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Schon mal eine Schraubenwende gesehen?
Vor ein paar Tagen präsentierten die Kollegen von segelreporter.com dieses Video vom Contender-Segeln in La Rochelle. Der Schriftsteller (Die Farbe der See), Drehbuchautor (Tatort, Küstenwache), Präsident der internationalen Klassenvereinigung und Weltmeister von 2005 Jan von der Bank präsentiert sein Turngerät in der Atlantikwelle. Das Highlight ist die Wende bei 1:07 min!
IRON LADY on the waves

IRON LADY on the waves
Ipanema querab
Links von der LADY wackelt Ipanema, dahinter die Copacabana. Leider ist es bedeckt, kein Mond in Sicht und wir sind Stunden zu früh. Bis vor einer Stunde hat uns eine Damenbriese aus Süd schneller nach Rio gebracht, als gedacht. Na so was! Das Lager der Lichtmaschine pfeift mit Ladyromantik vor sich hin und da es mit Segeln vorbei war, die Karre sich nur noch im alten zwei Meter Schwell ein schaukelte, muss jetzt Johann schieben. Das wackelt auch und dazu ist es laut, aber man kommt vorwärts, um den Zuckerhut um 5 Uhr und dann schmeißen wir den Anker vorm Yachtclub oder finden den Besuchersteg, von dem uns unser brasilianischer Freund Paulo geschrieben hat. So ist der Plan.
Auf dem Weg ist nicht viel passiert. Ein schlafender Wal hat das Heck der LADY in die Höhe gehoben beim unsanften Aufwecken. Hat mächtig geklatscht danach hinterm Schiff. Hätte aber auch eine Welle sein können. „Na Wnuk? Schlafentzug?“ Ich weiß es wirklich nicht. Muss schon echt ne komische Welle gewesen sein.
Maya und Lena schlafen in Ihrer Koje seit Sonnenuntergang, inzwischen Mama auch, nachdem sie mich für ein paar Stunden Wache abgelöst hatte. Vor dem Bett eine Schüssel zum Kotzen für die Kinder, aber nix drin. Maya hat nur so nen komischen Geschmack im Mund. Na, wenn es weiter nix ist bei dem Geschaukelt. Macht mich grade wahnsinnig. Kann das bitte mal aufhören?
Ich vertue die Zeit mit auf die Karte auf dem Bildschirm gucken und dem kleinen Schiff folgen. Das sind wir. So klein, neben die riesigen Stadt. Um uns herum kein einziges andres Boot. Schlafen alle. Würde ich auch gerne. Geht aber nicht. Nicht jetzt! „Micha Augen auf!“ Ich such mir mal ne Dose Cola in der Backskiste, damit ich bis zum Morgengrauen durchhalte.
5:30 Inzwischen ist die ganze Familie wach sitzt in Schwimmwesten verpackt und schaut sich den Zuckerhut bei Nacht an. Der Diesel stinkt bei m achterlichen Restwind sosehr, dass noch nicht einmal der Geruch Rio’s ins Gewicht fällt. Die Brasilianer müssen mächtig stolz auf Ihre Strände sein. Hell wie ein Fußballfelde sind diese erleuchtet.
Zum Abschied heute noch mal ein Photo der vier Orgelpfeifen, den Piraten von Ilha Grande. Jan, Maya, Noah und Lena. Auf das sie sich noch mal wiedersehen. Das passt! Sagen die Österreicher immer gerne.
