Archiv der Kategorie: Zu zweit auf See

Zwei Überraschungen

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Die Medikamente tun ihren Dienst, die Grippe und ihre Begleiterscheinungen klingen ab und ich komme langsam zurück auf die Beine. Heute habe ich bereits einige kleine Aufgaben am Boot erledigen können. Eigentlich ging es dabei eher um die Entfernung von Provisorien, wie die selbstgebaute Spinnakerbaumhalterung aus Gurtbändern. Man möchte ja eigentlich möglichst wenig Zeit außerhalb des Cockpits verbringen. Vor allem freihändig und das dreieinhalb Meter lange Rohr balancierend. Deshalb hat mir mein Vater zwei Edelstahlbeschläge spendiert, in die ich den Baum einfach einklinken kann, anstatt ihn immer wieder an die Reling anlaschen zu müssen.

Bevor ich mich vergangene Woche in die Koje verabschiedet habe, um meine Grippe auszukurieren, haben sich noch zwei sehr bemerkenswerte Dinge ereignet, von denen ich kurz berichten möchte:

Als wir von Quinta do Lorde nach Funchal verholen haben, ist plötzlich der Wind eingeschlafen. Die Wellen wurden immer glatter, je weiter wir dem Kap bei Garajau kamen. Die Sonne stand tief am Himmel und es muss von Land aus ein auffälliges Bild gewesen sein, wie wir da so einsam im Sonnenuntergang gen Funchal getuckert sind. Kaum waren wir in Funchal angekommen, das Internet funktionierte auf Anhieb, trudelten einige Mails ein. Eine von unserem Gästebuch-Anbieter mit der Nachricht über einen neuen Eintrag:

Hi ihr beiden,
haben euch gerade vom Balkon unseres Hotels aus gesehen. Gleich ins Netz und Eure Seite gefunden. Alles Gute weiterhin für Euch.
Lg. Sabine & Fred
Ps. Waren auch mal in Australien. Aber mit unserer BMW, von Unna aus einmal um die Welt.

Wir freuen uns natürlich immer riesig über jeden Gästebuch-Eintrag (also bitte weitermachen! :-)) – aber über diesen ganz besonders. “Wie können die uns denn gesehen haben, wir waren doch relativ weit draußen?” haben wir uns gefragt.

Bei mir müssen auch gleich die Augen geleuchtet haben, “Wahnsinn, mit einer BMW sind die um die Welt gefahren”. Ich bin früher selbst einige Jahre Motorrad gefahren und habe immer von einer großen Reise mit meiner Honda und einem Zelt geträumt. Am liebsten natürlich auch um die Welt. Aber als die Reisepläne im Segelboot ernst wurden, habe ich das Motorrad damals natürlich als erstes verkaufen müssen. Zwei Träumen hinterher zu jagen geht ja nicht. Ein Gefährt, dem ich lange nachgetrauert habe, denn es war ohnehin nur noch 1000 Euro wert. Und die beiden haben es einfach gemacht, sind einmal um die Welt gefahren – und auch noch mit meinem Traummotorrad. Also gleich eine Antwortmail zurückgeschrieben und die beiden zum Kaffee an Bord eingeladen.

Zwei Tage später stehen Sabine und Fred an der Reling, und haben sogar Kuchen mitgebracht. “Als wir damals unterwegs waren und Leute kennenlernten, haben wir von denen auch immer was zu essen bekommen”, sagt Fred und lacht. In seinem Rucksack hat er ein altes Armeefernglas. “So haben wir euch dort draußen erkennen können”, sagt er. Wir sitzen im Cockpit, bei herrlichem Sonnenschein und leckerem Kaffee, plaudern den ganzen Nachmittag. Eine Anekdote ergibt die nächste, wir lachen und philosophieren über das Tolle daran, unterwegs zu sein. Fred hat sogar ein paar Bilder mitgebracht. “Wir hatten noch keine Digitalkamera”, erklärt er, “alles Dias.” Die Fotos sind so spannend, wie die vielen Geschichten. Unglaublich, was die beiden geleistet haben, in 15 Monaten um den ganzen Globus zu fahren. Jede Nacht das Zelt aufbauen, alle Habseligkeiten vom Bike, am nächsten morgen wieder aufladen. Und überhaupt: Zu zweit auf einem Motorrad, ohne Begleitteam oder sonstigen Support (etwa wie bei “Long way down“). Cati und ich sind hochgradig begeistert von diesen beiden weitgereisten, liebenswerten Menschen und ihren Geschichten. Eine echte Bereicherung der Zeit in Funchal.

