Monatsarchive: September 2015

Warum ich so gerne einhand segle – Südseetage 4&5

Gestern abend stolperte ich in Faaborg auf meinem Laptop über die „Einhandbibel“ von Andrew Evans. Neben unzähligen Tipps (unter anderem zur Wahl des richtigen Einhandbootes; ich habe da alles instinktiv richtig gemacht) sinniert er aber auch seitenlang über das Einhandsegeln. Und schreibt sinngemäß: „Wenn man ein Segelboot nicht alleine fortbewegen könnte, würde ich mir wohl ein anderes Hobby suchen“. Das trifft für mich den Nagel auf den Kopf. Klar macht es Spaß mit anderen unterwegs zu sein, aber das Gefühl geht nie so tief und intensiv wie beim Alleinesegeln. Andrew hat dafür viele Erklärungen, aber am Ende stehen zwei Gründe über allen anderen. Zum einen ist man ist niemals emotional so offen, wenn jemand dabei ist. Zum anderen geht es um das Gefühl die Verantwortung für alle Entscheidungen vollkommen alleine zu tragen. Mit allen Konsequenzen und Folgen, die diese dann nach sich ziehen. Man kann sich nicht abstimmen, oder jemand um Rat oder Hilfe bitten. Draußen auf See muss man da alleine durch. 

Wenn alles glatt läuft, ist das natürlich unspektakulär, wenn es aber stürmt und Welle läuft, geht es ins Eingemachte. Dann muss man sich zur Ruhe zwingen und auf seine Fähigkeiten vertrauen. Da nützt kein Jammern und Wegducken. Und man findet dabei heraus, ob man der Typ Mensch ist, der man gerne sein möchte. Und nimmt sehr viel von diesem Selbstvertrauen mit ins „reale“ Leben. Und wenn man dann nach so einem Tag die Leinen festmacht, fühlt man sich 4 Köpfe größer und innerlich im Gleichgewicht. Ich liebe dieses Gefühl. Auch wenn einem bei der Ankunft niemand die überstandenen Strapazen ansieht, sie bleiben für immer im Herzen. Und gerade vorhin hatte ich wieder so ein Erlebnis. Doch der Reihe nach:

Nach einem Frühstück samt Meerblick im Handelshafen von Aerosköping machten wir unsere beiden Boote seeklar und liefen Kurs Faaborg. Vorher stimmten wir noch die Routen und die Wegpunkte ab, da es mehrere Möglichkeiten gibt dort in den Hafen zu gelangen. Umso mehr überraschte mich der Funkruf, das Alois auf einer Sandbank bei der Auffahrt sitzt. Sein Pinnenpilot hatte sich beim Setzen der Segel abgeschaltet und dann ging es sehr schnell. Nach einem 180° Grad Törn überlegte ich bereits, wie ich ihm helfen sollte, da sah ich aber schon den Tender einer Megayacht zur Hilfe kommen. Als ich dann bei ihm war war er bereits freigeschleppt und wieder in tiefem Wasser. Es ging an Avernakös Ostküste vorbei und dem dort vorgelagerten Riff aus Steinen. Mein Blick zurück zeigt ihn wieder ausserhalb des Tonnenstriches mit direktem Kurs auf das Riff. Hier würde es bei dem Speed nicht beim Aufsetzen bleiben. Mein Warnruf über Funk wird erhört und er korrigiert den Kurs um dann hoch am Wind zu verhungern und weiter auf das Riff zu treiben. „Fahr eine Wende….jetzt sofort!!!!!!!“. Rufe ich ins Mikrofon. Er hört mich und kommt endlich auf Abstand zu den Steinen. Mann, Mann, Mann. Keine Wunder das ich gerne alleine segel. Faaborg ist mit achterlichen Winden schnell erreicht und wir gehen auch hier in den Handelshafen. Diese ziehe ich JEDER Marina vor. Alles etwas gammelig und fischig, da fühle ich mich gleich zuhause nach 4 Tagen auf See :-) 

 Faaborg kommt näher

Ich kann nicht an mich halten und halte Alois eine Standpauke über Seemannschaft, Theorie und Sorgfalt. Er reagiert überrascht. Aber ich will ja nicht besserwisserisch sein, mache mir nur so meine Sorgen um ihn und sein Boot. Scheuerleiste kaputt, Ruderwelle krumm…wenn das so weitergeht wir das Winterlager teurer als das Boot. Die Stimmung ist danach etwas getrübt und auf dem Weg zum Hafenautomaten denke ich über meine Anfänge nach. Aufgelaufen in Holland und in der Schlei, Fastkollision mit einer Hafenfähre auf der Elbe, sich öfnennde Wantenspanner, ungereffte Starkwindfahrten und noch vieles mehr kommt mir in den Sinn. Aber das ist wohl auch ein Teil des Einhandsegelns. Es schaut einem keiner über die Schulter und gibt Ratschläge. Man muss alle Fehler selber machen und Erfahrungen auch aus Fehlschlägen sammeln. Und am Ende: Wird man so ein besserer Segler, als durch viele Ausbildungstörns in einer Gruppe? Keine Ahnung, auf jeden Fall ein selbstständigerer Segler. Der sich mit allen Aspekten des Fahrtensegelns auskennen muss, da er sich eben nicht auf Experten verlassen kann. Oder sich nur an seinen Stärken orientiert und dann immer dabei bleibt. Faaborg ist eine tolle Stadt, wir laufen kreuz und quer, aber der Sinn einer Segelreise liegt irgendwie auf dem Wasser und nicht an Land.  

 „Wahrzeichen Faaborgs“
 Mann mit Kuh….häh?

