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Archiv der Kategorie: Allein rund Ostsee 2011
eine Handbreit Bier im Glas…
…die hatte ich, es war allerdings die mit dem Dicken Daumen !
Dieses Bier habe ich auf Christian Irrgang getrunken. Christian ist im vergangenen Jahr mit einem Nordischen Folkeboot ebenfalls einhand rund Ostsee gesegelt, wir haben uns im Vorfeld zu meiner Reise getroffen und er hat mir ebenso wie Bastian Hauck einige sehr wertvolle Tipps gegeben !
Da sich unsere Fahrwasser sowohl in Danzig als auch hier in Klaipeda gequert haben, wurde es Zeit neben seinem Spruch auch ein ordentliches ( sehr leckeres ) Litauisches Bier auf seine CillySidstpigen und ihn zu trinken !
Litauen gefällt mir sehr gut, es ist alles sehr modern, die Menschen lächeln, jeder ist höflich und sehr weltoffen.
Klaipeda ist ebenfalls sehr schön, die Stadtväter haben für meinen Geschmack einen sehr guten Mix aus moderner Architektur und historischen Bauten in Einklang gebracht.
Ich war übrigens auch hier im Hafen first ship in saison und neben dieser Tatsache wehte dann auch noch der Adenauer im Hafen, was mich irgendwie sehr gefreut hat. Der Hafenmeister hat mir eine handgezeichnete Kopie des Kurischen Haff´s bzw. der Curian Lagoon, wie die Litauer es nennen besorgt und eine Liste von 28 ! Geokoordinaten für mein GPS ( eine abendfüllende Aufgabe ) um die Strecke nach Nida zu segeln, denn Nida soll mein nächstes Ziel sein !
Wieder Kurs Russland – aber diesmal liegt mein Ziel genau 1 NM vor der Grenze…
Nachdem ich im Kastellhafen alles erledigt, bezahlt und zum Auslaufen vorbereitet habe, wird um 8.00 Uhr eigens für uns die Drehbrücke ( von Hand ) geöffnet und wir verlassen den Hafen Kurs Nida. Leider ist absolut kein Wind und ich ahne bereits, dass uns für die kommenden 27 Seemeilen eine öde Motorfahrt bevorsteht. Ich sollte recht behalten
Jedoch zeigt Mutter Natur ihre Schönheit und Vielseitigkeit von Ihrer besten Seite. Beim Einlaufen in die Kuhrische Nehrung öffnet sich ein Panorama, welches ich absolut atemberaubend finde. Weil kein Luftzug zu spüren ist und die Nehrung wie flüssiges, von der Sonne beschienenes Blei vor uns liegt bieten sich tolle Bilder. Es sind bereits um 10.00 Uhr schon 23°, daher ziehe ich meine Jacke aus, stelle ich den Autopiloten ein und spiele die gesamte Überfahrt mit meiner Foto- und meiner Videokamera, höre laut Musik ( Klaipeda hat einen genialen Radiosender ), koche chinesische Nudeln und bin ( trotz der Motorfahrt super glücklich HIER zu sein ! Das ganze wird dann getoppt durch einen leichten westlichen Wind. Im null komma nix werden die Segel gehisst und die letzten 4,5 NM bis in den Hafen von Nida gesegelt.
Hier stehen auf einmal lauter Yachties am Pier und lassen ihre restlichen Winterarbeiten ruhen, reiben sich die Augen und schauen verdutzt was für ein verrückter um diese Zeit mit seinem Schiff hier einläuft. Der Hafenmeister ist total klasse, er ist sofort beim Anlegen behilflich, was mir an den Moorings auch sehr gelegen kommt… Dann bittet er mich in sein Büro um die „Formalitäten“ zu erledigen. Das Hafenmeisterbüro befindet sich in einem sehr hübschen ( fast schon skandinavisch anmutenden ) Holzhäuschen und bevor man ins Büro gelangt geht es erst einmal durch die in eine Werkstatt umfunktionierte, geschlossene Veranda. Auf zwei Lagerböcken, mitten in dieser geschlossenen Veranda, liegt ein Schiff. Keine Ahnung wie es hier reingekommen ist aber es liegt auf diesen beiden Böcken und wird in aller Ruhe und ganz nebenbei vom Hafenmeister restauriert.
