Monatsarchive: April 2014

Soto 40 speed


via: www.juanpanews.com

Die Tajeta und ich

20140414

Geh segeln und Dir wird nie langweilig!

Hast Du schon mal versucht bei Air Berlin anzurufen? Ich bekomme die Krise. In Deutschland gibt es keine Menschen mehr an den Telefonen sondern nur noch Maschinen. Warteschleifen und Auswahlen: „Wählen sie die 3 um das System zu verlassen, wenn keine der hier angebotenen Möglichkeiten auf Sie zutrifft“ Geh nicht über Los, ziehe nicht 2000 Mark ein usw…

Mein Problem ist die Touristenkarte. Unbedingt notwendig um nach Kuba einzureisen, sagt das Internet. Ich hab’s natürlich verdusselt mich rechtzeitig darum zu kümmern. Am Donnerstag geht mein Flug zurück auf die MARLIN. Hmm. Heute bekomme ich dann doch Bedenken. Mein Freund Detlef hatte doch noch eine im Küchentisch liegen. Hat er mir mal erzählt. Ich rufe Detlef an und erwische ihn auf der Arbeit. „Ja, klar. Kein Problem. Schicke ich Dir.“ Ich entspanne mich und kümmere mich um mein Lager. Vor zwei Wochen habe ich mir in der Marina von La Rochelle einen Microsoft Office Trojaner geholt, der mich gut eine Woche Datenverlust, seit der letzten Sicherung gekostet hat. Und das auf’m Mac!!! Achtung! Das war nicht lustig. Meine Lagerliste ist also auch weg und ich muss die Inventur noch mal machen. Derweilen kommt auch ein neues Großfall an, ein neuer Lavac Toilettensitz, Navigationsbücher für den Nordatlantik und diverser anderer Kram. Sieht wieder schwer nach Übergepäck aus.

Dann schreib Detlef, dass er die Tajeta nicht findet. Suupper! Toller Montag! Da werden sich meine Damen aber freuen, dass ich dann eine Woche später erst komme! Ich rufe die kubanische Botschaft an, die aber nur bis 11:30 telefonisch zu erreichen sind. Hätte mir eh nix geholfen. Also sitze ich etwas ratlos mit meinem Telefon in der Hand und dem Notebook auf dem Schoß auf der Straße. Gut das ich schon vor einer Woche wieder, wie Maya & Lena versprochen, aufgehört habe zu rauchen. Mit weniger Abstand, hätte ich jetzt sofort wieder angefangen mir einen Glimmstengel zwischen die Lippen zu hauen.

Glück, dass ich heute das Auto von Gurdun und Guido bekommen habe um meinen alten Herrn zu besuchen. Dem geht es so lala und eigentlich sollte ich da jeden Tag hinfahren. Aber das geht natürlich auch nicht, weil ich/man und überhaupt innerhalb von nur 4 Wochen wieder sooooo deutsch bin, dass es schon fast unglaublich ist. Voll drin im GF Mode. Am Multitasking und Machen und Tun. Schlimm. Ich muss schnell wieder hier weg und ums Boot schwimmen. Und dann die MARLIN über den Teich bringen, dass ich und seine Enkel näher dran sind, an dem alten Herrn. Ich wird das Gefühl nicht los, dass er uns grade näher dran braucht und nicht in Übersee. „Als Du losgefahren bist, hast Du mir versprochen nach drei Jahren wieder da zu sein. Das ist jetzt 14 Jahre her.“

Wie gesagt Glück, dass ich das Auto habe und da kommt mir eine einfache Idee. Am Flughafen gibt es Menschen, die bei der Air Berlin arbeiten. Jaaaaa, ich will mit Menschen sprechen und nicht mit Systemen. Und jetzt kommt’s: „Guten Tag die Damen. Können Sie mir bitte helfen?…“ und ich sage meine Liedchen auf, von keine Zeit und so… Das schlechte Gewissen steht mir im Gesicht geschrieben. Die Dame lächelt nicht, wie in der Werbung, ich glaub, die steht nicht auf unrasierte Fahrtensegler über Fünfzig. Aber: „Dann bekomme ich 25 Euro von Ihnen und ihren Pass bitte!“ Trocken! Cool. Ich aber lächle die Dame Air Berlin an. Das könnte jetzt ein schönes Photo werden. Ist aber keiner da, der fotografiert. Tja. Verpasst. Problem gelöst und um eine Erfahrung reicher. Ich werde das Ding gleich mal unter den Scanner legen und hier zum Download anbieten. Doch weit gefehlt, man muss es käuflich erwerben. Kopierte Tajetas sind wohl ungültig. Wahrscheinlich ist das schon wieder verboten. Alo lasse ich das mal.

