doch ein helles Grau ohne Gelb werden. Morgen neuer Versuch.

Der ganze Farbenduft muss mich verzaubert haben, die Lösungsmittel, die Sonne der Tag, die schnelle Abfolge von Problemen, Lösungen, Erlebnissen… Mein Kopf meldet Overflow. Da ist der Beach die richtige Entscheidung. Endlich mal wieder im kühlen Nass ein paar hundert Meter Schwimmen beruhigt meine Nerven. Die Nacht beginnt heute früh für mich. Schnarch! Morgen ein neuer Tag.

 


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Internet für Segler

Eine der häufigsten Fragen per Email dreht sich darum, wie im Ausland das Internet an Bord kommt. Deshalb habe ich heute mal einen kleinen Artikel dazu geschrieben. Viel Spaß beim Lesen! Hier der Link.

Tag 3 von Sieben auf einen Schlag

Und nach dem kalten Regenschauer kommt der Sonnenschein.

Ronja ist ein Naturtalent. Nach ein bisschen Nachfragen und Denken habe ich dann herausbekommen, dass der Papa eine gut eingerichtete Zuhausewerkstatt hat und seine Kinder hat machen lassen. Das kommt mir doch irgendwie von meinem alten Herrn Vater ähnlich vor. Somit ist mir schnell klar, dass man Ronja einfach lassen machen kann. „Ab sofort bist Du für Spachtelarbeiten zuständig. Du bist befördert. Gut machst Du das!“ Lisa ist ebenso am Start und Supervisor für die neue Non-Skid Beschichtung unseres Decks. Sie stellt sich so gar nicht dumm an, ganz im Gegegnteil. Mensch, was habe ich ein Glücksgriff getan. Und sympathisch sind die beiden auch. Eigentlich wollte ich das Antiskid Projekt ja gestern schon abblasen, doch dann kam alles anders. Während meine Crew zum Schwimmen im Meer auf der anderen Seite der Insel ausgeflogen ist, baut mich Nathalie via Skype wieder auf, versucht sie zumindest. Ohne viel Hoffnung gehe ich ins Bett, stehe am nächsten Morgen um fünf auf und bestelle ein neues Kopflager bei Jefa in Dänemark. Zwei Stunden später stellt sich heraus, dass Fedex die Ersatzteile aber erst Mitte der kommenden Woche anliefern kann. „So viel Zeit haben wir aber nicht.“ Also Kehrtwende. „Alles zurückbauen…“, fange ich mit dem Morgenmeeting an. Dann klopft es an die Bordwand der MARLIN.

Merlin, der indische Mechanikzaubermeister steht auf der Leiter. Sichtlich nervös. „Ich weiß jetzt wie wir das machen…“ „Wo warst Du gesten?“, frage ich vorsichtig nach. „Ach ja, so ein wichtiges Date in Port of Spain. Aber jetzt bin ich hier und weiß wie es geht. Gemeinsam sitzen wir im Motoraum, diskutieren die Möglichkeit die Propellerwelle nach innen zu ziehen. Gesagt getan. Es fehlen drei Zentimeter. „Merlin, ich sehe was Du machen willst. Du willst den Motor 4cm anheben. Mach. Ich gehe in die Stad und kaufe Farben und Ersatzteile.“ Als ich am Mittag wieder komme ist das Problem Ruder und Propellerwelle gelöst! So einfach kann das sein. Ich hätte Jahre gebraucht um das Problem so zu lösen. Ist eben doch gut wenn man sich auf eine Sache konzentriert und diese lange in seinem Leben macht.


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Tag 2 von Sieben auf einen Schlag

Alles scheitert am Ruder

Das ist Johannes. Johannes ist Kühlmaschinenmechaniker. Sprich er kann mit Hammer und Schraubenschlüssel umgehen. Da hab ich natürlich nicht nein gesagt, als er angefragt hat mitzukommen. Den Karnevaldienstag verbringt er quasi mit mir im Motorenraum um die Propellerwelle herauszubekommen. Es gelingt zwar nur halb, aber wir geben nicht auf. Die Kommunikation ist etwas schwierig von meiner Seite. Johannes kommt aus Bad Tölz und ich verstehe ihn einfach nicht. Ständig muss ich nachfragen, was er denn meint, mit dem Kauderwelsch, was er so von sich gibt. Wir holen Hilfe von außen und ein Inder versucht sich dann mit einen neuen dickeren Hydraulikzylinder. Endlich kommt die Propellerwelle aus ihrem Sitz am Aquadrive. Doch damit nicht genug. Um die am Ruder vorbeizubekommen muss das Ruder zu mindestens abgesenkt werden, kann dann Dank der seitlichen Bewegungsmöglichkeit des unteren Lagers, 5° zur Seite geneigt werden, aber das geht gar nicht. Am oberen Lager ist die Befestigung so dermaßen korrodiert, dass das dort trotz einer aufwendigen Stempelkonstruktion mit 8 Tonnen Last gar nichts mehr geht.

Nicht ein Stück bekommen wir das Ruder aus seiner Hülsenhalterung. Salzwasser hat sein ganzes Werk getan. Der Inder kommt gar nicht mehr wieder. Heute ist der Tag zu Ende. Der Rest der Crew hat den Salon wieder in Schuss gebracht. Über dem Skipper fliegen schwarze Rauchwolken. Ob es morgen besser wird?

 


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Tag 1 von Sieben auf einen Schlag

Die Welle muss raus!

