Archiv der Kategorie: SY Marlin

Im Land der tausend Möglichkeiten

Inside Cuba. Inside me.

Stefanie reist morgen früh ab. Ihr Flug nach Havanna ist bestätigt. Mit im Gepäck hat sie dutzende kleine Gefühlserfahrungen, die eben auch mit Segeln zu tun haben. Aus leben und leben lassen, wird segeln und segeln lassen. Die MARLIN ist groß und komplex, Mitsegler sind Menschen und Menschen sind unberechenbar. Segel-Philosophische Ansätze sind ja immer sehr subjektiv. Stefanie wollte es wissen, ob sie sich mit der Aufgabe Skipper anfreunden kann. Die Antwort wird sie sich wohl selbst nach ein paar Tagen der Besinnung geben. Jan und ich wissen wie komplex dieser Job ist in all seinen Nuancen. Also sind wir weiterhin auf der Suche nach dem dritten Skipper im MARLIN Team.

Auf der MARLIN heißt es Energiemanagment. Ist dies negativ, reicht Wind und Sonne nicht aus um unseren Energiebedarf zu decken, zum Beispiel um Wasser zum Trinken und zum Leben zu erzeugen, dann muss Erika ran und den notwendigen Strom erzeugen. Das Erika launisch ist und doch schon ein recht hohes Alter, verglichen mit der Fahrleistung eines Autos um die 200.000km, erreicht hat, ist weitestgehend bekannt in meinem Lebensblog. Im Moment ist sie lieb und zuverlässig, der nächste Stop aber rückt mit jeder Stunde Lifetime näher ran. Deshalb werde ich wohl morgen mal eine Inspektion machen. Gleiches folgt an mir selbst. Zielerreichung prüfen und Kurskorrektur. Auf direktem Wege kann auch ich mein Ziel auch nicht erreichen. Ein zwei Schläge sind in den nächsten Monaten notwendig und die Position der Schläge hängt wie meist auf dem Kutter: Vom Wind ab.

 

Landed on Planet Cuba

Herzlichst, liebenswert und einmalig

Die restliche Überfahrt war gerefft. Ordentlich Wind. Die Gewohnheit am fünften Segeltag, hat die sportlichen Ambitionen meiner Mitsegler deutlich gesenkt. Lebensqualität beim Segeln steht eindeutig im Vordergrund. Jep. So ist das auf der MARLIN. Da geht es oft darum eher komfortabel ans Ziel zu kommen. Schnell sind wir eh, brauchen also eben nicht so auf die Tube drücken.

Am Morgen rutschen wir von 4.000 Meter Tiefe unter uns über die Kante auf das kubanische Festland. Die Tonne Mal Tiempo lassen wir falsch und bewußt steuerbord liegen, das Groß ist schnell geborgen und vor der Marina Cayo Largo müssen wir gut 20 Minuten warten bis Platz für uns ist zum Einklarierten am Steg. Da sind sie wieder alle zusammen. Piri, der Marinamanager begrüßt mich mit Tränen in den Augen. Es wird familiär. Es wird geküßt, umarmt, geschluchzt und gelacht. Was für ein Wiedersehen! „Wo ist Deine Frau? Wo sind die Kinder? Ach gut, die kommen im April. Gut. Dann ist ja alles gut.“ Meine Crew staunt nicht schlecht über die Begrüßung. Ich hatte nichts anderes erwartet. Die Formalitäten werden zur Nebensache. Die Formulare für die Capitania habe ich schon vorbereitet und ausgedruckt, die Ärztin misst bei allen 36,5 Grad und der Drogenhund legt sich in Jan’s Koje und wie gewohnt kommt Mizael von der Sitte wie ich immer sage. Er ist zuständig f ür die Kontrolle der importierten Lebensmittel. Die sind aber zwischenzeitig ausgezogen und Mizael kann sich somit mit mir um die wirklich wichtigen Dinge im Leben kümmern. Er verhilft mir selbstlos zu einer cubanischen SIM Karte, für Touristen ansonsten unmöglich, er hat Quellen für Gemüse und Obst und auch Getränke der besonderen Art sind kein Problem für ihn. Alles was Spass macht und wichtig ist für die nächste CREW 41 – Tauschware für den Besuch der Inseln. Alles im Lot. Nur eine fehlt: Damilka, meine pralle Hafenpolizistin ist befördert worden und kommt nicht mehr nach Cayo Largo. Na dann muss ich eben mit Nathalie und den Kids zur Isla Juventud segeln um Damilka zu besuchen.

Piri, wohl einer wichtigsten Männer auf der Insel, hilft uns mit allem was wir brauchen. Es hat sich nicht viel verändert, aber wichtiges. So wie in Cienfuegos kostet es jetzt jeden Tag 18 € nur um unseren Anker in den Sand vor Cayo Largo zu werfen. Das war früher nicht so. Leistung keine. Abkassieren: Ja. Nicht grade sozialistisch. Ich kontiere das als Entwicklungshilfe. Alles gut. Gute Fee an Piri’s Seite ist Olga. Olga steht für mich für die typische Cubanerin. Ein bisschen aufgetakelt kümmert sie sich um die Durchführungen der Regel die Master Piri festlegt und das die Kasse stimmt. Ich mag Olga. So wie ich eigentlich fast alle Cubaner in mein Herz geschlossen habe. Das ich sie dazu fotografieren darf, ist schon eine Große Ehre. Ob ich sie in meinem Blog veröffentlich darf? Nun: Ich habe gefragt, sie hat mich nicht ganz verstanden. Wir haben uns gegenseitig angelächelt und nun: Ist doch ne Nette. Kann man der Weltgeschichte doch nicht verheimlichen. Oder? Danke Olga.

