Monatsarchive: September 2017

Fünf Törns

Nomade in Trizonia

Das gab es schon lange nicht mehr. Ganze 5 Tage in Folge war ich mit Nomade unterwegs und habe von Trizonia bis Chalkida 182 Seemeilen zurückgelegt. Ich habe es zwar nicht genau nachgerechnet, aber das könnte neuer Sonnensegler-5Tages-Rekord sein.

Bevor es in Trizonia los ging, habe ich meinem Rücken soviel Pause gegönnt wie möglich. Ich denke, es wird langsam wieder besser. Zumindest nehme ich keine Schmerzmittel mehr. Lässt sich aushalten.
Die Pause war auch ganz gut, um sich mit anderen Crews auszutauschen. Wegen Starkwind war der Hafen voll und alle waren zum abwarten gezwungen. Direkt neben Nomade lag die Motoryacht „Deda“, die von Skipper Hakan und seinem besten Kumpel Sedat von Italien in ihre Heimat, der Türkei, gebracht wird. Ich bin in diesen Tagen öfters bei den Beiden. Bekomme von Hakan, der ziemlich gut fischen kann, zwei sehr leckere Fische geschenkt und habe jeden Abend das Privileg, zum Essen an Bord eingeladen zu werden. Auch Altan ist mit zu Gast. Falls ihr euch noch erinnert, Altan hatte ich im Mai bereits auf Trizonia getroffen. Leider ist er mit seiner Segelyacht wegen technischer Probleme nicht weit gekommen und wieder zurück auf die Insel. Wir sind zufällig fast zeitgleich hier angekommen.
Und so vergehen lange gute Abende an Bord der Deda…

An Bord der Motoryacht Deda: Hakan, Sedat, Altan, Nico

Aber am 23. September früh morgens mache ich erneut die Leinen los. Etwa eine halbe Stunde nach der Deda, verlässt auch Nomade die schöne Insel. Ziel ist Kiato, im östlichen Teil des Golfs von Korinth, nicht weit entfernt vom Kanal.
Toller Segeltag, mit viel Sonne, einem Delfin und endlich, ja endlich einem Autopiloten, der zuverlässig steuert. So zuverlässig, dass ich irgendwann immer mal wieder für 10 Minuten die Augen zu machen kann, während Nomade sauber ihren Kurs hält. Gelungen ist das, durch eine erneute Änderung der Lage und Einbauposition der Steuereinheit. Ich habe in Trizonia nochmals sehr lange verschiedene Möglichkeiten ausprobiert und mit dem Handpeilkompass eine noch bessere Stelle mit wenig Ablenkung im Magnetfeld gefunden.
Zuvor hatte ich alle Etappen permanent von Hand gesteuert, was Einhand ziemlich zermürbend sein kann. Auf diesem Törn konnte ich dagegen sogar unterwegs Hefeteig zubereiten und daraus Pizzabrötchen backen. Was für ein Luxus.

In Kiato

Also kam ich in Kiato, nach etwa 40 Seemeilen, ziemlich entspannt an. Hakan und Sedat waren bereits lange vor mir dort und während Sedat mir mit den Leinen geholfen hat, kam Hakan gerade mit der guten Nachricht aus der Stadt zurück, dass gleich ein Tankwagen mit Diesel vorbei kommen wird.
Ich nutze nach dem Tanken gleich noch die Chance und fahre mit meinem Faltrad zum Lidl um die Ecke, um den Proviant aufzustocken.
Abends sitzen wir wieder zusammen an Bord der Deda und essen gemeinsam.

