Archiv der Kategorie: SY Marlin

Andere Welt

Cubanisches Resort

Die Crew hat sich entschieden. „Wir wollen gerne Cayo Levisa kennenlernen“ Der Wunsch meiner Mitsegler sei mir Befehl. Der Weg führt ab der Ansteuerungstonne durch 6 Meilen flache Untiefen, deren Karten in Navionics alles andere als verlässlich sind. Das geht auf die Nerven und mit 2 Knoten Geschwindigkeit hangeln wir uns durch die vom letzten Wirbelsturm versandeten Gewässer. Nun. Zum Glück ist alles Sandboden und nicht Fels wie in den skandinavischen Schären. Nein. Wir haben keine Grundberührung. Erst als ich mich 200 Meter vor Cayo Levisa schon in Abrahams Schoß fühle erwischt uns noch eine Untiefe mit zwei Meter über die wir aber grade noch rüberrutschen. Glück gehabt.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht mit einer solchen Crewentscheidung gerechnet. Was folgt ist wieder Papierkram, weil wir ja ein Genehmigung für Havanna haben und nicht für einen Ort davor. Nun. Das nervt, ist aber nicht weiter schlimm. Wir dürfen an Land und besuchen eine schöne Hotelanlage, die um einen dröhnenden Generator herumgebaut ist. Auf der Nordseite ein Strand mit Sand, europäischen Pauschaltouristen und Exilkubanern, die ihren Luxus im Heimatland leben. Wir bestellen uns einen Drink. Es fängt an zu regnen und schwupps sind wir alle wieder auf der MARLIN. The my Home is my castle effect. Die MARLIN hat ja auch einen Generator, aber der muss nicht laufen. Wir haben 24 Stunden Motorfahrt hinter uns. MARLINS Batterien sind voll. Skippers Batterien und Nervenkostüm ist auf 50%. Nein. Ich darf mir nichts anmerken lassen. Das gehört zum Job. Ich hatte den Fisch für das Abendessen schon aufgetaut , jetzt mache ich den auch. Mit Liebe. Ausserdem ist die Küchenv erwüstung auch Entspannung für mich. Dabei kommt ein hervorragendes Essen heraus, sagt die Crew. Ich muss nicht spülen. Ein Grund warum ich gerne koche.

Zur Marina Hemmingway sind es noch 60 Meilen, plus der Umweg um hier wieder rauszufahren. Na. Auf jeden Fall sollten wir pünktlich am Mittwoch Abend ankommen und ich kann meinen freien Tag geniessen, bevor die neue Crew am Samstag Mittag auf der Matte steht.

 

Kurs Havanna liegt an

Das Riesenfliewatüt

Ein Fahrtensegler hätte auf ein Wetterfenster gewartet. Mal davon ab. Gibt es hier eigentlich eh nicht. Entweder ist Gegenwind oder kein Wind. So wie in Patagonien von Ost nach West. Ein sportlicher Segler hätte dagegen aufgekreuzt. Dafür haben meine Mitsegler keine Zeit. So teile ich den Weg von der Westspitze Cubas nach Havanna in zwei Teile auf. Ziemlich in der Mitte gibt es für uns zwei Möglichkeiten zu halten. Entweder das Inselchen Paraiso oder Levisa. Liegen direkt nebeneinander. Paraiso hat ein Hotel, drei Restaurants und einen Steg. Na, was empfiehlt der Skipper seiner Crew. Levisa, damit er nicht kochen muss?

Der Johann, der Johann. Hätten wir den nicht, dann würden wir bestimmt nicht am Mittwoch Abend in der Marina Hemmingway rechtzeitig ankommen. Haben wir aber und ein Wetterfenster hatten wir auch. Aus der versprochenen Winddrehung heute Nacht aus SE ist bisher nix zu merken. Aus dem Westwind für Dienstag ist in dem aktuellen Progostico del Tiempo keine Rede mehr. Also, alles beim Alten. Aber wenigsten keine 20 Knoten auf die Nase. Das wäre der Normalfall. Also läuft der Diesel und wir schichten wir uns die Nacht um die Ohren um morgen nochmal den dicken Zeh ins Wasser zu halten und vielleicht einmal um die Insel zu laufen. Welche denn nun?

 

Riesenmücken

Etappenziel „Die dicke Maria!“ Fast erreicht

Die erste Nachtfahrt haben meine neuen Segel-Freunde sicher und erfolgreich hinter sich gebracht. Der Strom hat gedreht und schiebt uns nun mit anderthalb Knoten zum Ziel. Der Wind Mitte der Nacht wie in den GRIB Files eingesetzt und die Motorerei ein glückliches Ende gefunden. Also alles gut. Mannschaft wohlauf und glücklich. Nach ein paar Stunden immer wieder unterbrochenes Schlafens ist auch meine Batterie zumindest nicht mehr im roten Bereich. In einer Stunde werden wir das Cabo de Corrientes erreichen. Übersetzt Kap der Strömungen. Würde ich jetzt mal ganz schön vorsichtig sein. Kenne ich aber schon. So gefährlich ist das bei normalem Wind nicht. Eine Strecke zum zweiten Mal zu segeln ist eben immer viel einfacher. Das ist auf der ganzen Welt so.

