Archiv der Kategorie: Iron Lady

Wochenend und Regen


Wochenend und Regen

UW Schiff abkratzen

Uns LADY. Die gute alte Dame. Bekommt ja mächtig viel Liebe im Moment. Ist ja auch sonst keiner da und dringend nötig ist es auch. Während meines Deutschland Aufenthaltes, haben sich die Fische, Krill und Co. und die Seepocken des Unterwasserschiffs bemächtigt. Damit war dann gestern Schluss. Während Paulo noch drinnen am Schaffen war, bin ich mit einem riesigen Plastikspachtel ums Boot gehechtet und habe das Unterwasserriff vom Bootsrumpf abgetrennt. Ohne Pressluft aus der Flasche bin ich das ja gar nicht gewohnt. Geht aber auch. Einziger Nachteil, durch den Schnorchel kommt man in Kontakt mit dem Dreck, also auch mit dem umherschwebenden Antifouling. Gesund kann das also nicht sein. Von Antifouling kann man heutzutage eh nicht mehr sprechen. Seit dem die Giftstoffe da drin weitestgehend verboten sind, wächst es schon fleißig nach drei Monaten am Rumpf, früher hatte man zwei Jahre Ruhe.

Bald darauf verlegen wir mal wieder einen kleinen Schritt weiter nach Angras, unserem eigentlichen Etappenziel. Das Wetter ist weiterhin total geil und die LADY macht jetzt wieder 5 Knoten bei Marschfahrt, statt 3,8 mit dem ganzen Gerümpel und bei 2500 Touren sogar 6,5 Knoten, wenn es dann mal notwendig sein sollte. Gut zu wissen. Wir sind ein ganzes Stück weiter und ich schaue mir schon mal jeden Tag die Detailkarten an, für den Schlag nach Buenos Aires und habe das Wetter schon mal abonniert als GRIB File. Das geht dann alles doch viel schneller, als gedacht. Da bin ich mir sicher.

Am Abend ankern wir in der „Praia do Dentista” = “Strand der Zahnärzte”. “Was bedeutet, das hier am Wochenende 50 Powerboote nebeneinander am Strand vor Buganker mit Heckleine liegen”, erklärt mir Paulo. O.K. Dann ist ja wohl die beste Zeit nach Angra zu fahren am Wochenende folgere ich.

Dann verliere ich Haushoch im Backgammon gegen Paulo. Hmm. Nicht schön. Meine Pechphase seit dem letzten Freitag den 13ten hält weiter an.

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Traum & Strände


Traum & Strände

Decksputzen

Die alte Story stimmt eben doch. „Alles klar zum Decksputzen!“ Paulo bekommt eine meiner alten Zahnbürsten in die Hand gedrückt und los geht es. Meine alte Lieblingscrew hatte nämlich zum gemeinschaftlichen Abschiedsputzen keine Zeit, wegen dringlicher anderer Termine, so muss das nun eben Paulo und ich machen.

Über Sailmail kommen die Koordinaten für Saco de Ubatuba. Langsam nähern wir uns den vier gelben Fahnen von den Ali von der MUKTUK geschrieben haben. Eine kegelförmige Boje, dem alten Steg am nächsten und dann glauben wir unseren Augen nicht. An einer Boje sprudelt das Wasser in die Höhe, wie in einem kleinen Springbrunnen. „Hey!“ An der Boje ist schnell festgemacht und schon kommt ein Local mit ner Lancha an und reicht uns zwei lange Schläuche an, die an der Boje dran sind. Einer zum Füllen der Tanks und einer zum Deckswaschen. „Geld?“ „Nö, das Wasser fließt ja sonst eh ins Meer. Ihr könnt unsere Duschen benutzen. Bar und Restaurant sind im Moment geschlossen.“ Etwas verdutzt steht Paulo da, so viel brasilianische Freundlichkeit ist ihm nun doch selten vorgekommen, gibt er ehrlich zu. „Rio-Ilha Grande. Zwei Welten, sechzig Meilen voneinander entfernt“, meine ich dazu.

Paulo ist erst einmal die Reinigung eines Joghurtbechers gewohnt. Er spritzt alles einmal ab mit Süßwasser. Als er dann sieht, wie ich im Cockpit die Bodenbretter hochhebe und alles peinlich sauber mache mit Scheuermilch und Co., da erkennt er den Ernst der Lage und geht noch mal nach von Vorne anfangen. Ohne Aufforderung. Und so wie es seine Art ist, nimmt er es dann sehr Ernst. Nach zwei Stunden sind wir fertig. Die LADY sieht aus wie neu. „DANKE! Paulo.“ Schon verschwindet die Sonne hinter dem Berg und die Mücken kommen in Schwärmen und fallen über ihr Abendessen her. Jetzt aber nix wie wech hier.

