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Rumänien

An diesem Beitrag schreibe ich seit mehr als 2 Wochen. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich die Überschrift geändert habe und was ich alles schon geschrieben und dann doch wieder verworfen habe. Immer wieder dachte ich: Komm, warte noch mit dem Beitrag, vielleicht ist das alles nur hier so, vielleicht wird es besser…
Jetzt fange ich wieder von vorne an und bin richtig traurig, wenn ich an Rumänien zurückdenke. Rumänien, ein Land mit enormen Kontrasten.
Am Tag als ich ankam, fiel es mir schwer, die Gleichgültigkeit mancher Menschen zu akzeptieren. Und genauso habe ich an diesem ersten Tag wiederum unglaublich nette und hilfsbereite Menschen getroffen.

Seemeilen und die Fahrten mit Nomade durch Rumänien sind für mich mittlerweile fast bedeutungslos. Ich hatte in diesem Beitrag, wie so oft, den ein oder anderen Törn beschrieben, aber mittlerweile wieder gelöscht. Die Törns sind unwichtig geworden. Die Begegnungen in Rumänien sind es, um die es diesmal gehen soll.

Die erste „Begegnung“ gab es ein paar Seemeilen vor der Grenze per Seefunk. Da wurde alles, was man in Rumänien bereits von Nomade wusste, nochmals abgefragt. Die zweite Begegnung war das „Abfangmanöver“ der Küstenwache, die ausgerückt ist, um Nomade zur Grenzpolizei zu eskortieren. Sehr freundlich, aber aus meiner Sicht ein wenig übertrieben. Die Bulgarische Grenzpolizei hatte Nomade ja bereits für den Nachmittag bei der Rumänischen angekündigt.
Grenzpolizei und Zoll dann sehr freundlich. Anschließend ging es zum Hafenkapitän, danach zum Sicherheitsdienst und danach hätte eigentlich der Hafenverwalter zu Nomade kommen sollen. Der hatte allerdings keine Lust…
Und so war ich schließlich, nach einem kleinen Papierkrieg, offiziell in Rumänien, in dem mittelgroßen Ort Mangalia und mir wurde freundlich aber bestimmt klar gemacht, dass ich diesen Hafen mit Nomade erst dann wieder verlassen darf, wenn ich bei Hafenkapitän und Grenzpolizei ordentlich ausklariert habe, für eine Fahrt innerhalb der Landesgrenzen, wohlgemerkt!
Einen Schlüssel für den das Tor zum Ponton habe ich nicht bekommen und nachdem ich am nächsten Tag zum zweiten Mal eingeschlossen war und mir zum ersten Mal 2018 der Kragen leicht geplatzt ist, weil der Hafenverwalter (O-Ton: „Ich bin eigentlich nur zum kassieren hier! Ha! Ha! Ha!“), sich einen Dreck für irgendetwas interessiert hat, hatte ich Hoffnung. Denn die Beschwerde beim Hafenkapitän hatte gezogen. Dachte ich…
Hat sie nicht, merkte ich…
36 Stunden nachdem ich den zugesicherten Schlüssel nun doch hätte bekommen sollen, hatte ich immer noch keinen und habe Mangalia (nach einem weiteren kleinen Papierkrieg) wieder verlassen.
Ich hatte Glück und war nur 3 Mal auf dem Ponton eingeschlossen. Andere wurden in der Dusche eingesperrt.
Mir ging es verdammt gut in Mangalia, im Vergleich zu den halbtoten Streunern vor der Wache der Grenzpolizei und mir ging es blendend, im Vergleich zu dem verwahrlosten Kind, welches vor dem verrammelten Tor der städtischen Marina seine dreckigen Klamotten im Salzwasser gewaschen hat, während dahinter auf dem Ponton ganze DREI Tage ununterbrochen das Süßwasser aus einem defekten Wasserhahn lief.
„Ich bin eigentlich nur zum kassieren hier! Ha Ha Ha!“
Ich hätte ihn am liebsten…

Insgesamt 128 Liter Diesel habe ich in der Zeit in Mangalia mit dem Fahrrad von der Tankstelle angekarrt. Eine andere praktikable Lösung gab es nicht. Aber sie tat gut, diese körperliche Ertüchtigung. Damit habe ich mir einen Teil der angestauten Wut auf den Typen abgeradelt.

Also weiter!
Achso, zur Grenzpolizei musste ich plötzlich doch nicht mehr. Keine Ahnung warum. Eine andere Yacht musste, ich nicht. Zu mir ist die Beamtin mit dem Auto gekommen und wollte nur mein Einklarierungspapier sehen.
Ich war allerdings nicht im Besitz eines Einklarierungspapiers! Ich hatte mich selbst darüber gewundert und die Beamten bei meiner Ankunft gefragt, ob ich denn nicht auch irgendwas schriftlich bekomme? „NO“ war die knappe Antwort.
Genauso knapp war meine Antwort an diesem Morgen ebenfalls.
Ratlosigkeit hing in der Luft und drei belanglose Fragen später durfte ich Ablegen.

Unterm Strich wurde extrem viel Wirbel um die Ankunft und das Ablegen von Nomade gemacht. Telefonate wurden geführt, Aktenordner gefüllt und man hatte das Gefühl ein russischer Flugzeugträger läuft ein. Der „Witz“ an der ganzen Sache ist: Nomade wurde nicht ein einziges Mal in Augenschein genommen.
Zoll: „Do you have weapons on bord?“
Nico: „No.“
Zoll: „Ok.“

Springen wir nach Constanta. Anmelden bei Grenzpolizei: 5 Minuten und völlig problemlos. Kein Papierkrieg.

In Constanta habe ich nach meiner Ankunft noch einmal ganz kurz die Segelyacht Sharlyn mit Graham, Yana, Mikhail und Oleg getroffen.
Die S/Y Sharlyn segelt von der Donau zur Wolga. Eine besondere Reise, die noch nie zuvor eine Yacht unter britischer Flagge gemacht hat.
Leider hatten wir kaum Zeit uns länger zu unterhalten. Die Crew der Sharlyn musste Papierkram erledigen und auch ich hing nach der kurzen Polizeikontrolle länger fest. Diesmal im Büro des Yachthafens. Noch nie zuvor habe ich für die Übernachtung in einem Yachthafen ähnlich viele Unterschriften leisten müssen. Eine halbe Stunde hat das Prozedere gedauert, bis ich endlich meine Gebühr entrichten durfte.
Diesel konnte ich dann auch noch besorgen. Diesmal zusammen mit einem Mitarbeiter des Hafens, der mich mit dem Auto zur Tankstelle gefahren und mir die Kanister geliehen hat. Man hat mir das Gefühl vermittelt, das wäre eine Art Service des Yachthafens, bzw. ein Freundschaftsdienst.
Eine Stunde später war ich 40€ (schwarz) für den „Freundschaftsdienst“ los!

Dann kam Doru vorbei.
Doru ist der Kapitän des SAR Schiffes in Constanta. Ein unglaublich netter Kerl, der für viel zu wenig Geld sein Leben riskiert, um andere auf hoher See zu retten.
Ich habe lange mit ihm gequatscht, durfte mir das Schiff anschauen. Ein Finnisches Rettungsboot aus Aluminium mit Jet Antrieb. Sehr schwer zu steuern und durch das geringe Gewicht sehr ungemütlich in schwerer See.
„Bis 6m Wellenhöhe geht es.“
Man merkt Doru an, dass er viel da draussen erlebt hat. Keiner der groß auftischt, wie krass die See doch ist. Ganz leise erzählt er davon.
Am nächsten morgen verabschiede ich mich von ihm und bin mir ziemlich sicher, einem richtigen Helden begegnet zu sein!
Als die Leinen schon fast los sind, kommt Doru nochmal schnell zu mir, drückt mir einen Zettel mit seiner Telefonnummer in die Hand und sagt: „Wenn die an der Schleuse Probleme machen, sag, du kennst Doru. Dann wissen sie schon bescheid!“ „Und falls was ist, ruf mich an!“

Danach fahre ich ein letztes Mal übers Schwarze Meer und an diesem Tag ist es ein bisschen anders. Ein bisschen dunkler als an den Tagen davor. Die Wolken hängen tief und ein letztes Mal kommen Delfine vorbei, wie an jedem Tag in diesem noch so unerforschten Meer. Ich hatte riesiges Glück im Schwarzmeer. Ein solches Wetterfenster gibt es nicht oft im Jahr.
Aber ich fühle mich etwas merkwürdig. Weil ich so hier durchgehetzt bin. „Einmal im Leben durchs Schwarze Meer segeln“ das war vor ein paar Monaten so ein Gedanke, der ab und zu mal hochkam.
Nachdem das Schleusentor in Constanta hinter mir zu ging dachte ich: „Noch einmal im Leben durchs Schwarze Meer segeln!“

Die Schleuse hat keine Probleme gemacht. Es war das typisch rumänische, freundliche Durcheinander, mehr nicht.
Achso, jetzt hätte ich fast etwas vergessen. Geweckt wurde ich an diesem Morgen von der Grenzpolizei. Der Beamte wollte mich aus dem Hafen ausklarieren, was mir prinzipiell ja ganz Recht war. So konnte ich mir den Gang zum Container sparen.
Genutzt hatte es trotzdem nicht viel, denn nach dem Ablegen wurde ich von den Kollegen auf dem Boot der Küstenwache gestoppt. „Wo wollen Sie denn hin?!“
„Na zum Kanal, ich hab doch gerade bei ihrem Kollegen ausklariert!“
„Davon wissen wir nichts!?“

Überspringen wir den Scheiß, ich breche sonst!