Schnupperangebot: Einsteigen, ablegen und Spaß haben

Bei den Bootsevents 2014 des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft haben die Besucher die Möglichkeit, den Bootssport im Rahmen kostenloser Testfahrten kennenzulernen, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen und sich den Wind so richtig um die Nase wehen zu lassen.

Ohne Führerschein in den Bootssport schnuppernMöglich macht dies die neue Führerscheinregelung. Boote bis 15 PS dürfen auf allen Bundeswasserstraßen in Deutschland (binnen- und seewärts) mit Ausnahme des Rheins ohne Führerschein gefahren werden. Eine Motorisierung, die viel Fahrspaß verspricht und echtes Bootsfeeling aufkommen lässt. 15 Boote stehen für die kostenlosen Testfahrten zur Verfügung. Boot fahren ist ganz leicht. Wie man es richtig macht, zeigen die Instruktoren vor Ort. Ein einmaliges Erlebnis gemeinsam mit Familie oder Freunden.

Unterstützt werden die Veranstaltungen von den örtlichen Regionalclubs des ADAC.
Ausbildungstechnische und Führerschein-Fragen beantworten kompetent die Mitarbeiter der ADAC Yachtschule Möhnesee (www.adac-yachtschule.de) .

Folgende Termine stehen bereits fest:

31. Mai/1. Juni 2014, Hafenfest Münster, www.ms-hafenfest.de

7./8. Juni 2014, Hafenfest Bergkamen, Marina Rünthe

20./21. September 2014, Maritime Woche in Bremen an der Weser

Weitere Termine und Informationen unter www.entdecke-wassersport.de

Logbuch – Sonntag, den 13. April 2014

Standort: Grossenbrode
Position 54° 19,1″ N 011° 04,2″ O
Datum: 13.4.2014 21:39h
Wind: 6 Bft, W
10°C, klar

– Eine der anstrengendsten Wochen der Reisevorbereitungen geht nun zu Ende. Die Arbeit am Deck war doch deutlich zeitintensiver als geplant. Von daher musste ich den Krantermin verschieben und komme nun am Dienstag ins Wasser. Die letzten Tage war ich daher eigentlich immer am Boot arbeiten…kriechend unter der Plane, mit kaputten Knien, aufgeschlagenem Kopf, von Kopf bis Fuss eingesaut mit Schleifstaub oder Farbe und die Abende dann in der Dorfpension. So hatte ich mir die Zeit vor der Abreise nicht vorgestellt. Nun ist aber eben der letzte Anstrich erfolgt (bei Windstärke sieben, Loriots Nudelsketch lässt grüßen) und das Deck sollte morgen wieder dicht sein. Morgen kommt dann die Plane ab und alles wird für das Kranen vorbereitet…also noch 1 langer Tag an Land. Dienstag dann ins Wasser und alles montieren.
– Über Ostern würde ich schon gerne nach Travemünde verholen, damit die elende Fahrerei ein Ende hat.
– Gestern habe ich mit Bigsby Sonic in Husum gespielt. Geiler Gitarrist, Super Drummer…musikalisch ein Traum…aber 5 Sets a 50 Minuten, direkt nacheinander auf den Kontrabass eingeprügelt. Das tut weh und gibt dicke Arme. Um 5 Uhr zuhause, um 10 Uhr ab nach Grossenbrode, jawoll!!
– Ich muss mich gerade an mein luvgier Motto halten…wenns schwierig wird, dann erst recht. Bloss nicht nachgeben…habe schon zeitweise das Gefühl, alles hat sich zur Zeit gegen mich und meine Abfahrt verschworen. Habe darüber auch schon viel gejammert, aber jetzt bin ich im Trotzmodus. Das wollen wir doch mal sehen, wer hier wen von etwas abhält. 
– Sehr positiv war ein Treffen mit Jochen von
Wir haben uns lange unterhalten, er hat das Gespräch teilweise auf Video mitgeschnitten und wir haben festgestellt, das wir ähnlich Wurzeln haben. Beide Musiker und spät zum Segeln gekommen…Er mehr jedoch im Dance Bereich, dafür hat sein Boot die gleiche Größe. www.segel-filme.de ist für mich eigentlich immer die erste Anlaufstelle für alle Videos rund ums Segeln, daher hatte ich bei Jochen nach einer Kooperation angefragt. Wir lassen uns da auf jeden Fall etwas einfallen!! Und er hatte auch gleich noch die Idee für ein gemeinsames Videoprojekt. Dazu mal später mehr..auf jeden Fall ist es toll einmal Feedback von aussen zu bekommen. Ich bin ja zur Zeit Darsteller, Regisseur, Produzent, Kameramann, Cutter, Tontechniker, Handwerker u.s.w. in Personalunion. Umso schöner war es daher jemand Gleichgesinnten mit super Ideen zu treffen..mein Highlight der Woche!!

