Monatsarchive: Juli 2016

Ex-„Uca“ nach Felskollision gekentert

Minis gekentert, 30 Juli 2016, Schweden, Maja: <p>
	Ausschnitt aus der schwedischen Berichterstattung von Hamnen.s</p>

Im Schwedischen Schärengarten hat die Brenta 60 „Minnic“ nach Kollision mit einem Felsen ihre Kielbombe verloren. Die Crew ist in Sicherheit

„Oman Air“ gewinnt im Hamburger Hafen

Extreme Sailing Series 2016: <p>
	Extreme Sailing Series: 3. Regatta 2016 in Hamburg</p>

Dritter Saisonsieg in Folge: „Oman Air“ hat Act 3 der Extreme Sailing Series in Hamburg vor „Alinghi“ und dem Red Bull Sailing Team gewonnen

Norwegen: Menschen am Meer. Oder: Der 82jährige im Glashaus.

Im Folgenden der Versuch, die Menschen an dieser Küste, ihre Charaktere durch die Ausblicke zu beschreiben, die sie sich jeden Tag verordnen.
Schönes oder Nicht-so-Schönes: Natürlich ist meist reiner Zufall, worauf unser Blick den lieben langen Tag fällt. Aber was unsere Behausungen angeht: Da schaffen wir uns das, worauf wir schauen, schon selber. Mit Folgen. Versuchen wir also, die Menschen, die an der Südostküste Norwegens leben, durch das zu beschreiben, was sie durch ihre Fenster hindurch jeden Tag sehen. Begleiten Sie mich also auf meinem Nachmittags-Spaziergang über den Südwesten der Insel Skåtøy. Ein Spaziergang, während dem ich leiser. Und leiser wurde. Weil die Ausblicke sich steigerten, faszinierender und faszinierender wurden. Wie der letzten Satz einer Symphonie.

Das Sommerhaus.


Beginnen wir unsere Wanderung also in einem Sommerhaus – so einem, wie es viele Menschen hier besitzen, die im zwei Stunden entfernten Oslo der Arbeit wegen leben. Die meisten von ihnen kennen die Insel aus Kindertagen, als sie mit Eltern oder gar schon Großeltern hier auf der Insel Skåtøy die Sommerferien verbrachten. „Zehkappen-ab-Ferien“, nennt der Bewohner dieses Sommerhauses die glückliche Art, wie sie als Kinder die nicht endenden, Astrid-Lindgren gleichen Ferien verbrachten. Weil vom wochenlangen Barfußlaufen auf den Felsbuckeln, auf den Wiesen die Zehkappen eigentlich immer irgendwie angescheuert, verletzt waren. Und die Erinnerung an diese Ferien – die ist in dem, was man vor den Fenstern sieht, immer noch präsent. Es gehört zu den beeindruckendsten Erlebnissen meiner fünf Tage, vier Nächte dauernden Reise an die norwegische Küste, wie die Menschen, die ich kennenlernte, in dieser Natur leben. Sich in ihr bewegen. Auch auf dem Meer. Oder in ihren Arbeitsplatz schöne Ausblicke integrieren.

Der Bootsbauer.

Von außen ist seine Werkstatt im südwestlichen Winkel der Insel Skåtøy eine Ansammlung der typischen ochsenblutroten Häuser. Wo er arbeitet und kleine Holzbänke („Birger’s Bank“, nach seinem Vater benannt) und kleine Holzboote baut, ist von außen nicht eben hübsch. Etwas windschief stehen die drei alten Schuppen da. Dafür ist dann aber das, was sich dem Auge von Inneren zeigt, weit spannender. Eine Hobelbank, die einen phantastischen Ausblick auf die Bucht draußen bietet. Während der Meister also hobelt, kann er den Blick Sommer wie Winter schweifen lassen über die Bucht, wo zwischen den Felsbuckeln alle paar Tage vielleicht ein neuer Kunde auf seinem Boot aufkreuzt. Und den Bootsbauer um Rat, um Hilfe bittet.

