Archiv der Kategorie: Sailing Nonsuch

Perspektivwechsel in Lossiemouth

Der Ausgleich für den erneut schnellen Aufbruch aus dem beschaulichen Whitehills war ein weiterer Segeltag aus dem Bilderbuch. Leichter Wind, Sonne, so langsam frage mich ob das Unken über den schottischen Sommer vielleicht übertrieben war. Statt Walen besuchen uns heute aber einige Delfine und Schweinswale. Dieses Mal war ich sogar mal rechtzeitig an der Kamera.

Mit frischem Autopiloten geht der Trip nach Lossiemouth irgendwie viel schneller als gestern voran. Schon bald liegt der kleine Ort Lossiemouth voraus. Auf einer kleinen Landspitze schmiegen sich die Häuser alle eng aneinander. Diese Häuser sind hier in Nordschottland übrigens so gut wie immer steingrau. Wer die Postkartenmotive mit bunten Häuschen wie in Südengland sucht ist hier falsch. Wäre die Bausubstanz nicht so herrlich schön alt britisch sähe das ganze eher aus wie Bitterfeld ´89. So aber macht es einen sehr urigen Eindruck. Vor dem kleinen Ort liegen die mächtigen Hafenmauern wie eine alte Stadtmauer. Bei dem Anblick kann man sich vorstellen, dass es hier auch ganz anders als an diesem lauen Sommertag aussehen kann…

Der erste „echte“ Tagestrip auf dieser Reise geht schnell zu Ende. Das Hafenbüro hat schon zu. Dass man sich die Unterlagen und Schlüssel für die Anlagen dann im nahegelegenen Pub abholen soll muss sich aber auch ein echter Experte ausgedacht haben. Die kennen ihre Pappenheimer wohl…
Den Tag schließt ein kleiner Rundgang durch den Ort. Ein typisches britisches verschlafenes Nest. Viele Häuser aus dem 19.Jhd, alte Gassen, viele Aussichten über das Meer, ein echt nettes Plätzchen also. Der Hafen ist bereits mehrere Hundert Jahre alt und wird erst seit kurzem vorwiegend von Yachten bevölkert.
Am nächsten Morgen dann endlich mal eine positive Wetterüberraschung: Uns ist endlich mal ein Hafentag vergönnt. Bevor das Wetter wieder wirklich schlecht wird können wir noch einen Tag Pause machen. Erst morgen Abend soll der Wind wieder auf Windstärke 6 aus Südwest auffrischen. Erst dann müssen wir in Inverness sein. Was also tun mit so viel ungewohnter freier Zeit? Natürlich erst mal ein original schottisches Frühstück im Pub am Hafen. Das war dann gleichzeitig mein erster Kontakt mit Haggis, dem schottischen Nationalgericht aus gewolften Innereien. Schmeckt überraschend gut, ungefähr wie eine sehr würzige Frikadelle.
Die Szene die dann folgt könnte aus einer Komödie stammen. Ich wollte gerade meine Tasse mit Tee ansetzen (trinkt man hier so ), als zwei Eurofighter im Tiefflug mit bestialischem Getöse über die Terasse fegen. Mir fällt fast die Tasse vor Schreck aus der Hand. Die Aufklärung folgt allerdings schnell: Unmittelbar hinter dem Ort liegt RAF Lossiemouth, die größte Luftwaffenbasis in Schottland. Und die Briten haben ja eine ganz andere Beziehung zu ihrer Luftwaffe als daheim. Hier wird noch wirklich geflogen. So lassen wir uns dann auch anstecken und finden das Spektakel eher beeindruckend als störend. Sieht man ja auch nicht alle Tage.

Die Bordreiseleitung hat dann verschiendene Möglichkeiten zur weiteren Gestaltung des Hafentages vorgestellt. Irgendwie konnten wir immer noch nicht die Füße stillhalten. Zur Auswahl standen ein Strandspaziergang oder der Besuch einer Whiskydestillerie. Immerhin liegt Lossiemouth in Speyside, einer der Hauptwhiskyregionen in Schottland. Oder…. Moment mal, wir sind doch gestern auf unserem Spaziergang an etwas vorbeigekommen… Ich erinnere mich an ein Bild auf Aerö vor einigen Jahren: Ein Typ legte im Hafen von Søby an, machte sein Boot klar, verschwand unter Deck, und kam mit einer Golftasche wieder heraus und dampfte ab. Ungewöhnliches Bild, aber irgendwie cool. Der Golfclub hier wirkte aber sehr ähnlich. Ob das wohl einfach so möglich wäre da mal ein paar Löcher zu spielen? Mal schnell bei der super freundlichen Harbourmasteress nachgefragt, und tatsächlich: Der örtliche Golflcub würde sich freuen wenn die zwei abgeranzten deutschen Typen sie für eine kleine Runde Golf besuchen kämen. Ich bin zwar kein wirklich aktiver Golfspieler, aber Schottland ist neben der Heimat des Whiskys nunmal auch die Heimat des Golfs. Und wenn man nach London fahren würde müsste man sich schließlich auch das Wembleystadium anschauen… Auf den ersten Blick wirkt dieser altehrwürdige schottische Golfclub auch stocksteif. Holzvertäfeltes Clubhaus, reservierte Parkplätze für den „Captain“ und Karohosen. Trotzdem schlägt wieder die gastfreundliche Art der Schotten voll zu: So viel Spontanität fänden sie total super, und überhaupt, Gäste aus dem Ausland wären selten. Kleidervorschriften scheinen hier, in der ach so traditionellen Heimat des Golfsportes im Gegensatz zu Deutschland ohnehin nicht zu gelten. Schnell wird und noch ein Satz Schläger organisiert und ab gehts! Und was soll ich sagen: Ist tatsächlich etwas ganz Besonderes hier direkt am Moray Firth mit Blick auf Dünen und Highlands mal ganz spontan ein paar Bälle zu schlagen. Jedem hier vorbeikommt und schon mal einen Golfschläger in der Hand hatte kann ich diesen kurzen Perspektivwechsel nur empfehlen. Und das ganze für gerade mal 30 Pfund. Irgendwie musste das auf einem Segeltörn nach Schottland einmal sein.

So bleiben neben dem netten Ort vor allem zwei bleibende Eindrücke aus Lossiemouth. Da wäre als erstes das echt leckere schottische Frühstück. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass man hier in den wirklich entlegensten Winkeln bisher bei jedem Restaurantbesuch richtig zufrieden war. Das hat man daheim selbst in zivilisierteren Gegenden so oft nicht. Das ganze dann auch noch zu wirklich anständigen Preise. Das Essen in den Pubs würde ich bei Hauptgerichten um die 12 GBP sogar als wirklich günstig bezeichnen.

Der zweite bleibende Eindruck ist die Gastfreundlichkeit der Schotten. Ob es die zum Dritten mal wirklich unglaublich freundliche Hafenmeisterin, die Menschen die dich – obwohl völlig unbekannt – auf der Straße sofort grüßen und wissen wollen woher du kommst, oder die Menschen im gar nicht so spießigen Golfclub sind; jeder hier ist unheimlich zuvorkommendend, interessiert und hilfsbereit. So kann das gerne weitergehen. Morgen geht es nach Inverness und dann alleine durch den Caledonian Canal. Mal sehen was mich dort erwartet

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Ein weiteres Opfer und zwei Glücksfälle

Eigentlich war in Eyemouth zunächst mal ein Hafentag eingeplant um die körpereigenen Akkus wieder aufladen zu können. Das Wetter hatte indes anderes mit uns vor. Das Abrufen des Wetterberichtes ist auf der Nordsee ja zum täglichen Ritual geworden und so war es trotz eingeplantem Hafentag das erste was ich nach einem tiefen Schlaf morgens in Eyemouth erledigt habe. Ich mag gar nicht mal sagen, dass mir das was ich sah nicht gefallen hat denn eines lernt man hier sehr schnell: Das Wetter ändert sich hier oben in Schottland rasant. Die mitteleuropäischen Hochs verlieren hier ihren Einfluss und so zieht selbst im Sommer häufig ein Tiefdruckgebiet nach dem nächsten durch. Langfristige Planung ist so kaum möglich,  man muss sich immer dem Wetter anpassen und seine Pläne ggf. ändern. So auch heute. Der Wind sollte in etwa 36h auf Nordost drehen und dort für eine Weile verharren. Genau dort wollten wir aber hin. Also ausgiebig frühstücken und doch wieder rein in die Seestiefel. Pause machen können wir immer noch. Es soll entlang der Küste von Aberdeenshire an Rattray Head nach Whitehills gehen. Etwa 130sm. Von dort geht es mit Kurs West weiter, der Nordwestwind würde uns also nicht mehr stören.
Schon komisch wie sich die Verhältnisse durch den Schlag über die Nordsee verschieben. Wenn man nur mal eben in der westlichen Ostsee unterwegs ist sind die 45sm nach Fehmarn schon weit. Eine Nachtfahrt über 130sm wäre schon ein richtig anstrengendes Erlebnis. Und nun, noch immer mit den 416sm der vergangenen Tage in den Knochen denken wir uns nur: „Ach komm, den einen Tag kriegen wir doch auch noch eben hin.“ Und das ist eine der wichtigsten Lehren aus diesem Trip. Selbst wenn man jetzt nicht jeden Tag die Nordsee überquert verschiebt auch so ein einmaliger Trip die eigenen Komfortgrenzen deutlich nach oben.

