Archiv der Kategorie: Sailing Conductors

Nitin

Indien war für uns einfach ein Teich voll von überragenden Musikern. Es verging kein Tag, an dem wir nicht aufs Neue ins Staunen versetzt wurden. Selbst am letzten Tag in Mumbai, an dem wir eigentlich unseren Zug zurück nach Chennai nehmen mussten, konnten wir in den letzten zwei Stunden noch Nitin und seinen Kumpel Mark in ihrem Studio aufnehmen. 120 intensive Minuten, in denen wir vollkommen vergaßen auf unsere Uhren zu schauen und dadurch beinahe vor lauter Aufnahmen auch noch unseren Zug verpasst hätten. Doch ein horrendes Taxifahrergehalt brachte uns schließlich doch noch pünktlich zum Bahnhof.
Nitin hat für drei Jahre in Australien gelebt, wo er auf Lincoln Davis traf und die beiden zusammen in einer Band spielten. So hörter er auch das erste Mal von uns und lud uns schließlich in sein Studio ein. Derzeit lebt und arbeitet er in Mumbai als Komponist, Produzent und Pianist.

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Neil

Wir trafen Neil vor der Fahrstuhltür vor Shankys Haus in Mumbai. Leider wollte das Ding einfach nicht funktionieren und so mussten wir die 6 Etagen bei 40 Grad im Schatten zu Fuß erklimmen. Dieser schwitzige Aufstieg hat sich aber auf alle Fälle gelohnt, denn nach dem Neil anfängt zu singen und zu spielen, können wir unseren Augen kaum trauen. Es gibt wohl kaum ein Instrument, das Neil nicht spielen kann. Leider konnte er bei unserem Treffen seine Geige und sein Cello nicht mitbringen, da während eines Unwetters sein Keller geflutet wurde und die Instrumente starken Schaden nahmen. So konnten wir ihn dann nur an der Gitarre, Gesang und am Saxophon erwischen.

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Marvin

Marvin ist ein großartiger Jazz Drummer aus Singapur. Seit einigen Jahren besitzt er zusammen mit ein paar Freunden einen Musikladen. Im MusicGear ist er hauptverantwortlich für die Schlagzeugabteilung. Wir trafen ihn durch zwei deutsche Freunde, die gerade in Singapur studierten. Sie hatten von uns gehört und uns einfach angeschrieben, als sie sahen, dass wir gerade in Singapur waren. Der Wille zur Zusammenarbeit war also da, aber es fehlte noch ein Schlagzeug. So kam Marvin ins Spiel, der einfach eines seiner Sets zur Verfügung stellte und es sich selbst auch nicht hat nehmen lassen, zu einem unserer Songs zu spielen. Und das auch noch an seinem Geburtstag! Vielen Dank noch mal Marvin, für so viel Einsatz!

Falls ihr mal in Singapur sein solltet – Schaut euch unbedingt seinen Laden an! www.MusicGear.com

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Montonn Jira (Jay)

Es ist reiner Zufall, dass Jay zu einem unserer Musiker wird. Er ist eigentlich ein erfolgreicher Musikproduzent aus Bangkok und hat ein Musikprojekt namens Katsue zusammen mit dem thailändischen Popsänger Joni Anwar. Wir sind in Jays Studio, um gemeinsam an einem Song zu arbeiten und irgendwann steht der Musiker plötzlich selbst vor dem Mikrofon und singt den Chorus für unser “Being Slow”. Wir verbringen drei Tage in seinem Haus und machen nichts außer Musik. Was für ein toller Typ!