Als wir so im Cockpit sitzen, die Sonne steht mittlerweile tief, kommt plötzlich ein älterer Mann mit dem Fahrrad die Promenade entlang gefahren. Die zweite Begebenheit:

Er beäugt unser Schiff, schaut auf ein kleines Päckchen, das er eben noch unter dem Arm hatte, kommt näher. “Määää-verrrr-ickkk”, fragt er? “Yes, thats our boat”, antworte ich. Wortlos drückt er mir das Päckchen in die Hand und schwingt sich wieder aufs Rad.

Nanu, wir hatten doch gar nichts auf dem Postweg? Zumindest nicht, wovon wir wüssten. Der Absender: Zwei Initialen und der Ort Wolfsburg, mein Heimatort. Dann erst fällt mir die Adresse auf: “Marina Quinta do Lorde”, also unser ehemaliger Liegeplatz. Ziel: “Madeira/Portugal” und für 3,45 Euro frankiert. Keine Postleitzahl. “Unglaublich, dass das angekommen ist”, staune ich, “die in Quinta do Lorde müssen es weitergeleitet haben.” Aber sicher nicht auf dem Postweg, denn unser Fahrradfahrer hatte mit der Post nichts zu tun. Staunend öffnen wir das Paket.

Darin enthalten sind zwei Schachteln Kaugummi-Zigaretten, Marke “MAVERICK” und “KAP HORN”, und eine kleine Flasche Sülfelder Korn. Schnaps aus einer Brennerei, die zu meiner Schulzeit alle Abifeten versorgt hat. Ich muss laut lachen, bin total verdutzt. “Wo kommt das denn her? – Aus Wolfsburg, klar, aber von wem?” Dann finde ich einen Brief. “Ich habe die beiden Packungen zufällig beim Abschicken der Weihnachtspost gefunden und dachte, ich schicke euch einen Gruß aus der Heimat. Gruß, Blog-Leser Wilhelm”. Das Datum? Vor vier Wochen abgeschickt.

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“Haha, klasse!” Ich kann mich erinnern. Wir kennen uns nicht, haben aber vor Jahren mal gemailt. Ich finde nur leider die Email-Adresse nicht mehr. Also wenn du das liest, Wilhelm: Herzlichen Dank, dass du an Weihnachten an uns gedacht hast! ; )

Was die Abfahrt angeht: Wir warten gerade noch auf ein Paket von unserem Segelmacher Faber und Münker, der uns ein Sonnensegel hinterherschickt, das bis zur Abfahrt damals nicht mehr fertig geworden ist, weil ich die Maße erst jetzt unterwegs nehmen konnte. Das Segel wird wohl am Freitag hier sein und am liebsten würden wir dann gleich Freitagnachmittag ablegen. Aber blöderweise ist noch ein zweites Paket mit wichtigen Medikamenten unterwegs, das möglicherweise erst Anfang nächster Woche ankommt. Dann geht es aber wirklich los … rüber über den Teich! Wir können es kaum erwarten.

Johannes

 

Atlantiküberquerung der “Maverick too”

Liebe Leser,

auf dieser Karte könnt ihr unseren Fortschritt auf dem Weg über den Atlantik verfolgen. Sie ist oben auf der Website festgesetzt und wir werden täglich eine Positionsmeldung von See posten. Durch einen Klick auf das Segelschiff-Symbol erfahrt ihr ein paar Daten unserer Reise. Etwa unseren Kurs und die Durchschnittsgeschwindigkeit in den vergangenen 24 Stunden. Neue Blogeinträge findet ihr unterhalb dieser Karte.

Viel Spaß beim virtuellen Mitreisen!

Warten auf den Absprung

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Über einen Monat ist es nun her, dass wir auf Madeira angekommen sind. “Maverick” ruckelt schon ordentlich an den Leinen, weil sie weiter möchte und auch wir können es kaum erwarten, den Absprung über den Atlantik zu machen. Wir hatten ja auch schon Wasser und etliche Lebensmittel gebunkert, schließlich wollte Johannes nur noch die YACHT-Geschichte fertig schreiben, die letzten Anpassungen sollten am Boot vorgenommen werden und dann: Tschüß Europa!

Die letzte Woche über hat Johannes aber leider krank in der Koje verbracht. Auf Madeira scheint gerade eine Grippe-Epidemie zu herrschen, wie dieses Journal berichtet (übrigens ist bei Min. 07:05 auch “Maverick” zu sehen). Und weil Johannes Madeira so mag, hat er diesen Trend gleich mitgemacht. Mit Fieber und Schüttelfrost war an Arbeiten nicht zu denken. Mittlerweile ist er auf dem Weg der Besserung und hat auch schon die ersten Seiten tippen können, aber er soll sich erstmal auskurieren, bis wir an die Weiterfahrt überhaupt nur denken.

