Monatsarchive: April 2015

Durch den großen Belt

20150407

Und wieder ein Kratzer meer

“Willst Du da durch?“ „Ne, lass uns lieber in den Hafen von Hundested!“ Nathalie und ich sind einer Meinung. Heute morgen um sechs sind wir los aus Troense und der Segeltag war echt nicht von schlechten Eltern. Immer schön auf die Nase. Schräg, schräger, am schrägesten – Motto des Törns. Die MARLIN macht das, die Welle ist hier noch nicht so doll. Die Storebælt Brücke und unsere Masthöhe von 28 Meter zwingen uns auf die Sjaelland Seite zu segeln. Die verlorenen Höhe müssen wir auf der anderen Seite wieder hoch am Wind kneifen. Wem es am wenigsten gefällt: Is klar! Lars. Aber das Rudel, Maya, Lena, Ana, Nathalie und Micha sind dabei. Lars nimmt sein Schicksal hin. Aber bei der Schräglage in die Süllkante machen? Nee, dass dann doch nicht.

Die Millionärsbucht bei Roervig am Kopf des Isefrod ist unser eigentliches Ziel. Doch, wie gesagt, wir kommen mitten in der Nacht an und die 180 Meter breite Einfahrt über eine Barre von 2,5 Metern ist uns dann doch unheimlich. Die Tonnen sind nicht befeuert. Einmal falsch gesteuert, schon hängt der Kiel im Schlick und der Wind drückt uns ins unweigerliche Aus. „Ne, muss nicht sein. Der Hafen von Hundested sieht doch alternativ aus. Geräumig und mit einem großen Vorhafen. Da anken wir im Notfall.“

Die Einfahrt ist allerdings alles andere als geräumig. Wieder unbefeuerte Bojen. „Micha. Pass auf. Da müssen noch zwei Bojen sein.“ „Scheiße. Ja. Direkt voraus. Mann, was mache ich nur ohne Dich an Bord.“ Der Vorhafen entpuppt sich als kleines Wendebecken. Von geräumig, keine Spur. Mit dem Heck im Wind, machen wir die MARLIN klar für das anlegen. Aber wo. Wir sehen nix, sind übermüdet und der Wind frischt weiter aus. Da vorne ist Platz. Aber aus dem da vorne drückt uns der Wind weg. Also in den Fischereihafen. „Wo soll ich denn hier wenden. Da ist ja hier gar kein Platz!“ Ich versuche es links rum. Das mag die MARLIN schon mal gar nicht. Schon sehe ich uns längsseits von ein paar Pfählen, da drückt sich der Bug der MARLIN dann doch noch über den Uhrzeigersinn durch den Wind. „Da vorne ist Platz und eine Holzwand.“ „Krrrrasch.“ Hört sich an wie Bug auf Holz. „Doch nen bisschen eng hier. Aber wir stehen. Eine Leine ist über einen Poller, den Rest macht der Wind und zehn Minuten später sitzen wir mit einem Glas Rum im Salon. „Irgendwie geht es ja doch immer. Irgendwie.“ „Den Kratzer schaue ich mir heute aber nicht mehr an.!“

Morgen ist ein neuer Tag. Neues Glück und wir sind im Ausland. Alles ist gut.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab dem 10.4.-15.4 kannst Du spontan einsteigen. Kopenhagen nach Bergen. Oder auch weiter zu den Lofoten. ETA 30.4. Einen guten Segler könnten wir noch gebrauchen… www.sy-marlin.de/mitsegeln AIS Life schaust Du hier. Was und wie viel Tracking über das AIS Netz bringt. Der direkte Link auf die AIS Meldungen der MARLIN MARLIN on AIS Life! Du willst selber einen AIS Transponder um die Position Deines Bootes über das Internet zu sehen? LUNATRONIC hat den besten AIS Transponer als eigenständiges System

 

 

Vorsicht: falsche Prüfplaketten!

Fachverband Seenot-Rettungsmittel e. V. warnt: Bislang unbekannte Täter ahmen Wartungs-Signets der FSR-Unternehmen nach.

Prüfplakette RettungswesteJe näher die Saison rückt, desto häufiger versuchen wieder Nepper von nicht zugelassenen Wartungsstationen für Rettungswesten aus dem FSR-Plakettensystem Kapital zu schlagen. Jüngst sind in den Niederlanden gehäuft falsche Prüfplaketten aufgetaucht, die nach Arbeiten an den Rettungswesten angebracht wurden und so den Eindruck erwecken sollen, dass eine Wartung nach den strengen Vorgaben der FSR-Mitgliedsunternehmen stattgefunden habe.