Und so nimmt das cubanische Leben seinen Lauf. Der Wind ist stetig aus Osten und für die nächsten Tage ist nicht daran zu denken nach Cienfuegos zu segeln. Stefanie und Dietmar werden mit meiner und Piris Hilfe einen Flug nach Havanna bekommen und sind gedanklich schon auf dem Heimweg. Florian wird noch mit bei mir sein und den Kutter nach Cienfuegos bringen. Gut für ihn. So kommt er in den Genuss des Leuchttturms und noch viel mehr. Meine neue CREW 41 wird mich ganz alleine für sich haben. Zwischenzeitlich habe ich eine Woche Urlaub. Auch nicht schlecht. Mensch . Hab ich ein geiles Leben.

 

Nachtgedanken

Nachtgedanken

Das mit dem Geld

Die Bedingungen sind moderat geworden. „Reisen statt Rasen“ setzt sich ohne Diskussion als Tagesmotto durch. Der Weg führt uns mitten zwischen Cayman Brac und Little Cayman hindurch mit der Hoffnung auf Fisch. Dietmar weise ich in den Gebrauch der Angel ein. Es ist frustrierend. Wir angeln nur Gemüse. Seit Tagen Teppiche mit dunkelgelben Algen. Das Meer ist verseucht davon. Das Nachziehen der Angelleine entwickelt sich zum Desaster. Mit Fischen hat das nichts mehr zu tun. Irgendwann gibt selbst Dietmar entnervt auf.

Wie schon vor drei Jahren, ruft „Cayman Traffic Control“. Diesmal uns nicht, denn unser AIS sendet im Moment nicht. Eine Kabel oder Stecker ist wohl nicht in Ordnung. Aufgabe für die Tage mal. Ist mir auch ganz Recht. Cayman Brac Traffic Control ist ein vereinsamter CB Funker, der sich selbst zum Traffic Controller auf CH 16 ernannt hat. Auf der Insel ist so wenig los und irgendwann hat ihm jemand ein AIS geschenkt, dass er mindestens zweimal am Tag alle Schiffe im Umkreis anfunkt. Verdammt, ich habe seinen Namen vergessen. Nathalie und ich haben ihn 2015 an Land kennengelernt. Auf jeden Fall antwortet ihm keiner. Wir auch nicht. Selbst SIP Stefanie kann ich nicht motivieren doch mal ein kurzes Pläuschen abzuhalten.

Nun liegt Cayo Largo an der Südseite von Cuba an. Der Wind wird langsam weniger und dreht nördlicher. Wir werden ebenfalls langsamer. Trotzdem wird es unsere letzte Nacht auf See sein. Morgen werden wir ankommen. Cayo Largo ist entspannter zum Einklarieren und entspannter um mit Cuba zu beginnen. Ich habe nicht ganz so viel fotografiert in den letzten Tagen. Vielleicht, weil ich hauptsächlich ohne Schäden ankommen will. Wir haben auch keinen zusätzlichen Stop gemacht. Vielleicht weil ich mir die Zeit sparen will und eher ankommen will und noch ein paar Tage Ruhe haben will, bevor neue zahlende Crew an Bord kommt. Vielleicht habe ich auch nicht ganz so viel erklärt und erzählt wie sonst, weil es sich eben um einen „Hand gegen Koje“ Törn handelt. Quasi ein unbezahlter Überführungstörn. Ich glaube es ist im Endeffekt besser für die Crew, wenn sie ihr Kojencharterplatz im üblichen Rahmen bezahlen. Der Skipper wird auf jeden Fall sehr viel motivierter sein, sei nen Gästen die Zeit an Bord so schön und perfekt wie möglich zu gestalten. So ist das mit der Win Situation. Sollte immer WinWin sein.

Soll jetzt nicht heißen, dass wir keine gute Zeit miteinander gehabt haben. Ist und war toll. Im Gegenzug haben Stefanie, Dietmar und Florian auch überdurchschnittlich Arbeiten am Schiff erledigt, die der zahlende Mitsegler nicht tun wird und soll. Es ist einfach nur ein kleiner bitterer Geschmack, der das Gesamtbild geringfügig trübt.

Zwischenzeitlich haben Flo und ich den Kutter für die Nacht auf Am Wind Kurs getrimmt. Es soll Leichtwind geben und wir benötigen unseren eigenen Fahrtwind um trotzdem auf Speed zu kommen. Die Richtung passt. Das kann die MARLIN hervorragend. Ist auch mein Lieblingskurs. Das sind die Nächte, wo ich die Wache mit den Worten übergebe: „Am besten ihr rührt nichts an. In drei Stunden weckt ihr mich bitte! Schaut bitte nach anderen Schiffen. Kaffee wäre toll.“

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Jamaika Leewards. Flo mit Fisch

Na denn mal guten Appetit

Flo lacht gerne. Flo ist auch gern auf der MARLIN. Flo kann was. Flo macht. Flo teilt auch gerne mal aus. Flo kann aber auch gut einstecken. Gebe ich ihm eine Aufgabe erledigt er die schnell und präzise. Viele Kleinigkeiten auf der MARLIN sind liegengeblieben, viele Kleinigkeiten wurden erledigt. So ist das. Großes Schiff, viele Baustellen. Gott sei Dank keine großen. Flo und Dietmar bringen diese blöden Bodenheber in Ordnung. Zwei Klemmen, voll mit Dreck eine soll Jan abgebrochen haben. Grins. War der nie. Sagt er aber gerne, weil er seine Schäfchen gerne beschützt. „Da bekommen wir die Schrauben nicht raus. Abgebrochen. Geht nicht.“ Ich zeige Dietmar eine, wie die rausgeht, da kommt Ehrgeiz auf. Ich staune nicht schlecht wie Flo die Dinger mit Essig und Scheuerläppchen aufpoliert hat. Nach zwei Stunden sehen die aus wie neu. Gut gemacht. Flo isst gerne Fisch. Rohen Fisch wie man sieht. Spass. Vielleicht ist er deshalb so überpowert? Er kann echt nicht stillsi tzen ohne eine neue Aufgabe. Ich hab ihm direkt angeboten beim Sommer-Refit der MARLIN an der Algarve mitzumachen. Solche MACHER kann ich gebrauchen. Lorenz und Jan sind auch schon dabei. Dann geht es zu den Kapverdischen Inseln. Da freut sich die MARLIN. Da freu ich mich.