Passion Men

An der Ilha Longa fällt der Anker auf zehn Meter. Wir sind alleine. Kein Wochenende und Off-Season. Nachts wird es kalt und wir genießen die letzten Stunden im Cockpit. Paulo ist ein Geniesser und somit zeigt er mir etwas vollkommen neues, die Passionsfrucht. Gibt ja Sachen, die kennt man eben nicht. Und was der Bauer nicht kennt… Sieht glibberig schleimig mit Kernen drin. Er schneidet am Kopf eine dünne Scheibe ab, ein Löffel mit Zucker und einen kleinen Schuss Cacaça. „Voilà!” Und das Leben kann eben doch so angenehm sein. Passion Fruit ist genau der richtige Name für diese leckere Frucht mit dem erotischen Beigeschmack der für Stunden anhält. Paulo und ich haben viel Spaß. Ich erkläre ihm, dass immer ein halber Tag der LADY gehört, also von Putzen über Reparieren zu Pflegen und der andere halbe Tag den Abenteuern. Außer beim Segeln, da wir gesegelt was das Zeug hält. Da hat man eh kein Bock was anderes zu machen, wenn das nicht grade sein muß. Jedenfalls meist nicht. Ich nicht.

Das mit den heftigen Träumen und nächtlichen Abarbeiten von Problemen, Ängsten, Erfolgen und Wünschen, auf dem Boot habe ich schon immer gebhabt. Das muss an der Bewegung der LADY im Wasser liegen. Ich kann mich erinnern, dass eine gute Freundin von mir eine alte Mühle in der Eifel hatte. Dort habe ich gar nicht schlafen können. Wasseradern unter dem Haus. Ich habe geträumt und geknirscht, geschnarcht und geröchelt das sich die Balken gebogen haben. Nun, so schlimm war es letzte Nacht nicht. Bin nur wieder irgendwann wach geworden mit den wirrsten Gedanken im Kopf. Geht schon.

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Rauf und Runter


Rauf und Runter

Segeln!

Paulo und ich hatten einen Heldentag. Bis Mittag schlief Paulo seinen Mir-ist-ein-bisschen-komisch-Schlaf, wir sitzen brav im Cockpit und dann gab es wie bestellt, Ostwind von hinten. Und das nicht zu knapp. Bis zu 25 Knoten mit steiler See auf flachen Gewässern. Wie geil ist das denn? Segeln nach Ilha Grande. Hier wo es selten mal überhaupt Wind gibt. Dazu als Geschenk des Himmels! Blue Sky und Sonne. Nach den wackeligen Tagen des Warten auf Wind im Yachtclub wie ein Orgasmus. Paulo jauchzt vor Spass an der Pinne und Gustav der Autopilot hat nix zu tun. Skipper und Crew haben Spass daran die Wellen runter zu rauschen. So ein Wetter will ich haben um nach Argentinien zu segeln! Wunschzettel!

Sailmail und MAC

Mail von Lars! Immer öfters bekomme ich Fragen zur e-mail Kommunikation an Bord. Deshalb veröffentliche ich mal die Antwort an Lars:

Lars!

“Hab auf der Ironlady-Site gelesen, dass Du ne ganze Weile unterwegs sein wirst. Wir machen gerade Pause in D und Lalina steht in Olhao/Faro an Land. Ein ganz wichtiger Punkt ist mir der Umstieg auf meinen geliebten Mac. Die Erfahrung mit meinem Panasonic und überhaupt der ganze Dosenkram hat’s gezeigt: ich will das nicht mehr! Wie können wir Airmail/Seamail jetzt auf Mac umbauen, bzw. wo bekomme ich die Mac-Version? Muss ich sonst noch wichtige Punkte berücksichtigen?“

Ja, ich bleibe jetzt erst mal auf der südlichen Halbkugel und werde viel segeln. Schön. Ne?

“Hab dir ja schon erzählt, dass ich die Navigation mit den Navionics-Apps auf dem iPhone mache. Werde das ganze jetzt noch aufs ipad übertragen und dann sollte es noch komfortabler werden.“

Mir geht der Dosenkram auch mächtig auf die Eier. Ich habe grade einen LunaPC von Lunatronic mit Windows 7 auf der LADY installiert. Bei mir war der Beweggrund, dass ich es nicht ertragen kann, wenn meine wechselnde Crew ihre e-mails auf meinem MacBook schreibt. Auf dem LunaPC, ohne Lüfter und auf 12 Volt, der fest im Schapp installiert ist, läuft nur Airmail-PACTOR-SSB, Navigation, AIS und Tidenprogramm. Da kann die Crew auch Ihre Mails schreiben und wenn das Ding abstürzt mach ich nen Restore mit ner externen Platte. Wenn die Tastatur kaputt geht wegen Salzwasserfinger und so weiter, dann interessiert mich das auch nicht. Ne neue kostet 2 Euro 90.

Meinen Kram mach ich aufm MacBook 15″. Genau, wie ich Dir jetzt schreibe.

