Monatsarchive: Mai 2015

Segeln auf der Marlin – Dann machst du alles richtig!

20150507

Oder einfach nur ein geiler Tag

Der Skipper schläft und ich nutze die Gelegenheit seinen Blog zu schreiben :) Es ist Donnerstag, der 7. Mai. Wir haben uns auf Grund eines Besuchs einer Dame von der Hafenverwaltung von Bodö, dazu entschieden früh aufzubrechen. Also Wecker auf 5:30 gestellt und ohne groß Frühstücken die Leinen los und langsam rückwärts raus. Bei einem 30 t Boot mit ordentlich Rad-Effekt gar nicht so einfach. Aber der Skipper macht das schon. Wir motoren aus dem Hafen von Bodö. Entgegen der Prognose haben wir etwas Wind. Naja und Regen. Aber nur leichten und dagegen kann man sich ja warm anziehen. Nach etwa einer Stunde, haben wir genug Platz zwischen den Untiefen um die Segel zu setzen. Das Groß ins 2. Reff und die Genua gesetzt. Es klappt alles ganz gut und selbst Micha sagt „Gut gemacht! Wenn wir an der nächsten Untiefe vorbei sind gibt `s Frühstück.“ Nach Gefühlt einer Ewigkeit, es ist gerade mal 8:10, macht Arved das Frühstück und wir sitzen zusammen im Salon und Frühstücken. Bis vor ein paar Tagen wäre das für mich aus mehren Gründen nicht möglich gewesen…unter anderem wäre mir sehr schlecht gewesen. Aber nach recht kurzer Zeit sind mir doch tatsächlich Seebeine gewachsen ;)

20150507a

Nach dem Frühstück gehen wir meine Aufzeichnungen von gestern durch – die Überfahrt zu den LOFOTEN. Die bestehen aus ganz vielen kleinen Inseln. Idealerweise fahren wir von Süd-Osten an die Lofoten ran. Es gibt den Ort mit dem kuriosen Namen AA oder °A. Von da aus kommen wir ganz einfach zu den anderen schönen Orten. Zudem ist dieser Ort die Heimat einer bekannten Sängerin (Karin Brenes). Bemerkenswert bei nur ca. 300 Einwohnern. Die Überfahrt scheint gemütlich zu sein, 5 kn fahrt bei 11 kn Halbwind Kurs, berechnet sind knapp 5 Std bis zum entscheidenden Wegpunkt. Insgesamt aber doch 50 Meilen.

20150507b

Langsam tauchen Bergrücken am Rande des Horizontes auf. Ein schöner Anblick, etwas unscheinbar noch. Eine Nebelbank setzt sich vor die Bergrücken. „Sagt mal Arved, wo ist eigentlich der Skipper?!“ „Im Motorraum. Seinem momentanen Lieblingsplatz…“ Wenig später kommt Micha aus dem Motorraum, stahlt und erklärt er habe den Fehler gefunden. Er möchte den Kühlkreislauf des Generators ändern. Er verschwindet wieder im Motorraum. Wenig später taucht ein Kopf auf und sagt nur: „Probier nochmal den Generator zu starten.“ Nichts passiert…und schon war der Skipper wieder 1 Std. nicht zu sehen. Freude strahlend kommt er wieder ans Tageslicht und sagt: „Ich hab den Fehler gefunden! Es war mal wieder Korrosion. Ein Kabel hat sich blank gescheuert und die Sicherung ist durch gebrannt.“ „Sagt mal habt Ihr die Landschaft eigentlich schon gesehen…?“ Mittlerweile sind beeindruckende Bergrücken am Horizont zu sehen. Schneebedeckt, mit einem Nebelvorhang auf etwa 1/3 der Höhe. Einfach nur schön. Wir beschließen ein Video zu drehen, mit den Lofoten im Hintergrund und machen dazu noch ein exklusives Fotoshooting. Der Wind kommt beinahe zum erliegen, wir sind knapp 15 Meilen von den Lofoten entfernt und unser Navi-Programm sagt uns immer noch 5 Std. bis zum Ziel.

