Archiv der Kategorie: SY Marlin

Red white dream

Im Bann des Leuchtturms

Nach einer kirmesartigen Nacht vor Anker bei ungeschütztem 20 Knoten Nordwind in ordentlicher Welle ist der Wind am Morgen dann wie prognostiziert eingeschlafen. Mit dem Ergebnis, dass der Ankerhaken aus Edelstahl angebrochen ist. Alterserscheinung. Edelstahl, Salzwasser, hohe Temperatur. Ein Knoten durch die Kette mit einer ehemaligen Dyneemareffleine tut es auch. Wir verlegen nah unter Land auf 4 Meter Wassertiefe und glasklarem Wasser. Mit dem Morgenlicht kommt Leuchtturmwärter Frank angeschwommen und wir besuchen die beiden Fischer mit dem Dinghy um das Verproviantierungsproblem zu lösen. Zwei Flaschen Rum wandern über die Bordkante und jede Menge Fisch zurück. Das Problem ist für die nächsten Tage erst mal gelöst. Ein Nichtfreundfischer vernichtet die Pläne die Insel von oben zu sehen. Erst einmal. CREW 41 bringe ich an Land. Schnorcheln, Baden, Abenteuer ist angesagt. MARLIN verlangt nach mir. Batterien Laden, 300L Wassermachen und diverse kleine Servicearb eiten. Ich habe Glück und finde noch einen Downstep Controller mit dem ich die 12V Johnsonpumpe zur Betrieb der Kühlkompressoren an 24V betreiben kann. Erst einmal begüge ich mich aber mit Handauflegen und leichten Schlägen mit der Küchenschere. Der frische Fischvorrat muss runtergekühlt werden. Morgen nehme ich mir das Projekt dann mal vor.

Aus den Fischresten bereite ich eine Suppe im Druckkochtopf vor. Bestimmt sind meine Gäste hungrig, wenn sie wiederkommen. Alles was grade reif ist, zwei Kilo Hundfisch landen im Topf, als ich alle wieder abgeholt habe. Gewürze, ein halber Liter Weisswein, Fried Rice. Stahlende Gesichter belohnen mich. Satte Crew – Glückliche Crew. Die Nichtfreundfischer gehen Anker auf und wir an Land. Die verbotenen Aussicht ist wieder mal unschlagbar und wieder wandert flüssiges Geld als Dankeschön über die Theke. Hände waschen Hände, so ist das. Wir sitzen auf alten russischen Ledergarnituren und geniessen den wieder einmal wolkenlosen Sonnenuntergang. „Ist das jetzt jeder Tag so schön wie heute?“, fragt Maren. „Ich kann es Dir nicht versprechen Maren“, grinse ich. Meiner Crew geht es gut und ich habe Spaß bei meinem Job. Das merken die auch. Für Morgen steht Cayo Salt auf dem Plan und dann geht es weiter nach Cayo Largo. CREW 41 hat Hummeln im Hintern. Aber ich auch . Cayo Campos ist zu erreichen und der Rückweg ist upwind und wird sportlich.

 

Rolf wird Skipper und ich lehne mich zurück

Nix wie wech aus Cien Fuegos

CREW 41, Gruppenbuchung aus Schleswig Holstein um Eckerförde beweist nordische Segelkunst. Ich merke das ganz schnell. Hier habe ich nicht viel zu tun. Rolf hat seine Crew im Griff ohne das zu trompeten. Die Sicherheitseinweisung fällt kurz und knapp aus. Alle haben ein eigenes Schiff und sind erfahrenen Ostseesegler. Nicht das die mir noch was beibringen! Ich klariere an Land aus und als ich zurückkomme ist das Schiff fertig zum Auslaufen, ohne dass ich das gebrieft hätte. Alles steht am richtigen Platz, alles Schapps sind gesichert und alle Ventile zu. Hmm. Ich komm nicht daran vorbei mein erstes Lob zu betonen. Am ersten Tag auf See, Himmel blau, Meer kristallinig, entscheide ich noch am Ankerplatz, dass Rolf Skipper ist für die nächsten Tage. Das stellt er und ausnahmslos alle anderen, souverän unter Beweis. Das Setzten des 140qm Großsegel geht von der Hand, als wenn die Crew schon eine Woche dabei wären. Zweites Lob. Ich brauche nur ein paar Eigenheiten der M ARLIN zu erklären und schon laufen wir erst mal nur mit Groß Richtung Leuchtturm. Ein kurzer Skipper-Powernep und jetzt fliegt ohne Ankündigung Rettungsring Paul ins Wasser. Souverän ist er im ersten Anlauf ohne Fehler wieder an Bord und weiter geht es zum abendlichen Ankerplatz unter Vollzeug. Drittes Lob. „So. Das reicht aber für heute. Dafür koche ich euch heute Abend ein fürstliches Abendessen. Versprochen!“

Es sieht danach aus, als wenn ich ein paar entspannte Segeltage mit Rolf, Maren, Arne, Dirk, Matthias und Dirk haben werde. Da macht es mir nichts aus, dass ich im Pilothaus schlafen muss und eigentlich, irgendwie, gar nicht da bin. Geil. So hätte ich das immer gern.

 

The Cuban Connection

Money. Money. Money

Florian schickt mir grade den notwendigen, verbotenen Grafiktreiber per FTP. Lüüpt. Alles sollte besser werden in Cuba. Dann kam Trumph und es wurde schlimmer als vorher. Der mutige Cubanische Schwimmer, der nicht vom Weissen Hai in der Miami Straße gefressen wird, den packen die US Zöllner als Paket zusammen und schicken ihn mit dem nächsten Flugzeug wieder nach Hause. Raul Castro muss sich also gar keine Sorgen um seine Grenzen machen, auch Fidel braucht sich nicht im Grab umdrehen. Die Cayman’s machen es ebenso. Die Cubanischen Grenzen werden von aussen gesichert. Wir könnten sechs Cubaner mitnehmen. Bei den Kontrollen schaut nie einer in den Achterstauraum auch nicht in die Segellast. Aber vielleicht doch, wenn dann eben doch welche drin sind. Und wenn man für den Besitz von Rindersteaks (die gehören alle nach Gesetz dem Cubanischen Staat. Genau wie Langusten!) jetzt kommt’s: DREIZEHN JAHRE in den Cubanischen Knast geht, bekommt man für Cubanitasexport be stimmt lebenslänglich. Ist, wie… in Singapore nen Joint öffentlich auf der Straße rauchen: Selbstmord. Nach neuesten Informationen spritzen cubanische Ärzte erfolgreich 40%igen Alkohol (wahrscheinlich Havanna Club 3 Anos) intravenös gegen Leukämie. Na. Das wäre doch mal was für mich. Alternative Behandlungsmethoden.

