Monatsarchive: Januar 2015

Der Segler im Winter. Und die vergessene Insel. Oder: Mallorca anders.

Der nordöstlichste Punkt Mallorcas: der Leuchtturm von Kap Formentor. Ein Leuchtturm an unwirtlichem Ort, oben auf den letzten Klippen und jetzt, ungewohnt im Winter, im milden Licht der untergehenden Sonne.
Egal, ob man jemals auf dieser Insel war oder nicht, ob wir sie zu kennen meinen oder nicht: Kaum eine Insel weckt in uns so viele Bilder, Assoziationen, Gedanken, Urteile wie Mallorca. Umso verblüffender ist der Winter auf der Insel. Leere Strände. Verlassene Buchten. Küstenorte und Häfen, einsam und still. Geschäfte und Läden geschlossen, Hotels am Strand verwaist. Es ist ein stilles Flanieren die breiten Küstenalleen in Port de Pollença. Am Strand ist niemand. Im Hafen arbeiten ein paar Fischer an ihren Booten, bringen Antifouling auf und Opfer-Anoden – jetzt schon? – ungewohnt im frühen Januar für den Segler, der ihnen bei der Arbeit zuschaut. Ob in der großen Marina von Alcùdia oder im kleinen Port de Soller: verlassen liegen die Boote, leergefegt und dunkel wie die Läden der Shipchandler und Yachtbroker und Teilehändler. Draußen in der großen Bucht schaukeln ein paar Ankerlieger auf Reede. Draußen unter Segeln ist keiner.
Das Wetter ist herrlich in diesen Tagen, bis auf ein paar Wolken über dem Hafen. Nicht der Regen, der hier im Winter am Meer so ganz anders ist als alles, was wir am Land kennen. Vor dem die Menschen selbst in den Landstädten ihre Hauseingänge mit Brettern verschalken, so fett und schwer fallen die Tropfen, dass im Nu die Hauseingänge überwunden werden von den Fluten und die schmalen Häuser voll Wasser stehen. Nein, es ist schönstes Wetter, „ein kleiner Sommer“, fast windstill, nur ein paar Slicks auf dem Wasser, wenn die Sonne ihre Bahn aufs Wasser zeichnet und der lange, lange Sonnenuntergang ins Weinglas einen Regenbogen zaubert.
Der Segler im Winter: Der kann hier träumen. An einsamen Stränden liegen. Durch leere Häfen streifen. Spanischen Lauten lauschen. Boote kucken. Pläne schmieden, was im Frühjahr noch zu tun ist, auf dem eigenen Boot. Denn lange wird es nicht mehr dauern: dann stehen wir unter dem Boot, schauen uns das fertige Antifouling an und schrauben, kurz bevor der Travellift kommt und das Boot wieder ins Wasser geht, Opfer-Anoden auf Welle und Kiel.
Mallorca im Winter ist anders. Eine vergessene Insel. Proper zwar, gepflegt. Auch im Winterschlaf. Aber wie so oft lohnt das, was wir zu kennen meinen und nicht der Rede wert, die Mühe des genau Hinschauens. Und eine Reise in ganz ungewohnter Jahreszeit.

Asche über mein Haupt. Sturm auf der MARLIN

20150110

Muss ich mich mal beim BSH entschuldigen.

“Hallo Herr Wnuk. Radke hier vom BSH. Also wenn ich das richtig sehe, haben sie eine CE Zertifizierung der Stufe G. Ich habe ihr Dokument grade per e-mail bekommen. Wenn Sie noch die Unterlagen zur Prüfung nachreichen, woraus wir ersehen können, nach welcher Norm geprüft wurde, kann ich das akzeptieren!“ So endete der Freitag Nachmittag und der böse Wnuk hat wieder die Alarmtrommel geschlagen. Aber es kommt noch schlimmer. Ich habe grade den gesamten Krängungstest in einem Ordner gefunden. „OhOh.“ Asche über mein Haupt. Mal schauen ob der BSH nun mit den Unterlagen zufrieden ist.

SV Athos – Marie+Raoul Boisrame FRA


Hi Peter,
We thank you for your help throught the “Gros Dave” the Pacific windpilot.
Our travel Le Grau du Roi to Martigues, by road it’s near 50 km!!! For Athos it was 1660 days & 13000 Nm!!
Grau du Roi / Spane / Ceuta / Canaria islands / Cabo Verde / Senegal (Casamance) / Cabo Verde / Brasil / French Guyana / Surinam / Grenade / Caraïbean Island / Barbuda / Acores / Gibraltar strait / Minorque / Martigues
Please, found here below some links of our third man on board, the most important, the only crew member without request of food and rum!!!
Thank you to you Peter and all members of your team.
Raoul & Marie-Ange from SV ATHOS

VIDEO: Tage 15-17 – Nashville, Tennessee

Roadmovie Nashville

Von Memphis aus führte uns die Reise durch die amerikanische Musikgeschichte weiter nach Nashville, dem Zentrum der Countrymusik. War in Memphis noch der Geist der alten Zeit zu spüren, ist davon in Nashville sehr wenig übriggeblieben. Viele Neubauten und eine komplett durchorganisierte Musikindustrie prägen die Stadt. In Nashville leben um die 5.000 Songwriter und 4.000 Musiker, die hier ihr Glück versuchen. Doch wenige große Firmen haben hier alles fest in der Hand, und bestimmen was gerade aktuell und angesagt ist. Dadurch entsteht leider viel Einheitsbrei und wenig Innovatives, doch auch immer wieder große Verkaufserfolge. 