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Natthapong Yutthanasirikul aka Jay

Natthapong Yutthanasirikul, eher bekannt als Jay, spielt Geige im Bangkok “Siam Sinfonietta” Orchester. Gerade zu der Zeit als wir in Hua Hin sind, spielt das Jugendorchester im “Mrigadayavan Palace of Love and Hope” ein Konzert. Wir sind sofort begeistert und unterhalten uns mit dem Geiger unmittelbar im Anschluss des Auftrittes – eine Geige passt bestimmt super zu unserem neuen Stück “Being Slow”, was gerade bei uns ganz oben auf der Song-Liste steht. Jay findet unser Konzept großartig und wir machen sofort einen Recordingtermin aus. Leider ist es nach den ersten Proben schon so dunkel draußen, dass die Filmaufnahmen im Freien nicht mehr möglich sind und so bauen wir die Mikros im Haus auf. Der Geiger wohnt zusammen mit dem Dirigenten des Orchesters – dem brillanten thai-amerikanischen Komponisten S.P. Somtow, den wir vor unserer Ankunft schon kontaktiert hatten und durch den wir von seinem Jugend-Orchester erfahren haben. Ein tolles Haus voll Geschichte, Kunst und Musikinstrumenten, genau das Richtige für uns.
Die Aufnahme mit Jay macht echt Spaß, er legt sich richtig ins Zeug und das kann man auch hören!

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Pimluk Vessawasdi

Pimluk, oder auch einfach nur “Mai”, singt im Bangkok “Siam Sinfonietta” Orchester. Das Jugendorchester spielt in Hua Hin (Thailand) im “Mrigadayavan Palace of Love and Hope” zur gleichen Zeit, als auch wir vor Ort sind. Wir haben außerdem eine Verabredung mit dem brillanten thai-amerikanischen Komponisten und Dirigenten S.P. Somtow, als wir Mai auf der Bühne, begleitet vom Orchester, hören und sehen dürfen. Ein klarer Fall: Gleich nach dem Auftritt schnappen wir uns die Sängerin, interviewen sie und verabreden uns für den nächsten Tag. Als Drehort dient uns der Garten des “King’s Palace” in Bangkok. Mai ist ein tolles Mädchen, das immer lacht und wir haben viel Spaß mit ihr aufzunehmen.

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Lincoln Davis

“Lincoln besitzt eine seltene Gabe. Er schafft es, seiner Gitarre jeden letzten Tropfen Emotion abzuschwatzen. Seine Texte sind so ehrlich wie seine Technik fehlerlos.”

LUX, Berlin Kreuzberg, 2009

Dieses Zitat sagt eigentlich alles, was man über Lincoln wissen muss. Der Australier wächst in Südafrika auf, wo sein Vater ein paar Flamencotechniken von einem alten Messermacher erlernt und an seinen eifrigen Sohn weitergibt. Seitdem legt Lincoln die Gitarre nicht mehr aus der Hand.
Wir lernen ihn in Berlin kennen, als er ein paar Jahre in der Hauptstadt wohnt und wir beide fleißig Tontechnik studieren. Seitdem ist Lincoln ein Dauergast im Studio. Als wir uns in Sydney wieder begegnen, ist eines klar: Wenn er schon nicht mitsegeln kann, dann muss er uns wenigstens auf jedem Kontinent besuchen kommen, um mit uns herumzureisen und Musiker anzulocken. Somit ist Lincoln ein kleiner, aber fester Bestandteil unseres Projektes.

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Abschied nehmen

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll. Denn wie viel Öffentlichkeit verträgt das Privatleben? Interessiert es überhaupt Menschen, die ein Segel-Musik-Abenteuer verfolgen, was bei mir so ganz persönlich vorfällt? Andererseits waren wir schon immer ehrlich und vielleicht erklärt sich so zumindest die Funkstille in der letzten Zeit.

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, bin ich gerade in Deutschland. Eigentlich könnte ich es mir nicht leisten, nur um persönlich auf der „SAE Alumni Award“ Verleihung unseren „Special Judges’ Prize“ abzuholen, durch die Welt zu jetten. Doch dies ist nicht der wahre Grund der Heimreise.