Also, ich war jetzt im Donau-Schwarzmeer-Kanal. Am Abend war ich in der Donau und wollte nach Bulgarien Ausklarieren.
Am Zollponton in Cernavoda lag ein Kreuzfahrtschiff. Also bin ich zum Anleger der Grenzpolizei gefahren und wollte wissen, was ich nun machen soll. Ratlosigkeit machte sich breit. Nach Ratlosigkeit wurde telefoniert und irgendwann beschlossen, dass ich am besten nach Calarasi weiterfahre und dort ausklariere.
Also bin ich ein paar Kilometer die Donau hoch gefahren und habe den Haken an einem offiziellen Ankerplatz geworfen. Diese Ankerplätze sind in Karten und mit Schildern am Ufer entsprechend gekennzeichnet und haben eine ausreichende Wassertiefe. Gerade für die erste Nacht im Fluss wollte ich keine Experimente machen.
Ich war zufrieden an diesem Platz.
Leider nur etwa eine Stunde lang. Als ich bereits in der Koje lag, schreit draußen jemand herum. Zwei Fischerboote umkreisen Nomade und verjagen mich schließlich lautstark. Sie wollen genau hier ihre Netze auswerfen und ich soll 500m weiter ankern. Ich hab sie zwar kaum verstanden, „Hau ab hier!“ klingt aber in jeder Sprache ungefähr gleich.
Diskutiert habe ich nicht, dafür waren mir die Kerle zu suspekt. Zum einen war ich deutlich in der Unterzahl und zum anderen passte irgendwie nichts logisch zusammen. Die halb verrotteten Holzboote, die Zahnlücken, die dreckigen Klamotten und die glänzenden Mercury und Honda Motoren am Heck, die dem Gegenwert von Nomade entsprachen.
Das erste was ich gedacht habe war: „Jetzt weiß ich wo die Außenborder sind, die in Berlin Nachts heimlich abgeschraubt werden.“

Geschlafen hab ich nach dem Wechsel des Ankerplatzes trotzdem gut, ich war einfach zu müde für Sorgen machen an dem Abend.

Springen wir nach Calarasi zum Ausklarieren:
Hier erwartet mich ein sehr netter Grenzpolizist, der mich längsseits gehen lässt und die Leinen annimmt. Wir plaudern eine Weile, während wir auf den Zoll warten. Er ist etwa so alt wie ich und hat einen Hund mit an Bord. Einen kleinen wuschigen Mischling. Kein Polizeihund, sein eigener ist es. 18 Jahre ist er bei der Grenzpolizei und keiner weiß was ist, wenn Rumänien und Bulgarien zum Schengen-Raum dazu kommen und die Grenzen geöffnet werden. Vielleicht braucht man ihn dann nicht mehr?
Eine Stunde später bin ich wieder in Bulgarien, zum Einklarieren auf der anderen Seite der Donau, die über einige hundert Kilometer die Grenze beider Staaten bildet.

Wie das in Bulgarien lief, beschreibe ich im nächsten Beitrag. Heute geht es nur um Rumänien und deshalb springen wir ein paar Tage und einige hundert Kilometer in die Zukunft, nach Calafat.

Nein, Stopp! Da war noch etwas, kurz vor Calafat! Vor der ersten Kurve nach Norden habe ich an einem der abgelegendsten Ankerplätze irgendwo in der Großen Walachei übernachtet. Ich lag bereits lange in der Koje und es war schon dunkel, als ich gehört habe, wie ein Schiff immer näher kam. Dann wurde es hell in der Kajüte, ein Scheinwerfer wurde auf uns gerichtet. Ich bin ziemlich schnell an Deck geflitzt, da lag neben mir die Rumänische Grenzpolizei: „Alles ok bei dir?“
„Ähm, ja, alles ok. Wollen Sie meine Papiere sehen?“
„Nein, wir wissen wer du bist. Wir wollten nur fragen, ob alles ok ist, oder ob du Hilfe brauchst.“
„Ah, ok, danke, aber hier ist alle ok. Ich schlafe nur ein paar Stunden, dann fahre ich weiter nach Calafat.“

In Calafat wollte ich von der Bulgarischen noch einmal kurz auf die Rumänische Seite wechseln. Dafür gab es einen guten Grund, denn ein paar Meilen weiter sollte es laut den letzten verlässlichen Infos die erste Bootstankstelle im Fluss geben. Also bin ich in Calafat an den Anleger des Hafenamts, um noch einmal Einzureisen.
Der Hafenmeister war super hilfsbereit und hat mir die Pontongebühr komplett erlassen, weil sie keine Preisstruktur für Yachten haben. Es gab also nur eine Möglichkeit: Entweder er berechnet ein Passagierschiff (40€ für die ersten 4 Stunden und jede weitere Stunde 5€) oder eben nichts.
Dann sind wir zusammen zur Wache gelaufen. Vorbei an gut einem Dutzend armer Streuner, zu einer verwahrlosten Hütte. Hier sollte ich warten, er ruft die Beamten an und die kommen dann hier her.
Wer auf „Lost Places“ steht, sollte unbedingt nach Rumänien kommen. An diesem Platz hätte man Filme drehen können und das Set wäre bereits perfekt gewesen, für Horrorfilme.
Wenige Minuten später das Groteske. Da kommen zwei schick uniformierte Beamte, in einem ziemlich neuen VW Passat (die teure Polizeiversion) und gehen mit mir in diese Bruchbude, in der ein geflickter Ohrensessel und ein uralter Röhrenfernseher steht. Die Wache der Grenzpolizei, die sonst niemand zu sehen bekommt. Als erstes zeigt mir der gut gelaunte Beamte ein Holzstäbchen. Es sah aus wie die Holzstäbchen, die man aus dem Chinarestaurant kennt. Er wedelt damit vor meiner Nase herum, lacht, und faselt was von „Romanian remote control“.
Ich peile überhaupt nichts und stehe nur achselzuckend da. Dann zeigt er auf die Glotze und schiebt den Holzstab unten in den Fernseher rein. Knöpfe hat die Kiste keine mehr. Er kniet davor, stochert herum und redet mit dem Gerät. Ich denke mal er sagte sowas wie: „Komm schon… na los…“
Nach ein paar Sekunden *brzlt* es, er lacht und die Kiste springt an! Bild ist noch keines da, aber immerhin Ton.
Bild kommt in ein, zwei Minuten, meint er zu mir.
Dann schaut er sich meine Papiere an und schickt mich zurück zum Boot. Er will alles fertig machen und dann vorbeikommen.

Eine halbe Stunde später (ich habe so lange mit dem Hafenmeister geplaudert) ist der Beamte auf dem Ponton. Er ruft schon von weitem laut und gutgelaunt: „Nico! Ich hab deine Papiere fertig!“
Diesmal bekomme ich sogar ein richtiges Einklarierungsformular.

Zwei Tage später klariere ich in Turnu Severin wieder aus. Die ganze Aktion war sinnlos, denn der Yachtponton mit seinen 16 Liegeplätzen und der Tankstelle wurde von einem Tanker blockiert. Ja, ein Tanker, kein Frachter und der Tanker war nicht dort um die Tankstelle zu betanken.
Immerhin, ich konnte bei der Werft daneben festmachen und der Werftchef war enorm hilfsbereit. Ich durfte die private Dusche in dem Gebäude nutzen, habe Wasser bekommen und lag dort wirklich zum Freundschaftspreis.

Ausklarieren lief dann so ab:
Ich bin am Vorabend die 2 Kilometer zur Wache gelaufen, um zu fragen, wo ich mit Nomade hin soll. Antwort: „Sie bleiben bei der Werft, denn der Zollponton ist nur für große Schiffe vorgesehen. Kommen Sie morgen früh zu Fuss hier hin.“
Also bin ich am nächsten Morgen wieder zur Wache gelaufen. Diesmal hat man mich gefragt, wieso ich nicht mit dem Boot zum Zollponton gekommen bin!?

