Archiv der Kategorie: Sailing Nonsuch

It´s done! Round Britain 2017

Es ist geschafft! Am 9.10. bin ich nach 2.200 sm wieder in Cuxhaven eingelaufen. Great Britain ist umrundet.

Trotz des schlechtesten Sommers aller Zeiten habe ich meine beiden Traumziele, die Horizont hinter Helgoland und Kilmore Quay in Irland erreicht. Ich habe die Nordsee Nonstop überquert, bin durch Schottland gebummelt, habe Belfast und die Isle of Man erkundet, die Menai Strait in Wales durchquert, meiner alten heimat Irland einen Besuch abgestattet, habs mir in der britischen Kraibik der Isles of Scilly gutgehen lassen, die alten Hafenstädte Englands erkundet, Muscheln in Frankreich, Pommes in Belgien, und Kibberlinge in Holland gegessen.
Es war nicht immer ein einfacher Törn, aber voll von genialen und lehrreichen Erlebnissen.

Einen genaueren Bericht der letzten Tage gibts später noch. Erstmal duschen und ausschlafen ;-)

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Einmal quer durch Holland

Bei feinem Segelwetter verließ ich Belgien in Richtung Holland, das letzte Land auf meiner kleinen Reise und ich hoffte so viel wie möglich davon erleben zu können.
Nachdem ich die verkehrsreiche Westerschelde passiert habe geht es durch die Rompootschleuse hinein in das zeeländische Wasserlabyrinth. Also zumindest war das geplant, denn erstmal hielt mich die Schleuse auf. So hatte ich aber die Zeit schon im ersten Moment einen kleinen Einblick von Holland zu bekommen. Jeder kennt die Clichees vonZugbrücken und Windmühlen, doch auch heutzutage sind die Holländer herausragende Wasserbauer. Irgendwann im letzten Jahrhundert wurde nicht nur die Zuidersee (heute Ijsselmeer) sondern auch deben hier die Oosterschelde komplett eingedeicht und dadurch ein ganz neues Revier geschaffen. Durch den monströsen Deich führt nun eben diese Rompootschleuse, überspannt von einer riesigen Brücke durch die selbst größere Segler noch passen. Ein sehr betonlastiger aber imposanter erster Eindruck von Holland.
Als die Schleuse endlich wieder lief ging es in den Hafen auf der anderen Seite wo ich einen multinationalen Abend in Holland mit Belgiern und Franzosen auf einem dänischen Boot verbrachte.

Obwohl es möglich wäre ganz Holland von der belgischen Grenze bis zur Ems mit stehendem Mast binnen zu passieren, ging es erst einmal weiter an der Küste lang. Das Wetter passte so schön. Sonne, eine feine Backstagsbrise und der Geruch von Salzwasser. Balsam für die Seglerseele. Doch noch ahnte ich nicht, dass es der vielleicht letzte sommerliche Segeltag des Sommer werden sollte…

Vorbei ging es an der Hafeneinfahrt von Rotterdam, wo der Verkehr über Funk wieder so exakt und lückenlos wie Flughafen geführt wurde, in das Seebad Schweveningen. Da es auf mich irgendwie nicht so wirklich einladend wirkte ging es nach einem nur kurzen Stop wetter- und tidebedingt in morgens in aller Frühe weiter. Als Entschädigung für den Schlafentzug hatte ich dafür einen traumhaften Sonnenaufgang auf See für mich alleine.

Kurz vor Ijmuiden zog sich der Himmel dann aber zu und es fing an zu regnen. Mit einem mal war die leichte Backstagsbrise nicht mehr so toll, denn wenn der Wind von hinten kommt regnet es immer so schön in die Kajüte und man kann sich nicht mehr hinter der Sprayhood verstecken. Aber egal, muss man eben durch.
In Ijmuiden mündet der Nordzeekanal in die Nordsee (wär man jetzt nicht drauf gekommen, oder?). Über diesen kommt man nach Amsterdam und schließlich ins Ijsselmeer. Da in den nächsten Tagen ihnehin mehr oder weniger Flaute herrschen soll, entscheide ich mich von hier an den Binnenweg zu probieren. Einfach um ein wenig mehr von Holland zu entdecken. So biege ich hier also ab, tucker durch die riesigen Schleusen, wo die Holländer im Gegensatz zu unserer Ministerialbürokratie es im übrigen hinkriegen innerhalb von 2 Jahren die größte Schleuse der Welt einfach mal so zu bauen (Hallo NOK!), und weiter nach Amsterdam. Die Anfahrt auf Amsterdam ist einer Großstadt entsprechend ein besonderes Erlebnis. Immer dichter wird die Bebauung am Ufer des Kanals bevor man schließlich mitten im Stadtzentrum von Amsterdam, direkt gegenüber des Zentralbahnhofes im Sixhaven festmacht. Ein fast schon legendärer Yachthafen, welcher im Sommer aus allen Nähten platzt. Jetzt, Ende September ist es ruhig. Laut Hafenmeister werden „nur“ alle Stege voll. Na dann…
Er sollte Recht behalten, und doch bleibt die Atmosphäre in dem kleinen grünen Hafen mitten im Stadtzentrum überraschend ruhig und familiär. So kann ich Nonsuch beruhigt alleine lassen und die Stadt Amsterdam erkundigen. Tja, was soll man in einem Segelblog groß über Amsterdam erzählen. Ganze Bücher würden sich über diese Stadt füllen lassen. So schlendere ich dann zunächst auch ohne festes Ziel einfach durch Straßen und Grachten und lasse mich einfach treiben. Nett anzusehen, chaotisch, traditionell und modern zugleich. Ich denke das trifft es am besten. Und genau wie viele britische Städte hat sich Amsterdam sein der goldenen Zeit des 17. Jhd. entstammendes Stadtbild weitgehend zu erhalten. In diesen Jahren ist die Stadt nämlich durch den Handel, vor allem der Ostindienkompanie groß und mächtig geworden. Schon damals konkurrierte sie vor allem mit London und Großbritannien. Damals um Handelsplätze und die Macht auf dem Meer, heute um die Gunst von Touristen. So verwundert es nicht, dass mich hier vieles an die Zeit im Vereinigten Königreich erinnert. Die Eindrücke bleiben…

An einem Sonntag verlasse ich Amsterdam in Richtung Ijsselmeer. Ein Fehler, denn halb NRW scheint sich ebenfalls auf dem Rückweg zu den Heimathäfenvom Wochenendausflug zu machen. Nachdem es in den letzten Wochen ja stetig leerer und leerer in den Häfen wurde, ist es auf den Fahrwassern und in der Schleuse auf einmal proppenvoll. Wie mag das hier nur im Sommer aussehen…

Doch es kommt noch härter. Der Dunst des Morgens verdichtet sich bald zu richtig fettem Nebel. Die Fahrt zu verlangsamen, Ausguck zu halten und Signale zu tröten halten aber die wenigsten für nötig. Irgendwann passiert mich dann eine fette deutsche Yacht ohne Radar nur wenige Meter an Achtern in voller Fahrt unter Motor. Auf meinen Scheibenwischer entschuldigt man sich in breitestem Kölsch, dass man dringend nach Hause müsse.  Das geschützte und schöne Revier scheint einige komische Sitten zu produzieren.
Die alten Städte am Ijsselmeer sind dafür umso schöner. Hoorn und Enkhuizen, wo ich Station mache, sind ebenfalls im Schatten von Amsterdam zur Zeit der Ostindienkompanie zu Reichtum gekommen. Vielleicht ist Holland nirgendwo so lieblich und typisch wie hier. Kleine Stadthäfen, Traditionssegler, weiß gestrichene Klappbrücken, alte Häuser sowie Pommes und Frikandel am Hafen. Mehr Holland geht nicht und so verbringe ich einige sehr erholsame Tage in diesen Gewässern. Ohne Starkwind, ohne echten Seegang und Untiefen wird mir jetzt so richtig bewusst wie anstrengend Britain manchmal war.

