Monatsarchive: Dezember 2015

Nur weitersegeln hilft

20151210

Gegen das Fernweh gibt es einfach keine Medizin

Ja. Wir sind angekommen. Und Schwupps sind Miki und Richard auch schon von Bord. Nein, alles gut. Keine Flucht vorm großen Skipper, sondern große Sehnsucht nach Hof und Heim. „Und habt ihr euch jetzt infiziert? Wollt ihr jetzt ums Kap Hoorn segeln mir mir?“ Große Augen beim Abschlussbier an Land. „Nee Micha. Wir wollen in Zukunft mit Familie und Freunden in Kroatien von Restaurant zu Restaurant segeln. War ja sehr schön und aufregend mit Dir über den Atlantik, wirklich eine Challenge, aber einmal reicht.“ Miki und Richard sind sich einig und ziehen an ihren Zigaretten, paffen den blauen Qualm gemütlich in die Luft. Beide sind glücklich. Ich auch. 101 Tage ohne Kippe und meinen ersten Trip mit rauchenden Gästen ohne damit ein Problem zu haben. Leben & Leben lassen. „Ich würde euch jederzeit wieder mitnehmen zum Segeln übers Meer, übers Meer…“, ich grinse: „Richard Du steuerst Hand, besser als der Autopilot und Miki, Du bist ein begnadeter Schiffs-Koch. Warten wir mal ab was passiert in euren Köpfen in den nächsten Monaten. Wir bleiben in Kontakt.“ Ich verabschiede mich von den Beiden und wenig später auch von Susann, die nach vier Wochen ihren geliebten Ehemann Thomas heute sieht und eine Honeymoon Suite im Norden der Insel angemietet hat (Boa! Spass!) Der mag keinen Knoblauch und deshalb hat Susann das letzte Mittagessen verschämt. „Du solltest die Frage in den Fragebogen aufnehmen, ob der Anwärter zum Mitsegeln große Mengen Knoblauch und Chili im Essen verträgt. Ansonsten bist Du aufgeschmissen!“ Ich grinse wieder. „Wird gemacht!“ Susan ist infiziert vom Hochseesegelvirus. Da brauche ich gar nicht fragen. Ob sie noch mal mit mir segelt oder lieber mit einem Ex-Vende Globe Schiff? Wahrscheinlich letzteres. Sie kann den Hals nicht voll bekommen.

Zurück an Bord ist da noch Chris, der noch bis Sonntag bleibt und Claudia, die bis zum bitteren Ende auf den Skipper aufpassen wird, dass der keine Weihnachtsdepression bekommt.

Wie es weitergehen könnte 2016, sieht man oben im derzeitigen Passageplan. Was meint: Weitergehen wird. Richtung Curacao ist alles unklar. Keine Mitsegler derzeit. Wer also noch nichts zu tun hat zwischen dem 8ten und 22ten Februar 2016, der melde sich jetzt! Kuba geht erst wieder ab Mitte April, bis dahin ist alles ausgebucht. Dann geht es in die Jardines, nach Isla Juventud, Havanna und den Rest siehst Du ja. Aber wie gesagt, dass brüte ich grade aus. Erst mal muss ich mich um die MARLIN kümmern.

Morgen ist frei, St George angesagt, Wochenende und Co. Nächste Woche stehen wichtige Entscheidungen an. Wo und wann die MARLIN an Land kommt, was gemacht wird und und und…

 


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Lobster & Co

 

20151207

Paradies Tobago Cays erreicht

Da wir so schnell über den Atlantik gesegelt sind und auch rechtzeitig am Start auf den Kapverden waren, kommt meine Crew nun in den Genuss, noch eine Woche Karibik zu erleben, anstatt sich direkt in den Flieger zu setzten und wieder ab ins Hamsterrad zurückzukehren. Leider nutzt nur Chris und Claudia diese Möglichkeit. Miki, Richard und Sue gehen vorzeitig von Bord. Sue allerdings, weil der geliebte, vermisste Ehemann Thomas, zum turteln nach Grenada kommt. Bis Mittwoch haben wir Zeit das Leben genießen in den Tabago Cays, wo Milch und Honig vom Himmel regnen. Dann soll es weiter nach Grenada gehen.