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Um mich abzulenken, habe ich uns an einem Nachmittag mit ein paar Töpfen Farbe und unzureichendem Pinselequipment auf der Hafenmauer verewigt. In Funchal und in weiteren Häfen hinterlassen viele durchreisende Segler ein Bild, das bezeugt, dass sie tatsächlich da waren. Wir finden es beide sehr schade, dass Johannes 2005 kein Bild gemalt hat, damals war ihm solch sentimentaler Kram wohl nicht so wichtig ; ) Dabei ist es unheimlich spannend zu sehen, wer hier schon alles gelegen hat, bekannte und unbekannte Namen präsentieren sich uns auf der langen Kaimauer. Manche Bilder sind älter als wir, sie wurden in den frühen 80er Jahren gemalt und haben über dreißig Jahren Wind und Wetter getrotzt. Ob unser Bild auch so lange hält?

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Zur Zeit peilen wir die Abfahrt für das Ende der kommenden Woche an. Ob wir das einhalten können, hängt vordergründig davon ab, wie schnell Johannes gesund wird.

Cati

Wiedersehen mit Funchal

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Seit gestern Abend liegen wir in der Marina Funchal und sind damit zum ersten Mal in einem Hafen, den Johannes schon 2005 auf seiner ersten Reise besucht hat. Für Johannes eine ganz besondere Erfahrung, denn manches hat sich verändert, vieles ist aber auch noch so, wie er es von damals in Erinnerung hat. Meine Erwartungen an die Marina waren recht gering, denn in vielen Revierführern wird sie gar nicht mehr gelistet und von etlichen Seiten wurde uns von dem Hafen abgeraten (zu dreckig, zu unruhig, zu überfüllt …). Im Vergleich zu Quinta do Lorde mag das wohl auch stimmen. Dort braucht man nun wirklich nicht zu befürchten, dass man auf dem Weg zur Toilette von den allgegenwärtigen Touri-Fängern zu einer Walsichtungsbootfahrt genötigt wird. Aber während wir es in den letzten Tagen in Quinta do Lorde sehr ruhig hatten, spürt man in Funchal halt das Leben. Dieser Hafen wirkt auf mich authentisch und hat irgendwie Hand und Fuß. Wir liegen an einer sehr exponierten Stelle direkt an der Hafenmole, den ganzen Tag über schlendern Touristen an der “Maverick” vorbei. Ganz oft kommen wir dabei sehr nett ins Gespräch, werden gefragt, woher, wohin … Und was die Toiletten angeht, vor denen wir so gewarnt worden sind: Wir hatten es schon wesentlich schlimmer auf dieser Reise. Nein, ich mag Funchal wirklich sehr!

Eigentlich wollten wir nach Calheta im Westen der Insel verholen, denn die Marina hat uns sehr gut gefallen, als wir dort mit dem Auto waren. Direkt gegenüber gibt es zum Beispiel einen Supermarkt, ein unschlagbarer Vorteil für die Vorbereitung unserer Atlantiküberquerung. In Quinta do Lorde gibt es nur ein Supermärktchen, das zumindest außerhalb der Saison keine frischen Lebensmittel bereithält. Funchal ist da eine Steigerung, aber auch hier werden wir einige Kilometer zurücklegen, bis wir alles an Bord haben. Das Beste an Calheta wäre der Sandstrand direkt neben der Marina gewesen. Als wir uns dann aber per Email erkundigt haben, ob es in dem Hafen auch Internet gibt, damit Johannes seinen Artikel in die Redaktion schicken kann, antwortete man uns, dass für uns kein Platz in der Marina sei. Kaum zu glauben, schließlich ist gerade Nebensaison und als wir vor nicht mal einer Woche dort waren, war der Hafen nahezu ausgestorben …

Also dann doch Funchal, wo man für unsere kleine “Maverick” auch ohne empfohlene Reservierung ganz unkompliziert noch einen Platz hatte. Vor allem ist die Marina deutlich günstiger, wir sparen fast 10 Euro täglich gegenüber Quinta do Lorde, bei der wir sogar 30 Prozent TO-Rabatt bekommen haben. Während unserer Abwesenheit war der Mehrpreis gut investiertes Geld, denn wir wussten unser Schiff sicher und haben zwischendurch sogar einmal Fotos per Email bekommen. Auf die ganze Zeit gemessen klafft nun aber ein dickes Loch in der Reisekasse und wir freuen uns auf die Regionen, in denen wir endlich bequem ankern können. Funchal ist dafür nicht mehr vorgesehen.