24. September, drei Monate vor Weihnachten (musste mal gesagt werden):
Die Motoryacht Deda verlässt etwa eine halbe Stunde vor Nomade den Hafen, mit Ziel Korinth Kanal. Gerade als ich dabei bin die Leinen zu lösen, klingelt das Handy. Hakan teilt mir mit, dass er umgedrehen musste. Eine der beiden Maschinen ist heiß gelaufen.
Ich lege ab und kurze Zeit später begegne ich auch schon den Beiden. Ich kann leider nichts für sie tun. Die andere Maschine läuft noch ganz normal. Und so fahren Hakan und Sedat zurück nach Kiato, während Nomade weiter in Richtung Kanal motort. Später stellt sich heraus, dass bei der Deda ein Teil des Kühlsystems verstopft war.
Etwa eine Seemeile vor dem Kanal melde ich mich für die Passage per Funk an. Antwort „Der Kanal ist gesperrt! Fahren Sie in den Hafen Korinth oder gehen Sie vor Anker. Melden Sie sich um 1400 nochmal für weitere Anweisungen!“
Da war ich bedient und bin schlecht gelaunt in Richtung Hafen getuckert. Gerade diesen Hafen wollte ich eigentlich nicht nochmal besuchen.
Ich hatte trotzdem Glück, denn in dem kleinen Hafen war noch ein Platz an einem der beiden Schwimmstege frei. Also Leinen vorbereiten, Fender raus, Ruder nach Steuerbord drehen, Ruder ein Stück zurück drehen, Ruder hin und her drehen, merken dass da kein Ruder mehr ist was sich dreht!
Ok, erstmal ne Leine auf den Steg werfen. Ich hatte Glück, dass dort ein anderer Segler stand, der Nomade an den Steg gezogen hat.
Nachdem alle Leinen fest waren, erstmal einen Kaffee und sacken lassen, was da gerade in den paar Minuten passiert ist. Ein riesiges Glück war das! Wäre der Kanal nicht wegen technischer Probleme gesperrt gewesen, dann wäre das Ruder exakt dort ausgefallen.
Nach dem Kaffee habe ich mir zuerst den Ruderquadranten angeschaut und siehe da, der Hydraulikzylinder hatte keine Verbindung mehr zum Ruder. Die Kontermutter war offenbar nicht richtig angezogen und so hat sich die Schraubverbindung Stück für Stück gelöst, bis es irgendwann keine Verbindung mehr gab. Die Reparatur war denkbar einfach.
Als das erledigt war, bin ich zum Kanal geradelt, um zu schauen was dort los ist. Es hatten sich in der Zwischenzeit eine ganze Menge Schiffe vor der Einfahrt angesammelt. Eine ganze Weile war ich dort und gegen 18 Uhr hat man den Kanal wieder für die Schifffahrt frei gegeben. Zu spät für mich und den geplanten Törn. Also bin ich in Korinth geblieben und habe noch einmal das Palaver im Hafen ertragen. Diesmal wurde Nomade nicht geentert. Gegröle, laute Musik auf dem Schwimmsteg und scherzhaftes Anklopfen am Rumpf bis etwa 0 Uhr haben allerdings auch gereicht.

Ruderausfall: Das gehört eigentlich zusammen!

25. September
Nach einer sehr kurzen Nacht, mache ich noch vor Sonnenaufgang die Leinen los und melde mich kurz nach dem Ablegen für die Kanalpassage an. Gerade mal 10 Minuten muss ich warten, dann wird die Brücke im Meer versenkt und der Kanal für Nomade, den Katamaran Moondoggie und ein kleines Motorboot frei gegeben.
Man liest oft, wie spektakulär doch diese Kanalfahrt sei. Manchmal wird gar vom Highlight schlechthin gesprochen. Ich muss sagen, ich kann das nicht nachvollziehen. Er ist ein interessantes Bauwerk, keine Frage. Für kaum mehr als 3 Seemeilen Kanalfahrt mit Nomade blecht man allerdings sage und schreibe 208 €. Es wird erwartet, dass man Gas gibt, damit die Passage schnell für die Gegenrichtung frei gegeben werden kann.Vielleicht redet sich manch einer diesen Kanal auch so spektakulär schön, weil er es als teuerster Kanal der Welt schlicht sein muss, um diese Gebühren irgendwie zu rechtfertigen. Französische Kanäle gefallen mir persönlich jedenfalls weitaus besser.
Nach der Bezahlung auf der anderen Seite, vergesse ich das was hinter mir liegt jedoch sehr schnell und kann nach einer Weile sogar Segel setzen. Witzigerweise wird aus dem gemeldeten Nordwind, Südwind gleicher Stärke. Ja, der Wind in Griechenland ist launisch. Passt heute trotzdem für mich. Ich kann zumindest über weite Strecken motorsegeln und komme zügig vorwärts.

Eine kurze Flaute wird für Luftaufnahmen mit dem Quadrokopter genutzt.