Auf den Plaketten steht üblicherweise die Code-Nummer der Wartungsstation oder eine Seriennummer der Plakette, die vom Hersteller zertifiziert wurde – bei den falschen Plaketten steht dort eine Fantasienummer. Der Name des Herstellers der Rettungsweste fehlt komplett. Die Plaketten sind in einer falschen „Jahresfarbe“ gedruckt und dort, wo mit einer Kerbe in dem kleinen TÜV-Signet ähnlichen Aufkleber der Zeitpunkt der nächsten Wartung markiert wird, ist lediglich ein kleines Loch zu finden.

FSR-Vorsitzender Michael Dibowski ist besorgt, dass Wassersportler auf die schwarzen Schafe unter den Wartungsstationen hereinfallen und sich so möglicherweise in Lebensgefahr begeben. „Seriöse Wartungsstationen erhalten echte Plaketten ja nicht ohne Grund. Die Mitarbeiter haben sich von den Herstellern intensiv schulen lassen und verfügen zu dem Knowhow auch über die Original-Ersatzteile sowie Spezialwerkzeuge. Wenn diese Voraussetzungen für die Arbeit an der persönlichen Schutzausrüstung außer Acht gelassen werden, kann es durchaus sein, dass sie im entscheidenden Moment nicht funktioniert.“

Die Befähigung zur Wartung erhalten die Stationen von den Unternehmen schwarz auf weiß testiert. Wassersportler sind aufgerufen, sich von den Wartungsstationen im Zweifelsfall dieses Zertifikat zeigen zu lassen. Listen von zugelassenen Wartungsstationen sind bei den

Herstellern der Rettungswesten abzurufen. Im konkreten Fall der falschen Prüfplaketten aus den Niederlanden prüft der FSR rechtliche Schritte.

Im FSR haben sich 14 führende deutsche Unternehmen – Hersteller und Importeure von Seenot-Rettungsmitteln – zusammengeschlossen, deren Ziel es ist, die Sicherheit auf dem Wasser zu verbessern. Informationen rund um das Thema Seenot-Rettungsmittel und das Verhalten auf dem Wasser erteilt der FSR, Gunther-Plüschow-Straße 8, 50829 Köln, Telefon: 0221/595710 sowie unter www.fsr.de.com

Bildunterschrift: So sehen die echten FSR-Plaketten aus: Auf dem runden Signet in Jahresfarbe – aktuell violett – stehen im Innenkreis unter dem Monats-Ring der Name des Herstellers sowie eine Code-Nummer für die Wartungsstation.

Vorsaison

20150406

Nackte Füße am Badestrand

Aus dem frühen Tagesanfang ist mal wieder nicht geworden. Bis halb neun liegt die Crew verschlafen in den Kojen, die MARLIN schwoijt einfach zu gemütlich vor Anker und Wind war eh keiner angesagt. 10 Meilen motoren wir nach dem Frühstück bei schwacher Brise aus Nordost durch die engen Fahrwasser, backbord und steuerbord die ausgedehnten Flachs der dänischen Südsee. Die Brücke, die Fünen mit Tasinge verbindet, ist auf den alten Karten nicht eingezeichnet, nur Navionics weiß Bescheid. 33 Meter Durchfahrtshöhe, das reicht, kribbelig ist es trotzdem immer wieder, wenn man aus der Froschperspektive Mastspitze, LunaWLANnet und UKW-Antenne und Betonbrücke sieht. Passt es, oder doch nicht? Kann ja auch mal ein Fehleintrag in der Karte sein, oder? Aber es passt. Weiter im Fahrwasser. Am Ufer rechts und links eine Marina, ein Yachthafen nach dem anderen, alle leer, nur wenige Schiffe sind schon auf dem Wasser, die Saison hat noch nicht begonnen. An Land, selbst in den Vorgärten der Dänen liegen die Yachten noch ohne Mast, warten auf das Ansegeln, wir haben das Hoch, den strahlend blauen Himmel und die steigenden Temperaturen für uns alleine.

