Archiv der Kategorie: SY Marlin

MARLIN wieder aufgetaucht

Alles gut?

Der Morgen beginnt damit das ich Jan’s What’s App von der letzten Nacht um 23:59 bekomme. Auf die Frage wohin sie fahren: „Marigot Bay.“ Das ist alles. Den Rest soll ich mir jetzt denken? Ich verzichte darauf zu schauen ob MARLIN auf dem AIS zu sehen ist. Ich habe etwas Kopfschmerzen vom Rotwein der letzten Nacht, dem dicken Hals. Auf der MARLIN ist es drei Uhr nachts als ich Jan ein mail schreibe, in Flensburg ist es acht Uhr am Morgen: „Nicht authorisierte Schiffsbewegung und Segelanweisung“, steht im Subject. Den Rest kann man sich denken. Ich fordere Jan auf die MARLIN wieder in die Rodney Bay zu legen. Ich versuche sachlich zu bleiben. Das hätte er sich und uns echt sparen können. Gegen 15 Uhr kommt die erste Reaktion vom Schiff, von Martin. Scheint wohl alles entspannt zu sein. Na dann. Ma gut dass es keine Piraten waren, die die MARLIN inklusive Crew nach Haiti entführt haben. Hätte ja auch sein können.

“Hätte, hätte Ankerkette…“, heißt es ja immer so schön. Alles gut. Wäre es nicht gut, wäre es dann doch wieder meine Schuld gewesen. So wie die Frau von Crewmitglied Holger während dieser Transatlantik Tour wild aufgeregt angerufen hat, warum ich denn NICHTS wissen würde. „Die MARLIN fährt grade zurück nach Las Palmas. Ich seh das doch im Internet. Sie müssen doch wissen was da los ist. Vielleicht haben die einen verloren oder einer ist krank geworden. Unverantwortlich von ihnen.“ Ich war kurz davor aufzulegen, in solch einem Ton hat die Dame mit mir gesprochen. Holger hat es nicht für notwendig gehalten die Bord-email-Adresse oder die Telefonnummer vom Iridium bei seiner Frau zu hinterlassen. Auch wieder mein Fehler. Bestimmt. Hätte ich besser kommunizieren müssen. Bestimmt. Ne? Da frage ich mich, wozu ich nen Skipper habe.

Am Nachmittag meldet sich Jan dann auch mal. Die Telefonverbindung ist so schlecht, dass wir nicht wirklich kommunizieren können. Vielleicht auch besser so. Um 23:00 kommt die Nachricht, dass MARLIN wieder in der Rodney Bay liegt. Aha.

Das ist übrigens Lara. Lara ist ca. 20 Jahre alt und meine neueste Mitarbeiterin. Sie ist zuständig für geduldig dem Alten zuhören. Lara war eigentlich kurzhaarig, also kahl, als ich sie eingestellt habe. Nackt war sie ausserdem. Das ginge so aber nicht, meinten Mayalena und haben ihr erst mal Nagellack verpasst. Dann nen paar alte Klamotten und vor allen Dingen ne blonde Perücke. Dann hat Lara ihren ersten Arbeitstag gehabt. Im Schaufenster des MARLIN / LUNATRONIC Büros sorgt sie dafür, dass die Leute stehenbleiben und sich fragen, was wir denn da eigentlich so machen. Nun. In der Hauptsache sitzen wir den ganzen Tag vor drei Rechnern, telefonieren und nehmen Pakete an und verschicken wieder andere Pakete. Lara muss zuhören, vor allen Dingen wenn ich alleine bin und ist dabei sehr begabt: Sie gibt keine Widerworte. Nach der Probezeit hat Lara nun ein neuen Outlook bekommen. Eine schwarze Perücke, weil ich eben nicht auf blond stehe und wenn ich schon meine Tage m it Lara verbringen, anstatt mit Nathalie um die Welt zu segeln, dann kann sie wenigstens lange schwarze Haare haben. Wobei natürlich nahe liegt ob Lara nicht auch eine hervorragende Segelpartnerin wäre.

Nun. Das Büro läuft. Zumindest wenn ich da bin. Noch acht Tage bis Weihnachten.

 


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Karibischer Albtraum

Was AIS kann und eben auch nicht kann

Ich stehe in der Küche. Es riecht gut aus der Pfanne, aus den Töpfen. Ich habe das erste Glas guten Roten in der Hand. Manchmal wird mir wieder mal kalt und dann setze ich mich einfach für einen Moment vor die Heizung. Nachwehen meiner Behandlung, die kapillare Durchblutung oder die Nervenenden, nicht mehr so wie früher. Ich friere mir buchstäblich noch den Hintern ab im weihnachtlichen Flensburg. Draussen schneit es. Plötzlich brummt es in meiner Hosentasche. Neues Mail. Nun. Wir sind ja heutzutage immer und jederzeit zu erreichen. Neues Mail am Abend. Wer will denn da was? Es ist eine Nachricht von Marinetraffic. MARLIN is leaving Rodney Bay. Upps!