“Am Kopf halten. Pass auf die pickst. Du kannst auch den Schwanz zusammen halten. Damit schlägt sie. Die gemeine Languste!“ Andy ist mutig und halt das Urvieh fest. Ich erkläre, dass Langusten zu der Familie der Insekten gehören und wenn man eine Mücke totschlägt, macht man ja auch nicht so viel Aufheben darum. Ist vollkommenes selbst erfundenes Seemannsgarn. Aber die Mitsegler sind etwas beruihgt. Denn gleich wird der Ranger, der nicht fotografiert werden will dabei, der Languste den Schwanz beim lebendigen Leib herausdrehen. Das das nicht nett ist, findet meine Crew auch. Essen wollen sie die aber trotzdem alle zum Abendessen. Es waren die letzten Langusten für dieses Jahr. Im Norden von Cuba werden wir wenig Zeit haben zu halten. Mal schauen.

In zwei Stunden werden wir Maria la Gorda erreichen und ich bin froh die Nacht durchgesegelt zu sein. Johann braucht noch etwas Liebe und nach einem Rast geht es dann schwuppsdiwupps weiter um die Ecke nach Norden und Kurs Havanna wird auf dem GPS als nächster Wegpunkt dominieren.

 

Höhle mit Ausblick

Tucker Tucker…

Johann schiebt uns grade gen Westen südlich der Insel Juventud. Die Sonne brennt immer noch vom Himmel und es wird die erste Nacht auf See für meine Crew 44 werden. Irgendwann gegen Mitternacht soll dann Segelwind kommen, der uns den Rest der Strecke ohne Tucker Tucker zum Ziel bringt. Vielleicht auch nicht. Verlassen kann man sich hier auf gar nichts. Ausser, dass die Sonne untergeht und wieder aufgeht. Das Stützsegel im zweiten Reff durchgesetzt wie ein Brett, hindert die MARLIN am Aufschaukeln. Batterien und Wassertanks sind schon lange voll.

Die Leguane sind aus ihren Höhlen raus gekommen, größer als Katzen schauen sich mit uns zusammen den Sonnenuntergang an – Die Erinnerung nehmen wir mit auf unseren Weg nach Maria Gorda. MARLIN schiebt ihren Rumpf durch die Wellen der Gegenströmung mit sechseinhalb Knoten, über Grund bleiben grade mal fünf Knoten Fahrt über. Ich erinnere mich an 2016, als meine damaligen Mitsegler nicht bereit waren nachts zu segeln oder Wachen zu schieben, sondern sich um 20 Uhr ins Bett gelegt haben. Gut, dass das unser jetziges Team das nicht als Kreuzfahrt sieht. Wir haben die Nacht in drei Gruppen aufgeteilt. Mit etwas Glück können wir gegen Mitternacht den Motor mal ausmachen und den vorhergesagten Wind nutzen. Wie immer nervt es unter Motorfahrt, aber an dem Wetter kann auch ein englischer Yacht Master wie ich, nichts ändern.

Ich bin ein bisschen melancholisch, traurig. Heute. Meine Batterien kann ich nicht mit Generator oder Maschine einfach aufladen. Ich bräuchte mal ein paar Glückshormone. Ne. Nicht Geld oder Materie. Andreas setzt sich grade zu mir mit einer Tüte Haribo Gummibärchen. Na dann. Versuchen wir mal Gummibärchen. Aber eigentlich muss ich mal auf’n Arm. Ist aber keiner da, der das könnte.

 

Gestellte Crew

Meine bunten Mitsegler – CREW 44

Tine und Udo sind alls langjährige Blogleser an Bord gekommen. „War eigentlich klar, dass wir eines Tages mal mit der MARLIN mitsegeln werden.“ Wie der Zufall es wollte, kamen Mariana und Hanspeter dazu und mir war schon bei der Buchung vor ein paar Monaten klar, dass die beiden Pärchen sich gut verstehen werden. „Hast Du noch einen Platz frei?“ Den Törn 44 hatte ich schon längst aus unserer Webseite entfernt. So war ich ein bisschen neugierig, wer hinter der WhatApp Message stand. „Ich habe grade eure beiden Bücher gelesen und bin voll angefixt. Ich muss unbedingt sofort mit.“ Auch hier hat das Gefühl wieder richtig gelegen. Andy hat menschlich Skipper Qualitäten und führt sich elastisch in die kleine Gruppe mit ein. Sein Aussehen, sein Charakter, ähnelt nicht wenig dem meines dicken Freundes Rene von der MIRA, der leider in den Fängen des normalen Hamsterradlebens in St. Maarten verschwunden ist.