Das wassergekühlte Schaftlager am Ausgang der Propellerwelle ist etwas ausgeschlagen und muss raus. Dazu muss die Welle raus, dazu desweiteren muss das Ruder raus, weil es im Weg ist und dazu muss im schlechtesten Fall die MARLIN mit dem Kran angehoben werden. Und dazu muss das Vorstag gelöst werden und dazu muss die Genua runter. Das das ganze „Wenn-Dann“ Spielchen mir ordentlich graue Haare machen wird steht außer Frage. Das die Wellenlager von Propellerschaft und Ruderschaft durch Salzwasser-Korrosion unweigerlich festgebacken sind, war mir zu dem Zeitpunkt der „Grauen Haare Kalkulation“ noch nicht klar. Solange also Du überlegst Dir eine eigenes Boot kaufst oder lieber bei mir mitsegelst oder was anderes charterst – guter Rat, heute gar nicht teuer – Besser kein eigenes Boot. Ist auf jeden Fall entspannender und wesentlich günstiger.

Den Tag beginne ich noch mit einer kleinen Einweisung meiner hochmotivierten Crew. Ich lege alles an Diplomatie an, was nur geht. Ohne die vier Musketiere bekomme ich das Aufgabenpaket nicht gebacken. Dafür gibt es danach eine Woche abenteuerliches Segeln. Das ist der Deal. Alle packen mit an. Echt. Tolle Crew. Ab Mittag wechsle ich zum Blaumann und schraube und fluche selbst mit. Bis zum Abend ist der Propellorschaft immer noch an seiner Stelle im Aquadrive. Zurückbauen ist die aktuelle Entscheidung. Wir bekommen trotz zweier Hyraulikstempel nicht aus der Pressbuchse des Aquadrives heraus. Morgen werde ich einen Profi fragen. Segeln können wir trotzdem. Aber irgendwann muss das ja mal gemacht werden und jetzt sind wir grade an Land.


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Shop Teaser Guido Dwersteg ebook „Einhand um den Atlantik“

11.000 Seemeilen – 146 Seetage – 12 Länder – 1 Segler.

Das sind die Eckdaten von Guido Dwerstegs beeindruckender Einhand-Atlantikumrundung in den Jahren 2012 bis 2014. Nach seiner vielbeachteten Filmdokumentation hat er nun ein Buch geschrieben. Wir freuen uns sehr, das Ebook „Einhand um den Atlantik“ ab sofort bei uns im Shop anbieten zu können. In gewohnt authentischer und humorvoller Handschrift zeigt Guido wie viel Spaß Segeln machen kann und wie man einen herausfordernden Törn auch ganz unkompliziert angehen kann. Wer sich für die realistische Machbarkeit eines längeren Törns interessiert und gleichzeitig gut unterhalten werden möchte, liegt mit Guidos Ebook ganz sicher richtig.

Will ich haben

Auch Hobbykapitäne haben Pflichten

ADAC gibt Tipps für Anfänger und Einsteiger bei der Yachtcharter

ADAC gibt Tipps für Nachwuchsskipper.

ADAC gibt Tipps für Nachwuchsskipper und Charterneulinge.

Bei den ersten Törns können Einsteiger schnell überfordert sein. Sie sollten deshalb zunächst mit einem erfahrenen Skipper in See stechen. Der ADAC hat zusammengefasst, was Neukapitäne beachten müssen.

Auf fast allen Revieren dürfen Hobbykapitäne mit dem Sportboot ohne Führerschein fahren. Wer ein Motorboot steuern will, benötigt erst ab einer Leistung von 15 PS einen Bootsführerschein (Ausnahme: Rhein und Bodensee). Charterscheinreviere dürfen ohne Führerschein mit dem Hausboot befahren werden. Ausreichend ist die sogenannte Charterbescheinigung, die eine mindestens dreistündige Einweisung erfordert.

Grundsätzlich sollte sich die Crew über die Besonderheiten eines Reviers informieren und das Wetter im Auge behalten. Sie muss vor Fahrtantritt den Schiffsführer bestimmen und die jeweiligen Notrollen durchsprechen. Das Schiff sollte sicher und gut gepflegt sein. Der ADAC empfiehlt, das gecharterte Schiff vor dem Törn auf Schäden zu untersuchen und Mängel im Übernahmeprotokoll zu dokumentieren. Hobbykapitäne erkennen seriöse Flottenbetreiber unter anderem an einer umfassenden Einweisung und Übergabe. Außerdem ist es wichtig, dass alle behördlichen Vorgaben erfüllt sind. Dazu gehört das Einhalten von Wartungsintervallen für Rettungswesten- und inseln sowie für Seenotsignalmittel. Der Schiffsführer kann sich überdies mit einer Skipperhaftpflichtversicherung absichern.

Zur richtigen Ausrüstung von Skipper und Crew gehören Ölzeug, Handschuhe, rutschfestes Schuhwerk und ein Multifunktionswerkzeug. Jedes Crewmitglied sollte seine auf ihn eingestellte Rettungsweste griffbereit haben. Gegen die Seekrankheit sind weder Profis noch Anfänger gefeit. Neben Medikamenten kann es hilfreich sein, an Deck zugehen, den Horizont zu fixieren oder Seekranke mit Aufgaben abzulenken.

Im Notfall kann die Crew mit einem Sprechfunkgerät über den UKW-Kanal 16 und 70 (DSC) ein Mayday absetzen. An den deutschen Küsten erreicht man die Seenotleitung auch über +49 421 53 687-0. Das Mobiltelefon ist kein ausreichender Ersatz für das Funkgerät.