 Rauchringe aus Diesel
Handelshafenatmo

Und damit geht es von Faaborg über den Kleinen Belt zurück auf das Festland. Und schon wieder heisst es Entscheidungen zu treffen, denn es gibt eine Sturmwarnung. Wann fahre ich los, wohin, welche Route welche Besegelung. All das wird mich unterwegs einholen. Gegen Mittag soll es erst richtig auffrischen, also heißt es sehr früh loszufahren. Um 0600h treffe ich Alois im Sanitärgebäude, der eigentlich ausschlafen wollte. Heute trennen sich unsere Wege. Er will nach Schleimünde, ich in die Dyvik.Aber er empfängt mich so früh mit Fragen nach der besten Route und den Tonnen und so weiter. Scheint ja doch geholfen zu haben :-) Ich binde das zweite Reff ins Groß. Vor dem Wind laufe ich mit meiner großen Rollgenua sowieso Rumpfgeschwindigkeit, und falls es sehr windig wird oder ich einen anderen Kurs fahren muss, kann ich mir das Reffen auf See sparen.
 Abendrot trotz Schlechtwettervorhersage

 Faaborg bleibt zurück und es geht durch die Ausläufer der dänischen Südsee

Mit viel Rückenwind rausche ich über den Belt, dann entwickelt sich aber eine miese, steile Kreuzsee. Ich muss vor dem Wind kreuzen, um nicht versehentlich durchzuhalsen und freue mich nun über mein Reff. Und dann kommt so ein Moment der das Einhandsegeln so schön macht. Kommt der Regen vor dem Wind….naja, Wind ist relativ. Es bläst ja eh schon die ganze Zeit stark. Eine Hammerböe folgt ca. 5 Minuten nach einem heftigen Regenschauer und drückt mich brutal auf das Wasser. Was mich früher vor Schreck gelähmt hätte, wird nun kurz analysiert. Groß auf, und zuviel Fock. Ich habe mir angewöhnt in diesen Situationen alles ganz bewusst sehr langsam und bedächtig zu machen. Hektik führt nämlich nur dazu Leinen aus der Hand gleiten zu lassen, sich zu verheddern oder zu anderen Pannen. Und das was man eigentlich schnell machen wollte, wird doppelt gemacht und dauert so viel länger. Inzwischen schaffe ich es die Krängung, das Knattern der Segel und das Getöse des Windes komplett auszublenden und meine Prioritätenliste im Kopf ruhig Schritt um Schritt abzuarbeiten. Es sieht bestimmt von außen immer noch eilig aus, aber ich mache jede Bewegung bewusst so langsam, das ich sie nur einmal machen muss. Großschot los. Boot etwas weiter vor den Wind um den Druck aus der Fock zu bekommen. Rollreffleine los und in die rechte Hand. Fockschot los und in die linke Hand. Die Krängung geht aus dem Boot, aber die Fock knattert und knallt. Lose in die Schot und einrollen. Fockschot wieder belegen und holen. Das Segel beruhigt sich. Die Böe verliert an Kraft. Man kann kaum ein paar Meter weit sehen im Regen, der eimerweise angeweht kommt. Ich war darauf vorbereitet und habe Steckschotten bereit und bringe das Tablet in Sicherheit. Schon fühlt sich das Boot wieder stabil an. Autopilot an und auf dem Vordeck die Fockschoten entwirren, die sich wild vertüdelt haben. Alles im Griff und ohne Panik und Angst. Yessss…

 Es wird langsam ungemütlich
Opfer des Windes – mein Hamburgwimpel

Auf den Booten in Sichtweite gehen überall die Segel runter und der Diesel an. Nichts da, ich ziehe das jetzt durch und nach einer langen Kreuz in die Dyvik sitze ich nun voller Stolz hier und schreibe diese Zeilen. Schon mit einer Person an Bord wäre das ganz anders gelaufen. Ich fühle mich dann verantwortlich und muss Kommandos geben, was mich am klaren Denken hindert. Und so fühle ich mich wieder ein Stück gewachsen als Seemann. Auch wenn ich mir sicher bin, das da draussen schon die Gefahr lauert, der ich nicht gewachsen bin. Die mich kleinkriegen wird. Aber das wird mich nicht daran hindern, doch immer wieder aufs Neue ganz alleine auszulaufen. Und hoffentlich stolz zurückzukehren.  

 Die immer ruhige Dyvig

Dieter: Derzeitige Berufung: Segler

20150909

Stimmen aus dem Seglerbewußtsein

Wenn man nach vielen Jahren Anstellung plötzlich vor die Tür gesetzt wird und wenigstens um eine gerechte Abfindung zu bekommen, vor Gericht ziehen muss, so ist das ein tiefer Einschnitt ins Leben. „Ich bin freigestellt!“ Frei zu sein ist schön. „Erst einmal. Mit vollen Bezügen. Meine Frau ist unruhig. Mann, Mitte fünfzig, auf Jobsuche. Aber ich bin guter Dinge. Ich habe schon ein Angebot von einem Automobilisten aus Zuffenhausen.“ Natürlich ist Dieter positiv. Was soll er auch sonst machen? „Trübsal blasen ist nicht mein Ding. Da bin ich über die MARLIN gestolpert. Nein. Wnuk kannte ich nicht. Auch nicht seine Vorgeschichte!“ Dieter hat ca. 30 Chartertörns in seinem Leben hinter sich. Mit Freunden, Regatten, auch Regatten von einer Kneipe in die nächste. Seit heute morgen ist Dieter „Skipper oft the day“. „Hey. Das war so gut gestern, ihr seid so gut, ab sofort wechseln wir uns mit dem Sagen an Bord ab.“ Die Münder standen etwas nach dem Frühstück. „So schnell?“ „Ja, so schnell. Ich bin ja nicht weg. Das heißt ja nicht, dass ihr nicht fragen könnt.“ Dieter atmet durch, steht auf dem Deckshaus, schaut zum Horizont. Was mag er denken? Die Zeit auf der MARLIN wird ihm gut tun um Abstand zu finden und klar denken zu können.

“Hier könnt ihr nicht ankern. Dort drüben vielleicht. Aber da ist es flach.“ Mitten in der Nacht um 00:00 Uhr sind wir im Rio Guardiana angekommen. Da ankert man eben schon mal recht sicher und nah an der Hauptverkehrsstraße. „Wir wollen gar nicht bleiben. Um 17 Uhr sind wir wieder weg. Aber ihr wollt doch bestimmt an Bord kommen, Schiffspapiere kontrollieren und Ausweisnummern aufschreiben.“ Der junge Wasserschutzpolizist schaut mich erstaunt an. „Aehmm. Ja. Woher weißt Du das?“ „Na ja. In Penische haben eure Kollegen das gleiche Gesicht gezogen, als sie langseits kamen.“ Er lacht. Ich lache. „Probleme mit der Maschine?“ Er deutet auf meinen Blaumann. „Nö, nur Inspektion. Alles gut.“

Zwischenzeitlich sind wir auf See. Kurs West. Aehm. Der Wind kommst aus West. Aber ist auch egal. Sue und Dieter haben inzwischen verstanden, dass uns nicht nach Marina und Restaurants ist. Alle wollen segeln. Also tun wir das. Wir segeln in die Nacht. Eine warme Briese kommt von Land wir kommen nur schwer voran. Macht nix. Wir haben ja Zeit.