Noch in Cayo Largo hat Pire, der Marina Manager, ohne den in Cayo Largo nichts gehen würde, es dann geschafft und wedelt mit meinem Pass. „Dein VISA mit der Verlängerung bis zum 20. Mai.“ Ich atme auf. Das Problem hätte ich nun wirklich nicht gebrauchen können. Ich nehme mein Cubanischen Freund in den Arm und gleichzeitig muss ich mich auch leider direkt verabschieden. „Wann kommst Du wieder?“ Olga schaut mich etwas traurig an. So kann ich auch gucken und drücke ihr einen Kuss auf die Wange „Nächstes Jahr. Wenn ich gesund bleibe.“ Jetzt aber mal flott los. Der Wind für die nächsten Tage ist unstetig. Nachmittags schläft er ein und Nachts wacht er um Mitternacht wieder auf. Komisch. Am Morgen nehmen wir noch 300 Liter Diesel auf für den Weg nach Havanna und schon sind wir unterwegs. Langsam aber stetig. Am Wochenende will die MARLIN mit mir und den Mitseglern in Maria Gorda an der Westspitze von Cuba sein.

Das obligatorische Gruppenfoto machen wir diesmal am Iguana Strand. Nett sehen sie aus, meine Mitsegler. Sind sie auch. Vor allen Dingen sehr bemüht mir an allen Ecken und Kanten zu helfen. Ich habe das Gefühl, dass sie eine super Zeit haben und sich sehr wohl fühlen. Das soll belohnt werden.

Nach einem heißen Segeltag, nur unter Groß erreichen wir die neuen Ranger Crew auf Cantilles. Vier sind es diesmal. Alle neu und zum ersten Mal auf der Insel. Netterweise nehmen sie uns mit ihrem Boot mit an Land und wir müssen unser Beiboot nicht zu Wasser lassen. Es wird verhandelt und getauscht. Das Abendessen kommt in Form eines Riesenschnappers und Langusten an Bord und die Eiweißversorgung in den nächsten Tagen ist gesichert. Ich stelle mich in die Küche und bereite das Abendessen vor. Fischsuppe aus dem Kopf des Schnappers und das traditionelle Lobsteressen aus dem Ofen für meine CREW 44. Ich esse selbst zu viel von dem Reis mit schwarzen Bohnen, den ich nun als ebenfalls traditionelles MARLIN Essen perfektioniert habe, schlafe schnarchend in der Hängematte ein.

 

Wie geil ist das denn?

Der türkise Wahnsinn

Mr. Glücklich und Mrs. Happy sind grade auf der MARLIN im Paradies. Weißer Sandstrand, der schönste in der ganzen Karibik, sage nicht ich, sagt der Reiseführer. Der ist so fein, dass er einem die Füße nicht verbrennt und man stundenlange Spaziergänge am Playa Sirena machen kann. Und so verteilen sich die Touristen an dem langen Strand und meine Mitsegler haben „fast“ den ganzen Strand für sich allein. Zu Mittagszeit ist es allerdings so heiß, dass man schon eine italienische Sonnenanbeterin sein muss, die keinen Funken UV auslässt um ein makelloses Braun auf ihren Körper zu zaubern. CREW 44 verbringt so die Zeit doch lieber unter dem Schutz des Biminis und lässt sich ab und an ins Wasser fallen, liest ein Buch und geniesst die Ruhe.

Ich dagegen bin ja Chef und muss zu den anderen Chefs ins Hafenbüro, wo wiederum andere Chef’s grade im Urlaub sind und die Vertretung des Chef’s in Havanna grade nicht mehr daran erinnern kann, dass man seit Jahren in Cayo Largo die dritte Visa Verlängerung ausstellt. Cuba Life! Ich bleibe erst einmal sitzen. Nein, ich rege mich jetzt nicht auf, ich bleibe ganz ruhig, lächle und bleibe sitzen, bis ich zumindest schon mal meinen Pass mit den notwendigen Briefmarken für 25 CUC für die Verlängerung abgeben kann. Cuba ist und bleibt eben Cuba, so wie der Strand von Cayo Largo eben der schönste Strand mit dem weichsten Strand der Karibik bleibt. So steht es in den Reiseführern und wird in ein paar Jahren auch noch drin stehen wenn die Amis immer noch draussen bleiben. Es gibt keine Mülltüten in den kleinen Supermarkt, es gibt auch kein Dosenbier. Ist grade aus. Ich schaue Katia an, die an der Kasse sitzt. „Kannst Du mir die dritte Visaverlängerung verkaufen Ka tja?“ Katja lächelt, so wie sie immer lächelt, wenn sie meine deutschen Späße nicht versteht.

Der Plan morgen noch hier zu bleiben hat sich also als vorausschauend erwiesen. Ich habe mir meinen Unmut erst einmal von der Seele geschrieben und jetzt gehe ich zu meiner netten CREW 44, lasse mich ein bisschen bemitleiden und stelle mich danach vielleicht ein bisschen in die Küche, schnibbel und bruzzel was und bin wieder Chef. Küchenchef. Dann gibt es einen kalten Küchenwein, es rieht aus einem Topf ganz lecker, repariere den kaputten DCDC Wandler und morgen ist ein neuer Tag.