Interessant war das bereits am Neujahrsmorgen ab 10h in jeder Kneipe und Restaurants schon Bands spielten. Das wäre selbst auf dem Kiez in Hamburg undenkbar. Mit hat Nashville nicht so viel gegeben, mir ist doch zu sehr kommerzialisiert. Es gibt einfach wenig Unbekanntes zu entdecken und ein Souvenirladen reiht sich an den nächsten. Es mag aber auch daran gelegen haben, das wir zu Sylvester hier waren und die halbe Stadt für ein Riesenparty mit 100.000 Leuten abgesperrt wurde. So blieb uns nur wenig Zeit und keine Gelegenheit sich abseits der Touristenrouten umzusehen. 

Andererseits gefiel es uns dann doch jeden Morgen mit Livemusik frühstücken zu können. Es war auf jeden Fall gut einmal hier gewesen zu sein. Im Video hört ihr den Titel „Truck Driving Man“ aufgenommen 2005 mit der Band „Heartbreak Train“. Mit Kai, dem Gitarristen und Stephan, dem Drummer werde ich leider erst wieder im Rock’n’Roll Heaven spielen können…

Ich glaube nicht…

Die Sache mit dem Krängungstest. Sturm auf der MARLIN

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Don Quijote Skipper Michael Wnuk

Ich fühle mich wieder mal wie Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen. Diesmal sind es nicht die Windparks im englischen Kanal vor der belgischen Küste, die mich fast aus dem Sattel heben, sondern die Paragraphen der deutschen Behörden, die mir das Leben schwer machen. „Ja klar hat unsere MARLIN eine CE Zeichen.“ Welche Klasse denn Herr Wnuk“, fragt mich Capitain Becker von der SeeBG. „Ahm. A. Offshore!“ „Sie brauchen aber Aa.“ „O.K.“ Was ist der Unterschied? Im wesentlichen, dass die Werft einen Krängungstest mit der MARLIN gemacht hat. Hmm. Darüber weiß ich nichts. „Am besten sie telefonieren mal mit Herrn Radke.“

Detlef Jens sitz mir gegenüber. „Michael, ich hätte da noch mal ein paar Fragen zum Interview, was ich grade über euch schreibe. „Warum bloggst Du eigentlich?“ „Detlef, ich blogge seit 15 Jahren. 2000, da gab es noch niemanden der überhaupt wusste dass es mal bloggen heißen wird. Bloggen, gehört zu mir wie das Zähneputzen. Manchmal vergesse ich es. Das mache ich so zum Ausgleich. Auf See muss ich täglich mehrmals schreiben, weil es so schön ist, an Land und bei dem Regen wie heute, da hab ich manchmal keine Lust. Andere gehen Joggen, ich hab kaputte Knie. Ich schreib auch gar nicht für andere. Wenn Du daran bei kommerzielles Schreiben denkst, hast Du verloren. An andere denke ich, wenn ich ein Buch schreibe. Mein Blog, der gehört mir. Inklusive Rechtschreibfehlern und mangelhafter Kommasetzung. Es ist mir egal, wie viele Leute meine Blog täglich lesen… „Aber Micha, heute schreibt doch jeder einen Blog. Wer soll das alles lesen?“, Detlef wackelt leicht indisch mit dem Kopf als er mir die Frage stellt. „Ja, dass habe ich mich auch irgendwann gefragt als Facebook rauskam. Haben die Leute nichts besseres zu tun? Nein Detlef, ich hab keine Ahnung wer das alles lesen soll. Aber wie gesagt, es ist mir auch egal, ich schreib mir die Seele vom Leib ohne meinen Blog könnte ich den ganzen Mist um mich herum manchmal nicht ertragen. Ist so nen Art Selbsthilfegruppe für ganz schräge Vögel, wie mich ;-) Leben und Leben lassen!