Skipperme! ist immer noch auf’m Kutter. Die Sauberei zieht sich, weil ich mich auch gerne ablenken lassen. Von der morgendlichen Idee, an den Steg zu gehen um so alles einfacher zu machen, bin ich wieder abgekommen. Da kommen nur die Kakerlaken, die Mücken und ständig kloppt einer ans Fenster und will wat. Nee. Geht gar nicht. Wofür haben wir denn das teure Dinghy und den überdimensionierten 3,5 PS Zweitakter, dem Flo nach vier Jahren mal ne neue Zündkerze verpasst hat. „Der läuft doch noch Flo. Brech ja nicht die verrostetet Kerze ab.“ Flo hat gelacht. Na, der muss ja auch keinen neuen in Cuba besorgen. An Land treffe ich auf Leuchtturmwärter Rafa. Der ist schlimmer als die Mulatas in der Disco. „Ich habe da eine Geschäftsidee. Ich distributiere Schweinefleisch und Garnelen in Cienfuegos. Ich bräuchte da nur eine Gefriertruhe. Die kostet 400 US. Micha. Du bist doch mein Freund.“ Rafa hat voll den cubanischen Blick drauf, der einen in die Jesusposition b eamt. Voll cool. Ich zahle den Rum, weil Rafa kein Bier mag. „Bisschen früh Rafa?“ „Wieso? Ist doch schon nach 12!“ Er hätte wahrscheinlich auch nix dagegen, wenn ich die ganze Flasche kaufen würde und er den Rest mit nach Hause nehmen würde. Es geht um Geld. Immer. Nicht nur bei Rafa. Is aber auch klar. Die Nike Schuhe kosten 100 US. Die besser erzogenen sagen nicht, was sie eigentlich wollen, sie fossieren ihre Wünsche eleganter. Bei einem Verdienst von 20 US für 40 Stunden Arbeit in der Woche, wie kann man da ein mittelständisches Haus für 50.000 US haben? Ich frage Rollo ganz offen. „Ohne den Tip der Marinagäste würde das gar nicht gehen.“ „Wie machen das dann die tausende von Cubaner, die keinen Tourikontakt haben?“ In Cuba verhungert keiner: Mit Essensmarken, die jeder Cubaner bekommt, kann man auf speziellen Märkten spottbillig Lebensmittel kaufen, die uns Touristen verwehrt sind. Wir dürfen im Tourisupermarkt gegen teure CUC Währung zu eu ropäischen Preisen einkaufen. Konsumgenossenschaften hiessen die in der DDR. Morgen kommt Jose mit meiner Verproviantierungsbestellung für CREW 41, die wir heute bei einem Bier in der Marinabar bespochen haben. Jose ist Profi. Fotos von den Lebensmitteln, Englische und Cubanische Untertitel in Folie kaschiert. Eng über die Schulter sein praller Bauchgurt mit CUC. Alles gut. Nicht denken das ich ein Problem hätte. Es ist alles noch günstig und die Flasche Rum gegen Leukämie kostet immer noch unter sechs US. Einzig der Gedanke, dass andere weniger Eiweiß und Vitamine zu essen haben, weil unser Proviant illegal auf Essensmarken gekauft wird, stört mich ein wenig. Jose macht nur das was, der Staat ihm vormacht. Alles gut. Sozialismus ist auch keine Lösung. Jose zieht sein iPhone 5s aus der Hosentasche: „Wie ist Deine Nummer?“

 

Kampf Krampf. In Cienfuegos Angekommen.

Entwöhnung

Das Wichtigste zuerst. MARLIN liegt vor der Marina am Rocna Anker. Es schneit nicht, so wie in Flensburg. Ganz im Gegenteil ist es heiß und sonnig. Florian hat heute Morgen die Heimreise angetreten und ich vermisse ihn schon, geniesse aber auch das Alleinsein. Zwei ganze Tage Urlaub. Aber Hallo! Die Waschmaschine und der Wassermacher laufen durchgehend in am Heck der MARLIN trocknet die Wäsche. Komischer Urlaub ;-)

Mein größtes Problem ist das Internet in Cuba. Und das macht mich wahnsinnig. Ich bin in Flensburg 400 mbit/s gewohnt. O.K. Unterwegs mit der MARLIN bekommen wir meist eine 3G Karte irgendwo her oder eine Verbindung über unsere LunaWLANnet. Mit 200 kbit/s kann man auch leben. Muss man mit leben. Aber was hier abgeht ist der reinste Terror. Wegen dem letzten Wirbelsturm hat die staatliche Telefoncompany ETECSA den Hotspot an der Marina abgebaut. Aufgebaut haben sie den dann nicht mehr. Mein Freund Rolo hat mir einen Internetaccount erstellt. Mit der LunaWLANnet komme ich jetzt in drei andere Hotspots. Der beste ist 2km entfernt. Aber da bin ich nicht alleine drin. Die Verbindung bricht regelmäßig zusammen. Ich komme echt an die Grenzen meines Könnens. Stundenlang bastel und konfiguriere ich, bis ich endlich nicht mehr ständig rausgeschmissen werde. Der Bordrechner will sich natürlich direkt updaten. In MAC kann man das ausschalten. In Windows 10 muss man den Dienst deaktivieren. Wieder stundenlanges rumbasteln. Es nimmt kein Ende. Meine LUNATRONIC Kunden werden davon profitieren. Ich werde eine spezielle Konfig Datei für Cuba erstellen. Nun steht alles und los geht es. In Spitzen steht die Verbindung mit 1 mbit/s. Von Wegen. Intel Treiber updaten: Wegen US Exportbeschränkungen nicht möglich. Amazon Bestellung nach Deutschland: Aus Cuba nicht möglich. Windows 10 Update: hängt. Paypal, Banking, Ebay, Adobe… Aus Cuba nicht möglich.

