Archiv der Kategorie: SY Marlin

Hinter den Bergen beim blauen Leuchtfeuerschiff

Hinter den Bergen beim blauen Leuchtfeuerschiff

Kleine Pflaster gegen die Skipper Blasen

Ja. Es war auch alles anstrengend in den letzten Wochen und Skipper Micha bedarf ein paar Tagen Ruhe. Da kommt die Einladung von LUNATRONIC Kunde Konrad doch mal im Hotel/Spa/Marina Komplex „Le Pha Bleu“ vorbeizuschauen grade richtig an. Ich soll mir das Kurzwellenumfeld in Konrads Yacht, einer schicken, eleganten Hanse anschauen, in der er ein M802 mit PACTOR Modem einbauen will, dass er als Selbsteinbausatz von mir (LUNATRONIC) gekauft hat. Die Besichtigung ist schnell erledigt und im Angesicht zu der ToDo Liste auf der MARLIN bin ich auch ganz froh, dass Konrad mich nicht bittet die Kabel für ihn durch seine Bilge zu ziehen, sondern dies selbst machen will. Jaja ;-)

Also sitze ich seit zwei Tagen am Pool und lasse mir von schicken langbeinigen creolischen Schönheiten ebenso lange „Long-Drinks“ in eiskalten Gläser servieren und genieße ab und an dazu einen Gruß aus der bis in die Schweiz bekannten Küche. Einmal am Tag kommt der ansässige Chiropraktiker und kümmert sich um die Schmerzen im Lendenwirbelbereich meines Rückens. Über What’s App berichtet mein Bootsmädchen Claudia von ihren Fortschritten auf der MARLIN im Kampf mit der To Do Liste. Ich genieße die 30 Grad im Schatten und langweilige mich ein bisschen, während ich den Kokosnüssen ausweiche, die von den Bäumen fallen.

Die Realität sieht leider wie so oft im Leben ganz anders aus. Am Samstag kommt Susan mit ihrem Ehegatten Thomas an Bord um einen entspannten Wochenendschnuppertörn zu machen. Chris und Claudia freuen sich auch schon. Ich sowieso. „Sollen wir heute mal die Fock statt der Genua setzen? Ich schaue mein erfahrenes Team fragend an. Das Meer ist weiß. „Ach nö Skipper, dass ist doch wieder so viel Arbeit mit den Running Backstay’s.“ Ich schaue wieder auf’s Meer, auf die weißen Schaumkronen. „Na, wie ihr wollt. Dann zieht mal das zweite Reff ins Großsegel.“ Zwanzig Minuten später sitzt der arme Thomas mit dem gelben Eimer zwischen den Füßen geknickt im Cockpit und die MARLIN reitet die Wellenberge hoch und runter. Da fällt auch noch der Kurt ins Wasser. „MANN ÜBER BORD!“ Der orangefarbige Rettungsring klatscht in die See. Große Aufregung. Böse Blicke. Meine Atlantikcrew hatte es ja immer sehr eilig. Mein schlechtes Gewissen bestätigt sich. Ich hätte dieses Manöver am Anfang des letzten Atlanti-Schlages machen sollen und in Zukunft wird das immer so sein, auch wenn der Generator streikt und zig andere Probleme anscheinend wichtiger sind. Die Kommandos kommen langsam, die MOB Taste wird spät gedrückt und die Rettungsmittel werden nicht ausgeworfen. Außer Claudia hat keiner meiner Mitsegler eine Rettungsweste an. Nach drei Minuten gerät Kurt, der über Bord geworfene Rettungsring außer Sicht und Steuerfrau Susan sagt: „Micha, ich weiß nicht was ich machen soll!“ In der Lost in Space Situation schaut auch Co-Skipper Chris nur noch schnell weg aufs Wasser. Wären Miki und Richard da, würden die jetzt noch wissen was zu tun ist? Ohje. Ich bekomme die mittelschwere Krise und mache mir ernste Selbstvorwürfe. Über den Atlantik habe ich sie alle rüber bekommen. „Mensch Kinders. Ich bin echt froh, dass ich bei euch nicht über Bord gefallen bin.“ Ich übernehme das Steuer. Inzwischen haben alle ihre Westen an. Wir wenden und segeln zum MOB GPS Punkt zurück. Chris erblickt Kurt, Aufschiesser, Genau steht back und Susan nimmt Kurt an der Lee Seite an Bord. Beigedreht machen wir eine Teambesprechung, trinken was und kommen zur Ruhe. „Also, da müsst ihr wohl noch mal wieder kommen auf die MARLIN. Das muss noch mal geübt werden. Und wenn nicht, dann solltet ihr das zumindest auf dem nächsten Boot als allererstes machen. So lange bis das im Schlaf klappt.“ Betretene Gesichter schauen mich an.