 

Wir kommen in die bekannte Anchorage. Ich erwarte hundert Katamarane um diese Jahreszeit. Aber es sind nur zehn. „Das ist ja wie Weihnachten.“ Der Anker fällt etwas abseits des Ankerfeldes ins türkisblaue Wasser. Alle staunen und kaum ist die Badeleiter an ihrem Platz, tauchen, schnorcheln und prusten die Gemüter um und unter der MARLIN im 28 Grad warmen, kristallklaren Wasser was vom offenen Atlantik über die Riffkante zu uns gespült wird. In den Tobago Cays, liegt man direkt hinter der Riffkante vor Anker, fühlt den stetigen Passatwind, der kühlend durchs Schiff zieht. Nen bisschen gemein zu lesen für die Glühweintrinkenden Freunde und Leser im kalten Nordeuropa. Wir haben das verdient.

 

20151207a

Auch Chris war schon mal hier als Skipper und kennt sich aus. Er übernimmt die Organisation des „Must Do Lobsteressen!“ Die Taxiboote aus Union Island haben hier alles im Griff. Sie bringen Brot am Morgen, Bier am Nachmittag und den Müll nehmen sie auch mit. Perfekt organisiert. Alles kostet, was bei unserem einmaligen Kurz-Besuch nicht so sehr ins Gewicht fällt und immer noch als günstig anzusehen ist im Vergleich zu den teuren Restaurant in Grenada. So verbringen wir den ersten Mittag unter den Palmen am Grillplatz der Locals und lassen es uns gut gehen. Es gibt riesige Lobster. Für jeden einen. Ich bekomme den größten. Wir essen so gut, dass zumindest ich fast platze und erst einmal eine Siesta auf einer der Bänke neben einem Einheimischen einlegen muss. Das heißt hier „Limen“ (übersetzt etwa: Rumhängen, Nichts machen, Chillen etc.) Später am Tag bringen wir Helmut (Unser 30PS Außenborder heißt Helmut Schmidt weil er so qualmt) ans Red Dinghy an. Jetzt geht es ab. Jetzt sind wir mobil und erreichen in kürzester Zeit jeden schönen Winkel der Cays. Taucherbrillen, Flossen werden rausgekramt und los geht es zum Schildkröteninsel. Aber keine da. Dann ans Außenriff. Mikki sieht und filmt tatsächlich einen Schwarzspitzen Riffhai! Suasann und ich schnorcheln gegen die starke Strömung über die Riffkante. Leider ist das Riff hier durch die Wirbelstürme und Korallenbleiche tot. Ein einsamer Drückerfisch beäugt mich interessiert. Ich denke direkt an Bratpfanne. Der Drückerfisch kommt näher: „Du darfst hier nicht speeren. Haha!“

Zwei Wochen Segeln ohne Alkohol erzeugt ein Party Nachholbedürfniss. Es wird feucht, es wird laut und spät. Die guten spanischen Rioja und Malbec Weinvoräte aus Skippers Weinkeller werden drastisch abgebaut. Na ja. Zu alt darf der Wein ja auch nicht werden.

 


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LaLüLaLa. Living Karibik

20151206

Angekommen auf Union Islands

Is klar. Wir kommen natürlich am Wochenende an. Das wird teuer. Overtime heißt das magische Wort. Am Wochenende kann auch Frau Susann Lach nur am Flughafen einklarieren, was definitiv überteuert ist. Alles hat allerdings auch seinen Grund. Wir wollen in die schönen Tobago Cays zum schnorcheln. Dahin geht es aber nur einklariert oder man muss von den ganz harten Goverment-Ignorern sein. Kann ich ja eigentlich ganz gut, werde ich aber nicht vermitteln. Deshalb geht alles der Ordnung halber. „Susann. Füll doch bitte mal die Papiere aus.“

 


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Land in Sicht

20151205

Landfall in Union Islands

Unsere MARLIN, die rennt die letzten Meilen was das Zeug hält. Gut macht sie das. Ordentlich wackeln tut sie auch dazu. Hier die Daten der Atlantiküberquerung 2015: 13 Tage, 5 Stunden und 30 Minuten, 2.438 geloggte Seemeilen durchs Wasser, 2.371 Meilen über Grund, direkte Strecke 2.156 Meilen, 179 Seemeilen pro Tag, 7,46 Knoten durchschnittliche Geschwindigkeit. Nen bisschen langsam finde ich persönlich. Gerne hätte ich einen Durchschnitt von +8 Knoten gemacht, die MARLIN auch, aber ganz ehrlich: Es soll auch allen Spaß machen. Was mich am meisten an diesem Törn begeistert hat war, dass keiner der auch nur im Geringsten seekrank geworden ist. Direkt dahinter hat mich die Ausdauer der weiblichen Crew beeindruckt. Immer wieder gerne. Unsere MARLIN aber hat das höchste Lob verdient. Ganz klar nach dem Motto: SAFETY FIRST! Hat sie uns 100% anstandslos über den Atlantik gebracht. Mal abgesehen von Verschleiß und Bagatellschäden durch Fehlbedienung gab es keine große n Probleme. Gut gemacht MARLIN.