 

Sportliches Segeln mit neuer Crew

Rund Westend Cuba

Meine Familie ist abgereist. Gar nicht schön. „Papa. Du siehst aus, als wenn Du gleich anfängst zu heulen.“ Maya hat Recht. Mir ist kotzübel vor Trennungsschmerz. Erst Mitte Juni werde ich Nathalie, May und Lena wiedersehen, wenn alles nach Plan läuft. Nach Plan. Was heißt das schon? In Portugal werden wir uns sehen und Portugal 3956 Meilen Luftlinie weit weg. Dazwischen Meer. Viel Meer. Viel Wasser. Viel Wind. Viele Wellen. Ein bisschen schaudert mir schon. Mayalena und Nathalie sind sich sicher das ich das easy auf die Reihe bringe. Sicherer als ich.

Tine, Udo, Mariana, Hanspeter und Andreas sind meine neue CREW 44. Ich fange wieder von vorne an alles zu erklären und jeden nach seinen Fähigkeiten und Neigungen in den bevorstehenden Trip zu integrieren. Nicht grade einfach wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt. Ich entscheide am Sonntag loszusegeln um Meilen zu machen. Gut 440 Meilen sind in 12 Tagen zu segeln und zu motoren. Eine Aufgabe für sich. Den Anker heben wir bei 27 Knoten Wind, in der Lagune von Cienfuegos bläst es mit Böen um die 32 Knoten. Der Mast der MARLIN neigt sich auch ohne Segel. „Super Segelwetter!“, grinse ich. Eigentlich ist mir garnicht nach Grinsen. Das Cockpit ist voll mit erwartungsvollen, hochmotivierten Mitseglern, die aber die Bedeutung des Wustes der Leinen nicht klar ist. Hier wo ich den Anfang unserer Törns normalerweise bei Windstille beginne, entwickelt sich grade eine sportliche Segelsituation. Kaum sind wir im Channel kommt der stürmische Wind gegen den auslaufenden Strom, eine steile Welle schlägt uns entgegen. „Na super. Wir brechen jetzt mal ab.“ Der Bug zeigt binnen Sekunden wieder Richtung Nord zurück nach Cien Fuegos. Auf dem AIS sehe ich die WYLDE SWAN, ein 45m holländischer Schul-Zweimaster, draussen in der Bucht. Auf Funk antworten die nicht. Na dann eben mit Nachdruck. Ein DSC Anruf wird sofort beantwortet. „Herrliches Segelwetter. Zwanzig Knoten Wind und 1,5 Meter Welle“, wird meine Frage nach dem dortigen Wetterverhältnissen beantwortet. „Ok. Wir setzen das Großsegel als Stützsegel und machen einen zweiten Versuch.“ Der Skipper eines entgegenkommenden Katamaran winkt wild und gibt das Handzeichen für rollende See. Das Wasser an der Einfahrt ist weiß. Johann heult auf und nach einer Meile gegen die heftigen Wellen, ziehe ich mit meiner neuen Crew die Fock raus, falle ab und die Holländer haben Recht. Wunderschönes Segeln hoch am Wind gegen 27 Knoten scheinbaren Wind. Ich verteile die ersten Skopolamin P laster. Bleibt mal besser im Cockpit sitzen und hakt euch ein. Richtig glücklich schaut noch keiner. Mir ist auch ein bisschen komisch. Eine Stunde hinlegen hilft. Gut das ich gestern nicht noch mal aus war zum Feiern. Lust hätte ich schon gehabt. Die Vernunft hat gesiegt.

ZumSchluß geht meine neue CREW 44 Hand am Rad und macht das gut. Wir ankern im Dunkeln vorm Leuchtturm. „Kannst Du noch die Badeleiter rausholen?“ Meine Meinung zu meinen neuen Segelfreunden steigt sich deutlich. Ich schlafe unruhig. Um Fünf weckt mich das Wetter. Der Wind hat auf N gedreht, frischt auf und mit dem Dämmerlich sehe ich den Norder kommen. Eine schwarze Wand. „Andy. Steh mal auf. Ich glaube wir sollten uns mal vom Acker machen.“ 20 Minuten später bläst es wie Hölle, es regnet Eimer und eine fiese See entwickelt sich. Wir laufen ab auf die Südseite von den Cayos Dios. CREW 44 verselbständigt sich. Es wird eigenständig aufgeklart. Kaum ist der Anker im Wasser, steht das Frühstück auf dem Tisch. Gestern noch gestresst und unter Hochspannung entspanne ich mich schlagartig und schreibe endlich mal wieder einen Blogeintrag. Sicheres Zeichen dafür das eine schöne Zeit beginnt. Ein paar wichtige Sachen sind noch zu machen. Dann geht es auch Richt ung Cayo Largo. Es klart auch schon wieder auf.