Im Foyer des Hotels Jaguar mit dem Macbook auf den Knien sieht es etwas besser aus. Hier geht wenigstens WhatsApp und ich kann mit Nathalie und ein paar wichtigen Kunden quatschen. Na wenigstens etwas. Nathalie schickt mir ein paar Bilder vom Schneechaos in Flensburg. Da geht auch grade nix mehr. Schulen geschlossen, Krankenhaus: Notdienst. Is ja fast wie in Cuba. Die Fotos sehen romantisch aus. Aber da will ich jetzt auch grade nicht sein. Noch nicht mal wegen der 400 mbit/s.

Cienfuegos, heiß wie es ist, bereise ich mit dem Bordfahrrad. Davon haben wir neuerdings zwei Stück an Bord. Das ist so genial. Und auffallen tut man damit auch. Ständig wollen mir die Cubaner mein Radel abkaufen. Ich lasse es dann besser mal nicht aus den Augen und schliesse es immer mit der dicken Kette ab. So. Ich mach mal weiter. Betten beziehen und putzen. Was man so als Skipper eben macht. Übermorgen kommt CREW41. Ich freue mich schon.

 

Interview

Another day in Paradiese

Nachdem die Charterkatamarane durch sind, haben wir Cayo Este wieder mit den Leuchtturmwärtern für uns alleine. Wir bringen nochmal ungewollte Bestände aus der Bordbar an Land, müssen aber merken, dass William da nicht so haushaltet, sondern eher brutal vernichtet. Hmm. Er war dann nicht mehr gesehen. Da müssen wir demnächst mal kleinere Mengen abfüllen oder besser auf Schokolade oder Kekse als Gastgeschenk ausweichen.

“Hast Du schon mal drüber nachgedacht nach Cuba zu immigrieren?“, frag mich der junge Leuchtturmwärter Frank. Ich schaue ihn an. Nee. Der lacht nicht. Der junge Cubaner meint das wirklich ernst. „Du würdest doch prima hierher passen!“ Ich glaub ich fall vom Glauben ab. „Ne Frank. Darüber habe ich noch nie nachgedacht.“, grinse ich ihn an. Eigentlich wollen doch alle Cubaner raus aus dem Land, warum sollte ich rein wollen. In dem Moment, wo mir das durch den Kopf geht, bemerke ich, dass Frank Cuba nicht verlassen will. Er ist hier glücklich und zufrieden mit sich selbst und seiner Welt. Ich muss an einen Fisher denken, den ich vor zwei Jahren in den nördlichen Cayos kennengelernt habe, der zwei Jahre in Miami war und zurück gekommen war, weil er in der westlichen Konsumwelt nicht klargekommen ist. Aber ich? Cubaner? Lustige Vorstellung.

Florian bekommt heute eine besondere Aufgabe. Die Seilrollen am Baumende wechselt er meisterhaft aus. Hätte ich nicht so schnell und problemlos hinbekommen. Die habe ich aus Alu mit Messingbuchse herstellen lassen. Hat sich als schlechte Idee herausgestellt. Die sind eine feste Verbindung mit dem Baum eingegangen. Vor allen Dingen wenn sie nicht regelmässig mit Frischwasser gespült werden. Hat keiner gesehen und die Reffleinen leiden natürlich ernsthaft. Wieder nen Punkt auf der ToDo Liste. Doch Florian hat noch eine besondere Aufgabe. Die Leuchtturmwärter haben doch ein UKW Funkgerät bekommen. Irgendwoher. Uralt. Aber funzt. Vier fest eingestellte Kanäle. Die selbstgebaute Dipol Antenne ist nun wirklich nicht so dolle. Frank behauptet aber fest, dass er bis nach Cienfuegos funken konnte. Wir schauen uns das Koaxkabel an und spendieren dem kubanischen Staat ein 10 Meter Aircell 5. Florian installiert das Kabel. Jetzt sollte es wieder klappen. Der Leuchtturm sollte j etzt auf Kanal 16 erreichbar sein. Wenn jemand das Gerät angeschaltet hat.

Mich trifft es heute ganz anders. Eike in der MARLIN Bodenstation Flensburg hat von Beginn seiner Zeit an die Aufgabe einen kurzen Imagefilm für die MARLIN aus bestehendem Material zusammenzuschneiden. Der rote Faden soll eine Interview mit mir sein. Das Thema habe ich heute denn mal angegangen mit wechselndem Erfolg. Bei dem Wind und dem Lichtverhältnissen hat sich der geplante Filmstandort auf der Terrasse des Leuchtturms als ungeeignet herausgestellt. Auch William findet das nicht so gut, weil der Leuchtturm, nimmt man es genau, militärisches Sperrgebiet ist und wir uns ja eh eigentlich illegal hier aufhalten. Da kann man kein Video drehen, was später veröffentlicht werden soll. Ich lande also in Lee des nördlichen Strandes in den Steinen, weil dort nicht so viel Wind ist. Dafür plätschert das Wasser unheimlich laut und wie sich später herausstellt, ist die Sony doch nicht mehr so up2date und macht grade mal HDTV und nicht wie von Eike gefordert FullHD. Ende de r Geschichte: SONY PJ810E sucht einen neuen Eigentümer. Schwerbewaffnet mit der Canon 6D sitze ich am Abend im Süden der Insel zwischen den Steinen und versuche mein Glück mit Leuchtturm und MARLIN im Hintergrund. Das 20 Minuten Ergebnis ist zwar schon mal brauchbar, aber zufrieden bin ich so gar nicht, auch nicht von dem was ich da so von mir gebe. Und Unscharf! Oha! Das wird ne schwere Geburt. Sehe ich jetzt schon. Mein Sohn Julian, wäre jetzt genau der Richtige, der mich ins rechte Licht setzen könnte. Aber der ist: Nicht hier!