Arved legt sich kurz schlafen oder schreibt Briefe (er war jedenfalls länger nicht zu sehen) und der Skipper hat sich unbemerkt wieder in den Motorraum geschlichen. Ich genieße den Ausblick und beschließe bei angenehmen 16 °C ein Sonnenbad im T-Shirt zu nehmen. Es ist Sommer, nicht nur in Deutschland auch im Nordpolarkreis! (Merke: Sommer ist wenn der Heiko im T-Shirt rum läuft!) Wir dümpeln weiter langsam auf die Lofoten zu. Der Skipper kommt strahlend aus dem Motorraum, setzt sich neben mich und meint: „Weißt du, in Bodö wollten sie Geld dafür haben, das wir im Hafen liegen und Geld in Geschäften ausgeben. Aber schau nur, das ist doch geil. Das sieht heute kein anderer…Das ist Segeln. Es kostet nichts. Dieser Anblick ist besser, als alles was ich bei der Weltumsegelung gesehen habe… Ich möchte dort eigentlich nicht ankommen und stattdessen weiter diesen Anblick genießen.“ Der Anblick ist einfach nur geil. Der Skipper ist wieder verschwunden. Nach einer gewissen Zeit, wir sind etwa 5 Meilen vor °A (der Wind ist quasi nicht mehr vorhanden, fahren wir rückwärts?!) beschließt der Skipper immer noch im Motorraum: „Segel runter und Motor an!“ – Also doch nicht „nicht da ankommen“. Der Anblick ist super. Kalte Fallwinde von den Bergen kommen und es ist nur noch mit Pullover und 2 Jacken auszuhalten. Der Nebel ist verschwunden. Da, ein Haus, und dort ein zweites… Langsam fahren wir auf °A zu, wir finden Platz in an einem Steg in mitten von 20 Häusern und einem ca. 4.5 m tiefen natürlichem Becken. Arved und ich beschließen das Dingi klar zumachen und noch ein wenig Fischen zu gehen, es ist ja erst „Nachmittag“ (eigentlich 20:30, aber die Sonne geht ja hier nicht mehr unter). Mit dem kleinem Dingi und dem Angelkram kurz vor die Bucht, direkt vor die kleine Untiefe. ZACK und der erste Fisch lässt gar nicht lange auf sich warten. Verdammt, es waren doch mehr als 4 Minuten bis zum ersten Fisch…

20150507c

„Dahinten an der Küste, schau mal Arved, sind das Wale?“ „Nein, viel kleiner, vielleicht Delfine?!“ Die Gruppe Meeressäugetiere kommt näher. Es ist eine Gruppe von mindestens 7 Tieren. Unglaublich nah, vielleicht 300 – 400 m. Live und nicht im Fernseher. Und ja, es sind Orkas. Sie tummeln sich direkt vor der Einfahrt nach °A. Wir beobachten Sie, vergessen zu angeln oder gar sie auf Film zu bannen. Wir genießen den Augenblick. Sowas kann man nur hier erleben! Unglaublich.

20150507d

Sie ziehen weiter und wir ziehen einen Dorsch nach dem anderem raus. Die kleinen unter 70 cm werden zurück in die Freiheit entlassen, den Rest nehmen wir mit zurück auf die Marlin. Während Arved die Fische filetiert und der Skipper schläft, hab ich die Zeit diese Zeilen zu schreiben. Ich schau auf die Uhr, es ist weit nach Mitternacht, aber es ist immer noch so hell als wäre es früher Abend in Deutschland. Mittagessen gibt`s wohl heute nicht mehr, aber es war trotzdem einfach nur ein geiler Tag. Moment, da steht der Skipper auf und stellt sich in die Küche. Unglaublich. Wir essen um zwei Uhr nachts fangfrisch, frischer geht es nicht, die Filets zucken noch in der Pfanne. Segeln auf der Marlin. Dann machst Du alles Richtig! Da hast Du was zu erzählen.