 


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Südsee Tag 3 -Traumsegelwetter

Heute war ein absolut herrlicher Segeltag. Mit Wind immer raum oder achterlich mit maximal 4 Bft. Dazu strahlender Sonnernschein. Altherrensegeln, ich bin immerhin 52, vom Feinsten von Strynö nach Aerosköping. 

 LA MER in Strynö
 Die Südsee ruft

 Segelschule: Heute Butterfly

Doch zunächst habe ich Alois NIKE zu meinem Beiboot erklärt und ihm meine Handfunke gegeben, damit wir auf Kanal 69 kommunizieren können. Gestern hat es bei ihm noch einigen Bruch an der Scheuerleiste gegeben, als sein Aussenborder kurz vor der Hafeneinfahrt von Strynö ausfiel und er sehr unsanft mit einem holländischem Dreimaster kollidierte, der vor der Einfahrt lag. Die Mannschaft des Dreimasters brachte noch rechtzeitig Holzschilder als Schutz aus. Der Bandholm von Alois hat das natürlich nicht geholfen. Der weitere gemeinsame Weg sollte nun aber wenigstens eine Kommunikationsmöglichkeit bieten, was auch bezüglich Segelstellung und Führung sehr hilfreich war. 

 Vorbei an Marstal mit halbem Wind
 Einhandsegler in Ausbildung

Gestern auf Strynö hatten wir abends noch den Dorfkrug besucht. Quasi das Wohnzimmer für die Insulaner hier. Der recht betagte Wirt sprach überraschenderweise etwas Englisch und kein Wort Deutsch, konnte uns dann aber echte Hausmannskost anbieten. Mein Magen hatte den schlechten Fisch des Vortages damit nun endlich überstanden. Es ist schon merkwürdig sich vorzustellen, das die wenigen Insulaner hier auf so engem Raum zusammenwohnen. Da bleibt sicher absolut nichts unbemerkt oder unkommentiert. Und die letzte Fähre zum Festland fährt um 1915h. Fast wie eine Wohngemeinschaft nur das jeder in eigenen kleinen Häusern wohnt, statt in einem Zimmer. Muss man mögen.
 Sonnenschirm am Himmel
Strynö

Der Törn nach Aerosköping war bei dem Wetter ein Traum und verlief ohne Zwischenfälle. Ausser das ich von einer 24 Fuss Schale versegelt wurde. Zuerst befürchtete ich schon es wäre Alois, der seine Berufung als Regattasegler gefunden hat. Aber so war es dann zum Glück doch nicht. Ich ziehe in Aerosköping den Fischereihafen dem Yachthafen vor und so liegen wir hier nun längsseits an der Kaimauer, sind bei mittlerweile eisigen 16 Grad in die Ostsee gesprungen und haben uns diese Stadt aus bunten, kleinen Hobbit- Häusern angesehen.

Danach haben wir dann direkt zwischen Boot und Wasser gegrillt und über das Leben philosophiert. Großartig. Morgen geht es nun weiter nach Faaborg, das ich seit letztem Jahr immer schon auf eigenem Kiel erreichen wollte. 2014 hatte es ja nur zu einer Fährfahrt von Avernakö aus gereicht. Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Wie immer ist die dänische Südsee ein absolut lohnendes Reiseziel. Und noch habe ich ein paar Tage Zeit :-) 
 Der Vogel hat unbemerkt 2 Würste vom Grill geklaut



Südsee Tag 2 -Traumsegelwetter

Heute war ein absolut herrlicher Segeltag. Mit Wind immer raum oder achterlich mit maximal 4 Bft. Dazu strahlender Sonnernschein. Altherrensegeln, ich bin immerhin 52, vom Feinsten von Strynö nach Aerosköping. 

 LA MER in Strynö
 Die Südsee ruft

 Segelschule: Heute Butterfly

Doch zunächst habe ich Alois NIKE zu meinem Beiboot erklärt und ihm meine Handfunke gegeben, damit wir auf Kanal 69 kommunizieren können. Gestern hat es bei ihm noch einigen Bruch an der Scheuerleiste gegeben, als sein Aussenborder kurz vor der Hafeneinfahrt von Strynö ausfiel und er sehr unsanft mit einem holländischem Dreimaster kollidierte, der vor der Einfahrt lag. Die Mannschaft des Dreimasters brachte noch rechtzeitig Holzschilder als Schutz aus. Der Bandholm von Alois hat das natürlich nicht geholfen. Der weitere gemeinsame Weg sollte nun aber wenigstens eine Kommunikationsmöglichkeit bieten, was auch bezüglich Segelstellung und Führung sehr hilfreich war. 

 Vorbei an Marstal mit halbem Wind
 Einhandsegler in Ausbildung

Gestern auf Strynö hatten wir abends noch den Dorfkrug besucht. Quasi das Wohnzimmer für die Insulaner hier. Der recht betagte Wirt sprach überraschenderweise etwas Englisch und kein Wort Deutsch, konnte uns dann aber echte Hausmannskost anbieten. Mein Magen hatte den schlechten Fisch des Vortages damit nun endlich überstanden. Es ist schon merkwürdig sich vorzustellen, das die wenigen Insulaner hier auf so engem Raum zusammenwohnen. Da bleibt sicher absolut nichts unbemerkt oder unkommentiert. Und die letzte Fähre zum Festland fährt um 1915h. Fast wie eine Wohngemeinschaft nur das jeder in eigenen kleinen Häusern wohnt, statt in einem Zimmer. Muss man mögen.
 Sonnenschirm am Himmel
Strynö

Der Törn nach Aerosköping war bei dem Wetter ein Traum und verlief ohne Zwischenfälle. Ausser das ich von einer 24 Fuss Schale versegelt wurde. Zuerst befürchtete ich schon es wäre Alois, der seine Berufung als Regattasegler gefunden hat. Aber so war es dann zum Glück doch nicht. Ich ziehe in Aerosköping den Fischereihafen dem Yachthafen vor und so liegen wir hier nun längsseits an der Kaimauer, sind bei mittlerweile eisigen 16 Grad in die Ostsee gesprungen und haben uns diese Stadt aus bunten, kleinen Hobbit- Häusern angesehen.

