Archiv der Kategorie: SY Marlin

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Na denn mal guten Appetit

Flo lacht gerne. Flo ist auch gern auf der MARLIN. Flo kann was. Flo macht. Flo teilt auch gerne mal aus. Flo kann aber auch gut einstecken. Gebe ich ihm eine Aufgabe erledigt er die schnell und präzise. Viele Kleinigkeiten auf der MARLIN sind liegengeblieben, viele Kleinigkeiten wurden erledigt. So ist das. Großes Schiff, viele Baustellen. Gott sei Dank keine großen. Flo und Dietmar bringen diese blöden Bodenheber in Ordnung. Zwei Klemmen, voll mit Dreck eine soll Jan abgebrochen haben. Grins. War der nie. Sagt er aber gerne, weil er seine Schäfchen gerne beschützt. „Da bekommen wir die Schrauben nicht raus. Abgebrochen. Geht nicht.“ Ich zeige Dietmar eine, wie die rausgeht, da kommt Ehrgeiz auf. Ich staune nicht schlecht wie Flo die Dinger mit Essig und Scheuerläppchen aufpoliert hat. Nach zwei Stunden sehen die aus wie neu. Gut gemacht. Flo isst gerne Fisch. Rohen Fisch wie man sieht. Spass. Vielleicht ist er deshalb so überpowert? Er kann echt nicht stillsi tzen ohne eine neue Aufgabe. Ich hab ihm direkt angeboten beim Sommer-Refit der MARLIN an der Algarve mitzumachen. Solche MACHER kann ich gebrauchen. Lorenz und Jan sind auch schon dabei. Dann geht es zu den Kapverdischen Inseln. Da freut sich die MARLIN. Da freu ich mich.

Derweilen sind wir in der Abschattung von Jamaika, müssen dreißig Meilen motoren. Dann kommen wir ums West End. „Bumm“ macht es dann. Dann rollt die Fock aus und es wird wieder schräg. 288 Meilen und wir sind an der Tonne „Mal Tiempo“, der Einfahrt nach Cayo Largo. Challenge. Ich schau mal nach was der Freezer so hergibt. Das dürfen wir alles nicht importieren. Hmm. So viel können wir gar nicht essen. Gut das ich die Jungs von der Gesundheit gut kenne ;-) Da finden wir bestimmt eine Lösung

Segeln bei 8 Windstärken

Die Nase vorn

Mit 20 Knoten Wind wäre ich eigentlich auch glücklich gewesen. Gegen Neun Uhr am Morgen lichten wir den Anker. Blauer Himmel, kristallklares 28 Grad warmes karibisches Wasser, türkises Farbenspiel unter den steilen Felsen verabschieden uns. “T´schüss Curacao! Bis zum nächsten Mal!”, verabschiede ich mich von der sympathischen Insel. Eins habe ich hier nicht in der etwas kurzen Woche: Gefroren. Der Blick auf die Flensburger Windfinder Seite verursacht Gänsehaut. Gruselig.

Abfahrt steht auf dem Programm. Begrüßt werden wir von einem dicken Squall, kaum sind wir auf dem offenen Meer. Das mit der ausgebaumten Genua hätten wir getrost sein lassen können. Viel zu viel Segel. Innerhalb Minuten schlägt die romantische Wetterlage in einen ausgewachsenen tropischen Sturm mit Tonnen von Wasser um. Es regnet nicht. Es schüttet in Eimern. Dazu 40 Knoten Wind in Böen, die unsere MARLIN in den Wind gieren läßt. Das Groß verliert seinen Winddruck. Ich übernehme, aber das Schiff macht eh alles von ganz alleine. Kurze Zeit später wieder blauer Himmel. Dann der nächste Squall. Das ganze entwickelt sich über den Tag zu einem ausgewachsenen Sturm ohne blaue Löcher. Drittes Reff ist schon längst gesetzt und die Fock wird beängstigend klein. Gut, das der raumschote Wind den ganzen Mist von achtern kommen lässt.

Florian und Dietmar sind zwischenzeitlich angekommen. Obligatorisch stürmen wir den Supermarkt. Ausklarieren und Sicherheitseinweisung. Für mich inzwischen Routine, für den SIP Stefanie schon eine Aufgabe. Am Sonntag dann letzte Reparaturen. Unsere Gäste hauen ordentlich mit rein. Dietmar glänzt mit handwerklichem Geschick beim Lederbezug des Steuerrades, der Kompassbeleuchtung und dem Servicen der Winschen. Florian, auch kurz Flo genannt, bringt mit meiner Hilfe den Ersatzantrieb des Autopiloten wieder zum Leben, serviced die Lager der Ruderanlage und vieles anderes. Bei der aktuellen Wettervorhersage ist mir das besonders wichtig. Beide sind uns eine große Hilfe, erledigen ihre Aufgaben eigenständig. Alles gut. Ich zaubere dafür aus meiner Küchentrickkiste. Es schmeckt. Es ist heiß und zum Abschluss des Tages springen wir alle in Wasser.

Am 13ten segel ich nicht los. “Is doch kein Freitag”, meint Nathalie. Mir ist es egal. Ein Tag mehr macht auch nix. Ich verliere in Phase 10. UNO! Klappt besser. Eric ruft an. Er ist der Meister der Insel, wenn es um Kite Reparaturen geht. Den 11er 2015er North Rebell habe ich günstig bei E-Bay Kleinanzeigen geschossen. “Ich habe den Kite vorm Versand aufgepumpt. Hält Luft!”. Nix hält. Aus der Reparatur eines Ventils werden sechs Ventile. Eric meint, es würde sich trotzdem noch lohnen. Zu warm gelagert. Das ist das Problem hier in der Karibik. Aus 30 Euro Reparatur werden 130 Euro. Trotzdem. Ein Kite mit Bar für insgesamt 400 Tacken ist ja immer noch ein Deal.

Zwischenzeitlich ist es Nacht geworden. Gut 10 Stunden ein Squall nach dem anderen mit bis zu 40 Knoten Wind. 4-5 Meter Welle. Auch gerne mal die Breitseite und komplett übers Schiff. No so was. Endlich hat sich der sternklare Himmel eingestellt. Wir rasen wie wild durch die Nacht. Beschleunigung, statt Entschleunigung. Die Schwerkraft drückt uns in die Polster des komfortablen Pilothauses. Mitsegler Stefan sitzt derweilen bestimmt in Hannover in der Küche über der Karte und zeichnet unseren Kurs mit. 2016 hat er dieselbe Strecke mit mir und Crew Hand gegangen. Diesmal sind wir nur vier Leute und steuern tut der Autopilot. Die Bedingungen sind ähnlich. Ruhig Blut Stefan. Ich werde berichten wie unser Etmal aussieht. Noch 717 Meilen to Go!