Derweilen sind wir in der Abschattung von Jamaika, müssen dreißig Meilen motoren. Dann kommen wir ums West End. „Bumm“ macht es dann. Dann rollt die Fock aus und es wird wieder schräg. 288 Meilen und wir sind an der Tonne „Mal Tiempo“, der Einfahrt nach Cayo Largo. Challenge. Ich schau mal nach was der Freezer so hergibt. Das dürfen wir alles nicht importieren. Hmm. So viel können wir gar nicht essen. Gut das ich die Jungs von der Gesundheit gut kenne ;-) Da finden wir bestimmt eine Lösung

Segeln bei 8 Windstärken

Die Nase vorn

Mit 20 Knoten Wind wäre ich eigentlich auch glücklich gewesen. Gegen Neun Uhr am Morgen lichten wir den Anker. Blauer Himmel, kristallklares 28 Grad warmes karibisches Wasser, türkises Farbenspiel unter den steilen Felsen verabschieden uns. “T´schüss Curacao! Bis zum nächsten Mal!”, verabschiede ich mich von der sympathischen Insel. Eins habe ich hier nicht in der etwas kurzen Woche: Gefroren. Der Blick auf die Flensburger Windfinder Seite verursacht Gänsehaut. Gruselig.

Abfahrt steht auf dem Programm. Begrüßt werden wir von einem dicken Squall, kaum sind wir auf dem offenen Meer. Das mit der ausgebaumten Genua hätten wir getrost sein lassen können. Viel zu viel Segel. Innerhalb Minuten schlägt die romantische Wetterlage in einen ausgewachsenen tropischen Sturm mit Tonnen von Wasser um. Es regnet nicht. Es schüttet in Eimern. Dazu 40 Knoten Wind in Böen, die unsere MARLIN in den Wind gieren läßt. Das Groß verliert seinen Winddruck. Ich übernehme, aber das Schiff macht eh alles von ganz alleine. Kurze Zeit später wieder blauer Himmel. Dann der nächste Squall. Das ganze entwickelt sich über den Tag zu einem ausgewachsenen Sturm ohne blaue Löcher. Drittes Reff ist schon längst gesetzt und die Fock wird beängstigend klein. Gut, das der raumschote Wind den ganzen Mist von achtern kommen lässt.

Florian und Dietmar sind zwischenzeitlich angekommen. Obligatorisch stürmen wir den Supermarkt. Ausklarieren und Sicherheitseinweisung. Für mich inzwischen Routine, für den SIP Stefanie schon eine Aufgabe. Am Sonntag dann letzte Reparaturen. Unsere Gäste hauen ordentlich mit rein. Dietmar glänzt mit handwerklichem Geschick beim Lederbezug des Steuerrades, der Kompassbeleuchtung und dem Servicen der Winschen. Florian, auch kurz Flo genannt, bringt mit meiner Hilfe den Ersatzantrieb des Autopiloten wieder zum Leben, serviced die Lager der Ruderanlage und vieles anderes. Bei der aktuellen Wettervorhersage ist mir das besonders wichtig. Beide sind uns eine große Hilfe, erledigen ihre Aufgaben eigenständig. Alles gut. Ich zaubere dafür aus meiner Küchentrickkiste. Es schmeckt. Es ist heiß und zum Abschluss des Tages springen wir alle in Wasser.

Am 13ten segel ich nicht los. “Is doch kein Freitag”, meint Nathalie. Mir ist es egal. Ein Tag mehr macht auch nix. Ich verliere in Phase 10. UNO! Klappt besser. Eric ruft an. Er ist der Meister der Insel, wenn es um Kite Reparaturen geht. Den 11er 2015er North Rebell habe ich günstig bei E-Bay Kleinanzeigen geschossen. “Ich habe den Kite vorm Versand aufgepumpt. Hält Luft!”. Nix hält. Aus der Reparatur eines Ventils werden sechs Ventile. Eric meint, es würde sich trotzdem noch lohnen. Zu warm gelagert. Das ist das Problem hier in der Karibik. Aus 30 Euro Reparatur werden 130 Euro. Trotzdem. Ein Kite mit Bar für insgesamt 400 Tacken ist ja immer noch ein Deal.

Zwischenzeitlich ist es Nacht geworden. Gut 10 Stunden ein Squall nach dem anderen mit bis zu 40 Knoten Wind. 4-5 Meter Welle. Auch gerne mal die Breitseite und komplett übers Schiff. No so was. Endlich hat sich der sternklare Himmel eingestellt. Wir rasen wie wild durch die Nacht. Beschleunigung, statt Entschleunigung. Die Schwerkraft drückt uns in die Polster des komfortablen Pilothauses. Mitsegler Stefan sitzt derweilen bestimmt in Hannover in der Küche über der Karte und zeichnet unseren Kurs mit. 2016 hat er dieselbe Strecke mit mir und Crew Hand gegangen. Diesmal sind wir nur vier Leute und steuern tut der Autopilot. Die Bedingungen sind ähnlich. Ruhig Blut Stefan. Ich werde berichten wie unser Etmal aussieht. Noch 717 Meilen to Go!

Wer richtig zeigt bei dem Wind, was er kann, ist der Superwind 350. Kaum hörbar, lädt er unsere Batterien so ganz nebenbei zum Betrieb des Kühlschrank, Freezers und Autopilot. Saubere Sache. Bin froh, dass ich ihn habe.