Danach haben wir dann direkt zwischen Boot und Wasser gegrillt und über das Leben philosophiert. Großartig. Morgen geht es nun weiter nach Faaborg, das ich seit letztem Jahr immer schon auf eigenem Kiel erreichen wollte. 2014 hatte es ja nur zu einer Fährfahrt von Avernakö aus gereicht. Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Wie immer ist die dänische Südsee ein absolut lohnendes Reiseziel. Und noch habe ich ein paar Tage Zeit :-) 
 Der Vogel hat unbemerkt 2 Würste vom Grill geklaut



Sail Away

20150908

Kulinarisches Segeln

Jeder Mitsegler-Neuling auf der MARLIN bringt sein eigenes gedankliches Rettungsgerüst mit um sich auf die Reise mit Wnuk vorzubereiten. An Bord dabei sind jetzt Susan und Dieter. Nein, die beiden kannten sich nicht bisher, sie haben nichts miteinander zu tun. Nach einer Nacht auf der MARLIN vor Anker geht es auch direkt los. Wir essen, wir trinken, wir reden. Am zweiten Tag schon liegt Deutschland weit hinter dem Horizont. Wir schlendern durch die Straßen von Olhao kaufen frischen Squid, Seelachs, Dorade, Tomaten und Karotten mit Geschmack. Jan muss in den Mast um Selfies zu machen. Ich muss noch unters Boot um unser Hausriff zu pflegen und eine neue Opferanode am Propeller anzubringen. Es folgt die mitgebuchte Sicherheitseinweisung. Tue das nicht, tue jenes Nicht, welcher Feuerlöscher bei welchem Brand. „Und wo ist der Gasabstellhahn? Wie ihr benutzt den nicht. Das ändert sich ab jetzt.“ Jetzt fluche ich immer in der Küche, wenn ich den Herd nicht anbekomme. Ta tsächlich ist der Gashahn immer zu. „Ja, Susan. Du hast vollkommen Recht.“

20150908a

Inzwischen haben wir das anstrengende Ankommen hinter uns. Die vier Doraden liegen auf dem Wein und Gemüsebett unter ihrem Korianderteppich bei 200° im Ofen. Der Rio Guadiana liegt an. „Also so geht das nicht. Wenn ihr gute Essen wollt, dann refft ihr jetzt. Außerdem sind wir viel zu schnell da.“ „Haben wir einen Kochkurs gebucht?“, meint Dieter schmunzelnd. „Wo übernachten wir heute Nacht?“ „Vollkommen egal. Um Acht gibt es Essen. Wenn wir zu schnell da sind, segeln wir wieder raus.“ „So kenne ich Segeln noch gar nicht!“ „Eben.“ Dieter ist angekommen.

“Na Susan? Willst mal?“ „Klar.“ Susann nimmt die Pinne des 30PS Mercury Außenborder und gleited zielstrebig mit 50 Stundenkilometer über die Lagune von Faro von Olaho nach Culatra. Alle Achtung. Alle Achtung. Ihr Rettungsgerüst hat Sue abgelegt. Braucht sie nicht mehr.

Inzwischen haben sie an Deck gerefft, so dass ich in Ruhe in der Kombüse kochen kann. Sportlich segeln werden wir noch genug. Am Wochenende ist ein 20+ Knoten Fenster um nach Madeira zu warpen. Bis dahin üben wir. Segel rauf und runter, von steuerbord, nach backbord, Wenden, Halsen, Genacker segeln und natürlich kochen, kochen… Jetzt liegt erst mal der Rio Guadiana an. Der Grenzfluß zwischen Portugal und Spanien. Mitten in der Nacht werden wir ankommen. Is ja immer so.

20150908b

Schon wieder eine tolle Crew. Was hab ich ein Glück!

 


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Endlich wieder unterwegs

Die Urlaubssaison geht zu Ende, die Häfen sind wieder leer und es ist eine kurze Schönwetterperiode angesagt. Eventuell die letzte Chance auf etwas Sommer in diesem Jahr. Also packe ich meine Sachen und fahre die stets endlos wirkende Autobahnstrecke an die Flensburger Förde. Unterwegs schnell einkaufen, die Sachen aufs Boot verstauen, umziehen, Diesel starten und….der immer wieder einzigartige Moment des Lösens der Leinen. Die Uhr tickt sofort spürbar langsamer, sobald ich aus der Box gleite. Hinter der Hafenausfahrt gehen sofort die Segel hoch (der Wind kommt von achtern) und dann dieser nächste, immer wieder herzerwärmende, Moment: Motor aus. Nur unter Segeln gleitet La Mer sofort mit 5 Knoten Richtung offene Ostsee. Über Funk erzählt jemand von dem tollen Segelwind von Gelting aus in Richtung Marstal. Damit steht mein Ziel fest. Marstal. Das Tor zur dänischen Südsee. Hier bin ich immer wieder gerne und mit Erreichen von Marstal befinde ich mich bei dem vorhergesagten Ostwind auch schon wieder auf einem sehr langsamen Heimweg. Perfekt. 

 Die Förde bleibt zurück

Jetzt nur noch kurz Alois von dem Ziel berichten. Er bricht von Maasholm aus auf und wir wollten uns treffen. Mit dem Handy in der Hand stehe ich im Cockpit auf den Bänken und lehne über der Sprayhood, als die Sonnenbrille von der Nase rutscht. Instinktiv geht meine rechte Hand nach oben und zack, das Handy prallt auf die Sprayhood, von dort aufs Seitendeck und trotz meines starren Blickes, der es probiert dort zu fixieren, plupp, ins Wasser. Nichts mehr mit verabreden. Er wird sich Gedanken machen, meine Frau anrufen, die wird sich Gedanken machen und bei mir geht nun wohl statt einer Flunder eher die Mailbox ran. Doofe Situation. Bremen Rescue zu rufen mit der Bitte meine Frau zu kontaktieren, erscheint mir überdimensioniert. Also rufe ich zwei vorbeifahrende Yachte mit ihrem Bootsnamen an. Keine Reaktion. Na gut, ich bin ja nun nicht tagelang unerreichbar, sondern nur die 4 Stunden nach Marstal. Wird schon gehen. Rauschefahrt, halber Wind und noch eine kräftige alte Welle. Ich sitze auf dem Vorschiff und lasse Sindbad, meinen Autopiloten, arbeiten. Sommer, Sonne, Meer…traumhaft.