Ich trage mich als laufende Nummer 1 der Saison 2011 ins Hafenbuch ein und der Hafenmeister ist völlig fertig, da die Duschen und Toiletten noch nicht offen sind. Halb so schlimm, kenne ich doch irgendwie aus einigen vorherigen Häfen, so ist es eben wenn man früh los fährt…
Die Saison in Nida beginnt erst am kommenden Freitag, dann kommt ein Autokran und alle Boote werden ins Wasser gelassen, Saisonstart ist hier einheitlich zum 1.Mai.
Das tolle Wetter soll genutzt werden und da das Sommerhaus von Thomas Mann wegen des Osterfeiertages geschlossen hat, entscheide ich mich zur Wanderdüne zu laufen. Diese Düne aber insbesondere das Tote Dorf ( ein Ort der von den Sandmassen begraben wurde ) interessieren mich und wollen erkundet werden. Zur Düne geht es durch einen ca 1KM langen Kiefernwald Richtung Süden . Der Wald endet auf der einen Seite direkt in der Nehrung, es gibt dort lediglich einen ca 20 m breiten Strandstreifen.
Ich wandere den Weg entlang, bis ich am Fuss der Düne stehe und die Treppe nach oben erklimme. Trotz der Wärme und der Anstrengung werde ich oben mit einem atemberaubenden Blick über diese tolle Sandlandschaft, einigen Steppen und Kiefernwäldern bis hin zur Ostsee auf der einen Seite und dem Kuhrischen Haff auf der anderen Seite belohnt. Auf der Düne ragt eine riesige Sonnenuhr gen Himmel und in alle Richtungen stehen gut ausgeschilderte Informationstafeln mit Angaben zu den einzelnen interessanten Bereichen der Düne.
Auf einer Tafel ist ein Punkt mit der Angabe Dead Valley bezeichnet, ich erkenne eine der Dünen die denen auf der Tafel ähnelt und mache mich auf den Weg über die Dünenlandschaft. Geschlagene zwei Stunden suche ich dieses Dorf und finde – NIX. Ich gehe immer weiter über die Düne, bis ich vor der Litauisch, Russischen Grenze stehe und drehe dann lieber wieder um.
Dann beschliesse ich, mir morgen noch mal eine detailliertere Info zu holen und es erneut zu versuchen.
Zurück im Hafen komme ich mit Victor, seinem Sohn und seiner Tochter ins Gespräch. Alle haben ein eigenes Boot – Victor eine polnische 44 Fuss Yacht aus den 80er Jahren, sein Sohn eine 22 Fuss Fox und seine Tochter eine Maxi 77. Victor wollte unbedingt mehr über meine Tour erfahren und hat mich gebeten morgen bei ihm an Bord vorbeizuschauen, nehme ich prompt an. Seine Tochter hat jolågo gestern schon im Kastellhafen gesehen und Victor von uns erzählt und da die Familie jährlich auf eigenen Kiel mit Victors Schiff zur Kieler Woche segelt, gibt es mit Sicherheit genügend Gesprächsstoff…
Schoten Dicht
jolågo und Ingo
PS. Da der Internetzugang lediglich temporär ist, stelle ich Fotos und Film ein sobald ich wieder sauber online bin…
Frohe Ostern…
…die ich dieses Jahr leider nicht mit meiner Familie, jedoch wieder in der EU, genauer gesagt in Klaipeda, der ältesten Stadt Litauens ( erstmals 1252 erwähnt ), feiern werde.