Nach jedem Telefonat mit dem BSH bin ich im Moment verzweifelter und sehe meine Felle schwimmen. Herr Radke, zuständig beim BSH für die Stabilitätsprüfung verbessert die Gesamtsituation auch nicht: „Herr Wnuk, da werden ein paar 400 kg geeichte Gewichte auf dem Deck verschoben und die Neigung ihres Bootes vermessen.“ „O.K. Aber was habe ich denn davon.?“ „Sie bekommen ein Buch mit den statischen Werten des Krängungsverhaltens ihres Bootes. Jede Serienyacht macht so einen Test. Nur da muss es natürlich nur einmal gemacht werden, dann werden hunderte gebaut und die bekommen alle eine Kopie. Außerdem bekommen Sie eine Tabelle, wann sie, bei wie viel Wind die reffen müssen!“ Hallo, geht mir durch den Kopf „Herr Radke, ich weiß wann ich reffen muss. Dafür brauche ich keine Tabelle. Ich hab doch keinen Katamaran, wo ich erst merke, dass ich reffen muss, wenn mein Rumpf verbiegt. Aber sagen Sie mal was kostet denn dieser Test?“ Herr Radke grummelt und will nicht so richtig antworten. „Also Herr Wnuk. Das machen ja nicht wir, das muss ein Ingenieurbüro machen. Aber rechnen Sie mal so mit 5.000-6.500 Euro.“ Stille! „Herr Wnuk? Sind sie noch da? Hallo Herr Wnuk!“ „Aehm. Ja. Ich war nur grade an der Reling. Mir ist grade irgendwie schrecklich übel geworden.

Hilfe. Die deutsche Bürokratie und die Vorschriften machen mich fertig. Hat irgendjemand eine Ahnung oder besser einen Onkel der mir das kleine „a“ hinter dem großen „A“ besorgen kann ohne dass ich erst im Lotto gewinnen muss? Wenn ich die ganzen Kosten für die deutsche Genehmigungen, den Scheinen die ich alle machen soll, um zur gewerblichen Fahrt zugelassen zu sein, irgendwann wieder reinsegeln will mit Gästen, wie teuer soll den dann ein Tag auf der MARLIN werden? Will dann überhaupt noch einer mit mir segeln? Echt, im Moment weiß ich echt nicht, ob ich noch auf dem richtigen Kurs bin. Ich will doch einfach nur sicher mit meinen Leuten Segeln und Spaß haben. Ich bin doch keine Reederei mit zwanzig Kreuzfahrtschiffen. Werde ich dann irgendwann der alte Sazbuckel sein, der den Youngstars erklärt: „Ihr habt ja alle keine Ahnung vom Segeln. Macht erst mal euren Sicherheitsschein, den SKS, damit ihr überhaupt auf die See gucken dürft, den SSS, um dazuzugehören, des SHS um über den Atlantik zu segeln, den Yachtmaster dafür um auch außerhalb deutscher Hoheitsgewässer segeln zu dürfen, das Kapitänspatent für die Elbe, den Pyroschein um eure abgelaufenen Raketen Sylvester abzuschießen, den Schwarzwasserschein um euren Abwassertank abpumpen zu dürfen, mindestens vier Funkscheine, jedes Jahr einen Roten Kreuz Kurs und und und…“ Der Youngstar zeigt mir den Mittelfinger, ich liege ohne Gäste mit meinem EU, CE BSU, BSH vollzertifizierten Kahn an Hafenkai und er fährt vollbeladen mit Bikinischönheiten zum Sundownertörn raus. 20 Meter über mir steht eine Regenwolke, die sich einfach nicht verziehen will. Albtraum. Deutschland ist eine Spassbremse!

boot Düsseldorf: Blauwasserseminar mit hochkarätigen Referenten

Das etablierte Blauwasserseminar auf der boot wir in diesem Jahr neben Judith und Sönke Roever mit einem weiteren prominenten Fahrtensegel-Experten besetzt sein: Jimmy Cornell wird von seinem aktuellen Törn ins ewige Eis berichten. Die Weltumsegler Nathalie Müller und Michael Wnuk geben Erfahrungen von der Rundung des Kap Horns weiter.

Blauwasserseminar boot Düsseldorf

Das Blauwasserseminar auf der boot ist stets gut besucht.

Wer eine Langfahrt plant, hat viele Fragen. Die meisten Gedanken drehen sich dabei um das Schiff und die richtige Ausrüstung: Rigg, Segel, Autopilot, Ankergeschirr, Beiboot, Wassermacher, Energiemanagement, Sicherheit, Navigation, Kommunikationsmittel und -wege. Neben Ausrüstung und Technik stehen bei der Planung einer Blauwasserreise aber auch andere Themen im Raum. Etwa der Umgang mit Nachtwachen samt Schlafmanagement, die Kosten und natürlich unzählige Fragen zum Leben unterwegs.

Judith (37) und Sönke Roever (39) aus Hamburg haben eine solche Reise bereits hinter sich. Im August 2010 sind sie nach dreieinhalb Jahren von ihrer Weltumsegelung zurückgekehrt. Seither kommen Sie jedes Jahr im Januar zur weltgrößten Yacht- und Wassersportmesse boot Düsseldorf, um in einem zweitägigen Seminar ihre Erfahrungen an all jene weiterzugeben, die ebenfalls davon träumen, eines Tages die Leinen für einen längeren Zeitraum zu lösen.  „Hinter uns liegen drei Ozeane und mehr als 35.000 Seemeilen. Da haben wir viel über das Langfahrtsegeln gelernt. Unser Ziel ist es, möglichst umfassend praktische und vor allem hilfreiche Informationen weiterzugeben, weil dies schnell viele hundert, wenn nicht gar tausend Euro bei der Vorbereitung der Reise und der Ausrüstung des Schiffes sparen kann. Dabei ist es gleichgültig, ob der eigene Törn eines Tages um die Welt oder einfach nur auf die Ostsee führt. Die meisten Informationen helfen auch beim Segeln vor der Haustür. Und es spielt ebenfalls eine untergeordnete Rolle, ob jemand Skipper oder Mitsegler ist“, sagt Sönke Roever.