 Südspitze Aerö

Bei Sonnenuntergang mache ich in Marstal fest. Im September wird es ja schon wieder früher dunkel, das hatte ich beinahe vergessen. Kein Alois. Erstmal melde ich ich über EMail bei meiner Frau mit der Bitte ihn zu kontaktieren. Ohne Erfolg. Nur Mailbox. Wenn er man bloß nicht noch im Dunkeln draussen rumschippert. Aber ich habe andere Sorgen, mir ist kotzübel. Wohl von der eingeschweissten Forelle, die nun etwas länger ungekühlt herumlag. Trotzig laufe ich noch durch Marstal um es zu ignorieren, aber dann ist Schluss und der Fisch findet seinen Weg nach draussen. Und danach geht es direkt mit Bauchschmerzen ab ins Bett. Morgens geht es etwas besser und ich bringe den Müll von Bord. An der Müllstation treffe ich wen? Alois, und seine abenteuerliche Geschichte. 

Doch erst einmal sei vorweg erzählt: Alois segelt gerade seit 2 Wochen und hat sich vor ein paar Tagen mit meiner Unterstützung eine Bandholm 24 gekauft. Und beim Überführungstörn wurde er seekrank. Und der Aussenborder ist unzuverlässig. Die Elektrik habe ich ihm bereits soweit gerichtet. Ich dachte er ist auf der Schlei gut aufgehoben für den Anfang, aber Alois träumt von der großen weiten Welt. Also hat er sich kurz erklären lassen, wie er das erste Reff einbindet und ist dann um 1800h auf die Schlei, Kurs Ost. 15 Minuten später wundert er sich bereits warum trotz beider gehissten Segel das Boot keine Fahrt macht. Und das doch nur ein paar Meter neben dem Tonnenstrich. Am Ende kam er mit dem Aussenborder wieder frei und düste mit ordentlich Wind von der Seite Richtung Marstal. 

Da lachen die Möven

Gute 2 Stunden später wurde es dunkel und das Tablet mit der Navigation leer. Die Seekarte gibt nur her, das die Einfahrt nach Marstal im Dunklen nicht zu empfehlen ist. Also bleibt er vor der Einfahrt und wirft den Anker um Mitternacht. Er hat kaum Wind, aber viel Welle, doch der Anker hält. Mit dem ersten Tageslicht ist er dann in den Hafen. Für den ersten Törn einhand ist das eine Menge auf einmal. Respekt. Aber natürlich auch der erhobene Zeigefinger am nächsten morgen für diesen unglaublichen Leichtsinn. Denn: auch das Handy funktionierte nicht, Funk gibt es (noch) nicht an Bord. Nicht gerade ein Vorbild an Seemannschaft, wohl aber an Wagemut und Biss.

 Dänemark Spezial

Ich hoffe, das ich das als Mentor noch kanalisiert bekomme…ich repariere ihm dann noch die Ladebuchse für das Tablet und erkläre ihm sein Garmin Hand GPS, dann breche ich auf Richtung Strynö. Eigentlich nur 5 kurze faule Meilen, wie ich mir denke. Doch Rasmus hat andere Pläne.

 Wind kommt auf

Kurz habe ich in der Windstille von Marstal überlegt, ob ich mein Boot wirklich seeklar machen muss und alles wegräumen soll, wie es meine Bordgesetze befehlen. Dankbar bin ich nun dafür es getan zu haben, denn es hätte einigen Bruch gegeben. Und der Verlust des Handys schmerzt noch. Es gibt übrigens ein neues Bordgesetz bzgl. des Handys. Nur sitzend im Cockpit, und niemals lose in der Tasche. Jedenfalls wird es eine anstrengende Kreuzerei bis zur Hafeneinfahrt und noch darüber hinaus, denn ich laufe gerne bei viel Wind und Welle vor diesen fahrend ein, denn dann kann ich in aller Ruhe Fender und Leinen vorbereiten. Und unvorbereitet geht es in keinen Hafen. Bordgesetz. Alle Leinen wurfbereit über der Reling. Die vorderen Fender draussen. Die behindern nicht in der Box und hier ist immer der Erstkontakt zu Nachbarliegern. Die anderen Fender soweit klariert, das sie nur noch einen Tritt benötigen. Bootshaken griffbereit und das Cockpit aufgeräumt. Ich finde einen wunderbar geschützten Platz längsseits und warte nun wieder auf Alois. 

Hafenidylee auf Strynö

Viel passieren kann ihm auf dem kurzen Stück nicht, und jetzt lernt er eben Reffen und Kreuzen auf die harte Tour. Denn eines ist mal sicher: was man so gelernt hat, vergisst man nie wieder. Geht mir ja ebenfalls so. Man kann sich nicht alles in Ruhe erlesen, manchmal muss es wohl auch weh tun. Und es gibt einem eine gewisse Gelassenheit für das nächste Mal. Und eben kommt mir Alois überraschend entgegen…mit neuen Geschichten im Gepäck. Die erzähle ich dann morgen…denn jetzt geht es in den Dorfkrug :-)

Wäschedampfer Alois

Mein letztes Hemd

20150905

Wurzelgeschichten

Mein Lieblings T-Shirt. Zu eng. Mottenzerfressen. Zeit für Erneuerung. Gekauft 2005 für 5 $US auf einem Fleetmarket in Thailand. Gesegelt über Indien, Malediven, Chagos, Seychellen, Südatlantik, Brasilien, Uruguay, Cape Hoorn… Jetzt wird es wohl doch den Außenborder zieren, nicht mehr meine zartbesaiteten Schultern. Es gehörte zu den Sachen, die mir wichtig waren. Linkin Park steht in Nudelschrift auf dem Schmuckstück – Eine Musik die ich bestimmt nicht höre. Muss ich wohl wieder nach Thailand segeln…

