Archiv der Kategorie: Sailing Conductors

neonbeige Ehrenfeld

Wir kennen die Gründerin des Modelabels Neonbeige-Ehrenfeld schon seit langem. Denn die waschechte Seemannstochter Nathalie van den Bergh verfolgt unser Sailing Conductors Projekt schon, seitdem wir zum ersten Mal vor über 2 Jahren unsere zerschlissenen Segel gehisst haben.

Nathalie van den Bergh

Die Hoodiedesignerin hat außergewöhnliche Lebenskonzepte

Nathalies Neonbeige-Ehrenfeld ist kein ganz gewöhnliches Modelabel. Denn es dreht sich alles nur um das Thema “Hoodie”. Und in der letzten Zeit ist die schicke Kopfbedeckung ein echter Renner geworden, denn sie ist noch „vielversprechender als sie klingt, denn sie kratzt nicht.“

„Es kann einfach nicht zu heiß sein für einen so coolen Hoodie!“

Getrieben von ihrem Hang zu Abenteuern und inspiriert von unserem Projekt, besorgt sich die Designerin kurzerhand Stoffe mit Ankermustern und schreibt uns dann in einer Email:

“Die Anker-Hoodies MÜSST ihr unbedingt haben, weil ihr dann nie mehr kalte Ohren haben werdet!
Außerdem sind sie Frisurenkonservator, Lärmschutz, falls die Sirenen zu laut heulen und was noch viel wichtiger ist: Glücksbringer, sowas wie der Nautische Stern für Sailing Conductors”.

Wir sind überglücklich, endlich unseren eigenen Sailing Conductors Anker-Hoodie zu haben und wollen ihn auch trotz der Hitze hier in Rio nicht mehr ausziehen! Und bald geht es für uns ja auch in kältere Gefilde, da werden wir mit Sicherheit dankbar dafür sein, den Neonbeige-Ehrenfeld Anker-Hoodie in unmittelbarer Nähe zu wissen.

neonbeige logo

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Die Fliege von Juan Munhoz

Wenn man Musiker im Freien aufnehmen will, ist es erforderlich besonders auf störende Hintergrundgeräusche zu achten. Manchmal muss man diese einfach in Kauf nehmen, aber dieses Mal war die Lösung relativ einfach…

Location: Rio de Janeiro, Brazil
Camera: Sony NEX-VG10e
Cast: Juan Munhoz

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Franzen | von der Lippe – Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

Wir haben den Pazifik besegelt, den Indischen Ozean und den Atlantik überquert, Stürme und haushohe Wellen überlebt, waren im Busch von Australien und im Dschungel von Papua Neu-Guinea, haben mit Pennern gesoffen und mit Fürsten gespeist. Man könnte sagen, wir haben uns genug Gefahren ausgesetzt und sind immer mit einer heilen Haut davon gekommen, denn wir wussten intuitiv, was zu tun war.

Während wir uns jedoch von Kontinent zu Kontinent vorgewagt haben, braute sich von uns unbemerkt ein Unheil bringendes Gewitter zusammen. Ausgerechnet ein harmloses Stück Papier – ein Brief aus Deutschland – brachte uns dann vor kurzem fast zum Kentern. Das Finanzamt stand vor der Tür und hatte unsere Steuereinnahmen geschätzt. „Welche Einnahmen?“ haben wir uns gefragt, doch monatelanges Nichtbeachten des Fiskus kann unangenehme Folgen haben. Wir schuldeten dem Staat anscheinend Geld – und das gar nicht mal so wenig.

Auf Kanal 16 schickten wir einen letzten Notruf und wurden tatsächlich erhört: Das Rettungsboot Mark Franzen von den Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern franzen | von der Lippe aus Hamburg kam uns zur Hilfe und beseitigte im Nu alle Unklarheiten. Das war gerade noch mal gut gegangen.

