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Archiv der Kategorie: Iron Lady
Inselleben

Inselleben
Angekommen auf Ilha Grande
So konnte das ja nicht weiter gehen. Jeden Tag zwei Meilen, von einer Bucht in die nächste. Mit Crewentscheidung haben wir in der letzten Nacht dann vom Festland nach Ilha Grande verlegt. Ein bisschen segeln, dann musste Johann ran. Die kleinen Matrosen habe bis zur Dunkelheit durchgehalten und sind dann in der Koje dem Geschaukel entschwunden. Daran müssen sie sich wie viele Erwachsenen auch erst mal dran gewöhnen, doch schlecht geworden ist keinem. Prima. Immerhin 16 Meilen über das offene Meer haben wir gemacht.
Der Ankerplatz auf Ilha Grande ist tiefer als gewohnt. Aus fünf Meter werden 20 und langsam haben wir die LADY in Landnähe gebracht. Heute Morgen dann der erste Blick aus dem Cockpit: „Ach, so sieht das hier bei Tageslicht aus.“ Um sieben Uhr werde ich wach und stehe auf um meine morgendliche Bürostunde zu starten. Mails abrufen, Logbuchbericht machen und überhaupt. Dafür bleibt der Rechner den Tag über weitestgehend aus. Doch weit gefehlt. Kaum habe ich den Rechner an tönt es aus der Koje: „Mami, bist Du schon wach?“ Damit endet die Ruhe an Bord und der Tag beginnt! Grins. Schön mit Kindern an Bord. Ehrlich. Ich schreibe noch ein paar Zeilen, dann habe ich die kleinen Matrosen auf meinem Schoß.
Die Ilha Grande soll noch schöner sein als das Festland. Doch geht das überhaupt? Unmitten von dichten Grün, Dschungelbuch, stehen kleine malerische Hütten, Fischerboote auf dem Meer davor und das ganze Leben schein hier wirklich ein langer, ruhiger Fluß zu sein. So, jetzt wird es aber Zeit erst einmal das Dinghy wieder über die Reling zu bringen und statt am Rechner zu sitzen, Land und Leute zu erkunden.
Es hat uns zufällig an den Praja Grande de Aracatiba auf der Ilha Grande verschlagen. Mal wieder ein Treffer ins Herz. Das Wasser ist glasklar und warm, die Strände sind lang und weiß und kein Schwein da. Bis Freitag sind noch Ferien im State Rio de Janeiro und Nathalie fragt mich beim schattigen Mittagsbier: „Wo sind nur die ganzen Touristen, so wunderschön wie es hier ist kann das doch gar nicht sein, dass wir hier alleine langlaufen.“ Es ist Mittagshitze, vielleicht liegt es daran und am Abend füllt sich der Strand, ein paar Strandzelte werden aufgebaut und die Musik geht an. Heute Abend Strandparty. Damit es auch jeder weiß, schießen die Pyromanen der Insel schon den ganzen Tag Knaller in den Himmel. Direkt am Anlagesteg des malerischen Örtchens steht eine Touristentafel auf der die Wanderwege der Insel verzeichnet sind. Mir schwant Übles. Bestimmt will die Capitana auf den fast 100 Meter hohen Berg der Insel, aber sie winkt ab: „Nicht mit den Kindern!“
Leben an Bord

Leben an Bord
Klopfen an anderen Booten
Am Mittag tauchen Wolken auf und es fängt an zu regnen. Es regnet mehr und mehr und wir verlassen grade Parati, Richtung Norden und Ilha Grande um auf Abenteuerfahrt zu gehen. So kommen wir grade mal 2 Meilen weit und schon fällt wieder der Anker. Diesmal vor einer hundert mal hundert Meter großen Insel Mantimento. Die Insel ist so klein, dass kein Name auf der Karte verzeichnet ist. Es gibt Linseneintopf mit lokaler leckerer Wurst und viel frischem Koriander aus der Kombüse und wir entscheiden einfach über Nacht zu bleiben.