Der Abend endet, war nicht anders zu erwarten, mit einem Glas Rotwein und lobster fried rice. Is jetzt mal nicht soooo schlecht, wenn parallel per e-mail der aktueller Wetterbericht aus Deutschland kommt und Florian mich beim Backgammon gewinnen lässt. Da fällt mir ein: Ein Kunde fragt, wie man TV auf dem Schiff empfangen kann. Braucht man das?

 

Großes Meer. Kleines Schiff.

The big blue.

Der kommenden CREW 41 habe ich geschrieben, dass sie nicht so viel Sachen einpacken sollen. Da muss ich mich an dieser Stelle etwas revidieren. Nachts kann es schon mal frisch werden, so dass wir die Luken schliessen.

Mein Freund Rafa ist nicht auf der Leuchtturminsel. Dafür William und der 20 Jahre alte Frank. Er hat sich schon ordentlich eingelebt und kaum sind wir nach unserem Besuch, mit einem Gastgeschenk, einer großen Flasche Rum, streiten sich die Leuchtturmwärter lautstark auf der Terrasse und verschwinden mit hochgeworfenene Arme jeder in seinen Flügel. Ich sitze schmunzelnd an Deck der MARLIN und schaue zu. Wir haben verlegt. Grade mal zwei Bootslängen vom Ufer entfernt sitzt der ROCNA auf 4 Meter und hält die MARLIN an ihrem Platz.

Wie man gesehen hat, ist unser Ernährungsproblem, für die nächsten Tage gelöst. Frank hat uns hier unglaublich schnell und erfolgreich geholfen. Kaum senkt sich die Sonne über dem Zenit, tauchen insgesamt NEUN! riesige Charterkatamarane mit bis zu 70 Fuß, von Cienfuegos auf dem Weg nach Cayo Largo auf. Die reinste Invasion. Eine einzige Crew geht an Land. Ich weiß grade nicht so genau was ich von der schwimmenden Küchenausstellung, so wie Florian die individuellen Kreuzfahrtschiffe nennt, halten soll. Es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum wir mehr Recht haben sollten hier zu sein als sie. Fahrtensegler tauchen nicht auf. Es muss sich in den letzten zwei Jahren ein unfassbares Charter-Business in Cienfuegos entwickelt haben. Was machen sie nur mit den ganzen Pappschachteln in der nächsten Hurricansaison?

Der Ausblick über die Insel ist wieder mal gewaltig, aus luftiger Höhe. Gelassen gehe ich die gefühlten 300 Stufen mit hoch. Solange das noch klappt kann ich mich auf jeden Fall noch halbwegs gesund fühlen. Später sitzen wir auf der schönsten Terrasse der Welt und schauen auf den schönsten Horizont der Welt. Leuchtturmwärter müsste man sein. Ob William und Frank das auch so sehen? Wenn Florian nicht am ersten März seinen Rückflug hätte und am dritten März meine neue Crew kommen würde, ich würde glatt hier bleiben. Jeden Tag schaue ich mir noch mal die Fragebogen an, um die Namen zu erinnerlichen. Also. Eine Frau ist dabei: Das ist immer gut. Dann benehmen sich die Männer. Maren. Dann mit gleicher Adresse Rolf. Die Vermutung liegt nahe, dass die beiden die Vorkabine bekommen. Haben dann wieder die gleiche Adresse. Rolf hat die ganze Gruppe als Mitsegler organisiert. Und. Muss auch mal gesagt werden. Einen ordentlichen Gruppenrabatt erfolgreich taktiert. Hat er sehr gut und souverän gemacht. Einen Michael haben wir dabei. Meine Größe, mein Alter. Hmm. Das passt. Der kann das Großsegel hochziehen. Mathias ist Arzt und bringt seine Musiksammlung mit. Oha. Da werden wir wohl öfters mal wieder 80er hören. Geht was kaputt wird Dirk es richten. Er ist Bootsbaumeister. Arne lacht auf seinem sympathischen Foto. Sein Fragebogen ist nicht komplett zu öffnen. Das Überraschungspaket. Alles in allen kann ich mich freuen. Das wird ein voller Erfolg.

Am Nachmittag gibt es den Pez Pero (Hundfisch). Ob der gebellt hat, bevor er in Frank’s Hände geriet? Ich habe nicht gehört. Ich habe auch keine einzige Languste gesehen. Frank: Eine nach der anderen. Alle auf fünf Meter. Die Sache hat sich auch für ihn gelohnt. Einen neuen Langustenharken und eine Brille und einen Schnorchel gab es noch als Dankeschöngeschenk. Insgesamt war es eine WinWin Aktion, denn die Leuchtturmwärter haben keine Beiboot, um zu den Korallenbänken rauszufahren. Und wir habe nicht die Erfahrung um Erfolg beim Fischen zu haben. Florian kommt aus dem Stauen nicht mehr heraus. Er hatte sich bei diesem Törn alles vorgestellt, aber nicht solche grandiosen Erlebnisse. Ich freue mich schon darauf mit meiner neuen CREW 41 hier einen Stop Over einzulegen.

Irgendwie Zauber ich noch einen kleinen Salat zum Fisch und nach der Eiweißbombe, es ist ja Sonntag, fällt der Rest der CREW 40 mal so eben um ins Bett und verschläft den Zenit der Sonne. Was ein Tag.