Als Gegenleistung für den schnellen Aufbruch sollten wir einen besonders schönen Segeltag haben. Bis zum Abend sollte es trocken bleiben, der Wind sollte stimmen und entlang der schottischen Küste zu segeln war ja ohnehin spannend. Die Freude über diese Bedingungen hielt allerdings nur kurz halten. Es wurde deutlich, dass die Nordsee noch ein weiteres Opfer gefordert hat: Der elektrische Autopilot hat seine zwischenzeitlichen Einsätze auf der Nordsee offenbar nicht überlebt. Noch steuerte der Windpilot, aber der Wind sollte zum Abend hin einschlafen. Eine kurze Bastelstunde führte zu Tage, dass wohl mindestens der Elektromotor im Eimer ist. Tolle Wurst. Eine Reparatur würde den Törn wohl um Wochen verzögern, und ob es in Nordschottland so schnell Ersatz gibt sei mal dahingestellt. Wenigstens hat uns der Pinnenpilot aber die Freude gemacht die Nordsee zu überleben. Dort in den flauen Phasen ohne Fixpunkt am Horizont manuell den Kurs halten zu müssen wäre todesanstrengend geworden.  Viel besser wird es aber auch heute nicht. Nur eben kürzer. Pünktlich nach dem Abendessen schläft der Wind ein und bringt Regen mit. Und das alles mit Handsteuerung. Macht richtig Spass…

Die Nacht wird dementsprechend anstrengend. Als am Morgen querab Peterhead der Wind aus Nordost, also genau von vorne, zurückkommt, sind wir fast schon froh, immerhin kann der Windpilot nun wieder steuern. Peterhead hatte ich mir in der Planung aber auch als eigentlichen Ankunftshafen nach dem Nordseeschlag vorgestellt. Nun sieht es hier aber ganz und gar nicht einladend aus und ich bin fast froh, dass es uns stattdessen ins verschlafene Eyemouth verschlagen hat. Das Kap Rattray Head enttäuscht dagegen eher. Ein kleiner Leuchtturm vor einem dünigen Strand. Irgendwie hab ich mir die englischen Kaps eindrucksvoller vorgestellt. ;-) Der Strom an dieser Ecke zeigt aber, dass es hier wohl auch ohne hohe Klippen echt ungemütlich werden kann…

Die letzten 6 Stunden nach Whitehills entschädigen uns dann aber für die Strapazen der vergangenen Nacht. Es ist sonnig und an Backbord tut sich nun tatsächlich die erhofft eindrucksvolle Küste auf. Weit an Steuerbord taucht ein oder mehrere Minkwale immer mal wieder auf. Die Sonne scheint, und noch dazu weht ein schwacher Raumschotswind. Zeit endlich mal das neue Parasail auszuprobieren! Und was soll ich sagen? – Es ist ein echter Traum. Dieses Ding steht total stabil und lässt sich durch Böen überhaupt nicht ärgern. Auch kleinere Winddreher steckt es einfach weg und gleitet durch den eingebauten Gleitschirm darin ein wenig seitwärts anstatt an den Lieken zusammenzufallen. Ein völlig neues Raumschotsgefühl. Das wir ob des schwachen scheinbaren Windes wieder selbst steuern müssen macht einem das fast nichts mehr auf. Und das ist der erste echte Glücksfall dieses Tages. Aus den Pilot Books und Berichten anderer Segler weiss ich, dass diese Ecke mit ihren Strömungen und küstenparallelen Winden sehr tückisch sein kann. Heute hingegen ist sie ein echter Ententeich und wir segeln dicht unter den 160m  hohen Klippen, die von tausenden Basstölpeln bevölkert sind, entlang.

Nachmittags nähern wir uns dann dem Hafen von Whitehills. Ein kleines verschlafenes Fischernest mit vielleicht 500 Einwohnern und einem Hafen dessen zwei Becken so klein sind, dass selbst die kleine Nonsuch kaum darin drehen kann. Eigentlich also genau die Art von Hafen die man sich für einen Schottlandbesuch wünscht. Auf der anderen Seite dürften die Chancen hier einen neuen Autopiloten zu bekommen hier gleich Null liegen. Trotzdem ist es genau der richtige Ort um nach der Überfahrt erst einmal abzuschalten.

Das absolute Highlight von Whitehills erwartet uns bereits am Steg. Hafenmeister Bernie ist ein überaus lustiger und hilfsbereiter Zeitgenosse. Nebenbei war er hier auch noch fast 50 Jahre Fischer. Kaum haben wir ihm von unserem Problem mit dem Autopiloten erzählt holt er sein Telefon raus und telefoniert mit einem Chandler, einem Yachtausrüster, einige Orte weiter. `“Which model was it again?“ – „“Raymarine“ – „Yep, they have it in stock and keep their Shop open for another 20 minutes“. Ich kann es kaum glauben, da hat hier am Arsch der Heide tatsächlich jemand das passende Modell auf Lager liegen, lässt seinen Laden für uns noch 20 Minuten länger auf, und Bernie ruft noch eben ein Vereinsmitglied an, der uns schnell dorthin fährt. Von so viel Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit bin ich echt gerührt. Fast noch nie habe ich mein Hafengeld so gerne bezahlt wie hier bei Bernie. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass die Hafenmeister sich hier nicht nur als Abkassierer, sondern eher als Gastgeber wie in einer Pension o.Ä. verstehen. Überall wird versucht alles möglich gemacht, nachgefragt wie es einem geht, und sogar noch nach dem Auslaufen per Funk eine gute Fahrt gewünscht. So relativieren sich die im Vergleich zur Ostsee etwas höheren Hafengebühren sofort.  Glücklich lassen wir uns den verspäteten Anleger schmecken und erkunden das kleine Örtchen. Auch ein Besuch im wahrscheinlich unscheinbarsten Pub der Welt darf natürlich nicht fehlen.

Unserem Plan hier noch für einen Ruhetag zu bleiben macht das Wetter allerdings einen Strich durch die Rechnung und so werfen wir tags drauf am Mittag schon wieder die Leinen los. Bernie macht seinem Ruf alle Ehre, winkt uns von der Hafenmole zu und macht sogar noch Fotos von uns beim Auslaufen. Dieser liebenswerte Zeitgenosse war der zweite Glücksfall auf diesem Teilstück.

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Land in Sicht!!! – Ankunft in Eyemouth

Zu Beginn der Nachtwache bin ich noch reichlich müde. Man fängt dann immer ganz leicht an zu halluzinieren, sieht einzelne Lichter aufblitzen oder Ähnliches. Doch halt, dieses Licht war jetzt schon zum zweiten Mal an der gleichen Stelle. Vielleicht ein Fischer der in den Wellentälern kurz verschwindet denke ich mir. Als sich da Leuchten einige Minuten lang immer im exakt gleichen Rhythmus wiederholt ist klar: Land in Sicht! Das da vorne, in etwa 30sm Entfernung ist der Leuchtturm Longstone!! So langsam kann ich verstehen welche Faszination die Leuchttürme in vergangenen Zeiten auf Seeleute gehabt haben. Ich denke mir, dass es nun geschafft sei, freue mich auf die Ankunft am nächsten Tag und bringe die vermutlich letzte Nachtwache hinter mich bevor ich gegen 0400 abgelöst werde und mich noch mal aufs Ohr legen kann. Bald sind wir da.