Ich schaue mir das einen Moment an. „Nathalie, die segeln nach Süden mit 5 Knoten.“ „Is bestimmt ne Party mit nem anderen Boot. Lass sie doch. Sollen doch Spaß haben.“ „Ja. Das sehe ich auch so. Aber zumindest mal ne Ankündigung von dem Skipper meines Vertrauens wäre doch ganz praktisch.“ „Hallo Micha. Wir legen heute Abend ab. Verlegen noch mal bis zum 16ten mit Soundso. Alles gut an Bord“, wäre jetzt die e-mail, What’s App, SMS oder wie auch immer, die mich ruhig schlafen ließe nach noch zwei Gläsern Wein. Aber es gibt kein e-mail. Kein What’s App. Kein SMS. Keines der Telefone von sechs Leuten Crew ist erreichbar. „Nathalie.“ „Ja?“ „Das AIS Signal ist weg.“ „Wie lange schon?“ „52 Minuten.“

Das letzte Signal ist kurz vor der Marigot Bay. Hierzu sagte Noonsite.com: „Security! There were 4 incidents of theft and attempted theft reported to CSSN in 2016, both inside and outside the lagoon in Marigot Bay, and yachts continue to be burgled into 2017 (see reports adjacent). It is recommended you remove all unsecured items of value from the deck/cockpit before entering the bay, and keep a record of serial numbers/photos stored in a secure place for purposes of investigation and proof of ownership should a theft occur. Be sure to properly secure all hatches and doors when going ashore or asleep, hide all valuables, and secure your dingy and outboard at all times.“

Wer mich kennt, der wird wissen, dass der Abend gelaufen ist. Schon diverse Freunde haben mich darauf hingewiesen, dass St- Lucia bettelarm ist. Zumindest die Hauptbevölkerung und dort Schiffsüberfälle an der Tagesordnung sind. Rodney Bay gilt als sicher. Alle anderen Plätze sind definitiv mit Vorsicht zu geniessen. „Nichts für eine karibikunerfahrene Skipper und Crew“, auch Nathalie findet das jetzt nicht mehr lustig.

“Guests on board a chartered catamaran on an SMMA mooring in Soufriere, St. Lucia, were awakened at 0130 am when they were boarded by 4 men. Two of the men were armed with guns, and one with a knife, all had their faces concealed. Three of the men damaged a deck hatch to break into the locked yacht while the fourth cut the davit lines on the dinghy during this violent boarding. There were 6 members of the charter group, 2 families, each with a teenage daughter. The women and children quickly locked themselves inside a cabin. There were many threats and a short struggle. One victim was hit in the face with a gun, the other hit on the head. The boarders demanded cash, cell phones, and passports. The cash and cellphones were surrendered readily and the passports and access to the locked cabin refused. After 20 terrifying minutes of further threats of violence and death the 4 men left with the dinghy. Reports were made to the charter base and police. The police took NO forensic evidence and told the victims and the charter company that they did “not want any media involved as it might scare tourists”. The charter company has assisted the victims with communications and arranged for a local media outlet to film an interview, which has not been broadcast. The dinghy was abandoned ashore and later recovered. The police have since asked for some details about the stolen cell phones by email, but have not informed the victims of any arre sts in this matter. The victims describe this as a “violent, aggressive and prolonged attack that left their families traumatized” and point out that at no point during the charter briefing were they informed of any “no go” or problem areas. They were advised to use the cable and lock provided to secure the dinghy when ashore“… ist weiter auf Noonsite zu lesen.

Ich entscheide mich, nun langsam angetrunken, den Weg is Bett zu finden. „Wir können eh nichts machen. Wir haben keine Informationen und können auch keine bekommen. Wahrscheinlich wird sich das Morgen alles in Wohlgefallen auflösen. Die sitzen jetzt bestimmt unter Palmen bei 28 Grad, alle mit nem Mojito in der Hand und erzählen sich Witze, klopfen sich auf die Schenkel. Oder sollen wir jetzt Bremen Rescue anrufen?“ Aber jetzt lächelt die Capitana auch nicht mehr. „Skipper Jan könnte ja mal auf die Idee kommen und nen Lebenszeichen von sich geben.“ „Mensch. Du weißt doch wie das ist. Waren wir anders? Früher? 2001? In der Karibik? Von einer Party zur nächsten?“ „Ja. Du hast Recht. Aber da gab es auch kein AIS und SAT Tracking. Da war man einfach weg. Schluss. Da hat man alle paar Tage mal nen Post im Logbuch gemacht, wenn man wieder nüchtern war. Ausserdem hatten wir nie fünf Leute an Bord mit der Verantwortung im Rücken, dass die nicht verloren ge hen und nachher sogar noch weitererzählen, was für eine tolle Zeit sie gehabt haben. Im besten Falle noch mal wiederkommen.“ „Gute Nacht! Danke Jan. Der Tag ist gelaufen.“