Der „Hamburger Jung“ segelt seit er denken kann und hat mehr als 80.000 Seemeilen in seinem Kielwasser gelassen. Seit Jahren sind seine strukturierten und bildreichen Fachvorträge auf Bootsmessen ein Publikumsmagnet. „Mit Judith und Sönke Roever holen wir bereits zum sechsten Mal zwei Top-Referenten nach Düsseldorf. Wer sonst kann derzeit so aktuell Blauwasserinformationen weitergeben“, freut sich Goetz-Ulf Jungmichel, Director der boot. Es muss was dran sein – denn mehr als 1200 Teilnehmer haben das Seminar bereits besucht. Neben den Roevers werden weitere hochkarätige Referenten zu Wort kommen. Etwa der berühmte Autor und Fahrtensegler Jimmy Cornell. Der Navigator mit über 200.000 gesegelten Seemeilen auf drei Weltumseglungen sowie Reisen in die Antarktis und Arktis berichtet von seinem aktuellen Törn ins ewige Eis. Ebenso werden die jüngst heimgekehrten Weltumsegler Nathalie Müller und Michael Wnuk über ihre Segelreise um das berüchtigte Kap Horn berichten. Außerdem wird sich Sören Matthiesen dem Thema „Rigg“ widmen. Der Hamburger ist Bootsbauer und Segler (vier Atlantiküberquerungen auf eigenem Kiel). Sofern nicht auf dem Wasser unterwegs, vertreibt er die Masten des namhaften Herstellers Seldén. Wie kaum ein anderer kann er daher aufzeigen, worauf beim Rigg einer Langfahrtyacht zu achten ist. Abgerundet wird das breite Spektrum durch einen Vortrag von Dr. Fabian Steffen (Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin) über das Thema „Medizin an Bord“.

Das Seminar findet am 17. und 18. Januar 2015 am ersten Wochenende der boot statt. Abgedeckt werden alle Facetten des Langfahrtsegelns, und es bleibt auch noch Freiraum für einen Bummel über die Messe. Am Samstag, dem 17. Januar 2015 geht es um Schiff, Rigg, Medizin, Navigation, Crewmanagement und spezielle Ausrüstungsgegenstände, wie Windfahne, Schlauchboot, Autopilot oder Wassermacher. Am Sonntag werden die Themen Kommunikation, Sicherheit, Wetter, Proviantierung, Energiemanagement, Leben unterwegs und Kosten behandelt. Ein Highlight dabei ist jedes Jahr das Auslösen einer Rettungsinsel vor den Augen der Teilnehmer.

Die Teilnahme am zweitägigen boot Blauwasserseminar kostet 175,- Euro pro Person. Eine Begleitperson zahlt 115,- Euro. Darin enthalten ist ein Verzehrgutschein für beide Tage und selbstverständlich auch die Eintrittskarten für die Messe (inklusive dem Folgetag – Montag 19. Januar 2015). Eine frühzeitige Anmeldung ist von Vorteil, da der Teilnehmerkreis beschränkt ist und das Seminar jedes Jahr ausverkauft ist. Die Anmeldung über die Internetseite www.boot.de.

Weiterführende Informationen zum boot-Blauwasserseminar sowie das vollständige Programm sind unter www.boot.de als auch auf der Website von Judith und Sönke Roever unter www.Hippopotamus.de verfügbar.

Die ADAC Sportschifffahrt präsentiert sich auf der boot wie gewohnt in der Halle 14, Stand A 65.

Die ADAC Sportschifffahrt präsentiert sich auf der boot wie gewohnt in der Halle 14, Stand A 65.

Auch die ADAC Sportschifffahrt präsentiert sich in diesem Jahr wieder in der Halle 14 am Stand A 65 mit ihrem umfassenden Leistungsangebot. Interessenten erhalten dort u.a. umfassende Revier- und Sachinformationen und Infos zu über 2000 Marinas in 21 Ländern. Ferner erhalten Skipper dort Beratung zur Bootsregistrierung (IBS) und zur Buchung von Hausbooten, Segel- und Motoryachten. Zudem profitieren Clubmitglieder von vielseitigen Vergünstigungen der Vorteilspartner der ADAC Sportschifffahrt.

ADAC-Skipper profitieren von ermäßigten Eintrittspreisen zur boot.

Zum Geburtstag wünsche ich mir…eine friedliche und besonnene Menschheit!