Nachdem ich am Dienstag, den 19.4 gegen 4.40 Uhr in Danzig abgelegt bin und eine gute Stunde später bei den polnischen Grenzern ausklariert habe, gab es eine Überfahrt nach Baltisk mit anfänglich 3, später auf 18 Knoten auffrischenden Winden aus NNO Richtungen. Wie es so beim Segeln ist habe ich die ruhigen Phasen genutzt um einige kleine Reparaturen und Verbesserungen am Schiff zu erledigen. Leider habe ich dafür meinen ( nicht echten ) Leatherman genutzt der sich dann auch prompt während einer Reparatur geschlossen hat. Dazwischen : Mein linker Daumen… mit einer ziemlich tiefen Schnittverletzung die ich mit Steristrips geklebt und einem Druckverband zum stillen gebracht habe. Nie wieder werde ich ein Messer ohne Sicherung nutzen!
Um 16.23 Uhr befahren wir auf Position N 54°37´49,7´´und E 019°22´01,9´´erstmals russische Gewässer und wie es sich gehört funke ich Russian Boarder Guard an um mich anzumelden – ohne Reaktion von den Russen, stattdessen wünscht die polnisch Boarder Guard mir eine gute Reise.
Die Russen geben bis kurz vor Baltisk keine Antwort, 3 NM vor der Hafenmole meldet sich Baltisk Traffic und gibt mir konkrete Kursanweisungen. Da mein Radarreflektor die gesamte Zeit und ohne kurze Pausen auf Senden steht, gehe ich davon aus, dass die Jungs mich die gesamte Zeit auf ihrem Schirm hatten. Gegen 20.00 Uhr erreichen wir die Hafeneinfahrt von Baltisk, mit uns 3 Schiffe der russischen Marine die neben erbärmlichen Gestank auch ebenso erbärmliche Wellen machen… Baltisk Traffic lotst mich über Funk ( mit exakten Kursangaben – jolago change your course to 062 degrees … ) direkt zum Pier 81, dem Zollpier für Sportschiffe, welchen wir um 21.30 Uhr erreichen. Abgesehen davon, dass dieser Zollpier sich direkt neben dem Containerterminal befindet und eher nach einem Abwrackhafen als nach einer Zollstelle aussieht, täuscht man sich dann auch gewaltig wenn es um Anlegehilfe geht. Nach 17 Stunden auf See wäre diese ganz hilfreich, die Damen verziehen jedoch keine Miene und schauen in aller Ruhe beim Anlegen zu… Die Einreiseprozedur sollte aber erst noch beginnen.
Die beiden nicht englisch oder deutsch sprechende Zollbeamtinnen nehmen mich in Empfang, kontrollieren meinen Pass, die Bootspapiere und eine der beiden Damen verschwindet dann mit diesen in ein Gebäude. Nach nur 10 Minuten kommt sie zurück, jedoch nicht allein. Bei ihr sind drei weitere Herren und ein Hund. Ich werde aufgefordert zwei der Herren und die eine Zöllnerin an Bord zu lassen um Crewlisten, Einreisedokument und eine ordentliche Durchsicht des gesamten Schiffs zu ermöglichen. Ordentliche Durchsicht bedeutet, dass die Taschen auf den Pier gestellt wurden und der Hund seinen Job beginnen durfte. Während die Herren jedes Schapp, jeden Verschlag und jede Backskiste geöffnet und durchsucht haben… Nach geschlagenen 2 Stunden ist alles vorbei und ich bekomme meine Stempel und die erforderlichen Dokumente überreicht.
Da jetzt noch 20 Meilen Seekanal ( unter Motor aber in völliger Dunkelheit ) vor mir liegen, ich völlig fertig bin, meine Wunde schmerzt und zu allem Überfluss auch noch eine Erkältung im Anmarsch ist verhandel ich mit Baltisk Traffic und dem Zoll, über Nacht am Pier zu bleiben. Es klappt und einer der Beamten darf die Nacht ebenfalls am Pier verbringen, auf einem Stuhl und lediglich eine Regenabdeckung über ihm. Geschieht ihm recht !