 

FACE BOOK: Alter Schuh

Doppelter Heimatkurs

Sinngemäß ist die Farbe des Fundschuh’s falsch oder richtig. Sozialistisch gesehen, wäre das Logo von FB in Cuba ja auch rot. Passt also. Der Fundschuh ist ja auch ein linker Fundschuh. Wie so oft, findet man meist den passenden der anderen Seite, in unserem Falle also den rechten, nicht. Ob rechts oder links: FACEBOOK ist doch ein alter Schuh. Könnte ich FB aus Cuba aufrufen, ich würde mich gestern schon abgemeldet haben. Ist aber geblockt. Über Jahre habe ich unsere Logbuchpost’s in FB geteilt. Ich habe hunderte von Freunden, die ich aber meist nicht kenne. Meiner Tochter Maya sagt FB wenig. Allein der Gedanke daran, dass dieses mächtige Tool FB die letzten Wahlen in Amerika manipuliert haben soll, reicht eigentlich aus um ein klares „NEIN zu FB!“ auszusprechen. Öffnen tue ich die Seite schon seit langer Zeit nicht mehr, die Kommentare zu meinen Post’s interessieren mich nicht und das ich mal meinte, dass ich über meine FB Präsenz mehr Lunatronic Kunden und Mitsegler bekomme, stagniert oder ist rückläufig.

Wie man sieht, schaukelt es auf der MARLIN. Mitseglerin Katrin aus CREW 42 meint, dass das mit dem ersten April Scherz ja auch eine Wunschvorstellung sein könnte. Die Sache ist schnell erledigt: Für den Marktwert der MARLIN würde ich kein so tolles Schiff in der Größe, Ausstattung, Performance etc. neu bekommen. Never – Ever. Sollte die MARLIN jemals verkauft werden, wäre das, weil ich nicht mehr segeln könnte. Aus welchem Grund auch immer.

Katrin bemerkt auch reflektierent, nebst vorwiegend positiven Erlebnissen, dass ich eine rauhbeinige Schale habe. Berührt mich. Wie immer. Wenn es das nicht mehr tut, wäre es ja auch vorbei. Das passiert ja nun immer wieder mal. Aktuell sehe ich fünf Mitsegler, die in zwei Wochen in Havanna einsteigen werden, mit dem Ziel mit der MARLIN und mir die eben schönere, aber auch nicht grade einfache Nordatlantik Überquerung nach Europa zu segeln. Vier Wochen ohne aussteigen zu können. Vier Wochen wird Skipper Micha unter Strom stehen. Im Gedanken suche ich schon seit Wochen nach Möglichkeiten die Truppe und den Einzelnen besser führen zu können. Die Umsetzung von SAFETY FIRST und Schäden vermindern klappt ausnahmslos mit allen Crews hervorragend. Tägliche Briefings und Debriefings haben sich ebenso bewährt. Alles gut. Was mit einem von fünfen nicht klappt ist mein Ton, wird mir immer mal wieder gesagt. Ich aber merke das das gar nicht. Meine Gedanken gehen in die Ri chtung anonymer Crew-Kummerkasten auf dem 24/7 Bordrechner. Eine Desktop Datei, auf die jeder Zugriff hat und seinen Unmut loswerden kann. Ein Versuch wäre es ja wert. Ja, ich glaube, dass ist eine gute Idee für die Nachtwachen. Wenn jeder ihn liest.

Unsere Familienzeit auf der MARLIN endet bald und am Leuchtturm nehmen wir uns noch einen Tag Entspannen, bevor es wieder losgehen wird nach Cienfuegos. Für mich war die Zeit mit Nathalie, der besten Seglerin, die ich kenne, mit MayaLena, den besten Segelkids, die mir jemals unter die Fittiche gekommen sind, die totale Erholung. Ich konnte richtig Energie auftanken und das Ziel nicht nur die drei, sondern dazu noch meine beiden Söhne im Juni in Portugal für ein paar Wochen zu sehen, beflügelt meine Stimmung.

 

Kinder. Das schönste Glück im Leben

Ich kann glücklich sein

Zwei meiner Kinder an Bord zu haben ist das größte Glücksgefühl für mich, dass ich überhaupt haben kann. Sie nicht täglich zu sehen, stellen sich viele als doch sehr schmerzhaft vor. Ich denke da etwas anders drüber. Komme ich nach Flensburg, so versinkt die anfänglich extreme Freude nach wenigen Tagen im Alltag. Schule, Arbeit, Stress, Termine, Viren, Probleme, Freizeit Aktivitäten und immer wieder anderen die in unser Leben treten und Zeit klauen wollen. Nicht zuletzt die sogenannten sozialen Netzwerke, die einem die Zeit seiner Kinder, die den Kindern, die Zeit ihrer Eltern klauben. Vielleicht ungerecht, egoistisch, entziehe ich mich mit meiner Leben-Segel-Philosophie, diesem Trott. Meine Kinder kommen an Bord und nehmen sich, wozu sie das Recht haben. 100% Papa.

Die Überfahrt vom Leuchtturm nach Cayo Largo war grandios. Wir haben zwei Logbucheinträge gemacht. Einem beim Abfahren, einen beim Ankommen. Keine gute Seemannschaft. Aber gutes Familiensegeln. „Wann sind wir endlich da?“ Mayalena langeweilen sich eher. Die Eltern geniessen den gesäuberten Rumpf der MARLIN, ohne Rattern des Propellers unter Motor und die altbekannte Rumpfgeschwindigkeit der MARLIN. Diese legt sich auf die Backe, rauscht und gurgelt am Wind mit 8-9 Knoten durchs Wasser Richtung Strandleben und Urlaubsimage. Perfekt. So soll es sein.