Wie ein Bullenstander auf Vorwind-Kursen ist nun Mark Franzen unsere Sicherungsleine für finanzielle Patenthalsen und gehört zur Sicherheitsausrüstung, einer jeden Expedition. Tausend Dank und willkommen an Bord!

Logo_franzen I vd lippeWP
Rechtsanwälte Steuerberater Wirtschaftsprüfer
franzen | von der Lippe
Meßberg 1
20095 Hamburg
Tel.: +49 (40) 398035-0
Fax: +49 (40)-398035-29
www.franzenvonderlippe.de

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Durch die Nacht mit der Trupe dos Errantes

Komplett durchgeschwitzt vom steilen Anstieg in den engen Gassen von Santa Teresa, stehen wir Punkt 9 Uhr vor einer vergitterten Tür. Sind wir hier richtig? Was mir allerdings mehr Sorgen macht, ist, dass man uns mit normalen Backpackern verwechseln könnte, wie wir so suchend um uns blicken und mit tonnenschweren Rucksäcken voller Equipment vor dem Hostel warten, in dem Juan noch nebenbei arbeitet, um sich das nächste Schlaginstrument finanzieren zu können. Hier wollen wir den Rest der Jungs und Mädels von der „Trupe dos Errantes“ (Truppe des Wanderns) treffen und dann um 11 Uhr irgendwo aufnehmen gehen.
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Nur eine Stunde zu spät wandern wir mit Juan, Fernando, Arthur, Jean und Nina musizierend durch Santa Teresa und können trotz des ständigen Auf- und Ab kaum die Augen von den Häusern der unzähligen europäischen Einwanderer lassen. Umhüllt von Gesang, Geigen-, Querflöten und Akkordeonklängen – sogar einer Trommel in einer Dienstagnacht(!) – lassen schiefe Dächer über von Ranken bewachsenen Balkonen mit üppig verzierten Geländern und dorischen Säulen neben überfüllten Bars, voll trunkener Touristen, den Charme Friedrichshains, auf das Niveau einer Plattenbausiedlung in Rostock-Dierkow sinken. Ich bin so glücklich, dass jetzt noch ein 50 Cent Sterni vom Späti in der Hand mich vergessen lassn würde, warum ich noch weiter nach Hause segeln sollte.
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Nach unzähligen Biegungen, die nicht nur meinen Orientierungssinn vollkommen überfordern, erreichen wir den Platz „Largo das Neves“ und treffen – ungefähr anderthalb Stunden zu spät – dort noch Sänger und Tänzer Caio mit Tanz- und Gesangspartnerin Thais. Auf den Bänken um den Platz herum, sitzen Schaulustige und prosten sich mit Caipirinha zu, den sie aus dem Kofferraum eines alten VW Passat beziehen, während wir die Rucksäcke entladen, Mikrofone aufbauen, uns Bier aus dem Kofferraum reichen lassen und das Gewusel aus Musikern und Tänzern versuchen so zu organisieren, dass wir zusammen ein paar Lieder aufnehmen können.
Gegen zwei Uhr hat die örtliche Polizei dann tatsächlich den Nerv unsere Aufnahme-Session zu unterbrechen und uns um Ruhe zu bitten – macht aber den Fehler, uns ihr Vertrauen zu schenken, dass wir in 5 Minuten aufhören würden und fährt von dannen. So ist es schließlich die unfassbare Macht eines erschöpften Kamera Akkus, die uns Wandersleut‘ viel später als versprochen wieder zum Einpacken bewegen kann.
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Mit „Bella Ciao“ in den Ohren kommt es mir auf dem Rückweg kommt so vor, als hätten die Straßen noch um ein paar Biegungen und mein Rucksack ein paar Kilo zugenommen. Kann ja eigentlich nicht sein, aber ich hätte schwören können, dass der Hinweg größtenteils bergauf ging und es jetzt demzufolge bergab gehen müsste. An dieser Illusion muss das überteuerte wässrige Bier dran schuld sein, das einfach nicht richtig betrunken macht – nur den Kopf kaputt und die Zunge pelzig. Und wenn es nicht mehr eisgekühlt ist – die Kühlschränke zeigen hier immer -3,5°C an – sollte man es eigentlich gleich bleiben lassen.