Ankerfall

Ankerfall
Angekommen in Rio
Hier, wo wir jetzt liegen, sollten wir eigentlich gar nicht liegen, wir sollten eigentlich an einer Mouring des Yachtclubs liegen. Doch es kam eben anders. Nach einer quasi schlaflosen Nacht, nur zwei Stunden waren für mich diesmal drin, sind wir gegen acht endlich um den Zuckerhut. Klar, hat es geregnet, was sonst! Dann sind wir langsam in Empfangsbassin des Yachtclubs getuckert und haben an einer hohen Mauer festgemacht. Und so wie das Wetter, war auch der Empfang im Marina Office. Natale stolperte dort mit Maya und Lena rein und wurde quasi wieder rausgeworfen. Danach habe ich mein Glück versucht, mit frischer Jeans und IRON LADY SKIPPER T-Shirt. Ebenso unfreundlich und doch freundlich wird mir erklärt, dass wir hier nix zu suchen haben, wenn wir hier keinen Member kennen und der uns schriftlich eingeladen hat. „Achso!“
Der Anker fällt auf grade mal 2 Meter oder so. Wir liegen viel zu nah an einem Fischer, aber das ist mir egal. „Ich geh schlafen. Regel Du das!“ Mir reicht es für heute. In einer kleinen Bucht liegen wir neben 3 anderen Seglern, die wir auf Ilha Grande schon gesehen haben. Nach zwei weiteren Stunden Schlaf, es ist inzwischen Mittag, quäle ich mich wegen Kindergeschreis aus der Koje und der Tag beginnt. Die Fischer neben uns haben Ihren Ankertampen nen bisschen dichter geholt und stinken zwei Bootslängen vor uns mächtig nach Fisch. Natale hat nen Termin in der Plastischen Klinik und so pullen wir an Land, weil ich meinen Außenborder da nicht rumliegen lassen will. Ja. „Papa, warum paddeln wir denn?“ „Weil Ihr so süße Prinzessinnen seid.“
Mit dem Taxi geht es in die Stadt und ich bin vollkommen überfordert. Meine Frauen haben an alles gedacht. Alle haben Schuhe, nur Papa nicht. Scheinheilig schauen sie mich alle an. Natale hat Ihren Gesprächstermin im Rücken, kein Außenborder am Dinghy um mal eben wieder auf die LADY zu fahren. „Alles klar, ich gehe Barfuss!“
Mit neuen Badelatschen und zwei Kindern am Arm mitten in der riesigen Stadt, mit tausenden von stinkenden, hupenden Autos um mich herum entscheide ich schnell als ich das Hinweisschild zum Indianer Museum sehe. „Kinders, wir gehen ins Museum!“ Puh! Glück gehabt. Ich erinnere mich, dass ich genau in dem Stadtteil Botafogo schon mal herumgelaufen bin, als ich im Mai hier in Rio angekommen bin und Bootsflucht begonnen habe, nach vier Wochen auf See mit meiner letzten Crew. Damals bin ich sogar an der Plastischen Klinik vorbeigelaufen. Wie klein die Welt ist.
Riofreund Paulo ruft an. Er hat jemanden gefunden, der Club Member ist und wir sollen sofort verlegen und uns eine Mouring im Club nehmen. Noch diese Nacht. So kann sich das Blatt wenden.
Vatertag

Vatertag
Natale in Town
Heute am frühen Morgen 6:30. Natale wie ich sie kenne. Aufstehen, wenn es noch dunkel ist. Tasse Kaffee, aber kein richtiges Frühstück. Hektischer Blick. „Ich muss los!“ Das mit dem Wassertaxi hier im Yachtclub, mit der COCOROCA, funktioniert zwar, aber es dauert ewig und somit bringe ich Nathalie lieber eben mit dem Dinghy, den Motor hatte ich vorsichtshalber noch drauf gelassen und die Kinder müssen ja auch mit, die können wir ja nun noch nicht alleine auf dem Boot lassen. Wollen die auch gar nicht. Mutter ist weg. Zum General Hospital. Hospitieren bei den ansässigen Plastischen Chirurgen. „Viel Spass Natale!“
Zurück auf der LADY frühstücken Lena, Maya und Papa erst mal und machen gemeinsam einen Plan. Letzte Nacht haben wir uns aufgrund meines Telefonates mit unserem Riofreund Paulo erst mal an eine Mouring des Yachtclubs gelegt. Wir haben keine zugewiesen bekommen, sondern uns einfach ein freie genommen, auf der kein Name steht. Gut ist. Also müssen wir gleich erst mal ins Office. Ich soll mit Sergio sprechen.