„Die vielen Jahre erfolgreichen Navigierens durch so manch stürmische See lassen einem zu einem erfahrenen Kapitän werden, den kaum ein Sturm mehr schrecken kann. Der mit Begeisterung und Optimismus die Wellen nimmt, um dann wieder ruhig und gelassen an die Küste zurückzukehren.“ So schreibt mir heute meine Bank zum Geburtstag. Entweder hat dort jemand eine poetische Ader, oder aber, wie ich vermute, es gibt dort einen Glückwunschschreibenbaukasten. Auf jeden Fall schön und treffend formuliert. Auf dem Rückflug aus den USA gab es ein Special über die von mir 2014 besuchten Aland-Inseln, welches jede Menge Erinnerungen an diesen für mich so einmaligen und friedlichen Segelsommer zurückbrachte. Daher, vor dem im Norden am Wochenende aufziehenden Sturm, noch einmal diese Bilder zum Träumen.

Angesichts der gestrigen Ereignisse in Frankreich wünsche ich mir, das sich die Menschheit ebenfalls nicht von einzelnen Stürmen schrecken lässt und die Ruhe und Besonnenheit bewahrt um zu friedlichen Ufern zurückzukehren. Es ist doch immer wieder besorgniserregend, wie es nur ein winziger Bruchteil der Menschheit schafft Unfrieden und Hass zu säen und  damit auch immer wieder durchkommt. Denn genau darum geht es ja immer und immer wieder.
 Einzeln zu schwach wird mit den immer gleichen Mitteln der Propaganda, ob nun politischer oder religiöser Art, probiert, die ja eigentlich friedliebende Menschheit in verschiedene Lager  zu spalten. Die sich dann möglichst auch noch kriegerisch bekämpfen. Ohne diese Spaltung und die mitmarschierenden Massen wären die großen Kriege und Konflikte nicht möglich. Wir müssen daher endlich lernen uns nicht von den wenigen machtsüchtigen Hasspredigern dieser Welt herumschubsen und beeinflussen zu lassen. Krisen kommen und gehen, wie Stürme, um danach wieder ruhiges Wasser zu hinterlassen.

Und nur wenn wir uns alle vor Angst kleinmachen, mitmarschieren und aufeinander einprügeln entsteht großer Schaden. Denn die aktuellen Terroraktionen sollen doch genau diese Schaden anrichten. Sie sollen uns verängstigen, aufspalten und gegeneinander kämpfen lassen. Jede dieser Aktionen hat den Zweck noch mehr Hass zu schüren, noch mehr Aufmerksamkeit und Presse zu generieren. Jede Reaktion, jede Berichterstattung führt dabei zu weiterer Eskalation. Bis sich gewaltbereite Gruppen bilden, die glauben sie müssten gegen andere Gruppen kämpfen. 
Ich denke, unsere Verantwortung liegt darin, dieses zu erkennen und da einfach nicht mehr mitzumachen. Uns nicht von wenigen Verblendeten zu den Werkzeugen ihres Hasses machen zu lassen. Lasst doch die Minderheiten einfach Minderheiten bleiben und ihren Hass unter sich ausmachen. Und je weniger Menschen dabei mitmachen, um so eher ist es vorbei. Lasst den Wind keinen Sturm werden, indem ihr mitmarschiert. 
Auf ein friedlicheres 2015 und in Gedenken an die friedliebenden Opfer, die es nicht verdient haben als Instrument des Hasses und Auslöser von Kriegen in unserer Erinnerung zu bleiben.

Die vergessenen Schiffe: Das Wrack der Olympia. Oder: The Big Blue.