Nach Freigabe durch Baltisk Traffic, lege ich um 6.00 Uhr am kommenden Morgen ab um die 20 Meilen nach Kaliningrad zu motoren. Vorbei an einer ganzen Armada russischer Kriegsschiffe
öffnet sich vor uns ein absolut atemberaubender Anblick. Der Blick ins Frische Haff.
Kurz nachdem wir die Einfahrt zum Frischen Haff passiert haben überholen uns im Seekanal mehrere russische Fischer, jeder grüßt sehr freundlich und ein Schiff macht sein Beiboot klar um mich auf russisch willkommen zu heissen.
Denn als PRESENTE WILLKOMME RUSSKI gibt es einen leckeren, frischen Fisch. Als ich zum Dank eine halbe Flasche Rum, sowie eine halbe Salami rüber reiche wandert wortlos ein zweiter Fisch über die Reling.
Die Rumflasche hat ca 1/4 Seemeile gehalten und ist dann prompt über die Reling des Fischkutters gewandert, die Jungs sind langsamer gefahren und haben sich nochmal bedankt GUTE SCHNAPS GUTE SCHNAPS, scheinbar hat ihnen der Rum gemundet…
Die weitere Fahrt über den Seekanal ist eher sehr trist und geprägt von immer brauner werdenden Wasser. Wie ich später erfahre, wandert scheinbar die gesamte Kaliningrader Kloake direkt in den Seekanal… Die Brühe ist so braun, dass ich noch nicht mal mehr meinen Propeller vom Aussenborder sehen kann.
Beim Versuch aus dem Seekanal auszulaufen und mit Kurs 122° zur ( nicht vorhandenen ) Fahrwassertonne des Frischen Haff zu gelangen um den Kaliningrader Yachtclub anzusteuern bin ich zweimal auf Schlick gelaufen. Da weit und breit keine Tonne in Sicht ist, mache ich kehrt und verhole jolågo und mich in die Innenstadt. Die Fishboat Marina ist ein Bootshandel der vorrangig Princess Yachten um die 40 Fuss verkauft. „These are Fishboats my friend only for fun“ sagt Valentin, der Chef der Marina nach Ankunft zu mir. Das ist Russland, denke ich mir… 40 Fuss, zum Angeln…. Zur Feier meiner Ankunft weist Valentin seinen Technical Chief Alexej an, die Fische auszunehmen und den Grill anzuschmeissen. Das hat sich gelohnt, der Fisch war ein Gedicht und das Wässerchen dazu ebenfalls… Das Gelände ist eine typische Werft bzw. Handel und gleicht weniger einem Sportboothafen. Der Vorteil : Alles ist bewacht, Nachts bewachen neben einem ehemaligen russichen Armisten ein Rottweiler und ein deutscher Schäferhund das Gelände. Dies hat zur Folge das ein Verlassen der Steganlange nach 18.00 Uhr eher ungünstig wäre
Denn auf eine Begegnung mit einem der beiden Vierbeiner möchte ich lieber verzichten.
Am kommenden Tag will ich mir die Stadt ansehen. Kaliningrad ist häßlich, stinkig und es gibt ausser einem geschlossenen U-Boot Museum nichts zu sehen. Hinzu kommt meine Erkältung, die mir den Rest gibt und nach einem Stadtbummel in der Kaliningrader Plattenbau City kehre ich gegen 15.00 Uhr zum Hafen zurück. Wie die Russen so sind, ist es für Valentin Anlass genug ein Schwein zu grillen um sich so für den gestrigen Fisch erkenntlich zu zeigen. Wieder muss Alexej ran und den Grill anschmeissen. Es gibt einen der besten Schaschlik Spiesse die ich bis jetzt gegessen habe, das kann jedoch auch an dem dazugehörigen Wässerchen liegen
Da ich noch Sprit benötige und es noch Einkäufe zu erledigen gibt, wird Maxim zum Hafen beordert. Maxim ist Fischer und Taxifahrer. Viel wichtiger jedoch, er spricht perfektes Englisch und so können alle Erledigungen sehr schnell und unkompliziert realisiert werden.