Wer richtig zeigt bei dem Wind, was er kann, ist der Superwind 350. Kaum hörbar, lädt er unsere Batterien so ganz nebenbei zum Betrieb des Kühlschrank, Freezers und Autopilot. Saubere Sache. Bin froh, dass ich ihn habe.

 

SIP im Untergrund

Skippers Workout

Nett andere Leute durch die Weltgeschichte zu schippern bedarf ja nun einer gewissen Ausbildung. Die seemännischen Scheine sind die Basisvorraussetzung um SIP zu werden. Doch so ein Schein heißt noch lange nicht, dass damit auch sichergestellt ist, dass die MARLIN erfolgreich auf der anderen Seite des Oceans ankommt und schon mal garnicht, dass Kunden und Eigner glücklich sind und der eingesegelte Umsatz dazu führt, dass die Kosten des Kutters gedeckt sind. Vielmehr muss ein SIP auf der MARLIN das definitive Multitalent sein. Ob nun das Stehen auf dem Kite Bord dazugehört stellt sich nach dem letzten Logbuchbericht von Stefanie zu Diskussion.

Der SIP muss nebst selbstbewußt (Womit Stefanie definitiv kein Problem mit hat :-) muss der SIP vor allen Dingen eins können. Kochen. Nur ein satter Mitsegler ist ein glücklicher Mitsegler. Dann muss der SIP sich zu handwerklich zu helfen wissen. Zwei linke Daumen geht garnicht. Um einen Monteur von Land zu rufen, dazu fehlt definitiv die Zeit. Also sind handwerkliche Fähigkeiten unabdinglich. Ich meine hier überdurchschnittliche Fähigkeiten! Stefanie kann sich heute selbst beweisen. Level 4 ist angesagt. Der Pegelschalter im Grauwassertank ist defekt. Also muss der Deckel des Tanks im Kiel der MARLIN geöffnet werden und ein neuer eingebaut werden. Vor allen Dingen eine recht geruchsvolle Angelegenheit. Eng ist es hier. Man muss Gummiarme haben. Ich superweise Stefanie. Alles in allem schafft Stefanie das alleine. Das ganze ist mit ordentlich Fluchen und Grummeln begleitet. Im Ernstfall, also als alleiniger Skipper an Bord, wäre zwar Kommunikation mit mit der Boden station, also mir zum Beispiel in Deutschland, über e-mail notwendig gewesen, aber sie hätte ihr Ziel auch ohne mich erreicht. Unser SIP zeigt vor allen Dingen ein wichtiges Charaktermerkmal: Durchhaltevermögen. Schlimm wäre nur, wenn zum gleichen Zeitpunkt die Zigaretten ausgehen würden, weil die Ruhepausen dann nicht gewährleistet wären. Noten gibt es auch. Stefanie bekommt eine Zwei minus. Na. Das ist doch super. Ich lobe fett. Stefanie ist zu Recht stolz und der Grauwassertank wird wieder rechtzeitig automatisch abgepumpt ohne das es im ganzen Schiff stinkt wie Hölle. Ziel erreicht.

Aber auch ich darf werkeln, nebst Grauwassertank repariere ich einen Splint am Vorstag, die Dusche an der Badeplattform bekommt ein neues Gehäuse, dass natürlich nicht einfach passt. Das Schloss der Hecktüre zum Keller funktioniert auch wieder. Das Steuerrad hat drei gebrochene Speichen, die der nette Vedha von “Curacao Professional Welding” schweißt das schnell, unkompliziert und günstig. Mensch. Klappt ja mal alles wie am Schnürchen. Jetzt muss nur noch der Lederbezug des Stuerrades wieder an seinen Platz. Gut aussehen soll das auch noch. Na dann. Nebenbei wird der Kühlschrank repariert und tausend andere Kleinigkeiten. Zugeschaut und mitgebaut. Aber fertig ist Stefanie noch nicht. Sie erreicht das nächste Level. Erika, der Generator läuft zwar und hat sich auch mit dem SIP angefreundet, aber trotzdem steht der Austausch der Wasserpumpe, Zahnriemen und Impeller, sowie eine typische Inspektion auf dem Aufgabenzettel der strebsamen SIP. Da. Wird Stefanie demnächst wieder viel fluchen. Wohlauf.

Morgen kommen unsere neuen Gäste.

Noch alle Knochen beisammen?

Aller Anfang ist schwer

“3-mal habe ich bisher auf einem Kiteboard gestanden. Völlig ungeübt und untrainiert. War ne geile Erfahrung. Mit „self education“ sollte es dann weitergehen, unwissend über all die Gefahren, die einem dabei drohen können. Micha hatte es ja bereits vor 2 Jahren schwer erwischt. Schulterbruch. Das will ich natürlich nicht erleben und entschließe mich statt self education die Vorzüge eines Kitetrainers zu genießen.

Auf Bonaire gibt es zwar eine Kiteschool, jedoch ist die Location absolut untauglich für Greenhorns like me. Auf Klein Curacao ebenfalls viel zu gefährlich. Aber auf Curacao wurden wir fündig. Kleine, geschützte Lagune, abseits gelegen, im typisch karibischen Stil, einfach und simpel mit Möbelfundstücken von der Straße, aus denen Polsterstoff und Federn herausschauen, hergerichtet. Hyggelig :-)

Dafür glänzt Nik, unser Kitelehrer von der Nix Kiteschool mit umfangreichen Wissen. Ein wirklich gemütlicher Zeitgenosse. Wir buchen jeder 2 Stunden. Sicherheit steht bei ihm an erster Stelle. Fehler, die er an Mich’s 14m2 Kite findet, müssen erst repariert werden, bevor es ins Wasser geht. Ich bin zunächst nur Zuschauer und beobachte das Ganze mit respektvollem Abstand. Als absoluter Laie erkenne ich allerdings sofort alle Fehler, die der Micha macht ;-) Das soll mir später nicht passieren. Ich strotze nur so vor Selbstbewusstsein. Nach zwei Stunden kommt Micha völlig ausgepowert aus dem Wasser. Ich schwöre, Micha stand mindestens einmal für mehr als 10 Meter auf dem Board ;-) Er selbst ist einen großen Schritt weiter gekommen. Das macht den Unterschied zwischen einem guten Kitelehrer und einem guten Kitelehrer.