 


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Landfall Karibik

Welcoming in caribbean style

Zwanzig Seemeilen vor St. Lucia. Der Wind fällt zusammen. Mist, ausgerechnet jetzt. Unsere GRIB-Wetterdaten hatten wieder mal recht. Bis dahin hatten wir stolz auf Johann’s Dienste verzichtet, den knurrligen Motor im Keller des Schiffes. Auch nicht in den hartnäckigen Flauten um Gran Canaria herum, oder später. Wir wollen unbedingt unter Segel ankommen, so wie die früheren Seefahrer. Jetzt, so kurz vor der karibischen Insel, schon Marimba-Klänge erahnend, müssen wir den Motor doch noch anwerfen?

Wir diskutieren, aber nur kurz. Entschluss: wir kitzeln die letzten Zehntelsknoten aus der treuen MARLIN heraus, ganz in Regattamanier. Nach einer Stunde würden wir dann wieder sehen.

Ich sehe eine flache Wolke am Horizont. Könnte Wind bedeuten. Tatsächlich, ein bisschen Trimm hier und da und die MARLIN krebst auf 3Knoten. Mein Regattafieber ist ausgebrochen. Wir kitzeln die MARLIN noch mehr. 4.2 Knoten. Ich sehe, dass in Ufernähe eine Winddüse entsteht. Also ran. Tatsächlich. 4.6 Knoten. Alle jubeln. Und schlussendlich segeln mit voller Geschwindigkeit rund um Pigeon Island, dem bergigen Buchtende von Rodney Bay. Ein Schlauchboot empfängt uns und schiesst erste Fotos. Die Bucht öffnet sich vor uns, grün und lieblich, Sandstrände und ankernde Yachten zeigen sich.

Wir sehen das Zielschiff und Zielboje. Der Wind beruhigt sich und ist plötzlich ganz weg. Kenne ich vom eigenen See. So kurz vor der Ziellinie, Wind ganz weg. Taktik: Genua runter und mit Schwung hinter die Leeboje wenden. ‚Trööt!’ kommt vom Startschiff und wir jubeln. Geschafft! Die ARC 2017 ist bezwungen. 3’198 Seemeilen seit Gran Canaria. Ohne Motor. Platz 118 unter den eingelaufenen Schiffen, noch ohne Kompensation für Bootstyp und Motorgebrauch. Wir sind stolz und taub von Emotionen. Ich könnte fast weinen vor Freude.

Bucket List item #6: DONE.

 

@Tasten: Martin @Photo: Martin

 


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Ich und meine Freundin Erika

Warum ist Erika nicht wie Johann?

Da sitz ich mal wieder bei 35° im Motorraum und nehme sie auseinander. Erika ist eine von diesen Freundinnen, die regelmäßig Aufmerksamkeit braucht. Sonst würde man ja auch vergessen was man an Ihr hat.

An einem Tag wie heute möchte Sie das mal wieder zeigen. In der Früh stehe ich kurz beim Wachwechsel auf um Erikas energiespendende Anwesenheit zu genießen. Später als ich aufwache, bekomme ich nicht Ihr leises Schnurren zu Ohr, sondern erfahre, dass Sie mal wieder Ihren Dienst verweigert.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich dann doch noch nicht wach genug um mich Ihrem Temperament zu widmen. Später in der Mittagssonne dann ein verzweifelter zweiter Versuch, doch mehr als zehn Minuten will Sie einfach nicht. Jetzt gibt es nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder die Trennung von Erika und die Zwangsehe mit Johann unserer Hauptmaschine oder – das Krisengespräch mit Erika. Ich wähle Zweites und Stelle mich der Herausforderung.

Ab jetzt liegt Erika’s offenes Herzstück vor mir. Unsere Beziehung hat schon einiges durchgemacht, daher kenne ich Ihre Schwächen, die es zu kontrollieren gilt oder bestenfalls zu beseitigen. Wobei Zweiteres oftmals ein wenig mehr Zeit beansprucht. Heute steht ihre Wasserversorgung im Mittelpunkt, denn auch für Erika – halb Mensch, halb Maschine – ist Wasser ein überlebenswichtiges Molekül. Sonst überhitzt Sie und tut nichts mehr. Sie erleidet quasi einen Hitzeschlag. Wenn man an Erika arbeitet ist das meistens wie am OP-Tisch, da muss man genau wissen was man tut. Nicht, dass man sie schnell zerstören könne, vielmehr muss man sich bei jedem Bauteil Ihres Inneren überlegen wie man dieses überhaupt herausoperiert bekommt ohne gleichzeitig drei Schrauben im Gehäusesumpf zu verlieren. Sonst dauert die OP schnell mal das dreifache der nötigen Zeit.