Die Nordsee hatte jedoch noch andere Pläne mit uns. Als ich gegen 0500 in der Koje liegend in einem Wellental fast abhebe ist klar, dass der Wind mal wieder aufgedreht hat. Ich gehe an Deck um mir das ganze Mal anzuschauen und grummel in mich hinein. Der Wind hat auf Schlag gedreht und  ein ganzes Stück früher als erwartet zugelegt. Noch dazu kommt er nicht wie angesagt aus Südwesten sondern wird durch den Firth of Forth, einne tief eingeschnittene Förde in Schottland, wie durch eine Düse nach NNW umgelenkt. Man kann sich das ganze so in etwa wie den Effekt vorstellen den einen bei starken westlichen Winden in der Flensburger Außenförde erwartet. Nur eben mal 10.
Eine kurze Überlege- und Abwägungsphase folgt. Der Wind bläst jetzt schon mit etwa 20kn von vorne. Natürlich könnte man das aufkreuzen. Der Hafen von Arbroath ist jedoch ab halber Tide mit einem Schleusentor verschlossen, wir müssten spätestens um 1600 dort sein. Ob das bei den aktuellen Bedingungen gelingt ist sehr fraglich. Könnte klappen, wir hätten aber überhaupt keine Reserven mehr. Also ist Arbroath nicht mehr sicher zu machen. Ein weiteres Mal macht sich der Bananenkurs bezahlt und wir können uns einen Hafen südlicher aussuchen. Die Wahl fällt auf Eyemouth. Immerhin schon in Schottland. Eigentlich mag ich dieses Gefühl gemachte Pläne aufgeben zu müssen ja nicht sonderlich, aber heute ist das irgendwie egal. Ein Törn über die Nordsee lässt einen die richtigen Prioritäten setzen.

Die letzte Kreuz wird durch den zunehmenden Wind allerdings zur Tortur. Die Welle die sich aus NNW rasch aufbaut kämpft mit der aus Dünung aus SW der letzten Tage. Und wir Hart am Wind mittendrin. Aber wo sollen wir jetzt auch hin außer in Richtung Land. Wenigstens wird das ganze mit jeder Meile die wir uns dem Land nähern erträglicher. An Kaffeeaufsetzen ist bei dem Wind nicht zu setzen. Der Anblick des ersten „richtigen“ Landes elektrisiert am frühen Morgen dann aber trotzdem. Hohe Hügel, Täler und einige Klippen sind auszumachen. Wir sind in Great Britain angekommen – Die Nordsee ist geschafft.  Und dazu scheint auch noch die Sonne. Ich setze das Fernglas kaum mehr ab. Und gleich am ersten Tag fällt mir dann auch gleich das erste Castle sofort ins Fernglas. Schon die ersten paar Minuten Landsicht machen deutlich, dass wir an einer völlig fremden Küste gelandet sind.

Zu viel Ablenkung ist aber nicht erlaubt. Hier an der Ostküste liegen unzählige Fischernetze und Bojen verstreut. Daran hängen Lobster Pots, Käfige zum Hummerfang. Kann man sich super drin verheddern. Entgegen den Dingern in der Ostsee sind die hier aber maximal mit einem kleinen Kugelfender markiert und entsprechend schwer zu entdecken. Oft ist es schon zu spät. Ein Grund mehr warum ich die englische Ostküste auslassen wollte. Nach einer Erhebung einer englischen Segelzeitschrift hatte bisher jeder zweite Round-Britain Skipper ein unangenehmes Aufeinandertreffen mit den Lobster Pots… Besonders Erfolgreich kann der Fang allerdings irgendwie nicht sein. An der gesamten britischen Nordseeküste ist mir bisher kein Hummer im Restaurant oder zum Verkauf untergekommen. Vielleicht brauchen die Fischer deswegen so viele Bojen… ;-)

Heute haben wir aber Glück und treffen keinen Lobster Pot. Mit jedem Kreuzschlag wird die Küstenlinie rauher und eindrucksvoller und gegen Mittag liegt die Ansteuerung von Eyemouth direkt vor uns. Gleich zum Anfang mitten durch Felsen, die nur mit einer einzigen Leitlinie versehen seind, hindurch. Als wir dann durch die Molenköpfe hindurch gleiten fühlt sich das fast unwirklich an. War es das schon?
Nonsuch wird festgemacht und ein kleiner Anleger steht sofort bereit. Auch ohne den werden die Knie an Land schnell schwach. Nach den 4,5 Tagen auf See wird man eher land- als seekrank. Der Hafenmeister, ein lustiger schottischer Opa, freut sich mit uns und zeigt uns mit einer (noch) ungewöhnlichen Herzlichkeit alle Facilities seines Hafens.

Was folgt ist das erste große Durchatmen. Eyemouth ist ein echter Glückstreffer, ein richtig uriger schottischer Fischereihafen. Der Hafen ist bereits einige hundert Jahre alt uns überall von typisch britischen Steinhäuschen umgeben. Genau so stellt man sich seinen ersten britischen Hafen vor.  Ganz ungewöhnlich für uns Deutsche: Hier sind Yachties und Fischerei völlig gleichberechtigte Nutzer des Hafens. Im Hafen tummeln sich einige Kegelrobben die jeden einlaufenden Fischkutter verfolgen und sich mit artistischen Einlagen jedes Mal einige Fische ergattern. Fast schon dressiert wirken die flapschigen Gesellen und sind DIE Attraktion für die an diesem sonnigen Tag durch den Hafen schlendernden Passanten.

Zwei Tageshighlights steht heute noch an, doch zunächst mal bekommt Nonsuch eine kleine Wellnessbehandlung. Die Tage auf der Nordsee haben Spuren hinterlassen. Alles ist mit einer dünnen Salzschicht überzogen und wirkt stumpf. Obwohl ein Pint frisch gezapftes Ale und eine Dusche eigentlich das tollste überhaupt wären, wird das Boot erst mal einer Komplettreinigung überzogen und die verschiedenen Schapp-Füllungen die sich auf der letzten Kreuz im ganzen Schiff verteilt haben, wieder einsortiert. Und dann sind wir dran: Die Dusche war wahrscheinlich die beste meines Lebens. Man merkt richtig wie sich jeder einzelne Muskel unter dem brühwarmen Wasser wieder löst. Als wir dann wieder aussehen wie zivilisierte Menschen geht es dann trotz Müdigkeit noch in den ersten Pub. Das muss am Tag der Ankunft einfach sein. Einen typisch schottischer Steak Pie, quasi ein Gulasch mit Blätterteighaube und Chips, den typisch dicken Pommes, dazu  ein Pint schottischen Cider später ist der Pubbesuch aber auch schon beendet. Nichts geht mehr. Den Weg ums Hafenbecken herum zum Boot gehen wir wie die Opas, kriegen kaum die Füße noch hoch. Noch in Klamotten falle ich sofort in die Koje. Angekommen in Schottland. Fertig, aber glücklich.

Und was Eyemouth mit dem Monster von Loch Ness zutun hat, erfahrt ihr auch bald….

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Auf der Nordsee – Teil 2

Mittlerweile hat der Wind auf 21kn aufgefrischt. Irgendwie genau das was ich exakt mitten auf der Nordsee nicht haben wollte. Zwar stimmt die Richtung, etwas vorlicher als Raumschots, und irgendwo in der westlichen Ostsee wäre es der perfekte Segelwind und man würde das Lachen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommen, aber irgendwie gelten hier draußen auf der Nordsee andere Gesetze.
Hier ist Niemand mehr. Heute morgen haben wir den letzten Dampfertreck und die letzte Gasplattform hinter uns gelassen. Das AIS bleibt nun leer. Keine Kontakte. Hier sind wir jetzt komplett auf uns allein gestellt. 180km/h auf der heimischen leeren Autobahn zu fahren macht ja irgendwie Spaßl. Aber auf einer sibirischen Landstraße im Nirgendwo macht einen das leicht nervös. Wenn jetzt ein Reifen platzt hilft keiner so schnell. Ich denke dieser Vergleich verdeutlicht meine Gefühlslage so ungefähr.
Der Wind nimmt auf 6 Windstärken zu. Überraschend schnell baut sich eine beachtliche See auf. Lang, und hoch zwar, aber auch mit unruhig brodelnden Schaumkronen obenauf. Durch die schnellen Höhenwechsel in den Wellentälern wird das Wasser immer mal wieder durch die Cockpitlenzer gedrückt. Das kleine Boot kommt etwas an seine Grenzen. Ist ja am Ende immer noch ein Kielschwerter. Obwohl es im Bezug auf Kurs und Gschwindigkeit eigentlich ein affengeiles Segeln ist kann ich es irgendwie momentan nicht genießen. Zu ungewohnt ist noch das Gefühl hier draußen wirklich komplett auf sich allein gestellt zu sein. Nervosität aus Unerfahrenheit.