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Auf dem Weg nach Funchal konnten wir auch die Segelbilder für die YACHT aufnehmen. Ganz schön viel Arbeit, ein gutes Foto zu bekommen. Johannes hat mich im Schlauchboot ausgesetzt und ist etliche Male an mir vorbeigesegelt. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack von dem Ergebnis:

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Witzigerweise konnte Blogleser Björn beim Anflug auf die Insel zufälligerweise dieses tolle Foto von unserem Fotoshooting machen. Das Weiße über dem Triebwerk ist Johannes mit der “Maverick”, der aufgeschäumte Meeresstreifen rechts daneben bin ich im Dingi.

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Cati

“Maverick too”-Seite ergänzt

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Heute regnet es und deshalb hatten wir Zeit, die “Maverick too”-Seite zu ergänzen. Neben technischen Informationen finden sich dort jetzt auch etliche Bilder. Johannes hat für die Vorbereitungen immer gerne auf die Ausrüstungsseiten anderer Segelblogs geguckt, darum wollen wir natürlich auch verraten, was an Bord gekommen ist. Wenn es das nächste Mal regnet, folgt eine “Ausrüstung”-Seite.

Cati

 

Ausflug mit dem Schlauchboot

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In den nächsten Tagen wollen wir Segelaufnahmen von “Maverick” vor der Küste Madeiras für den YACHT-Artikel machen, den Johannes gerade schreibt. Bisher hatten wir noch keine Gelegenheit das Dingi und den brandneuen Motor zu testen, nur auf der Oste haben wir unser kleines “Rib’chen” schon einmal kurz gewassert. Deshalb hat Johannes das Schlauchboot gestern mal aufgepumpt um schon zu gucken, ob alles in Ordnung ist, schließlich war es die ganze Zeit auf unseren Aufbau gelascht und dem Seewasser und den Wellen ausgesetzt. Genauso unser Außenborder, den wir aus Platzgründen erstmal am Heckkorb befestigt hatten. Das gute Teil sprang auf den ersten Zug an, fantastisch.

Wir wollten nur mal eben testen, wie das so ist mit dem Schlauchi. Und irgendwie sind wir dabei am Strand um die Ecke gelandet. Das erste Mal auf dieser Reise haben wir tatsächlich faul im Sand gelegen!

Eigentlich gibt es auf Madeira keine echten Sandstrände. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs und hat wunderschöne Felsküsten anzubieten, auch Steinstrände. In den letzten Jahren hat man für die Touristen Sand aus der Sahara aufgeschüttet, wie es zum Beispiel auch auf der Kanareninsel Teneriffa gemacht wurde. An einer Stelle allerdings hat Madeira einen echten eigenen Strand mit schwarzem Sand aus zerriebenem Vulkangestein. Als Johannes vor 20 Jahren mit seiner Familie Urlaub auf Madeira gemacht hat, gab es die “künstlichen” Strände noch nicht und ein einheimischer Taxifahrer hat sie zu dieser damaligen Attraktion gefahren. Unter der Weihnachtsbaum haben wir Fotoalben gewälzt und sind auch auf die alten Strandbilder von Madeira gestoßen. “Wo dieser natürliche Strand wohl sein mag?”, haben wir uns gefragt. Und Johannes Mutter Gabi wusste noch, dass östlich vom Strand nur noch Einöde war. Mithilfe des Internets und Google Earth fanden wir heraus, dass in diese Einöde die Marina “Quinta do Lorde” gebaut wurde und dass der einzige echte Strand von Madeira direkt neben “Maverick” liegt! Der Vergleich mit den markanten Felsen auf den 20 Jahre alten Urlaubsbildern brachte die Bestätigung. So ein Zufall!

Johannes hatte den Strand um einiges größer in Erinnerung. Entweder wurde in den letzten 20 Jahren eine Menge Sand abgetragen oder Johannes war damals einfach noch kleiner. In jedem Fall war es herrlich dort kurz zu liegen und das Wasser sogar recht warm. So kann es weitergehen.