Am Abend im Restaurant den Pha Bleu’s ist alles wieder vergessen und hoch die Tassen. Chris reist um vier Uhr morgens am Sonntag Morgen ab. Allerdings nicht für lang. Um acht Uhr ist er schon wieder zurück an Board. Er hat seinen Reisepass vergessen. Ohne Pass, kein Flug. Und so kommt er in den Genuß einen Dinghy Concerts. Alle paar Wochen veranstaltet Dieter, der Schweitzer Initiator des Pha Bleu’s, eine Konzert zu Wasser. Ein alte Bartsch dient als Publikumsplattform mit Getränkeausschank und das Arbeitsschiff als Konzertbühne. Ein paar lokale Musiker spielen Bob Marley Songs und alles was ein Dinghy hat, dockt im trinkenden Pulk an und rockt mit. Auf jeden Fall eins: Einmalig. So ein Konzert haben wir noch nie besucht. Am Abend räume ich den Freezer aus, denn den brauchen wir erst wieder im Februar. Chris bekommt noch mal ohne Abrechnung doppelten Lammrücken a la Michael aus dem Ofen, als Pflaster wegen dem Reisepass. Ich hätte ja auch mal dran denken können. Die Frage: „Hast Du alles?“, reicht eben doch nicht immer.

Jetzt waren es nur noch zwei. Claudia und Micha sitzen auf der MARLIN. Ein Blatt Papier mit allem was gemacht werden muss. Ganz oben: Claudia Frisör. So. Ich leg mich wieder im Gedanken an den Pool zu den lanbeinigen Creolinnen und den dazu passenden Drinks. Morgen wieder Realität. Gute Nacht.


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Nur weitersegeln hilft

20151210

Gegen das Fernweh gibt es einfach keine Medizin

Ja. Wir sind angekommen. Und Schwupps sind Miki und Richard auch schon von Bord. Nein, alles gut. Keine Flucht vorm großen Skipper, sondern große Sehnsucht nach Hof und Heim. „Und habt ihr euch jetzt infiziert? Wollt ihr jetzt ums Kap Hoorn segeln mir mir?“ Große Augen beim Abschlussbier an Land. „Nee Micha. Wir wollen in Zukunft mit Familie und Freunden in Kroatien von Restaurant zu Restaurant segeln. War ja sehr schön und aufregend mit Dir über den Atlantik, wirklich eine Challenge, aber einmal reicht.“ Miki und Richard sind sich einig und ziehen an ihren Zigaretten, paffen den blauen Qualm gemütlich in die Luft. Beide sind glücklich. Ich auch. 101 Tage ohne Kippe und meinen ersten Trip mit rauchenden Gästen ohne damit ein Problem zu haben. Leben & Leben lassen. „Ich würde euch jederzeit wieder mitnehmen zum Segeln übers Meer, übers Meer…“, ich grinse: „Richard Du steuerst Hand, besser als der Autopilot und Miki, Du bist ein begnadeter Schiffs-Koch. Warten wir mal ab was passiert in euren Köpfen in den nächsten Monaten. Wir bleiben in Kontakt.“ Ich verabschiede mich von den Beiden und wenig später auch von Susann, die nach vier Wochen ihren geliebten Ehemann Thomas heute sieht und eine Honeymoon Suite im Norden der Insel angemietet hat (Boa! Spass!) Der mag keinen Knoblauch und deshalb hat Susann das letzte Mittagessen verschämt. „Du solltest die Frage in den Fragebogen aufnehmen, ob der Anwärter zum Mitsegeln große Mengen Knoblauch und Chili im Essen verträgt. Ansonsten bist Du aufgeschmissen!“ Ich grinse wieder. „Wird gemacht!“ Susan ist infiziert vom Hochseesegelvirus. Da brauche ich gar nicht fragen. Ob sie noch mal mit mir segelt oder lieber mit einem Ex-Vende Globe Schiff? Wahrscheinlich letzteres. Sie kann den Hals nicht voll bekommen.

Zurück an Bord ist da noch Chris, der noch bis Sonntag bleibt und Claudia, die bis zum bitteren Ende auf den Skipper aufpassen wird, dass der keine Weihnachtsdepression bekommt.

Wie es weitergehen könnte 2016, sieht man oben im derzeitigen Passageplan. Was meint: Weitergehen wird. Richtung Curacao ist alles unklar. Keine Mitsegler derzeit. Wer also noch nichts zu tun hat zwischen dem 8ten und 22ten Februar 2016, der melde sich jetzt! Kuba geht erst wieder ab Mitte April, bis dahin ist alles ausgebucht. Dann geht es in die Jardines, nach Isla Juventud, Havanna und den Rest siehst Du ja. Aber wie gesagt, dass brüte ich grade aus. Erst mal muss ich mich um die MARLIN kümmern.

Morgen ist frei, St George angesagt, Wochenende und Co. Nächste Woche stehen wichtige Entscheidungen an. Wo und wann die MARLIN an Land kommt, was gemacht wird und und und…

 


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Nur weitersegeln hilft

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Gegen das Fernweh gibt es einfach keine Medizin