Nonsuch jedoch macht ihren Job prima. Eigentlich ist sie ja gar nicht für diese Verhältnisse gebaut, und doch reitet sie jede Welle weich ab, der Windpilot steuert zuverlässig und das Rigg steht auch blendend. Das beruhigt mich etwas. Wenigstens war meine Einschätzung, dass das Schiff diese Reise abkann nicht falsch. Es ist also wirklich eher der Skipper der sich an sein neues Abenteuer noch gewöhnen muss….

Trotz der zeitweiligen Nervosität kann ich im Nachhinein nichts anderes sagen als das die Nordsee trotzdem zahm war. Offensichtlich hat sich unser Topfopfer gelohnt. Gegen Abend nimmt der Wind wieder ab und wir können uns sogar ein schönes warmes Abendessen bereiten. Mangels Alternative allerdings nur im Wok mit flachen Seitenwänden. Meine Ölhose kann heute noch ein Lied von dieser Kochsession denken.
Ihr merkt vielleicht bereits an der lockereren Schreibweise, dass ich mich Stunde um Stunde mehr an das Blauwassersegeln gewöhnt habe. So kommt die nächste Nacht schon mit etwas Entspannung und ich kann in der Freiwache bereits wieder gut schlafen. Als ich die Nachtwache übernehme liegen die Randbereiche der Doggerbank querab. Auf ihnen trohnt ein fast 120m hoher Sendemast, dessen rotes Aero-Licht, obwohl weit südlich von uns gelegen, uns fast die ganze Nacht verfolgt. Eine ganz komische Stimmung und Kulisse ist das. Der Himmel ist grau und bedeckt, wir sind immernoch 300km vom Land weg, und mitten im Nichts steht dieses fast schon bedrohlich wirkende rote Licht in der Luft. Fast die ganze Nacht beäuge ich das Ganze dann auch. Die Anspannung bleibt hoch.

4 Stunden Schlaf und einen Sonnenaufgang später mache ich nun das dritte Mal Frühstück und Kaffee auf See. Dieser Tag steht im starken Kontrast zum gestrigen, denn so langsam stellt sich eine gewisse Gelassenheit und fast schon etwas Routine ein. Zumindest beim Kaffeekochen. Mir wird eine weitere Besonderheit des Blauwassersegelns bewusst. Bei den normalen Tagestörns ist die eigene Stimmung meist mehr oder weniger konstant, hier gibt es ein ständiges Auf und ab, man lebt richtig auf dem Meer mit allen Facetten und ist nicht nur für einige Stunden tagsüber zu Gast solange es einem angenehm ist.
Je mehr Gelassenheit sich einstellt desto mehr Zeit bleibt auch für diese typischen Hochsee-philosophoschen Gedankengänge und Gespräche. Wenn es nicht gerade pustet hat man hier draußen alle Zeit der Welt über Gott und die Welt nachzudenken ohne irgendeine Ablenkung. Kein Handynetz, nichts Ablenkendes, eine echte Wohltat (und das sage ich als jemand der sonst echt gern am Handy klemmt).
Pünktlich zu dieser zufriedenen Stimmung taucht auch der erste Delphin der Reise aus und dreht eine Runde ums Schiff. Die Blauwassernervosität von uns beiden zeigt sich nun mal anders: Wir sind zunächst völlig perplex und der Außenbordskamerad ist schon wieder verschwunden bevor ich die Kamera zücken konnte. Also gibt es für euch leider keine typisch kitschigen „Delphine-spielen-am-Bug“ Fotos.  Wer aber so langsam wieder auftaucht sind die Fischer. So langsam merken wir, dass wir uns dem Land wieder nähern. Also gibt es wieder etwas mehr zu tun…. Kleine Feierstunde dann aber noch am Nachmittag: Wir überqueren den Nullmeridian. Auch wieder so ungewohnt, dass wir beide die nächsten paar Logbucheinträge aus reiner Gewohnheit immer noch „E“ ins Logbuch eintragen.

Das Laden der Wetterberichte wird mehr und mehr zum festen Fixpunkt im Tagesablauf. Fast so wie die Tagesschau an Land. Der nächste Wetterbericht den wir über das extra für die Fahrt gemietete Satellitentelefon ziehen bringt allerdings wieder etwas Ernüchterung. Auch wie meistens die Tagesschau…  Unser Wetterfenster wird immer kleiner. Schon am nächsten Nachmittag soll es wieder mit 25kn auf der Nordsee wehen. Unklar wieviel die Realität da noch draufpacken wird. Unser eigentlichen Ziel Peterhead in Aberdeenshire werden wir in der verbleibenden Zeit nicht mehr erreichen können. Zumindest wenn wir nicht das Risiko eingehen wollen mit der kleinen Nonsuch in das dicke Wetter zu geraten. Ich bin zwar kein Weichei, aber dieser Schiffsgröße sind auf dem offenen Meer einfach Grenzen gesetzt. Soviel haben die letzten Tage gezeigt. Nun macht sich aber die sorgfältige Planung der letzen Tage bezahlt. Ich habe den Kurs ja mit Absicht nicht genau auf Peterhead gesetzt, sondern eine „Banane“ in Richtung Britisches Festland gefahren. Und so haben wir jetzt die Möglichkeit einen Hafen zu wählen den wir in den verbleibenden 18std. erreichen können. Die Wahl fällt auf das schottische Arbroath. Der Kurs wird angepasst, die Tiden und Karten gecheckt und so geht es nach einem weiteren Abendessen auf See (diesmal ohne Flecken auf der Hose) in die nächste Nacht. Kurz vor 12 werd ich wach und mache mich bereit die Nachtwache wieder zu übernehmen. Statt Kaffee schnell eine Heisse Tasse aufgesetzt, 4 Schichten Klamotten (im Juli!) an, und los. Der Wind weht kalt und hat bereits etwas gedreht und zugenommen. Aber alles noch kein Problem. Ich richte mich im Cockpit ein und beginne die Wellen zu beobachten…

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Raus auf die Nordsee

Ich war aufgeregt. Wie ich bereits vor einigen Wochen schrieb war der Horizont hinter Helgoland immer irgendwie die Grenze des zu ersegelnden Reviers. Zwar habe ich im Osten schon viel gesehen, aber weiter als hinter den Helgoländer Horizont erschien mir mit der kleinen Nonsuch irgendwie nie eine Option zu sein. Und nun sollte aber genau das passieren. Zwar habe ich schon wieder Zeit für einen längeren Törn gefunden, aber die Zeit ist trotzdem begrenzt. Gleichzeitig soll die englische Ostküste über weite Strecken uninteressant und anstrengend sein. So sagten es zumindest die einschlägigen Törnführer. Warum also nicht mal ein neues Abenteuer wagen und sich von Helgoland direkt auf den Weg nach Schottland machen? Gutes Wetter natürlich vorausgesetzt…

Das waren meine Gedanken während der Törnplanung und nun saß ich tatsächlich in den ersten Julitagen auf der Terrasse meiner Eltern und studierte die Wetterkarten. In nicht einmal 2 Tagen sollte sich ein Wetterfenster öffnen, welches die direkte Passage zulassen würde. Von Aufregung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel zu spüren, es gab einfach zu viel zu tun.
Das sollte sich in den letzten Stunden vor der Abfahrt ändern. Das Level der Aufregung stieg fast minütlich. Als es dann um kurz vor 24:00 in Cuxhaven „Waving Goodbye“ hieß und wir die Leinen loswarfen handelte ich eigentlich nur noch instinktiv. Der Kopf war überall und nirgendwo. Wenigstens hatte sich ein guter Freund gefunden diese Passage mit mir zusammen zu unternehmen. Alleine wäre das für das erste Mal offene See mit diesem Schiff wahrscheinlich doch etwas zu aufreibend geworden.
Wir verließen Cuxhaven so spätabends um das Wetterfenster so gut wie möglich nutzen zu können. Eine Erkenntnis dieser Reise war nämlich definitiv, dass die Nordsee mit 26Fuß machbar ist, allerdings sollten die Bedingungen so stabil wie möglich sein. Die Fahrt aus der Außenelbe war dann allerdings gleich ein echter Kampf. Der Wind der letzten Tage zog eine beachtliche See nach sich, die trotz des flauen Windes sich gegen des Ebbstrom stellte. In der Dunkelheit sah man noch dazu keine einzige See anrollen. Es krachte und polterte, und als schließlich die -eigentlich gesicherten- ersten Gläser aus den Schapps flogen und sich am gegenüberliegenden Salonfenster (Bitte mal den Flugweg bildlich vorstellen!) zerschlugen, fragte ich mich kurzzeitig ob dieser Trip tatsächlich so eine gute Idee ist. Im Morgengrauen legten wir dann schließlich auch noch mal für 3 Stunden auf Helgoland an um noch einmal einige Stunden ohne Seegang zu pennen und die weitere Beruhigung des Wetters abzuwarten.


