Monatsarchive: November 2014

Karibische Geburtstagsparty in Portugal

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Liebe Leser,

gestern haben wir unsere “Maverick too” auf ihre Partytauglichkeit getestet und meinen 29. Geburtstag mit den Crews der Hamburger Yacht “Lilly-Marie” und den beiden französischen Yachten “Noordvaarder” und “Kalao” gefeiert. Cati und ich hatten erst ein wenig Sorge, ob acht Erwachsene und drei Kinder im Salon des kaum zehn Meter langen Bootes Platz finden würden. Aber mit einem Kinderspielzimmer im Vorschiff hat es dann gut geklappt. Da “Lilly-Marie” ebenfalls die Karibik als Ziel hat, haben wir der Geburtstagsfete ein Motto gegeben und eine karibische Nacht veranstaltet.

Als Hauptgericht gab es Roti – das eigentlich aus Indien kommt, aber in modifizierter Version als karibisches Fastfood dort an jeder Ecke zu bekommen ist. In der Basis handelt es sich dabei um einen Eintopf aus Hähnchenfleisch, normalen und Süßkartoffeln, Möhren und Erbsen. Das ganze mit viel Curry und Kurkuma gekocht und in einen Weizenfladen eingerollt. Zum Nachtisch gab es eine Eigenkreation: “Rum-Salad mit Obst”.

Es war ein wirklich einmaliger Geburtstag, den ich so schnell nicht vergessen werde. Tolle Menschen, deren Wege sich ganz zufällig vor Portugal gekreuzt haben. Vielen Dank an alle, die dabei mitgewirkt haben! ; )

Im Moment verfolgen wir hier sehr gespannt das Wettergeschehen und planen am Dienstagmorgen Segel zu setzen. Auf dem Atlantik weht es wieder etwas mehr, als wir gebrauchen können. Aber zumindest aus Norden. Wir können uns also auf eine Rauschefahrt einstellen.

 

Anlegen mit dem Auto


Eine der Nachwirkungen meiner langen Reise spüre ich noch bei jedem zweiten Einparken mit dem Auto. Auf den letzten Zentimetern der Parklücke (nicht am Strassenrand, aber immer wenn die Autos längs nebeneinander stehen wie in einer Box) will ich instinktiv aufstehen und die Leinen über die Pfähle legen. Es dauert dann jedesmal einen kurzen Moment bis mir der Irrtum klar wird  :-)

Der Segler im Winter: Wie der Segler über den Winter kommt.

 


„Ende November auf dem See ist nicht jedermanns Sache. Die Kälte auf dem Wasser geht durch Mark und Bein. Der Tee aus der Thermoskanne hilft nicht wirklich. Das Wasser des Sees, im Hochsommer Türkis, ist jetzt braun, fast schwarz und ganz unbewegt. Der See ist wie ein Moorsee und ein bisschen unheimlich. Trotzdem mag ich diese Jahreszeit auf dem Wasser. Das ganz Unbewegte. Die Stille. Kein Laut. Kein Lüftchen. Nur der Rauch der Laubfeuer, der am Ufer steht. YamYam ist meist das Vorletzte der 270 Boote, das aus dem Wasser kommt. Das gefällt mir. Trotz RAMSAR-Artenschutz-Abkommen. Auf dem Bild oben sieht man YamYam ganz hinten und mit gelegtem Mast. Da ist sie wirklich das letzte Boot. Der Rest: Stille und Schweigen.“

Im November 2007 schrieb ich diesen Text. Auf meinem ersten Blog. Und über mein erstes eigenes Boot. Es hieß YAMYAM. Nichts hat sich seitdem geändert. Der November, in dem ich geboren bin, ist ein trüber Monat. Die Boote kommen aus dem Wasser. Die letzte Runde, die ich auf YAMYAM dick eingepackt und mit gelegtem Mast auf dem See drehte, war vorbei. Unwiderruflich. Oft hatte ich das Gefühl: Es sei vorbei mit dem Segeln. Für immer. Unvorstellbar, dass es wieder Sommer werden würde. Segeln – das würde nie, nie wieder sein.

Der Segler im Winter: das ist schon ein eigenes Kapitel. Wie kommt der Segler über den Winter? Wenn man es sich nicht leisten mag, wegzugehen? Die Zuhause allein zu lassen? Thailand, Karibik oder die Kanaren für eine klägliche Woche charternd zu bereisen?