Ja. Wir sind angekommen. Und Schwupps sind Miki und Richard auch schon von Bord. Nein, alles gut. Keine Flucht vorm großen Skipper, sondern große Sehnsucht nach Hof und Heim. „Und habt ihr euch jetzt infiziert? Wollt ihr jetzt ums Kap Hoorn segeln mir mir?“ Große Augen beim Abschlussbier an Land. „Nee Micha. Wir wollen in Zukunft mit Familie und Freunden in Kroatien von Restaurant zu Restaurant segeln. War ja sehr schön und aufregend mit Dir über den Atlantik, wirklich eine Challenge, aber einmal reicht.“ Miki und Richard sind sich einig und ziehen an ihren Zigaretten, paffen den blauen Qualm gemütlich in die Luft. Beide sind glücklich. Ich auch. 101 Tage ohne Kippe und meinen ersten Trip mit rauchenden Gästen ohne damit ein Problem zu haben. Leben & Leben lassen. „Ich würde euch jederzeit wieder mitnehmen zum Segeln übers Meer, übers Meer…“, ich grinse: „Richard Du steuerst Hand, besser als der Autopilot und Miki, Du bist ein begnadeter Schiffs-Koch. Warten wir mal ab was passiert in euren Köpfen in den nächsten Monaten. Wir bleiben in Kontakt.“ Ich verabschiede mich von den Beiden und wenig später auch von Susann, die nach vier Wochen ihren geliebten Ehemann Thomas heute sieht und eine Honeymoon Suite im Norden der Insel angemietet hat (Boa! Spass!) Der mag keinen Knoblauch und deshalb hat Susann das letzte Mittagessen verschämt. „Du solltest die Frage in den Fragebogen aufnehmen, ob der Anwärter zum Mitsegeln große Mengen Knoblauch und Chili im Essen verträgt. Ansonsten bist Du aufgeschmissen!“ Ich grinse wieder. „Wird gemacht!“ Susan ist infiziert vom Hochseesegelvirus. Da brauche ich gar nicht fragen. Ob sie noch mal mit mir segelt oder lieber mit einem Ex-Vende Globe Schiff? Wahrscheinlich letzteres. Sie kann den Hals nicht voll bekommen.

Zurück an Bord ist da noch Chris, der noch bis Sonntag bleibt und Claudia, die bis zum bitteren Ende auf den Skipper aufpassen wird, dass der keine Weihnachtsdepression bekommt.

Wie es weitergehen könnte 2016, sieht man oben im derzeitigen Passageplan. Was meint: Weitergehen wird. Richtung Curacao ist alles unklar. Keine Mitsegler derzeit. Wer also noch nichts zu tun hat zwischen dem 8ten und 22ten Februar 2016, der melde sich jetzt! Kuba geht erst wieder ab Mitte April, bis dahin ist alles ausgebucht. Dann geht es in die Jardines, nach Isla Juventud, Havanna und den Rest siehst Du ja. Aber wie gesagt, dass brüte ich grade aus. Erst mal muss ich mich um die MARLIN kümmern.

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Lobster & Co

 

20151207

Paradies Tobago Cays erreicht

Da wir so schnell über den Atlantik gesegelt sind und auch rechtzeitig am Start auf den Kapverden waren, kommt meine Crew nun in den Genuss, noch eine Woche Karibik zu erleben, anstatt sich direkt in den Flieger zu setzten und wieder ab ins Hamsterrad zurückzukehren. Leider nutzt nur Chris und Claudia diese Möglichkeit. Miki, Richard und Sue gehen vorzeitig von Bord. Sue allerdings, weil der geliebte, vermisste Ehemann Thomas, zum turteln nach Grenada kommt. Bis Mittwoch haben wir Zeit das Leben genießen in den Tabago Cays, wo Milch und Honig vom Himmel regnen. Dann soll es weiter nach Grenada gehen.

 

Wir kommen in die bekannte Anchorage. Ich erwarte hundert Katamarane um diese Jahreszeit. Aber es sind nur zehn. „Das ist ja wie Weihnachten.“ Der Anker fällt etwas abseits des Ankerfeldes ins türkisblaue Wasser. Alle staunen und kaum ist die Badeleiter an ihrem Platz, tauchen, schnorcheln und prusten die Gemüter um und unter der MARLIN im 28 Grad warmen, kristallklaren Wasser was vom offenen Atlantik über die Riffkante zu uns gespült wird. In den Tobago Cays, liegt man direkt hinter der Riffkante vor Anker, fühlt den stetigen Passatwind, der kühlend durchs Schiff zieht. Nen bisschen gemein zu lesen für die Glühweintrinkenden Freunde und Leser im kalten Nordeuropa. Wir haben das verdient.

 

20151207a

Auch Chris war schon mal hier als Skipper und kennt sich aus. Er übernimmt die Organisation des „Must Do Lobsteressen!“ Die Taxiboote aus Union Island haben hier alles im Griff. Sie bringen Brot am Morgen, Bier am Nachmittag und den Müll nehmen sie auch mit. Perfekt organisiert. Alles kostet, was bei unserem einmaligen Kurz-Besuch nicht so sehr ins Gewicht fällt und immer noch als günstig anzusehen ist im Vergleich zu den teuren Restaurant in Grenada. So verbringen wir den ersten Mittag unter den Palmen am Grillplatz der Locals und lassen es uns gut gehen. Es gibt riesige Lobster. Für jeden einen. Ich bekomme den größten. Wir essen so gut, dass zumindest ich fast platze und erst einmal eine Siesta auf einer der Bänke neben einem Einheimischen einlegen muss. Das heißt hier „Limen“ (übersetzt etwa: Rumhängen, Nichts machen, Chillen etc.) Später am Tag bringen wir Helmut (Unser 30PS Außenborder heißt Helmut Schmidt weil er so qualmt) ans Red Dinghy an. Jetzt geht es ab. Jetzt sind wir mobil und erreichen in kürzester Zeit jeden schönen Winkel der Cays. Taucherbrillen, Flossen werden rausgekramt und los geht es zum Schildkröteninsel. Aber keine da. Dann ans Außenriff. Mikki sieht und filmt tatsächlich einen Schwarzspitzen Riffhai! Suasann und ich schnorcheln gegen die starke Strömung über die Riffkante. Leider ist das Riff hier durch die Wirbelstürme und Korallenbleiche tot. Ein einsamer Drückerfisch beäugt mich interessiert. Ich denke direkt an Bratpfanne. Der Drückerfisch kommt näher: „Du darfst hier nicht speeren. Haha!“

