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Archiv der Kategorie: Iron Lady
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Es sind manchmal die kleinen Dinge
Nun, mit Segeln haben wir grade weniger zu tun, dafür mehr mit Leben. Eine Marina ist für uns ungewohnt. Es ist off Season, kein Schwein hier. Noch nicht einmal der Besitzer und große Aufregung als wir ohne Vorankündigung einlaufen. Georg, der Schreiner hilft uns festzumachen und Mark der Sohn von William taucht auf, um die Gasflasche für das Warmwasser auszutauschen, den Internetrouter zu rebooten. Tja, so kann es gehen. Die Mädels sind dann wech in die Stadt, weil Lucia von der Kleiner Bär dringend einen Arzt braucht, ich mal ganz froh bin mit Lena alleine zu sein und Nathalie in der Ferne zu wissen und überhaupt waren wir jetzt einen Monat in der Einsamkeit, und es ist schon mal einen Steg zu haben, wo man einfach so an Land gehen kann. Wenn die kaputte Stromleitung dann auch wieder gehen würde, wäre alles prima. Lena und ich verbringen einen tollen Tag. Ich dusche, Lena badet, wir schneiden Möhren für die Pferde auf der Koppel und los´geht es. Die Pferde kommen nicht zu uns, also wir zu den Pferden. Im Gegensatz zu Maya ist Lena nicht feige! Wir verfüttern unsere Möhren also mitten auf der Koppel und als die drei Pferde uns dann umzingelt haben, war klar was die wollten. Mehr Karotten! “Wir haben aber keine mehr !”, sagt Klein-Lena, ich bekomme einen zarten Pferdebiss in den Hintern, aber den kann man auch nicht essen und so sind wir schneller wieder aus der Koppel raus, als wir reingekommen sind. War irgendwie klar.Ein Steg für die Lady
Marina Quinched
“Soft weather“ sagt man in Irland zu unserem derzeitigen Wetterzustand, klärt uns Ian von der Persimmon morgen auf dem Patagonia Cruisers Net auf. Passt perfekt, kein Wind, kein Regen, grau, hohe Luftfeuchtigkeit, man wird ganz weich in der Birne davon. Ohne Sonne kein weiterer Tag im Fjord war der gestrige Beschluß, also Anker auf und los. Nächstes Ziel Marina Quinched. 30 Meilen trennen uns von 220 Volt, heissem Wasser, Waschmaschine und Steganlage. 30 Meilen und 7 Stunden motoren durch graues, bleiernes Wasser. Fehlt nur noch der Weichspüler. Gegen fünf kommt die Steganlage in Sicht, zwei einsame Segelboote wackeln dort mit dem Heck, die gesamte Anlage ist wie ausgestorben. Wir finden Jorge, der gerade ein Ausflugsboot mit Lack bearbeitet und der zwar keinen Schlüssel für die Duschen, aber die Telefonnummer vom Jefe hat. Der Jefe heisst William, ist gerade 1500 km weiter nördlich, doch er kann seinen Sohn schicken, der uns mit WiFi, Strom und Wasser versorgt. Abends gibt es Bohnensuppe und Apfelkuchen auf der Lady und die übliche Lagebesprechung. Es ist gar nicht so einfcah immer 8 Leute bei der Tagesplanung unter einen Hut zu bringen und gerade wir sind das Buddysailing nun überhaupt nicht gewohnt. Fest steht, wir bleiben erstmal ein paar Nächte hier. Der Transport in die Stadt Castro ist ohne die hier lebenden Marinabesitzer zwar schwieriger, weil es keine direkte Busverbindung nach Castro gibt, aber das macht uns nichts. Wichtiger sind die Pferde auf der Weide und der Kinderspielplatz.In den Fjorden der Isla Chiloe verschwunden

Strömungen
Die LADY liegt ruhig vor Anker in den Gezeitenströmungen der Isla Chiloe. Diese sind recht heftig, bis zu 7 Meter liegen zwischen Ebbe und Flut bei Vollmond. Irgendwie scheinen die Strömungen unter der LADY das Traumland der Crew anzuregen. Alle träumen wildes Zeug und sehr intensiv. Auch am Tag rodelt es in meiner Birne, was das Zeug hält. Die CTRL Taste auf unserer Tastatur klemmt und man muss schon mal kräftig draufhauen. Hat wahrscheinlich mit der hohen Luftfeuchtigkeit zu tun. Im Kopf klemmt auch was. Das es dazu bedeckt ist, statt Sonne ist ja nun fast schon normal und gehört eben dazu. Gibt ja Dinge an die man sich gewöhnen kann. Etwas, was ich mir so nicht vorgestellt habe, ist der Spaß der Kinder am Bordleben. Wenn sich jemand über schlechtes Wetter freut, so sind es Maya und Lena, weil das nämlich heißt, dass wir in der Regel an Bord bleiben. Die Schule am Morgen mit Lehrerin Nathalie ist dann länger, am Nachmittag können sie in Ruhe spielen und spielen und spielen, Papa und Mama sind immer da und die Welt ist in Ordnung. Das wir eigentlich viel zu wenig Platz haben ist vollkommen egal. Und wenn Papa dann auch noch meint seinen Töchter das Löten von simplen Schaltkreisen beizubringen zu müssen, um kreative Sternbildlampen für die Kinderkoje zu basteln, dann ist der Tag perfekt. Wir haben verlegt. Mal wieder 15 Meilen nach Nord, zuckeln wir hinter der KLEINER BÄR hinterher, die auch einen Mercedes haben, aber mit 80 PS und nicht wie wir mit 40. Klingt auch ganz anders, obwohl sie ebenfalls eine Kühlschlange statt Wasser haben. Segelwind gibt es nicht, aber dafür einen wunderschönen View auf die Landschaft, die sanften Hügel von Chiloe. Die dramatischen Berge und Felsformationen der patagonischen Kanäle sind endgültig vorbei, die Grenze stellt der Golfo de Penas dar. Den aber haben wir ja nun schon weit hinter uns gelassen. Statt Felsen ist jetzt alles dicht bewaldet und bewohnt. Komisches Gefühl irgendwie. Aber es ist, wie Nathalie sagt, eben alles eine Sache des Sonnenscheins. „Wenn jetzt die Sonne scheinen würde, würdest Du sagen, dass Du wochenlang hierbleiben könntest…“ „Die Sonne scheint aber nicht!“, erwidere ich. Meine Frauen zuckeln los an Land um sich die Füße zu vertreten, ich bleibe an Bord um mir den Kopf zu waschen. So geht das. Die Zeit rennt, in drei Wochen sitzen wir fast alle schon im Flieger nach Deutschland und alle freuen sich. Diesmal besonders und sogar der Skipper, weil in Deutschland sollte mit ein bisschen Glück Sommer sein. Also Sommerurlaub. Oder etwa nicht? Nicht das es da dann auch regnet. Aber wäre auch egal. Familie und Freunde sind eh wichtiger.Der Armada entronnen