Während ich diese Zeilen schreibe, summt Erika wieder vor sich hin. Unser heutiges Beziehungsproblem hat sich in Grenzen gehalten. Einen neuen Zahnriemen samt neuem Zahnrad hat sie spendiert bekommen und ein Impellercheck war natürlich auch mit drin im Rundumpaket. Wo genau das Problem lag bleibt ungewiss.Vermutlich eine lose Schlauchschelle.

Manchmal wünschte ich Erika wäre wie Johann: groß, einfach zu handhaben und OP-Tisch-freundlich. Dann würde Sie aber erstens nicht Erika heißen und zweitens gäbe es diesen Blogeintrag nicht.

@Tasten: Jan @Photo: Martin

 


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Auf in den Endspurt!

Marlin bei 25kn und achterlicher Welle – nicht jedermanns Sache, Esthers schon.

Es scheint, als ob sich Wind und Wetter der Gefühlslage der Crew angepasst haben. Wir sind noch etwa 400 nm von St. Lucia entfernt und plötzlich, als ob jemand einen Schalter umgelegt hat, fangen alle an über die Ankunftszeit zu spekulieren. Natürlich darf der Wetteinsatz nicht fehlen und wie sollte es auch anders sein – es ist Bier *lach*. Hoch im Trend liegt Montag. Dabei tendiert Jan zur Mittagszeit und Bernard zu einer Ankunft nach Sonnenuntergang. Martin setzt auf volles Risiko und meint, dass wir erst Dienstag ankommen werden- Der Rest der Crew –Holger und Esther- halten sich mit wilden Spekulationen im Hintergrund und ich werfe nur ab und zu ein, dass Montag definitiv drin ist. So ganz genau möchte ich mich dann aber doch nicht festlegen. Es bleibt auf jeden Fall hoch spannend!

Als ob der Atlantik uns erhört hat, zeigt er sich nun mal von seiner etwas ruppigeren Seite, der Wind frischt heute deutlich bis 25 kn auf. Nach setzen des 2. Reffs kamen wir bald zum Schluss, dass das 3. Reff ruhig auch mal in Anspruch genommen werden kann. Die Genua wurde dann immer jeweils passend gerefft oder entrefft. Im Laufe des Tages kann man richtig beobachten, wie die Wellen immer Länger und Höher werden. Unglaublich, was da für Kräfte hinter stecken.

Fast schon regelmäßig bilden sich hinter uns aus dem Nichts dunkle Schauerwolken, Bei denen die genau aus der Windrichtung kommen, wissen wir ganz eindeutig, dass sie uns eine erfrischende Abkühlung bringen werden. Die anderen Wolkenkonstellationen beeindrucken uns da weniger, im Auge behalten sollte man sie trotzdem.

Zum Abend hin fängt Holger an zu kochen, Für sein vorzügliches Spaghetti-Bolognese steht der arme Kerl bei einer turbulenten Achterbahnfahrt ganze 3h in der Pantry. Ein hoch auf unseren Smutje!! (Nach einer nun ausgezeichneten Ausbildung auf der Marlin will er nun seine Dienste auch auf anderen Schiffen anbieten *zwinker*.)

@Tasten: Marie @Photo: Martin

 


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Wenn einem das Wasser im Mund zusammenläuft

Gelb ist eine schöne Farbe

Rosige Zeiten sagt man wenn es mal gut läuft. Nach dem Bergfest auf der MARLIN geht es aber bergab. Das ist vollkommen normal. Erst auf den Berg rauf und dann eben wieder runter. Nathalie und ich sitzen auf dem Balkon. Es regnet, es ist kalt. „Die schreiben jetzt bestimmt keine Logbucheinträge mehr. Oder was meinst Du?“ „Wahrscheinlich nur, wenn ich mein ganzen unangenehmen Eignercharme einsetzte und bitterböse e-mails schreibe.“ „Lass das mal. Du brauchst Jan noch. Und mögen tust Du ihn doch auch. Oder?“ Ich nicke. „Sehr!“ Ich denke zurück an unseren letzten Familienurlaub in Spanien. Finka. Riesiges Haus zum günstigen Preis, bei dem man aus dem Küchenfenster die Zitronen vom Baum pflücken konnte. Richtig gute Zitronen. Hier in Flensburg muss man sich dagegen keine Gedanken machen zu verdursten. Es regnet tagein, tagaus. Man kann einfach einen Eimer auf die Straße stellen und der füllt sich von allein. Dementsprechend ist auch das Klima. Die Menschen laufen mit heruntergezogenen Mundwinkeln durch die Strassen. Kein grüßt. Keiner lacht. Man geht seinem Alltag nach. Seiner Arbeit. Seinem Trott. Ich auch. Wie langweilig.