Als wir im März 2011 aufbrachen, um die große Welt zu entdecken, waren vor allem unsere Eltern nicht sehr begeistert. Bei größtem Verständnis für ihr Unverständnis rückten wir jedoch nicht von der einstmaligen „Schnappsidee“ ab und ließen unsere Eltern in großer Sorge zurück. Doch bereits im Anschluss unserer Jungfernfahrt von den Salomonischen Inseln nach Papua-Neuguinea sollte ich nicht mehr das Sorgenkind sein. Bei meiner Mutter wurde ein bösartiger Gehirntumor diagnostiziert.

Für mich stellte sich damals natürlich die Frage, wie sinnvoll so ein Projekt für mich noch sein könne, wenn zu Hause meine Mutter einem viel zu kurzen und qualvollen Lebensende gegenüber steht. Sollte ich bei ihr sein oder weiter machen, um ihr und mir Vorwürfe über gescheiterte Träume zu ersparen? Keiner der beiden Alternativen konnte die „richtige“ sein, jedoch gaben mir die Reaktionen von Freunden, Musikern und natürlich euch – unseren Anhängern – das Gefühl, mich nicht total falsch entschieden zu haben.

Auch die Einstellung meiner Eltern, und vor allem meiner Mutter, haben mich in dieser Entscheidung schließlich bekräftigt. Letztes Jahr zu Weihnachten sagte sie zu mir: „Hannes, mach das, was Dir Spaß macht – so lange Du noch kannst.“

Am 29. September 2012 schlief meine Mutter friedlich im Hospiz ein. Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt auf See von Madagaskar nach Südafrika. Dass ich auf ihrem letzten Weg nicht für sie da sein konnte, wie sie es immer für mich war, tut mir unendlich weh. Doch möchte ich nicht in Selbstmitleid versinken, denn schließlich ist es ja sie, die das größte Leid zu tragen hat.


Auf der Trauerfeier brechen beide Welten auf mich herein, als unsere Aufnahme aus Australien zu hören ist.

Ich möchte nach vorne blicken, möchte bewegen, verändern und versuchen, meine Mutter so stolz zu machen, wie ich auf sie bin.

Danke Mutti. Für Alles.

Bild: blog.sae.edu

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Wir haben gewonnen!

Wir sind glücklich. Wir sind stolz. Wir haben gewonnen.

Hiermit überbringen wir euch die freudige “Boot”schaft, dass wir mit unserem Sailing Conductors Projekt den diesjährigen SAE Alumni Award in der Kategorie “Special Jury Award” gewonnen haben. Die Jury hat sich wohl einstimmig für uns entschieden und wir sind überglücklich.

Nach dreiwöchigem Hin und Her auf der letzten Überfahrt haben wir uns entschlossen, dass unser Smutje Hannes frühzeitig in Urlaub geht, denn er hatte noch ein wenig Resturlaub übrig. Deshalb ist er seit Mitte Oktober in der guten Heimat und war am 18.10.2012 bei der Preisverleihung in Berlin. Dies hier war das Video für die Preisverleihung, welches wir noch schnell auf unserem letzten Segelritt zusammengeschnippelt haben.
Captain Ben musste leider “zuhause” bleiben und ist gerade dabei unsere Marianne wieder flott zu machen für das nächste Jahr 2013, wenn es wieder heißt: Segel hissen für Amerika! Wir kommen!

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Von Security und Endgegnern in Sri Lanka

Wie es immer so schön heißt: Es ist wieder November in der Seele eines Seemanns. Das Meer ruft. Es muss weiter gehen. Nach über zwei Monaten Sri Lanka und Indien haben nun unsere letzten Tage in Galle begonnen. Es ist immer eine tolle und aufregende Zeit. Endlich wieder raus auf das Wasser und nichts machen außer Wellen schauen. Was wird diesmal alles schief gehen, wird der Wind auf unserer Seite stehen oder wieder mal gegen uns sein? Dann ist da natürlich die Vorfreude auf das nächste Land und dessen Musik und Musiker. Leider müssen wir uns aber auch von unseren neu gewonnenen Freunden verabschieden. Ob man sich wohl jemals wieder sieht? Jedenfalls sind uns jetzt ungefähr 15 verschiedene Schlafmöglichkeiten sicher, wenn wir das nächste Mal hier herkommen. Vom Gewürzmann bis hin zu unserem Barmann Sumeda vom Strandcafé. Alle wollen uns am liebsten gleich beim Ausfüllen des Einwanderungsdokumentes helfen. Gerade, wenn man sehr lange an einem Ort bleibt, fällt einem der Abschied natürlich nicht so leicht. Aber es muss ja schließlich weitergehen.