In der Werkstatt gibt es nette Winkel. Zum Beispiel die Ecke mit den alten Werkzeugen, die noch genutzt werden. Den alten Handbohrern. Den Sägen. Den Zangenschlüsseln, die merkwürdig geformt sind, weil Bootsbauer Reidar Braatø – oder früher sein Vater Birger – eine Vorliebe für Zangenschlüssel aus amerikanischer Produktion zu haben scheinen. Der Plan eines Holzbootes – es ist das Holzboot, das alle hier segeln seit 60 Jahren, das, was mich hierher geführt hat, eine Kragerø-Terne, hängt in diesem Stilleben, als hätte es ein holländischer Meister genau an dieser Stelle hier in sein Bild gepinnt.

Eine Wand über der Werkstatt, an der nicht mehr genutztes Werkzeug hängt. Hobel. Handbohrer. Eine alte Schraubzwinge, von der man mindestens zwanzig bracht, um die frisch gehobelte Lärchenholzplanke an einem Bootsrumpf einer Terne zu befestigen. Nein, der Rundgang durch die Werkstatt von Reidar Braatø durch seine „Trebaatbyggerie“, seine Holzbootwerft berührt mich besonders. Zumal Reidar Braatø aus gesundheitlichen Gründen dabei ist, sich von all dem zu trennen.

Der 82jährige im Glashaus.

Es dauert eine Weile, bis man das „Glashuset“, den rundum verglasten Freisitz des 82jährigen auf dem Gipfel der Klippe erreicht. Jeder, der unten regelmäßig zwischen den Felsbuckeln vorbeisegelt, kennt das Glashuset. Es ist nicht groß: Vielleicht 10, 15 Quadratmeter. Nach drei Seiten hin ist es verglast und drinnen – steht nicht viel. Genau genommen gar nichts. Zwei gemütliche Korbstühle. Ein französisches Fernrohr von 1880, als noch Menschen, nicht Maschinen Linsen schliffen und ein Blick über die Weite der Bucht noch ein leibhaftiges Wunder war. Im leeren Kamin eine Handvoll weißer Kerzen. Zwei Buddelschiffe an der Wand. Und doch ist dieser Ort, den der 82jährige jeden Tag aufsucht, ein besonderer Ort. Ob man sich je an diesem Anblick sattsehen könnte? Ob man dessen je überdrüssig werden könnte? Ich weiß es nicht. Ich glaube es nicht.

Am schönsten sei es hier, zu übernachten, wenn im Winter der Sturm um das Glashuset heult, erzählt der Neffe des 82jährigen. Für sie als Kinder sei das immer ein großes Abenteuer gewesen. Es wäre auch für mich ein Abenteuer – noch heute. Noch in dieser Nacht unter der Holzdecke zu schlafen, die Meerblau gestrichen ist. Und mir vorstellen: Wie die Möwen im Sturm drumherum streichen.
























Das Geheimnis des alten Holzstadels.

Sie sieht aus von außen, wie Häuser, alte Stadel in Norwegen nun mal aussehen. Alt. Und sehr rot. Wenig deutet darauf hin, was einen erwartet, wenn man die alte Auffahrt, auf der die Fuhrwerke Heu transportierten, hinaufgeht. Und die Tür öffnet. Denn dann:

Eine Holzdecke, die ein Maler aus Dankbarkeit bemalte, weil der Großvater des jetzigen Besitzers ihn ein halbes Jahr in der Scheune wohnen ließ, irgendwann in den zwanziger Jahren. Und wiederum ist alles alt und schlicht und einfach. Vielleicht ist die Kunst zu Leben ähnlich wie die des Fotografierens: Eine Kunst, die darin besteht, zu reduzieren. Zu erkennen, was alles man weglassen könnte. Wegzulassen, was ein Bild stört. Weil es nicht das ist, worauf es ankommt.

Nein, es stimmt schon, was mein Freund Andal einst schrieb. „Kluge Menschen leben dort, wo ihre Sehnsüchte genährt werden.“

Wenn ich nun etwas sagen müsste über die fünf Tage und vier Nächte, die ich in Norwegen verbrachte, etwas, was diese Menschen den anderen Menschen Europas unbedingt mitteilen sollten, damit dies Europa ein interessanter Ort ist und keiner, den man abwählt, dann dies:

Die Geschichte, die mir Trond erzählte, aus seiner Kindheit. Als er zehn Jahre alt war, sagte seine Mutter zu ihm: „Nimm die große Motorkogg. Fahr über die Bucht. Und hol Deinen Vater vom Festland ab.“ Das ist fast 50 Jahre her. Trond hat es nicht vergessen. Mich beeindruckt, wie die Menschen, die ich kennenlernte, ihre Boote handhaben, was für ein fabelhafter Erzieher das Meer, die Natur sein kann, wenn man sie nur heranlässt. An sich.