Cati

 

 

Traumhafte Chaostage

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Liebe Leser,

nachdem wir bereits einige sorgenvolle Emails erhalten haben, was denn mit uns los sei und warum wir schon so lange nichts mehr gepostet haben, schaffe ich es heute Abend endlich mal, ein paar Zeilen zu tippen. Zuerst einmal: Uns geht es gut und wir sind am 7. Januar (mit fast sechs Stunden Verspätung …) auf Madeira gelandet. Die Weihnachtstage in Deutschland waren wunderschön, im Kreis der Familie. Die ersten Tage im neuen Jahr hingegen sehr stressig: Ersatzteilbesorgungen, Arzttermine, … Vor allem für mich. Als ich meinen bereits seit einigen Wochen Probleme bereitenden Zahn am Montagmorgen meiner Zahnärztin in Hamburg präsentiert habe, warf sie gleich ihre Planung für den nächsten Vormittag um und notierte “Erdmann – Wurzelbehandlung” im Terminplan. Auweia … Aber dann beruhigte sich der Zahn über Nacht, es wurde eine normale Füllung aus Plastik verklebt (“sie kennen das ja bestimmt vom Bootsbau …”). Dann noch schnell am Abend ein paar letzte Impfungen in Fallersleben, beim Hausarzt, und dann konnte die Reise wie geplant fortgesetzt werden.

Doch wir flogen nicht allein zurück an Bord. Relativ spontan hatte mein Vater noch zwei Flüge für sich und meine Mutter gebucht, damit wir die tolle Blumeninsel Madeira noch für ein paar Tage zusammen erleben können, bevor Cati und ich dann über den Atlantik aufbrechen und die Flüge lang und teuer werden. Auf Madeira waren wir vor fast 20 Jahren schon einmal zusammen. Damals war ich zehn Jahre alt, ist also schon eine Weile her … Doch wir alle haben den Familienurlaub damals als so ziemlich die beste gemeinsame Urlaubsreise unseres Lebens erlebt. Grund für mich im Jahr 2005 noch einmal hierher zu kommen. Doch so ganz allein und ohne Gelegenheit etwas vom Innenland zu sehen, war es nicht dasselbe. Deshalb habe ich mich riesig gefreut, dass uns die beiden hier besuchen und für ein paar Tagen in unser Bordleben hineinschnuppern.

Auf Madeira wollten wir eh etwas länger bleiben, denn hier haben wir einige Aufgaben zu erledigen. Zum einen muss ich für die YACHT ein Inselporträt schreiben, was mehrere Tage Recherche an der Küste und im Binnenland erfordert. Außerdem hat sich wieder einmal das Kamerateam angekündigt, das eine Reportage über unsere Reise produziert und uns in regelmäßigen Abständen besucht. Das Team aus Hamburg um Regisseur Arne Schröder hat unsere Vorbereitungen und die Abfahrt in Oberndorf genau begleitet, die Kameralinse in jede Ecke des Bootes gesteckt, und uns dann nochmal in Dartmouth (England) und Viveiro (Spanien) besucht. Als letzte zwei Drehtage für die Pilotfolge haben sie sich nun auf Madeira angekündigt. Den Rohschnitt haben wir bereits während unseres Heimataufenthalts gesehen und waren sehr begeistert. Der fertige, 45 Minuten lange Film wird dann im März auf ZDF-Info gesendet werden. Wir geben den genauen Sendetermin dann hier bekannt.

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Um in dem Film abzubilden, wie ich während der Reise etwas Geld verdiene, wollten mich Arne, Ole und Olli nun als letzten Part des Films bei meiner Arbeit als YACHT-Autor begleiten. Der erste Teil der Recherche bestand in einer Mietwagentour quer über die Insel, um gute Bilder der typischen Merkmale der Insel zu schießen. Das Kamerateam war immer mit dabei – mal mit dem Kameramann im Kofferraum oder im Fenster sitzend. Sie haben tolle Aufnahmen gemacht, zum Teil sogar mit einer Drohne – und wir sind sehr gespannt auf den Film : )

Als zweiten Teil der Recherchereise werden Cati und ich in den kommenden zwei Tagen mit Schlauchboot und “Maverick” an der Küste entlang segeln, um gute Segelbilder zu schießen. Danach verholen wir vermutlich in die Marina Calhetas im Westen der Insel. Dort habe ich viel Ruhe, um das Porträt zu Papier zu bringen. Die beste Auswahl der etwa 1500 Fotos, die ich in den vergangenen Tagen geschossen habe, könnt ihr dann in einer der nächsten YACHT-Ausgaben sehen.

Viel Spaß dabei!