 

Angekommen am Leuchtturm

Tuftuf…

Flo, die MARLIN und ich haben Cayo Largo verlassen. Ausklariert. Ziel: Cienfuegos. Hundert Lichter übersetzt. Ein drehendes Licht liegt auf dem Weg. Der russische Leuchtturm auf Cayo Este. Nicht nur ein Leuchtturm. Hier habe ich auch Freunde. Der Leuchtturmwärter Rafael, mit dem ich auch während der letzten zwei Jahre in denen ich Cuba nicht besuchen konnte, immer wieder Kontakt hatte. Männer, die sich mögen auf Cuba, nehmen sich herzlichst in den Arm. Die größtmögliche Zuneigung wir gegenseitig mit der Begrüßung “Hermano” (Bruder) ausgedrückt. Aber bitte mit Abstand, denn die sexuelle Neigung zum gleichen Geschlecht ist in Cuba bei weitem nicht so akzeptiert wie in Europa. Rafa ist einer meiner Hermanos. Ob er da ist, kann ich nicht genau sagen. Die Leuchtturmwärter dürfen kein UKW Funkgerät haben. Sie könnten ja vorbeifahrende Schiffe ansprechen um Cuba zu verlassen. Telefon funktioniert hier draussen nicht. Und das Kurzwellenfunkgerät auf der Insel i st nur für den militärischen Funkbetrieb auf einigen Frequenzen zugelassen, die von Land mitgehört werden. Wir befinden uns in Cuba eben immer noch im letzten Jahrtausend. Fidel lebt.

MARLIN hat uns sicher zum Leuchtturm gebracht. Über 20 Meilen lange die Flachwasserzone zwischen Cayo Largo und dem Leuchtturm muss Johann ran. Auch mal gut. Ein Diesel der nur rastet, der rostet. Bei der Kontrolle des Riggs sind mir dabei heute zwei Rollen am Baumende aufgefallen, die komplett festgebacken sind. Upps. Sieht nach Baustelle aus. Warum ist mir das nicht früher aufgefallen? Ersatz ist an Bord.

Der Anker fällt fünf Bootslängen von Land entfernt auf einem Sandspot, den man bei Mondlicht im Dunkeln deutlich sehen kann. Das Wasser ist kristallklar. Hier rollt die See um die kleine, noch nicht einmal eine Meile lange Insel. Für die nächsten Tage sind leichte südöstliche Wind angesagt. Na dann wird es ja sportlich. Flo und ich packen eine Dosensuppe aus. Kühlschrank und Freezer sind leer. Nach Cuba dürfen Fleisch und frische Lebensmittel nicht importiert werden. Der Proviant der letzten Crew ist aufgebraucht. In Cayo Largo gab es ausser Bier und Wein, ein bisschen Brot, ein paar Kürbisse und mit guten Kontakten etwas Gemüse. Für die nächste Crew müssen wir dringend in Cienfuegos dringend neu verproviantieren. Wenn Rafa da ist gibt es bestimmt Fisch aus der Tiefkühltruhe des Leuchtturms. Notfalls ein paar Conche Schnecken. Verhungern werden wir nicht.

Kaum ist die Suppe verdrückt rappelt es hinter und neben uns. Ankerketten. Die Charterkatamarane aus Cienfuegos kommen. Am Freitag war Crew-Wechsel. Die Charterschiffe sind nun auf dem Weg nach Cayo Largo. Sie fühlen sich sicher, wenn sie ganz nah neben der MARLIN ankern. Kenne ich schon. Ist ja sonst kein Platz hier. Grins. Überhaupt sind ausser den Cat´s keine anderen Schiffe unterwegs, keine Langfahrtsegler. Das hat seinen Grund. Vor ein paar Monaten sind in Cienfuegos einige Dinghys gestohlen worden. Wohl eher um Cuba zu verlassen. Wer weiß das schon. Die Regierung hat das Ankerfeld in Cienfuegos dann geräumt und gesperrt für mehrerer Monate. Das war das Aus für die Blauwasser-Szene. Erst seit wenigen Wochen ist die Anchorage wieder auf. Bis alles wieder normal ist wird sicherlich eine ganze Saison dauern. Schade, vor allen Dingen für die Einheimischen, denn die Segler bringen Devisen und Arbeit ins Land. Ich bin gespannt, wie die Situation in Cienfuegos ist.

Morgen früh lassen wir das Dinghy zu Wasser und pullen mal rüber. Mal schauen was geht. Ausserdem ist Sonntag. Ruhetag. Auf dem Plan steht ein Video zu drehen, dass Eike in Flensburg braucht. Hoffentlich spielt das Wetter mit.

Vorschau: Wie man sieht hat sich alles wieder zum Guten gewendet. Tja.

 

BoardPC 4 YOU: LunaPCmini

Was mich bewegt

Wer bei LUNATRONIC Produkte & Beratung anfragt, bekommt inzwischen erst einmal mal folgendes email: „Time is money – Wer kenn dieses Sprichwort nicht? Wir wissen wie es geht und helfen Ihnen seit mehr als 18 Jahren mit unserem Know-How, Produkten und Dienstleistungen. Bei uns ist der Kunde König und das wird auch so bleiben. Leider erleben wir in letzter Zeit immer öfters, dass unser Beratung per e-mail und Telefon ausführlich genutzt wird und ein Angebot angefragt wird. Dann allerdings erfahren wir, daß unsere Angebote als Einkaufsliste genutzt werden, um sich die einzelnen Komponenten möglichst günstig im Internet zu suchen oder Konkurrenten in der Preisgestaltung zu beeinflussen. Dies mag ich nicht üblich und normal sein, wir aber können uns das als kleine Firma nur im begrenzten Rahmen erlauben. Deshalb sind unsere Angebote und Beratung ab sofort mit einer Gebühr von 150 Euro geschützt. Diese Schutzgebühr ist bei Angebotsanfrage fällig. Bei Vergabe des Auftrages an uns, wird dieser Betrag selbst verständlich zu 100% erstattet. Wir halten dieses Vorgehen für absolut loyal. Wenn sie damit einverstanden sind, erstellen wir dazu einen Kostennote  und ein ausführliches Angebot zu ihrer Anfrage. Bitte um ihren Kommentar und bei Einverständnis um die Adressdaten, Email und Mobilnummer.“