Eigentlich wollte ich hinter den Ostfriesischen Inseln wieder auf die Nordsee segeln und weiter Richtung Heimat schippern. Doch es kommt mal wieder anders. Mittlerweile hat sich kräftiger Ostwind eingestellt. Also mal wieder genau die Richtung in die ich will. Doch hier gibt es einen Ausweg und in der kleinen Hafenstadt Harlingen tauche ich ein die Staande Mastroute und die friesischen Kanäle. Von hier geht es binnen durch bis an die Ems. Wie bei den Kanalpassagen so oft habe ich es anfangs nur als verkehrlichen Ausweg gesehen und war am Ende überrascht wie viel es unterwegs doch zu entdecken gibt. Nicht auf den ersten Metern von Harlinen bis zur friesischen Hauptstadt Leeuwarden zwar, da der Kanal dort eher einem Industriekanal ähnelt, doch ab dort geht es richtig los. Es geht mitten durch die Stadt Leeuwarden hindurch wo man in den alten Wallanlagen der Stadt wie im Park liegen könnte. Für einige der vielen Brücken muss man ein kleines Entgelt bezahlen. Das passiert hier stilecht indem man die Münzen in einem von einer Angel heruntergelassenen Holzschuh legt. Wie im holländischen Heimatfilm.

Hinter der Stadt wird es erst so richtig schön. Der Kanal ist hier eher ein kleiner Fluss, windet sich durch Wälder, Wiesen und kleine friesische Dörfer wie aus dem Bilderbuch. Die vielen Brücken öffnen sich oft schon bei Annäherung wie von Geisterhand, so dass man nicht mal auskuppeln muss. Der Wassersport genießt offenbar einen hohen Stellenwert in Holland, denn auch die Polizei muss schon mal wegen einer kleinen Nuckelpinne unter der Brücke warten…
In der kleinen Stadt Dokkum mache ich für die Nacht direkt unter einer Windmühle fest. Mal wieder wie im Film. Viele verlassen die Staande Mastroute bei der ersten Gelegenheit in Lauwersoog ein paar Stunden hinter Dokkum. Ein Fehler, denn die Landschaft wird danach mit jedem Meter schöner. Die Strecke bis Groningen durch das wilde und mangrovengleiche Lauwersmeer und das Flüsschen Reitdiep ist der vielleicht schönste Abschnitt des Kanals. Und auch die Passage mitten durch die quirlige Studentenstadt Groningen mit ihren zahlreichen Brücken dauert zwar seine Zeit, ist aber echt interessant.


Nach einer Nacht in Groningen wird der letzte Abschnitt bis Delfzijl zwar wieder etwas langweiliger und gradliniger, geht aber schnell vorbei. Da Delfzijl ungefähr so viel Industrie und Charme wie Hamburg Billwerder hat, folge ich dem Rat zweier einheimischer und folge ihnen in den kleinen Sielhafen Termutnerzijl auf der Ems. Die Kutter knarzen friedlich umher, die Schafe auf dem Deich bähen, und dahinter kann ich am anderen Emsufer schon Deutschland erkennen. Es ging einmal quer durch Holland und ich habe wirklich das Gefühl einen Eindruck bekommen zu haben. Und nun freue ich mich auf die Heimat. Noch, wie sich bald herausstellen sollte….

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Kulturschock – Die Rückfahrt beginnt

Ich wusste von Karten und Erzählungen ja, dass Dover und Frankreich nah beieinander sind, aber wie nah – das hat mich dann doch überrascht. Gefühlt ist die französische Küste näher als Brunsbüttel wenn man in Cuxhaven an der Alten Liebe steht. Dafür ist noch mehr Schiffsverkehr als auf der Elbe. Die Fahrt durch das Verkehrstrennungsgebiet, quasi die Autobahn der Meere, wird zum Slalomlauf. Selbst als ich schon in Wurfweite der französischen Küste segle und mit ein wenig Wehmut die britische Gastlandflagge einhole, kann ich die Weissen Kliffs von Dover noch klar am Horizont erkennen. Wenige Stunden später mache ich in Dunkerque oder Dünkirchen fest und bekomme einen kleinen Kulturschock: Nach fast 3 Monaten in Großbritannien hat man sich irgendwie dran gewöhnt, dass jeder Englisch spricht und man alle Schilder versteht. An meinem ersten Abend in Frankreich muss ich nicht nur einmal kurz nachdenken und mich irgendwie verständlich machen.  Dafür sind die Hafenpreise nach 3 Monaten in England aber endlich wieder auf menschlichem Niveau. Da langen die Briten richtig zu. Fairerweise muss man allerdings auch dazu sagen, dass deutlich mehr Leistung geboten wird als anderswo.

Viel hier gibt die Stadt leider nicht. Dunkerque ist eine mittelgroße Hanfenstadt ohne viele große Highlights. So lasse ich mich einfach ein wenig um die Hafenbecken treiben und schaue mich um. Leider leidet das Frankreichfeeling darunter, dass ich den ganzen Nachmittag über keinen Akkordeonspieler gehört habe…
Etwas anderes fällt mir aber an der Promenade auf: Die Dünen. Egal wo ich mich in England herumgetrieben habe, fast überall sind die Küsten ziemlich felsig. Strände gibt es oft nur zwischendurch mal. Hier am französischen Kanalstrand fällt die Promenade ohne Deich oder Mauer nun aber flach ins Meer hinein ab. Nur einige Dünen mit dem typischen Strandhafergeruch säumen das ganze. Auch geologisch scheint Großbritannien eine völlig andere Welt zu sein…
Ich beschließe meinen Besuch in Frankreich mit dem wofür ich eigentlich hier her gekommen bin: Moules Frites, Miesmuscheln im Sud mit Pommes mit Blick auf die hier beginnende Nordsee. Bienvenue a france!

Frankreich hält mich jedoch nur kurz fest. Pünktlich zum Ende meines Großbritannienbesuches scheinen sich ein paar Tage angenehmes Wetter in Folge einzustellen und so geht es nach „nur“ einem Hafentag weiter in Richtung Belgien. Die belgische Küste ist für Segler so eine Sache. Sie ist fast schnurgerade ohne irgendwelche Buchten oder Einschnitte. Die Häfen sind bei auflandigem Wind oft nur schwer zugänglich und dazu laut Erzählungen und Bildern oft von Hochhäusern eingerahmt und hässlich. Über weite Strecken muss man dann auch noch vor der Küste Fahrwassern folgen um zahlreichen Sandbänken auszuweichen. Kurzum: Kein wirkliches Vergnügen. Auf den ersten Meilen scheint sich der Eindruck auch zu bestätigen. Wenigstens schiebt der Strom anständig. Doch als dann auch noch ein riesiger Küstenabschnitt wegen einer unangekündigten Schießübung der Armee gesperrt ist, ich etwa 12smm, also etwa 2,5h Umweg fahren muss und der Strom deswegen kentert und nun gegen mich ist, habe ich irgendwie schon fast genug von Belgien. Statt 2,5h mit Strom von hinten an der Küste rumzubutschern, kämpfe ich mich 5h gegenan. Eindrucksvolles Beispiel vom Stromsegeln.

Völlig entfernt komme ich, zum Glück noch kurz vor Dunkelheit, im Hafen von Zeebrügge an. Eigentlich gibt es dort nicht viel zu sehen. Zeebrügge ist kaum eine Stadt, sondern eigentlich nur ein riesiger Industriehafen. Eine freundliche Vereinsmarina gibt es aber dennoch. Vor allem habe ich mir Zeebrügge aber deswegen ausgesucht, weil direkt neben der Marina ein Zug in die alte Hansestadt Brügge fährt. Und ich dachte mir, dass wenn schon die belgischen Häfen allesamt unansehnlich sein sollen, dann schaue ich mich wenigstens eine nette alte Stadt an, um am Ende auch einen guten Eindruck von Belgien zu bekommen.

War ne gute Entscheidung. Der Zug fährt von Zeebrügge-Dorp direkt an den Rand der Altstadt von Brügge. Dort habe ich dann ein kleines Touri-Programm durch die Stadt gemacht. Mittelalterliche Altstädte gibt es ja nun zuhauf, doch die von Brügge ist erstens riesig, und zweitens tobt dort das Leben, und nicht nur Touristen. Das macht den Bummel besonders angenehm. Zwischenstops mache ich im Bier- und im Pommesmuseum. Ja, die Belgier sind so verrückt auf frittierte Kartoffeln, dass sie den Pommes nicht nur ein Museum, sondern sogar einen nationalen Verdienstorden gewidmet haben. Und ich muss, sagen, das Ergebnis kann sich sehenlassen. Obwohl ich Fish and Chips in jedem zweiten Hafen schon jetzt vermisse, sind die belgischen Pommes fast noch besser und ich kann meine Entzugserscheinungen ein wenig abmildern. Zum Abschluss noch ein paar belgische Pralinen auf einer Parkbank mit Blick auf den Entengarten eingeworfen, ein Verdauungsspaziergang durch die Festungsanlagen und zurück geht es zum Hafen.

