Archiv der Kategorie: Iron Lady

Reconnected!

Angekommen auf Chiloe

“Nathalie, ich bin seekrank. Ist das o.k., wenn ich mich mal nen bisschen in die Seekoje lege?“… und weg war der Skipper. Mensch, war das ein Scheiß Trip, die Überfahrt durch den Golfo Cocorvado. Auf die Nase ist ja o.k. Motorsegeln ist auch o.k. Aber diese Welle, Strom gegen Wind. Ekelhaft, da vergeht einem die Lust am Segeln. Gut das der Wind dann irgendwann aufgehört hat, ich und die Kinder wieder wach geworden bin. Gut das es Nathalie gibt, der nicht im gleichen Moment komisch wird wie mir. Doch jetzt sind wir da, der Anker sitzt, in diesem überfüllten Fischerhafen, es ist dunkel, es regnet. Tja, so hatten wir uns Chiloe aber schon irgendwie vorgestellt, denn es regnet hier an 300 Tagen im Jahr! Dafür ist es grün und mit unserer LunaWLANnet haben wir ein offenes WLANnetz gefunden. Nach fast zwei Monaten in den patagonischen Kanälen haben wir zum ersten Mal eine Internetverbindung. Da hat sich ne ganze Menge angesammelt an Downloads, Updates, E-Mails und anderer Dinge… So long – Welcome back to Civilization.

Read more

Pelikane in Sicht

Im Herzen der Bahia Tictoc

Die Sonnenperiode ist definitiv vorbei. Ein Blick aus dem Fenster animiert zum langen Frühstück oder Decke über den Kopf ziehen. Nach dem Frühstück Lagebesprechung. Morgen sieht das Wetter einigermaßen vernünftig aus, um über den Golfo Corcovado nach Chiloe überzusetzen, Nordwind mit östlicher Komponente bis 20 Knoten. Danach für 4 Tage nur Starkwind, Regenfronten, Tiefdruckgebiete. Also morgen. Wir verlegen von der Inselgruppe Juan Yates an die Festlandküste der Bahia Tictoc, hier soll eine Rangerstation des Nationalparks zu finden sein und vielleicht ein paar Wanderwege, die ins Innere des Parkes führen. Am langen schwarzen Vulkansandstrand erspähen wir die ersten Pelikane. Drei Hunde laufen aufgeregt bellend am Strand entlang, es scheint also tatsächlich jemand hier zu leben. Der Anker fällt in 15 Meter Schlamm direkt vor einem kleinen Flüsschen. Wir packen sämtliche Kinder ins Dinghi und fahren an Land. Der Vulkanstrand ist weich, tief sinken wir bei jedem Schritt in den Boden ein, das Ufer ist eine Schatzkiste für Krebsscheren, Panzer, Federn und Knochen. Als wir uns der Ansammlung von Holzhäusern nähern, begrüßen uns die Hunde. Gute Wachhunde sind es nicht, schwanzwedelnd springen sie uns an und führen uns in das Herz der kleinen Anlage. Ein Steg führt über den Strand zu einem perfekt gemähten englischen Rasen ohne das kleinste bisschen Unkraut. Im lokalen Stil gebaute Holzhäuser mit Schindeln, innen ausgestattet wie eine Top End Ferien Lodge, ein sorgfältig gepflegter Airstrip für Flugzeuge, eine Obstwiese mit Apfelbäumen und ein kleines Gewächshaus in dem Salat und Gemüse wachsen, aber kein Mensch zu sehen. Wer auch immer hier wohnt, er ist ausgeflogen. Wir spekulieren über diese seltsame Entdeckung am Rande des Nationalparkes fernab der Zivilisation, aber kommen zu keinem Ergebnis. Stattdessen erkunden wir weiter den Strand. Wind und Regen kommt auf, es ist ungemütlich, doch im Schutz des hohen Dünengrases bauen die vier Indianer Unterschlüpfe, in denen es sich abwarten lässt, bis die Regenwolke vorübergezogen ist. Micha seilt sich ab, denn die Dämmerung naht, Angelstunde. Wir trinken Tee auf der Kleiner Bär während die Linsen für das Abendessen köcheln und Micha fischt. Und fischt. Zwei Stunden später hören wir den Dinghimotor. Ein stolzer Angler kommt mit vier pfannengroßen Forellen an Bord. Endlich Forellen. Ob es nun an der Tide, der Uhrzeit, dem Köder, oder wie die Angler unter uns sagen, an der Expertise lag, sei dahingestellt, lecker sehen sie auf jeden Fall aus! Morgen geht es weiter, wieder ein Golfo, wieder ein Amwindkurs, Sonntagssegeln wird das sicher nicht.