Johannes

 

Kalte Weihnachten

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Liebe Leser,

eigentlich sollte nun hier von Weihnachten unter Palmen zu lesen sein, von 20 Grad Lufttemperatur und T-Shirt-Wetter. Wer den letzten Blogeintrag auf YACHT-Online gelesen hat (hier ist der LINK), hat schon erfahren, dass wir Weihnachten stattdessen in der norddeutschen Kälte verbracht haben. Nachdem wir “Maverick” vergangenen Sonntag in Quinta do Lorde festgemacht haben, ging Dienstagmorgen unsere Maschine nach Hamburg.

Wie es immer so ist, habe ich natürlich schon ein paar Sprüche gehört, “um die Welt will er segeln, aber zur Weihnachtsgans fliegt er nach Hause …” ; )Und es mag wirklich verwirrend sein, dass wir plötzlich wieder in Deutschland sind. Eigentlich haben wir aber schon seid der Abfahrt geplant, dass wir Anfang Dezember von den Kanaren nochmal nach Hause fliegen, um letzte Arztbesuche zu erledigen. Cati braucht wegen einer chronischen Krankheit ein aktuelles Blutbild (das eigentlich schon einen Monat überfällig ist) und ich – mal wieder – einen Zahnarztbesuch. Wie bei der ersten Reise hatte ich während der Portugal-Etappe ständig mit Zahnschmerzen zu kämpfen, die nun beseitigt werden sollen. Außerdem stehen ein paar letzte Impfungen an, die ich vor der Abreise wegen bestimmten Intervallen nicht mehr abholen konnte. Dass wir nun statt von den Kanaren mit Ryanair (100 Euro hin und zurück, ohne Gepäck) stattdessen von Madeira (220 Euro, hin und zurück, mit Gepäck) geflogen sind, liegt an den vielen Verzögerungen während der ersten 2000 Seemeilen. Aber nun scheint das Schiff wirklich eingefahren zu sein. Auf dem Weg nach Madeira hat es sich wirklich wunderbar gemacht und es ist nichts kaputt gegangen.

Am 7. Januar fliegen wir zurück zum Boot und werden trotzdem ein paar weitere Ersatzteile im Freigepäck haben. Dann ist geplant, eine weitere Woche auf Madeira zu verbringen, eine Geschichte zu produzieren und ein wenig Büroarbeit zu machen (ich muss ja regelmäßig Geld verdienen …), bevor wir dann Mitte Januar weitersegeln. Wahrscheinlich stoppen wir auf den Kanaren gar nicht mehr, sondern nehmen gleich Kurs auf die Karibik. Wir werden berichten …

Bis dahin wünschen wir allen Leser – leicht verspätet – noch eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Wir sind sehr gespannt auf 2015 und wohin uns unsere Kurse führen werden. Vielen Dank an euch, die ihr uns im Internet begleitet, unterstützt und ein stückweit mitsegelt. Es macht uns wirklich große Freude, euch an Bord zu haben! ; )

Johannes (und Cati)

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Mit dem Wind nach Süden …

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Liebe Leser,

vergangene Woche haben wir mit dem günstigen Nordwind einen ordentlichen Sprung nach Süden geschafft. Während unsere Freunde mit dem Katamaran “Kalao” bereits am Dienstag Viana do Castelo verlassen haben, um in Tagesetappen nach Süden zu hüpfen, wollten Thomas von der “Lilly-Marie” und ich lieber noch einen Tag länger warten, bis der angesagte Starkwind in der Nacht zum Mittwoch verflogen und wir den etwa 200 Meilen langen Trip nach Lissabon in einem Rutsch angehen können.

Nordwind der Stärke vier bis fünf, drei Meter hohe Welle – perfekt für unsere schweren Schiffe. Rauschefahrt unter Schmetterling mit stundenlangen Durchschnittsgeschwindigkeiten von fast 7 Knoten(!). Unglaublicherweise sind die Hallberg-Rassy 352 und unsere Contest 33 am Ende mit nur etwa 20 Minuten Differenz in Lissabon angekommen. Sicher wäre Thomas eine Stunde früher da gewesen, wenn ich nicht am Ende noch ein bisschen abgekürzt hätte …

Seit einer Woche liegen wir nun in der wunderschönen Marina Oeiras im Westen Lissabons, haben uns die Stadt ausgiebig angeschaut und warten nun auf günstiges Wetter für die Fahrt nach Madeira. 550 Seemeilen entfernt. Eigentlich wollten wir gestern ablegen, aber der Wetterbericht sagt nun für das kommende Wochenende für das Seegebiet zwischen Lissabon und Madeira in den Spitzen zwischen 45 und 50 Knoten Wind vorraus, bei bis zu acht Meter hohen Wellen. Also sitzen wir hier auf der Kaimauer auf der Lauer – und planen derzeit die Abfahrt für Montag.