Unser Flensburger Office wächst und gedeiht. Jetzt mit dabei ist jetzt Eike, der im Bereich Videoschnitt ein Praktika macht. Wie? Werbung Wnuk? Das wolltest Du doch gar nie wieder machen. „Stimmt“, antworte ich meiner inneren Stimme. „Recht hast Du. Wir machen ja auch nur Werbung für uns selbst. Für die MARLIN, für LUNATRONIC.“ Eike und ich, wir beschnuppern uns und irgendwie schauen wir mal wohin die Reise geht. Solange ich in Flensburg bin und von Zitronenbäumen träume, dessen Früchte ich durch das Fenster meiner Küche ernten kann, ist alles gut. Wie das klappt, wenn ich unterwegs bin und schwallartig e-mails von mir gebe, anstatt da zu sein, das bleibt abzuwarten. Ich fange mal ganz unten mit meinen Erwartungen an. Also am besten mit null. Dann kann nix schiefgehen.

Man muss eben dem Dauerregen auch seine positiven Seiten abringen: Man bekommt keine Knöllchen beim Falschparken, weil die kleinen und großen Ordnungsbeamten, dann auch lieber im Warmen sitzen. Irgendwann einmal wird es aufhören zu regnen. Dann gibt es wieder Knöllchen, was wieder nicht lustig ist. Ich muss zugeben, ich denke viel darüber nach, was genau ich hier eigentlich mache. Ich muss zugeben, ich freue mich auf die MARLIN zurückzukehren, ich freue mich auf die kommenden Gäste und die kommenden Ziele. Auch da wird es Probleme geben. Auch da wird es hin und wieder regnen. Zumindest aber wird meine Nase nicht die ganze Zeit laufen.

@Tasten: Micha @Photo: Micha

 


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Wenn die Sonne im Osten aufgeht

geht der Vollmond in Westen unter

Es ist zwei Uhr in der Nacht, Bernard sitzt im Cockpit und ließt das letzte holländische Buch auf seinem Ipad. Was er danach mit der ganzen freien Zeit anfangen soll, weiß er noch nicht so recht. Vielleicht schlafen. Oder dann doch mal was Deutsches lesen.

Die Marlin gleitet währenddessen mit acht Knoten der Karibik entgegen, der Schlag nach Süden hat sich gelohnt, 20 bis 25kn Wind schieben die Marlin im zweiten Reff nach vorn. Mit etwas Glück bleibt das Segelbergen in St. Lucia das letzte Manöver. Nach zwei Wochen auf See tut es gut das Gefühl zu haben zügig voran zu kommen. Ich schlafe bei der Geschwindigkeit zwar nicht mehr so entspannt, da ich von selbst schon alle zwei Stunden aufwache um zu schauen ob denn doch alles ok ist, die Sehnsucht nach acht Stunden Schlaf am Stück ist aber zu groß. Der restlichen Crew geht es nicht ganz anders, auch wenn man das Pfeifen des Windes nicht direkt hört, vermittelt das Rauschen des Wassers am Rumpf doch das Gefühl von hoher Geschwindigkeit.

Tagsüber zeige ich der Crew die Spiele, die wir Früher immer bei den Pfadfindern gespielt haben um uns die Zeit beim Wandern zu vertreiben. Funktioniert natürlich auch beim Segeln, wenn die meisten Gespräche dann mal gesprochen wurden und der Plan fürs Abendessen schon steht.

Die Vorfreude steigt auf karibischen Sand und kalte Cocktails, bis dahin Begnügen wir uns hier noch mit unsern letzten 5 Tomaten, Kohl, Kartoffeln und Fisch auf den letzten 1000 Meilen. Muss reichen, wird es auch.

 

@Tasten: Marie @Photo: Jan

 


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Advent, Advent, die Sonne brennt

The daily routine

Heute ist Bergfest. Das heißt, wir haben die Hälfte der Strecke geschafft. Achtung: Nicht zu verwechseln mit der Hälfte der Zeit. Die müssten wir schon hinter uns haben-hoffentlich *hust* *hust*.