So bin ich dann am Ende ziemlich versöhnt mit Belgien und (Zee)brügge. Völlig egal, dass die Häfen alle ziemlich mittelmässig sind. Ein Land dessen Kultur aus Pommes, Bier und Schokolade besteht. Besser kann es für Segler doch zumindest kulinarisch eigentlich gar nicht sein, oder?

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Dover – Was bleibt von Great Britain?

Ein weiteres Mal sollte das Wetter den weiteren Fahrplan bestimmen, aber daran bin ich ja schon gewöhnt. Ein akzeptabler Tag stand zur Verfügung, bevor es morgen Vormittag wieder anfangen soll zu blasen. Eigentlich hatte ich mir überlegt nur ein kurzes Stück über den Solent bis nach Portsmouth zu segeln um dort einige Starkwindtage zu verbringen. Doch irgendwie werden dieser Sommer und ich keine Freunde mehr. Auf einmal sollten es nicht mehr 2 oder 3 Tage, sondern gleich n ganze Sturmwoche werden. Normalerweise kann man sich auf Wetterberichte die weiter in die Zukunft reichen als 48h nicht verlassen, doch hier in England scheinen sie irgendwie bei solchen Prognosen leider Recht zu haben. Und so langsam sitzt mir die Zeit im Nacken. Gefühlt ist man ja schon halb zuhause wenn man die weißen Kliffs von Dover sieht, doch von dort sind es auch noch mal deutlich über 300 sm bis nach Hause in Cuxhaven. Und wenn ich jetzt eine Woche in Portsmouth festhänge wird das schon alles ziemlich eng bis Anfang Oktober zuhause zu sein. Also fasse ich einen etwas kühneren Plan:
In einem wird es von Cowes bis nach Dover durchgehen. Verpassen sollte ich laut den Revierführern unterwegs nicht allzu viel und das würde mich ein ganzes Stück nach vorne werfen, selbst wenn ich dann die volle Woche dort festhängen würde. Also Mund abwischen und los.

Es wurde eine besonders spannendes Fahrt. Morgens geht es mit herrlichem Wind den Solent entlang. Selbst jetzt Mitte September scheinen überall noch kleine Regatten stattzufinden. Die Sonne scheint, es geht gut voran und ich erkunde mit dem Fernglas die Umgebung. Ein feiner Segeltag so weit.
Doch einige Stunden später, lange nach dem ich den Solent bei Selsey Bill wieder verlassen habe ändert sich das Blatt. Über dem Ärmelkanal weit im Süden bilden sich innerhalb von Minuten hohe Wolkenberge und ziehen selbstredend in meine Richtung. Der Ärmelkanal zeigt mir mal richtig was er zu bieten hat. Die von achtern anrollenden Wellen werden immer höher, und nur mit dem Groß im zweiten Reff geht es mit über 6,5kn voran. . Dazu peitschender Regen und ein unsicheres Gefühl: Was mag da wohl noch kommen?In den vergangenen Tagen habe ich manchmal über meine vielleicht übertriebene Vorsicht selbst geärgert. Aber dieser Tag zeigt mir wieder einmal, dass ein sonniger ruhiger Segeltag hier innerhalb von MInuten entgegen aller Vorhersagen kippen kann. Und dann sollte man lieber nicht auf die letzte Rille geplant haben und einen Plan B in der Tasche haben. Lange Zeit überlege ich Dover sein zu lassen und einfach nach Brighton oder Newhaven zu fahren. Zwei Häfen die zwar schon verführerisch in Sicht liegen, aber wohl auch unspanndender für die kommende Woche sein würden. Und außerdem wäre es bis dahin auch noch einige Stunden zu segeln und die Ansteuerung scheint bei diesen Bedingungen unsicher. Irgendwann gebe ich mir einen Ruck und setze den neuen Kurs auf das Kap Beachy Head. Es geht also weiter Richtung Dover. Die Belohnung dafür dem nahen Hafen zu widerstehen lässt lange nicht auf sich warten. Püntklich zum Sonnenuntergang lässt der Wind nach. Endlich habe ich auch mal wieder Zeit einige Fotos zu schießen. Den ganzen Nachmittag über hatte ich andere Sorgen und pausenlos zu tun.


Was folgt ist eine ruhige Nacht entlang der Kentish Coast. Als die Sonne aufgeht liegt der riesige Hafen von Dover schon in greifbarer Nähe. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens an Fähren, Kreuzfahrern und Arbeitsschiffen meldet sich hier auch jedes noch so kleines Segelboot vor der Einfahrt in den riesigen Vorhafen über Funk an. Verkehrslenkung mit genauen Routenanweisungen wie am Flughafen. Der Aufwand lohnt sich aber, unklare Situationen gibt es so kaum. Von der Hafeneinfahrt bis zur Marina dauert es noch einmal eine halbe Stunde (!!). Glücklich und zufrieden dem Wetter ein Stück weggesegelt zu sein mache ich in der gut ausgestatteten Marina fest, melde mich noch schnell im 24h geöffneten Büro an und falle in die Koje. Als ich Mittags ausgeschlafen habe heult der nahende Sturm bereits im Rigg. Und ich bin trotzdem zufrieden, denn mehr hätte ich in den letzten 24h nicht erreichen können.

Leider ist Dover aber eine ziemliche Ernüchterung. Den Namen der Stadt habe ich seit Jahren und Wochen immer vor mit gehabt. Seit Jahren weil Dover für uns Kontinentaleuropäer eben Einfallstor Nr. 1 nach Großbritannien ist, und seit Wochen weil jede Gezeit, jede Stromangabe rund um die britischen Inseln sich immer auf die Hoch- und Niedrigwasserzeiten von Dover bezieht. Der Hafen ist ja auch nett, maritim und geschäftig. Aber der dahinterliegende Ort ist Dover ist ziemlich traurig. Bisher habe ich mich in fast jedem britischen Hafendorf wohlgefühlt. Ganz gleich wie weit ab vom Schuss es auch war, wie zum Beispiel Whitehills in Nordschottland, überall gab es freundliche Menschen, Herzlichkeit und alles wirkliche einladend (auch wenn die Häuser dort keine Farbe hatten ). Doch in Dover (Stadt) laufen nur komische Gestalten herum. Die Häuser sind heruntergekommen, die Pubs voll mit Spielautomaten wie eine Banhofssabsteige anstatt ´ner klebrigen Theke und Gemütlichkeit wie ein echter Pub eben. Ausgerechnet an diesem wichtigen Fährhafen und Einfallstor scheint der wirtschaftliche Erfolg eines vereinten Europas komplett vorbeigegangen zu sein. Dover scheint offenbar auch mit etwa 70% für den Brexit gestimmt zu haben. Wenn ich das hier so sehe…. komme ich ganz schön ins Nachdenken.

Schade eigentlich, dass ausgerechnet Dover mein letzter englischer Hafen war. Doch diesen Gedanken verdränge ich ganz schnell wieder, überwiegen doch die schönen Erinnerungen an die letzten Monate. Und irgendwie waren die letzten 24h auch ein Spiegelbild der Reise Round Britain. Entspannte Segeltage und Kampf mit den Elementen zu fast gleichen Teilen, aber auch die damit verbundenen Erfolgserlebnisse,  dramatische Natur und urige Häfen mit britischer Gemütlichkeit und Gastfreundlichkeit…. so wie Cowes. Und auch, dass ich am Ende tatsächliche eine ganze Woche mit Lage im Hafen liegen musste bevor es zurück in Richtung Kontinent geht, gehört irgendwie dazu.

Als ich die weißen Kliffs von Dover (definitiv der schönste Teil der Stadt!) hinter mir lasse blicke ich somit auf nicht immer nur auf einfache und entspannende, sondern auch anstrengendem manchmal sogar frustrierende, immer aber lehrreiche, aufregende und spannende Erlebnisse zurück. Eigentlich genau das was man von einer Reise Round Britain erwarten kann. Und so mache ich mich zufrieden auf die Rückfahrt…

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Cowes – The Home of Sailing

Gefühlt hatten wir uns in Weymouth kaum schlafen gelegt, als der Wecker schon wieder klingelte. Einen wettertechnisch brauchbaren Tag sollte es noch geben und da Papa morgen wieder fahren muss wäre es doch toll, wenn wir es vorher noch in die Welthauptstadt des Segelns, nach Cowes im Solent, schaffen würden. So ging es bereits vor Sonnenaufgang wieder raus auf See.