Vorgestern ist dann auch noch “Kalao” mit Laurent eingelaufen – und unsere kleine Langfahrtseglerfamilie ist wieder komplett. Thomas nennt uns “Freaks zur See”: Alle zu spät dran, aber alle voller Optimismus, dass wir es bald ins Warme schaffen. Und im Moment sieht das ja ganz gut aus. Casablanca in Afrika wäre zum Beispiel nur noch 330 Seemeilen entfernt – also muss es doch langsam wirklich mal warm werden …

Alles weitere – unter den Bildern.

Viele Grüße!

Johannes

 

 

Karibische Geburtstagsparty in Portugal

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Liebe Leser,

gestern haben wir unsere “Maverick too” auf ihre Partytauglichkeit getestet und meinen 29. Geburtstag mit den Crews der Hamburger Yacht “Lilly-Marie” und den beiden französischen Yachten “Noordvaarder” und “Kalao” gefeiert. Cati und ich hatten erst ein wenig Sorge, ob acht Erwachsene und drei Kinder im Salon des kaum zehn Meter langen Bootes Platz finden würden. Aber mit einem Kinderspielzimmer im Vorschiff hat es dann gut geklappt. Da “Lilly-Marie” ebenfalls die Karibik als Ziel hat, haben wir der Geburtstagsfete ein Motto gegeben und eine karibische Nacht veranstaltet.

Als Hauptgericht gab es Roti – das eigentlich aus Indien kommt, aber in modifizierter Version als karibisches Fastfood dort an jeder Ecke zu bekommen ist. In der Basis handelt es sich dabei um einen Eintopf aus Hähnchenfleisch, normalen und Süßkartoffeln, Möhren und Erbsen. Das ganze mit viel Curry und Kurkuma gekocht und in einen Weizenfladen eingerollt. Zum Nachtisch gab es eine Eigenkreation: “Rum-Salad mit Obst”.

Es war ein wirklich einmaliger Geburtstag, den ich so schnell nicht vergessen werde. Tolle Menschen, deren Wege sich ganz zufällig vor Portugal gekreuzt haben. Vielen Dank an alle, die dabei mitgewirkt haben! ; )

Im Moment verfolgen wir hier sehr gespannt das Wettergeschehen und planen am Dienstagmorgen Segel zu setzen. Auf dem Atlantik weht es wieder etwas mehr, als wir gebrauchen können. Aber zumindest aus Norden. Wir können uns also auf eine Rauschefahrt einstellen.

 

Bom Dia, Portugal!

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Liebe Leser,

die vergangene Woche konnten wir eine Menge Meilen machen. Es war zwar nochmal ein harter Kampf am Cabo Vilano, bis wir die Nordwestecke Spaniens gerundet hatten – aber danach ging es mit jeden neuen Segeltag ein Stück weiter nach Süden. Süüüüüüden!

Eigentlich wollten wir die 85 Seemeilen von La Coruña bis nach Muros in einem Stück abreissen, aber das Gestampfe gegen Wind und Wellen hat uns so müde und mürbe gemacht, dass wir noch einen Zwischenstopp im kleinen Hafen Camariñas eingelegt haben, nach etwa 50 Seemeilen. Als wir dort gegen 22 Uhr angekommen sind, waren im Ort schon fast alle Lichter aus. Nur im Clubhaus des Yachtclubs brannte noch Licht. Ein paar Spanier saßen auf der Veranda und tranken einige Biere. Unter ihnen der Hafenmeister, dessen Feierabend eigentlich schon lange eingeläutet war. Trotzdem kam er gleich im Nieselregen über die Stege gesprintet, um unsere Leinen anzunehmen. Als Cati ihn dann nach dem Papierkram fragte (der in Spanien für gewöhnlich sehr umfangreich ist), winkte er ab. “Ihr wollt doch morgen früh weiter. Da lohnt das nicht. Kommt auf dem Rückweg nach Deutschland nochmal länger ran … dann passt das” – und schon war er verschwunden. Wir durften also eine Nacht kostenlos liegen.

Am nächsten Tag sind wir dann bei sehr leichten Winden die übrigen 36 Seemeilen bis nach Muros motort. Ein kleiner Fischerort am Fjordartigen Einschnitt Ría de Muros e Noia. Vermutlich hätten wir dort gar nicht hingefunden, wenn dort nicht die Hamburger Yacht “Lilly-Marie” mit Thomas, Jola und ihrer Tochter Lilly-Marie gelegen hätte. Die drei sind ebenfalls sehr spät im Jahr gestartet und waren bis jetzt immer genau eine Tagesreise vor uns. Nie hat es geklappt, dass wir zusammen in einem Yachthafen liegen. Um die drei kennenzulernen haben wir aber vor vier Wochen von Viveiro aus einen Ausflug nach La Coruña gemacht.