 

SIP im Untergrund

Skippers Workout

Nett andere Leute durch die Weltgeschichte zu schippern bedarf ja nun einer gewissen Ausbildung. Die seemännischen Scheine sind die Basisvorraussetzung um SIP zu werden. Doch so ein Schein heißt noch lange nicht, dass damit auch sichergestellt ist, dass die MARLIN erfolgreich auf der anderen Seite des Oceans ankommt und schon mal garnicht, dass Kunden und Eigner glücklich sind und der eingesegelte Umsatz dazu führt, dass die Kosten des Kutters gedeckt sind. Vielmehr muss ein SIP auf der MARLIN das definitive Multitalent sein. Ob nun das Stehen auf dem Kite Bord dazugehört stellt sich nach dem letzten Logbuchbericht von Stefanie zu Diskussion.

Der SIP muss nebst selbstbewußt (Womit Stefanie definitiv kein Problem mit hat :-) muss der SIP vor allen Dingen eins können. Kochen. Nur ein satter Mitsegler ist ein glücklicher Mitsegler. Dann muss der SIP sich zu handwerklich zu helfen wissen. Zwei linke Daumen geht garnicht. Um einen Monteur von Land zu rufen, dazu fehlt definitiv die Zeit. Also sind handwerkliche Fähigkeiten unabdinglich. Ich meine hier überdurchschnittliche Fähigkeiten! Stefanie kann sich heute selbst beweisen. Level 4 ist angesagt. Der Pegelschalter im Grauwassertank ist defekt. Also muss der Deckel des Tanks im Kiel der MARLIN geöffnet werden und ein neuer eingebaut werden. Vor allen Dingen eine recht geruchsvolle Angelegenheit. Eng ist es hier. Man muss Gummiarme haben. Ich superweise Stefanie. Alles in allem schafft Stefanie das alleine. Das ganze ist mit ordentlich Fluchen und Grummeln begleitet. Im Ernstfall, also als alleiniger Skipper an Bord, wäre zwar Kommunikation mit mit der Boden station, also mir zum Beispiel in Deutschland, über e-mail notwendig gewesen, aber sie hätte ihr Ziel auch ohne mich erreicht. Unser SIP zeigt vor allen Dingen ein wichtiges Charaktermerkmal: Durchhaltevermögen. Schlimm wäre nur, wenn zum gleichen Zeitpunkt die Zigaretten ausgehen würden, weil die Ruhepausen dann nicht gewährleistet wären. Noten gibt es auch. Stefanie bekommt eine Zwei minus. Na. Das ist doch super. Ich lobe fett. Stefanie ist zu Recht stolz und der Grauwassertank wird wieder rechtzeitig automatisch abgepumpt ohne das es im ganzen Schiff stinkt wie Hölle. Ziel erreicht.

Aber auch ich darf werkeln, nebst Grauwassertank repariere ich einen Splint am Vorstag, die Dusche an der Badeplattform bekommt ein neues Gehäuse, dass natürlich nicht einfach passt. Das Schloss der Hecktüre zum Keller funktioniert auch wieder. Das Steuerrad hat drei gebrochene Speichen, die der nette Vedha von “Curacao Professional Welding” schweißt das schnell, unkompliziert und günstig. Mensch. Klappt ja mal alles wie am Schnürchen. Jetzt muss nur noch der Lederbezug des Stuerrades wieder an seinen Platz. Gut aussehen soll das auch noch. Na dann. Nebenbei wird der Kühlschrank repariert und tausend andere Kleinigkeiten. Zugeschaut und mitgebaut. Aber fertig ist Stefanie noch nicht. Sie erreicht das nächste Level. Erika, der Generator läuft zwar und hat sich auch mit dem SIP angefreundet, aber trotzdem steht der Austausch der Wasserpumpe, Zahnriemen und Impeller, sowie eine typische Inspektion auf dem Aufgabenzettel der strebsamen SIP. Da. Wird Stefanie demnächst wieder viel fluchen. Wohlauf.

Morgen kommen unsere neuen Gäste.

Noch alle Knochen beisammen?

Aller Anfang ist schwer

“3-mal habe ich bisher auf einem Kiteboard gestanden. Völlig ungeübt und untrainiert. War ne geile Erfahrung. Mit „self education“ sollte es dann weitergehen, unwissend über all die Gefahren, die einem dabei drohen können. Micha hatte es ja bereits vor 2 Jahren schwer erwischt. Schulterbruch. Das will ich natürlich nicht erleben und entschließe mich statt self education die Vorzüge eines Kitetrainers zu genießen.

Auf Bonaire gibt es zwar eine Kiteschool, jedoch ist die Location absolut untauglich für Greenhorns like me. Auf Klein Curacao ebenfalls viel zu gefährlich. Aber auf Curacao wurden wir fündig. Kleine, geschützte Lagune, abseits gelegen, im typisch karibischen Stil, einfach und simpel mit Möbelfundstücken von der Straße, aus denen Polsterstoff und Federn herausschauen, hergerichtet. Hyggelig :-)

Dafür glänzt Nik, unser Kitelehrer von der Nix Kiteschool mit umfangreichen Wissen. Ein wirklich gemütlicher Zeitgenosse. Wir buchen jeder 2 Stunden. Sicherheit steht bei ihm an erster Stelle. Fehler, die er an Mich’s 14m2 Kite findet, müssen erst repariert werden, bevor es ins Wasser geht. Ich bin zunächst nur Zuschauer und beobachte das Ganze mit respektvollem Abstand. Als absoluter Laie erkenne ich allerdings sofort alle Fehler, die der Micha macht ;-) Das soll mir später nicht passieren. Ich strotze nur so vor Selbstbewusstsein. Nach zwei Stunden kommt Micha völlig ausgepowert aus dem Wasser. Ich schwöre, Micha stand mindestens einmal für mehr als 10 Meter auf dem Board ;-) Er selbst ist einen großen Schritt weiter gekommen. Das macht den Unterschied zwischen einem guten Kitelehrer und einem guten Kitelehrer.