Am Abend, ich liege bereits in meiner Koje höre ich vertraute Motorengeräusche und sehe raus. Die Happy Our mit Andrea und Karsten läuft ein und so gibt es noch ein Anlegebier und regen Erfahrungsaustausch über diese (wundervolle) Stadt.
Am kommenden morgen, Freitag den 22.4, will ich weiter. Raus aus Kaliningrad, raus aus Russland. Leider ist das nicht ganz so einfach denn erst einmal kamen die netten Kollegen der Russian Custom Control wieder auf mein Schiff. Diesmal waren 4 Personen auf meinem Schiff, zwei weitere haben mit geschulterter Kalaschnikow am Pier gestanden und das ganze beobachtet. Es folgten noch Fotos von meinem Schiff aus der Vorder-, Rück- und „jeder“ Seitenansicht. Nach 1 Stunde war der Spuk diesmal vorbei und ich durfte weiter.
Jedoch heisst weiter in russischen Gewässern nicht gleich weiter. Wie auf den Seekarten zu sehen, ist der gesamte russische Seeraum nördlich von Baltisk ein Meer voller Sperrgebiete
und ausgerechnet heute fahren die Russen dort ein komplett Manöver und haben alle Gebiete bis auf die 117 und 117A geschlossen. Für uns bedeutet dies aufkreuzen bei 3-7 Knoten Wind in einem 2 NM breiten Korridor und wehe, wehe wir kommen auch nur mit dem Bug in eine der Sperrzonen. Dann kommen so schnell wie man es kaum glauben mag russische Marineboote und über CH16 unheimlich laute, russische Aufforderungen ( denen ich nur das Wort jolago ! JOLAGO !! entnehmen kann ) asap meinen Kurs zu korrigieren.
So geht es die gesamte Nacht hindurch und immer wieder hört und sieht man Beschuss von Land und Seeseite. Das ganze fand ich ziemlich beängstigend und war sehr, ja sehr froh – als wir um 10.21 Uhr auf Position N 55°29´035´´und E 020°21´57,9´´Litauische Gewässer und somit wieder EU Gewässer unterm Kiel hatten. Dies hatte auch zur Folge das eine Seemeile nach passieren der Grenze über CH 16 die Litauische Coast Guard „sailing vessel in position…“ gerufen hat und mich nach Herkunft, Crewstärke, Nationality, Port of Registry und Zielhafen gefragt hat. Der Bitte, mich bei befahren des Klaipedischen Seekanals über Funkt zu melden komme ich gern nach.
Das Einklarieren in Litauen war sehr professionell und eher lustig, denn als erstes sind wir am Zollpier ( Pier 42 ) im Schlick stecken geblieben. Klasse, dann brauche ich wenigstens keine Festmacher und der Zollbeamte hat es ebenfalls mit Humor genommen. „No Problem, we can jump“ – was nach der Frage ob es ok sei, wenn sie an Bord kommen, sofort in die Tat umgesetzt wurde.
Einige Fragen zur Herkunft ( wobei die Jungs eher wissen wollten wie ich Kaliningrad fand und was für ein Schiffsty die jolago ist), Schiffsdokumente, Pass und die obligatorischen Fragen nach Alkohol, Zigaretten und Waffen. Fertig !
Einmal um die Ecke in den Kastellhafen und wir liegen sehr ruhig, sicher und in bester Gesellschaft in Litauen, welches mir seit dem ersten Moment ziemlich gut gefällt! Die Brücke zum Kastellhafen musste ich gemeinsam mit dem Hafenmeister öffnen, da sein zweiter Mann schon Feierabend hatte. Eine willkommene Abwechslung.
Heute werde ich mir erst einmal in Ruhe Klaipeda ansehen, Wäsche waschen und einige Reparaturen am Schiff machen, bevor es dann morgen im Laufe des Tages nach Nida geht.