Schwester Susanne ist auch dabei. Wir legen in Cayo Largo ausnahmsweise am Steg der Marina an und Susanne, die die Liebe zum Segeln noch nie so richtig entwickeln konnte, ist froh einen mehrtägigen Tauchurlaub in Folge zu buchen, mit All Inclusive Hotelurlaub und Strandbar. Wir gönnen es ihr. Es war eine wunderschöne Woche Susanne. Wir gönnen es auch uns und sind nun als Familie an Bord. Verlegen nicht ohne obligatorischen Marinakratzer vor Anke an den Playa Sirena. Es wird ausgepackt: Dinghy mit 30PS Aussenborder, Schnorchelzeug, GoPro Kamera, Tolino, Hängematte, Wein, Lobster, Pago, Paddelbord, Wakeboardutensilien, Strandhandtuch… Von oben Sonne. Aus Süden Wind. Ich bekomme tonnenweise Zuneigung von MayaLena. Zwischenzeitlich heulen wir gemeinsam, weil die Zeit so rennt und so kurz ist, dann wieder Vollgas an Aktivitäten. Ich stellen MayaLena mit der Wakebord Leine aufs Paddelbord hinter das Dinghy. Nach zwei Versuchen stehen sie beide sicher bei Vollgas. Es ist unglaublich. Grinsen von rechts bis links im Gesicht. „Jetzt aber das Kite Board als Wakebord.“ Ich erkläre ihnen was ich weiß und selbst nicht kann. Maya steht nach zwei Versuchen auf dem Board und fährt ihre ersten 5 Meter hinter dem Dinghy. Leichtgewicht Lena ziehe ich mit der Hand die ersten Meter über das Wasser. Es ist gar keine Frage, dass sie innerhalb der nächsten Tage übers Wasser fliegen lernen. Ein bin ehrlich neidisch über ihre jugendliche Leichtigkeit so etwas zu lernen und das alles ohne sich weh zu tun. Unglaublich.

Die Woche gehört uns. Das Wetter passt. Der Wind wird an den richtigen Tagen aus den richtigen Richtungen wehen. Das Spassbarometer steht auf Anschlag. Abends sitze ich mit Maya, Arm in Arm kuschelnd auf dem Vordeck und wir philosophieren über das Leben. Sie ist so groß geworden. Ich verbiete mir immer selbst, so etwas zu sagen. Dieser blöde Spruch. Das Schönste in meinem Leben ist sicherlich meine Kinder zu haben.

 

Kleingärtner Micha

Warum streiten sich eigentlich Lebenspartner am ehesten?

Kaum ist die Familie da, ist auch schon wieder die Hälfte des Urlaubs vorbei. Ich könnte losheulen. Um es mal auf den Punkt zu bringen. Nathalie will mir nach anderthalb Stunden Gartenarbeit unter der MARLIN (Ich total genervt!) helfen und das Tauch-Jacket ausblasen. Zieht an der unteren Entlüftung und hat sie in der Hand. Nun ja. Da bekommt sie natürlich einen entsprechenden Kommentar. Und weil sie ja meine Partnerin ist, noch einen obendrauf. So deftig, dass ich mich später dafür entschuldigen muss. Warum ist das eigentlich grade so zwischen Lebenspartnern? Normalerweise hätte ich mich doch auch zusammengerissen und gesagt: „Du weißt das das falsch war?“ Hätte gegrinst. „Gehst Du einfach in Cayo Largo in die Tauschule und kaufst ein neues Jacket.“ (In Cuba kann man nichts kaufen oder online bestellen)

Die Überfahrt von Cienfuegos nach Cayo Largo war übel. Wieder Wind gegenan, die halbe Strecke und irgendwann ging nur noch Motor an. Der Propellor macht übelst Rumpelgeräusche und mein Nervenkostüm fängt direkt an zu flattern. Ich vermute direkt, dass das hintere Wellenlagerung ausgeschlagen ist. Damit würde ich aber nicht über den Atlantik kommen. Unter Segeln ja. Aber manchmal braucht man ja auch den Motor, wenn der der Wind weg ist und die nächste Crew schon im nächsten Hafen wartet. Das Wellenlager kann aber nur gewechselt werden, wenn die MARLIN mindestens für eine Nacht aus dem Wasser kommt. „Da gehen wir doch einfach in Cayo Largo in den Travellift. Rufen Fred an und der macht das!“ In Cayo Largo gibt es aber keinen Travellift, kein Fred und der nächste Hafen wo das gehen würde wäre in Miami. Aber wer will schon in die USA? Ich bestimmt nicht. Die MARLIN auch nicht. Und Zeit im Passageplan für einen Werftaufenthalt ist erst im July geplant. Hm. Un d dann geht die Phantasie mit dem Wnuk durch. Ich schlafe schlecht, träume wild und überhaupt.