Geplant hatte ich bis in eine Bucht am südlichen Zipfel von Attika, kurz vor dem Kap Sounion. Da ich allerdings gut eine Stunde früher vor dem Kap bin als erwartet, beschließe ich das gute Wetter auszunutzen und kurz vor Sonnenuntergang noch das Kap zu runden, auf dessen Anhöhe seit der Antike ein Tempel des Meeresgottes Poseidon steht. Das war für mich eines der Highlights in Griechenland! Kurz bevor die Sonne untergeht um dieses Kap zu segeln, das für Seefahrer seit tausenden von Jahren eine wichtige Bedeutung hat. Bereits lange vor dem Jahre 0 der christlichen Zeitrechnung sind Seeleute aus dem gesamten Mittelmeerraum an diesen Ort gekommen, um Poseidon im Tempel ein Opfer zu bringen und um eine gute Überfahrt zu bitten.
Für mich war die Umrundung heute einfach. Zwar haben sich nicht weit entfernt im Norden bereits Gewitter gebildet, aber ich schaffe es noch vor dem auffrischenden Wind in den gut geschützten Hafen von Lavrion. Direkt neben den Booten der Küstenwache finde ich noch einen Platz und docke Nomade zum ersten Mal Einhand Rückwärts mit Heck- und Mooringleinen an. Hat wunderbar geklappt und die anfängliche Nervosität war völlig unnötig.
Leinen fest nach 62 Seemeilen. Neuer Rekord für Nomade und mich.

Kap Sounion

26. September
Ich starte wieder früh morgens. Vor dem Hafen steht spürbar mehr Seegang als gestern Abend und es bleibt mir nichts anderes übrig, als gegen Wind und Wellen zu motoren. Nur noch wenige Tage, bis der angekündigte Sturm aufzieht. Wenn das passiert, will ich bereits weiter weg von hier sein.
Dieser Tag ist regelrecht langweilig, wenn man einmal vom Ausfall des AIS absieht. Hier segelt niemand mehr, absolut nichts los auf dem Wasser. Und so fährt Nomade unter Autopilot zuverlässig mit knapp 5 Knoten nach Norden, bis in eine gut geschützte Bucht im östlichen Golf von Euböa. Hier gibt es einen kleinen Ort mit Stadtanleger. Ich gehe bei dem auffrischenden Wind jedoch lieber vor Anker. Nomade ist in dieser Nacht das einzige Segelboot in der Bucht.

27. September
Weiter geht’s, diesmal bereits im dunkeln. Auf dem heutigen Törnplan steht Chalkida, die Hauptstadt von Euböa, genau zwischen dem westlichen und östlichen Golf von Euböa gelegen. Dort will ich den Sturm gut geschützt abwettern.
Da heute Nordwind vorhergesagt ist, will ich zunächst die Flaute am frühen Morgen ausnutzen, um ein Stück nach Norden zu motoren, statt auf direktem Kurs nach Chalkida zu fahren. Ich erwarte eine Ablenkung des Windes im Golf auf Nordwest und will deshalb etwas Nord motoren, um dann hoch am Wind nach Westen zu segeln. Ich machs kurz: Aus dem gemeldeten Nordwind wird Flaute. Den ganzen Tag! Unglaublich!
Spektakulär wird es gegen Mittag trotzdem noch, als ich von Backbord kommend ein schnelles Motorboot bemerke. Ich denke mir zunächst nichts dabei. Das Motorboot wäre ausweichpflichtig. Trotzdem beobachte ich den schnellen schwarzen Flitzer. Nach einer Weile werde ich nervöser. Die Peilung steht und das Ding ist wirklich schnell. Es kommt genau im 90° Winkel auf Nomade zu. Kurz vor dem möglichen Zusammenprall werden aus dem einen plötzlich sechs Boote! Schnelle RIBs, die bis dahin so exakt und dicht hintereinander her gefahren sind, dass ich nur eins erkennen konnte. Die Boote schwärmen jetzt seitlich aus und bilden eine Formation, weiterhin mit vollem Speed auf Kollisionskurs mit Nomade. Jedes RIB ist voll mit Soldaten, Navy Seals, Special Forces, oder was weiß ich. Alle in schwarz und schwer bewaffnet. Keine Ahnung was für ein Kaliber, aber ich schaue aus etwa 50m genau in die 6 Gewehrläufe der vordersten Reihe. Da habe ich die Kamera dann lieber doch wieder runter genommen. Aber ein paar Sekunden vorher konnte ich ganz coole Aufnahmen machen.
Also stehe ich da und gucke. Der Herr Navy Seal guckt auch. Sonst nix. Gewunken haben sie nicht. Sind einfach nach einer Weile wieder abgedreht.
Sehr interessant fand ich, wie schnell das alles ging und wie gut die 6 Boote durch die Fahrweise getarnt waren. Vom ersten Sichtkontakt bis sie da waren sind keine 2 Minuten vergangen. Und das bei absoluter Flaute. Mit etwas mehr Bewegung auf der Wasseroberfläche hätte ich sie vermutlich erst unmittelbar vorher bemerkt.