Ich habe auch zwei Jahre lang nur mit dem MacBook gearbeitet. Die Programme Airmail und andere Marinesoftware gibt es nur für Windows. Am besten Du installierst dann Parallels. Das erlaubt Dir Windows 7 unter MACOS zu installieren. Du kannst Dir dann Airmail und andere Dosensoftware so installieren, dass Du ein Start-Icon auf dem MAC hast. Wenn Du dann Airmail startest, wird erst Parallels und Windows7 im Hintergrund gestartet. Wenn Dein Modem Bluetooth hat, kannst Du das auch mit Initialisieren. Dann erscheint Airmail, sogar im MacLook. Das ganze dauert dann halt ein paar Minuten, funktioniert aber stabil. Du kannst MacMail sogar sogar konfigurieren, dass es dann Airmail als Server benutzt. Es ist möglich, dass Du Deine Firmenmails, so über Sailmail schickst, dass der Empfänger nicht Deine Sailmailadresse als Absender sieht, sondern Deine Firmenmailadresse. Innerhalb dieser Konfiguration kannst Du auch Deinen Firmenaccount mit Airmail von See aus abfragen, so dass Du eine Liste bekommst mit allen Absendern und Betreffs und Größe! Dann kannst Du Dir aussuchen welche dieser Mails auf eurem Firmenserver Du über Sailmail auf dem Boot haben willst, welche Du direkt löscht. Mail mit Attachment empfängst Du natürlich ohne. Das Original kannst Du aber auf dem dem Firmenserver lassen um es dann später bei Internetanschluss komplett empfängst.

Alle Mails, die ich jetzt grade schreibe, schicke ich nachher über das Bootseigene WLAN an den Airmail POP3/SMTP Server auf dem LunaPC und die verlassen dann bei der nächsten Airmail Verbindung über den Einwahlknoten Chile das Boot. Siehst Du meinem Mail aber nicht an, dass ich grade in einer einsamen Bucht auf Ilha Grande sitze. Muss ja auch nicht jeder wissen. Oder? :-)))

Ich denke mal, dass diese Beschreibung auch für andere interessant ist und werde sie mal im Logbuch veröffentlichen.

Lieben Gruss an Dich und an Gabi

Biste in Faro gelandet. Cool. Wann geht es denn weiter?

Dauersonnenschein?

So toll, wie es vielleicht aus sieht ist es aber gar nicht. Gestern hab ich wieder nen Mail aus Deutschland bekommen, dass das Finanzamt Geld von mir haben will, womit ich gar nicht gerechnet hatte, das ich definitiv grade nicht im Socken habe. Ehrlich gesagt, hat mir das eine schlaflose Nacht gemacht. Rauf und runter halt. Das ändert sich auch nicht, wenn man segeln geht. Schlimmer noch, es wird eigentlich schwieriger, weil man erstmal mehr Zeit hat drüber nachzudenken und/oder sich zu ärgern, zweitens wesentlich schlechter darauf reagieren kann und drittens, es viel schwieriger ist das Problem einfach zu lösen idem man einfach mal schnell nen anderes Business startet. Hmm. Der Skipper hat Stirnrunzeln auf der Stirn. Ich schwimm mal ne Runde ums Boot. Vielleicht hilft das.

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Under Way


Under Way

Making Way

Um Vier hat es mich aus der Koje gehauen. LADY hat sich bei No-Wind quer zum Schwell gestellt, der in die Marinabucht gelaufen ist und Stehaufmännchen gespielt „Halleluja!“ Motor an, Mouring los und weg hier. „Mann o Mann“

Paulo ist gestern Abend noch an Bord gekommen. Vorher waren wir in einem wirklich günstigen Supermarkt einkaufen. So nen Auto in Rio zu haben ist wirklich much better. Wir stehen grade ne Meile querab zu Playa Ipanema und motoren noch mit Stützgroß. Aber das gibt sich. Ich bin pretty sure, dass wir gleich den Motor ausmachen können, sobald die Sonne den Horizont erreicht hat. Ich bin froh das ich nicht alleine den Weg machen muss und hab Paulo an die Pinne gesetzt. Den Weg kennt er ja, er hat ein eigenes Boot hier und segelt die Strecke schon seit dreißig Jahren. Könnte ich eigentlich noch nen bisschen in die Koje gehen, nach dem Stehaufmännchen Theater der LADY vorhin.

Ziel ist Ilha Grande und dann später am Wochenende Angras dos Reis. Neue Batterien braucht die LADY und noch ganz viel anderes. Viele Kleinigkleiten machen die Baustelle auch groß. Aber vorher noch nen paar Tage Entspannung. Auf Ilha Grande gibt es frisches Wasser aus den Bergen und Paulo will mir noch seine geheimen Paradiese zeigen, die nicht so oft angelaufen werden. Soll er mal machen. Paulo und ich verstehen uns prima. Mal schauen was der Tag so bringt.

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