Monatsarchive: Dezember 2015

Vorsicht Farbe

Ich kann mir mein Boot eigentlich nur leisten, weil ich eine ganze Menge selber reparieren oder warten kann. Mit Elektro, Motor und Metall hatte ich schon vor meinem Bootskauf einige Erfahrung. Holz und GFK kamen danach langsam hinzu, auch wenn ich hier noch viel Luft nach oben ist. Aber eine Sache ging bei mir noch nie und wird wohl auch nie gehen… das Arbeiten mit Farben und Lacken jeder Art. Ich kann mich noch so sehr konzentrieren und aufpassen, abdecken und abkleben. Am Ende gibt es doch immer Flecken und Kleckse. Oder Abdrücke. Oder Pinselhaare. Oder ich kippe den Farbtopf um. Oder der Pinsel tropft auf den Boden. Gut, Antifouling streichen geht grad noch so, aber danach habe ich dann entweder bunte Schuhe oder Haare und versaute Klamotten. Das Malen liegt einfach nicht in meinen Genen. Dazu kommt dann auch noch, das ich nichts so sehr hasse wie das Abschleifen irgendwelcher Flächen. Ich bin einfach zu ungeduldig dafür.

Hatte mich diese Schlampigkeit nach dem Bootskauf noch echt genervt, finde ich das mittlerweile aber eigentlich gar nicht so schlecht. Denn es spart mir eine Menge Geld und Arbeit, und andes könnte ich mir das Boot wohl auch gar nicht leisten. So kann ich mittlerweile aber sagen: „Ist das Schiff erst ruiniert, pönt es sich ganz ungeniert“. Denn wichtig ist am Ende ja nur der Erhalt der Struktur und die Dichtigkeit gegen Wasser. Ob man das nun alles sorgfältig und fachmännisch macht, oder manchmal einfach nur dick transparentes Silikon raufschmiert ist dann nur noch eine Frage der Optik. Eben Hauptsache dicht und hält. An dieser Stelle höre ich natürlich schon den einen oder anderen laut aufstöhnen. Denn das ist sicherlich keine optimale Herangehensweise für teure Holzschiffe oder wertvolle Neuboote. Für meinen alten Plastikeimer von 1977 aber doch eigentlich optimal. Und eben kostensparend, denn ein Großteil der Arbeit und Zeit geht am Ende doch nun einmal für das Dekorative drauf. Mich erinnert das an die Aufgaben der Seeziegen, Polleraffen und Decksantilopen während meiner Marinezeit. Da hieß es sinngemäß: „Alles was lose ist bekommt nen Knoten und alles was rostig ist, wird grau angemalt.“ Da hat es gereicht und für meine Zwecke muss das auch langen.

Und sogar der Bootsbauer meines Vertrauens im Winterlager teilt meine Ansicht. Er sagt mir immer „Wenn ich das richtig mache wird das zu teuer, das lohnt bei deinem Schiff nicht mehr. Und ich kann dir nur ordentliche Arbeit anbieten. Du kannst das aber gerne selber so und so machen, das geht dann auch.“ Und bisher hat er immer recht behalten.Verkaufen will ich mein Schiff eh nicht und technisch ist alles OK. „La Mer“ ist halt keine Schönheit mehr, aber hat viel Charakter, und das ist doch auch eine ganze Menge wert. Und so gibt es für mich zwei Typen von Bootsbesitzern. Die Bastler und die Segler. Die einen lieben es an ihrem Boot zu werkeln, besitzen alles nötige Werkzeug und es macht sie scheinbar oft glücklicher an ihrem Boot zu arbeiten, als mit ihm zu segeln. Die anderen, so wie ich, wollen einfach immer nur aufs Wasser, sofort und ohne Verzögerung. Und so muss ich im Winterlager nun wieder in der Kälte unter der Plane die Handläufe schleifen und malen, anstatt das mal eben im Sommer schnell gemacht zu haben. Aber da hatte ich ja natürlich gar keine Zeit. Denn ich musste ja jede Minute geniessen!