So. Und jetzt sind wir angekommen. Großzügig, wie Miki sich gerne gibt, hat er uns alle zum Essen an Land eingeladen. Danke hierfür Miki. Alle liegen in der Poofe, ich darf noch ein bisschen in Ruhe an der Tastatur hacken, ein letzten Rum trinken und dann auch danieder fallen. Morgen einklarieren und dann ab in die Tobago Keys. Jetzt Karibik Urlaub. Das haben sich alle verdient.

 


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Skippers Wache

20151203

Springer

Was für meine Crew neue Erfahrungen sind, ist für mich unterbrochener Schlaf. Bei einer 7er Crew wäre ich einfach nur Springer und immer da, wenn es notwendig wird. Bei unserer 6er Crew bin ich allerdings teilhabend an der Wache. In Susann’s letztem Bericht habe ich in der gesamten Nacht vielleicht drei Stunden geschlafen. Das macht sich natürlich auch bemerkbar. Ich versuche stundenweise meinen verpassten Schlaf nachzuholen. Deshalb habe ich der Crew in der letzten Nacht Autopilot verschrieben und folglich außer in meiner Wache durchgeschlafen. Das tut allen gut. Heute sieht es nicht so gut aus, denn wieder einmal stehen dunkle Wolken am Horizont. Sehr dunkle Wolken. Schon um 16 Uhr übernehme ich das Steuer und bleibe da auch bis fast Mitternacht. Es windet mit teils 38 Knoten, die Segel werden immer kleiner und kleiner.

 

20151203a

Das war’s vielleicht vorerst mit dem Schleppangeln auf dem Atlantik.

Schon im letzten Jahr, bei der letzten Atlantiküberquerung von den Bahamas über die Azoren nach Europa, war das Fischen mit Schleppleine extrem schwierig, wegen dieser Algen. Früher kam so etwas äußerst selten von. Inzwischen segeln wir seit den kapverdischen Inseln ununterbrochen durch Algenfelder. Also gut 2.200 Seemeilen. Das sind tausende von Tonnen. Das Zeug verfängt sich in der Angelleine und bildet am Harken einen dicken Knoten. Die Köder verfangen sich und gehen verloren. Das kein Mahi Mahi oder Wahoo in diesen Köder reinbeißt ist natürlich ebenfalls klar. Was ist das? Eine neue Plage, ein Wink der Natur. Wächst das Zeug irgendwo am Meeresboden oder an der Wasseroberfläche?

 

20151203b

Kein 200er Etmal

In einer meiner letzten Nachtwachen, mag es vorgestern gewesen sein, habe ich versucht um 00:00 Susann, Claudia und Chris zu motivieren das letzte bisschen Speed aus der MARLIN heraus zu holen. 20-25 Knoten raumschots Wind waren angesagt. „Das sind die richtigen Bedingungen um das 203 Meilen Etmal der MARLIN zu knacken…“ Chris und Susann sind sofort begeistert dabei und geben in ihrer folgenden Wache alles, im30 Minuten Wechsel um relativ übertakelt, möglichst permanent über neun Knoten zu segeln. Jede Stunde tragen sie ihre Position in die Karte ein und überprüfen ihren Erfolg. Ich stelle mir den Wecker für vier Uhr morgens, um auch Richard und Miki zum Mitmachen zu motivieren. Doch ohne dass es ausgesprochen wird, fühle ich grade bei Richard, dass er eigentlich gar keine Lust hat mitzumachen. „Warum haben wir es denn plötzlich so eilig? Nur wegen der Zahl 200?“ Miki, der schon zu Beginn unserer Reise geklärt hat, dass er nicht Segeln lernen will, nickt nur. Um acht Uhr übernehme ich wieder mit Claudia das Steuer. Alle gemeinsam rasen wir die Wellenberge des Atlantiks gen Westen runter. Gegen Mittag kommen die einzelnen Helden der Nacht ins Cockpit und ich meine, Unwollen zu spüren, ohne dass meine Mitsegler etwas sagen. Der Baum der MARLIN zieht regelmäßig durchs Wasser. Das Heck der MARLIN tänzelt im Kielwasser. Die Beschleunigung macht das Leben auf der MARLIN anstrengend. „OK. Dann lassen wir das wohl besser mal. Schaun wir mal zum Mittagsbesteck, was die 12 Stunden so gebracht haben und dann reffen wir wieder die Genua auf Normalgeschwindigkeit.“ Richard nickt zufrieden. Wenig später kommt Claudia vom Kartentisch. „Also, in den letzten 12 Stunden sind wir 103 Meilen über Grund weiter gekommen!“ Ich klatsche. Aber ich klatsche alleine. Da wird mir klar, dass ich auf dem Holzweg bin. Da ist wohl was schief gelaufen. Sollte ich mal drüber nachdenken.