Erster Prüfstein des Tages ist das Kap St. Albans Head. Ich versuche mich das erste Mal an einer Inshore Passage. Die Overfalls, die die Ströme rund um das Kap produzieren, reichen oft mehrere Meilen weit raus. Wegen der knappen Zeit würde ich solche Umwege heute gerne vermeiden. Bei moderaten Bedingungen gibt es nämlich noch eine zweite Möglichkeit: Ganz dicht unter Land, also nur so etwa 100m unter dem Kap, finden sich meist auch keine Overfalls. Und so gucke ich pausenlos auf die 150m hohen Klippen die nur wenige Meter von Nonsuch entfernt in den Himmel ragen während es mit über 10kn über Grund vorwärts geht. Ein Erlebnis der besonderen Art. Als ich im Kopf noch denke wie aufregend das war, blicke ich nach Steuerbord und sehe die tobenden Overfalls in nur wenigen hundert Metern Entfernung. Es ist wirklich irre was hier selbst bei guten Bedinungen abgeht. Die Ströme sind gar nicht viel schneller als in der Elbe oder so, aber die Bedingungen, die sie verursachen sind echt irre.

Auch als wir die vielleicht bekannteste Landmarke der englischen Südküste, die Needles im Westen der Isle of  Wight, passieren, müssen wir wieder durch so ein Stromtor. Auch hier hat man das Gefühl, das Meer würde sich in einem kochenden Top Nudelwasser befinden. Obwohl wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, wird Nonsuch kräftig durchgeschüttelt. Doch nur wenige hundert Meter weiter sind wir wie in einer anderen Welt. Wir sind im Solent angekommen. Dieser geschützte Meeresarm zwischen dem Festland und der Isle of Wight ist das Segelrevier Nummer 1 in Großbritannien. Und nebenbei auch eigentliche Heimat des Segelns zu Vergnügungszwecken. Warum hier viel gesegelt wird verstehe ich sofort. Nachdem wir die Barren des Needles Channel hinter uns gelassen haben, ist das Meer auf einmal ruhig wie auf der Schlei. Keine 1,5m Hintergrundseegang tagein tagaus wie in den letzten Wochen. Einfach geschütztes Segeln ohne viel Welle. Wie entspannend nach den letzten paar hundert Meilen!


Landschaftlich habe ich mir den Solent aber spektakulärer vorgestellt: Nach den imposanten Küstenformen der letzten Tage mit Klippen und Kaps wirken die flachen Wälder und Spuren von Industrie eher wie die Elbe bei Hamburg. Aber naja… liegt wohl an meiner Reizüberflutung der letzten Monate…

Kurze Zeit später sind wie angekommen in der Segelstadt schlechthin. Cowes auf der Isle of Wight. Heimat der Cowes Week, des Fastnet Race, und der Royal Yacht Squadron, dem königlichen Segelclub Englands. Hier wird schon seit mehreren hundert Jahren um die Wette gesegelt. Der Cowes Yacht Haven ist fast den ganzen Sommer von einer Regatta nach der anderen belegt. Doch nun, im September, findet auch die Nonsuch, das vielleicht langsamste Schiff der Welt einen Platz. Und für mich ist ein weiterer Meilenstein erreicht. Hier mit dem eigenen Schiff mal anzulegen ist ein echter Traum.

Die Szenerie hört aber nicht hinter dem Hafen auf. Am River Medina reiht sich eine Yachtwerft an die nächste. Doch das wirklich besondere ist wohl der kleine Ort Cowes selbst. Gefühlt jeder zweite läuft hier nämlich mit Segelklamotten rum. Ich habe noch nie so viele lederne Seestiefel in einer Stadt auf einem Haufen gesehen. Dazu gibt es gefühlt alle 150m einen Chandler oder Yachtclub. Noch nie habe ich einen Ort gesehen, dessen ganze Identität nur aus Segeln zu bestehen scheint. Wobei das echte Highlight erst ganz am Ende der High Street kommt: Die Royal Yacht Squadron selbst, mit ihrem erhabenen privaten Clubhaus und den polierten Startkanonen mit Blick auf den Solent. Hier ist Segeln.
Am Abend bevor Papa mich verlässt haben wir natürlich noch ein Abschiedsdinner im Pub. Und selbst im Pub scheint die ganze Deko aus Regattadevotionalien der letzten Jahrzehnte zu bestehen. Gab es bisher zwar in den Häfen oft auch Seemannspubs die mit allerlei maritimem wie Knotenbrettern, alten Positionslampen und solchem Kram dekoriert waren, ist das hier ein echter Seglerpub. An den Wänden hängen Plakate von Regatten in aller Welt, Yacht-Halbmodelle und Bilder der siegreichen Boote der letzten Jahre. Cowes lebt Segeln.

Nachdem ich Papa am nächsten Tag zur Fähre gebracht habe und zum Hafen zurück schlendere, entdecke ich dann noch eine Sache die du so nur in Cowes zu sehen bekommst: Schon seit gestern fand eine Regatta in Cowes statt. Nachmittags lief die Flotte von Einheitsklassenbooten wieder ein. Segel wurden über den Steg geschleppt, es wurde zur Dusche gegangen, Anleger getrunken und gefachsimpelt. Wie Segler eben so sind. Eine Stunde später hatten sich aber alle für die Siegerehrung schick gemacht. Und so saßen die harten Segler, eben noch in Ölhosen und Lederstiefeln, jetzt mit einer Dose Bier in der Hand im Smoking im Cockpit und warteten auf den Rest der Crew. Englischer  und gediegener kann eine Regatta wohl nicht ablaufen.

Cowes ist also nicht nur ein großer Name, sondern scheint tatsächlich eine kleine Hauptstadt des Segelns zu sein. Und so stört es mich auch kaum, dass ich mal wieder schlechtes Wetter abwarten muss bevor es weiter geht. Wenn selbst die großen Regattasegler ihre letzte Wettfahrt abblasen, hab ich da draußen auch nix zu suchen. Also sauge ich lieber noch ein wenig von der Stimmung hier auf bevor es allein weiter entlang der Küste geht.

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Kochen an Bord – Pasta so einfach, dass sie selbst ein Affe kochen könnte

Angefangen habe ich meine Kategorie „Kochen an Bord“ ja damit, dass ich ein paar einfache an Bord zuzubereitende Gerichte vorstellen wollte, die etwas exotischer sind als Bauernfrühstück oder (fertige) Nudeln mit Tomatensauce. Heute muss ich mit dieser Zielsetzung aber ein wenig brechen. Im letzten Sommer lernte ich im Hafen Stephan kennen. Stephan ist einfacher Blogleser und so kamen wir ins Gespräch. Unter anderem auch über die Rezepte. Stephan erwähnte allerdings auch, dass ihm eine schnelle Tomatensauce ohne Rezept auch nicht sofort einfällt. Da das vielleicht auch einigen anderen Männercrews so gehen könnte, dachte ich mir ich präsentiere einfach mal zwei Rezepte für ganze einfache Pasta Grundsaucen die noch beliebig abgeändert werden können.

 

Tomatengrundsauce

Dieses Rezept ist eine Basis für eine Tomatensauce und so einfach gehalten, dass sie wahrscheinlich selbst ein Affe kochen könnte. Oder eben der Skipper einer faulen Herrencrew. ;-) Die Sauce ist wiegesagt nur eine Basis uns könnte je nach Laune und Vorrat mit anderen Zutaten wie z.B. Fleisch, Käse oder Gemüse aufgepeppt werden.

Zubereitung: Ca. 10 min. an Bord, inklusive allem

Zutaten, für 2 Personen:

  • 400g stückige Tomaten
  • 125g Spaghetti
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • Einen Schuss Wein
  • Etwas Butter und Olivenöl
  • Thymian, Oregano, Italienische Kräuter
  • 1 Mozarella
  • Salz/Pfeffer
  • Evtl Parmesan

Zubereitung

1. Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln und in etwas Butter in der Pfanne glasig anschwitzen.  Anschließend mit einem Schuss Wein ablöschen und den Wein ein wenig einkochen lassen Sollte die Vorratslage an Bord keinen Wein hergeben kann dieser Schritt auch weggelassen werden.

