Archiv der Kategorie: SY Marlin

Wir in Finnland

Was geht und was nicht geht

Wenn einer mal wieder ein schönes Foto von mir macht, dann ist das Nathalie oder Sohn Julian. Is halt so. Das nehme ich doch glatt zum Anlass für ein bisschen Narzissmus. Doch bevor ich damit anfange erst einmal ein Hoch auf MARLIN, meine Crew, Nathalie und die Kinder.

Freundin Sabine hat mal geschrieben, dass wir ja eine absolute Vorzeigefamilie wären. „Hähä? What’s that?“ geht es mir direkt durch den Kopf. Wir? Warum grade wir? Ich schunkel mit der MARLIN durch die Weltgeschichte, Nathalie arbeitet sich durch das Krankenhaus, wir sehen uns definitiv zu wenig und nach zwanzig Jahren, nun, ist man nicht mehr ganz so verliebt wie nach drei Wochen. Is doch klar. Oder Sabinchen? Vielleicht war es gut, dass wir eben doch nie vor den Traualtar getreten sind, so wie viele andere unserer Freunde, die sich dann später getrennt haben. Was uns als Familie wohl am meisten zusammenhält sind unsere Töchter und die gemeinsame Zeit unter Segeln. Schweißt eben doch zusammen.

Und da sind wir. Angekommen in den finnischen Schären. Die Großstadthektik der russischen Saint Petersburg Metropole liegt bereits 147 Meilen hinter uns, die wir größtenteils im Schneckentempo gen West gesegelt sind. Wir mussten in Europa wieder einklarieren, was definitiv einfacher war als in Russland. Aber wir brauchen ja nun auch kein Visa. Der Wind war grade gut, also sind wir einfach weiter gesegelt Richtung West und haben uns eine kleine Schäreninsel gesucht. Bestens, skandinavisch ausgerüstet. Toilette, Verhaltensregeln auf Finnisch, also nicht für uns, ein Grillplatz, Birken-Grillholz, zwei Äxte, Handsäge und Halterung. Wie hieß das noch? Sandoen. Merken. Gut. Nicht bewohnt.

Lena gibt alles und sägt die Baumstämme in ellenlange Stücke. Gar nicht so einfach für die 20kg heranwachsende Dame. Kaum haben wir unsere Grillgut verzehrt, schlagen drei gutgenährte Finnen auf, die ihr Zelt neben dem Grillplatz, aufgebaut haben. Mehr mit Händen als verbal, freunden wir uns an und erfahren die wichtigsten Sachen. Es gibt Fisch und den fängt man mit Wurm auf 20m Tiefe. O.K. „Der arme Wurm!“, meint Vegetarierin Lena direkt. Den Namen des Fisches habe ich nicht verstanden. Sah aber aus wie junger Dorsch, den die Finnen in Mehl und Sanlz gewendet haben. Ein kleine Plastikglas findet seinen Weg an meine Seite. „Cognac?“, nickt der Finne mir zu. Ich nicke zurück. Das Spiel wiederholt sich ein paar Mal. Dann fahren meine Kinder das Dinghy zur MARLIN zurück und Papa geht heute früh schlafen. Nun. Schlafen soll ja gesund sein.

Das war Gestern. Heute sind wir schon wieder zwanzig Meilen weiter westlich. Mir ist etwas mulmig beim Intercostalfahren. Das meint innerhalb der Schären. Immer noch habe ich das Rumpeln der MARLIN auf den Steinen in Aaland im Hinterkopf. Also stehe ich die ganze Zeit in Hab Acht Stellung im Pilothaus, am Steuerstand, vergleiche verschiedene Kartensysteme mit den Anzeigen des Echolots. Aber alles ist gut. Alles korrekt. Vor allen Dingen, wenn man sich an die vorgegebenen Wege hält die als gestrichelte Linien in den Karten verzeichnet sind, kann eigentlich nichts passieren. Man fährt meist von einer Kardinaltonne zur nächsten. Maya kennt das alles schon. Lena kontrolliert mich auch die ganze Zeit. „Papa. Du fährst nicht genau auf der Linie.“ Also alles im Lot. Na ja. Haben wir ja auch schon mal gemacht.

Der Anker fällt in der geschützen Bucht von Granskaer. Landgang. Hier stehen viele Häuser, die ja in privatem Besitz sind. Das finnische Gesetzt sagt, man darf überall anlanden. Aber komisch ist das schon wenn immer wieder plötzlich nackte Finnen aus dem Unterholz kommen. Also eigentlich kommen sie eben nur grade aus ihrer Sauna. Wir entscheiden uns die Wege zu den Fähranlegern als öffentlich einzustufen. Das geht auch gut. Beim Spazierengehen nur nicht stehenbleiben, dass nutzen die Mücken direkt aus um über einen herzufallen. Grade zum Sonnenuntergang. Kennen wir schon in den Tropen. Da ist aber der Sonnenuntergang nicht so lang wie hier. Kratz, Kratz…

Nathalie und ich sitzen beim obligatorischen reimportierten Rotwein, als ein Ankerlicht auf uns zukommt. „Der will aber nah ankern. Ist doch gar kein Platz hier neben uns.“ „Bsstbsst“ macht es auch noch das andere Segelboot. „Schau mal. Sogar kleine Positionslichter neben dem Ankerlicht.“ „Das ist eine Drohne. So. Jetzt reicht es aber. Man weiß ja nie wer die fliegt und wer einem jetzt ins Cockpit schaut.“ Ich denke, ich werde mal wieder eine Gummifletsche bauen. Das macht doch bestimmt Spaß. Drohnen schießen. Wir gehen ins Bett. Das mit dem Narzissmus verschiebe ich auf morgen.

 


 

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Familiensegeln. Die maximale Tiefenentschleunigung.

Muss irgendwie doch im Blut liegen.