Weiter nach Norden kommen wir bei dem Wind nicht ohne Motor, also laufen wir spontan den kleinen Hafen von Troense an. „Können wir hier bleiben?“ fragen wir den Hafenmeister. „Bleiben, na klar. Ihr könnt hier leben, wenn ihr wollt!“ Danke, aber eigentlich reicht uns eine Nacht. „Die Saison hat noch nicht angefangen, der Liegeplatz ist umsonst, Strom auch, herzlich willkommen!“

Spaziergang durchs Fachwerkdorf, zum nahegelegenen Schloß, runter zum Strand, Socken aus, die Kinder spielen im Sand, ich halte mein erstes Nickerchen in der warmen Frühlingssonne. Zurück in der kleinen Marina erobern die Kinder das neue Revier, sind über Stunden beschäftigt, sitzen mit ihren Saftgläsern auf den noch verlassenen Holzstegen und lassen Beine und Seele baumeln.

Morgen geht es weiter nach Norden, der Wind soll drehen, auf West. Früh aufstehen. Um sechs. Tempranissimo, sagt Ana.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab dem 10.4.-15.4 kannst Du spontan einsteigen. Kopenhagen nach Bergen. Oder auch weiter zu den Lofoten. ETA 30.4. Einen guten Segler könnten wir noch gebrauchen… www.sy-marlin.de/mitsegeln

 

Mustique – “fremde Erinnerungen”

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Liebe Leser,

wir wünschen euch allen einen schönen letzten Osterfeiertag!

Nach zwei Nächten in den Tobago Cays haben wir am Karfreitag hinüber nach Mustique verholt. Die Strecke nach Norden führt uns ja nun erstmal gegen den Nordostpassat und seine Wellen, was viel Zeit und Kraft kostet. Außerdem haben wir irgendwo auf dem Vordeck ein kleines Leck, wahrscheinlich am Ankerkasten, wodurch wir wieder einmal bei Amwindkursen etwas Wasser schaufeln. Nach der Etappe von Grenada nach Union Island musste mein Kojenpolster aus dem Vorschiff sogar erstmal zwei Tage in der Sonne liegen. Catis hat witzigerweise nichts abbekommen.

Die Tage in den Tobago Cays waren toll. Wir sind viel geschnorchelt und haben eine Menge Tiere gesehen. Aber dann juckte es uns doch beiden in den Fingern, weiterzufahren.

Die 20 Meilen nach Mustique haben wir trotz Gegenwind in nur viereinhalb Stunden hinter uns gebracht und liegen nun in der Britannia Bay an einer Muring. Ankern ist hier nicht erlaubt, jede Yacht muss an eine Tonne. Was aber eigentlich nicht schlecht ist, denn hier liegen viele Korallenklötze auf dem Sandgrund, die durch die Anker beschädigt werden könnten. Als ich das letzten Mal hier war, im März 2006, wusste ich nicht, dass ein Muringplatz Pflicht ist. Also habe ich einfach meinen Anker in ein Sandfeld geworfen. Der Muringvermieter kam mit dem Schlauchboot vorbei, hat mich angeschaut und wohl Mitleid bekommen, also durfte ich Ankern. Heute werden pro Nacht 200 EC-Dollar (also etwa 75 Euro) fällig. Unheimlich viel Geld für eine Nacht. Ist die Summe bezahlt, kann man allerdings noch zwei weitere Nächte gratis bleiben. Die Betreiber des Muringfelds hätten also auch schreiben können “drei Nächte Minimum” …

Grund für die saftige Summe: Mustique ist eine Privatinsel. Neben den 500 festen Einwohnern und ihren Hütten ist die Insel überzogen von Privatvillen. Viele können gemietet werden (HIER ein Preisüberblick), andere gehören Rock- und Filmstars. Das letzte Mal war ich nur für eine Nacht hier und habe nicht viel von der Insel gesehen. Deshalb hatte ich gehofft, dass wir diesmal ein wenig mit der Kamera durch die Wälder laufen könnten. Aber der Muringvermieter macht er derartige Pläne zunichte. “Es ist Ostern, deshalb sind 95 Prozent der Villenbesitzer über die Feiertage her und der Bereich, in dem ihr herumlaufen könnt, ist nur auf die Britannia-Bay beschränkt. Überall sonst riegelt die Security alles ab.” Schade.

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Eigentlich war uns Mustique durch den Muringplatz sowieso zu teuer und wir wollten weitersegeln. Aber dann bekamen wir eine Email und hatten eine Aufgabe zu erfüllen. Blogleser Sven ist hier früher in den 90igern öfter mit einem Freund gewesen und erinnert sich immer noch gern an Nächte in der berühmten Basils Bar. Eine Holzkonstruktion auf Pfählen, die hier in die Bucht hinaus gebaut ist. Die Freunde müssen wohl einige Nächte dort verbracht haben, für ihn eine unvergessliche Zeit. Also hat er uns dort auf einen Sundowner eingeladen. Aus der Ferne, denn er befindet sich in Deutschland. Das ist der Grund, weshalb wir nun hier sind. Ich habe versprochen, ein paar Bilder zu machen, wie es dort heute aussieht.