Schöne Menschen

20140412

Der Unterschied zum Seglerleben

Ich bekomme eine mittelschwere Kriese in Deutschland. Alles ist so schön. Die Frau auf der Zigarettenwerbung, eigentlich auf allen Plakaten und Leuchtdisplays. Davon gibt es viele, sehr viele. So hat man auszusehen, so wie die Menschen auf den Plakaten, die Schönlinge. Ich sehe meinen Sohn Lukas und seine Freunde. Bisher haben sich ja nur die Mädchen die Augenbraunen in schöne Bahnen gezupft, immer mehr tun das jetzt auch die Jungen. „Tut das nicht weh?“ Klar sacht Ina. Aber was tut man nicht alles um so schön auszusehen wie die Sieger auf den Plakaten. Später unterhalte ich mich mit Vera. Vera ist Freund Ulf’s Tochter. Ulf ist vor zwanzig Jahren nach Spanien gegangen. Alle haben ihn beneidet. Er hat sich ein Haus gebaut, geheiratet und Kinder bekommen. Jetzt ist Ulf wieder nach Deutschland gekommen. Es gibt keine Arbeit mehr in Spanien. Nicht dort wo er lebt. Seine Tochter Vera ist jetzt auch gekommen. Mir macht es nichts, dass sie nur wenige Brocken Deutsch spricht, wir unterhalten uns auf Spanisch. Aber Vera ist da über ihren Vater etwas sauer. Hätte dieser ihr von Anfang an Deutsch beigebracht hätte sie es jetzt einfacher hier in Deutschland Freunde und Job zu finden. Sie rockt echt über Uldecona ab, ihrem Heimatdorf in Valencia. Das was ihre Eltern romantisch finden oder fanden, dass Haus auf dem Land, dass einfache Leben, dass findet Vera total langweilig. Düsseldorf ist für sie das Leben. Ich komme ins Nachdenken über das Leben, dass ich meinen Kindern aufzwinge. Ob Maya das Leben auf dem Boot in ein paar Jahren total blöd findet? Können Eltern alles richtig machen? Oder gehört es einfach dazu einen die eigenen Kinder auch mal gehörig blöd finden?

The MAX Customer

20140411

Mein Tafelsilber und ich

Was soll’s. Hat auch hingehauen. Frank spart. Das gibt er auch offen zu. Installation in zwei Tagen. Da muss der Kunde richtig mit ran. Hat Frank auch gemacht. Hat sich Bauschaum beim Verkleben der Grundplatte für den Tuner über das neue T-Shirt gekleckert und gelacht. Fast schon entspannt, fast schon entschleunigt. „Dann müssen wir aber noch das Vesper AIS einbauen.“ Mal eben. Mal eben hier, mal eben dort. Was leidet ist das Training. Die Einweisung in all die wundersamen Geräte, die so nett leuchten, piepsen und allesamt eine umfangreiche Bedienungsanleitung haben. Der Bordrechner läuft unter Vista, das ist das Ende. Das Mauspad geht nicht richtig, jeder serielle COM Port Adapter mit GPS wird als Mircrosoft Ball Point interpretieret. Gates sollte man sofort in Gefängnis stecken. Mir ist das eigentlich schon vollkommen klar. Und alles dauert viel länger als geplant. Is ja immer so. Fast immer ; )