Handbreit und Schoten dicht !
jolågo und Ingo
PS. Fotos der letzten Tage sind wie gehabt in der Rubrik Fotos zu finden
Kaliningrad im Rückspiegel
Thomas i.A. von Ingo:
Ingo der „Ensamseglare“ hat sich grad (11.30 h MESZ) telefonisch gemeldet: Er ist wohlauf.
Nach einer Ausklarierungsprozedur in Kaliningrad, die noch intensiver (vorgehaltene Kalaschnikow) war als die bei Einklarieren, hat Ingo nun die nicht sonderlich attraktive Stadt hinter sich gelassen und befindet sich mittlerweile wieder wohlauf in EU-Gewässern ca. 25-30 nm vor Klaipeda. Ingo geht’s bei leichten nordöstlichen Winden gut und er macht 3-4 kn Fahrt. Auf die Fortsetzung seines Reiseberichts dürfen wir mit Spannung, je nach Dauer der Einklarierung, spätestens morgen hoffen.
handbreit
Thomas
allein rund ostsee ? …
… seit heute nicht mehr
Heute Nachmittag sitze ich in der Marina, da kommt Karsten rein und checkt mit seiner Happy Our, einer gecharterten Hanse 342 ein.
Nachdem wir uns bekannt gemacht haben erzählt Karsten, dass er mit seiner Frau in diesem Jahr rund Ostsee segelt. Beide werden morgen noch nach Marienburg, bevor sie am Donnerstag nach Kaliningrad aufbrechen. Wir werden uns dann vermutlich in Klaipeda wieder sehen.
Karsten hat mir noch einen alternativen Tipp für Kaliningrad Innenstadt gegeben, ein bewachter Privathafen der einem Motorboothändler gehört und somit eine eventuelle Alternative zum Kaliningrader YC bietet.
We will see…
Handbreit und fair winds
jolågo und Ingo
good morning Gdansk…
…es scheint die Sonne und ich wache daher um 7.20 Uhr bereits ( voll ausgeschlafen ) auf. Der Blick aus dem Vorluk fällt direkt auf´s Krantor, dem ältesten Lastenhebekran in Europa.
Nachdem ich gestern früh bereits um kurz nach 8.00 Uhr die Gunst der Stunde, des guten Wetters und der Wehmut genutzt habe und Gdynia Kurs Danzig verlassen habe, klingelte bei der Hafeneinfahrt nach Danzig mein Telefon und Piotr war dran. „Bist du schon weg ?“ – „Ja, ich fahre soeben nach Danzig rein“ Schade, er wollte noch ein paar Steine hinter uns her werfen um uns anständig zu verabschieden
Daraus wurde nun leider nichts, denn Piotr hat auf Grund des vorabendlichen Essen und dem dazugehörigen, guten Wein erst einmal ausschlafen müssen.
Wir sehen uns jedoch in jedem Fall wieder !
Die Überfahrt von Gdynia nach Gdansk war sehr unspektakulär und wir konnten die 17,5 NM in gut 4 Stunden ( davon 1,5 Stunden unter Motor, da segeln im Seekanal von Danzig verboten ist ) ins Kielwasser bringen. Die Einfahrt erinnert mit dem Mahnmal auf der Westerplatte als erstes an den Beginn des zweiten Weltkrieg.
Von hier eröffnete das deutsche Linienschiff Schleswig Holstein am 1.9.1939 um 4.45 Uhr ( nicht wie es immer heisst 5.45 Uhr ), mit dem Angriff auf die Weichselfestung den zweiten Weltkrieg. Komisches Gefühl und Grund genug als einlaufendes Schiff die Nationale zu dippen.
Der weitere Weg führt uns an der Weichselfestung vorbei, welche heute als Museum dient und einen Yachtclub auf dem Festungsgelände beherbergt.