Ich mache die Drohung wahr: Ich gehe zum Zahnarzt. In Portugal. Es ist viel besser als ich gedacht habe. Der zwei Köpfe kleinere Doktor ist fit. „Wenn ich da jetzt irgendwas dran mache, dann segelst Du in den nächsten zwei Wochen nicht mehr. Die Wurzelspitze des Backenzahns ist entzündet. Die Zyste drückt sich aus dem Kiefer raus.“ Das Röntgenbild verdeutlicht die Sache. „Keine Schmerzen?“ „Nein. Ich habe keine Schmerzen.“ Die halbstündige Konsultation kostet mich 20 Euro. Das Antibiotikum noch mal 10 Euro. Jetzt hoffe ich, dass die Entzündung in 10 Tagen weg ist und ich mir in Funchal / Madeira einen ebenso guten Doc finde, der die Wurzelbehandluch vornimmt.

 


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Mare Piu macht einen Film über Segeln. Und er erscheint Ende September.

Irgendwie ist dieser Traum so alt wie mein Traum vom Segeln. Kaum dass ich die ersten Male auf dem Meer war, wollte ich über meine Begeisterung fürs Segeln einen Film machen. 2002 trabte ich los und kaufte mir eine Videokamera. Delphine vor Korsika, die über 10 Minuten im Bug unserer JUANITA mitschwammen, filmte ich. Die ersten Aufnahmen vom Segeln mit zittrigen Knien im Starkwind nördlich Korsika. Aber daraus wurde nichts. 
Irgendwie wollte ich immer davon erzählen, wie es ist, auf dem Meer zu sein. Wie es ist, die Segel zu setzen. Wie es ist, draußen zu sein, auf der Überfahrt von Südfrankreich nach Calvi. Wie es ist in der Nacht auf dem Meer. Wie es sich anfühlt, wieder sicher im Hafen zu sein. Und jetzt ist es soweit: Auf meiner Reise von München nach Antalya entstanden in Italien, Griechenland, Türkei über 1.000 Videoszenen, im Kopf habe ich im vergangenen Jahr ständig an dem Projekt gearbeitet. Bin mit Kameramann Stefano Weber und Susanne im Mai diesen Jahres in die Türkei geflogen, für weitere Aufnahmen.
Den Film jetzt herzustellen hat aber noch mehr Spaß gemacht, als ich das erwartet hatte. Und das hat mit den Menschen zu tun, die ich für die Mitarbeit an diesem ersten Filmprojekt begeistern konnte. Meiner Verlagspartnerin Susanne, von millemari., die sich nach den ersten Videoschnippseln im Herbst sofort für das Projekt begeisterte und die Produktionsleitung übernahm. 
Stefano, der mich mit seinen Kameras eine Woche segelnd von Marmaris bis Rhodos filmend begleitete. 
Manu und Jan von MUSICNSTUFF, die mich für ein langes Wochenende in ihr Tonstudio in Olching ließen und mich in der Kunst des Vorlesens unterrichteten. 
Marco, der die Aufnahmen als Tontechniker begleitete. 
Und ganz besonders Felix von der Münchner EMMAFILM, der sich mit Susanne und mir mehrere Wochenenden um die Ohren haute und mit Herz & Hirn und Know-How den Film erst zu dem machte, was er geworden ist: Etwas, was vom Meer, den Menschen, den Ländern dort erzählt, wie ich immer vom Meer erzählen wollte.
Und jetzt?
Wir sind fast fertig mit den Arbeiten. 
Und jetzt, während ich hier auf Kithira, Monemvasia, Spetses auf LEVJE sitze: Schreibe und filme ich bereits wie ein Besessener. Für meinen zweiten Film, der im Frühjahr 2016 kommen wird.
Aber jetzt hoffe ich erstmal, mit meinem Film nicht nur meinen Nerv und den meines Teams getroffen zu haben: Sondern auch den Nerv der Menschen, die das Meer lieben. So wie wir.
Grüße von LEVJE aus Spetses
Thomas

Culatra kennenlernen

20150904

Der Zeitmaschine entfliehen

Die Insel Culatra bildet das südliche Ende der Lagune von Faro. Hier ist der Hund begraben – zumindest jetzt und heute – was gut so ist. Die Anchorage ist entspannt und sicher. Ein kleiner Fischerhafen lädt zum Festmachen ein. An Land: Niedrige Häuser, weiß getüncht. Die Straßen weitestgehend aus Sand. Lange Strände. Während Jan auf Fototour ist muss ich dringend die 4G Mobilfunkkarte wieder ausladen. In der letzten Nacht habe ich einen umfangreichen Download vergessen abzuschalten. 6GB Datenvolumen sind weg. „Na mal gut, dass mir das nicht passiert ist Micha!“, grinst Jan mich an. „Stimmt!“ Ich kämpfe mich im Büro des kleinen Dorfes mit Spanisch durch. Es klappt besser als ich gedacht habe. Wenigstens ein paar Brocken portugiesischer Grundkenntnisse kann ich einfließen lassen und so mein MEO Guthaben wieder mit 30 Euro updaten. Drei nette Frauen kümmern sich gleichzeitig um mich. Das gefällt mir. Jetzt muss das aber noch in Datenvolumen umgewandelt werden. Kenne ich schon. Damit kennen sie sich nicht aus und schon sitze ich alleine da. Aber auch das schaffe ich per Telefon und siehe da. Eine SMS: 16GB für 16 Euro. Jawohl. Das hätte über Alditalk EU Datentarif 665 Euro gekostet. Die Aktion hat sich gelohnt. Die Kosten für den Sprachkurs als iPhone APP habe ich wieder raus und werde den updaten!