Frank H. ist Steuerberater und ihn hat das Seefieber gepackt. Richtig. Leider kann er wie so viele nicht einfach so aufhören und lossegeln. Da ist seine Kanzlei, da ist sein Sohn, Banken, Versicherungen, Verträge, da ist sein Leben. Aber da sind auch seine Träume. Frank H. steckt in der Zwickmühle und da macht er sich eben seinen Traum Stückchen für Stückchen wahr zu machen. Eine etwas in die Jahre gekommene Bavaria am Ijsselmeer. Eine Wochenende hier, ein Wochenende da. „Aber Deine Frau will viel lieber irgendwo anders in den Urlaub fahren als aufs Boot. Oder?“ Frank lacht, fühlt sich ertappt. Vielleicht ist so ein grober Wnuk nicht genau das richtige für seine Situation. „Meine Frau wird seekrank. Richtig seekrank!“ „Ja, das ist immer prima!“, antworte ich. „Dann braucht man ja nicht mehr zu diskutieren, dann ist ja alles klar. Oder?“

Nach dem ersten Tag bleibe ich über Nacht bei Ellen & Martin, einem kleinen B&B mit dünnen Wänden, wo mich morgens um fünf mein Zimmernachtbar mit Schlägen an die Wand weckt. Hab ich wohl mal wieder etwas laut geschnarcht. Bei Ellen & Martin gibt es schnelles Internet, eine heiße Dusche, etwas zu weiche Betten und ein ausgiebiges Frühstück. Am zweiten Tag habe ich Frank zum Frühstück eingeladen. Damit er nicht da auch noch sparen muss. Das geniest er auch und der Tag wird etwas lockerer. Fast kommen wir uns näher. Irgendwie erinnert Frank mich an Tobias, meinem Expartner bei Lunatronic, als die noch ein LTD. In Singapor war. Der war auch so nett wie Frank H. und doch irgendwie so weit weg. Frank ist Franke und ich muss an den Alex aus La Rochelle denken, der mich vor den Franken gewarnt hat. „Die Franken sind nicht kompatibel mit den Rheinländern. Die Franken gehen zum Lachen in den Keller!“ O-Ton. Nun ja. Alles hat seinen Anfang und alles hat eben sein Ende. Am Freitag Abend verlasse ich Frank. Eigentlich bräuchten wir noch einen Tag. Das weiß er, dass weiß ich. Zumindest sind alle Geräte installiert.

Das ist mein Daumenring aus altem Tafelsilber. Ganz modern in Cuba. Tragen jetzt alle Männer dort, die was auf sich halten. Etwas schwer. Manchmal verliere ich ihn. Nicht wenn ich einen dicken Hals habe. Dann bleibt er am Daumen kleben. So habe ich meinen Blutdruck und meinen Stress oder die Gelassenheit immer unter Kontrolle. Letztlich habe ich den Ring bei meinem Freund Jürgen vergessen, Frau und Kinder haben den gefunden und sich gefragt wo ich den Ring trage, weil sie zwei Finger reinstecken konnten. So was.

luscious friday

Kleiner Onkel?

20140410

Der Botanische Garten Cienfuegos

Bei botanischem Garten denkt man an ordentlich angelegt Wege, Wiesen, die man nicht betreten darf, sorgfältig mit unaussprechbaren lateinischen Namen etikettierte Bäume, Schautafeln und wenn man ehrlich ist, auch ein bisschen an Langeweile. Dementsprechend war auch einiges an Überzeugungsarbeit notwendig, unseren Besuch dort hinzuschleppen.