Vorbei an einer Reihe von alten und teilweise bereits modernisierten Industrieanlagen direkt in die historische Altstadt von Danzig. Eine sehr willkommene Abwechslung, auch wenn die letzten Meilen unter Motor zurückgelegt werden müssen.
Gegen Mittag machen wir in der Marina Gdansk, direkt gegenüber vom Krantor, mitten in der Altstadt fest und lassen uns die Sonne auf Bauch und Deck scheinen !
Danzig erinnert mich sehr stark an Lübeck, alle historischen Gebäude wurden größtenteils wieder originalgetreu aufgebaut und versprühen den Charme einer alten Hansestadt. Direkt gegenüber vom Hafen, zwischen dem Krantor und der Marina liegt die Speicherinsel. Die hier ehemals vorhandenen Gebäude werden in den kommenden Jahren in liebevoller Detailarbeit ebenfalls wieder errichtet.
Heute früh war ich voller Tatendrang und bin bereits um kurz nach 8.00 Uhr los um die Innenstadt zu erkunden. Fast menschenleer war es um diese Zeit und als ich um kurz vor 9.00 Uhr in der Marienkirche einer der ersten Besucher war habe ich mich durchgerungen am heutigen Tag den Turm der hiesigen Kirche als erster zu erklimmen.
Exakt 400 Stufen bis nach oben plus 9 weitere Stufen auf die Aussichtsplattform. Doch nicht erster… am oberen Ausstieg sitzt bereits ein Wächter, liest ein Buch und ich bin für einen Moment etwas erschrocken und habe ein paar Bilder von Quasimodo im Kopf… Der Blick von oben entschädigt allerdings für die Anstrengungen des Aufstiegs und die Angst, welche ich ( nicht schwindelfrei ) beim Aufstieg hatte. Erst einen sehr schmalen Gang, welcher gerade mal so breit ist, dass beide Ellenbogen die Wände berühren und dann im Glockenturm die riesigen Treppen, welche nur durch ein leichtes Geländer gesichert sind… NIX FÜR MICH
der ich sogar Angst habe auf ein Gerüst an meinem Haus hochzuklettern um den Giebel zu reparieren…
Der Blick entschädigt für alles und einen Moment lang vergesse ich sogar den Abstieg
Die Kirche an sich fasziniert mich total und bietet genügend Stoff für einen neuen Dan Brown Thriller. Denn überall sind Inschriften im Boden eingelassen, diese bieten viel Raum für neuen Dan Brown Stoff… . An einer Seite der Kirche hängt eine überdimensionale Uhr, die Astronomische Uhr von 1470, Wahnsinn was die alten Baumeister seinerzeit geschaffen haben. Ich fühle mich jetzt allerdings total hungrig und gehe vor dem weiteren Stadtrundgang erst einmal anständig frühstücken.
Die Innenstadt füllt sich jetzt ziemlich schnell und man trifft hier alle Nationen dieser Erde, ich schlendere weiter durch die Stadt und mache einige schöne Fotos. Zurück im Hafen werde ich die weitere Törnplanung vornehmen, das nächste Ziel ist die Enklave Kaliningrad und da das Wetterfenster für diese Woche passt werde ich morgen früh wohl weiter…
Der Aufenthalt in Kaliningrad ist bei Einreise mit einem Segelboot auf 72 Stunden beschränkt und somit werde ich spät. Donnerstag weiter nach Klaipeda. Vorher werde ich jedoch die Empfehlungen von Bastian annehmen und mich ausgiebig ins Kaliningrader Nachtleben stürzen…
Es wird spannend, da der Kaliningrader Yachtclub, mein Ziel in der Enklave, in keiner Karte verzeichnet ist. Ich habe lediglich die Koordinaten und eine ungefähre Anfahrtskizze…
Update folgt, allerdings frühestens aus Klaipeda und das ist voraussichtlich Ende der Woche erreicht…
Handbreit, fair winds und Schoten dicht
jolågo und Ingo
PS. Fotos der letzten Tage sind wie gehabt unter der Rubrik Fotos zu finden…
sail 2.0 …
… ja du hast richtig gesehen Thomas. Seit 9.16 Uhr heute früh liegt jolågo wieder am Steg ! – selbst beim segeln steht man heutzutage unter Beobachtung -
Zeigt aber auch das ich nicht in Kühlungsborn am hintersten Steg liege und Geschichten schreibe
Nach zwei sehr langen Tagen voller Arbeit, viel Humor und einer Nacht, die ebenfalls mit Arbeit versehen war, konnte heute früh gekrant werden und jolågo wieder ihrem Element übergeben werden.