Noch vor Sonnenaufgang klingelt der Wecker des iPhones. Ich brauche gut 15 Minuten bis ich merke, dass ich gemeint bin. Schlaftrunken nehme ich den Müll mit und bringe die Club-Chipkarte zur Jolle von Alexander, binde dort eine kleine Plastiktüte an. Er hat es mir und Lena gestern richtig schwer gemacht zu verkünden, dass wir heute schon wieder ablegen. Herzliche Menschen, diese Russen, wenn man sie versteht. Die Entscheidung steht. Wenn ich noch mal nach Russland komme, mache ich vorher einen Sprachkurs. „Ne? Lena?“

Es ist windstill. Das Wasser ist glatt und spiegelt die Skyline von Petersburg, dem Gasprom Tower und dem neuen Fußballstadion für die Weltmeisterschaft 2018 wieder. Ich könnte verweilen, aber ich nehme die Leinen von den Klampen, schmeiße sie über die Reeling und schiebe die MARLIN mittschiffs nach achtern. Schon gleitet sie achteraus in das kleine Hafenbecken. „Jetzt aber schnell aufsteigen. Sonst segeln die alleine ohne mich los.“ Den Fuß in ein Bullauge steige ich an Bord. „Was soll ich tun?“, fragt Nathalie fast beleidigt. „Nimm Dir den Fender, damit wir die olympischen Jollen achteraus nicht kaputt machen. Wäre ja peinlich.“ Rückwärts unter Motor wären wir nicht hier rausgekommen. Der Radeffekt hatte uns einen Streich gespielt. Deshalb per Hand angeschoben. Fast auf Tuchfühlung mit den teuren Rennjollen kuppel ich ein und MARLIN dreht sich brav, jetzt mit gewollten Radeffekt, gleitet sanft durch den noch schlafenden Hafen ins jungfräuliche Blau des neuen Tages.

Nathalie hat gestern einen Tag mit den französischen Impressionisten und Maya in der Eremitage im Zentrum von Petersburg verbracht. Ich habe mit Lena die Kratzer vom letzten Malheur am Bug der MARLIN gespachtelt, geschliffen und lackiert. Der flache Schwimmsteg hat sich grade zu angeboten und wir beiden Homies, Lena und ich, wir hatten ein prima Excuse um uns um den Stadtbesuch zu drücken. Jeder soll glücklich sein und das ist uns gelungen. Alex hat uns abgeholt mit seiner Freundin Marina (auch englischsprachig) und einen Besuch in der megagroßen Industriehalle auf dem Clubgelände organisiert. Da drinnen verbirgt sich, was wir nicht wussten, eine Werft, meint: 100 Mitarbeiter bauen dort ein 1:1 Replikat eines Piratenschiffes alias Black Pearl oder so. Genau haben wir das nicht verstanden. Aber Gasprom finanziert das ganze Projekt und das Schiff soll später irgend wie am Fuße des Towers in einen megagroßen Marina liegen. Prunkstück sozusagen. Lena und ich bekommen einen Helm auf und dürfen durch den fast fertigen Holzrumpf des Schiffes mit einer netten Führerin, Alex und Marina spazieren. Hehe! Also doch noch ein bisschen Kultur für uns Homies.

Zwischenzeitlich liegt ein tiefenentschleunigter Segeltag hinter uns. Um 9 waren wir in Kronstadt zum Zoll und Immigration und um zehn sind wir durch die Schleusentore rausgesegelt Richtung West. Keine Probleme mit den Behörden und 10 Knoten Wind aus Süd bis Ost. Aufrechtes Segeln, blauer Himmel und hochsommerliche Temperaturen. So warm, dass es schon fast zu heiß ist. Ein U-Boot begleitet uns, über Funk werden wir auf russisch aufgefordert uns an die Schifffahrtstraße zu halten und nicht in das Schießgebiet hineinzusegeln. Hab ich nicht direkt versatnden, aber nach dem dritten Mal war es doch auffällig und so viel russisches Sprachgefühl habe ich inzwischen schon, dass die Position die die Dame immer wieder wiederholt hat, doch genau unsere war. O.K. Probleme mit russischen Behörden brauchen wir nicht. Kennen wir schon. Also Kursänderung und nah am Fahrwasser weiter nach West.

Das Segeln mit Familie ist total anders als mit Crew. Maya und Lena ziehen mit Decken, Kopfhörern, iPad und iPhone, Malzeug und Süßigkeiten laut gackernd ins Pilothaus ein. Papa ist nicht mehr Skipper. „Kannst Du bitte die Hängematte aufhängen?“ Klar, auch das mache ich und lege mich erst mal selbst hinein. Wir segeln mit 3 Knoten, 5 Knoten achterlichem Wind und alle sind glücklich. Alle paar Stunden macht jemand was zu essen. Es gibt Tee und Kaffee, Kekse und Saft. Keiner sagt was. „Genau so hatten wir uns das vorgestellt Papa.“

Zwischenzeitlich ist es nach Mitternacht. Eine Meile neben uns die Schiffsautobahn. Ein schwimmender Weihnachtsbaumtouristenbomber alias Aida Schlagmichtot nach dem anderen rauscht dort Richtung Tallin, Stockholm und Helsinki. Morgen früh spucken sie wieder tausende von Touristen aus. In der Nacht geht es zum nächsten Hafen. Dort in der nächsten Stadt das gleiche Spiel. So kann man’s auch machen. Bei uns an Bord schlafen auch alle. Ich hab auch 90 Minuten geschnorchelt. Jetzt genieße ich die Ruhe, bis auf die Mücken, die weit von Land, bei dem leichten Wind bis aufs Meer geflogen kommen. Oder sie werden in dem süßen Wasser sogar hier auf dem Meer geboren. Mich sehen sie auf jeden Fall jetzt als Futter an. Vor allen Dingen die Weibchen. Ich drücke eine nach der anderen auf dem Monitor platt. Nathalie schläft jetzt. Routine aus hunderten von gemeinsamen Nachttörns rund um diese Welt machen es einfach. Das verlernt man nicht. Wir teilen uns die Nacht und sind morgen beide recht fit. In zwei Stunden wird der Wind einschlafen, so wie immer wenn man Nachts durch ein Hoch segelt. Mit dem Sonnenaufgang, dem ersten Licht am Horizont um vier Uhr werden wir die finnische Grenze erreichen. Auf der kleinen Schären Insel Haapasari gibt es Zoll und Immigration. Wir müssen ja wieder in die EU einklarieren. Um uns herum plätschern die kleinen Wellen der Ostsee. Acht Knoten Wind schieben uns fast lautlos mit 4-5 Knoten durch die Nacht. Schöner kann Segeln nicht sein.

 


 

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Die kenne ich. Peterhof Sight Seeing.

Die kenne ich. Peterhof Sight Seeing.