Bevor es losgehen kann, sind jedoch erst wieder Wasser- und Proviantbeschaffungsmaßnahmen zu bewerkstelligen. Und das für solch eine Riesentour. Für zwei oder drei Wochen zu planen, wie viel Wasser oder Reis man braucht, ist recht überschaubar. Zwei Liter Wasser pro Mann und pro Tag und dann noch ein bisschen für Kochen und Zähneputzen. Macht also für einen 2-Wochentrip um die siebzig Liter Wasser. Weil man ja meistens doch länger unterwegs ist, kann man noch großzügig was draufpacken. Aber was ist mit zwei Monaten? Kriegen wir so viel Wasser mit? Wie viele Äpfel, Bananen, Nudeln und Pilzkonserven brauchen wir, ohne dass unterwegs das Essen schlecht wird?

Während Hannes bei Sumeda im Strandcafé arbeitet, schnappe ich mir unseren Tuk-Tuk Fahrer Ekka und brause los, um mehr Wasserkanister zu besorgen. Ekka weiß immer, wo es alles zu finden gibt. Ekka weiß also auch gleich, wo es gebrauchte und günstige Wasserkanister gibt. Gut, dass die gelben Kanister ausgediente Pflanzenölkanister sind, hätte mich natürlich stutzig machen können. Aber wirklich ein Schnäppchen, wenn man eine ölige Wasseroberfläche und den leichten Beigeschmack im Trinkwasser nicht scheut. Und ich hab die Dinger doch wirklich gründlich ausgespült!

Naja, zurück am Hafen fülle ich meine zehn Plastikkanister gleich mit Inhalt, was bei einem eher dünnem Strahl aus dem Wasserhahn geschlagene zwei Stunden in Anspruch nimmt. Ich habe also genug Zeit, um mir schon mal im Voraus eine Taktik zu überlegen, wie ich am besten die 280 Liter Flüssigkeit (es sind in der Zwischenzeit noch vier Dieselkanister hinzugekommen) den restlichen Weg zum Boot  befördere. Mir ist bereits bewusst, dass das keine ganz einfache Angelegenheit wird, da ich ja noch an mindestens sieben braunen Anzügen vorbei muss, denen das Wort der Wichtigkeit oben auf die linke Brust gestickt ist: Security. Diese Einheit der Hafensicherheit lässt nicht so ohne weiteres fremde Gegenstände durch ihre metallenen Schranken. Ihr Hafen muss bewacht werden. Doch sind die braunen Hemden nicht das einzige Hindernis. Gleich dahinter, im letzten Level des Geschicklichkeitsspiels, sitzt in seinem kleinen Verschlag der Customs-Officer. Der Mann, den man nicht unterschätzen sollte. Der Mann, der das Sagen hat, bei dem man leise und höflich sprechen sollte, wenn man denn das Wort erteilt bekommt. Bei dem man stets leicht zu Boden schauen sollte, um seine Untergebenheit zu demonstrieren. Der Endgegner. Nach 2-stündiger Vorbereitungszeit bin ich mental bereit zum Kampf.

Es ist nicht das erste mal, dass die Angestellten an der Schranke zur Hafeneinfahrt versuchen aus uns schnelles Geld zu machen. Ihre Regeln sind einfach: Bringst Du etwas neu Erworbenes mit in den Hafen, brauchst Du eine Vollmacht, die vom Zoll, dem Hafenmeister, der Navy, unserer Agentur und von Peter im hintersten Gebäude unterschrieben ist. Selbst ein neues Seil oder Schrauben im Wert von 5 Euro. Also, entweder eine Vollmacht oder eine spontan ausgedachte Geldsumme. Oder alternativ auch eine Pulle Whiskey oder Rum. Aber die Große muss es schon sein.