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Als wir La Coruña dann auf eigenem Kiel erreicht haben, waren sie gerade zwei Tage zuvor weitergesegelt und wir haben ihren Liegeplatz gehütet. Nun endlich gelang es, “Maverick” und “Lilly Marie” mal nebeneinander liegen zu haben. Am späteren Nachmittag ist dann auch noch die französische Familie auf dem Katamaran “Kalao” eingelaufen, die sowohl uns als auch den “Lilly Marie”s in La Coruña gegenüber gelegen hat. Auch Laurent ist mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern auf dem Weg nach Süden. Die Wiedersehensfreude war groß – wir haben bis in den frühen Morgen zusammengesessen, Vino Tinto getrunken und über das Leben, die Segelei und weitere Törnziele geplaudert. Die Ziele waren überraschend dieselben – und so war kurzerhand eine Flottille gebildet.

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Zwei Tage später sind wir dann mit allen drei Schiffen gen Süden aufgebrochen. Endlich waren die Wind- und Wetterbedingungen einmal wirklich perfekt. Nordwind der Stärke drei, Sonne, 18 Grad. Herrliches Segeln. Zum ersten Mal haben wir unseren Gennaker auspacken können und “Maverick” ist so sportlich gesegelt, wie vermutlich in ihrem ganzen Leben noch nicht. Der längere Mast, den wir installiert haben (gebraucht von einer Bavaria 34 übernommen) verlangt zwar frühes Reffen – aber bei solchen Segelbedingungen bekommt das Boot ein ganz neues Segelpotenzial. Zickzack durch die vorgelagerten Inseln hindurch, vor dem Wind kreuzend. Eine Regatta, die einen Mordsspaß bereitet hat.

Natürlich hat der Kat am Ende gewonnen. Gestern sollte es eine Revanche geben, aber der Wind schlief ein und wir mussten die 36 Seemeilen über die spanisch-portugiesische Granze bis nach Viana do Castelo mit arabischen Winden – aus dem Dieseltank – zurücklegen. Heute ist hier wieder viel Wind angesagt. Draußen soll es mit bis zu sieben Beaufort wehen und bis Samstag sind 4,5 Meter hohe Wellen angesagt. Das wollen wir lieber noch abwarten und dann vielleicht Sonntag weiter in Richtung Porto.

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Die Wartezeit ist aber keine vertane Zeit. Die Stadt ist wunderschön und typisch portugiesisch. Morgen werden wir mit allen drei Crews (9 Personen!) an Bord der “Maverick” in meinen Geburtstag hinein feiern. Am Samstag werde ich 29 Jahre alt …

Mit der Crew der “Lilly-Marie” und der “Kalao” unternehmen wir inzwischen jeden Tag etwas. Von Erkundungstouren durch den Ort bis hin zum gemeinsamen Abendessen. Dabei lernen wir neue, interessante Speisen kennen. Auf dem Weg nach Baiona hat Laurent einen Bonito gefangen, den es am Abend als Sushi gab. Das rohe Fleisch schmeckte mir hervorragend, Cati eher weniger. Dafür haben ihr die Miesmuscheln als Beilage geschmeckt, mit denen ich nicht so recht warm geworden bin. Am Abend vorher gab es sogar “Pulpo”, Tintenfisch, den es in Galizen an jeder Ecke gibt. Sehr lecker – und sehr spannend, Laurent beim Kochen zuzusehen.

Drei Yachten, die einfach die letzten im Jahr zu sein scheinen, die nach Süden wollen. Zudem eine extrem lustige Konstellation: Zwei deutsche, eine französische Crew in Spanien bzw. Portugal. Die Grundsprache ist englisch, das Laurent wirklich perfekt beherrscht. Cati ist fast permanent von den drei Mädels umgarnt und wird so beim Spielen und Malen mit ihnen an ihre alten französisch-Vokabeln erinnert. Wir haben eine Menge Spaß und scheinen wirklich endlich im Langfahrtseglerleben angekommen zu sein.

Johannes

 

Neuer Blogeintrag auf YACHT.de

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Wir melden uns aus La Coruña. Morgen soll es aber schon weiter gehen. Alles weitere in einem neuen Blogeintrag – diesmal auf www.yacht.de

Johannes