Archiv der Kategorie: Iron Lady

Zurück in die Kanäle

Und wieder ausgebremst

Schweren Herzens ziehen wir heute Morgen unseren Anker aus dem Schlick in Puerto Consuelo und machen uns auf den Weg zurück in die Kanäle. Für heute Nacht und morgen früh ist eine kurze Schwachwindphase vorhergesagt, die wir dringend brauchen, um die letzten 20 Meilen unseres Umwegs zurückzusegeln. Und wenn wir diese Phase nicht nutzen, befürchten wir, dass wir hier in den nächsten Monaten hängenbleiben. Nach dem gestrigen zwei Stunden Ausritt über Land wäre den Kindern das sicher recht. Dick eingepackt in sämtliche warmen Klamotten, die wir besitzen, sind wir gestern mit Carlos über das Gelände der Estancia in Richtung Berge geritten und haben einen Überblick darüber bekommen, wie weitläufig und riesig das patagonische Inland ist. Die Eberhard Estancia gehört eher zu den kleinen Gütern, in Richtung Norden gibt es Schaffarmen die sich über ein Gelände von 100.000 Hektar erstrecken, unvorstellbar. Doch Rudi, die Estancia und die gut aufgeräumte Werkstatt liegen nun 25 Meilen achteraus. Die Hälfte des Golfo Almirante Montt haben wir geschafft und uns nun hinter einer kleinen Insel versteckt. Vor der Schwachwindphase bläst es noch einmal ordentlich, kaum haben wir den Golf erreicht bekommen wir von Regen über Hagel bis Schnee alles geboten. Unser nächstes Ziel ist mal wieder die trickreiche Enge, die erste Stillzeit am Nachmittag haben wir verpasst und nehmen wir uns die nächste am späten Abend vor. Laut Wetterbericht soll der Wind in den nächsten zwei Stunden abflauen, das perfekte Zeitfenster für die Enge. Unsere Mägen sind gefüllt mit patagonischem Lammeintopf, es kann also wieder losgehen.

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Zurück im windigsten Paradies der Welt

Bei Rudi Eberhard

Das Baro fällt wieder. Von 1006 hpa auf 994 hpa und das in weniger als ein paar Stunden. Zeit für eine Landleine, es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Böen von 50 Knoten uns auf die Seite legen, doch wir liegen schon auf zwei Meter Tiefe, gute hundert Meter weit weg vom Strand. Bis dort wird es immer flacher. Es bläst jetzt schon und der Außenborder ist kaputt. Säuft immer ab. Mit letzter Kraft schafft er es so grade eben mich an Land zu bringen. In Puerto Consuelo (Hafen des Trosts) liegt die erstgegründete deutschstämmige Estancia Eberhard von Puerto Natales (Nathalies Hafen). Die 12 Meilen von Puerto Natales konnten wir gestern locker hierhin motoren. Ein paar Tage Ruhe wollen wir uns gönnen. Um neun Uhr morgens haben wir aber noch einen Termin an der Fischermole. Nicht grade der beste Platz um Diesel aus dem Tankwagen zu bunkern, aber der einzige. Also keine Wahl. Bei dem typischen N-NW Wind hier ist dieser Platz an der Außenmole nicht haltbar, das kommt man zwar hin, aber nicht mehr weg und die Wellen drücken einen gegen die Pier. Am frühen Morgen können wir Glück haben und haben es. Nach einer Gewitterwolke mit ordenttlich Wind wagen wir die zwei Meilen auf die andere Seite, machen fest und rufen den Tankwagen an. Der kommt auch schnell und mit dem Schlauch, der mehr für große Fischerboote geeignet wäre, sind der Tank und die großen 60 Liter Kanister an Deck in 10 Minuten voll. Zahlen und nix wie weg, bevor um 10 Uhr der NW wieder mit 25 Knoten und mehr einsetzt. Uns fällt ein Stein vom Herzen, ein Problem weniger. Auf dem Weg zum Puerto Consuelo sehe ich rosa Fischerbojen, doch bei genauerem Hinsehen, entpuppen sich die Fischerbojen als rosarote Flamingos. Flamingos? Die hatte ich eher in den Tropen erwartet. Weiße Schwäne, zu hunderten mit schwarzen Hälsen und Köpfen laden zu einer Dinghytour ein. Mit ein Grund warum wir hier sind: Rudi. Rudi Eberhard repariert Außenborder, das was mir nicht gelungen ist. Rudi holt mich ab und in seiner deutschguten, organisierten, ordentlichen Werkstatt (Kann so etwas über mehrere Generationen vererbt werden?) nimmt er sich den Vergaser vor. Dauert nen bisschen, weil Rudi das a) sehr ordentlich macht und b) auch schon einundsiebzig Jahre Lebenserfahrung hinter sich hat. Ich darf zuschauen und wenn ich nicht behauptet hätte, dass die Benzinpumpe in Ordnung wäre hätte er den Fehler genau dort auch viel früher gefunden! Wnuk! Ein kleines Ventilkügelchen von 1,5mm hat sich in seine Andruckfeder gedrückt. Außerdem hat Rudi etwas in seiner Werkstatt, was zur Reparatur eines Vergasers unbedingt notwendig ist. Druckluft. Der Vergaser hatte Wasser abbekommen über den Tank, an dem der Deckel einen kleinen Riss hat und dort ist Regen reingelaufen, weil Benzinkanister stehen bei uns alle draußen und nicht drinnen und weil es so so geregnet hat. Puh. Natahlie hat dann direkt die Aufgabe bekommen ein Verhüterli aus Canavas zu schneidern, für den Deckel mit dem Riss. Jetzt ist Schluss mit Wasser im Tank. Rudi ist glücklich, will kein Geld, stellt der ganzen Familie auch noch sein Badezimmer zur Verfügung und füttert die beiden blonden Mädchen mit Schokolade. Für alle ein Erfolg und als das Verhüterli dann endlich fertig ist, lege ich mitten in der Nacht in einer Windblasruhepahse noch schnell eine hundert Meter Leine auf die große Festmacherboje in der Bucht, weil auf dem GPS sieht man, wie wir wirklich langsam unseren Bügel durch den Schlamm ziehen. Huhuibuuh! Die Grib Files zeigen für Ende der Woche eine SW/No-Wind/W Entwicklung an. Das ist unsere Chance hier auch wieder wegzukommen und einen ordentlichen Schlag nach Nor zu machen. Schade. Eigentlich könnte ich bei Rudi für ein paar Wochen ein Praktikum machen und endlich mal alles über Außenborder lernen. Ehrlich, kein Aprilscherz.