Unsere Regeln sind auch einfach: Die kriegen keine Rupie von uns! Wir schaffen das auch mit Überredungskünsten. Auch, wenn es meistens etwas länger dauert.

Ich gehe also in weiser Voraussicht erst mal zu unserer Agentur, die hier in Sri Lanka jeder Segler braucht und die sich um jeglichen Papierkram beim Ein- und Ausklarieren kümmern. Normalerweise machen wir das auch immer selber. Hier jedenfalls ist die Agentur ein Muss und kostet ja auch nur ein kleines Vermögen.

Ich erkläre meinem Lieblingsangestellten mein Anliegen und deute auf meine 14 gelben Kanister. Heimlich hoffe ich auf eine freie Transporthilfe in einem der zahlreichen Transporter, die draußen überall herumstehen. „Ah, leider ist das nicht so einfach“, antwortet der Mann und erklärt mir mit bedauerlicher Miene noch einmal das längst bekannte Spiel der Bearbeitungsprozedur. Außerdem würde für ihn ja auch nichts herausspringen! – sagt er zwar nicht, das kann ich aber an seinen Augen ablesen. Ich solle doch mal mit den Leuten von der Security an der Schranke sprechen, die haben einen Trolley, den ich nutzen könnte, um die Kanister zum Boot zu transportieren. Okay. Ich bedanke mich recht herzlich und ziehe los ins Kampfgebiet.

Dort angekommen, versuche ich überfreundlich mein Problem ein weiteres Mal zu schildern. „Ja, ich war schon bei meiner Agentur und die meinen, ich käme auch ohne eine Vollmacht mit meinen Kanistern durch die Schranke“, lüge ich. Ausgetrickst, damit scheint die Vollmacht glücklicherweise kein Hindernis mehr zu sein. Geld? Nee, ich weiß nichts von irgendwelchen Kosten, die ich an der Schranke bezahlen müsste. Okay, kein Geld, ich solle doch meine Kanister mit den 280 Litern Inhalt den Kilometer zum Boot tragen, ist die durchaus freundliche Antwort. Kurz durchdenke ich die Situation: Zwei Kanister a 20 kg macht 40 kg pro Gang, macht sieben Gänge und 14 km Fußweg und danach fallen mir erst beide Arme ab und ich lande danach tot im Bach. Nee, keine gute Idee. Der nächste Vorschlag ist der Customs-Officer.