2. Die Tomaten, Kräuter, einen Schuss Olivenöl zu den Zwiebeln geben und kurz aufkochen lassen.

3. Die Hälfte des Mozarellas in die Pfanne geben und leicht anschmelzen lassen. Alternativ könnte diese Grundsauce statt Mozarella auch mit Rinderstreifen, übriggebliebenem Grillfleisch oder was die Kühlbox gerade hergibt aufgepeppt werden. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

4. Die Sauce mit Salz und Pfeffer abschmecken  und mit der Pasta servieren. Den restlichen Mozarella fein würfeln und über die Nudeln geben.

Rotweinbutter

Diese Sauce ist fast noch einfacher und passt am besten zu Nudeln wie Tortellini, die durch ihre Füllung bereits einen leichten Eigengeschmack mitbringen. Wer keinen Rotwein dabei hat, kann ohne Probleme auch Weißwein nehmen. Ich habe dieses Gericht tatsächlich sogar schon mit Punsch statt Wein zubereitet. Auch hier kann sich der Smut richtig austoben.

Zubereitung: Ca. 10 min. an Bord, inklusive allem

Zutaten, für 2 Personen:

  • 60g Butter
  • 100ml Rotwein
  • 1 Zwiebel
  • 1 EL Honig oder Zucker
  • Tortellini oder Ravioli
  • 1 Mozarella
  • Salz/Pfeffer
  • Evtl Parmesan

Zubereitung

1. Die Zwiebeln wieder würfeln und mit etwas Butter glasig andünsten. Anschließend die Zwiebeln mit dem Wein ablöschen und diesen etwa auf ein Drittel einkochen lassen.

2. Die Butter in kleinen Häppchen langsam hinzugeben und in den Wein einrühren. Danach noch den Honig oder Zucker hinzugeben und abschmecken. Wem die Sauce zu süß oder lasch ist, der kann durch Zugabe von Salz/Pfeffer, oder etwas zusätzlicher Butter den gewünschten Geschmack kreiren.

3. Die Rotweinbutter über die nebenbei gekochten Ravioli geben und genießen. Einfacher gehts nun wirklich nicht. Das Resultat sieht zwar nicht nach viel aus, ist aber eine echte Geschmacksbombe.

 

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Von Mouth zu Mouth – Englands Süden

Eigentlich hätte ich es noch lange auf den Isles of Scilly ausgehalten, doch das nächste Highlight wartet schon auf mich. Im Hafen von Falmouth wird mein Papa für einige Tage zusteigen um mich ein Stück des Weges zu begleiten.  Ich freue mich über die Abwechslung und Begleitung, denn im Gegensatz zu meiner vorherigen Reise auf der Ostsee ist hier nicht nur das Klima rauer, sondern man trifft auch deutlich weniger andere Segler. So freue ich mich über den Besuch ganz besonders und der Abschied von den Inseln fällt mir nicht schwer.

Vorbei an Lizard Point, einem der bekanntesten englischen Kaps mit seinem riesigen Leuchtturmkomplex geht es noch bei feinem Sommerwetter. Darauf hatte ich mich nach den anstrengenden Passagen in der Irischen See sehr gefreut. Meine Hoffnung war, dass das Wetter an der Südküste Englands, der „Englischen Riviera“ endlich mal stabiler sein sollte. Diese Hoffnung hielt dann genau bis Falmouth. Papa und ich mussten unsere gemeinsamen Tage gleich mit einem Hafentag mit Dauerregen und heulendem Wind einläuten. Begleitung und Bier trösten mich ein wenig darüber hinweg, denn so langsam geht mir das ständige Mistwetter ziemlich auf den S***. Vor kurzem wurde mir schon verordnet nur noch zwei mal täglich, morgens uns abends, auf den Wetterbericht zu schauen, um sich wenigstens nicht mehr den ganzen Tag über zu ärgern. Mittlerweile reicht nicht mehr das mehr. Dauernd nur Regen, Meistens Wind über 20 kn oder keine passenden Tiden. Das Revier ist wirklich anstrengend, und manchmal frage ich mich so ungefährt schon, ob ich es überhaupt bis Weihnachten nach Hause schaffe.

Trotzdem genießen wir Falmouth. Die alte Hafenstadt in Cornwall hat ihr ursprüngliches Stadtbild bewahrt: Es gibt keine Hafenpromenade, sondern zum Wasser kommt man nur über die zahlreichen Hinterhöfe der alten Fischerhäuser. Am Anfang nervt es noch etwas nicht am Wasser entlanggehen zu können, doch mehr und mehr genieße ich dieses besonders authentische Stadtbild. Pubs und Wirtschaften gibts genug, und so kann ich von den letzten Monaten erzählen, während der Wind durch die Ritzen pfeift.

Zwei Tage später findet sich dann endlich mal ein kleines Wetterfenster um sich auf nach Dartmouth zu machen. Wie der Name schon sagt liegt das kleine Städtchen an der Mündung des River Dart und ist ein Hotspot für englische Touristen. Schon die Einfahrt durch bewaldete Hügel zeigt sofort wieso: Es ist einfach echt schön hier. Das Panorama sieht aus wie von einem Rosamunde-Pilcher-Werbeplakat. Wir legen in der Dart Marina an, die zu einem Wellnesshotel gehört. Zeigt sich zum Glück nicht nur an den Preisen, sondern auch daran, dass es nicht nur Duschen, sondern ganze seperate Badezimmer auf 5* Standard für den Hafen gibt. So gerne ich abgeschiedene Plätze in der Natur mag, auf einer so langen und anstrengenden Reise schätze ich diesen kleinen Luxus hin und wieder ganz besonders…

Auch hier müssen wir des Wetters wegen einige Zeit bleiben. Nicht das wir uns falsch verstehen: Es ist wirklich schön hier. Ich könnte es ohne Probleme ne ganze Woche aushalten. Trotzdem bin ich unruhig. Dieses ständige Schema einen Tag fahren zu können um dann mehrere Tage im Hafen auf das nächste Wetterfenster warten zu müssen, lässt mich mehr und mehr über den Zeitplan grübeln. Wenn man im Kopf die ganze Zeit aber nur am grübeln und planen ist,leidet leider auch die Freude an den Schönheiten Dartmouths…

Trotzdem machen wir das beste draus und schlendern in den Regenpausen durch den alten englischen Ort. So richtig wie man sich das vorstellt: windschiefe viktorianische Gebäude, konfuse mittelalterliche Straßenverläufe und schrullige Geschäfte. Der Ort strahlt eine unglaubliche Gemütlichkeit aus, und so beruhige ich mich erstmal wieder. Ein Bier in einem der ältestens Pubs Englands (über 700 Jahre) tut sein übriges… So lernen wir dann Paul kennen. Paul war mal Hafenmeister in unserer Marina. Heute verdient er sein Geld mit Marinemalerei und Schiffzeichnungen. Eigentlich habe ich für Kunst so gar nix übrig, aber diese einmalige Mischung aus Maritimem und Malerei ist wirklich toll. Stundenlang quatschen wir und Paul zeigt seine Schätze her. Marketing beherrscht er übrigens auch: Im ganzen Ort verstreut sind seine Zeichnungen zu finden. Der ganze Ort scheint seine Leinwand zu sein, und auch mir kann er am Ende ein kleines Kunstwerk aufschwatzen. ;-) Wer mal ein Bild seines Schiffes haben möchte, sollte unbedingt mal bei Paul Barclay Designs vorbeischauen. Der Junge hat´s richtig drauf…