Dabei haben wir hier einen der schönsten Orte der bisherigen Reise gefunden. Wir bleiben gleich drei Tage (ist ja eh bezahlt …) und genießen jeden Augenblick. Das Schiff liegt sicher in ruhigem, klaren Wasser, täglich gehen wir eine Weile schwimmen und Schnorcheln. Cati schwimmt jeden Morgen und jeden Abend 20-mal ums Boot. Die Leute sind unheimlich nett, es gibt einen Bäcker und einen kleinen Obst- und Gemüsestand mit frischen, relativ günstigen Produkten. Der Supermarkt (etwa 60 Quadratmeter groß) ist gut ausgerüstet. Es gibt viele amerikanische Produkte – klar, die Stars haben besondere Wünsche – teilweise sogar günstiger als auf den anderen Inseln.

Gerade liegt neben uns eine deutsche Charterboot-Flottille in der Bucht, weshalb gestern ungewohnt viele deutsche Stimmen zu hören waren. Kurz nachdem die Flottille hier eingelaufen ist, lag auch gleich ein Schlauchboot mit netten Bloglesern aus dem Ruhrgebiet an der Reling. Abends haben sie uns gleich noch zum Cocktail an Land eingeladen.

Wir haben also eine wirklich schöne, entspannte Zeit hier auf Mustique. Der beste Platz der Bucht scheint allerdings ein Geheimtipp zu sein, den uns der Muringvermieter gegeben hat. “Es gibt hier drei große Restaurants. Basils Bar, das Cotton House und das Firefly.” Allesamt mit Gerichten, die bei 30 Euro beginnen.” Doch dann machte er eine Pause und fügte hinzu: “Doch es gibt da noch ein lokales Restaurant, ‘the View’. Dort gehen die Bewohner der Insel hin. Heute Abend ist Barbecue. Das Abendessen kostet etwa 5 Euro …” Ein toller Tipp, denn “the view” verdient seinen Namen. In den Bergen nördlich der Bucht gelegen bietet es einen fantastischen Ausblick über das Muringfeld. “Den Tipp gibt er bestimmt den Charterseglern nicht, die hier für eine Nacht liegen”, sage ich zu Cati. Und tatsächlich, am nächsten Abend erfahren wir von Charterseglern, das er ihnen nicht davon erzählt hat.

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Mustique ist wirklich eine Perle. Wir sind gern hier und genießen unsere drei Tage. Stars haben wir noch nicht gesehen oder noch nicht erkannt. Obwohl gestern jemand erzählte, dass er Mick Jagger vor der Bar auf und ab laufen sehen hat. War ihm wohl aber zu voll dort. “Basils Bar” wurde übrigens seinem Ruf gerecht: Gestern Abend waren wir dort, um den von Sven bestellten Cocktail zu trinken. Sonntagabend ist dort immer Jazz-Night. Was für ein fantastisches Flair: Der warme Passatwind weht durch die offene Bretterkonstruktion, melodische Klänge schallen durch die Bucht. Dazu ein leckerer “Rum Runner”. Ein Erlebnis, an dem wir ohne Blogleser Sven vorbeigesegelt wären. Danke für den Tipp!

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Das hat uns eben auf folgende Idee gebracht: Wenn wir in irgendeine Gegend kommen, in der ihr schonmal wart und mit der ihr schöne Erinnerungen verbindet – schreibt uns davon! Wart ihr in einem kleinen Lokal, das keiner kennt und in dem karibischtypisches Essen gekocht wird? Habt ihr einen besonders schönen Strand gefunden? Oder jemand besonderes kennengelernt, der hier wohnt?

Sofern wir es mit der Routenplanung verbinden können, machen wir gern einen Abstecher und schauen uns um, machen Fotos. Wir nennen das “Erleben fremder Erinnerungen”. Und wir sind gespannt, wohin ihr uns führen werdet!

Johannes

 

 

Die vergessenen Inseln: Karfreitags auf Mallorca.