Ich habe das immer geschafft, in dem ich mich über den Winter mental mit dem Segeln beschäftigte. Am Boot arbeiten war ja nicht. Wegen der Kälte. Aber die Gedanken um das Segeln kreisen lassen. Deshalb das Eine: Wir werden auf MARE PIÙ ein Buch machen. Zusammen mit Seglern. Über ein Thema, das wir nächste Woche bekanntgeben werden. Ein Thema, um den Segler über den Winter zu bringen. Wenn Sie mehr Informationen über unser Buchprojekt möchten: Bitte rechts oben Ihre EMail unter „News & neue Artikel… “ eintragen. Und dann das nachfolgende FEEDBURNER-Sicherheits-Mail abwarten und bestätigen.

                                                                                                          Weiterlesen bei: Mare Piu macht ein Buch.
    
Das Andere: Den Winter habe ich immer geschafft mit EINEM besonders guten Buch. Ein Buch, das  über das Leben auf dem Meer schrieb. Ein Buch, das mit dem Segeln zu tun hatte. EIN Buch, das mich über den Winter gerettet hat. Buchstäblich. 

Jedes Jahr gab es davon eines. Ein einziges, das ich verschlungen habe. Und daraus ist dann meine persönliche Bestenliste geworden: BÜCHER, DIE MICH ÜBER DEN WINTER BRACHTEN. Ein höheres Lob kann ich einem Buch nicht aussprechen, als dass ein Buch war: das mich über den Winter brachte.

Das unten sind sie. Sie brachten mich über den Winter. Sie begleiten mich auf meiner Reise mit LEVJE. Sie sind immer an Bord. Die meisten kennt man. Ich werde jetzt, in loser Reihenfolge, meine Bestenliste, meine BÜCHER, DIE MICH ÜBER DEN WINTER BRACHTEN, vorstellen. Bis Weihnachten immer ein, zwei beschreiben. Und wenn das für Sie nützlich ist: dann freue ich mich, wenn Sie wie immer unten im Feld auf das „Tolle Geschichte…“ ein Häkchen setzen. Dann weiß ich, dass das auch Ihnen über den Winter hilft.


Beginnen wir ganz, ganz unten: 
1993 veröffentlichte Annie Proulx ihre SCHIFFSMELDUNGEN. 1995 habe ich es zum ersten Mal gelesen, und dann immer wieder. Das Buch beginnt – schrecklicher kann ein Buch nicht beginnen – mit einer fortgesetzten Reihe persönlicher Katastrophen: Fremd sein in der Familie, in die man geboren wird. Fremd sein an dem Ort, an dem man lebt. Arbeitslos. In eine vollkommen verzweifelte Beziehung hineinrutschen, Trennung, Tod, schreckliches Sterben. Die ersten 38 Seiten handeln nur von einem lebenslangen Absturz. In Raten. Die restlichen 360 Seiten? Die Geschichte einer Heilung. An einem Ort, an dem keiner von uns wirklich gerne leben wollte. Wo immer Winter ist. Aber wo Quoyle, der Held des Romans feststellt, dass er hingehört. Wo er Wurzeln schlägt. Und beginnt, über Schiffe zu schreiben. 


Rechts oben, ERIC TABARLY – Ein Seglerleben.
Ein Bildband. Über das Leben des französischen Seglers, der wirklich ein Ausnahmesegler war. Eine chronologische Sammlung von Fotos aus seinem Leben. Seine Liebe zu seiner PEN DUICK, die er von einem Schiff auf das andere übertrug. Seine Rastlosigkeit, was Ideen, Projekte, Reisen angeht. Ein ungewöhnliches Leben bis hinein in seinen Tod in der irischen See. Und: gerne gebe ich zu, dass ich dieses Buch immer um mich habe. Es steht, es liegt immer irgendwo, wo ich das Titelbild sehen kann. Damit es mich an etwas erinnert: Es zeigt Tabarly kurz nach dem Zieleinlauf eines Einhand-Transatlantik-Rennes. Erschöpft. Abgekämpft. Aber in seinem Blick, in seinen lachenden Augen liegt alles, was die Leidenschaft fürs Segeln ausmacht. Sein Blick sagt: „Ich habe da draußen gesehen, was noch keiner sah.“




Anmerkung:
Ich habe nicht geprüft, ob und wie diese Titel lieferbar sind. Sollten Sie das wünschen, werde ich in meiner Texte zur Bequemlichkeit aller Links einbauen, wo die Bücher erhältlich sind. Gerne mache ich das und bitte Sie um kurze Mitteilung an mich, wenn Sie als Leser das möchten.
For Tabarly: Special Thanks to Katja.