Eine gute Idee, denn nach diesen 3 Stunden Schlaf und einer Tasse Kaffee setzte sich die Sonne durch und die Stimmung sah wieder anders aus. Nochmal schnell eingekauft und los gehts. Zumindest während der ersten Stunden war es ein komisches Gefühl Helgoland in dieser Richtung hinter sich zu lassen, aber sobald die Insel außer Sicht war legte sich die Anspannung. Offenbar tatsächlich eine Kopfsache… Wir dösten in der Sonne und genoßen es nicht mehr wie ein Schießhund auf den Kurs aufpassen zu müssen. Das ist nämlich definitiv das entspannteste am Blauwassersegeln ;-) . Der Schiffsverkehr wurde zunehmen weniger und durch die Nacht musste dann sogar ausschließlich der Motor ran. Für die Eingewöhnung war das wohl ganz gut.

In der Nacht dann plötzliche Aufregung. Ein unerwartetes Geräusch. Nämlich der SMS Ton des Iphones. 60sm von der Küste entfernt entlockte mir das zunächst ein Stirnrunzeln. Das Rätsel löste sich aber schnell auf. Offenbar strahlten die Windparks hier draußen Handynetz aus und so konnten wir noch ein letzten Gruß nach Hause schicken. Die Abfahrt war geschafft. Der psychologisch schwierigste Teil wie wir dachten.

Mit der untergehenden Sonne begann dann auch unser Wachsystem. Auch wenn die erste Schicht vor Aufregung natürlich noch niemand schlafen konnte. Interessant war zu sehen, dass hier draußen, wo die Augen durch fast keine Lichter mehr geblendet werden, es selbst mit einigen Wolken fast nicht mehr komplett dunkel wird.

Zum Ende meiner Morgenwache begann ich dann damit ein kleines Seefrühstück zu bereiten und den Abwasch des Abendbrots zu erledigen. Und dann passierte es. Die Nordsee forderte ihr erstes Opfer: Obwohl ich die Knoten mehrfach überprüft habe überlebte unser Kochtopf das erste Einweichen außenbords nicht mehr. Er ruht jetzt 70sm nördlich von Schiermonnikoog und bietet vielleicht irgendeinem Meeresgetier als künstliches Riff ein neues Zuhause. Klingt fast nach einer lustigen Story, aber von nun an musste beim Kochen echt improvisiert werden!

Noch genoßen wir den wieder zunehmenden Südwind. Der Windpilot steuerte, wir saßen im Cockpit und begannen ozeanphilosophische Gespräche über Gott und die Welt zu führen. Eigentlich wollten wir Kartenspielen, aber keiner von uns konnte Skat oder Rommee so plötzlich noch erklären. Und ein Autoquartett war nicht an Bord. Und mangels Internet zum Überprüfen macht „manuelles“ Autoquartett mit gemerkten Angaben einzelner Autos wegen des Beschisspotenzials nur kurze Zeit Spaß ;-)
Also quatschten wir über dies, und das und jenes, freuten uns über die Ruhe und begannen das Blauwassersegeln so richtig zu genießen.

Währenddessen wurde der Wind allerdings immer stärker. Beim nächsten Logbucheintrag war er bereits deutlich stärker als im letzten gezogenen GRIB Bericht vorhergesagt.  Der Horizont verschwand nun stets in den Wellentälern. So langsam wurde es unangenehm, denn wir waren grad so ungefähr am weitesten von Land weg wie es in der Nordsee nur geht. Und die Windspitzen sollten noch nicht erreicht sein…

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Welcome to Scotland!

WIR SIND ANGEKOMMEN!! Gestern um 1400 MESZ sind wir nach 416sm in Eyemouth in Schottland angekommen! Interessante aber anstrengende Überfahrt mit vielen neuen Eindrücken. Als Land in Sicht kam war stilecht auch gleich das erste schottische Castle im Fernglas zu sehen.

 

Mehr später. Erstmal Pennen und ausruhen 😉







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Pos N 55°18´E 001° 21´

Moin. Hier ein kurzes Update: Kommen gut voran und haben die Doggerbank überquert. Gestern sehr snstrengeder Tag mit ständig wechselndem Wetter und zwischztl. viel Wind. Nordsee hat ihr erstes Opfer gefordert: Unser Topf hat das einweichen in der Nordsee nicht überlebt. Heute etwas ruhiger, erwarten aber Winddreher nach W. Vor 10 Min ersten Delfin gesehen! Hafen je nach Wetter am SA wohl entweder Peterhead, Arbroath oder Eyemouth. So long, bis bald!
SV Nonsuch, Pascal und Max

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Kurs Großbritannien liegt an!

Es geht los! Kurs Großbritannien liegt an, Helgoland liegt hinter uns. Zunächst Kurs 280° liegt an.

Bis bald!

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Maritimer Ausflugstip: Friedrichstadt per Dinghy

Der einzige Nachteil an der Möglichkeit sich demnächst auf den Weg Rund England machen zu können? Die Zeit bis dahin ist echt stressig. Im Moment komme ich kaum vom Schreibtisch weg. Und da sind die Reisevorbereitungen noch nicht einmal eingerechnet. So gab es dann selbst über Himmelfahrt nur einen Tag Wochenende. Ein wirklicher Wochenendtrip mit Nonsuch lohnt sich da nicht mehr so wirklich und die Alster hab ich in der Situation auch schon x-Mal rauf und runter gesegelt.

Aber auf maritimes Feeling verzichten wenn nur ein Tag zur Verfügung steht? Auf keinen Fall! Zum Glück fiel mir eine kleine Idee ein: Auf meinen Reisen durch die Nordsee in den letzten Jahren gefiel es mir auf der Eider doch so gut. Und speziell das kleine Holländerstädtchen Friedrichstadt mit seinen kleinen Grachten war ein echtes Kleinod. Also schnell mal die Zeit im Kopf überschlagen und Dinghy und Motor eingepackt. Ein kleiner Ausflug mit dem Schlauchboot durch die Friedrichstädter Grachten soll es sein. Die Stadt ist nur etwa 1,5 Std. von Hamburg entfernt und sogar unproblematisch mit der Bahn zu erreichen.

Im kleinen Wassersportclub erinnerte man sich sogar noch an mich und Nonsuch, und ich durfte mein Dinghy an den Stegen aufbauen und später waschen. Und ein wenig Strom für den Torqeedo blieb sogar auch noch hängen. Eine kleine Spende in die Vereinskasse verstand sich da von selbst. Und sollte euch dieser Ausflugstip zusagen gilt das Angebot beim MCW Friedrichstadt gegen eine kleine Spende an den kleinen Verein euren Trip zu beginnen auch für euch.

Nach dem kurzen Pump-Workout ging es also los, und offenbar war ich nicht der einzige mit dieser Idee. Das schöne Wetter hat noch andere aus dem Haus gelockt und viele andere kleine Schlauch- Ruder- und Tretboote waren hier unterwegs. Klar, letztere kann man hier sogar mieten wenn man kein eigenes Boot hat.  Interessant fand ich übrigens, dass die Torqeedo Elektromotoren unter den motorisierten Booten hier fast einen Marktanteil von 50% haben. In den ruhigen Grachten scheint sich der leise Elektromotor schon durchgesetzt zu haben. ;-)

Der Begriff des Holländerstädtchens ist übrigens nicht mal eine falsche Beschreibung denn die Stadt wurde im 16 Jhd. von holländischen Religionsflüchtlingen gegründet die auch ihre Wasserbaukunst mitbrachten. Und so sieht es in den Grachten hier tatsächlich aus wie in Amsterdam oder irgendwo am Ijsselmeer. kleine Zugbrücken, enge Kanäle mit gepflegten Gärten und eigenen Stegen davor, prachtvolle Bürgerhäuser und alte Bäume die bis ins Wasser hängen. Stundenlang kann man hier umhertuckern und immer wieder etwas neues entdecken. Und der Idyllefaktor bleibt dabei auch nicht auf der Strecke. Sogar einige der Restaurants in der Stadt haben sich auf die Bootstouristen eingerichtet und so kann man hier teilweise direkt vor der Terasse festmachen oder wird sogar gleich direkt auf dem Steg bedient. Das haben wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Besonders zum empfehlen übrigens ist das Restaurant „Holländische Stube“ direkt an der Mittelgracht am alten Marktplatz.