In der Nacht von Freitag auf Samstag werden wir Barbados passieren und schon am Samstag Nachmittag wir unser Ziel Union Island am Horizont erscheinen. Ich auf der Rettungsinsel und schaue in das karibikblaue Kielwasser der MARLIN. 2.200 Meilen liegen jetzt schon hinter uns. Immer wieder eine unglaubliche Reise, so ein Atlantiküberquerung mit all ihren Facetten, Farben, Emotionen. Ich bin ein Junkie der See. Ich liebe dieses Blau, ich liebe es auf dem weiten Meer zu sein und mein Gedanken über den Horizont schwirren zu lassen. Ich liebe und brauche es frei zu sein.

 


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Hundewache

 

20151202

Wir wissen genau was zu tun ist! Oder wann eine „schwarze Wolke“ eine ,,schwarze Wolke“ ist.

Beginnen wir am Anfang der Hundewache. Die letzten 2 Tage hatte ich das Vergnügen mit Chris die 00:00 bis 04:00 Uhr Wache zu teilen. Chris ist von uns ,,Gästen“ der erfahrenste Segler, hat schon 8.000 sm auf dem nicht vorhandenen Buckel, davon 5.000 als Skipper. Wir teilen uns halbstündlich das Ruder, der Autopilot bleibt aus. Da sind wir uns einig. Der Himmel ist tiefschwarz, die Sterne funkeln wieder mal um die Wette. So weit so gut. Wir freuen uns, dass seit einem Tag und insbesondere in dieser Nacht keine Squalls in Sicht sind und, ,,böser Fehler“ artikulieren dies. Die um 01:00 Uhr ins Logbuch getragene fast nicht vorhandene Bewölkung von einem Achtel wird schlagartig dichter, die erste schwarze Wolke naht. Wir wissen genau was zu tun ist. D.h. wir fallen ab, wir segeln mehr vor oder laienhaft ausgedrückt mit dem Wind. Die Marlin liegt sofort ruhiger im Wasser, die Böe wirkt nicht mehr bedrohlich, nach 5 Minuten ist alles vorbei. So weit so gut. Der letzte Squall ist gerade durch, da entdeckt Chris schon wieder eine schwarze Wolke, die deutlich größer und bedrohlicher aussieht, wie die bisherigen dieser Nacht. Wir beginnen die eingangs gestellte Frage: Wann ist eine schwarze Wolke eine böse Schwarze Wolke, zu diskutieren. Der eklatante Unterschied, der sich direkt daraus ergibt, liegt darin, dass wir im zweiten Fall den Skipper wecken sollten? Wir entscheiden uns dafür, natürlich mit einem leicht schlechtem Gewissen. Brav erscheint Micha, beäugt den Himmel, in seinem Gesicht sehe ich ein klein wenig Unverständnis, mein schlechtes Gewissen wird größer. Zu meiner Überraschung reffen wir dann das Großsegel doch. „Wenn ihr schon ein komisches Gefühl habt, dann sollten wir dem nachgeben“, die Erklärung dazu. Nach 4 Minuten ist alles erledigt, der Skipper verabschiedet sich mit dem Rat, die Genua rein zu holen, da sie bei dem Kurs eh keinen Wind abbekommt und bei plötzlichem Wind, zB. Einem Squall, die MARLIN übertakelt in den Wind schießen lässt. Ich denke: ,,Das stimmt, aber sie stört ja keinen und wenn sich die Windrichtung ändert, bekommt sie ja wieder Wind. Ich bin am Steuer, der Wind frischt merklich auf. Einen Moment surft die Marlin mit der Welle, Glücksgefühle durchströmen mich. Es ist schon ein tolles Gefühl, ein so großes Schiff, mit 10kn auf der Welle zu balancieren. Nach einem kurzen Blick auf den Windmesser, der 30kn Wind anzeigt, folgt die schlagartige Ernüchterung. Chris dacht wohl das gleiche. Wenn die Genua jetzt ,,Wind fängt“ können wir die Marlin nicht mehr halten. 30 sec. später luvt sie an und lässt sich, trotz maximalem Krafteinsatz meinerseits, nicht mehr auf ihren Kurs vor dem Wind zurückzwingen. Jetzt muss die Genua sofort rein, hat der Skipper doch mal wieder Recht gehabt. Dieser, jener erscheint ,,just in time“ im Niedergang, er ist wohl bei diesem ,,wildem Ritt“ aus dem Bett gefallen. Unsere Schicht ist fast zu Ende, noch 15min. Miki und Richy machen sich schon bereit. Micha bleibt für den Rest der Nacht wach, Chris und ich gehen schlafen. Für die nächste Nacht haben wir eine Erfahrung mehr. Gut so!