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Gegen fünf erreichen wir schließlich die Marianne und in der Koje fällt mir dann ein, dass wohl aus genau diesem Grund Caipirinha und Joints auf den vorderen Plätzen der brasilianischen Genussmittel-Charts liegen müssen. Bei mir aber nicht und deshalb beschließe ich im Halbschlaf doch, die Pfanne nicht an den Nagel zu hängen und meine Anstellung als Smutje erst mal zu behalten…
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Trockenübung: Wir bestaunen unseren Parasailor

Ein Segelboot kann wohl kaum schöner aussehen, als mit einem Spinnaker vor dem Wind auf hoher See. Nun ist ja leider noch unser Motor kaputt, sodass wir nicht aus dem Hafen fahren können, doch wir sind so neugierig auf unseren brandneuen Parasailor von ISTEC, dass wir das Teil unbedingt schon mal auf dem Trockenen ausprobieren wollten. Außerdem waren unsere ersten (und bisher auch letzten) Spinnaker Erfahrungen derart traumatisch, dass wir vor dem richtigen Test einfach noch eine kleine Vorübung brauchten.

Das Spinnaker-Desaster

Wir befanden uns gerade auf der allerersten Etappe von den Salomonischen Inseln nach Papua Neu-Guinea. Nach dem wir endlich halbwegs unsere Selbststeuerungsanlage eingestellt hatten und ein klein wenig Langeweile auf dem Vorwindkurs aufkam, holte Benni den 35 Jahre alten Spinnaker aus dem Bootsinneren. Ein wenig gewundert haben wir uns schon, dass da irgendwer das riesige Segel in so eine kleine Tüte gepfriemelt hatte. Also holten wir das Teil raus aus dem Schlauch und ab ging es aufs Vorschiff. Nach ein paar Minuten intensiver Diskussion hatten wir uns schließlich die Technik überlegt, die Schoten aufzuknoten und dann links und rechts ans Schothorn des Spinnakers zu befestigen – dass das Fall oben ran kommt, war ja klar. Mit dem Wind perfekt von hinten zogen wir unseren „roten Drachen“ dann voller Erwartungen hoch und wir konnten es kaum glauben – wir fuhren mit Spinnaker! Bei genauerem Hinschauen verflog die gute Laune dann schnell wieder. Das Segel sollte sich wohl nicht zwischen Mast und Stag befinden. Also wieder runter damit und dann war es auch schon passiert: Der Drache schlug wild um sich, drehte sich mehrmals und befand sich nun in einer unlösbaren Umarmung mit dem Vorstag. Nach zwei Stunden in der Mittagshitze hatte ich dank der guten Vorarbeit des Captains, das Stag aus dem Würgegriff des Spinnakers wieder befreit. „Sollen wir das noch mal ausprobieren?“ Na klar, wir kannten damals noch keinen Schmerz und schon raste das Fockfall wieder gen Masttopp. Doch nach ein paar Metern war schon wieder Schluss, das leichte Material verfing sich an irgendetwas spitzen und riss auf kompletter Länge auf.

Seit dem haben wir nie wieder einen Spinnaker benutzt

Wir packen das erste Mal unseren neuen Parasailor auf dem Steg der Marina da Gloria aus und bestaunen unser riesiges Logo Der Wind kam zwar von vorne und wir waren noch fest vertäut, doch wir wollten unbedingt unser Logo auf dem Parasailor sehen. Los ging’s: Mit dem bebilderten PDF-Handbuch neben uns, stellten wir die Segel-Tasche vor den Mast, ja schön auf die roten und grünen Markierungen für die richtige Positionierungen geachtet, Fockfall am Kopf des Bergeschlauchs befestigt und hoch damit! Dann die Aufziehleine an einer Klampe belegt, den Easysnuffer hochgezogen und schon entfaltete sich das schöne Segel. Vorsichtshalber nur nicht zu weit, aber schon nach Kurzem erblickten wir da unsere segelnde Gitarre und waren überglücklich. Jetzt können wir es kaum erwarten, den Parasailor endlich auf dem Wasser auszuprobieren, das Ding sah so aus, als wolle es unbedingt befreit werden und fliegen. Der Mechaniker soll sich beeilen, wir wollen raus! Wir packen das erste Mal unseren neuen Parasailor auf dem Steg der Marina da Gloria aus und bestaunen unser riesiges Logo flattr this!