Vorsicht Farbe

Ich kann mir mein Boot eigentlich nur leisten, weil ich eine ganze Menge selber reparieren oder warten kann. Mit Elektro, Motor und Metall hatte ich schon vor meinem Bootskauf einige Erfahrung. Holz und GFK kamen danach langsam hinzu, auch wenn ich hier noch viel Luft nach oben ist. Aber eine Sache ging bei mir noch nie und wird wohl auch nie gehen… das Arbeiten mit Farben und Lacken jeder Art. Ich kann mich noch so sehr konzentrieren und aufpassen, abdecken und abkleben. Am Ende gibt es doch immer Flecken und Kleckse. Oder Abdrücke. Oder Pinselhaare. Oder ich kippe den Farbtopf um. Oder der Pinsel tropft auf den Boden. Gut, Antifouling streichen geht grad noch so, aber danach habe ich dann entweder bunte Schuhe oder Haare und versaute Klamotten. Das Malen liegt einfach nicht in meinen Genen. Dazu kommt dann auch noch, das ich nichts so sehr hasse wie das Abschleifen irgendwelcher Flächen. Ich bin einfach zu ungeduldig dafür.

Hatte mich diese Schlampigkeit nach dem Bootskauf noch echt genervt, finde ich das mittlerweile aber eigentlich gar nicht so schlecht. Denn es spart mir eine Menge Geld und Arbeit, und andes könnte ich mir das Boot wohl auch gar nicht leisten. So kann ich mittlerweile aber sagen: „Ist das Schiff erst ruiniert, pönt es sich ganz ungeniert“. Denn wichtig ist am Ende ja nur der Erhalt der Struktur und die Dichtigkeit gegen Wasser. Ob man das nun alles sorgfältig und fachmännisch macht, oder manchmal einfach nur dick transparentes Silikon raufschmiert ist dann nur noch eine Frage der Optik. Eben Hauptsache dicht und hält. An dieser Stelle höre ich natürlich schon den einen oder anderen laut aufstöhnen. Denn das ist sicherlich keine optimale Herangehensweise für teure Holzschiffe oder wertvolle Neuboote. Für meinen alten Plastikeimer von 1977 aber doch eigentlich optimal. Und eben kostensparend, denn ein Großteil der Arbeit und Zeit geht am Ende doch nun einmal für das Dekorative drauf. Mich erinnert das an die Aufgaben der Seeziegen, Polleraffen und Decksantilopen während meiner Marinezeit. Da hieß es sinngemäß: „Alles was lose ist bekommt nen Knoten und alles was rostig ist, wird grau angemalt.“ Da hat es gereicht und für meine Zwecke muss das auch langen.

Und sogar der Bootsbauer meines Vertrauens im Winterlager teilt meine Ansicht. Er sagt mir immer „Wenn ich das richtig mache wird das zu teuer, das lohnt bei deinem Schiff nicht mehr. Und ich kann dir nur ordentliche Arbeit anbieten. Du kannst das aber gerne selber so und so machen, das geht dann auch.“ Und bisher hat er immer recht behalten.Verkaufen will ich mein Schiff eh nicht und technisch ist alles OK. „La Mer“ ist halt keine Schönheit mehr, aber hat viel Charakter, und das ist doch auch eine ganze Menge wert. Und so gibt es für mich zwei Typen von Bootsbesitzern. Die Bastler und die Segler. Die einen lieben es an ihrem Boot zu werkeln, besitzen alles nötige Werkzeug und es macht sie scheinbar oft glücklicher an ihrem Boot zu arbeiten, als mit ihm zu segeln. Die anderen, so wie ich, wollen einfach immer nur aufs Wasser, sofort und ohne Verzögerung. Und so muss ich im Winterlager nun wieder in der Kälte unter der Plane die Handläufe schleifen und malen, anstatt das mal eben im Sommer schnell gemacht zu haben. Aber da hatte ich ja natürlich gar keine Zeit. Denn ich musste ja jede Minute geniessen!


SV Sea Canary – Bob Parry UK

AROUND AND AROUND AND AROUND

HeelingSC

This time instead of returning to Cape Town ( from the Canaries via Brazil ), I intend to moor in European waters  (maybe La Gomera ). I am returning to Cape Town in two weeks time to get Sea Canary ready to sail to Brazil and onwards before the end of the year.

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If you have me on file The Pacific was bought for „Beluga „+/- 1989 ( by Meyer Bohr GER), and took his family on a Caribbean cruise and back to Hamburg. She was renamed „Sea Canary“ by the new owner and sailed alone to Cape Town by way of the Caribbean, Panama Canal, South Pacific – Fiji to New Zealand, back to Fiji and New Zealand, Australia across to South Africa. I bought her in 1998 and sailed to Brazil with crew, then sailed single handed to Tobago, on through the Caribbean and across to Faial  (Azores ).