Das mit dem Frühstück dauert länger als geplant. Lena und Maya lassen sich Zeit, haben Spass, Papi alleine für sich zu haben und drehen voll auf. Sollen sie ruhig. Für lange Zeit werden sie das nicht mehr können. Danach verlegen sie ins Cockpit und haben dort Spass und ich darf drinnen aufklaren, wie Maya meint.
Ganz anders als gestern werde ich im Yachtclub von Sergio begrüßt. Das Zauberwort heißt Nicolaa. Ein Freund von Rose, der Frau von Paulo und der ist Yachtclubmember. „Schwierig ne?“ Nicolaa hat uns eingeladen und somit dürfen wir an einer Mouring des Yachtclubs liegen und alle Facilities benutzen. Ein Fomular ist auszufüllen, für drei Tage liegen wir umsonst und dann für maximal 30 Tage für 15 Euronen am Tag. Dafür gibt es zumindest Internet und Duschen umsonst, nen Restaurant, nen Spielplatz, nen Swimming Pool, 24h Wassertaxi, Security und alles, was man sonst noch so braucht. Wäre nicht schlecht Nicolaa mal persönlich kennenzulernen. Man weiss ja nie.
Ich will mit den Kindern in die Stadt um mich mittags mit Natale dort zu treffen, aber die Kinder sehen das anders. Die LADY wird zu einem riesigen Abenteuerspielplatz verwandelt. Ich darf mit Höhlen bauen, Mittagessen kochen, putzen, aufräumen, Bücher lesen und wir versuchen gemeinsam einen Mittagsschlaf zu halten, weil wir heute Abend mit Paulo und seiner Familie zum Abendessen verabredet sind. Nach Mama sehnt sich heute keiner, keine Träne rollt und als Nathalie um zwei anruft meine ich zu ihr: „Geh noch nen bisschen operieren. Enjoy life!“
Der Tag klingt aus im Stadtteil Urca, am Fuße des Zuckerhutes. Dort gibt es eine kleine Bucht, die wo wir in der ersten Rionacht lagen. Wir essen leckeres Fleisch, trinken Wein und Caipirina und lassen es uns gut gehen mit Paulo und seiner netten Familie. Trotz Mittagsschlaf, fallen unsere Kinder im Restaurant in den Schlaf. Sind das eben nicht gewöhnt erst um 21 Uhr mit dem Abendessen anzufangen. Danke Paulo, für alles!
Traurig

Traurig
Meine Lieblingscrew ist abgereist
Ich habe das Logbuch in den letzten Tagen etwas vernachlässigt. Die letzten Stunden mit meinen Töchtern waren mir wichtiger als alles andere. Es ist schon unglaublich schön was wir alles in den letzten drei Wochen erlebt haben und unglaublich schön so viel Zeit füreinander zu haben und miteinander zu verbringen. Mit dem Wissen Lena und Maya nun für vier Monate nicht zu sehen bekommen die letzten Tag nun wirklich eine andere Bedeutung. Es geht auch nicht darum was wir zusammen machen, was Nathalie wichtiger ist, sondern dass wir zusammen sind. Das ich Zeit habe für meinen Nachwuchs. Schön. Und vor allen Dingen schön, dass die beiden sich auf dem Boot so wohl fühlen wie ihre Eltern.