Heiko

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und eventuell weiter nach Spitzbergen. Im Juni-July kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

Angekommen in Bodö

20150505

Ein Weizenbier 15 Euro

Ja, wir haben es geschafft. Die letzten 40 Meilen leider ohne Wind. Eine Wettererscheinung, die nur von den lokalen Wetterbericht yr.no gezeigt wurde. Ob das durch die hohen schneebedeckten Berge kommt, die unsere Reise als Szenerie begleiten? Die letzte Hundewache hat mich fertig gemacht. Ich habe kleine Augen. Kaum habe ich mich erholt, erfasse ich, dass unser Kühlschrank nicht mehr kühlt. Die Johnson Zirkulationspumpe, zuständig für die Wärmeabgabe von Kühlschrank- und Gefrierschrankkompressor läuft nicht. Ich werde wahnsinnig. Wird das denn nie ein Ende haben. Ich ziehe jetzt aber keinen Blaumann an. Die Kompressoren sind hinter der Kleiderkammer, eigentlich einer zweiten Dusche, unter der Sicherheitsausrüstung und dem Mehllager. Es passt also, dass Heiko uns nach Bodoe unter Motor steuert. „Arved. Du kannst helfen. Kannst Du bitte die zwei indirekten LED Leisten hinter den Regalen anbringen und die Leitungen dafür ziehen?“ Geteiltes Leid ist halbes Leid. Warum soll nur ich in den Genuss kommen, ständig und immer reparieren zu müssen. Wären da nicht noch 40Kg Fleisch im Gefrierschrank, ich würde das aktuelle Problem wesentlich entspannter sehen. Die Pumpe ist nicht kaputt. Es stellt sich nach langem Suchen heraus, dass lediglich eine Quetschverbindung in der Stromzufuhr korrodiert ist. Der hohe Anlaufstrom der Pumpe kommt da nicht durch. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Das Fleisch im Gefrierschrank ist gerettet.

In Bodoe docken wir mitten vor dem Zentrum an. „Off Season. Das ist bestimmt kostenlos“, entscheide ich. Eine Stunde Schlaf, die Jungs sind schon mal in die Stadt. „Wir haben den geilsten Laden der Stadt gefunden!“, steht auf dem SMS. Der geilste Laden ist aber am Dienstag Abend leer. Der Billard Tisch ist frei. Es gibt Franziskaner Weizen. Eine Kiste fünfzehn Euro. Nene, eine Flasche fünfzehn Euro. Die Jungs stehen am Billard Tisch. „Na Arved. Wir spielen doch bestimmt um ein Bier!“ Das macht er nie wieder, da bin ich mir sicher.

Und jetzt kommt’s. Also um klar zu stellen. Ich bin zwar schon zwei Wochen in Norwegen, aber außer meinen Gästen und dem Motorraum habe ich noch nicht viel mit Norwegern zu tun gehabt. Am längsten habe ich mich bisher mit dem Zoll unterhalten, die unser Boot nach Alkohol untersucht haben. Ich flüchte heute. „Ihr macht die Küche. Ich muss Motoröl besorgen.“ Ich pilger zu den Fischern auf der anderen Hafenseite. Einer schweißt grade an einer Alukonstruktion. „Hey, ich brauche ein kleines Stück Alublech.“ „Geh mal in den Workshop. Unter der Werkbank.“ Fündig geworden frage ich nach dem Preis. „Nix“, grunzt mich der ungeschorene an. „Wo kann ich Öl kaufen? 15W40!“ „Oben neben der Tankstelle ist ein Laden. Hast Du ein Auto?“ „Ne, nur ein Boot.“ „Hmm.“ Er geht auf sein Kahn, kommt wieder und drückt mir seinen Autoschlüssel in die Hand. „Fahren kannst Du aber selber. Oder? Hast Du einen Führerschein?“ Ich bekomme den Mund nicht mehr zu vor Staunen. Das ist mir im Leben noch nicht passiert. „Im Auto liegt auf dem Beifahrersitz ein Notebook. Im Fach unter dem Autoradio steckt eine dicke fette Rolle mit Geldscheinen. Ein paar tausend Kronen. „In welchem Film bin ich den grade?“

Zwei Jahre ist die MARLIN jetzt unser. O.K. Das Öl habe ich schon mal gewechselt, aber viel mehr an Liebe hatte Johann der Yanmar noch nicht bekommen. Heute ist es so weit. Die Ventile sind dran. Stellen sich als zu eng eingestellt an. Zwei Stunden später läuft Johann rund wie neu, viel leiser und rauchen tut er auch nicht mehr. Technik. Ich komme über die Geschichte mit dem Fischer immer noch nicht drüber weg.