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I cruised the Azores for 2 years, then moved to the Canary Island for 2 years then to Cape Verde to Brazil. Finally I crossed the South Atlantic from The Isla Grande ( South of Rio de Janeiro ) in the winter july/august and experienced severe gales. 99% or more of the steering was Wind Pilot steering. Only rarely did we have to take the helm when the huge seas overwhelmed the wind strength. Just for several hours at the peak of the storms, when sailing with a lashed down Storm Trysail. We did not hove-to, but had to hand steer to keep Sea Canary stern on to the huge waves.

DSCF0774This next crossing I will keep a blog, I have a Sat phone, to use away from land to keep in touch. I intend to take lots of fotos. I might try to get a story published in the UK Yachting press.

best wishes
Bob Parry UK                                                                              

SV Raya – Frans Swart NED

16 YEARS and 70.000 Miles

Koopmans 43 Kopie

Dear Peter,
In 1992 I bought from you a Pacific Plus for our Koopmans 43ft.centreboard. My wife and I are back now from a 16 years sailing around the world trip. We have done around 70.000 miles and the Pacific Plus has done at least a 60.000 miles without any problem under all circumstances.  You hardly can believe it, but its the truth. We are 77 years old and without the help of the windsteering the trip should have been impossible. So, we are very thankfull that you have designed such a reliable piece of equipment.
Greetings Frans

Wie ist es eigentlich, den Winter auf dem Boot zu verbringen? Ein Themafür mich. Und für BILD.