Zeitung lesend, den Körper schlaff nach vorne über den Schreibtisch gebeugt und aus leicht glasigen und müden Augen schauend, sitzt dieser in seinem Büro. Zum dritten Mal beschreibe ich die Lage. „Nee, ich brauche keine Vollmacht“, versuche ich es ein weiteres Mal. Ich will aber den Trolley, sage ich, nachdem ich schnell merke, dass da nichts weiter geht. Leider ist dieser gerade kaputt. Na so was. Dann bleibt also nur die Fahrt mit der Agentur. Trotz all meiner Argumente will er noch nicht so richtig und wir kommen nicht weiter. Ich solle noch mal zur Agentur gehen und mit denen sprechen. Hmm, tja worüber bloß? Egal, ich mache mich noch mal auf den Weg zurück zur Agentur. Ich betrete das klimatisierte Büro und erzähle dem Angestellten, alles wäre in Ordnung und wir könnten jetzt los. Mir fällt einfach nichts anderes ein, worüber wir noch hätten sprechen könnten. „Ja, das wird jetzt aber schwierig, es ist nämlich schon nach vier Uhr und nach vier Uhr muss auch die Agentur jedes Mal tausend Rupien bezahlen, wenn sie durch die Schranke will“, antwortet er und richtet seine Brille auf der Nase zurecht. Ich solle doch morgen wiederkommen. Das mit den vier Uhr ist mir jetzt aber auch neu, denke ich. Da es aber bei jedem Gespräch etwas Neues zu lernen gibt, mache ich mir nicht allzu viele Gedanken darüber. Der Mann lässt nicht locker und ich mache (nur ganz leicht gereizt) den Vorschlag, doch noch mal mit den Burschen vom Zoll zu reden. Vielleicht machen sie ja eine Ausnahme. Mittlerweile ist es auch schon fast dunkel und ich hatte mir fest vorgenommen, den ganzen Krempel noch im Hellen über den schmalen und wackeligen Plastiksteg zur Marianne zu befördern. Also schnell zurück in die Höhle des Löwen. Als ich dem Mann vom Zoll von den tausend Rupien nach vier Uhr erzähle, weiß dieser nicht wovon ich rede. Jetzt wird es mir langsam zu bunt. Wem kann man überhaupt glauben? Denen werd’ ich es zeigen! Also alles noch mal von vorne. 14 Wasserkanister, laufen zu weit, Trolley kaputt, tausend Rupien für die Agentur nach 16 Uhr. Schnell beginnen die Augen des Zollbeamten zu funkeln. Ich solle mich doch setzen. Man könne das ganze ja auch anders regeln. Wenn ich ihm helfe, dann könnte er auch mir helfen. Ich überhöre die Aufforderung zur Bestechung einfach und spule stattdessen noch mal meinen Text von vorne ab. Während unserer gesamten Reise, haben die Leute von der Einwanderungsbehörde oder vom Zoll uns schon oft den Wink gegeben, dass ein kleines Geschenk doch sehr willkommen sei. Nä, nicht mit uns. So was kann ich einfach nicht. Ist nicht mein Ding, läuft nicht. Und ich fange bestimmt nicht heute und hier damit an. Und schon gar nicht für lächerliche Wasserkanister!

Wieder macht der Mann im weißen Hemd eine Geste, nun etwas deutlicher, da er glaubt ich verstünde ihn wohl nicht recht und reibt seinen rechten Daumen gegen den Zeigefinger. Geld? Davon weiß ich jetzt aber nichts, versuche ich es wieder, aber die Leute von der Agentur könnten mich doch stattdessen schnell rüber fahren. Ablenken, Gehirnwäsche, immer vom Geldthema abschweifen und auf etwas anderes ansprechen ist meine Devise. Das verwirrt die Leute total. Als er zum fünften mal sagt, hier würde nichts gehen, außer wir würden uns gegenseitig helfen, platzt mir der Kragen, ich trete vor die Tür, stelle mich direkt davor, sodass ich das große Schild vor mir sehen kann, welches über dem Büro angebracht ist. Alle Augen der Sicherheitsleute sind auf mich gerichtet. Ich hole tief Luft und lese die ersten Zeilen des Metallschildes so laut vor, dass alle es hören können:

“It’ a punishable offense to bribe…”

Das hat gesessen. Ich gehe wieder in das Büro. Das weiße Hemd schaut mich nur verdutzt an. Dann mache ich ihm verständlich, dass ich kein Geld geben kann, weil ich doch nicht eingesperrt werden möchte. Ich füge noch hinzu, dass meine Religion mir das auch verbieten würde oder so, ob er denn auch religiös sei. „Also, ich hol jetzt die Kanister und dann fahren wir durch, okay?“, sage ich schließlich und gehe einfach. Mal schauen, was passiert.

Jetzt weiß der Mann von der Agentur auch nicht mehr weiter und willigt mit zerknittertem Gesicht endlich ein. Ausgerechnet jetzt ist natürlich gerade kein Auto verfügbar. Aber sofort als das nächste kommt, beschlagnahme ich es regelrecht und mir helfen zwei junge Kerle von der Agentur die 280 kg auf die Ladefläche zu hieven. „Kein Problem mit dem Zoll?“, fragen sie mich noch beim Starten des Motors. „Nee, nicht das Geringste“, sage ich schnell und springe mit auf die Ladefläche.