Um es gleich klar vorweg zu nehmen: Nein, zu den vergessenen Inseln gehört Mallorca an diesem Karfreitag sicher nicht. Das üppige Angebot an Flugverbindungen auf die Insel kündet mit noch üppigeren Preisen von regem Besuch. Autoverleiher haben kundige Schliche gefunden, in diesen Tagen das zweieinhalbfache des eigentlich gebuchten Tarifs einzuheimsen. Orte, die vor drei Monaten noch vernagelt, verlassen, vergessen waren, haben die Bretter vor Ladentüren, BURGER KING-Filialen und Buden mit Badelatschen entfernt. Und wo einem wenige Monate zuvor die Landstraßen durch die menschen- und autoleere Tramuntana vollkommen allein gehörten, da sind jetzt Pulks schrill gekleideter Männer auf zwei Rädern unterwegs. Prozessionen, Umzüge, Schwärme, große Blasen schrill neon-bunt Gewandeter auf Rennrädern, die sich mit pfeilschnellem Sirren die Serpentinen hinunterbewegen oder unter mühevollem Ächzen und Spotzen die Serpentinen hinauf. Je nachdem.
„Komische Spanier“, sagen die Deutschen erstaunt, wenn sie aus dem Verleiher-FIAT 500 serpentinenlang auf das neonfarbene Auf und Ab bunter Männer-Hinterteile kucken. „Todos Allemanes“, sagen die Spanier, wenn sie über die österliche Invasion der Sirrenden, Zirpenden nachdenken, die ihre Landstraßen in ein neonfarbenes, verstopftes Etwas verwandeln. Aber so einfach ist das diesmal nicht mit den Etiketten, gehören der community doch auch Engländer, Holländer, Franzosen an.
Tatsächlich sind die Botschaften der Rennradelnden an ihre Umgebung auf ihren Umzügen von vielerlei Art. Die Kleidung sendet nachdrücklich Erinnerung aus, in welchem Jahr des Herrn wir uns aktuell befinden. Plärrt Namen heraus, die uns an gewichtige Hersteller von Radspeichen, Schlauchventilen, Fahrrad- oder sonstige Gummis erinnern. Die Helme katapultieren uns in die Jahre zurück, in denen wir in den großen Sommerferien in Londoner Kinos zum ersten Mal den Film ALIEN sahen. Gestandene Männer, die sich die Namen von Konzernen auf die Brust heften, über deren Produkte sie sich, so sie wieder vom Rennrad ab- und wieder im normalen Leben eingestiegen sind, doch des Öfteren auch mal ärgern. Brillen, in allen Schattierungen, Farben und Formen, auf die nicht mal der legendäre Ausstattungsschöpfer Jean-Paul Gautier im Film DAS FÜNFTE ELEMENT gekommen wäre.
Wenn fünf dieser Wesen ein Lokal betreten, dann ist es tatsächlich: als kämen sie von einem anderen Stern ganz am Rand unserer Galaxi. Gewandet in High-Tech-Textiles, gehüllt, hermetisch geistig gebettet in eine Wolke von Sportmarketing und die unübersehbaren Attribute der Zugehörigkeit zu einer außerirdischen Bruderschaft rasierter Männerbeine, dessen Mitglieder eben erst auf der Erde gelandet sind, mit kühnem Blick auf die lange, gefahrvolle Reise zur Erde zurückschauend.
Die Lust am Verkleiden: sie wohnt dem Menschen inne.
Zu ganz anderen Bruderschaften haben sich die Einwohner des Ortes Pollenca zusammengeschlossen. Es ist SEMANA SANT. Und weil nicht Weihnachten, sondern Ostern das höchste Fest im katholischen Ritus ist, stellen die Bewohner von Pollenca Jahr für Jahr von „Dijous Sant“, den man bei uns den Gründonnerstag nennt, bis zum „Dilluns de Pasqua“, der bei uns Ostermontag heißt, Unerhörtes auf die Beine: Umzüge. Prozessionen. Messen. Oratorien. Drinnen und Draußen. Oben auf dem Calvari. Unten im Ort in den Straßen Pollenca’s.
Tatsächlich ist, was am Gründonnerstag und Karfreitag stattfindet, ein Schauspiel der anderen Art. Gründonnerstag Abend wimmelt der Ort von Kapuzen-Männern, die sich in und um Kirchen, in engen Gassen, Wegen, mit Kreuzen, Schäferstäben, Laternen bereitmachen. Bereit machen für die Prozession. Wahrscheinlich hat sich der ganze Ort verkleidet, unter weißen, schwarzen, roten, blauen Kapuzen stecken Männer, Frauen und Kinder, wer nicht im Chor ist von den Bewohnern oder im Orchester oder auf einer der Bühnen mit Herodes oder den Kreuzabnehmern, der steckt unter einer Kapuze und reiht sich ein in die lange, lautlose Prozession, die nur ein einsamer Trommelschlag begleitet. Und das Klirren der meterlangen Eisenketten an den Füßen der wilden Gestalten, die den langsamen Schritt kreuztragenden Jesus begleiten.
Ein Ort spielt und lebt die Passionsgeschichte, für sich. Der ganze Ort ist Bühne, Mitspieler in einem Spiel von großer Perfektion und Eindringlichkeit, auf das sich alle lange Monate vorbereitet haben.
Höhepunkt ist am Freitag Nacht: die nachgespielte Kreuzabnahme, oben, ganz oben auf dem Kalvarienberg, und der langsame Umzug der Kapuzenmänner schweigend, nur vom Schlag einer Trommel begleitet, die steilen Stufen des Kalvarienberges hinunter. Und weil das unter den Kapuzen bei allem Ernst von Getuschel, Geraschel begleitet ist, weil der Gesang des Frauenchores so gar nichts Altkatholisches an sich haben, darum ist das Ganze auch ein munteres Spiel, das so gar nichts von der inquisitorischen Düsterkeit an sich hat, der dies Schauspiel wahrscheinlich entsprang.
Herodes auf dem Lebendbild stellt eine erheiternd plautzig-arrogante Miene zur Schau. Die Legionäre, die bei der Kreuzabnahme mit ihren Lanzen das Kreuz oben auf dem Berg umstehen, sind kreuzbrave Familienväter und keine Schlagtots. Und das Evangelium, vorgetragen in fünf Sprachen, ist alles andere als hermetisch abgeriegelter Kauderwelsch. Sondern eine Geschichte eines Mannes, der zu Unrecht sein Leben verlor.
 