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Provianteinkäufe

Stadtleben

Heute Morgen um halb zehn werden wir von Dina abgeholt um unsere Verproviantierungseinkäufe zu erledigen. Seit immer mehr Segler in Puerto Natales einen Stop einlegen, um entweder die Gegend zu erkunden oder ihre Vorräte aufzufüllen, übernimmt Dina für einen korrekten Preis den Shuttleservice in die Stadt. Wir laden säckeweise Dreckwäsche und unsere leeren Gasflaschen ein und los geht es durch die Pampa. Greifvögel sitzen am Wegesrand auf den Zäunen der Estancias oder schmausen auf der Straße frisch erlegte Kaninchen. Kühe, Schafe und Pferde grasen rechts und links und in der Ferne locken die schneebedeckten Berggipfel. Es ist eisigkalt heute, doch die Sonne scheint, das Barometer ist um weitere 10 hp gesunken, wir sitzen mitten im Zentrum einer dicken Depression. Über Mail erreichen uns Nachrichten einer befreundeten Yacht, die 50 sm weiter westlich seit drei Tagen festsitzt, wir verpassen also nichts. In Puerto Natales bekommt man so ziemlich alles, was man braucht und so vergeht der Tag mit Provianteinkäufen. Die Gasflaschen werden gefüllt, wir besorgen kiloweise frisches Gemüse, Obst, Käse, Wurst und wundern uns mal wieder, wieviel so eine vierköpfige Familie essen kann, wenn man in kalten Gewässern unterwegs ist. Praktischerweise sind wir hier nicht auf unseren Minikühlschrank angewiesen, denn die Bilge mit 5 Grad Wassertemperaturkühlung von unten, hat sich als Kühlschrank wunderbar bewährt. Im Gegensatz zu Ushuaia, wo es keine Alternative zu den großen Supermarktketten gibt, können wir hier unsere Kartoffeln und Eier wieder in den kleinen einheimischen Läden besorgen und finden statt Legebatterieeier endlich mal wieder bunt gescheckte Eier von glücklichen, maisgefütterten Hühnern direkt vom Bauernhof. Auch die deutsche Ostertradition hat sich hier in Chile festgesetzt, so dass der Bootsosterhase tatsächlich Schokoladeneier und Schokoosterhasen verstecken kann, wo auch immer das sein wird. Mitterlweile sind die Einkäufe verstaut, die Gasflaschen angeschlossen und es bläst wieder ordentlich. Wir hoffen auf gutes Wetter morgen um die Gegend entweder zu Fuß oder zu Pferd weiter erkunden zu können, bevor es am Donnerstag wahrscheinlich zurückgeht in die windigen Kanäle.