Obwohl das Wetter nicht wirklich nach Spätsommer aussieht, ziehen wir dann irgendwann weiter Richtung Osten. Von den letzten Tagen steht noch eine beeindruckende Restsee, genau von hinten. Nonsuch macht ihre Sache trotzdem hervorragend. Mit Bullenstandern und Windpilot hält sie sich perfekt auf Kurs und lässt sich auch von den langen Rollern nicht aus der Ruhe bringen. Auch mich beruhigt ihr souveränes Auftreten zusehends. ungeachtete dessen, dass der Horizont ob der riesigen Wellenberge nur selten zu sehen ist. Zügig geht es so in Begleitung von über 15 Delfinen über die Lyme Bay. Gegen Nachmittag wird die See aber immer unruhiger. Eigentlich dachten wir, das meiste wäre bereits geschafft. Doch nun kommt Das Portland Race.  Obwohl wir 6sm südlich des berüchtigen Bill of Portland stehen und genau zur Stromkenterung dort sind, bilden die Ströme und die alte Dünung eine ekelhaft konfuse See. Alles knallt hin und her, das ganze Boot fährt Fahrstuhl. Alle 10 Minuten kommt eine Welle bei der man denkt, dass spätestens jetzt der Dampfer aber nun wirklich auseinanderbrechen muss. Doch Nonsuch lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen. Mit einem 10sm Umweg um das Kap kommen wir erst im Dunkeln im nächsten „mouth“ an. Der Olympiasegelstadt Weymouth. Völlig fertig von dem anstrengenden Abend finden wir uns im Dunkeln zureicht.  Wir finden einen Liegeplaz direkt vor einer Filiale unserer Falmouther Lieblingspizzeria The Stable, und probieren uns nach einem kurzen Rundgang durch den Hafen durch die verschiedenen Cidersorten. Gekrönt von der vielleicht englischsten Pizza der Welt: Lammhack gewürzt mit Minzsauce. Fühle mich kulinarisch ungefähr so wie Asterix in Asterix bei den Briten. :-)
Puh. Die englische Südküste ist schön, hat es aber echt in sich….

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Die Britische Karibik – The Isles of Scilly

Vor dem nächsten Schlag den ich mir in den Kopf gesetzt hatte, war ich ziemlich aufgeregt. Es sollte von Kilmore Quay in einem bis auf die Isles of Scilly an Englands Westspitze gehen. 140 SM insgesamt. Keine Strecke die ich bisher noch nicht hinter mich gebracht hätte, doch ging es hier über den offenen Atlantik. Keine schottische Insel, kein Großbritannien wie noch in der Nordsee, das mir Deckung geben würde. Querab würde noch noch New York liegen. Also so sinngemäß…

Also suchte ich mir einen Tag mit absehbar ruhigem Wetter aus. Mit der kleinen Nonsuch wäre es töricht sich hier riskantes Wetter auszusuchen. Zwar könnte ich notfalls auch noch einen anderen Hafen anlaufen, allerdings wären die auch alle relativ weit weg. Fast wie vor einigen Wochen auf der Nordsee…

Bei feinem Wetter verließ ich nun also Irland. Zum Abschied ging es noch durch die vor Kilmore Quay liegenden Saltee Islands. Grün, felsig und schroff, so wie man sich Irland vorstellt. Vor mir lag nun der offene Atlantik. Oder die Keltische See um es ganz genau zu nehmen. Obwohl das Wetter sehr ruhig ist, steht eine beeindruckende Dünung. Sicherlich 2m geht es ständig auf und ab. Allerdings in so langsamen und ruhigen Bewegungen, dass jede Ostseewelle unangenehm dagegen wirkt. Mit jeder Meile sinkt meine Anspannung. Dass der Horizont ab und an in den Wellentälern verschwindet ist mittlerweile irgendwie schon Normal geworden. Auch die Delfine, die mich fast den ganzen Nachmittag begleiten, gehören irgendwie schon fest dazu. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Delfin auf der Nordsee vor einigen Wochen, bei dessen Anblick ich völlig aus dem Häuschen war. Jetzt lege ich mein Buch nur kurz zur Seite um den Kollegen zuzuschauen…
Neu für mich ist allerdings, dass ich in der Mittagsflaute gleich mehrmals von Haien umkreist werde. Für Delfine bewegen sich die Flossen zu langsam und bedächtig,für Wale sind die Viecher zu klein. Irgendwie ein merkwürdiges Gefühl hier draußen ohne eine andere Menschenseele um mich herum von Haien belauert zu wissen. Ne Bifi ins Wasser zu werfen lass ich dann auch lieber sein…

Andere Schiffe sehe ich den ganzen Tag nicht. Selbst das AIS bleibt meistens leer. Und 5000 SM querab liegt New York oder so. Mit diesem merkwürdigen Gefühl verabschideet sich dieser Tag auf See. Ich bereite mein Nachtlager, koche ein wenig Wasser für Kaffee und Tütensuppe auf, und schalte auf Rotlicht um. Da es weitgehend ruhig bleibt komme ich sogar dazu ein wenig in kleinen Häppchen zu schlafen. Als die Sonne aufgeht, liegen die Scilly Islands schon am Horizont voraus. Das Abenteuer Atlantik ist fast schon wieder vorbei.

Wenige Stunden später mache ich an einer Mooring in St. Marys Pool, dem Haupt“hafen“ der Insel fest und spüre gleich, dass ich an einem ganz besonderen Ort angekommen bin. Endlich ist mal wieder Sommerwetter, der Ort mit seinen weißen Häusern ist von Palmen umringt. Ich habe das Gefühl ich bin über Nacht in einem völlig anderen Revier gelandet.
Ich beginne meine Inselerkundung natürlich mit einem Gang zum Hafenmeister. Der klärt mich dann auch mit einem Augenzwinkern darüber auf, dass es „Isles of Scilly“ und nicht „Scilly Islands“ heißt. Denn das würde auf Englisch schließlich komische Inseln heißen. Lustiger Typ. Offenbar ist man hier auf seine Teilautonomie genau so stolz wie auf der Isle of Man vor einigen Wochen.

Während ich so durch den Hauptort Hugh Town schlendere, fällt mir auf, dass es hier wirklich nicht wie in England aussieht. Die weiß getünchten Häuschen gibt es dort zwar auch, aber in den Gärten stehen hier überall echte Palmen. Nicht so kleine Yucca-Büropalmen, sondern richtig fette Dinger. Dazu blüht es an jeder Ecke die Menschen sind entspannt, fröhlich und locker. Bei mir kommt richtige Urlaubsstimmung auf. So langsam frage ich mich, ob ich nicht im Mittelmeer gelandet bin…

Je weiter ich in die Inselwelt eintauche, desto begeisterter bin ich. Irgendwann lasse ich die Hauptinsel St. Marys hinter mir, und mache einen Ausflug auf die kleine Nebeninsel Tresco. Schon unterwegs fällt mir das kristallklare Wasser auf. Obwohl es mehr als 6m tief sein soll, sieht man durch das stahlblaue Wasser Grund, Fische und Pflanzen. Auf Tresco selbst bin ich dann völlig erschlagen von der Anmut der Insel. Kern ist eine alte Klosteranlage mit botanischen Gärten, dessen Triebe sich auf der ganzen Insel breitgemacht haben, und so blüht es hier an noch mehr Ecken als auf St. Marys. Dazu gibts dann auch noch weiße Strände und über 20°. Wo bin ich hier nur gelandet? Irgendwie sieht es aus wie Südfrankreich….

Abschließend klärt sich diese Frage für mich zurück auf St. Marys: Auf einem meiner letzten Streifzüge wandere ich auf den Festungshügel. Dort oben befindet sich eine alte Garnison aus dem 16. Jhd., mit Flaggenast und einem Union Jack der von der ganzen Insel aus zu sehen ist. Das ganze sieht aus wie ein Gouverneurssitz einer britischen Garnison in den alten Piratenfilmen. Die Schatzinsel und Fluch der Karibik lassen grüßen. Als ich dann von dort oben auf die Bucht mit ihrem blauen Wasser und den Palmen im Ort hinunterschaue  hab ich auf einmal Steeldrumklänge im Kopf und weiß ich wo ich gelandet bin: Das hier ist die Britische Karibik.

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Nonsuch in der YACHT

Moin Moin!

Es gibt mal wieder etwas gedrucktes von mir zu lesen: Wer Lust hat findet in der YACHT 20/17 einen Bericht über meine Nordseeüberquerung. Es geht darum wie es mit seinem kleinen Wochenendsegler einfach den Horizont hinter sich zu lassen und einfach raus auf die hohe See zu fahren. Was man dort erlebt, wie man sich fühlt, und welche Schlüsse man am Ende aus so einem besonderen Törn, hunderte von Kilometern vom Land entfernt, zieht.