10 Minuten später bin ich dran. Kite selbst aufpumpen. Wofür habe ich eigentlich bezahlt? Nach dem Aufpumpen hätte ich gerne eine kurze Verschnaufpause, aber mit Nik treibt mich direkt ins Wasser. Kurze Einweisung in das Sicherheitssystem, dann Kitekontrolle. Das A&O beim Kiten. Klappt super dank ein paar Stunden am Trainerkite mit Micha auf Klein Curacao. Schnell kommen wir zum Bodydragging, downwind, upwind, mit und ohne Brett. Auch extrem wichtig, falls man mal das Board verliert, um wieder zum Brett zurückzugelangen. Ich schlucke meine ersten Liter reinstes karibisches Meerwasser. Klappt aber ansonsten sehr gut. Den Kite verliere ich nicht ein einziges Mal. Bin mega Stolz und total infiziert. Leider darf ich noch nicht aufs Brett steigen. Bin erst bei 60-70%, sagt der Nik. Grmpf!#%&$§! Morgen oder Freitag haben wir uns gleich für weitere zwei Stunden gebucht. Bin zuversichtlich dann aufs Board zu kommen. Achja; Nix ist passiert. Alle Knochen noch beisammen :-) Am Vormittag hat es einen Kiter direkt in die Mangroven verschlagen…

Thema SIP (Skipper in Practice – Anmerkung: Wikipedia verdächtige Definition von Micha): Skipper auf seinem eigenen Schiff zu sein, ist nicht sonderlich schwer. Skipper auf einer fremden Eigneryacht dagegen umso mehr. Micha’s und meine Erwartungen waren besonders hoch. Meine erstrecht. Die ersten Tage haben mich extrem gefordert. Gibt da eben doch den „kleinen Unterschied“ zwischen Mann und Frau. Bin zwar eine sehr stattliche und eher maskuline Erscheinung, aber nur mit Hamsterkräften. Da haben sich schon andere verguckt (nee, nicht was Ihr denkt ;-) und mich überschätzt. Hier auf der MARLIN ist alles eine Dimension größer. Dazu kommt die ungewohnte Hitze und zuweilen sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Das alles, plus die Komplexität der Systeme erfordern bei mir mehr Zeit, als dem Micha und mir zu Anfang lieb war. Ich war recht schnell demotiviert, konnte die Zeit nicht wirklich genießen. Mittlerweile hat sich das Blatt komplett gedreht. Micha hat das Tempo angepas st. Soziale Kompetenz eben. Das, was einen wirklich guten Skipper ausmacht. Ich habe mich halbwegs akklimatisiert und mein Tempo entsprechend angepasst. Die Stimmung ist super. Ich bin Micha unendlich dankbar für seine Geduld. Am Ende profitieren wir beide hoffentlich voneinander. Meine Lieblingsbeschäftigung derzeit: Squall nähert sich. Von vorne bis achtern alle Luken und Fenster schließen. Das sind nicht gerade wenige. Wenn der Squall durch ist, das Ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück. Sonst ist hier schnell dicke Luft. Das alles in einem regelmäßig wiederkehrenden Takt :D

Neue Crew kommt am Wochenende für den Überführungstörn nach Kuba. Für mich die erste Bewährungsprobe.

Irgendwie heimatlich und doch so anders

Wieder Zoll, Immigration und so weiter…

“What’s App SIP?“ Das wir intern auf der MARLIN nicht auch schon über What’s App kommunizieren ist alles. Ich habe mich ja nun laaaaange gegen dieses Tool gewehrt, aber seit dem es eine Desktop Version davon gibt, gab es auch für mich kein „NoGoWA!“ mehr. Auf meinem iPhone Nachrichten einzutippen ist so ziemlich das allerletzte wonach ich Begierde empfinde. Für die Verwaltung mit meinen Kunden, Mitseglern und Staff allerdings ist WA ein inzwischen unabdingliches Tool. Zusätzlich muss ich hier für Weltreisende schreiben, dass WA die beste Telefonqualität mit dem geringsten Datenverbrauch hat. Im Übrigen hat mich meine Segelfreundin Nike drauf gebracht. Da kann Skype sich hinter verstecken. Vor allen Dingen seit das Unternehmen von Microsoft übernommen worden ist.

Hier drängt sich nun die Frage auf: Was ist ein SIP? Stefanie ist ein SIP. Skipper im Praktikum. Sie durchläuft grade ein Praktikum auf der MARLIN, mit dem Ziel die Position von Jan zu erreichen und selbstständig mit Gästen zu segeln. Wie der Fortschritt ist werden wir sehen. Das das kein Zuckerschlecken ist, dürfte jedem klar sein. Für den SIP braucht es auch Mitsegler. Mit zwei Häuptlingen, also Stefanie und ich, ohne Indianer, also Mitsegler, die MARLIN nach Cuba zu bringen, ist mehr oder weniger die Pflicht und nichts besonderes. Die Kür allerdings ist Mitsegler zu motivieren, zu führen und den ganzen Kahn sicher und mit Erfolg auf der ganzen Linie zum Ziel zu bringen. Im Moment ist Stefanie noch ohne Mitsegler auf der MARLIN. Nur mit mir. Was ja auch eine Challenge ist. Hihi.

Angekommen in Curacao heißt es erst mal Platz im Ankerfeld zu finden. So übt Stefanie Reanchoring. Drei mal müssen wir den ROCNA Anker neu schmeissen, damit die MARLIN danach am richtigen Platz liegt. Einfahren mit Vollgas und beruhigt können wir in die Stadt fahren um das etwas aufwendige Einklarierungsverfahren in Angriff zu nehmen. Erst mal heißt es ein Auto zu mieten, denn Curacao ohne Auto geht nur im Fahrtenseglermodus, nicht aber mit Gästen. Der Bus fährt wieder mal nicht, so halte ich einfach ein lokales Auto an und frage ob der 81 jäige Gärtner uns nicht eben zur Autovermietung bringen kann. Kann er. Total nett. Ich drücke ihm 3 $US in die Hand. Er ist glücklich, wir sind glücklich. Alles gut! Das wichtigste Tool des Profiskippers in der Karibik. Ein Bündel Eindollarscheine in der Tasche.