Ruhig bleiben…

Aber alles kein Problem, man wollte die Papiere fertig machen und dann zusammen mit mir zu Nomade fahren. Ich hatte mich schon auf das Taxi gefreut, aber daraus wurde nichts, denn nachdem der Papierkram erledigt war, hat sich heraus gestellt, dass der Polizist gerade kein Auto hat.
Wir sind trotzdem gemeinsam langsam losgelaufen und hier habe ich einen Fehler gemacht. Der Mann fragte mich: „Wie weit ist das etwa, bis dort wo sie liegen?“
Nico: „Ziemlich genau 2 Kilometer, wir laufen also etwa 20 Minuten.“
Polizist: „Oh, das ist aber ganz schön weit und ich muss ja auch wieder zurück laufen.“
Kurze Pause…
Polizist: „Ach, wissen sie was, kommen sie einfach mit dem Boot zum Zollponton, ich sorge auch dafür das nichts berechnet wird.“

Also, hab ich den 8. Kilometer zu Fuß voll gemacht, bin mit Nomade zum Zollponton und habe dort meine Papiere bekommen.
Das wars. Das war Rumänien.

Ich habe Rumänien zu einem großen Teil auf diversen Wachen kennengelernt. Nomade wurde in der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal von einem rumänischen Offiziellen betreten. Viel Wirbel um nichts.

Was ich gesehen habe ist ein Land, welches (leider) in weiten Teilen seinem Klischee entspricht. Prunkbauten stehen gleich neben ärmsten Plattenbausiedlungen. Den Streunern geht es deutlich schlechter als in Griechenland und hier gibt es kaum noch junge Menschen, die das Land aufbauen könnten.
Rumänien ist also im Moment nicht nur ein Problemkind der EU, die EU bringt auch (noch) große Nachteile für Rumänien selbst mit. Der Werftchef in Turnu Severin findet kaum noch Leute, die für ihn arbeiten, obwohl er schon wesentlich mehr zahlt, als üblich und für seine Arbeitnehmer ein wirklich erstklassiges Umfeld geschaffen hat, inklusive einem Aufenthaltsraum mit moderner Küche und sanitären Anlagen mit Duschen.
Die Menschen waren bis auf wenige Ausnahmen sehr freundlich zu mir, vor allem die Beamten. Sie entsprachen überhaupt nicht dem Klischee. Bakschich wurde niemals erwartet und als ich die Hafengebühr in Constanta aufrunden wollte, hat man stolz abgelehnt.

Aus meiner Sicht hat Rumänien noch nicht die Nachwirkungen der langen Diktatur überwunden.
Umso erstaunlicher ist es, dass ich einmal mit jemandem gesprochen habe, der dieser Ära auch heute noch nachtrauert. „Unter Ceaușescu ging es mir besser!“
Die Betonung liegt auf „mir“.
Millionen Menschen haben schwer gelitten unter dem Mann, den man am ersten Weihnachtstag 1989 als letzten Menschen in Rumänien kurz nach dem Volksaufstand zusammen mit seiner Frau hingerichtet hat. Kinder sind in Gulags gestorben, auch in den 90ern noch, das Volk hatte nichts zu essen.
Und auch heute gibt es sie noch in Rumänien, die verwahrlosten Kinder auf den Strassen, die um Essen oder Geld betteln müssen. Nicht an jedem Ort, aber vor allem in Constanta sind mir mehrere verarmte Kinder begegnet.

Die Menschen in Rumänien tun mir Leid. Sie können zu einem großen Teil nichts für den schlechten Zustand des Landes. Hier gab es kaum die Hilfen, die andere Ostblockländer nach 1989 bekommen haben. Rumänien war zu weit weg und der Zustand des Landes zu schlecht, als dass man Hoffnung hatte.

Ich denke nicht, dass Rumänien ein hoffnungsloser Fall ist, aber es wird noch sehr lange dauern, bis hier wirklich alles in Ordnung ist.

Bulgarien in drei Tagen

Weit war es bis zum ersten Hafen in Bulgarien an diesem 25. April nicht. Etwa 20 Seemeilen, die ich überwiegend unter Maschine, bei Flaute zurückgelegt habe.
Zu meiner Überraschung wurde ich in Tsarevo bereits erwartet. Hafenmeister und Grenzpolizei standen schon an der Pier, als ich noch nicht ganz im Hafen war. Fischer kamen kurz vor dem Anlegen auch noch dazu und jeder wollte beim Festmachen helfen.
Ich glaube, hier habe ich zum ersten Mal das erlebt, wovon ich in den alten Segelbüchern manchmal gelesen habe. Nomade war die Attraktion des Tages und jeder wollte mal schauen.
Ebenfalls hat mich das unkomplizierte Einklarieren überrascht. Der Zoll war zwar nicht im Hafen, aber die Beamten sind innerhalb weniger Minuten mit dem Auto gekommen und alles ging wirklich sehr schnell.
Bevor der Zoll da war, wurde Nomade von der Grenzpolizei inspiziert. Worum es dabei ging war sofort klar und später im Büro konnte ich auch noch ein paar Fragen zum Thema Einwanderung stellen. Einhand aus Süden kommend, mit so einem großen Schiff, war doch etwas ungewöhnlich und so hat die Beamtin eben geschaut, ob alles plausibel ist. Es gibt nämlich auch hier im Schwarzen Meer ab und zu Versuche, Menschen über den Seeweg nach Europa zu bringen und so hatte man Nomade seit längerem auf dem Radar- und AIS Schirm.
Als der Zoll dann mit dem Papierkram (sehr wenig) fertig war, wollten die beiden Beamten auch nochmal an Bord. Dabei ging es eher weniger um Schmuggelware. Ich hatte das Gefühl, ich halte einen kurzen Vortrag über die Reise und die beiden wollten wissen, wie das so ist, auf See.
Gekostet hat das Einklarieren keinen Cent. Lediglich fürs Festmachen musste ich eine kleine Gebühr an den Hafen bezahlen.
Beim Ablegen hatte ich sogar ein schlechtes Gewissen, nicht länger hier geblieben zu sein. Der Hafenmeister war sichtlich traurig, dass ich schon wieder abfahre und die Polizistin kam kurz vorm loswerfen der Leine nochmal zum Schiff, um mir noch einen guten Tipp zum Ausklarieren zu geben.



Aber ich wollte weiter. Weiter nach Norden, das gute Wetter ausnutzen. Die zweite Etappe des Tages war ebenfalls etwa 20 Seemeilen lang. Nach Sosopol bin ich mit Nomade gesegelt. In einen der wenigen Yachthäfen am Schwarzen Meer.
Auf diesem Törn konnten wir dann zumindest etwas segeln, aber der Wind aus Ost war leider noch etwas schwächlich. Also lief der Volvo zur Unterstützung mit.

In der Marina in Sosopol war nichts los. Ein wirklich großer Hafen ist das, aber kaum ausgelastet. Vielleicht 10% Belegung im Wasser. An Land dagegen war kaum noch Platz für Boote. Ein paar schicke Yachten wurden hier geparkt, aber ein großer Teil der Boote hatte die besten Zeiten bereits hinter sich.
Den nächsten Tag habe ich dazu genutzt, die Stadt ein wenig zu erkunden. Wirkich urig und hübsch, dieser Ort, mit seinen uralten Häusern und den gemütlichen Menschen.
Was mir nach der Türkei sofort aufgefallen ist, hier leben fast nur ältere Menschen. Die jungen Leute suchen ihr Glück in anderen Ländern und Oma und Opa bleiben offenbar hier.
Meine Türkischen Lira konnte ich in einer Bank problemlos in Bulgarische Lew umtauschen, eine SIM Karte für den mobilen Router gab es auch unkompliziert.









Einen weiteren Tag später wollte ich ein Stück weiter. Eigentlich nur bis Sweti Vlas. Aber das Wetter war so gut, dass ich nach einer Weile auf See das Ziel geändert habe. Warna sollte es nun sein. 50 Seemeilen waren es bis dort und da der Autopilot an diesem Tag mal etwas länger am Stück fehlerfrei gesteuert hat, war ich auf Höhe Warna noch relativ fit. Also nochmals das Ziel geändert, auf Balchik, nördlichster Port of Entry in Bulgarien!
Leinen fest, nach 65 Seemeilen in einem wirklich hübschen Küstenort, in dem man eigentlich ein paar Tage bleiben müsste.

Nomade in Balchik.

Bei meiner Ankunft kamen gleich ein paar Leute zum Steg und haben beim festmachen geholfen. Zum erkunden der Stadt blieb leider keine Zeit, denn ich wollte am nächsten morgen so früh wie möglich weiter.
Dieses Wetterfenster war einfach unglaublich. Ich hatte das Wetter im Schwarzen Meer bereits seit letztem Jahr im Sommer beobachtet und einiges darüber gelesen. Normalerweise ballert es hier fast nur aus Nord, dazu setzt ein permanenter Strom ebenfalls aus Nord. Stürme kommen im April auch ab und zu vor und insgesamt betrachtet ist das Schwarze Meer ein raues Meer. Vielleicht ein bisschen vergleichbar mit der Nordsee.
Und jetzt? Jetzt gibt es hier seit Tagen dieses Hochdruckgebiet, als wäre es festgenagelt. Sowas von stabil, wie es nur selten vorkommt. Jeden Tag blauer Himmel, Wind aus Ost, maximal 4 Windstärken, manchmal auch eher zu schwach und wenig Dünung. Das muss man natürlich ausnutzen.