Das Wrack der OLYMPIA an der Wesstspitze der Kykladeninsel Amorgos.
Da liegt sie, eingebettet ins tiefe, tiefe, tiefe Blau. Rostfarben. Immer noch gut erkennbar. Ein ungenutztes Rettungsboot hinten auf dem Oberdeck. Fenster, Türen längst von Wind und Wellen herausgeschlagen. Kein Kapitän mehr, der neben dem Steuerhaus steht. Und einen Anleger fährt.
Was genau genau vor 35 Jahren, am 13. Februar 1980 auf dem Frachter OLYMPIA, vormals INLAND, IMO-Nummer 51 61 653 vor der Westspitze der griechischen Insel Amorgos vor sich ging, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Ob sie einen Maschinenschaden hatte. Ob sie im auffrischenden Meltemi Anker warf und der nicht hielt. Ob sie eigentlich ein Schmugglerschiff war oder nicht. All das ist unklar. Klar ist, dass dieser Tag ihr letzter als seetüchtiges Schiff war. Sie lief auf Grund, schlug Leck. Selbst ein herbeigerufener Schlepper, die MATSAS STAR, war nicht mehr in der Lage, sie von den Felsen zu ziehen.
Man gab sie auf. Ließ sie liegen. Dort, wo sie gestrandet war. Das Schlimmste für den, der ein Schiff – ob groß, ob klein – führt. Ein braves Schiff. Und dessen schlimmes Ende.
Ein gestrandetes Schiff ist ein schrecklicher Anblick. Es ist das Sinnbild des Scheiterns. Nicht nur: „Es hat nicht geklappt.“ Sondern: Es ist nicht wieder gut zu machen. Irreversibel. Nicht zu ändern. Aus. Vorbei.
Und doch begann am 13. Februar 1980 das zweite Leben des Frachters OLYMPIA. Ein viel berühmteres, als der Frachter, den man 1950 im ostenglischen Goole auf der legendären gleichnamigen Werft gebaut hatte, zu Lebzeiten jemals hatte. Denn acht Jahre später entdeckte ein ehemaliger Tauchlehrer das Wrack auf Amorgos. Er war Kind zweier Tauchlehrer. Hatte seine Kindheit in Italien, Griechenland, dem damaligen Yugoslawien an der Küste verbracht. Wollte eigentlich Meeresbiologie werden. Aber das hatte eine Tauchunfall verhindert. Unwiderruflich.
Aber manchmal ist nicht vorüber, was vorüber zu sein scheint. Der Mann hatte mit 15, 16 als Schüler seine ersten Romane angefangen: Einen über eine Frau, die allein die Welt rettet, das fünfte Element. Einen über den Wettkampf zweier Taucher. Wer von ihnen beiden ohne Hilfsmittel tiefer tauchen könne: der liebenswert laut lärmende Enzo. Oder der still lächelnde Jacques, der mit den Delphinen schwamm.
Der Mann, der das Wrack der Olympia entdeckte, hieß Luc Besson und war Regisseur. Und der Film heißt The Big Blue. Und die Szene, die das Wrack der Olympia unsterblich machte, beginnt mit dem schönen, in der an wunderschönen Worten schwerreichen italienischen Sprache, dem laut laut über die Klippen hinaus gerufenen italienischen Hilferuf „AAiiiuuuuuuutooooooo.“
„Aiuto!“
Der Film ist längst Kult geworden bei denen, die das Meer lieben. Ein Film, den man wieder und wieder sehen mag ob der Schönheit seiner Bilder vom Meer. Ob der faszinierenden Geschichte zweier, die dem Meer, dem tiefen, tiefen Blau auf – ja genau: unergründliche Weise verfallen sind.
Die nicht wissen, warum das so ist. Und doch jeden, jeden Tag in Gedanken dort sind.
Auf dem Meer.
Die Ankerbucht an der Westspitze von Amorgos. Mitten drin mein Schiff LEVJE. Und wenige 100 Meter entfernt das Wrack der OLYMPIA.

VIDEO: Tag 13&14 – Walking in Memphis

Hier nun das zweite Video zu der großartigen Stadt Memphis. Dieser Schmelztiegel der Musik hat eine unglaubliche Anzahl an Songs und Musikstilen hervorgebracht. Und man spürt dieses auch noch an jeder Ecke, da die Kommerzialisierung der Musik hier noch nicht in dem Maße fortgeschritten ist, wie an anderen Orten auf unserer Reise. Ich hatte für das Video direkt den Song „Walking in Memphis“ im Ohr und habe vor Ort nach den passenden Bildern dafür gesucht. Da keine Originalsongs bei youtube machbar sind nehme ich hier eine Coverversion die wir 2002 mit Corinna May und meiner Hamburg Soul Foundation bei einem Auftritt für den Lions-Club mitgeschnitten haben (leider nur in VHS Kassettenqualität). Neben meiner Frau Merih (Keys) sind mit Michael Prott (Sax) und Yorck Mennich (Gitarre) noch zwei weitere Mitglieder meiner aktuellen Band dabei.

Die Sache mit der See-BG. Sturm auf der MARLIN

20150106

Was das neue Jahr so mit sich bringt

Lena und ich bauen Steinmännchen am Ostseebad in Flensburg. Sieht doch fast aus wie in Patagonien. Oder nicht? Das ist die aktuelle Wetter-, Licht- und Endorphinlage. Eher mittelmäßig, würde ich sagen… Das neue Jahr beginnt man ja nun so mit guten Vorsätzen. Die beste Nachricht zuerst: Ich bin jetzt bereits 53148 Minuten Nichtraucher ;-) Die zweitbeste Nachricht: Die Tage werden wieder länger! Die dritte Nachricht: Ich habe Kurs und Fahrt aufgenommen um die MARLIN durch den Prozess des Zulassungsmarathons bei der SeeBG zu steuern. Das ist so ziemlich Sturm Ansage. Dahinter steckt die Zulassung für weltweite gewerbliche Fahrt unter deutscher Flagge. Betonen wir mal „deutsche Flagge!“ Innerhalb weniger Stunden könnte ich die amerikanische oder Antigua Flagge am Heck der MARLIN kochziehen und machen was ich will. Aber Nein, warum einfach, wenn es auch patriotisch schwer geht. Unsere Funkanlagen müssen jetzt GMDSS fähig sein, unser Motorraum braucht noch eine halbautomatische Feuerlöschanlage. Zwei Eimer haben wir schon. Für jedes Bootsmitglied muss eine Wärmedecke da sein etc. Die Liste der BG ist lang. Wen es im Detail interessiert der schaut hier.