Am frühen Nachmittag lasse ich in dem Ententeich von Chalkida den Anker fallen. Der Hafen ist voll mit Dauerliegern. Ententeich ist nicht abwertend gemeint. Diese Lagune ist einfach so gut geschützt, dass man hier selbst bei Sturm sicher wie im Ententeich ankern kann.
Der Hügel im Norden, die Stadt und die Bäume am Ufer lassen kaum noch Wind hier ankommen. Während man auf der kleinen Brücke im Ort fast wegfliegt, dümpelt Nomade gemütlich auf 9m Wassertiefe und zieht nicht einmal nennenswert am Anker. Nur ab und zu schafft es eine Sturmböe um die Ecke. Dann pfeifft es für ein paar Sekunden im Rigg, Nomade neigt sich leicht und bevor sie am Anker ziehen kann, ist die Böe auch schon wieder weg.
Hier kann man es also gut aushalten, während nordöstlich von hier in der Ägäis an einer Messtation im Meer Windstärke 11 registriert wurde!
Nur die Batterien gehen so langsam in die Knie. Seit 3 Tagen keine Sonne mehr und einen Windgenerator habe ich leider noch nicht.

In Chalkida

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Stromaufwärts

Boatmovie über das Kennenlernen zweier Brüder

Wetter-Kapriolen

Und nochmal schnell aus Norwegen. Sitze gerade vor den Grib-Files für die kommenden Tage und staune. Aber schaut selbst …



America’s Cup: Warum Italiener und Kiwis das Rad neu erfinden wollen

Alinghi

Sie tun es wirklich. Die neuen America’s Cup-Hüter vdrehen die Zeit zurück. Als hätte es zehn Jahre Innovation im Segelsport nicht gegeben. 2020 wird wieder mit großen Einrumpf-Yachten um die alte Kanne gesegelt. Weiterlesen

Bergen & Treffpunkt Fehmarn

Menschen, Menschen, Menschen. So mein erster Eindruck als ich in Bergen an Land gehe. Gestern abend um kurz nach sechs war ich hier. Hinter mir lagen gute 40 Seemeilen quer durch die schönen Schären und Sunde Südnorwegens. Der Wind blies wie schon die letzten zwei Tage auch sehr böig aus Südost. Das machte die ganze Angelegenheit doch etwas tricky. Denn während ich auf den freien Wassern doch besser segeln konnte als gedacht, stand in den Nord-Süd-verlaufenden Sunden der steife Wind meist genau auf der Nase. Ergo musste ich dort wohl oder übel mal wieder die Hilfe von „Volvi“ in Anspruch nehmen. Der macht aber seine Sache gut und so kommen wir realtiv gut voran. Die letzten zehn Meilen bis nach Bergen kann ich dann wieder segeln. Ich mache das vorsichtshalber nur mit der gerefften Genua, denn alle paar Minuten wird die plötzliche Windstille durch eine brachiale Boe abgelöst, die uns fast in den Wind schiessen lässt. Hätte ich da das Groß noch mit draußen, wäre der Autopilot ruckzuck am Limit und unser Kurs in die Gegenrichtung verkehrt. Ohnehin läuft Carpe selbst nur mit der verkleinerten Genua noch gute 5 Knoten. Bald kommt Bergen in Sicht. Eine schöne Stadt die ich bereits von einem früheren Besuch kenne. Besonders die typischen hölzernen Hansehäuser am Hafen sind auffallend. Der Hafen ist doch ganz gut besucht und so mache ich erst mal an der Hauptpier direkt an einer der Hauptverkehrsstraßen fest. Hier ist es laut und jede Menge Leute laufen durch mein „Wohnzimmer“. Außerdem ist der Stromanschluß so weit entfernt, dass ich selbst wenn ich alle meine Kakbel miteinander verbinden würde nicht genug Länge hätte. Also verhole ich mich an die mittlere Pier. Dort ist viel ruhiger, wenn auch hier viele Leute die ungewohnt warmen Temperaturen genießen. Der Rest des Abends ist dann mit der üblichen Bordroutine, etwas zu essen und ein wenig Lektüre schnell verbracht. Außerdem beauftrage ich per Mail einen Mechaniker, morgen bei Carpe einen Ölwechsel zu machen. Das hat sich der Motor redlich verdient und so will ich ihm ein wenig Wellness gönnen. Der Termin ist dann einfacher vereinbart als gedacht und um zehn Uhr will der Marina-Mann kommen und loslegen.