Also bin ich am 28. April früh raus aus der Koje, hab mein Faltrad aufgebaut und bin zur Grenzpolizei geradelt. Ich glaube, ich hatte kurz den Mund offen stehen, als ich dort „Guten Morgen“ gesagt habe. Zu mehr bin ich nämlich nicht gekommen. Der Beamte meinte unmittelbar danach: „Guten Morgen, sie sind also der Segler aus Istanbul?!“
Es hatte sich also bereits herum gesprochen. Das ich Ausklarien wollte, brauchte ich auch nicht zu sagen. Ich sollte nur mit zur Kaimauer kommen und schauen, ob ich für die Überprüfung des Schiffs dort gut Anlegen kann.
Die Mauer war ziemlich hoch und mit großen Reifen in ungünstigem Abstand für Hochseefrachter vorgesehen.
Bevor ich viel sagen konnte hieß es: „Ach, vergessen wir das. Machen Sie ihr Schiff fertig, sobald ich die Papiere fertig habe, komme ich mit dem Auto zum Yachthafen!“

Ich war positiv überrascht.

Wenige Minuten nachdem ich das Faltrad verstaut und Nomade vorbereitet hatte, stand der Grenzpolizist an Bord und hat sich interessiert auf Nomade umgeschaut.
Leinen hätte er auch noch los geworfen, aber das konnte ich nun wirklich alleine. Und so ging es viel früher los, als ich erwartet hatte und noch bevor die Stadt so richtig wach war, lag der Hafen von Balchik im Kielwasser.

Rumänien, wir kommen…

Raus aufs Schwarze Meer

Istanbul taucht langsam auf.

Am 22. April habe ich am frühen Morgen die Viaport Marina in Tuzla verlassen. Gemeldet war, für diesen ersten Tag auf See in diesem Jahr, überwiegend Flaute und blauer Himmel. Ganz ok, für einen Törn zum eingewöhnen. Zumal es nur 19 Seemeilen bis zur Kalamis Marina auf der asiatischen Seite von Istanbul waren.
Der Verkehr auf dem Wasser wurde bereits lange vor dem Bosporus mit jeder Seemeile nach Norden dichter. Fähren, die zwischen den Prinzeninseln und dem Festland pendeln, Fischer und auch ein paar Sportboote.
Gegen Mittag war ich bereits vor der Marina, habe in Ruhe Fender und Leinen vorbereitet und anschließend per Funk gefragt, wohin ich fahren soll. Die Marina ist wirklich riesig. Platz für über 1000 Boote, verteilt auf 2 Hafenbecken.
Es hat nicht lange gedauert, da kam ein Schlauchboot auf mich zu: „Follow me, my friend!“ Also auch hier wieder erstklassiger Service. Das Anlegen wurde so zum Kinderspiel und Nomade war ruckzuck fest!

Nomade in der Kalamis Marina.

Anschließend gab es einen Taxiservice mit dem Schlauchboot zum Büro. Das meiste war bereits klar, weil ich schon ein paar Tage zuvor einige Fragen bezüglich des Ausklarierens per Mail gestellt hatte.
Und so hat der Manager der Kalamis Marina, mir auf meine Bitte, einen Agenten zum Ausklarieren vermittelt, weil die Marina aktuell nicht mehr „Port of Entry“ ist. Das macht es sehr schwierig, noch dazu war der nächste Tag ein Feiertag, an dem alle Behörden, die involviert sind, geschlossen sind.
Eigentlich hatte ich auch keine Hoffnung, aber einen Versuch war es wert. Denn für die Route über den Bosporus und weiter aufs Schwarzmeer hinaus, muss wettertechnisch einiges zusammen passen, damit es gut klappt. Hat man hier Gegenwind, wird es an den Stromschnellen selbst für Nomade sehr schwierig durch zu kommen. Das Wasser an der Oberfläche strömt im ungünstigsten Fall mit bis zu 8kn ins Marmarameer. 8kn ist die Rumpfgeschwindigkeit von Nomade!

Und weil es eben dieses erstklassige Wetterfenster mit wenig Wind aus Süd für den nächsten Tag gab, habe ich den Agenten gebeten, es am Feiertag zu versuchen. Er war sich selbst lange nicht sicher, ob es möglich ist. Der Kontakt lief übrigens per WhatsApp und über Geschäftspartner. Zu Gesicht habe ich ihn persönlich nie bekommen!
Nach ein paar Verhandlungen ging alles ganz schnell. „Bring deinen Reisepass, Bootspapiere, Führerschein, Versicherungspolice und das Transitlog zu einem Büro in der Stadt.“
Das Büro gehörte einem Bootshändler. Etwas flau war mir schon, alle meine Papiere dort abzugeben, aber wer nichts wagt…
Ob es wirklich klappt, sollte ich erst am nächsten Morgen erfahren. Es wurde schließlich später Vormittag, dann Mittag. Und endlich kam die ersehnte Nachricht, dass alle Beamten, die an der Ausklarierung beteiligt sind, mitmachen! An einem Feiertag, an dem sie eigentlich Urlaub haben. Das Ganze hat natürlich etwas gekostet, soviel dürfte klar sein. Aber alles im fairen Bereich.
Irgendwann bekam ich grünes Licht, die Koordinaten im Zollhafen mit Nomade anzulaufen. Etwa 3 Seemeilen waren es bis dahin. In dem kleinen Hafenbecken ging es zur Sache. Nur eine hohe Kaimauer mit dicken Reifen und die Fähren, die für ordentlich Wirbel und Schaukelei gesorgt haben. Aber es hat geklappt. Nach meiner zweiten Runde durch das Becken, kam der Grenzpolizist und ein Helfer des Agenten. Passkontrolle, kurz übers Schiff geschaut, dann musste ich warten. Nach etwa 10 Minuten bekam ich meine Papiere zurück und war ordentlich ausklariert.

Im Zollhafen

Erst jetzt habe ich die vereinbarte Summe bezahlt. Gegenseitiges Vertrauen eben. So läuft das in der Türkei und es läuft wirklich gut.
Was man verbessern könnte, wäre der Prozess des Klarierens an sich. Aber ich kann auch verstehen, das man für die paar Yachten im Jahr keine extra optimierte Ausklarierungsmöglichkeit inkl. Grenzpolizei und Zoll in einer Marina vorhält.

Ich war jedenfalls jetzt bereit für den Bosporus und es ging auch gleich zur Sache! Was hohes Verkehrsaufkommen in engem Fahrwasser angeht, bin ich ja einiges vom Rhein, mit seinen gut 600 Schiffen täglich, gewöhnt. Aber was im Bosporus abgeht, ist dagegen wirklich krass! Ozeanriesen im Verkehrstrennungsgebiet, Sportboote und vor allem Fähren in einer Anzahl, dass einem schwindelig wird. Dazu Fischerboote auf Jagd nach dem Blaubarsch im Fahrwasser!
Das es hier ständig knallt ist unvermeidbar. Eine Schifflänge Distanz war bei Begegnungen oft komfortabel.
Nach einigen Stunden konzentrierten steuerns waren Nomade und ich dann so gut wie durch. Es gab nur wenige Momente, in denen ich den Bosporus wirklich entspannt genießen konnte. Aber diese kurzen Augenblicke, wenn ich mal das Steuer für ein paar Sekunden losgelassen habe und auf dem Achterdeck stehend die Ufer an beiden Seiten beobachten konnte, waren grandios.
„Durch den Bosporus gegen den Strom, man ist das gerade geil!“ habe ich irgendwann laut gerufen und war zufrieden, dass es lief!












Das letzte Drittel der Meerenge im Norden ist nur noch wenig befahren und der Gegenstrom ist hier ebenfalls geringer. An den Engstellen strömte uns das Wasser an diesem Tag mit maximal 5kn entgegen, allerdings sehr weit am Rand des Fahrwassers.
Unter der letzten Brücke über den Bosporus kamen mir dann als toller Abschluss ein paar Delfine entgegen geschwommen und ich war überglücklich.
Anschließend bin ich in den kleinen Hafen von Poyraz abgebogen und habe dort für ein paar Stunden Schlaf geankert.