Also, wer etwas Lesestoff braucht oder selber einen langen Schlag fernab der Küsten plant: Ab zum Kiosk! ;-)

Copyright: Delius Klasing Verlag

 

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Ankunft am heimlichen Traumziel – Kilmore Quay

Aufgeregt war ich, bevor es in Arklow weiter ging. Vor mir lag ein ganz besonderes Törnziel. Es war einer dieser Häfen, die man sich hunderte Male im Winter auf der Karte angeschaut hat. Wo man immer mal hinwollte, es aber immer irgendwie etwas unrealistisch schien. Schon bevor ich und Nonsuch zueinander gefunden haben, als ich noch Jugendboote im Verein gesegelt bin, war es immer mal mein Traum hier mit dem Boot hinzufahren. Ein kleiner ruhiger Fischerhafen im Nirgendwo in Irlands tiefsten Südosten, eine Straße, ein paar hundert Seelen, ein einziger Pub. Eigentlich nicht viel los, doch keine 2km vom Hafen entfernt habe ich mal bei Freunden gewohnt, ein Auslandsjahr gemacht, und schließlich die Schule beendet. Oft bin ich während dessen am Hafen rumgestratzt um ein bisschen maritimes Flair aufzusaugen und dabei davon geträumt hier auch mal einzulaufen.
Als ich im Juli dann in Cuxhaven ablegte war es im Kopf mein erklärtes Traumziel bis nach Kilmore Quay zu kommen. Ganz anders als 2014, als ich in die Ostsee ohne festen Plan aufbrach, hatte ich dieses Mal von vorne herein ein festes Ziel im Kopf. Und nun lag dieser Hafen nur noch eine halbe Tagesreise vor mir…

Das es mal wieder keinen Wind gab morgens in Arklow störte mich kaum. Immer noch besser als die Stürme der vergangenen Wochen. Wenigstens hatte ich so Zeit die mir von Land nur zu gut bekannte Küste zu betrachten. Und natürlich den ganzen FIscherbojen auszuweichen. Bei spiegelglatter See sind die Mistdinger wenigstens rechtzeitig zu sehen…

Mit jeder Meile wurde ich aufgeregter. Wexford, die nächstgrößere Stadt und der Leuchtturm von Tuskar Rock „Little Fastnet“ blieben hinter mir. Bald dann auch Carnsore Point, die Südostspitze Irlands. Ich setze das Fernglas kaum noch ab um nach Anzeichen meiner alten Heimat zu suchen. Langsam taucht der kleine Ort am Horizont auf. Dahinter einige Windturbinen. Genau dahinter habe ich gewohnt und dementsprechend groß ist die Freude. Ich habe es doch tatsächlich mit der kleinen Nonsuch bis nach Kilmore Quay geschafft. Für mich persönlich ist die Ankunft past noch besonderer als in Haparanda vor drei Jahren. Das hier war mein ganz persönliches Traumziel.

Ich bin von den Eindrücken völlig überwältigt und sauge jede Einzelheit voll in mir auch. Die vielen kleinen Fischerboote, die Spaziergänger am Hafen, die irischen Flaggen. Zur Feier des Tages habe ich sogar den Pullover meines alten Sportvereines an. Zusammen mit dem Adenauer am Heck sorgt das für einige ungläubige Blicke beim Hafenmeister der meine Leinen annimmt. Nachdem ich ihm alles erklärt habe, freut er sich aber auch ganz besonders und nimmt sich alle Zeit der Welt mir alles zu zeigen. Sogar einige gemeisame Bekannte machen wir aus….

Nicky ist hier nicht nur Hafenmeister, sondern auch Fischer. Kurzerhand bekomme ich einen kleinen Hummer von ihm geschenkt. Nur wie ohne passendes Werkzeug an Bord essen. Kein Problem, der Segler weiss sich notfalls eben mit der Knipex aus der Werkzeugkiste zu helfen. So gibt es auch noch ein dem Anlass angemessenes Dinner…

Die nächsten Tage hier verbringe ich mit kleinen Spaziergängen durch die Gegend und natürlich allerlei Besuchen bei alten Freunden. Eigentlich hätte mich der Wetterbericht schon am nächsten Tag wieder aus dem Hafen geschmissen bevor der nächste kurze Herbsteinbruch kommt, doch wo ich nun mal hier bin, lasse ich mir das erste Mal auf dieser Reise so richtig Zeit und bleibe einige Tage. Erleichtert, glücklich und zufrieden. Ihre Hauptaufgabe hat Nonsuch mit Bravour gemeistert…

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Failté go Eíre – Willkommen in Irland

Nach über einer Woche in Caernarfon sollte sich nun endlich mal eine Wetterbesserung einstellen. Zeit zum Aufbruch. Ich bin richtiggehend froh weiterziehen zu können. Als Stimmungsausgleich dafür ist zunächst mal wieder überhaupt kein Wind. Normalerweise meckert man ja, dass entweder zu viel oder wenig Wind ist. Hier ist entweder zu viel oder gleich gar keiner… Irgendwie wird dieser Sommer immer merkwürdiger.

Während mich die Menai Strait ja noch an die Schlei erinnerte, denke ich bei den Dünen an der Caernarfon Bar, dem Westausgang des Seeweges eher an die Dünen der Nordsee. Ganz falsch ist der Gedanke auch nicht, denn die Barre hat einiges mit den Seegatten der ostfriesischen Inseln gemeinsam. Auch hier ist das ganze schon bei 4-5 Windstärken oft unpassierbar. Heute aber ist es ruhig. Ich lege Kurs auf Irland und warte auf den aufziehenden Wind.
Je weiter ich das Land hinter mir lasse, desto komischer wird das Wetter. Es ist nicht richtig schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Die walisischen Berge verschwinden langsam hinter mir und ich mache mich schon mal mit den Karten für Irland vertraut. So vergeht die Überfahrt trotz der über 70 sm schneller als gedacht. Wenn man allein unterwegs ist, hat man irgendwie immer etwas zu tun. Ausguck, Logbuch, Ansteuerung vorbereiten und in die Luft gucken. Selbst zum Lesen komme ich irgendwie kaum.
Dafür beobachte ich das Wasser, und bekomme mal wieder einen Eindruck davon wie schräg die Irische See sein kann. Mitten zwischen Irland und Wales, 30 sm nichts als Wasser in jeder Richtung bilden sich plötzlich überall kleine Stromwirbel. An Kaps und nahe unter Land rechnet man ja damit, aber hier finde ich das irgendwie verwunderlich…

Gegen Abend kommt dann endlich Irland in Sicht. Willkommen in Irland – Fáilte go Eiré. Auf dieses Land habe ich mich ganz besonders gefreut. Ich habe dort mal ein Jahr gewohnt, freue mich also auf Land, Leute, einige alte Freunde und das beste Bier der Welt. Mein erster Hafen, Greystones, ist aber irgendwie nicht so das Gelbe vom Ei. Man möchte dort eine 5* Top Marina bauen. Leider ist das ganze irgendwie noch im Aufbau, kostet aber trotzdem schon den vollen Preis. Dafür lärmen rund um den Hafen die Baumaschinen. Also nach einer nur wenig erholsamen Nacht gleich weiter.

Entlang der irischen Ostküste setzt der Strom ziemlich hart. Um die 3 kn kommen da sicher zusammen. Da stört es mich kaum, dass ich in Richtung Süden kreuzen muss. Mit Strom komme ich auf einen olympiaverdächtigen Wendewinkel mit meiner dicken alten Seekuh und es geht fix voran. Schon am frühen Nachmittag erreiche ich den nächsten Hafen, den alten Seefahrerort Arklow.
Die meisten Gäste machen hier an den langen im Fluß liegenden Stegen fest die zur Marina gehören. Ich schaue mich aber zunächst mal ein wenig um und entdecke einen Schwimmsteg im Fischereibecken. Das wäre doch noch viel uriger! So sehr ich den Komfort einer Marina von Zeit zu Zeit schätze, sind sie in Sachen Flair einem echten Fischereihafen doch immer unterlegen. Kurze Rücksprache mit 2 Fischern: Na klar kann ich hier bleiben, Gäste sind hier immer willkommen. Irland wie es leibt und lebt…


Wann genau hier mit der Fischerei und Schifffahrt begonnen wurde ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich geht der Ort aber schon auf einen Wikingerstützpunkt aus grauer Vorzeit zurück. Der Ort atmet viel Schifffahrtsgeschichte und an jeder Ecke lassen sich einige Spuren aus verschiedenen Epochen entdecken. Trotzdem wirkt alles ein wenig verschlafen und so herrlich irisch unaufgeräumt. Nichts ist für die Touristen, die Arklow meist auf ihren Wegen Richtung Berge oder Westen auslassen zurechtgemacht. Das ermöglicht einen besonders lebendigen Eindruck des Lebens in diesem kleinen Ort. Frachtschifffahrt und Werften gibt es hier nicht so viel wie einst. Fischerei, eine eigene Reederei und die Versorger des nahen Windparks halten die Fahne trotzdem weiter hoch. Von dem Rest erzählt das liebevoll eingerichtete kleine Maritime Museum. Die sind für Segler ja immer so eine Sache: Auf der einen Seite interessieren wir uns naturgemäß für das Meer und seine Geschichten, auf der anderen Seite hält fast jedes Kaff so eine Bude bereit. Da muss ein Museum schon wirklich etwas Besonderes bieten, damit man sich später dran erinnert. Das Museum von Arklow geht fast in der Front eines Einkaufszentrums unter. Kaum hat man es aber betreten, kommt sofort ein fröhlicher älterer Herr auf mich zu und fängt an alles über die Schifffahrt im Ort zu erzählen. Dabei hat jedes einzelne Exponat tatsächlich eine Verbindung zu Arklow. Das macht die Geschichten die hier erzählt werden irgendwie besonders greifbar, und das Museum echt sehenswert.