 


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Femininer Segelpower auf der MARLIN

20151201

Susann an den Tasten

Der Atlantik rauscht unter mir dahin. Ich liege in meiner Koje und höre deutlich das Wasser an der Marlin entlanggleiten. Sie rast durch Meer, auf jeden Fall hört es sich so an. Kurz kommt mir der Gedanke, dass zwischen mir und den 4000 m bis zum Grund nur 8mm Aluminium liegen. Der Gedanke verschwindet so schnell wie er gekommen ist. Auf der Marlin fühle ich mich sicher, in der Zwischenzeit ist sie mir so vertraut, wie mein Wohnzimmer, heimelig und sicher.

Dass sich diese Gefühl einstellen konnte, hat natürlich auch mit meinen Mitstreitern zu tun. Zum Beispiel mit Claudia. Mit ihr teile ich mir die Koje im Vorschiff. Sie ist super nett und schläft sehr ruhig. Da wir nebeneinander und nicht übereinander in Stockbetten schlafen wie die Männer in den Achterkojen, ist das sehr praktisch. Die letzten 2 Tage und Nächte hatte wir zusammen Wache, Segel gerefft und wieder ausgerefft, gesteuert, geplappert, einen Tanker, der Richtung Venezuela fuhr und heute Morgen Delphine gesehen. Manchmal besucht sie mich in meiner ,,Freizeit“ im Dinghi auf dem Vorschiff und wir halten einen Schwatz. Ich bin froh, sie dabei zu haben.

Seit gut 2 Wochen machen wir sechs nun schon zusammen ,,Urlaub“. Die ersten Tage hatten sich allerdings nicht wirklich nach Urlaub angefühlt. Zu viel hatten wir zu tun, zu wenig wirklich freie Zeit. Auch ein Rhythmus konnte sich nicht wirklich einstellen.

Sein 10 Tagen hat sich das zum Besseren gewendet. Die Tage gleiten gleichförmig dahin, ohne je langweilig zu werden. Das Meer, die Wellen und den Himmel an zu schauen bedarf täglich mehrere Stunden, das nennt man wohl Entschleunigung. Zwei mal am Tag habe ich, wie alle, 4h Wache, einmal am Tag, einmal in der Nacht. 7-8h Schlafen, je nach Wache am Stück oder in Etappen, kochen, essen abwaschen und schon ist wieder ein Tag vorbei.

Verflixt, zum Lesen oder Musik hört bin ich wieder nicht gekommen. Na ja, ein paar Tage sind ja noch übrig.

 


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Wenn Fischerboote reden könnten. Ein Spaziergang durch den Hafen von Catania.

Es ist halb neun Uhr morgens im Hafen von Catania. Einer nach dem anderen kommen die Fischer herein, die die Nacht über draußen waren. Und laden aus, was sie über Nacht gefangen haben. Auf dem Achterdeck eines Fischers stapeln sich Kisten an Kisten: Obststeigen voller Heuschreckenkrebse. Styroporkisten mit Rotbarben, Drachenköpfen, Meeräschen, Meeraalen, alles bunt durcheinander. Blaue Bottiche voller Meerwasser, in denen Seespinnen die Fühler ausstrecken. Es riecht nach Tang und frischem Seegras, zwei Männer in knallorangen Latzhosen spülen mit  dickbauchigem Schlauch immer wieder den Inhalt der Kisten kräftig durch. Männer auf der Pier, die den Fang der Nacht kritisch beäugen, fachmännische Kommentare abgeben. Einer, der das Kommando hat auf der Pier, vielleicht der Großhändler, der mit dicken Bündeln Scheinen wedelt und dabei ständig „Luigi“, „Pepe“ ruft und die Männer hin und verscheucht, bis Steigen, Kisten und Bottiche endlich verladen sind auf ein kleines Dreirad, eine APE. So vollgepackt ist sie, dass ihre Hecktüren sich nicht schließen lassen. Zwei Männer bändseln endlich die Türen zu mit einem abgerissenen Strick, bis sich die APE qualmend, ruckelnd, spuckend aus dem Hafen bewegt, Richtung Kochtöpfe.