Am nächsten Morgen ging es früh weiter. Ich hatte den Bosporus noch nicht ganz verlassen, da war sie wie aus dem Nichts plötzlich neben mir, die Sahil Güvenlik, die türkische Küstenwache! „Maschine stoppen!“ hieß es unmissverständlich und die Beamten haben das schnelle Schlauchboot längsseits an Nomade festgemacht. Sie haben gefragt woher ich komme und wohin ich möchte. Dann wurden alle Papiere überprüft und sie haben mir eine gute Überfahrt gewünscht. Sehr unkompliziert, sehr freundlich.
Und so habe ich meinen Weg ins Schwarze Meer fortgesetzt. Ein wirklich komisches Gefühl war das. Bis zum Ende des Bosporus fühlte sich irgendwie alles noch ganz normal an. Zwar nicht immer leicht, aber normal schon deshalb, weil hier auch andere Boote unterwegs waren.
Ab diesem Tag sollte sich das ändern und auch wenn ich es natürlich vorher wusste, so richtig klar wird einem das erst, wenn man wirklich der Einzige ist, der in diese Richtung segelt. Nicht einmal Frachter fuhren an diesem Tag in Richtung Bulgarien, Rumänien oder der Ukraine und die Häfen auf der Krim sind bekanntlich gesperrt.
Ich war also an diesem Tag weit und breit das einzige Boot. Zweimal wurde Nomade von einem Helikopter angeflogen. Vielleicht, um zu schauen ob das Boot zum AIS Signal passt? War jedenfalls sehr interessant und eine willkomme Abwechslung.
Abwechslung haben auch die vielen Delfine gebracht. Noch nie habe ich an einem Tag so viele gesehen wie hier im Schwarzen Meer. Immer wieder tauchten kleine Gruppe um die 5 Tiere auf. Auffällig war, dass die meisten von Ihnen nach Süden geschwommen sind.

10 Seemeilen vor der Küste hatte ich Besuch. Der Kleine bekam Brotkrümel und Wasser. Nach ein paar Stunden ist er wieder abgeflogen.

Das Schwarze Meer hat es an diesem Tag gut mit mir gemeint. Wenig Dünung, etwas Wind aus Ost und maximal 1kn Gegenstrom aus Nord. Im Durchschnitt waren es etwa 0,5kn Gegenstrom.
Am Abend war ich nach 67 Seemeilen schließlich in Igneada, ein kleiner Ort, nicht mehr weit von der bulgarischen Küste entfernt.

Die Küstenwache in Igneada.

Ich hatte gehofft, hier im Fischerhafen vor Anker ein paar Stunden schlafen zu können. Im Hafen ist auch die türkische Küstenwache stationiert und da ich offiziell meine Zeit zur Ausreise (24 Stunden) bereits überschritten hatte und klar war, dass man Nomade auf dem Schirm hatte, wollte ich lieber fragen, ob es ok ist, hier zu übernachten. Zur Not wäre ich weiter bis zum ersten Port of Entry in Bulgarien, da der aber laut meinen (wenigen) Infos nicht ideal zum übernachten ist, wollte ich in Igneada schlafen. Also bin ich längsseits an das Schiff der Küstenwache gegangen und habe den Beamten meine Situation erklärt. „Herzlich willkommen, aber natürlich kannst du hier bleiben!“ war die Antwort und ich war happy!
Kurz danach fiel der Anker auf 4m Wassertiefe im Hafenbecken und ich habe nicht lange gebraucht, um in die Koje zu fallen.

Der letzte Morgen in der Türkei war dann der mit Abstand schönste Morgen, seit ich hier war und der krönende Abschluss einer fantastischen Reise durch dieses wunderbare Land!
Vielleicht war dieser Morgen in Igneada sogar der schönste Morgen meines bisherigen Lebens, denn während ich noch lange vor Sonnenaufgang etwas schläfrig im Cockpit alles vorbereite, höre ich jemanden hinter Nomade atmen. Im ersten Moment war ich wirklich erschrocken. Ein Schwimmer? Unmöglich! Nicht bei der Kälte und um die Uhrzeit. Es waren drei Delfine, die hinter Nomade ganz langsam durchs Hafenbecken glitten! Und während ich die drei völlig fasziniert beobachte, tauchen immer mehr Delfine um mich herum auf und schwimmen langsam umher. Der ganze Hafen von Igneada war voll mit Delfinen! Unbeschreiblich schön.

Delfine im Hafen.

Irgendwann habe ich dann ein paar Aufnahmen von ihnen gemacht und bin mit Nomade langsam aus dem Hafen geschlichen.
Ich hatte einen dicken Kloß im Hals, als ich nach ein paar Seemeilen die türkische Flagge von der Steuerbordsaling eingeholt habe…

Wieder im Geschäft

Fast zwei Wochen bin ich nun bereits in Tuzla.

Als ich hier angekommen bin, habe ich am Flughafen meinen Mietwagen abgeholt und bin die knapp 20 Kilometer nach Tuzla gefahren.
Wer bei Instagram oder Facebook vorbeigeschaut hat, wird es vielleicht bereits mitbekommen haben, der Verkehr hier in Tuzla hat mich wirklich gefordert. Mehr los als in Athen ist hier auch nicht, aber der Fahrstil der Leute ist ein völlig anderer und die Strassen sind auch irgendwie anders angelegt. In den ersten Tagen hatte ich hauptsächlich Angst ums Auto. Ich hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass es früher oder später scheppert. Aber zum Glück ist das ausgeblieben.
Am vierten Tag hatte ich mich langsam angepasst und konnte ein ganz klein wenig entspannter fahren. Am fünften Tag fing ich so langsam an, das Chaos zu begreifen und irgendwann ist mir aufgefallen, dass die Fahrweise der Menschen hier doch nur für Ungeübte chaotisch ist. Auffällig ist nämlich, dass trotz des vermeintlichen Chaos, die Autos kaum Dellen haben.
Jedenfalls bin ich nach einer Woche in der Lehre dann auch relativ entspannt über die roten Ampeln gefahren. Man muss einfach schauen wo es Sinn macht zu bremsen, dann läuft das.

Was auch sehr gut lief, war die Versorgung mit Ersatzteilen und Zubehör für Nomade. So einfach und schnell wie hier in Tuzla bin ich noch nie an so viel Ausrüstung fürs Boot gekommen. RAL 6001 Farbe, Antifouling von Stoppani, 32 Ampere Stecker, Fender in einer bestimmten Größe mit blauen Käppchen… Alles kein Problem.
Neue Namensaufkleber für Nomade brauchte ich ebenfalls, weil der bestehende am Heck völlig verwittert war. Dazu bin ich zu einem beliebigen Werbeshop im Hafenviertel gefahren. Englisch konnte dort zwar niemand, aber ich habe einfach aufgemalt was ich brauchte. Dann durfte ich mit ins Designbüro und mittels Google Übersetzer hat die Designerin mit mir alles festgelegt. Anschließend wurde die Datei an den Plotter geschickt und auf hochwertiger Folie von Orafol geplottet. Gleich danach wurde alles fürs aufkleben vorbereitet. Hat für drei Namensaufkleber etwa 15 Minuten gedauert und war ziemlich günstig, Tee inklusive.

Wo wir gleich beim nächsten Thema wären, der Gastfreundschaft. Jede einzelne Geschichte hier wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, aber ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass ich noch nie zuvor so eine Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit erlebt habe wie hier in der Türkei!
Und damit meine ich nicht nur die netten Gesten, wenn ich etwas kaufen wollte. Ständig wurde ich irgendwo zum Tee eingeladen und Sabrina hatte manchmal Angst, dass ich einen Teeschock bekommen könnte.
Einmal haben mir Nachbarn im Boatyard völlig überraschend ein richtig leckeres Essen vorbei gebracht.

Irgendwie läuft hier vieles anders. Spürbar herzlicher und gemeinschaftlicher und davon gehört hatte ich bereits letztes Jahr im Spätsommer, als ich von einer türkischen Crew in Griechenland mehrfach zum Essen an Bord eingeladen wurde. Da wurden mir Geschichten von großen Festen an einer langen Tafel mit Freunden erzählt und ich dachte, ok, das ist vielleicht ein Einzelfall. Nein Leute, ist es nicht.
In der Türkei, die ich kennengelernt habe, blüht das Leben, gehen Frauen ihren eigenen Weg und tragen manchmal Kopftuch, dann allerdings eher zu hochhackigen Schuhen und Jeans.
In der Türkei, die ich kennengelernt habe, schieben Männer den Kinderwagen, gehen mit ihren Freundinnen händchenhaltend durch die Fußgängerzone und stehen auf Autos von Volkswagen. Oder auf Elektroautos von Renault! Davon habe ich in den verschiedenen Städten nämlich mehr als in Deutschland gesehen.
An welchen Gott ich glaube hat mich übrigens niemand gefragt, an welche türkische Fußballmannschaft, dagegen schon. Auf Fußball stehen die Menschen hier nämlich total. Genauso auf Pubs und Cafes. Und auf Klamotten. Ja, man kleidet sich hier ziemlich schick.