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Norwegen: Menschen am Meer. Oder: Der 82jährige im Glashaus.

Im Folgenden der Versuch, die Menschen an dieser Küste, ihre Charaktere durch die Ausblicke zu beschreiben, die sie sich jeden Tag verordnen.
Schönes oder Nicht-so-Schönes: Natürlich ist meist reiner Zufall, worauf unser Blick den lieben langen Tag fällt. Aber was unsere Behausungen angeht: Da schaffen wir uns das, worauf wir schauen, schon selber. Mit Folgen. Versuchen wir also, die Menschen, die an der Südostküste Norwegens leben, durch das zu beschreiben, was sie durch ihre Fenster hindurch jeden Tag sehen. Begleiten Sie mich also auf meinem Nachmittags-Spaziergang über den Südwesten der Insel Skåtøy. Ein Spaziergang, während dem ich leiser. Und leiser wurde. Weil die Ausblicke sich steigerten, faszinierender und faszinierender wurden. Wie der letzten Satz einer Symphonie.

Das Sommerhaus.


Beginnen wir unsere Wanderung also in einem Sommerhaus – so einem, wie es viele Menschen hier besitzen, die im zwei Stunden entfernten Oslo der Arbeit wegen leben. Die meisten von ihnen kennen die Insel aus Kindertagen, als sie mit Eltern oder gar schon Großeltern hier auf der Insel Skåtøy die Sommerferien verbrachten. „Zehkappen-ab-Ferien“, nennt der Bewohner dieses Sommerhauses die glückliche Art, wie sie als Kinder die nicht endenden, Astrid-Lindgren gleichen Ferien verbrachten. Weil vom wochenlangen Barfußlaufen auf den Felsbuckeln, auf den Wiesen die Zehkappen eigentlich immer irgendwie angescheuert, verletzt waren. Und die Erinnerung an diese Ferien – die ist in dem, was man vor den Fenstern sieht, immer noch präsent. Es gehört zu den beeindruckendsten Erlebnissen meiner fünf Tage, vier Nächte dauernden Reise an die norwegische Küste, wie die Menschen, die ich kennenlernte, in dieser Natur leben. Sich in ihr bewegen. Auch auf dem Meer. Oder in ihren Arbeitsplatz schöne Ausblicke integrieren.

Der Bootsbauer.

Von außen ist seine Werkstatt im südwestlichen Winkel der Insel Skåtøy eine Ansammlung der typischen ochsenblutroten Häuser. Wo er arbeitet und kleine Holzbänke („Birger’s Bank“, nach seinem Vater benannt) und kleine Holzboote baut, ist von außen nicht eben hübsch. Etwas windschief stehen die drei alten Schuppen da. Dafür ist dann aber das, was sich dem Auge von Inneren zeigt, weit spannender. Eine Hobelbank, die einen phantastischen Ausblick auf die Bucht draußen bietet. Während der Meister also hobelt, kann er den Blick Sommer wie Winter schweifen lassen über die Bucht, wo zwischen den Felsbuckeln alle paar Tage vielleicht ein neuer Kunde auf seinem Boot aufkreuzt. Und den Bootsbauer um Rat, um Hilfe bittet.

In der Werkstatt gibt es nette Winkel. Zum Beispiel die Ecke mit den alten Werkzeugen, die noch genutzt werden. Den alten Handbohrern. Den Sägen. Den Zangenschlüsseln, die merkwürdig geformt sind, weil Bootsbauer Reidar Braatø – oder früher sein Vater Birger – eine Vorliebe für Zangenschlüssel aus amerikanischer Produktion zu haben scheinen. Der Plan eines Holzbootes – es ist das Holzboot, das alle hier segeln seit 60 Jahren, das, was mich hierher geführt hat, eine Kragerø-Terne, hängt in diesem Stilleben, als hätte es ein holländischer Meister genau an dieser Stelle hier in sein Bild gepinnt.