10 Minuten später bin ich dran. Kite selbst aufpumpen. Wofür habe ich eigentlich bezahlt? Nach dem Aufpumpen hätte ich gerne eine kurze Verschnaufpause, aber mit Nik treibt mich direkt ins Wasser. Kurze Einweisung in das Sicherheitssystem, dann Kitekontrolle. Das A&O beim Kiten. Klappt super dank ein paar Stunden am Trainerkite mit Micha auf Klein Curacao. Schnell kommen wir zum Bodydragging, downwind, upwind, mit und ohne Brett. Auch extrem wichtig, falls man mal das Board verliert, um wieder zum Brett zurückzugelangen. Ich schlucke meine ersten Liter reinstes karibisches Meerwasser. Klappt aber ansonsten sehr gut. Den Kite verliere ich nicht ein einziges Mal. Bin mega Stolz und total infiziert. Leider darf ich noch nicht aufs Brett steigen. Bin erst bei 60-70%, sagt der Nik. Grmpf!#%&$§! Morgen oder Freitag haben wir uns gleich für weitere zwei Stunden gebucht. Bin zuversichtlich dann aufs Board zu kommen. Achja; Nix ist passiert. Alle Knochen noch beisammen :-) Am Vormittag hat es einen Kiter direkt in die Mangroven verschlagen…

Thema SIP (Skipper in Practice – Anmerkung: Wikipedia verdächtige Definition von Micha): Skipper auf seinem eigenen Schiff zu sein, ist nicht sonderlich schwer. Skipper auf einer fremden Eigneryacht dagegen umso mehr. Micha’s und meine Erwartungen waren besonders hoch. Meine erstrecht. Die ersten Tage haben mich extrem gefordert. Gibt da eben doch den „kleinen Unterschied“ zwischen Mann und Frau. Bin zwar eine sehr stattliche und eher maskuline Erscheinung, aber nur mit Hamsterkräften. Da haben sich schon andere verguckt (nee, nicht was Ihr denkt ;-) und mich überschätzt. Hier auf der MARLIN ist alles eine Dimension größer. Dazu kommt die ungewohnte Hitze und zuweilen sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Das alles, plus die Komplexität der Systeme erfordern bei mir mehr Zeit, als dem Micha und mir zu Anfang lieb war. Ich war recht schnell demotiviert, konnte die Zeit nicht wirklich genießen. Mittlerweile hat sich das Blatt komplett gedreht. Micha hat das Tempo angepas st. Soziale Kompetenz eben. Das, was einen wirklich guten Skipper ausmacht. Ich habe mich halbwegs akklimatisiert und mein Tempo entsprechend angepasst. Die Stimmung ist super. Ich bin Micha unendlich dankbar für seine Geduld. Am Ende profitieren wir beide hoffentlich voneinander. Meine Lieblingsbeschäftigung derzeit: Squall nähert sich. Von vorne bis achtern alle Luken und Fenster schließen. Das sind nicht gerade wenige. Wenn der Squall durch ist, das Ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück. Sonst ist hier schnell dicke Luft. Das alles in einem regelmäßig wiederkehrenden Takt :D

Neue Crew kommt am Wochenende für den Überführungstörn nach Kuba. Für mich die erste Bewährungsprobe.

Irgendwie heimatlich und doch so anders

Wieder Zoll, Immigration und so weiter…

“What’s App SIP?“ Das wir intern auf der MARLIN nicht auch schon über What’s App kommunizieren ist alles. Ich habe mich ja nun laaaaange gegen dieses Tool gewehrt, aber seit dem es eine Desktop Version davon gibt, gab es auch für mich kein „NoGoWA!“ mehr. Auf meinem iPhone Nachrichten einzutippen ist so ziemlich das allerletzte wonach ich Begierde empfinde. Für die Verwaltung mit meinen Kunden, Mitseglern und Staff allerdings ist WA ein inzwischen unabdingliches Tool. Zusätzlich muss ich hier für Weltreisende schreiben, dass WA die beste Telefonqualität mit dem geringsten Datenverbrauch hat. Im Übrigen hat mich meine Segelfreundin Nike drauf gebracht. Da kann Skype sich hinter verstecken. Vor allen Dingen seit das Unternehmen von Microsoft übernommen worden ist.

Hier drängt sich nun die Frage auf: Was ist ein SIP? Stefanie ist ein SIP. Skipper im Praktikum. Sie durchläuft grade ein Praktikum auf der MARLIN, mit dem Ziel die Position von Jan zu erreichen und selbstständig mit Gästen zu segeln. Wie der Fortschritt ist werden wir sehen. Das das kein Zuckerschlecken ist, dürfte jedem klar sein. Für den SIP braucht es auch Mitsegler. Mit zwei Häuptlingen, also Stefanie und ich, ohne Indianer, also Mitsegler, die MARLIN nach Cuba zu bringen, ist mehr oder weniger die Pflicht und nichts besonderes. Die Kür allerdings ist Mitsegler zu motivieren, zu führen und den ganzen Kahn sicher und mit Erfolg auf der ganzen Linie zum Ziel zu bringen. Im Moment ist Stefanie noch ohne Mitsegler auf der MARLIN. Nur mit mir. Was ja auch eine Challenge ist. Hihi.

Angekommen in Curacao heißt es erst mal Platz im Ankerfeld zu finden. So übt Stefanie Reanchoring. Drei mal müssen wir den ROCNA Anker neu schmeissen, damit die MARLIN danach am richtigen Platz liegt. Einfahren mit Vollgas und beruhigt können wir in die Stadt fahren um das etwas aufwendige Einklarierungsverfahren in Angriff zu nehmen. Erst mal heißt es ein Auto zu mieten, denn Curacao ohne Auto geht nur im Fahrtenseglermodus, nicht aber mit Gästen. Der Bus fährt wieder mal nicht, so halte ich einfach ein lokales Auto an und frage ob der 81 jäige Gärtner uns nicht eben zur Autovermietung bringen kann. Kann er. Total nett. Ich drücke ihm 3 $US in die Hand. Er ist glücklich, wir sind glücklich. Alles gut! Das wichtigste Tool des Profiskippers in der Karibik. Ein Bündel Eindollarscheine in der Tasche.