Keine Fortsetzung von „Abenteuer Weltumsegelung“ auf ZDF info

Liebe Leser, die Redaktion von ZDF info hat sich dazu entschieden, unsere Reise nicht mehr in ihrem Programm zu begleiten. Ausschlaggebend sollen die schlechten Quoten der zweiten Wiederholung von „Abenteuer Weltumseglung“ sein, die zeigen, dass Reportagen mit latent sportlichem Hintergrund…

Die vergessenen Inseln: Asirli Adasi. Wo der Pfau am Morgen schreit.Oder: Wem gehören eigentlich die vergessenen Inseln?

Es ist still an diesem Morgen im Mai. Die Wasseroberfläche nur eine Verlängerung der Millionen Farbtöne des großen Blau darüber. Asirli Adasi, die unbewohnte kleine Insel links, liegt in tiefem Frieden und bewacht wie seit Jahrhunderten die östliche Einfahrt in die Lagune von Kekova im Süden der Türkei. Nur der Schrei eines Pfaus dringt durch die morgendliche Stille herüber.
Moment mal: Ein Pfau?
Pfauen gibt es doch nicht in freier Wildbahn?? Auf einer unbewohnten Insel???
Über Asirli Adasi, die vergessene Insel, ist nur wenig bekannt. Aufgrund der unzähligen antiken Mauerreste, die überall über und unter Wasser herumstehen und des genialen Ankerplatzes ist es sicher ein Landstrich, der bewohnt ist, seit Menschen überhaupt siedelten oder zur See fuhren. Ruinen einer christlichen Kirche stehen am Ufer, Tonscherben am Boden, Hellinge und Werftanlagen aus byzantinischer Zeit, sind in die sperrigen Felsen am Ufer gemeisselt.
Und danach? Glaubt man dem Internet, war Ahmet Emin Silahyüreki der letzte Besitzer Asirli Adasi. Er war Einwohner des nahegelegenen Dorfes Ücagiz. Wer immer Ahmet Emin Silahyüreki, über den sich das Internet ansonsten ausschweigt, war: Seine Insel wurde vom türkischen Finanzministerium übernommen, als der gesamte Golf von Kekova vor ein paar Jahrzehnten unter strikten Landschafts- und Naturschutz gestellt wurde, zum Schutz der antiken archäologischen Stätten und der Naturdenkmäler. Freiwillig ging das alles wohl nicht zu: Die Einwohner des Dorfes scheinen sich bis hin zum obersten türkischen Gerichtshof gewehrt zu haben, bis die Sache 2004 dort endgültig entschieden wurde. Zu Ahmet Emins Ungunsten. Auch wenn dies alles also weniger freiwillig vor sich ging: 2004 entlud Ahmet Emin Silahyüreki zusammen mit einigen Helfern an die 50 seltene Tierarten auf der Insel, die einmal die seine gewesen war: Antilopen, Hirsche, Steinböcke, Gemsen. Und vielleicht war auch ein Pfauenpärchen dabei. Und siehe: allesamt vermehrten sich ganz wunderbar. Und ganz ohne weiteres Zutun. Die Insel war von Besuchern verschont, nur einige Touristen kamen, Reisende, um die Tiere tagsüber in freier Wildbahn zu beobachten, die dort friedlich und ohne Feinde lebten.
Aber wie das so ist mit den Menschen und dem Paradies: Es währt nicht lange. Als sich die Zahl der Tiere auf etwa 150 vermehrt hatte, begannen Wilderer sich für die vergessene Insel zu interessieren. Der Bestand der Wildtiere sank auf knapp 60 Tiere, immer wieder fanden Besucher angeschossene oder verendete Tiere. Es ging, bis Aktivisten bei den Behörden Alarm schlugen.
Jetzt? Scheint sich das Leben auf Asirli Adasi normalisiert zu haben. Kein Büchsenknallen ist von Asirli Adasi am Morgen zu hören. Nichts.
Nur der Schrei des Pfaus, der durch die morgendliche Stille herüber dringt.