20150904a

Auch ich schaue mir die Insel an. Ohne Jan. Nen bisschen Abstand tut auch mal ganz gut. Culatra ist mit Worten nicht zu beschreiben. Ein vergessener Sandhaufen, der eigentlich komplettes Naturschutzgebiet sein sollte, aber von portugiesischen Fischern und Muschel-Züchtern bewohnt wird. Eine Handvoll Restaurants, zwei drei Gemischtwarenläden. Ich fühle mich versetzt nach Graciosa im Norden von Lanzarote oder den Islas Roques vor der venezolanischen Küste. Ein dutzenden Katamarane liegen weit in der Lagune, werkeln und schrauben an ihren Schiffen. Das Leben ist entspannt, entschleunigt. Ich lerne Nuno kennen. Nuno ist hier aufgewachsen. Wie viele Culatraner, lebte auch seine Familie vom Muschlfarmen. Vor ein paar Wochen ist sein Vater verstorben, er muss sich um Haus und Hof kümmern. Eigentlich wohnt Nuno nicht mehr in Culatra, er arbeitet in einem Hotel in London. „Dort verdiene ich in einer Woche, wofür ich hier einen Monate schufte.“ Nuno erzählt mir viel über Culatra, über die Muschelzucht, über die Segler und die Spanier, die das Island bevölkert haben. Nuno liebt seine Insel, auch wenn er nicht hier sein kann. Seine Freundin wohnt schräg gegenüber. Nuno lädt mich ein. Ich kann aber auch nicht. „Vielleicht morgen“, nicke ich, wohlwissend das ich morgen keine Zeit haben werde.

„Hier bleiben wir jetzt erst mal über den Winter Jan!“ So machen das Fahrtensegler. „Du suchst Dir eine Freundin hier und dann machen wir ein Restaurant auf!“ Jan schaut mich ungläubig an. „Der spinnt mal wieder der Alte. Zuviel gesegelt. Eindeutig, mag er denken. Mir soll es egal sein. „Morgen früh fahren wir nach Olhao mit der Fähre. Ich muss zum Zahnarzt.“

 


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Faro – Der Leuchtturm

20150903

Ende eines Schlag’s

Natürlich. Wir sind nicht so früh losgekommen, wie eigentlich geplant. „Schau mal da steht jemand am Strand und winkt seinem Surfbrett. Das muss Nick sein. Mit Nick und seiner supernetten hochschwangeren Frau Sandy, habe ich mir vor fünf Jahren lange auf der Boot Düsseldorf unterhalten. Über Träume, über was sonst. Nick ist ein Träumer, er träumt vom Meer und strahlt mit sonnigem Lächeln. „Sandy hat mich mit unserem zweiten Sohn verlassen. Ich bin jetzt alleinerziehend mit meinem fünfjährigen Sohn Noah. Wir wohnen hier in unserem LKW. Ab morgen geht Noah hier zum Kindergarten.“ Nick hat sich nen Ast ab gefreut, dass wir hier in Sagres vorbeisegeln und sich schon vor Wochen per Comment gemeldet um mich abzupassen. Jetzt sitzen er und sein Sohn Noah im Cockpit der MARLIN und erzählen Geschichten und träumen wieder, wieder vom Meer.

Jan und ich legen die 60 Meilen nach Faro dann heute recht schnell hinter uns. Halber Wind und raumschots. „Auf 24 Stunden wäre das ein Etmal von 194 Meilen gewesen. Nicht schlecht.“ Aber ich habe einen Fehler gemacht. Der Eingang in die Lagune von Faro ist eng. Klar, dass hier Strömung steht, wenn drei Meter Tidenhub, das Wasser strömen lässt. „Nanana Skipper“, tadel ich mich selber. Darum hat sich immer Nathalie gekümmert, die ist aber nicht da und Jan fehlt die Erfahrung und das Wissen. Wir haben Glück: Genau eine Stunde vor Hochwasser kommen wir an dem engen Nadelöhr an und segeln mit Motorsicherheit um die Ecke. Eine leichte Strömung zieht uns bei Böen bis 30 Knoten in die Lagune. Ich sag einfach mal nix dazu. Hätte der Zufall uns nicht zur richtigen Zeit hier sein lassen, hätten wir vorbeisegeln müssen. Ich vermute mal, dass hier mehr als vier Knoten Strömung stehen können und das gegen den Nachmittagswind. Braucht man nicht wirklich.

Gestern Abend machen wir noch einen Kneipenbummel durch Sagres. Hier ist alles auf Surfer ausgerichtet. Die Restaurants sind voll mit Pärchen. Man vermutet die berühmte Brauerei Sagres, doch die steht in der Nähe von Lissabon und wenn wunderst: Gehört Heinecken Bier. Jan hat eine Kneipe via Tripadvisor rausgesucht. „Schick hier.“ Überall sitzen Pärchen und halten brav Händchen, schauen sich tief in die Augen, planen ihre Zukunft, essen Salat und trinken Bier, ein DJ taucht auf, aber die Saison ist schon wieder vorbei. „Hier ist doch schon Winter!“, klärte uns schon Nick am Nachmittag auf. Die Suche nach weiterem Leben verläuft relativ erfolgslos, bis ich eine alte Kneipe mit trüben Fenstern, einer alten Bar, einem noch älteren Wirt am Wegesrand auftaucht. Ich ziehe Jan da rein. Micha’s Instinktadvisor versetzt uns 30 Jahre zurück. Ein paar Fischer mit unfrischen T-Shirt schauen uns unfreundlich an, ein paar andere spielen Billard und lachen, ein Fernseher zeigt ein Pedro Almodo?var Film, zwei junge, hübsche Mädchen aus dem Dorf spielen Karten an einem der alten Stahlrohrtische. Das ganze beleuchtet eine billige Neonröhre über der Bar. Das Bier kostet jetzt nur noch ein Euro. Hier treffen sich keine Touristen und nach ein paar Minuten gehören wir zum Bild des Abends dazu.

Bei Tageslicht schaffen wir es heute grade noch bis zum Ankerplatz. Voll wie auf den Antillen, bleibt uns fast kaum Platz zum Ankern. Ich will natürlich mitten rein. ROCNA reinkicken und das Eisen hält sofort. Coole Erfindung. Ich mache was zum Essen warm und schon ist die Sonne weg. Na ja. Morgen ist auch noch ein Tag. Jan ist heute ein bisschen muffelig. Am Anfang war das Leben als Bootsjunge spannend und abenteuerlich, jetzt schleicht sich der Alltag ein. Zu wenig Landgang. Immer der Alte. Immer Segeln. Da gibt es eben auch schon mal Tage, wo einem die Decke auf den Kopf fällt. Kenn ich. Aber ich glaube ich bin extrem verwachsen mit dem Bootsleben. Ich bin einfach kein Maßstab.