Es ist immer wieder dasselbe. Und eigentlich werd‘ ich es wohl nie lernen:
Vor zwei Tagen bin ich hierher nach Sizilien, an die Südküste, nach Marina di Ragusa, wo LEVJE jetzt im Hafen liegt. Es ist Samstag, der 12. Dezember. Und mir fiel es wieder einmal unglaublich schwer, mein Zuhause zu verlassen. Es ist Weihnachtszeit: Der Schreibtisch ist voller Projekte und Arbeit, alles, alles, soll fertig werden noch vor Weihnachten. Zuhause riecht es nach frisch gebackenen Plätzchen. Es ist muckelig warm im Haus. Und einen Fuß vor die Tür zu setzen in die klammkalte Nachtlandschaft Oberbayerns kostet Überwindung. Kein Wetter, um sein Zuhause zu verlassen.
Und doch: Meine innere Stimme murmelt seit einigen Wochen, mich endlich aufzumachen. Um mich ein bisschen in der Welt herumzutreiben. Ans Meer zu fahren. Um nach LEVJE, aber auch nach dem Meer zu schauen. Wären nicht die Bilder gewesen, wie es jetzt sein könnte, am Meer, die in mir auftauchten: Nie und nimmer wäre ich losgefahren.
Und tatsächlich: Die Bilder vom Meer, sie logen nicht. Winter am Meer. Das ist wie eine Verlängerung eines langen Sommerabends. Das Licht, das sich tagsüber nie in voller Grelle entfaltet. Die Wärme, in die man morgens aus dem kalten Boot hinauskriecht, ins Sonnenlicht, wie ein endlich endlich ausgebrüteter Maikäfer. Das sich in der Sonne räkeln, bis in der Mitte des Nachmittags das Licht fahler und fahler wird. Und plötzlich die Kälte wieder da ist, wo es eben noch warm war.
Marina di Ragusa ist ein Badeort an der Südostküste Siziliens. Es ist die reichere, die wohlhabendere Ecke eines Sizilien, das für mich immer noch zwei Gesichter hat: Eben dieses wohlhabende, wo man den gepflegten Sommersitzen am Lunghomare, der Küstenstraße, einfach ruhigen Gewissens ihren Winterschlaf gönnt, sie einfach im Abendlicht vor sich hin träumen lässt. Es ist das schöne Sizilien, das gepflegte, das immer Geld hatte oder wieder zu Geld kam. Aber nur etwa 50 Kilometer von hier sieht es anders aus: Im Städtchen Piazza Armerina, eine Autostunde von hier, stehen die Menschen um eben diese Zeit mit Plastikkanistern in einer kleinen Schlange an der öffentlichen Wasserstelle. Und warten geduldig, um sich hier am Dorfbrunnen Wasser zu holen. Offensichtlich, weil viele Wohnungen dort noch ohne Anschluss sind. Es ist das Sizilien der Siebziger Jahre, der Armut, der Hoffnungslosigkeit, wo wie im pittoresken Noto an jedem zweiten Haus ein SE VENDE-Schild, „Zu verkaufen“, klebt. Doch davon an anderer Stelle mehr.
In Marina di Ragusa jedenfalls ist am späten Samstag-Nachmittag die Passegiata angesagt. Aber weil der Winter die Einwohnerzahl auf 10% seiner Sommer-Bewohner herunterschrumpft, ist nicht viel los. Einheimische, die sich bei 17 Grad Außentemperatur in ihre Anoraks kuscheln, die mich mit schreckgeweiteten Augen ansehen, wenn ich erzähle, dass der deutsche Winter oft wochenlang mit Minusgraden daherkommt. Trotzdem haben auf der Piazza die beiden Gelaterie weit geöffnet, die eine prunkt jetzt im Dezember mit 25 verschiedenen Sorten verschiedenen Eises und ist rappelvoll, also, „per favore, in conno, due gusti“, „zwei Geschmäcker in der Waffel, bitte“.
Zum winterlichen Italien gehört aber auch die kleine Bar, im Nachbarort, in Punta Secca. Sie liegt genau zu Füßen des Leuchtturms, an der dem Meer zugewandten Seite. Sie heißt BAR PICCOLA OASI, Bar der kleinen Oase. Wie das nun gemeint ist? Ein Ort, wo der Dürstende zu trinken bekommt in der Kargheit des Sommerfrische-Dörfchens Punta Secca, zu Deutsch „trockener Punkt“? Oder ein Ort, wo man einfach fünf Minuten seine Ruhe hat über einem Espresso, einem Cornett, und Telefonläuten für einen Moment Telefonläuten sein lässt. 
Als der Leuchtturm in der Abenddämmerung beginnt, oben sein Licht auszusenden für die Schiffe, die von Malta herüberkommen, geht auch unten in der Bar das Licht an. Vielleicht ist es ja ein Signal an die Männer auf der Piazza davor, der Piazza del Faro, dem Platz des Leuchtturms, die sich um den Tisch mit den vier Kartenspielern drängen und ihnen zusehen in der heraufziehenden Kühle der Abenddämmerung, als ginge es hier im kleinen Nest Punta Secca gerade um den ganz großen Preis. Ein Signal an sie, das große Kartenspiel von der Piazza nun endgültig ins Innere der Bar zu verlegen. Aber so etwas tun Süditaliener nicht. Man geht nicht in die Bar zum Zocken. Dafür ist eine Bar dann doch zu sehr Oase – ein Ort, irgendwie abseits der Leidenschaften des Alltags.
Nein. Die Bilder in mir: Sie trogen nicht. Und während ich den Wellen zusehe, wie sie im Dämmer leise heranrauschen, denke ich mir: Warum ist das nur so, dass es für mich nicht nur einen Ort gibt, an dem das Leben behaglich ist? Sondern deren viele. 
                                 __________________________________________________
Soeben bei millemari. erschienen:

Sehenswerte Bilder und Texte aus diesem Buch haben wir 
auf unserer millemari.-Bestellseite für Sie zusammengestellt. 
Klicken Sie rein.




PS: Soeben hat mir Holger Peterson geschrieben, dass 
BILD Bremen in der heutigen Ausgabe über ihn und das Buch berichtet:

Zum BILD-Artikel: Hier klicken.








SV Röde Orm – Julia, Stefan, Lena, Annika, Julita Conrad GER

GROSSE FAMILIE auf KLEINEM SCHIFF rund WESTEUROPA

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Julia, Stefan, Lena, Annika und Julita Conrad – haben sich monatelang auf einem 28 Fuss Schiff, einer SHIPMAN 28 auf ihrer Reise rund Europa bestens vertragen.