Den Rest des Tages verbringen wir beim Zoll und der Immigration. Stefanie darf auch schon Papiere ausfüllen. Falsch. Muss. Denn ich bin gleichzeitig damit beschäftigt die restlichen Kojenplätze bis Portugal zu füllen. Und das klappt heute richtig gut. Wir sind ausgebucht bis Faro. Alles geht glatt vonstatten. Mit platten Füßen und nassgeschwitzt ist alles erledigt. Danach git es zur Belohnung eine Pina Colada an der Waterfront. Stefanie staunt über die Preise im Albert Hein Supermarkt und ist total fertig als wir endlich bei Dunkelheit wieder auf der MARLIN sind. Entschleunigungsfaktor 3 ist erreicht. Es geht früh in die Koje und ein guter Schluck schafft die die notwendige Bettschwere.

Entspannungswochenende

Navigationsfehler machen wir ja alle mal.

Dieser Segler hat wohl einen etwas gravierenden gemacht. Das Schiff liegt an der Ostseite von Klein Curacao. Ein Weg führt zum Wrack. Direkt daneben ein alter verrosteter KüMo. Jeden Tag bringen drei Ausflugsdampfer um 10 Uhr Scharen von Touristen von Spanish Waters nach Klein Curacao. Die werden versorgt, schnorcheln, essen und trinken. Um 16 Uhr sind alle wieder weg. Neu ist, dass es jetzt eine Handvoll sicherer Mouring Tonnen gibt an denen man festmachen kann.

Stefanie war noch nie in den Tropen, hat noch nie einen tropischen Strand gesehen. Ein Boot hat sie schon und ihr Ziel ist die Ferne. Fernweh. Als Bootsjunge auf der MARLIN in karibischen Gewässern ist eine große Chance für sie. Große Augen bekommt sie als wir Klein Curracao erreichen. Aber auch ich bekomme große Augen. Schon einer der schöneren Plätze auf dem Weg nach Cuba. Ich hole meine langen Apnoe Flossen raus, schnalle mir 3kg Blei um die Hüfte und springe in das nasse Blau. Direkt unter der MARLIN fällt ab 10 Meter Tiefe eine Steilwand senkrecht auf 30 und mehr Meter ab. 10 Meter sind genug. Meine Freitauchkondition ist ziemlich hinüber. Wie auch? In Deutschland und der Ostsee macht man das ja nicht so oft. Aus der Tiefe sehe ich wie ein Fisch, wie es an der Wasseroberfläche regnet und stürmt. Ein Squall zieht durch. MARLIN zieht ordentlich an der Ankerkette. Ein Kofferfisch such im kristallklaren Wasser die Freundschaft zu mir. Schön ist es. Ich fühle mich wie zu Hause angekommen.

Wie viele will auch Stefanie das Kiten lernen. Ich drücke ihr einfach mal das 2qm Trainingskitekissen in die Hand. Als Vorbereitung für ein paar Stunden in der Kite Schule von Curracao. Das Kite Material der MARLIN trockne ich an Deck und entferne den ganzen Sand. Unwahrscheinlich, dass wir das vor Cuba auspacken werden. Mit dem ganzen Sand an Deck ist vielleicht nicht so eine gute Idee gewesen. Mit dem Besen mache ich die selbstgemachte Sauerei wieder weg.

Es ist „nur“ ein Tagesaufenthalt auf der Insel den wir machen. Es ist trotzdem schön. Ein bisschen Energie tanken. In Curacao erwartet uns eine ganze Liste an Arbeit. Reparaturen, Verproviantierung, aber auch Freunde wie Serena besuchen und am Donnerstag mit den vornehmlich holländischen Seglern ein Bier trinken. Am Samstag kommen dann die anderen Mitsegler und schwupps wind wir auf dem Weg nach Cuba.

 

Schiffsdurchsuchung mit Folgen

Harpune durch den holländischen Zoll konfisziert und vernichtet.

Wundert Dich, dass es keinen neuen Eintrag gibt? Es wird nicht langweilig! Ich war mitten in einer Demonstration für Cornelia und Gunther am Bordrechner. Wir sitzen alle im Salon, als es unangenehm am Schiffsrumpf rumst. Nicht grade freundlich, entern vier bewaffnete Zöllner das Schiff. Mit einer allgemeinen Verkehrskontrolle hat das nichts zu tun. Der niederländische Officer ist alles andere als freundlich, als er ohne Hausdurchsuchungsbefehl die MARLIN entert. Hafenkino im ansonsten ruhigen Kralendijk. Muss wohl Gefahr im Verzug sein…

Zwischenzeitlich haben wir Bonaire verlassen. Always on the run. Cornelia und Gunther sind nicht mehr dabei. Auch Jan hat die MARLIN verlassen und ist zwischenzeitlich in Deutschland angekommen. Dafür habe ich Stefanie als Bootsjungen dabei. Fehlen tut Evert und Kim. Evert Knie ist immer noch nicht gut und die Beiden werden definitiv nicht zurückkommen um mit mir nach Cuba zu segeln. Immer bereit für neues habe ich mein soziales Netzwerk aktiviert und die Plätze als „Hand gegen Koje“ ausgeschrieben. Zu solchen Bedingungen wollen natürlich viele gerne Mitsegeln, aber die schon die Flugpreise trennen Spreu von Weizen. Dietmar kommt nun nächste Woche. Vielleicht werden es noch mehr. Schade finde ich das eigentlich. So ein schöner Törn. So ein schönes Ziel. Aber was ich finde, finden schon mal gar nicht all meine Mitsegler.