Vor der Schranke müssen wir anhalten. Nichts passiert, alle Sicherheitsleute schauen nur in der Gegend rum. Jetzt kann ich mich nicht mehr halten, springe von der Ladefläche, laufe zur Schranke und öffne sie einfach selber, während ich die Jungs im Auto herwinke. Natürlich werden die Sicherheitsleute stinksauer und schreien mich an. Ich frage, was denn los wäre, warum keiner die Schranke aufmachen würde, es wäre doch alles geregelt. Da steigen die Agenturangestellten grinsend aus dem Auto aus und kommen zur Hilfe. So was haben sie wohl auch noch nie miterlebt. Eigentlich sind alle am Schmunzeln, auch die braunen Uniformen. Während meine Jungs dann schnell mit dem Boss vom Zoll reden und die Situation regeln (nicht mit dem Zollbeamten, mit dem ich mich rum geschlagen habe. Hätte ich das früher gewusst, dass da irgendwo noch ein höheres Tier sitzt…), kommt ein netter Security-Mensch auf mich zu, lächelt mich an, legt mir den Arm um die Schulter und sagt, dass ich doch ein „good guy“ wäre, aber dass ich doch wirklich nicht die Schranke selber aufmachen sollte. Auch ich gebe ihm einen Klaps auf den Rücken, schlage dann meinen Kopf ein paar Mal leicht gegen seine Schulter und sage mit künstlich gedehnter Stimme, dass sie mir auch wirklich das Leben nicht immer leicht machen. Alle finden unsere Versöhnung witzig und sind wieder gut drauf. Ich beschließe hiermit, dass ich den Kampf gegen die Untermächte gewonnen und dabei keine Rupie ausgegeben habe. Als meine Burschen kurz darauf wieder da sind und wir im Auto sitzen, rufe ich „Go go go, let’s go fast! They’re coming!“ und jetzt können sie sich das Lachen nicht mehr verkneifen. Ob ich mir mit dieser Aktion ein klein wenig Respekt und damit eine kommende bestechungsfreie Zeit geschaffen habe, oder genau das Gegenteil bewirkt habe, weiß ich erst am nächsten Tag, als das Thema Whisky und Rum wieder aufkommt. Warum gibt es auch so viele von diesen Security-Leuten? Naja, Hauptsache ich kann jetzt endlich ausladen. Mittlerweile ist es natürlich stockdunkel.

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Unser Dickerchen auf der ersten Regatta

Wir wussten schon immer, dass unsere „Marianne“ auf Grund ihres korpulenten Kiels nicht gerade die Schnellste ist. Doch noch nie hatten wir die Möglichkeit, uns mit anderen zu vergleichen. Normalerweise verlässt ein Weltumsegler-Boot den Ankerplatz nur für die nächste Ozeanüberquerung, doch „La Grande Regate de Nosy Be“ können wir uns einfach nicht entgehen lassen!

Um 11 Uhr am Samstag sollen sich alle Skipper der 15 teilnehmenden Boote an der Bar der Marina in Crater Bay einfinden. Ein ausgesprochen guter Treffpunkt wie sich herausstellt, denn bis tatsächlich alle eintrudeln und die Besprechung beginnen kann, entwickelt sich bei den Pünktlichen ein enormer Durst. Mit nur anderthalb Stunden Verspätung erklärt uns Marina-Chef Rudi in einem Kauderwelsch aus Französisch, Englisch und Deutsch die Strecke zur Russian Bay und am nächsten Tag wieder zurück.
Alle versuchen höchste Aufmerksamkeit vorzutäuschen und dabei so viel Schabernack wie möglich zu treiben. Es wird verständnisvoll genickt, aber ansonsten gelacht und dazwischengerufen. Wir nehmen nach der Besprechung die Klassenfahrtsatmosphäre mit aufs Boot und tuckern langsam zum Startpunkt.