Read more

Angekommen auf der Isla Huepan

Freunde

So viele andere Boote gibt es ja hier nicht. Nach unseren neuesten Erhebungen sind es so 25 pro Jahr die wirklich um die Spitze von Südamerika rum gehen auf die andere Seite, davon die meisten im Januar, der Rest im März/April, davon wiederum die Hälfte französische Boote. Die Franzosen sind ja bekanntlich gerne unter sich, wegen der Sprache. Fragt man einen Franzosen freundlich: „Do you speak English or Spanisch?”, so kann man ohne weiteres die Antwort bekommen: „Nein, aber sehr gut Französisch!“ Ausländer ohne Französisch Kenntnisse werden also gemieden, damit man nicht in die Notwendigkeit kommt von der Pariser Weltsprache abzukommen, es sei denn es sind grade mal keine französischen Boote in erreichbarer Nähe. Das ist jetzt kein Ablästern, sondern die Realität. Ich habe wirklich schon darüber nachgedacht ob ich nicht noch mal in die Schule gehen sollte um diese Sprache zu lernen. Ist ja nicht so, dass Französisch keine schöne Sprache ist, sondern einfach dumm sie nicht zu sprechen. Wer sie neben Englisch und dann noch Spanisch spricht ist echt im Vorteil bei einer Weltumsegelung. Hmm. Doch Schule? Das in meinem Alter? Und so haben wir mal ordentlich zugelegt in den letzten 24 Stunden und einen 98 Meilen Schlag gemacht um unsere Freunde von der SY KLEINER BÄR einzuholen, die zwei Wochen vor uns aus Puerto Williams aufgebrochen sind. Heute um 12 Uhr haben wir es geschafft und am Abend sitzen wir im wunderschönen Puerto Juan Yates, auf einer kleinen Landzunge und machen ein großes Feuer, um das speziell lang aufbewahrte eingeschweißte Stück Rinderfilet zu grillen. Nun, die Haltbarkeit des Fleisches war zwar noch nicht überschritten aber grenzwertig, der Rotwein, die Salate, Kartoffeln und Würstchen auf dem Feuer dafür um so besser. Ein vakuumverpacktes Stück Fleisch würden wir auf jeden Fall nicht noch einmal so lange in der eiskalten Bilge aufbewahren. Die Familie, Kleiner Bär, ebenfalls mit zwei Kindern unterwegs, spricht außer ihrer Landessprache, Brasilianisch, im übrigen Englisch, weil sie in Neuseeland leben. Mit dem deutschstämmigen Werner zusammen habe ich damals die BOMIKA vom Beach geholt und im Buddy Sailing haben wir alle das Kap Hoorn gerundet, allesamt sind wir gute Freunde. Schön. Wirklich schön, dass wir noch mal Gas gegeben haben. Der Nachmittag und Abend ist total entspannt, wir sprechen viel über das schlechte Wetter in den Kanälen und die Erlebnisse, die wir hatten. Hoffentlich können wir ein paar Tage zusammen bleiben. Für Morgen ist auf jeden Fall schon der gemeinsame Landgang fünf Meilen weiter geplant. Alles in allem ein letzter schöner Sommertag, denn ab Morgen soll es wieder regnen, der Wind aus Norden kommen und das bestimmt für eine Woche. Wir werden die Insel Chiloe anlaufen, grade mal 30 Meilen entfernt. Dazwischen der Golfo de Corcovado in dem Blauwale ihre Kinder zur Welt bringen und großziehen bevor sie wie wir gemeinsam auf Weltreise gehen. Aufregend ist das. Wir sind gespannt auf Chiloe.