Zwei Wochen Segeln ohne Alkohol erzeugt ein Party Nachholbedürfniss. Es wird feucht, es wird laut und spät. Die guten spanischen Rioja und Malbec Weinvoräte aus Skippers Weinkeller werden drastisch abgebaut. Na ja. Zu alt darf der Wein ja auch nicht werden.

 


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LaLüLaLa. Living Karibik

20151206

Angekommen auf Union Islands

Is klar. Wir kommen natürlich am Wochenende an. Das wird teuer. Overtime heißt das magische Wort. Am Wochenende kann auch Frau Susann Lach nur am Flughafen einklarieren, was definitiv überteuert ist. Alles hat allerdings auch seinen Grund. Wir wollen in die schönen Tobago Cays zum schnorcheln. Dahin geht es aber nur einklariert oder man muss von den ganz harten Goverment-Ignorern sein. Kann ich ja eigentlich ganz gut, werde ich aber nicht vermitteln. Deshalb geht alles der Ordnung halber. „Susann. Füll doch bitte mal die Papiere aus.“

 


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Land in Sicht

20151205

Landfall in Union Islands

Unsere MARLIN, die rennt die letzten Meilen was das Zeug hält. Gut macht sie das. Ordentlich wackeln tut sie auch dazu. Hier die Daten der Atlantiküberquerung 2015: 13 Tage, 5 Stunden und 30 Minuten, 2.438 geloggte Seemeilen durchs Wasser, 2.371 Meilen über Grund, direkte Strecke 2.156 Meilen, 179 Seemeilen pro Tag, 7,46 Knoten durchschnittliche Geschwindigkeit. Nen bisschen langsam finde ich persönlich. Gerne hätte ich einen Durchschnitt von +8 Knoten gemacht, die MARLIN auch, aber ganz ehrlich: Es soll auch allen Spaß machen. Was mich am meisten an diesem Törn begeistert hat war, dass keiner der auch nur im Geringsten seekrank geworden ist. Direkt dahinter hat mich die Ausdauer der weiblichen Crew beeindruckt. Immer wieder gerne. Unsere MARLIN aber hat das höchste Lob verdient. Ganz klar nach dem Motto: SAFETY FIRST! Hat sie uns 100% anstandslos über den Atlantik gebracht. Mal abgesehen von Verschleiß und Bagatellschäden durch Fehlbedienung gab es keine große n Probleme. Gut gemacht MARLIN.

So. Und jetzt sind wir angekommen. Großzügig, wie Miki sich gerne gibt, hat er uns alle zum Essen an Land eingeladen. Danke hierfür Miki. Alle liegen in der Poofe, ich darf noch ein bisschen in Ruhe an der Tastatur hacken, ein letzten Rum trinken und dann auch danieder fallen. Morgen einklarieren und dann ab in die Tobago Keys. Jetzt Karibik Urlaub. Das haben sich alle verdient.

 


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Skippers Wache

20151203

Springer

Was für meine Crew neue Erfahrungen sind, ist für mich unterbrochener Schlaf. Bei einer 7er Crew wäre ich einfach nur Springer und immer da, wenn es notwendig wird. Bei unserer 6er Crew bin ich allerdings teilhabend an der Wache. In Susann’s letztem Bericht habe ich in der gesamten Nacht vielleicht drei Stunden geschlafen. Das macht sich natürlich auch bemerkbar. Ich versuche stundenweise meinen verpassten Schlaf nachzuholen. Deshalb habe ich der Crew in der letzten Nacht Autopilot verschrieben und folglich außer in meiner Wache durchgeschlafen. Das tut allen gut. Heute sieht es nicht so gut aus, denn wieder einmal stehen dunkle Wolken am Horizont. Sehr dunkle Wolken. Schon um 16 Uhr übernehme ich das Steuer und bleibe da auch bis fast Mitternacht. Es windet mit teils 38 Knoten, die Segel werden immer kleiner und kleiner.

 

20151203a

Das war’s vielleicht vorerst mit dem Schleppangeln auf dem Atlantik.

Schon im letzten Jahr, bei der letzten Atlantiküberquerung von den Bahamas über die Azoren nach Europa, war das Fischen mit Schleppleine extrem schwierig, wegen dieser Algen. Früher kam so etwas äußerst selten von. Inzwischen segeln wir seit den kapverdischen Inseln ununterbrochen durch Algenfelder. Also gut 2.200 Seemeilen. Das sind tausende von Tonnen. Das Zeug verfängt sich in der Angelleine und bildet am Harken einen dicken Knoten. Die Köder verfangen sich und gehen verloren. Das kein Mahi Mahi oder Wahoo in diesen Köder reinbeißt ist natürlich ebenfalls klar. Was ist das? Eine neue Plage, ein Wink der Natur. Wächst das Zeug irgendwo am Meeresboden oder an der Wasseroberfläche?