Die Fischer stecken sich eine Zigarette in den Mundwinkel, die wievielte dies Nacht. Die Männer auf der Pier verlaufen sich, die Arbeit ist getan. Zurück bleiben an diesem Morgen die Boote der Fischer, die im Schwippschwapp des Hafens behäbig schaukeln. Und darauf warten, dass die Fischer wiederkommen in ein, zwei Tagen, irgendwann am Abend, und in der Dämmerung wieder rausfahren, mit gespannten Mienen. Ohne die Männer an Deck und auf sich selbst gestellt, sind sie nun kleine Persönlichkeiten. Gesichter, die mir im Hafen begegnen.

Nehmen wir einmal PAOLA und NUNZIELLA. Wie Schwestern schaukeln die beiden einträchtig nebeneinander. Als kennten sie sich schon ein Leben lang. PAOLA jedenfalls, die ihr Besitzer wie die meisten hier in leidenschaftlichem Rot innen gestrichen hat, hat schon einiges erlebt, das sieht man den Kisten und Verschlägen auf dem Verdeck an. Aber sei es, um nur ja nicht zuviel preiszugeben; sei es, um die kostbare Inneneinrichtung zu schonen, hat PAOLA’s Eigentümer die Vorhänge hinter den beiden Fenstern geschlossen, über die er mit ungelenker Hand und dickem Faserstift die fünf Buchstaben mittig hingepinselt hat.

Etwas einladender geht es auf dem nächsten Fischkutter zu. Die Tür zum Inneren steht einladend offen. Ein Stuhl vom Campingplatz kündet davon, dass der Fischer auch noch Andres kennt als „Giro d’Affari“, das italienische Wort für Umsatz. Er scheint ein Freund der Gemächlichkeit zu sein, körperliche Arbeit? Die kann man doch im Sitzen erledigen. Während sein Schiff etwas verkniffen aus drei verhangenen Augen in die Welt schaut. Irgendeine Unzufriedenheit, die darüber lagert. Den Luftfilter im Motor zulange nicht ausgeklopft? Die Bilge länger nicht leergepumpt? Jedenfalls sagt das Gesicht mit verdrießlicher Miene: Es liegt was quer.
Setzen wir unseren Spaziergang auf der Mole an diesem Morgen weiter fort. Die Kleine da, mit dem hellblauen Hut. Sieht sie nicht gleichmütig aus, mit dem zusammengekniffenen Mund? Natürlich sind auch bei ihr die Vorhänge rammeldicht zugezogen, mit etwas Wehmut denke ich mich nach Holland, wo anders als in katholischen Gefilden immer alles offen steht an Fenstern. Wo jedermann sehen darf, dass es in diesem Haus rechtschaffen und gottesfürchtig zugeht. Aber dies ist nun mal Sizilien, Italien überhaupt: Ich kenne kein Land, in dem das private Leben so abgeschottet hinter den eigenen vier Wänden stattfindet wie Italien.

Endlich offenherzig zeigt sich dieses Fischerboot. Und siehe da: Im Inneren gibt es nichts Spektakuläres zu sehen. Ein Gashebel, ein Steuerrad, ein wenig Elektronik, die man so braucht. Funke, GPS, ein paar Schalter für die Lichter. Eine Gefriertruhe mit rostigem Deckel an Deck. Der Laderaum dürftig verschalkt, von einer Kette zusammengehalten. Vielleicht stimmt ja der Satz: „Reich ist nicht, alles zu haben. Reich ist, wer weiß, was er alles nicht braucht.“
Weiter links wieder ein Geschwisterpaar. Der Besitzer scheint die Farbe rot zu mögen, selbst ins Blau des Deckshauses ist kräftig Rot gemischt. Etwas streng sieht es mich an, das blaurote Gefährt, als ich so vor ihm stehe und versuche, ihm tief in die weit auseinandersetzenden, rotverhangenen Augen zu sehen. Nicht unser Tag heute. Man kann nicht jeden Tag ein Lächeln im Gesicht tragen. Warum eigentlich nicht?
Ach ja. ROSARIA. Da ist nun jemand wirklich stolz auf sein Schiff. Nein, schiere Größe zählt gar nicht. Nur das Glück. Und so prangt nicht nur der schöne Name auffällig über allem, nein: Sogar mit Sternchen versehen ist er, eins links, eins rechts. So, als wollte der Besitzer sagen: „Das ist nun die siebzehnte – aber so glücklich wie mit ROSARIA war ich mit keiner zuvor!“ Es bleibt nun uns überlassen, darüber zum mutmaßen, ob nicht noch andere Liebe im Spiel ist als nur die zu einem Boot. Und bei er Namensgebung nicht noch ein Jubel im Spiel war, endlich, endlich das richtige Du gefunden zu haben.