Am Bergfest-Tag darf traditionell ein Bier getrunken werden. Vor allem für die männliche Abteilung der Crew das ultimative Highlight. Wir beiden Mädels bleiben da lieber bei unserer leckeren Tasse Kaffee *lach*. Ich muss ja zugeben, die Vorstellung, dass es jetzt „bergab“ gehen soll, behagt mir noch nicht sonderlich. Denn ich persönlich bin schon voller Vorfreude auf St. Lucia und gespannt, wie sich die restlichen Tage auf See anfühlen werden. Da finde ich das Bild, das es bergab geht irgendwie zu negativ behaftet. Doch Martin erklärt mir, dass ich es mir wie beim Skifahren vorstellen soll: Der Aufstieg ist hart, die Abfahrt das Dessert. Wenn man es so betrachtet, erscheint es gleich viel positiver. Danke Martin!

Apropos Dessert, wenn ihr euch fragt über was wir uns die ganze Zeit unterhalten – Dessert. Es ist wahr, immer wieder heiß diskutiert, dann doch kalt serviert. Auch die Verpackungen der Lebensmittel werden sorgfältigst separiert und eingelagert. Außer Holgers giftgrüner Ikea-Plastikschuh, der ist heute nach Brasilien abgedreht. Da scheint wohl die Qualitätskontrolle schiefgelaufen zu sein.

Der fliegende Holländer liegt derweil wie Aladin aus 1000 und eine Nacht im Dinghi auf dem Vorschiff, Esther & Marie liefern sich spannende Kniffelrunden und Martin versucht mit vollem Einsatz die hohen Wellen via Video einzufangen. Das wird bestimmt eine wunderschöne Dokumentation! Gleichzeitig brät sich Holger virtuell Corned-Beef-Frikadellen mit selbst geschabten Spätzle. Bleibt nur noch Jan, der schläft erschöpft in der Hängematte. Wohl verdient, sind die Nächte für ihn doch am härtesten. P.S.: Wir wünschen Euch allen einen schönen 1. Advent.

 

@Tasten: Marie @Photo: Jan

 


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Geburtstagsgrüsse von der MARLIN aus Übersee

Wie geil ist das denn?

Flensburg hat es wieder mal geschafft. Null Grad. Mir frieren die Finger ab. Nathalie lächelt: „Is doch schön hier im Norden.“ Muss ich das verstehen? Ich bekomme einen 1a Geburtstag von meiner Familie geschenkt. Frühstück mit Ständchen, Kerze und Low Carb Kuchen. Mittags mein Wunschgericht von Zauberköchin Capitana: Niederrheinischer Dauerbraten mit Knödel und Rotkohl. Das war jetzt zwar nicht Low Carb, aber man muss ja auch mal über seinen Schatten springen. Ich bin ja manchmal der Meinung, dass ich gut kochen kann. Nathalie kann es besser. Am Abend geht es wohin? Nathalie und ich, wir setzen uns ab. Mein Wunsch: Sauna in der Fördetherme. Das ist definitiv der heißeste Ort um Flensburg zu dieser Jahreszeit. Zwei Aufgüsse von meiner Lieblingssaunameisterin bekommen wir mit und endlich ist mir mal wieder warm. Richtig warm. So war, dass ich sogar schwitze und das bei 2° Aussentemperatur. Aber Hallo!

Komme aus der Saua, kommt ein Mail von Übersee aufs Handy. Jetzt wird’s aber feucht um die Augen. Upps. Jan schickt von sich und der MARLIN Crew Burstagsgrüße mitten vom Atlantik. Mit Bild. Siehe oben. Jetzt geht es aber los. Bin ich ein bisschen emotional touched. Die haben die Schranktür aus der Kinderkabine ausgebaut, weil die mit Tafelfolie bezogen ist und habe mir visuelle Glückwünsche über den Äther zukommen lassen. Hehehe. Vielen Dank Jan, Marie, Esther, Martin, Bernhard und Holger! Habt ihr gut gemacht. Hat gesessen. Jetzt bin ich neidisch. Mit den Überraschungen hört es aber nicht auf. Lena und Maya springen auch über ihren Schatten. Ich habe mich am Vorabend geweigert die Beiden ins Bett zu bringen. Bin ja hartgesotten, aber der Ordnungszustand des Kinderzimmers war nicht mehr im Rahmen des Erträglichen. Zweite Überraschung: MayaLena haben ihr Zimmer aufgeräumt. Sogar so sehr, dass man die Schränke aufmachen kann ohne das einem alles was vorher auf dem Boden lag nun als Schwall entgegenkommt. Wie geil ist das denn? Nein, ich lasse nun keine Hoffnung aufkommen, dass sich da was generell geändert hat. Aber für so zwischendurch ist das auch mal ein gelungenes Geschenk.

Auch über Social Media prasselt es nur so an Glückwünschen zum 36ten Geburtstag. Vielen Dank an alle die an mich gedacht haben.