 

20151203b

Kein 200er Etmal

In einer meiner letzten Nachtwachen, mag es vorgestern gewesen sein, habe ich versucht um 00:00 Susann, Claudia und Chris zu motivieren das letzte bisschen Speed aus der MARLIN heraus zu holen. 20-25 Knoten raumschots Wind waren angesagt. „Das sind die richtigen Bedingungen um das 203 Meilen Etmal der MARLIN zu knacken…“ Chris und Susann sind sofort begeistert dabei und geben in ihrer folgenden Wache alles, im30 Minuten Wechsel um relativ übertakelt, möglichst permanent über neun Knoten zu segeln. Jede Stunde tragen sie ihre Position in die Karte ein und überprüfen ihren Erfolg. Ich stelle mir den Wecker für vier Uhr morgens, um auch Richard und Miki zum Mitmachen zu motivieren. Doch ohne dass es ausgesprochen wird, fühle ich grade bei Richard, dass er eigentlich gar keine Lust hat mitzumachen. „Warum haben wir es denn plötzlich so eilig? Nur wegen der Zahl 200?“ Miki, der schon zu Beginn unserer Reise geklärt hat, dass er nicht Segeln lernen will, nickt nur. Um acht Uhr übernehme ich wieder mit Claudia das Steuer. Alle gemeinsam rasen wir die Wellenberge des Atlantiks gen Westen runter. Gegen Mittag kommen die einzelnen Helden der Nacht ins Cockpit und ich meine, Unwollen zu spüren, ohne dass meine Mitsegler etwas sagen. Der Baum der MARLIN zieht regelmäßig durchs Wasser. Das Heck der MARLIN tänzelt im Kielwasser. Die Beschleunigung macht das Leben auf der MARLIN anstrengend. „OK. Dann lassen wir das wohl besser mal. Schaun wir mal zum Mittagsbesteck, was die 12 Stunden so gebracht haben und dann reffen wir wieder die Genua auf Normalgeschwindigkeit.“ Richard nickt zufrieden. Wenig später kommt Claudia vom Kartentisch. „Also, in den letzten 12 Stunden sind wir 103 Meilen über Grund weiter gekommen!“ Ich klatsche. Aber ich klatsche alleine. Da wird mir klar, dass ich auf dem Holzweg bin. Da ist wohl was schief gelaufen. Sollte ich mal drüber nachdenken.

In der Nacht von Freitag auf Samstag werden wir Barbados passieren und schon am Samstag Nachmittag wir unser Ziel Union Island am Horizont erscheinen. Ich auf der Rettungsinsel und schaue in das karibikblaue Kielwasser der MARLIN. 2.200 Meilen liegen jetzt schon hinter uns. Immer wieder eine unglaubliche Reise, so ein Atlantiküberquerung mit all ihren Facetten, Farben, Emotionen. Ich bin ein Junkie der See. Ich liebe dieses Blau, ich liebe es auf dem weiten Meer zu sein und mein Gedanken über den Horizont schwirren zu lassen. Ich liebe und brauche es frei zu sein.

 


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Hundewache

 

20151202

Wir wissen genau was zu tun ist! Oder wann eine „schwarze Wolke“ eine ,,schwarze Wolke“ ist.

Beginnen wir am Anfang der Hundewache. Die letzten 2 Tage hatte ich das Vergnügen mit Chris die 00:00 bis 04:00 Uhr Wache zu teilen. Chris ist von uns ,,Gästen“ der erfahrenste Segler, hat schon 8.000 sm auf dem nicht vorhandenen Buckel, davon 5.000 als Skipper. Wir teilen uns halbstündlich das Ruder, der Autopilot bleibt aus. Da sind wir uns einig. Der Himmel ist tiefschwarz, die Sterne funkeln wieder mal um die Wette. So weit so gut. Wir freuen uns, dass seit einem Tag und insbesondere in dieser Nacht keine Squalls in Sicht sind und, ,,böser Fehler“ artikulieren dies. Die um 01:00 Uhr ins Logbuch getragene fast nicht vorhandene Bewölkung von einem Achtel wird schlagartig dichter, die erste schwarze Wolke naht. Wir wissen genau was zu tun ist. D.h. wir fallen ab, wir segeln mehr vor oder laienhaft ausgedrückt mit dem Wind. Die Marlin liegt sofort ruhiger im Wasser, die Böe wirkt nicht mehr bedrohlich, nach 5 Minuten ist alles vorbei. So weit so gut. Der letzte Squall ist gerade durch, da entdeckt Chris schon wieder eine schwarze Wolke, die deutlich größer und bedrohlicher aussieht, wie die bisherigen dieser Nacht. Wir beginnen die eingangs gestellte Frage: Wann ist eine schwarze Wolke eine böse Schwarze Wolke, zu diskutieren. Der eklatante Unterschied, der sich direkt daraus ergibt, liegt darin, dass wir im zweiten Fall den Skipper wecken sollten? Wir entscheiden uns dafür, natürlich mit einem leicht schlechtem Gewissen. Brav erscheint Micha, beäugt den Himmel, in seinem Gesicht sehe ich ein klein wenig Unverständnis, mein schlechtes Gewissen wird größer. Zu meiner Überraschung reffen wir dann das Großsegel doch. „Wenn ihr schon ein komisches Gefühl habt, dann sollten wir dem nachgeben“, die Erklärung dazu. Nach 4 Minuten ist alles erledigt, der Skipper verabschiedet sich mit dem Rat, die Genua rein zu holen, da sie bei dem Kurs eh keinen Wind abbekommt und bei plötzlichem Wind, zB. Einem Squall, die MARLIN übertakelt in den Wind schießen lässt. Ich denke: ,,Das stimmt, aber sie stört ja keinen und wenn sich die Windrichtung ändert, bekommt sie ja wieder Wind. Ich bin am Steuer, der Wind frischt merklich auf. Einen Moment surft die Marlin mit der Welle, Glücksgefühle durchströmen mich. Es ist schon ein tolles Gefühl, ein so großes Schiff, mit 10kn auf der Welle zu balancieren. Nach einem kurzen Blick auf den Windmesser, der 30kn Wind anzeigt, folgt die schlagartige Ernüchterung. Chris dacht wohl das gleiche. Wenn die Genua jetzt ,,Wind fängt“ können wir die Marlin nicht mehr halten. 30 sec. später luvt sie an und lässt sich, trotz maximalem Krafteinsatz meinerseits, nicht mehr auf ihren Kurs vor dem Wind zurückzwingen. Jetzt muss die Genua sofort rein, hat der Skipper doch mal wieder Recht gehabt. Dieser, jener erscheint ,,just in time“ im Niedergang, er ist wohl bei diesem ,,wildem Ritt“ aus dem Bett gefallen. Unsere Schicht ist fast zu Ende, noch 15min. Miki und Richy machen sich schon bereit. Micha bleibt für den Rest der Nacht wach, Chris und ich gehen schlafen. Für die nächste Nacht haben wir eine Erfahrung mehr. Gut so!