Den Rest des Tages verbringen wir beim Zoll und der Immigration. Stefanie darf auch schon Papiere ausfüllen. Falsch. Muss. Denn ich bin gleichzeitig damit beschäftigt die restlichen Kojenplätze bis Portugal zu füllen. Und das klappt heute richtig gut. Wir sind ausgebucht bis Faro. Alles geht glatt vonstatten. Mit platten Füßen und nassgeschwitzt ist alles erledigt. Danach git es zur Belohnung eine Pina Colada an der Waterfront. Stefanie staunt über die Preise im Albert Hein Supermarkt und ist total fertig als wir endlich bei Dunkelheit wieder auf der MARLIN sind. Entschleunigungsfaktor 3 ist erreicht. Es geht früh in die Koje und ein guter Schluck schafft die die notwendige Bettschwere.

Entspannungswochenende

Navigationsfehler machen wir ja alle mal.

Dieser Segler hat wohl einen etwas gravierenden gemacht. Das Schiff liegt an der Ostseite von Klein Curacao. Ein Weg führt zum Wrack. Direkt daneben ein alter verrosteter KüMo. Jeden Tag bringen drei Ausflugsdampfer um 10 Uhr Scharen von Touristen von Spanish Waters nach Klein Curacao. Die werden versorgt, schnorcheln, essen und trinken. Um 16 Uhr sind alle wieder weg. Neu ist, dass es jetzt eine Handvoll sicherer Mouring Tonnen gibt an denen man festmachen kann.

Stefanie war noch nie in den Tropen, hat noch nie einen tropischen Strand gesehen. Ein Boot hat sie schon und ihr Ziel ist die Ferne. Fernweh. Als Bootsjunge auf der MARLIN in karibischen Gewässern ist eine große Chance für sie. Große Augen bekommt sie als wir Klein Curracao erreichen. Aber auch ich bekomme große Augen. Schon einer der schöneren Plätze auf dem Weg nach Cuba. Ich hole meine langen Apnoe Flossen raus, schnalle mir 3kg Blei um die Hüfte und springe in das nasse Blau. Direkt unter der MARLIN fällt ab 10 Meter Tiefe eine Steilwand senkrecht auf 30 und mehr Meter ab. 10 Meter sind genug. Meine Freitauchkondition ist ziemlich hinüber. Wie auch? In Deutschland und der Ostsee macht man das ja nicht so oft. Aus der Tiefe sehe ich wie ein Fisch, wie es an der Wasseroberfläche regnet und stürmt. Ein Squall zieht durch. MARLIN zieht ordentlich an der Ankerkette. Ein Kofferfisch such im kristallklaren Wasser die Freundschaft zu mir. Schön ist es. Ich fühle mich wie zu Hause angekommen.

Wie viele will auch Stefanie das Kiten lernen. Ich drücke ihr einfach mal das 2qm Trainingskitekissen in die Hand. Als Vorbereitung für ein paar Stunden in der Kite Schule von Curracao. Das Kite Material der MARLIN trockne ich an Deck und entferne den ganzen Sand. Unwahrscheinlich, dass wir das vor Cuba auspacken werden. Mit dem ganzen Sand an Deck ist vielleicht nicht so eine gute Idee gewesen. Mit dem Besen mache ich die selbstgemachte Sauerei wieder weg.

Es ist „nur“ ein Tagesaufenthalt auf der Insel den wir machen. Es ist trotzdem schön. Ein bisschen Energie tanken. In Curacao erwartet uns eine ganze Liste an Arbeit. Reparaturen, Verproviantierung, aber auch Freunde wie Serena besuchen und am Donnerstag mit den vornehmlich holländischen Seglern ein Bier trinken. Am Samstag kommen dann die anderen Mitsegler und schwupps wind wir auf dem Weg nach Cuba.

 

Schiffsdurchsuchung mit Folgen

Harpune durch den holländischen Zoll konfisziert und vernichtet.

Wundert Dich, dass es keinen neuen Eintrag gibt? Es wird nicht langweilig! Ich war mitten in einer Demonstration für Cornelia und Gunther am Bordrechner. Wir sitzen alle im Salon, als es unangenehm am Schiffsrumpf rumst. Nicht grade freundlich, entern vier bewaffnete Zöllner das Schiff. Mit einer allgemeinen Verkehrskontrolle hat das nichts zu tun. Der niederländische Officer ist alles andere als freundlich, als er ohne Hausdurchsuchungsbefehl die MARLIN entert. Hafenkino im ansonsten ruhigen Kralendijk. Muss wohl Gefahr im Verzug sein…

Zwischenzeitlich haben wir Bonaire verlassen. Always on the run. Cornelia und Gunther sind nicht mehr dabei. Auch Jan hat die MARLIN verlassen und ist zwischenzeitlich in Deutschland angekommen. Dafür habe ich Stefanie als Bootsjungen dabei. Fehlen tut Evert und Kim. Evert Knie ist immer noch nicht gut und die Beiden werden definitiv nicht zurückkommen um mit mir nach Cuba zu segeln. Immer bereit für neues habe ich mein soziales Netzwerk aktiviert und die Plätze als „Hand gegen Koje“ ausgeschrieben. Zu solchen Bedingungen wollen natürlich viele gerne Mitsegeln, aber die schon die Flugpreise trennen Spreu von Weizen. Dietmar kommt nun nächste Woche. Vielleicht werden es noch mehr. Schade finde ich das eigentlich. So ein schöner Törn. So ein schönes Ziel. Aber was ich finde, finden schon mal gar nicht all meine Mitsegler.

Stefanies ist nicht zum ersten Mal dabei. Stefanie kommt aus Schleswig, hat ein eigenes Schiff und ist schon den Törn Kiel – Portsmouth mitgesegelt. „Puh ist das heiß.“ „Wolltest Du doch!“ Auf dem Weg nach Curacao wurden heute erst mal die Weichen gestellt. Ich habe ein bisschen zu viel Gas gegeben, wie sich im Debriefing herausstellte. Nun. Nicht das ich die MARLIN schnell gesegelt bin. Nein. Das war nicht das Problem. Wie immer bin ich wohl eher etwas ungeduldig, verstehe nicht wenn, nicht gleich alles verstanden wird, was für mich seit Jahren vollkommen selbstverständlich ist. „Wnuk. Du alter Salzbuckel. Komm mal runter“, spreche ich selbst mit mir. Vielleicht waren es aber auch die Vorkommnisse der letzten Tage, die mich einfach ausgepowert haben. Das Segeln mit Gästen nach Fahrplan hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit dem Segeln mit Familie.