Um drei Uhr Nachts auf dem Nordmeer

20150504

Getting North

Gegen Mittag schmeißen wir die Leinen los und segeln Richtung Bodö los. 170 Meilen. Das Wetter sollte o.k. sein. Rüttger von Intermar bestätigt das. Beste Funkverbindung im Moment mit Deutschand. Sogar aus dem Hafen von Roervik. „Morgen kommt ihr bis zu den Lofoten. Danach ist erst mal Essig und eine dicke Nordwindphase“ So ist das hier in Norwegen. Aber es gibt alles. Es bläst aus Nord, aus Süd, aus West auch sehr gern und heute mal aus Ost. Uns soll es Recht sein. Mitsegler Heiko darf entscheiden. Innen, zwischen den Schären rumfummeln oder flott auf die offene See. „Übers Meer entscheidet er mutig.“ Arved und ich lachen frohmutig. „Gute Entscheidung! Also nichts wie weg hier.“ Aus der Ausfahrt raus ist der Horizont gespickt mit Bergen und hohen Inseln. Im Land der Feen und Hexen. Die Berge sind allesamt mit Schnee bedeckt. Es ist sieben Grad heute, am Mittag wird es aber schon gewaltige 15 Grad werden. 20+ Knoten Wind stehen auf der Nadel und wir fangen mal mit der Fock im Fjord an. Fünf Knoten. Dann setzten wir das dritte Reff. „Heute mal nen bisschen Piano“, kündige ich an. Au 20+ werden 25+ aus Ost und wir fliegen mit sieben bis acht Knoten über die See mit kleiner Welle, weil der Wind aus Ost, also von Land kommt und keine Welle aufbauen kann. „Heiko, Du steuerst bist Du nicht mehr kannst. Immer schön auf den Horizont gucken.“ Es funktioniert. Heiko strahlt. „So ist Segeln schön.“ „Ja, wenn man sich das aussuchen könnte wo der Wind her kommt. Das wäre prima“, klugscheiße ich lachend. Der Himmel ist strahlend blau. Wir sitzend abwechselnd im Cockpit und holen uns wieder mal einen leichten Sonnenbrand. Die Küste ist 10-15 Meilen entfernt. Arved erzählt von Traena. „Eine kleine Insel, die auf dem Weg liegt. Dort findet im Juni ein Konzert statt. Manu Chao wird unter anderem dort spielen. Micha, was ist. Wir da?“

Zwischenzeitlich habe ich Hundewachwe allein und Traena querab. Sieht dann in etwa so aus wie auf dem Photo. Bisschen unscharf. Es pisst, es bläst, ich bin glücklich auf dem Meer zu sein und das die Heizung funktioniert. So einfach ist das hier oben. Der Wind dreht langsam, so dass ich gleich Kurs auf Bodö legen kann.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und dann weiter nach Spitzbergen. Im Juni-July kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

Schönschreiben

20150503

Angekommen in Norwegen?