 


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Femininer Segelpower auf der MARLIN

20151201

Susann an den Tasten

Der Atlantik rauscht unter mir dahin. Ich liege in meiner Koje und höre deutlich das Wasser an der Marlin entlanggleiten. Sie rast durch Meer, auf jeden Fall hört es sich so an. Kurz kommt mir der Gedanke, dass zwischen mir und den 4000 m bis zum Grund nur 8mm Aluminium liegen. Der Gedanke verschwindet so schnell wie er gekommen ist. Auf der Marlin fühle ich mich sicher, in der Zwischenzeit ist sie mir so vertraut, wie mein Wohnzimmer, heimelig und sicher.

Dass sich diese Gefühl einstellen konnte, hat natürlich auch mit meinen Mitstreitern zu tun. Zum Beispiel mit Claudia. Mit ihr teile ich mir die Koje im Vorschiff. Sie ist super nett und schläft sehr ruhig. Da wir nebeneinander und nicht übereinander in Stockbetten schlafen wie die Männer in den Achterkojen, ist das sehr praktisch. Die letzten 2 Tage und Nächte hatte wir zusammen Wache, Segel gerefft und wieder ausgerefft, gesteuert, geplappert, einen Tanker, der Richtung Venezuela fuhr und heute Morgen Delphine gesehen. Manchmal besucht sie mich in meiner ,,Freizeit“ im Dinghi auf dem Vorschiff und wir halten einen Schwatz. Ich bin froh, sie dabei zu haben.

Seit gut 2 Wochen machen wir sechs nun schon zusammen ,,Urlaub“. Die ersten Tage hatten sich allerdings nicht wirklich nach Urlaub angefühlt. Zu viel hatten wir zu tun, zu wenig wirklich freie Zeit. Auch ein Rhythmus konnte sich nicht wirklich einstellen.

Sein 10 Tagen hat sich das zum Besseren gewendet. Die Tage gleiten gleichförmig dahin, ohne je langweilig zu werden. Das Meer, die Wellen und den Himmel an zu schauen bedarf täglich mehrere Stunden, das nennt man wohl Entschleunigung. Zwei mal am Tag habe ich, wie alle, 4h Wache, einmal am Tag, einmal in der Nacht. 7-8h Schlafen, je nach Wache am Stück oder in Etappen, kochen, essen abwaschen und schon ist wieder ein Tag vorbei.

Verflixt, zum Lesen oder Musik hört bin ich wieder nicht gekommen. Na ja, ein paar Tage sind ja noch übrig.

 


Mitsegeln auf der MARLIN. CUBA 2016 Feb ab Curacao: Noch ein FRAUENPLATZ neben Renate frei!www.marlin-expeditions.com

 

Festgesaugt

Festgesaugt

Morgenstimmung

Unser Logbuch verkörpert die Basis der MARLIN Zeitrechnung und der „deutschen“ Disziplin an Bord. Stündlich machen wir abwechselnd einen Eintrag mit unserer Position, unserer Geschwindigkeit, Daten über das Wetter und der Navigation. Besondere Ereignisse werden hier festgehalten. Besonders ernst nimmt Claudia diese Aufgabe, zumindest wenn sich wach und heiter ist. So hat jeder seine Aufgabe und Bestimmung an Bord.