Stefanies ist nicht zum ersten Mal dabei. Stefanie kommt aus Schleswig, hat ein eigenes Schiff und ist schon den Törn Kiel – Portsmouth mitgesegelt. „Puh ist das heiß.“ „Wolltest Du doch!“ Auf dem Weg nach Curacao wurden heute erst mal die Weichen gestellt. Ich habe ein bisschen zu viel Gas gegeben, wie sich im Debriefing herausstellte. Nun. Nicht das ich die MARLIN schnell gesegelt bin. Nein. Das war nicht das Problem. Wie immer bin ich wohl eher etwas ungeduldig, verstehe nicht wenn, nicht gleich alles verstanden wird, was für mich seit Jahren vollkommen selbstverständlich ist. „Wnuk. Du alter Salzbuckel. Komm mal runter“, spreche ich selbst mit mir. Vielleicht waren es aber auch die Vorkommnisse der letzten Tage, die mich einfach ausgepowert haben. Das Segeln mit Gästen nach Fahrplan hat nichts, aber auch gar nichts zu tun mit dem Segeln mit Familie.

Bevor es also nach Spanish Waters, in die Lagune von Curacao geht, fällt der ROCNA Anker am Nachmittag auf 5 Meter Sandpatch, hinter Klein Curacao, das mitten auf dem Weg von Bonaire nach Curacao liegt. Vor einigen Jahren war ich mit Familie und Johann hier. Noch mit den alten Segeln, schon mit der roten MARLIN. Hier wo der damalige Delta Anker versagt hat, stehen wir fest auf der Stelle, auch wenn es unter uns eine Steilwand auf 70 Meter Tiefe geht. Tauchrevier. Zwei volle Flaschen, frisch in Bonaire inspiziert und gefüllt, warten auf ihren ersten Einsatz. Leider taucht Stefanie nicht. Ich glaube sie hat Respekt vor großen Fischen. Soll es ja geben. Prädestiniert wäre dieser Platz um den Kite rauszuholen. Aber dafür reichen meine Kite Fähigkeiten dann wohl noch nicht. Der Platz ist komplett ablandig. Bei 20 Knoten Wind wäre der kleine 11er Kite angesagt, der aber leider die Luft nicht hält. Nun. Nächste Woche in Curacao, da werden Stefanie und Micha sich die Zei t zum Kiten nehmen.

Zwei Stunden suchen die Zöllner. Was auch immer sie suchen verraten sie nicht so genau. Warum sie überhaupt da sind stellt sich raus, verrate ich aber nicht. Da mußt Du wohl mal mitsegeln, dann erzähle ich es Dir vielleicht. Was sie finden ist die Harpune und ein Pfefferspray. Beides ist verboten in Bonaire und ich habe es nicht angegeben. Beides nehmen die eigentlich netten Offiziellen dann aber trotz gutem Zureden mit. Der Vorgang geht zum Richter und ich darf nicht ausklarieren. „Hallo? Wie bitte?“ Ich sehe meine Felle schwimmen, wie es so schön heißt. Das kann meinen kompletten Dominosteinfahrplan zum Umkippen bringen. Ich kann ja ruhig bleiben. Jetzt bleibe ich allerdings nicht mehr ruhig. Jeden Tag gehe ich ins Büro der Zöllner und erkundige mich nach dem Status des Urteils, dass der Richter über mein Schicksal fällt. Das stresst mich so sehr, dass ich mir sogar die Lust zum Bloggen vergeht. Gestern kommt dann endlich das Urteil. Nein. Ich muss nicht in s Gefängnis, die MARLIN nicht an die Kette. 150 $US Strafe und die Harpune wird vernichtet. Blaues Auge würde ich mal sagen. Konsequent klariere ich direkt aus, zahle meine Strafe. Heute dann: Leinen los und nix wie weg hier. Passiert mir bestimmt nicht noch mal.

Noch ein Mitsegler unter den Lesern, der Hand gegen Koje den Trip von Curacao nach Cuba mitsegeln will? Dann mal schnell per e-mail melden und wenn noch Platz ist: Flug für den 9.2. nach Curacao buchen. Einmalige Chance.

 


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Wenn jeder Tag etwas ganz besonderes sein soll

Türkises Leben

Wer einmal die Diagnose „schwer krank“ mit einem entsprechend langen Aufenthalt in einer Klinik hatte, der lebt anders. Da soll jetzt jeder Tag ein bewußter Tag sein, jeder Tag etwas besonders. Die Akzeptanz sich mit Dingen und Problemen zu beschäftigen, die einen nicht interessieren oder weiterbringen, sinkt zum Teil im freien Fall. Das Leben ändert sich schon abrupt. Wir haben die beste Crew von allen bisher mit Cornelia und Gunther. Jung, motiviert, fast immer bester Laune und sympathisch. Hilfsbereit mit einem offenen Blick, wo es anzupacken gilt. Na. Was wollen wir mehr? Das passt.

Das Wochenende chillen wir gemeinsam. Jan und ich ziehen der Kite in den Himmel und holen uns beide einen tierischen Sonnenbrand. Nachweislich Fortschritte mache ich nicht, weil ich zum Schluß von Jan’s Zeit auch den Vortritt gebe um seine Kite Kontrolle zu verfestigen. Cornelia und Gunther erkunden mit SUP und Sonnenmilch die nähere Umgebung von Cayo Francisqui, unserem ZuHause für dieses Wochenende. Wir essen und trinken fürstlich, dazu gibt es alle zwei Stunden ein Gewitterschauer. Dann heißt es: „Fenster Zu!“ Fünf Minuten später: „Fenster Auf!“ Jedes Leben hat eben seine anderen Regeln.