 


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SV Larifari – Petra + Adelbert Niemeyer GER

DER WEIHNACHTSMANN HAT SCHULD

X Mas
Genauer betrachtet, eigentlich die weibliche Regierungszentrale, die ihrem Herzallerliebstem Angetrauten das ganz besondere Geschenk unter den Weihnachtsbaum hatte legen wollen: einen eisernen Steuermann für die LARIFARI, die segelnde Metamorphose der bekannten Kasperle Figur aus dem weltbekannten Münchner Marionettentheater, im schnöden weltlichen Leben als IF Boot unterwegs.

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Gesagt, getan und abgemacht, die Heckverzierung wurde neutral verpackt und an eine unverdächtige Under Cover Stiftungs Empfängeradresse in München in neutralem Firmenwagen vorgefahren, wo sie bis zum Tag der Bescherung verbleiben musste.

Der Weihnachts Coup hat jedenfalls bestens geklappt, wie man mir unverzüglich berichtete. Aus eigener Erfahrung mit mir Angetrauten, weiss ich, dass derart exorbitante Weihnachts Präsente den Empfänger sprachlos zu machen in der Lage sind, zumindest jedwede ggf. schwärenden Unzufriedenheiten, ad hoc zu beenden. Kurz, der Mann hatte fortan sein Winterspielzeug und seinen Job, das Schiff im heimischen Garten auf kommende See Abenteuer im Mare Nostrum vorzubereiten.

Nach Monaten spannender Sendepause, dann vor einigen Tagen die erlösende Nachricht: Endlich mal eine Windpilot Anlage, die tatsächlich funktioniert !!!

Hier der Wortlaut einer Meldung eines zufriedenen Eigners, die hier weder geglättet, noch angehübscht oder gar verfälscht, wiedergegeben wird:

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Sehr geehrter Herr Förthmann,
wir sind zurück von einer sagenhaft schönen Reise im Mittelmeer. Gestartet in Castiglione della Pescaia und in aller Ruhe einmal um Elba herum verbrachten wir 3 herrliche Wochen auf unserem LARIFARI.

Gleich beim ersten Testschlag nach dem Aufriggen habe ich Ihre Anlage bei etwa 3 Beaufort getestet. Keine 5 Minuten habe ich zur Einstellung gebraucht, dann lief das Schiff wie auf Schienen, auf jedem Kurs! 

Sagenhaft! Nicht nur ich habe mich gefreut, auch meine vorher so skeptische Frau war vollkommen überzeugt.
Sie haben Recht, wenn Sie sagen, dass man von Hand vermutlich nicht so präzise und konstant segeln kann. Ich bin also schlichtweg begeistert. Wir haben die Windpilot auf der Reise immer wieder eingesetzt mit immer wieder 
überzeugendem Erfolg, große Klasse!!!

Und ich weiß, dass mein früheres Vorhaben, so eine Selbststeuerung selber zu bauen, möglicherweise zum Erfolg geführt hätte, aber nicht zu der Eleganz jedes einzelnen Teils Ihrer Anlage. Alle anderen Anlagen haben nicht die Leichtigkeit im Aussehen, scheinbar auch nicht die Perfektion im Detail. Bei so einem kleinen Boot wie unserem ist ja nun auch die Optik entscheidend und da kann man nicht meckern. Auch hat die Anlage nie gestört, nicht beim Baden, Anlegen an der Mole oder bei sonstigen Manövern.

Also ganz phantastisch. Sie haben mir eine große Freude bereitet. Bei uns ist die Saison fast vorbei. Im September segeln wir noch eine Regatta mit meinem Bruder in Florida, dann kann der Winter kommen.

Herzliche Grüße und Dank
Ihr Adelbert Niemeyer

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Angekommen an der Algarve

20150902

We really did it!

“Eh Jan. Guck mal Ernst. Ne. Nicht lachen. Ernst gucken!“ Jan und ich haben es geschafft. War jetzt wirklich nicht so schwer. Wir sind natürlich wieder mitten in der Nacht angekommen. Weit nach Sonnenuntergang, weit vor Mondaufgang. Also. Wir haben mal wieder dem Tiefenmesser vertraut und der elektronischen Karte natürlich. Hat immer was, am nächsten Morgen dann aus der Luke zu schauen, wo man denn so angekommen ist mitten in der Nacht, in der Dunkelheit.

Jan ist Bootsjunge. Immer wieder bekomme ich Anfragen. „Ich will auch Bootsjunge sein.“ Dahinter steckt die Vorstellung „Hand gegen Koje“ mitzusegeln. Is aber gar nicht so. Jan hat einen echten Job auf der MARLIN. Ich, organisierter Ex-Geschäftsführer, beschäftige Jan in jeder seiner freien Minute mit Reparaturen, Putzen, Aufräumen, Sachen klar machen etc. Im Pilothaus liegt eine lange Liste. Jeden Tag soll etwas abgestrichen werden. Dafür gibt es eine Koje, frische Luft, Wasser & Brot und eine kleines Taschengeld. „Modernes Sklaventum“, sagte letztens mal ein Freund zu mir. „Wieso. Er darf dafür doch mitsegeln“, grinse ich.

Hört sich schlimmer an als es ist. Jan und ich, wir verstehen uns sehr gut. Er hat eine gute Eigenschaft: Er kann mich geflissentlich ignorieren, wenn ich grade mal meine dollen fünf Minuten habe. Ins eine Ohr rein, aus dem anderen Ohr raus ;-) „Jan, schade dass Du nur bis Ende September dabei sein kannst“, und das meine ich Ernst. Jan und ich haben im Moment keine Gäste, weil wir so viel an der MARLIN zu tun haben. Denn wenn Mitsegler dabei sind, dann muss der Kahn in Schuss sein. Am Wochenende kommen zwei. Susann und Dieter. Bis dahin wollen wir in Faro sein. Das werden wir wohl schaffen. Wir freuen uns auf unsere neuen Mitsegler. Jetzt ist erst mal Büroarbeit angesagt, für mich. Ich habe auch eine lange Liste. Viel länger als Jan’s Liste ;-)

 


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