Archiv der Kategorie: Iron Lady

Fort-Bewegung

Segeln

Heute Morgen noch Regen, versüßt sich der Tag mit einer leichten Brise. Uns soll es recht sein. Die Locals in Dalcahue haben uns zwischenzeitlich zwar eine Boje zugewiesen, was nun immer reizt um länger zu bleiben, doch gestern haben die Hexen ihr Werk getan. Leise vor mich hinpfeifend suche ich eine Stylingbude auf, sprich die Wolle vom Kopf muss runter. Eine Stunde später treffe ich Nathalie auf dem Spielplatz an der Kirche und die läuft laut schreiend weg. „Nun, issen bisschen sehr kurz geworden.“, meine ich zur Entschuldigung. Doch es hilft nix. Nathalie meckert den ganzen Tag über meinen MARINE HAARSCHNITT. Ich hab es einfacher, ich muss mich ja nun selber nicht ansehen. Heute lassen wir die Leine am Bug früh fallen und setzten die Segel. Halbwind. 10 Meilen, keine Welle und ansatzweise blauer Himmel. Hmm. So angenehm dahingeglitten sind wir schon ewig nicht mehr. Crusingwetter, Crusinglive… Wir treffen in Mechuque ein, ziehen den Anker zweimal durchs Kelb und finden dann glücklicherweise wieder eine dicke Fischermouring, die uns weitere Ankerversuche erspart. Ein letztes Mal treffen wir uns heute Abend mit der KLEINER BÄR. Abschied. Unsere Wege werden sich jetzt trennen. Die segeln nach Hause, nach Neuseeland, wir fliegen in zwei Wochen nach Deutschland, die LADY bleibt hier und wird auf uns warten. Bisschen traurig bin ich grade schon. Zwei Kilo frischen Lachs und einen Sack Muscheln werden wir jetzt gleich alle zusammen verzehren. Abschiedsessen.

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Herbstzeit

Und Muscheln in Weißwein

Dalcahue heißt unser nächstes Ziel, denn in der kleinen Stadt soll es einen Schwimmsteg mit Tankstelle geben. Keine Kanister schleppen, kein Taxi organisieren, kein lästiges Umfüllen. Mit der auflaufenden Tide motoren wir unsere 15 Seemeilen nach Nord und kommen kurz vor Hochwasser in Dalcahue an. Zusammen mit der „Kleiner Bär“ gehen wir an einem Fischerboot längsseits. Wie immer funktioniert hier nichts ohne Bargeld, Diesel über die Kreditkarte? Pustekuchen. Unsere Barschaft reicht fast für die komplette Tankfüllung: 347, 348, 349, Stopp. Doch auf einmal kommt der Sicherheitsbeauftragte der Mole, 8000 Peso pro Boot, ca. 12 Euro, sind zu zahlen für das Aufnehmen von Diesel. Hätten wir das mal vorher gewusst. 8000 haben weder wir, noch die kleinen Bären, muss also später erledigt werden. Glücklicherweise sind wir in Chile, und so kommt keiner auf die Idee, uns wegen der fehlenden Zahlung aufzuhalten. Ein paar hundert Meter weiter ankern wir. In Dalcahue soll es spuken, Hexen, Zauberer, Meerespferde und Schweineschlangen soll es geben. Alles Fabelwesen der chilotischen Mythologie. Die Kinder bewaffnen sich zur Sicherheit vor dem Landgang mit Hexenbesen und Zauberstäben, man kann ja nie wissen. Wir vertäuen das Dinghi am Schwimmpier und klären unsere offene Rechnung mit der Frage nach der nächsten ATM. Es ist eindeutig Herbst in Chiloe, schon am Sonntag haben wir Brombeeren und Fallobst unter dem Apfelbaum gesammelt, Pilze sprießen an jeder Ecke. In den ländlicheren Gebieten dominiert der immergrüne Regenwald, doch hier in der Stadt finden wir Birken, Obstbäume, Ahorn und Pappeln mit goldenem Herbstlaub. Feuchtigkeit liegt in der Luft, in den Schaufenstern hängen Fleecejacken und Schneeanzüge. Es gibt einen gutsortierten Supermarkt, doch uns haben es die kleinen Läden angetan. Die Eisenwarenhandlung, in der man auch einzelne Bleistifte und Radiergummis kaufen kann, die Fleischereien und Gemüseläden, die Bäckereien, die fast immer auch alles andere verkaufen, da es hier meist nur eine Brotsorte zu kaufe gibt, mit der man anscheinend nicht seine Brötchen verdienen kann. Das Restaurant am Hafen ist geschlossen, dafür verkaufen sie Muscheln: Venusmuscheln, Miesmuscheln, Scheidenmuscheln, Unmengen von Muscheln. „Gibt es hier keine Marea Roja mehr?“ fragt Maya, die immer gerne auf Nummer Sicher geht. Nein, keine Marea Roja, endlich ist der Genuß von Schalentieren wieder erlaubt. Hatten wir uns auch schon gedacht, denn im Gegensatz zu den patagonischen Kanälen, haben wir seit 100 Seemeilen keine einzige mehr auf den Steinen wachsen sehen, alle abgeerntet. Bei einem Preis von 80 Cent pro Kilo muss man allerdings nicht lange nachdenken oder selber sammeln gehen, 2 kg wandern in den Rucksack und später am Abend mit Zwiebeln und Butter in eine Flasche Weißwein, köstlich. Hexen und Zauberer haben wir keine gesehen, lag vermutlich an den Zauberstäben.