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Zurück im windigsten Paradies der Welt

Bei Rudi Eberhard

Das Baro fällt wieder. Von 1006 hpa auf 994 hpa und das in weniger als ein paar Stunden. Zeit für eine Landleine, es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Böen von 50 Knoten uns auf die Seite legen, doch wir liegen schon auf zwei Meter Tiefe, gute hundert Meter weit weg vom Strand. Bis dort wird es immer flacher. Es bläst jetzt schon und der Außenborder ist kaputt. Säuft immer ab. Mit letzter Kraft schafft er es so grade eben mich an Land zu bringen. In Puerto Consuelo (Hafen des Trosts) liegt die erstgegründete deutschstämmige Estancia Eberhard von Puerto Natales (Nathalies Hafen). Die 12 Meilen von Puerto Natales konnten wir gestern locker hierhin motoren. Ein paar Tage Ruhe wollen wir uns gönnen. Um neun Uhr morgens haben wir aber noch einen Termin an der Fischermole. Nicht grade der beste Platz um Diesel aus dem Tankwagen zu bunkern, aber der einzige. Also keine Wahl. Bei dem typischen N-NW Wind hier ist dieser Platz an der Außenmole nicht haltbar, das kommt man zwar hin, aber nicht mehr weg und die Wellen drücken einen gegen die Pier. Am frühen Morgen können wir Glück haben und haben es. Nach einer Gewitterwolke mit ordenttlich Wind wagen wir die zwei Meilen auf die andere Seite, machen fest und rufen den Tankwagen an. Der kommt auch schnell und mit dem Schlauch, der mehr für große Fischerboote geeignet wäre, sind der Tank und die großen 60 Liter Kanister an Deck in 10 Minuten voll. Zahlen und nix wie weg, bevor um 10 Uhr der NW wieder mit 25 Knoten und mehr einsetzt. Uns fällt ein Stein vom Herzen, ein Problem weniger. Auf dem Weg zum Puerto Consuelo sehe ich rosa Fischerbojen, doch bei genauerem Hinsehen, entpuppen sich die Fischerbojen als rosarote Flamingos. Flamingos? Die hatte ich eher in den Tropen erwartet. Weiße Schwäne, zu hunderten mit schwarzen Hälsen und Köpfen laden zu einer Dinghytour ein. Mit ein Grund warum wir hier sind: Rudi. Rudi Eberhard repariert Außenborder, das was mir nicht gelungen ist. Rudi holt mich ab und in seiner deutschguten, organisierten, ordentlichen Werkstatt (Kann so etwas über mehrere Generationen vererbt werden?) nimmt er sich den Vergaser vor. Dauert nen bisschen, weil Rudi das a) sehr ordentlich macht und b) auch schon einundsiebzig Jahre Lebenserfahrung hinter sich hat. Ich darf zuschauen und wenn ich nicht behauptet hätte, dass die Benzinpumpe in Ordnung wäre hätte er den Fehler genau dort auch viel früher gefunden! Wnuk! Ein kleines Ventilkügelchen von 1,5mm hat sich in seine Andruckfeder gedrückt. Außerdem hat Rudi etwas in seiner Werkstatt, was zur Reparatur eines Vergasers unbedingt notwendig ist. Druckluft. Der Vergaser hatte Wasser abbekommen über den Tank, an dem der Deckel einen kleinen Riss hat und dort ist Regen reingelaufen, weil Benzinkanister stehen bei uns alle draußen und nicht drinnen und weil es so so geregnet hat. Puh. Natahlie hat dann direkt die Aufgabe bekommen ein Verhüterli aus Canavas zu schneidern, für den Deckel mit dem Riss. Jetzt ist Schluss mit Wasser im Tank. Rudi ist glücklich, will kein Geld, stellt der ganzen Familie auch noch sein Badezimmer zur Verfügung und füttert die beiden blonden Mädchen mit Schokolade. Für alle ein Erfolg und als das Verhüterli dann endlich fertig ist, lege ich mitten in der Nacht in einer Windblasruhepahse noch schnell eine hundert Meter Leine auf die große Festmacherboje in der Bucht, weil auf dem GPS sieht man, wie wir wirklich langsam unseren Bügel durch den Schlamm ziehen. Huhuibuuh! Die Grib Files zeigen für Ende der Woche eine SW/No-Wind/W Entwicklung an. Das ist unsere Chance hier auch wieder wegzukommen und einen ordentlichen Schlag nach Nor zu machen. Schade. Eigentlich könnte ich bei Rudi für ein paar Wochen ein Praktikum machen und endlich mal alles über Außenborder lernen. Ehrlich, kein Aprilscherz.

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