Die Wirtschaft in diesem Land blüht. Es wird gearbeitet was das Zeug hält. Überall wird gebaut und das in einer Geschwindigkeit und Qualität, die wir in Deutschland so langsam verlernen. Infrastruktur, Industrie, Geschäfte, Marinas. Allein die Viaport Marina, in der ich gerade bin, wäre auf ganz Europa übertragen konkurrenzlos in allen Bereichen! So etwas gibt es im Ansatz nur in Südfrankreich, aber wirklich nur Ansatzweise.
Die leeren Marinas, von der mir Segler unterwegs manchmal erzählt haben (keiner von denen war jemals hier) gibt es ebenfalls nicht! Was stimmt ist, ich bin tatsächlich der einzige Ausländer hier, aber die Marinas sind nicht leer. Sie sind voll! Die Türken haben selbst genug Segelyachten und Motorboote, um die Marinas auszulasten und neue Marinas sind gerade mehrere im Bau, weil Bedarf da ist. Die Viaport hat geschätzt 80% Auslastung (im April) und ist gerade mal 3 Jahre im Betrieb.
Bei uns in Deutschland bauen sie dagegen in manchen Gegenden mittlerweile die Steganlagen wieder ab, weil der Nachwuchs fehlt.

Tuzla ist für Schiffe und Boote wirklich ein besonderer Ort. In der Stadt gibt es über 500 Unternehmen im Marinesektor. Unzählige Werften können nahezu alles bauen. Angefangen bei Holzschiffen, über Frachter und Luxusyachten, bis hin zu schwimmfähigen Tunnelsegmenten, die dann im Bosporus versenkt werden und einen Eisenbahntunnel ergeben.
Für jemanden, der ein altes Stahlboot restaurieren muss, kann es eigentlich keinen besseren Ort geben als Tuzla. Und ganz ehrlich, ich habe in den letzten Tagen oft darüber gegrübelt, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, einfach hier zu bleiben. Kein richtiger Winter, nette Menschen, beste Versorgung und ein Transitlog für 5 Jahre. Tja, aber allein macht es dann auch keinen Spaß und irgendwie hänge ich auch ein wenig an Zuhause.

Tuzla ist mir jedenfalls sehr ans Herz gewachsen und gehört zu den wenigen Orten an die ich unbedingt eines Tages mal zurück kommen möchte. Ich werde die Leute hier richtig vermissen!

Ansonsten ist Nomade jetzt startklar, mein Muskelkater lässt langsam nach und die zerissene Bordjeans passt auch wieder. Kann also bald los gehen…

So sah Nomade nach meiner Ankunft aus.

Nicht schön.

Besser, oder?












Auf heißen Kohlen

„Und? Biste schon aufgeregt?“

Diese Frage höre ich in den letzten Tagen öfter. Und ja, ich bin natürlich sehr aufgeregt, Sabrina nicht weniger.

Wenn die Reise so verläuft wie gedacht, dann werden wir genau 111 Tage getrennt sein, bis Sabrina im Sommer an Bord kommt. Die längste Zeit für uns bisher.
Auf den Abschied freuen wir uns deshalb nicht. Das wird nicht schön werden. Wir freuen uns natürlich, dass die Reise endlich weiter geht, aber der Abschied am Flughafen für so eine lange Zeit wird weh tun, das weiß ich jetzt schon.

Wie es dann weiter geht, werden wir sehen. Ich bin natürlich gespannt wie Nomade den Winter in Tuzla überstanden hat. Dann geht die Arbeit am Schiff los und das ist auch gut so.

Gepäck habe ich diesmal nicht so viel dabei. Das meiste ist bereits an Bord. Im Koffer befindet sich, neben ein paar wenigen Klamotten, hauptsächlich technischer Kram, drei Dosen Schwarzbrot, mein Neoprenanzug und (gut gepolstert) die Super 8 Kamera.
Im Handgepäck fliegt neben den üblichen Dingen die GH5 und die Spiegelreflexkamera meines Opas mit.

Heute werden wir noch ein schönen Tag zusammen mit Filou verbringen. Ein bisschen wandern und die Frühlingssonne genießen.

Den nächsten Beitrag schreibe ich dann wahrscheinlich an Bord. Also, bis die Tage…

Kein Videoupdate

Die ersten Probeaufnahmen mit der GH5 sind im Kasten und ich bin begeistert vom Handling der Kamera und dem Bild, welches das Gerät liefert. Aus den Testaufnahmen ist ein kurzes Video entstanden. Es hat nichts mit Sonnensegler zu tun und liegt deshalb auf meinem eigenen Youtube Kanal. Vielleicht interessiert es euch ja trotzdem:

Mir selbst gefällt das Ergebnis für einen ersten Test sehr. Die Kamera liefert unheimlich viel Dynamik. Schwarz „säuft“ nicht ab, Weiß „brennt“ nicht aus. Selbst graues Wetter sieht irgendwie gut aus. Man hat sehr viel mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung, als ich das bisher gewohnt war. Aufnahmen im Gegenlicht sind kein Problem mehr und an die rein manuelle Steuerung habe ich mich ziemlich schnell gewöhnen können. Die GH5 macht es einem leicht. Allerdings muss ich mich noch in den geänderten Workflow beim schneiden einarbeiten. Mein Rechner ist mit dem Bildmaterial der GH5 am absoluten Limit. Einen ganzen Film könnte ich mit dieser Hardware unmöglich schneiden. Für ein paar Videoupdates von unterwegs wird es funktionieren, aber danach ist definitiv ein neuer Rechner und neue Software fällig.

Wo ist eigentlich Sabrina

Heute am Rhein

In letzter Zeit werden wir immer öfter danach gefragt, wo eigentlich Sabrina ist? Also, wo Sabrina ist, während ich mit Nomade unterwegs bin.
Ich hatte zwar einmal kurz erwähnt, dass die Überführungsfahrten mit Nomade überwiegend Einhand stattfinden, aber eine ausführliche Erklärung bin ich euch bisher schuldig geblieben. Ich hatte es schlicht vergessen, weil das für uns alles so normal war, dass ich gar nicht weiter darüber nachgedacht habe.

Dazu muss nochmal kurz erwähnt werden, dass die Reise mit Nomade von Griechenland zu uns nach Hause an den Niederrhein keine klassische Segelreise „just 4 fun“ ist. Wir haben Nomade ja recht überraschend bekommen. Für neue Leser: Ja zu Nomade

Die Fahrt mit Nomade ist eine Überführungsfahrt! Nomade muss nach Hause, damit wir sie umfangreich restaurieren können. Natürlich versuchen wir diese Überführungsfahrt auch zu nutzen, um etwas von den Gegenden an denen es vorbei geht, zu sehen. Trotzdem, in erster Linie muss das Schiff nach Hause und da wir bereits zweimal gemeinsam eine mehrmonatige Auszeit genommen haben, inkl. Job kündigen usw., können und wollen wir nicht für diese Fahrt, an die sich ja wieder ein längerer Heimataufenthalt anschließen wird, alle Zelte in Deutschland abbrechen. Es wäre finanziell vielleicht knapp möglich, aber dann würden wir sehr wahrscheinlich wirklich blank mit Nomade in Wesel ankommen und müssten in vielen Dingen von vorn beginnen.

Sabrina hat nach der letzten Auszeit eine Stelle bekommen, die ihr wirklich gefällt. Die will sie nicht einfach für ein paar Monate Überführungsfahrt aufgeben. Klar, wäre sie manchmal gerne dabei und ich fahre auch manchmal etwas betrübt an den schönen Ecken vorbei, weil ich Sabrina am liebsten mit an Bord hätte.
Auch ist es allein mit so einem Schiff oft doppelt so schwierig und für Sabrina ist es zu Hause allein mit Filou ebenfalls oft doppelt so schwierig.
Aber man kann eben nicht alles haben. Wir haben uns für Nomade und diesen Weg entschieden und trotz der Schwierigkeiten fühlen wir uns damit wohl.
Und deshalb wird es auch in diesem Jahr wieder so sein, dass Sabrina nur während ihres Urlaubs an Bord sein wird. Ich werde wieder versuchen, dann in einer interessanten Gegend zu sein und wir hoffen beide sehr, dass es gelingt, Nomade noch in diesem Jahr in Wesel zu haben.
Aber bei allem was hinter uns liegt, wage ich keine Prognose. Der Weg ist noch extrem weit und es kann so viel passieren.
Nomade steht zwar nach all den Reparaturen im letzten Jahr technisch gut da, aber man weiß einfach bei so viel alter Technik an Bord nie, wie lange die noch durchhält, egal wie gut man sie wartet.

Und jetzt gleich zur nächsten Frage, die ab und zu mal aufgetaucht ist: Was ist das eigentlich für eine komische Kamera bei Nomade im Cockpit?

Das ist Sabrinas Kamera! Sie kann zwar nicht mit an Bord sein, aber sie hat zumindest diese Kamera, die über einen Mobilfunkrouter fast immer online ist.
Sie kann mit dieser Kamera jederzeit ins Cockpit schauen und auch reinhören. Per Smartphone oder PC lässt sich das Gerät fernsteuern und in alle Richtungen frei bewegen. Gegensprechen ist auch möglich. Das ist oft sehr schön für uns, weil wir dadurch doch ein ganz klein wenig zusammen durch die Gegend segeln. Überführungsfahrt 2.0 sozusagen.

Videoupdate #42

In diesem Videoupdate geht es mit Nomade in die Türkei. Es sind die letzten Aufnahmen mit der alten Ausrüstung, entstanden im Oktober 2017.