Am Ende des Tages steht dann das Gefühl wirklich etwas Besonderes erlebt zu haben, und das obwohl wir Hamburg keine 7 Std. verlassen haben… Lasst euch einfach mal von den Bildern inspierieren und vielleicht habt ihr ja auch Lust auf eine kleine Alltagsflucht per Dinghy oder in Friedrichsstadt gemietetem Tretboot. Eine Genehmigung oder ähnliches braucht ihr nicht. Nur das Tempolimit von 5km/h in der Stadt ist zu beachten. Die Fahrtzeit beträgt etwa 1,5 von der Hamburger Innenstadt und euer Dinghy einsetzen und versorgen könnt ich beim MCW , Halbmond, 2480 Friedrichstadt. Für alle Norddeutschen unter euch kann ich diesen Ausflug nur empfehlen. ;-)

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ROUND BRITAIN: Ein neues Abenteuer

Im Frühling 2012 ging mein erster Törn der Saison ebenfalls nach Helgoland. Mit von der Partie war mein Vater. Die Nonsuch war zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange in meinem Besitz und im hinter uns liegenden Winter in mühevoller Kleinarbeit von mir aufgearbeitet und an meine Wünsche angepasst. Trotzdem, kein Vergleich zu ihrem Zustand heute. Auf Helgoland unternahmen wir so die üblichen kleinen Landausflüge, bis wir, genau wie vor wenigen Wochen, auf dem Oberland standen und raus auf die Nordsee blickten.

„Ein traumhafter Sonnenuntergang“, meinte mein Papa während er an seiner Kamera rumnestelte. Von ihm hab ich nämlich die Fotografiersucht übernommen.
„Schon witzig wenn man sich vorstellt, dass da so 600km erst einmal gar nichts hinter dem Horizont kommt, und dann gleich England. Wär ja auch eigentlich mal ein Ziel mit meinem neuen kleinen Schiffchen, oder?“, witzelte ich nur halb ernst gemeint rum. Die Nonsuch ist ein Kielschwerter, nur knapp unter 8 Meter lang und der Respekt vor dem Nordatlantik, den britischen Gezeiten und der Nordsee, dem „Blanken Hans“ wie es hier oben heißt, den ich als Cuxhavener Eingeborener von kleinauf gelernt habe, vielleicht doch etwas zu groß. Trotzdem, jeder kennt das Gefühl wenn man auf seinem, am besten neuen, Schiff steht und denkt die ganze Welt steht einem offen.
„Scherzkeks. Fahr doch erst mal nach Schweden oder so und schau wie der Kahn sich schlägt“, kam es von meinem Papa. Und Recht hatte er.
„Hehe hast ja Recht, war ja auch nur so ein Hirngespinst, aber man darf ja noch träumen“, entgegnete ich nur. Einige Lacher und Frotzeleien folgten noch, und wir genossen den Sonnenuntergang und liefen den Weg zurück zum Hafen.

Und genau an diese Unterhaltung musste ich vor wenigen Wochen, fünf Jahre später, bei meinem Besuch auf Helgoland denken. Ich würde wohl im Sommer durch diverse Umstände ein paar Monate Zeit haben. Sofern die Kohle reichen würde stand für mich von Anfang an fest, dass es Zeit zum Segeln sein musste. 2014 war ich mit der Nonsuch ein halbes Jahr auf der Ostsee unterwegs. Die zahllosen Begegnungen und Erlebnisse prägen mich bis heute und der Gedanke an diese Reise lässt mich immer sofort lächeln und in Erinnerungen schwelgen. Ich habe so ziemlich alles dort im Osten erkundet, bin bis hoch zum Polarkreis nach Haparanda gefahren und habe mich aber auch mit Müdigkeit auf Nachtfahrten, Nebel, viel Wind und so einigen anderen kleinen Problemchen arrangiert. Es ist wohl nicht falsch zu sagen, dass ich mich nicht nur rumgetrieben habe, sondern an dieser Reise auch gewachsen bin. Vor allem aber machen solche Reisen absolut süchtig. Und nun könnte wieder genug Zeit für eine sein. Nur wo sollte es hingehen? So überlegte ich lange hin und her, wog verschiedene Optionen ab. Bis es dann vor wenigen Wochen nach Helgoland ging.

Spätestens als ich an das Gespräch mit Papa dachte stand für mich fest: Wenn es nur irgendwie möglich sein sollte, muss es nach England gehen! Ich fühle mich deutlich erfahrener als noch vor fünf Jahren, das Schiff wurde in den letzten Jahren konstant renoviert und aufgerüstet und befindet sich in einem Top-Zustand. Mittlerweile traue ich ihm die Route in meinem Kopf ohne lange nachzudenken zu. Zumindest wenn es mal wieder richtig Sommer wird. 😉 Mal grob im Kopf überschlagen – „Könnte zeitlich und vom Weg her passen!“ – Und auf dem Weg zurück zum Schiff liefen in meinem Kopf schon Bilder von grünen britischen Hügeln, rustikalen Fischerhäfen, edlen südenglischen Marinas und den weißen Felsen von Dover ab. Rund England sollte es sein.

Und obwohl ich im Moment schon beruflich einen rauchenden Kopf habe, bin ich seit einiger Zeit dabei Karten, Führer und Ausrüsterkataloge zu studieren. Es geht nach Großbritannien. So viel Zeit wie vor drei Jahren werde ich leider nicht haben, aber egal, Hauptsache raus auf See. Zugegeben, das größte Schiff  ist die Nonsuch immer noch nicht, und sollte das Wetter so aussehen, dass es pausenlos nur auf die Nase gibt, dann fahre ich ob der begrenzten Zeit lieber woanders hin als nur auf Helgoland zu sitzen und auf bessere Bedingungen zu hoffen, aber Träume sind ja auch da um sie zu leben. Und meiner soll jetzt eben Rund England sein. Auch wenn der Wind vielleicht mich am Ende in eine völlig andere Richtung wehen sollte. 🙂

Bis es dann in wenigen Wochen losgehen kann muss noch mal richtig geackert werden und auch am Boot sind noch einige Anpassungen wieder nötig. So richtig glauben kann ich es auch noch nicht, dass ich noch einmal Zeit für eine große Segelreise haben soll, aber welche Vorwürfe könnte man sich in einigen Jahren machen wenn man so eine Gelegenheit nicht beim Schopfe greift! Dass die Zeit der Vorbereitung so kurz ist, ist mir egal, so hat man wenigstens keine Zeit um ins Grübeln zu kommen. Rund England ich komme! Wenn alles glatt läuft geht es am 1. Juli los!

Über diese Reise werde ich hier in gewohnter Manier so aktuell und ausführlich wie möglich berichten. Würde mich freuen wenn ihr mich wieder einmal  auf meinen Reisen mit Nonsuch begleitet. (Die würde sich übrigens auch freuen hat sie mir letztes Wochenende erzählt 😉 )

 








 

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Frühlingserwachen auf dem Fuselfelsen

Der Saisonanfang ist ja schon für sich immer etwas besonderes. Letztes Jahr habe ich ihn mit Ostern, Geburtstag und Weihnachten auf einem Tag verglichen. Wenn dann das Wetter auch noch das erste Mal seit 5 Jahren gleich einen Saisoneröffnungstrip nach Helgoland zulässt geht es schon fast nicht mehr besser. Bis einen alte Erinnerungen noch einen neuen Plan dazu schmieden lassen….

Aber mal von Anfang an. Fast schon etwas widerwillig geht es morgens in Cuxhaven los. Die Morgen sind noch eiskalt und vor allem hat sich mein Biorhythmus noch nicht wieder an die Segelsaison gewöhnt. Obwohl ich ein ausgewiesener Langschläfer und eine Nachteule bin, bin ich an Bord im Sommer meistens schon um 7 wach und dafür spätestens um 23h in der Falle, wenn nicht noch irgendwelche feuchtfröhlichen Fachgespräche dazwischen kommen. Richtige Rentnerzeiten also. Und jetzt lässt mich die 0800 Brückenöffnung Samstag früh schon etwas grummeln. Lange dauert die Gewöhnungsphase jedoch nicht. Endlich bewegt sich das Boot wieder, der Motor läuft, die sanften Bewegungen der Nonsuch fühlen sich gleich vertraut und wohlig an. Dass die Nordsee spiegelglatt ist und die Temperaturen kaum mal über 8 Grad steigen, stört da gar nicht. Immerhin scheint die Sonne. Und endlich wieder draußen!