Pfft! Ich lasse die Luft aus dem Tauchjacket und sinke mit ordentlich Blei und einem 30cm Spachtel zwei Meter unter die MARLIN. Was ich da sehe, habe ich in meinem nicht unerheblichen Segelleben noch nie gesehen. Der gesamte Rumpf und vor allen Dingen der gesamte Kiel ist 2-3cm dick mit weißem Rasen bewachsen. Cienfugeos lässt grüßen. Die Cubaner haben ja keine Kläranlagen und leiten alle ihre Abwässer in die Lagune. Wir ja auch. Nu ja. Andere Diskussion. Das weiße Gras ist eine Art Koralle, die hart ist und wie tot wirkt. Der Bewuchs des Rumpfes mit Seepocken ist ja bekannt und nimmt mit zunehmender Wassertiefe ab. Bei dem blendend weißen Graskorallen, ich nenne die jetzt mal so, ist das anders. Die bedecken flächendeckend den gesamte Kiel und Bootsrumpf. Vor allen da wo gutes Antifouling ist, sind sie besonders dicht. Prima Sache.

Eine Tauchflasche reicht nicht aus zur kompletten Reinigung. Ich habe noch eine und in Cayo Largo gibt es frische Druckluft. Also morgen noch mal tauchen. Mit kaputtem Tauchjacket, weil nur ein Trage habe ich nicht. Kann ich trotzdem. Ich tariere mit der Lunge bis 10m Wassertiefe und der richtigen Menge Blei.

Morgen soll es weitergehen nach Cayo Largo. Es kann nur besser werden. Ich versuche die Uhr anzuhalten damit die Zeit mit meiner Familie an Bord länger wird. Wer kann helfen?

 

Zurück aus dem Cubanischen Trinidad

Im Reitfieber

Aprilscherz 2018 ade. Nein. Wir haben nix verkauft. Alles bleibt bei Alten. Auch die deutsche Fahne am Heck. Und die schöne 55’ REHA mit Foils, bleibt ein kleiner Albtraum, den ich wirklich gehabt habe. Zuviel YACHT auf dem Klo gelesen. Die ganze Foilerei finde ich ziemlich abgefahren, entbehrt nach meiner wahrscheinlich eh unwichtigen Meinung, jeglicher Praxisnähe des normalen Seglers, zu denen ich mich im übrigen auch zähle.

Dominanter und realer waren für mich zwei Tage Trinidad. Der erste begann mit dem größten Wunsch von MayaLena. „Wir wollen Gauchoreiten! So wie 2016 schon geschehen.“ Die Eltern haben es zugesagt und über gut fünf Stunden sind wir alle mit Jorge unterwegs, der uns machen lässt. Machen lassen, meint, wir reiten früh am Morgen los und in die Berge vor dem malerischen Ort Trinidad. Schwester Susanne ist das zu sportlich und sie wählt das Alternativprogramm: Besichtigungen und Strand. Mehr Urlaub denn jeh. Gute Entscheidung. Das Reiten ist für Maya eine Tugend, für Lena eine Leichtigkeit und auch ich bekomme ein potentes Pferd, dass mich durch die Felder, die Wildnis und bis zum Wasserfall bringt, an dem wir nicht grade alleine sind. Trotzdem schön. Nathalie und ich traben hinter unseren ausgelassenen Kindern hinterher. Ab und an fallen die Pferde schon mal in den Galopp. „Papa hat einen neue Leidenschaft. Schau mal. Er sitzt im Sattel, als ob er nie was anderes gemacht hätte“, Maya hat doch bestimmt Hintergedanken, denke ich mir. Wir dinieren auf einer kleinen Farm, trinken Zuckerrohrwasser und weiter geht es. Auf dem Heimweg haben die Pferde es wie üblich etwas eiliger. Mir fangen an die Knie zu schmerzen vom „eleganten“ Aufstehen und Mitgehen. Das gibt einen coolen Muskelkater dritten Grades. Da bin ich mir sicher. Toller Tag. Schöner Tag.

Gestern dann, ich fühle mich ja wegen dem Lob meiner Tochter, noch immer gebauchpinselt, komme ich auf die Idee: „Also Trinidad, seine Souvenirläden und die alten Gemäuer kennen wir ja schon. Sollen wir nicht ab Mittag noch mal Reiten gehen? Ohne Wasserfall, ohne Restaurantstopp?“ „Jaaaaaaaa!“ Maya hat gewonnen. Am Vormittag versinke ich mit Eike im Flensburg Office in einer mehrstündigen Internetkonferenz, danach geht es los. Leider holt uns nicht Jorge ab, sondern sein Azubi oder so. Der führt uns auf einen Fortgeschrittenentrail. Es geht durch wirklich unerhört malerische Landschaft, steile Berge hinauf und wieder runter, die gleichen Pferde vom Vortag laufen eher selten, sondern traben meist, fallen vom Gaucho motiviert, regelmäßig in den Galopp. Mir wird nach Zweidrittel des Weges, nach Anderthalbstunden klar, dass ich das nicht durchhalten werde ohne schwerwiegende Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Ich beneide meine Kinder, Nathalie hat sich, schlau wie sie nun mal ist, in die Stadt zum Schlendern und Rumsitzen abgemeldet. Als ich am Ende des Ausritts absitze, habe ich das Gefühl das meine Knie sich nie wieder von der Tortur erholen werden. Kaum zurück in der Pension, fallen MayaLenaPapa in einen notwendigen Komaschlaf. Aber es war schön. So schöööööönnnn.