Wir haben bei LUNATRONIC natürlich vorab ordentlich diskutiert ob man sich mit so etwas nicht die Kunden vergrault. Wir, weil unser Team inzwischen auf drei Mitarbeiter angewachsen ist, damit unsere Kunden auch bedient werden können, wenn ich nicht in Flensburg bin. Auch für die Installation in Flensburg und Umgebung haben wir zwischenzeitlich Verstärkung bekommen. Alleine schaffe ich das nicht mehr. Was weiterhin Chefsache ist, ist die Kundenberatung. Eine Handvoll Neukunden haben dieses o.g. Mail bereits bekommen und verständnisvoll reagiert. Ich deute das mal so, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Seit kurzem neu bei uns: Der LunaPCmini. Den Standard Mini PC mit WINDOWS 10 PRO gibt es in zwei Ausführungen, 32GB SSD-Festplatte oder 120GB, die beide auf 12 V direkt angeschlossen werden können und lediglich 0,3A im Standbymodus verbrauchen. Lüfterlos versteht sich, denn wir wollen ja keine salzhaltige Seeluft über das Motherboard blasen. Das dies keine Eigenproduktion ist und wir von LUNATRONIC keine Discounter sind, wird dem Interessenten schnell klar werden. Was den Mehrwert ausmacht ist, dass wir den Rechner für den Betrieb an Bord komplett vorinstallieren, so dass er bei Stromausfall einfach neu startet mit Navigation und Anschluss an das bestehende Navigationsequipment (Raymarine, B&G, Simrad etc.), Wetter, e-mail über Kurzwelle und Satellit, WLAN Mastantenne und LTE Mobilfunkanschluß. Probleme lösen wir über Fernwartung. Optional dazu gibt es eine externe Sicherungsfestplatte. Plug&Play! Der LunaPCmini eignet sich hervorragend um als Zweitrechner auch oh ne eigenen Bildschirm im Hintergrund zu arbeiten (dauerhaft oder angeschaltet mit der Navigationselektronik) und zum Beispiel unter OpenCPN alle Schiffsbewegungen aufzuzeichnen und automatische Positionsmeldungen zu versenden. Der LunaPCmini ist die optimale LÖSUNG für alle MACianer, die Paralells mit ihren ständigen kostenpflichtigen Updates leid sind und eine Windowsoberfläche aber immer mal wieder benötigen. Der Desktop des LunaPCmini ist auf jedem Laptop, MacBook, iPhone, iPad, Tablett etc. mit wenigen Schritten über das schiffsinterne WLAN-Netzwerk fernbedienbar aufzurufen und zu bedienen. Der LunaPCmini segelt nun schon seit zwei Jahren auf der MARLIN im Kartentisch mit und macht einfach das was er soll. Strom sparen. Verfügbarkeit auf Anfrage. Mehr Infos gibt es bei lunatronic.net. Demnächst.

 

Wasserbombe

Kleine Fortschritte

Auch Mitsegler Dietmar ist mit dem Flieger von Cayo Largo nach Havanna abgedüst. Nicht ohne noch seine Hand anzulegen und ein paar Punkte auf der ToDo Liste der MARLIN abzuarbeiten. Eine neue neue Schuko-Steckdoselleiste ziert den Motorraum, die Heizungen sind wieder befestigt, die Madenschrauben der Bodenbretter wieder gängig. Florian hat nicht nur den Bordrechner mit Bordmitteln ohne Internet wieder zum Leben gebracht, sondern auch zwei Kontrollampen am Schaltpanel wieder ins öffentliche Leben integriert. Ein Wackelkontakt an der LAN Verkabelung der LunaWLANnet ist gefunden und gefixt und die UUPlus Software läuft stabil in der ONSATMail Version auf dem Bordrechner. Jep. Die beiden HGK Mitsegler waren von ihrer Motivation und Fähigkeiten eine echt positive Erfahrung für mich. Es hat sich wirklich gelohnt sie mitzunehmen. Danke noch mal an dieser Stelle.

So blieb nicht viel Zeit am Mittwoch noch den 11er Kite in den blauen Himmel zu ziehen. Morgens bläst es im Moment mit 25 Knoten Wind. Mittags schläft der Wind dann ein. Am Nachmittag ist eigentlich nichts mehr da und Nachts um 22 Uhr geht es dann wieder los mit 20 Knoten. Dies regelmäßig seit ein paar Tagen. Tendenz zum Wochenende abnehmend, was mir für die anstehende Überfahrt nach Cienfuegos ganz Recht kommt. Es ist mehr ein psychologischer Moment, um den es hier am Sirena Beach geht. 2016 habe ich mir hier die Schulter gebrochen und zwei Jahre gebraucht um diese nun wieder gebrauchen zu können. Mein letzter Kite Lehrer Nik hat mir gesagt, dass ich so perfekt sei, dass ich nun alleine auf’s Wasser muss um den Kick aufs Brett zu bekommen. Recht hat er. Die Durchführung der Sicherheitsregeln habe ich mir zwischenzeitlich verinnertlicht. Der Start des 11er Kites ist unproblematisch, der Wind viel zu wenig, aber da ich diesen noch nie am Himmel hatte, ist es ganz gut eine Trainingsstunde einzulegen. Die Erinnerung an meinen Unfall schwindet gegen das Vertrauen in mich selbst. Flo hat sie das 2qm Kite Kissen zum Üben mitgenommen, dass auch bei wenig Wind, immer schnell geflogen, Spass und Routine bringt. Wir haben beide Spass in den Backen ohne Ende.