Crew 32 an Bord genommen

Der letzte freie Skipperfreitag war wie immer mit Wäschewaschen gefüllt. Da die Marina leider keine Waschmaschine und keinen Trockner hat, musste ich an Bord die Waschmaschine anschmeißen und anschließend Wäscheleine an Deck spannen und dort alles trocknen. Neugierige russische Segler des Clubs haben mich immer wieder in meinem Flow unterbrochen. Die wenigen, die Englisch konnten, habe ich zur Besichtigung an Bord genommen und einen kurzen Rundgang gemacht. Ein paar Visitenkarten verteilt und wieder von Bord geschubbst ;-) Denn man weiß ja nie, ob sie vielleicht doch mal mitsegeln wollen. Gegen Sonnenuntergang dann ein weißes Hemd angezogen. Alexander, ein englischsprachiger russischer Segler nimmt mich mit in die Stadt. Die Marina liegt gut eine eine halbe Autostunde am Stadtrand. Er fährt ein paar Runden, zeigt mir Impressionen seiner Stadt bei Nacht. Vorbei geht es an Palästen, über Brücken und Plätzen. Tausende von Menschen sind unterwegs. „So. Hier steigst Du aus. Pass auf Deine Geldbörse auf“, sind seine abschließenden Worte. Ich lasse mich treiben, hole mir am Kiosk eine Cola Zero, stelle mich auf eine Brücke und kucke Leute. Meine Beine bringen mich auf den Platz der Eremitage. Der Winterpalast auch Winterpalais genannt, war die Hauptresidenz der russischen Zaren in Sankt Petersburg. An jeder Ecke steht ein Straßenmusiker. Ganze Bands spielen Indie Rock und singen dazu. Superschön singen sie dazu. Auch wenn ich kein Russisch verstehe, die Sprache passt warm und wunderschön zur Musik. Am Rand des Platzes haben sich die Prollautos versammelt. Türen auf, beschallen sie den ganzen Platz mit den angesagten Rhythmen und davor versammeln sich hunderte von Menschen und fangen an zu tanzen. Spontane Open Air Disco.

Ungewohnt an Peter, wie es die Locals knapp sagen, ist die Sprachbarriere. Nur ganz wenige sprechen ein paar Brocken Englisch. Alle Schilder und Beschriftungen sind ausschließlich auf Kyrillisch. Nach ein paar Versuchen gebe ich quasi auf. Schon nach dem Weg zu fragen überfordert mich. Eine Kommunikation aufzubauen, jemanden kennenzulernen, wie in den skandinavischen Staaten, spontan immer und an jeder Straßenecke möglich, ist hier einfach nicht drin. Ähnlich wie in Indonesien oder Thailand. Mein Fehler. Warum habe ich nicht einfach einen Russisch-Kurs gemacht. Nun. Für ein paar Tage Visit, vielleicht nicht angebracht. Es wird trotzdem Morgengrauen bis ich nach Hause komme und ein letztes Glas Rotwein im Cockpit trinke. Ich muss ja noch die Bestände für die Ausreise und Einreise nach Finnland reduzieren ;-)

Am Samstag dann wieder in das weiße Hemd und gegen 14 Uhr zum Flughafen. Der liegt hinter der anderen Seite der Stadt. An der Theke im Yachtclub sitzt immer ein nettes Mädchen, die Englisch spricht und mir ein Taxi ruft. Das ist günstig und schnell. Eine Stunde mit dem Taxi kostet meist unter 10 Euro. Die Fahrt zum Flughafen geht über eine Stunde und die enorme Größe die Stadt wird mir immer bewusster. Peter ist modern und die Russen arbeiten fieberhaft daran eine Metropole zu erschaffen, die es mit jeder anderen in Europa aufnehmen kann. Es gibt alles und es funktioniert alles. Mein Bild von Russland, dass es wie in Cuba wäre, ändert sich schnell und gründlich. Ich verlaufe mich ein bisschen am Flughafen und schon kommt eine junge, hübsch Frau auf mich zu und umarmt mich spontan. Ich werde geküsst. „Hallo Papa!“ Das obligatorische: „Du bist aber große geworden“, schlucke ich runter. Auch Nathalie und Maya haben se reingelassen. Nathalie hat ihr Akkordeon mitgebracht und eine halb volle Reisetasche. Maya und Lena haben einen riesigen Koffer. Den Nachmittag verbringen wir schon in der Stadt um einen ersten Eindruck zu bekommen. Lena reicht es bald und wir landen am frühen Abend in der Hängematte.

Heute dann: Peterhof! Eines der beliebtesten Ausflugsziele. Zar Peter wollte es größer haben als in Versailles. Und das hat er auch geschafft. Wir haben gut daran getan Tatiana zu engagieren. Sie vertritt den DSV und TO hier in Petersburg und hat uns neben Vladimir dann schlussendlich doch den Platz in der Marina besorgt. Aus dem unkontrollierten Peterhof Besuch wird mit Tatiana ein organisierter Kulturbesuch. Tatiana führt uns professionell zu den wichtigen Punkten in dem riesigen Park, so dass jeder das bekommt was er will. Gute Fotomotive, geschichtlicher Hintergrund, Wasserspiele für die Kinder. Sie macht das schon ein paar Jahrzehnte und spricht fließend Deutsch mit einem sympathischen russischen Akzent. Sie führ uns an den Mengen vorbei und Zar Peter’s Sommerresidenz schauen wir uns genauer an. An den Warteschlangen vorbei erfahren wir die Hintergründe eines Zarenlebens, bis hin zu seinen Saunagewohnheiten und Küchenausstattung. Gut gemacht Tatiana. Danke schön noch mal an dieser Stelle. Wer nach Peterburg kommt sollte Tatiana kennenlernen. Die Nummer bekommt man von uns.

Mit platten Füßen und bei mir mit schmerzenden Knien, voller Speicherkarte, fahren wir mit Bus und Metro wieder ins Zentrum, Essen günstig und weiter geht es nach Hause, auf die MARLIN. „Die MARLIN ist unser richtiges zu Hause. Papa.“ Lena verschwindet mit Decke, Buch und iPad in der Hängematte. Lena ist Homie. Ich nehme mir MacBook und sortiere Bilder. Nathalie und Maya laufen durch die Walachei zum nahen Supermarkt. Nach Finnland werden wir am Mittwoch aufbrechen mit hoffentlich leichten Am Wind – Winden aus Süd. Ziel Einsamkeit. Von Städten habe ich jetzt echt genug, Nathalie will Ruhe haben, die Kinder wollen Papa und Mama. Let’s make Holidays.