 

Karfreitag in Pollenca.
 
Das Meer aber: es weiß von alledem, was am Karfreitag um die dritte Stunde geschah – nichts.
 

 

Ankerfall im Staate Dänemark

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Na denn mal frohe Ostern

Zugegeben. Die Flensburger Förde haben wir einfach nur unter Genua verlassen. Familiensegeln. Ana, Lars, die Kinder, das Wohlbefinden meiner Crew ist mir wichtig. Also recht grade bitte und schön langsam. Das Wetter ist mit uns. Der Frühling scheint unausweichlich zu kommen und wir sind die Vorboten. Wo wir brav den ganzen Winter die Flensburger Förde rauf und runter gesegelt sind, ist das auch eine kleine Belohnung. Uns, vor allen Dingen Nathalie, zieht es vor allen Dingen erst mal weg, auf die andere Seite des kleinen Belts in die dänische Südsee. „Ich will Deutschland für eine Woche einfach nicht mehr sehen. Lass uns noch heute über den kleinen Belt segeln!“ Die MARLIN zieht brav einen graden Strich nach Norden. Am Wind segeln, dass kann sie ganz besonders gut. Der steile Bug schneidet durch die See. Da stampft nichts, da rumpelt und knallt nichts. Nathalie grinst über beide Backen. Ich schlage das neue Dyneema Seil am Downkicker an. Eine von hundert kleinen Punkten auf der ToDo Liste die ich noch vor mir habe. Julian hat mich ja alleine gelassen, als die heiße Zeit grade begonnen hat.

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Dyreborg ist nicht Kuba. „Papa, ich will wieder nach Kuba. Ich will wieder auf der MARLIN leben.“ Vergessen sind die familiären Alltags-Streitereien und der alltägliche Schulkrampf. Die schlechten Erlebnisse vergisst man schnell. An die guten Sachen erinnert man sich ein Leben lang. Das ist eines der schönen Sachen am Mensch sein. Dyreborg ist aber für uns ausreichend um ein kleines Hochgefühl zu bekommen. Ein kleines Dorf, eine kleine Ankerbucht, ein langer Strand. „Hunde gehören hier an die Leine!“, begrüßen uns ein paar Spaziergänger, dabei sind wir extra schon weit weg vom Dorf an Land gegangen um unseren Bordshund seinen verdienten Auslauf zu geben. Gestern musste er an Bord bleiben um wieder zu lernen an Deck sein Geschäft zu machen. Das hat er sich mit dem Beinchenheben vollkommen abgewöhnt. Klappt aber wieder, auch wenn mit starken Wiederwillen. Heute ist er schon auf Anhieb ins Dinghy gesprungen, steht vorn mit seinen Vorderpfoten auf dem Beiboot und lässt die Ohren vom Wind trockenen. Doch ein toller Bordshund? Auch so ne never ending story.