Am Morgen noch geht es auf den Zuckerhut. Das Wetter ist endlich mal göttlich, mit 100% blauem Himmel. Nicht ganz klar für das perfekte Photo, aber genug um knapp 20 Euro pro Erwachsenem zu investieren in den Blick über die Rio de Janeiro. Kinder sind frei. Wenigstens etwas. Auch für mich ist es das erste Mal. Das Baugerüst um den Jesus auf der anderen Seite der Bucht, in der unsere LADY liegt, ist weg und der Blick schweift über die hügelige Landschaft mit der beeindruckensten Stadt der Welt. Und das ist sie einfach, diese Stadt, die sich so wundersam in die weichen Hügel und Berge der Küste eingewachsen hat. Wir sind quasi erschlagen von dem Eindruck, dem Ausblick, den man hier oben auf dem Zuckerhut genießen kann.
Was folgt, ist leider nicht mehr so schön. Taxifahrt zum Flughafen und Abschied nehmen. Etwas passiert, was mir noch nie passiert ist. Ich fange an zu heulen.
Mit fast 80 Jahren um Kap Horn! Sir Robin Knox-Johnston! Dokumentation!
Robin William Knox-Johnston wurde am 17. März 1939 in London geboren, dass heißt, er ist im Moment stolze 71 Jahre. Das Video ist sicher schon ein paar Jahre alt, aber dennoch scheint Segeln ziemlich fit zu halten! Es muss die Segelei gewesen sein, die ihn bis ins hohe Alter so fit hält. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass dies an seinem „Whiskey Sponsor“ liegen könnte. Ich habe mal einen Screenshot von seiner Website gemacht und Sir Robin hat wirklich einen hochprozentigen Sponsor! Sportler hin oder her, für so viel Coolness muss es einen dicken Daumen geben!
Den Titel „Sir“ bekam Knox-Johnston 1995 von der Queen verliehen, da er der Sieger des Sunday Times Golden Globe Race war und damit keine geringere Leistung vollbracht hat, als der erste Einhand-Nonstop-Weltumsegler zu sein! Der Erste – nicht der Jüngste, nicht der Grünste und nicht der Einäugigste – der Erste!
Am 22. April 1969 lief er nach 30.123 Seemeilen und 312 Tagen in den Hafen von Falmouth (Cornwall) ein und legte damit den Grundstein für den Stoff, aus dem noch heute die Vendée-Globe-Helden gemacht werden! Seine Yacht, die „Suhaili“, ist ein 32 Fuß langer Teakholzbau, dessen Linien an die legendären Rettungsboote des großen Colin Archer angelehnt sind. Die Yacht existiert bis heute!

Ich weiß nicht wie oft er in der Zwischenzeit um die Welt gesegelt ist, aber ich weiß, dass er es 1994 noch einmal in die Geschichtsbücher schaffte, indem er an der Seite von Sir Peter Blake († 2001 bei einem Piratenüberfall) die Jules Vernes Trophy für die schnellste Weltumrundung unter Segeln gewann! An der Seite von Blake, dessen Leben hier auch irgendwann noch einmal ausführlich Erwähnung findet, segelte Knox-Johnston in 74 Tagen 22 Stunden und 17 Minuten zum damaligen Rekord. Zum Vergleich: der aktuelle Rekord von Franck Cammas Groupama 3 liegt bei 48 Tagen 7 Stunden und 44 Minuten.
Neben vielen anderen Ehrungen wie Yachtsmann of XXXX oder Sailor of XXXX war er der erste Segler, der 2008 in die ISAF Hall of Fame aufgenommen wurde. Also ein gutes Jahr nachdem er beim „Velux 5 Oceans“ seine bis dato letzte Weltumsegelungsregatta bestritten und auf Platz 4 beendet hat! Nicht beendet, also in der Liste hinter Sir Robin, waren bei dieser Regatta so „unbekannte“ Segler wie Alex Thomson (Hugo Boss) und Mike Golding (Ecover)!
Wir ziehen unseren Hut vor dieser Lebensleistung! Ich für meinen Teil würde mit „Sir Robin“ zu gern einmal segeln gehen oder auch nur ein Bier trinken, denn ich glaube, der Mann kann Geschichten erzählen, die mehrere Yachtblogs füllen würden!
http://www.robinknox-johnston.co.uk/