Read more

Nachtfahrt

Und wieder brummt der Johann!

Nachtfahrt mit 1800 Touren über spiegelglattes Wasser konnte die Lady schon immer gut. Kinder und Micha schlafen, ich sitze am Navtisch, Radar, Navigation im Blick und kann in aller Ruhe am Computer sitzen und schreiben. Keiner will was, nur raus muss man zwischendurch um den obligatorischen Rundumblick zu machen, denn nachts ist hier auf diesem Highway in Nord-Süd-Richtung einiges los. Bei Wind wäre hier auch einiges los, der Kanal ist offen, weit und lang und bei starkem Nordwind sicher kein Spaß. Ab Samstag soll es hier wieder wehen, für ein paar Tage, vier sagen die Fischer, das ist immer so, sieben, sagen die Gribfiles, mal sehen, wer recht hat. Eigentlich hätten wir auch gemütlich vor unserem kleinen Dorf liegenbleiben können, doch wir haben eine Verabredung mit einem anderen Boot. Eigentlich mag der Skipper so etwa ja gar nicht, aber bei der Kleiner Bär macht er eine Ausnahme, immerhin sind wir zusammen ums Kap Horn gesegelt. Vor zwei Monaten haben wir uns in Puerto Williams zu gewunken, weil die Neuseeländer zwei Wochen vor uns losgefahren sind, jetzt haben wir sie fast eingeholt. Die letzten hundert Meilen fehlen noch und daher brummt der Johann. Unser letztes Stück vakuumverpacktes Rindfleisch fahren wir nach wie vor für diese spezielle Gelegenheit spazieren, denn mit Neuseeländern, die eigentlich Brasilianer sind, muss man natürlich grillen! Der Abschied fiel trotzdem wieder schwer. Nach einem ausgiebigen Schultag ohne Gewackel stand nachmittags ein letzter Landgang an, diesmal in die andere Richtung, nach Puerto Andrade. Entlang der Küste führt der Weg von Dorf zu Dorf, zwischen blühenden Büschen und bunt bemalten Fischerbooten. Durch die Luft schwirren Kolibris, kann das sein? Zumindest sind es die kleinsten und nervösesten Vögel, die ich je gesehen habe. In Andrade tobt der Bär, zumindest bei allen Bewohnern, die unter zehn sind. Die Gemeinde der Islas Huichas feiern irgendeinen Jahrestag, eine Woche lang. Morgens, mittags und abends gibt es Programm. Morgens kann man kostenlos den Zahn- oder Augenarzt in der Turnhalle der Schule von Puerto Aguirre besuchen, nachmittags gibt es in den Turnhallen der Schulen Kinderschminken, Hüpfburgen und Tanzwettbewerbe und abends spielen regionale Bands auf. Wir besuchen die Kinderattraktion. Der Lärm in der Halle ist ohrenbetäubend, etwa vergleichbar mit dem Lautstärkepegel eines überfüllten Indoorspielplatzes plus vollaufgedrehter Musikanlage. Kinder hüpfen auf Luftkissen und Trampolins. Ein DJ, seine Klamotten weisen ihn als Mitarbeiter der Armada aus, legt abwechselnd chilenische Dance Top Ten Gruselsongs und Folklore auf, die Lehrer, die hier alle weiße Malerkittel über ihren Klamotten tragen müssen, gucken voller Stolz auf ihre tanzenden Schüler, die Eltern applaudieren und Maya und Lena bleibt der Mund offen stehen. Innerhalb weniger Minuten sind die beiden von Menschen, die wir gestern kennengelernt haben, mit Luftballons und Süßigkeiten versorgt und Maya lässt sich einen Schmetterling aufs Gesicht malen. Nach einer halben Stunde reicht es den Damen, zu groß ist der Kontrast zu unseren vorherigen Wochen. Draußen finden wir einen Spielplatz mit Bank in der Sonne als Zufluchtsort für Zivilisationsentwöhnte. Micha steht gerade auf, prima, dann kann ich seinen warmen Platz in der Seekoje einnehmen.

Read more