Viel Spaß beim anschauen.

Die neue Film-Ausrüstung

Toni, der Audio Rekorder. Hier noch mit alter Frisur.

Zuerst wollte ich euch die neue Filmausrüstung und insbesondere die Panasonic GH5 ganz ausführlich vorstellen, aber ich denke, das wäre in einer Art mehrseitigem Produkttest ausgeartet, der die wenigsten interessieren dürfte. Deshalb nur ein kleiner Überblick, womit in Zukunft die Filme gemacht werden. Wer mehr über die Kamera wissen möchte, findet im Netz unzählige, ausführliche Tests.

Das wichtigste was ich zum filmen benötige, befindet sich seit ein paar Tagen in einem Explorer Case. Das Köfferchen ist extrem stoßfest und wasserdicht nach IP67 Norm. Ich habe bereits länger ein anderes Explorer Case für meine DSLR im Einsatz und da sich das enorm bewährt hat war für mich klar, dass die GH5 ebenfalls ein solches Köfferchen bekommt.
Mir war wichtig, dass ich Kamera, Objektive, Mikrofone und das weitere Zubehör in ein möglichst kleines und leichtes Case bekomme. Umso leichter und kompakter die Ausrüstung ist, umso eher nimmt man sie mit.
Weiterhin war mir wichtig, dass die Ausrüstung im „Worst Case“ geschützt ist. Ich wäre nicht der erste, der beim einsteigen ins Schlauchboot seine Kamera versenkt hätte. Das Explorer Case samt Inhalt wiegt aktuell 3,4kg und schwimmt.

Werfen wir mal einen Blick in das Schatzkästchen:

Das alles dort mit System und gut erreichbar einzubauen, hat länger gedauert als zuerst gedacht. Drei Tage habe ich Schaumstoff, Neopren und Klettband verarbeitet, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war. Jetzt passt alles perfekt zusammen. Jedes Teil ist leicht erreichbar, alles ist so gestützt, dass man das Case wie einen Fußball behandeln könnte, ohne das etwas durcheinander gerät.






Nur die GoPro Hero5 Session kommt nicht mit ins Case. Die kann auch gut in der Hosentasche transportiert werden. Die GoPro ist ebenfalls neu und ersetzt die alte Rollei Actioncam, bei der das Objektiv einen Glasbruch erlitten hatte.

GoPro Hero5 Session

Die GH5 hat von Anfang an einen sogenannten Cage bekommen. Das war mir wichtig, vor allem um Zubehör besser anbringen zu können und um die Kamera bei Bedarf auch mit Griff zu bedienen. Der Cage von Smallrig wurde sehr gelobt. Das Teil ist auch wirklich schön verarbeitet und durchdacht. Allerdings kann das Hauptwahlrad nicht mehr vernünftig bedient werden. Ich habe deshalb kurzerhand die Flex angesetzt, anschließend geschliffen und poliert. Jetzt lässt sich das Rad wieder vernünftig drehen.



Aprospos bedienen. Ich hatte in Sachen Bedienung eine sehr lange Umstellphase und viele Fehler befürchtet. Zum einen, weils eben keine Canon ist, die ich gewohnt war, zum anderen, weil die GH5 ein Setup-Monster ist, bei dem man mehr verstellen kann als bei jeder anderen Systemkamera. Aber ich bin da sehr positiv überrascht. Ich finde sie ausgesprochen benutzerfreundlich. Irgendwo habe ich mal was von mehr als 200 Optionen in den Menüs gelesen, die wiederum unzählige Unteroptionen bieten. Nachgezählt habe ich nicht, aber trotz der enormen Manipulationsmöglichkeiten ist alles logisch strukturiert. Es macht richtig Spaß, das Gerät zu personalisieren und ich habe mittlerweile allein 3 Akkuladungen nur mit Einstellen und Testen verbracht.
Ob sich das alles auch im Ergebnis und beim Handling positiv bemerkbar macht, wird sich noch zeigen. Es gibt noch viel für mich zu lernen.

Gehen wir weiter durchs Case. Ganz wichtig war mir neben der Bildqualität vor allem der Ton. Damit war ich in der Vergangenheit immer extrem unzufrieden.
Für die GH5 habe ich jetzt ein vernünftiges Richtmikrofon. Dieses Mikrofon von Takstar habe ich durch Zufall bei einem Vergleichstest entdeckt und war ziemlich angetan. Es kostet nur halb soviel wie ein vergleichbares Rode, der Sound ist allerdings gleichwertig. Mir persönlich gefällt der Sound vom Takstar sogar etwas besser.
Neben dem Richtmikrofon hat nun auch ein kleines Lavaliermikrofon und ein Audio Rekorder Einzug gehalten. Der Rekorder ist vielseitig einsetzbar. Er kann mit den externen Mikrofonen versorgt werden, oder über die eingebauten Stereo-Mikros aufzeichnen. Vor allem bei Naturgeräuschen ist das Gerät extrem stark. Es hat ein unheimlich niedriges Eigenrauschen und die eingebauten Mikros sind fast besser als mein Studiomikrofon.

Tascam DR-05 Audio Rekorder

Die GH5 ist aktuell mit zwei schnellen 64 Gigabyte SDXC Karten bestückt, ansonsten sind in dem Case noch zwei Ersatz-Speicherkarten für den Notfall verstaut, zwei Ersatzakkus, der Griff für den Cage, drei „Deadcats“ aus Kunstfell (überprüft), das 20er Lumix Objektiv, ein Polfilter, ein ND Filter, ein Putztuch, eine Fotoschraube, ein Karabiner, der Kameragurt und eine Handschlaufe.
Die Deadcats hat Sabrina selbst genäht, die Handschlaufe ebenfalls. Gute, im Handel erhältliche Deadcats wären teuer gewesen und eine perfekt passende Handschlaufe für diesen Cage gab es nicht.

Morgen hat das theoretische Gequatsche dann erst mal ein Ende. Dann ist Videoupdate #42 online. Es ist das letzte Update mit der alten Ausrüstung, gleichzeitig auch eins der längsten.

Achso, Toni hat übrigens eine neue Frisur bekommen. Die alte hat mich zu sehr an so einen pöbelnden Typen erinnert. Jetzt gefällt er mir besser.

Toni mit neuer Frisur.

Tausche Auto gegen…

Angefangen hat das bei mir mit den Videos und Filmen, da war ich 12. Mein Opa hatte damals zum Geburtstag eine Videokamera bekommen und es hat nicht lange gedauert, da bin ich mehr mit dem Gerät durch die Umgebung getigert als mein Opa selbst. Mein erstes Filmchen ist auch in dem Alter entstanden. Um den zu schneiden, habe ich mir von meinen Eltern und Großeltern die Videorekorder ausgeliehen und damit simpelsten Schnitt praktiziert. Die Ergebnisse waren entsprechend bescheiden, aber so fing es eben an.
Weiter ging es mit der ersten eigenen Kamera. Irgendwas gebrauchtes von Sony, ich weiß es nicht mehr genau. Danach ein Hi8 Gerät, mit dem ich die beklopptesten Dinge gemacht habe. Damals fand ich das total geil, diese schuhkartongroße Maschine mit Panzertape an den Schweller meines Autos zu kleben oder mit Gurten auf den Tank der ZX-9R zu schnallen und auf der Nordschleife „Schumi zu spielen“…
Nach dieser Phase des Ausprobierens wurde es irgendwann ernsthafter und gesitteter. Die erste digitale Kamera zog ein, die Ausrüstung wuchs. Das meiste was ich angeschafft habe, war Equipment aus dem Consumer Bereich. Mehr war im Budget einfach nicht drin. Aber auch damit lassen sich, mit sehr viel Nacharbeit, durchaus ansehnliche Filme machen. Komfortabel ist das allerdings nicht und ich bin oft an die Grenzen der Technik gestoßen. Also zog die nächste Kamera ein, die das Manko der vorhandenen ausgleichen sollte. So ging das immer weiter. Dann kam Sonnensegler.net und es wurde wieder aufgerüstet. Zum Schluss habe ich mit 5 verschiedenen Modellen gefilmt, die allesamt nicht das hergaben, was mir vorschwebte. Besonders lange gehalten haben sie auch nicht. Dabei muss man allerdings auch bedenken, dass Kameras für den Hobbybereich nicht so gebaut sind, dass sie ewig halten, wenn sie fast jeden Tag im Einsatz sind. Dafür sind solche Geräte einfach nicht konzipiert.
Letztlich hatte ich sogar Glück, dass sie all die verschiedenen Reisen und Einsätze überhaupt so lange mitgemacht haben.
Nach der letzten Reise war dann aber das Ende bei fast allen erreicht. Hier der Bildstabi kaputt, dort das Objektiv…

Also stand seit langer Zeit die Frage im Raum, wo will ich in Zukunft hin? Wieder etwas günstiges, oder so langsam mal den Sprung in die nächste Liga wagen? Für Sabrina war die Antwort klar. Sie unterstützt mich da wirklich sehr!
Ich selbst war mir lange unsicher. Klar, eigentlich wollte ich mich schon länger verbessern. Vor den professionellen Geräten hatte ich aber auch eine gute Portion Ehrfurcht. Gar nicht mal vor der Technik selbst. Ich hatte in erster Linie Bammel vor dem Handling, welches doch einiges mehr an Aufwand erfordert als bei einem kleinen Camcorder mit Vollautomatik. Man findet im Netz nicht wenige Videos von Leuten, die dachten, dass sie mit einem Profigerät automatisch bessere Aufnahmen machen. Anfangs ist ohne Erfahrung eher das Gegenteil der Fall und die Lernkurve flach.