Hier die Geschichte in Bildern und als Text

Cruising advice for Brazilian Coast

CRUISING BRAZILIAN COAST

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Brazil the largest countrie of latin america, offers 4000 miles of coast over the Atlantic Ocean. It is possible to sail all the year because there is no huricane season. The climate is tropical with an average temperature around 26 degrees Celcius. On the south, during winter time little bit cold could be expected. The weather is dominate by the south atlantic high pressure. Cold fronts arriving from Patagonia, affect the weather, carring southweather winds reaching Force -7, occasionally Force-8, but with no danger seas.
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Wie ist es eigentlich, den Winter auf dem Boot zu verbringen? Ein Thema für mich. Und für BILD.

Es ist immer wieder dasselbe. Und eigentlich werd‘ ich es wohl nie lernen:
Vor zwei Tagen bin ich hierher nach Sizilien, an die Südküste, nach Marina di Ragusa, wo LEVJE jetzt im Hafen liegt. Es ist Samstag, der 12. Dezember. Und mir fiel es wieder einmal unglaublich schwer, mein Zuhause zu verlassen. Es ist Weihnachtszeit: Der Schreibtisch ist voller Projekte und Arbeit, alles, alles, soll fertig werden noch vor Weihnachten. Zuhause riecht es nach frisch gebackenen Plätzchen. Es ist muckelig warm im Haus Und einen Fuß vor die Tür zu setzen in die klammkalte Nachtlandschaft Oberbayerns kostet Überwindung. Kein Wetter, um sein Zuhause zu verlassen.
Und doch: Meine innere Stimme murmelt seit einigen Wochen, mich endlich aufzumachen. Um mich ein bisschen in der Welt herumzutreiben. Ans Meer zu fahren. Um nach LEVJE, aber auch nach dem Meer zu schauen. Wären nicht die Bilder gewesen, wie es jetzt sein könnte, am Meer, die in mir auftauchten: Nie und nimmer wäre ich losgefahren.
Und tatsächlich: Die Bilder vom Meer, sie logen nicht. Winter am Meer. Das ist wie eine Verlängerung eines langen Sommerabends. Das Licht, das tagsüber sich tagsüber nie in voller Grelle entfaltet. Die Wärme, in die man morgens aus dem kalten Boot hinauskriecht, ins Sonnenlicht, wie ein endlich endlich ausgebrüteter Maikäfer. Das sich in der Sonne räkeln, bis in der Mitte des Nachmittags das Licht fahler und fahler wird. Und plötzlich die Kälte wieder da ist, wo es eben noch warm war.
Marina di Ragusa ist ein Badeort an der Südostküste Siziliens. Es ist die reichere, die wohlhabendere Ecke eines Sizilien, das für mich immer noch zwei Gesichter hat: Eben dieses wohlhabende, wo man den gepflegten Sommersitzen am Lunghomare, der Küstenstraße, einfach ruhigen Gewissens ihren Winterschlaf gönnt, sie einfach im Abendlicht vor sich hin träumen lässt. Es ist das schöne Sizilien, das gepflegte, das immer Geld hatte oder wieder zu Geld kam. Aber nur etwa 50 Kilometer von hier sieht es anders aus: Im Städtchen Piazza Armerina, eine Autostunde von hier, stehen die Menschen um eben diese Zeit mit Plastikkanistern in einer kleinen Schlange an der öffentlichen Wasserstelle. Und warten geduldig, um sich hier am Dorfbrunnen Wasser zu holen. Offensichtlich, weil viele Wohnungen dort noch ohne Anschluss sind. Es ist das Sizilien der Siebziger Jahre, der Armut, der Hoffnungslosigkeit, wo wie im pittoresken Noto an jedem zweiten Haus ein SE VENDE-Schild, „Zu verkaufen“, klebt. Doch davon an anderer Stelle mehr.
In Marina di Ragusa jedenfalls ist am späten Samstag-Nachmittag die Passegiata angesagt. Aber weil der Winter die Einwohnerzahl auf 10% seiner Sommer-Bewohner herunterschrumpft, ist nicht viel los. Einheimische, die sich bei 17 Grad Außentemperatur in ihre Anoraks kuscheln, die mich mit schreckgeweiteten Augen ansehen, wenn ich erzähle, dass der deutsche Winter oft wochenlang mit Minusgraden daherkommt. Trotzdem haben auf der Piazza die beiden Gelaterie weit geöffnet, die eine prunkt jetzt im Dezember mit 25 verschiedenen Sorten verschiedenen Eises und ist rappelvoll, also, „per favore, in conno, due gusti“, „zwei Geschmäcker in der Waffel, bitte“.
Zum winterlichen Italien gehört aber auch die kleine Bar, im Nachbarort, in Punta Secca. Sie liegt genau zu Füßen des Leuchtturms, an der dem Meer zugewandten Seite. Sie heißt BAR PICCOLA OASI, Bar der kleinen Oase. Wie das nun gemeint ist? Ein Ort, wo der Dürstende zu trinken bekommt in der Kargheit des Sommerfrische-Dörfchens Punta Secca, zu Deutsch „trockener Punkt“? Oder ein Ort, wo man einfach fünf Minuten seine Ruhe hat über einem Espresso, einem Cornett, und Telefonläuten für einen Moment Telefonläuten sein lässt. 
Als der Leuchtturm in der Abenddämmerung beginnt, oben sein Licht auszusenden für die Schiffe, die von Malta herüberkommen, geht auch unten in der Bar das Licht an. Vielleicht ist es ja ein Signal an die Männer auf der Piazza davor, der Piazza del Faro, dem Platz des Leuchtturms, die sich um den Tisch mit den vier Kartenspielern drängen und ihnen zusehen in der heraufziehenden Kühle der Abenddämmerung, als ginge es hier im kleinen Nest Punta Secca gerade um den ganz großen Preis. Ein Signal an sie, das große Kartenspiel von der Piazza nun endgültig ins Innere der Bar zu verlegen. Aber so etwas tun Süditaliener nicht. Man geht nicht in die Bar zum Zocken. Dafür ist eine Bar dann doch zu sehr Oase – ein Ort, irgendwie abseits der Leidenschaften des Alltags.
Nein. Die Bilder in mir: Sie trogen nicht. Und während ich den Wellen zusehe, wie sie im Dämmer leise heranrauschen, denke ich mir: Warum ist das nur so, dass es für mich nicht nur einen Ort gibt, an dem das Leben behaglich ist? Sondern deren viele. 
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Soeben bei millemari. erschienen:

Sehenswerte Bilder und Texte aus diesem Buch haben wir 
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PS: Soeben hat mir Holger Peterson geschrieben, dass 
BILD Bremen in der heutigen Ausgabe über ihn und das Buch berichtet:

Zum BILD-Artikel: Hier klicken.








SV Golden Hind IV – James Howard CA

VORBEREITUNG ZUM VIC-MAUI-INTERNATIONAL-RACE

SV Mariposa – Michael Leppert GER

UPDATE VON DER SCHWIMMENDEN ZAHNKLINIK

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Hallo meine Freunde,
Von Vanuatu ging es Anfang Oktober 2014 nach New Caledonien. Eine
Monsterwelle zerfetzte uns da einiges an Tüchern an Bord. Mitte November
2014 dann nach New Zealand ca 1000 Sm im Süden in kühlere Gefilde.
Dort bekam Mariposa nach fast 9 Jahren auf See und über 50.000 Sm eine
große Überholung/Refit was sich über 6 Monate hinzog. Zuerst erwog ich den Kauf einer neuen Yacht, doch im Nachhinein war das Refit wohl die bessere Lösung. Dazwischen war ich kurz in Deutschland, um Mitte Mai 2015 nach New Caledonien zurück zu segeln. New Zealand wurde da schon lausig kalt.

Mitte August weiter nach Vanuatu und jetzt Anfang Dezember 2015, nach
einigen technischen Problemen – erst Motor, dann Hochspannungsleitung am
Mast – wieder in Kiribati, 1200 Sm sehr dicht am Äquator mit entsprechender
Wärme.

18-043

Neu auf unserer site Reisebericht Nr. 20 New Caledonien, New Zealand, New Caledonien bis Mitte August 2015.

Für die technisch interessierten ist am Ende des Reiseberichts eine Zusammenstellung des Refits der Yacht samt Bildergalerie, demnächst dann eine bebilderte Zusammenstellung der Ausrüstung, samt Vermerken und Kritik.