Gestern habe ich den ersten Tag mit Telefonaten verbracht. Das was am meisten nervt ist der DSV. In der EU ist es ja so, dass ausländische Führerscheine umgeschrieben werden. Also: Du hast einen englischen Führerschein? Dann darfst Du damit in Deutschland nicht fahren. Musst Du zuerst zum Straßenverkehrsamt und den umschreiben lassen. Ist aber auch kein Problem. Denn wenn Du in England Auto fahren kannst, glaubt Dir Deutschland, dass Du das auch in hier kannst. Nicht so beim international anerkannten RYA Yacht Master Certificate, mit dem Du weltweit alles an gewerblichen Sportbooten fahren darfst. Den erkennt der DSV nicht an und will ihn auch nicht umschreiben zum SSS Schein, den aber die SeeBG für die gewerbliche Fahrt sehen will. Tja, da guckt der Wnuk dumm aus der Wäsche. Vielleicht doch lieber ne englische Fahne am Heck?

Blues vs. Bro-Country

Ich fühle ja meistens mehr mit den Minderheiten als mit der Masse. So hat mich die Entstehungsgeschichte des Blues auf den Baumwollplantagen der Südstaaten und der Weg dieser Musik den Mississippi aufwärts bis zur Metropole Memphis echt beeindruckt. Das Leid, die Unterdrückung, die Monotonie der Arbeit; all das hört und fühlt man in dieser Musik. Vor allem dann, wenn man sich die Originalschauplätze ansieht; die Menschen und die endlosen Meilen öden Landes. Ich war eigentlich nie ein großer Bluesfan und werde es wohl auch nicht mehr werden, dafür ist mir die Musik (meistens)  zu begrenzt und die Songs sind im klassischen 12 Takt Schema einfach zu ähnlich. Hier vor Ort kommt das aber irgendwie anders und ohne den Blues gäbe es keinen Rock’n’Roll (im größeren Sinne).
 
Gerade in Memphis, diesem Schmelztiegel der Kulturen des 20.ten Jahrhunderts, bohrt sich einem die Vielfalt und die Mischung diverser Musikstile mitten in die Ohren. Blues, Gospel, Soul, Country, Hillbilly alles vermischt sich und ist doch gleichzeitig präsent! Wahnsinn. Dazu das Lebensgefühl vor Ort; multikutli in Perfektion!
Wie extrem diese Mischung war, und sich auch mein Hören darauf eingestellt hat, fiel mir erst auf, als wir eine inoffizielle Grenze in Tennesee überfuhren. Das flache, sumpfige Land ging in Hügellandschaften über. Hier gab es früher keine Baumwolle oder Plantagen. Hier lebten und leben die Hillbillys und damit die klassische Countrymusik und der Bluegrass. Frei von Blues und Soul und immer brav in Dur, fällt es mir nun recht schwer diese Musik zu hören. Na gut, Hillbilly war eh nie mein Ding. Aber auch der New Country in Nashville hat es plötzlich schwer in mein Herz zu gelangen. Die Farm von Loretta Lynn machte es nicht besser. Ich fühlte mich hier plötzlich wie in einem abgelegenen Alpendorf, nachdem ich vorher in der Großstadt war. Und höre hier plötzlich Ländler statt HipHop, um mal einen deutschen Vergleich zu finden.

Waren wir in Lousiana, Alabama und Mississippi häufig in Restaurants, Hotels und Tankstellen eher die hellhäutige Ausnahme, hat sich das Bild hier in den „Alpen“ komplett gewandelt. Ich finde dieses ganze Schwarz-Weiss Denken sowieso vollkommen unerträglich und bin froh darüber, das wir in Deutschland (zumindestens und gerade in den Großstädten) doch schon so viel weiter sind, was das Miteinander angeht. In den USA bleiben die Bevölkerungsgruppen leider extrem unter sich. Doch gerade dort wo die Vermischungen stattfinden, entstehen ja meistens die heißesten neue Dinge.

Als gutes Beispiel dafür sehe ich das STAX Label, den Trendsetter für die Soulmusik der 60er und 70er Jahre in Memphis. Bereits zu diesem sehr frühen Zeitpunkt war die Herkunft der Musiker in diesem Label vollkommen egal und vermengte sich einfach selbstverständlich. Der Gründer bezeichnete seine Firma als „completely integrated“, und das in den 60er Jahren! Ein schönes Beispiel wie sehr die Musik die Menschen vollkommen vorurteilsfrei zusammenbringt. Was zählt, ist schlicht das Ergebnis und wohl auch der Erfolg. Und die auf diesem Label erschienene Musik spricht auch absolut für sich. Siehe Link: STAX Label

Die Themen „Friday Night, Beer, Tight Jeans, Pickup Truck“des aktuellen Bro-Country  nerven mich hier nun leider bereits nach dem dritten Song, wie in diesem Video sehr schön beschrieben :-) Und klassischen Country, Rockabilly o.ä. sucht man hier vergebens…..