Sieh zu, dass Du der alte bleibst, mit allen Ecken und Kanten, die manche mal stören, mal lächeln, mal wundern lassen. Hauptsache der Kern stimmt! Nette Worte die Jürgen mir über email da aus meiner Wahlheimat Schleswig Holstein schickt. Ich werde mal drüber nachdenken, oder wnukisch, eben auch nicht. Meine Crew auf jeden Fall hat keine Probleme mit mir. Sie haben alle gemerkt, dass es weit weniger stressfull ist den squall selber abzuwettern, als mich mitten in der Nacht aus meinen Träumen zu reißen. Die Stimmung an Bord ist hinreißend. MARLIN gleitet nur so dahin, wir hinterher. Jeder genießt die verbleibende Zeit auf seine eigene Weise, im Beiboot , am Steuer, schnarchend in der Koje, zur Mittagszeit treffen sich alle am großen Kirschholztisch im Saloon. Es könnte nicht besser sein. Nein, wir angeln im übrigen nicht. Der Freezer ist immer noch voll mit Thun- und anderen Fischen von den Kapverden. Überhaupt ist die ganze Versorgungslage ebenfalls entspannt. Außer dass es keine Cola mehr gibt, weil Susann meinte, daß wir genug Cola gekauft haben und diese eh alles andere als gesund ist, was wir derzeit aber nicht ändern können. Oder soll ich doch mal die Angel rauswerfen? Versuchen eine Cola zu angeln.

Emil Nolde

Nathalie schenkt mir einen kleinen Bildband Emil Noldes Malereien vom Meer. Das mich inspiriert einen Teil der Wache und dem darin liegenden Sonnenaufgang an der Reling zu verbringen. Ohne auch nur ein einziges störendes Windrad, sehe ich wahrscheinlich einen der hundertmillionen views die uns unserer Planet jeden Tag auf’s Neue schenkt und die viel zu unbeachtet einfach so an uns vorbeigehen. Warum ergreift uns alle jeder Sonnenauf- und Untergang so sehr, wenn wir uns ihm bedeutungsschwanger widmen? Vielleicht weil es unsere eigenen Leben im Zeitraffer zeigt? Wie viel Zeit zwischen Entstehung und Untergang liegt, ist dabei doch immer schon ein recht unwichtiger Bestandteil der Beschreibung gewesen. Das kann unsere Erde doch am besten. Zeitlos sein. Darstellend, wie wenig Zeit ihr doch eigentlich zu bedeuten hat.

Unser Autopilot spinnt ein bisschen. Im oberen Lager des Ruderstocks sind komische Geräusche zu hören. Wir können nicht herausfinden, warum und vor allen Dingen nicht woher die kommen. Nur, dass es sich keineswegs um ein Problem handelt, was wir akut behandeln müssen. Geht einer von uns Handsteuer, ist das Geräusch weg. Und wir gehen gerne Handruder. Auch der Alternativautopilot macht keine Geräusche. Na so was. Normal denke ich mir. In Trinidad werden wir das mal weiter in der Tiefe untersuchen und fixen.


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Bergfest – Noch 999 Meilen zu segeln

20151129

Micha hat Geburtstag

Alle Jahre wieder kommt dieser Tag der sich Geburtstag nennt. Viele Jahre freut man sich darüber. Irgendwann mit vierzig oder so, nimmt die Freude dann doch schlagartig ab. Eigentlich wird man ja doch nur noch daran erinnert, dass man wieder ein Jahr älter geworden ist. Ich rede mir ein, dass man nun einen anderen Sinn darin finden sollte. „Falten sind doch auch schön.“ „Erst graue Haare machen Männer richtig interessant!“ Solche und ähnliche Sprüche schwirren mir durch den Kopf. Während ich so vor mich hin sinniere, fließt draußen der Atlantik an mir vorbei. Schönes ZuHause hab ich da, bei dem ab und an das Küchenfenster (Küchenbullauge) von der Überwasseransicht zur Unterwasseransicht wechselt, ein Fisch von Draußen nach Drinnen in den Topf schaut, welchen Kollegen es denn heute Abend auf der MARLIN zu essen gibt. Grade vom Mittagschlaf gekommen, habe ich mich schrecklich verschluckt, was mir ca. seit meinem letzten Geburtstag öfters vorkommt. Mal schauen welches Leiden dem jungen W. aus D. im kommenden Jahr zu seinem Repertoire hinzugefügt wird.

Meine Crew hat mir gleich zwei Geschenke heute gemacht. Erst einmal die 1a Geburtstagshalse am heutigen Morgen um genau 5:00, weil wir dann doch mehr Richtung New York als Karibik gesegelt sind. Dunkel und ungemütlich war es. Die Mädchen haben geschlafen und wir durften ausnahmsweise alles alleine machen. Zur Sicherheit haben wir die Genua einfach mal weggerollt und den Spinnackerbaum in aller Ruhe auf die andere Seite genommen. Der abnehmende Mond hat die fast romantische Scene auf 20 Grad N und 47 Grad West in kaltes, graues Licht gesetzt. Mit der inneren Kamera habe ich alles gefilmt, chemisch in meinem Hirn abgespeichert. Viel schöner als neumodisch digital. So bin ich grade eher drauf. Sail Fast. Live Slow. Und genau da, wo dieser Spruch herkommt, da segeln wir hin. Nach Union Island in den Grenadinen.

 

20151129a

Segeln ist geil!