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Der neue ROCNA Anker fällt und hält. Und das auf Seegras. Da rutscht gar nichts. Beim Rückwärtsfahren steht die MARLIN sofort an der Stelle, an der der Anker geschmissen wurde. Die Probleme mit dem Delta Anker gehören der Vergangenheit an. Ich fühle mich um Längen sicherer. Das nervende Reankern entfällt. Eine teure, aber gute Entscheidung. Auch die 13er Kette tut sicher ihren Teil zu der Verbesserung dazu. Das Dinghy kommt jetzt endlich zum Einsatz und steht nicht einfach nur hübsch an Deck im Flensburger Hafen. Ich atme durch, tief durch die Nase und es riecht nach Freiheit, nach Horizont und Wegsegeln.

 


Mitsegeln auf der MARLIN? Ab dem 10.4.-15.4 kannst Du spontan einsteigen. Kopenhagen nach Bergen. Oder auch weiter zu den Lofoten. ETA 30.4. Einen guten Segler könnten wir noch gebrauchen… www.sy-marlin.de/mitsegeln

 

Osterfeuer 2015

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Im Recording Studio – Tag 1 bis 6

 Mein Dank geht an
 
Der Soundtrack zum geplanten Film entsteht ja zur Zeit in dem kleinen, aber feinen „rooted music studio“ hier in Hamburg Schnelsen. Es wird noch ein langer Weg bis zum fertigen Film, der die großen Emotionen und Erlebnisse meiner Reise dokumentieren soll, aber wir haben es in der Tat geschafft die Basis für 15 Songs zu legen. Die Produktionstage gingen von morgens bis Mitternacht und ich bin nach diesen 6 Tagen total hinüber. Als ich meinen Plan im Studio präsentierte wurde noch geschmunzelt, aber nachdem wir in den ersten Tagen 9 Titel im Kasten hatten, wurde aus dem Schmunzeln echtes Staunen. Und das war nur möglich, weil ich das Glück habe mit den besten Leuten arbeiten zu können. Und einfach einmal alles zusammenpasst. So als wäre das Schicksal einmal ganz auf meiner Seite. Das Gefühl seine eigenen kleinen Ideen bis hin zu einem großen Song wachsen zu sehen, ist absolut einzigartig. Und auch hier lebt die Produktion vom Input und den Ideen jedes einzelnen Musikers und unseres Toningenieurs. Bevor ich nun für eine Woche in die Türkei fahre um dort meine Akkus wieder aufzuladen, möchte ich noch schnell dieses Video als Dank an alle Beteiligten präsentieren. Ich freue mich nun extrem auf die nun folgenden Gesangssessions Ende April! Frohe Ostern allerseits.

Ostersonntag, 8.30 Uhr, ZDF-Info.

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Liebe Leser,

wir haben schon ein paarmal in Blogposts darauf hingewiesen …

Auf den ersten Etappen unserer Reise wurden wir von einem Kamerateam begleitet, das eine Serie fürs ZDF produzieren möchte. Arne, Oli und Ole (bzw. Kollegen in Vertretung …) haben uns bei den Vorbereitungen begleitet und waren bei der Abfahrt in Oberndorf dabei. Später haben sie uns dann in England, Spanien und auf Madeira besucht. Wir wurden mit einigen Videokameras und GoPros ausgestattet und haben das Material unterwegs selbst produziert und regelmäßig Videotagebuch geführt. Dabei sind so einige Stunden an Material zusammengekommen. Was später aussieht wie eine lockere Reportage, war eine Menge Arbeit auf beiden Seiten. Das Kamerateam hat sich große Mühe gegeben, uns authentisch zu begleiten und uns aus ungewohnten Perspektiven aufzunehmen. Mal aus dem Kofferraum im Wagen vor uns am steilen Abhang in Madeira, mal per Kameraflug mit einer Drone in Oberndorf und auf Madeira. Regisseur Arne hat später Tage im Schnitt verbracht. An Bord fiel es mir manchmal auch gar nicht so ganz leicht, bei rauem Wetter aufs Vordeck zu klettern und ein paar gute Schüsse zu machen, wenn man eigentlich mit Schiff und Wetter genug zu tun hat. Und natürlich auch die Termine für die Treffen einzuhalten.