“Wenn man Mitsegeln anbietet muss man schön schreiben. Oder nicht?“ Diese Frage stellt sich grade irgendwie. Dann darf es keine Probleme geben. Alles muss Jubel, Trubel Heiterkeit sein. „Oder? Nicht?“ Oh – Mein Gott, dass ist doch gar nicht meine Art. Ich habe grade ganz andere Probleme. Heute: Beseitigt Was? Das Heizungsproblem. Ich habe die endlich die Luftblase im Heißwasserkreislauf gefunden. Und. Ich habe herausbekommen wie ich die da raus bekomme. Jetzt ist Schluss mit sich rumärgern, Schluss mit Blaumann. Schluss mit Motorraum. Hoffentlich. Der übergelaufene Diesel ist auch raus, alles geputzt bei der Gelegenheit und einen Blindstopfen gefunden und montiert, damit diese Scheiße nicht noch einmal passiert. Die Jungs flüchten vor dem Skipper im Blaumann, satteln das Dinghy mit dem 30PS Mercury und gehen angeln. Etwas neidisch bin ich schon. Arved macht das richtig. Er ignoriert mich einfach. So wie Nathalie, die kann das auch gut. Lass den Alten mal machen. Der braucht das. Also. Ich im Blaumann und die Jungs holen Dorsch um die Ecke. Fischladen? Wer braucht den denn. Vier Stück bringen sie mit und Heiko steht auf der Badeplattform und filetiert. Das dauert und grade wenn so zwei Idioten immer wieder vorbeikommen: „Da musst Du so lang schneiden.“ „Immer schön das Filletiermesser an den Gräten entlangrutschen lassen.“ Dabei will Heiko eigentlich nur Fischfillets… Zum Schluss versenkt er meine Lieblingspütz unwiederbringlich auf sechs Meter. „Heiko. Kein Problem. Dinge die passieret sind kann man nicht mehr ändern.“ Irgendwie habe ich das Gefühl, Heiko glaubt mir nicht so richtig. Was ist schon eine Eimer, liebe Liese, liebe Liese?“ Prost Guido, auf Dein Wohl.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und dann weiter nach Spitzbergen. Im Juni-July kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

Starkwind auf dem Nordmeer

20150502

Und es pfeift

“Ich komme nicht mehr auf Kurs. Ruuder ist im Vollanschlag!“ Das macht uns MARLIN, wenn zu viel Segel angeschlagen ist gern. „Dann fahr noch nen bisschen in den Wind und ich lass das Segel runter ins dritte Reff.“ Vorsegel sind eh schon komplett eingerollt. Eine Regenfront ist aufgezogen und beschert uns Regen und Böen. Ich kämpfe mich zum Groß durch um den Reffhaken einzuklicken. Der ist aber verdreht, also binde ich den mit einem Tampen fest. Zurück im Cockpit ich hole ich das Großfall wieder dicht und drehe die Reffleine rein. „Huhui Bu!“ Das Nordmeer gibt uns schon mal einen Eindruck von seiner Gewalt. Wir laufen Roervik an. Der Wind presst uns genau von achtern in die enge Einfahrt. Noch drei Stunden. Arved steht am Steuer, Heiko habe ich grade aus der Koje geholt. „Komm. keine Zeit für Seekrankheit. Wir brauchen Dich draußen. Meine Finger sind eingefroren.

Das Problem ist nicht der Wind, das Problem ist die Welle. Vier Meter Brecher zwingen uns Hand zu steuern. MARLIN wird von rechts nach links geworfen. Der Baum zieht ständig durchs Wasser. Gut dass wir einen vernünftigen Bullenstander gesetzt haben. Einmal schlägt und eine Welle so auf die Seite, dass wir eine Patenthalse machen. Der Bullenstander hält den Baum an seiner Stelle. MARLIN kommt kurze Zeit später wieder auf den richtigen Kurs. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiß: Im Motorraum ist eine Kiste mit Filtern auf den Tagestank geknallt und hat einen Ablasshahn so getroffen, dass aus diesem literweise Diesel unter den Motor laufen. Irgendwie habe ich einen siebten Sinn und kontrolliere den Motorraum, kann Schlimmstes verhindern. Ist mal wieder sauber machen angesagt.

Jan ist jetzt endgültig weg. Schade. Im August will er wieder an Bord kommen. Da freue ich mich drauf. Anz Herz gewachsen ist er mir. Er hat sich in nur drei Wochen die MARLIN selbstständig richtig zu händeln verstanden. Nicht von schlechten Eltern sagt man dazu am Niederrhein!