Vielleicht noch ein Wort an unsere Mitsegler. Die Törns füllen sich derzeit schlagartig. Das Schwerwettertrainig im Oktober ist ausgebucht. Warteliste. Die vorherigen und nachfolgenden Törns haben noch Plätze frei. Die Atlantiküberquerung hat nur noch zwei freie Plätze. Bis nach Cuba ab Januar ist gebucht und reserviert. Sogar für Cuba sind schon Buchungen eingetroffen. Also, wer mitsegeln will bucht, bevor alles besetzt ist.


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Wech sind se

Skipper alleine auf der MARLIN

Ein letztes Foto von meinen Helden. Meine CREW 31, wie ich sie lieblich genannt habe. Ungewöhnlich lange hat dann doch die Umarmung gedauert. Mensch, was sind sie mir ans Herz gewaschen. Klar hatte ich Pipi in den Augen als sie nun dann doch einfach gegangen sind. Sechzig Fuß hin und her. Es war eine echt tolle Zeit. Unforgettable. Dieses Wort fasst die letzten 12 Tage einfach zusammen. Mit jeder Crew wird es besser. Mensch, wo soll das noch hinführen.

Jan fehlt, der ist schon um vier Uhr morgens zum Airport gefahren, ich habe ihn noch zur Pforte des Yachtclubs gebracht. Er kommt Anfang September nach Stockholm und segelt dann die MARLIN zurück nach Stockholm. Dort ist übrigens nur noch ein letzter Platz frei. Hehe. Dann mal schnell buchen. Ich werde dann wahrscheinlich nicht dabei sein und in Flensburg das neue MARLIN Office eröffnen. Hört sich spannend an und ist es auch. Mehr dazu später.

Zischendurch whatsappt Nathalie das in meinen genmolekularen Untersuchungen keine mutierten Zellen zu finden sind. Upps. So ein Nachricht ganz am Rande ist ja nun mal echt der Renner. Schon wieder Pipi in den Augen. Wo soll das nur hinführen? Ich darf noch ein paar Jahre weiterleben und weiterbloggen. Ich habe einen dicken Kopf heute morgen, wen wundert es. Um 13 Uhr setze ich mich in das nächste Taxi und fahre zu Alexy, dem Customschef in Kronsthadt. Hatte ich ja hoch und heilig versprochen und es wäre nicht gut, wenn ich das jetzt nicht halten würde. Dort angekommen taucht eine russische Übersetzerin auf, die mich über meine Rechte aufklärt. Und jetzt wir es spannend. Der russische Staat verklagt mich wegen 30 Liter Weins, die ich unrechtens in diese große Land eingeführt habe. Vergehen Nummer zwei ist, dass ich das Schmuggelgut nicht angemeldet habe. Dann kommen 60 Seiten, ja genau: mindesten 60 Seiten Dokumentation. Jede Flasche ist aufgeführt, fotografiert und gegoogelt. Vor Alexy liegt ein dicker Stapel Papier. Natürlich alles auf Kyrillisch. Ich darf mindestens 40 Mal unterschreiben. Nein, keine Vordrucke, sondern Alexy hat wirklich zwei Tage an der Dokumentation gearbeitet. Die Übersetzerin erklärt mir alles was ich unterschreiben muss. „Wenn die jetzt gleich die Handschellen rausholen und mich abführen und in den Knast stecken, ich hätte mich ernsthaft nicht gewundert.“ Doch Alexy lächelt. Wir haben uns ja inzwischen schon fast lieb gewonnen. Er tut mir echt leid. Nicht wegen meinem Delikt, sondern wegen der ganzen Arbeit, die er zu erledigen hat wegen 30 Liter Weins. Ich entschuldige mich tief beeindruckt. Muss das alles sein? Nur wegen dem Gesetz. Wäre doch viel einfacher gewesen, wenn wir den ganzen Wein einfach zusammen getrunken hätten.

Das Ende vom Lied ist, dass ich jetzt mit dem russischen Gesetzt in Konflikt geraten bin und ein Richter die Sache zu entscheiden hat. Ich werde verurteilt werden mit einer Geldstrafe von 1.000 Rubel, die ich aber zahlen kann, wenn ich dann den Brief aus Russland in Flensburg bekomme. Nun ja. Jeder muss ja nun auch eine wichtige Aufgabe in seinem Leben haben.

Da sitze ich nun im Pilothaus und bin ganz allein mit mir selbst und meinem Schiff. Etwas stolz bin ich schon, die MARLIN bis nach St. Petersburg bekommen zu haben. Einmal die Baltic See ersegelt. Morgen werde ich in die Stadt fahren und meine ersten Eindrücke gewinnen. Ich bin neugierig und gespannt. Skippersday. Der Freitag nach der letzten Crew ist heilig. Samstag heißt es dann wieder Wäsche waschen, Betten beziehen und die neue Crew aufnehmen. Eine ganz besondere Crew: Meine eigene Familie. Zumindest ein Teil davon. Nathalie, Maya und Lena kommen angeflogen. Mensch. Ich freu mich.

 


 

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Ende gut, alles gut. In Saint Petersburg angekommen.

Leinen fest

Nach einer ruhigen Nacht am Zollpier sitze ich mit Vladimir bei Alexy, dem Zollbeamten. Der behaart darauf, dass MARLIN bis zum Abschluss des Vorfalls an der Pier bleiben muss. Wie lange das dauert? „Ein bis zwei Tage.“ Da muss ich jetzt mal irgendwie auf die Bremse drücken, damit bei meiner Crew nicht die Sicherungen durchbrennen, geht es mir durch den Kopf. Vladimir übersetzt meine Argumentation. Ich gebe mich schuldig gegen das russische Gesetzt gehandelt zu haben. Erbitte Gnade und argumentiere, dass meine Gäste dann das Schiff verlassen müssen. Die Visaprobleme sind ja nun geklärt dank Vladimiers Hilfe. Die russische SIM Karte funktioniert und ich bin telefonisch erreichbar. Das Schiff kann ich nicht alleine verlegen nach St. Petersburg und so weiter. Für den Abschluss der Einklarierung würde ich morgen mit dem Taxi nach Kronsthadt kommen. Versprochen. Dazu setze ich meinen Skipperhundeblick auf. Wieder Erwarten nickt Alexy. O.K. Die MARLIN darf ablegen. Jetzt aber schnell, bevor er es sich wieder anders überlegt. Und all der Aufwand wegen 30 Liter Wein.