Bevor es also nach Spanish Waters, in die Lagune von Curacao geht, fällt der ROCNA Anker am Nachmittag auf 5 Meter Sandpatch, hinter Klein Curacao, das mitten auf dem Weg von Bonaire nach Curacao liegt. Vor einigen Jahren war ich mit Familie und Johann hier. Noch mit den alten Segeln, schon mit der roten MARLIN. Hier wo der damalige Delta Anker versagt hat, stehen wir fest auf der Stelle, auch wenn es unter uns eine Steilwand auf 70 Meter Tiefe geht. Tauchrevier. Zwei volle Flaschen, frisch in Bonaire inspiziert und gefüllt, warten auf ihren ersten Einsatz. Leider taucht Stefanie nicht. Ich glaube sie hat Respekt vor großen Fischen. Soll es ja geben. Prädestiniert wäre dieser Platz um den Kite rauszuholen. Aber dafür reichen meine Kite Fähigkeiten dann wohl noch nicht. Der Platz ist komplett ablandig. Bei 20 Knoten Wind wäre der kleine 11er Kite angesagt, der aber leider die Luft nicht hält. Nun. Nächste Woche in Curacao, da werden Stefanie und Micha sich die Zei t zum Kiten nehmen.

Zwei Stunden suchen die Zöllner. Was auch immer sie suchen verraten sie nicht so genau. Warum sie überhaupt da sind stellt sich raus, verrate ich aber nicht. Da mußt Du wohl mal mitsegeln, dann erzähle ich es Dir vielleicht. Was sie finden ist die Harpune und ein Pfefferspray. Beides ist verboten in Bonaire und ich habe es nicht angegeben. Beides nehmen die eigentlich netten Offiziellen dann aber trotz gutem Zureden mit. Der Vorgang geht zum Richter und ich darf nicht ausklarieren. „Hallo? Wie bitte?“ Ich sehe meine Felle schwimmen, wie es so schön heißt. Das kann meinen kompletten Dominosteinfahrplan zum Umkippen bringen. Ich kann ja ruhig bleiben. Jetzt bleibe ich allerdings nicht mehr ruhig. Jeden Tag gehe ich ins Büro der Zöllner und erkundige mich nach dem Status des Urteils, dass der Richter über mein Schicksal fällt. Das stresst mich so sehr, dass ich mir sogar die Lust zum Bloggen vergeht. Gestern kommt dann endlich das Urteil. Nein. Ich muss nicht in s Gefängnis, die MARLIN nicht an die Kette. 150 $US Strafe und die Harpune wird vernichtet. Blaues Auge würde ich mal sagen. Konsequent klariere ich direkt aus, zahle meine Strafe. Heute dann: Leinen los und nix wie weg hier. Passiert mir bestimmt nicht noch mal.

Noch ein Mitsegler unter den Lesern, der Hand gegen Koje den Trip von Curacao nach Cuba mitsegeln will? Dann mal schnell per e-mail melden und wenn noch Platz ist: Flug für den 9.2. nach Curacao buchen. Einmalige Chance.

 


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Wenn jeder Tag etwas ganz besonderes sein soll

Türkises Leben

Wer einmal die Diagnose „schwer krank“ mit einem entsprechend langen Aufenthalt in einer Klinik hatte, der lebt anders. Da soll jetzt jeder Tag ein bewußter Tag sein, jeder Tag etwas besonders. Die Akzeptanz sich mit Dingen und Problemen zu beschäftigen, die einen nicht interessieren oder weiterbringen, sinkt zum Teil im freien Fall. Das Leben ändert sich schon abrupt. Wir haben die beste Crew von allen bisher mit Cornelia und Gunther. Jung, motiviert, fast immer bester Laune und sympathisch. Hilfsbereit mit einem offenen Blick, wo es anzupacken gilt. Na. Was wollen wir mehr? Das passt.

Das Wochenende chillen wir gemeinsam. Jan und ich ziehen der Kite in den Himmel und holen uns beide einen tierischen Sonnenbrand. Nachweislich Fortschritte mache ich nicht, weil ich zum Schluß von Jan’s Zeit auch den Vortritt gebe um seine Kite Kontrolle zu verfestigen. Cornelia und Gunther erkunden mit SUP und Sonnenmilch die nähere Umgebung von Cayo Francisqui, unserem ZuHause für dieses Wochenende. Wir essen und trinken fürstlich, dazu gibt es alle zwei Stunden ein Gewitterschauer. Dann heißt es: „Fenster Zu!“ Fünf Minuten später: „Fenster Auf!“ Jedes Leben hat eben seine anderen Regeln.

Ausserdem ist es heiß. Mir kann es garnicht heiß genug sein. Die Wochenendvenezolaner lösen das Problem indem sie ihre Plastikstühle ins seichte Wasser stellen, ihre Drinks mitnehmen und bis zur Hüfte gekühlt im Wasser sitzen. Ein kleines aber schickes Restaurant, „Casa Marina“, liegt auf der Landspitze. Hier gibt es frischen Lobster, Spagetti mit Pulpo, Ceviche und verschiedene andere Leckereien. Etwa 30 Gäste tummeln sich hier und da. Also nicht ganz so voll wie auf Mallorca. Von der venezolanischen Wirtschaftskrise und das Menschen auf dem Festland verhungern, weil es keine Lebensmittel zu kaufen gibt, ist derzeit nichts zu merken, auf jeden Fall nicht hier.

Für uns naht schon wieder die Abreise von diesem paradiesischen Ort. Morgen vormittag haben wir einen Termin mit unserem Freddy, der uns nebst zwei Lagen Bier auch 300 Liter Diesel zum Schiff bringen will. Etw 10 Cent kostet der Diesel in Venezuela. Der Liter. Wir haben uns incl. Lieferung zum Boot auf 100€ geeinigt. WinWin nennt man so was in Deutschland. Dann geht es für weiter die 100 Meilen nach Bonaire.

 

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Auf Gran Roques / Venezuela angekommen

Pelikanische Einklarierung

“Mit oder ohne?“ Ich entscheide mich für „Mit“. Mit Einklarierung. Meine Gäste, vielleicht selbst irgendwann mal auf eigenem Kiel unterwegs, wollen wissen wie es ist. O.K. Können sie haben.