“Jetzt spinnt der Skipper total. Ich glaub es ja nicht.“ Dietmar steht im Cockpit und zeigt Flo ein Vögelchen. Ich habe einen Latex Handschuh mit Wasser gefüllt und Dietmar diesen an Takelgarn im Salon aufhängen lassen. Das prall gefüllte Kunstobjekt hat Sinn und Tradition. Zum internationalen Einklarieren muss man in Cayo Largo in die Marina. Wir an den großen Steg. Keine 10 Meter vom Schiff wird der internationale Müll gesammelt. Innerhalb zwei Stunden haben wir vierzig neue Mitbewohner an Bord. Kleine, freche Fliegen. Ich versuche es zuerst mit der Fliegenklatsche. Es folgt der Staubsauger. Ich drohe mit Ausräuchern. Nichts hilft. „Vor dem mit Wasser gefüllten Latex Handschuh haben die Fliegen Angst!“, erkläre ich Dietmar und Flo. „Die ziehen jetzt aus. Alte Technik von den Kapverden.“ Die beiden schauen ungläubig. Sechs Stunden später sind fast alle Fliegen weg.

Heute sind wir früher unterwegs. Etwas abenteuerlich starten Flo und ich den Kit an einem kleinen Strand etwas abseits vom Geschehen. Es dauert ordentlich bis dann doch eine Wolke mit etwas mehr Wind für eine halbe Stunde kommt und wieder mal stehe ich mehrmals für einige Meter auf dem Brett. Wieder einen kleinen Schritt nach vorn. Dann habe ich genug Wasser durch die Nase bekommen. Schnauze voll, buchstäblich. Morgen gerne wieder. Flo nimmt den für ihn doch recht großen 14er an das Trapez und übt Kite Kontrolle. Zur Sicherheit binde ich sein Trapez einfach ans geankerte Dinghy an. Gute Idee. So bleibt er an der richtigen Stelle und fliegt mir nicht in den Himmel. Heute ist früh Bett angesagt. Morgen gibt es bestimmt ordentlich Muskelkater.

 

Im Land der tausend Möglichkeiten

Inside Cuba. Inside me.

Stefanie reist morgen früh ab. Ihr Flug nach Havanna ist bestätigt. Mit im Gepäck hat sie dutzende kleine Gefühlserfahrungen, die eben auch mit Segeln zu tun haben. Aus leben und leben lassen, wird segeln und segeln lassen. Die MARLIN ist groß und komplex, Mitsegler sind Menschen und Menschen sind unberechenbar. Segel-Philosophische Ansätze sind ja immer sehr subjektiv. Stefanie wollte es wissen, ob sie sich mit der Aufgabe Skipper anfreunden kann. Die Antwort wird sie sich wohl selbst nach ein paar Tagen der Besinnung geben. Jan und ich wissen wie komplex dieser Job ist in all seinen Nuancen. Also sind wir weiterhin auf der Suche nach dem dritten Skipper im MARLIN Team.

Auf der MARLIN heißt es Energiemanagment. Ist dies negativ, reicht Wind und Sonne nicht aus um unseren Energiebedarf zu decken, zum Beispiel um Wasser zum Trinken und zum Leben zu erzeugen, dann muss Erika ran und den notwendigen Strom erzeugen. Das Erika launisch ist und doch schon ein recht hohes Alter, verglichen mit der Fahrleistung eines Autos um die 200.000km, erreicht hat, ist weitestgehend bekannt in meinem Lebensblog. Im Moment ist sie lieb und zuverlässig, der nächste Stop aber rückt mit jeder Stunde Lifetime näher ran. Deshalb werde ich wohl morgen mal eine Inspektion machen. Gleiches folgt an mir selbst. Zielerreichung prüfen und Kurskorrektur. Auf direktem Wege kann auch ich mein Ziel auch nicht erreichen. Ein zwei Schläge sind in den nächsten Monaten notwendig und die Position der Schläge hängt wie meist auf dem Kutter: Vom Wind ab.

 

Landed on Planet Cuba

Herzlichst, liebenswert und einmalig

Die restliche Überfahrt war gerefft. Ordentlich Wind. Die Gewohnheit am fünften Segeltag, hat die sportlichen Ambitionen meiner Mitsegler deutlich gesenkt. Lebensqualität beim Segeln steht eindeutig im Vordergrund. Jep. So ist das auf der MARLIN. Da geht es oft darum eher komfortabel ans Ziel zu kommen. Schnell sind wir eh, brauchen also eben nicht so auf die Tube drücken.

Am Morgen rutschen wir von 4.000 Meter Tiefe unter uns über die Kante auf das kubanische Festland. Die Tonne Mal Tiempo lassen wir falsch und bewußt steuerbord liegen, das Groß ist schnell geborgen und vor der Marina Cayo Largo müssen wir gut 20 Minuten warten bis Platz für uns ist zum Einklarierten am Steg. Da sind sie wieder alle zusammen. Piri, der Marinamanager begrüßt mich mit Tränen in den Augen. Es wird familiär. Es wird geküßt, umarmt, geschluchzt und gelacht. Was für ein Wiedersehen! „Wo ist Deine Frau? Wo sind die Kinder? Ach gut, die kommen im April. Gut. Dann ist ja alles gut.“ Meine Crew staunt nicht schlecht über die Begrüßung. Ich hatte nichts anderes erwartet. Die Formalitäten werden zur Nebensache. Die Formulare für die Capitania habe ich schon vorbereitet und ausgedruckt, die Ärztin misst bei allen 36,5 Grad und der Drogenhund legt sich in Jan’s Koje und wie gewohnt kommt Mizael von der Sitte wie ich immer sage. Er ist zuständig f ür die Kontrolle der importierten Lebensmittel. Die sind aber zwischenzeitig ausgezogen und Mizael kann sich somit mit mir um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern. Er verhilft mir selbstlos zu einer cubanischen SIM Karte, für Touristen ansonsten unmöglich, er hat Quellen für Gemüse und Obst und auch Getränke der besonderen Art sind kein Problem für ihn. Alles was Spass macht und wichtig ist für die nächste CREW 41 – Tauschware für den Besuch der Inseln. Alles im Lot. Nur eine fehlt: Damilka, meine pralle Hafenpolizistin ist befördert worden und kommt nicht mehr nach Cayo Largo. Na dann muss ich eben mit Nathalie und den Kids zur Isla Juventud segeln um Damilka zu besuchen.