Man könnte denken, das es der Tag war, aber ich hatte mich bereits zu einem weiteren Versprechen hinreiten lassen. Dinner for Two mit der Capitana. Es gibt zwar kein Kerzenlicht, aber schwerromantisch ist es eben doch in Trinidad de la Cuba. Auf den bekannten Treppen gibt es Salsa Musik Live und noch mehr Versprechen setze ich um. Die Capitana, seit fast drei Jahren influrenziert vom Salsa Virus und dementsprechend professionell, zeigt mir die ersten Grundschritte des Salsa Tanzes und ich mache motiviert mit. „Schritt vor, Schritt zurück, Stopp, Schritt zurück… Jetzt seitlich. Jetzt die Drehung.“ Sobald ich etwas grade gut genug kann, kommt der nächste Schritt. Mir raucht der Schädel und ich fange bis auf den Slip an zu schwitzen. Meine drei Frauen machen mich fertig! Wir landen in der Ruinendisco und es wird spät. Iorgendwann, es war noch vor Sonnenaufgang, kommen wir nach Hause. Aber es war schön. So schöööööönnnn.

Ab heute wird gesegelt. Es folgt Erholung. Vielleicht.

 

Große Veränderungen. MARLIN unter Canadischer Flagge

Der Kiel muss aus dem Wasser raus

“Hab ich doch gleich gewusst. Das machen die doch nur, um nen ordentlichen Deal zu machen.“ Beim renommierten britischen Schiffsbroker Grabau International steht die MARLIN schon seit Wochen zum Verkauf und heute ist es tatsächlich passiert und publik geworden. Der kanadische Großindustrielle Rolf G. Oetter, CEO der bekannten Ship Constructor Software Inc. ist neuer Besitzer der MARLIN. Oetter ist persönlich mit seinem Lear Jet auf dem kleinen Flughafen von Cienfuegos gelandet um den Deal perfekt zu machen. Oetter hat wohl schon viele Monate mit Wnuk / Müller in Kontakt gestanden. „Alles soll erst mal so bleiben wie bisher. Wnuk soll das Schiff wie geplant mit Mitseglern im nächsten Monat über den Nordatlantik zu den Azoren segeln und seine diesjährige Challenge zu Ende bringen. Oetter, selbst passionierter Segler, will dann den Törn von Horta nach Lissabon und weiter nach Faro selbst begleiten um die MARLIN segeln zu lernen. Fast schon freundschaftlich einig ten sich Wnuk / Müller – Oetter heute im kubanischen Trinidad unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf einen Kaufpreis von Euro 1.25m, VAT paid. „Die MARLIN wird rot bleiben. Statt der deutschen Fahne wird aber bald schon die kanadische Flagge am Heck des bekannten Segelschiffes wehen. Das Schiff wird in Vancouver seinen neuen Heimathafen finden. Ein großer Verlust für Deutschland und vor allen Dingen für die nördlichste deutsche Stadt, Flensburg, deren Name bisher am Heck der MARLIN prangte. Ab Portugal will Oetter das Schiff per Frachter nach Vancouver verlegen und nach einem Refit in einer seiner angegliederten Werfen selbst in die Südsee und über Japan und Alaska wieder in den kanadischen Heimathafen bringen.

Wnuk selbst zu dem Deal: „Durch den Verlauf meiner gesundheitlichen Entwicklung habe ich nach einer Lösung gesucht, die mir meine unklare Zukunft flexibler macht. In den letzten Wochen habe ich mich um die ULDB 54 REHA bemüht und mit einer bekannten französischen Werft den Umbau mit Foils diskutiert. Das Ergebnis ist noch nicht endgültig. Das eh schon mit 8,5t extrem leichte Red Cedar / Carbone-Epoxy strip-planked Schiff aus 1998 werde ich mit einem Schweitzer Partner Michael N. aus Luzern umbauen lassen. Ab Windstärke 5 wird das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 22 Knoten auf der Nordatlantik Route eingesetzt werden und Wnuk will motivierten Mitseglern die Möglichkeiten geben aktiv mitzufoilen. „Ich habe genug Kontakte um das Projekt erfolgreich im Kabinenchartermarkt zu platzieren und werden die Woche mit 2.500 Euro pro Person anbieten.“

Die inzwischen 11 und 12 jährigen Töchter, Maya und Lena, beide quasi auf dem ersten Schiff der Seglerfamilie geboren sind gestern selbst auf der MARLIN angekommen, um traditionell selbst die neueste Ostereierkollktion der MARLIN zu bemalen. Eine alte Schiffstradition an der Müller/Wnuk seit Geburt der beiden Töchter festhalten. In den kommenden zwei Wochen besuchen Wnuk/Müller mit der MARLIN selbst die kubanischen Cayos, um sich von der norddeutschen Kältewelle zu erholen.