Der Anker fällt bei strömenden Regen in finsterer Nacht direkt vor der Baracke der venezolanischen Küstenwache. Sechs Meter Wassertiefe. Hier ist unsere MARLIN mal in so einem Squall abgehauen. Das war noch zu Delta Anker Zeiten. Heute hält der Anker ohne auch nur einen Millimeter zu rutschen. ROCNA eben. Kann man um vier Uhr am Morgen ein Ankerbier trinken? Oder auch zwei? Jou. Wir sind sicher und schnell angekommen. Cornelia hat Seebeine bekommen und den Kampf gegen die Seekrankheit gewonnen. Das muss gefeiert werden.

Nach ein paar Stunden Schlaf sieht die Welt bekanntlich auch besser aus. Wir sind immer noch an der Stelle wo der Delta mal eben gerutscht ist. Ich lasse mich in das klare Wasser fallen und schnorchel Kette und Anker ab. Alles gut. Auch mir geht es schlagartig besser, als ein junger Venezolaner im Kajak angepaddelt kommt. „Bienvenido en Venezuela. Soy Guarda Costa…“, stellt sich der sympathische Junge vor und fragt ob er zwecks Kontrolle an Bord kommen darf. „Na klar. Immer gerne!“ Er sitzt im Cockpit und kontrolliert ob wir alle Pässe haben. „O.K. Dann kommt bitte nachher ins Office für die Papiere.“ Eilig hat es keiner und wenn vier Personen gleichzeitig an Land wollen, dauert dass ja immer. Unser Dinghy machen wir am Schwimmsteg der Tauchschule fest. „Soll ich abschliessen?“ „Nö. Hier wird nicht geklaut.“

Die Einklarierung beginnt. Wir sitzen in einem verdunkeltem Raum. Jemand füll Papiere aus und wir bekommen quasi einen Agenten, Jerry, der uns helfen soll bei den anderen Institutionen, denn es ist alles anders im Moment. Noch 2016 konnte man am Anleger der Fähren günstig Euro zu Bolivar machen. Schwarzmarkt. Dann konnte man mit Bündeln von Geld einkaufen gehen. Aber Bolivar gibt es nicht mehr. Gezahlt wird nur noch mit venezolanischen EC Karten. Macht aber auch nichts. Der einzige Supermarkt auf der Insel ist geschlossen und zu verkaufen für 190.000 Dollar. Es gibt nicht zu kaufen. Ausser Diesel und Bier.

Alles läuft wie am Schnürchen, nur eben typisch südamerikanisch langsam. Nach der Küstenwache geht es zur Immigration. Ich kenne die Beamten noch von früher, die mich natürlich nicht mehr. Meine Crew läuft hinter mir her. Es gibt weder geteerte Strassen, noch Autos auf Gran Roques. Es ist heiß. Ich verhandle auf Spanisch und wir bekommen den Ein- und Ausklarierungsstempel direkt in einem, brauchen also am Montag deswegen nicht mehr wiederkommen. Jerry zahlt mit seiner Karte die Gebühren für die Einklarierung und Parkgebühr für zwei Wochen. Zusammen 40 $US. Ok. Alles gut. Am Montag bekommen wir vielleicht 300L Diesel geliefert. Ich bin gespannt. Jerry richtet meine venezolanische SIM Karte ein und schwupps haben wir Internet.

Zurück zum Dinghy ist diese nicht geklaut, aber besetzt. 10 Pelikane haben das Dinghy als ihr neues Heim entdeckt. Sieht cool aus. Allerdings ist es beschissen. Vollgeschissen. Wieder was gelernt. Fahre nicht ohne Lappen und Wurzelbürste mit dem Dinghy. Wir verlegen ins zwei Meilen nahe Cayo Francisqui. Jetzt wird es irgendwie traurig für mich. Das Haus der Kite Schule, auf Pfählen gebaut, steht mitten im Wasser. Die flache Sandinsel, der Strand rundherum, ist weggespült. Hmm. Das ist ja dumm gelaufen. Der Kite Startplatz ist weggefegt. Meinen Mitseglern ist das nicht so wichtig. Sie kennen es ja nun auch nicht anders. Für sie ist es trotzdem: „Oh wie schön ist das denn hier.“ Der Tag ist schon gelaufen. Die Sonne geht unter. Ein Squall kommt selten allein. Ich habe 2kg Yellofin Thuna aufgetaut. Wir essen alle viel zu viel und dann kommt das Sandmännchen, streut ordentlich Sand in unsere Augen. Dieses Wochenende bleiben wir hier.

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Nächtliche Begegnungen

Venezolanische Träume

Cornelia und Gunther wollen es wissen. Als erfahrene Ostseesegler mit eigenem Schiff, sind sie einfach auch hier um mit mir den Blauwasseralltag kennenzulernen. Das klappt ganz gut. Wir laufen ein Squall nach dem anderen ab. 30 Knoten Wind mit entsprechenden Böen lassen die MARLIN in den Galopp wechseln. Drittes Reff. „Ich habe vorhin 13 Knoten auf dem GPS gesehen.“ MARLIN dampft durch die Nacht wie ein ICE, legt sich schräg, wackelt mit dem Hintern und findet wieder ihren Kurs. „Wir können ja nen neuen ETMAL Rekord machen“, grinst Jan. „Wenn Du die Schäden zahlst? Warum nicht!“, antworte ich. Cornelia arbeitet noch an ihren Seebeinen. Vollkommen normal. Trotzdem schaut sie etwas ängstlich. Für die Nacht entscheide ich ins dritte Reff zu gehen. Immernoch 9 Knoten. Jan und ich teilen uns die Nachtwachen, Cornelia und Gunther machen mit.