Zum Zweiten, habe ich ein im doppelten Sinn schräges Frühstück bekommen. Die Tassen sind vom Tisch geflogen, es gab für jeden zwei gekochte Eier, Pfannekuchen und Obstsalat von der Gemüsefraktion. Susann hat extra für mich einen Geburtstagskuchen gebacken! Zwei Wochen ist meine Crew jetzt an Bord und inzwischen fest eingefleischt. Wir kennen alle unsere Macken und Haken, Eigenarten und Gerüche, segeln und leben friedlich über den Ozean. „Habe ich gut ausgesucht aus den dutzenden von Bewerbern, die gerne hätten mitgewollt“, sage ich mir selbst immer wieder. Zu Recht. Streit gab es noch gar nicht. Und weil Chris so ein toller Hecht ist, die Halse und alle anderen Manöver vorher so toll koordinierte, bei der Crew beliebter ist als der Alte, habe ich ihn dann berechtigter Weise beim Frühstück befördert und zum Co-Skipper ernannt. „Chris. Du hast es einfach drauf. Du bist der erste dem ich das sage bei den letzten zehn Crews, die mit mir gesegelt sind, eigentlich überhaupt.“ Chris genießt die Anerkennung und alle klopfen laut ihre Zustimmung auf MARLIN’s Holztisch dazu. Was folgt sind die Geschenke meiner Töchter und von Nathalie, die aus der fernen Heimat ihren Weg auf die MARLIN gefunden haben, aber auch die Aufmerksamkeiten meiner Crew, für die alle, ich mich an dieser Stelle noch mal herzlichst bedanke.

Jetzt haben wir es hinter uns. Das Bergfest. Heute Abend gibt es noch mal mein Lieblingsessen: Greencurry und zur Feier des Tages ein gute Flasche argentinischen Malbec’s aus den Tiefen der Bilge, den heimlichen Verstecken der MARLIN. Vor uns liegen weit weniger als 999 Meilen. Und jede 8 Minuten wird es eine Meile weniger. MARLIN fliegt über das Wasser. Majestätisch hebt sie ihren fast senkrechten Bug mit der Schnauze über die Wellen, teil sich die Woogen. Toll ist es ihr zu zusehen, mit dabei zu sein. Viel zu schnell sind wir. Ich will gar nicht ankommen. Es geht mir so gut auf See zu sein. Fast würde ich gern heimlich den Kurs ändern. Wohin? Ist doch eigentlich egal. Dahin wo kein Land ist. Geburtstagsstimmung? Vielleicht sollte ich zum Kochen schon mal einen Kochwein öffnen. Heute ist es ausnahmsweise ja erlaubt.

 


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Alles fließt

20151127

Richard über seine Erfahrung mit Schwerkraft und Beschleunigung.

Heraklit hat festgestellt: „Alles fließt“. Dieses Gesetz gilt zwar bestimmt auch auf der Marlin, aber hier gibt es noch ein anderes, wesentlich elementares Gesetz: Alles fliegt. Auch dieses Gesetz unterliegt den Newton‘schen Gesetzen der Schwerkraft, alles fliegt nach unten. Und zwar alles, was nicht schnell genug festgehalten werden kann oder einfach nicht richtig zurückgestellt wurde. Es gibt da verschiedene Gefahrenklassen, von fliegenden Gütern. Oberste Gefahrenklasse ist eindeutig heißes Fett und kochendes Wasser. Damit hat dann eindeutig Richard (ich selbst) den derzeitigen Rekord: Micky näherte sich in taumelnder Art der Kombüse, in der eine frisch aufgebrühte aber eben nicht justierte und freistehende Kaffeekanne mit brühend heißem Kaffee stand. Dem oben erwähnten Gesetz folgend flog dieser Kaffee über das wunderschöne CUBA T-Shirt von Micky, der damit gleichzeitig den Drucker vor ernsthaftem Schaden schützte. Sehr gefährlich sind auch Kühlschränke nach längerer Besucher-Abstinenz, man weiß nie, was einem entgegenfliegt (Chris zum Beispiel zahlreiche Eier, deren Inhalt er zwar nach Bruch noch retten konnte, die sich aber dann freundlich in der Schüssel im Kühlschrank ausschütteten). Messer gehören auch zur oberen Gefahrenklasse und werden – da regelmäßig in Gebrauch auch immer wieder gerne genommen. Aufgrund der strengen Instruktion von Sue wissen allerdings alle an Board, dass im Körper steckende Messer keinesfalls ohne Rettunssanitäterin zu entfernen sind. Dies war Teil der inoffiziellen Sicherheitsunterweisung.

Wahrhaft tollkühn ist das Zubereiten von Speisen oder auch einfach nur das Verzehren derselben. Für die Furchtsamen gibt es ein Schüsseln mit Löffel im Pilothaus, sind wir mutig, essen wir gemeinsam am Tisch. Die Einnahme der Speisen ähnelt dabei weniger einem gepflegten „Käptens-Dinner“ als einem Veitstanz oder einem modernen Balett aus den 80er Jahren. Gewichtszunahme wird also während der Überfahrt kaum ein wirklich ernstzunehmendes Problem für die Crew sein – und das obwohl das Essen vom Skipper und Micky köstlich ist, der Verzehr ist einfach so kraftraubend, dass man eigentlich eine fünfte und sechste Mahlzeit einplanen könnte.

 


Mitsegeln auf der MARLIN. CUBA 2016.www.marlin-expeditions.com