Piri, wohl einer wichtigsten Männer auf der Insel, hilft uns mit allem was wir brauchen. Es hat sich nicht viel verändert, aber wichtiges. So wie in Cienfuegos kostet es jetzt jeden Tag 18 € nur um unseren Anker in den Sand vor Cayo Largo zu werfen. Das war früher nicht so. Leistung keine. Abkassieren: Ja. Nicht grade sozialistisch. Ich kontiere das als Entwicklungshilfe. Alles gut. Gute Fee an Piri’s Seite ist Olga. Olga steht für mich für die typische Cubanerin. Ein bisschen aufgetakelt kümmert sie sich um die Durchführungen der Regel die Master Piri festlegt und das die Kasse stimmt. Ich mag Olga. So wie ich eigentlich fast alle Cubaner in mein Herz geschlossen habe. Das ich sie dazu fotografieren darf, ist schon eine Große Ehre. Ob ich sie in meinem Blog veröffentlich darf? Nun: Ich habe gefragt, sie hat mich nicht ganz verstanden. Wir haben uns gegenseitig angelächelt und nun: Ist doch ne Nette. Kann man der Weltgeschichte doch nicht verheimlichen. Oder? Danke Olga.

Und so nimmt das cubanische Leben seinen Lauf. Der Wind ist stetig aus Osten und für die nächsten Tage ist nicht daran zu denken nach Cienfuegos zu segeln. Stefanie und Dietmar werden mit meiner und Piris Hilfe einen Flug nach Havanna bekommen und sind gedanklich schon auf dem Heimweg. Florian wird noch mit bei mir sein und den Kutter nach Cienfuegos bringen. Gut für ihn. So kommt er in den Genuss des Leuchttturms und noch viel mehr. Meine neue CREW 41 wird mich ganz alleine für sich haben. Zwischenzeitlich habe ich eine Woche Urlaub. Auch nicht schlecht. Mensch . Hab ich ein geiles Leben.

 

Nachtgedanken

Nachtgedanken

Das mit dem Geld

Die Bedingungen sind moderat geworden. „Reisen statt Rasen“ setzt sich ohne Diskussion als Tagesmotto durch. Der Weg führt uns mitten zwischen Cayman Brac und Little Cayman hindurch mit der Hoffnung auf Fisch. Dietmar weise ich in den Gebrauch der Angel ein. Es ist frustrierend. Wir angeln nur Gemüse. Seit Tagen Teppiche mit dunkelgelben Algen. Das Meer ist verseucht davon. Das Nachziehen der Angelleine entwickelt sich zum Desaster. Mit Fischen hat das nichts mehr zu tun. Irgendwann gibt selbst Dietmar entnervt auf.

Wie schon vor drei Jahren, ruft „Cayman Traffic Control“. Diesmal uns nicht, denn unser AIS sendet im Moment nicht. Eine Kabel oder Stecker ist wohl nicht in Ordnung. Aufgabe für die Tage mal. Ist mir auch ganz Recht. Cayman Brac Traffic Control ist ein vereinsamter CB Funker, der sich selbst zum Traffic Controller auf CH 16 ernannt hat. Auf der Insel ist so wenig los und irgendwann hat ihm jemand ein AIS geschenkt, dass er mindestens zweimal am Tag alle Schiffe im Umkreis anfunkt. Verdammt, ich habe seinen Namen vergessen. Nathalie und ich haben ihn 2015 an Land kennengelernt. Auf jeden Fall antwortet ihm keiner. Wir auch nicht. Selbst SIP Stefanie kann ich nicht motivieren doch mal ein kurzes Pläuschen abzuhalten.

Nun liegt Cayo Largo an der Südseite von Cuba an. Der Wind wird langsam weniger und dreht nördlicher. Wir werden ebenfalls langsamer. Trotzdem wird es unsere letzte Nacht auf See sein. Morgen werden wir ankommen. Cayo Largo ist entspannter zum Einklarieren und entspannter um mit Cuba zu beginnen. Ich habe nicht ganz so viel fotografiert in den letzten Tagen. Vielleicht, weil ich hauptsächlich ohne Schäden ankommen will. Wir haben auch keinen zusätzlichen Stop gemacht. Vielleicht weil ich mir die Zeit sparen will und eher ankommen will und noch ein paar Tage Ruhe haben will, bevor neue zahlende Crew an Bord kommt. Vielleicht habe ich auch nicht ganz so viel erklärt und erzählt wie sonst, weil es sich eben um einen „Hand gegen Koje“ Törn handelt. Quasi ein unbezahlter Überführungstörn. Ich glaube es ist im Endeffekt besser für die Crew, wenn sie ihr Kojencharterplatz im üblichen Rahmen bezahlen. Der Skipper wird auf jeden Fall sehr viel motivierter sein, sei nen Gästen die Zeit an Bord so schön und perfekt wie möglich zu gestalten. So ist das mit der Win Situation. Sollte immer WinWin sein.

Soll jetzt nicht heißen, dass wir keine gute Zeit miteinander gehabt haben. Ist und war toll. Im Gegenzug haben Stefanie, Dietmar und Florian auch überdurchschnittlich Arbeiten am Schiff erledigt, die der zahlende Mitsegler nicht tun wird und soll. Es ist einfach nur ein kleiner bitterer Geschmack, der das Gesamtbild geringfügig trübt.

Zwischenzeitlich haben Flo und ich den Kutter für die Nacht auf Am Wind Kurs getrimmt. Es soll Leichtwind geben und wir benötigen unseren eigenen Fahrtwind um trotzdem auf Speed zu kommen. Die Richtung passt. Das kann die MARLIN hervorragend. Ist auch mein Lieblingskurs. Das sind die Nächte, wo ich die Wache mit den Worten übergebe: „Am besten ihr rührt nichts an. In drei Stunden weckt ihr mich bitte! Schaut bitte nach anderen Schiffen. Kaffee wäre toll.“