 

@Tasten: Micha @Photo: MARLIN

 


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Der Alte wird 54

Wieder ein Jahr überlebt

Würde e-mails beantworten, bloggen, chatten und Familieninterkommunikation bezahlt werden. Ich wäre reich. Während Jan mit seiner Crew über den großen Teich nun im Passat ist, Fische fängt, sich viel vornimmt und dann doch nichts davon schafft (So ist das, wenn man eine Atlantiküberquerung macht! Also kein Vorwurf!), sitze ich im Büro, beschäftige mich damit die Kohle für die MARLIN und mein Leben zusammenzubringen und vor allen Dingen zu behalten… meine Kunden glücklich zu machen. Jeder Kunde ist bei uns König ist das Motto. Für Mitsegler gilt das genauso, wie für LUNATRONIC Kunden. Die Umsetzung führ meist dazu, dass ich im Dunkeln anfange zu arbeiten und im Dunkeln auch wieder aufhöre zu arbeiten. Das Büro einzurichten, so dass ich mich wohl fühle ist gar nicht so einfach gewesen. Jetzt ist es soweit. Die Rechner und das Netzwerk funzen, das Arbeiten macht Spass. Dazugekommen ist Maik, der derzeit erst am Nachmittag kommt und die Basics macht, so das s der Laden auch läuft wenn ich dann ab Januar wieder auf Tour mit der MARLIN bin. Na. Ob das mal alles klappt? An der Fensterscheibe klebt ein Zettel, dass wir noch einen Praktikanten/in suchen und jeden Tag kommt mal eine/r rein. Bis jetzt aber noch nicht der/die richtige. Eile? Ne. Eile habe ich nicht. Alles ist so, dass es auch von unterwegs zu managen ist. Das ist ja eigentlich das, was ich verkaufe. Kommunikation auf Yachten für weltweite Fahrt. Und das macht mir Spaß.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne auf die Frage nach meinem Alter mit sechsunddreißig antworte. Das war, als ich damals meine Agenturzeit beendet habe und eben im Kopf stehengeblieben bin. Dann kamen etliche Jahre Segelzeit, die ich bis heute nicht im geringsten bereut habe. Höhen und gesundheitliche Tiefen, die mich fast von der Bildfläche geschubst hätten. Eindrucksvoll. Jetzt ist alles anders, das Leben ist noch unvorstellbar viel wertvoller geworden. Ich fühle mich immer noch wie sechsunddreißig. JA! Und jetzt drücke ich mal für mich selbst die Daumen, dass es noch ein paar Jährchen so bleibt und ich noch so einige Meilen segeln kann. Das ist schon meine destination!

So schön es auch ist, bei meiner Familie zu sein, so zähle ich schon wieder die Tage bis ich im Flieger sitze um wieder auf mein Schiff zurück zu kommen. Mainly liegt das aber daran, dass ich mir in Flensburg den Arsch abfriere. Zwei Grad. Dauerregen über Tage. Dunkelheit und all die hektischen Menschen um einen herum.

 

@Tasten: Micha @Photo: Nathalie

 


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Passat süß-sauer

Een lekkere Appeltaart

Knapp eine Woche haben wir gewartet auf den Passat, eine Woche eine Mischung aus Amwindkursen und Flaute. Eine Woche das Gefühl nicht richtig voran zu kommen, aber doch zu stolz um mit Johann durch die Flaute zu dieseln. Wir wollen schließlich über den Atlantik segeln und da kommt es auf den ein oder anderen Tag später nicht an. So ist die Meinung zumindest aktuell. Wäre die Flaute am Ende der Passage, sähe das vielleicht ganz anders aus.

Neptun hat das ganze natürlich auch noch auf Maries Geburtstag gelegt, was für solch einen Törn doch ein anständiges Geschenk von oben ist. Nachmittags gibt es zur Feier des Tages den besten Apfelkuchen den man in Marlins Ofen backen kann. Und das ganz ohne Rezept und Wage, Marie scheint da ein gutes Händchen zu haben.

Abends dann die erste Passatwind-Nacht. Eine dicke Wolkendecke schwebt über uns, kein Mond, keine Sterne nur die Dunkelheit, der Wind und man selbst auf einem der größeren Teiche dieser Erde. Typisch für den Atlantik kommen auch jetzt die Squalls dazu. Am Anfang wurde ich immer schräg angeguckt, warum ich mitten im nirgendwo das Radar angeschaltet habe, wo doch weit und breit kein anderes Schiff zu sehen ist. Mittlerweile hat sich das geändert und so macht jeder der den Atlantik besegelt irgendwann so seine Erfahrungen damit. Eine Erscheinung mit der wir sicherlich noch öfter erleben dürfen.