+++ Eilmeldung+++Bente wird gebaut++++

So. Wir haben es geschafft. Wir haben eine Werft gefunden. Auf der Boot und Fun in Berlin ist die Entscheidung gefallen. Wir haben nun eine Werft gefunden, die zunächst aus dem MockUp einen Prototypen baut und später dann die Serie. Hier noch schnell das Ende der Pressekonferenz. Näheres in den kommenden Tagen  

Michael wird 51 Jahre alt

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Fast schon reif fürs Altersheim

“Und wie fühlst Du Dich Micha?“ Jürgen ruft mal wieder vom Auto aus an. „Ja. Jürgen, schon dass Du an meinen Geburtstag denkst. Wie fühle ich mich? Scheiße.“ „Siehste Michael. Haben wir ja schon mal drüber gesprochen. Altwerden ist Scheiße. Das ganze Gedöns mit dem weise werden und junge Frauen mögen gestandene Männer mit grau melierten Haaren ist doch nur Humbuck.“ Jürgen gehört auch schon dazu, zu den erfahrenen Männern. „Zumindest geniest man jeden Tag in seinem Leben. Es könnte ja der letzte sein.“

Wir fahren auf die Ochseninseln. Der Weg allein ist schon eisig. Grade mal knapp vier Grad. Immer schon habe ich all die Menschen beneidet, die im Sommer Geburtstag haben, die in der Wärme feiern können. Alle frieren. Auch das Wasser der Förde geht nun stetig Richtung Gefriergrenze, aber die wird heute nicht zufrieren. Julian und ich haben gestern zwei Heizkörper in der MARLIN ausgetauscht, die von innen verrostet waren. Den Nachmittag verbringen wir mit der Entlüftung des System. Zu aller Freude. „Na ja. Ohne Heizung gar keine Freude“, sag ich nur. Die Trauerfeier beginnt um sechs im kleinen Kreise der Familie. Rüdiger, Partner von Olli, die Hausherren auf der Insel lassen uns Schwenkgrill und Restaurant mit Ofen nutzen. Es gibt Fleisch, gute kräftige Steaks, so wie damals in Südafrika. Damals eben.

Die Grill- und Segelsaison für Hartgesottenen ist damit eröffnet. Wer mal auf der MARLIN mitsegeln will, schaut hier. Schnuppersegeln 30.1.-1.2.2015

Doppelt an Bord

Gestern war ich nun nach knapp 5 Wochen auf meinem Boot. Ich hatte es fast fluchtartig ausräumen und verlassen müssen, da ich einen Miettransporter gebraucht habe um alles Gerödel von Bord zu schaffen. Mein Boot an Land auf dem Lagerbock sehend, fiel mir zunächst das letzte fürchterliche Winterlager in Großenbrode ein, in dem ich fast ununterbrochen am Boot unter der Plane gearbeitet habe um die Schäden am Sandwichlaminat des Decks zu reparieren. Doch als ich dann über die Leiter an Bord kam, drehte sich die Zeit ruckartig zurück und ich fühlte mich wieder wie mitten in meiner Reise. 

Jede Bewegung, jedes Festhalten, das genaue Kopfeinziehen beim Gang unter Deck, ja generell das Gefühl für den begrenzten Raum sind im Muskelgedächtnis noch so exakt gespeichert, das ich ich mich mit verbundenen Augen an Bord bewegen könnte ohne irgendwo anzustossen. So als wäre das Schiff ein Teil von mir geworden; bot es mir doch 160 Tage meinen, wenn auch beengten, Lebensraum.

Die Kaffeekanne stand noch herum, ein paar Konservendosen und Wasserflaschen sowie einige Bücher in den Schwalbennestern;als wäre ich nocn unterwegs. Ich nahm mir erst einmal einen Moment Zeit um meine Gefühle zu verarbeiten. Es war als gäbe es mich zweimal: Einmal der Reisende in seinem Boot, der ausser seinen paar Quadratmetern Raum nichts zum Glück braucht, immer weiterzieht und nach jedem Anlegen den Rest des Tages geniesst ohne auf die Uhr zu schauen. Aber gleichzeitig war ich auch der Angekommene mit seinem festen Wohnsitz, umgeben von Frau und Freunden. Mit neuen Plänen, Ideen und irgendwie ständig zuwenig Zeit um diese alle zu realisieren. Ich hätte schwören können, in diesem Augenblick kurz doppelt an Bord gewesen zu sein. Ein verrückter Augenblick!
Ich weiss nicht, ob es je gelingen kann und wird, beide Personen wieder in mir zu vereinen…