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Verlegt

So, wir haben unsere Schrittweite wieder angepasst.

Heute ist Geburtstag von Lukas. Lukas ist der Jüngste von der KLEINER BÄR. Elf Jahre wird er alt und er ist fast schon um die Welt gesegelt. Von hier bis Neuseeland wird er auch noch schaffen. Inzwischen haben sich die vier jungen Piraten ja gut angefreundet und so wird am Vormittag gefeiert und weiter zum nächsten Ankerplatz fahren wir mit vier Kindern. Laut, können Maya und Lena ja schon gut, jetzt wird es richtig laut. Ich verdrücke mich ins Cockpit, bugsiere den Bug der LADY durch Lachs und Muschelfarmen der Insel Chiloe bis zum nächsten Ankerplatz. Marina war ja mal ganz nett, doch für eine Liegeplatz 15 Euro am Tag zu bezahlen sind wir ja nun gar nicht mehr gewohnt. Auch wirklich nicht ernsthaft notwendig, auf der Insel Chiloe gibt es auf jeder Insel genügend Ankerbuchten. Ein wunderschönes Crusingrevier.

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Brainstorming

What’s up in your mind?

Ein normaler Tag endet, doch was ist den eigentlich normal? Normaler Wahnsinn, normaler Arbeitstag, normaler Sonntag. Ein Brainstorming ist ein Sturm im Gehirn, zugleich eine kreativer Abklatsch von verschiedenen Ideen am Konferenztisch einer Werbeagentur. So was vergisst man eben sein ganzes Leben nicht. Einmal Werber, immer Werber. Ne Johann? Ne Lars? Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Werber, die diese Zeilen lesen. Wir hatten mal wieder einen schönen Wintersonntag. Die Tage in der südpatagonischen Einsamkeit sind noch nicht vergessen. Chiloe ist schon ein bisschen komfortabler vom Wetter her. Wir erholen uns grade auch wenn wir immer noch weiter und weiter müssen. Die Entscheidung Puerto Montt ist quasi gefallen. Ich habe dann in Facebook schon mal meinen Wohnort dort angegeben. Ob mich jemand besuchen kommt? Unwahrscheinlich. Puerto Montt ist quasi eine Stadt, aber nicht zu viel Stadt, Valdivia ist in der Nähe erreichbar und überhaupt wollen wir hier noch ein bisschen mehr segeln, es gibt noch so viel zu sehen, kennenzulernen. „Chile tut gut“, ist also mein Vorschlag zum Claim. Morgen werde ich erst einmal den Antrag losschicken dass die LADY hier länger bleiben darf, dass geht jetzt für ein Jahr, was aber nicht für uns gilt, wir müssen regelmäßig das Land verlassen. Na, Argentinien ist nicht weit und somit ist das kein großes Problem. Ja, wir mögen Südamerika. Hmm. Ich muss noch nen bisschen über den Claim nachdenken.

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