Gegen Mittag erhebt sich langsam die felsige Kulisse von Helgoland über den Horizont. Auch wenn man das Ganze als Elbsegler schon Dutzende Male gesehen hat, ist es doch immer wieder ein besonderes Erlebnis: Keine flache Düneninsel am Horizont, sondern auf einmal taucht ein 50m hoher Klotz von Felseninsel aus dem Dunst auf. Ein ungewöhnliches Bild an dieser Küste, denn Helgoland ist die einzige Felseninsel an der Deutschen Nordseeküste und nebenbei noch die Einzige Hochseeinsel, mehr als 30 Seemeilen von jeder anderen Küste entfernt. So kommt jedes Mal ein bisschen echte Seefahrtsstimmung auf wenn Cuxhaven am Horizont verschwindet und erst einige Zeit späte Helgoland vor einem auftaucht. Zumindest für ein paar Stunden. Und das ist der erste Grund weswegen Helgoland bei Seglern so ein beliebtes Ziel ist.

Der zweite wird an Land schnell offensichtlich. Auch die Landschaft ist in der näheren Umgebung einmalig. Der Hafen ist keine langweilige Marina sondern wird von Schiffen aller Art frequentiert. Dadurch ist die Stimmung sofort so angenehm maritim, selbst wenn 10er Päckchen hier in der Hochsaison eher Regel als Ausnahme sind. Es sieht hier auch nicht so typisch urig und antik wie z.B. oft in Dänemark aus; im Hafen eher fast schon industriell, trotzdem kommt hier draußen weit weg vom Festland sofort Urlaubsstimmung auf. Schnell fällt der Blick auch auf die kleine Nebeninsel namens „Düne“, welche als Badeinsel und Kinderstube für Hunderte Seehunde und Kegelrobben fungiert. Hier kommen vor allem die Naturfreunde auf ihre Kosten. Doch über allem thront das Oberland. Selbst Teile des Inseldorfes liegen auf dem bis zu 50m hohen roten Felsenplateau. Wer zum Brötchenholen oder in die Kirche hinauf will muss jedes Mal den Aufzug oder die Treppe nehmen. Auf dem Oberland lässt sich dann mit einer herrlichen Aussicht auf die aus der Deutschen Bucht in die weite Welt ausfahrenden Dampfer spazieren gehen. Dabei lernt man nebenbei auch noch viel über die bewegte Vergangenheit der Insel, die bis ins 20. Jahrhundert hinein zu England gehörte. Besonders eindrucksvoll sind die mittlerweile zugewachsenen Bombenkrater die von der Verwüstung in den Weltkriegen zeugen, welche fast bis zur Zerstörung der ganzen Insel und ihrer zeitweisen Unbewohntheit führten. Auch Geschichtsfreunde werden bei den zahlreichen Zeitzeugnissen hier auf ihre Kosten kommen.

Kommen wir nun zum Dritten Grund warum so viele Segler einen Trip nach Helgoland planen. Bei jeden Seefahrer an Nord- und Ostsee hat sich ein Spitzname für Helgoland eingebürgert: Der Fuselfelsen. Und das nicht nur bei Seglern. Den Namen kannste bei jeden Hafenmeister erwähnen, jeder wird sofort wissen was du meinst. Das ganze rührt daher, dass Helgoland eine steuerliche Sonderzone ist. Es gibt keine Mehrwehrtsteuer, und ich glaube einige andere Steuern fallen ebenfalls weg. So kostet der Liter Diesel beispielsweise nur 81 Cent.


Diese Besonderheit hat dazu geführt, dass fast die gesamte Insel vom Duty-Free Geschäft mit den Tagestouristen lebt. Das Dorfzentrum besteht fast ausschließlich aus Pafümerien, Schnapsläden, und Tabak-und Süßigkeitenverkäufern wie an jedem internationalen Flughafen. Nur in einer nie dagewesenen Fülle! Es soll auf der Insel vorkommen, dass die Dame des Hauses eine Parfümerie führt, er den angeschlossenen Schnaps- und Tabakladen, und dass der heimische Keller noch als Lager missbraucht wird. Selbst für den örtlichen Juwelier gilt die Mehrwertsteuerbefreiung. So kommt es dann, dass nicht nur die Tagestouristen sondern auch die Segler ihre Zollfreimengen gerne ausnutzen und ihr Schiff….ähem…“ausrüsten“. Ein weiterer Vorteil von einem Trip nach Helgoland gleich zu Beginn der Saison, können so doch die im Winterlager beim Arbeiten wegkondensierten Restvorräte wieder aufgefüllt werden. 😉

Im Hochsommer, wenn bis zu 7000 Tagestouristen die Insel bevölkern, bleiben die meisten Segler tagsüber zwischen 12 und 16 Uhr einfach auf den Booten und schauen sich die danach wieder leergefegte Insel in Ruhe an. Jetzt im frühesten Frühling ist es den ganzen Tag über angenehm leer. Selbst der Bäcker hat am Sonntag noch geschlossen. So schlendern wir ganz entspannt über die Insel, freuen uns an den ersten Sonnenstrahlen des Tages und beschließen den Tag mit einem kleinen Abendessen.

Anschließend darf ein kleiner Verdauungsspaziergang nicht fehlen. Und wo ginge das auf Helgoland besser als auf dem Oberland. Also die 181 Treppenstufen hochgetigert (als ob das zur Verdauung nicht gereicht hätte!) und einmal die große Runde gelaufen. Vorbei am riesigen Leuchtturm mit dem stärksten Feuer des ganzen Landes, Kleingärten, Vogelkolonien, grasenden Schafsböcken mitten auf dem Spazierweg bis an den Rand der Klippen mit  Blick über die Felsenstele „Lange Anna“, dem Wahrzeichen der Insel, und raus aufs Meer in den Sonnenuntergang.

Doch ich war nicht zum ersten Mal hier. Wie wir so die Szenerie, die Meeresluft und das Kreischen der Möwen genießen, fällt mir ein Gespräch mit meinem Papa wieder ein, mit dem ich genau an dieser Stellle bei meinem letzten Saisoneröffnungstrip nach Helgoland vor fünf Jahren hier stand. Und just dann begann sich in meinem Kopf eine neue Idee zu formen…
























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Mein Winterprojekt: Das neue Teakdeck

Ich gehöre zu den Menschen die auch im Winter ihr Boot nicht lange alleine lassen können. Manchmal habe ich fast das Gefühl ich verbringe fast genau so viel Zeit in der Winterlagerhalle wie im Hafen. Oft sitzt man auch einfach nur auf dem Boot rum, beschäftigt sich mit sinnlosen „Arbeiten“ und träumt dabei vom letzten und vom nächsten Sommer. Trotzdem fließt aber auch jeden Winter richtig viel Arbeit ins Schiff. Mindestens ein großes Projekt nehme ich mir jeden Winter vor, und habe die Nonsuch so in den letzten Jahren zum echten Schmuckstück gemacht. Zumindest finde ich das ;)

Dieses Jahr war dann mal wieder ein richtiger Hammer dran. Das Teakdeck der Nonsuch hat mit den Jahren gelitten. Immer öfter trocknete es nach Regen und Tau unregelmäßig, es blieben kleine Feuchtigkeitsnester an den Rändern einiger Fugen. Ein sicheres Zeichen, dass die Fugenmasse hier ihre Haftung verliert. Wenn das Deck nicht leiden und Feuchtigkeit in den Unterbau sickern soll muss jetzt was passieren. Also stand die Erneuerung des Decks mit neuen Fugen, neuen Schraubenpropfen und allem Pipapo an. Da ich selbst im Internet nur wenige brauchbare Anleitungen gefunden habe möchte ich hier für Nachahmer mal einen kleinen Überblick über den Aufwand, einiges an  benötigtem Spezialwerkzeug und die Arbeitsschritte geben. Ich habe als ambitionierter Hobbyhandwerker etwa 8-10 volle Wochenenden für die Arbeiten ohne Trödeln gebraucht. Eine leere Halle ist von Vorteil, denn dann hört niemand die vereinzelten Flüche und Verwünschungen. ;)

Zuallererst müssen sämtliche Beschläge abgebaut werden und die alte Fugenmasse raus. Es gibt viele Meinungen wie das am Besten funktioniert, doch für mich hat am Ende eine Kombination des elektrischen Fein Multimasters mit dem Fugenmesser und einem Anschlag zur sauberen Führung und einem speziellen Fugenhaken gut funktioniert. An engen Stellen wie den Butten auf dem Vordeck kam zusätzlich noch ein Skalpell zum Auftrennen und ein Dremel zum Einsatz. Am wichtigsten war letztendlich jedoch der Fugenhaken. Dieser hat 3 scharfe Kanten und funktioniert wie eine Mischung aus Unkrauthaken und Hobel. Vor allem für exaktes Arbeiten und ein leichtes tiefer Hobeln der Fugen ist der Fugenhaken fast unverzichtbar für diese Arbeiten. Sollten die Fugen flächendeckend weniger als etwa 4mm Tiefe haben kommt man um den Einsatz einer Oberfräse kaum herum, da die Fugenmasse für eine gute Haftung mindestens diesen Platz an Klebefläche braucht, für partielle Vertiefungen wie bei mir hat die Methode mit dem hobelnden Fugenhaken allerdings gut funktioniert. Für die Vorbereitung habe ich am Ende etwa 5 Wochenenden, also den Großteil der Zeit gebraucht.