Heute morgen rappelt dann in aller früh mein Handy mit einer Mail des Handwerkers. „Um Missverständnissen vorzubeugen, der Termin muss bei uns außerhalb von Bergen statffinden. Ansonsten können wir den angebotenen Preis nicht halten“, schreibt er. Dabei hatte ich ihm gestern klipp und klar gesagt wo ich hinfahre und auf ihn warten werde. Jetzt will er plötzlich den doppelten Preis für seine Dienste. Der spinnt wohl. Ich lehne dankend ab und beschränke mich auf ein Lob für den Motor. Die letzten Tage wird er das Kind sicher auch so noch schaukeln. Mann , Mann, Mann …

Heute Vormittag drehe ich dann ne ausgedehnt Runde durch die Stadt. Es ist wirklich sehr sehr schön hier. Auch ein Ausflug auf den Floyen steht auf dem Programm. Ähnlich wie in Alesund kann man hier nämlich den „Hausberg“ erklimmen, um von dort eine grandiose Aussicht auf Stadt und Umgebung zu bestaunen. Gott sei Dank gibt es hier aber eine Bahn zum Gipfel und ich muss nicht schon wieder meine schweren Kadaver den steilen Weg hinaufwuchten :-).

Jetzt sitze ich im Cockpit, entspanne etwas in der Abendsonne und schreibe ein paar Zeilen. Eben war ich noch duschen, was auch ein ganz schöner Akt war. Denn man braucht einen Code für das hiesige „Servicecenter“. Der steht aber komischerweie nicht auf meiner Bezahl-Quittung. In der Tourist-Info kann man mir nicht helfen. Also rufe ich den Hafenmeister an, der mir das große Geheimnis schließlich verrät. Der Code lautet: 2017. Na da hätte ich auch so drauf kommen können. Als ich dann frisch geschniegelt zum Steg zurückkomme dreht eine norwegische Yacht ein paar Kringel. Die ältere Dame plärrt zu mir herüber, ob ich denn nicht mal ein bißchen Platz machen könnte, damit sie anlegen können. Die Lücke ist zwar auch so groß genug, aber freundlich wie ich nun mal bin, verhole ich Carpe ein Stück nach vorne. Dann kommt der Großmeister des Segelsports mit seiner 39er Hanse angedüst und knallt mir dabei fast wieder mal in den Windpilot. Nur die Heckleine die ich schnell von seiner Reling gegriffen und auf einem Poller belegt habe verhindert schlimmeres. Es dauert dann noch eine Weile bis das Team das Boot tatsächlich fest hat. Mir steht derweil der Angstschweiß auf der Stirn. Das wäre fast das dritte mal gewesen, dass mir irgendein Hirsch ins Boot fährt. Ich will ja nicht zu viel Klugscheißen, aber es gibt doch echt ne erschreckend große Menge Leute, die keinen Schimmer von dem haben, was sie da veranstalten und so regelmäßig sich und andere gefährden. Das geilste ist allerdings die Frau des Skippers, die mich anschließend sogar noch anmotzt, warum ich denn nicht norwegisch mit Ihnen reden würde. Ich glaub echt ich krieg nen Fön. Erst mache ich denen Platz, helfe beim Anleger und verhindere eine Kollision und muss mir dann noch son Senf anhören. Have a nice day …

Noch was Wichtiges: Heute habe ich endlich die Zusage vom „Cafe Sorgenfrei“ auf Fehmarn für unser Meet & Greet am 21. Oktober bekommen. Cool !! Das ganze findet also dort und nicht wie ursprünglich angekündigt im Sailors Inn statt. Das „Cafe Sorgenfrei“ hat in Burgtiefe zwei Lokale. Einmal draußen an der Zufahrt zum Hafen und einmal direkt am Rundsteg vom Yachthafen Burgtiefe. Und genau dort sind wir; am Rundsteg. Dort werde ich dann auch irgendwo anlegen. Essenstechnisch wird eine Kleinigkeit vorbereitet für die man dann je nach Hunger und Gustor nen kleinen Obulus in die Sammelbüchse werfen kann. Getränke latzt wie üblich jeder selbst. Ich freu mich schon.

Also dann .. schon wieder Zeit ans Essen zu denken. Ahoi !

„Große Enttäuschung“

Alain Maignan

Der Franzose Alain Maignan wollte auf seiner Fahrtenyacht gegen den Wind um die Welt, wie einst Wilfried Erdmann, doch wenige Tage nach dem Start gab er auf