Nach Wochen der Grübelei hatte ich dann ein Konzept und die Idee mit der Crowdfunding Aktion. Denn mal eben eine High-End Kamera aus der Bordkasse abzweigen wäre einfach nicht drin gewesen.

Nunja, das Ergebnis des Crowdfundings ist bekannt. Was nicht bekannt ist, erzähle ich euch jetzt:

Nachdem die Kampagne bei Startnext eine Weile lief war absehbar, dass wir das Finanzierungsziel nicht schaffen werden. Zumindest nicht, wenn ich nicht massiv Marketing betreiben würde. Da Marketing aber eines der Dinge ist, die ich absolut nicht drauf habe, war die Aktion quasi gelaufen. Was Sabrina und ich allerdings extrem toll fanden, war die Tatsache, dass doch einige Leute mitgemacht haben und sich manch einer stark ins Zeug gelegt hat. Neben Startnext gab es auch noch Menschen, die anders Helfen wollten.

Diese positive Resonanz hat dazu geführt, dass (vor allem) Sabrina mich etwas angestachelt hat: „Du kannst nicht einfach aufhören, wenn das jetzt bei Startnext nicht klappt!“
Nico: „Ich kann aufhören wann ICH will!“
Sabrina: „Nö, kannste nicht!“
Nico: „Was?“
Sabrina: „Als wenn du so einfach aufhören könntest…“

Wenige Tage später hatte ich mein Auto verkauft! (Es zieht jetzt noch leicht im Bauch, wenn ich das hier tippe, aber es wird langsam besser.) Aber Prioritäten mussten nun mal neu gesetzt werden!

Machs gut Modus, du warst ein treuer Begleiter.

Am nächsten Tag die Kohle zum Einzahlautomaten gebracht und einen Tag nachdem klar war, dass wir das Ziel bei Startnext nicht erreicht hatten, auf den Bestellknopf DER Kamera gedrückt, die schon eine Weile ganz oben auf einer Liste mit möglichen Modellen stand.
Die Kohle vom Auto hat zwar nicht ganz gereicht, aber es hat die Last deutlich abgeschwächt. Und sowieso brauche ich ja demnächst kein Auto mehr… Und wenn ich wieder zurück bin, hab ich ich ja noch mein Fahrrad…
Ok, denken wir nicht weiter drüber nach! In den folgenden Tagen habe ich eine Liste von 21 zu besorgenden Posten der neuen Filmausrüstung abgearbeitet, die schon lange vorher (für den Fall der Fälle) feststand. Die Zeit drängte, denn es sind nur noch 3 Wochen bis zur Abreise…

Jetzt steht ein kleines Hardcase mit Inhalt vor mir, an dem ich in den letzten Tagen viel gebastelt habe. Das Konzept sieht so aus:

EINE Kamera und nicht Fünf! Das Zubehör optimal auf den Einsatzzweck abgestimmt, dazu ergänzend noch eine kleine Actioncam.

Die Kriterien für die neue Kamera waren folgende (unter anderem):

– spiegellose Systemkamera
– MFT Sensor (beste Objektivauswahl und guter Kompromiss zwischen „Look“ und „Handling“)
– Wetterfester Body, wetterfestes Objektiv
– manuelle Steuerung bis in die letzte Ecke
– hoher Dynamikumfang
– etabliertes System zum Filme machen (Zubehör)
– erstklassiger Ton
– kompakt, leicht und unscheinbar
– frei schwenkbares Display
– hochauflösender Sucher
– sehr guter Bildstabilisator
– C4K (Investition in die Zukunft)

Am liebsten wäre ich bei Canon oder Sony geblieben, denn damit bin ich groß geworden. Bei Canon gibt es für meinen Zweck allerdings aktuell leider nicht annähernd das was ich gebraucht hätte. Bei Sony schon eher, aber auch dort hätte es für meinen Fall einige Kompromisse gegeben.

Am Ende der Recherche blieb ein Gerät von Panasonic übrig, welches alle Anforderungen erfüllt. Die GH5 !

Als ich sie ausgepackt habe, musste ich aufpassen nicht zu sabbern. Dann das satte Klicken, als das 12-60er Leica Objektiv im Bajonett eingerastet ist. Herrlich… Mein erstes Leica, übrigens. Das schöne am MFT Bajonett ist für mich, dass ich all meine EF, EF-S Objektive und sogar die alten FD Linsen mit Adaptern weiter benutzen kann. Hätte ich alle Objektive neu besorgen müssen, wäre an einen solchen Systemwechsel nicht zu denken gewesen. Aber der größte Teil meines Zubehörs kann weiter verwendet werden. Trotzdem haben für dieses unscheinbare Explorer-Case mit Inhalt mehr als 3.000 Euronen ihren Besitzer gewechselt.
Dafür habe ich jetzt allerdings ein System, welches auf lange Zeit keine Wünsche mehr offen lässt und durch das der Schnitt wesentlich erleichtert wird.

Und noch eine gute Nachricht gibt es zu verkünden. Kurz nachdem die Bestellung der Kamera raus war, hat sich jemand bei mir gemeldet, der bereits das Crowdfunding unterstützt hat. Michael, den ich im Sommer 2016 im Rhein-Rhône-Kanal kennengelernt hatte. Wir waren damals Leidensgenossen und hingen zusammen vor dem Erdrutsch fest. In den etwa 3 Wochen war ich oft bei Michael an Bord. Wir haben viel gequascht, zusammen gegessen und sind fast täglich mit den Rädern zur Baustelle gefahren. Ich habe Michael als Macher kennengelernt. Jemand der anpackt, nicht viel um den heißen Brei herum redet und das durchzieht, was er sich vornimmt.
Ich weiß noch, wie er einmal zu mir meinte: „Wenn ihr irgendwann mal Hilfe braucht? Sag bescheid!“
Ok, den Satz hört man öfter und wer mich kennt weiß, dass ich nicht gerne um Hilfe frage.

Als der Erdrutsch dann irgendwann beseitigt war und es weiter ging, haben wir uns aus den Augen verloren.

Nachdem die Aktion bei Startnext gelaufen war, hätte ich tatsächlich etwas Unterstützung gut gebrauchen können, gefragt habe ich trotzdem nicht. Umso größer war die Überraschung als ich eine Nachricht von Michael in meinem Posteingang hatte und keine 24 Stunden später eine Überweisung auf meinem Bankkonto verbucht war! Keine Diskussion, keine Ankündigungen, einfach gemacht, bedingungslos!

Ich bin immer noch stark beeindruckt von dieser Aktion!

Dieses lichtstarke 20mm Pancake Objektiv für die GH5 geht übrigens komplett auf dich, Michael. Ohne deine Unterstützung hätten wir uns das definitiv verkniffen. Danke. :-)

H-H020A LUMIX G 20 mm / F1.7 II ASPH.

Und wenn ihr mal am rechten Bildschirmrand schaut (oder im Smartphone ganz unten), dann findet ihr dort bei unseren Partnern „MisterDotCom“. Das ist Michaels Unternehmen, welches er selbst aufgebaut hat. Anhängerkupplungen für den Smart hat er entwickelt, Elektronikmodule und vieles mehr. Ein Macher eben.

Im nächsten Beitrag stelle ich euch dann mal etwas ausführlicher die GH5 vor.

Irgendwie ans Kap

Ich habe gerade eben auf den Knopf gedrückt. „Irgendwie ans Kap“ ist ab sofort im Sonnensegler – Shop als Download erhältlich.

Wir wünschen euch viel Spaß beim anschauen und sind natürlich sehr gespannt wie ihr den Film findet.

Während ihr mit downloaden und Film schauen beschäftigt seid, geh ich rüber in der Werkstatt. Da gibt es noch ein paar „kleine“ Aufgaben die erledigt werden müssen.

To be continued… ;-)

Ausprobieren geht

Morgen ist es soweit, dass Warten hat ein Ende!

Mehr als 2 Jahre nach unserer Ankunft in Santiago de Compostela gibt es endlich den Film dazu.

Ihr könnt den Film ab morgen Mittag als FULL HD Download in einem kleinen Shop hier auf Sonnensegler.net bekommen. Der Shop ist seit heute online, ihr dürft gerne alles ausprobieren. Wer möchte, kann auch schon ein Benutzerkonto anlegen.