Nachdem Piotr und ich gestern noch einige Dinge im Baumarkt eingekauft haben, konnten die letzten Arbeiten final erledigt werden. Im Baumarkt müssen wir ein Bild für Götter abgegeben haben, Piotr der BIG BOSS, normal gekleidet und ich der dreckig gekleidete deutsche Arbeiter, der kein Wort polnisch spricht und lediglich auf seine Anweisungen hin handelt ;) …
Den ganzen Tag und die ganze Nacht wurden die Stellen nach dem Auftragen und schleifen des Gelcoat´s in Abständen von 5 Stunden mit GelShield geprimert, bevor heute morgen das Antifouling aufgetragen wurde. Der Kranführer stand um 7.45 bereits mit seinem E Kart im Segelclub und sagte wir sollen anrufen wenn es losgeht !
Es gilt hinzuzufügen, dass der Kranführer ( heisst auch Piotr ) heute seinen freien Tag hat und extra für den Ausnahmefall jolågo in die Marina gekommen ist, den Kran angeschmissen hat und die kleine gekonnt dem Wasser übergeben hat !
Auf meine Frage was das extra kostet kam nur eine knappe Antwort : Seeleute helfen einander, da gibt es kein wenn und aber ! Gleiches habe ich übrigens auch von jedem im JKM GRYF gehört! Wann immer ich mich in irgendeiner Weise erkenntlich zeigen wollte, stieß ich eher auf böse Blicke. Von so viel Hilfsbereitschaft kann sich so manch deutscher Wassersportler eine gewaltige Scheibe abschneiden !
Als ich dann heute früh die von Piotr´s Boot geborgte Leiter wieder an ihren angestammten Platz zurückgestellt habe, konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen welchem Deutschen er die denn entwendet hat
…
Die Antwort kam ohne viel zu überlegen und ganz trocken : „Dem vor der Insel HEL gesunkenen deutschen Schlachtschiff Gneisenau“ … Natürlich stammt diese weder von der Gneisenau, noch wurde diese jemanden entwendet, eher sind es die Reste seiner Terasse
Apropos Insel und Hafen HEL : Man stelle sich eine abgekämpfte Segelcrew bei 27 – 30 Knoten Wind vor. Diese funkt unmittelbar vor GDYNIA – GYNIA Traffic Control an und erbittet Einfahrterlaubnis. Da der Hafen gesperrt ist kommt die klare Ansage “ Harbor is closed, go back to Hel(l)“… angeblich passiert .
Für heute Abend bin ich bei Piotr und seiner Frau zum Essen eingeladen, bevor ich dann morgen nach dem Ausschlafen für die 20 NM in Richtung GDANSK in See stechen werde. Wollen wir auf schönes Wetter und wenig Nebel hoffen. Denn Nebel hatten wir in den letzten Tagen mehr als genug.
Den Hafen aber insbesondere die Herzlichkeit im JKM GRYF werde ich in wunderbarer Erinnerung behalten und während meiner weiteren Tour immer wieder auf ein paar ( trotz des Anlasses ) schöne Tage zurückblicken.
VIELEN DANK AN PIOTR UND DEN JKM GRYF !!!
jolågo und Ingo. Wir haben uns sehr wohl gefühlt !!!!
Handbreit
Ingo
PS. Neue Fotos der letzten Tage sind jetzt ebenfalls online





