Die Zahnklinik hatte in NZ und New Caledonia nix zu tun, weil dort die Versorgungslage gut ist. Ich bin erst wieder seit Vanuatu zahnmedizinisch tätig

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Da wir dieses Jahr ein ausgeprägtes El Nino Jahr haben ist es wichtig die
Cyclon Gegend zu verlassen und nicht zu früh am oder nördlich des Äquators
zu sein wegen den Weststürmen. Daher werde ich meine Deutschlandreise erst
antreten können, wenn der El Nino Effekt sich beruhigt hat. Hier in Kiribati
und Marshall Inseln, wo ich ab Ende Januar sein werde, gibt es keine
Yachthäfen, wo man das Schiff ruhig zurück lassen kann. Zu oft muss man
dann flott den Ankerplatz wechseln.

Liebe Grüße und schöne Weihnachten
Euer Michael Leppert

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Der Sonne entgegen.

Es sind nur noch zwölf Tage bis Heiligabend. Dann wollen wir zurück in North Palm Beach in Florida sein. Nur drei Tage später landet Johannes’ Schwester Susi nämlich in Miami. Gemeinsam wollen wir dann auf die Bahamas segeln und dort Silvester verbringen. Die…

Nur weitersegeln hilft

Nur weitersegeln hilft

Gegen das Fernweh gibt es einfach keine Medizin

Ja. Wir sind angekommen. Und Schwupps sind Miki und Richard auch schon von Bord. Nein, alles gut. Keine Flucht vorm großen Skipper, sondern große Sehnsucht nach Hof und Heim. „Und habt ihr euch jetzt infiziert? Wollt ihr jetzt ums Kap Hoorn segeln mir mir?“ Große Augen beim Abschlussbier an Land. „Nee Micha. Wir wollen in Zukunft mit Familie und Freunden in Kroatien von Restaurant zu Restaurant segeln. War ja sehr schön und aufregend mit Dir über den Atlantik, wirklich eine Challenge, aber einmal reicht.“ Miki und Richard sind sich einig und ziehen an ihren Zigaretten, paffen den blauen Qualm gemütlich in die Luft. Beide sind glücklich. Ich auch. 101 Tage ohne Kippe und meinen ersten Trip mit rauchenden Gästen ohne damit ein Problem zu haben. Leben & Leben lassen. „Ich würde euch jederzeit wieder mitnehmen zum Segeln übers Meer, übers Meer…“, ich grinse: „Richard Du steuerst Hand, besser als der Autopilot und Miki, Du bist ein begnadeter Schiffs-Koch. Warten wir mal ab was passiert in euren Köpfen in den nächsten Monaten. Wir bleiben in Kontakt.“ Ich verabschiede mich von den Beiden und wenig später auch von Susann, die nach vier Wochen ihren geliebten Ehemann Thomas heute sieht und eine Honeymoon Suite im Norden der Insel angemietet hat (Boa! Spass!) Der mag keinen Knoblauch und deshalb hat Susann das letzte Mittagessen verschämt. „Du solltest die Frage in den Fragebogen aufnehmen, ob der Anwärter zum Mitsegeln große Mengen Knoblauch und Chili im Essen verträgt. Ansonsten bist Du aufgeschmissen!“ Ich grinse wieder. „Wird gemacht!“ Susan ist infiziert vom Hochseesegelvirus. Da brauche ich gar nicht fragen. Ob sie noch mal mit mir segelt oder lieber mit einem Ex-Vende Globe Schiff? Wahrscheinlich letzteres. Sie kann den Hals nicht voll bekommen.

Zurück an Bord ist da noch Chris, der noch bis Sonntag bleibt und Claudia, die bis zum bitteren Ende auf den Skipper aufpassen wird, dass der keine Weihnachtsdepression bekommt.

Wie es weitergehen könnte 2016, sieht man oben im derzeitigen Passageplan. Was meint: Weitergehen wird. Richtung Curacao ist alles unklar. Keine Mitsegler derzeit. Wer also noch nichts zu tun hat zwischen dem 8ten und 22ten Februar 2016, der melde sich jetzt! Kuba geht erst wieder ab Mitte April, bis dahin ist alles ausgebucht. Dann geht es in die Jardines, nach Isla Juventud, Havanna und den Rest siehst Du ja. Aber wie gesagt, dass brüte ich grade aus. Erst mal muss ich mich um die MARLIN kümmern.

Morgen ist frei, St George angesagt, Wochenende und Co. Nächste Woche stehen wichtige Entscheidungen an. Wo und wann die MARLIN an Land kommt, was gemacht wird und und und…


Mitsegeln auf der MARLIN www.marlin-expeditions.com