Durch den Nevskaya Inlet geht es flott unter Motor. Die Tragflächenboote fahren mit 30 Knoten hautnah an uns vorbei als wir auf den Schröder–Putin Gazprom Wolkenkratzer Neubau zuhalten, wo uns TO Repräsentantin schlussendlich dann doch noch einen Liegeplatz im St. Petersburg Yachtclub organisiert hat. Die flache Einfahrt erweist sich als unspektakulärer als gedacht, ein Schlauchboot begrüßt uns vor der Hafeneinfahrt und geleitet MARLIN in das enge Hafenbecken wo wir längsseits an der Pier liegen dürfen, Tatiana nimmt mit dem Hafenmeister die Leinen an. Na. Was für eine Begrüßung. Darauf köpfen wir dann doch erst mal eine Flasche des übrig gebliebenen Weins. Danke an Tatjana hier an dieser Stelle.

Es bleibt nicht bei einer Flasche Wein, an diesem letzten Abend, mit der besten Crew, die Jan und ich jemals an Bord der MARLIN hatten. Nicht nur eine schöne Städtetour auch wunderschönes schnelles Segeln. Abenteuer gab es und Reallife mit Einklarierungsterror in einen sozialistischen Staat. Heyhey! Da kann die Crew später ihren Enkeln aber mal was erzählen.

 


 

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Vienbenido Sozialista. Cubalike.

Die volle Ladung Einklargierungskacke

Wir sitzen fest. Um es auf den Punkt zu bringen. Diesmal nicht wegen Grundberührung, sondern wegen falscher Visas. Das eine beginnt erst übermorgen und das andere, meins, ist für den 1.-30.8.2018 ausgestellt. Also nächstes Jahr. Zusätzlich sind eine ganze Zehnerschaft Zollfahnder mit Hunden, Lupen, Pinzetten und Videokameras angetreten um die MARLIN auseinanderzunehmen. Und natürlich sind sie fündig geworden. Statt Drogen haben sie unseren Weinkeller fein säuberlich aus den ganzen Verstecken herausgeholt und auf dem Salontisch aufgebaut. Stolz präsentieren sie mir ihren Fund. Ich zucke mit den Schultern. „Wein halt.“ Man darf nur 3 Liter pro Person einführen. „Aha“ Also 28 Flaschen überschlage ich. Auf dem Tisch steht das doppelte Kontingent. Drogen und Waffen, Sprengstoff habe die Hunde nicht erschnüffelt. Vladimir unser Schiffsagent ist seit Anfang an da und übersetzt. Wir können kein Russisch, die Beamten kein Englisch.

Ja, ich weiß. Ich bin’s schuld. Als Skipper hätte ich alle Visas überprüfen sollen. Wenn man viel Geld für eine Agentur bezahlt, vermutet man aber nicht unbedingt, dass das Visa falsch ausgestellt ist. Auch mit dem noch nicht gültigen Visa eines Mitseglers, hätte ich nicht einreisen dürfen. „Ein Tag hätten sie durchgehen lassen. Zwei Tage leider nicht“, meint Vladimir nach stundenlangen Verhandlungen. Die Verhandlungen ziehen sich weiter und weiter. An der rostigen Pier liegen wir wie in Cuba. Erinnert mich alles sehr an Cuba.

Nachdem der Zoll jede Flasche Rotwein einzeln fotografiert hat, dürfen wir die 30L Flaschen vom Fundgut trennen und sortieren die guten Marken vom Ramsch und Kochwein. Der Schmerz hält sich Grenzen. „Müssen wir jetzt Zoll bezahlen? Oder eine Strafe?“ Die russische Antwort verstehen wir nicht. Wahrscheinlich haben die russischen Beamten unsere Frage auch nicht verstanden. Unser Agent Vladimir ist zum Flughafen gefahren mit einem ganzen Sack Hoffnung, das VISA Problem dort mit einem wichtigen Immigration Officer zu glätten.

Sechs Stunden später sind wir immer noch am Pier. Die Zollfahnder haben sich nebst ihrer Hunde mit ihrem Boot verpisst. Feierabend. Von Vladimir keine Spur. Unsere russische Daten SIM Karte funktioniert auch nicht und die Roaming Kosten haben mein Guthabenkonto in sekundenschnelle geplündert. Na. Micha. Das hat ja in den letzten 48 Stunden hervorragend geklappt.

 


 

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Erster Versuch eines Landfalls in Russland

Saint Petersburg wir kommen

Wir haben ordentlich Meilen und Schräglage gesegelt. Jan und ich merken, dass die Crew durch ist, einen Ankerplatz will, Essen und Schlafen im Kopf hat. Kaum kommen wir an die erste russische Insel, ruft uns die russischen Coast Guard. Wohin, woher, das übliche. Nett und freundlich. Wir sollen weiterfahren.

Zwei Stunden später sitzen wir über den Karten und studieren die Möglichkeit hinter Gogland Island (russisch) zu ankern. Jan, stellt sich immer gerne auf die Seite der Crew, meint „Ja“. Ich, mit der Erfahrung, meine vom Gefühl her eher „Nein“. Nicht das wir uns uneinig sind. Ein Crewmitglied darf vom Visa her eigentlich noch nicht einreisen, wir sind noch nicht einklariert. Ein Blick auf den Bordrechner klärt die Situation. „Jan. Die gesamte Küste ist vermint. Jan guckt mich mit offenen Augen an. „Haben wir Krieg oder was?“ „Das steht hier so in den Seekarten. Man soll auf keinen Fall ankern, wo keine Ankerfelder eingezeichnet sind. Minengebiet. Rote Kreise mit dicken X’en“ „Dann ankern wir eben hier“, Jan zeigt mit dem Finger auf ein gestrichelt eingerahmtes Ankerfeld und grinst. Ich immer noch zögerlich. „Hmm!“ Dann rufen wir mal die Coast Guard per VHF und fragen um Genehmigung. Viermal setze ich einen Funkruf ab. Die sind grade mal fünf Meilen entfernt. Die müssen uns hören. Keiner antwortet. „Ok. Dann lass uns da an die Ecke des Ankerfeldes gehen.“ Der Anker fällt tief auf 25 Meter. Nicht so meine Tiefe zum Ankern. Fast siebzig Meter Kette gehen über die Rolle zum Grund. Mein schöner ROCNA. „Hoffentlich bekommen wir den auch wieder raus. Die Tauchflaschen haben wir zum Spot Painting in der Werft aufgebraucht.