“Micha! Ein unbeleuchtetes Schiff, direkt neben uns! Wach schnell auf.“ Ich falle aus dem achterlichen Stockbett quasi direkt in den Niedergang und stürme schlaftrunken an Deck, übernehme das Steuer. Direkt vor uns ein Fischerboot. „Aber die haben doch Licht?“ Jan ist ganz verwirrt und grunzt irgendwas von einer Lancha. Auf dem Fischerboot schlafen alle bei vorschriftsmäßiger Beleuchtung. Wer kein Licht anhat sind wir. Wir wollen gar nicht gesehen werden. Auch unser AIS sendet nicht, wir empfangen ausschliesslich. Das Fischerboot hat zumindest 6 Fischer-Bojen draussen, die alle mit einem Class B AIS Sender ausgestattet sind und ebenfalls beleuchtet sind und in einem Sektor von 5 Meilen um uns herum mit 1.5kn Richtung West rumtreiben. Was an den Bojen ist wissen wir nicht. Vielleicht sind es ja gar keine Fischerbojen, sonder es hängen Tonnen von Kokain dran und ich könnte blitzschnell reich werden. Jan hat brav den besten Weg durch die Matrix gewählt. Das die Fischer zwar AIS für ihre Bojen haben aber kein AIS für ihr Mutterschiff ist schon ein starkes Stück. Mit einem Blick auf die Karte zeigt sich warum. Wir segeln grade über einen flacheren Bereich wo es statt ein paar Tausend Meter nur ein paar hundert oder sogar darunter ist. Langleinenfischen. In zwei Bootslängen segeln wir an dem treibenden Mutterschiff mit 8 Knoten vorbei. Keine Menschenseele an Bord zu sehen. Komisch. Ich bin froh als wir durch sind. Dann lieber Squalls und Böen.

Die neue Angel hat sich bewährt. Kaum bin ich auf den Beinen geht es auch schon los. Der neue Ceder Köder rot/weiß geht schwimmen an der langen Leine. Auf etwa 60 Meter hinter der MARLIN surft er im Kielwasser. „Fisch!“ Die Bremse ist schon ziemlich fest angezogen. „Upps. Das scheint aber kein Barrakuda zu sein.“ „Willst Du?“ Gunther schüttelt den Kopf. „Mach Du mal.“ Wie Du willst. Ich nehme die Rute garnicht aus der Rohr-Halterung am Heck sondern bediene die Spule langsam aber stetig mit jeder Welle. Die Enttäuschung ist groß als der Fisch näher kommt. „Schon wieder ein Barrakuda.“ Aber dann zeigt sich zu meiner Freude längliche Streifen auf dem Körper des Fisches. „Ein wunderschöner Wahoo! Was für ein Anglerglück. Ich habe auf der MARLIN noch nie einen Wahoo gefangen. Die neue Angel hat sich wirklich bewährt.“ Endlich fangen wir wieder Fische!

Last Minute Segler gesucht

Durch den Ausfall von Evert und Kim stehe ich derzeit so ein bisschen in der raumlosen Leere. Ab dem 1.3. ist die MARLIN quasi ausgebucht bis Faro und August 2018. Aber jetzt sind Plätze frei. Ohne Internet kann ich unsere Seite derzeit schlecht updaten, daher folgendes Angebot erst mal nur an unsere Blog Leser und alle die schon mal auf der MARLIN gesegelt sind. Wer also Zeit und Lust hat kann jetzt im Februar mitzusegeln von Bonaire über Curaçao nach Cuba. Verschenken kann und will ich die freien vier Plätze nicht, aber ich würde mich auf ein attraktives Angebot WinWin einlassen. Wer will meldet sich bei mir im Moment per e-mail an info@marlin-expeditions.com.

 

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Endlich los Richtung Los Roques

Proteingewitter

Am gestrigen Tag habe ich mal etwas tiefer in die Tasche gegriffen. Die alte Angel, Geschenk von der Schwiegermutter Brigitte vor 16 Jahren zeigt wirklich Alterserscheinungen und das UV Licht hat nun doch seinen Teil dazugetan um das gute Stück zu zerlegen. Es bleibt quasi beim gleichen Modell, nur die Spule wird eine Nummer größer. Aber nicht nur eine neue Angel zieht auf der MARLIN ein. Auch 2kg Yellowfin Thun vom Markt und 2kg Marlin. 5 Euro pro Kilo ist wirklich nicht zu viel. Mit Cornelia und Gunther kaufen wir im Supermarkt alles ein um eine Woche autark zu sein. Das es außer günstiges Bier auf den Roques etwas zu kaufen gibt wage ich in Zweifel zu stellen.

In der Prickley Bay hat sich nicht viel verändert. Am Dienstag Abend treffen sich eine Handvoll Segler um die Bar zu Happy Hour. So auch wir. Um 20 Uhr wird wieder Power Trivia gespielt. Horden amerikanischer Privatuni-Medizinstudenten, feinst geschminkt wohlhabend und durchtrainiert, sitzen an den Tischen. Wir können nicht mitspielen, weil es alles Fragen sind die in der amerikanischen Geschichte ihre richtigen Antworten finden. So werden es dann doch ein paar Bier mehr und zum Schluss fahre ich Schlangenlinien zurück zur MARLIN. Angst? Wovor? In Grenda gibt es kein Alkohol- oder Drogenverbot für Fahrzeugführer. Solange der Fahrer es bis zum eigenen Auto schafft und meint er kann noch fahren, darf er das auch. Baut er einen Unfall unter Alkoholeinfluss, wir das allerdings speziell untersucht. Cooles Land. Hier könnte ich einziehen.

Heute geht es dann nach dem Frühstück auch los. Am Ende des Monats fliegt Skipper Jan nach Deutschland. 3 Monate auf der MARLIN reichen ja nun auch. Kurz danach ist dieser Törn auch schon zu Ende. Danach kommt die neue Skipperin Stefanie nach Bonaire geflogen, die von mir auf der MARLIN eingearbeitet werden wird. Na. Da sind wir alle ja sehr gespannt. Vorgestern sind gute Nachrichten aus Cuba gekommen. Der Hafen und die Anchorage von Cienfuegos, für Wochen geschlossen gewesen, sind wieder offen.

Kaum aus der Prickley Bay raus beißt auch schon der erste Fisch. 15 Minuten später der zweite Barrakuda und und nach einer Stunde und einem weiteren Barrakuda erteilt die Crew selbst Fischverbot. Gute Angel und gute neue Köder, die ich speziell für Fischen bei hoher Geschwindigkeit ausgesucht habe. Leider ist Die Gegend für Barrakuda bekannt. Na vielleicht später noch mal. Ich drücke Jan meine Haarschneidemaschine in die Hand. “Kannst Du mir bitte die Haare abschneiden? 8mm soll es sein.” Jan grinst und 20 Minuten später sehe ich so aus, wie ich Cuba vor 2 Jahren zum letzten Mal verlassen habe. Schnittig!