Ausserdem ist es heiß. Mir kann es garnicht heiß genug sein. Die Wochenendvenezolaner lösen das Problem indem sie ihre Plastikstühle ins seichte Wasser stellen, ihre Drinks mitnehmen und bis zur Hüfte gekühlt im Wasser sitzen. Ein kleines aber schickes Restaurant, „Casa Marina“, liegt auf der Landspitze. Hier gibt es frischen Lobster, Spagetti mit Pulpo, Ceviche und verschiedene andere Leckereien. Etwa 30 Gäste tummeln sich hier und da. Also nicht ganz so voll wie auf Mallorca. Von der venezolanischen Wirtschaftskrise und das Menschen auf dem Festland verhungern, weil es keine Lebensmittel zu kaufen gibt, ist derzeit nichts zu merken, auf jeden Fall nicht hier.

Für uns naht schon wieder die Abreise von diesem paradiesischen Ort. Morgen vormittag haben wir einen Termin mit unserem Freddy, der uns nebst zwei Lagen Bier auch 300 Liter Diesel zum Schiff bringen will. Etw 10 Cent kostet der Diesel in Venezuela. Der Liter. Wir haben uns incl. Lieferung zum Boot auf 100€ geeinigt. WinWin nennt man so was in Deutschland. Dann geht es für weiter die 100 Meilen nach Bonaire.

 

+++ SAIL EXPEDITION +++
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Auf Gran Roques / Venezuela angekommen

Pelikanische Einklarierung

“Mit oder ohne?“ Ich entscheide mich für „Mit“. Mit Einklarierung. Meine Gäste, vielleicht selbst irgendwann mal auf eigenem Kiel unterwegs, wollen wissen wie es ist. O.K. Können sie haben.

Der Anker fällt bei strömenden Regen in finsterer Nacht direkt vor der Baracke der venezolanischen Küstenwache. Sechs Meter Wassertiefe. Hier ist unsere MARLIN mal in so einem Squall abgehauen. Das war noch zu Delta Anker Zeiten. Heute hält der Anker ohne auch nur einen Millimeter zu rutschen. ROCNA eben. Kann man um vier Uhr am Morgen ein Ankerbier trinken? Oder auch zwei? Jou. Wir sind sicher und schnell angekommen. Cornelia hat Seebeine bekommen und den Kampf gegen die Seekrankheit gewonnen. Das muss gefeiert werden.

Nach ein paar Stunden Schlaf sieht die Welt bekanntlich auch besser aus. Wir sind immer noch an der Stelle wo der Delta mal eben gerutscht ist. Ich lasse mich in das klare Wasser fallen und schnorchel Kette und Anker ab. Alles gut. Auch mir geht es schlagartig besser, als ein junger Venezolaner im Kajak angepaddelt kommt. „Bienvenido en Venezuela. Soy Guarda Costa…“, stellt sich der sympathische Junge vor und fragt ob er zwecks Kontrolle an Bord kommen darf. „Na klar. Immer gerne!“ Er sitzt im Cockpit und kontrolliert ob wir alle Pässe haben. „O.K. Dann kommt bitte nachher ins Office für die Papiere.“ Eilig hat es keiner und wenn vier Personen gleichzeitig an Land wollen, dauert dass ja immer. Unser Dinghy machen wir am Schwimmsteg der Tauchschule fest. „Soll ich abschliessen?“ „Nö. Hier wird nicht geklaut.“

Die Einklarierung beginnt. Wir sitzen in einem verdunkeltem Raum. Jemand füll Papiere aus und wir bekommen quasi einen Agenten, Jerry, der uns helfen soll bei den anderen Institutionen, denn es ist alles anders im Moment. Noch 2016 konnte man am Anleger der Fähren günstig Euro zu Bolivar machen. Schwarzmarkt. Dann konnte man mit Bündeln von Geld einkaufen gehen. Aber Bolivar gibt es nicht mehr. Gezahlt wird nur noch mit venezolanischen EC Karten. Macht aber auch nichts. Der einzige Supermarkt auf der Insel ist geschlossen und zu verkaufen für 190.000 Dollar. Es gibt nicht zu kaufen. Ausser Diesel und Bier.

Alles läuft wie am Schnürchen, nur eben typisch südamerikanisch langsam. Nach der Küstenwache geht es zur Immigration. Ich kenne die Beamten noch von früher, die mich natürlich nicht mehr. Meine Crew läuft hinter mir her. Es gibt weder geteerte Strassen, noch Autos auf Gran Roques. Es ist heiß. Ich verhandle auf Spanisch und wir bekommen den Ein- und Ausklarierungsstempel direkt in einem, brauchen also am Montag deswegen nicht mehr wiederkommen. Jerry zahlt mit seiner Karte die Gebühren für die Einklarierung und Parkgebühr für zwei Wochen. Zusammen 40 $US. Ok. Alles gut. Am Montag bekommen wir vielleicht 300L Diesel geliefert. Ich bin gespannt. Jerry richtet meine venezolanische SIM Karte ein und schwupps haben wir Internet.

Zurück zum Dinghy ist diese nicht geklaut, aber besetzt. 10 Pelikane haben das Dinghy als ihr neues Heim entdeckt. Sieht cool aus. Allerdings ist es beschissen. Vollgeschissen. Wieder was gelernt. Fahre nicht ohne Lappen und Wurzelbürste mit dem Dinghy. Wir verlegen ins zwei Meilen nahe Cayo Francisqui. Jetzt wird es irgendwie traurig für mich. Das Haus der Kite Schule, auf Pfählen gebaut, steht mitten im Wasser. Die flache Sandinsel, der Strand rundherum, ist weggespült. Hmm. Das ist ja dumm gelaufen. Der Kite Startplatz ist weggefegt. Meinen Mitseglern ist das nicht so wichtig. Sie kennen es ja nun auch nicht anders. Für sie ist es trotzdem: „Oh wie schön ist das denn hier.“ Der Tag ist schon gelaufen. Die Sonne geht unter. Ein Squall kommt selten allein. Ich habe 2kg Yellofin Thuna aufgetaut. Wir essen alle viel zu viel und dann kommt das Sandmännchen, streut ordentlich Sand in unsere Augen. Dieses Wochenende bleiben wir hier.

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