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Über den großen Teich – 6 Wochen im Atlantik

Unsere längste Segeletappe liegt hinter uns. 3600 Seemeilen (6667 km) endloses Wasser in allen nur erdenklichen Blautönen. Der große Teich. Der Atlantik.

Der große Teich

Noch vor zwei Jahren, als wir unsere musikalische Segelreise zu planen versuchten und noch mächtig viel grünes hinter unseren Ohren zu finden war, hatten wir ja eigentlich alles ganz anders im Sinn. In 9 Monaten von Sydney durch den Suez Kanal bis nach Berlin. Immer schön brav an der Küste entlang. Weil das ja dann am ungefährlichsten ist und man bei einer Gefahr schnell mal an Land schwimmen kann. Denkste! Wie sind wir noch mal auf 9 Monate gekommen? Hatte ich mich nicht um die Routen- und Zeitplanung gekümmert? Ich war wohl schon halb mit den Gedanken auf einem Segelboot in wilden Stürmen unterwegs. Oder betrunken. Oder beides. Und dann begann irgendwann unser erster Segeltrip von den Salomonischen Inseln nach Papua Neuguinea. Und mit ihm die erste Ozeanüberquerung über den Pazifik. Nicht ganz so weit zwar, aber trotzdem – was war das noch mit „immer an der Küste entlang segeln“? Das wird dann aber wohl auch unsere längste Strecke, die wir fernab von Küsten und ihren Sicherheiten verbringen, dachten wir uns dann. Tja, warum haben wir damals überhaupt versucht, irgendetwas zu planen?

Das grüne hinter den Löffeln ist seitdem etwas abgebröckelt, unser Abenteuer hat sich zeitlich knapp um das 5fache verlängert, wir haben den Pazifik, den Indischen Ozean und nun auch diesen Atlantik überquert. Und haben 30.000 km auf dem Buckel.

Wie kann man sich aber mental auf 5-8 Wochen auf See vorbereiten? Lange Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt, zu Freunden und Familie. Tage, die sich nach kurzer Zeit so sehr gleichen, dass man schnell vergisst, welcher Wochentag es ist und man ertappt sich dabei, dass man Januar denkt, obwohl aber schon Mitte März auf dem Kalender steht. Man kann sich nicht vorbereiten. Es ist und bleibt eine lange Zeit.

All diese Gedanken werden sowieso in der letzten Phase kurz vor Reiseantritt überschattet von der Vorfreude auf den nächsten großen Kontinent, die zukünftigen manchmal unaussprechlichen Ländernamen, die fremden Sprachen und natürlich die Musik und Rhythmen der neuen Musiker. Gleichzeitig sind wir beschäftigt mit Nahrungsbeschaffungsmaßnahmen und beladen unsere Marianne mit soviel Wasser, dass das Boot um knapp 20 cm in die Knie geht und man die rote Wasserlinie schon nicht mehr sehen kann. Egal, Hauptsache, man kann unser Logo noch klar und deutlich erkennen! Auch die guten Zusprüche der anderen Segler helfen, die alle sagen, dass die Atlantiküberquerung von Kapstadt nach Rio bestimmt ein Klacks wird: „Hier blasen die Winde stetig das ganze Jahr und es gibt keine tropischen Stürme. Ihr seid also im Handumdrehen drüben!“. Na, das hört sich doch gut an.