Aber, wie die Kinder immer sagen, wir sind schließlich in KUBA, und hier ist alles anders. Am Eingangstor des Gartens säumen noch ein paar gerade gewachsene Königspalmen mit exaktem Pflanzabstand den Weg, doch schon am Parkplatz beginnt der Wald. Die 94 Hektar große Anlage entstand vor über hundert Jahren, als leidenschaftliches Hobby eines exzentrischen Zuckerpflanzers, heute gehört sie angeblich zu den vollständigsten Sammlungen tropischer Pflanzen und Bäume auf der ganzen Welt. Den Kindern sind solche Zahlen natürlich egal, was hier zählt ist Forschergeist. Mit Fernglas, Taschenmesser, Rucksack und Wanderstöcken ausgestattet, ziehen wir in den Wald. Bambuswälder, Affenbrotbäume, Elefantenfuß, Brasilianische Rose, meterhohe Mimosen, gigantische Fikus, es gibt eine Menge zu entdecken. Überall finden wir seltsame Früchte und Bohnen, der Forscherrucksack füllt sich. Was wir nicht finden, sind Täfelchen mit lateinischen Namen, stattdessen treffen wir Alexis. Alexis ist Jardinero, Gärtner, arbeitet seit Jahrzehnten hier und kennt jeden Baum beim Namen und eine Menge Geschichten und Verwendungszwecke zu den einzelnen Pflanzen. Das Beste an Alexis jedoch ist sein Pferd. Im Nu sitzen Pippi, Tommi und Annika, alias Maya, Noah und Lena auf dem Pferderücken und dürfen die Wanderung hoch zu Ross fortsetzen. Zum Abschluss gibt es ein Picknick im klackernden Bambushain unter dem Seifenfruchtbaum, dessen Früchte anfangen zu schäumen, wenn man sie mit Wasser zwischen den Händen verreibt. Es tut mir natürlich leid, dass Noah vermutlich für den Rest seines Lebens enttäuscht sein wird, wenn er botanische Gärten besucht, aber da konnten wir bei der Tagesplanung keine Rücksicht drauf nehmen.

another day at the office

Und noch eine Kaltfront

20140409

Im Spinnennetz

Katharina und Noah haben sich eingelebt. Jetlag und Klimaschock sind überwunden, so dass wir anfangen können die Gegend zu erkunden. Ich hatte ganz vergessen, in welchem Schneckentempo man vorankommt, wenn die Kinder noch ganz klein sind. Jeder Stein wird umgedreht, jeder Baum inspiziert, an Feuerwehrwachen könnte man eigentlich die Picknickdecke ausbreiten und wenn irgendwo ein anderer kleiner Junge Fußball spielt, können einem die geschichtlichen und kulturellen Hintergründe der Stadt sowieso gestohlen bleiben. Das ist dann eher die Völkerverständigung der direkten Art. Ein Ball ist rund und beim Fußball muss man nicht reden. Damit unsere Mädchen ihre Geduld als Bespaßer nicht verlieren, nutzen wir die Siesta für Schulkinderprogram. Alle zwei Tage gehen die beiden mit ihrer spanischen Freundin nun in ein kleines Atelier zum Malkurs. Pepe und Adrian nehmen ihren neuen Job sehr ernst und kümmern sich mit Hingabe um die neuen Schülerinnen.

Währenddessen behalte ich misstrauisch das Wetter im Auge. Der vorletzte Sonntag mit dem überraschenden Westwind steckt mir noch in den Knochen. Am Samstag tauchte die Kaltfront in Form eines Starkwindgebietes im Yucatanchannel das erste Mal auf. Da haben noch alle abgewunken, doch seit gestern Mittag berichtet auch das lokale Fernsehen über die Front mit viel Regen, Blitz, Donner und Wind bis 45 Knoten. Mit etwas Glück kommt der Starkwind schon aus Nordwest und nicht direkt aus West, wie beim letzten Mal. Gegen ggf. auftretenden Bootskoller verbringen wir den Vormittag am Strand. Die Kinder glücklich, ich mit sorgenvollem Skipperblick auf die dunklen Wolken am Horizont. Einer muss ja schließlich finster gucken.

Zurück an Bord wird die MARLIN rundum vertäut und eine weitere Leine nach Westen zu einem halbversunkenen Piratendampfer ausgebracht. An Land kämen wir nur durch einen Tanz auf dem Seil, denn nochmal möchte ich die MARLIN nicht auf die Mole gedrückt wissen. Mittlerweile bläst es mit 22 Knoten aus Süd und die Welle wird ruppig, die Front selbst ist aber nicht vor der Dunkelheit angesagt. Zeit für einen gebratenen Red Snapper und Salat!

Um 23 Uhr hat sich der Südwind verzogen, eigentlich wollte ich ja die Drehung auf West abwarten, bevor ich schlafen gehe, aber nun fallen wir doch die Augen zu. Dramatische Wolkentürme sind in der Dunkelheit auch keine zu erkennen. Irgendwann in der Nacht wache ich vom Prasselregen auf, die MARLIN ruckelt ein bisschen an ihren Festmachern, mehr passiert nicht. Der angesagte Starkwind mit Gewitter ist wohl vorbeigezogen. Sehr zum Leidwesen Noahs, der hatte sich nämlich schon gefreut auf einen echten Sturm mit Blitz und Donner.

DesTopNews 2014-15

wet interview