Das Kielwasser gurgelt. Es ist angenehm heiss und der Bordalltag spielt sich ein. Wir segeln wie üblich auf dieser Strecke mit 50 Meilen Sicherheitsabstand zur venezolanischen Küste, die als unsicher gilt. Erst auf Höhe Blancilla werden wir dann die Roques direkt anlaufen und vorschriftsmäßig einklarieren. Die Roques gelten als Urlaubsgebiet der besser gestellten Venezolaner und sicher. Vorfälle unbekannt. Wird schon werden.

 

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MARLIN in Union Island

Volle Pulle auf die Nase

In den letzten Tagen ist zu viel passiert als das auch nur entlegen an meinen Blog gedacht habe. Kaum sind wir in Union Island angekommen, haben eine Mouring aufgenommen, sind unsere Mitsegler ins Dorf quasi eingefallen. Ich dagegen habe erst einmal eineinhalb Tage mit unseren Fischer Panda „Erika“ und Co-Skipper Jan im heißen Motorraum verbracht. Erika war es immer wieder zu heiß. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir die Folge an Problemen lokalisiert hatten. Ein gebrochenes Kabel hat dazu geführt, dass die Johnson Wärmekreislaufpumpe mal lief und eben mal nicht lief. Das sind die schlimmsten, eben nicht reproduzierbaren Probleme. Also haben Jan und ich die Pumpe eben ausgebaut und dabei festgestellt, dass diese aber eben auch noch total hinüber ist. Rumpelt mehr als dass sie pumpt. Ersatz? Nicht vorhanden. „Jan, wir haben noch so eine Pumpe an unserer Webasto-Ersatzheizung. „Aha!“ Aus nicht ganz passend entsteht passend und am nächsten Tag kommt Erika wie der unters Schallschutzhäubchen. Wassermacher, Batterienladen und Waschmaschine gleichzeitig. Erika überlebt den Belastungstest. Mir ist einfach nur heiß in meinem neuen Maschinenraum – T-shirt mit ARC Logo. Für alles gibt es eben eine angesagte Verwendung.

Unsere Mitsegler sind derweilen in den Thai-Style-Strandhütten der lokalen Kite Schule eingezogen. Da ich definitiv keine Zeit have dem Aktivisten Evert, dass Kiten beizubringen, nimmt er in der Kite Schule einen Intensiv Kurs. 3,5 Stunden für 200 $US. Na. Mir passt es. Muss ich keine Verantwortung übernehmen. Ist ja nun eben ein Extremsport und entsprechend gefährlich. Am Abend unterhalte ich mich mit dem sehr jungen Texanischen Kite Lehrer. Das flache Hausriff mit Sandboden, ein optimaler Kite Spot ist zwar nicht privat, wird aber von der Kite Schule betreut. „Hier kannst Du nur kiten, wenn Du bereits Level 4, besser Level 5 erreicht hast. „Hmm.“ Ich bin Level 3. „Dann musst Du erst einen Advanced-Kurs absolvieren.“ Davon habe ich schon diverse. Was ich brauche ist einfach Ruhe und Zeit und üben. Aber schon wieder 200 $US? Ne. Muss ich jetzt nicht haben. Evert strahlt über beide Ohren nach seinem ersten Tag zum Teil auf dem Brett. „Geht ja alles sehr schnell hier“, traue ich mich zu kommentieren.

Am nächsten Tag, wieder mit Jan und Erika im Motorraum, komme ich wieder nach Feierabend an den Kite Strand. Evert schaut heute leider nicht so glücklich. „Ich habe mich verletzt. Ich bin richtig unterwegs gewesen, habe auf dem Bord gestanden und bin geglitten, als plötzlich ein Fuß aus den Schlaufen rausgegangen ist. Das Bord ist weggeflogen und hat mir das Knie verdreht.“ Ich schaue Evert sorgenvoll an. Auch Kim hat heute einen Kite Schnell Kurs gemacht. Sie ist in einen Korallenblock gefallen, hat dicke Korallenschürfwunden am Knie. Ich schaue noch sorgenvoller. Ist heute Freitag der 13te?

Der Tag danach. Erika brummt gemütlich vor sich hin, verlassen wir endlich Union Island. Auf für mich und Jan heißt es endlich mal ein paar Stunden Freizeit. Nur knappe fünf Meilen sind es bis zum Sandhaufen Morpion, einer Miniinsel kurz von Petit Martinique. Wir packen die beiden MARLIN-Kites ins Dinghy. Allerdings nicht mit dem Ziel aufs Brett zu kommen, sondern einfach mal das Material aufzupumpen und ab in den Himmel damit. Ein gebrauchter 11er North Kite noch ohne personalisierten Namen ist neu an Bord gekommen. Leider stellt sich heraus, dass ein Ventil nicht dicht ist. O.K. Dann kommt der 14er Slingshot ans Licht. Letztes Mal habe ich den 2016 mit meinem Mitsegler Nico in Cuba in Gebrauch gehabt. Hier hält die Luft, auch alles andere ist in einem 1a Zustand. Ich habe zu diesem Kite ein etwas gespaltenes Verhältnis, weil ich mir mit dem die Schulter gebrochen habe. War aber nicht der Kite schuld, sondern ich selbst. Zu wenig Ausbildung, Selbstüberschätzung. Einfach zu eilig. Aber das ist lange her und seit dem sehe ich den ganzen Umgang mit diesem Drachen eher übervorsichtig an. Dementsprechend erkläre ich Jan sehr langsam die Verwendung und es dauert lange, bis wir endlich im hüfttiefen Wasser stehen und den Kite starten. Gut zwei Stunden verbringen wir im Wasser und üben grundsätzlichen Sicherheits-Umgang bis zum Bodydrag. Ich schliesse wieder Frieden mit dem 14er Slingshot. Dann kommt eine Regenfront und es sieht auch zu viel Wind aus und wir packen die Kite-Ausrüstung ein.

Der Abend ist aber noch nicht zu Ende. Evert sitzt nur noch im Pilothaus, dass Bein hochgelegt mit einem Kühlpack versehen. Er hat keine Schmerzen, solange er nicht auftritt, aber als mobil kann man ihn nicht bezeichnen. Ich weiß soviel, dass es Wochen dauern wird, damit er sein Knie wieder normal benutzen kann. Evert möchte nun doch in Krankenhaus. Dann muss ich ja den Abend nicht weiter planen. Ich habe genug Krankenhaus-Erfahrung in Drittländern, wie es so schön heißt, um zu wissen was jetzt passiert. „Ich komme mit. Ich bin bei Dir. Das ist ja wohl klar.“ Das machen ich 24/7 für jeden meiner Mitsegler.

 

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