 

@Tasten: Jan @Photo: Jan

 


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„Der Wind, der Wind, das himmlische Kind“

Die Marlin sucht sich Ihren Weg durch die aufgewühlte See

Vorgestern Vormittag regte sich kaum ein Lüftchen und Gestern? Gestern nahm der Wind wie vorhergesagt zu. Kein Wunder, wenn man in Richtung Zentrum des herannahenden Tiefdruckgebiets fährt. Auf dem Amwindkurs versteht sich. Ich persönlich hatte/habe generell keine Probleme damit, außer das permanente Liegen auf einer Seite ist auf Dauer etwas unbequem.

Da sich die Möglichkeiten der auszuführenden Aktivitäten bei diesem Wind, dieser Welle und dem anliegenden Kurs in Grenzen hielten, habe ich viel in der Sonne auf der Luv-Seite gedöst und mir ein wenig das Gesicht verbrannt. Da habe ich wohl nicht aufgepasst. Dafür war das Gefühl der wehenden Haare im Wind und die frische Luft in meiner Lunge eine schöne Abwechslung zur Flaute. Auch zu spüren, wie sich das Boot seinen Weg durch die Wellen sucht ist einfach toll. Naja, momentan stampft es eher durch die unruhige See – das ist Segeln! *lach*

Langsam senkt sich die Sonne gen Horizont und der Wind nimmt immer weiter zu. Vor uns liegt eine unruhige, ruppige Nacht, die die versammelte Mannschaft ordentlich fordern wird. Da Martin aufgrund seiner Seekrankheit für die Nachtwache ausfiel, übernahmen Jan und Holger diese. Großen Respekt davor, v.a. vor Jans Leistung! Ich habe wirklich keine Ahnung, wie man mit so wenig Schlaf auskommen kann. Denn meine Augen vielen ca. alle 30 sec. zu. Was die Müdigkeit betraf, war ich definitiv an meine Grenze gelangt.

Nach dieser Nacht waren alle erleichtert, dass der Wind über den Tag langsam aber sicher immer weiter abnahm. Die Anstrengung steckte allen noch in den Knochen. Folglich ruhte sich immer 2/3 der Crew aus oder ging gemäßigten, entspannten Aktivitäten nach, wie z.B. lesen. Zu meiner Freude zeigte sich auch Heute die Sonne am Himmel, sodass ich mich hinten in die Plicht legen konnte und ein kleines Nickerchen möglich war. Das sich keiner aufraffen konnte, viel das Fischen aus. Gegen Abend wurden alle etwas munterer. Auch der Martin sah nicht mehr ganz so bleich um die Nase aus. Jan kochte zur Feier des Tages bei nun fast Flaute den selbst gefangenen Fisch. Es war sehr köstlich – DANKE JAN!

Nun ist es spät in der Nacht, genau genommen kurz nach Mitternacht und wer glaubt es kaum, es ist Flaute. Manchmal fühle ich mich hier von dem Wetter echt ein bisschen veräppelt. Erst Flaute, dann viel Wind aus der falschen Richtung, sodass wir auch noch in die falsche Richtung segelten und dann… nein natürlich kein Passatwind sondern mal wieder Flaute. Wir werden noch zu Flautenprofis! Im übrigen kann man mittlerweile problemlos 24h Stunden in kurzer Hose + T-shirt rumlaufen, auch Nachts. Davon habe ich immer geträumt. Echt genial.

Update: Da schreibt man gerade über ruhige, unspektakuläre Nachtwachen und promt kommt ein mysteriöser Funkspruch auf Channel 16 rein. Zuerst fühlten wir uns nicht angesprochen, da wir „Merlin“ und nicht „Marlin“ verstanden. Das folgende Funkgespräch verlief dann auch noch etwas merkwürdig. Zum einem konnte das andere, kontaktaufnehmende Schiff nur gebrochen Englisch und wollte, dass Jan auf Spanisch kommuniziert, obwohl er bereits vorher durchgab, aus „Germany“ zu sein. Zweitens sprachen beide Skipper aneinander vorbei und uns wurde nicht klar, was das andere Schiff beabsichtigte. Martin kam dann hinzu und meinte, dass der Skipper darum bat sie abzuschleppen. Auch etwas merkwürdig mitten auf dem Atlantik. Wohin sollten wir es denn bitteschön abschleppen?! Alles in einem hinterließ die ganze Aktion einen bitteren Beigeschmack. Die Tatsache, dass wir das Schiff nicht auf AIS sehen konnten und es sich auch nicht identifizierte, machte das Ganze nicht bes ser. Ich glaube, ich sollte nicht allzu lange darüber nachdenken. Ansonsten kann ich gleich nicht mehr schlafen. Dabei muss ich nach der letzten Nacht definitiv Schlaf nachholen.

@Tasten: Marie @Photo:Marie

 


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