Ich zaubere ein Resteessen. Jan und ich bleiben bleifrei. Vorsichtsmaßnahme, falls noch Überstunden anfallen. Die anderen trinken Wein und Bier. Gehört ja auch dazu. Mitten beim Essen dröhnt es unfreundlich aus dem Radio: „MARLIN. MARLIN for Russian Coast Guard!“ Der Ton ist bestimmt. Ich weiß schon was kommt. Aber die hören uns nicht, sind hinter dem Berg. Die Coast Guard ruft und zweimal, dreimal, viermal. Meine Antworten hören sie nicht. Dann kommt ein DSC Meldung auf’s AIS. Hmm. Die geben nicht auf. Als nächstes schicken die ein Boot. Das kenn ich schon aus Ost Samoa. Direkt neben dem Verkehrstrennungsgebiet rufe ich die SEA ENDEAVOUR und bitte um Relay. Melden muss man sich ja nun mal. Der ägyptische Tanker hilft gern. Ich trage mein Anliegen vor, erzähle prophylaktisch unser Motorenproblem und bekomme auch nach 10 Minuten direkt Antwort. „Also. Ihr dürft das nicht ankern und müsst in 30 Minuten weiterfahren. Wenn nicht, schickt Russland eine Escorte um euch abzuholen. And so on… Better you get your anchor up and do what they want. Over and out.“ „Thanks my friend!“, meine ich noch. Zum Abschluss verdreht sich der Anker beim Ankeraufmanöver, springt aus der Halterung und knallt gegen den Bug. „Scheiße.“ Das war’s Russland. Fängt ja super an.

Wir nehmen Fahrt auf. Jan und ich übernehmen zwei Wachen und werden motiviert von unseren Mitseglern begleitet. Na dann. Am Horizont geht gleich die Sonne auf.

 


 

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Mitsegeln mit Freuden

Der Focus liegt auf Freude

Zwei Kommentare gab es zum Thema: Benötigen wir einen Fragebogen zum Mitsegeln auf der MARLIN.

“Willst Du eine Antwort?! Dann mache ich mal: Der Fragebogen ist prima, weil er nicht nur Euch mit Informationen versorgt, sondern auch den Kandidaten sich selbst betrachten lässt. Ich finde das nicht zu persönlich, schon gar nicht, wenn es auf längere Passagen geht.“

“Finde den Fragebogen absolut gut und nicht zu persönlich. Wie du selbst schreibst. Auch 60′ Fuß können ‘eng’ werden, da ist es gut, wenn man möglichst viel im Vorfeld erfahren hat.“

Der Unterschied zwischen der Buchung einer Mitsegelreise über die Agentur ist, dass diese den maximalen finanziellen Gewinn erwirtschaften will, während die Buchung einer Segelreise über den Veranstalter, der auch noch Skipper ist, in unserem Fall, der optimale Erfolg der Reise ist. Die Kommentare bestätigen dies. Eine Gruppe von erwachsenen Menschen für zwei Wochen auf einem Schiff zusammenzuführen und dieses dann über eine gewisse Distanz unter zum Teil schwierigen Bedingungen zu bringen, ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe. Ziel eines Törns ist eben das jedes Crewmitglied die maximale Freude bei maximaler Sicherheit erlebt. Wir könne das, die MARLIN sowieso. Christine und Birgit sehen das auch so. Axel möchte gerne eine Bewertung schreiben, wenn er wieder zu Hause ist. Da bin ich ja mal gespannt. Thema abgeharkt.

Unsere Zeit in Helsinki nähert sich dem Ende. Alle haben Zivilisation aufgetankt, Helsinki haben wir erlebt bei Sonne, bei Regen. Schön war es. Nicht ganz so voll wie im schönen Stockholm. Mir hat Helsinki sehr gut und besser gefallen und ich freue mich schon auf einen zweiten Besuch in zwei Wochen mit Nathalie, Maya und Lena. Genau. Die kommen nämlich am nächsten Wochenende nach Hause, auf ihr Schiff und sind die nächste Crew der MARLIN. Familienurlaub. Wir dürfen dann den gesamten finnischen Meerbusen wieder zurück gegen die vorherrschenden westlichen Winde aufkreuzen. Na. Vielleicht haben wir ja auch mal ein bisschen Wind aus den anderen Himmelsrichtungen. Unterschied zum Charterbetrieb ist vor allen Dingen, dass wir drei Wochen Zeit haben. Sommerurlaub im Eigenschiff. Coole Sache.

Morgen früh geht es wieder einmal früh aus den Federn. Wir werden nicht nur Helsinki verlassen sondern nach langer Zeit auch wieder mal international auf der kleinen finnischen Schäreninsel Insel Sussiari ausklarieren: Destination Russland. Das russische Boot neben uns hat uns mit einer Gastlandflagge ausgeholfen. Alle an Bord haben ein Visum, die Tanks sind voll und sogar im Saint Petersburg Yachtclub haben wir einen Anlegeplatz bekommen. Nicht ganz so sehr in der Innenstadt, wie man sich das romantisch wünscht, aber wir wollen uns ja nicht beschweren. Unser russischer Agent Vladimir hat das schlussendlich dann doch hinbekommen. Ein ewig langer Prozess mit vielen Missverständnissen. Ich bin mal gespannt wie die Einklarierung auf Kotlin Island läuft. Alles ein bisschen wie ein Besuch auf einem anderen Planeten, wo es doch ein einziger ist, der uns allen und vor allen Dingen unseren Kindern gehört. Ich bin ähnlich aufgeregt wie vor unserem Besuch in Cuba, wo ich heute viele, herzliche Freunde habe und wo es mich schon wieder hinzieht, wie man an dem aktuellen Passageplan sieht. Na. Da sind wir ja mal gespannt.