Eine Wand über der Werkstatt, an der nicht mehr genutztes Werkzeug hängt. Hobel. Handbohrer. Eine alte Schraubzwinge, von der man mindestens zwanzig bracht, um die frisch gehobelte Lärchenholzplanke an einem Bootsrumpf einer Terne zu befestigen. Nein, der Rundgang durch die Werkstatt von Reidar Braatø durch seine „Trebaatbyggerie“, seine Holzbootwerft berührt mich besonders. Zumal Reidar Braatø aus gesundheitlichen Gründen dabei ist, sich von all dem zu trennen.

Der 82jährige im Glashaus.

Es dauert eine Weile, bis man das „Glashuset“, den rundum verglasten Freisitz des 82jährigen auf dem Gipfel der Klippe erreicht. Jeder, der unten regelmäßig zwischen den Felsbuckeln vorbeisegelt, kennt das Glashuset. Es ist nicht groß: Vielleicht 10, 15 Quadratmeter. Nach drei Seiten hin ist es verglast und drinnen – steht nicht viel. Genau genommen gar nichts. Zwei gemütliche Korbstühle. Ein französisches Fernrohr von 1880, als noch Menschen, nicht Maschinen Linsen schliffen und ein Blick über die Weite der Bucht noch ein leibhaftiges Wunder war. Im leeren Kamin eine Handvoll weißer Kerzen. Zwei Buddelschiffe an der Wand. Und doch ist dieser Ort, den der 82jährige jeden Tag aufsucht, ein besonderer Ort. Ob man sich je an diesem Anblick sattsehen könnte? Ob man dessen je überdrüssig werden könnte? Ich weiß es nicht. Ich glaube es nicht.

Am schönsten sei es hier, zu übernachten, wenn im Winter der Sturm um das Glashuset heult, erzählt der Neffe des 82jährigen. Für sie als Kinder sei das immer ein großes Abenteuer gewesen. Es wäre auch für mich ein Abenteuer – noch heute. Noch in dieser Nacht unter der Holzdecke zu schlafen, die Meerblau gestrichen ist. Und mir vorstellen: Wie die Möwen im Sturm drumherum streichen.
























Das Geheimnis des alten Holzstadels.

Sie sieht aus von außen, wie Häuser, alte Stadel in Norwegen nun mal aussehen. Alt. Und sehr rot. Wenig deutet darauf hin, was einen erwartet, wenn man die alte Auffahrt, auf der die Fuhrwerke Heu transportierten, hinaufgeht. Und die Tür öffnet. Denn dann:

Eine Holzdecke, die ein Maler aus Dankbarkeit bemalte, weil der Großvater des jetzigen Besitzers ihn ein halbes Jahr in der Scheune wohnen ließ, irgendwann in den zwanziger Jahren. Und wiederum ist alles alt und schlicht und einfach. Vielleicht ist die Kunst zu Leben ähnlich wie die des Fotografierens: Eine Kunst, die darin besteht, zu reduzieren. Zu erkennen, was alles man weglassen könnte. Wegzulassen, was ein Bild stört. Weil es nicht das ist, worauf es ankommt.

Nein, es stimmt schon, was mein Freund Andal einst schrieb. „Kluge Menschen leben dort, wo ihre Sehnsüchte genährt werden.“

Wenn ich nun etwas sagen müsste über die fünf Tage und vier Nächte, die ich in Norwegen verbrachte, etwas, was diese Menschen den anderen Menschen Europas unbedingt mitteilen sollten, damit dies Europa ein interessanter Ort ist und keiner, den man abwählt, dann dies:

Die Geschichte, die mir Trond erzählte, aus seiner Kindheit. Als er zehn Jahre alt war, sagte seine Mutter zu ihm: „Nimm die große Motorkogg. Fahr über die Bucht. Und hol Deinen Vater vom Festland ab.“ Das ist fast 50 Jahre her. Trond hat es nicht vergessen. Mich beeindruckt, wie die Menschen, die ich kennenlernte, ihre Boote handhaben, was für ein fabelhafter Erzieher das Meer, die Natur sein kann, wenn man sie nur heranlässt. An sich.

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