02:02 Wir sind in Roervik eingelaufen. Festgemacht an einer Frachterpier. Hoffentlich kommt morgen früh kein Dickschiff. Ich will schlafen.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und dann weiter nach Spitzbergen. Im Juni-July kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

Erster Schlag mit neuer Crew

20150501

Aufkreuzen zwischen schneebedeckten Bergen

“Für die Nacht bleiben wir hier vor Anker. Morgen geht Jan von Bord und dann segeln wir Richtung Bodö. Wetterfenster. 20 Knoten aus West sind angesagt. Da machen wir gut ein paar Meilen Nord.“ Allgemeine Zustimmung. Der Skipper wird es schon wissen. Meine neue Crew hat den ganzen Tag von Trondheim bis Brekstad aufgekreuzt und den Instruktionen von Jan gelauscht, der versucht hat sein Wissen an seine Nachfolger weiterzugeben. Auch das hat er gut gemacht, so was ich mitbekommen habe. Im Fjord war natürlich wenig Wind mit Böen. Alles ohne Wellen. Perfekte Bedingungen um erst einmal gute Laune zu verbreiten. Alle strahlen. „Heiko. Jetzt mach mal ne Wende und lass die Fock aber back stehen.“ 60 Sekunden später ist die MARLIN beigedreht und driftet langsam mit dem Wind.“ Eingeparkt. „Das hast Du gut gemacht. Ich geh euch mal was kochen.“ Es gibt Lammfillet mit Kohlrabi und Klößen. Als Beigabe Karotten, denn die mussten dringend gemacht werden.

Den restlichen Trip machen die jungen Herren, Heiko, Arved und Jan alleine. Ich sitze am Rechner und organisiere mein restliches Leben. Versuche es zumindest. Der Anker fällt, eine Flasche Wein erscheint auf dem Salontisch und ein Glas Rum darf natürlich nicht fehlen. So endet ein wunderbarer Tag. Richtig dunkel ist es nur noch zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens. Wunderschön. Ich vertreibe die bösen Geister mit meinem Schnarchen. Morgen ist ein neuer Tag.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und dann weiter nach Spitzbergen. Im Juni-July kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

SV Avanti – Sebastian Ollé FRA

CONTESSA 26 TRANSATLANTIC

Menschen am Meer: Urdu Kaptan. Oder: Wie man ein leckendes Gület wiederdicht bekommt.

Das ist Urdu Kaptan. Sein Name bedeutet auf Deutsch soviel wie „Kapitän Urdu“, und ich vermute, dass Urdu in seinem früheren Leben ein Gület-Kapitän war. Jetzt sitzt Urdu Kaptan unter dem 25 Meter langen Gület von Mehmet. Und dichtet es ab.
Gülets sind Traditionsschiffe, große Holz-Zweimaster, die man überall auf den Meeren der Türkei sieht. Angeblich kamen sie in Mode, als um 1920 ein nach Bodrum verbannter Journalist die Arbeitsboote der Einheimischen für die „Mavi Yolculuk“, die „Blaue Reise“, durch den Gökova Golf anmietete. Viel weiter durfte er nicht. Die „Blaue Reise“ auf dem Gület aber wurde Mode bei seinen Istanbuler Freunden, und so kam es, dass aus den einstigen Arbeitsbooten heute die Ausflugsschiffe geworden sind, die man in jeder Bucht trifft. Meist ist eine Familie drauf, oder fünf bis zehn Leute, die sich für eine Woche einmieten und die Welt aus angenehmstem Blickwinkel auf den dicken roten Polstern im Heck eines Gülets betrachten. Hier sieht man Gülets im Herbst vor der Insel Gemiler liegen:
Mehmehts Gület ist nun 15 Jahre alt. Es ist jetzt im Frühjahr an Land: bei dem riesigen, schweren Schiff, wurden Planken ausgetauscht, unten, genau über dem Kiel:
Dies scheint bei allen Gülets eine Schwachstelle zu sein: Unten, genau über dem Kiel eines solchen Schiffes, steht innen ständig Wasser im Schiff. Weil ein Schiff nie dicht ist, sammelt es sich dort an der tiefsten Stelle. Schwappt tagein, tagaus hin und her. Das Schiff: es rottet an dieser Stelle wegen des Wassers, aber von innen heraus, nicht von außen. Die Bootsbauer nehmen einfach die morschen Planken heraus. Und ersetzen sie durch dicke neue. Unten kann man dort, wo das Holz verrottet ist, durch das Gület hindurch auf die andere Seite sehen.
Und dann kommt Urdu ins Spiel: Er ist Spezialist für das Abdichten des Gülets. Sobald das neue Teak-Brett eingesetzt ist, klopft Urdu mit einem langstieligen Hammer feine Baumwolle in die Ritzen, immer wieder, während Mehmet – im Bild vorne, neben den Stützen – mit den anderen Bootsbauern ein Schwätzchen hält.