Unsere kleine Insel hat keinen Strand und mit dem Regen können die kleinen Seeungeheuer nicht aufs Vordeck auf die Schaukel, die ich ihnen dort gebaut habe. Neben uns ankert ein anderes Segelboot. Ich entscheide mit Maya im roten Dinghy eine Entdeckungsfahrt zu machen. Maya nölt. Wir fahren ein bisschen an den Felsen entlang, es regnet doller und doller. Auf dem Rückweg zur LADY klopfen wir an die Bordwand des Ankernachbars. Brasilianer. Eine Familie mit einem neunjährigem Sohn, Caio und einer vierzehnjährigen Tochter, Isis. Paulo der deutschstämmige Vater spricht Englisch! „Hopa!“ Auch die Kinder und die Mutter Rosa sprechen Englisch. So kommt es, dass wir alle den Abend auf der PROCELARIA verbringen. Paulo zeigt mir seine Lieblingsankerplätze in der Gegend um die Ilha Grande auf den Unmengen von Detailkarten, die er von der Gegend hat. Die PROCELARIA ist ein Racing Boot mit allen Kojen im Salon. Im Vorschiff ist Platz für diverse Spi’s. Maya gewinnt im Memory gegen den Rest der Bande und mit Lena zusammen vergessen beide schnell wie schüchtern sie ja eigentlich sind. Die Beiden geben Gas ohne Ende und wir haben Schwierigkeiten uns normal zu unterhalten. Nun ja. Unter Familien hat man dafür Verständnis. Es ist ein wunderschöner Abend und vor allen Dingen schön zu sehen, wie schnell man Freunde finden kann auf Booten. Für morgen Früh habe wir zu einem Besuch, einer Tasse Kaffee oder Tee eingeladen und in Rio sind wir natürlich auch schon herzlich zu Besuch erbeten. Gute Nacht. Es regnet immer noch, aber das ist hier nie lange. Morgen gibt es einen Regenbogen und dann scheint wieder die Sonne.
Segeln mit Kindern

Segeln mit Kindern
Fünf Meilen in die nächste Bucht
Gegen Mittag erst kommt unser Besuch der PROCELARIA und grade Maya ist immer etwas ungeduldig, aber auch mit allem derzeit. Es muss immer alles ganz schnell gehen. Man merkt Deutschland. „Hey Maya, komm mal runter“, ich nehme meine Tochter in den Arm. Ob das bei Kindern auch so ist, wie bei Erwachsenen, dass sie sich erst einmal auf die Ruhe und Gelassenheit an Bord einlassen müssen? Bestimmt. Jetzt im Urlaub kann man mal von dieser Lebensweise kosten, aber ruhig werden und das Leben entspannter sehen, dass geht erst, wenn man mal ein paar Wochen einen Ocean hinter sich gebracht hat. Komisch, eigentlich konnte sie das besser als wir.
Ich schnappe mir meine beiden Töchter setzte sie ins Dinghy und wir rudern am Ufer entlang, bis die LADY nicht mehr zu sehen ist. Und da kommt Ruhe auf. Wir beobachten die Fische, die um unser kleines Dinghy schwimmen, die Seesterne an den Felsen, zählen die Seesterne. Auch Maya und Lena entschleunigen jetzt langsam. Schade, dass die beiden noch nicht richtig schwimmen können. Aber das wird von alleine kommen. Sie sind beide kurz davor und jeden Tag schwimmen wir ums Boot. Ne laute Angelegenheit, weil man ja nicht stehen kann. Aber schlimmer wäre es, wenn sie kein Salzwasser mögen würden.
Wir verlegen am frühen Nachmittag in eine der nächsten Buchten. Zwei Stunden tuckern und langsam mit Genua segeln auf ruhiger See. Doch was für uns Erwachsene so wunderschön ist muss für unsere Kinder nicht unbedingt so schön sein. Nathalie und ich sind etwas nervös was das angeht, weil wir ja unsere gemeinsame Zukunft planen und uns natürlich fragen in wie fern wir diese unseren Kindern diktieren können, doch in diesem Alter ist noch das was die Eltern machen toll und folgenswert. Unsere Kinder sind inzwischen aus Deutschland, vom Leben in der Familie, vom Kindergarten gewohnt immer Programm zu haben. Auf dem Boot ist das anderes und alles muss sich finden. Leben und Leben lassen. Es ist schön, dass Nathalie und auch ich endlich mal Zeit für unsere Kinder haben, ohne den Tag zu verplanen. „Wir kennen genug andere Boote, bei denen das geht. Also schaffen wir das auch,“ ich nehme Natale in den Arm und drücke ihr einen Kuss auf die Stirn.
Gegen Abend fällt der Anker vor der idyllischen Insel Ilha do Cotla. Wir sind alle hungrig und es gibt brasilianisches Steak. Guten Appetit. Morgen, neue Abenteuer. Und zum Schluß noch einen lieben dicken Kuss von allen an unsere halbitalienische Freundin Katharina, die heute Geburtstag hat. Hoffentlich kommt ihr uns noch mal besuchen.
Beginn einer neuen Zeitrechnung

Beginn einer neuen Zeitrechnung
Urlaub. Oder: „Was geht?“
Nach dem Stress des Ankommens, Abholens, Jetlag’s, Busfahrens usw. sind die Mädels zu Hause angekommen. Die Eingewöhnung dort dauerte für Nathalie und Maya nicht lang. Für die Beiden ist es einfach quasi wie mal kurz weg gewesen. Lena braucht etwas länger und hat heute Abend das „Arme Dier!“ bekommen und erst bei Papa und dann bei Mama mal ordentlich abgeheult.