Dank taktischer Weitsicht meines Captains können wir tatsächlich als einer der ersten über die Startlinie fahren, doch schon nach kurzer Zeit überholt uns noch das letzte Boot. Um der aufkommenden Schwermut entgegenzuwirken, gibt es zum Baguette ein Bier. Etwas munterer beobachten wir dann, wie die Katamarane nicht hart am Wind fahren und direkt auf die Bucht zusteuern können, sondern etwas weiter abfallen. So müssen sie zwei Mal Wenden, um das Ziel zu erreichen. Drei dieser schwimmenden Häuser reihen sich dann kurz vor dem Zieleinlauf tatsächlich hinter uns ein und in uns keimt Hoffnung auf.

Entweder ich hatte bei der Besprechung nicht richtig zugehört oder unsere „Regatta-Vorbereitung“ im Number One Club bis 3 Uhr in der Früh war extrem kontraproduktiv. Wir wurden zwar vor einem Riff östlich der Bucht gewarnt und wir befinden uns westlich von dieser, doch innerhalb von wenigen Sekunden wird das Wasser immer flacher. Der Tiefenmesser zeigt plötzlich nur noch 1,5 m Platz unter dem Kiel an. Um nicht auf Grund zu laufen, navigieren wir mit vier Wenden aus der Untiefe heraus und fahren Dank dieses Umwegs als Vorletzter ins Ziel.

Mit großem Hunger nach den vier Stunden Fahrt setzten wir über zum Strand und freuen uns auf Kartoffelsalat, Fleischspieße und gegrillten Fisch. Leider sind die Madagassen nicht so gute Techniker, wie sie kochen können und so bleibt die aufgebaute Musikanlage stumm. Es wird Bier getrunken und meilenweise Seemannsgarn gesponnen, bis wir uns irgendwann erbarmen und unsere Gitarren holen.
Zur Belohnung werden wir mit Bier und einem Kokosnussmilch-Rum-Gemisch versorgt. Die Kehlen bleiben feucht und so schmettern wir einen Song nach dem anderen, bis um 4 Uhr auch der Letzte sich in sein Dinghy setzt und zu seinem Boot fährt. Uns tun die Finger weh und wir entscheiden uns, nicht zur Marianne zu paddeln, sondern im weichen Sand unter dem klaren Sternenhimmel am Strand zu schlafen.
Keine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt. Am nächsten Morgen ist unser Schlauchboot weg und in der gesamten Bucht nicht mehr zu finden. Trotzdem nehmen wir an den Strandspielen gegen die anderen Mannschaften erfolgreich Teil und geben auch auf dem Rückweg zur Marina alles. Obwohl wir ein Schlauchboot leichter als auf der Hinfahrt sind, kommen wir so spät am Ziel an, dass unsere Zeit von der Jury nicht mehr gestoppt wird und wir disqualifiziert werden. Wir wussten ja, dass wir langsam sind… aber so langsam? Das hätten wir nun wirklich nicht gedacht.

Als Trostpreis und kleines Dankeschön, dass wir den Abend mit unserer Musik gerettet haben, dürfen wir dann aber tatsächlich ein Dinghy von Rudi nun unser Eigen nennen. Wir sind total aus dem Häuschen über dieses Geschenk und können unser Glück kaum fassen. Hoch und Tief liegen auf diesem Trip manchmal sehr nah beieinander…

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Amesa Motro (Hast Du Feuer?)

So etwas passiert, wenn die Sonne wie Feuer brennt und das Gehirn so langsam anfängt zu schmelzen. Nach einer 2sStündigen Aufnahme Session mit den Jungs aus Nosy Be konnten wir einfach nicht aufhören, Musik zu machen. Da musste MC Ben natürlich noch den einzigen Song rausholen, den er singen kann.

Besten Dank an Olgatien für das Herumführen, all die tollen Musiker, die er uns vorgestellt hat und natürlich für das Gitarre Spielen. Hiermit sind wir offiziell auf dem Weg nach Mosambik. Der Motor läuft und die Segel gehen jeden Moment hoch. Wir sehen uns drüben. Bis bald!

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