Leinen los! Wir sind guter Dinge. Einzig allein die Tatsache, dass ich in genau 7 Wochen in Rio sein muss, um meinen Flug nach Deutschland zu erwischen, bleibt als ein nervöser Druck im Hinterkopf zurück. Mein Cousin heiratet und da darf ich doch nun wirklich nicht fehlen. Und dank dem kleinen Unfall vor ein paar Tagen, bei unserem ersten Versuch ohne Motor aufzubrechen, haben wir schon eine Woche verloren. Wir hoffen also auf stetige Passatwinde, die ab dem 23. Breitengrad Süd anfangen sollen (sagt zumindest der Cruising Guide) und segeln deshalb etwas nördlicher als wir eigentlich müssten, um so schnell es geht in diesen Bereich zu gelangen. Doch alles kommt natürlich wieder ganz anders als man denkt.

Die ersten 2 Wochen, die windtechnisch eigentlich die unangenehmsten werden sollten, sind super. Wir brechen fast täglich unseren eigenen Meilenrekord in 24 Stunden – das Etmal. Unsere kleine Marianne ist nun mal kein Racer und wenn andere größere Boote oder Katamarane über Tage fluchen, in denen sie nur 200 Meilen (370 km) am Tag schaffen, sind wir die glücklichsten Segler der Welt, wenn wir unsere 100 Meilen (185 km) pro Tag absolvieren. Bisheriger Rekord lag bei 117 Seemeilen, den wir auf der Strecke von Sri Lanka nach Madagaskar geknackt haben. Doch jetzt läuft alles rund und wir brechen einen Rekord nach dem anderen. Erst 119 Meilen gefolgt von 122 Meilen und dann der nächste Tag – 129 Seemeilen! Na, wenn das so weiter geht, sind wir in Nullkommanichts da – denken wir, doch dann kommt der langersehnte und vielversprechende 23. Breitengrad Süd. Und der Wind macht auf Rente. Passatwinde sollten eigentlich konstant zwischen Windstärke 4 und 5 (11 – 21 Knoten) sein. Das ist der Traum eines jeden Blauwasserseglers. Gut, zumindest unser. Dann schaffen wir Maximalgeschwindigkeit, die Selbststeueranlage steuert das Boot problemlos, sodass du das Steuer tage- oder manchmal wochenlang nicht anfassen brauchst, die Bewegungen des Bootes sind angenehm, das Material wird geschont, du kannst dich zurücklegen, beobachten, lesen, Kaffeetrinken, Musik hören, entspannt am Laptop arbeiten, kochen, spülen, schlafen, eine Salzwasser-Eimerdusche nehmen und – hatte ich schon beobachten? Dann ist das Leben schön. Und die Meilen purzeln nur so dahin.

Kaffee

Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

Unsere Passatwinde haben jedoch ihren eigenen Willen. Sie liegen bei Windstärke 2 bis 3 (4 – 10 Knoten). Immerhin sind sie stetig, das muss man ihnen lassen und wir kommen einigermaßen schnell voran. Auch wenn die Segel konstant schlackern. Und das ist fast noch schlimmer als gar kein Wind. Dieses ständige flapp und peng und bumm und das ganze Rigg (Mast und Drahtseile, die den Mast halten) zittert, wenn sich das Segel wieder mit Wind füllt. Wir fühlen mit unserer Marianne und jeder Ruck schmerzt auch uns. Aber was sollen wir machen? Segel runternehmen und gar nicht mehr vorankommen? Keine Option. Andere Segler würden wahrscheinlich jetzt den Motor anschmeißen und tagelang Diesel vergeuden. Wir haben viel zu wenig Diesel und müssen außerdem unseren uralten Motor schonen. Auch keine Option. Also, Zähne zusammenbeißen und unter schlackernden Segeln weiter kriechen.