Nach so viel Kultur mache ich mich aber auf den Weg in den Ort. Bunte Häuserfronten und viele Pubs machen die Auswahl nicht leicht, doch irgendwann entdecke ich die beiden Fischer, die ich schon im Hafen getroffen habe, vor einem beim Rauchen wieder. Also rein da und ein Smithwicks Red Ale bestellt, das vielleicht beste Bier der Welt. Jetzt bin ich so richtig angekommen in Irland

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Die gefährlichste Wasserstraße der Welt

Der nächste Schlag sollte ganz besonders spannend werden. Zwischen dem walisischen Festland und der Insel Anglesey gibt es eine schmale Meeresstraße – die Menai Strait. Der große Lord Nelson bezeichnete diesen Weg einmal als die gefährlichste Schifffahrtsstraße der Welt. Grund dafür sind die besonderen Tidebedingungen hier, und eine enge Durchfahrt namens „The Swellies“. Klingt irgendwie schon nach Schwell und Ungemach….

Zum einen strömt das Wasser hier bei Flut durch die enge Meeresstraße recht kräftig. Bis zu 8kn Strom sind streckenweise drin. Klar, da sollte man nicht zur falschen Zeit aufkreuzen (im wahrsten Sinne des Wortes). Dazu kommt noch, dass es hier eigentlich 4 Gezeiten pro 12 Stunden gibt. Zunächst läuft die Flut aus der Irischen See aus Süden auf. Sobald sich die Flutwelle jedoch den Weg außen um Anglesey gebahnt hat, läuft sie auf einmal von Norden in die Straße ein! Etwas Ähnliches passiert dann bei ablaufendem Wasser auch noch mal. Stillwasser ist demnach auch nicht genau bei Hochwasser, sondern schon 2 Stunden vorher. Die einzige Zeit zu der The Swellies sicher zu passieren sind. Klar soweit?

Zum Glück haben sich die Zeiten seit Nelson ein wenig geändert. Mit moderner Navigation, Motor, und genauen Tidendaten lässt sich das ganze hoffentlich managen und so suche ich mir einen schönen ruhigen Sommertag für dieses kleine Abenteuer aus. Früh um 6 geht es los. Die Kombination aus den Öffnungszeiten des Tores und des Passagezeitpunktes lassen keine andere Abfahrtszeit zu. Dafür kann ich mich im Eingang zur Menai Strait dann schon nach wenigen Meilen noch einige Stunden vor Anker legen. Die Snowdonian Mountains hinter mir, eine kleine Vogelinsel und einen mächtigen Leuchtturm vor mir. Alle paar Minuten schlägt dessen altertümliches Nebelsignal, eine große Glocke trotz der guten Sicht wie ein Kirchturm. Es ist fast windstill und so sitze ich im Cockpit, genieße die Szenerie und warte bis es weitergeht.

Um Punkt 12 geht es dann Anker auf und entlang der Menai Strait Richtung Süden. Ein leichter Strom schiebt mich schon. Vorbei an kleinen Dörfern und der Universitätsstadt Bangor geht es durch einen typisch britischen Fluß mit Seebrücken und Moorings allerorten auf die mächtige Menai Bridge zu. Gebaut übrigens von demselben Ingenieur wie Caledonian und Göta Kanal. So langsam habe ich das Gefühl der Typ hat halb Großbritannien zusammengezimmert…

Kurz vor der Brücke müsste sich dann zeigen, ob ich zum richtigen Zeitpunkt da bin. Auf einmal kommt der Strom dann mit etwa 2kn wieder von vorne. Ich bin also etwas zu früh. Kein Problem, denn ein leichter Strom von vorne ist hier leichter zu beherrschen als wenn ich zu spät komme und mich nur 30 Minuten späer 6kn von hinten schieben würden. Unglaublich aufregend ist das hier alles… In nur wenigen Metern Abstand geht es an den überspülten Felsen und dem Land vorbei. Nach nur etwa einer halben Meile, an der nächsten Brücke, ist das ganze Spektakel dann auch schon vorüber. So problemlos das Ganze jetzt zum richtigen Zeitpunkt ablief, so unpassierbar muss diese Stelle nur wenige Stunden später sein…


Der weitere Weg durch die Menai Strait verläuft dann ruhig und angenehm. An mir ziehen ein palastartiges Herrenhaus und mehrere Wälder vorbei. Irgendwie erinnert mich die Szenerie ein wenig an die heimische Schlei. Zwar macht sich bei mir kein Heimweh breit, aber ich finde es doch interessant wie ein Seglerherz trotz aller Entdeckerlust in fernen Ländern immer wieder an sein Heimatrevier denkt.

Vor mir liegt nun das kleine Städtchen Caernarfon. Ich habe Glück und komme genau zu Hochwasser an, das Hafentor ist geöffnet. Der Hafenmeister kommt zum Steg, nimmt die Leinen an, und weist mir einen Liegeplatz direkt unter der alten Stadtmauer zu. Super nette Leute hier…
Das hiesige Schloss ist gleich am ersten Nachmittag fällig. Wieder von Edward I zur Kontrolle der Waliser errichtet, ist es für bis heute für die britische Monarchie sehr wichtig: Nach Edwards Sieg über die Waliser werden hier seit jeher die britischen Thronfolger zum Prince of Wales gekrönt. So lernt man jeden Tag was dazu… Im Pub freunde ich mich dann noch mit einigen lokalen Seglern an. Auf das höfliche Touristenlob, was für eine schöne Burg sie hier ja haben, lachen sie nur, und meinen, dass eine walisische viel besser als der englische Klotz wäre. Mal wieder scheinen mir die Waliser unabhängiger und kulturell eigenständig zu sein…

Caernarfon ist wirklich ein nettes kleines Städtchen. Neben alten Steinen gibt es hier auch alles was man so als Segler braucht. Doch nun sollte es richtig dicke kommen. Ich war darauf vorbereitet hier einen Tag abzuwarten um ein kleineres Tief abzuwarten, doch wieder einmal änderte sich die Wettervorhersage um 180°. Ein Tief nach dem nächsten zog über Caernarfon hinweg. Ganze 8 Tage sollte ich am Ende hierbleiben müssen während derer der Wind nie unter 20kn fiel. Keine Chance die Menai Strait gen Westen, voll gegenan, zu verlassen. Und das ganze Mitte August. Zwar hatte ich es im Hafen sicher und angenehm, doch das ganze schlug mir zusehends auf die Stimmung. So langsam sah ich meine weitere Törnplanung, die ohnehin wegen des unberechenbaren Wetters nur sehr grob war, den Bach hinuntergehen. Vielleicht mag es lächerlich klingen, doch während dieser Tage mache ich mir ernsthaft Gedanken, ob ich es vor dem richtigen Herbst/Winter noch wieder nach hause schaffe. Vielleicht verdeutlicht das ein wenig, warum das Segeln in dieser Gegend selbst bei einem Hafentag äußerst anstrengend ist. Zumindest im Kopf.

Trotz allem Gram kann ich das Wetter aber nicht ändern, sitze mit einem Whisky und den Erinnerungen an die kurzen Sommerausbrüche in Schottland unter Deck und horche dem Pfeifen des Windes im Rigg. Hoffentlich ist bald wieder Frühling…

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