 


 

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Approached at Helsinki

Städtereisend

“Macht ihre eigentlich eine Städtereise?“ „Das hast Du irgendwie Recht.“ Nathalie hat ja irgendwie immer Recht. Stockholm – Tallinn – Helsinki – St. Petersburg. War eigentlich so extrem gar nicht geplant. Ein paar mehr Schären sollten es eigentlich schon sein. Aber wie dem so ist. Die Crew hat das Sagen: Wohin, woher, wohin. Die Hintergründe stecken im Detail. Die Details sind nicht unbedingt etwas für den Blog. Auf jeden Fall haben wir alle den Weg des maximalen Er- und Sielebens gefunden. Gestern Nacht noch vor Anker rufe ich heute Morgen die erste Marina an. „No Mikel. Für ein Schiff Deiner Größe haben wir leider keinen Platz. Zweiter Versuch, gleiches Ergebnis. Dritter Versuch: „Ja. Wir haben einen Platz für euch.“ Puhh. Glück gehabt. Mitten im Zentrum von Helsinki gehen wir längsseits des Anlegepiers. Strahlende Gesichter. Jeder kann unaufwendig seines Weges gehen. Das tut gut. Die Sonne scheint wieder. Auch sechzig Fuß können klein werden. Helsinki zeigt sich von seiner besten Seite. Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne. Dann scheint sie wieder die Sonne.

Ich habe die Rolling Stones in den Ohren. Jan hat heute gekocht. Hat Jan gut gemacht. Schweinefilet im Bacon Mantel. Sahnesößchen. Für mich ein bisschen Ruccola. Gemüsepfanne. Rioja. Essen tut gut. Die Sonne scheint immer noch. Am Pier bleiben Leute stehen. Der Blick geht vom Bug zum Heck. Langsam. Der Blick schwenkt wieder zurück zur Schiffsmitte und langsam den Mast hoch in den Himmel zum Ende des langen Spargels. Sind das neidvolle Blicke oder eher bewundernd? Eigentlich egal. Ich bin allein an Bord und hau mich im Pilothaus auf die Backe. Ping, Ping, Ping. What’s App und FB Messenger und Co sind mir grade mal egal. Ich freu mich auf die nächste Etappe. 150 Meilen bis nach St. Petersburg. Rückenwind. 25 Knoten. Na. Sailing is living. Später mache ich dann doch Klappe vom Lappi auf. Martin aus der Schweiz schickt seinen Fragebogen. La Coruna – St. Lucia. Auf Anhieb der richtige Mann. Ich freu mich immer so sehr über jeden neuen netten Mitsegler. Nun mag man meinen, wir hätten auch unnette. Ist aber fast nie. Skipper Jan und Micha werden aber eben auch anspruchsvoll. Die Zusammenarbeit mit Sailing Islands war bei weitem nicht so erfolgreich wie von Markus angekündigt. So habe ich die Vermarktung, das Marketing und die Vergabe der Plätze eben wieder selber übernommen. Hier mal ein Link auf unseren Mitsegeln Fragebogen. Sailing Island fand den Fragebogen ja zu persönlich. Würde mich ja mal interessieren wie ihr das so seht, auch wenn ihr gar nicht mitsegeln wollt.

Zugegeben. Ich habe noch nichts von Helsinki mitbekommen. Dem werde ich jetzt entgegenwirken. Samstag Abend. „Jan. Willst Du lieber alleine ausgehen. Oder schon wieder mit dem Alten? Was geht in Helsinki? Zumindest hast Du immer eine Erklärung wenn wir wieder so wie in Stockholm irgendwo nicht reinkommen. Dann liegt es eben an mir.“ Birgit bekommt die Unterhaltung mit. „Jan Du musst Michael einfach als Deinen Bewährungshelfer deklarieren. Das ist einleuchtend.“ Jan lacht. Ich lache. „Lasst mich mal eben einen Moment in Ruhe. Ich nehme mir meine AirPods. Musik drauf, damit ich in meiner elektronisch musikalischen Welt meine Gedanken zu Papier bringen kann ohne meine Umwelt mitzubekommen. Bloggen ist schön. Bloggen macht frei.

Euch da draußen einen schönen Samstag Abend. Jetzt schein die Sonne nicht mehr. Der Mond geht auf. Zeit für Umkleidung. Wie sieht ein Co-Skipper-Bewährungshelfer aus? Weißes Hemd? Blue Jeans? Kap Hoorn Ring. Love & Kisses.

 


 

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Nachtschattenselfie auf dem Weg nach Helsinki

Profilaufnahme

Das bin ich. Michael Wnuk. Beruf: Segler. Gefühltes Alter: 36 Jahre. Erlebt: 53 Jahre. Lebenstraum: Weltumseglung (absolviert). Philosophie: Enjoy Life. Enjoy Sailing. Vier Kinder. Eine Lebensgefährtin. Die Sonne scheint. Körpersysteme: 90%. Energieladung 95%. Unterwegs grade nach Helsinki. Fünf supernette Mitsegler. Schiff: MARLIN Performanceyacht 60’. Ziele: Geografisch St. Petersburg, Portugal, Antillen, Cuba, Südatlantik.

Der vorherige Abend gehört zu einem der schönsten Partyabende unter dieser Sonne. Die Skipper werden fürstlich, liebevoll quasi mit verbundenen Augen in das bessere Restaurant von Tallinn ausgeführt. „Lasst euch überraschen.“ Gerne. Axel hat das Restaurant ausgesucht. Ausgezeichnete Küche. Fähiges Servicepersonal. Tolles Kellerambiente. Hehe! „OK. Ihr kommt mit.“ Normalerweise hätten Jan und ich uns abgesetzt um durch die Häuser zu ziehen. Da sitzen wir. Die growy Electromukke ist nicht die Musik unserer neuen Freund. Der erste Drink durchdringt ihre Magenwände und gelangt in die Blutbahn. Da fängt Christianes Fuß an zu wackeln. Fünf Minuten später stehen alle auf der Tanzfläche. Jan macht eine kleine Einleitung in die Elektrotanzkultur. Popowackeln, Kettensäge anziehen, LKW Fahrer, Tellerwäscher und dazu kommen Bewegungen aus dem Segelalltag. Wir wechseln noch zweimal die Lokalität. Der Abend wird früh und der Horizont hell. Ich wische den Gedanken daran, das die neuen Freunde in einer Woche schon wieder abreisen werden, mit dem Handrücken vom Himmel.