Passatbesegelung

Die Passatbesegelung – Noch immer unsere schnellste Art zu segeln

2 Wochen geht das so, tagein, tagaus. Dann ist der Wind für 4 Tage komplett weg und wir treiben ohne Segel einfach nur herum. Bei brüllender Hitze. Die kleinste Bewegung und der Schweiß fängt an zu laufen. Und es ist doch nicht mehr weit bis Rio! Noch knapp 1000 Meilen. Man hat das Gefühl man könnte die Stadt schon fast fühlen und riechen. Und dann geht es langsam weiter. Und die Segel schlackern.

Das GPS-Gerät ist ein Fluch, denn man ertappt sich dabei, alle paar Minuten auf das Display zu schauen, um die letzten Meilen bis zum Ziel abzulesen. Als ob die Zahl immer kleiner wird, je öfter man darauf schaut. Und plötzlich zieht uns Rio wie ein Magnet an. Wind kommt auf. Je näher wir kommen, desto stärker wird er. Wir werden immer schneller und fangen wieder an, fast unsere alten Rekorde zu brechen. Und dann sehen wir morgens zum ersten Mal Land. Ein gutes Gefühl. Und auf einmal sind da wieder so viele Schiffe. Überall. Und Öl-Bohrinseln. Nachts sind wir umringt von einem riesigen und hellen Lichtermeer, fast wie eine schwimmende Stadt. Und Schiffe funken uns an, weil wir im Weg sind. Wie seltsam ist dieses Gefühl wieder mit fremden Leuten zu reden! Ich bin total aufgeregt.

Gespräch mit Hamburg Süd

Wir funken mit Hamurg Süd – Trotzdem will uns keiner einen Kasten Bier ins Wasser schmeißen

Hamburg Süd

Erfreuliche Begegnung mit der Heimat

Wir segeln so schnell, dass wir mitten in der Nacht vor der Hafeneinfahrt stehen. Und da unser Motor wieder den Geist aufgegeben hat und wir lieber nicht blind durch das Gewusel von Tankern und Pilotbooten segeln wollen, lassen wir uns bis zum Morgengrauen treiben. Und dann ist der Wind 3 Meilen vor dem Yachthafen tot. 6 Stunden versuchen wir irgendwie voranzukommen, aber keine Chance. Die Strömung ist stärker und wir sind am Ende. Was ist eigentlich los mit diesem Wetter? Ist es die globale Erwärmung? Liegt es an uns? Oder was ist da los! Wir wollen abgeschleppt werden, versuchen zu funken, aber die Marina meldet sich nicht. Ich rufe mit unserem Satellitentelephon an, aber leider bietet der Yachtclub keinen Abschleppservice an.

Sat Phone

Nur noch 3 Meilen und kein Motor – Kann uns vielleicht jemand abschleppen? Wir rufen mit unserem Satellitentelefon an

Also warten. Irgendwann sehen wir ein kleines Boot, das Menschen von einem Tanker abholt. Hannes ist an der Funke, ich stehe an Deck und winke wie ein Verrückter. Und es hilft. Das Boot kommt langsam näher und nach wenigen Minuten haben wir die Burschen überredet – ich werfe ein Seil herüber. Jetzt ist es fast geschafft. Überglücklich, aber hochkonzentriert versuche ich unsere Marianne hinter dem Motorboot möglichst gerade zu halten, damit das Seil nicht reißt, denn der Gute Mann am Steuer gibt nun richtig Gas. Unser Heck ist fast komplett im Wasser. So schnell waren wir wohl noch nie unterwegs, aber jetzt ist alles egal, wir sind gleich da!

Abschleppen

Mit Vollgas ans Ziel – Wir waren wohl noch nie so schnell unterwegs

Die ersten Schritte an Land fühlen sich komisch an und ich spüre schon jetzt den Muskelkater in den Waden, der mich übermorgen erwarten wird. Aber auch das ist egal. Marianne ist sicher am Steg festgemacht, Hannes und ich liegen uns in den Armen und es gibt jetzt nur noch einen Gedanken: Wo gibt’s das nächste Bier?

Glückliche Umarmung

Glücklich und erschöpft

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