SANTA LUCIA hingegen blickt in verschiedenen Richtungen in die Welt: Nach links. Nach vorn. Nach rechts. Verhangen ist auch ihr Blick aus dem etwas breiten Gesicht, das ihr einen Hauch Würde verleiht. Da ist natürlich der Name nicht unschuldig. Santa Lucia, die Patronin aus dem wenige Seemeilen entfernten Siracusa: Ein eifersüchtiger Bräutigam, ein ungnädiger Richter, der sie während der diokletianischen Christenverfolgung in Siracusa ob ihrer christlichen Tugend und Standhaftigkeit zur öffentlichen Schändung ins Bordell verurteilte. Weder tausend Männer noch ein Ochsengespann (sic!!) waren in der Lage, so fortzuschaffen, sie blieb im Gerichtssaal wie angewurzelt. Nicht Pech, nicht Schwefel, nicht Feuer konnte ihr etwas anhaben. Bis sich einer erbarmte. Und ihr endlich ein Schwert in den Hals stieß. Dass derlei Geschichten bei der Namenswahl des Bootes eine Rolle spielten, darf bezweifelt werden. Santa Lucia ist einfach die Lokalheilige, und ihr Fest wird jetzt im Dezember in Siracusa ganz sicher gebührend gefeiert. Wie auch im bayerischen Fürstenfeldbruck die Kinder an diesem Tag das Lucienfest feiern. Und kleine selbstgebastelte Häuschen mit einer Kerze in der Dämmerung auf der Amper aussetzen. So weit ist Siracusa ja nun auch nicht weg.

Vo anderer Denkungsart ist der Besitzer dieses Fischkutters: Der freie Geist! Da ist jemand mal von der Ethik-Seite gekommen, hat sich freigeschwommen und hat das jahrtausendealte Handwerk des Fischers ergriffen. SPIRITO? Ja sicher, Geist immer! Aber nicht SPIRITO SANTO, den heiligen Geist. Sondern SPIRITO LIBERO, den freien Geist, der über allem thront. Zu so einem Namen gehört Mut. Und Ausdauer. Und die Überzeugung, dass man das auch ein Leben lang durchhalten kann, mit dem freien Geist. Nicht verknöchert, nicht verspießert, zwar immer ordentlich die Holzkisten links aufs gewienerte Vordeck sortiert, aber doch ein freier Kopf bleibt, bis ans Ende seiner Tage.

Beenden wir nun unseren morgendlichen Spaziergang durch den Hafen von Catania. Noch schnell ab in die BAR DEL PORTO, über die ich im letzten Post schrieb, wo nun der eine oder andere Fischer zusammen mit den Hafenarbeitern am Tresen steht, für einen kurzen Moment, eine Espresso-Länge. Verabschieden wir uns von der molligen Schwester des Barbesitzers und verlassen wir diesen schönen Ort. Und bewahren wir uns zumindest für den heutigen Tag den Blick für die netten kleinen Geschichten, die am Wegrand liegen.




Im nächsten Post: Wie ist das eigentlich, in Sizilien und seinen Häfen: Warum Siracusa nicht nur eine Reise wert ist.



Noch mehr gute Geschichten vom Autor von Mare Piu?
1:05 Stunden echte Ferien vom Alltag mit diesem Film: 
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Was passiert, wenn das Leben die gewohnten Bahnen verlässt? 
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Einmal München – Antalya, bitte. 
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360 Grad Wassersport erleben – mit einer vergünstigten Eintrittskarte für ADAC Mitglieder

Logo_boot_cmyk_miniDie 47. Internationale Bootsausstellung Düsseldorf öffnet ihre Hallen vom 23. Januar bis 31. Januar 2016 und lädt zum Träumen ein. Ca. 1.700 Ausstellern aus mehr als 60 Ländern präsentieren viele Neuigkeiten, maritime Produkte und Dienstleistungen rund um den Wassersport.

 

Testen Sie das neueste Equipment oder planen Sie Ihren nächsten Urlaub. Ob Segeln im großen Wasserbecken, Tauchen im Tauchturm oder Paddeln auf der Kanustrecke: Hier können Sie fast alles ausprobieren, was mit Wassersport zu tun hat! Auf mehreren Bühnen erwartet Sie Unterhaltung und Information. Ein besonderes Highlight ist die boot Segelschule in Halle 14, die für Segelspaß für kleine und große Leute sorgt und einen Fotowettbewerb anbietet. Gesucht wird täglich das beste Segelfoto!