Von Menschen und von Schiffen: Die vernachlässigten Schiffe.

Sie gehören zum Bild eines jeden Hafens: vernachlässigte Schiffe. Hier an einem Ort, den pro Jahr unzählige Yachten passieren: An der Einfahrt in den Kanal von Levkas, die man im Hintergrund sieht, und vor der Festung Santa Maura.
Es ist Teil des Traums. Und es gehört zum Segeln dazu, vom ersten Moment an, seit ich zum ersten Mal als frischgebackenes Mitglied einer Eignergemeinschaft mit dem Bandschleifer in der Hand auf der Werft von Andrea und seinem Babbo am Containerhafen von Livorno stand. Dort wo unser ganzer Stolz lag: Unsere JUANITA, eine FEELING 36, Baujahr 1983. Es gehörte von da ab zum Jahreslauf, einmal im Jahr zu Dritt, das Auto voll gepackt mit Werkzeug, Ausrüstung, Töpfen voll Abbeizmittel, Antifouling, Blauem Peter in ranzigen Arbeitsklamotten für eine Woche nebeneinander auf dem Boot zu stehen. Schadhaftes auszubessern. Neues anzubringen. Dem Motor, diesem dauernden Sorgenkind, mal wieder die ganze Aufmerksamkeit zu schenken, damit er uns nur ja gewogen blieb, die Segelsaison über.
Zum Anblick von Andrea’s Werft gehörte neben den dort kreuz und quer eng nebeneinander aufgepallten Booten auch solche, auf denen im Frühjahr niemand stand. Solche, zwischen denen von Jahr zu Jahr das Unkraut höher schoss. Die sich von Jahr zu Jahr auf ihren Pallhölzern zur Seite neigten, müde von der Last der Jahre, tatsächlich aber, weil niemand mehr erschien, Schadhaftes auszubessern oder gar Neues anzubringen. Ich erinnere mich an eine gewaltige Segelyacht aus Stahlbeton, auch damit wurden schon Boote gebaut in den 70ern, 80ern, ein riesiger grauer Klotz in der Dunkelheit mitten aus dem Unkraut aufragend, wir konnten nicht anders, neugierig und aus maschinenbaulicher Neugier, als uns das Trumm in der Nacht aus der Nähe und von Innen anzusehen, Ein Gefährt zum Angsthaben ob seiner schieren Wucht, ein uralter Riese, grau, vernachlässigt, an manchen Stellen, an denen der Beton abgeplatzt war, kam sichtbar rostendes Stahlgeflecht zum Vorschein. „End of Life“, sagen Betriebswirtschaftler und Marketingleute über ein Produkt.
Es gehört aber nicht nur zum Anblick einer Werft. In jedem Hafen kann man in irgendeinem Winkel ein vernachlässigtes Schiff sehen, das einen dauert. Im pittoresken Piran ebenso wie im lauten Marmaris. Natürlich steckt hinter jedem dieser Schiffe eine Geschichte, und wenn ich könnte: dann würde ich sie aufschreiben, nicht nur die eine Geschichte meines Bootes, so wie Lefteris, dem ich in Korfu begegnete und der sich unrettbar in eine ABEKING & RASMUSSEN-Werft aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts verliebte. Oder die Geschichten, die der Seemann mit den traurigen Augen erzählt, der in Ancona Holzboote repariert. Sondern alle Geschichten, jede einzelne, die diese Boote erzählen. Geschichten erzählen, das können diese Boote, ja.

Es ist Teil des Traums. Ob arm, ob reich: In bester Absicht, voll Zuversicht und Vertrauen in sich und seine Kraft erwirbt man ein Boot. Lebt seinen Traum, ob groß, ob klein, ob dauernd oder nur wochenweise auf dem Wasser. Aber manchmal passiert dann etwas Unvorhergesehenes. Neigungen und Vorlieben ändern sich: Und das Boot, einst geliebt und gehätschelt, gerät aus den Augen, aus dem Sinn. Wird vernachlässigt. Mit Booten ist es wie mit Menschen.

Oder Schlimmeres geschieht, wir können uns nicht mehr kümmern.
Vernachlässigte Boote: das sind Spiegel unseres Selbst, unseres Daseins, unseres Umgangs mit Zeit und Älterwerden. Und Älterwerden, auch das ist Teil unseres Daseins. Es kommt nur nicht vor. Weder in unseren Träumen. Noch in den Hochglanzprospekt vom neuen Boot, den wir uns gerade ansehen.
Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass vernachlässigte Boote ihre Würde verloren haben. Ihr Zustand ist bemitleidenswert. Nichts, was wir uns für uns selbst noch jemand anderen wünschen würden.
Also: kümmern wir uns! Um unsere Boote. Aber vielleicht morgen auch mal um jemanden, der vernachlässigt ist. Der uns irgendwie einfach gerade begegnet. Denn das Leben: es ist voll von Begegnungen und Chancen. Jeden Tag. Für jeden. Auf dem Meer. Im Hafen. An Land.