Immer wieder treibt Urdu mit dem Meissel, den er feinfühlig zwischen den Fingern, den dicken Baumwollfaden in die Rotzen. Der Kopf des hölzernen Hammers, den er benutzt, ist fast so lang wie sein Unterarm.

Urdu ist Spezialist für das Abdichten der Boote, das man „kalfatern“ nennt. Er macht nur diese Arbeit. Und das seit Jahren. Dazu ist er an der Küste unterwegs. Mal in Bodrum, mal in Bozburun, wo viele und große Gülets gebaut werden. Derzeit eine mit über 140 Metern Länge, das größte Holzschiff, das es gibt, für einen russischen Oligarchen, und der Name des gewaltigen Schiffes, DREAM SYMPHONY, läßt wer weiß was erahnen.

Urdu aber klopft weiterhin Baumwoll-Fäden zwischen die Teak-Planken von Mehmets Gület, in alter Technik. Danach kommen ein, zwei Anstriche mit roter Mennige darauf, um das Holz zu imprägnieren und zuletzt noch zwei Lagen Antifouling, damit das Schiff nicht zu schnell zuwächst.
Und kommende Woche: geht Mehmets Schiff wieder hinaus. Und nimmt Gäste mit, auf die „Mavi Yolculuk“, auf die „Blaue Reise“, wie die Türken sie nennen.

Blick in die Glaskugel

20150430

Arved kommt

Ein paar Arbeiten stehen noch an. Meine Crew hat mich freundlich darauf hingewiesen, das je in der Steuerbord- und Backbordachterkabine eine riesige Kiste steht. Die reparierten Anderson Motoren für die Elekrowinschen. „Jaja, ich verstehe. Die stören. Ich werde die heute installieren, aber glaubt ja nicht, dass wir dann die Segel elektrisch bedienen. Die sind nur für den Notfall und wenn ich Einhand unterwegs bin. Solange immer noch Überläufer entstehen, wenn ihr segelt, könnt ihr das vergessen. Wenn die Elektrowinsch einen Überläufer des Grossfalls ohne Reff dicht zieht, können wir das Fall nur noch abschneiden.“ „Was ist ein Überläufer?“, Heiko schaut mich mit großen Augen an. Heiko ist gestern Abend angekommen. Neuer Mitsegler. Neuer Pirat. Neuer Abenteurer.

Die Winschen sind schneller eingebaut als gedacht und am Mittag surren sie wieder. Anderson hat jetzt ein Überhitzungsschutz integriert, was einen neuen Kabelbrand sicher verhindern soll. Dazu benötige ich aber noch etwas Zeit und Engineering.

Arved steht am heutigen Morgen auf der Matte. Arved wechselt Jan ab als Bootsjunge, so dass wir für die nächsten zwei Wochen zu dritt sein werden und den Weg weiter nach Nord exploren werden. Arven hat noch ein paar Klebeschriften mitgebracht, die er auf seinem Folienplotter geschnitten hat. Auch die bringen wir noch an um uns unter anderem nun gemäß der SeeBG Bestimmungen mit dem Heimathafen auf dem Heck als Flensburger zu identifizieren. Heimathafen: Flensburg. Aber auch die Mitsegeldomain bewerben wir nun auf dem Baum und über einen QR Code Sticker am Pilothaus.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab Bodoe kannst Du mitsegeln in den Lofoten und dann weiter nach Spitzbergen. Im Juni-July kannst Du Spitzbergen mit uns erkunden. Plätze sind noch frei… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System