Danach kommt die Vorbereitung für die neue Fugenmasse. Zuallererst müssen jetzt die Flanken der Fugen von letzten Rückständen der alten Fugenmasse befreit und geschliffen werden um eine gute Haftung der neuen Masse sicherzustellen. Auch hier hat sich wieder eine Kombination aus Maschinen- und Handarbeit bewährt. Ein Schleifaufsatz für den Multimaster und ein spezieller Schleifklotz zum Anschleifen der Fugen kamen zum Einsatz. Letzterer genau wieder wie der Fugenhaken ein Spezialwerkzeug welches man vermutlich selten sonst brauchen wird, für diese Arbeiten aber fast unverzichtbar ist. Gleichzeitig habe ich es für sinnvoll gehalten das Deck bereits jetzt einmal grob anzuschleifen. Beim Neuverfugen arbeitet man großzügig und mit viel Überstand und die Fugenmasse könnte sich in die durch Abnutzung und Verwitterung entstandenen Riefen im Holz setzen. Das später wieder rauszukriegen wird deutlich anstrengender als das Holz vorher etwas zu glätten. Also erst mal ein schneller Schleifgang. Außerdem kann man dann auch besser abschätzen wieviele Teakpropfen neu zu setzen sein werden, da einige bestimmt jetzt noch wegfliegen werden.



Anschließend werden die Fugen mit Aceton entfettet. Auch hier hilft der Fugenschleifklotz „Seam Sander“ oder alternativ ein Esstäbchen aus Holz weiter, da hiermit recht leicht ein mit Aceton getränkter Lappen durch die Fugen und wirklich bis in die letzte Ecke geführt werden kann. Als letzter Vorbereitungschritt wird nun ein Fugenband in die gesäuberten Fugen eingelegt. Dieses dient dazu zu verhindern, dass die Fugenmasse auch am Boden haftet. Dadurch kann sie sich bei wechselnden Wetterbedinungen nämlich weniger bewegen und leidet deutlich mehr. Auch wenn heute oft vertreten wird bei modernen Fugenmassen sei das nicht mehr zwingend notwendig beeinflußt es die Haltbarkeit der Fugen doch deutlich. Doch hier muss ich euch warnen, dieses Sch**&$s-feine Klebeband ist echt widerspänstig und dröselt sich wie Geschenkband auf. Am besten drückt man es mit einm dünnen Schlitzschraubenzieher auf den Boden der Fuge. Vereinzelte Wutausbrüche sind dennoch fast garantiert ;)

Doch von nun an wird es langsam angenehmer. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben sich die Teakpropfen über einzelnen Decksschrauben gelöst und müssen erneuert werden. Häufig müssen die Schrauben auch noch tiefergelegt werden. Nicht um den Coolnessfaktor zu steigern, sondern weil ein Teakpropfen mindestens 3-4mm Platz haben sollte. Dazu einfach die Schraube ausbohren, mit einem Forstnerbohrer (gibts im Werkzeughandel) das Loch vertiefen, und die Schraube wieder einsetzen. Habe ich vorher auch noch nie gemacht, ist aber wirklich kein Hexenwerk. Die neuen Propfen werden anschließend mit Resorcinharzleim (Ich habe Bindan CIN verwendet, da die dunkle Farbe später wenig auffällt) oder wasserfestem PU Leim wieder eingesetzt. Das abschließende Kürzen der überstehenden Propfen habe ich übrigens nicht wie von Puristen vorgeschlagen mit einem Stecheisen, sondern wegen der geringeren Gefahr etwas kaputtzumachen mit einem feinen Sägeblatt gemacht. Und nun kommt aber der Höhepunkt:

Die neue Vergußmasse kommt in die Fugen. Allein die Auswahl der Vergußmasse ist heillos umstritten. Ich habe mich nach etwas Recherche für TDS 440 entschieden. Erschien mir einfach am hochwertigsten und einfachsten zu verarbeiten, da kein Primer notwendig war und der Kram bereits ab 5 Grad aushärtet.
Die Fugen werden dann großzügig vom Boden aus aufgefült und die Vergußmasse mit einem Spachtel mit leichtem Druck zusätzlich in die Fuge gedruckt. Dabei muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Fugenmasse während der Aushärtung minimal schrumpft, man sollte den Spachtel also nicht direkt auf das Deck aufsetzen und fest drücken, sondern einen leichten Abstand wahren. Ähnlich wie beim Streichen ist dieser Arbeitsabschnitt übrigens der kürzeste. Für das Deck der 26ft großen Nonsuch habe ich 12 600ml Kartuschen benötigt.

Nachdem das Ganze gut durchgetrocknet ist kommt nun der Höhepunkt. Die überstehenden Fugen werden abgestoßen. Dazu habe ich ein Schneideblatt für den Multimaster verwendet. Für die überstehenden Teakpropfen analog dazu ein feines Sägeblatt. Leider kann es abhängig von Alter und Zustand des Teaks hier leicht passieren, dass man leichte Späne aus den Decksstäben schlägt. Die Späne am besten aufheben und sofort mit dem selben Kleber der für die Teakpropfen zum Einsatz kam wieder einkleben.
Und nun kann man zum ersten Mal erahnen wie schön das Deck nach Abschluss der Arbeiten aussehen wird, denn der nächste Schritt folgt sogleich: Das Abschliefen der letzten Reste. Ich habe zwei Schleifgänge durchgeführt, einen mit K80 und einen mit K100. Glatter sollte das Deck eigentlich gar nicht werden, um seine Rutschfestigkeit nicht einzubüßen.

Nun wird man wahrscheinlich erstmal einige Zeit schmachtend vor dem aufgearbeiteten Deck stehen. In den allermeisten Fällen ist die Arbeit aber noch nicht vorbei, es sei denn ihr seit echte Naturtalente. Es ist seht wahrscheinlich, dass sich einige Luftblasen gebildet haben, oder die Fugen nicht überall perfekt an der Stabflanke haften. Solche Stellen habe ich anschließend mit einem Skalpell so weit wie nötig aufgetrennt, gesäubert, und mit einer Spritze ohne Nadel noch einmal neu verfugt. Wenn man exakt arbeitet lassen sich große Sauereien hierbei allerdings ganz gut vermeiden. Auch einige Propfen könnten eventuell noch nachgearbeitet werden müssen. Ich würde etwa ein Wochenende, also 2 volle Arbeitstage für Heimwerker für solche Nacharbeiten einplanen.

Nun müssen nur noch sämtliche Beschläge wieder montiert und eventuelle Abschlußfugen zum Decksaufbau oder Deck hin gezogen werden. Für diese sollte allerdings nicht die Teakdeckvergußmasse, sondern ein normaler MS Polymer Kleber verwendet werden. Einfach aufgrund der deutlich höheren Haltekraft…

Und nun könnt ihr euch ein Bier aufmachen und dem Frühjahr entgegensehen. Viel Aufwand liegt hinter euch, aber der Anblick des messetauglichen Decks im Wasser ist alle Mühen wert und die nächsten Jahrzehnte Benutzung können kommen! Ich hoffe ich konnte euch mit dieser kleinen Anleitung aus Laienperspektive ein wenig helfen und euch dazu motivieren auch euer Teakdeck aufzumöbeln. Es lohnt sich! Wenn ihr noch weitere Fragen habt, stellt sie gerne in den Kommentaren ;)

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