Die beiden Töchter halten uns ganz schön auf Trab, denn eigentlich ist es ihr Urlaub und nicht der, der Eltern. Immer wird Programm gefordert und auch gebracht. Der Sonntag vergeht mit der LADY Gewöhnung, schwimmen gehen und Freundschaft mit den Mücken schließen. Schon abends verlegen wir nach Parati, denn heute war viel zu erledigen. Gasflasche füllen lassen, Großeinkauf im Supermarkt, Parati zu ersten Mal anschauen, den Proviant verstauen, diverse Sachen einbauen (Papa), den ersten Fisch in die Röhre schieben und essen, Caipi trinken und zum Schwimmen und Schlafen wieder vor eine der kleinen Inseln verlegen. Jep. Und jetzt? RUHE! Vollmond, kein Auto Lärm, keine Klever Straße, die Telefone sind alle ausgeschaltet, Sternenhimmel und Vollmond. Mein Gott, wie sehr habe ich das vermisst? So sehr, sehr, sehr! Tagsüber ist es geil warm, um die 28 Grad und Sonne, abends kühlt es ab und mit 22 Grad ist es genau richtig um sich auf die Koje und einen angenehmen Schlaf zu freuen.
Maya Papaya – So nennen wir sie immer, wenn sie grade wieder was angestellt hat. Und das ist oft. Sie und ihre Schwester wollen im Moment immer das Gleiche und zwar jetzt und Grenzen austesten bei Papi und Mami ist echt Klasse. Kennt Ihr Connie? Bestimmt nicht. Connie ist die Mädelsbilderbuchheldin. So ähnlich wie Prinzessin Lilifee. Alles Rosa oder was? Egal. Connie macht alles. Sie reitet, geht in den Kindergarten, ich die Schule, lernt Schwimmen, wird ein Balletstar, fliegt, muss zum Arzt usw. Alles was im Leben der kleinen Mädchen so passiert. Puhhhh! O.K. In diesen Büchern ist die Mama auch immer da, Papa muss nie arbeiten und hat immer Zeit für die Kinder und Geldprobleme? Was ist das? Wunderschöne heile Welt. Und im Moment ist es so wie: „Connie geht Segeln!“ „Hepa!“, sagen die Brasilianer, wenn sie stolpern. „Hepa! Maya!“ Auch Du wirst in den kommenden drei Wochen noch etwas runter kommen. Von ganz alleine.
Die Frau Doktor hat Urlaub. Sie kann es noch gar nicht fassen und schaut deshalb grade noch so nen bisschen wie bei der Arbeit. „Na, wo kann es den bei Ihnen schöner werden? Hier nen bisschen weg? Dort nen bisschen dran? Nen Kissen rein, nen Lappen rum oder vielleicht nen bisschen Fett absaugen?“ Sie ist noch voll drin und erst mal höre ich mich verständnisvoll die letzten Stories aus dem Krankenhaus an. Soll ich mal nen bisschen plaudern? Nix. Alles Betriebsgeheimnis, aber die Herren und Frauen Lebenspartner müssen ja immer alles auffangen, was geht. Übermorgen kurbeln wir dann mal Winschen. Sprechen von Backbord und Steuerbord und werden uns an die Planken erinnern, die das Leben verändern. „Häh?“
Das Herz der Brasilianer, die hier in Parati alle etwas muffelig sind, zu erobern, fällt Lena nicht besonders schwer. Heute morgen, Papa und Lena alleine zum Brötchen holen, hat Lena mal eben die Herzen von den Müllmännern, den Marineros, dem Polizisten, der Bäckereifachverkäuferin und des Obdachlosen neben der Bäckerei erobert. Nur sie merkt das gar nicht. Gut so, dass wird sie noch früh genug bemerken. Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass Sie uns nicht geklaut wird. Also immer ein Auge auf Lena:-), die ja auch gerne mal die Lara Croft spielt und ausbüchst. Nicht auszumalen, was für ein Palaver.
Und Papa? Der schaut sich alles an und wartet. Auf das was passieren wird. Denn die neue Zeitrechnung wird schon bald beginnen. Das ich dann nicht viel zu melden habe, ist mir schon vollkommen klar. Muss meinen Weg auch erst mal finden, mein Ziel trotzdem zu erreichen. Das wäre was? : Ruhe. Einfach ein entspanntes Leben, ohne Tatütata jede halbe Stunde, ohne sechsspurige Autostrassen und ohne ständig schellendes Telefon und die ganze Hektik um Garnix, also um Kohle! Die LADY ist der richtige Ort. Klar ist es eng und direkt, aber der richtige Weg, dass was ich wollte und immer noch will. In drei Wochen weiß ich mehr und ich werde es ehrlich bekunden. LOVE!