Doch nun ist der Film im Kasten. Die Pilotfolge wird am Ostermontag um 8.30 Uhr auf ZDF-Info ausgestrahlt. Wir haben sie selbst noch nicht gesehen und hoffen sehr, dass wir sie irgendwie zugespielt bekommen. Aber wir haben einen Rohschnitt bis nach Spanien gesehen und fanden das Ergebnis super ; )

Wenn die Einschaltquote stimmt, geht die Serie weiter. Also, wenn ihr Sonntagmorgen noch nichts vorhabt und ohnehin gern früh aufsteht: Einschalten! Mitreisen! Wir freuen uns darüber!

Hier der Link zur ZDF-Presseseite.

Viele Grüße,

Johannes und Cati

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Vassilingalou – Happy Easter

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Lieber Peter,
Wir schlängeln uns segelnd zwischen den menschlichen Wölfen von St.Martin durch und machen das beste draus…
Schöne Grüße,
Inga&Vassil

SV Atanga – Sabine+Joachim Willner GER

LemmyOHNE PEITSCHE UNTERWEGS
Aufgebrochen im Juni 2014 ist die Familie Willner zwischenzeitlich auf den Kanaren angekommen, hat unterwegs ausgiebig Land, Leute, Berge und Hinterländer erkundet und der sprachlosen Crew die Welt erklärt, als da wären:
Lemmy: Der Spacken in der Crew

Herr_NilHerr Nil: Wäre gern Skipper anstelle des Skippers. Weiß alles und kann alles….er ist halt ein echter Salzbuckel
KurtKurt: Keine Erfahrung und weiß auch sonst nicht wirklich, worum es geht. Sein Name könnte auch Hase sein. WEITERLESEN

Tobago Cays

Liebe Leser,

wir sind auf den Tobago Cays angekommen. Das Paradies, nach dem sich alle Segler sehnen. Und es ist auch wirklich schön hier. Drei oder vier Meter (wir haben kein Echolot …) tiefes Wasser mit Sandgrund zum Ankern und ein schmaler, schöner Sandstrand.

Allerdings bin ich auch ein bisschen verblüfft, wieviel sich in den vergangenen neun Jahren geändert hat, seit ich mit der ersten “Maverick” hier war. Die Landzunge aus feinstem weißen Sand an der Insel Baradal war damals noch dreimal so breit – und alle Palmen sind offenbar im letzten Hurrikan verschwunden. Ein trauriges Bild, wenn man es anders kennt. Es bleibt die Frage: Wie ist das passiert? Globale Erwärmung etwa, oder einfach nur ein Sturm, der die Inselgruppe ungünstig getroffen hat?

Tobago Cays 2006 und 2015:

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Wir haben es hier trotzdem genossen, haben Iguanas bestaunt, sind am Riff geschnorchelt (ein paar Bilder anbei) und haben uns den Sand durch die Zehen rieseln lassen. Cati wollte unbedingt eine große Meeresschildkröte sehen und war schon ganz traurig, dass und noch keine vor den Bug gepaddelt ist. “Siehst du auf den Tobago Cays”, habe ich ihr versprochen. Damals habe ich hier Anker geworfen, als neben mir solch eine Schildkröte abgetaucht ist. Aber diesmal kam keine. Den ganzen Tag nicht.

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Cati war schon ganz betrübt, als wir gegen 16 Uhr zurück an Bord gefahren sind. Plötzlich höre ich ein fiependes Geräusch aus dem Cockpit. Was ist das? Wale? Ultraschall? Ich klettere an Deck und sehe Cati mit großen Augen und ausgestrecktem Zeigefinger im Cockpit stehen. “Fieep. Fieep!” Sie will jauchzen vor Glück, aber bekommt keinen Ton raus, nur das fiepen. Ich folge ihrem Finger – und da paddelt doch gerade eine große Schildkröte in fünf Meter Entfernung an “Maverick” vorbei. “Rein ins Wasser”, rufe ich. Cati will mir nicht glauben. “Ich kann doch nicht mit der Schildkröte schnorcheln”, sagt sie. “Na klar. Schnell, sonst ist sie weg!”. Also hüpfen wir ins Wasser und paddelt mit der Schildkröte um die Wette. Sie hat einen Durchmesser von gut 80 Zentimetern und schwebt ganz knapp über dem Grund, reisst sich ab und zu ein Grasbüschel vom Meeresgrund ab.

Anbei ein paar Fotos.

Johannes