Wir sind auf See. Abgelegt habe ich heute selber. 20 Knoten Seitenwind. Musste ich doch mal wieder versuchen römisch katholisch am Steg anzudocken. Ohne Seitenwind kann ich das ja noch. Aber bei 20 Knoten. Drei Versuche. Dreimal daneben. Abbruch. Tja. Man muss halt auch mit seinen Misserfolgen leben. Die MARLIN ist eben keine leichtes Mädchen. Für das Hafen-Manöver werden wir demnächst das Dinghy wässern, den 30PS Aussenborder runterlassen und statt Bugstrahlruder nutzen. Oder vielleicht doch über die Festmacherboje, rückwärts mit Radeffekt reindrehen? Geht mir die ganze Zeit durch den Kopf das Manöver. Muss doch zu schaffen sein. Alte Ziege MARLIN.

Wir sind auf See. Vor uns Helsinki. 50 Meilen mit 9,5 Knoten ist wirklich ein Katzensprung. Jan, wir ankern heute. Dann kommen wir gar nicht erst in Versuchung Helsinkis Bar-Landschaft zu erkunden. Oder was meint die Crew? Einstimmig angenommen! Wir sind bald schon da. Die Sonne scheint. Innerlich, wie äußerlich.

 


 

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Estland approached

Saunen, fürstlich Essen und beim UNO verlieren

Nach der anspruchsvollen Überfahrt über die Ostsee gibt es keine Wehwehchen mehr. Alle haben sich an die Bewegungen der MARLIN gewöhnt. Die erste Estland-Nacht verbringen wir vor Anker vor dem Hafen Lethma, entscheiden uns aber nach dem Sichten via Google Earth für den heutigen Abend nach Dihami zu verlegen. Dort gibt es eine Sauna mit Meerblick. „Hmm. Jou. Das geht.“ Die estnischen Häfen sind allesamt leer, riechen ein bisschen nach Schwefel, haben den Anschein früher kleine Kriegsschiffe beherbergt zu haben. Mit EU Geldern sind kleine funktionstüchtige Marinas entstanden. Den Esten sind nett, zuvorkommend und im Gegensatz zu Schweden ist es kostengünstig. Eine Nacht am Pier kostet meine Crew grade mal 35 Euro. Das ist doch human. Nettes Land.

Die Sonne folgt ihrem vorgegebenen Weg hinter den Horizont, während uns der Schweiß in der Sauna den Körper runterfließt. Schön, so eine Sauna mit Meerblick. Es könnte uns nicht besser gehen.

Axel und Christiane passen beim Saunen und schaffen dafür in der MARLIN Kombüse. Find ich besonders gut. Das entlastet mich. Ich hänge eh viel zu viel am Rechner, organisiere unsere Ankunft im nächsten Hafen, in St. Petersburg, die folgenden Törns… Nach dem Abendessen kommen die UNO Karten auf den Tisch. Ich verliere haushoch. Hmm. Ein Mordsgaudi. Gut das ich daran gewöhnt bin mit meinen Kindern zu verlieren.

Das Schwerwettertraining in Kooperation mit der Zeitschrift YACHT füllt sich. Ich möchte aber Interessenten vor allen Dingen auch den Törn von Kiel nach Portsmouth nahe legen. Es lohnt sich die Beschreibung mal durchzulesen.

 


 

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Und Offshore. Ein bisschen seekrank.

Sonnenschein und Performance Segeln

Aus Aaland wurde Estland. Wir haben eine frische Brise bestellt und mit neuem Antifouling läuft MARLIN im zweiten Reff mit Rumpfgeschwindigkeit. Immer wieder stehen 10 Knoten auf dem Tacho. Um die Seekrankheit im Griff zu behalten und das Seebeine kriegen zu beschleunigen, schlage ich vor Kurs Estland anzulegen. Also gleich mal eine Nachtfahrt zur Eingewöhnung. 110 Meilen ist ja nun keine große Strecke für uns, für unsere Gäste schon. Christina erkläre ich das Navigationsprogram und die ETA Berechnung. „Und dem kann man vertrauen? Wir kommen erst um 01:00 in der Nacht an?“ Ich nicke. An der Begeisterung muss Christina noch ein bisschen arbeiten. „Eigentlich bin ich ja nur für meinen Mann mitgekommen.“ Christina liest, ist vollkommen entspannt und zeigt keinerlei Anzeichen von Seekrankheit. „Du bist die perfekte Bootsfrau!“ Christina rümpft die Nase. No comment. Aber sie grinst dabei.

Zum Thema Seekrankheit habe ich die Crew gebrieft. Wenn einem schlecht wird. Nicht dagegen ankämpfen und bei den ersten Anzeichen wie Müdigkeit, Kälte und vielleicht Respekt vorm Meer nicht dagegen ankämpfen, sondern ab in die Koje. Da schlaft ihr eh sofort ein. Wenn ihr aufwacht ist es vorbei. Dann unverzüglich aus der Koje raus und an die frische Luft. Erst im Pilothaus anziehen, kein Computer, kein Smartphone, kein Buch. Alle nicken. Brigitte liegt seit ein paar Stunden in ihrer Leekoje und schläft selig. So ist das bei der christlichen Seefahrt. Ihr Mann Oliver befolgt auch meinen Rat. Axel ist Internist, der hat sich schon gestern ein Pflaster hinters Ohr geklebt, auch schläfrig, und unsere andere Birgit schläft im Sitzen ein. Kotzen muss keiner. Gut! Und wer kocht gleich? Na ja. Ich. Jan macht wichtiges von der ToDo Liste. Der Schwanenhals der Zuleitung gerät manchmal unter die Wasserlinie und die Schüssel läuft voll. Ein Absperrhahn wird das in Zukunft verhindern. Ich schreibe. Schön ist das ohne Internet. Kann ich mich endlich mal auf die wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Meinen Blog.

Im Moment sind es noch 60 Meilen. Durchschnittsgeschwindigkeit 9 Meilen. Das wäre ein Etmal von 216 Meilen. Aber Hallo! Nicht von schlechten Eltern. Die Sonne scheint. Alles gut.

 


 

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