Foto boot2015_MK2831,photo by Messe Duesseldorf

Auch zur boot 2016 genießen ADAC-Skipper vergünstigten Eintritt. Foto: Messe Düsseldorf

Der ADAC ist in ebenfalls in Halle 14 Stand A65 vertreten und stellt neben zahlreichen Informationen zu RevierenSportbootführerscheinenGebrauchtbootkauf/-verkauf,  Internationalen Bootsschein (IBS) und Wassersportversicherungen auch die ADAC Yachtcharter-Suche und das ADAC Marina-Portal vor.

ADAC Bootstouristische Informationen

Neue Bootstouristische Informationen

 

Lassen Sie sich auch inspirieren von den neuen Bootstouristischen Revier- und Länderinformationen für Kroatien, Italien, Ostsee West etc. im bewährten TourSet-Format.

 

 

Ermäßigte Eintrittskarten für Clubmitglieder
Die Tages-Eintrittskarten für Erwachsene kosten an der Tageskasse € 22,00.
ADAC Mitglieder sparen beim Besuch der Messe. Im Vorverkauf erhalten sie bei den teilnehmenden ADAC Geschäftsstellen (Verkaufsstellen-boot-2016) oder im Online-Kartenverkauf die Eintrittskarten zum ermäßigten Preis von 15,- € für Erwachsene und zum Preis von 6,- € für Kinder von 7 bis 12 Jahren einschließlich.
Die Online-Kartenbestellung können Sie direkt im Ticketshop der Messe Düsseldorf unter https://eshop.messe-duesseldorf.de/ADAC_2016  vornehmen.

Alle Eintrittskarten beinhalten die Fahrt zur Messe und zurück mit Bussen, Bahnen und Zügen innerhalb des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR).

Bereits ermäßigte Eintrittskarten für Schüler, Studenten, Senioren, Schwerbehinderte, Zwei-Tages- und Familienkarten sind ausschließlich im Online Vorverkauf und nicht im Vorverkauf über die ADAC Geschäftsstellen erhältlich.
An der Tageskasse der Messe sind die vergünstigten Eintrittskarten ebenfalls nicht erhältlich.

Öffnungszeiten
Die boot 2016 ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr auf dem Messegelände Düsseldorf geöffnet.

ADAC Stützpunktmarina Eldenburg jetzt mit frostfreier Winterlagerhalle

Gute Nachrichten für Müritz-Skipper: Nur wenige Monate nach der Grundsteinlegung zum Neubau einer beheizten Winterlagerhalle in Waren Müritz, können hier ab sofort Boote bis 5,5 Meter Höhe, 5 Meter Breite und 19 Meter Länge untergestellt werden – insgesamt stehen 1200 m² zur Verfügung.

Beheizte Winterlagerhalle Marina Eldenburg

Ab sofort können Boote in der ADAC Stützpunktmarina Eldenburg frostfrei überwintern.

 

Bootsbesitzer stehen spätestens im Herbst vor der Herausforderung, ihr Boot gut über den Winter zu bringen. Neben der Unterbringung stellt sich auch die Frage nach der sicheren Umsetzung.

Die Antwort gibt die neu gebaute Winterlagerhalle in Waren Müritz. Eine beheizte Winterhalle hat zahlreiche Vorteile gegenüber einer Kalthalle. Viele frostsichernde Maßnahmen müssen nicht durchgeführt werden, da die Boote den ganzen Winter über bei optimalen Temperaturen gelagert werden.

Mit Hilfe eines modernen Hubwagensystems können Boote aus der näheren Umgebung verholt und auf dem Gelände einfach und sicher umgesetzt werden. Damit die Schmuckstücke der Bootseigner kein unnötiges Körnchen Staub abbekommen, werden Arbeiten an Booten in der hauseigenen Arbeitshalle vorgenommen. Neben der Arbeitshalle bietet die Marina Eldenburg Eignern auch eine Lackierhalle für eigene Arbeiten an.

Ein besonderes Highlight für Bootseigner ist die Möglichkeit, live Bilder ihrer Yacht über ein Smartphone zu betrachten. Vorrangig werden die modernen Bewegungskameras aber zur Sicherung der Halle eingesetzt.

Weitere Informationen rund um die beheizte Winterlagerung für Boote erhalten Interessenten unter www.marina-eldenburg.de, umfassende Informationen zur Ausstattung und zur Ansteuerung der ADAC Stützpunktmarina Eldenburg hält das ADAC Marina-Portal für Skipper bereit. Zudem genießen ADAC-Skipper 5 % Rabatt auf Tagesliegeplätze und auf die Nutzung technischer Einrichtungen.